Pen & Paper - Spielsysteme > OD&D/AD&D/Klone & OSR
Rumpels dumme Fragen zur OSR
D. M_Athair:
--- Zitat von: Deep_Impact am 1.11.2016 | 09:28 ---Der Sinn war (damals) glaube ganz einfach, dass man wollte, dass die Charaktere maximal genretypisch sind. Ergo: Der Krieger ist maximal stark und der Magier maximal intelligent.
--- Ende Zitat ---
Würde ich ähnlich sehen. Anders gesagt: Die Bonus-XP sollen, wenn man entsprechend hohe Werte erwürfelt hat, einen Anreiz schaffen die Klasse zu nehmen, die am meisten von den hohen Werten profitiert.
In den Kontext gehört auch: Player Skill. Oder: Die Attribute sind v.a. Regelabstraktion und weniger Charakterdarstellungs-Hilfe.
Das heißt: Auch der Spieler eines weniger intelligenten Kriegers soll taktisch klug agieren. Und: Ein Charakterkonzept wie "der sprachbegabte Krieger" ist Unsinn. Ggf. wird ein hoher INT-Wert verschwendet und die Sprachgenies sind ohnehin die Halbmenschen.
Das andere ist: Die Attribute (mit einer Sonderrolle von CH) bringen jeweils der Klasse am meisten, die sie als Primärattribut hat. Eine Klasse zu spielen, deren höchter Wert nicht dort liegt, schwächt die Figur unnötig. GE beim Dieb hat die Funktion Rüstungsbeschränkungen ein wenig zu kompensieren.
--- Zitat von: Deep_Impact am 1.11.2016 | 09:28 ---Aus heutiger Sicht ist das natürlich maximaler Quark, weil es maximal weit von ausgewogenen Charakteren und Rollenspiel entfernt ist. Das sind die Anfänge unseres Hobbies aber vermutlich auch gewesen.
--- Ende Zitat ---
Würde ich nicht sagen. Die Bonus-XP sind vielleicht keine gute Lösung, aber sie bevorzugen die Kombination von hohem Wert und die Wahl der Klasse, die davon am meisten profitiert - ohne eine andere Wahl zu verbieten.
"Von Rollenspiel entfernt" ist ne Aussage, die nur als ödes Besserspieler-Dünkel einen Wert hat. Die gleiche Aussage kann ich in Bezug auf Storygames, Storytelling, DSA, Shadowrun, Freiform, ... auch behaupten. Was man als "von Rollenspiel entfernt wahrnimmt" hängt einzig und allein von individuellen Präferenzen ab.
Balancing in den Regeln (und zwischen den SC) ist allgemein nur wichtig, wenn das Spiel aktiv damit arbeitet. Das Balancing von altem D&D liegt in klar abgegrenzten Nischen in Form von Klassen. In dem Sinn kann man Point-Buy-Spielen oder Spiele mit weniger starken Klassengrenzen auch vorwerfen, ihr Balancing wäre schlecht. Kurz: Der Wert von Balancing ist ne Frage der Perspektive. (Mit den Rollen hat D&D 4 übrigens ne Art von Balancing, das an Basic D&D ziemlich nah dran ist.)
... was man bei der Betrachtung von old/basic D&D, den Klonen und z.T. auch bei OSR-Spielen nicht vergessen darf: Da steckt ein Wargaming-Mindset dahinter. Also eine bestimmte Mischung aus dem, was man vielleicht als Simulationsspiel und Herausforderungsspiel bezeichnen würde. Dazu gehört auch "Player Skill", was Immersionsspieler vielleicht als "Metagaming" bezeichnen würden. Andererseits ist das ne ganz andere Art von Metaspiel, als das, was üblicherweise damit gemeint wird.
Das wäre meine Einschätzung.
Und: Ja, ich mag die Bonus-XP auch nicht besonders.
Man hätte statt Bonus-XP gleich ins Buch schreiben sollen: "Wenn du einen außergewöhnlichen Wert in einem Attribut hast, dann nimm die passende Klasse dazu. Andernfalls schwächst du deine Figur." Die Bonus-XP versucht Spielerentscheidung über Regeln zu beeinflussen. Das hat ne ähnliche Qualität wie Out-Game-Probleme in game lösen zu wollen. Diese Art von "Fehlern" haben viele Regelsysteme. Gell, DSA, Shadowrun, Vampire, Cthulhu, ...
Der Rote Baron:
Das Ganze ist schnell und einfach erklärt, Rumpel.
1) Tatsächlich bilden die bonuserfahrungspunkte (+5%, +10%) genau das ab, was du vermutest: Wenn ich als Dieb sehr geschickt, als Kämpfer sehr stark, als Magier sehr intelligent usw. bin, dann fällt mir das Lernen udn das Verbessern meiner Fähigkeiten (=Stufenanstieg) leichter. Wer gut in etwas ist, wird auch schneller besser.
Das widerspricht "modernen" Herangehensweisen von wegen alle bekommen genau dasselbe, weil sonst einer weint/ aber er hat sich doch so angestrengt/ für ihn war's aber doch schwerer weil, er schwach/ doof/ ungeschickt ist/ usw. - als die Spiele entwickelt wurden (in den 70er) hat der Gewinner den Pokal bekommen und der Verlierer ... durfte bei nächsten Rennen wieder versuchen, schneller zu sein. Zudem: Sind deine Attribute schlecht, verlierst du sogar Erfahrung. Ja, die 70er - nicht "fair", nicht PC und alle rauchten ...
2) Die unterschiedlichen Fertigkeitswürfelmechaniken haben keine innere Logik, da sie aus unterschiedlichen Entstehungszeiten des Spiels kommen. Der Dieb wurde (nachdem D&D 1974 herauskam) 1975 hinzugefügt - mit Prozentwerten für die speziellen Diebesfähigkeiten, die sich dann pro Stufe steigern. Geräusche hören war aber schon als Fertigkeit eigeführt für alle Chrakaterklassen (auf 1W6-basis). Statt nun ein "Fertigkeitsystem" einzuführen beließ man es bei dem alten 1W6-Gewürfel für alle (und passte den Dieb an mit 16%-Sprüngen bei der Verbesserung), die anderen Diebesfähigkeiten sind aber nur für Diebe gedacht (und Assasine und Dieb-Akrobaten - je nachdem, was du spielst).
Steile Wände erklettern ohne Ausrüstung und (fast so) schnell wie eine Spinne kann nur der Dieb - auf den nächsten Baum kommt der Magier auch mit nem Geschicklichkeitswurf (oder auch einfach so). Hinter der Tür kann auch Sir Lanzelot unbemerkt stehen, sich nur im Schatten verstecken kann nur der Dieb.
Ansonsonsten kommt man halt mit Regelungen weiter: Du willst noch oben auf den Rücken des Monster springen? Okay, ...
a) klappt. Mach einen Angriffswurf! Das Vieh bekommt -2 auf seine Angriffe gegen dich.
b) mach einen Geschicklichkeitswurf! Wenn das Klappt +2 auf den TW und +4 auf Schaden.
c) mach mal ne Probe auf 1W6 - bei 1-2 klappt das. Geschicklichkeitsmod kannst du einrechnen. Wenn's klappt, doppelter Schaden (bin großzügig heute).
d) klappt. mach eine Stärkewurf, ob du dich auf dem bockenden Vieh halten kannst. Du kannst es angreifen,es dich aber nicht.
e) usw. usf.
Alles Regelungen, die nirgendwo stehen. Und alle sind völlig in Ordnung und fangen die Stimmung gut ein. Der Spieler sagt, was er machen will (ohne auf Talente oder Fertigkeiten zu starren), der SL überlegt, wie das im Spiel zu regeln ist - und das Spiel geht weiter.
Ein gängiges Vorurteil: "Ich kann ja gar nix - weder schleichen, noch Finten im Kampf, noch gut tanzen. Ich lauf nur doof durch das Abenteuer und klopp dumm auf Monstern rum." FALSCH! Man kann alles - man muss es nur machen. Und man läuft schlau durch's Abenteuer und kloppt klug auf Monstern rum!
Deep One:
EP-Bonus für hohe Attribute zieht seine Begründung aus LBB-OD&D. Damals gab z.B. hohe Stärke keinen Bonus auf Treffen oder Schaden, aber damit ein Kämpfer trotzdem was davon hatte, wenn sein Stärke-Wert hoch war, hat er halt +5% oder +10% auf EP bekommen. :) Und nachdem die Regel nun mal da war, hat man sie eben im Spiel gelassen. :D
Antariuk:
--- Zitat von: Deep One am 1.11.2016 | 10:29 ---Und nachdem die Regel nun mal da war, hat man sie eben im Spiel gelassen. :D
--- Ende Zitat ---
Den Satz sollte man einrahmen, das ist für viele Editionen und OSRs leider nur zu wahr.
Achamanian:
Danke, das mit den Bonus-XP leuchtet mir jetzt halbwegs ... wenn man dazu noch diese Erklärung nimmt:
--- Zitat von: Deep One am 1.11.2016 | 10:29 ---EP-Bonus für hohe Attribute zieht seine Begründung aus LBB-OD&D. Damals gab z.B. hohe Stärke keinen Bonus auf Treffen oder Schaden, aber damit ein Kämpfer trotzdem was davon hatte, wenn sein Stärke-Wert hoch war, hat er halt +5% oder +10% auf EP bekommen. :) Und nachdem die Regel nun mal da war, hat man sie eben im Spiel gelassen. :D
--- Ende Zitat ---
kommt es mir so vor, als waren die Bonus-XP ursprünglich mal so was wie XP für "gutes Rollenspiel(TM)". Die Eigenschaftswerte waren dann wohl eher Fluff ohne stark im Regelsystem verankerte Auswirkungen, aber man wurde als Spieler belohnt, wenn man eine "rollengerechte" Kombination aus Werten und Klasse wählte. Stimmt so etwa?
Wäre ich so jetzt nicht drauf gekommen. Begeistern tut mich so eine Regel jetzt trotzdem nicht gerade (eher um so weniger ...), aber interessant ist das schon.
@Roter Baron:
Was Rulings sind, musst du mir nicht erklären, ganz so blöd bin ich auch nicht. Ich kann auch nicht erkennen, wo ich mich im Eingangspost über diesen Aspekt der OSR beschwert hätte (im Gegenteil empfinde ich das eher als eines ihrer attraktiven Elemente) ... abgesehen kannst du deinen nervigen Anti-PC-Kreuzzug bitte draußen vor der Tür lassen, wenn du in meinen Thread kommst. Danke.
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