„… Es tut jedenfalls total gut, Deine Stimme zu hören!“, sagt Zoe in den Telefonhörer.
„Ja, klar. Ebenso“, sagt Kylah, „Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, so bald von Dir zu hören. Noch dazu einfach per Anruf!“
Sie hat gerade lautstark ihre Umgebung aufgefordert, die Schnauzen zu halten,
Zoe rufe sie an, und jetzt entfernt sich Kylah gerade von der schrabbeligen Mucke. Sie muss wohl auf irgendeinem Zusammensitzen von Blutsgeschwister-Punks sein.
„Wieso bald? Ist doch schon Wochen her, dass wir in Bennington waren!“, sagt Zoe.
„Ja, aber hätte ja auch sein können, dass die Dich monatelang verschwinden lassen, da in Kalifornien. So von wegen, Ausbildung und so. Einweihung in die Stammesbräuche.“
„Hier scheint die Meinung vorzuherrschen, dass man den Kontakt zu den Menschen nicht gänzlich verlieren darf. Und mein Apartment hat ja ein Telefon.“
„Jetzt erklär' mal genauer: Wieso bist Du da rausgeflogen …?“
„Also, ich bin nicht wirklich
rausgeflogen. Die Ranghöheren haben nur gesagt, ich bräuchte mal eine Weile Abstand, das würde mir jetzt guttun und so.“
„Und darum wohnst Du jetzt in dieser Butze da, in San Fran'? Etwa alleine?“
„Eigentlich ist das hier ein bisschen wie in meiner Wohnung daheim in Detroit. Klein, aber mein.“
„Bäh, die Gerümpelbude mit den scheußlichen Tapeten? Das war ja nicht viel mehr als ein Fernsehzimmer mit Schlafecke und Kochnische!“
„Höh? So hast Du Dich damals aber nicht ausgedrückt! Ich dachte, Du warst gern bei mir!“
„Ja, war ich ja auch. Aber ich hatte ja auch irgendwie mal keine Wahl! Hatte ja der Stamm gesagt, dass ich auf Dich Acht geben musste! Na, und so wohnst Du jetzt auch wieder, oder was?“
„So ziemlich. Die Septe hat ein paar Apartments, die ihren Blutsgeschwistern gehören, die sind dann am Start für Fälle wie mich.“
„So
Problemfälle! Die man
rausschmeißen muss!“
„Nee, Quatsch. Alle in der Septe lieben mich. Ich hab' kurz vor Weihnachten was für die hingekriegt …“
„Echt mal? Was'n, erzähl!“
„Nee, darf ich nicht am Telefon. Die haben zwar gesagt, die Leitung hier ist relativ unbedenklich, aber ich soll keine Missions-Details am Telefon erzählen.“
„Hätte ich zu gern gewusst.“
„Ich erzähl's Dir live, wenn wir uns mal wiedersehen. So Galliard-mäßig.“
„Was soll das denn heißen? Außerdem dachte ich, Du bist'n Ahroun.“
„Ja. Na, im Sinne von mündliche Überlieferung. … Ich schätze, ich hab' schon angefangen zu quatschen wie die es tun.“
„Das musst Du aber auch. Aber was hast Du verbockt, so dass die Dich nach San Fran' ausquartieren?“
„Äh, könnte sein, dass ich mich ein paarmal ein klein bisschen im Ton vergriffen habe. Ein klitzekleines bisschen.“
„Das überrascht mich nicht besonders“, kommentiert Kylah nüchtern, „Du bist'n ziemliches Großmaul, Zoe. Warste schon vor Deinem Ersten Wandel.“
„Und könnte außerdem sein, dass ich ein kleines bisschen die Kontrolle verloren hab', bei einer Gelegenheit.“
„Oh, nein!“
„… Eigentlich bei zwei Gelegenheiten. … So in Anwesenheit der Ältesten und alles.“
„Uuuh, cringe!“
„Ja … und die sind ja alle so mit Gewaltfreiheit wann immer es nur geht und so, weißt Du …“
„Ja, aber hä? Du kannst da doch nichts für, wenn Vollmond ist, drehen Leute wie Du halt durch!“
„Das hab' ich ja auch gesagt! Aber die Philodox meinten, ich müsse an meiner Selbstbeherrschung arbeiten, und es sei vielleicht alles ein wenig zu viel gewesen für mich letztlich. Und dass ich ein paar Nächte lang etwas Abstand bräuchte! Immerhin haben sie von 'nem Strafritus abgesehen. Einer von den älteren Spießern hatte da Bock drauf, glaube ich. Aber der hat sich nicht so richtig durchgesetzt.“
„Das ist doch total gefährlich, Dich allein in der Stadt rumlaufen zu lassen! Wenn keiner auf Dich aufpasst und so!“, sagt Kylah vorwurfsvoll.
„Ich lauf' ja auch gar nicht großartig rum in der Stadt. Hab' Ausgangssperre wegen möglicher Suchanzeige. Blutsgeschwister kaufen für mich ein. Mir fällt seit drei Nächten die Decke auf den Kopf.“
„Dann ist das doch voll der Quatsch, Dich unter Menschen zu schicken, wenn Du andererseits gar nicht raus darfst!“
„Die Blutsgeschwister nehmen mich heute Nacht mit raus. Damit ich San Fran' besser kennenlerne und so, die zeigen mir die ganzen Insider-Tipps, die man als Touri nicht zu sehen kriegt. … Aber eigentlich ist es ein bisschen wie als würden die mit mir Gassi gehen.“
„Das geschieht Dir recht!“, kichert Kylah amüsiert, „Ich kann mir das ganz gut vorstellen, wie Du da Gassi geführt wirst. Hoffentlich mit Maulkorb-Leine, ja?“
„Ha, ha.“
„Na, und wie lernst Du jetzt das mit der Selbstbeherrschung? Musst Du jetzt in Deiner neuen Butze tiefenenspannte Filme gucken? Haha, meinetwegen auch tiefenentspannte Filme aus den 80ern!“
„Ich kann überhaupt nicht mehr stundenlang irgendwas gucken, das Flimmern macht mich total aggressiv!“
„Na, dann bringt das wohl nix.“
„Die haben hier so Leute von der Friedensbewegung am Start, die bieten so Trainings an. So für Normalos eigentlich, aber manchmal speziell für Blutsgeschwister und Garou. Meditation, Gewaltfreie Kommunikation, alles.“
„Dann kann die Welt ja nur hoffen, dass das was bringt, bevor Du wieder jemandem die Nase abbeißt!“
„Du lachst“, sagt Zoe mürrisch, „Das war ein Albtraum. Buchstäblich, Kylah. Ich wache immer noch manchmal auf und bilde mir ein, diesen Blutgeschmack im Mund zu haben.“
„Voll eklig!“
„Nee, das ist ja das Schlimmste daran: Das
schmeckt großartig“, und Zoe bemerkt, wie ihre Stimme unwillkürlich wieder tief und kratzig geworden ist, und schnell räuspert sie sich, bis das wieder weggeht.
„Passen die denn wirklich gut auf Dich auf? So diese Mirabelle und Elliot und die?“
„Mirabelle und Elliot sind mittlerweile schon zurück zur Ostküste. Mirabelle hat da ja ihr Rudel geparkt, die musste zu dem zurück, und Elliot gehört zu der Insel. Ich hab' hier schon neue Freunde. Nur Du fehlst!“
„Ja, ja“, sagt Kylah, ihre Stimme klingt, als würde sie wahrscheinlich wirklich glauben, derartige Sympathiebekundungen könnten nur Verarsche sein.
„… Wie geht’s eigentlich Mitch, und Jasmine und Ellen? Vermissen mich alle an der Schule, oder was?“
„Keine Ahnung, was in Deiner Klasse alles geredet wird. Soll ich das mal auschecken?“
„… Würdest Du?“
„Ja, klar! Wozu hast Du mich!“
„Äh, oh, na gut. Ja, würde mich interessieren. Danke!“
„Wir können ja demnächst mal wieder telefonieren, dann berichte ich.“
„Und wie geht’s mit Deinen Leuten? Shady Sabina und alle, geht’s denen gut? Was ist mit Simon …? Knutscht Ihr schon, oder was?“
„Zoe! Du bist ein freches Stück. Du hast doch überhaupt keine Ahnung.“
„Stimmt. Entschuldige. Ich konnt' mich nicht zurückhalten.“
„Ja, ja“, sagt Kylah wissend, „Das ist ja generell Dein Problem, was …?“
☀
Soundtrack: Blue Man Group,
Club Nowherehttps://www.youtube.com/watch?v=N4LuYVGciE4Das stimmt leider. Zoe war mitten in ihrer Ahnenrecherche gewesen, in der Septe des Westlichen Auges, als kurz nach der Jahreswende der Januar-Vollmond mit seinem viel zu hellen Licht ihren Gesichtsverlust mit sich gebracht hat. Ihre Großtante Leopolda maßregelt sie seitdem. Es ist schrecklich: Die Unsichtbare scheint geradezu auf nächtlicher Basis nach ihr zu sehen! Sie macht sich nach wie vor als scheinbares Selbstgespräch bemerkbar, oder mittlerweile auch als Kurzvision. Manchmal ist es nur ein rügender Blick, den sie Zoe zuwirft, mit ihrem verbliebenen Auge, denn das andere ist ja von der Augenklappe verdeckt. Zoe weiß mittlerweile, dass Leopolda die Tante ihres Großvaters Elias war, und dadurch keine direkte Vorfahrin. Die Galliards sagen aber, es kommt schon vor, dass Geister des Stammes sich für lebende Nachkommen interessieren, auch ohne unmittelbare Abstammung. Leopolda hatte auch keine eigenen Garou-Kinder. Zoe hat ein Foto gezeigt bekommen, und die Familienähnlichkeit ist tatsächlich verblüffend. Leopolda sah beinahe aus wie eine ältere, einäugige Zoe Matherson, nur eben als Veteranin. Und altmodisch gekleidet war sie, wie es sich für eine Großindustriellen-Erbin gehörte. Auf dem Foto sieht sie nicht nach 1950 aus, sondern eher nach 1900! Aber wahrscheinlich hatte Großtante Leopolda zeitlebens ein ähnliches Faible für altmodische Sachen, wie Zoe es heute hat, auf ihre eigene Weise.
Die Galliards haben absolut faszinierende Gedächtnisse, wie Zoe in der Septe des Westlichen Auges herausgefunden hat: Sie kennen Lieder und Heldensagen von Stammesmitgliedern der letzten paar Generationen, und aus der ferneren Vergangenheit, und ganz bis zurück ins Zeitalter der Phönizier, als der Stamm sich begründet hat! Es stimmt auch hier, was die Malgrimov-Kids Zoe erklärt hatten: Da es kaum schriftliche Aufzeichnungen gibt über die Stammesgeschichte, hält eine Tradition mündlicher Überlieferungen alles Wissen am Leben. Die Zunft der Galliards scheint dies sehr ernst zu nehmen. Einige wenige der Geschichten gehen bis zurück auf etwas, das die Galliards ‚die Erstzeiten‘ nennen, und Zoe geht ehrfurchtsvoll davon aus, dass damit wohl die Steinzeit gemeint sein muss.
Aus dieser Zeit stammt auch das bisschen Wissen, das über ihre mythische Vorfahrin namens Nir'Kh'Ulha Seeks-For-Roots-In-The-Land-Beyond überliefert ist. Zoe erinnert sich lebhaft an den Traum von ihr, kurz vor ihrem Ersten Wandel.
Über ihre mittelalterliche Vorfahrin Irmhild weiß sie bisher nur, dass sie bei den Fenrir ihr Rudel und ihr Gesicht verloren hatte, um die Erinnerung an eine bestimmte Stätte auf dem europäischen Festland zu bewahren, in der Zeit als die Christianisierung eigentlich schon abgeschlossen war. Irmhild ist nach längeren Irrfahrten als Stammeslose schließlich in den Stamm der Kinder Gaias aufgenommen worden, und bezeichnet sozusagen dadurch den Wendepunkt für Zoes direkte Blutlinie. (Wenn jemand noch mehr Details beisteuern kann über Irmhilds Vorgeschichte bei den Fenrir, dann sind das wahrscheinlich nur deren Skalden, drüben in Europa.)
Irmhild manifestiert sich einmal erneut, zwischen den Jahren, kurz vor Sylvester. Zoe marschiert an diesem Abend mit ungewohnter Körperhaltung durch das Versammlungsareal, ein wenig soldatisch, aber gleichzeitig auch ein wenig linkisch, und fragt mehrere Garou nach dem Weg zum Fechtplatz. Sie wolle ihren Schwertarm trainieren. Die Antwort, dass es in diesem Caern keinen Fechtplatz gebe, kann sie nicht recht glauben.
Niemand aus Zoes persönlichem Stammbaum jedoch macht sich so direkt bemerkbar wie Urgroßtante Leopolda. Die Galliards und Theurgen versichern Zoe, dass sich weitere Vorfahren beizeiten manifestieren würden um ihr beizustehen, so wie Irmhild es bei der Malgrimov-Villa und zwischen den Jahren getan hatte.
Insgesamt versuchen die Ranghöheren Zoe nicht das Gefühl zu geben, dass sie besonders wertvoll für den Stamm sein könnte, wegen der Verbindung zu so vielen Stammeshelden der Vergangenheit und ihrer spürbaren Reinblütigkeit. Derartige Bevorzugung ist strikt gegen den Ethos der Kinder Gaias — alle sind gleich wertvoll. Dennoch scheint man aufgrund dessen von Zoe einiges zu erwarten … und war deswegen umso empörter, dass sie in den vergangenen Wochen ein paarmal derart die Beherrschung verloren hat. Rebellentum und das Hinterfragen von Etiketten haben durchaus ihren Platz bei den Werwölfen, und gerade bei den Kindern Gaias — aber andererseits ist die Septe des Westlichen Auges nun mal das politische Machtzentrum des Stammes an der ganzen Westküste, und viel hängt davon ab, dass das Gefüge hier halbwegs reibungslos funktioniert ...
Die Merryweather-Halbschwestern, Deborah und HannaDie Merryweathers, Hanna und Deborah, holen an diesem Spätabend also Zoe wieder aus ihrem langweiligen Kämmerlein ab. Zoe ist ein bisschen nervös, als sie an der Haustür klingeln. Sie hat beide schon mal drüben im Caern gesehen, aber weiß nicht, wie sie jetzt ihr gegenüber eingestellt sind: Wollen die beiden ihr wirklich nur helfen, oder sollen sie die Neue im Auftrag der Septe ein kleines bisschen überwachen …?
Hanna ist schmal mit langen, blassrosa Haaren, und wirkt gleichzeitig drahtig und ein bisschen zerbrechlich. Ihr Blick ist üblicherweise tiefgründig und empathisch. Deborah ist größer und athletischer, mit quietschgelb und orange gefärbten Zottelhaaren, vergleichsweise wortkarg, aber voller stolzem Selbstvertrauen. Sie ist ein Ahroun, wie Zoe.
„Äh, wollt Ihr irgendwas trinken? Ich hab' mittlerweile rausgekriegt, wo alles steht, in der Küche.“
„Au ja, heißen Chai-Tee!“, sagt Hanna.
„Hanna findet es kalt draußen“, kommentiert Deborah belustigt.
„Und Deborah hat kein richtiges Kälteempfinden mehr, die ist abgehärtet vom Leben draußen unter den Bäumen, im Caern“, erklärt Hanna munter, „Aber ich, ich muss ja die Hälfte der Zeit in der Stadt sein, Unterricht und Jobben und so. Da verweichlicht ein Mensch ganz schnell.“
Hanna geht Zoe ungefragt beim Teekochen zur Hand, sie ist offensichtlich ziemlich besorgt um die Neue. Sie sagt angelegentlich, sie habe es sich zur Aufgabe gemacht, sie unter ihre Fittiche zu nehmen, so gut sie könne. Sie ist Deborahs Blutsschwester (und nicht nur im mystischen Sinne, denn diese beiden sind tatsächlich auch Halbschwestern). Deborah ist eine Garou aus der Septe, und hat gerade den Fostern-Rang erreicht, steht also über Zoe in der Rangordnung. Bisher aber hat Deborah überhaupt nicht versucht, Zoe irgendwelche Alpha-Ansagen zu machen (wie Mirabelle gelegentlich geglaubt hat, es gewohnheitsmäßig tun zu müssen). Eigentlich ist sie mehr passiv. Beide Schwestern laufen auch heute wieder herum wie die allerletzten Gammel-Hippies, in den Survival-Klamotten, die sie auch im Caern tragen. Ihre Gesellschaft ist erfrischend (aber was heißt das schon, wenn man wie Zoe aus dem Caern vorläufig in eine langweilige Stadtwohnung ausgewildert wurde).
„… Du kannst bestimmt bald zurückkommen“, sagt Hanna als sie den Tee trinken, „Song-Tongue's Vorderlauf ist schon wieder fast verheilt.“
„Das ist gut“, sagt Zoe zerknirscht, „Ich wollte ihn wirklich nicht beißen …“
„Das wissen wir ja alle. Eigentlich war das Ganze vor allem unglückliches Timing. Wahrscheinlich wäre das alles viel glimpflicher gelaufen, wenn in der Nacht die Ältesten aus Peru nicht gerade da gewesen wären.“
„Na klasse. Ich bin der Stolperstein der internationalen Zusammenarbeit“, sagt Zoe.
„Die Riten sind ja trotzdem alle gelungen“, beschwichtigt Hanna, sie klingt irgendwie immer mitfühlend.
„… Wie geht’s denn meinem blässlichen aristokratischen Mitstreiter?“, will Zoe wissen, als sie sich kurz darauf abmarschbereit machen und sie ihren Wintermantel überwirft.
„Brütet über seinen Büchern!“, grinst Deborah, „Der weiß immer noch nicht, wohin seine Reise gehen soll, da drauf würde ich wetten!“
„Wieso eigentlich Reise? Ich dachte, der ist so eine Art politischer Gesandter von den Silberfängen oder irgendsowas!“
Hanna macht große Augen: „Das weißt Du gar nicht? Ihr wart doch gemeinsam unterwegs auf Carmens Mission im Dezember!“
„Ja, aber er hat mir fast nichts über sich erzählt. Entweder ist er mehr so der introvertierte Typ, oder meine Schnauze hat ihm nicht gepasst!“
Hanna sagt, „Der residiert hier in unserem Caern seit der Versammlung, Mitte Dezember. Der ist vermutlich unsicher, wo er mit seiner auferlegten Suche weitermachen will in seinem Exil.“
„Exil?!“, fragt Zoe, „Dann haben die Adeligen den rausgeschmissen?“
„Nicht aus dem Stamm, nur aus dem Caern des Sichelmonds“, sagt Hanna.
„Möglicherweise muss der sich neu beweisen, bevor sie ihn zurücknehmen“, sagt Deborah dazu, „sowas wäre für die Silberfänge nicht untypisch. Zumindest nach allem, was ich über die weiß.“
„Wieder etwas, worin der und ich uns ähneln“, sagt Zoe, als sie hinter den dreien die Apartmenttür abschließt.
Hanna sagt tröstend, „Aber Zoe!
Du bist doch nicht verbannt! Du bist nur hier, um Abstand zu bekommen!“
„Ja, klaro, alles zu meinem Besten!“, knurrt sie.
☀
Sie sehen sich also das nächtliche San Francisco an. Am allerbesten gefällt Zoe die Yoda-Statue im malerischen Stadtteil Presidio. Deborah behauptet, bereits mit Meister Yoda geredet zu haben: Wenn man in die städtische Penumbra wechselt und ihm Chiminage darbringt, könne man dies schaffen. Sie sollten dies aber nicht jetzt versuchen, weil Hanna davon ausgeschlossen würde, die ja nicht Seitwärts Wechseln kann.
„Was hat er denn zu Dir gesagt?“, fragt Zoe neugierig.
„Na ja, er ist eine kommerzielle Legende, davon kann er sich nicht lösen. Er sagt sehr oft, ‚Möge die Macht mit Dir sein‘ und so. Und trotz all seiner Weisheit will er dennoch insgeheim, dass man Star-Wars-Krempel kauft.“
Zoe lächelt die Yoda-Statue an, und bildet sich ein, dass er ihr ganz kurz zublinzelt.
„… Geh'n wir zu O'Tolley's?“, fragt plötzlich Deborah in ihrer nachdenklichen Stimme, scheinbar aus einer Laune heraus.
„Ih, Billo-Burger essen?!“, fragt Zoe, etwas ungläubig, „Ich hätte gedacht, Leute wie Ihr würden da nicht mal in ihren schlimmsten Fieberträumen rein gehen!“
„Deborah will da auch nicht essen“, erklärt Hanna in ihrem gewohnt geduldigen Tonfall, „Nur nach dem Rechten sehen. Heute könnte es soweit sein …“
Die Garou nickt, „Die Filiale in der Barry arbeitet ist nicht weit weg von hier!“
„Du darfst aber keine Hetzjagd anfangen, Deborah“, mahnt Hanna.
„Geht klar. Zoe, hast Du Bock?“
„Weiß nicht. Ich darf mich ja vorerst nicht unter Leuten blicken lassen. Wegen dem scheiß Agent Blain und denen. Und O'Tolleys-Filialen sind doch auch nachtsüber meistens ziemlich voll …“
„Wir gehen ja auch nicht vorne rein“, erklärt Hanna gelassen, „Wir wollen auf den Hinterhof.“
„Und was soll das heißen, Hetzjagd?“, will Zoe wissen, aber Hanna hat schon ihr Telefon gezückt, und ruft jemanden an, offensichtlich diesen Barry.