Es gibt natürlich eine eigene Linie der Mittelalterromantik im deutschsprachigen Raum. Ich sage hier nur Wagner und Ludwig II als populäre Beispiele.
Das hat aber weder mit RPG, noch mit den Märkten was zu tun.

Beides kam aus den USA rüber - und beides wurzelt eben in der Hollywood-Darstellung von dem, was die Amis als "Medieval" definieren. Was Wagner beigesteuert hat, waren die Flügelhelme.

Worum es aber eigentlich geht, ist die Definition von 08/15-Fäntelalter und wie das aussieht - und
das ist eben US-geformt, vor allem von D&D. Da haben wir edwardianische Fachwerkbauten in den Städten, gotische Vollharnische und moderne Gemischtwarenläden. Dafür fehlt der Feudalismus, die Leibeigenschaft und die politische Macht der Kirche. Und wir haben eine sehr weltoffene Gesellschaft, selbst in irgendwelchen Dörfern (sonst würden Elfen oder Zwerge in jedem zweiten Dorf mit Mist beworfen).
IMHO kann man bessere, in sich konsistente Settings bauen, indem man auf viele Elemente
verzichtet. Indem man sich z.B. mal auf ein Tech-Level festlegt. Das kann durchaus realweltlich breit sein, aber man sollte sich mal Gedanken machen, was für Auswirkungen ein Artificer denn auf eine hochmittelalterliche Gesellschaft hätte.
Oder wie Religion nun genau funktioniert und welche politische Macht sie hat.
Ein Problem der Kitchen Sinks ist IMHO auch, dass sie zumeist von vielen Autoren mitgeschrieben werden. Und viele Köche verderben den Brei. Jeder will was beisteuern - aber niemand überlegt sich die Auswirkungen auf den Rest.