Hi!
Bin nun auch stolzer Besitzer von Barbaren und möchte ein paar Eindrücke loswerden. Ist hier der richtige Thread dazu? Falls nicht, bitte verschieben.
Das Ding liest sich sehr schön runter und man merkt dem Autor an, dass er eine in jahrelangen Forenfehden gestählte Schreibweise an den Tag legen kann. Die Pointensicherheit ist respektabel. Ich komme ja schwerpunktmäßig aus der DSA-Ecke, vor dem Hintergrund sind folgende Anmerkungen zu lesen.
- Das Thema ist rasiermesserscharf getroffen. Es gibt keinen unnötigen Blabla-Text.
- Die Regelmechanik ist souverän und hat das perfekte Gewicht. Sie ist eingängig und nervt nicht. Sie ist klar und wohl auch klar vermittelbar.
- Die Illustrationen sind sehr schick.
- Die Gratwanderung zwischen völlig unwitzig und bemüht auf der einen Seite und saupeinlich auf der anderen muss megaschwer gewesen sein: sie wurde absolut gemeistert, man tanzt genau in der Mitte im schmalen Bereich von "hier kann ich an Bord kommen - das Geschriebene ist gewagt und cool". Mir gefällt beispielsweise, dass Frauen nicht vergewaltigt werden können. Das war ein Knackpunkt, dem ich skeptisch entgegengeblättert habe, und bin nicht enttäuscht worden. Gut so!
Was mich anfangs sehr irritiert hat: Ich bin ja von DSA gewohnt, dass man mit jedem Rollenspielwerk (egal ob zu Waffenwerten, zu winzigen Baronien im Hinterkosch oder zur lange vergessenen maraskanischen Siebdrucktechnik während der Dunklen Zeiten) ein monumentales Buch in die Hand gedrückt bekommt, das so schwer, groß und seitenstark ist, dass man damit nötigenfalls den Lanzenstoß eines mit 65 Kilo Vollplatte ausgestatteten anrasenden Ritters parieren könnte. Und zwar locker. Der Ritter würde sozusagen zerschellen, heulen, und mindestens die Lanze müsste er wegschmeißen. Das Barbarenregelwerk kannte ich schon von der Wilde-Lande-Homepage und wäre nie auf die Idee gekommen, dass es sich dabei eher um so ein kleines Heftchen im Comicformat handelt. Und wirklich viel Text ist ja nun auch nicht drin. Nun grüble ich, was ich davon halten soll. Hmhm. Da mich die Preisliga "Minimum 30 Euro für jeden Scheißdreck" schon lange ärgert, bin ich davon eigentlich positiv eingenommen.
Ich bin weiterhin der Meinung, "Geil" und "Aggro" sind sprachliche Fehler und müssen mindestens sauber substantiviert "Geilheit" und "Aggressivität" heißen. Sonst kann man sie einfach in keinen deutschen Satz einbauen. Diese Begriffe empfand ich an der zentralen Stelle schon als sperrigen Ausrutscher, der mich gestört hat.
Wenn ich nach dem ersten Durchlesen schon eine Bewertung vornehmen müsste, dann möchte ich
von 10 möglichen Punkten gerne...
insgesamt
10 Punkte vergeben.
Gratulation!
Und in diesen zehn Punkten befindet sich nur ein geringer Hauch der grundsätzlichen Unterstützung für ein ambitioniertes Projekt.
Sonderlob (bzw. basses Erstaunen): Besonders vortrefflich ist die abstrakte Art des Produkts: Die vorhandene Lücke am Markt wurde erkannt und mit Professionalität ausgenutzt. Ich glaube, dass dieses Büchlein wirklich viele Zielgruppenkäufer anspricht, die noch ein paar Kröten zu verschießen haben. Man sieht es, blättert rein, schmunzelt und sackt es ein. Top! Hut ab ganz besonders vor diesem Meta-Instinkt, ich prophezeie einen guten Verkaufserfolg.
Und wenn mal wieder was von dir kommt, dann kauf ichs.

Nun bin ich mal gespannt, ob wir es auch tatsächlich spielen. Schwören kann ich, dass das Büchlein durch viele Hände wandern wird, magnetisch, wie es eben ist.
In diesem Sinne: Gute Arbeit + Hail and Kill!