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Autor Thema: Die wirtschaftliche Lage von Rollenspielverlagen  (Gelesen 12724 mal)
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Kinshasa Beatboy
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« Antworten #225 am: 16.03.2009 | 10:39 »

Naja, aber das macht die obige Kalkulation schon wieder komplizierter. Für jedes neue "Eisen" habe ich ja wieder erstmal Produktionskosten und Kapitalbindung...
Dafür reduzieren sich die Personalkosten erheblich. Ich glaube nämlich zum Beispiel nicht, dass Grasi mit seinen Büchern massig Kohle anhäufen will. Nach meinem Eindruck freut er sich einfach, wenn andere Leute sein Zeug cool finden und verzichtet auf irrwitzige Prozente am Verkauf. Und dann rechnet sich das vielleicht für einen Verlag wieder. Kann (nicht nur) ich kaum beurteilen.
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nemo

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« Antworten #226 am: 16.03.2009 | 11:12 »

Zitat
Dafür reduzieren sich die Personalkosten erheblich. Ich glaube nämlich zum Beispiel nicht, dass Grasi mit seinen Büchern massig Kohle anhäufen will. Nach meinem Eindruck freut er sich einfach, wenn andere Leute sein Zeug cool finden und verzichtet auf irrwitzige Prozente am Verkauf. Und dann rechnet sich das vielleicht für einen Verlag wieder. Kann (nicht nur) ich kaum beurteilen.
Klar, zu sehen, dass seine Spielideen angenommen werden, ist unbezahlbar. Smiley
Ich habe trotzdem schon ein paar Euro mit RATTEN! verdient (hat sich ja auch erstaunlich gut verkauft), aber das steht zu keinem Verhältnis mit der Arbeit, die ich damit hatte und noch habe. Aber es ist schon so, dass die Personalkosten besser verteilt werden können, wenn ein Verlag mehrere Produktreihen hat. Man darf auch nicht vergessen, dass Rollenspielautoren, Layouter, Lektoren eher aus idealistischen Gründen arbeiten und oftmals nur einen Hungerlohn bekommen. 
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ChaosAptom
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ChaosAptom

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« Antworten #227 am: 16.03.2009 | 11:57 »

13Mann produziert in 300er Auflagen.
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Ivy Besson

« Antworten #228 am: 16.03.2009 | 20:59 »

ChaosAptom: Buchpreisbindung ist nochmal ne ganz andere Chose. Trotzdem scheint es den Rollenspiel-Anbietern nicht mehr möglich, ihre Spiele als Spiele anzubieten, für die die Buchpreisbindung nicht gilt.

Das liegt daran, dass sie gar nicht drumrum kommen. Denn: Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch. Und auch es in einen Karton zu stecken, hilft nicht gegen das Gesetz.

Zitat
Buchpreisbindungsgesetz § 2
Anwendungsbereich
(1) Bücher im Sinne dieses Gesetzes sind auch

   1. Musiknoten,

   2. kartographische Produkte,

   3. Produkte, die Bücher, Musiknoten oder kartographische Produkte reproduzieren oder substituieren und bei Würdigung der Gesamtumstände als überwiegend verlags- oder buchhandelstypisch anzusehen sind sowie

   4. kombinierte Objekte, bei denen eines der genannten Erzeugnisse die Hauptsache bildet.

(2) Fremdsprachige Bücher fallen nur dann unter dieses Gesetz, wenn sie überwiegend für den Absatz in Deutschland bestimmt sind.

(3) Letztabnehmer im Sinne dieses Gesetzes ist, wer Bücher zu anderen Zwecken als dem Weiterverkauf erwirbt.

Außerdem können sie heilfroh sein, dass der Händler den Preis nicht machen darf. Denn sonst würde er ihnen auch so viel Sortimenter-Rabatt aus dem Kreuz leiern, dass sie die Gewinnkurve um Kilometer nicht mehr kriegen. Aber schon gar nicht. Mit dem Gewinn machen, haben es ja schon belletristische Verlage schwer (durchschnittlich 5% des Ladenpreises).
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"Das Leben ist so kurz! Selbst wenn Sie ein Bücherfresser sind, und nur fünf Tage brauchen, um ein Buch zweimal zu lesen, schaffen Sie im Jahr nur siebzig. Und für die fünfundvierzig Jahre, von fünfzehn bis sechzig, die man aufnahmefähig ist, ergibt das 3.150 Bände: die wollen sorgfältig ausgewählt sein." (Arno Schmidt)
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« Antworten #229 am: 17.03.2009 | 13:13 »

Das liegt daran, dass sie gar nicht drumrum kommen. Denn: Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch. Und auch es in einen Karton zu stecken, hilft nicht gegen das Gesetz.

Das ist nur teilweise richtig. Einfach nur einen Karton um ein Buch zu machen, erhält den Buchcharakter nebst allen Vorzügen - Preisbindung und verringerte Mehrwertsteuer. Wenn ein Verlag dem Handel jedoch unbedingt einen frei kalkulierbaren Artikel anbieten will, muss er nur Würfel in die Box legen, dann verliert das Gesamtprodukt den Buchstatus und wird ein Spiel.
Darum waren die Basis-Boxen von (A)D&D und DSA nie preisgebunden, alle nachfolgenden Boxen aber schon.

Wir haben vor einem Dreivierteljahr ein Buchobjekt veröffentlicht, das wir gerne preisgebunden hätten. Es handelte sich um ein "Making Of" (komplettes Storyboard plus Skizzen und Interviews) zu zwei jeweils 4-minütigen Musikvideos der japanischen Comic-Zeichnerinnen-Gruppe CLAMP. Das Buch war ein über 400-seitiges Hardcover, das im Anhang in einem Plastikumschlag eine DVD mit den beiden besagten Musikvideos enthielt.
Das Bedeutsame an dem Produkt war das Buch, der Blick hinter die Kulissen der sehr verschlossen agierenden CLAMP. Die DVD war nur zur Einordnung des Inhalts, weil die Videos in Deutschland noch nie zu sehen waren.

Rücksprachen mit dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels, der deutschen ISBN-Agentur und dem Finanzamt haben unisoso ergeben, dass wir das Produkt nicht preisbinden dürfen. Unsere Vergleiche mit z.B. Magazinen, die DVD-Beilagen haben (Film- und Computerzeitschriften) und Mädchen-Comics, die ebenfalls nicht-buchgetreue Gimmicks enthalten (Glitzer-Lippenspifte), haben nichts gefruchtet.

Ungeachtet dessen stimme ich dir bei der zweiten Hälfte zu:

Zitat
Außerdem können sie heilfroh sein, dass der Händler den Preis nicht machen darf. Denn sonst würde er ihnen auch so viel Sortimenter-Rabatt aus dem Kreuz leiern, dass sie die Gewinnkurve um Kilometer nicht mehr kriegen. Aber schon gar nicht. Mit dem Gewinn machen, haben es ja schon belletristische Verlage schwer (durchschnittlich 5% des Ladenpreises).

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Pyromancer
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« Antworten #230 am: 17.03.2009 | 13:20 »

13Mann produziert in 300er Auflagen.

Auch die Traveller-Sachen?
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Thot
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« Antworten #231 am: 17.03.2009 | 13:36 »

[...]
Außerdem können sie heilfroh sein, dass der Händler den Preis nicht machen darf. Denn sonst würde er ihnen auch so viel Sortimenter-Rabatt aus dem Kreuz leiern, dass sie die Gewinnkurve um Kilometer nicht mehr kriegen. [...]

Wobei ich aus Erfahrung sagen kann, dass für Kleinstverlage im Rollenspielbereich die Händler im Grunde keinen Mehrwert bringen. Da kann man sich schon fragen, ob man als Verlag nicht stattdessen den Verbraucher in den Blick nehmen sollte und den Preis einfach ohne Berücksichtigung des Anteils der Händler (also niedriger) kalkulieren sollte, um nur noch auf Cons, Messen und online seine Bücher unters Volk zu bringen.

Zumal man dann sogar den PDF-Ausdrucker preislich unterbieten könnte.
« Letzte Änderung: 17.03.2009 | 13:52 von Thot » Gespeichert

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« Antworten #232 am: 17.03.2009 | 16:10 »

@TobiasD
Das weiß ich nicht. Wüsste aber keinen Grund warum die Auflagen höher sein sollten für Traveller.
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« Antworten #233 am: 17.03.2009 | 16:37 »

@Dirk:

Da hat der Preisbindungstreuhänder das wohl trotz aller Beteuerungen so gesehen, dass das Buch ein Gimmick zur DVD ist. Wenn sie da nicht irgendwo einen Strich ziehen würden, könnte ja praktisch jedes Elektrogerät mit ner Gebrauchsanweisung drin als Buch im Sinne des Buchpreisbindungsgesetzes verkauft werden. So nach dem Motto, "das Buch ist ein Elektroniklehrbuch und das Gerät dazu dient nur der praktischen Übung."

So ähnlich könnte es bei den Basis-Boxen gesehen worden sein. Das ist ein Spiel und das Buch dazu, obwohl aufwendig hergestellt, ist bloß eine Gebrauchsanleitung. Wobei die wahrscheinlich eh vor 2002 rausgekommen sind, oder? Da gab's das Gesetz noch gar nicht.

@Thot:
Für mich als Buchhändlerin haben Kleinstverlage auch keinen Mehrwert. Im Gegenteil. Jeder davon ist ein Nagel zu meinem Sarg. Damit wir uns trotzdem zusammenraufen und alle was davon haben, gibt's die Verkehrsordnung.
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« Antworten #234 am: 17.03.2009 | 16:45 »

@TobiasD
Das weiß ich nicht. Wüsste aber keinen Grund warum die Auflagen höher sein sollten für Traveller.

Weil irgendjemand mal behauptet hat, er hätte gehört, jemand hätte erzählt, dass 13Mann Traveller im Tausender-Bereich auflegt. IIRC war da von 5.000er oder 10.000er-Auflagen die Rede, aber halt alles Hörensagen.

Woher hast du denn deine Informationen?
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« Antworten #235 am: 17.03.2009 | 16:58 »

[...]
@Thot:
Für mich als Buchhändlerin haben Kleinstverlage auch keinen Mehrwert. Im Gegenteil. Jeder davon ist ein Nagel zu meinem Sarg.

Interessant. Wieso?

Zitat
Damit wir uns trotzdem zusammenraufen und alle was davon haben, gibt's die Verkehrsordnung.

Die besagt aber nicht, dass man unbedingt an Buchhändler verkaufen muss, oder irre ich mich da?
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« Antworten #236 am: 17.03.2009 | 18:04 »

Nö. Die sagt dazu gar nix. Das Grundlagenpapier des Börsenvereins sagt, dass man soll. Im Gegenzug dafür, dass wir den netten gesetzlichen Rahmen kriegen (Preisbindung, Mehrwertsteuerprivileg).

Die Beantwortung deiner anderen Frage wäre einen eigenen Rant wert, der mir aber fürs FavIcon viel zu weit ab vom allgemeinen Interesse ist. Außerdem habe ich keine Lust mich schon wieder aufzuregen. Vielleicht verpacke ich es mal als Anekdotensammlung oder äußere mich in einem der Mecker-Threads, wenn's mal wieder akut ist.
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« Antworten #237 am: 17.03.2009 | 18:16 »

Interessant. Wieso?

Ich vermute mal, dass es aus dem üblichen Grund ist, warum Leute, die ein Geschäft aus Liebhaberei betreiben, den Menschen, die das Geschäft als Geschäft betreiben, auf den Senkel gehen: Keine Vorstellung von Wirtschaftlichkeit, und wenn man Pech hat, auch keine Vorstellung von der Realität oder dem eigenen Platz in derselben.
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« Antworten #238 am: 18.03.2009 | 07:23 »

Weil irgendjemand mal behauptet hat, er hätte gehört, jemand hätte erzählt, dass 13Mann Traveller im Tausender-Bereich auflegt. IIRC war da von 5.000er oder 10.000er-Auflagen die Rede, aber halt alles Hörensagen.

Woher hast du denn deine Informationen?
Halte ich für massivst unwahrscheinlich.

Das sind Auflagenzahlen die ich noch nicht einmal den meisten deutschen Produkten "populärer" RPGs unterstellen würde.
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« Antworten #239 am: 19.03.2009 | 10:48 »

Ich vermute mal, dass es aus dem üblichen Grund ist, warum Leute, die ein Geschäft aus Liebhaberei betreiben, den Menschen, die das Geschäft als Geschäft betreiben, auf den Senkel gehen: Keine Vorstellung von Wirtschaftlichkeit, und wenn man Pech hat, auch keine Vorstellung von der Realität oder dem eigenen Platz in derselben.

Ich hatte jetzt vermutet, weil die Pflege eines Nischensortimentes von 100 Nischenverlagen mit eigenem Bestellwesen gefühlte 1000 Mal aufwändiger ist als eine Sammelbestellung bei den Großverlagen oder Libri, aber die Rückbesinnung auf meine Tage als Rollenspielhändler und die Erinnerung an Fanverleger, die unangemeldet mit fertig gedruckten Machwerken im Laden standen und von mir erwarteten, dass ich ihnen
a) eine jenseits der DSA-Größenordnung liegende Anzahl von Exemplaren zu
b) einem jenseits aller Marktrealitäten liegenden Einkaufspreis
abnehme, lässt deine Vermutung richtiger erscheinen.
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« Antworten #240 am: 19.03.2009 | 10:57 »

Weil irgendjemand mal behauptet hat, er hätte gehört, jemand hätte erzählt, dass 13Mann Traveller im Tausender-Bereich auflegt. IIRC war da von 5.000er oder 10.000er-Auflagen die Rede, aber halt alles Hörensagen.

Woher hast du denn deine Informationen?
IIRC stand das im Envoyerartikel, der diese ganze Diskussion angestoßen hatte. Dort meinte Frank Heller, dass Traveller in 5.000er Auflage gedruckt wird, basierend auf Gesprächen mit dem Verlag. Er (Frank Heller) meinte auch, dass er sich nicht vorstellen kann, dass diese Auflage verkauft werden kann.
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« Antworten #241 am: 19.03.2009 | 12:51 »

Die alten Boxen wurden von Amigo(liebevoll unter Händlern Pandejo genannt) verkauft, als es noch kein Gesetz gab(das gibt es seit 2003? bin mir nicht 100% sicher mehr seit wann, viel jedenfalls kurz nach meiner Ausbildungszeit rein) und man diesen Börsenvereinvertrag unterschrieb um sich zu verpflichten die Buchpreisbindung einzuhalten, nur musste man das damals nicht machen und manche Vertriebe hatten das nicht gemacht.

Seit es das Gesetz gibt ist es halt ein deutsches Gesetz, was ja hier schon zitiert wurde und da geht das dann auch nicht mehr mit dem Preisbindung ignorieren, selbst wenn Würfel beiliegen in einer Box.

"Lustige" Anekdote am Rande: manche Händler/Vertriebe haben das Gesetz immer noch nicht gerallt und wenn man sich bei denen beschwert meinen sie, das sie den Vertrag nicht unterschrieben haben, wobei man denen dann noch lange erklären muss, dass das seit Jahren ein dt. Gesetz ist... Tongue
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« Antworten #242 am: 19.03.2009 | 20:23 »

Der Preisbindungstreuhänder braucht ja auch seine Daseinsberechtigung.  devilish
So nen Fall hatte ich allerdings noch nicht. Wow.

... aber die Rückbesinnung auf meine Tage als Rollenspielhändler und die Erinnerung an Fanverleger, die unangemeldet mit fertig gedruckten Machwerken im Laden standen und von mir erwarteten, dass ich ihnen
a) eine jenseits der DSA-Größenordnung liegende Anzahl von Exemplaren zu
b) einem jenseits aller Marktrealitäten liegenden Einkaufspreis
abnehme, lässt deine Vermutung richtiger erscheinen.

Die Typen, die ihr Zeug gleich selber vorbeibringen sind ja noch okay. Bei uns sind das die traditionell miteinander verfeindeten Mundartdichter, die uns gerne ausreden würden, die Bücher der anderen zu verkaufen.  Roll Eyes Die sind aber wenigstens noch rührige Leutchen, die was dafür tun, dass sie ihre Werke loswerden.

Meine ganz besonderen Freunde sind jene Helden, die mit einer großkotzigen Homepage daherkommen. Ohne Impressum. Für Bestellungen haben sie dann in irgendeiner Ecke eine e-mail-adresse angegeben. Und wenn man da nachfragt, was der Buchhandelsrabatt ist und wie schnell der Artikel denn lieferbar sei, dann kriegt man doch glatt ein, zwei Tage später die Nachricht: "Ja, wir arbeiten gerne mit dem Buchhandel zusammen."
Tolle Wurst. Genau das, was ich wissen wollte.
Wenn nach regem e-mail-Verkehr der Kunde das Buch echt noch haben möchte, aber bis zum soundsovielten, weil es natürlich ein Geschenk sein soll (geeenau, im Buchkaufhaus meines Vertrauens sagt man einfach "Nee, sowas können wir nich bestellen", deswegen schick ich Oma den Wunschzettel. Die hat zwar kein Internet, aber Zeit dumme Provinzbuchhändler abzuklappern. Irgendeiner gibt sich dann schon dafür her.), dann bestellt man über besagte e-mail-adresse unter Angabe des Termins und bittet um Zustellung als Paket, damit's in einem Tag da ist. Und dann kommt's gerade noch rechtzeitig als Büchersendung.

Sonst noch gern gesehen, die Eigenverleger, die ihre Privatnummer angeben und dann nie zu üblichen Geschäftsöffnungszeiten erreichbar sind, wobei es unter ihrer Würde wäre, die Familie, die man gelegentlich an die Strippe kriegt, mal in den Geschäftsablauf einzuweihen. Da war das Sendungsbewusstsein, die selbstverfasste Schwarte unter die Leute zu bringen, wohl nicht so lange vorhanden, wie die Auflage gehalten hat. Das machen sich die meisten Herrschaften nämlich nicht bewusst, dass es nach dem Druck noch weitergeht, mit dem Abenteuer eigenes Buch.  Angry

Auch jene, die ihre Bücher sogar im VLB stehen haben (whoooo, groovy!), aber eine veraltete Adresse. Und wenn man die richtige rausgefunden hat, und fragt, wie schnell man den Titel denn kriegt, bekommt man zur Antwort: "Was? Der Titel? Der ist schon seit drei Jahren vergriffen."
Ja. VLB: Verzeichnis lieferbarer Bücher. Klar...

Wenn dann noch einer meint, er muss einen Rabatt gewähren, bei dem nicht mal das Porto rausspringt, dann ist der Ofen ganz aus. Dann weise ich Omi freundlich aber bestimmt darauf hin, dass sie sich leider jemanden mit Internetanschluss suchen muss. Von irgendwas wollen wir auch leben.

Die einzigen Klein(st)verlage, mit denen ich bisher gute Erfahrungen gemacht habe, waren Fachbuchverlage. Und an allererster Stelle ein Musikverlag, von dem ich die Noten am nächsten Tag hatte, vernünftigen Rabatt und eine echt nette, kompetente Beratung von dem Herrn am Telefon. So kann's auch gehen. Leider ein Einzelfall.

So. Jetzt hab ich es doch getan. Für ein paar anständige Anekdoten ist das Thema einfach zu traurig. Sorry.

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« Antworten #243 am: 19.03.2009 | 20:36 »

Achwas, das ist doch witzig kann man glatt einen eigenen Thread für aufmachen im Speakers Corner.
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« Antworten #244 am: 19.03.2009 | 23:00 »


Tja, die ganze Diskussion über die Probleme der Buchhändler mit Buchpreisbindung und der Rollenspielläden mit Fremdversendern zeigt doch die ganze Problematik der Eingangs beschriebenen (siehe erste Seiten dieses Threads) Schnittstellenprobleme zwischen den Rollenspielverlagen und dem Handel.
Auf der einen Seite haben die Verlage, auch aus Mangel an finanziellen Möglichkeiten, Schwierigkeiten, neue Märkte zu erschließen und somit neue Kunden zu gewinnen. Auf der anderen Seite hat der Handel Probleme mit der teilweise nachlässigen und unprofessionellen Vorgehensweise der Verlage.
Die Kunden bleiben dabei auf der Strecke.

Ein weiterer Grund, über den die Macher beider Seiten nachdenken sollten.

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« Antworten #245 am: 20.03.2009 | 07:56 »

[...]
Auf der einen Seite haben die Verlage, auch aus Mangel an finanziellen Möglichkeiten, Schwierigkeiten, neue Märkte zu erschließen und somit neue Kunden zu gewinnen. Auf der anderen Seite hat der Handel Probleme mit der teilweise nachlässigen und unprofessionellen Vorgehensweise der Verlage.
Die Kunden bleiben dabei auf der Strecke.
[...]

Naja, das würde ich aber schon gern vom Kopf auf die Füße stellen. Im Grunde wäre es Aufgabe der Händler, das Zeug an den Mann zu bringen. Das ist der Mehrwert, den Händler erbringen, dafür gibt es sie. Sie sind nicht bloß "Buchabholpunkte". Die Verlage können Werbung machen und gute Bücher, aber für die 30-50% vom Buchpreis, die der Händler erhält, muss er auch was tun. Das ist mir allerdings bisher eher nicht aufgefallen, insofern kann ich Leute wie Hero Games verstehen, die nur noch direkt verkaufen und so zwar etwas kleinere Auflagen los werden, aber wenigstens wirtschaftlich überleben, weil jedes Buch mehr Gewinn bringt.
« Letzte Änderung: 20.03.2009 | 08:45 von Thot » Gespeichert

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« Antworten #246 am: 20.03.2009 | 09:05 »

Inwiefern Zeug an den Mann bringen? In meinem FLGS wird man beraten, sie stellen Neuheiten ins Schaufenster, es finden Spielrunden statt usw. (der Laden ist eigentlich immer voll, wenn ich reinkomme, kenne ich eigentlich so auch von anderen Rollenspielläden in der Umgebung).

Umgekehrt kenne ich es von Schulbuchverlagen so, dass diese auch ihre Schulbücher selber promoten und versuchen, Lehrer davon zu überzeugen, sie einzusetzen. Es gibt Kataloge, die Lehrer informieren, Mailinglisten für Lehrer in denen von neuen Schulbüchern berichtet wird, mindestens ein großer Schulbuchverlag richtet sogar Fortbildungen aus. Das ist alles nichts, was in den Aufgabenbereich eines Händlers fiele.

Scheint mir auch logisch. Kinos machen ja auch keine Fernsehwerbung für den aktuellen Blockbuster. Die haben halt Entscheidungen zu treffen wie: in welchem Saal soll welcher Film laufen? Zu welchen Zeiten läuft der Film? Wo hängen wir welches Filmplakat auf? Ähnliche Entscheidungen trifft der Rollenspielhändler: Kommt das Rollenspiel in eine Ecke oder gut sichtbar in die erste Reihe? Hänge ich dieses Promo-Plakat auf, dass der Verlag geschickt hat, oder habe ich keinen Platz dafür? Usw.
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« Antworten #247 am: 20.03.2009 | 09:59 »

Inwiefern Zeug an den Mann bringen? In meinem FLGS wird man beraten, sie stellen Neuheiten ins Schaufenster, es finden Spielrunden statt usw. (der Laden ist eigentlich immer voll, wenn ich reinkomme, kenne ich eigentlich so auch von anderen Rollenspielläden in der Umgebung).
[...]

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« Antworten #248 am: 20.03.2009 | 10:03 »

Ich war vor einiger Zeit auf einer größeren Spiele(r)veranstaltung, auf der sich auch Rollen- und Brettspielverlage mit ihren Produkten präsentierten. Das war überwiegend so erbärmlich und amateurhaft und teilweise tränig, daß mich die wirtschaftlich grausame Lage vieler dieser Kaschemmen nicht mehr wundert. Meine Freundin, die die Spiele(r)szene das erste Mal miterlebte, merkte schnell an, daß diesen Verlagsleuten überwiegend "Pep, Konzept und Feuer im Arsch" fehlen würden. Treffend.
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« Antworten #249 am: 20.03.2009 | 10:18 »

Ich war vor einiger Zeit auf einer größeren Spiele(r)veranstaltung, auf der sich auch Rollen- und Brettspielverlage mit ihren Produkten präsentierten. Das war überwiegend so erbärmlich und amateurhaft und teilweise tränig, daß mich die wirtschaftlich grausame Lage vieler dieser Kaschemmen nicht mehr wundert. Meine Freundin, die die Spiele(r)szene das erste Mal miterlebte, merkte schnell an, daß diesen Verlagsleuten überwiegend "Pep, Konzept und Feuer im Arsch" fehlen würden. Treffend.

Es ist ja sogar noch schlimmer. Manche Leute, so wie ich, haben tatsächlich gar keine Lust, sich auf Cons und Messen die Beine in den Bauch zu stehen, um ihre Bücher zu verkaufen. Ich selbst mache das konsequenterweise auch nicht, beschwere mich dann allerdings auch nicht, dass die Auflage nicht so wirklich schnell weg geht. Wenn man aber hinfährt und sich da hinstellt, obwohl man gar nicht will, wird daraus natürlich eine lahme Veranstaltung.
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