"Self-Made Suicide": Rock'n Roll, wie er sich gehört.Es ist schon etwa 3 Wochen her, seit meine erste Fiasco-Partie zustande kam. Ich habe mich von den positiven Rückmeldungen hier im Forum anstecken lassen und das Buch bestellt. Dann kam ich länger nicht zum Spielen. Eine Möglichkeit ergab sich in der Drachzwinge - Fiasco ist ja eigentlich (vom Lesen her) nicht so für's Online-Spiel geeignet, von wegen Würfel hochhalten und so. Die netten Leute drüben hatten Fiasco aber schon mal online gespielt und sogar ein MapTool-Campaignset zur Hand, was einem die Würfel würfelte und zusammenrechnete und so. Sehr bequem. Außerdem war es natürlich sehr praktisch, jemanden dabei zu haben der/die die Regeln kennt.
Wir hatten uns im Voraus auf das "Rock Band auf Tournee"-Setup "geeinigt"

. Ich hatte es übersetzt, und der Steffen hat es sogar rechtzeitig
in hübsch veröffentlicht. Danke nochmals!
Okay, wie war's?Inhaltlich:
Wir hatten Zwillinge, einen verdeckten Ermittler, das Verlangen nach Rache, das Verlangen durch die verlorene große Liebe flachgelegt zu werden, ein aufschlussreiches Röntgenbild und... eine brennende Scheune, das war's. Charaktere waren der Sänger der Band, sein Zwillingsbruder (Gitarrentechniker/Verdeckter Ermittler), der Gittarist (Drogendealer) und das Emo-Groupie, dessen Gedichte vom Sänger als Inspiration
verhackstückt genutzt wurden. Die Geschichte entwickelte sich vom Wiedersehen des Gitarrentechnikers mit seiner verlorenen großen Liebe (dem Emo-Groupie), über eine mehrfache Verwechslungsgeschichte bis hin zu einem richtig katastrophalen Debakel bei einem Auftritt im Heimatdorf der Zwillinge (Tote im Publikum, mehrere Dutzend Personen mit schweren Brandverletzungen). insofern: Fiasco, wie man es erwartet.
Vom Spiel her:
Zunächst war ich überrascht, dass das Spiel ein gutes Stück "sperriger" lief, als ich es erwartet hatte. Die Regeln wirken beim Lesen superflüssig (sind ja auch nur ein paar), und das schürte bei mir die Erwartung, dass auch sehr flüssiges Spiel dabei rumkommt. Das war nur zeitweilig so, es gab immer wieder Löcher. Das kann am Medium Teamspeak liegen, an der Tatsache dass wir in dieser Konstellation zum ersten Mal miteinander spielten oder auch daran, dass ich jetzt nicht der allerroutinierteste Erzählspieler bin.
In der Runde bestand nachher der Eindruck, dass Fiasco Übungssache ist. Kann sein. Es hat auf jeden Fall wesentlich länger gedauert als erwartet - statt der im Buch veranschlagten 2-3 Stunden haben wir 4-5 gebraucht. Das hat dann natürlich dazu geführt, dass wir am Ende ziemlich aufs Tempo drücken mussten. Darunter haben v.a. die letzten Szenen und der Epilog (Aftermath) gelitten. Ich bin inzwischen der Meinung dass es ein Fehler war, auf die vorgegebene Montage mit "Dies ist" Aussagen (eine pro Würfel) zu verzichten. Aber mehr war zu dieser Uhrzeit wohl nicht drin.
Weiterhin waren einige Mitspieler(innen) zeitweilig etwas abgehängt, aber das liegt vermutlich auch am Medium.
Angenehm war, dass wir sehr auf unsere Charaktere fokussiert gespielt haben und nicht zig Nebenfiguren eingeführt haben. Das ergab stellenweise sehr dichtes Spiel.
Fazit:Es hat sehr, sehr viel Spaß gemacht, aber ich muss es mindestens noch ein mal spielen um einen besseren Eindruck zu bekommen. Man sollte sich genug Zeit nehmen. Für's nächste Mal nehme ich mir vor, bei den Szenen noch mehr die Frage zu stellen: Was
will mein Charakter? Das habe ich im kreativen Rausch ein wenig vernachlässigt.
Das ist vielleicht mein wichtigstes Fazit: Das Spiel läuft besser, wenn ich konsequent die Interessen meiner Figur verfolge.
Insgesamt kann ich Fiasco sehr empfehlen - auch über TS.
Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.