Man könnte also sagen, dass Erzählrechte kein Problem für eine investigative Herausforderung sind, solange der Fall eben nicht gemeinsam entsteht, sondern das Erzählrecht der Spieler(innen) Marginalien betrifft. Wie etwa, welches Auto ihr SC besitzt oder ob er/sie eine Person wie den Polizisten aus meinem Beispiel kennt. Den objektiven Rahmen der Herausforderung selbst dürfen sie nicht verändern.
Sehe ich auch in etwa so: Je mehr die Erzählrechte in den Fall eingreifen, desto schwieriger wird es, ihn konsequent lösbar zu gestalten. Für mich ist es insgesamt ein fließender Übergang. Wenn z.B. zwei der Spieler gemeinsam an dem Fall werkeln und ein dritter ihn löst, hat sich meiner Ansicht nach noch nicht viel geändert. Aber je mehr Spieler mitreden, desto höher das Risiko, dass es zu nicht mehr auflösbaren Widersprüchen kommt.
Tatsächlich habe ich auch schon Runden gespielt, in denen gemeinsam Geheimnisse entwickelt und gelöst wurden, aber diese sind als Beispiel etwas problematischer, weil sie gezwungenermaßen auch Improvisation enthalten - und damit würden wir die Diskussion über Mysterien mit Erzählrechten und Mysterien mit Improvisation unnötig vermischen.
Hm, dein Fiasco-Beispiel hakt an ein paar Punkten.
Erstens hat es gar nicht viel mit Erzählrechten zu tun, die über die im "klassischen" RSP hinausgehen - da hat ja in der Regel auch der Spieler das "Recht", durchaus auch insgeheim die Motivation seines Charakters und seine Vorgeschichte festzulegen und dann entsprechend zu spielen.
Das Beispiel geht deutlich über eine Festlegung der Vorgeschichte hinaus.
Das von dir beschriebene Mysterium hättest du ganz ohne Erzählrechtsregeln so wahrscheinlich auch nach DSA-Regeln aufbauen können.
Ja, genau das ist ja meine Aussage: Mysterien klappen mit (bestimmten) Erzählrechten genauso gut wie ohne ;-)
Dein Problem hier (und auch in deiner folgenden Argumentation) ist, dass Dein Bild von Erzählrechten unvollständig ist. Du erkennst nur einen kleinen Teil dessen, was Erzählrechte sein können, wirklich als Erzählrecht an. Vermutlich stimmt für deine engergefasste Definition von Erzählrechten sogar, dass dort keine lösbaren Mysterien spielbar sind - aber die Definition umfasst nunmal nict alles, was Erzählrechte sein können.
Zweitens ist das von dir beschriebene Mysterium eben kein im klassischen Sinne lösbarer Fall, weil es sich nicht um ein rekonstruierbares Ereignis handelt, sondern in erster Linie um die geheime Motivation von zwei Figuren.
Jetzt bin ich sehr gespannt, was deine Definition von einem "Mysterium" ist

Drittens (und eher am Rande) habe ich den Eindruck, dass dein Beispiel eigentlich gegen die Philosophie hinter Fiasco verstößt. Eigentlich leitet einen das Spiel ja dazu an, jede Idee - auch und gerade bezüglich des Innenlebens der Charaktere, nicht umsonst werden die Drives auf Karteikarten geschrieben und offen auf den Tisch gelegt - sofort in die Runde zu geben und damit auch zur allgemeinen Verwendung freizugeben.
Öh, nein? Wie kommst Du darauf? oO