Ich halte es mit
Crimson Kings Aussage. Eine 100%-ige Sattelfestigkeit ist nie gegeben und kann nie gegeben sein, auch bei regelarmen Systemen; allen voran dort, wo Interpretationen gewollt oder ungewollt ins Spiel kommen.
Gleichwohl sehe auch ich das Gefälle von regelstarrenden und eher regelarmen Werken, würde aber für alle System gleichermaßen argumentieren, dass der Spielleiter zumindest das Gros an Regelkanon beherrschen sollte, die Grundfunktionen verinnerlichen sollte (und dies repetativ!) und somit selbst in seinen Interpretationen und seinen Improvisationen eine gewisse Regelnähe behält.
Ich wüsste jedoch nicht, ob ich einen realistischen Prozentwert angeben kann, der nicht einfach nur willkürlich und/oder plakativ ist. Grundsätzlich wirkt eine Annäherung an das Paretoprinzip (quasi mit 20% des Aufwandes 80% der Regelkenntnis erlangen

) jedoch nicht unattraktiv auf mich, unter Berücksichtung von gewissen Toleranzen, wie der Anfangszeit mit einem neuen Regelwerk oder in Runden, in denen alle paar Wochen das System gewechselt wird und sei es zyklisch.
Ich denke ganz wichtig ist dabei auch die Verzahnung der Gruppe. Ich denke nicht, dass der Spielleiter der Regelguru sein muss, gleichwohl sollten auch die Spieler sich in die Regeln einarbeiten. Optionen und ein dementsprechend breites Spiel entstehen im Regelfall ja nur dann, wenn beide Seiten die Optionen während des Spiels auch erkennen und regeltechnisch abdecken können. Wer von beiden die glaubhafte Regelkenntnis mitbringt, wäre mir im Zweifel gleich; Delegatin ist - wie in vorherigen Beiträgen erwähnt - wünschenswert und oftmals nützlich. Im Idealfall kennen beide Seiten zumindest das Prinzip des behandelnden Regelaspektes in spezielleren Fällen. Und der oder die von Regelarmut betroffene SL sollte in diesem Fall dann die Verantwortung - zumindest die Szene - abgeben können oder bereit sein darüber zu (ver-)handeln.
Im Gegenzug ist es genauso schlimm, wenn Spieler oder Spielleiter regel- sprich waffenstarrend werden; sie also sehr viel Aufwand in das Erlernen des Detailregeln gelegt haben, sodass sie daraus für sich schließen, dass sie das Erlernte mit Gewalt auf die Gruppe in jeglicher Situation drücken müssen, um der Mühe gerecht zu werden. Der sicher nicht ganz richtige Begriff des Regelnazis ist schon gefallen und ich will ihn auf beiden Seiten in Ermangelung eines besseren Begriffes nutzen. Soll heißen: Wenn ich von einem Spieler oder Spielleiter ausgehe, der sich darum bemüht, annähernd an die 100% Regelfestigkeit zu erlangen (ohne dies freilich erreichen zu können) und viel Aufwand da reininvestiert und die Regeln schwertgleich führt, kann dies eine Runde genauso lähmen wie es die Regellosigkeit kann.
Auch aus diesem Grund halte ich eine angestrebt perfekte Regelkenntnis nicht für geboten.
Abschließend schließe ich mich also all jenen an, die sich dafür ausgesprochen haben, dass die Basis und Intentention des Spiels bekannt sein muss und genutzt sein soll/will (
system matters), um eine gemeinsame und breite Basis zu haben. Alles darunter und darüber birgt große Gefahren für das Gleichgewicht am Spieltisch, mit den wenigen Ausnahmen, in denen man eine Gruppe hat, wo jeder Teilnehmer ähnliche Meisterschaftsideale gegenüber den Regeln trägt oder vergleichbare Ausnahmen.