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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Chiarina am 4.11.2016 | 15:01
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An anderem Ort wurde diskutiert, ob grobe Regeln, wie sie in der OSR üblich sind, helfen, Diskussionen zu vermeiden, die beim Freiformspiel auftreten könnten. Genannt wurden:
Kampf, Schaden (Feuer, Gift, Sturz), Heilung, Magie, NSC-Reaktion, besondere Klassenfähigkeiten, Reisezeiten
Ich schrieb, ich hätte in meinen Freiformspielen nie über solche Sachen diskutiert, woraufhin Clausustus Doom Occulta antwortete:
Diskussionen "über" diese Sachen ... im Sinne von "wie müssen wir das regeln" hatten wir auch nicht. Diskussionen "um" Tod, Verletzung, ... also die Wirkung bzw. mögliche Wirkung von Stürzen, Angriffen, ... hatten wir dagegen schon.
Die Antwort hat mein Problem allerdings nicht behoben, denn ich kenne im Freiformspiel auch keine Diskussionen UM diese Dinge. Was mich zur etwas allgemeineren Frage führt:
Wie gelangt ihr im Freiformspiel überhaupt zu Entscheidungen? Was passiert beim Freiformspiel, wenn bei einem anderen Rollenspiel gewürfelt wird?
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Vielleicht das?
(http://www.sherv.net/cm/emoticons/fighting/fighting-with-baseball-bat.gif)
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Das kommt auf das Freiform Spiel an sowie die Frage ob wie es gespielt wird?
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Meine persönliche Erfahrung: entweder schwingt sich einer zum großen Bestimmer aus oder es gibt hitzige, oft persönlich geführte (weil sich eben diverse zum großen Bestimmer berufen fühlen) Debatten.
In Summe aber dysfunktional.
Wobei ich aber auch ein paar wenige Gruppen gekannt habe, wo das Würfeln eh nur noch aus traditioneller Gewohnheit geschah und auch noch hätte weggelassen werden können.
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Vielleicht das?
(http://www.sherv.net/cm/emoticons/fighting/fighting-with-baseball-bat.gif)
Wenn es dazu kommt, ist die Gruppe so nicht Freeform-tauglich.
Meine Erfahrungen mit Freeform beschraenken sich auf ein paar Forenabenteuer; da gab es immer massig Absprachen im OT-Thread. Am Tisch wird das aehnlich ablaufen: Man einigt sich. Das verlangt eine Menge Vertrauen aller zueinander. Ist das nicht vorhanden, funktioniert Freeform meiner Ansicht nach nicht.
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Beim Freiformspiel läuft das bei uns normalerweise so:
Einer macht eine Aussage über die Spielwelt, bsp. "Getroffen". Der getroffene Spieler, oder der SL, welcher den getroffenen gegner lenkt sagt dann meistens sowas in Roichtung "Gar nicht!" Geantwortet wird darauf oft mit "Hab ich wohl"! An dieser Stelle eskaliert es dann oft und einer bekommt aufs Maul.
In letzter Zeit arbeiten wir daher auch gerne mit den Begriffen "Spiegel!", doppelt so viel Schaden wie du" oder "Unendlich!", was zu einer deutlichen Reduktion der Gewalttätigkeit aber auch zu einer verlängerung der Kampfphasen geführt hat.
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Meine persönliche Erfahrung: entweder schwingt sich einer zum großen Bestimmer aus oder es gibt hitzige, oft persönlich geführte (weil sich eben diverse zum großen Bestimmer berufen fühlen) Debatten.
In Summe aber dysfunktional.
Beim Freiformspiel läuft das bei uns normalerweise so:
Einer macht eine Aussage über die Spielwelt, bsp. "Getroffen". Der getroffene Spieler, oder der SL, welcher den getroffenen gegner lenkt sagt dann meistens sowas in Roichtung "Gar nicht!" Geantwortet wird darauf oft mit "Hab ich wohl"! An dieser Stelle eskaliert es dann oft und einer bekommt aufs Maul.
In letzter Zeit arbeiten wir daher auch gerne mit den Begriffen "Spiegel!", doppelt so viel Schaden wie du" oder "Unendlich!", was zu einer deutlichen Reduktion der Gewalttätigkeit aber auch zu einer verlängerung der Kampfphasen geführt hat.
Und wenn ihr mit Erwachsenen spielt?
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Meinst du reine Freiform oder auch einfach nur "wuerfellos"?
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Und wenn ihr mit Erwachsenen spielt?
Dann wurde es schlimmer.
In dem Sinne war "Gewohnheit" wohl auch irreführend - eher, "weil es halt formell so vorgesehen war", denn das waren dann jüngere, eng befreundete Jugendliche, die so spielten.
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Wie gelangt ihr im Freiformspiel überhaupt zu Entscheidungen?
Man entscheidet nicht. Man stapelt.
Also das, was generell SLs empfohlen wird: "Sag ja, aber...", "Ja, und..." oder etwas in die Richtung. Sag niemals nein. Bringe andere nicht in eine Situation, wo sie sich gezwungen sehen könnten, nein zu sagen. Sage niemals, was ein Charakter tut oder erleidet, der nicht dir gehört. Das ist eigentlich schon alles.
(Und ich bin enorm verwundert, dass ausgerechnet ich das erkläre.)
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Man entscheidet nicht. Man stapelt.
Also das, was generell SLs empfohlen wird: "Sag ja, aber...", "Ja, und..." oder etwas in die Richtung. Sag niemals nein. Bringe andere nicht in eine Situation, wo sie sich gezwungen sehen könnten, nein zu sagen. Sage niemals, was ein Charakter tut oder erleidet, der nicht dir gehört. Das ist eigentlich schon alles.
(Und ich bin enorm verwundert, dass ausgerechnet ich das erkläre.)
PC1: "Ich hacke PC2 den Kopf ab"
Und jetzt`?
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Du bringst ihn in eine Situation, wo er Nein Sagen muss. Hat 1of3 doch extra eingefügt. Besser ist: Ich schlage mit meiner Axt nach deinem Kopf, Treffe ich? Ja, aber, mein Helm verhindert Schlimmeres!
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Du bringst ihn in eine Situation, wo er Nein Sagen muss. Hat 1of3 doch extra eingefügt. Besser ist: Ich schlage mit meiner Axt nach deinem Kopf, Treffe ich? Ja, aber, mein Helm verhindert Schlimmeres!
Fair enough, aber einen Horst gibt es halt immer ;)
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Zunächst bietet sich Freiform Spiel dazu an kooperativ zu spielen.
Das heißt den kompetitiven Aspekt zu entfernen und sich auf andere Aspekte zu konzentrieren.
Wenn man hierbei eine Szene gestaltet deren Ausgang zweifelhaft ist kann man sich zwei grundlegender Fertigkeiten bedienen: Empathie und Kommunikation. Wenn man geschickt war hat man vorgeplant und verschiedene Zeichen oder Formeln abgeklärt um die Kommunikation zu erleichtern.
Beispiel: Vampire Larp, man möchte von einen anderen Spieler trinken.
-) Spieler 1: Offgame. Feeding?
Mit dem ersten Wort weiß der andere Spieler das es kurz auf die Meta Ebene geht, mit dem zweiten worum es geht.
-) Spieler 2: Yes / No
Mit der Antwort wird erklärt ob der Spieler 2 die Szene spielen will oder nicht. Bei Nein lässt man es einfach und überlegt sich einen Grund weshalb doch nicht gefuttert wird.
-) Spieler 1: Was ist okay für dich?
Hier hat man vorher festgelegt das es Handgelenk gibt (man nimmt das Handgelenk und deutet es an) Handrücken (man legt die eigene Hand auf den Hals und beisst die) oder Hals, naja, direkter Hals zu Mund Kontakt (ohne beissen).
-) Spieler 2: Hals, was ist okay für dich?
Man fragt zurück weil andere Spieler andere Grenzen haben.
-) Spieler 1: Handrücken. Dann zurück IG?
Man kann darüber noch abklären ob bzw. wie man das ganze darüber gestaltet. Aber das wird nun für's Beispiel zu lang.
-) Spieler 2: Ja. Danke.
Man bedankt sich kurz weil es nett ist.
-) Spieler 1: Danke.
Man bedankt sich kurz weil es nett ist.
So hat man dann ausdiskutiert ob man einen anderen Spieler als Futter-Objekt hernehmen kann oder nicht. Ohne Würfel und mit quasi maximaler gegenseitiger Kooperation.
Daneben heißt "Freeform" nicht regelfrei.
Das heißt es kann durchaus sein das man Regeln hat was wer wie weit in seiner Szenengestaltung darf oder nicht darf.
Bei Undying (würfelloses PbtA) beispielsweise über Züge. Die jeweils von der fiktiven Positionierung abhängen.
Bei Praxis beispielsweise darüber das man Charakter Fertigkeiten hat welche die Story-Ebene beeinflussen (zB darf eine Szene X erzählen).
Neben der Option auf Ressourcen schubsen (z.B. Blutpunkte bei Undying)
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Also das, was generell SLs empfohlen wird: "Sag ja, aber...", "Ja, und..." oder etwas in die Richtung. Sag niemals nein. Bringe andere nicht in eine Situation, wo sie sich gezwungen sehen könnten, nein zu sagen. Sage niemals, was ein Charakter tut oder erleidet, der nicht dir gehört. Das ist eigentlich schon alles.
Ja, so ist es bei uns in der Regel auch. Die Leute, mit denen ich spiele haben das auch ziemlich drauf. Es gibt nie (wirklich nie!) hitzige oder persönlich geführte Debatten. Ich verstehe auch gar nicht, wieso Freiform eine Spielart sein soll, wo ein PC dem anderen den Kopf abhaut. Das macht man doch sonst auch nur bei ziemlich extremen PvP-Spielen.
Vertrauen gehört ein bisschen dazu. Auf dem Spiel steht aber weniger, ob da jemand irgendwelche Absprachen bricht oder gemeinsame Vorstellungsräume zerstört. Vertrauen brauche ich, um daran zu glauben, dass meine eigenen Ideen von den Mitspielern angenommen und weiterentwickelt werden. Darum geht´s irgendwie, finde ich.
Den kompetitiven Aspekt sehe ich bei Freiform zumindest auf der Charakterebene nicht mehr. Muss ja niemand mehr XP´s bekommen als sein Mitspieler. Dafür gibt es einen sehr freundlichen Wettbewerb manchmal auf der Spielerebene (lasst mich mal sehen, ob ich nicht eine noch tollere Idee habe!).
Große Bestimmer beim Freiformspiel habe ich einmal erlebt. Da wollte jemand am besten wissen, wie sich eine anspruchsvolle Story ergibt und hat dann den Mitspielern erzählt, wie sie ihre Charaktere auszuspielen haben. Ich war ziemlich entsetzt. Das ist jedenfalls eine Person, mit der ich kein Freiformspiel mehr machen werde. Aber die Besserwisser und Ich-erklär-dir-die-Welt-ob-du-es-brauchst-oder-nicht-Mitspieler bei anderen Rollenspielen sind in meinen Augen signifikant häufiger.
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Ach so, ihr meint Freiform ohne Spielleiter. Bei Freiform mit Spielleiter bestimmt halt der SL so, was passiert. Da gibt's zwar gelegentlich Diskussionen, aber auch nicht mehr als beim Würfeln, wenn um Modifikatoren gefeilscht wird.
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Wie gelangt ihr im Freiformspiel überhaupt zu Entscheidungen? Was passiert beim Freiformspiel, wenn bei einem anderen Rollenspiel gewürfelt wird?
Wenn wir nicht weiterwissen, benutzen wir gern die Itras-By-Entscheidungskarten mit verschiedenen Varianten von Ja und Nein (plus "Der Konflikt eskaliert", immer wieder schön).
Wir haben schon mit etablierten Charakteren (Ars Magica, Fate) SL-los gefreiformt, da wurde dann auch schon mal auf einen Wert gewürfelt, aber mehr als Ideenlieferant als als reguläres Ereignis.
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Bei Freiform mit Spielleiter bestimmt halt der SL so, was passiert.
Na, das muss aber auch nicht unbedingt so aussehen. Man kann auch einfach anspruchsvolle Szenen generieren und dann die Spieler mal machen lassen (wie beim Würfeln auch).
Wenn wir nicht weiterwissen, benutzen wir gern die Itras-By-Entscheidungskarten mit verschiedenen Varianten von Ja und Nein (plus "Der Konflikt eskaliert", immer wieder schön).
Ja, das mag ich auch sehr. Ich hab´s noch nicht erwähnt, weil ich mir nicht ganz sicher bin, wie sehr Freiform die Itras-By-Entscheidungskarten noch sind. Die Vertreter der reinen Lehre sehen darin vielleicht doch schon zufallsbasierte Konfliktresolution. Trotzdem sehr schön. Und ich hatte auch schon ein paar Runden, in denen die Itras-By-Entscheidungskarten auf dem Tisch lagen und dann sind alle so sehr ins Erzählen gekommen, dass nicht eine einzige gezogen wurde.
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Wenn's läuft, läuft's.
Wenn man nicht so richtig sicher ist und alles cool sein könnte, finde ich Entscheidungskarten großartig. Ob das jetzt reine Lehre ist oder nicht, ist mir da relativ schnuppe - Übergänge sind ja immer relativ fließend. :)