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Pen & Paper - Spielsysteme => Savage Worlds => Savage Worlds Regelsystem => Thema gestartet von: Der Rote Baron am 16.11.2016 | 20:35

Titel: Wie handhabt ihr "Überraschungsrunde" und "Überraschungsangriff"?
Beitrag von: Der Rote Baron am 16.11.2016 | 20:35
Die Regeln besagen ja, dass die beiden "etwas ganz anderes" sind. Echt jetzt?

Als Beispiel für eine Überraschungsrunde wird im Regelwerk gegeben, dass zwei Pulp-Helden am Flus herumschleicehn (dabei sicherlich aufmerksam sind und nach Gefahren Ausschau halten) und sich zwei Stammeskrieger unbemerkt hinter Bäumen verbergen (also nicht zu sehen sind), die Helden bis auf Reichweite herankommen lassen und dann angreifen.

Bei Überraschungsangriff führen die Regel aus, dass darunter völlig überraschende Angriffe aus wenigen Metern Entfernung gemeinet sind - oder auch Scharfschützenangriffe aus dem Hinterhalt.

Also beides völlig was anderes? - Selbst die Regeln widersprechen sich hier m.M.

Klar, wenn ich als amerikanischer G.I. durch die Trümmer von Neueville hechte und mich immer wieder ein deutscher Heckenscütze unter Feuer nimmt, dann bin ich sicher überascht - aber spieltechnisch würde ich dem Gefreiten Franz Holzauge nun nicht auch noch +4 auf Angriff und Schaden geben wollen.
Greift andererseits der angeblich treue huronische Führer Schaut-so-schel plötzlich und überraschend den britischen Captain Munroe an, während der sich im Kampf gegen dessen Stammesgenossen befindet, gibt es +4/+4, aber keine Aussetzerrunde.

Aber das Beispiel mit den Stammeskrieger, die die SC auf Kampfentfernung herankommen lassen, scheint beides zu sein.
Gleichfalls, falls der Gefreite Holzauge einen langsam daher maschierenden Yankee außerhalb ener Kampfsituation aufs Korn nimmt.

Mein Problem dabei: Mit Zielen kommt der dann auf +6 auf den Angriffswurf gegen Zielwert 4 auf nahe, 6 auf mittlere und 8 auf weite Entfernung. Da kann er selbst bei rudimentären Einführung in seine Waffe (W4) kaum daneben schießen (ne 1 wäre doof). Und ein guter Schütze trifft den Kopf mit einer Steigerung (+1W6+8 auf Schaden) ohne den Nachteil des rücksichtslosen Angriffs auf die Parade.

Habe nichts gegen verheerende Angriffe - aber doch nicht durch jeden Hanswurst.

Wie handhabt ihr das nach der Regel.
Titel: Re: Wie handhabt ihr "Überraschungsrunde" und "Überraschungsangriff"?
Beitrag von: Pyromancer am 16.11.2016 | 22:50
Die "Überraschungsrunde" gibt es bei mir alle Nas lang, immer, wenn eine Partei eine andere nicht ganz optimal vorbereitet antrifft. Also: Die klassische Räuberbande, die aus dem Gebüsch springt. Die Proleten am Nebentisch, die plötzlich ihre Waffen ziehen. Wenn einer um die Ecke biegt und in die Mündung von drei Sturmgewehren schaut. Dann heißt es: "Wer den Wahrnehmen-Wurf nicht schafft, der kriegt in der ersten Runde keine Karte."

Den "Überraschungsangriff"/"The Drop" gibt es selten, und nur, wenn die Partei wirklich gar nicht mit einem Angriff rechnet. Gegen eine Gruppe von Soldaten auf Patrouille im Feindesland kriegt der Scharfschütze kein "the Drop" - auf eine Gruppe von Soldaten in der Etappe, die grad beim Mittagessen sitzen dagegen schon. Und natürlich bei dem klassischen Meuchel-Angriff, wenn das Opfer seinen Wahrnehmen-Wurf nicht schafft.

Zu dem "aber doch nicht jeder Hanswurst!": Scharfschützen, Meuchelmörder, Assassinen etc. sind schon von Natur aus keine "Hanswurste", von daher stellt sich das Problem nicht.
Titel: Re: Wie handhabt ihr "Überraschungsrunde" und "Überraschungsangriff"?
Beitrag von: Kardohan am 16.11.2016 | 23:19
Wo ist da das Problem:
Überraschung hat man regelmässig, wenn die Leute ihre Wahrnehmungswürfe zu Beginn eines Kampfes versemmeln. Die Leute waren einfach nicht aufmerksam genug und haben dann Initiative oder nicht.

Der Überraschungsangriff (The Drop) spielt zwar hier rein, ist aber ein gänzlich anderes Biest, denn dieser ist nicht auf die obige "Überraschungsrunde" begrenzt.
Drop wird NUR eingesetzt, wenn jemand KEINERLEI AHNUNG hat, wo der Angreifer sich befindet, mag es getarnt mit einem Scharfschützengewehr auf der nächsten Hügelkette, in der düsteren Gasse gleich 2 Schritte um die Ecke oder sich absolut leise und ungesehen aus dem dicken Nebel anschleichend sein.
Nur weil jemand in Heimlichkeit eine Erhöhung geworfen, heisst es noch lange nicht dass es automatisch The Drop ist. Die Gesamtsituation gilt es zu analysieren und meist gilt eben: Konnte das Opfer überhaupt eine Ahnung davon haben, dass sie hier angegriffen werden könnte? Konnte es wirklich damit rechnen? Wirklich????

Nur der SL entscheidet, ob ein Überraschungsangriff in der gegebenen Situation zulässig ist und er ist angehalten damit sehr, sehr, sehr sparsam umzugehen.

Und: Ja, es kann einen Überraschungsangriff auch mitten im Kampf geben, und ja, auch gänzlich ohne Heimlichkeitswürfe. Etwa, wenn jemand an einer Ecke der Schlachtfelds um eine Ecke verschwindet, sich auf die andere Seite "teleportiert" (oder einfach nur schnell rennt) und dann plötzlich von links statt von rechts hinter der Mauer an sein Opfer herantritt.
Darum muss man ja auf so Zauber wie Unsichtbarkeit, Graben und Teleportieren streng achten, dass sie nicht für so etwas missbraucht werden!

Was die +4 Angriff und Schaden betrifft, so ist dieser wohlverdient, denn obwohl es oben relativ einfach aussieht The Drop zu bekommen, so ist es dies eigentlich nicht.
Und letztlich sind es einfach nur weitere Modifikatoren. Zwar happige, aber es ist ja nicht so, als ob nicht Licht, Deckung, Reichweite, Verwundung, Erschöpfung, getragenes Gewicht etc etc nicht auch ebensoviel abziehen. Oder umgekehrt kann man ja noch Zielen, gewisse Manöver nutzen, Talente haben oder ein Zielfernrohr um die Chancen zu treffen zu verbessern.

Du vergisst hier nämlich mal wieder einen gewissen Umstand, den SW von anderen Systemen unterscheidet: Erst kommt der Trefferwurf (so gut der auch immer sein mag), dann kommt der Schadenswurf (sogut der auch sein mag) der gegen die Robustheit geht. Der Gegner kann Schaden wegstecken und dann gibt es immer allerhöchstens 3 Wunden. Das einige Chancen mehr komplett alles zu versemmeln oder einen Übererfolg zu haben. Ein guter Trefferwurf, der einen Bonuswürfel zum Schaden gibt, kann beim Schaden mit dem absoluten Minimumschaden enden.
Das System ist hier ja mit Absicht sehr swingy und somit überraschend! Und lass uns nicht vom Einsatz von Bennies anfangen um den Schaden wegzustecken oder Würfe zu wiederholen.

RAW gibt es the Drop auch für Extras... und warum nicht, ausser die Settingregeln verlangen es anders. Letztlich ist dieser Überraschungsangriff viel weniger gefährlich als man von der Papierform her annimmt.
Titel: Re: Wie handhabt ihr "Überraschungsrunde" und "Überraschungsangriff"?
Beitrag von: Vasant am 17.11.2016 | 00:48
Zum Thema: Was Kardohan sagt.
Zum Kardohan:
Und: Ja, es kann einen Überraschungsangriff auch mitten im Kampf geben, und ja, auch gänzlich ohne Heimlichkeitswürfe. Etwa, wenn jemand an einer Ecke der Schlachtfelds um eine Ecke verschwindet, sich auf die andere Seite "teleportiert" (oder einfach nur schnell rennt) und dann plötzlich von links statt von rechts hinter der Mauer an sein Opfer herantritt.
Darum muss man ja auf so Zauber wie Unsichtbarkeit, Graben und Teleportieren streng achten, dass sie nicht für so etwas missbraucht werden!
Wieso missbraucht? Nach deiner Beschreibung müssten das doch Premium-Einsatzbeispiele für diese Zauber sein.  wtf?
Titel: Re: Wie handhabt ihr "Überraschungsrunde" und "Überraschungsangriff"?
Beitrag von: Kardohan am 17.11.2016 | 06:47
Zum Kardohan:Wieso missbraucht? Nach deiner Beschreibung müssten das doch Premium-Einsatzbeispiele für diese Zauber sein.  wtf?

Etwa in jeder Runden The Drop zu provozieren. Diese Zauber machen es halt recht einfach. Es reicht ja schon dass einer der Spieler Unsichtbar für 3 Runden rumrennt. Nun stell dir das in Settings mit No Power Points Settingregel vor, wo dieser Zauber theoretisch 24h aufrechterhalten werden könnte.
Titel: Re: Wie handhabt ihr "Überraschungsrunde" und "Überraschungsangriff"?
Beitrag von: YY am 17.11.2016 | 10:58
Letztlich ist dieser Überraschungsangriff viel weniger gefährlich als man von der Papierform her annimmt.

Und deswegen wird einem von jedem, den man fragt, gesagt, man soll damit sehr sparsam umgehen?  ;)
In den meisten Fällen kommt dabei schon spürbar was rum, und wenn es "nur" eine größere Zahl Bennies kostet, um aus der Nummer raus zu kommen.

Der Witz an The Drop ist doch gerade, dass selbst mit mittelmäßigen bis schlechten Angriffs- und Schadenswürfen immer noch was passiert und wenn nur einer der beiden Würfe gut ist und der andere normal, wirds schon ziemlich ekelhaft.

Etwa in jeder Runden The Drop zu provozieren.

Warum sollte man das zulassen?
Wenn schon nicht entdeckte Gegner im Hinterhalt i.d.R. nicht den Bonus bekommen, weil das Ziel sich der Gefahr diffus bewusst ist, warum sollte dann ein "nur" Unsichtbarer nach seinem ersten Angriff (!) weiterhin den Bonus abgreifen können?

Das wirkt nur, wenn man eine Runde lang komplett verschwunden ist und das Ziel sich mit was Anderem beschäftigen muss/kann.

Titel: Re: Wie handhabt ihr "Überraschungsrunde" und "Überraschungsangriff"?
Beitrag von: Der Rote Baron am 17.11.2016 | 18:53
Wieder einmal an alle vielen Dank für die rasche(n) und erhellende(n) Antwort(en)!  ^-^
Titel: Re: Wie handhabt ihr "Überraschungsrunde" und "Überraschungsangriff"?
Beitrag von: Agaton am 18.11.2016 | 09:34
Zum Thema Relative Ungefährlichkeit.

In meinem Büchlein (Gentlemans Edition Revised) wird darauf hingewiesen das the Drop gerne mit Rücksichtslosem Angriff und Angesagtes Ziel Kopf kombiniert wird.

Das macht dann netto +2 auf Treffen und +10 Schaden.
Zugegeben, meine Erfahrungen sind auch noch nicht aus der Praxis, aber das klingt für mich schon als würde da was passieren.

Gruß
Agaton