Ich hätte noch nie Miniaturen für nötig befunden. HG sollte wohl damit trumpfen, daß es nicht nur ein Rollenspiel ist, sondern auch noch taktische Miniaturenregeln für Mechas mitbringt, so daß man nur den Maßstab wechseln und Hexkarten auslegen muß, um auf der Ebene von Fahrzeugen und Gears zu spielen. Woran bei uns damals keiner allzu großes Interesse hatte. Der Verlag hatte damals wohl die Battletech-Spieler im Visier; für mich waren Gears allerdings höchstens Szenendeko beim klassischen Rollenspiel, und dafür haben wir nie Miniaturen benutzt.
Wie gesagt, die wahre Trumpfkarte von HG ist das Setting, Terra Nova. Ich bin kein großer Freund von detaillierten Settings oder Splatbooks mehr, aber die League Books gebe ich im Leben nicht her. (Die wenigen erschienenen Quellbände zu den Kolonien und zur Erde kann man sich hingegen schenken.)
Später hatte ich mir mal Blue Planet angeschafft, weil das oft mit HG verglichen und gelobt wurde; es war eine ziemlich Enttäuschung. Vielleicht drückt Terra Nova nur irgendwie auf die richtigen Knöpfe bei mir, aber ich habe nie wieder ein ähnlich interessantes Setting gefunden.
Am Besten fand ich immer, daß überall Spannungen angelegt waren und an jeder Ecke jederzeit Konflikte losbrechen konnten – einfach nur, weil alle vorhandene NPCs etwas wollten, oder jemand anders wo gegen war, oder einfach weil die Leute kurzsichtige Egoisten waren. Kurz, genau wie im richtigen Leben, nur halt unterhaltsamer und vor einer coolen SF-Kulisse. Keine Helden oder Schurken, nur Menschen, die sich gegenseitig das Leben schwer machen. Hier ein Putin, da ein religiöser Eiferer, hier eine Demokratie mit Freiheitsidealen und Rechtsstaat (aber einer agressiven Kirche), da eine blühende Kulturnation (aber mit totalitärem Politsystem) … auf Terra Nova ist was los.
Und daß jede der sieben Polarnationen aus gerade mal einer Handvoll Stadtstaaten besteht, von denen jeder eine eigene grobe Übersichtskarte, eine schicke Ansicht und ein paar Seiten Überblick hat, finde ich heute noch brillant. Gerade genug interessantes Detail, ohne daß es überhand nimmt. Ein spärlich besiedelter Planet erspart da ziemlich viel unnützen Aufwand.
(Wenn man sich die Karten etwas näher ansieht, kann man übrigens bei jeder Illustration ziemlich genau bestimmen, welchen Standpunkt der Betrachter einnimmt, und welche Gebäude oder Stadtteile da abgebildet sind. Zumindest bei den früheren League Books; ganz am Ende war die Finanzkanne einfach leer. Es hatte ja schon zu einem ordentlichen Korrektorat selten gereicht.)