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Medien & Phantastik => Sehen, Lesen, Hören => Sehen => Thema gestartet von: KhornedBeef am 25.02.2018 | 01:16

Titel: Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen (2010)
Beitrag von: KhornedBeef am 25.02.2018 | 01:16
Wieso finde ich dazu eigentlich noch keinen Thread?

"Sherlock Holmes meets Wuxia" wäre ein schöner Pitch für diesen Film, wenn auch ich nicht ganz korrekt.
Dieser chinesische Film spielt in einem historischen China mit einigen künstlerischen Freiheiten. Die namensgebende Hauptfigur ist, anders als bei klassischen Wuxia-Erzählungen, aber kein wandernder Kampfkünstler, sondern ein brillianter, aber wegen Rebellion verurteilter Justizbeamter. Der Film beginnt mit einem mysteriösen Mordanschlag, der die kurz vor ihrer Krönung zur ersten weiblichen Kaiserin Chinas stehende Regentin zwingt, Di Renjie aus seinem Kerker zu befreien, um diesen aufzuklären.
Ein auf den ersten Blick unirdischer Todesfall, überforderte Behörden, ein querulantisches Ermittlergenie (sogar mit passendem Adlatus), soweit die Ähnlichkeit zur Arthur Conan Doyles Figur. Aber die Unterschiede werden deutlicher, je weiter man der Handlung folgt. Die Freude am Scharfsinn und das bewusst exaltierte Auftreten bleiben subtil, stattdessen erlebt man eine Figur, die gespielt und verloren hat, und fast widerwillig ihren Idealen folgt. Opfer, Verlust und der Widerstreit zwischen Idealismus und Pragmatismus bestimmen auch die weitere Handlung, die ich nicht verraten will.
Die Sets sind teilweise großartig (jedenfalls wann immer die mediokren Computerspezialeffekte ausbleiben), die Actionszenen solide, wobei Kampfkunst weniger im Fokus steht. Allenfalls Dis eigene Taktik, eine weitere Hommage übrigens, erfährt etwas Beachtung. Die Schauspieler fand ich überzeugend, die Kameraarbeit ebenfalls, die Beziehung der drei Hauptakteure scheint sich, wie oft, etwas sprunghaft zu entwickeln.
Für Genrefans empfehlenswert, würde ich sagen.

Nun zu euch: Abweichende Meinungen? Hat euch der Film vielleicht inspiriert? Die Titelfigur ist beispielsweise mit Sicherheit ein Einfluss auf einen der Beispielcharaktere im Fate-Rollenspiel "Tianxia", wie auch das "China, aber nicht China"-Setting in diesem Film sehr nahe an dem von Tianxia sein könnte.

Edit: Titelfehler
Titel: Re: Detective Dee und die Phantomflammen (2010)
Beitrag von: Flamebeard am 25.02.2018 | 02:15
Der Film ist mir vor einigen Jahren in die Hände gefallen und ich finde ihn genial. (Das gilt übrigens auch für die Fortsetzung/das Prequel "Detective Dee und der Fluch des Seeungeheuers" (2013); Gespannt bin ich auch auf den dritten Teil "Detective Dee: The Four Heavenly Kings" (2018))

 Was den technischen Aspekt an geht, gebe ich dir voll und ganz recht. Und bei dem Hauptdarsteller kann man eigentlich nicht daneben liegen, der ist schon seit Jahrzehnten eine sichere Bank im Hong Kong-Kino. Dass die Besetzung so namhaft ist und auch so gut aufspielt, liegt zum Teil sicherlich auch an Tsui Hark, dem Regisseur (Der bereits einige meiner Lieblingsfilme geschrieben bzw. bei ihnen Regie geführt hat).

 Ein, zwei Plot-Wendungen sind leicht hanebüchen, aber das schiebe ich mal auf ein anderes Film-Verständnis bei der Produktion.

Fun Fact: Die Story(ies) um Detective Dee basieren auf Kriminalgeschichten und Volkserzählungen aus dem China des 18.Jahrhunderts.

===
Edit: Sehe, du hast den Titel geändert. ;)
Titel: Re: Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen (2010)
Beitrag von: Grimtooth's Little Sister am 25.02.2018 | 05:00
Klingt als müsste ich mir das unbedingt ansehen.
Titel: Re: Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen (2010)
Beitrag von: Orlock am 25.02.2018 | 08:16
Absolut sehenswert!
Ich fand die Fortsetzung/Prequel allerdings nicht ganz so gelungen. Ich könnte es nicht mal an konkreten Punkten festmachen, er hat mich einfach nicht so begeistert wie der erste Film.
Kann an meinem generellen Problem mit Prequels liegen. Wenn ich weiß, worauf einige Sachen hinauslaufen ist es einfach weniger spannend.
Titel: Re: Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen (2010)
Beitrag von: Greifenklaue am 25.02.2018 | 09:01
Hab ihn recht gern geschaut. Und ja, wuerde sich auch als RPG-Plot eignen.
Titel: Re: Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen (2010)
Beitrag von: aikar am 25.02.2018 | 09:44
Mich hat er gut unterhalten, auch der zweite.
Es kommt ein dritter? Gut zu wissen, danke
Titel: Re: Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen (2010)
Beitrag von: Kurna am 25.02.2018 | 12:09
Ja, durchaus interessant.  :d

Die Romane um Richter Di sind übrigens auch die Vorlage für eine ganze Reihe von Midgard-Abenteuern.
Titel: Re: Detective Dee und die Phantomflammen (2010)
Beitrag von: KhornedBeef am 25.02.2018 | 17:46
[...]

Fun Fact: Die Story(ies) um Detective Dee basieren auf Kriminalgeschichten und Volkserzählungen aus dem China des 18.Jahrhunderts.

===
Edit: Sehe, du hast den Titel geändert. ;)
Wo du da schon informiert bist, ich hatte mal dreist behauptet, sein Kampfstil wäre eine Sherlock Holmes  -Hommage (Der Film mit Robert Downey Jr. kam übrigens ein Jahr vorher heraus), aber findet sich das auch in den Romanvorlagen wieder?
Titel: Re: Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen (2010)
Beitrag von: Greifenklaue am 25.02.2018 | 19:50
Wieso finde ich dazu eigentlich noch keinen Thread?
Gab/gibt übrigens einen: https://www.tanelorn.net/index.php/topic,64511
Titel: Re: Detective Dee und das Geheimnis der Phantomflammen (2010)
Beitrag von: KhornedBeef am 25.02.2018 | 19:52
Gab/gibt übrigens einen: https://www.tanelorn.net/index.php/topic,64511
Cool. Kack Suchfunktion. Danke dir! Sollte man die Zusammenlegen?
Titel: Re: Detective Dee und die Phantomflammen (2010)
Beitrag von: Flamebeard am 25.02.2018 | 20:06
Wo du da schon informiert bist, ich hatte mal dreist behauptet, sein Kampfstil wäre eine Sherlock Holmes  -Hommage (Der Film mit Robert Downey Jr. kam übrigens ein Jahr vorher heraus), aber findet sich das auch in den Romanvorlagen wieder?

Also... Die Geschichten um Di Renjie kommen in der Fassung, die wir heute haben, aus der Feder von Robert van Gulik. Der hat eine Geschichte(nsammlung) aus dem 18.Jahrhundert, die sich mit den Kriminalfällen des (verbrieft existierenden) Di Renjie (ca. 630-700 n.Chr.) beschäftigten. Ob dies tatsächlich Fälle waren, mit denen sich Di Renjie befasste, oder ob sie ihm nur zugeschrieben wurden, ist nicht gewiss. Aufgrund des Erfolgs der Übersetzung verfasste van Gulik noch 14 weitere Romane sowie 2 Geschichtensammlungen über die Figur und verarbeitete dabei überlieferte Kriminalfälle aus der chinesischen Geschichte. Obwohl fiktiv, hat der Autor sich wohl hervorragend vorbereitet, sodass sowohl Auftreten der Figuren als auch das Umfeld stimmig wirken.

 Ich gehe davon aus, dass in den Romanen weniger Kampfszenen und mehr Ermittlungsarbeit im Fokus standen. (So war die Rolle des königlichen Beraters auch ursprünglich nicht auf Leibwächter/Assassine ausgelegt, sondern die historische Vorlage war ein Poet und Schriftsteller am Hofe) Die Wuxia-Elemente und das dazu gehörige Wire Fu sind da eher dem Regisseur Tsui Hark geschuldet, der gerade auf diesem Gebiet ein Meister seines Fachs ist.