So eine Technik funktioniert gut im Medium Film (hat seiner Zeit imho Schweigen der Lämmer besonders ausgezeichnet - Lector beisst zu, man sieht ihn aber nur seinen Rachen aufreissen und - Schnitt - wie er von hinten den Kopf des Gebissenen packt, das Kopfkino "zaubert" den visuellen Rest dazu), bei Büchern oder RPG funktioniert das so (imho) aber nicht, schon gar nicht bei grundsätzlichen visuellen Beschreibungen.
"Jetzt sag schon, SL, irgendwie muss es ja aussehen! Hat es Tentakel, Klauen, einen festen Körper oder wabert es? Hat es was worauf ich schießen kann?"
"Mir egal. Ich werfe Dynamit!"
"Ich auch"
So würden meine Spielerinnen reagieren.
Doch, in Büchern funktioniert es auch. Ich habe schon einige Bücher gelesen, in denen nur von "unbeschreiblich", "nicht natürlich", "noch nie etwas vergleichbares gesehen" die Rede war, aber das Monster nicht genau beschrieben wurde. Oder nur Bruchteilhaft (was vielleicht fürs Spielen eine gute Idee wäre). Also so etwa : ihr könnt Tentakel erkennen, der Rest geht in ein undefinierbare masse oder Körper über, so etwas habt ihr noch nie gesehen. Wo genau die Tentakel ansetzen ist auch nicht erkennbar... "
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Die Fragestellung ist durchaus interessant, funktioniert aber im Rollenspiel eher in relativ eng umfassten Bereichen. Das Besondere an den beschriebenen Situationen ist ja nicht, dass das ETWAS nicht beschrieben wird, sondern dass die Reaktion der Protagonisten bestimmt sein muss. Die Hauptfiguren müssen ja den Schrecken (oder Angst oder sonstwas) auf dieses ETWAS zeigen. Im Grunde genommen geht es also darum, dass die SpielerInnen auf eine gewisse Art und Weise handeln und das scheint so eng gefasst, dass viele Gruppen daran keinen Spaß hätten. In einer stimmungsorientierten Horrorsession kann das schon ganz gut funktionieren. Es müsste aber klar kommuniziert werden oder von vornherein klar sein, wie die SpielerInnen zu reagieren haben. "Ich nehme meine Plasmaknarre und zerschieße das Ding zu Brei" ist wohl nicht das, was in der Runde ausgespielt werden soll? ;)
Und warum funktioniert es deiner Meinung nach nicht?
...durch das Schauen der (grandiosen) Serie "Chernobyl" ist mir letztens eine Technik eingefallen, die ich demnächst mal im Rollenspiel ausprobieren möchte. Was würdet ihr davon halten, wenn nach längerem Spannungsaufbau eben KEINE Erlösung durch Beschreibung des Monsters, des lange gejagten NSC, eines sonstigen Mysteriums erfolgt, sondern diese bewusst offen gelassen wird, damit das Kopfkino der Spieler anspringt? Hat da jemand Erfahrungen mit gemacht?
Hallo zusammen,Das Problem ist, dass ist schon in einer geschriebenen Erzählung schwer gut zu machen, vor allem ohne Wiederholung und Klischees. Und im Rollenspiel hast du weniger Kontrolle über die Erzählung.
durch das Schauen der (grandiosen) Serie "Chernobyl" ist mir letztens eine Technik eingefallen, die ich demnächst mal im Rollenspiel ausprobieren möchte. Was würdet ihr davon halten, wenn nach längerem Spannungsaufbau eben KEINE Erlösung durch Beschreibung des Monsters, des lange gejagten NSC, eines sonstigen Mysteriums erfolgt, sondern diese bewusst offen gelassen wird, damit das Kopfkino der Spieler anspringt? Hat da jemand Erfahrungen mit gemacht?
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Spontan stelle ich es mir so vor, dass man nur grob beschreibt, wie das Monster/der NSC/sonstiger Encounter wirkt, aber eben nicht, wie es aussieht.
Spieler 1: "Tritt endlich die Tür ein! Jetzt oder nie! Wir müssen das tun!"
Spieler 2: "Oh Gott, es geht los..."
SL: "Als ihr die Tür öffnet, dringt euch ein widerwärtiger Geruch entgegen. Das Geräusch von reißendem Fleisch dringt an eure Ohren, als ihr euren Lichtschein in den Keller werft"
Spieler 1: "Wie sieht es aus? Was sehen wir?"
Spieler 3: "Oh fuck!"
SL (schweigt kurz): "Das was ihr seht, ist definitiv schlimmer als das, was euch die Dorfbewohner erzählt haben. So etwas kann nicht natürlich sein."
Spieler 2: "Was sehen wir denn??"
SL (schaut die Gruppe nur an. Musik im Hintergrund läuft weiter)