Pete Rockard
(https://greatoaksrecovery.com/wp-content/uploads/2018/11/How-to-Talk-to-Someone-About-Their-Depression.jpg)
Theme (https://www.youtube.com/watch?v=se7w6pqBBxg)
Wie alles angefangen hat? Puh, ich bin echt kein guter Erzähler. Das ist eher meine Frau. Aber gut. Also. Hm. Mein Name ist Pete Rockard. Ich arbeite bei COMPLEX im Strategic Business Management. Als Assistent. Ich komme gut vorwärts. Ich bin sehr glücklich. Wirklich. (Nickt.)
Wie? Ob das der Anfang ist? Nein, entschuldigen sie bitte.
Vielleicht hat es da angefangen, als ich merkte, dass ich gerne etwas… mehr wäre. Damals ging ich erst mal weg. Mutig, nicht wahr? (Wirkt nachdenklich.)
Hm. So im Nachhinein betrachtet, war es sicher richtig. Immerhin habe ich so meine Frau Susan kennengelernt. Sie kennen sie unter ihrem Namen, ihrem berühmten Namen – Gilian Mills. Ja, genau. (Lacht) Die Autorin. Können Sie sich das vorstellen? Ich, Pete Rockard, bin Gilian Mills‘ Ehemann. (Lacht abermals.)
Aber ja, so ist das. Auf jeden Fall habe ich damals einiges zurückgelassen. Ich war im Grunde nie mutig, wissen sie. Weggehen, das konnte ich mir eigentlich gar nicht vorstellen. Ich bin so ein... ein Mensch gewesen, der dachte… naja ich dachte, ich würde mal [Meara] heiraten. Seine große Sandkastenliebe. (Lächelt.)
Aber ich ging ja weg. Und die… hm... Schwärmerei, die verging auch. Sie wissen ja, wie das so ist, man wird älter und… Wenn ich so recht nachdenke, weiß ich gar nicht mehr, wer zuerst wegzog? Ob [Meara] oder ich. Das Gedächtnis ist schon manchmal seltsam, oder? (Schüttelt den Kopf. Reibt sich die Augen.)
Ja, Sie haben recht, das ist nicht der Anfang. Ich sagte ja, ich bin kein guter Erzähler. Sie sollten meine Frau fragen, die kann erzählen. Mannomann und wie! Aber das ist Ihnen ja nun klar, da Sie wissen, dass sie die große Gilian Mills ist. Ich kann nicht gut schreiben. Aber he, lange war ich der Fels in der Brandung… also es mit ihrer Schreiberei noch nicht so lief. Und mein Job, der… de rettete uns. Bis zu ihrem ersten Erfolg. Und jetzt… ich arbeite, weil… Mir ist die Arbeit schon wichtig, wissen Sie. Sie erfüllt mich. Wirklich. Ich bin stolz auf sie. (Nickt langsam.)
Gut, mein Kollege [Orko] macht manchmal schon so Sprüche. Mann, andere könnten es als Beleidigung auffassen… aber das ist so ein Männerding. Kennen Sie doch, oder? Auf jeden Fall [Orko] meint, ich sei ein Buchhalter-Typ. Aber he, wäre ein Buchhalter-Typ so weit gekommen wie ich? Wohl kaum. (Lacht kurz.)
Nein, aber das ist auch nicht der Anfang. Sie haben recht. Also. Wie hat alles angefangen?
Ich denke, es war, als ich mich beim Sport verletzte. Im Fitness Studio. Es gab eine ziemliche Platzwunde und ich blutete meine ganzen Klamotten voll. Susan war tierisch stinkig, weil sie nun alles waschen musste. Meine Güte hat die sich aufgeregt. Wenn Susan mal gesehen hätte wie [Meara] und ich aussahen, als wir als Kinder durch die Gegend zogen. Manchmal mussten wir uns im Bach waschen, bevor wir nach Hause gingen, weil wir so schmutzig waren. Klar, das hat irgendwann aufgehört, weil... wir ja älter wurden. Und da… naja, wir verändern uns halt. Aber es war eine tolle Zeit. Ich war damals ein richtiger Rowdy. Hm… oder war sie es? Keine Ahnung, aber zurückstecken gab es damals nicht. Nur mehr… naja… (Wird nachdenklich.)
Auf jeden Fall war Susan mächtig sauer. Sie hatte ein Buch zu schreiben, sagte sie. Und es stört sie, wenn die Waschmaschine läuft. Ja, sie schrieb zu Hause. Immer. Da dürfte ich nicht stören. Und Mensch, Arbeit habe ich doch genug. Und Abends dann zum Sport… und manchmal mit den Kollegen…. aber meistens zum Sport. Für die Gesundheit und so. Was man halt so macht, um sich fit zu halten. Ich war nie… ich war nicht oft zu Hause. Nicht wenn Susan schrieb. Und sie schrieb eigentlich immer. (Schweigen.)
Schon komisch, was? Für manche erscheine ich regelrecht unsichtbar. Aber Susan, sie hat mich immer gesehen. Und gehört. Als wenn ich nichts leise tun könnte. Ich schlief selbst laut, sagte sie mal. Witzig, oder? (Lacht.)
Ich schweife ab? Ja, Sie haben wohl recht. (Wird ernst.)
Vielleicht fing es damit an, als ich Susan fand. Sie lag am Fuß der Kellertreppe. Den Kopf seltsam verdreht. Die Augen… so vorwurfsvoll. Ich weiß noch, dass ich sie fragte, ob alles in Ordnung sei. Sie stöhnte leise. Meine Güte, ich hatte keine Ahnung wie es ihr ging, ob sie Hilfe bräuchte oder wie lange sie da schon lag. Aber als ich frage, antwortete sie mir nicht. Ich ließ sie dann in Ruhe. Das wollte sie ja immer. Ihre Ruhe. Meine Wäsche habe ich dann nicht geholt. Ich habe ja noch andere Sportsachen. (Lächelt kurz.)
Ich begann dann meine Wäsche selbst außer Haus zu waschen. Aber sie müssen auch wissen, dass Susan anfing, sich gehenzulassen. Sie räumte die Wohnung nicht mehr auf und ich werde den Teufel tun, mich da einzumischen. Das habe ich in all den Jahren gelernt. (Nickt bestimmend.)
Seit diesem Tag konnte ich nicht mehr gut schlafen. Komisch, nicht? (Nachdenklich.)
Aber ob das der Anfang war? Ich weiß nicht. Vielleicht… darf ich noch mal beginnen? Ja? Okay? Gut.
Möglicherweise fing es fing es damit an, als… Das war, als sie wegen den blutigen Sachen sauer war. Ich sei immer zu laut. Und ein Feigling! Sie schrie mich an. Immer muss sie alles machen, während ich meinen Arsch auf der Arbeit plattsitze würde. Nichtmal Karriere würde ich machen.
„Du Weichei. Schlappschwanz. Kleiner, jämmerlicher Wichser.“ (Er macht jemanden nach.)
„Und dann wasche ich auch deine Sachen!“ Sie schrie so laut. Und ich… ich stieß sie. Die Kellertür war offen. Ich hatte das nicht… bemerkt… (Pause.)
Sie schrie nochmal. Schriller. Dann war es ruhig. Sie lag unten. Starrte mich an. Fordernd. So unendlich fordernd. Ich machte die Tür zu, um ihren leisen Atem nicht zu hören. Einfach, damit ich auch mal meine Ruhe habe. Ich ging nicht mehr in den Keller. Seitdem ich meine Wäsche außerhalb wasche, lasse ich die Kellertür zu.
Aber ich gehe seitdem mit offenen Augen durch die Welt. Ich lebe jetzt endlich wieder bewusst. Das tut so gut. Und es bringt mich voran. Wirklich! Ich darf jetzt sogar eine Präsentation machen. Okay, eigentlich soll Susan sie schreiben. Mein Chef bat mich darum. Er weiß, dass sie Gilian Mills ist. Aber sie ist ja immer so beschäftigt. Und he... eine success story fürs visioning zu schreiben, das kann ich locker. Zudem ist Susan nachlässig geworden. So sehr, dass ich niemanden mehr ins Haus lassen kann, weil sich alles überall stapelt. Manchmal stört sogar mich der Geruch. Aber nein, es ist okay. Ich lasse ihr ihren Willen. Sie muss ja ihr Buch schreiben. (Nickt bestimmt.)
Und ich selbst habe ja auch keine Zeit, weil ich ebenfalls schreiben muss. Ich kann nicht mal mehr schlafen, weil mich die Präsentation so vereinnahmt. Aber das ist okay. Wirklich.
Ja, ich glaube, so fing das an... das mit der Präsentation… ich glaube, sie ist morgen.
Ergänzung zu Pete.
1. Fight or Flight
[] / [] []
2. Exhautiontalent
Überreden.
Naja, andere würden es wohl so nennen. Eigentlich ist eher abdriften oder ablenken. Denn wenn ich gut darin wäre, ja, wo wäre ich dann heute wohl? Nein, ich schaffe es leider immer, meine Gegenüber auf andere Gedanken zu bringen. Das Thema zu wechseln. Das ist manchmal so heftig, dass sie sogar meine wichtigsten Aussagen vergessen. Das kennen sie, oder? Man unterhält sich über eine Sache, da fällt ein Wort und BAMM das Thema dreht sich um etwas ganz anderes. Sport oder die Aktienentwicklung der Firma. Und diese hat in den letzten Tagen wirklich einige Sprünge gemacht.
Was? Das sehen sie auch so. Ich bin ihrer Meinung. Ich denke ja, es liegt es an der neuen Vision der Firma. Das müssen sie mir nun erklären, warum sie daran zweifel haben.
Wie bitte? Wie wir jetzt darauf kommen? Naja, ich sagte, die Aktie hatte einige Sprünge gemacht und meinte, es liege an der neuen Vision.
3. Madnesstalent
Aus den Augen, aus dem Sinn.
1-2: Übersehen werden. Leute übersehen Pete.
3-4: Vergessen werden. Leute wissen nicht mehr, dass Pete da war.
5-6: Vollständige Unsichtbarkeit. Jedes Lebewesen und Gerät übersieht Pete.