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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: 1of3 am 17.03.2020 | 12:52

Titel: Reizvolle Unförmigkeit
Beitrag von: 1of3 am 17.03.2020 | 12:52
Jener Beitrag von Jiba hat mich auf einen Gedanken gebracht (Hervorhebung von mir):

Etwas OT: PtA würde ich inzwischen nicht mehr empfehlen. Das ist einfach schlecht gealtert. Es hatte seine Zeit, aber unglücklicherweise emuliert es sein eigenes Genre, die TV-Drama-Serie, nur unzureichend... ich meine, im Ernst, in wie vielen TV-Serien spielen „persönliche Sets“ denn bitte eine Rolle? Und Struktur gibt das Spiel auch keine vor.

Den meisten der in PtA1 als Beispiele angegebenen wohlgemerkt. Aber selbst wenn nicht, persönlicher Ort ist eines der definierenden Merkmale an PtA für mich und zwar, weil es diese Überlegung erfordert: "Was könnte wohl für meinen Charakter als Ort passen?" Es ist der Stolperstein im ansonsten völlig glatten Design. Und ich denke, diese Elemente machen ganz häufig bei Anhängern einen gewissen Reiz aus und sorgen bei anderen für Kopfschütteln.

Ich nehme an, bei vielen Dingen, die mir meinesteils nur ein Was-zur-Hölle?!! entlocken, sieht das ähnlich aus. Was meint ihr?
Titel: Re: Reizvolle Unförmigkeit
Beitrag von: Darkling ["beurlaubt"] am 17.03.2020 | 13:10
Ähm, wahrscheinlich steh ich irgendwo auf dem Schlauch, aber wir sind uns einig, dass PtA und PbtA (also Primetime Adventures und Powered by the Apocalypse) nicht das selbe sind, oder?
Falls dieser meine Beitrag ein durch Erkältung ausgelöster Hirnfurz sein sollte, dann bitte ignorieren. ;)
Titel: Re: Reizvolle Unförmigkeit
Beitrag von: 1of3 am 17.03.2020 | 13:10
Ja. Aber meine Autokorrektur wusste das nicht.  :-[
Titel: Re: Reizvolle Unförmigkeit
Beitrag von: Alexandro am 17.03.2020 | 13:34
Ja, und? Wann bitte spielt der "Look" bei PbtA eine Rolle? Bei Fiasco fallen ein Großteil der Verbindungen (oft die Objects zuerst) in der tatsächlichen Sitzung unter den Tisch.

Es gibt immer Sachen, die nicht zentral für das Spiel sind, aber trotzdem wichtig für die Ausgestaltung und die gemeinsame Vorstellung.
Titel: Re: Reizvolle Unförmigkeit
Beitrag von: Jiba am 17.03.2020 | 14:00
Nur dass eben das "Personal Set" eine zentrale mechanische Bedeutung hat: Man zieht eine Karte mehr, wenn man sich da aufhält, IIRC. Die Figur hat dann in diesem Set mehr dramaturgischen Impact. Hat nur mit üblichen Seriendramaturgien nicht viel zu tun... mir fällt kaum eine Serie ein, in der ein Ort diese Rolle erfüllen würde. Zumindest nicht beim größten Teil der Serien, die ich gesehen hätte. Und da ist von Drama über Action über Comedy über Familienserie alles dabei.

Will heißen: Ich bin nicht gegen diese reizvolle Unförmigkeit. Ich finde diese Sachen am Spieltisch sogar enorm wichtig (wir sollten lieber mal darüber reden, warum die Rollenspieler, zumindest nach meiner Erfahrung, immer beschreibfauler bei solchen Details werden)... da wird der gemeinsame Vorstellungsraum mit ausgestaltet.

Aber: Ich binde keine Spielmechaniken daran, wenn es nicht gerade die Genreemulation unterstützt. Sobald ich Fluff mit Crunch unterfüttere, findet er geradezu zwingend ins Spiel... oder wird entgegen der Intention des Designers von der Gruppe ignoriert. Ich sollte mich nicht fragen müssen: Warum ist das mechanisch relevant? Und bei PtA frage ich mich beim "Personal Set" genau das.

Als Beschreibungshilfe: Vollkommen in Ordnung! Als Unterstützung der Konfliktresolutionsmechanik. Vollkommen ungeeignet für das "Genre", das hier emuliert werden soll.
Titel: Re: Reizvolle Unförmigkeit
Beitrag von: JollyOrc am 17.03.2020 | 14:44
Nur dass eben das "Personal Set" eine zentrale mechanische Bedeutung hat: Man zieht eine Karte mehr, wenn man sich da aufhält, IIRC. Die Figur hat dann in diesem Set mehr dramaturgischen Impact.

Voyagers Holodoc findet man auf der Medbay, Cisco Ramone hängt im Star Labs Labor herum, Luke steht in seinem Diner und der Big Bang Theory Comicverkäufer hat in seinem Laden Hausrecht.

Ich finde, da ist schon etwas dran.
Titel: Re: Reizvolle Unförmigkeit
Beitrag von: Alexandro am 17.03.2020 | 15:06
Picard geht öfters von der Brücke in seinen Ready Room, Locke hängt eine Zeit land ständig an der komischen Luke rum (und eigentlich könnte man jeden der Flashback/Flash Forwards/Flash Sideways als eigenes "Personal Set" interpretieren). usw.

Es ist halt ein Anreiz, Szenen immer an bestimmten Orten starten zu lassen und damit Kontinuität zu schaffen, statt wild durch die Gegend zu springen und immer wieder neue Schauplätze zu erfinden. Wenn das für die Serie die man spielt nicht passt, dann lässt man einfach weg (ich glaube das stand sogar in der 1st Edition des Regelwerks drin).
Titel: Re: Reizvolle Unförmigkeit
Beitrag von: 1of3 am 17.03.2020 | 15:38
Aber: Ich binde keine Spielmechaniken daran, wenn es nicht gerade die Genreemulation unterstützt.

Das ist exakt, was ich meine. Nehmen wir z.B. mal D&D3.x wo Zwerge Angriffsboni gegen Goblins bekommen. Was ist das emulierte Genre? Je nachdem, wie du jetzt antwortest, wird die Bewretung ausfallen, ob das nun passt oder nicht. Im Zweifelsfall müssen wir aber wohl annehmen, dass D&D für Szenarien ist, wo Zwerge eben eine Erbfeindschaft mit Goblins haben. Und Primetime Adventures für Serien, wo Protagonisten Personal Sets haben.