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Pen & Paper - Spielsysteme => Systemübergreifende Themen => Thema gestartet von: Holycleric5 am 6.06.2021 | 11:37

Titel: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Holycleric5 am 6.06.2021 | 11:37
Der Kämpfer in D&D, der mit 5 Trefferpunkten denselben Angriffsbonus hat wie mit 105 Trefferpunkten; Kleriker und Magier, die sich hinter Horden beschworener Kreaturen verbergen.
In Splittermond ist die Räubergruppe bereits auf dem ersten Heldengrad oft eher ein Ärgernis statt eine ernsthafte Bedrohung, gleichzeitig ist der mit Monstergrad 2 versehene Agent für eine Abenteurergruppe auf Heldengrad 1 eine so gut wie unüberwindbare Herausforderung.
Bei Age of Sigmar: Soulbound steigen die Charaktere so hoch ein, dass einzelne Goblins kaum der Rede wert sind. Arcane Codex ist zwar tödlicher und etwas "realistischer", aber dort gibt es selbst bei der Verwendung von optionalen Regeln nur wenig Luft nach oben, was die Steigerung der Charaktere angeht.

Auf der Seite www.dnd-gate.de gibt es einen Artikel (https://www.dnd-gate.de/gate3/page/index.php%3Fid=592.html), in dem u.a. "heroische" und "realistische" Rollenspiele einander gegenübergestellt werden:

Zitat
Rollenspiele lassen sich im Prinzip in zwei Kategorien aufteilen: Heroische und realistische. Heroische Rollenspiele legen viel Wert auf die Kontrolle der Spieler über das Spielgeschehen. Die Spieler können in die Rollen von Übermenschen schlüpfen und verfügen über große Macht, wie in "VAMPIRE", "SHADOWRUN" oder auch "7te See" und "Dungeons and Dragons".

Realistische Rollenspiele versuchen eher die Wirklichkeit zu simulieren. In ihnen sind die Charaktere sehr verletzlich. Die Herausforderung des Spiels besteht darin, möglichst realistisch die Spielwelt und ihre Reaktionen auf die Handlungen der Spieler umzusetzen. Realistische Rollenspiele sind "RoleMaster", "HarnMaster" oder "GURPS".

Welche anderen  "realistischen" Rollenspiele passen in die oben beschriebene Definition?

Edit. Wichtig wäre mir auch, dass männliche und weibliche SC / NSC möglichst gleichberechtigt sind, daher wird es "King Arthur Pendragon" nicht in die engere Wahl schaffen.

Mir selbst fallen z.B. noch folgende Systeme ein:
- Chivalry & Sorcery
- Darc
- Song of Swords
- Ruf des Warlock
- Midgard
- Aquelarre

Bin auf Eure Vorschläge und Antworten gespannt.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Zed am 6.06.2021 | 11:53
Ich habe mal RuneQuest, 3. Edition von Welt der Spiele, gespielt, und meine Gruppe und ich waren beeindruckt, wie sehr es in simulationistische Richtung geht und zugleich handhabbar ist.

Ein unglücklicher Treffer in den Unterleib, und Dein Charakter sitzt mit gelähmten Beinen auf dem Boden. Der Abstand von Einsteigerhelden zu erfahrenen Recken ist - was ihren Körper betrifft - nicht sehr groß, aber natürlich kann ein erfahrener Held Angriffe viel besser abwehren. Wenn ich mich richtig erinnere, ist aber auch kein "Super"-Held gegen (Un-)-Glückstreffer gefeit.

Es ist ein klassen- und stufenloses System, in dem Dein Held sich dort verbessert, wo er sich praktisch ausprobiert oder einen Lehrmeister besucht.

Meiner Gruppe war das System letztlich zu tödlich (von daher nicht episch genug), und wir wechselten zu DnD 3.5.

Ich bin immer noch fasziniert von RuneQuest-Systemfamilie, weil es mit/trotz seinem "realistischeren" Ansatz so gut funktioniert.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Maarzan am 6.06.2021 | 11:58
Edit. Wichtig wäre mir auch, dass männliche und weibliche SC / NSC möglichst gleichberechtigt sind, daher wird es "King Arthur Pendragon" nicht in die engere Wahl schaffen.

Willst du vergackeiern oder geht es gar nicht um Realismus?
Weil die entsprechende Geschlechterbehandlung ist ja Teil der jeweiligen Kultur und deren Umstände und damit realistischerweise auch nicht auf moderne Vorstellungen festgegossen - auch wenn es umgekehrt genauso unrealistisch ist wiederum clichee-mittelalterliche Zustände festzugießen.


Ansonsten: ein realistisches System gibt es (leider wie auch noch) gar nicht. Dieser Zweig ist zu relativ früher Zeit durch den einerseits erhöhten Aufwand, geringeren Glamour/Eskapismusreiz, wie auch dem Effekt von Storytelleragitation in weitestgehende Stasis gefallen, so dass Ansätze in dieser Richtung bisher löbliches, aber eben auch oft eher unausgereiftes Stückwerk in der Nische oder in Einzelbereichen geblieben sind.

In dem Sinne geht es dann für den Simulationsfreundlichen üblicherweise auch eher um die Vermeidung von groben Schnitzern bei der Wahl des Spiels des geringsten Spielschmerzes (wobei die empfindlichsten Schmerzbereiche da ggf auch von Spieler zu Spieler wechseln) .

Kandidaten wären dafür wohl am ehesten Runequest, Gurps mit gewissen Optionswahlen, Rolemaster.
Rein nach dem Inhaltsverzeichnis wäre das DSA4 denke ich - wenn da nur dann nicht die unter den Überschriften stehenden Texte wären.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Alexandro am 6.06.2021 | 12:32
evtll. Harnmaster (da müsste ich nochmal im Settingteil nachlesen - ich meine mich nicht zu erinnern, ob da explizit etwas über die Benachteiligung von weiblichen SC drin steht, oder ob das nur von Leuten da reininterpretiert wird, deren Geschichtskenntnis nicht über "Game of Thrones" hinausgeht)

Artesia (Fuzion): sehr gut ausgearbeitete Spielwelt; System ist auch kleinschrittig genug, um als realistisch durchzugehen (ansonsten nimmt man halt ein anderes Regelkonstrukt dafür); Geschlechterrollen (inklusive um diese zentrierte Konflikte) sind ein zentrales Element in der Spielwelt - nicht wirklich "gleichberechtigt", aber ausgewogener als das (ahistorische) "Männer machen alles und Frauen haben nichts zu melden" einiger Fäntelalter-Spiele, die sich (Pseudo-)Realismus auf die Fahne schreiben.

Ansonsten braucht nicht jedes "realistische" System explizite Verletzungsregeln oder ähnliches. oD&D hat auch Trefferpunkte, aber so wenige, dass ein Charakter ohnehin nach einem einzigen guten Treffer zu Boden geht (ob das jetzt durch eine Hüftwunde oder die Schmerzen eines abgetrennten linken Zehs passiert, ist in dem Moment erstmal egal - das Ergebnis ist das gleiche) - das sorgt dafür, dass Kämpfe immer gefährlich sind. Und bei Fertigkeitseinsatz gibt es keine großen Talentsprünge, wenn man etwas machen will, dann muss man der SL glaubhaft machen, warum das funktionieren kann (und da die SL nur ihre eigene Erfahrung als Basis für diese Entscheidung hat, wird das Spiel automatisch "geerdet" und näher an (unsere) Realität gerückt - es wird niemals vorkommen, dass es Diskussionen gibt alá "Die Regeln sagen aber, dass mein Charakter einer 14 Meter Sprung schaffen kann, wenn ich nur eine 17+ würfel", was in verklausulierten Spielen gerne mal vorkommt).
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Runenstahl am 6.06.2021 | 12:42
Wenn es simpel und noch relativ "realistisch" sein soll könnte man auch Cthulhu nehmen.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: ghoul am 6.06.2021 | 12:48
Willst du vergackeiern oder geht es gar nicht um Realismus?
Weil die entsprechende Geschlechterbehandlung ist ja Teil der jeweiligen Kultur und deren Umstände und damit realistischerweise auch nicht auf moderne Vorstellungen festgegossen - auch wenn es umgekehrt genauso unrealistisch ist wiederum clichee-mittelalterliche Zustände festzugießen.
Wollte mich auch gerade ähnlich kommentieren.  ;D
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: JS am 6.06.2021 | 12:49
Wenn es simpel und noch relativ "realistisch" sein soll könnte man auch Cthulhu nehmen.

Also, bei CoC 7 muß ich zustimmen. Da ist eine (Schuß-)Waffe brandgefährlich und eine Wunde nicht mal durch etwas Pennen ausgeheilt. Dazu die vielen Fertigkeiten usw. - es fühlt sich realistisch(er) an.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Crimson King am 6.06.2021 | 13:02
Willst du vergackeiern oder geht es gar nicht um Realismus?
Weil die entsprechende Geschlechterbehandlung ist ja Teil der jeweiligen Kultur und deren Umstände und damit realistischerweise auch nicht auf moderne Vorstellungen festgegossen - auch wenn es umgekehrt genauso unrealistisch ist wiederum clichee-mittelalterliche Zustände festzugießen.

Lies halt die im Eingangspost zitierte Prämisse, dann verstehst du auch, was mit realistisch gemeint ist.


On Topic: der Großteil der Rules Heavy Simulationism-Schiene fährt einen realistischen Ansatz. Bei GURPS hängt es vermutlich davon ab, welches Quellenmaterial und welche Punktezahl man beim Bau zulässt. Rolemaster, MERS und Harnmaster sind in jedem Fall Kandidaten. Ich würde Runequest/BRP auch dazuzählen.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: AndreJarosch am 6.06.2021 | 13:07
Stimme meinen Vorrednern zu:

Die BRP/W100-Familie ist dann vielleicht das richtige für dich:
- Call of Cthulhu (englisch von Chaosium, deutsch von Pegasus; bis zur 6. Edition sehr gut mit den unten genannten Systemen SEHR gut kompatibel, die 7. mit Umarbeitung auch))
- RuneQuest (englisch von Chaosium, deutsch von Uhrwerk)
- Mythras (englisch von The Design Mechanism, deutsch von 100 Questen Gesellschaft e.V.)
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Prisma am 6.06.2021 | 14:26
Arcane Codex ist zwar tödlicher und etwas "realistischer", aber dort gibt es selbst bei der Verwendung von optionalen Regeln nur wenig Luft nach oben, was die Steigerung der Charaktere angeht.
Uhm... kennen wir das selbe Spiel? Man kann in Arcane Codex als Startcharakter schon recht weit kommen - hartes Min-Maxing vorausgesetzt - aber da ist doch noch sehr viel Luftraum nach oben.

Ich finde zwar dass die Definition etwas knirscht, aber ich möchte zu den bereits genannten Spielen "Gemini" in den Ring werfen. 
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: nobody@home am 6.06.2021 | 15:13
- RuneQuest (englisch von Chaosium, deutsch von Uhrwerk)

RuneQuest könnte in einigen Editionen und Setting etwas problematisch werden, nämlich überall da, wo die Regeln der "Verletzlichkeit" mit einer relativ breiten Verfügbarkeit von Heilmagie entgegensteuern. Denn ob ich meine Trefferpunkte nach einer guten Mütze Schlaf alle wieder habe, weil meine Verletzungen "natürlich" geheilt sind, oder ob "nur" (einer) der Gruppenheiler mich vorher versorgt und jetzt auch alle seine Magiepunkte zurückgewonnen hat...macht zumindest aus meiner Sicht nicht unbedingt so einen Riesenunterschied.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Holycleric5 am 6.06.2021 | 16:22
Schonmal vielen Dank für Eure Antworten.

Zurzeit steht Mythras ziemlich hoch im Kurs, gefolgt von Artesia: Adventures in the known World.
Dahinter kommt Cthulhu, vor einiger Zeit habe ich mir das Mittelalter-Supplement "Dark Ages" beim Sphärenmeister geholt.

Bezüglich Arcane Codex
Ich habe mir gerade meine Diebin angesehen, die ich nach den Regeln für "Durchschnittscharaktere" (GRW 3. Edition, S. 194) erschaffen hatte, ihre Fertigkeitswerte lagen zwischen 2 und 3
Ein anderes Problem bei AC sind die leider oft etwas sehr schwammigen Fertigkeitsbeschreibungen (z.B. Ausdauer), die mir manchmal etwas zu sehr an der Oberfläche bleiben.
Trotzdem gefallen mir z.B. die verschiedenen Kampfmanöver.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Zed am 6.06.2021 | 20:26
Schonmal vielen Dank für Eure Antworten.
Zurzeit steht Mythras ziemlich hoch im Kurs

Die Basic-Role-Play/Runequest/Mythras-System-Familie ist ja sehr groß, und ihre Geschichte so spannend wie unüberschaubar. Welches ist das Beste für Dich?

Der QuestLog-Podcast (http://www.100questen.de/index.php/questlog) versucht, ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen. Vielleicht helfen Dir Episode 1 und 12 weiter.

Am besten aber beschreibst Du André, der seit Jahrzehnten für die System-Familie steht, genau, was Du möchtest, und er wird Sir sicher eine Top3 Deiner passenden RQ-Systeme nennen.

Was auch immer es wird: ich bin gespannt, in Zukunft einmal Deinen Eindruck zu lesen!
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: flaschengeist am 6.06.2021 | 21:02

Bezüglich Arcane Codex
Ich habe mir gerade meine Diebin angesehen, die ich nach den Regeln für "Durchschnittscharaktere" (GRW 3. Edition, S. 194) erschaffen hatte, ihre Fertigkeitswerte lagen zwischen 2 und 3
Ein anderes Problem bei AC sind die leider oft etwas sehr schwammigen Fertigkeitsbeschreibungen (z.B. Ausdauer), die mir manchmal etwas zu sehr an der Oberfläche bleiben.
Trotzdem gefallen mir z.B. die verschiedenen Kampfmanöver.

Zum Thema: Mir wäre auch Runequest und GURPS eingefallen, auch das kostenlos zu bekommende deutsche Unisystem ERPS ist einen Blick wert.
Zu Arcane Codex (3): Wir beenden gerade eine mehrjährige Kampagne, die Charaktere sind bei rund 100 CP Erfahrung. Da hat sich seit dem Anfang einiges getan. Dass AC nicht nur bei den Fertigkeitsbeschreibungen schwammig ist, kann ich leider bestätigten. Es ist bis jetzt auch das einzige Regelwerk, in dem ich und alle Mitspieler sich auch nach Jahren immer wieder verirren, wenn wir etwas nachschlagen wollen (fehlende Querverweise, unlogischer Aufbau, schlecher Index etc.). 
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Holycleric5 am 6.06.2021 | 21:36
In Sachen BRP würde ich gerne:

- Ein publiziertes Fantasy-Setting (Lorakis (vom Rollenspiel "Splittermond")) bespielen
- Zeitepoche geht Richtung Fantasy-Mittelalter, also z.B. kein Schwarzpulver.
- Gegner sollen vorrangig Menschen sein, aber auch Tiere, Untote oder das eine oder andere übernatürliche Wesen (z.B. Tiermenschen und Dämonen) dürfen vorkommen
- Charaktere sollen eher "durchschnittlich" statt "over the top" starten. Kein "Ihr gehört zu den von den Göttern auserwählten mächtigsten Helden Eures Zeitalters"
- Magie sollte eher subtiler sein und gerne auch Richtung Alltagsmagie gehen, statt dass sich der Magie später fröhlich durch die Welt teleportiert
- Die Spieler sollen in einer Stadt starten, die ca. 3.500 Einwohner hat, dort gibt es u.a. 2 Schreine (1x Mondgott Yonnus, 1x Todesgott Gunwar) und einen Tempel (Handwerksgott), eine Kaserne, einige Läden und zwei größere Anwesen. In der Nähe gibt es einige Kleinere Ortschaften, eine größere Stadt, einen größeren Wald und ein Gebirge mit vielen Minen. Es soll auch eher etwas mehr um den Alltag der Charaktere gehen, statt ständig von Ort zu Ort auf Abenteuer auszuziehen.

@Flaschengeist:
Ja, bei Arcane Codex verirre ich mich auch noch regelmäßig im Regelwerk, egal ob 2. oder 3. Auflage
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Blizzard am 6.06.2021 | 21:43
Welche anderen  "realistischen" Rollenspiele passen in die oben beschriebene Definition?
Ich würde da mal auf jeden Fall noch die 2te Edition von WarHammer Fantasy mit in den Ring schmeißen.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: JS am 6.06.2021 | 21:46
Das ist zwar eines meiner Lieblingssysteme, aber mMn von den anderen Kandidaten für Holy entfernt. Richtig gesteigert, sind die Helden ab der zweiten, dritten Karriere beinharte Metzelkünstler. "Realistischen Simulationismus" konnte ich da nicht so richtig verorten, sonst hätte ich es vermutlich nicht so gut gefunden. Geht zwar in die Richtung, aber BRP/W100 schwebt mir da mehr vor Augen.
 :think:
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: AndreJarosch am 6.06.2021 | 21:56
In Sachen BRP würde ich gerne:

- Ein publiziertes Fantasy-Setting (Lorakis (vom Rollenspiel "Splittermond")) bespielen
- Zeitepoche geht Richtung Fantasy-Mittelalter, also z.B. kein Schwarzpulver.
- Gegner sollen vorrangig Menschen sein, aber auch Tiere, Untote oder das eine oder andere übernatürliche Wesen (z.B. Tiermenschen und Dämonen) dürfen vorkommen
- Charaktere sollen eher "durchschnittlich" statt "over the top" starten. Kein "Ihr gehört zu den von den Göttern auserwählten mächtigsten Helden Eures Zeitalters"
- Magie sollte eher subtiler sein und gerne auch Richtung Alltagsmagie gehen, statt dass sich der Magie später fröhlich durch die Welt teleportiert
- Die Spieler sollen in einer Stadt starten, die ca. 3.500 Einwohner hat, dort gibt es u.a. 2 Schreine (1x Mondgott Yonnus, 1x Todesgott Gunwar) und einen Tempel (Handwerksgott), eine Kaserne, einige Läden und zwei größere Anwesen. In der Nähe gibt es einige Kleinere Ortschaften, eine größere Stadt, einen größeren Wald und ein Gebirge mit vielen Minen. Es soll auch eher etwas mehr um den Alltag der Charaktere gehen, statt ständig von Ort zu Ort auf Abenteuer auszuziehen.

Ist alles sowohl mit RuneQuest oder mit Mythras möglich und auch Basic Roleplaying selbst (das Große Goldene Buch, welches aber nur in englisch vorliegt) kommt in Frage.
Die aktuelle Edition von RuneQuest ist eng mit der Spielwelt Glorantha verbunden und du kaufst bei RuneQuest viel  Glorantha-Hintergrund mit UND müsstest das Spielsystem von der Welt lösen, um es mit einer anderen Welt zu verwenden.
Wenn du Mythras (von 2012 bis 2015 als "RuneQuest 6. Ausgabe" erschienen) verwendest hast du einen Regelwerkzeugkaste aus dem du die Elemente herausnehmen kannst die du möchtest. Hier gibt es fünf Magiesysteme und es wäre sowohl Volksmagie, als auch Zauberei, Theistische Magie oder Schamanismus und Mystizismus möglich (alles kann, nichts muss).
Gleiches gilt auch für die alte deutsche RuneQuest Ausgabe von Welt der Spiele von 1991 (RuneQuest 3. Auflage, ebenfalls von Glorantha losgelöst). Hier gibt es drei Magiesysteme: Geistermagie (entspricht der Volksmagie und dem Schamanismus von Mythras in einem), Göttliche Magie und Zauberei.


Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Koruun am 6.06.2021 | 21:59
Zitat
Realistische Rollenspiele versuchen eher die Wirklichkeit zu simulieren. In ihnen sind die Charaktere sehr verletzlich. Die Herausforderung des Spiels besteht darin, möglichst realistisch die Spielwelt und ihre Reaktionen auf die Handlungen der Spieler umzusetzen. Realistische Rollenspiele sind "RoleMaster", "HarnMaster" oder "GURPS".
Auf die Definition dürfte auch WFRP zutreffen. Eigentlich fast alles aus der BRP-Schule.

Bzgl. Hârnmaster: bei der Charaktererstellung erhalten männliche und weibliche Chars unterschiedliche Boni. Habe es nicht mehr 100% genau im Kopf, aber Männer starten mit etwas mehr Kraft/Körpergröße/Gewicht, Frauen sind dafür deutlich Magieaffiner. So zum Thema gleichberechtigt.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Holycleric5 am 6.06.2021 | 22:07
@ Blizzard
Danke für deinen Vorschlag, aber ich muss JS zustimmen:
Warhammer egal ob in der 4. oder 2. Edition hat mir immer etwas zu wenig Simulationismus.
Und bei der Alten Welt stoße ich mich immer wieder an für mich nicht immersiven Namen wie "Holswig-Schliestein" oder "Aloisis Arschloch".

@ AndreJarosch
Vielen Dank für deine Antwort. Bei deiner Beschreibung tendiere ich bisher zu Mythras :)

@ Koruun
Danke für deine Anmerkung zu Hârnmaster. Persönlich möchte ich jedoch eher etwas mehr gleichberechtigung bei den Geschlechtern (auch wenn es weniger "realistisch" ist): Kämpfende Frauen und magieaffine Männer sollten ohne größere Verrenkungen schon möglich sein (Erinnere ich mich richtig, dass man in Hârnmaster nach der Charaktererschaffung nur Skills steigern kann, aber keine Attribute?)
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: K!aus am 6.06.2021 | 22:08
Gerne kann man diesen Post auslagern, aber ich dachte Heldentum ist genau dies: Die Herausforderung angehen, trotz des Wissens um die eigene Sterblichkeit.

Deswegen wird hier im :T: auch DnD nicht mit Heldentum assoziiert, sondern mit Combat as Sport.  :think:

Also ich habe bei der Verleihung von Auszeichnungen bei Soldaten nicht den Eindruck, dass es dabei um Lob bzgl. realistischen Schusswechsel geht.  ;)
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Alexandro am 6.06.2021 | 22:36
@ Koruun
Danke für deine Anmerkung zu Hârnmaster. Persönlich möchte ich jedoch eher etwas mehr gleichberechtigung bei den Geschlechtern (auch wenn es weniger "realistisch" ist): Kämpfende Frauen und magieaffine Männer sollten ohne größere Verrenkungen schon möglich sein (Erinnere ich mich richtig, dass man in Hârnmaster nach der Charaktererschaffung nur Skills steigern kann, aber keine Attribute?)

Frauen kriegen etwas weniger Körpergröße (-2 Zoll) und haben etwas höhere Chancen niedriges Gewicht zu haben (wodurch sie evtll. Abzüge auf die Körperkraft bekommen, weil diese nach dem Gewicht modifiziert wird - was zugegebenermaßen nicht besonders realistisch ist). Aber der Einfluss ist sehr gering und kämpfende Frauen sind immer noch möglich (ebenso wie magiebegabte Männer, wenn auch hier der Bonus den Frauen bekommen deutlich spürbarer ist, aber Würfelglück kann das immer noch ausgleichen).

Tatsächlich können Attribute nach der Erschaffung nicht mehr gesteigert werden und da man diese zufällig erwürfelt ist man dann evtll. in eine Rolle gedrängt, die man nicht will - wenn man nur Mindestwerte bei Stärke und Ausdauer erwürfelt, dann wird das wahrscheinlich nichts mit der Karriere als Kämpfer.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Outsider am 6.06.2021 | 22:54
Wenn es simpel und noch relativ "realistisch" sein soll könnte man auch Cthulhu nehmen.

Nee, also CoC ist alles, aber nicht realistisch. Simpel, da gebe ich dir recht, das wars dann aber auch. Nicht missverstehen, das System.macht was es.soll aber unter.realistisch stelle ich mir etwas anderes vor als das ein und die selbe Waffe zwischen fast nichts und ein bisschen Schaden macht.

Das Personen uneingeschränkt handeln können bis die HP Speckschicht abgebaut wurde macht es nicht besser.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: JS am 6.06.2021 | 23:00
Hm, eine Schrote bei CoC kann einen Char mit dem ersten Treffer töten...
 :think:
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Outsider am 6.06.2021 | 23:06
Hm, eine Schrote bei CoC kann einen Char mit dem ersten Treffer töten...
 :think:

Er kann sich aber auch schütteln, lachen und weiter machen wie bisher. Und die Spanne ist zu groß. Und selbst ein paar Meter weiter weg sieht es schon wieder anders aus und.es wird nicht.besser.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: AndreJarosch am 6.06.2021 | 23:10
Nee, also CoC ist alles, aber nicht realistisch. Simpel, da gebe ich dir recht, das wars dann aber auch. Nicht missverstehen, das System.macht was es.soll aber unter.realistisch stelle ich mir etwas anderes vor als das ein und die selbe Waffe zwischen fast nichts und ein bisschen Schaden macht.

Das Personen uneingeschränkt handeln können bis die HP Speckschicht abgebaut wurde macht es nicht besser.

Cthulhu ist ein für moderne Settings abgespeckte/vereinfache Version des RuneQuest-/BRP-Systems und hat für den Zweck den es erfüllen soll genau die richtige Menge an Regeln.
Cthulhu-Regeln für Mittelalterliche- oder Fantasy-Settings zu verwenden ist gut machbar, fühlt sich für mich aber immer wie eine "Light-Version" dessen an, was man eigentlich von einem Mittelalter-/Fantasy-System erwartet.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Outsider am 6.06.2021 | 23:15
Cthulhu ist ein für moderne Settings abgespeckte/vereinfache Version des RuneQuest-/BRP-Systems und hat für den Zweck den es erfüllen soll genau die richtige Menge an Regeln.
Cthulhu-Regeln für Mittelalterliche- oder Fantasy-Settings zu verwenden ist gut machbar, fühlt sich für mich aber immer wie eine "Light-Version" dessen an, was man eigentlich von einem Mittelalter-/Fantasy-System erwartet.

Das mag sein, aber die Frage ob die Regeln tun was sie sollen steht ja nicht zur Debatte. CoC realistisch zu nennen, kommt für meinen Geschmack halt nicht in die Tüte.  ;D
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Moonmoth am 6.06.2021 | 23:38
Das mag sein, aber die Frage ob die Regeln tun was sie sollen steht ja nicht zur Debatte. CoC realistisch zu nennen, kommt für meinen Geschmack halt nicht in die Tüte.  ;D
Es ist nun nicht so ganz leicht zu verstehen oder zu diskutieren was deinen Geschmack (deine Kriterien für Realismus?) nun ausmacht. Am Ende ist es nämlich meiner Ansicht nach immer eine Geschmacksfrage:
Man wird immer Kompromisse machen müssen, weil es sich ja immer noch um ein Spiel handelt (und damit mehr oder weniger simulationstisch, aber immer genau… ein Kompromiss) und für mich sind handlungsunfähige Charaktere einer der ersten Punkte, den ich abschwächen würde, damit alle am Tisch Spaß haben - mal ganz abgesehen davon, dass Cthulhu definitiv keinen Kampfschwerpunkt hat.
Runequest hat einen detaillierteren Kampf (und die SC sind bei aller Macht sehr verwundbar und schnell erschöpft)  aber dafür spielt es in einer Spielwelt, in der Magie allgemein verfügbar ist - und damit auch Heilzauber. Die SC sind in RQ:G kompetenter und mächtiger als in RQ3 - ist das eine jetzt eine realistischer simulierte fiktive Welt?

Wenn es um maximale Simulation am Rande einer Umsetzbarkeit am Spieltisch geht: Phoenix Command existiert bereits, spielt nur fast niemand.  Wenn es um gut einen einsetzbaren Kompromiss Spielbarkeit/Simulation geht, dann Mythras - da gibt es auch mehrere Spielwelten, u.a. Vance’s Lyonesse.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: nobody@home am 7.06.2021 | 00:55
Kurz zur Klarstellung in Sachen CoC (aktuelle Edition):

-- Je nach Würfelglück oder -pech bei der Charaktererschaffung hat ein SC potentiell 5-18 Trefferpunkte, und die werden normalerweise auch nicht mehr.

-- Schadenswerte fangen so bei 1W3 + Schadensbonus (der für Menschen wiederum so von -2 bis +1W6 rangieren kann; Mythoskreaturen kommen leicht auf mehr, sind aber für Realismusbetrachtungen wohl eher zweitranging) für unbewaffnete Nahkampfangriffe an, Sachen wie Baseballschläger oder Macheten bringen den Schadenswürfel schon auf 1W8 (immer noch plus SB). Pistolen gehen so von 1W6 bis 1W10, einige ausgesprochene "Handkanonen" von großem Kaliber auch mehr; Gewehre rangieren grob um 2W6 plus etwas, Schrotflinten können auf kurze Entfernung schon mal 4W6 austeilen, fallen dann aber schnell ab, weil sich die Ladung verteilt.

-- Hinreichend gute Angriffsergebnisse können automatischen Maximalschaden verursachen; bei geeigneten Waffen, alle Feuerwaffen außer (ausgerechnet ;)) mit Schrot geladenen Schrotflinten nebenbei eingeschlossen, kommt noch mal ein normaler Schadenswurf obendrauf dazu. (Eine Pistole etwa, die normalerweise vielleicht "nur" 1W8 oder 1W10 Schaden verursacht, wird also im Fall eines hinreichend soliden Treffers für diesen einen Schuß plötzlich mal kurz zur 1W8+8- bzw. 1W10+10-Waffe...)

-- Rüstung kann eingesteckten Schaden reduzieren, ist im CoC-Kontext allerdings meist mehr für die Monster relevant, weil Otto Normalmensch (Kultisten und Mythosermittler mit auch nur einem Hauch von Ahnung von Diskretion eingeschlossen) eher selten mit Stahlhelm und kugelsicherer Weste oder in ähnlich auffälliger Aufmachung durch die Gegend läuft.

-- Ein Charakter, der in einer Attacke mindestens die Hälfte seiner Trefferpunkte an Schaden einstecken muß, ist schwer verletzt; er geht erst mal zu Boden, sein Spieler darf würfeln, ob er das Bewußtsein verliert, und der Schaden heilt deutlich langsamer als der von leichteren Verletzungen.

-- Ein Charakter, dessen Trefferpunkte auf Null fallen, geht k.o., wenn er keine schwere Verletzung davongetragen hat. Hat er eine abbekommen (kann in derselben Attacke oder einer vorherigen passiert sein), dann ist er potentiell tödlich verletzt und darf jede Runde ums Überleben würfeln, bis ihn hoffentlich jemand stabilisiert oder er eben ins Gras beißt; hat er innerhalb nur einer Attacke mehr als seine vollen normalen Trefferpunkte auf einmal verloren, ist er gleich tot. Rein formell kann ein Charakter, der keine schwere Verletzung eingesteckt hat, durch einfach nur hinreichend langsam akkumulierten Schaden nicht direkt sterben, allerdings erinnern die Regeln dabei gleich daran, daß ein besinnungsloser Charakter immer noch ein ziemlich hilfloses Ziel ist und plausible Mordversuche also erlaubt sind...

Also, wer möchte, soll sich meinetwegen ruhig weiter darüber beschweren, daß CoC-Charaktere nicht gleich beim ersten Zusammenstoß mit einem zufälligen Passanten in einer Blutexplosion auseinanderplatzen, aber ein ausdrückliches "Abtragen von HP-Speckschichten" sieht aus meiner Sicht dann doch schon noch mal etwas anders aus. ;)
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Runenstahl am 7.06.2021 | 01:14
...aber unter.realistisch stelle ich mir etwas anderes vor als das ein und die selbe Waffe zwischen fast nichts und ein bisschen Schaden macht.

So wirken Waffen aber nunmal. Waffen sind eigentlich allesamt potentiell tödlich, aber es gibt nunmal auch Streifschüsse, Fleischwunden etc.
Mein Großvater z.B. hatte eine Narbe am Arm wo eine Gewehrkugel ihn im 2. Weltkrieg durchschlagen hat. Das ist bestens verheilt und er hatte nie Einschränkungen damit.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 7.06.2021 | 01:26
Er kann sich aber auch schütteln, lachen und weiter machen wie bisher. Und die Spanne ist zu groß. Und selbst ein paar Meter weiter weg sieht es schon wieder anders aus und.es wird nicht.besser.
und was ist daran unrealistisch?
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Outsider am 7.06.2021 | 07:26
So wirken Waffen aber nunmal. Waffen sind eigentlich allesamt potentiell tödlich, aber es gibt nunmal auch Streifschüsse, Fleischwunden etc.
Mein Großvater z.B. hatte eine Narbe am Arm wo eine Gewehrkugel ihn im 2. Weltkrieg durchschlagen hat. Das ist bestens verheilt und er hatte nie Einschränkungen damit.

Streifschüsse und Fleischwunden bildet das System aber nicht ab. Genausowenig wie Schock oder Blutverlust. Entweder ich treffe oder ich treffe nicht. Nach den Regeln könnte sich ein Charakter die Waffe direkt auf dem Bein ansetzen und hätte mal einen Kratzer und mal ein paar TP verloren. Viel mehr passiert aber nicht.

Das ist nicht realistisch, egal wie man es drehen oder wenden will. Realismus ist auch keine Frage des Geschmacks. Die Eingangsfrage bezog sich ja nicht darauf ob sich Regeln die "realistisch" sind gut spielen lassen. Sondern ob jemand "realistische" Rollenspiele kennt und CoC gehört halt nicht dazu.

Zu viele Faktoren werden halt nicht abgebildet.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Nodens Sohn am 7.06.2021 | 07:55
Streifschüsse und Fleischwunden bildet das System aber nicht ab. Genausowenig wie Schock oder Blutverlust. Entweder ich treffe oder ich treffe nicht. Nach den Regeln könnte sich ein Charakter die Waffe direkt auf dem Bein ansetzen und hätte mal einen Kratzer und mal ein paar TP verloren. Viel mehr passiert aber nicht.

Das ist nicht realistisch, egal wie man es drehen oder wenden will. Realismus ist auch keine Frage des Geschmacks. Die Eingangsfrage bezog sich ja nicht darauf ob sich Regeln die "realistisch" sind gut spielen lassen. Sondern ob jemand "realistische" Rollenspiele kennt und CoC gehört halt nicht dazu.

Zu viele Faktoren werden halt nicht abgebildet.

Da würde ich widersprechen. Direktes Aufsetzen der Waffe gibt es durchaus als Regel bei CoC. Ergebnis: Patient tot! Da wird nicht mehr gewürfelt.
Streifschuss = geringer TP-Verlust.
Blutverlust = Würfeln nach jeder Runde (bei schweren Verletzungen) ob der Investigator stirbt (verblutet ist)
Schwere Verletzung gibt es ebnfalls als Regel! Da sind die Trefferpunkte noch lange nicht auf 0 angekommen.

Dann gibt es noch etliche Kampfmanöver, die einen kreativen Kampf ermöglichen: Entwaffnen, stoßen, uvm.

Was willst du denn noch für Mechanismen?
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Outsider am 7.06.2021 | 08:08
Da würde ich widersprechen. Direktes Aufsetzen der Waffe gibt es durchaus als Regel bei CoC. Ergebnis: Patient tot! Da wird nicht mehr gewürfelt.
Streifschuss = geringer TP-Verlust.
Blutverlust = Würfeln nach jeder Runde (bei schweren Verletzungen) ob der Investigator stirbt (verblutet ist)
Schwere Verletzung gibt es ebnfalls als Regel! Da sind die Trefferpunkte noch lange nicht auf 0 angekommen.

Dann gibt es noch etliche Kampfmanöver, die einen kreativen Kampf ermöglichen: Entwaffnen, stoßen, uvm.

Was willst du denn noch für Mechanismen?

Echt? Aufgesetzter Schuss auf den Finger ist gleich Tod?

Wie man sieht ist das Problem vielschichtig. Irgendwie kommt es mir so vor als hätte ich ein Lieblimgssystem beleidigt... >;D Das war nicht meine Absicht.

Außerdem geht es hier nicht darum was ich noch für Regeln haben wollen würde, es geht darum ob man ein realistisches System kennt..CoC gehört jedenfalls nicht dazu. Vielleicht ist es realistischer als andere Systeme aber deswegen noch lange nicht realistisch.

Das ein geringes Ergebnis auf dem Schadenswürfel einen Streifschuss darstellt ist ja nicht haltbar. Beim aufgesetzten Schuss aufs Bein gibt es ja nach deiner Definition zwei Möglichkeiten, SC = Tod...das würde aber sicherlich auch niemand wollen oder als realistisch empfinden, oder wir haben wieder das Problem, z.Bsp. im Vergleich zu einem Fauststoß, macht die Waffe entweder einen blauen Fleck oder ein bisschen Schaden.

Egal wie man es dreht oder wendet und mit SL Entscheidungen oder Sonderregeln argumentiert es wird nicht besser.  ;)
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Nodens Sohn am 7.06.2021 | 08:20
Echt? Aufgesetzter Schuss auf den Finger ist gleich Tod?

Wie man sieht ist das Problem vielschichtig. Irgendwie kommt es mir so vor als hätte ich ein Lieblimgssystem beleidigt... >;D Das war nicht meine Absicht.

Außerdem geht es hier nicht darum was ich noch für Regeln haben wollen würde, es geht darum ob man ein realistisches System kennt..CoC gehört jedenfalls nicht dazu. Vielleicht ist es realistischer als andere Systeme aber deswegen noch lange nicht realistisch.

Das ein geringes Ergebnis auf dem Schadenswürfel einen Streifschuss darstellt ist ja nicht haltbar. Beim aufgesetzten Schuss aufs Bein gibt es ja nach deiner Definition zwei Möglichkeiten, SC = Tod...das würde aber sicherlich auch niemand wollen oder als realistisch empfinden, oder wir haben wieder das Problem, z.Bsp. im Vergleich zu einem Fauststoß, macht die Waffe entweder einen blauen Fleck oder ein bisschen Schaden.

Egal wie man es dreht oder wendet und mit SL Entscheidungen oder Sonderregeln argumentiert es wird nicht besser.  ;)
So ein Quatsch! Finger! Vorher war es noch das Bein. Gemeint war dass auflegen der Waffe auf lebenswichtigen Punkten, wie Genick usw.

Ich denke, wenn es ein Regelsystem gäbe, welches das Auflegen der Waffe auf einen Finger regeln würde, würde ich dieses in die Tonne treten. Denn das benötigt wirklich kein Mensch.

Und du hast auch nicht mein Lieblingssystem beleidigt (ich denke so kindisch sind wir hier nicht), sondern es wird versucht mit Argumenten und Beispielen zu disskutieren. Wenn deine Antwort aber stets ist: "Aber CoC ist es nicht!", ohne dies mit Argumentation zu untermauern brauchen wir hier auch nicht weiter zu diskutieren. Dann hast du Recht, es wird nicht besser.

Ich kann deine Meinung akzeptieren und stelle fest, dass du eine andere Sichtweise auf Realismus hast.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Raven Nash am 7.06.2021 | 08:25
Was ist "realistisch"? Die Definition oben ist faktisch für die Füße, weil sie nur zwischen "heroisch" und "realistisch" differenziert.

"Tödlichkeit" ist im Kampf schnell erreicht - kann ich sogar mit D&D machen. Das System muss auch nicht wirklich jeden Schnitt und Streifschuss abbilden, das kann ich in der Erzählung machen. Lustig, Rolemaster als "realistisch" zu bezeichnen, wenn eine Ratte einen tödlichen Halsbiss beim Menschen setzen kann...

Was ist mit Dingen wie Stress, Trauma und Angst? Hunger, Durst, Krankheit?
Hat es Auswirkungen auf den Charakter, wenn er schwer verwundet ist?

Und das sind dann die Fragen, die im RP die wenigsten wirklich beantworten wollen. Eben weil das Realismus wäre.

RP-Realismus ist meistens der eines 80er-Actionfilms. Blutige, dreckige Helden, die aber trotzdem noch allen in den Arsch treten.
Leute, die mit einer Kugel im Bauch noch weitermachen. Helden, die man mit Bauchschuss nur noch mitschleppen kann, während sie langsam verbluten, sind nur wenig prickelnd...
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Blizzard am 7.06.2021 | 09:09
@ Blizzard
Danke für deinen Vorschlag, aber ich muss JS zustimmen:
Warhammer egal ob in der 4. oder 2. Edition hat mir immer etwas zu wenig Simulationismus.
Und bei der Alten Welt stoße ich mich immer wieder an für mich nicht immersiven Namen wie "Holswig-Schliestein" oder "Aloisis Arschloch".
Also mir hatte WHFRP immer genug Simulationismus-gerade in den Kämpfen und auch sonst von der Welt her. Aber vielleicht ist das auch einfach eine Ansichts-und Definitionsfrage, was man persönlich unter SIM versteht und wie viel man davon in einem Setting haben will und dementsprechend umsetzt.
Die "Pseudo-Namen" von WarHammer Fantasy fand ich auch schon immer immersions-abturnend (Der Dämon namens Zahnarzt), aber das hatte für mich keinen Einfluss auf den SIM-Aspekt im Setting.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Swafnir am 7.06.2021 | 09:22
Ich würde auch MYTHRAS voreschlagen  :d
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 7.06.2021 | 09:25
SC = Tod...das würde aber sicherlich auch niemand wollen oder als realistisch empfinden, oder wir haben wieder das Problem,
Das Problem ist aber , all das ist realistisch oder das Gegenteil - es ist wohl durchaus möglich das jemand mit nem Dutzend Kugeln im Leib noch weitermacht als wäre nichts geschehen oder nach einer "Fleischwunde" ausfällt,

Ein Beintreffer das den Knochen zerschmeetert ist böse, eines das die Hauptschlagader durchtrennt tödlich.

Schrottflinten sind im Nahbereich tödlich danach eher harmlos wegen der Verteilung
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Jiba am 7.06.2021 | 09:35
Was ist mit Dingen wie Stress, Trauma und Angst? Hunger, Durst, Krankheit?
Hat es Auswirkungen auf den Charakter, wenn er schwer verwundet ist?
Und das ist nur der körperliche Aspekt, der seltsamerweise beim Wunsch nach Realismus den höchsten, oft einzigen Stellenwert ein.

Die emotionalen und psychischen Aspekte bleiben da dann völlig außer Acht. Welches Spiel simuliert schon realistisch Beziehungen, Feindschaften, Ideologien? Psychologisches Selbstbild und Fremdbestimmung? Konzepte wie Decision Fatigue, Confirmation Bias oder das Resonanzphänomen, die große Teile des menschlichen Seins bestimmen, kommen überhaupt nicht vor.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Maarzan am 7.06.2021 | 09:47
Ob "realistisch" dann von wie vielen Leuten am Spieltisch gewollt wird oder nicht, ist doch eine ganz andere Frage.  ::)

Das "realistisch" selbst ist halt in der Praxis kein binärer Kippunkt ("ab hier realistisch"), sondern eine laufende Skala mit dem theoretischen, typischerweise aber unerreichbaren Ideal am meist unerreichbaren Horizont, aber eben auch eine Menge (teils deutlich und teils auch auch bewusst so) unrealistischeren Ausformungen von Regeln in der anderen Richtung.
Dazu kommt, dass der Realismusgrad meist nicht in alle Richtungen gleich intensiv ausgeprägt ist.

Ich habe mich da auch von dem wirren Gleichberechtigungsquerschuß verwirren lasen und dann den Fließtext nicht mehr richtig verarbeitet, aber im Prinzip war das im Ansatz dort ja schon irgendwo drin verquickt - Was man machen kann ist eine Checkliste von Mindestanforderungen aufstellen (besser nicht als Fließtext) und dann schauen, welche Systeme diese Schwelle schaffen:

Ich versuche einmal den Startpost auf Anforderungen zu sezieren:
- Verwundungen (insbesondere ernsthafte) reduzieren (typischerweise) die Leistungsfähigkeit des Betroffenen
- die Kompetenzentwicklung von Kombattanten soll klar erkennbar sein, aber nicht quasi auf Garantien hinauslaufen, solange weiterhin potentiell tödliche Waffen benutzt werden.

Spiele ohne Wundmali wären damit raus, genauso solche, wo eine Waffe bei einem einzelnen glücklichen Treffer den Gegner nicht niederstrecken kann.


Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Nodens Sohn am 7.06.2021 | 10:20

Spiele ohne Wundmali wären damit raus, genauso solche, wo eine Waffe bei einem einzelnen glücklichen Treffer den Gegner nicht niederstrecken kann.

Ui! Da kenne ich eigentlich nur Savage Worlds - Das hätte ich jedoch nicht als realistisches Rollenspiel in den Ring geworfen. (aus viellerlei anderen Gründen)  ^-^
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: ghoul am 7.06.2021 | 10:42
Pavillon Noir ist sehr realistisch in seiner Abbildung von Seefahrt, Piraterie, Massenkämpfen und Verstümmelung als Folge von schwerer Verwundung. Gleichberechtigung ist trotz des historischen Hintergrunds ebenfalls umgesetzt, unter den vorgefertigte Personnagen sind auch handlungsstarke Frauen.
Nur über das Talentsystem gleitet es dann auf mittleren Reputationsstufen ins Heroische ab, aber das könnte man auch weglassen.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Maarzan am 7.06.2021 | 10:52
Ui! Da kenne ich eigentlich nur Savage Worlds - Das hätte ich jedoch nicht als realistisches Rollenspiel in den Ring geworfen. (aus viellerlei anderen Gründen)  ^-^

Ist es dann vermutlich auch absolut gesehen nicht (und je nachdem käme die Frage der klaren Kompetenzentwicklung noch auf), aber es würde halt diese genannten Mindestanforderungen wohl erfüllen, auch wenn man weitere Anforderungen stellen könnte.

Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Raven Nash am 7.06.2021 | 11:04
Ubiquity wird durchaus "realistisch", wenn man die StylePoints einschränkt, bzw. ganz weg lässt.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Alexandro am 7.06.2021 | 11:08
- Verwundungen (insbesondere ernsthafte) reduzieren (typischerweise) die Leistungsfähigkeit des Betroffenen

Realistisch wäre es eher, wenn Verwundungen die Handlungsfähigkeit einschränken. Wenn dein Charakter zig Wunden hat und immer noch (mit hohem Abzug) würfeln darf, dann spielst du wahrscheinlich John McClane, keinen realistischen Charakter.  ;D
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: ArneBab am 7.06.2021 | 11:30
Realistisch wäre es eher, wenn Verwundungen die Handlungsfähigkeit einschränken. Wenn dein Charakter zig Wunden hat und immer noch (mit hohem Abzug) würfeln darf, dann spielst du wahrscheinlich John McClane, keinen realistischen Charakter.  ;D
Eine frühere Bekannte wurde (vor einem halben Leben) von der Straßenbahn erwischt und hat sich dabei beide Arme gebrochen. Und ist einfach weitergegangen. Sie wurde erst einige Zeit später handlungsunfähig als sie gemerkt hat, dass sie die Arme nicht heben kann.

Schock kann in der Realität Verletzungen sehr lange daran hindern, andere Handlungen zu beeinträchtigen. Unter anderem deswegen bewirken Wunden im EWS 3 keinen Abzug mehr, sondern bringen ein stark erhöhtes Patzerrisiko.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Raven Nash am 7.06.2021 | 11:48
Zitat
Sie wurde erst einige Zeit später handlungsunfähig als sie gemerkt hat, dass sie die Arme nicht heben kann.
Das wird so nicht ganz korrekt sein. Sie wird einfach keinen Schmerz gespürt haben (Adrenalin, etc.) und es wird keine Notwendigkeit bestanden haben, die Arme zu heben.
Im Kampfeinsatz hat man auch schon mal Leute, die nicht merken, dass ihnen die Granate eben den Arm abgefetzt hat.

Handlungseingeschränkt in Bezug auf "Kampf" ist man aber trotzdem.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: ArneBab am 7.06.2021 | 12:26
Das wird so nicht ganz korrekt sein. Sie wird einfach keinen Schmerz gespürt haben (Adrenalin, etc.) und es wird keine Notwendigkeit bestanden haben, die Arme zu heben.
Ja. Sie hat IIRC auch Handlungen umgangen, bei denen sie die Arme gebraucht hätte.
Zitat
Handlungseingeschränkt in Bezug auf "Kampf" ist man aber trotzdem.
Wenn eine Struktur verletzt ist, die du gerade brauchst.

Die Arme sind da vielleicht nicht das beste Beispiel :) (aber eins der krassesten, weil sie das halt nicht nur ein paar Sekunden nicht gemerkt hat, sondern sogar noch durch die Stadt gelaufen ist).

Es ist schon arg, wie mechanistisch der Körper dann werden kann.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 7.06.2021 | 12:51
Ich habe mal ein Krankenhaus mit einer Prellung betreten und mit einem Bruch verlassen, die Prellung war 2 Tage alt
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Outsider am 7.06.2021 | 13:36
So ein Quatsch! Finger! Vorher war es noch das Bein. Gemeint war dass auflegen der Waffe auf lebenswichtigen Punkten, wie Genick usw.

Ich denke, wenn es ein Regelsystem gäbe, welches das Auflegen der Waffe auf einen Finger regeln würde, würde ich dieses in die Tonne treten. Denn das benötigt wirklich kein Mensch.

Und du hast auch nicht mein Lieblingssystem beleidigt (ich denke so kindisch sind wir hier nicht), sondern es wird versucht mit Argumenten und Beispielen zu disskutieren. Wenn deine Antwort aber stets ist: "Aber CoC ist es nicht!", ohne dies mit Argumentation zu untermauern brauchen wir hier auch nicht weiter zu diskutieren. Dann hast du Recht, es wird nicht besser.

Ich kann deine Meinung akzeptieren und stelle fest, dass du eine andere Sichtweise auf Realismus hast.

Du musst schon präziser werden wenn du mit Pauschalbeispielen um dich wirfst. Aufgesetzt = Tod würde ja wahrscheinlich weder beim Bein noch beim Finger in irgendeiner Gruppe als realistisch durchgehen. Ich habe dir in den obigen Posts genügend Beispiele gegeben warum ich binäre Systeme (getroffen ja / nein und kein Grauzone wie Streifschüsse) gepaart mit Schadenswürfeln welche immer die volle Spanne abdecken von blauer Fleck bis Tod als nicht realistisch im Sinne von "realistisches Systemen" erachte.

@Schock / Handlungsfähigkeit usw.

Der Zustand ändert ja nichts an der Tatsache, dass eine Verletzung möglicherweise tödlich ist und das spiegelt das fragliche System (CoC) auch nicht wieder. Charaktere deren jeweilige TP Grenzen überschritten sind handeln ja auch nicht noch zwei, drei Kampfrunden weiter bis der Organismus seine Funktionen einstellt. Somit verläßt CoC auch da den Weg des "Realismus".

Oder möglicherweise nur meiner Realität  >;D

Ich denke Rollenspiel auf Realismus abzuklopfen macht keinen Sinn, i.d.R. sind sie es nicht. Um mal auf die Schortflinte zurück zu kommen, nur weil die in System XY auf X Meter kaum noch Schaden macht, würde sich glaube ich keiner freiwilig mal für eine Handvoll Beschusstests zur Verfügung stellen  ~;D
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 7.06.2021 | 13:42
Du musst schon präziser werden wenn du mit Pauschalbeispielen um dich wirfst. Aufgesetzt = Tod würde ja wahrscheinlich weder beim Bein
Hauptschlagader, Knochen zerschmettert, Amputation, verbluten, Entzündung - Wundbrand
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: JS am 7.06.2021 | 13:51
Ich denke, die Diskussion engt sich langsam zu sehr ein und läuft etwas aus dem Ruder. Der Mensch ist biologisch schon ein verrücktes Konstrukt: einerseits extrem stabil, andererseits furchtbar labil. Es führt ja nun zu nichts, jeden Knochenbruch einzeln zu analysieren.
:)

Für mich reicht in dieser Hinsicht "rollenspielerischer Realismus", wenn eine tödliche Waffe eine ernste Bedrohung für jeden Char darstellen und eben auch schnell tödlich sein kann.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Alexandro am 7.06.2021 | 13:54
Eine frühere Bekannte wurde (vor einem halben Leben) von der Straßenbahn erwischt und hat sich dabei beide Arme gebrochen. Und ist einfach weitergegangen. Sie wurde erst einige Zeit später handlungsunfähig als sie gemerkt hat, dass sie die Arme nicht heben kann.

Ich weiß nicht was für Systeme du spielst, aber in fast allen Systemen die ich bisher gespielt habe, ist "Gehen" nichts worauf man würfeln muss.

Wenn deine Bekannte mit zwei gebrochenen Armen einen Marathonlauf gewonnen hätte (wie es z.B. in Runequest durchaus möglich ist), dann würde ich das Argument anerkennen.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: ArneBab am 7.06.2021 | 14:16
Wenn deine Bekannte mit zwei gebrochenen Armen einen Marathonlauf gewonnen hätte (wie es z.B. in Runequest durchaus möglich ist), dann würde ich das Argument anerkennen.
Wenn die typische Wunde zwei gebrochene Arme wären, würde ich dir zustimmen, dass das ein Widerspruch ist. Mein Beispiel zeigt, wie heftige Verletzungen unbemerkt bleiben können, nicht, welche davon im Kampf plausibel unbemerkt wären. Es ist dafür da zu zeigen, dass die Bandbreite des realistischen viel größer ist, als du es angenommen hattest — und damit auch die Freiheit für plausibles Systemdesign größer.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: tartex am 7.06.2021 | 14:16
Ich weiß nicht was für Systeme du spielst, aber in fast allen Systemen die ich bisher gespielt habe, ist "Gehen" nichts worauf man würfeln muss.

Wenn deine Bekannte mit zwei gebrochenen Armen einen Marathonlauf gewonnen hätte (wie es z.B. in Runequest durchaus möglich ist), dann würde ich das Argument anerkennen.

Die rollenspielrelevante Frage wäre eher, ob man unter Schock für einige Sekunden (sprich mehrere Kampfrunden) noch handlungsfähig sein kann, obwohl man schlimme Verletzungen davongetragen hat.

Ich würde mal behaupten: "Ja."

Es gibt sicher Anekdoten über Ausreißer in beide Richtungen (Mann von Biber getötet (https://www.welt.de/vermischtes/article115185245/Weissrussischer-Angler-bei-Biber-Attacke-getoetet.html) oder Sturz aus 1000 Meter Höhe überlebt (https://www.sueddeutsche.de/panorama/unfall-beim-fallschirmspringen-daenin-ueberlebt-sturz-aus-1000-metern-hoehe-1.1126942).) und ich habe nichts dagegen, wenn Rollenspielregelwerke das darstellen können. "Unrealistisch" wird es halt, wenn z.B. eine Pistole oder ein Messerstich nie zu einem tödlichem Ausgang führen kann.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Raven Nash am 7.06.2021 | 14:29
Die rollenspielrelevante Frage wäre eher, ob man unter Schock für einige Sekunden (sprich mehrere Kampfrunden) noch handlungsfähig sein kann, obwohl man schlimme Verletzungen davongetragen hat.
Die sich daraus ergebende - und im realen Kampf wesentliche - Frage lautet dann: Wie bildet man die Eigensicherung nach einem Treffer ab - denn der Getroffene kann entweder mitten in seiner Aktion erwischt worden sein, oder sofort mit einem Konter antworten, bevor er zusammenbricht.
Und da kommt man dann schnell zu dem Schluss, dass das im RPG nicht funktioniert - zumindest nicht ohne extrem viel Aufwand.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Maarzan am 7.06.2021 | 14:39
Die sich daraus ergebende - und im realen Kampf wesentliche - Frage lautet dann: Wie bildet man die Eigensicherung nach einem Treffer ab - denn der Getroffene kann entweder mitten in seiner Aktion erwischt worden sein, oder sofort mit einem Konter antworten, bevor er zusammenbricht.
Und da kommt man dann schnell zu dem Schluss, dass das im RPG nicht funktioniert - zumindest nicht ohne extrem viel Aufwand.

Aufwand ist erst einmal egal, das ist eine zweite Stufe.

Was meinst du im Detail mit Eigensicherung hier?
In welchem Moment er getroffen wurde und was er dann noch machen kann/will, wäre dann voraussichtlich einerseits eine Frage der Initiative bzw. einer Tickverfolgung und andererseits der Details der Trefferwirkungsabwicklung.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Runenstahl am 7.06.2021 | 15:11
Ich habe dir in den obigen Posts genügend Beispiele gegeben warum ich binäre Systeme (getroffen ja / nein und kein Grauzone wie Streifschüsse) gepaart mit Schadenswürfeln welche immer die volle Spanne abdecken von blauer Fleck bis Tod als nicht realistisch im Sinne von "realistisches Systemen" erachte.

Das scheint mir irgendwie Ansichtssache zu sein. Ich bin der Meinung das ein System mit Treffern / Verfehlt / Kritischer Treffer und einem getrennten Schadenswurf genau die Spanne von Streifschuß bis Kopfschuß abdeckt.

Ich kann nur vermuten das dir der Weg zu diesem Ziel nicht gefällt. Du hättest vermutlich lieber ein System bei dem der Trefferwurf darüber entscheidet wie der Schaden ausfällt und es keinen seperaten Schadenswurf gibt (oder einen mit nur geringer Varianz). Nüchtern betrachtet ist das Ergebnis aber letztlich dasselbe. Speziell bei Chtulhu: Ein Waffentreffer ist im Durchschnitt recht übel, kann aber auch mal deutlich weniger oder mehr Schaden machen.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: nobody@home am 7.06.2021 | 15:15
Die sich daraus ergebende - und im realen Kampf wesentliche - Frage lautet dann: Wie bildet man die Eigensicherung nach einem Treffer ab - denn der Getroffene kann entweder mitten in seiner Aktion erwischt worden sein, oder sofort mit einem Konter antworten, bevor er zusammenbricht.
Und da kommt man dann schnell zu dem Schluss, dass das im RPG nicht funktioniert - zumindest nicht ohne extrem viel Aufwand.

Oh, im Prinzip ist das so schwer auch wieder nicht. Man muß ja eigentlich "nur" das Vorliegen einer bereits potentiell tödlichen Verletzung vom Eintreten der Kampfunfähigkeit trennen; das geht zur Not auch schon mit Mitteln aus der alten (A)D&D-Zeit. Das Problem sind aus meiner Sicht eher im Rollenspiel meist recht fest verankerte Grundannahmen wie "ein Treffer ist mit der Kampfrunde, in der er eintrifft, auch schon wieder vollständig abgehandelt und da kommt auch kein weiterer Schaden mehr nach -- geblutet wird nicht", "erste Hilfe kann so ziemlich alles behandeln, Treffer, bei denen sie schlicht nichts mehr bringt, jibbet nich", oder "der KO kommt zuverlässig immer vor dem Tod". Allesamt in sich schon nicht besonders "realistisch", aber zur Erhöhung der Überlebenschancen insbesondere von Spielercharakteren natürlich recht bequem und vermutlich mit deswegen recht populär...
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 7.06.2021 | 15:32
`Da kann man mit Konsti - Willenskraft oder ner Kombination aus beiden arbeiten
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Raven Nash am 7.06.2021 | 16:17
Aufwand ist erst einmal egal, das ist eine zweite Stufe.
Was meinst du im Detail mit Eigensicherung hier?
Dass der Angriff des getroffenen Gegners (egal ob bereits im Laufen oder "Nachschlag") negiert wird -> also durch Ausweichen, Parieren, Schildblock, etc.
Ist auch die klassische Doppeltreffer-Problematik, die sich in allen bewaffneten Kampfmethoden ergibt.

D.h. ein Treffer müsste eigentlich einen Gelegenheitsangriff (um mal in D&D-Termini zu schreiben) nach sich ziehen, oder einen DEX-Save erfordern, etc.
Wäre sicher machbar - aber wie lange dann Kämpfe dauern, möchte ich nichtmal durchüberlegen.

In BRP könnte auf den erfolgreichen Angriff ein Gegenangriff mit Malus folgen, der wiederum pariert werden müsste -> auch nicht besser.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Maarzan am 7.06.2021 | 16:31
Dass der Angriff des getroffenen Gegners (egal ob bereits im Laufen oder "Nachschlag") negiert wird -> also durch Ausweichen, Parieren, Schildblock, etc.
Ist auch die klassische Doppeltreffer-Problematik, die sich in allen bewaffneten Kampfmethoden ergibt.

D.h. ein Treffer müsste eigentlich einen Gelegenheitsangriff (um mal in D&D-Termini zu schreiben) nach sich ziehen, oder einen DEX-Save erfordern, etc.
Wäre sicher machbar - aber wie lange dann Kämpfe dauern, möchte ich nichtmal durchüberlegen.

In BRP könnte auf den erfolgreichen Angriff ein Gegenangriff mit Malus folgen, der wiederum pariert werden müsste -> auch nicht besser.

Das würde bei einer aktiven Parade von der relativen Initiative/Geschwindigkeit, der Ansage sprich Taktik des Gegners und dem Effekt des treffenden Angriffs und ggf. relativen Erfolgen abhängen. Nicht jeder Treffer ist auch ein entscheidender Wirkungstreffer.

Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 7.06.2021 | 16:41
Dass der Angriff des getroffenen Gegners
Riposte?

Könnte man wohl mit einer Kampfrundenprobe einfach abhandeln
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: unicum am 7.06.2021 | 16:47
Das realistischste System das ich kenne ist "Phoenix Command" - was eigentlich eher ein Cosim ist.
Bekannt ist eine abgespeckte version am ehesten als die Orginalversion von Aliens RPG.

Eigentlich läuft es darauf hinaus das eine Figur die nicht gerade einen Lapalienstreifschuss abbekommt mindestens ein Fall fürs Krankenhaus ist.
Es ist zwar auch möglich wie Ronald Regan mit einer Kugel in der Lunge selbst noch ins Krankenhaus zu gehen aber sehr wahrscheinlich ist dies nicht.

Und auf den ersten Seiten steht auch etwas in der Art "Man kann es als Rollenspielregelwerk benutzen aber eigentlich ist es nicht dafür gedacht".
Eigentlich ist es ein Cosim.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Zed am 7.06.2021 | 16:48
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Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Lyonesse am 7.06.2021 | 17:07
Ziemlich realistisch läßt sich sicher das Hero-System spielen, wenn man es darauf anlegt.
Durchschnittliche Leute laufen mit 8-10 BODY sprich Lebenspunkten herum. Spielercharaktere haben
da auch nur unwesentlich mehr, üblicherweise irgendwas zwischen 10 und 15. Ein Schwert oder
eine Pistole machen etwa 1W6+1 Schaden, also kann man sich ausrechnen wie schnell man bei 0 Punkten ist.
Dann ist man zwar noch nicht ganz tot, aber schon auf dem besten Weg dahin. Und falls man mit Trefferzonen
spielt, kann es schnell noch ärger werden.

Midgard kenne ich nicht so gut, aber ich glaube, dass man an den anfänglichen Lebenspunkten einer Figur nicht
mehr viel drehen kann, sondern nur noch an der Ausdauer.

Rolemaster würde ich nur bedingt als realistisch einschätzen. Klar kann man sich immer einen fatalen Critical
einfangen, aber ein Kämpfer muss doch, ähnlich wie bei D&D, ab einem gewissen Level von seinen über hundert Hits
erstmal runtergekloppt werden, bevor er oder sie umkippt.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Maarzan am 7.06.2021 | 17:20
Rolemaster würde ich nur bedingt als realistisch einschätzen. Klar kann man sich immer einen fatalen Critical
einfangen, aber ein Kämpfer muss doch, ähnlich wie bei D&D, ab einem gewissen Level von seinen über hundert Hits
erstmal runtergekloppt werden bevor er oder sie umkippt.

Ein Volltreffer mit einem Breitschwert macht ungerüstet aber schon 30 HP, ein Dolch 18, ein Zweihänder 48 in einer mittleren Rüstung 20 /10/ 36 Tp und der Crit mit Chance auf Bluten etc kommt noch oben drauf. Auch Stun kann dich noch vorzeitig aus den Socken hauen.




Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: tartex am 7.06.2021 | 18:54
Das realistischste System das ich kenne ist "Phoenix Command" - was eigentlich eher ein Cosim ist.
Bekannt ist eine abgespeckte version am ehesten als die Orginalversion von Aliens RPG.

Ich würde eher sagen, es ist das komplizierteste System. Ich finde Systeme, die abstrakter bleiben können mit deutlich weniger Aufwand sogar noch realistischer sein.

Nehmen wir als Extrem-Beispiel mal AD&D 2nd Edition: da dauert eine Kampfrunde 2 Minuten. Deshalb ist selbstverständlich, dass eine Attacke bei weitem nicht alle Aktionen in der Zeit abbildet. Eine Kampfrunde ist eher eine Blackbox und das einzige was zählt, ist wo sich die Kontrahenten nach 2 Minuten aufhalten und was von ihnen übrig ist. Könnte - wenn es nicht D&D wäre - also extrem realistisch im Ausgang sein, ohne sich um Zentimeter-Abweichungen bei Trefferzonen kümmern zu müssen.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Maarzan am 7.06.2021 | 19:01
Ich würde eher sagen, es ist das komplizierteste System. Ich finde Systeme, die abstrakter bleiben können mit deutlich weniger Aufwand sogar noch realistischer sein.

Nehmen wir als Extrem-Beispiel mal AD&D 2nd Edition: da dauert eine Kampfrunde 2 Minuten. Deshalb ist selbstverständlich, dass eine Attacke bei weitem nicht alle Aktionen in der Zeit abbildet. Eine Kampfrunde ist eher eine Blackbox und das einzige was zählt, ist wo sich die Kontrahenten nach 2 Minuten aufhalten und was von ihnen übrig ist. Könnte - wenn es nicht D&D wäre - also extrem realistisch im Ausgang sein, ohne sich um Zentimeter-Abweichungen bei Trefferzonen kümmern zu müssen.

Es gibt aber eben auch den Abstraktionsverlust. Ein Schwarzweißphoto mit nur 4 Pixeln ist auch nicht "unscharf", sondern nur nicht besonders detailreich, aber: Keine Farbsäume, kein Rauschen, keine Verwacklungen, kein Fehlfokus erkennbar  ... . 
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Haukrinn am 7.06.2021 | 19:07
Es gibt aber eben auch den Abstraktionsverlust. Ein Schwarzweißphoto mit nur 4 Pixeln ist auch nicht "unscharf", sondern nur nicht besonders detailreich, aber: Keine Farbsäume, kein Rauschen, keine Verwacklungen, kein Fehlfokus erkennbar  ... .

Der ist nur gefühlt. Phoenix Command mag viele Details abbilden, damit kommt es aber nicht unbedingt zu einer realistischeren Darstellung von Feuergefechten als bei Cyberpunk 2020. Schlicht und einfach, da selbst ein Phoenix Command die immens hohe Komplexität und chaotische Dynamik eines Gefechts nicht erfassen kann.

"All models are wrong, but some are useful"
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Maarzan am 7.06.2021 | 19:13
"All models are wrong, but some are useful"

Ja, und wenn die Auflösung zu weit runter sinkt, endet das useful eben auch.

Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Moonmoth am 7.06.2021 | 19:47
Rollenspiele können niemals, jemals, überhaupt nicht „realistisch“ sein. Man sitzt um einen Tisch herum. Daran kann kein Zweifel bestehen, würde ich sagen. Es ist kein VR, es ist (sorry, jetzt nicht hauen…) auch überhaupt nicht immersiv: Jedes auch noch so detaillierte Rollenspiel ist zuallererst gemeinsames Geschichtenspinnen.

Was Rollenspiele können:  Ein Setting, ein bestimmte Situation, ein bestimmtes Spielgefühl („Ton“), ein Genre so zu vermitteln, dass es sich in der Runde authentisch anfühlt und sich gemeinsam erzählen und erleben lässt.

Manche Rollenspiele haben einen simulationistischen Ansatz (werden aber  Simulation sein) andere haben einen anderen Stil.

So sortiere ich mir das.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: tartex am 7.06.2021 | 19:48
Ja, und wenn die Auflösung zu weit runter sinkt, endet das useful eben auch.

Useful ist doch was man braucht um mit dem Spiel weiterzumachen. Was liefert denn Phoenix Command, das dem Spiel noch hilft, wenn der Kampf zu Ende ist?
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Maarzan am 7.06.2021 | 19:54
Useful ist doch was man braucht um mit dem Spiel weiterzumachen. Was liefert denn Phoenix Command, das dem Spiel noch hilft, wenn der Kampf zu Ende ist?

Da hat man dann den Bereich ggf nach oben verlassen, ich hatte hier vom unteren Rand gesprochen.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: tartex am 7.06.2021 | 20:05
Da hat man dann den Bereich ggf nach oben verlassen, ich hatte hier vom unteren Rand gesprochen.

Okay, welche Daten braucht man für dich in idealer Auflösung um nach den Kampf weitermachen zu können, ohne dass etwas verloren geht?
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Maarzan am 7.06.2021 | 20:14
Okay, welche Daten braucht man für dich in idealer Auflösung um nach den Kampf weitermachen zu können, ohne dass etwas verloren geht?

Das kommt auf das jeweilige Spiel und seinen Fokus an, also dass, was die jeweiligen Spieler mit ihren Spielhandlungen erkunden /gestalten wollen - und ist damit eine Geschmackssache.
Entsprechend gibt es keine ideale Auflösung, aber umso wichtiger ist es, dass es da dann auch entsprechend verschiedene Angebote gibt, aus welchen sie systemtechnisch wählen können.

Und wer sich an einem Mikromanagement - quasi in Zeitlupe - ausprobieren will, der greift dann eben auch zu PhoenixCommand. Das IST dann ein Kernelement des Spiels und hilft diesem entsprechend an dieser Stelle ganz unabhängig von einem "nachher". Am anderen Extrem reicht dann ggf. ein Münzwurf.




 
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: tartex am 7.06.2021 | 23:26
Für mich wäre es:

Wer hat wen getötet oder verletzt? (Solange es auch den Charakteren bekannt ist).
Was sind die bleibende körperlichen Schäden und wie lange bleiben sie aufrecht?
Was sind die bleibende mentalen Schäden und wie lange bleiben sie aufrecht?



Was mich ja an vielen der 90iger-Sim-Spielen gestört hat: da wird die Wirklichkeit menschlicher Interaktion beinahe völlig auf eine Physik-Simulation runtergebrochen.

Das ist schön und gut, aber die Designer sollten dann nicht behaupten die realistischsten Modelle von allen zu verwenden.

Wenn ich 25 Trefferlokalitäten am Körper abbilde, aber im besten Fall mit einem einzigen Moralwert operiere, habe ich mich völlig an eher unbedeutenden Details verloren.

Es wäre doch bei so einer Konflikt-Simulation eher wichtig 10 psychische Faktoren zu berücksichtigen, ob wer wann wen angreift. Stattdessen wird die Zeit damit verbracht genau zu vermessen, wo die ohnehin nicht mehr kampffähigen jetzt exakt durchlöchert wurden.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: ArneBab am 7.06.2021 | 23:30
Da hat man dann den Bereich ggf nach oben verlassen, ich hatte hier vom unteren Rand gesprochen.
Wenn ich mir anschaue, wie viel Raum Kämpfe in der Enwor-Saga einnehmen und dabei für die Handlung relevant sind, gehe ich davon aus, dass das schon wichtig sein kann.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: ArneBab am 7.06.2021 | 23:36
Es wäre doch bei so einer Konflikt-Simulation eher wichtig 10 psychische Faktoren zu berücksichtigen, ob wer wann wen angreift. Stattdessen wird die Zeit damit verbracht genau zu vermessen, wo die ohnehin nicht mehr kampffähigen jetzt exakt durchlöchert wurden.
Es wäre für mich spannend zu wissen, welche Modelle es dafür gibt. Dann hätte ich endlich was, das ich auf das Level vereinfachen kann, auf dem ich spielen will.

Was du beschreibst klingt danach als würde möglichst genau simuliert, was leicht in Wahrscheinlichkeiten gepackt werden kann, weil es direkt sicht- und messbar ist ("3 cm über dem Rechten Schlüsselbein — messen Sie doch mal die Eindringtiefe" — Krimi X). Ich habe allerdings nie Phoenix Command gespielt.

Vielleicht gibt es ja bei japanischen Dating-Sims etwas dazu (die ich auch nie gespielt habe, so dass ich das leider nicht einschätzen kann).
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Raven Nash am 8.06.2021 | 08:10
Riposte?
Könnte man wohl mit einer Kampfrundenprobe einfach abhandeln
Jein. "Riposte" wird ja auch als Konter nach Parade verwendet. Bis vor ein paar Jahren war im HEMA der Begriff "Afterblow" verbreitet und heiß diskutiert.
Zitat
Was mich ja an vielen der 90iger-Sim-Spielen gestört hat: da wird die Wirklichkeit menschlicher Interaktion beinahe völlig auf eine Physik-Simulation runtergebrochen.
Ich drücke das mal ganz brutal aus: Weil keiner ein Weichei spielen will, das nach dem Kampf heulend zusammenbricht.

RP bedeutet halt Abenteuer & Action - das sind Bruce Willis und Steven Seagal, nicht Joachim Heulsuse und Hans-Dieter Arschgeige.

Andererseits muss man natürlich auch festhalten, dass der 08/15 Fantasy-Held in einem Umfeld aufwächst, bei dem Gewalt zur Tagesordnung gehört. Der steckt brutale Kämpfe deutlich leichter weg als der Spieler, dessen einzige Gewalt-Erfahrung eine Rangelei auf dem Schulhof ist.
In der durchschnittlichen Fantasy-Welt wären empathische Heiler eigentlich deutlich unrealistischer als kaltschnäuzige Krieger.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: tartex am 8.06.2021 | 11:33
Ich drücke das mal ganz brutal aus: Weil keiner ein Weichei spielen will, das nach dem Kampf heulend zusammenbricht.

RP bedeutet halt Abenteuer & Action - das sind Bruce Willis und Steven Seagal, nicht Joachim Heulsuse und Hans-Dieter Arschgeige.

Für mich auch - ich will auch Abenteuer & Action -, aber dazu stehe ich und behaupte dann nicht, dass es mir um Realismus geht.

Man muss ja auch gar nicht in die Spieler-Charakter-Autonomität eingreifen. Es wäre einfach mal interessant sowas zu NSCs zu haben. Ich bin sicher, es gibt da genügend militärische Studien, auf die man zurückgreifen kann.

In der durchschnittlichen Fantasy-Welt wären empathische Heiler eigentlich deutlich unrealistischer als kaltschnäuzige Krieger.

Ich brauche auch keine PTSD-Helden, aber ich glaube, wenn man das so schnell abtut, ohne irgendwelche Belege vorzulegen, dass es unrealistischer wäre, macht man es sich doch zu leicht.

Bestes Beispiel: Speerfeuer, Feuerschutz und Deckungsfeuer. Wenn ein 'realistisches Spiel' sowas nicht berücksichtig, aber dafür Modifikatoren für Milzverletzungen hat, ist etwas arg aus dem Lot.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Jiba am 8.06.2021 | 12:01
RP bedeutet halt Abenteuer & Action - das sind Bruce Willis und Steven Seagal, nicht Joachim Heulsuse und Hans-Dieter Arschgeige.
RP bedeutet erstmal „Role-Playing Game“. Nichts anderes. Was für eine Rolle da gespielt wird, ist von Spiel zu Spiel völlig unterschiedlich.

Und ich gehe noch weiter: Jemand der sich tatsächlich mit dem psychischen und emotionalen Fallout seiner Entscheidungen auseinandersetzen muss und daran auch zu Kauen hat, kann sich den Orden für den größten Badass ans Revers heften: Nicht so’n Halbpsychopath, bei dem schon qua Regeln nicht vorgesehen ist, dass der irgendwas fühlt. Zumal die Integration von z.B. Trauma in ein Spiel nicht heißen muss, dass alle Charaktere psychische Wracks werden. Das ist völlig überspitzt.
Zitat
Andererseits muss man natürlich auch festhalten, dass der 08/15 Fantasy-Held in einem Umfeld aufwächst, bei dem Gewalt zur Tagesordnung gehört. Der steckt brutale Kämpfe deutlich leichter weg als der Spieler, dessen einzige Gewalt-Erfahrung eine Rangelei auf dem Schulhof ist.
In der durchschnittlichen Fantasy-Welt wären empathische Heiler eigentlich deutlich unrealistischer als kaltschnäuzige Krieger.

Auch Unsinn. Gab’s etwa auch in brutaleren Zeiten (so historisch gesehen) keine empathischen Menschen, die es zu was gebracht haben? Last that I checked basiert die bisher größte Weltreligion auf einem Typen, den man im Kontext seiner Lebenszeit vor 2000 Jahren schon als empathisch beschreiben konnte. Und die Historie kennt weitere, zahlreiche Beispiele.

Und die Tatsache, dass ein Fantasy-Krieger in einer brutalen Welt aufwächst, ist sogar ein Argument für die Beigabe von Regeln zu Psyche und Trauma: Es ist ja grade spannend zu erforschen wie so jemand tickt. Die Ursache darin, dass er das vermeintlich besser wegsteckt liegt nämlich höchstwahrscheinlich an traumatischer Abstumpfung.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Raven Nash am 8.06.2021 | 12:45
Zitat
Last that I checked basiert die bisher größte Weltreligion auf einem Typen, den man im Kontext seiner Lebenszeit vor 2000 Jahren schon als empathisch beschreiben konnte.
Du meinst die frei erfundene Figur in Geschichten, die später aus politischen Gründen zu einem Reader's Digest zusammengekürzt und in einer schlechten Übersetzung in eine Sprache, die nur 1% verstanden, publiziert wurde? Über das historische Vorbild jener sagenhaften Figur ist recht wenig bekannt.  >;D
Und besagte Weltreligion fußt auf weit älteren Geschichten, die man sich an Lagerfeuern in der Wüste erzählt hat. Und die sind dann auch noch meist eher wenig "empathisch".  ;)
So, genug davon.

Fakt ist, dass das Umfeld die Psyche formt. Historische Quellen haben meist kein Problem damit, Dinge als normal zu schildern, die uns heute erschrecken würden (lies mal Gerichtsakten der Frühen Neuzeit...). Wenn man mit Menschen aus Kulturen zu tun hat, bei denen Gewalt noch alltäglich ist, stellt man ebenfalls fest, dass die Grenze zu dem, was bei uns Angst und Abscheu erzeugt, deutlich höher liegt.
Hat auch was mit psychischem Selbstschutz zu tun.

Dieses Hochloben der sog. "Empathie" ist doch vor allem ein Wohlstandsprodukt. Wenn es ums Überleben geht, verliert das ganz schnell an Bedeutung.

Zitat
Bestes Beispiel: Speerfeuer, Feuerschutz und Deckungsfeuer.
Moderne Gefechtsführung und Fantasy sind zwei Paar Schuhe. Ohne automatische Waffen sieht das schon anders aus, und mit Bogen oder Armbrust gleich nochmal.
Man betrachte Crecy, wo die Franzosen trotz Pfeilhagel und Morast meinten, den Hügel erstürmen zu können.  ;)

Da spielt auch sehr stark sozialer Druck und Ideale rein. Damals war es das Ideal der Tapferkeit, heute sind's seltsame Ideologien für Selbstmordattentäter. Das Ergebnis ist das selbe: sehenden Auges in den Tod rennen.

Ich finde das z.B. in TOR recht gut umgesetzt, wo es deutlich kampfentscheidender ist, die Gefährten immer wieder neu anzufeuern (Rally) und die Feinde einzuschüchtern, als wirklich Gegner umzumetzeln. Wenn von 10 Orks 3 fallen und die restlichen 7 die Hosen voll haben, ist der Kampf auch gewonnen. Aber wenn der Ringgeist dahinter steht, kämpfen die auf einmal bis zum Tod.

Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Jiba am 8.06.2021 | 13:02
Du meinst die frei erfundene Figur in Geschichten, die später aus politischen Gründen zu einem Reader's Digest zusammengekürzt und in einer schlechten Übersetzung in eine Sprache, die nur 1% verstanden, publiziert wurde? Über das historische Vorbild jener sagenhaften Figur ist recht wenig bekannt.  >;D
Und besagte Weltreligion fußt auf weit älteren Geschichten, die man sich an Lagerfeuern in der Wüste erzählt hat. Und die sind dann auch noch meist eher wenig "empathisch".  ;)
So, genug davon.
Kann man natürlich jetzt ins Lächerliche ziehen. Fakt ist aber, dass Charaktereigenschaften wie Empathie, Kooperation und generelles "ein netter Mensch sein" auch in anderen historischen Figuren zu finden waren (eben auch solchen, die sich auf besagte fiktive Figur stützen) und das auch gut dokumentiert ist. Das Prinzip der Philanthropie beispielsweise existiert schon seit der Antike.

Zitat
Fakt ist, dass das Umfeld die Psyche formt. Historische Quellen haben meist kein Problem damit, Dinge als normal zu schildern, die uns heute erschrecken würden (lies mal Gerichtsakten der Frühen Neuzeit...). Wenn man mit Menschen aus Kulturen zu tun hat, bei denen Gewalt noch alltäglich ist, stellt man ebenfalls fest, dass die Grenze zu dem, was bei uns Angst und Abscheu erzeugt, deutlich höher liegt.
Hat auch was mit psychischem Selbstschutz zu tun.
Ja, siehst du. Das Umfeld formt die Psyche. Erlebnisse formen die Psyche. Warum sollte ich keine simulierenden Regeln dafür haben wollen, mit denen ist da ein wenig Realismus reinbringe.

Zitat
Dieses Hochloben der sog. "Empathie" ist doch vor allem ein Wohlstandsprodukt. Wenn es ums Überleben geht, verliert das ganz schnell an Bedeutung.
Das Hochloben des "Egoismus" ist ebenfalls ein Wohlstandsprodukt, genauso wie die Sichtweise, dass "Arschloch-Sein" irgendwie der natürliche Urzustand alles Menschlichen ist. In der Tat sind Empathie, also die Möglichkeit sich in andere hineinzuversetzen, wie auch die Fähigkeit zur Kooperation mit Fremden die größten Fortschrittstreiber und Überlebensgaranten der gesamten Menschheitsgeschichte gewesen. Wären alle Menschen immer ausschließlich Egoisten gewesen gäbe es besagten Wohlstand heute gar nicht. Wer Überleben will, muss zusammenarbeiten. Wer Geflügel will, muss freundlich sein.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Crimson King am 8.06.2021 | 13:08
Hier geht es um realistische Rollenspiele und weder um die Natur des Menschen noch um die historische oder fiktive Figur Jesus Christus. Bitte beim Thema bleiben.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Raven Nash am 8.06.2021 | 13:13
Aber :btt:
Zitat
Warum sollte ich keine simulierenden Regeln dafür haben wollen, mit denen ist da ein wenig Realismus reinbringe.
Kannst du ja. Geht sogar recht einfach. Ein Attribut wie die Geistige Stabilität bei CoC, beeinflusst vom Hintergrund des Chars. Hat der eine Soldat z.B. nen hohen Wert, weil er durch die Scheiße abgestumpft ist, die er gesehen hat, kann der andere einen niedrigen Wert haben, weil er unter PTBS leidet.
Und schon lassen sich diverse Einflüsse abbilden.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: tartex am 8.06.2021 | 13:46
Kannst du ja. Geht sogar recht einfach. Ein Attribut wie die Geistige Stabilität bei CoC, beeinflusst vom Hintergrund des Chars. Hat der eine Soldat z.B. nen hohen Wert, weil er durch die Scheiße abgestumpft ist, die er gesehen hat, kann der andere einen niedrigen Wert haben, weil er unter PTBS leidet.
Und schon lassen sich diverse Einflüsse abbilden.

Also das Realismus-Paradigma ist doch, dass man nicht einfach nach Bauchgefühl und "gesundem" Menschenverstand (wahrscheinlich meist basierend auf Hollywood-Filmen) was zusammenschustert, sondern stattdessen eine gewisse Empirie ins Spiel bringt, oder?
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Raven Nash am 8.06.2021 | 13:54
Zitat
sondern stattdessen eine gewisse Empirie ins Spiel bringt, oder?
Ich verstehe nicht, wo du den Widerspruch siehst. Der Wert wäre ja nur das systemtechnisch relevante Resultat.
Wie man zu dem kommt, steht ja auf einem anderen Blatt. Ich bezweifle aber, dass sich jemand den Aufwand antun möchte, psychologische Studien zu betreiben, um einen Charakter zu bauen. ;)
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Maarzan am 8.06.2021 | 13:57
Also das Realismus-Paradigma ist doch, dass man nicht einfach nach Bauchgefühl und "gesundem" Menschenverstand (wahrscheinlich meist basierend auf Hollywood-Filmen) was zusammenschustert, sondern stattdessen eine gewisse Empirie ins Spiel bringt, oder?
Idealerweise schon.
Im Kleinen beginnt das halt mit der Erkenntnis: Da ist etwas bisher noch unrund, so könnte man es beheben, und dann schauen, wie es wirkt, bzw. ob jemand eine besser erscheinende Lösung findet oder anderweitig zeigen kann, dass das keine Verbesserung ist.

Und wenn es keine Klarheit gibt, hat man ggf zumindest eine Weile 2 alternative Lösungen laufen.

Ich denke auch daher kommt der Fokus auf physische Effekte - auf der psychologisch-gesellschaftlichen Seite sind die "Profis" scheinbar ja oft selbst noch deutlich mehr am trudeln.


 
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Suro am 8.06.2021 | 14:20
Ich denke auch daher kommt der Fokus auf physische Effekte - auf der psychologisch-gesellschaftlichen Seite sind die "Profis" scheinbar ja oft selbst noch deutlich mehr am trudeln.

Ich möchte hier gar nicht anzweifeln, dass es gewisse Unterschiede bei den Methoden und der Stabilität der Ergebnisse zwischen klassisch "harten" (Physik) und "weichen" (ich nehme hier frech mal "qualitative Soziologie" - man möge mich steinigen*) Wissenschaften gibt, auch wenn es da sicher auch noch einiges zu diskutieren gäbe.

Was mich tatsächlich mehr interessiert, wäre inwiefern die Ergebnisse der "harten" Wissenschaft ins Rollenspiel Eingang finden sollten. Klar, es gibt einige klare Kandidaten: Irgendwelche Modellierungen für Reisegeschwindigkeiten im Raumflug bei Hard Scifi oder bei meteorologischen/ozeanographischen Erkenntnissen zu Wind und Wetter bei einem Seefahrt-Abenteuer etwa. Bei den meisten Aktivitäten, die in Rollenspielen (auch physisch) stattfinden, ist mir der Bezug zu "harten" Wissenschaften aber eher unklar.

Welche Wissenschaft gibt uns Auskunft über die Effekte/die Erfolgschancen...

...in Kämpfen in Pseudomittelaltersettings? Die Geschichte? Die Unfallmedizin? Sind das Beispiele für "harte" Wissenschaften?
...beim Wände erklimmen oder Stangen verbiegen? Die Sportwissenschaft? Ist das ein Beispiel für eine "harte" Wissenschaft?
...von Schleichaktionen oder das Öffnen von Schlössern?

Ich bin unsicher, wie viel da aus den "harten" Wissenschaften herauszuholen ist.

P.S.: Ich will hier gar nicht behaupten, dass es keine Empirie gäbe, was viele Gegenstandsbereiche angeht. Was etwa den bewaffneten Konflikt angeht, gibt es sicher viele auch dokumentierte Erfahrungswerte. Ob diese sich dann von der Verlässlichkeit an der Physik messen lassen können, oder doch eher auf zumindest ähnlich sicheren Füßen wie die Ergebnisse der Human- und Gesellschaftswissenschaften stehen, würde ich aber für diskutierenswert halten.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Raven Nash am 8.06.2021 | 14:26
Zitat
sicheren Füßen wie die Ergebnisse der Human- und Gesellschaftswissenschaften stehen, würde ich aber für diskutierenswert halten.
Zitat meines alten Professors in Kommunikationswissenschaften: "Soziologie ist die Wissenschaft, den Leuten zu erklären, wie sie sich verhalten müssen, damit sie in die Statistik passen."  ~;D
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Maarzan am 8.06.2021 | 14:27
Ich möchte hier gar nicht anzweifeln, dass es gewisse Unterschiede bei den Methoden und der Stabilität der Ergebnisse zwischen klassisch "harten" (Physik) und "weichen" (ich nehme hier frech mal "qualitative Soziologie" - man möge mich steinigen*) Wissenschaften gibt, auch wenn es da sicher auch noch einiges zu diskutieren gäbe.

Ich wollte auch nicht sagen, dass die Rollenspiele da entsprechend oft auf "harter" Wissenschaft aufsetzen, sondern dass die "harte" Wissenschaft öfter Artikel produziert, wo jemand dann sagt: das leuchtet mir ein, das bau ich in ein RPG ein.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Suro am 8.06.2021 | 14:37
Ich wollte auch nicht sagen, dass die Rollenspiele da entsprechend oft auf harter Wissenschaft aufsetzen, sondern dass die harte Wissenschaft öfter Artikel produziert, wo jemand dann sagt: das leuchtet mir ein, das bau ich in ein RPG ein.

Hättest du dafür ein paar paradigmatische Beispiele? Mir fällt - was den Einfluss von harter Wissenschaft auf Rollenspiele angeht - hauptsächlich die Diskussion im Bereich HardScifi ein, war mir eher am Genre als am Rollenspiel zu liegen scheint. Was ansonsten "Realismus im RPG" angeht stoße ich bei meinen Erinnerungen oft an "Realismus im Kampf", wo es eben auch selten um Physik, Chemie oder Ingenieurwesen geht, oder an Simulation auf größerer Ebene ("unrealistisches" Wirtschaftssystem in Fantasywelten mit Golderbeutenden Abenteuern etc.) wo der Realismus vermutlich am ehesten an die Geschichte oder Ökonomie anzubinden ist - auch wieder keine harte empirische Wissenschaft.

P.S.: Mir ist nach mehrfacher Lektüre des Eingangsbeitrags immer noch nicht klar, ob dieser Diskussionsstrang etwas mit dem Thema zutun hat - falls dem nicht so ist, diskutiere ich das gerne anderswo.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: unicum am 8.06.2021 | 14:39
Meine mich zu erinnern das für das Regelwerk von Phoenix Command gelesen zu haben das die Autoren sich die Statistischen Daten der US Army zu verletzungen, deren Tödlichkeit, Überlenswahrscheinlichkeiten und Krankenhausaufenthaltszeiten durchgelesen haben. gerade um mehr realismus rein zu bekommen.

Aber es ist fast 30 jahre her das ich da reingeschaut habe, die Regelwerke dazu liegen irgendwo unten im Keller.

Und ja - Daten für Kämpfe Mann gegen Mann und auch Messer, Schwert und Axttreffer (für die Fantasyfraktion) gibt es auch hier und da in den Archiven dieser Welt.

Nur für Magie schuat es etwas mies aus,... :D
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Maarzan am 8.06.2021 | 14:41
Hättest du dafür ein paar paradigmatische Beispiele? Mir fällt - was den Einfluss von harter Wissenschaft auf Rollenspiele angeht - hauptsächlich die Diskussion im Bereich HardScifi ein, war mir eher am Genre als am Rollenspiel zu liegen scheint. Was ansonsten "Realismus im RPG" angeht stoße ich bei meinen Erinnerungen oft an "Realismus im Kampf", ...

Ja, genau das scheinen häufige Anziehungspunkte zu sein.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Suro am 8.06.2021 | 14:46
@unicum: Ich wollte gar nicht behaupten, dass es keine Daten und Erfahrungsberichte zu Themenfeldern wie "bewaffnetem Konflikt" gibt, sondern nur in Frage stellen, ob diese Ergebnisse verlässlicher  bzw. "realismusfördernder" sind, als es z.B. die Zugrundelegung von Ergebnissen aus den entsprechenden Wissenschaften bzw. Daten/Erfahrungsberichten im psychosozialen Bereich wäre. So hatte ich Maarzans These oben gelesen:
Zitat
Ich denke auch daher kommt der Fokus auf physische Effekte - auf der psychologisch-gesellschaftlichen Seite sind die "Profis" scheinbar ja oft selbst noch deutlich mehr am trudeln.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: tartex am 8.06.2021 | 14:46
Irgendwann fiel ja in diesem Forum der interessante Gedanke zu "Realismus als frühe Form des Player Empowerments im frühen Rollenspiel".

Das deckt sich auch mit meinen Kindheitserfahrungen. Wenn man sich vom Spielleiter oder den Regeln unfair behandelt fühlte, wurde gerne die Wirklichkeit als Argumentationshilfe herbeigezogen.

Und daraus entwickelte sich dann halt auch öfters der Wunsch ein System von Anfang an so aufzusetzen.
Titel: Re: Welche "realistischen" Rollenspiele kennt ihr (Bitte Definition beachten)?
Beitrag von: Alexandro am 8.06.2021 | 15:02
Allerdings wurde es dann oft umgedreht verwendet, nämlich um Leute vom Spiel auszuschließen.

Und über das Cherry-Picking von Statistiken habe ich eine Aussage meines Statitik-Profs: "Wenn von 1000 Gewehrschüssen auf dieselbe Entfernung genau 300 ins Schwarze treffen, dann haben Sie ein quantitative Aussage über die Schüsse dieser Bezugsgruppe. Sie sollten allerdings nicht den Fehler machen die Bezugsgruppe zu wechseln und aufgrund dieser Daten Aussagen über zukünftige Schüsse abgeben zu wollen."