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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Murphy am 12.06.2023 | 22:56

Titel: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Murphy am 12.06.2023 | 22:56
Hey!

Ich stelle gerade fest, dass es nicht nur GNS, sondern bei uns in der Gruppe zwei völlig gegensätzliche Strömungen gibt. Da sind Leute, die spielen gerne möglichst viele verschieden Systeme. Da ist ein Spielabend wie ein Brettspielabend. Hauptsache, es wird gespielt. Ob es gut vorbereitet ist, ob der Charakter passt... alles sekundär.

Ich selbst ticke mehr so, dass ich einen Charakter haben möchte, der mir entspricht und den ich dann in möglichst vielen Situationen in einer grossen Welt in einer langen Kampagne verkörpere. Dem "Ein One-shot jagt den nächsten"-Stil kann ich nicht viel abgewinnen. Man kann dann zwar von sich behaupten, jedes System schon einmal gespielt zu haben. Doch ich stelle fest, dass die Spielenden oft nicht mal den vollen Namen ihres Chars aufsagen könnten, geschweige denn voll im Spiel aufgehen oder eine gescheite Zusammenfassung von der letzten Session abgeben könnten, weil sie nichts aufschreiben.

Das fühlt sich für mich an wie Monopoly spielen. Würfeln, spielen, lachen, Abend gut, Abend vorbei, zurück auf Feld eins. Ich möchte aber Commitment und Investment, ich möchte Barbiespiel und Tavernenespiel, ich möchte Charakterentwicklung und gemeinsames Herumnerden.

Wie geht euch das in der Tendenz so? Bin gespannt, wie eure Vorlieben so sind.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Kurna am 12.06.2023 | 23:30
Da bin ich klar auf deiner Linie. Für mich wird das Rollenspiel umso besser, umso länger die Runde läuft. Als Spieler ist daher meine Lieblingsrunde die Vampiresrunde, die jetzt seit fast 25 Jahren existiert. Zwar haben so manche Charaktere (und Spielende) gewechselt, aber das ist noch immer unsere runde.  :)
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Baron_von_Butzhausen am 13.06.2023 | 00:07
Ich bin zwischen beiden Punkten hin und her gerissen.

Grundsätzlich bin ich immer auf der Suche nach Neuem und fühle mich nie zufrieden mit dem was ich habe. Deswegen will ich viel ausprobieren. Jedoch nicht auf Gedeih und Verderb, sondern Regeln müssen einigermaßen sitzen und die Stimmung und das Spiel der Spieler muss passen.

Auf der anderen Seite will ich endlich mal wieder eine lange Kampagne leiten, scheitert aber meist an den Wirren und Herausforderungen des Alltags so das schon lange nichts mehr wirklich beendet wurde. Das Letzte war Skulls and Shackles für Pathfinder wo wir Ende Band 2 aufgehört haben, bzw. es sich einfach verlaufen hat. Selbst ein Dungewonworld Abenteuer hört mittendrin auf... und ich bin aber auch nicht zutiefst betrübt...

Ich nehme also lieber aktuell Option 1 und habe dort etwas Spaß, als gar nichts. Hoffe aber das wir vielleicht demnächst mal wieder etwas zum Laufen bekommen mit Konsistenz und Tiefe.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: PzVIE am 13.06.2023 | 06:24
In unserer 5er Runde sind zwei GMs. Wir spielen üblicherweise nur Kampagnen; nur wenn einmal wer ausfällt, dann kann's auch ein One-Shot mit einem anderen System zum Kennenlernen sein.
Ansonsten haben wir immer große Kampagnen laufen, die so 1 bis 2 Jahre dauern. Dann wechselt der GM und ein neues System mit einer neuen Kampagne wird gespielt. Das funktioniert jetzt eigentlich seit knapp zehn Jahren wunderbar.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Feuersänger am 13.06.2023 | 06:51
Ganz klar Team Kampagnen- bzw langfristiges Spiel.
Oneshots sind für mich (genau wie Brettspiele) eher Lückenbüßer, mit denen man sich die Zeit vertreibt weil gerade keine _richtige_ Sitzung stattfinden kann. Günstigenfalls noch Demonstratoren für neue Systeme oder Settings.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: KhornedBeef am 13.06.2023 | 06:53
Also, ich mag ja auch Brettspiele, wäre also nach der Logik seltsam, wenn ich One-Shots gar nicht mag. Im Moment hätte ich aber auch gerne eine lange Kampagne.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Alter Weißer Pottwal am 13.06.2023 | 07:13
Beides. Kampagnenspiel daheim und Oneshots in möglichst unterschiedlichen Systemen im Verein oder auf Cons.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: First Orko am 13.06.2023 | 08:37
Ich möchte das Beste aus beiden Welten: Hingabe, Charakter- und Plotentwicklung, fokussiertes Spiel aber ein Ende in Sicht und keine "Zerfaserung" in unwichtigen Nebenschauplätzen - also eine Kurzkampagne von 10-20 Sitzungen, wo man sich gemeinsam auf eine angestrebte Länge einigt, aber realistisch einen Puffer von +5 Sitzungen einräumt  ;)

Oneshots sind ne schöne Auflockerung und können neugierig auf mehr machen. Ich mag aber das Konzept "German Oneshot" - also ein komplexeres, abgeschlossenes Szenario über 2-4 Sitzungen deutlich lieber. Das gibt genug Raum, alle möglichen Elemente eines neuen Systems auszuloten und noch Luft für einen echten Plot. Sowas kann ich auch über längere Zeit genießen, am Besten mit wechselnden SL. Glücklicherweise habe ich auch eine Gruppe, die genau auf sowas auch Lust hat.. bzw. hatte: Aus einem der "German Oneshots" ist dann doch das Bedürfnis auf eine Kampagne gewachsen - deren Ende aber vorgegeben ist.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: 1of3 am 13.06.2023 | 08:55
Ich würde immer gern noch mal die Begriffsgeschichte dieses "German" bei dem Oneshot lernen. Muss aber nicht hier sein.

Oneshots können sehr intensiv sein. Muss ich wohl glauben, sonst würde ich nicht zum :T:reffen fahren. Da sind die Oneshots aber auch gut vor- und nachbereitet. Und vor allem, die Leute haben Bock. Und das sind eigentlich auch die selben Gütekriterien, wie für sonstige Modi.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Zanji123 am 13.06.2023 | 08:56
ich muss gestehen das ich mit langen Kampagnen nichts mehr anfangen kann.

Wenn ich denke das ich mehrere Jahre den gleichen Charakter spiele... nee nicht meins. Daher würde ich jetzt auch nie mehr die G7 DSA Kampagne spielen allein weil ich dann ca 2 Jahre oder so (bei wöchentlichem Spielen) immer der gleiche Charakter wäre... Ich bewundere Spieler die jahrelang den gleichen Charakter in jahrelangen Kampagnen spielen.

Ich bevorzuge daher kurze Kampagnen die spätestens nach einem Jahr Spielzeit rum sind :)
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: nobody@home am 13.06.2023 | 09:07
Wenn ich ehrlich sein soll, sehe ich die Attraktivität langer Kampagnen um ihrer selbst willen gar nicht mal so wirklich. Das mag ja eine Art zu spielen sein, die klassischen "Du mußt klein anfangen und dich hocharbeiten"-Systemen quasi per Design in die Wiege gelegt worden ist, aber buchstäblich Jahre mit immer ein und demselben Charakter und seinen Kumpanen zu verbringen...? Ich denke, da hätte ich doch lieber ab und zu mal Abwechslung.

Klar, es gibt genug Rollenspielideen, die ein gewisses Kampagnenformat einfach brauchen, um sich angemessen entfalten zu können. Aber da bin ich näher an Orko: lieber eine Kampagne, die von vornherein auf eine gewisse Länge angelegt ist (entweder explizit oder über "Hier geht's um diese eine längerfristige Herausforderung und wir spielen, bis die gelöst ist" eher indirekt) und dann "ganz natürlich" ihr Ende findet, als eine, die sich rein als Selbstzweck bis in alle Ewigkeit hinzieht. Die Möglichkeit, dieselben Figuren später noch mal hervorzuholen und in neue Situationen zu schicken, gibt's mit dieser Herangehensweise ja immer noch.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: unicum am 13.06.2023 | 09:16
Ich mag eher längere Kampagnen als One-Shots.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Blizzard am 13.06.2023 | 09:18
Wie geht euch das in der Tendenz so? Bin gespannt, wie eure Vorlieben so sind.
Hm. Ich bin eigentlich für beides zu haben. Generell bin ich jemand, der gerne neue Sachen ausprobiert und antestet. Auf der anderen Seite bin aber auch für eine längere Kampagne zu haben.
In meiner aktuellen Tischrunde ist das Problem, dass die meisten Spieler einen Charakter in einem festen System und (eine) Kampagne spielen wollen. Allerdings haben wir oftmals nur ein Treffen im Monat...und das ist mir für eine Kampagne dann doch zu wenig. Ich finde bei einer Kampagne feste, konstante Termine - mit nicht zu großen Abständen- noch wichtiger als beim System-Hopping mit One Shots. Wenn man dann erst nach zig Wochen Pause wieder spielt, und die Spieler schon wieder die 1/2 der letzten Sitzung vergessen haben dann kann eine (durchgängige) Kampagne imho nicht funktionieren.

Ich bevorzuge daher kurze Kampagnen die spätestens nach einem Jahr Spielzeit rum sind :)
Eine Kampagne mit der Dauer von einem Jahr Realspielzeit ist bei dir eine kurze Kampagne ? :o
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Arldwulf am 13.06.2023 | 10:00
Ich neige eigentlich sehr stark zum langfristigen Spiel. Das geht so weit, dass ich selbst in One Shots gern Charakterhintergründe überlege, mir nach One Shots auch immer noch überlege wie es für den Charakter weiter gehen würde und grob gesagt...eigentlich dann lieber eine Kampagne mit dem One Shot Charakter spielen würde als ihn schon wieder aufzugeben.

Barbie und Tavernenspiel sehe ich als etwas großartiges an und ganz generell tut es dem Rollenspiel immer gut Charaktere mit mehr Details ins Spiel zu bringen.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Ninkasi am 13.06.2023 | 10:37
Ich möchte das Beste aus beiden Welten: Hingabe, Charakter- und Plotentwicklung, fokussiertes Spiel aber ein Ende in Sicht und keine "Zerfaserung" in unwichtigen Nebenschauplätzen - also eine Kurzkampagne von 10-20 Sitzungen, wo man sich gemeinsam auf eine angestrebte Länge einigt, aber realistisch einen Puffer von +5 Sitzungen einräumt  ;)

Oneshots sind ne schöne Auflockerung und können neugierig auf mehr machen. Ich mag aber das Konzept "German Oneshot" - also ein komplexeres, abgeschlossenes Szenario über 2-4 Sitzungen deutlich lieber. Das gibt genug Raum, alle möglichen Elemente eines neuen Systems auszuloten und noch Luft für einen echten Plot. Sowas kann ich auch über längere Zeit genießen, am Besten mit wechselnden SL. Glücklicherweise habe ich auch eine Gruppe, die genau auf sowas auch Lust hat.. bzw. hatte: Aus einem der "German Oneshots" ist dann doch das Bedürfnis auf eine Kampagne gewachsen - deren Ende aber vorgegeben ist.

+1
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 13.06.2023 | 10:46
Ich würde immer gern noch mal die Begriffsgeschichte dieses "German" bei dem Oneshot lernen. Muss aber nicht hier sein.

Meine These: jemand war auf "Nordic LARP" eifersüchtig und wollte was aus dem eigenen Gemüsegarten.  :btt:
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Olibino am 13.06.2023 | 11:28
Als Spieler mag ich alles. Ich schaue mir ja auch im Fernsehen Serien, Spielfilme und Triologien an, warum sollte ich mich da im Rollenspiel festlegen? Da gehe ich mehr danach, ob mir die Mitspieler und das Genre zusagt.

Tendentiell sind Oneshots am einfachsten, weil Kampagnen oftmals mit Regelschwergewichten einhergehen, und Regelschwergewichte mag ich nicht so. Und wenn man Leute noch nicht so kennt und einschätzen kann sind Oneshots am unverfänglichsten.

Als SL ist es umgekehrt, da bevorzuge ich Kampagnen mit Spielern die mir vertraut sind, weil ich da nicht darauf achten muß, auf den Punkt genau um Ende des Spielabends zum Climax zu kommen.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Leonidas am 13.06.2023 | 11:56
Bin der forever-GM und schätze in zunehmendem Maße die Abwechslung durch one- oder fewshots in verschiedenen Genres bzw. Settings. System ist mir dabei nicht wichtig, darf ein- und dasselbe sein oder auch verschiedene.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Blechpirat am 13.06.2023 | 12:24
Oneshots geben mir (als Spieler und als SL) etwas, was Kampagne nicht kann: PCs, die die Spieler riskieren, weil sie ja (nur) für einen Oneshot sind. In der Kampagne spielen die meisten (auch ich) auf Nummer sicher - man will ja hochleveln, oder zumindest alles erleben können. In einem Oneshot spielen viele (wie ich) auf Maximum Drama. Und das kann toll sein.

(Kampagne hat ihre eigenen Stärken, klar. Aber die wurden hier ja schon erwähnt)
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Murphy am 13.06.2023 | 12:36
Beides. Kampagnenspiel daheim und Oneshots in möglichst unterschiedlichen Systemen im Verein oder auf Cons.
Das klingt ein wenig wie verheiratet sein und fremdgehen.  ~;D
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: gunware am 13.06.2023 | 13:16
Als SL kann ich eigentlich keine One-Shot. Egal was ich mache, es gibt immer etwas, was passiert, aber in One-Shot überflüssig ist, weil es nicht zur Anwendung kommen kann. Ich muss mich echt zwingen, die Sachen zum Abschluss zu bringen. Irgendwie könnte es seltsamerweise weiter gehen.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Raven Nash am 13.06.2023 | 15:06
Als Forever-GM muss ich sagen: Ich verweigere One-Shots. Das liegt nichtmal daran, dass ich keinen Abschluss finden würde - ich finde sowas einfach den Aufwand nicht wert. Sich ins System einarbeiten, ins Setting, dann das Abenteuer - und dann ist in 4 Stunden oder so alles vorbei.
Ist so wie aufwändige Gerichte kochen: Stunden am Herd und 10 Minuten ist alles weg. Mach ich auch nicht. Thai-Essen ist in durchschnittlich einer halben Stunde fertig. Das ist effizient.

One-Shots sind mir zu ineffizient. Wenn ich die Zeit schon opfere, dann muss da mehr bei rumkommen.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: CK am 13.06.2023 | 15:27
Das ist ja auch kombinierbar - also Oneshots, aber mit den selben Charakteren, wodurch sich eine Kampagne formt.
Ich spiele eigentlich immer Kampagnen, allerdings haben die nicht immer gleich eine große, epische Handlung, die sich durch alles von Anfang an durchzieht, oftmals reihe ich auch (gerade zu Beginn) nur unverbundene OneShots aneinander, bevor ich weiss, wohin die Reise geht, was dann durch die Kontinuität mit den selben SC aber schon allein deshalb zu so etwas wie einer Kampagne wird.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: unicum am 13.06.2023 | 16:22
One-Shots sind mir zu ineffizient. Wenn ich die Zeit schon opfere, dann muss da mehr bei rumkommen.

Sehe ich sogar ähnlich aber da ich One-Shots eh nur auf Cons leite, kann ich das gleiche vorberitete Abenteuer mehrmals anbieten.

Auf die art und weise lerne ich dann ggf auch neue Spieler kennen und es kahm schon zu länger andauernden Spielrunden daraus.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 13.06.2023 | 16:34
One-Shots sind mir zu ineffizient. Wenn ich die Zeit schon opfere, dann muss da mehr bei rumkommen.

Es ist effizient, wenn man annimmt, dass man aus neuen Systemen nichts lernen kann und man annimmt bis ans Lebensende einem System treu zu bleiben oder gemeiner gesagt im eigenen Saft zu schmoren plant.

"Keine Experimente! Hat ja schon immer so funktioniert!" wird halt irgendwann doch überholt.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Olibino am 13.06.2023 | 16:45
Ich habe auch schon oft erlebt, dass ein SL für ein neues System erst einmal den einen oder anderen Oneshot anbietet um das System zu probieren und ggf. interessierte Spieler zu sammeln. Bevor er dann eine Kampagne anbietet.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 13.06.2023 | 16:50
Habe auch schon öfters erlebt, dass ein Spielleiter einen One-Shot anbietet, den er dann nicht in einer Session fertigkriegt. Und den unangekündigt in eine Endloskampagne verwandelt ohne die Spieler zu fragen, ob sie dafür Zeit oder darauf Lust haben.  ::)

Manche Spielleiter kommen damit durch, weil viele Rollenspieler zu nett sind.  :o
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Kajus Berghof am 13.06.2023 | 17:41
Ich glaub fehlende Kommunikation ist immer ein Problem, in jeder Beziehung nicht nur beim Rollenspiel :D

Zur Frage Kampagne oder One-Shot. Ich mag Kampagnen lieber. Leiten und Spielen.
Eine ganze Zeit in der gleichen Fantasywelt zu verbringen fühlt sich dann halt eher an wie Herr der Ringe lesen. Man taucht wirklich ein in die Welt und plötzlich kann man mit Symbolen wie dem Weißen Baum und mit neuen Vokabeln wie "Numenor" etwas anfangen. Sie haben eine Bedeutung bekommen bei den Spielern.

Im One-Shot is das halt alles sehr schnell schnell durchgehetzt. Klar man kann in nem Setting spielen was alle kennen und wenn dann Gandalf selbst auftaucht is das ganz nett, aber es hat eben nicht den gleichen Payoff, wie wenn das Gruzwinkel der Magier ist, den man in Session 6 gerettet hat und der jetzt, nach vollendeter Ausbildung in Session 38 wiederkommt und mit magischer Macht der Gruppe beisteht. Zu Gruzwinkel hat man eine richtig persönliche Bindung aufgebaut. Das kann ein One-Shot nicht.

One Shots sind lustig für zwischendurch, aber auch meine momentane Kampagne hat einfach kein Zeitlimit. Die Gruppe spielt bis lvl 20 oder bis sie draufgeht (oder beides?). Da sie grade noch level 5 sind wirds zum glück noch einige Zeit dauern :D
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Boba Fett am 13.06.2023 | 19:02
Ich bevorzuge die Kontinuität einer Kampagne, weil man dann nach und nach Vertrautheit spürt und auch die Spielregeln besser kennt.
In meinen Augen läuft eine Kampagne deswegen nach einer Weile reibungsloser. Sie braucht aber auch ein klar definiertes Ende.
Endlose Kampagnen, die irgendwann wegen Desinteresse oder verändereten Lebensumständen veröden, mag ich nicht.

Ich mag aber auch furchtbar gerne One-Shots, um Dinge auszuprobieren. Diese sollten aber ihren eigenen zeitlichen Raum haben.
Vor allem können diese auch gern leicht unregelmäßig stattfinden.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Der Hasgar am 13.06.2023 | 19:13
Hallo,

bei mir heißt es auch ganz klar: Kampagne vor One-Shot. Ich bevorzuge die Entwicklung von Charakteren (sowohl die charakterliche als auch in Bezug auf das Machtpensum) - und das fehlt mir bei einem One-Shot total.

Wobei ich nicht zwingend sagen würde: Niemals One-Shots. Aber das fühlt sich dann für mich tatsächlich eher so an wie eine Runde Arkham Horror mit Freunden spielen. Es fehlt für mich das, was am Ende ein Rollenspiel (aus meiner Sicht) ausmacht.

ABER: Trotzdem muss eine Kampagne bei mir nicht endlos sein. Das wird nach langer Zeit irgendwann fade. Aber so 1-2 Jahre+ darf sowas schon gerne dauern.  :)
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Megavolt am 13.06.2023 | 19:54
Kampagnen klappen eh nicht, insofern OneShot all the way. Hohe Verdichtung, hoher Spaß. Und was im Gegensatz zu einer Kampagne sehr wohl funktioniert, ist einen, zwei, drei ... OneShots aneinanderzupappen.

Die Schwierigkeit besteht eher darin, ein Abenteuer für einen guten OneShot zu finden. Es gibt Systeme, die haben in einem satten Vierteljahrhundert irgendwie nur 1W6-3 zusammengebracht *hust* Cthulhu *hust*
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 13.06.2023 | 20:00
bei mir heißt es auch ganz klar: Kampagne vor One-Shot. Ich bevorzuge die Entwicklung von Charakteren (sowohl die charakterliche als auch in Bezug auf das Machtpensum) - und das fehlt mir bei einem One-Shot total.

Also ich recycle gerne meine Spielercharaktere in One Shots. Vielleicht ist sogar das Genre ein anderes, aber man kann trotzdem - episodenhaft - den Charakter weiterführen, selbst wenn die anderen Spieler und der Spielleiter vom Vorleben keine Ahnung haben. (Ich spreche hauptsächlich von Biographie und sich entwickelnder Persönlichkeit, nicht so sehr von den Werten.)
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Murphy am 13.06.2023 | 20:04
Eine ganze Zeit in der gleichen Fantasywelt zu verbringen fühlt sich dann halt eher an wie Herr der Ringe lesen. Man taucht wirklich ein in die Welt und plötzlich kann man mit Symbolen wie dem Weißen Baum und mit neuen Vokabeln wie "Numenor" etwas anfangen. Sie haben eine Bedeutung bekommen bei den Spielern.

Im One-Shot is das halt alles sehr schnell schnell durchgehetzt. Klar man kann in nem Setting spielen was alle kennen und wenn dann Gandalf selbst auftaucht is das ganz nett, aber es hat eben nicht den gleichen Payoff, wie wenn das Gruzwinkel der Magier ist, den man in Session 6 gerettet hat und der jetzt, nach vollendeter Ausbildung in Session 38 wiederkommt und mit magischer Macht der Gruppe beisteht. Zu Gruzwinkel hat man eine richtig persönliche Bindung aufgebaut. Das kann ein One-Shot nicht.

One Shots sind lustig für zwischendurch, aber auch meine momentane Kampagne hat einfach kein Zeitlimit. Die Gruppe spielt bis lvl 20 oder bis sie draufgeht (oder beides?). Da sie grade noch level 5 sind wirds zum glück noch einige Zeit dauern :D
+1
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Weltengeist am 13.06.2023 | 20:14
Schon wieder so ein Thread, in dem die beiden Extremenden des Spektrums miteinander verglichen werden sollen. So als würde man wirklich bei Session Zero fragen: "Was machen wir jetzt - jeden Abend was anderes oder ab jetzt nur noch Splittermond?"

Und wie so häufig liegt für mich die Wahrheit zwischen den Extremen. Kampagne ja, Charakterentwicklung ja, Einleben in eine Spielwelt ja, aber mit Ablaufdatum. Kann man sich ja vorher drauf einigen: "Wir spielen jetzt für ungefähr ein Jahr / 25 Sitzungen / whatever THIS, und dann gibt's mal wieder was Neues."
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Der Hasgar am 13.06.2023 | 20:24
Also ich recycle gerne meine Spielercharaktere in One Shots. Vielleicht ist sogar das Genre ein anderes, aber man kann trotzdem - episodenhaft - den Charakter weiterführen, selbst wenn die anderen Spieler und der Spielleiter vom Vorleben keine Ahnung haben. (Ich spreche hauptsächlich von Biographie und sich entwickelnder Persönlichkeit, nicht so sehr von den Werten.)

Ja, das könnte ich mir noch ganz gut vorstellen :) Ich finde es halt einfach schade, einen SC für einen One-Shot zu bauen, weil ich mir da schon immer meine Gedanken mache (unabhängig vom System). Zusätzlich ist steigern für mich auch ein integraler Bestandteil von RPGs.

 
Kampagnen klappen eh nicht, insofern OneShot all the way. Hohe Verdichtung, hoher Spaß. Und was im Gegensatz zu einer Kampagne sehr wohl funktioniert, ist einen, zwei, drei ... OneShots aneinanderzupappen.

Die Schwierigkeit besteht eher darin, ein Abenteuer für einen guten OneShot zu finden. Es gibt Systeme, die haben in einem satten Vierteljahrhundert irgendwie nur 1W6-3 zusammengebracht *hust* Cthulhu *hust*

Wieso klappen Kampagnen nicht? Also ich bin gerade Spieler einer wundervollen Kampagne, die jetzt bald nach 5 Jahren (14tägiges Spiel) ihr Ende nehmen wird. Es deutet alles auf ein episches Ende hin, wie ich es mir für meinen SC erträumt habe. Kann mich da also wirklich nicht beklagen. Habe allerdings auch einen tollen SL :)
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Megavolt am 13.06.2023 | 21:05
So als würde man wirklich bei Session Zero fragen: "Was machen wir jetzt - jeden Abend was anderes oder ab jetzt nur noch Splittermond?"

 ~;D ~;D

Das sollte man noch aufs Extrem treiben.
"Was machen wir jetzt - nonstop hintereinandergeschaltete Dimensionssprünge oder eine ununterbrochene Kette von Würfelkämpfen?"

Wieso klappen Kampagnen nicht? Also ich bin gerade Spieler einer wundervollen Kampagne, die jetzt bald nach 5 Jahren (14tägiges Spiel) ihr Ende nehmen wird. Es deutet alles auf ein episches Ende hin, wie ich es mir für meinen SC erträumt habe. Kann mich da also wirklich nicht beklagen. Habe allerdings auch einen tollen SL :)
Ich überspitze freilich, aber einen wahren Kern hat es doch: überhaupt erst mal eine gute Kampagne finden, ein gutes Team aus Spielern zusammenstellen, den Terminkampf bewältigen, das Interesse aufrechterhalten, die Wirrungen des Lebens und des Arbeitslebens erfolgreich abpuffern, die unterschiedlichen Interessen über einen langen Zeitraum angemessen bedienen und gleichzeitig frisch und originell bleiben - das ist halt alles nicht so leicht und es spricht alles gegen (vor allem gegen ausladende) Kampagnen.

Ich träume - so wie jeder andere auch - von der idealen Kampagne, komme operativ aber sehr viel besser damit zu Recht, wenn ich in KW1 "Geballer auf futuristischen Motorrädern in der brennenden Marmeladenfabrik (Shadowrun)" spiele und in KW2 "die tüdeligen Krimi-Omas lösen Fälle" und in KW3 "Karl May gegen die Schoschonen im Tal der Biber" und in KW4 spiele ich "ich arme unverstandene Frau will im viktorianischen Zeitalter einen visionären Gedichtband publizieren aber die Welt ist gegen mich"  und danach kommen drei zusammengepappte OneShots aus DCC.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Der Hasgar am 13.06.2023 | 21:09
~;D ~;D

Das sollte man noch aufs Extrem treiben.
"Was machen wir jetzt - nonstop hintereinandergeschaltete Dimensionssprünge oder eine ununterbrochene Kette von Würfelkämpfen?"
Ich überspitze freilich, aber einen wahren Kern hat es doch: überhaupt erst mal eine gute Kampagne finden, ein gutes Team aus Spielern zusammenstellen, den Terminkampf bewältigen, das Interesse aufrechterhalten, die Wirrungen des Lebens und des Arbeitslebens erfolgreich abpuffern, die unterschiedlichen Interessen über einen langen Zeitraum angemessen bedienen und gleichzeitig frisch und originell bleiben - das ist halt alles nicht so leicht und es spricht alles gegen (vor allem gegen ausladende) Kampagnen.

Ich träume - so wie jeder andere auch - von der idealen Kampagne, komme operativ aber sehr viel besser damit zu Recht, wenn ich in KW1 "Geballer auf futuristischen Motorrädern in der brennenden Marmeladenfabrik (Shadowrun)" spiele und in KW2 "die tüdeligen Krimi-Omas lösen Fälle" und in KW3 "Karl May gegen die Schoschonen im Tal der Biber" und in KW4 spiele ich "ich arme unverstandene Frau will im viktoriansichen Zeitalter einen visionären Gedichtband publizieren aber die Welt ist gegen mich"  und danach kommen drei zusammengepappte OneShots aus DCC.

Ahh, also ist es eher die Kollision mit der Realität :D Hatte es eher so verstanden, dass Du grundsätzlich den Modus "Kampagne" für schlecht hältst. Aber klar, das ist schwierig. Ich mag da verwöhnt sein, weil unser Pool an Spielern mittlerweile 20 Jahre zusammenspielt und sich da einfach so bestimmte Termine ausgebildet haben, die wie ein Uhrwerk eingehalten werden :)
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Megavolt am 13.06.2023 | 21:10
Das ist natürlich zu beglückwünschen, freut mich sehr für euch!  :d
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Lord Verminaard am 13.06.2023 | 21:13
Ich bin mehr und mehr zu der Einsicht gelangt, dass der Unterschied zwischen Kampagnenspiel und One-Shot extrem wichtig für die Herangehensweise ans Rollenspiel ist. Das fängt bei der Wahl von System und Setting an, geht über die Gestaltung der Charaktere, Hintergründe und Konflikte, die Schwerpunktsetzung und natürlich ganz extrem das Pacing. Ganz oft, wenn hier im Forum zwei Leute komplett aneinander vorbei reden, liegt es daran, dass der eine über Kampagnenspiel redet und der andere über One-Shots. Natürlich gibt es auch Formen, die irgendwo dazwischen liegen, das bleibt unbenommen. Aber auch die lassen sich sehr gut darüber begreifen, wie man sie auf der Achse zwischen "supertighter 3-Stunden-One-Shot" und "200-Sitzungen-Mammut-Kampagne" einordnet. Nimm noch die Achse von akribischer Vorbereitung hin zu totaler Improvisation dazu, und der Erkenntnisgewinn ist 100x höher, als bei GNS.

System Hopping ist für mich dabei nur ein untergeordneter Aspekt. Klar, wenn man System Hopping will, dann sind One-Shots oder Few-Shots dazu besser geeignet als Kampagnen (was nicht heißt, dass ich nicht schon mal mitten in der Kampagne das System gewechselt hätte). Aber es gibt noch viele andere Gründe, One-Shots oder Few-Shots zu wollen. Für mich steht dabei die Wahl eines Themas bzw. der Pitch im Zentrum, und dazu passend suche ich dann aus 5-6 Systemen, die sich für mich bewährt haben, eines aus. Keines von denen würde ich in einer längeren Kampagne leiten, da habe ich andere im Auge (wenn sich denn die Sterne jemals wieder fügen).
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Murphy am 13.06.2023 | 21:29
Ich bin mehr und mehr zu der Einsicht gelangt, dass der Unterschied zwischen Kampagnenspiel und One-Shot extrem wichtig für die Herangehensweise ans Rollenspiel ist. Das fängt bei der Wahl von System und Setting an, geht über die Gestaltung der Charaktere, Hintergründe und Konflikte, die Schwerpunktsetzung und natürlich ganz extrem das Pacing. Ganz oft, wenn hier im Forum zwei Leute komplett aneinander vorbei reden, liegt es daran, dass der eine über Kampagnenspiel redet und der andere über One-Shots. Natürlich gibt es auch Formen, die irgendwo dazwischen liegen, das bleibt unbenommen. Aber auch die lassen sich sehr gut darüber begreifen, wie man sie auf der Achse zwischen "supertighter 3-Stunden-One-Shot" und "200-Sitzungen-Mammut-Kampagne" einordnet. Nimm noch die Achse von akribischer Vorbereitung hin zu totaler Improvisation dazu, und der Erkenntnisgewinn ist 100x höher, als bei GNS.

Wunderbar ausgedrückt! Genau darauf wollte ich eigentlich hinaus, ich konnte es einfach nicht so schön formulieren, wie du.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Der Hasgar am 13.06.2023 | 21:36
Ich bin mehr und mehr zu der Einsicht gelangt, dass der Unterschied zwischen Kampagnenspiel und One-Shot extrem wichtig für die Herangehensweise ans Rollenspiel ist. Das fängt bei der Wahl von System und Setting an, geht über die Gestaltung der Charaktere, Hintergründe und Konflikte, die Schwerpunktsetzung und natürlich ganz extrem das Pacing. Ganz oft, wenn hier im Forum zwei Leute komplett aneinander vorbei reden, liegt es daran, dass der eine über Kampagnenspiel redet und der andere über One-Shots. Natürlich gibt es auch Formen, die irgendwo dazwischen liegen, das bleibt unbenommen. Aber auch die lassen sich sehr gut darüber begreifen, wie man sie auf der Achse zwischen "supertighter 3-Stunden-One-Shot" und "200-Sitzungen-Mammut-Kampagne" einordnet. Nimm noch die Achse von akribischer Vorbereitung hin zu totaler Improvisation dazu, und der Erkenntnisgewinn ist 100x höher, als bei GNS.

System Hopping ist für mich dabei nur ein untergeordneter Aspekt. Klar, wenn man System Hopping will, dann sind One-Shots oder Few-Shots dazu besser geeignet als Kampagnen (was nicht heißt, dass ich nicht schon mal mitten in der Kampagne das System gewechselt hätte). Aber es gibt noch viele andere Gründe, One-Shots oder Few-Shots zu wollen. Für mich steht dabei die Wahl eines Themas bzw. der Pitch im Zentrum, und dazu passend suche ich dann aus 5-6 Systemen, die sich für mich bewährt haben, eines aus. Keines von denen würde ich in einer längeren Kampagne leiten, da habe ich andere im Auge (wenn sich denn die Sterne jemals wieder fügen).

+1  :d

Man sollte viele Regeldiskussionen in dieses Schema einteilen. Gerade die besonders regelleichten Systeme eignen sich ja oft eher für One- oder Few-Shots. Für eine längere Kampagne braucht es ja zumindest für die Entwicklung oft etwas mehr. 
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Lord Verminaard am 13.06.2023 | 22:16
Wunderbar ausgedrückt! Genau darauf wollte ich eigentlich hinaus, ich konnte es einfach nicht so schön formulieren, wie du.

Freut mich! Wobei ich das Framing "Tiefe vs. Diversität" nicht unbedingt mitgehen würde. Ich sehe beim One-Shot schon auch die Möglichkeit, richtig tief zu gehen, weil ich halt auf eine ganz bestimmte Sache fokussieren und sie ausloten kann, und da dann auch alles drauf zuschneide und ganz viel anderes weglasse. Das, was ich an One-Shots schätze, ist weniger die Abwechslung, als dieser Fokus. Es ist dann, bei einem richtig gelungenen One-Shot, auch das Feuer einfach durchgängig da, das hältst du über eine längere Kampagne nicht die ganze Zeit durch. Insofern kann so ein One-Shot schon sehr viel Wucht und Intensität haben und auch auf einer gewissen Ebene sehr viel Commitment einfordern.

Während Kampagnenspiel sich den Luxus der Langsamkeit leisten kann. Es kann sich leisten, detailverliebt zu sein, Raum zu lassen für das, was passiert, wenn man nicht allzu hart paced, wenn man den Verästelungen folgt und auch einfach mal irgendwo anhält, weil es einem da gefällt. Man kann dann expandieren, zwischen Sitzungen zu den Dingen, die das Interesse der Spieler geweckt haben, noch mehr vorbereiten, man kann viel besser Richtungswechsel vornehmen, man kann überhaupt erst die Möglichkeiten komplexerer Systeme und Settings ausschöpfen. Man kann auch variieren, in unterschiedlichen Sitzungen unterschiedliche Aspekte des Spiels beleuchten und andere Schwerpunkte setzen. Heute drei Stunden an einem epischen Kampf spielen und die nächste Sitzung nur soziale Interaktion und kein mal würfeln, etc. Man kann Entwicklungen bis zu ihrem Ende verfolgen, ohne Zuspitzung und aggressives Schneiden, und wenn sie dann zu einem Abschluss kommen, kann man sich fragen: Was passiert danach? Es ist eine andere Art von Commitment, eben langfristig, und eine andere Art von Pay-Off.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: flaschengeist am 19.06.2023 | 16:32
Ich bin mehr und mehr zu der Einsicht gelangt, dass der Unterschied zwischen Kampagnenspiel und One-Shot extrem wichtig für die Herangehensweise ans Rollenspiel ist. Das fängt bei der Wahl von System und Setting an, geht über die Gestaltung der Charaktere, Hintergründe und Konflikte, die Schwerpunktsetzung und natürlich ganz extrem das Pacing. Ganz oft, wenn hier im Forum zwei Leute komplett aneinander vorbei reden, liegt es daran, dass der eine über Kampagnenspiel redet und der andere über One-Shots. Natürlich gibt es auch Formen, die irgendwo dazwischen liegen, das bleibt unbenommen. Aber auch die lassen sich sehr gut darüber begreifen, wie man sie auf der Achse zwischen "supertighter 3-Stunden-One-Shot" und "200-Sitzungen-Mammut-Kampagne" einordnet. Nimm noch die Achse von akribischer Vorbereitung hin zu totaler Improvisation dazu, und der Erkenntnisgewinn ist 100x höher, als bei GNS.

Das kann ich nur unterschreiben. Rollenspielrunden können sich viel unnötigen Frust ersparen, wenn für die präferierte Form das geeignete System gewählt wird.
Auch unterstreicht es einmal mehr: Ein System ist nicht schlecht, wenn es die eigene Präferenz verfehlt, sondern höchstens dann, wenn es das selbst gesetzte Designziel verfehlt. Und manche Designziele, wie z.B. "regelleicht" einerseits und "differenzierte Charaktere, deren Fähigkeiten sich im Zuge der Charakterentwicklung erweitern" andererseits, sind miteinander schlicht unvereinbar. Auch unter erfahrenen Rollenspielern, die dutzende Systeme kennen, treffe ich immer mal wieder Menschen, die diesen Punkt nicht verinnerlicht haben. Sie sind stets auf der Suche nach dem "perfekten" System und begreifen tragischerweise nicht, dass für breite Präferenzen ein System schlicht zu wenig ist.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 19.06.2023 | 17:31
Hatte auch schon den Eindruck, dass "Nur-Spielleiter" und "Mixed-Spieler&Spielleiter" ziemlich aneinander vorbeireden können. (Dezidierte "Nur-Spieler" sind mir hier noch keine begegnet.)
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Weltengeist am 19.06.2023 | 17:35
Auch unterstreicht es einmal mehr: Ein System ist nicht schlecht, wenn es die eigene Präferenz verfehlt, sondern höchstens dann, wenn es das selbst gesetzte Designziel verfehlt. Und manche Designziele, wie z.B. "regelleicht" einerseits und "differenzierte Charaktere, deren Fähigkeiten sich im Zuge der Charakterentwicklung erweitern" andererseits, sind miteinander schlicht unvereinbar. Auch unter erfahrenen Rollenspielern, die dutzende Systeme kennen, treffe ich immer mal wieder Menschen, die diesen Punkt nicht verinnerlicht haben. Sie sind stets auf der Suche nach dem "perfekten" System und begreifen tragischerweise nicht, dass für breite Präferenzen ein System schlicht zu wenig ist.

In diesem kleinen Absatz steckt so viel Wahrheit, dass ihn sich so mancher in Goldlettern ausdrucken und an die Wand hängen sollte :d.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 19.06.2023 | 18:10
Jo, Rollenspielsysteme sind halt wie das Gerödels im Werkzeugkasten - Hämmer oder Zangen oder Schraubenzieher sind nicht per se kacke (ausser sie sind schlampig angefertigt), aber jedes ist für bestimmte Dinge da. Klar kann man auch versuchen, all die blöden Nägel mit dem Schraubenzieher aus dem Holz rauszuziehen, aber glücklich macht das einen nicht.  ^-^
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: flaschengeist am 19.06.2023 | 22:07
@Weltengeist
Danke für das schöne Kompliment :).

Hatte auch schon den Eindruck, dass "Nur-Spielleiter" und "Mixed-Spieler&Spielleiter" ziemlich aneinander vorbeireden können. (Dezidierte "Nur-Spieler" sind mir hier noch keine begegnet.)

Ein interessanter Gedanke. Magst du etwas näher ausführen?
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Lord Verminaard am 21.06.2023 | 10:42
Hatte auch schon den Eindruck, dass "Nur-Spielleiter" und "Mixed-Spieler&Spielleiter" ziemlich aneinander vorbeireden können. (Dezidierte "Nur-Spieler" sind mir hier noch keine begegnet.)

Auch das mag sein, dem ist aber leicht Abhilfe zu schaffen, indem der "Nur-Spielleiter" einfach mal ein wenig von seiner eigenen Medizin kostet. >;D
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Arkam am 21.06.2023 | 12:47
Hallo zusammen,

da ich mit dem Paranoia RPG ein Totes Pferd reite bin ich froh über jeden Mitspieler. Da zur Vorstellung in einer Spielrunde eher One Shots oder Abenteuer die maximal 3 Termine lang dauern geeignet sind habe ich jetzt auch ein paar kürzere Missionen geschrieben und gespielt.
Dabei habe ich mir das Prinzip der Pseudokampagne angewöhnt. Das heißt alles was in den kurzen Sachen passierte bleibt in der Spielwelt und kann wieder aufgegriffen werden.
In der ersten Kurzmission haben die Charaktere erst einen Stadtteil zerstört und sich dann in eine Unterwasserstation abgesetzt. Zudem ging eine Atombombe verloren. In der zweiten Kurzmission wurde dann ein Team ausgesandt um die verlorene Atombombe zu suchen. Meine regelmässige Runde wurde auf die Mission geschickt das Team das sich in die Unterwasserstation abgesetzt hatte als Deserteure gefangen zu setzen.
So wirkt die Spielwelt etwas dynamischer und ich als Spielleiter bekomme auch mehr Anregungen und Ideen.

Nachdem ich als Spieler zwei Kampagnen, Pathfinder Abenteuerpfade, gespielt habe und für Paranoia eine Kampagne, 10 Termine bei monatlicher Spielweise, geleitet habe habe ich eine Hypothese darüber was Kampagnen abtötet.
Sie bieten einfach nur mehr vom Gleichen und es fehlt die Bedeutung. Die Patfinder Kampagnen haben sich aus meiner Sicht als eine Reihe von Dungeons präsaentiert.
Ich für mich habe festgestellt das weder Regelsystem noch Dungeons etwas für mich sind. Ich hoffe jetzt einfach nur noch auf ein Ende. Wenn  es nicht gerade meine Stammrund wäre und ich das Gefühl habe das wirklich jeder Charakter für den Endkampf benötigt wird wäre ich wohl schon draußen.
Das gleiche Phänomen habe ich auch bei einer geleiteten Kampagne gehabt. Die Charaktere reisten mit ihrem Raumschiff durch das Weltall und sollten eigentlich 5 Aufgaben erledigen. Dabei waren in einzelnen Systemen stets ein paar Sachen zu besorgen.Wir haben dann nach der dritten Aufgabe beschlossen das es reichen würde und haben dann allerdings zu Ende gespielt.

Nach diesen Erfahrungen  werde ich mich wohl auf überschaubare Kampagnen konzentrieren, also geplant 10 - 14 Termine und diese als Pseudoenloskampagne zusammen fassen.
Das entlastet auch Spieler und Spielleitung. Denn Informationen, wichtige NPCs und Ereignisse über einen längeren Zeitraum parad zu haben stellt alle Seiten vor eine Herausforderung.

Gruß Jochen
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: unicum am 21.06.2023 | 13:16
Ich überspitze freilich, aber einen wahren Kern hat es doch: überhaupt erst mal eine gute Kampagne finden, ein gutes Team aus Spielern zusammenstellen, den Terminkampf bewältigen, das Interesse aufrechterhalten, die Wirrungen des Lebens und des Arbeitslebens erfolgreich abpuffern, die unterschiedlichen Interessen über einen langen Zeitraum angemessen bedienen und gleichzeitig frisch und originell bleiben - das ist halt alles nicht so leicht und es spricht alles gegen (vor allem gegen ausladende) Kampagnen.

Ich kann dazu nur sagen: funktionierte bei mir lange zeit wunderbar, nun hab ich halt ein kleines Kind an der Backe, aber ich hab die hoffnung das es wenn das kind nicht mehr klein ist irgendwann wieder funktionieren wird. Seitdem ist es eben nur noch eine Runde 14 tägig - die hat auch Corona überstanden.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 21.06.2023 | 13:16
Ein interessanter Gedanke. Magst du etwas näher ausführen?

Aus Spielleiter-Perspektive mache ich mir über ganz andere Dinge bzgl. Spieler-Motivation sorgen als, wenn ich selbst Spieler bin. Wer nicht beide Seiten kennt, kann leicht falsche Schlüsse ziehen, was stört. Und Feedback nach der Session ist auch oft verlogen. Ich will ja meinen Spielleiter ja nicht attackieren, ich streiche lieber das positive heraus, oder verwende zumindest eine Sandwich-Technik.

Als Spielleiter ist z.B. eine meiner größte Sorge, dass ein Abenteuer nicht fordernd genug war. ("OMG, 15 Sessions und noch keine Wunde!") Als Spieler kann ich mich über kein einziges Mal erinnern, wo mich das gestört hätte. Genauso fürchten sich viele Spielleiter über Charaktertode, weil das ihre Kampagnenplannung über den Haufen werfen könnte, während die meisten Spieler die Kampagnenplannung ja eher nur erdulden - auch wenn die Spielleitung glaubt sie wären die Storyteller mit den geilsten Plotpoints seit Tolkien.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: unicum am 21.06.2023 | 13:48
(Dezidierte "Nur-Spieler" sind mir hier noch keine begegnet.)

Ich kenne auch solche. Die fest davon überzeugt sind "Ich kann das nicht!"
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: First Orko am 21.06.2023 | 13:57
Als Spielleiter ist z.B. eine meiner größte Sorge, dass ein Abenteuer nicht fordernd genug war. ("OMG, 15 Sessions und noch keine Wunde!") Als Spieler kann ich mich über kein einziges Mal erinnern, wo mich das gestört hätte.

:o Das stimmt! So banal diese Erkennis ist: DANKE!    :pray: Das nimmt mir gerade so ziemlich eine der letzten Unsicherheiten, die ich als SL noch verspüre  ;D
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 21.06.2023 | 18:49
Ich kenne auch solche. Die fest davon überzeugt sind "Ich kann das nicht!"

Aber sind die im Tanelorn angemeldet und posten hier? Darauf wollte ich hinaus, dass Foren-Gnome doch eher selten Nur-Spieler sind...
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Raven Nash am 21.06.2023 | 19:19
Auch das mag sein, dem ist aber leicht Abhilfe zu schaffen, indem der "Nur-Spielleiter" einfach mal ein wenig von seiner eigenen Medizin kostet. >;D
Dazu müsste aber das Wunder geschehen, dass ein anderer SL macht. Und ich bin zu alt, um noch an Wunder zu glauben. ::)
Die letzte Antwort auf die Frage, ob jemand nicht mal SL machen möchte war: "Ist mir zu viel Arbeit." Wenigstens ehrlich.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 21.06.2023 | 19:28
Naja, die MasterMeister könnten auch einmal einfach online wo mitspielen.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Raven Nash am 21.06.2023 | 19:43
Naja, die MasterMeister könnten auch einmal einfach online wo mitspielen.
Nope. Ich spiel nicht online. Hab ich während Corona gemacht, bin damit aber nie warm geworden. Ich mag einfach nicht vorm PC sitzen beim RP spielen. Und schon gar kein VTT. Wäre das die einzige Möglichkeit zu spielen, würd ich vermutlich einfach aufhören.
Und mit Unbekannten spielen - no way. So viele Pillen kann ich gar nicht schlucken, als das das geht...
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: unicum am 21.06.2023 | 19:46
Aber sind die im Tanelorn angemeldet und posten hier? Darauf wollte ich hinaus, dass Foren-Gnome doch eher selten Nur-Spieler sind...

Das wohl nicht,...
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Lord Verminaard am 22.06.2023 | 11:21
@Raven Nash: Wollte niemanden angreifen, bin nur für die schnelle Pointe gegangen. :) Klar, "leicht" ist schnell dahergesagt, hängt aber immer von den individuellen Umständen ab. Man sollte nicht von sich selbst auf andere schließen.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 22.06.2023 | 12:20
Nope. Ich spiel nicht online. Hab ich während Corona gemacht, bin damit aber nie warm geworden.

Ich habe gesagt einmal. Also hast du es doch schon gemacht. Nur als SL oder auch auch mal als Spieler?
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Raven Nash am 22.06.2023 | 12:37
Ich habe gesagt einmal. Also hast du es doch schon gemacht. Nur als SL oder auch auch mal als Spieler?
SL. Ist ja die selbe Gruppe.

Das letzte Mal als Spieler ist ca. 5 Jahre her, da hat sich meine bessere Hälfte erbarmt, sich durch ein offizielles FFG-StarWars Abenteuer zu kämpfen. Hat mir richtig leid getan, die Arme. Wahrscheinlich will sie deshalb nicht mehr leiten.  ;)

Wir hatten in der alten Gruppe mal eine etwas längere Zeit, in der ein anderer SL gemacht hat. War ziemlich enspannend und spaßig, mal genauso dumme Aktionen zu liefern, wie er sonst.  8) Ist aber schon mindestens 15 Jahre her.

@Raven Nash: Wollte niemanden angreifen, bin nur für die schnelle Pointe gegangen. :) Klar, "leicht" ist schnell dahergesagt, hängt aber immer von den individuellen Umständen ab. Man sollte nicht von sich selbst auf andere schließen.
No harm done. Wenn ich mir so Foren, Facebook und YT anschaue, dürfte der Forever-DM jetzt kein seltenes Phänomen sein.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Sphinx am 23.06.2023 | 09:32
Bin etwas spät und hab den ganzen Thread nur überflogen, also sorry falls es schon erwähnt wurde.

Ich bin selbst auch ehr jemand der eine längere Kampagne vorzieht. Einfach weil ich auch ein paar Runden brauche um für mich selbst rauszuarbeiten wie mein Charakter tickt. Und das Charakter spiel gehört für mich einfach zum Rollenspiel dazu.
Für Oneshots mache ich mir nahezu keine Gedanken über Charaktere, aber sie sind gute Lückenfüller wenn man jemand anderes Leitet oder man ne kurze Pause von einer Kampagne möchte.

Sofern man kein System Hopping betreibt gefällt mir die Variante von Acquisitions Inc. echt gut. Weil es ein Hybrider Ansatz ist.
Kurz zusammengefasst: Die Spieler sind Teil einer Firma die Abenteurer Aufträge erfüllt. Jeder Auftrag ist ein One- /Fewshot das die Mitarbeiter der Firma (Charaktere) erledigen. Danach kehren sie ins Hauptquartier zurück und nehmen die nächsten Aufträge an.
Hat den Vorteil das man keine zusammenhängenden Abenteurer braucht.
Bei Bedarf einen Charaktere auswechseln ist einfach: Es wurde gerade ein neuer "Mitarbeiter" eingestellt.
Die Firma "Levelt" durch das erfüllen der Aufträge und wird toller, es gibt also ein Voran kommen als Gruppe selbst wenn einzelne Charaktere zwischendurch wechseln sollten.
Und einen Metaplot im Hintergrund zu haben der das ganze zusammenbindet geht auch. Das Dr. Evil hinter den meisten kleinen Abenteurern steckt findet man erst nach unzähligen raus.

Das ganze kann man in nahezu jedes Setting verfrachten würde ich behaupten. Und es ermöglicht sogar den Spielleiter Wechsel, da dieser nicht irgend einen Metaplott kennen muss um mal ein Abenteuer leiten zu können.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: PzVIE am 23.06.2023 | 11:26
Sofern man kein System Hopping betreibt gefällt mir die Variante von Acquisitions Inc. echt gut. Weil es ein Hybrider Ansatz ist.
Funktionieren nicht die ganzen "organized plays" so? Pathfinder hat hunderte dieser One-Shots, die alle eine seichte Meta-Story drüber liegen haben und die Spieler werden von ihrer Organisation beauftragt. Ich bin gerade dabei, mit einer sich unregelmäßig treffenden Runde die Season 3 durchzuspielen - das funktioniert großartig!
Auch das unlängst erschienene Stargate RPG ist wie gemacht für diese Art: der General sagt wohin es geht, die PCs gehen durch's Star Gate und erfüllen die Mission (oder auch nicht ...). Und auch Star Trek Adventures hat sowas ("Living Campaign"). EDIT - ist sogar gratis: https://www.modiphius.net/pages/sta-living-campaign
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Jens am 24.06.2023 | 23:02
:o Das stimmt! So banal diese Erkennis ist: DANKE!    :pray: Das nimmt mir gerade so ziemlich eine der letzten Unsicherheiten, die ich als SL noch verspüre  ;D
Ja ich habe gestern ein Szenario geleitet in dem es zwar zu ziemlich schweren Kämpfen hatte kommen können, die aber alle umgangen wurden und habe am Ende von den Spielern durchweg positives Feedback erhalten.

Massiven Schaden gab es aber trotzdem durch fiese Treppenstürze zwischendurch...
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 25.06.2023 | 10:40
Also ich bin schon dafür die Spieler hart ranzunehmen, und fahre auch jedes Mal stärkere Opposition auf, aber gerade bei Gummipunkt-Systemen wie Savage Worlds oder Torg Eternity sind mir die Spieler immer 2 Schritte voraus. Ich protze auch regelmäßig damit, dass es das nächste Mal zu hart für sie sein wird. Vielleicht reicht das ja schon.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Weltengeist am 25.06.2023 | 11:46
Vielleicht reicht das ja schon.

Das ist so eine Theorie, die ich schon seit vielen Jahren mit mir rumtrage - dass die meisten Spieler nicht wirklich Gefahr wollen, sondern lediglich die Illusion von Gefahr...
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 25.06.2023 | 12:17
Das ist so eine Theorie, die ich schon seit vielen Jahren mit mir rumtrage - dass die meisten Spieler nicht wirklich Gefahr wollen, sondern lediglich die Illusion von Gefahr...

Das sind gefährliche Gedanken, Padawan!  >;D

Ich steigere die Gefahr schon wirklich und wenn ich Spieler bin, dann gibt mir nichts so sehr denn Kick wie wenn ein Spielercharakter - meinetwegen auch meiner - wirklich drauf geht.

Auch wieder ein Fall, wo es gut ist, beide Perspektiven zu kennen.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Alter Weißer Pottwal am 25.06.2023 | 12:21
Das ist so eine Theorie, die ich schon seit vielen Jahren mit mir rumtrage - dass die meisten Spieler nicht wirklich Gefahr wollen, sondern lediglich die Illusion von Gefahr...

Das sehe ich genau so  :d
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: flaschengeist am 25.06.2023 | 12:25
Das ist so eine Theorie, die ich schon seit vielen Jahren mit mir rumtrage - dass die meisten Spieler nicht wirklich Gefahr wollen, sondern lediglich die Illusion von Gefahr...

Meine Gedanken dazu sind ähnlich. Ich denke allerdings, dass es eher eine verschwindend geringe Chance als die Illusion ist. Zumindest in Kampagnen kann die Illusion nämlich nicht dauerhaft funktionieren. Auch der letzte Spieler merkt früher oder später, dass am Ende dann irgendwie doch immer alle überleben. Die diesbezügliche Spannung sinkt also irgendwann auf null, während sie in einer Kampagne, in der auch nur alle 500 Spielstunden ein Charakter stirbt, hoch bleibt. Und warum bleibt sie hoch? Weil bei großem Schaden (hier: ein lang gespielter Charakter stirbt) ein geringes Risiko reicht, ein Bedrohungsgefühl aufzubauen und sich in der Folge entsprechend vorsichtig zu verhalten.

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Weltengeist am 25.06.2023 | 12:33
Das sind gefährliche Gedanken, Padawan!  >;D

Ich steigere die Gefahr schon wirklich und wenn ich Spieler bin, dann gibt mir nichts so sehr denn Kick wie wenn ein Spielercharakter - meinetwegen auch meiner - wirklich drauf geht.

Auch wieder ein Fall, wo es gut ist, beide Perspektiven zu kennen.

Als aufmerksamer Leser ist dir sicherlich der Teil mit "die meisten" in meiner Aussage aufgefallen. Ist nicht das gleiche wie "alle". Dass es DIR (und übrigens auch mir) anders geht, sagt also nichts über die Gültigkeit meines Modells aus. Ich merke halt nur, wie überrascht ich mittlerweile bin, wenn ich wirklich mal Spieler treffe, die das mit dem Thrillseeking ernst meinen.

Denn klar, in der Vorbesprechung sagen immer alle: Ja, wir wollen voll die Gefahr. Nur wenn dann wirklich mal ein SC das Zeitliche segnet oder ab jetzt einäugig gespielt werden muss, gibt's dann halt lange Gesichter. Deshalb werden immer dann, wenn es irgendwo gefährlich werden könnte, vorher stundenlange Planungssessions durchgezogen, damit alle Risiken ausgeschlossen werden können und Schatzi nur ja nichts passiert. Und, ach ja, Gummipunkte - können wir bitte Systeme spielen, in denen man mit Gummipunkten Würfe wiederholen und Schaden absorbieren kann? Also ist natürlich überhaupt nicht so, dass wir ein Problem damit hätten, wenn bei uns nicht alles klappt, aber schöner isses halt schon... du weißt schon...
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Alter Weißer Pottwal am 25.06.2023 | 12:58
Als aufmerksamer Leser ist dir sicherlich der Teil mit "die meisten" in meiner Aussage aufgefallen. Ist nicht das gleiche wie "alle". Dass es DIR (und übrigens auch mir) anders geht, sagt also nichts über die Gültigkeit meines Modells aus. Ich merke halt nur, wie überrascht ich mittlerweile bin, wenn ich wirklich mal Spieler treffe, die das mit dem Thrillseeking ernst meinen.

Denn klar, in der Vorbesprechung sagen immer alle: Ja, wir wollen voll die Gefahr. Nur wenn dann wirklich mal ein SC das Zeitliche segnet oder ab jetzt einäugig gespielt werden muss, gibt's dann halt lange Gesichter. Deshalb werden immer dann, wenn es irgendwo gefährlich werden könnte, vorher stundenlange Planungssessions durchgezogen, damit alle Risiken ausgeschlossen werden können und Schatzi nur ja nichts passiert. Und, ach ja, Gummipunkte - können wir bitte Systeme spielen, in denen man mit Gummipunkten Würfe wiederholen und Schaden absorbieren kann? Also ist natürlich überhaupt nicht so, dass wir ein Problem damit hätten, wenn bei uns nicht alles klappt, aber schöner isses halt schon... du weißt schon...

Sehr gut beobachtet  :d
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: nobody@home am 25.06.2023 | 13:05
Na ja, "Gefahr" im ohnehin schon recht speziellen Sinn von Charaktertod/sonstigem Unspielbarwerden wird als Attraktion meiner Ansicht nach eh schamlos überbewertet. ;) Und wenn ich das doch mal haben will, dann paßt es aus meiner Sicht allemal besser in einen One-Shot oder eine Kurzkampagne, wo der Tod o.ä. unter anderem deswegen tatsächlich noch einen halbwegs dramatischen Effekt haben kann, weil die Sache vergleichsweise bald ihr Ende und schlichtes Überleben also auch mehr von einer Belohnung hat als im Endlosmodus...wo man ja von vornherein weiß, daß die noch brauchbaren Gruppenmitglieder sich eh nächste Woche gleich wieder in die nächste gefährliche Situation stürzen "dürfen".
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Raven Nash am 25.06.2023 | 13:09
In meiner derzeitigen Gruppe scheinen die Tode von "langgedienten" NSCs auf deutlich mehr Ablehnung zu stoßen, als die von SCs. Wenn ich da mal wieder einen weg mache, ist das Gezeter immer groß. SC-Tod scheint hingegen als Möglichkeit durchaus akzeptiert zu sein.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: First Orko am 26.06.2023 | 09:54
Denn klar, in der Vorbesprechung sagen immer alle: Ja, wir wollen voll die Gefahr. Nur wenn dann wirklich mal ein SC das Zeitliche segnet oder ab jetzt einäugig gespielt werden muss, gibt's dann halt lange Gesichter. Deshalb werden immer dann, wenn es irgendwo gefährlich werden könnte, vorher stundenlange Planungssessions durchgezogen, damit alle Risiken ausgeschlossen werden können und Schatzi nur ja nichts passiert. Und, ach ja, Gummipunkte - können wir bitte Systeme spielen, in denen man mit Gummipunkten Würfe wiederholen und Schaden absorbieren kann? Also ist natürlich überhaupt nicht so, dass wir ein Problem damit hätten, wenn bei uns nicht alles klappt, aber schöner isses halt schon... du weißt schon...

Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, den Beitrag abzutrennen und noch eine eine Diskussion über Charaktersterblichkeit haben  ;D Aber ich habe gerade festgestellt, dass die Frage, wie sehr mich der Tod meines SC stört, in erster Linie davon abhängig ist, warum ich diesen spiele. Kling banal - gemeint ist: Ich spiele in einer Kampagne eigentlich nur mit wenn:

a) mir das Setting zusagt
b) ich eine Idee für einen Charakter habe

Bei (a) fallen mir meist sehr schnell neue SC-Konzepte ein und wenn einer mal sterben würde, freue ich mich eher darauf, mal ein anderes Konzept in dem Setting auszuprobieren
Bei (b) wird es knifflig. Es kann nämlich sein, dass ausschließlich genau dieses Konzept für mich die Motivation ist, in der Welt zu spielen. Vampire: Masquerade war so ein Setting. Da finde ich die Prämisse an sich relativ öde, kann mir aber coole Runden unter ganz bestimmten Konstellationen vorstellen. Stirbt ein SC, geht diese nicht mehr auf und die Runde könnte damit von mir aus enden. Was auch irgendwie ok wäre - aber es sind ja meist noch Mitspielende da, die dann weitermachen möchten.
Da würde es für mich dann schwierig werden.

In den meisten Runden fielen und fallen (a) und (b) zusammen. Aber manchmal eben nicht und dann kann ein Charaktertod für mich schonmal deutlich frustrierender sein.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 26.06.2023 | 11:03
Bei (b) wird es knifflig. Es kann nämlich sein, dass ausschließlich genau dieses Konzept für mich die Motivation ist, in der Welt zu spielen. Vampire: Masquerade war so ein Setting. Da finde ich die Prämisse an sich relativ öde, kann mir aber coole Runden unter ganz bestimmten Konstellationen vorstellen. Stirbt ein SC, geht diese nicht mehr auf und die Runde könnte damit von mir aus enden.

Ich finde als Spieler zu Glück in den diversen Kampagnen immer wieder NSCs, die ich für interessant und ausbauenswert halte. Wenn mein Charakter draufgeht, frage ich einfach den Spielleiter, ob ich was aus seinem Fundus übernehmen kann - mögen auch bisherige Gegner der Gruppe gewesen sein. Das zieht dann das Beziehungsgeflecht ein wenig enger und das hat noch keiner Kampagne geschadet, finde ich.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Lord Verminaard am 26.06.2023 | 15:12
Ich glaube auch, dass die wenigsten Spieler dauerhaft eine signifikante Marge von Scheitern und Charaktertod haben wollen. "Illusion" der Gefahr ist leider begrifflich sehr nah an Illusionismus/Railroading, was Weltengeist aber glaube ich gar nicht meint. Also es geht gerade nicht darum, dass man ein fieses tödliches System ohne Gnade spielt und es ständig so scheint, als ob die Spieler wieder mal nur ganz knapp dem Verderben entronnen sind, weil der SL hinter seinem Schirm die Würfel gedreht hat.

Sondern worum es geht, ist dies: Es soll ernsthafte Herausforderungen geben, es soll auch nicht andauernd und offensichtlich gemauschelt werden, aber es besteht die Erwartung, dass die Herausforderung so angelegt ist, dass die Spieler sie mit normaler Anstrengung schon schaffen werden. Das Abenteuer soll "schaffbar" sein, und wenn es da irgendwelche Orte oder Akteure gibt, denen die SCs spielmechanisch nicht gewachsen sind, dann soll das hinreichend deutlich gemacht werden. Das System soll zwar ein Zufallselement haben, es soll aber genügend Netze und doppelte Böden geben, dass Würfelpech vielleicht zu Rückschlägen führt oder den SC schlecht aussehen lässt, es aber nur unter sehr extremen Umständen zum Tod eines SCs oder gar TPK kommen kann.

Das ist eigentlich auch ziemlich naheliegend. Wenn man sich PC Games anguckt, dann wollen auch die wenigstens Gamer ein Roguelike auf Ultrahart zocken. Sondern die meisten wollen ein modernes Game mit Tutorial und Speicherpunkten und stellen den Schwierigkeitsgrad dann auf Normal. Natürlich findest du unter denen, die sehr viel online posten, überproportional viele, die (angeblich) Roguelikes auf Ultrahart zocken. Ich meine, da gibt es Typen, die Darkest Dungeon auf der höchsten Schwierigkeit durchgespielt haben. WIE?!!  :o :gasmaskerly:
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 26.06.2023 | 15:57
Ich finde die Illusion hier hat sehr viel mit Illusionismus zu tun.

Und es gibt genügend Denkschulen des Rollenspiels, die eben eine Weltdarstellung haben wollen, wo sich die Gefahren nicht danach richten eben schaffbar zu sein, sondern feststehen und die Spieler via ihren Charakteren eben den richtigen Herausforderungsgrad in der Welt selbst suchen müssen, anstatt ihn serviert zu bekommen.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Lord Verminaard am 26.06.2023 | 16:24
Ich finde die Illusion hier hat sehr viel mit Illusionismus zu tun.

Es gibt ja eine ganze Reihe von verschiedenen, produktiven Illusionen, denen man sich im Rollenspiel hingeben kann, sei es Gefahr oder sei es auch die totale Neutralität des Spielleiters / die totale Ergebnisoffenheit.

Zitat
Und es gibt genügend Denkschulen des Rollenspiels, die eben eine Weltdarstellung haben wollen, wo sich die Gefahren nicht danach richten eben schaffbar zu sein, sondern feststehen und die Spieler via ihren Charakteren eben den richtigen Herausforderungsgrad in der Welt selbst suchen müssen, anstatt ihn serviert zu bekommen.

Genau, das ist in meiner Analogie der Roguelikes (angeblich) auf Ultrahart spielende, sehr viel online postende PC Gamer. >;D
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 26.06.2023 | 16:38
Genau, das ist in meiner Analogie der Roguelikes (angeblich) auf Ultrahart spielende, sehr viel online postende PC Gamer. >;D

Für mich hat das nichts mit Schwierigkeitsgrad zu tun, sondern mit der Glaubwürdigkeit der Spielwelt.

Mein Computerspiel-Äquivalent wäre zu fordern, dass eine Wand verschwindet, wenn man 10x dagegenläuft, weil es wohl klar ist, dass man da durch will. Aber das sind alles OSR-Diskussionen, die man dort nachschlagen kann und hier nicht nochmals neu angefangen werden müssen.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Weltengeist am 26.06.2023 | 17:24
Sondern worum es geht, ist dies: Es soll ernsthafte Herausforderungen geben, es soll auch nicht andauernd und offensichtlich gemauschelt werden, aber es besteht die Erwartung, dass die Herausforderung so angelegt ist, dass die Spieler sie mit normaler Anstrengung schon schaffen werden. Das Abenteuer soll "schaffbar" sein, und wenn es da irgendwelche Orte oder Akteure gibt, denen die SCs spielmechanisch nicht gewachsen sind, dann soll das hinreichend deutlich gemacht werden. Das System soll zwar ein Zufallselement haben, es soll aber genügend Netze und doppelte Böden geben, dass Würfelpech vielleicht zu Rückschlägen führt oder den SC schlecht aussehen lässt, es aber nur unter sehr extremen Umständen zum Tod eines SCs oder gar TPK kommen kann.

Siehste, und wenn das diejenigen, deren Präferenz das ist, auch so kommunizieren würden (oder es ihnen wenigstens bewusst wäre), wären wir schon einen großen Schritt weiter. Aber so reflektiert sind halt die wenigsten.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: nobody@home am 26.06.2023 | 17:30
Für mich hat das nichts mit Schwierigkeitsgrad zu tun, sondern mit der Glaubwürdigkeit der Spielwelt.

Und die Welt ist natürlich nur auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad "glaubwürdig", das ist also exakt dasselbe in grün. ::)

Nichtsdestotrotz kann man die Frage der gewünschten SC-Sterberate natürlich mit der der Kampagnenlänge verknüpfen, ohne damit vom eigentlichen Fadenthema abzuweichen -- ich würde sogar sagen, das ist zumindest bis zu einem gewissen Punkt unvermeidlich. Denn irgendwas muß ja gerade lange Kampagnen zusammenhalten, damit sie ihre gewünschte Länge überhaupt erst erreichen, und nach hinreichend viel Charakter-Wechsel-Dich kann das schlecht noch die Kontinuität der SC-Gruppe selbst sein...
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Tomas Wanderer am 26.06.2023 | 18:10
Wenn die Kampagne die Fortschreibung der Spielwelt entlang der vorbereiteten Situation und den durch Spielfiguren ausgelösten Ereignissen in dieser ist, dann kannst hunderte Figuren führen und zockst noch in der selben Kampagne. Und solange die SL den Ereignissen treu bleibt, ist es egal, wie viele Figuren verenden mögen, sie sind in der neuen Situation aufgehoben.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 26.06.2023 | 18:23
Und die Welt ist natürlich nur auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad "glaubwürdig", das ist also exakt dasselbe in grün. ::)

Nein. Die Stadtgarde ist z.B. Level 2, wenn die Gruppe auf Level 1 das erste Mal in der Stadt ist, und ist auch noch Level 2, wenn die Gruppe auf Level 18 in der Stadt ist. Da - wie überall - geht Konsistenz vor Herausforderung. (Evtl. würde das Level der Stadtgarde leicht steigen, wenn es dafür gute In-World-Gründe gäbe, aber auf keine Fall würde sie gleichwertig mit den Spielercharakteren mitziehen.)
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: nobody@home am 26.06.2023 | 18:49
Wenn die Kampagne die Fortschreibung der Spielwelt entlang der vorbereiteten Situation und den durch Spielfiguren ausgelösten Ereignissen in dieser ist, dann kannst hunderte Figuren führen und zockst noch in der selben Kampagne. Und solange die SL den Ereignissen treu bleibt, ist es egal, wie viele Figuren verenden mögen, sie sind in der neuen Situation aufgehoben.

Hm, prinzipiell denkbar. Allerdings sind "Die Spielwelt selbst steht im Mittelpunkt und die Spieler sind austauschbare Touristen"-Ansätze generell nicht so mein Ding -- gerade die Möglichkeit, es auch anders zu machen und persönlicher auf die Spieler und deren Charaktere einzugehen, ist für mich eins der Merkmale, die das Tabletopspiel (im Vergleich und Kontrast z.B. zum MMO) überhaupt interessant machen.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 26.06.2023 | 19:02
Hm, prinzipiell denkbar. Allerdings sind "Die Spielwelt selbst steht im Mittelpunkt und die Spieler sind austauschbare Touristen"-Ansätze generell nicht so mein Ding -- gerade die Möglichkeit, es auch anders zu machen und persönlicher auf die Spieler und deren Charaktere einzugehen, ist für mich eins der Merkmale, die das Tabletopspiel (im Vergleich und Kontrast z.B. zum MMO) überhaupt interessant machen.

Wenn wir die Leute am Tisch abzählen, hast du x Spieler, die jeweils für ihre Charaktere Partei ergreifen. Da muss das der Spielleiter nicht auch noch proaktiv machen - er soll aber auf die Spielervorschläge eingehen!

Wenn denn Spieler natürlich sowieso nur brav der vorgelegten Schnitzeljagd folgen wollen, fährt man mit Illusionismus wahrscheinlich echt besser.

Das ist halt nicht die Art von Spieler, die ich bin, und mit denen ich die besten Runden habe.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: nobody@home am 26.06.2023 | 19:07
Wenn wir die Leute am Tisch abzählen, hast du x Spieler, die jeweils für ihre Charaktere Partei ergreifen. Da muss das der Spielleiter nicht auch noch proaktiv machen - er soll aber auf die Spielervorschläge eingehen!

Wenn denn Spieler natürlich sowieso nur brav der vorgelegten Schnitzeljagd folgen wollen, fährt man mit Illusionismus wahrscheinlich echt besser.

Das ist halt nicht die Art von Spieler, die ich bin, und mit denen ich die besten Runden habe.

Interessant. Du zitierst meinen Post, gehst aber dann gar nicht auf ihn ein, sondern argumentierst nur mit dir selbst. Warum? wtf?
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Jiba am 26.06.2023 | 19:13
Nein. Die Stadtgarde ist z.B. Level 2, wenn die Gruppe auf Level 1 das erste Mal in der Stadt ist, und ist auch noch Level 2, wenn die Gruppe auf Level 18 in der Stadt ist. Da - wie überall - geht Konsistenz vor Herausforderung. (Evtl. würde das Level der Stadtgarde leicht steigen, wenn es dafür gute In-World-Gründe gäbe, aber auf keine Fall würde sie gleichwertig mit den Spielercharakteren mitziehen.)
Also dass alle Stadtgardisten irgendwie gleich fähig und mit solch superabstrakten Dingen wie Levels ausgestattet sein sollen, zerstört für mich die Glaubwürdigkeit einer Spielwelt eher. Unsere reale Welt ist auch nicht konsistent. Stadtwachen sind Personen, die sind nun einmal unterschiedlich, auch unterschiedlich fähig. Und warum sollten die Helden nicht auch auf eine Level 18 Stadtwache treffen? Warum leveln nur die SCs und die Spielwelt nicht mit? Das gibt den SCs doch genauso eine Sonderrolle.

Und als nächstes will man mir noch "Gold = XP" als Garant für Glaubwürdigkeit verkaufen.
Nee, tut mir leid, die glaubwürdigsten Runden, die ich gespielt habe, waren Dramarunden, in denen sich die Charaktere verhalten haben wie echte Menschen und nicht wie Spieleravatare vom oD&D-Charakterabreißblock.
(Man möge mir die Überspitzung verzeihen. Ich finde solche Worte wie "Glaubwürdigkeit" sind im Kontext eines Make-Belief-Alles-nur-in-meinem-Kopf-Spiels nun einmal völlig subjektiv.)
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Lord Verminaard am 26.06.2023 | 19:13
Mein Computerspiel-Äquivalent wäre zu fordern, dass eine Wand verschwindet, wenn man 10x dagegenläuft, weil es wohl klar ist, dass man da durch will.

*gähn* Wohl kaum das, was ich beschrieben habe, try again. Die Parallele zwischen OSR und Ultrahart-Roguelike ist im Übrigen weniger der Schwierigkeitsgrad, als die Überheblichkeit, mit der ein umständlicher und mühsamer Spielstil als überlegen glorifiziert wird, von einer kleinen aber lauten Minderheit.

@Murphy: Sorry, schade um deinen Thread, er ist jetzt leider tot, weil ab Seite 4 jedes Threads die gleichen Leute wie immer über die gleiche Sache wie immer diskutieren. Ich bin womöglich nicht ganz unschuldig diesmal, aber es wäre auch ohne mein Zutun passiert. ;)
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Maarzan am 26.06.2023 | 19:14
Hm, prinzipiell denkbar. Allerdings sind "Die Spielwelt selbst steht im Mittelpunkt und die Spieler sind austauschbare Touristen"-Ansätze generell nicht so mein Ding -- gerade die Möglichkeit, es auch anders zu machen und persönlicher auf die Spieler und deren Charaktere einzugehen, ist für mich eins der Merkmale, die das Tabletopspiel (im Vergleich und Kontrast z.B. zum MMO) überhaupt interessant machen.
Was meinst du mit "persönlicher eingehen"?
Und in offenen Spielen sind die SC ja gerade keine Touristen, welche besser nichts ungeplant anfassen sondern Kräfte, welche die Welt recht frei zu ändern versuchen können.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Jens am 26.06.2023 | 19:19
Wenn eine Spielrunde mir kommuniziert, dass sie es gerne ultrahart hätte, dann mache da auch mit. Das letzte Mal war es der Anfang der Borbaradkampagne in DSA3, da habe ich offen gewürfelt und die Gegner so gespielt, dass sie auch gewinnen *wollen*.

Zwei Begegnungen später, nachdem nur noch ein SC übrig war, wurde ich gebeten, das doch wieder zu lassen.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Weltengeist am 26.06.2023 | 19:33
Wenn eine Spielrunde mir kommuniziert, dass sie es gerne ultrahart hätte, dann mache da auch mit. Das letzte Mal war es der Anfang der Borbaradkampagne in DSA3, da habe ich offen gewürfelt und die Gegner so gespielt, dass sie auch gewinnen *wollen*.

Zwei Begegnungen später, nachdem nur noch ein SC übrig war, wurde ich gebeten, das doch wieder zu lassen.

:headbang: :headbang: :headbang:
(Die G7 ist nun aber auch ein Paradebeispiel für eine Kampagne, bei der es echt schwierig wird, unterwegs noch irgendwie glaubwürdig die SC auszuwechseln...)
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 27.06.2023 | 09:20
Interessant. Du zitierst meinen Post, gehst aber dann gar nicht auf ihn ein, sondern argumentierst nur mit dir selbst. Warum? wtf?

Meiner Ansicht nach bin ich genau auf dich eingegangen. Ich habe dich so gelesen: "es ist die Aufgabe des Spielleiters dafür zu sorgen, dass die Kampagne für die Spieler individualisiert wird." Bzw. sagst du, dass Spielercharaktere beim Primat einer konsistenten Spielwelt nur Touristen ohne Einfluss wären.

Ich sehe das anders, weil ich als Spielleiter den Charakteren eine Welt voller Spielzeug ausbreite. Sie müssen halt selber nach was greifen. Und das Versprechen bei meinem Ansatz ist: wenn ihr euch was aus dem vollen Programm von Spielzeug, was aussucht, habt ihr die Garantie, dass sich das vermeintliche Püppchen nicht in Plastilin oder Sand verwandeln wird, wenn ihr anfangt euch damit die Augen auszukratzen.

Bzw. "Wenn du das imaginäre Skateboard nimmst und damit in die imaginäre Halfpipe willst, kannst du damit auf die imaginäre Fresse fallen." Das es weh tun kann, ist Teil des Abenteuers.

Du willst lieber in der Hüpfburg Skateboard fahren? Die Option steht dir natürlich genauso offen. Dann gehst du halt dorthin, aber eine Halfpipe ist ein Versprechen, die dir garantiert nicht unter den Rollen ausgetauscht wird.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: unicum am 27.06.2023 | 10:01
Im übrigen finde ich das der vergleich mit Computerrollenspielen etwas hinkt da mir kein Computerrollenspiel einfällt welches das Konzept "One-Shot" abbildet. Viele der Open World Spiele, hauptsächlich der neueren Fraktion tun Kampangen Spiel durchaus in einer Art das es für mich nur noch langweilig ist. Ich meine ich würde schon ziemlich doof schauen wenn ich im Rollenspiel vom SL gesagt bekomme das ich nun nochmal 10 Wölfe todschlagen muss,...

One Shot könnte ich dahingehend eher mit Liferollenspiel verbinden (also so wie ich es kenne) wo es eben einen "Gig" gibt der ein längeres Wochenende dauert und danach,... macht man den nächsten "Gig" - wobei es auch hier durchaus Kampangenspiel gibt (das ich aber selbst nicht gar so sehr erlebt habe mit der Ausnahme das ich mal als angeheuerter NSC einen über lange Jahre hochgespielte SC "erlegt" habe).

Aber eigentlich finde ich sind die 3 varianten des RPG doch weit genug auseinander und das Thema hier doch sehr PnP speziefisch.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Lord Verminaard am 27.06.2023 | 10:16
Bzw. "Wenn du das imaginäre Skateboard nimmst und damit in die imaginäre Halfpipe willst, kannst du damit auf die imaginäre Fresse fallen." Das es weh tun kann, ist Teil des Abenteuers.

Du willst lieber in der Hüpfburg Skateboard fahren? Die Option steht dir natürlich genauso offen. Dann gehst du halt dorthin, aber eine Halfpipe ist ein Versprechen, die dir garantiert nicht unter den Rollen ausgetauscht wird.

Modernes Rollenspiel (NICHT Illusionismus): Halfpipe ist gut ausgeschildert, es gibt Helme und Knieschoner, also hin da und Spaß haben.
OSR: Halfpipe ist irgendwo, du musst schon nach ihr suchen, bzw. wenn du zufällig über sie stolperst, dein Skateboard holen und später wiederkommen. Helme und Knieschoner gibt's keine. Wie in der guten, alten Zeit.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: First Orko am 27.06.2023 | 10:26
...OSR: Halfpipe ist irgendwo, du musst schon nach ihr suchen, bzw. wenn du zufällig über sie stolperst, dein Skateboard holen ...

HOLEN? Das wird vererbt, von den Altvorderen des originalen TM Skateboard! Wahlweise selbst gebaut nach Original-Bauplänen! Wer sowas nicht hat, hat auch auf der versteckten Halfpipe nix verloren  >;D

(https://www.surfertoday.com/images/stories/flexy-racer.jpg)
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: nobody@home am 27.06.2023 | 10:32
@tartex: Yep, ich denke, da reden wir wirklich einfach aneinander vorbei. Mein Punkt ist schlicht, daß ich gerade nicht die Spielwelt selbst als "Mittelpunkt" des Spiels sehe -- das liefe in letzter Konsequenz nämlich auf "Ich spiele hier mein Solitär, aber ihr als Spieler dürft natürlich, großzügig, wie ich bin, zu Besuch vorbeischauen" hinaus, und das beißt sich dann doch zu stark mit meinem SL-Selbstverständnis. Die Spielwelt ist also in erster Linie tatsächlich schlicht als Kulisse für die Abenteuer der Spieler und ihrer Charaktere da, und alle Ansprüche an Konsistenz und Glaubwürdigkeit dienen genau und nur dazu, sie für diesen Zweck brauchbar zu machen und zu halten.

Ein Stück weit, denke ich, geht's in den letzten Posts allgemein um die allgemeine Definition von "Kampagne" an sich. Was macht eine Kampagne eigentlich jeweils aus bzw. was genau unterscheidet sie eigentlich von einer Aneinanderreihung von One-Shots? Daß die Spielergruppe zumindest weitgehend dieselbe bleiben sollte, ist beispielsweise für die meisten von uns wahrscheinlich eine notwendige Bedingung, aber allein für sich noch keine hinreichende, denn sonst wäre ja alles, was dieselbe Gruppe zusammen spielt, völlig unabhängig von Setting, System, und Charakteren schon Teil ein und derselben Kampagne. Ist es eine feste Spielwelt? Auch nicht wirklich, denn dieselbe Kampagne kann prinzipiell zwischen verschiedenen davon wechseln beziehungsweise es können ja im selben Setting durchaus mehrere verschiedene Kampagnen gespielt werden (auch von ein und derselben Gruppe). Also, woran machen wir das konkret fest?

Für mich ist das, was einer Antwort am nächsten kommt, im Moment das noch etwas unbefriedigend-wabbelige Konzept "Konsistenz". Eine Kampagne ist eine Reihe von Abenteuern (oder, wenn man sich nicht so am konkreten Begriff des einzelnen "Abenteuers" festbeißen will, dann eben von Spielsitzungen) mit hinreichend vielen verbindenden Elementen, daß sich die Gesamtheit als ein einigermaßen geschlossenes Ganzes anfühlt. Und gerade bei "organisch gewachsenen" Kampagnen bin ich als Klammer eigentlich in erster Linie die Spielercharaktere gewohnt -- eine "Kampagne" ist die Liste der Abenteuer genau der Protagonisten-SC-Gruppe XY, und wenn deren Mitglieder zu oft kommen und gehen, dann fängt das Kampagnenkonzept an sich an zu wackeln. (Bei Kaufkampagnen kann das anders aussehen, denn da habe ich ja als verbindenden Stoff generell auch gleich noch das vorgegebene durchzuackernde Material. Die sind allerdings dadurch auch gleich wieder von vornherein zeitlich begrenzt, denn wenn man damit einmal durch ist, ist man eben durch.)

Natürlich gibt's prinzipiell auch andere Kampagnenansätze -- "The Warren" präsentiert als Idee beispielsweise die Geschichte eines Kaninchenbaus an sich, was dann eine Form von Generationenkampagne wäre --, aber nach allem, was ich über die Rollenspiellandschaft weg vom eigenen Tisch überhaupt weiß, habe ich schon den Eindruck bekommen, daß das SC-gruppenzentrierte Kampagnenkonzept für die meisten gewissermaßen die natürliche Voreinstellung ist und es also im Zweifelsfall eher die Alternativen sind, die extra ausgehandelt werden müssen.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 27.06.2023 | 10:41
OSR: Halfpipe ist irgendwo, du musst schon nach ihr suchen, bzw. wenn du zufällig über sie stolperst, dein Skateboard holen und später wiederkommen. Helme und Knieschoner gibt's keine. Wie in der guten, alten Zeit.

Ich leite übrigens dieses Jahrzehnt lange Monster-of-the-Week- und Torg-Eternity-Kampagnen, muss mir also OSR-Schlammschlachten nicht antun, aber du weißt ja, in welchen Foren-Bereich man sich In der Hinsicht austoben kann.  8]

Aber ich bemühe mich bei pbtA-Spielen genauso die Welt konsistent zu halten.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Lord Verminaard am 27.06.2023 | 10:53
Ich leite übrigens dieses Jahrzehnt lange Monster-of-the-Week- und Torg-Eternity-Kampagnen, muss mir also OSR-Schlammschlachten nicht antun

Hatte mich auch schon gewundert, bin diese Phrasen eher von anderen gewohnt. ;)
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: tartex am 27.06.2023 | 12:29
Hatte mich auch schon gewundert, bin diese Phrasen eher von anderen gewohnt. ;)

Ganz simple und naiv habe ich als (Charakter)Spieler einfach mehr Spass, wenn ich ich nur zu 80% dem Gutdünken des Spielleiters ausgeliefert bin statt zu 100%.

Das Gegenteil von gut ist gutgemeint.

Ich habe einfach wenig Vergnügen an der anmaßenden Haltung mancher Spielleiter, die denken sie wüssten besser was ihre Spieler wollten als wenn man es ihnen als Spieler direkt ins Gesicht sagt.
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: flaschengeist am 27.06.2023 | 21:01
Sondern worum es geht, ist dies: Es soll ernsthafte Herausforderungen geben, es soll auch nicht andauernd und offensichtlich gemauschelt werden, aber es besteht die Erwartung, dass die Herausforderung so angelegt ist, dass die Spieler sie mit normaler Anstrengung schon schaffen werden. Das Abenteuer soll "schaffbar" sein, und wenn es da irgendwelche Orte oder Akteure gibt, denen die SCs spielmechanisch nicht gewachsen sind, dann soll das hinreichend deutlich gemacht werden. Das System soll zwar ein Zufallselement haben, es soll aber genügend Netze und doppelte Böden geben, dass Würfelpech vielleicht zu Rückschlägen führt oder den SC schlecht aussehen lässt, es aber nur unter sehr extremen Umständen zum Tod eines SCs oder gar TPK kommen kann.

Genau so kann man die von mir angesprochene reale aber sehr niedrige Wahrscheinlichkeit des Charaktertods gut umsetzen  :d
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Jiba am 27.06.2023 | 21:46
Ich habe einfach wenig Vergnügen an der anmaßenden Haltung mancher Spielleiter, die denken sie wüssten besser was ihre Spieler wollten als wenn man es ihnen als Spieler direkt ins Gesicht sagt.
Weswegen ja ich ganz gerne maximal playerempowered und wo's geht SL-los oder SL-reduziert spiele.  :D
Titel: Re: Kampagne vs One-shot, Tiefe vs Diversität
Beitrag von: Lord Verminaard am 28.06.2023 | 16:13
Ich habe einfach wenig Vergnügen an der anmaßenden Haltung mancher Spielleiter, die denken sie wüssten besser was ihre Spieler wollten als wenn man es ihnen als Spieler direkt ins Gesicht sagt.

Fair Point, solche Spielleiter sind mir auch schon untergekommen. Wobei die nicht alle exklusiv Spielleiter waren. Aber als Spieler waren sie ebenso anstrengend, weil sie, wie ein schlechter Beifahrer im Auto, quasi die ganze Zeit mitgeleitet haben. ::)

Umgekehrt bin ich aber auch wohlvertraut mit dem Phänomen, dass man vor einer Spielrunde Erwartungen klar verbal kommuniziert, und sich dann hinterher extrem wundert, wie sich die anderen verhalten. Insofern ist "ich habe es doch ausdrücklich gesagt" leider nicht so viel wert, wie man denken sollte. Die Leute hören zwar deine Worte. Wenn sie aber das, was du meinst, nicht kennen, dann ist ihre Reaktion regelmäßig nicht, dies zu realisieren. Sondern ihre Reaktion ist regelmäßig, etwas, das sie kennen und das irgendwie entfernt zu dem passt, was du sagst, in deine Worte hineinzulesen.

Und genauso ist es natürlich auch hier im Forum. Jemand schreibt: "Meine Spieler sagen das eine und wollen das andere." Du assoziierst das, was du kennst, also arrogante, unbelehrbare Dauer-Spielleiter, die meinen, besser als ihre Spieler zu wissen, was gut für sie ist. Weltengeist hatte ja aber die Situation und die Aussagen seiner Spieler durchaus konkreter berichtet, sodass mir dieser Verdacht hier fernliegend erscheint.