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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Prisma am 29.01.2024 | 22:19

Titel: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Prisma am 29.01.2024 | 22:19
Ursprünglich war dies nur als Antwort an JollyOrc gedacht, aber wenn ein Thread gewünscht wird, mache ich einen auf. Da JollyOrc die Diskussion in seinem Thread eingegrenzt hat - das respektiere ich natürlich - eröffne ich wie von ihm vorgeschlagen einen eigenen. Mir geht es erst einmal nur darum meine Perspektive auf die X-Card darzulegen. Gleichzeitig lege ich hier aber keine Grenzen für die Diskussion auf. Wer möchte kann sich gern für oder gegen meine Position in dieser Sache äußern. :)


Zur Sache
Ich mag Sicherheit. Sehr sogar. Jetzt mag man sich fragen: Mensch, Prisma, wenn du Sicherheit magst, wie kannst du die X-Card nicht mögen – das ist doch ein Savetytool?! Nein, das sehe ich anders, denn die Sache ist komplizierter. Die X-Card ist im Prinzip ein Sicherheitsgurt, der aus Rasierklingen gemacht ist.


Die X-Card ist nur bedingt nützlich
Die X-Card schützt nicht vor Exposition. Denn um sie auslösen zu können, muss man den Trigger am Tisch erleben, bzw. erfahren. Nun kann der Betroffene auf die Karte tippen oder sie hochhalten und die Fortführung des Themas stoppen, aber die Exposition hat dennoch stattgefunden. Die betroffene Person wurde bereits getriggert. Ja, die Fortführung wurde gestoppt, so das es nicht noch schlimmer werden kann, doch ein echter Schutz ist die X-Card nicht. Das kann sie auch nicht leisten. Da ist ein Gespräch während der Session Zero wesentlich effektiver und sicherer als der Gebrauch der X-Card.


Die Nutzung der X-Card trainiert Resilienz ab
Obwohl unser klassisches Unterhaltungsrollenspiel kein psychologisches Werkzeug ist – ich schließe natürlich nicht aus, dass es in den Händen eines Psychotherapeuten nicht zum Werkzeug werden kann – kann es dennoch nützlich sein um bestimmten Situationen zu begegnen, bzw. den Umgang mit ihnen in einem gewissen Umfang zu trainieren.
Wenn der Spielleiter sagt: Das ist die Situation, was machst du? Dann muss man reagieren. Auch wenn es einen vielleicht etwas im positiven Sinne „stresst“. Rollenspiel kann Kommunikation, aber auch Entscheidungsfindung und Umgang mit unerwarteten Situationen trainieren. Auch mit Niederlagen. Das trainiert Resilienz.

Die X-Card erreicht das Gegenteil, denn sie bietet die Gelegenheit alles zu ignorieren. Ich bin kein Fachmann, aber ich denke das trainiert Resilienz ab. Und das ist im echten Leben schädlich. Wenn sich der Vorgesetzte meldet und sagt: „Ich will Sie in fünf Minuten in meinem Büro sehen.“ Dann kann man im echten Leben nicht sagen: Das stresst mich zu sehr, hier ist meine X-Card, Chef. Das ist keine Lösung, selbst wenn diese Situation für den Betroffenen ein echter Trigger ist. Ich möchte natürlich auch nicht das Betroffene im Spiel von einem Trigger getroffen werden, aber meiner Ansicht nach sollte man versuchen irgendwie damit umzugehen, Rollenspiel kann da helfen – wie gesagt, ich bin kein Psychiater, ich kann da auch falsch liegen.

Dies führt zu einem weiteren Punkt: Zumindest meine Rollenspielsitzungen sind keine Therapiesitzungen. Das meine ich nicht böse, ich kann das einfach nicht leisten, weil ich kein Fachmann bin. Es muss bei der betroffenen Person eine gewisse Mündigkeit vorliegen. Wenn die Person PTSD hat, dann setzt er sich besser nicht in eine Runde wo viel gekämpft wird. Hat jemand eine Vergewaltigungserfahrung gemacht, dann ist Vampire möglicherweise nichts für diese Person, da es da auch um Kontrollverlust gehen kann. Da hilft auch die beste X-Card nicht, weil sie die anfängliche Exposition nicht verhindern kann.


Durch die Nutzung der X-Card gibt man gefährlich viel von sich preis
Das ist eine unterschätzte aber sehr reale Gefahr, die ich schon am Spieltisch erlebt habe. Vielleicht ist das sogar die größte Gefahr von allen.

Bei der Nutzung der X-Card muss man zwar keine Begründung abgeben, oder erklären was der Trigger nun genau war, dies kann aber dennoch deutlich werden. So können die Leute am Tisch vielleicht etwas erfahren, welches man gar nicht preisgeben möchte. Das kann richtig gefährlich werden. Ein Beispiel aus der Praxis, welches ich persönlich erlebt habe:

Vereinsrunde, ein offizielles Trail of Cthulhu Abenteuer. Das Abenteuer sieht eine Konfrontation mit dem Schurken vor, der einem Spielercharakter (der sein Sohn ist) unmissverständlich mitteilt dieser habe als Sohn versagt und sei in seinen Augen nichts wert und ein Fehler.
Das hat den Spieler dieses Charakters empfindlich getriggert. Da war klar, er muss so einen Fall im Privatleben gehabt haben, vielleicht war er in dieser Konstellation sogar der Sohn. Nun kann man sagen, das ist Spekulation, aber es ändert nichts daran dass dieser Eindruck bei den Mitspielern der Runde entstanden ist.

Damals hat die Runde einfach weitergemacht. Nun ist es aber so, dass es in einem Verein nicht nur nette Leute gibt. Damals gab es einen manipulativen Intriganten der es geschafft hatte, andere Leute von seiner Präsenz abhängig zu machen und das auch auslebte. Seine Machenschaften haben echten Schaden angerichtet. Man stelle sich vor, dieser Typ hätte zufällig in dieser Runde mitgespielt. Das wäre sehr gut im Bereich des Möglichen gewesen. Mit der Information des Triggers – aha, da ist ein Schwachpunkt der sich sozial und psychisch ausbeuten lässt – hätte der ziemlich sicher Schlimmes angerichtet.

Ist das ein Problem der X-Card? Ja, denn durch das Benutzen gibt man diese Info preis oder aber weckt eine falsche Vorstellung. Beides ist schlecht und kann gefährlich sein. Ist da ein Gespräch während der Session Zero nicht genau so gefährlich? Vielleicht, aber wenigstens kann so eine überraschende Exposition verhindert werden.


Es besteht die Gefahr, dass die Nutzung ideologisch wird
Das mag nur mich betreffen, denn ich möchte das Hobby soweit wie möglich ideologiefrei betreiben. Aber ich habe Leute kennengelernt die der Auffassung folgen, eine Runde kann nur dann „inklusiv“ sein, wenn eine X-Card, oder ein anderes Savetytool, auf dem Spieltisch liegt. Das betrifft selbst jahrelange private Heimrunden, die plötzlich ohne X-Card nicht mehr können … weil, ja, weil man dann ohne nicht mehr zu den Guten gehört. In meinen Augen ist das Quatsch, aber das ändert nichts daran, dass zumindest einige Leute davon hart überzeugt sind und sich daraus auch Streit entwickeln kann. Es gibt sogar (zumindest Online-) Cons bei denen die X-Card Pflicht ist. Auf der einen Seite hat man ein Tool das nicht sonderlich wirksam ist, auf der anderer Seite die fixe Idee ohne ginge es nicht mehr, da wird es in meinen Augen ideologisch.

Alles in allem mag die X-Card gut gemeint sein, aber in meinen Augen schützt sie nicht besonders gut und hat gefährliche Fehler. Ein im Vorfeld klärendes Gespräch sehe ich als effektiver an.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Nria am 29.01.2024 | 22:26
Ich habe da eine Frage: Wie genau, glaubst du, hätte man die beschriebene Situation denn besser lösen können?
Das Gespräch im Vorhinein bringt wenig, wenn a) der SL nicht weiß, dass diese spezifische Situation überhaupt ein Trigger sein kann und b) die getriggerte Person nicht weiß, dass sie ein Problem mit genau dieser Sache im Spiel hat.

Für die Session Zero ist man ja darauf angewiesen, dass Leute schon genau wissen, dass das ein Trigger für sie ist - aber oft genug wird das doch erst klar, wenn man so eine Situation im Spiel erlebt. Kann bei häufigeren Problempunkten genauso passieren, aber grade bei so speziellen Sachen kann man ja unmöglich 100% abdecken, auch wenn man eine sehr ausführliche Liste präsentiert.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Gambit am 29.01.2024 | 22:34
Ich habe da eine Frage: Wie genau, glaubst du, hätte man die beschriebene Situation denn besser lösen können?
Das Gespräch im Vorhinein bringt wenig, wenn a) der SL nicht weiß, dass diese spezifische Situation überhaupt ein Trigger sein kann und b) die getriggerte Person nicht weiß, dass sie ein Problem mit genau dieser Sache im Spiel hat.

Für die Session Zero ist man ja darauf angewiesen, dass Leute schon genau wissen, dass das ein Trigger für sie ist - aber oft genug wird das doch erst klar, wenn man so eine Situation im Spiel erlebt. Kann bei häufigeren Problempunkten genauso passieren, aber grade bei so speziellen Sachen kann man ja unmöglich 100% abdecken, auch wenn man eine sehr ausführliche Liste präsentiert.

Ein guter Kommentar, dem ich mich so ebenfalls anschließen würde. Zusätzlich sollte man die X-Card nicht alleine, sondern mit anderen Safety Tools verbinden. Darauf wird erfeulicherweise ja auch immer mehr in Rollenspiel Büchern hingewiesen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Smoothie am 29.01.2024 | 22:39
Ich finde die Argumentation nicht besonders konsistent.
Das Argument, dass vorherige Gespräche bzw. andere Safety Tool wie Lines and Veils besser vor Exposition schützen stimmt, spricht aber nicht unbedingt gegen die X-Card, die diese ergänzt, indem sie eine schnelle Möglichkeit bietet, auf Situationen zu reagieren, die man vielleicht nicht vorhergesehen hat.

Gleichzeitig scheinst du aber Expositionen zu mögen, weil sie die Reslienz stärken würden. Was einen nicht umbringt...
Scheint mir erstmal ein Widerspruch.

Und zum Argument, dass man zu viel von sich Preis geben würde: Wenn man heulend zusammenbricht, gibt man mehr von sich Preis. Da tippe ich doch lieber auf ne Karte...
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 29.01.2024 | 22:41
Vermutlich ist die Lösung beides: Kurzes Abklären von möglichen Problemen vor dem Beginn des Spiels einerseits, während des Spiels dann die Möglichkeit zum Veto (ob mit Karte oder wie auch immer) andererseits.

Die Ideologisierung nervt mich auch. (Gewiss, nichts ist unpolitisch, alles ist Ideologie. Aber es stellt sich schon die Frage, wie ostentativ das sein muss.)

Das mit der Resilienz halte ich für unnötig. Erstens will ich im Rollenspiel (in meiner Freizeit) nicht gestresst werden. Zweitens finde ich, dass es sehr wohl erstrebenswert wäre, die Welt besser an unsere Bedürfnisse anzupassen, anstatt uns mit "Ist-halt-so" zu quälen. (Dass ich nicht glaube, dass das Problem Mensch-in-der-Welt lösbar ist, ist die andere Seite. Ich habe keine Lösung anzubieten.)
Wenn ich in einer Gruppe das Gefühl habe, mich durch Abschottung schützen zu müssen - warum hänge ich dann mit diesen Leuten rum?

Dass man etwas von sich preisgibt, wenn man etwas ablehnt, das ist zweifellos richtig. Aber mit Leuten, gegenüber denen das nicht geht, will ich auch nicht spielen. Wer nicht akzeptiert, dass ich - warum auch immer - etwas nicht mitmachen will, der ist leider dann schlechte Gesellschaft (für mich). Der konkrete Fall, den Du beschreibst, klingt nach einem Problem, in dem Intervention von aussen sehr angemessen ist.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Prisma am 29.01.2024 | 23:01
Ich habe da eine Frage: Wie genau, glaubst du, hätte man die beschriebene Situation denn besser lösen können?
Das Gespräch im Vorhinein bringt wenig, wenn a) der SL nicht weiß, dass diese spezifische Situation überhaupt ein Trigger sein kann und b) die getriggerte Person nicht weiß, dass sie ein Problem mit genau dieser Sache im Spiel hat.
Ich glaube man konnte die Situation gar nicht lösen. Genau aus den Gründen die du nennst. Grundsätzlich halte ich das Gespräch im Vorfeld aber für besser, weil es kontrollierter ablaufen kann und wegen der Exposition.


Für die Session Zero ist man ja darauf angewiesen, dass Leute schon genau wissen, dass das ein Trigger für sie ist - aber oft genug wird das doch erst klar, wenn man so eine Situation im Spiel erlebt. Kann bei häufigeren Problempunkten genauso passieren, aber grade bei so speziellen Sachen kann man ja unmöglich 100% abdecken, auch wenn man eine sehr ausführliche Liste präsentiert.
Ja, aber wenn jemand weiß was schon getriggert hat, kann das ein Mehrwehrt sein. Den hat man bei der X-Card so oder so nicht, beim Gespräch wenigstens im zweiten Fall.



Ich finde die Argumentation nicht besonders konsistent.
Das Argument, dass vorherige Gespräche bzw. andere Safety Tool wie Lines and Veils besser vor Exposition schützen stimmt, spricht aber nicht unbedingt gegen die X-Card, die diese ergänzt, indem sie eine schnelle Möglichkeit bietet, auf Situationen zu reagieren, die man vielleicht nicht vorhergesehen hat.

Gleichzeitig scheinst du aber Expositionen zu mögen, weil sie die Reslienz stärken würden. Was einen nicht umbringt...
Scheint mir erstmal ein Widerspruch.
Ich meine das so wie beim sprichwörtlichen Strauß der seinen Kopf im Sand versteckt um ein Problem zu lösen. Kann man machen, hilft nur nicht und löst auch rein gar nichts. Wenn es kommt, muss man damit irgendwie umgehen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Nria am 29.01.2024 | 23:20
Ich glaube man konnte die Situation gar nicht lösen. Genau aus den Gründen die du nennst. Grundsätzlich halte ich das Gespräch im Vorfeld aber für besser, weil es kontrollierter ablaufen kann und wegen der Exposition.
Ich meine nicht, wie man sie hätte verhindern können - sondern wie hätte man als Spieler/SL in dieser Situation reagieren können, die besser gewesen wäre als mit der X-Card?

Die Situation mit manipulativen Mitmenschen halte ich für ziemlich konstruiert; es sitzt ja nicht an jedem Spieltisch jemand, der nur darauf lauert, die Schwächen anderer zu erfahren. Und wenn doch, würde er sie doch in der Session Zero sowieso mitkriegen?

Zum Thema "Resilienz": Es ist schlicht nicht deine Angelegenheit, wie andere Leute mit ihren Problemen umgehen (außerhalb des Spiels). Die Mitspieler sind erwachsen und müssen (und WOLLEN) nicht von dir zu richtigem Verhalten erzogen werden. Es geht dich nur solange etwas an, wie das ihr Verhalten am Spieltisch betrifft.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: KapitänOffensichtlich am 29.01.2024 | 23:26
Der Titel des Themas hatte Potenzial... Zumindest wurde erklärt, warum es nichts bringt/bringen kann. Die vermeintlichen Gefahren finde ich aus hobbyistischer und aus professioneller Sicht aber genau so lächerlich, wie das, was diesen Tools fälschlicherweise positiv zugesprochen wird.

Also bei mir am Tisch gibt es keine X-Card. Ich spiele mit gefestigten erwachsenen Menschen in meiner Freizeit. Ich kriege kein Geld dafür, mich mit Leuten zu befassen, die sich selbst mit dem Hobby keinen Gefallen tun.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: nobody@home am 29.01.2024 | 23:38
Der Titel des Themas hatte Potenzial...

Der Titel war, offen gesagt, in sich schon polemisch. Benutzern und Befürwortern der X-Card mal eben so nachsagen zu wollen, sie würden ihre Mitspieler aktiv gefährden, hat nachvollziehbarerweise einen niedrigen Flammpunkt.

Persönlich habe ich mit der Karte bis dato noch keine Erfahrungen gemacht, kann mir aber schon vorstellen, daß sie beim Spiel mit sensiblen Menschen oder auch schlicht noch weitgehend Unbekannten (laut Wikipedia (https://en.wikipedia.org/wiki/X-Card) der Hintergrund, für den sie ursprünglich entworfen wurde) ihren Sinn ergibt. Es spielt nun mal nicht jeder immer nur zu hundert Prozent in der heimisch-vertrauten Kuschelrunde, in der sich alle schon von Kindesbeinen an kennen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: JollyOrc am 29.01.2024 | 23:41
Du hast folgende Probleme angemerkt, und zu allen habe ich etwas zu erwidern :)


Und zuletzt nochmal ganz deutlich: Die X-Card ist nicht als Werkzeug gedacht, mit dem man Menschen, die das Spiel erst gar nicht spielen sollten, das Spiel dann doch irgendwie mundgerecht machen kann.

Sondern sie hilft gefestigten erwachsenen Menschen in ihrer Freizeit bewusst und konsequent die kleine Komfortzone zu verlassen und mutiger als sonst zu spielen, ohne im Fall des Falles den anderen Leuten am Tisch den Abend zu verderben.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Darius der Duellant am 30.01.2024 | 00:01
Ich sehe das unterm Strich ähnlich wie Prisma.
Insbesondere hinsichtlich Resilienz und "ich bin nicht dein Therapeut".
Ein weiterer Punkt der für mich persönlich zu einer App strikten Ablehnung der X-Card in ihrer grundsätzlichen Form führt ist ihr "kein Kommentar notwendig" Aspekt.
Die Idee dass mir jemand einerseits die Szene torpedieren kann (dafür KANN es legitime Gründe geben), aber andererseits dann keinerlei Kommentar (nicht zu verwechseln mit /keiner tiefergehenden Erklärung/) dazu abgeben empfinde ich als Respektlosigkeit gegenüber allen anderen am Tisch und der in die Vorbereitung gesteckte Zeit.
Mir ist für den potenziellen Impakt auch die Nutzungshemmschwelle zu niedrig. Wenn als Ergebnis eine Szenenanpassung steht, hätte ich zumindest gern ein vorhergehendes, klar verbal artikuliertes "Moment bitte, das geht gerade in eine mir unangenehme Richtung" und nicht nur ein (im übertragenen Sinne) Schiedsrichter-karten zeigen.
.
Das hat für mich nämlich das Höflichkeitsniveau von jemandem der nen Kellner im Restaurant mit Fingerschnippen herruft.



/Édit:

Um eventuelle Fragen zu reduzieren, hier der Link zum X-Card Erklärungsdokument ihres Autors:

http://tinyurl.com/x-card-rpg

Ich bin ganz ehrlich, mir reicht das dort transportierte Weltbild schon aus um X-Card Nutzung als sehr starken Indikator für eine massiv inkompatible Weltsicht im RPG-Kontext zu sehen.
Der Autor führt z.B. als eines der (in seinen Augen legitimen) Einsatzbeispiele einen rauchenden NPC an der für einen Spieler der mit dem Rauchen aufhören wollte ein Trigger war.
So was brauche ich nicht am Tisch, schon gleich dreimal nicht wenn der entsprechende Kartenzieher dann noch nicht mal erklären braucht um was für eine trivialität es hier ging.
Für so was ist mir meine und die Zeit der restlichen Spieler zu schade und der angedachte Umsorgungsgrad nimmt da Züge an, die ich für eine Rollenspielsitzung die keine bezahlte Therapierunde bei einem Profi ist, für nicht mehr angemessen erachte.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Swanosaurus am 30.01.2024 | 00:09
Hm, ich finde den Eingangspost auch widersprüchlich.

Die X-Card hilft eh nicht, weil sie die Exposition nicht verhindert, und ist deshalb schlecht; UND die X-Card verhindert Exposition und damit das Lernen von Resilienz und ist deshalb schlecht.

Da kann eigentlich nur eines von beiden wahr sein.

Das Argument "Eine Session 0 ist besser" greift für mich auch nicht, denn beides schließt einander ja nicht aus.

Zum Thema Resilienz lernen kan ich nur sagen: In der Beziehung finde ICH, das Rollenspiel ist keine Psychotherapie und soll es (in den Händen nicht dazu ausgebildeter) auch nicht sein; da hat sich niemand anzumaßen, anderen gegen ihren Willen Resilienz beibringen zu wollen.

Und das Szenario vom manipulativen Mitspieler ist genauso in Bezug auf eine Session 0 oder auf eine offensichtliche Getriggertheit durch Spielinhalte zu denken.

Der Vorteil der X-Card über eine Session 0 und Lines und Veils hinaus (die einander ja alle nicht ausschließen) ist, dass flexibel und jenseits von Legalismen ("Das haben wir aber in der Session 0 so nicht besprochen, deshalb gibt das jetzt nicht!") auf die aktuelle Verfassung der Mitspielenden reagiert werden kann.


Ich benutze die X-Card übrigens nur, wennn ich mit mehr oder weniger Fremden spiele (meine einzige feste Runde läuft aber auch online und mit Leuten, die ich seit 30-40 Jahren kenne). Bei Runden mit Fremden finde ich es angenehm, wenn sie auf dem Tisch liegt und alle wissen, dass sie sie nutzen können - aber tatsächlich habe ich noch nicht ein einziges Mal erlebt, dass sie genutzt wurde. Ist sie also für mich überflüssig? Keine Ahnung. Sie trägt jedenfalls für mich zu einer entspannten Atmosphäre bei.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Undwiederda am 30.01.2024 | 06:13
Ich sehe die X-Karte immer als eine Art Notstopp (den roten Buzzer an Geräten). Ja die Situation würde da bereits getriggert aber man kann trotzdem das schlimmste vlt noch abwenden.
Aber ich sehe es auch so, dass die x-card nur ein Tool aus den Saftytools ist und halt eher das letzte was gezogen werden sollte.

Aber man kann zwar viel in der Session 0 besprechen aber dann müssten wir auch davon ausgehen, dass Menschen kein Leben neben den runden hätten, denn wir erleben und erfahren einiges und manchmal auf drastische Weise. Unfälle, Tode, Krankheiten und andere Dinge können Ansichten auf Szenen verändern aber auch Zuwachs von Kindern, Haustieren oder andere positive Ereignisse können Dinge in ein anderes Licht rücken. Wir sind Stimmungsmenschen und wir wollen beim Rollenspiel in die Situation reingezogen werden (Immersion) aber wenn es dann mit den neuen Dingen kollidiert, dann kann die X-Karte ggf eben das schlimmste verhindern.
Man sollte sicher immer wieder fragen ob die Lines and veiles noch bestand haben und sie ggf refreshen aber es gibt auch Dinge, die ggf situationsbedingt triggern oder man sich selbst vorher nicht im Klaren ist.

Und ja wir sind keine Psychologen und die Bewältigung gehört nicht zu unserem Job aber wir wollen ja alle Spass am Tisch und die Saftytools sollen ja dafür sorgen und wenn der Spielspaß leidet sollte man miteinander reden.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: aikar am 30.01.2024 | 07:00
Ich verwende die X-Card vor allem bei Vereins- und Eventrunden mit Leuten, die ich nicht (gut) kenne und wo es auch kaum Möglichkeit zu Vorbesprechung/Session Zero oder Nachbesprechung gibt oder gewollt ist (weil ich mit diesen Leuten eben nicht so freundschaftlich verbunden bin).
Und auch da nicht immer, weil ich oft einfach darauf vergesse, ehrlich gesagt. Das ändert aber nichts daran, dass ich die grundsätzliche Idee gut finde.

"Die X-Card ist nur bedingt nützlich"
Ja, sicher. Sie ist kein perfekter Schutz. Aber sie ist besser als gar keiner.
Natürlich gibt es Trigger, die jemanden gleich von 0 auf 100 bringen können, da hilft dann auch keine X-Card. Aber das gilt ja nicht für alle.
Ein Beispiel, dass ich da immer gerne ausführe ist, als eine SL am Ende des Abenteuers beschrieben hat, wie die Schurken am Galgen baumeln.  Eine Spielerin hatte kurz zuvor einen Freund durch Selbstmord durch Erhängen verloren. Erst als sie einen Heulkrampf  bekam, war allen klar, da passt was nicht und die Szene wurde abgebrochen.
Hätten wir damals eine X-Card gehabt, hätte sie wahrscheinlich schon viel früher, wenn sie merkt, das geht in eine für sie kritische Richtung, abbrechen können.
Oder das typische Beispiel von beschriebener Sexualität, die schrittweise aufgebaut wird und irgendwann merkt man, es wird zu viel.

"Die Nutzung der X-Card trainiert Resilienz ab"
Dann hat man den Sinn der X-Card falsch vermittelt. Die ist (für mich) wie ein Feueralarm, den drückt man nicht, weil es mal ein bisschen in der Küche komisch riecht.
Die X-Card sollte Einsatz finden, wenn etwas wirklich nicht tragbar ist und ist der letzte Schritt vor "ich stehe auf und gehe". Wenn die X-Card an jedem Abend (möglicherweise mehrfach) genutzt wird, dann sollte man hinterfragen, ob diese Runde für diese Person wirklich das richtige ist. Weil offenbar fühlt er/sie sich ja ständig unwohl. Da liegt das Problem dann bei der Person bzw. einer Diskrepanz in der Runde und nicht bei der X-Card. Die ist praktisch der Bote und wenn man den erschießt, löst das das Problem auch nicht.
Tatsächlich denke ich sogar, wenn die X-Card richtig vermittelt wird, kann sie Resilienz sogar stärken. Weil wenn ich weiß, dass ich eine Option habe, abzubrechen, wenn es wirklich zu viel wird, ist man oft bereit und lockerer, gewisse Sachen einfach mal anzugehen. Es ist wie der Unterschied ob ich einen Horrorfilm mit offenen Augen durchstehen müsste oder jederzeit die Option habe die Augen zu schließen oder abzuschalten oder vorspulen (was im Grunde die X-Card ist).  In ersterem Fall würden sich wohl nur extrem wenige Leute Horrorfilme anschauen. In zweiterem Fall kann ich den Film wahrscheinlich genießen, auch ohne zu unterbrechen, einfach weil das Gefühl, ich KÖNNTE jederzeit abbrechen, Sicherheit vermittelt.

Der Autor führt z.B. als eines der (in seinen Augen legitimen) Einsatzbeispiele einen rauchenden NPC an der für einen Spieler der mit dem Rauchen aufhören wollte ein Trigger war.
So was brauche ich nicht am Tisch, schon gleich dreimal nicht wenn der entsprechende Kartenzieher dann noch nicht mal erklären braucht um was für eine trivialität es hier ging.
Da stimme ich zu, dass wäre mir auch zu trivial.

"Durch die Nutzung der X-Card gibt man gefährlich viel von sich preis"
Ja, stimmt potentiell. Aber das ist die Entscheidung der/des Getriggerten. Ist es mir wichtig genug, diesen für mich unangenehmen Moment zu beenden und bin ich bereit dafür möglicherweise etwas preis zu geben (immer noch weniger, als wenn ich es direkt anspreche)?

"Es besteht die Gefahr, dass die Nutzung ideologisch wird"
Ich sehe in der X-Card den ehrlich gemeinten Wunsch, potentiell problematische Situationen zu verbessern. Wenn das für dich eine Ideologie ist, dann hast du wahrscheinlich recht. Bei jeder Ansicht gibt es natürlich Extreme. Ich finde z.B. auch feministische Bewegungen grundsätzlich super, aber hatte auch schon meine Begegnungen mit solchen Feministinen, die es auf die Spitze getrieben haben und im Grunde nur Männerhasserinnen waren.
Trotzdem würde ich die Gefahr, dass es Extremfälle gibt, nicht als Gegenargument gegen das ganze Konzept verwenden. Denn das gilt für praktisch ALLES.

Alles in allem sehe ich den potentiellen Nutzen als deutlich höher als die Problematik der genannten Fehler.

Ich sehe die X-Karte immer als eine Art Notstopp (den roten Buzzer an Geräten). Ja die Situation würde da bereits getriggert aber man kann trotzdem das schlimmste vlt noch abwenden.
Aber ich sehe es auch so, dass die x-card nur ein Tool aus den Saftytools ist und halt eher das letzte was gezogen werden sollte.

Aber man kann zwar viel in der Session 0 besprechen aber dann müssten wir auch davon ausgehen, dass Menschen kein Leben neben den runden hätten, denn wir erleben und erfahren einiges und manchmal auf drastische Weise. Unfälle, Tode, Krankheiten und andere Dinge können Ansichten auf Szenen verändern aber auch Zuwachs von Kindern, Haustieren oder andere positive Ereignisse können Dinge in ein anderes Licht rücken. Wir sind Stimmungsmenschen und wir wollen beim Rollenspiel in die Situation reingezogen werden (Immersion) aber wenn es dann mit den neuen Dingen kollidiert, dann kann die X-Karte ggf eben das schlimmste verhindern.
Man sollte sicher immer wieder fragen ob die Lines and veiles noch bestand haben und sie ggf refreshen aber es gibt auch Dinge, die ggf situationsbedingt triggern oder man sich selbst vorher nicht im Klaren ist.

Und ja wir sind keine Psychologen und die Bewältigung gehört nicht zu unserem Job aber wir wollen ja alle Spass am Tisch und die Saftytools sollen ja dafür sorgen und wenn der Spielspaß leidet sollte man miteinander reden.
Schön gesagt. Die meisten Runden machen eine Session Zero nur zu Beginn einer Kampagne, die potentiell Jahre dauert, da kann sich viel entwickeln. In manchen Fällen kennt sich eine neu gegründete Gruppe auch noch gar nicht genug, dass alle bereit wären, bei der Session Zero über so persönliche Themen zu reden. Manche Trigger sind auch von der Tagesverfassung abhängig und wären an anderen Tagen gar keiner.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Skasi am 30.01.2024 | 07:15
Die X-Card hilft eh nicht, weil sie die Exposition nicht verhindert, und ist deshalb schlecht; UND die X-Card verhindert Exposition und damit das Lernen von Resilienz und ist deshalb schlecht.

Da kann eigentlich nur eines von beiden wahr sein.
Ich hatte Prismas Aussage anders verstanden.
M.E. war die Aussage, daß mit der X-Card die Widerstandsfähigkeit gegenüber bestimmten Themen potenziell herabgesetzt wird. Das ist etwas anderes, als diese erhöhen zu wollen.
Das beschriebene Problem ist also nicht, daß jemand nicht widerstandsfähiger wird. Das beschriebene Problem ist, daß jemand (möglicherweise) immer früher die X-Card bemüht.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Fillus am 30.01.2024 | 07:23
Besteht nicht noch eine ganz andere Gefahr? Ich meine ich erlebe in hunderten Runden (quer durch alle Genres) kaum das mal jemand getriggert wird, womit das das nicht abwerten möchte. Aber es ist ein Hobby was Spaß machen soll. Alleine die Existenz von vielen Sicherheitstools schreckt doch schon ab. Ich meine was soll man denken wenn man sich für dieses Hobby interessiert? Sicherheitstools? Ist es so gefährlich? Soll das ein Hobby sein, das Spaß macht?

Ja, auch ich halte es für wichtig die Sicherheit am Tisch zu gewährleisten, aber ich möchte auch keine Menschen abschrecken, denn außerhalb vom Genre Horror (hier sollte klar sein das es an Grenzen geht) passiert es meiner Erfahrung nach verdammt selten das wer getriggert wird. Meiner Erfahrung nach, wie gesagt. Wer also z.B. D&D spielt, wird eher selten mit einer X Card in Kontakt kommen. Aber allgemein wird immer mehr sugeriert das es ohne Sicherheitstools nicht geht.

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Wenn Neulinge eine Kaufkampagne leiten, sind sie eventuell gar nicht in der Lage die Themen darin soweit umzuschreiben um alle potenziellen Trigger rauszuschrieben. Oder anders, es gibt noch viel mehr zu beachten, als ohnehin schon, was die Hürde wieder steigen lässt.

Früher gab es auch SIcherheitstools, nicht physisch, nicht in Regeln gepackt, sondern auf Empathie beruhend. Hat zugegeben nicht immer geklappt, aber durch diese festen Tools gibt es auch Probleme. "Tja, hättest mir vorher mal verraten das dich das triggert, hätte ich es umgehen können. Ist doch nicht mein Problem das du dich vor dem Spiel nciht öffnen wolltest". Soll heißen, viele der Tools setzen eine Menge Vertrauen voraus.

Die X Card weißt eben genau auf Dinge hin die man vielleicht nicht verraten möchte. Wie oben beschrieben. Das nicht Begründen müssen/brauchen ist natürlich selbstverständlich, verät aber auch genau das die Person ein Problem hat damit umzugehen. Ein eine leichte Begründung mildert das ab. "Können wir das Thema lassen, es lenkt mich sehr ab, weil ich es mich an was erinnert was mir den Spaß nimmt".

Knackpunkt ist hier wie immer die Kommunikation. Als Spielleitung stehe ich zumindest etwas in Pflicht meine Mitspielenden im Auge zu behalten und zu reagieren wenn mir etwas auffällt. Man kann nur versuchen das Vertrauen zu erlangen, dass die Probleme/Trigger auch (am besten vorher) angesprochen werden, was natürlich auf Cons, in Oneshots und Co einfach schwer ist.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Weltengeist am 30.01.2024 | 07:34
@ Fillus: Standing Ovations von mir.

Ich frage mich auch, ob das nicht eine eher akademische Diskussion ist. Denn Hand aufs Herz: Wie oft hattet ihr denn Situationen, wo ihr eine vernünftige Vorbesprechung (einschließlich Abklären von No-Gos) gemacht habt und dann trotzdem im Spiel noch eine X-Card (oder wie auch immer das bei euch hieß) gezogen werden musste?

Auf mich wirkt das wie die Sorte Werkzeug, das genau von den Leuten genutzt wird, die es gar nicht brauchen - nämlich diejenigen, die ohnehin empathisch sind und auf die Bedürfnisse und Empfindlichkeiten der anderen achten. Und genau diejenigen, für die so ein Konzept am sinnvollsten wäre, weil sie es nicht mal mitkriegen, wenn jemandem am Tisch die Gesichtszüge einfrieren, nutzen es ohnehin nicht...
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: ghoul am 30.01.2024 | 07:37
Zitat
Die Nutzung der X-Card trainiert Resilienz ab - das sehe ich genau anders herum. Ich denke, sie hilft es Resilienz zu trainieren, denn mit der Karte als Reißleine kann ich mich viel eher in "gefährliche" Situationen begeben um die mal auszuprobieren, weil ich weiß, dass ich da auch heil wieder rauskommen kann. Echte Therapeuten machen das in der Expositionstherapie ja auch so: Sie sorgen dafür, dass man das "gefährliche Ding" in einer sicheren Umgebung mit jederzeitiger Abbruchmöglichkeit ausprobieren kann.

Deswegen denke ich, für Edgelord-Runden sind Sicherheits-Tools sinnvoll.
Aber für normale, weitgehend harmlose Runden im festen Freundeskreis? Da kann die X-Karte nichts, was Empathie nicht könnte.
Und die Geschichte vom Trigger, den die betroffene Person selbst nicht kennt - die ist schon sehr konstruiert und selten, wenn es NICHT darum geht, Grenzerfahrungen auszuloten.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: 6 am 30.01.2024 | 07:59
Deswegen denke ich, für Edgelord-Runden sind Sicherheits-Tools sinnvoll.
Aber für normale, weitgehend harmlose Runden im festen Freundeskreis? Da kann die X-Karte nichts, was Empathie nicht könnte.
Und die Geschichte vom Trigger, den die betroffene Person selbst nicht kennt - die ist schon sehr konstruiert und selten, wenn es NICHT darum geht, Grenzerfahrungen auszuloten.
Mal als Anekdote aus meiner eigenen Leiterfahrung:
Eine Spielerin hatte sich selbst getriggert. Sie hatte einen Onenightstand mit einem NSC forciert. Alles gut. Die Spielerin war Happy... bis der nächste Morgen kam. Sie hatte dann panisch nach Zauber im Regelwerk gesucht, die verhindern, dass ihr Charakter ein Kind bekommt. Ich hatte nichts dergleichen angedeutet. Sie kam selber auf die Idee. Ich musste ihr hochheilig versprechen, dass da kein Kind raus kommt.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Undwiederda am 30.01.2024 | 08:08
Ich hatte schon Momente wo eine x-card nicht schlecht gewesen wäre und das waren alles etablierte Kampagnen und keine one shots aber man kann im Vorfeld über Sicherheitstools reden und wenn die Gruppe keines nutzen will, dann ist es in Ordnung für mich.
Kommunikation ist das A und O.

Aber das Sicherheit abschreckt ist in meinem Verständnis quatsch oder man sollte es anders erklären, es geht einfach um das miteinander und man kann es ja schon alleine mit Phobien erklären und Rollenspiel ist eben immersive Beschreibung oder der der Versuch daran und daher finde ich Rücksichtnahme schon wichtig.
Regel 1 ist für mich da das Mass aller Dinge
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: AndreJarosch am 30.01.2024 | 08:32
Ich bin da ganz bei @weltengeist.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Fillus am 30.01.2024 | 08:35
Aber das Sicherheit abschreckt ist in meinem Verständnis quatsch oder man sollte es anders erklären, es geht einfach um das miteinander und man kann es ja schon alleine mit Phobien erklären und Rollenspiel ist eben immersive Beschreibung oder der der Versuch daran und daher finde ich Rücksichtnahme schon wichtig.
Regel 1 ist für mich da das Mass aller Dinge

In einer Zeit in der ich mehr und mehr Menschen kennenlerne, die gerne ins Hobby (Offline) schnuppern würden, für die es aber fast unvorstellbar ist sich mit Fremden (Ohne Witz, in den letzten Monaten alleine oft zu hören bekommen) an einen Tisch zu setzen, schreckt es schon ab wenn man oberflächlich hört das Sicherheitstools nötig sind.  Das heisst ja nicht das Sicherheit abschreckt, tut es nicht und sollte es nicht. Aber sich auf unsicheres Gebiet zu wagen und zu hören das dort wohl solche Tools benötigt werden, kann es schon. Aber ich habe es ja oben bewusst als Frage formuliert. Sicherlich gibt es auch Menschen bei denen es positiv wirkt.

Mir ist nach der Corona Pause jedenfalls extrem aufgefallen, wie sich die Menschen hier bei uns im ländlichen Norden zurück gezogen haben, keine Ahnung ob das nur Lokal so ist. Ich lerne Menschen (männlich) kennen, die schon 20 Jahre Rollenspiele spielen, sich aber erstmal in einem Kaffee mit mir treffen wollen und sich nicht gleich in eine Runde wagen. Männlich deswegen erwähnt, weil ich es bei Frauen eine verständliche Hürde gibt, sich zu fremden größtenteils aus Männern bestehenden Gruppen, einfach in deren Wohnung zu kommen. Da sieht man wieder wie kaputt die Menschheit ist, dass sich solche Gedanken überhaupt gemacht werden müssen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Freeport am 30.01.2024 | 08:44
@ Fillus: Standing Ovations von mir.

Ich frage mich auch, ob das nicht eine eher akademische Diskussion ist. Denn Hand aufs Herz: Wie oft hattet ihr denn Situationen, wo ihr eine vernünftige Vorbesprechung (einschließlich Abklären von No-Gos) gemacht habt und dann trotzdem im Spiel noch eine X-Card (oder wie auch immer das bei euch hieß) gezogen werden musste?

Auf mich wirkt das wie die Sorte Werkzeug, das genau von den Leuten genutzt wird, die es gar nicht brauchen - nämlich diejenigen, die ohnehin empathisch sind und auf die Bedürfnisse und Empfindlichkeiten der anderen achten. Und genau diejenigen, für die so ein Konzept am sinnvollsten wäre, weil sie es nicht mal mitkriegen, wenn jemandem am Tisch die Gesichtszüge einfrieren, nutzen es ohnehin nicht...

Ich sehe das sehr ähnlich. Ich habe in meinen über 30 Jahren nicht einmal eine Runde gehabt in der irgendjemand getriggert wurde und ich habe ohne zu übertreiben mit Hunderten von Spielern (Freunden und Fremden) gespielt. Ich sage zu Beginn bei neuen Spielern immer "Rollenspiel soll allen Beteiligten Spaß machen, hast du keinen Spaß, dann reden wir drüber". Wenn ich leite, habe ich meine Spieler im Auge und wenn man darauf achtet, sind Trigger lange vor dem Durchbruch zu erkennen - obwohl selbst das mir nie passiert ist.

Von solchen Tools wie X-Card etc. habe ich hier das erste mal gehört und ich halte sie auch nur für bedingt brauchbar - ich bin zwar kein Therapeut, aber in Krisenkommunikation ausgebildet und dort werden solche Tools schon seit Jahren nicht mehr verwendet Wenn jemand so eine Karte braucht, ist er bereits getriggert und der Schaden ist entstanden (das klingt dramatisch, aber auch ein versauter Abend, weil einer am Tisch sich nicht wohl fühlt ist ja irgendwie ein Verlust) und Halten oder Zurückdrehen verhindert lediglich eine weitere Eskalation, nicht den eigentlich Trigger und es eröffnet zusätzlich eine mögliche Schuldebene ("jetzt versau ich der Gruppe mit meinem Probleme den Abend" - stimmt natürlich meist nicht, aber es ist eine gängige Reaktion). Ich stelle mir da ehrlich gesagt eher die Frage, was da an Abenteuern und Stories erdacht wird, die solche Tools nötig machen, vielleicht sollte man da eher an der Ursache arbeiten und nicht an der Wirkung.

Außerdem zeigen Studien durch die Bank weg, dass das Vorhandensein von Safety-Mechanismen dazu führt, dass Menschen schneller und härter an die Grenzen gehen, es gibt ja ein Tool, dass alle sicher sein lässt (sic) - was nicht heißt, dass alles Safety-Tools unbrauchbar sind, aber man sich klar sein muss, dass ein Implementierung auch eine unbewusste Aufforderung darstellen kann. Ihr habt vielleicht von der Geschichte gehört, dass Fahrradfahrer mit Helm mehr Risiken eingehen, als ohne. Ich möchte die Grundsatzdisku dazu nicht anstoßen, aber ich denke, ihr versteht worauf ich hinaus will.

Mal positiv formuliert - achten alle in der Gruppe aufeinander und hat die SL ein Auge darauf, dass die Gruppe im Ganzen und die Spieler im Einzelnen sich wohl fühlen, entsteht eine funktionale Kommunikationssituation, die solche Tools nicht nötig hat und in der man durchaus auch mal edgy werden kann.
Das hat zumindest bei mir bis dato immer funktioniert.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Issi am 30.01.2024 | 08:52
Ganz allgemein
Mich würde tatsächlich mal interessieren, in welcher Situation diese Sicherheits Werkzeuge schon zum Einsatz kamen. ( Hätte da jmd ein konkretes Beispiel für mich? So ala: "Als SC-X dies oder das getan hat, wurde von Spieler Y die Karte gezückt"?)



Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Grubentroll am 30.01.2024 | 09:30
Ich musste das jetzt erstmal googlen. :D
Gut, kann ich verstehen wenn man auf nem Con ist und da Leute komisch abgehen.

Ansonsten fällt das für mich unter Rule#1 ("Spiel nicht mit Trotteln").
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: JollyOrc am 30.01.2024 | 09:43
Ein paar Anmerkungen von mir:

Aber ganz unabhängig davon: Ich stimme völlig zu, dass die X-Card nicht zu jederm Spielstil und Menschentypen passt. Jede Menge Gruppen kommen hervorragend ohne sie aus, und manche Gruppen spielen womöglich ohne sogar besser als mit!

Ich frage aber: Reicht das aus, um die Karte als "gefährlich" zu bezeichnen, oder ist sie dann nicht vielleicht einfach nur kein Allheilmittel und die Verwendung im Endeffekt Geschmackssache?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: unicum am 30.01.2024 | 09:48
Ich hatte in meiner gesammten Rollenspielkarriere genau einmal ein heftiges Triggererlebnis, im detail will ich nicht darüber sprechen könnte ja sein das fragliche Personen hier auch mal mitlesen. (es war genauer gesagt nicht mehr während des Spielens sondern im Gespräch nach dem Spiel).

Aber - da hätten keine, aber auch gar keine der Sicherheitsmechanismen die ich kenne etwas gebracht. Ausser vieleicht das mir das fragliche Ereigniss im Leben der Person bekannt gewesen wäre. Aber ich glaube kaum das sich jemand doch relativ fremden gegenüber so outet auch nicht in einer "normalen" Session 0.

"Und so liefen wir aufeinader zu und rammten und gegenseitg ein Messer rein." anderst kann ich es nicht beschreiben.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 30.01.2024 | 09:50
@Fillus etc.:
Denke schon, dass es grundsätzlich Bedarf für einen behutsameren Umgang miteinander und mit schwierigen Themen aller Art gibt. Und einige dieser schwierigen Themen gehören mehr oder weniger zum Kern einiger beliebter Genres (Gewalt, alle möglichen Arten von Monster, Grausamkeiten, Gefangenschaft, Folter etc.)

Mir geht es z.B. so, dass ich zwar gern lese, weil ich da "notfalls" umblättern oder das Buch weglegen kann. Filme allein sind auch OK, weil ich notfalls ausmachen oder vorspulen kann. Filme in Gesellschaft sehr ungern, weil ich dann eben - aus Rücksicht auf die anderen - nicht einfach vorspulen oder ausmachen kann. Und den Raum schnell genug zu verlassen kann schwierig sein.

Ich habe keine Phobien oder so, weiß aber, dass Dinge mich schnell mitnehmen und dass ich die dann nicht mehr "los werde" und tagelang schlechte Gedanken und manchmal Alpträume habe. Braucht kein Mensch. Ist mir auch nicht unangenehm, kann gern jeder wissen, nimmt mir nichts an Männlichkeit, ich komme zurecht. Glaube schon, dass ich ziemlich gefestigt bin und kann auch im "echten Leben" gut mit allen möglichen schwierigen Situationen umgehen. Nur im Spiel muss ich wirklich keinen Stress dieser Art haben.

Rollenspiel in der Gruppe kann ein bisschen sein wie gemeinsames Filmeschauen, nur, dass die anderen ohne mich dann nicht (oder schlechter) weiterschauen können. Entsprechend finde ich es sehr sinnvoll, vor dem Spiel (kurz - vielleicht fünf Minuten insgesamt) durchzugehen, ob irgendwas Probleme macht und was vielleicht nicht dabei sein sollte. So weit so gut.
Ich habe nicht ganz selten in Runden nicht mitgespielt, weil ich die Leute nicht kannte und nicht sicher war, wie die Aussagen bezüglich des zu erwartenden Inhalts zu bewerten sind. Da ich weiß, dass ich da eher am empfindlichen Ende des Spektrums bin, neige ich dazu, davon auszugehen, dass die Inhalte für mich eher schlimmer sind, als die anderen denken. Entsprechend bin ich vorsichtig und spiele vieles dann lieber nicht mit.
Ich brauche keine X-Karte. Aber die gegenseitige Versicherung, dass man das mal probiert und dass alle einverstanden sind, dass es OK ist, das Spiel zu unterbrechen um Bedenken zu äußern und dass das dann ernst genommen werden soll - das würde schon sehr helfen.

Habe übrigens in einer früheren Diskussion auch gegen die X-Karte argumentiert, damals (meine ich) mit dem Argument, dass man damit den Spielfluss stören kann. Stimmt wahrscheinlich auch, kann man. Heute würde ich sagen: Ich meine, man braucht die X-Karte nicht, man (besser: ich) braucht aber gute und verlässliche Absprachen. Und wenn es hilft, zu Erinnerung eine X-Karte auf den Tisch zu legen - ja dann meinetwegen.

Würde auch nicht zustimmen, dass ein Veto das letzte Mittel ist, bevor man hektisch den Raum verlässt. Ich würde erheblich früher einhaken wollen. Ca. so: "Pardon, kurze Zwischenfrage: Läuft das auf XYZ hinaus? Wenn ja oder wenn was in der Richtung: Das ist für mich nicht OK, ich möchte da dann nicht dabei sein".

Und übrigens kommen die problematischen Inhalte beileibe nicht immer vom Spielleiter.

Und unabhängig von X-Karte pro/kontra, finde ich dass hier eine sehr gute Zusammenfassung:

Wenn Leute meinen, ihre neu gefundene "Macht" über Nichtigkeiten auszuspielen - dann finden die auch ohne X-Card Möglichkeiten mich zu nerven.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: aikar am 30.01.2024 | 09:53
Außerdem zeigen Studien durch die Bank weg, dass das Vorhandensein von Safety-Mechanismen dazu führt, dass Menschen schneller und härter an die Grenzen gehen, es gibt ja ein Tool, dass alle sicher sein lässt (sic) - was nicht heißt, dass alles Safety-Tools unbrauchbar sind, aber man sich klar sein muss, dass ein Implementierung auch eine unbewusste Aufforderung darstellen kann. Ihr habt vielleicht von der Geschichte gehört, dass Fahrradfahrer mit Helm mehr Risiken eingehen, als ohne. Ich möchte die Grundsatzdisku dazu nicht anstoßen, aber ich denke, ihr versteht worauf ich hinaus will.
Ja. Aber wie geschrieben erachte ich das im konkreten Fall als Vorteil.
Im Rollenspiel ist es doch im Gegensatz zum Straßenverkehr meistens etwas positives, wenn die Spieler:innen sich trauen?

Ist doch ähnlich wie bei der Tödlichkeit eines Systems. Ich leite lieber Systeme, bei denen die Charaktere was aushalten, weil ich die Spieler:innen animieren will, auch waghalsige pulpige Aktionen in Angriff zu nehmen.
Andere spielen gerne tödliche Systeme, weil sie die Spieler:innen dazu bringen wollen, sich über ihre Handlungen mehr Gedanken zu machen, Risiken abzuschätzen und clevere Lösungen und Umwege zu finden.

Ich brauche keine X-Karte. Aber die gegenseitige Versicherung, dass man das mal probiert und dass alle einverstanden sind, dass es OK ist, das Spiel zu unterbrechen um Bedenken zu äußern und dass das dann ernst genommen werden soll - das würde schon sehr helfen.

Habe übrigens in einer früheren Diskussion auch gegen die X-Karte argumentiert, damals (meine ich) mit dem Argument, dass man damit den Spielfluss stören kann. Stimmt wahrscheinlich auch, kann man. Heute würde ich sagen: Ich meine, man braucht die X-Karte nicht, man (besser: ich) braucht aber gute und verlässliche Absprachen. Und wenn es hilft, zu Erinnerung eine X-Karte auf den Tisch zu legen - ja dann meinetwegen.
Ziemlich treffend. Die X-Card ist die Erinnerung an eine Option. Und für Leute, die damit vertraut sind, ist eine X-Card auf den Tisch zu legen eine schnelle Möglichkeit, klar zu stellen, dass diese Option existiert.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: unicum am 30.01.2024 | 10:01
Grundsätzlich muss ich aber sagen das ich in meinen Runden und auch Conrunden mittlerweile keine X-Card mehr auf dem Tisch habe.

Warum?

Weil es auf dem Tisch ohnehin zu wenig Platz gibt. Eigentlich sollte jeder der sich für Triggergefärdet sieht selbst eine dabei haben. Wenn an meinen Spieltischen eine einzige in der Mitte des Tisches liegt kommt da eh kaum jemand ran ohne aufzustehen oder sich zu verrenken.

Will sagen ich halte die praktische Handhabung für etwas unpraktisch.

Und auf Con Runden schreib ich auch mal Teaser drauf in denen auch mal mit dem Zaunpfahl gewunken wird was ggf Trigger betrifft.


Aber ja, eigentlich muss ich echt sagen - dafür dass dieses Themea hier und ggf auch andernorts so heftig diskutiert wird, ist es mir in der "Freien Wildbahn" kaum über den Weg gelaufen (s.o.). Zugestanden ich kenne etwa eine Spielerin von der ich weis das sie eine heftige Arachnophobie hat aber im Rollenspiel mit ihrer Zwergin etwa liebend gerne Riesenspinnen zu Matsch verarbeitet. (Aber man sollte nicht anfangen die Viecher im detail zu beschreiben).
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Teylen am 30.01.2024 | 10:01
Zu den unterschiedlichen Punkten:

Die X-Card ist nur bedingt nützlich (keine Schutz vor grundlegender Exposition)
Die Feststellung ist korrekt. Die X-Card ist nicht dafür da eine grundlegende Konfrontation mit Themen zu verhindern.
Wobei die X-Card auch zu keinem Zeitpunkt behauptet das zu tun oder der einzige Sicherheitsmechanismus ist den man einsetzen kann oder sollte. Wenn man nach Mitteln sucht um eine grundsätzliche Exposition zu vermeiden hat man dafür die "Sitzung 0" sowie Lines & Veils als zwei offensichtlich andere Methoden.
Als weitere Anmerkung es geht bei der X-Card nicht um die Vermeidung von Triggern, schon gar nicht im Sinne von Auslösern von psychischen Belastungen, sondern um die Markierung von Spielinhalten die man nicht möchte.

Rollenspiel ist nicht da um Resilienz aufzubauen und die X-Card kann Resilienz schaffen
Zunächst dient Rollenspiel, außerhalb des therapeutischen Rahmen, nicht dazu Resilienz zu trainieren oder zu verstärken.
Wenn es das machen würde, wäre es nicht in der Form das man mit dem Schrottgewehr einmal Sachen an die Wand schießt mit der Hoffnung ein erwünschtes Trainingsfeld zu treffen.

Darüber hinaus ist die X-Card kein Mittel mit dem man auf die Frage "Was machst du ?" reagiert und wenn man positiven Streß ausgesetzt ist muss man die X-Card nicht benutzen.

Wenn man es auf biegen und brechen auf Resilienz schieben mag setzt die Verwendung der X-Card die Schwelle zur Analyse und der Kommunikation eigener Bedürfnisse herab. Das heißt, wenn man beim Chef im Büro ist und dieser Dinge fordert wie unentgeltliche Überstunden, es keine Gehaltserhöhung gibt oder anderweitig eine Überschreitung vorliegt, kann eine Einstellung bei der die Verwendung der X-Card im Hobbybereich normal ist dazu führen das man eher einen Widerspruch gegen die Setzung wagt.

Ich halte es ansonsten für Paradox bzw. hypokritisch wenn man erst fordert das die X-Card nicht verwendet werden soll um ein Therapieziel zu erreichen (Aufbau von Resilienz) nur um dann die These in den Raum zu werfen das die X-Card das macht. Gerade auch unter der Betrachtung das die X-Card nicht dafür gestaltet wurde um die Konfrontation mit Triggern im psychologischen Sinn zu vermeiden.

Man gibt durch die Nutzung der X-Card nicht mehr von sich Preis als man mag
Wenn man nicht preisgeben möchte, dann benutzt man die X-Card nicht.
Wenn man nicht konkret eingrenzen mag was man störend findet so bietet einem die X-Card deutliche Möglichkeiten es so vage wie möglich zu halten.

Das spiegelt sich dadurch wieder das unter anderen in der präsentierten Anekdote unklar ist was genau der Auslöser war und es sich bei Mutmaßungen respektive Spekulationen belässt. Es fehlt mir auch der Einblick wie der skizzierte Intrigant die Information für den niederträchtigen Umgang mit dem X-Card Nutzer einsetzen kann. Zumal hinzukommt das bei einem Versuch die Information auch den nicht-intriganten Spielern zur Verfügung steht und diese entsprechende Manipulationsversuche erkennen und eingreifen können.

In Bezug auf entsprechende Informationen halte ich Tools die sich an tatsächliche Trigger richteten (Lines & Veils, Sitzung 0, Checklisten) für brisanter als die X-Card. Heißt wenn man auf dem Ankreuzzettel einmal rote Punkte bei allen Sachen zum Thema "Sex" setzt gibt das mehr Informationen preis als wenn man jetzt die X-Card zieht weil man gerade keine Interaktion mit einem Hund haben mag.
Sowohl in Bezug auf die schwere als auch auf den Umstand das vielleicht gar kein z.B. Hund vorkommt.

Jede Handlung ist politisch respektive ideologisch
Die bis dahin vorgebrachten Argumente, auf allen Seiten, zeugen von einer Wertvorstellung respektive eine Ideologie.
Man kann sich davon nicht befreien und die X-Card macht das Zusammenspiel nicht mehr oder weniger ideologisch oder politisch.

In Bezug auf Conventions ist es zudem das der Zwang zu einer X-Card damit argumentiert werden kann, dass man Personen welche die Ideologie haben das es gut sei im Rollenspiel Resilienzen durch Konfrontation aufzubauen in der Umsetzung dieser Wertevorstellung einschränken kann.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: KhornedBeef am 30.01.2024 | 10:06
Ich finde die Einwände von Freeport durchaus wichtig zur Abwägung.
Ich finde aber nicht, dass die "Ursache" dafür, dass es Sicherheitsüberlegungen braucht, abgestellt werden soll. Das ist sogar der einzige Gedanke im Beitrag, der nicht zuende gedacht ist.
Wie schon gesagt, es gibt viele Traumata, und natürlich darf jeder den ganzen Tag Wanderhome oder Glitterhearts spielen und hoffen über keines zu stolpern. Aber mal ganz ab von Rollenspieltraditionen wie "Orkschädelspalten" oder "Säurefalle 10w6 Schaden, du bist geschmolzen": ich will nicht dass irgendwer pauschal auf diese Art der Selbstzensur verfällt, denn Rollenspiel soll ja an andere Orte und Erfahrungen gehen dürfen, die im realen Leben unmöglich oder zumindest viel zu unsicher wären. Man kann doch unmöglich dafür plädieren, dass in keinem Spiel mehr irgendetwas Schlimmes passieren darf?
Man muss also die X-Card durch etwas ersetzen, was ihre Probleme nicht hat, oder mehr auf die Eigenverantwortung der SpielerInnen schieben. Oder?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Outsider am 30.01.2024 | 10:09
@ Fillus: Standing Ovations von mir.

Ich frage mich auch, ob das nicht eine eher akademische Diskussion ist. Denn Hand aufs Herz: Wie oft hattet ihr denn Situationen, wo ihr eine vernünftige Vorbesprechung (einschließlich Abklären von No-Gos) gemacht habt und dann trotzdem im Spiel noch eine X-Card (oder wie auch immer das bei euch hieß) gezogen werden musste?

Ich persönlich habe auch eher das Gefühl das dies eine akademische Diskussion ist und die X-Card möglicherweise der einfachere Weg ist etwas zu beenden aber nicht der Richtige.

In meiner ganzen aktiven Rollenspielzeit hatte ich zweimal Spieler vor der Fortführung bestimmter Erzählstränge gesagt haben, das geht ihnen zu weit, bzw. für den Abend ist das zu viel. Einmal war ich Mitspieler und empfand die Szene grenzwertig, weil der SL wirklich eklig geworden ist, ein anderer Spieler hat gesagt hör auf mir reichts. Was dann auch sofort passiert ist.

Das andere Mal war ich Spielleiter und es war faktisch nichts los. Über das Spiel an diesem Tag hatte sich ein Spieler aber so sehr in die Story reingefühlt das er die Notbremse gezogen hat. Er meinte dann wortwörtlich "Mein Char hält das nicht aus und ich gerade auch nicht, können wir für heute Schluss machen!". Dabei gab es zu dem Zeitpunkt keine expliziten Themen, keine Gewalt in irgendwelcher Form es war nur fast die Spitze des Spannungsbogens in einer CoC Kampagne  >;D

Ich glaube es gibt zwar die Möglichkeit das eine Person von jetzt auf gleich getriggert werden kann, aber das Medium Rollenspiel ist kommunikativ und langsam genug das man recht frühzeitig merkt wohin die Reise geht und auch rechtzeitig aussteigen kann. Früher™ hat man das dann vielleicht einfach gesagt, heute ist eine X-Card ganz fancy hat aber die gleiche Funktion wie "Hey Leute ich bin raus..."

Ich kenne wenige Rollenspielrunden mit Fremden welche Themen aufgefahren haben die dazu geeignet sind eine Person zu triggern.

Ich kenne LARP Runden die gezielt diese Themen angehen, aber da gibts eine Vor- und noch viel wichtiger eine Nachbesprechung über die Rolle die man hatte, die Handlung und das Spiel an sich (natürlich immer zusätzlich zu der Möglichkeit mittendrin Szenen abzubrechen). Aber da weiß faktisch jeder im Vorwege welche theoretischen Grenzerfahrungen er machen kann und bekommt Hilfe zur Seite gestellt wenn er sich selbst überschätzt  >;D

Ich habe solche Themen aber nie in Tischrollenspielen erlebt.

Ich denke das Sprechen wichtiger ist als über die X-Card auszusteigen. Da ich so etwas nie benutzt habe kann ich nur mutmaßen, aber ich denke, wenn jemand bei mir gefühlt aus dem nichts die X-Card tappen würde, könnte ich an dem Tag ohne mehr Hintergrundinfo nicht weiterleiten. Es muss irgendwie in Kommunikation eingestiegen werden sonst funktioniert das Spiel nicht mehr. Von daher denke ich die X-Card, um mal zum Anfang zurück zu kommen, ist ein Mittel aber es kann zu einseitig sein. 
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Teylen am 30.01.2024 | 10:15
Die X-Card ist auch nicht dafür da das in einem Spiel nichts schlimmes passieren darf.
Sie dient mehr dazu anzuzeigen wenn es jetzt was gibt, das einen ggf. den Tag bzw. die Runde eher versaut als bereichert.

Ich mein ich spiele gerne Vampire. Aber ich mag jetzt nicht unbedingt Kinder als NSC in meinen Vampire Runden haben und schon gar nicht wenn die dann verletzt werden, umkommen oder einfach nervige Saubratzen (Claudia in "Interview mit einem Vampir", alles was so in der Art Animekind auf Zucker/Speed ist,...) sind.

Ansonsten hatte ich die (imho brilliante) Idee für meinen südamerikanischen Sabbat-Charakter einen riesen Tausendfüßler zu meinem Homunculus zu machen. Da hätte ich auch verstanden wenn andere Spieler sagen "ne, lass mal".
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 30.01.2024 | 10:16
Wie schon g und hoffen über keines zu stolpern. Aber mal ganz ab von Rollenspieltraditionen wie "Orkschädelspalten" oder "Säurefalle 10w6 Schaden, du bist geschmolzen": ich will nicht dass irgendwer pauschal auf diese Art der Selbstzensur verfällt, denn Rollenspiel soll ja an andere Orte und Erfahrungen gehen dürfen, die im realen Leben unmöglich oder zumindest viel zu unsicher wären. Man kann doch unmöglich dafür plädieren, dass in keinem Spiel mehr irgendetwas Schlimmes passieren darf?
Man muss also die X-Card durch etwas ersetzen, was ihre Probleme nicht hat, oder mehr auf die Eigenverantwortung der SpielerInnen schieben. Oder?

Niemand hat gesagt, dass nichts schlimmes mehr passieren darf. Es geht um das was und das wie.
Man muss, denke ich, vernünftig und klar darüber kommunizieren, welche Dinge die Leute am Spieltisch OK finden und welche nicht. Das Ergebnis kann dann nahezu beliebig ausfallen, sollte aber Konsens sein.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: KhornedBeef am 30.01.2024 | 10:18
Niemand hat gesagt, dass nichts schlimmes mehr passieren darf. Es geht um das was und das wie.
Man muss, denke ich, vernünftig und klar darüber kommunizieren, welche Dinge die Leute am Spieltisch OK finden und welche nicht. Das Ergebnis kann dann nahezu beliebig ausfallen, sollte aber Konsens sein.
Weiß ich. Freeport hatte sich bloß gewundert, ob die Leute nicht einfach weniger furchtbare Storys und Abenteuer schreiben können, und ich habe das weitergedacht. Das ist ja abseits der Tischebene.

Edit: Autokorrektur. Oder eher Auto-Korrekteur, bei dem Selbstanspruch meines Telefons..
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Smoothie am 30.01.2024 | 10:24
Zu den unterschiedlichen Punkten:

Die X-Card ist nur bedingt nützlich (keine Schutz vor grundlegender Exposition)
Die Feststellung ist korrekt. Die X-Card ist nicht dafür da eine grundlegende Konfrontation mit Themen zu verhindern.
Wobei die X-Card auch zu keinem Zeitpunkt behauptet das zu tun oder der einzige Sicherheitsmechanismus ist den man einsetzen kann oder sollte. Wenn man nach Mitteln sucht um eine grundsätzliche Exposition zu vermeiden hat man dafür die "Sitzung 0" sowie Lines & Veils als zwei offensichtlich andere Methoden.
Als weitere Anmerkung es geht bei der X-Card nicht um die Vermeidung von Triggern, schon gar nicht im Sinne von Auslösern von psychischen Belastungen, sondern um die Markierung von Spielinhalten die man nicht möchte.

Rollenspiel ist nicht da um Resilienz aufzubauen und die X-Card kann Resilienz schaffen
Zunächst dient Rollenspiel, außerhalb des therapeutischen Rahmen, nicht dazu Resilienz zu trainieren oder zu verstärken.
Wenn es das machen würde, wäre es nicht in der Form das man mit dem Schrottgewehr einmal Sachen an die Wand schießt mit der Hoffnung ein erwünschtes Trainingsfeld zu treffen.

Darüber hinaus ist die X-Card kein Mittel mit dem man auf die Frage "Was machst du ?" reagiert und wenn man positiven Streß ausgesetzt ist muss man die X-Card nicht benutzen.

Wenn man es auf biegen und brechen auf Resilienz schieben mag setzt die Verwendung der X-Card die Schwelle zur Analyse und der Kommunikation eigener Bedürfnisse herab. Das heißt, wenn man beim Chef im Büro ist und dieser Dinge fordert wie unentgeltliche Überstunden, es keine Gehaltserhöhung gibt oder anderweitig eine Überschreitung vorliegt, kann eine Einstellung bei der die Verwendung der X-Card im Hobbybereich normal ist dazu führen das man eher einen Widerspruch gegen die Setzung wagt.

Ich halte es ansonsten für Paradox bzw. hypokritisch wenn man erst fordert das die X-Card nicht verwendet werden soll um ein Therapieziel zu erreichen (Aufbau von Resilienz) nur um dann die These in den Raum zu werfen das die X-Card das macht. Gerade auch unter der Betrachtung das die X-Card nicht dafür gestaltet wurde um die Konfrontation mit Triggern im psychologischen Sinn zu vermeiden.

Man gibt durch die Nutzung der X-Card nicht mehr von sich Preis als man mag
Wenn man nicht preisgeben möchte, dann benutzt man die X-Card nicht.
Wenn man nicht konkret eingrenzen mag was man störend findet so bietet einem die X-Card deutliche Möglichkeiten es so vage wie möglich zu halten.

Das spiegelt sich dadurch wieder das unter anderen in der präsentierten Anekdote unklar ist was genau der Auslöser war und es sich bei Mutmaßungen respektive Spekulationen belässt. Es fehlt mir auch der Einblick wie der skizzierte Intrigant die Information für den niederträchtigen Umgang mit dem X-Card Nutzer einsetzen kann. Zumal hinzukommt das bei einem Versuch die Information auch den nicht-intriganten Spielern zur Verfügung steht und diese entsprechende Manipulationsversuche erkennen und eingreifen können.

In Bezug auf entsprechende Informationen halte ich Tools die sich an tatsächliche Trigger richteten (Lines & Veils, Sitzung 0, Checklisten) für brisanter als die X-Card. Heißt wenn man auf dem Ankreuzzettel einmal rote Punkte bei allen Sachen zum Thema "Sex" setzt gibt das mehr Informationen preis als wenn man jetzt die X-Card zieht weil man gerade keine Interaktion mit einem Hund haben mag.
Sowohl in Bezug auf die schwere als auch auf den Umstand das vielleicht gar kein z.B. Hund vorkommt.

Jede Handlung ist politisch respektive ideologisch
Die bis dahin vorgebrachten Argumente, auf allen Seiten, zeugen von einer Wertvorstellung respektive eine Ideologie.
Man kann sich davon nicht befreien und die X-Card macht das Zusammenspiel nicht mehr oder weniger ideologisch oder politisch.

In Bezug auf Conventions ist es zudem das der Zwang zu einer X-Card damit argumentiert werden kann, dass man Personen welche die Ideologie haben das es gut sei im Rollenspiel Resilienzen durch Konfrontation aufzubauen in der Umsetzung dieser Wertevorstellung einschränken kann.

ich kann mich hier voll anschließen. Ich hatte in mehr als 30 Jahren Rollenspiel 2-3 Situtionen, in denen eine X-Card toll gewesen wäre, wir sie aber noch nicht hatten. Alles in sehr vertrauten Runden. Und deswegen find ich sie gut.
Ich würde aber auch nochmal dafür plädieren, von dieser harten Trauma-Trigger Vorstellung wegzukommen. Es gibt einfach auch andere Situationen, in denen man gerade nicht in eine bestimmte Richtung weiterspielen möchte. Bei mir z.B. ist vor 2,5 jahren einer meiner besten Freunde gestorben. Und da gab es in den Wochen und Monaten danach einige klare "Trigger" wie die Todesart, aber auch völlig unverfängliche, nicht vorhersehbare Themen, die mich dann stark an ihn erinnert haben, z.B. kochen oder fotografieren. Ich bin da nicht Traumamäßig von getriggert worden, aber ich hätte halt heulend am Spieltisch gesessen. Auch nicht so gut für die Rollenspielsession. Da fand ich es immer supergut, zu wissen, ich brauche nur zu tappen oder stop zu sagen, dann biegen wir woanders hin ab, ich drück die Tränen weg und lebe meine Trauer in besseren und sebtsgewählten Momenten aus und hab stattdessen noch einen schönen Rollenspielabend.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: unicum am 30.01.2024 | 10:27
Die Nutzung der X-Card trainiert Resilienz ab

Weil mich das früher mal umgetrieben hat als das Wort "Resilenz" en vouge wurde,...

und vorab - ich bin weder Psyciater noch Psycologe - aber ich habe mich wegen meinen Eltern (Die gerade noch so Kriegsgeneration) mal um dieses Thema gekümmert (Und wenn Krieg (mit all dem was dazu gehört) nicht traumatisiert, was soll sonst traumatisieren?)
https://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz_(Psychologie)

Ich glaube man kann Resilienz nur sehr bedingt "trainieren" also weder im positiven noch im negativen sinne (also auch nicht ab-trainieren). Viel wird da wohl schon in den ersten Lebensjahren passieren und wenn man dann als "alter Sack" am Rollenspieltisch sizt ist eh kaum noch etwas zu machen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Freeport am 30.01.2024 | 10:30
Ja. Aber wie geschrieben erachte ich das im konkreten Fall als Vorteil.
Im Rollenspiel ist es doch im Gegensatz zum Straßenverkehr meistens etwas positives, wenn die Spieler:innen sich trauen?
Tatsächlich geht es dabei nicht um die Betroffenen, sondern um die gesamte Gruppendynamik. Die Helmgeschichte ist eine der bekanntere Fälle, aber Studien zeigen diese Entwicklung in allen Bereichen (Politik, Schulsituationen und ein paar andere sehr sinistre Beispiele, wie Casinos und Scientology-Recruitment - aber das hat nichts mit der X-Card zu tun. ;) ), auch wenn Rollenspiel meines Wissens nach nie gesondert studiert wurde. Aber der Hang ein bisschen weiter zu gehen, wenn es eine institutionalisierte Reißleine gibt, kommt bei so etwas wie der X-Karte klar zum Tragen. Und das ist eben nicht immer eine gute Sache, sondern kann schnell zu einer "Radikalisierung" führen (klingt mal wieder hochdramatisch, der Scope ist hier natürlich sehr klein), die gerade bei sensiblen Themen eben näher an die Grenze schlägt, die zum Triggern führt (oder im kleineren zu einer unangenehmen Situation. Das ganze nennt sich übrigens "Opt-Out-Fallacy".

In der Krisenkommunikation (die unter anderem auch die Kommunikation mit Traumapatienten etc umfasst) wird daher schon seit Jahren davon abgeraten, solche Tools einzusetzen, es wird mehr darauf geachtet eine Vertrauensatmosphäre zu schaffen, als kommunikative Rettungsanker auszulegen.

Das ist natürlich alles sehr allgemein, und wenn man allgemein spricht, lügt man ja eigentlich immer. ;) Wenn es in deiner Gruppe gut funktioniert und alle damit okay sind, prima. Dennoch halte ich es für wichtig zu wissen, was so ein Tool auslöst, auch, wenn es nie genutzt wird. Und ich persönlich halte eine offene, persönliche und emphatische Kommunikation immer für den besten Weg, wenn da alles stimmt, braucht man keine Karten. Das ist natürlich auch keine Weltwahrheit, sondern einfach meine Erfahrung/Meinung. ;)

Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: ghoul am 30.01.2024 | 10:32
Die X-Card um Trauerarbeit zu vermeiden? Ich weiß nicht, ob das funktioniert. Wenn in einer oberflächlich harmlosen Situation jemand die X-Karte antippt, weiß ich nicht, ob die anderen Teilnehmer wissen, worauf sich das bezieht? Kochen? Das Foto? Oder war es die Beschreibung des NSCs? Schwupps hat man eine Diskussion, die die X-Card eigentlich vermeiden will.
Bricht aber jemand im Freundeskreis plötzlich in Tränen aus, dann unterbricht man und kümmert sich um die Person.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: postkarte am 30.01.2024 | 10:33
Ich finde, dass in der ganzen Diskussion hier deutlich wird, dass es sich eben bei der X-Card nicht um ein »safety tool« handelt, sondern um ein »wellness tool«. Tatsächlich halte ich die Bezeichnung »safety« oder »Sicherheit« für maximal anmaßend. Es geht hier nicht um Helme auf der Baustelle, sondern darum, ob man einen schönen Abend verbringt. In dem Sinn bin ich auch voll bei allen diesen Dingen dabei. Aber mir würde es damit viel besser gehen, wenn sich nicht jeder zum Experten für Trigger, Resilienz usw. macht und normales Verhalten (»das macht mir keinen Spaß, wenn da gerade Kinder abgemetzelt werden«) pathologisiert.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Teylen am 30.01.2024 | 10:38
Tauerarbeit findet in der Regel nicht über das Rollenspiel statt. Sage ich jetzt aus Erfahrung damit das ich an diesem Thema arbeite.
Wenn man die X-Card antippt sagt man normalerweise kurz worauf es sich bezieht. Wie erwähnt wird nicht erwartet das andere Gedanken lesen können.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Freeport am 30.01.2024 | 10:41
Ich finde die Einwände von Freeport durchaus wichtig zur Abwägung.
Ich finde aber nicht, dass die "Ursache" dafür, dass es Sicherheitsüberlegungen braucht, abgestellt werden soll.

Man kann doch unmöglich dafür plädieren, dass in keinem Spiel mehr irgendetwas Schlimmes passieren darf?
Man muss also die X-Card durch etwas ersetzen, was ihre Probleme nicht hat, oder mehr auf die Eigenverantwortung der SpielerInnen schieben. Oder?

Natürlich hast du recht, man sollte nicht alles sein lassen, nur in der Angst, dass jemand ein Problem damit haben könnte. Das ist ja das schwierige an der Geschichte, die Übergänge sind fließend und die kausalen Zusammenhänge oft nebulös - denn viele Abenteuer sind ja auch besonders spannend, weil es um Tabuthemen oder emotional heftige Szenen geht - und da liegen die Grenzen bei jedem anders und auch die Coping-Mechanisms sind individuell.
Ich mache mir immer Gedanken vor einem Abenteuer darüber, was die Thematik mit meinen Spielern macht -und auch mit mir (gerade wenn es darum geht, NSCs zu spielen, die üble Sachen tun...). Ich habe da bis dato mit dem offenen Dialog immer Erfolg gehabt und lasse Sachen, bei denen ich ganz persönlich nicht sicher bin lieber weg - es gibt immer andere Wege, eine Story zu spinnen. Und sei es nur, dass ich Placeholder nutze und die Thematik nur anklingen lasse, anstatt die Gruppe voll reinzuwerfen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: aikar am 30.01.2024 | 10:49
Und ich persönlich halte eine offene, persönliche und emphatische Kommunikation immer für den besten Weg, wenn da alles stimmt, braucht man keine Karten.
Und da stimme ich dir zu. In der eigenen Runde, im eigenen Freundeskreis. Aber ich kann und will nicht mit jeder Vereins- oder Con-Runde mit Wildfremden offene Gespräche über ihre Probleme führen und sie wohl auch nicht mit mir.

Ich mache mir immer Gedanken vor einem Abenteuer darüber, was die Thematik mit meinen Spielern macht
Und das ist löblich. Aber man weiß halt nicht immer, was die Thematik mit den Spieler:innen macht. Klar vermeide ich gerade wenn ich mit Fremden spielen Extremthemen wie Gewalt gegen Kinder (gut, das vermeide ich sowieso, weil ich es selber nicht haben will). Aber hier wurde als Beispiel Kochen genannt, weil es an einen kürzlich Verstorbenen erinnert. So was kann man nicht vorhersehen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Freeport am 30.01.2024 | 10:55
Nein, das kann man nicht alles vorhersehen, das ist richtig. Aber egal, wie viele Karten oder andere Safety/Wellness/Kommunikationstools du implementierst, ein Restrisiko bleibt immer - das Beispiel mit dem Kochen würde ich da ehrlich gesagt zu zählen - denn es ist absolut verständlich, wenn der/die Spieler*in sich so fühlt, aber das kann echt keiner kommen sehen.
Es kann immer irgendwo was geben, was eine Person unerwartet mitnimmt. Aber auch dann brauche ich persönlich keine Karte - die Reaktion der Person, die da mit mir an Tisch sitzt hat mir persönlich da immer gereicht. Und bei Fremden gehe ich eh anders vor, ich spiele keine problematischen Inhalte mit Menschen, die ich nicht kenne.
Ich möchte hier aber auch die Selbstverantwortung der Spieler nicht vernachlässigen - ich muss auf einem Con damit rechnen, Abenteuer mit gewissen Inhalten zu erleben. Ich habe selber schon Rollenspielrunden und sogar Cons abgesagt, weil ich mich dem nicht gewachsen gefühlt habe.

Und es geht mir hier nicht um offensichtliche Dinge, wie Kinder abschlachten (wo immer das Beispiel jetzt herkam :D). Jemand, der damit kein Problem hat, hat da das Problem. Es geht um solche Dinge wie - kann ich als SL meine Spieler anschreien, weil ein NSC es tut? Erwähne ich häusliche Gewalt? Wie anatomisch werden meine Beschreibungen von Verletzungen?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Teylen am 30.01.2024 | 11:03
Und es geht mir hier nicht um offensichtliche Dinge, wie Kinder abschlachten (wo immer das Beispiel jetzt herkam :D)
Mich stören Kinder NSC in Vampire schon lange bevor denen irgendwas angetan wird.
Und dank Interview mit einem Vampir, Let the right one In und anderen Werken ist es jetzt nicht so offensichtlich.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Freeport am 30.01.2024 | 11:06
Ah, das macht Sinn. Und kann ich gut verstehen. Insbesondere seit ich selber Vater bin (seit eineinhalb Jahren) bin ich was das Thema angeht auch sehr empfindlich geworden.

Woran sich die Problematik wieder deutlich zeigt - vor drei Jahren hätte ich mit einem Kindervampir glaube ich keine Probleme gehabt, heute nimmt mich das schon mit. Ich würde jetzt keine Sitzung abbrechen, wenn mal einer vorkommt (ich verstehe das Narrativ dahinter), aber wenn es zu heftig wird, würde ich da auch laut geben. Selber Mensch, andere Umstände. Deswegen passt man am Tisch aufeinander auf. :)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Klingenbrecher am 30.01.2024 | 11:07
Wer mich liest weiß das ich vieles aus der aktuellen Szene ablehne. Jedoch ist für mich die X-Karte ein wirklich gutes Werkzeug.

Mit der XCard stoppt das Spiel und alle können ihr Gesicht waren. Einerseits der Edglord der das alles feiert und halt die Schneeflocke die scheinbar das System oder die Handlungen in diesem Spiel falsch eingeschätzt hat. Natürlich sagen jetzt hier User das ihre Abenteuermärchen zensiert oder abgwürgt werden. Jedoch wenn ich nun mal mit unbekannten Personen spiele muss ich damit rechnen das bestimmte Spiele falsch eingeschätzt werden.

Das ist für mich sogar noch eher das Problem als jede Art von Safetytools. Spielerinnen und Spieler in Systemen und Settings die für sie ungeeignet sind. Wer bin ich es den Leuten zu verbieten was sie spielen möchten. Wenn ich jedoch ein Paket auf dem Rücken habe das mir die Anteilnahme an dieser Art von Unterhaltung unmöglich macht. Ja was will ich dann an diesen Tisch oder dieser Gruppe.

Die XCard ziehen weil ich jetzt etwas Mittelpunkt sein möchte? Das wird es geben und ich unterstelle hier auch eine gezielte Nutzung von bestimmten Personenkreisen. Wenn ich eine Sache Verachte dann reallife Elendstouristen. Also Personen die einfach BS quatschen für Aufmerksamkeit. Natürlich muss man hier acht geben was man wie sagt. Wenn Jedoch Person mit halb harte oder feuchte Hose von seinem / ihrem tragischen Zwischenfall berichtet das die gexte Szene völlig in den Schatten stellt werde ich aufmerksam und bitte diese Personen den Tisch aus Gründen zu verlassen.

Aussortieren und Gatekeepen trifft auf meinen Privaten Tisch zu. Kampagnen spiele ich nur mit Freunden und mit neuen Hobbyfreunden erstmal nur Oneshots sowie vereinzelte Abenteuer. Daher habe ich privat nie eine XCard auf den Tisch.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: aikar am 30.01.2024 | 11:14
Und bei Fremden gehe ich eh anders vor, ich spiele keine problematischen Inhalte mit Menschen, die ich nicht kenne.
Ja, halte ich auch so. Du weißt aber tatsächlich nicht, was alles für diese Personen problematische Inhalte sein könnten. Und da kommt die X-Card ins Spiel.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Fillus am 30.01.2024 | 11:15
Es ist ja leider auch nicht immer schwarz/weiß sondern hat viele Abstufungen. Wenn z.B. ein Kindstod zu Story gehört und erwähnt wird, ist es immer noch ganz anders als wenn es ausführlich geschildert wird. Einfach schwer da Grenzen zu erkennen, wobei ich denke die allermeisten haben da eine natürliche Grenze und würden bestimmte Themen nie ausführlich schildern. Aber es gibt Themen die Unwohlsein oder Angst hervorrufen, mit denen man absolut nicht rechnet.

@Fillus etc.:
Denke schon, dass es grundsätzlich Bedarf für einen behutsameren Umgang miteinander und mit schwierigen Themen aller Art gibt. Und einige dieser schwierigen Themen gehören mehr oder weniger zum Kern einiger beliebter Genres (Gewalt, alle möglichen Arten von Monster, Grausamkeiten, Gefangenschaft, Folter etc.)

Ich habe keine Phobien oder so, weiß aber, dass Dinge mich schnell mitnehmen und dass ich die dann nicht mehr "los werde" und tagelang schlechte Gedanken und manchmal Alpträume habe. Braucht kein Mensch. Ist mir auch nicht unangenehm, kann gern jeder wissen, nimmt mir nichts an Männlichkeit, ich komme zurecht. Glaube schon, dass ich ziemlich gefestigt bin und kann auch im "echten Leben" gut mit allen möglichen schwierigen Situationen umgehen. Nur im Spiel muss ich wirklich keinen Stress dieser Art haben.

Bin da ganz bei dir. Das vernünftige (achtsame) Miteinander ist ein Muss. Ich erlebe es auch immer wieder, wie Mitspielende zu wirklich guten Freunden und Freundinnen werden, weil das dann automatisch so kommt.

Auch sind Ängste oder Unwohlsein zu zeigen keine Schwäche oder kratzen an der Männlichkeit. Eher das Gegenteil, denn nur mit dem nötigen Selbstwertgefühl/Selbstbewusstsein gibt man sich wie man ist und alle haben was, dass bei ihnen kein gutes Gefühl hinterlässt.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Zed am 30.01.2024 | 11:21
Ein explodierender Thread - und ich antworte hier in Beitrag #50 noch auf den Eingangspost (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,127461.msg135204109.html#msg135204109)...

Ich denke, die X-Karte lässt sich eher mit einem Feuermelder als mit einem Sicherheitsgurt vergleichen.

Die X-Card ist eine von mehreren Möglichkeiten, die Pausentaste zu drücken.
Zitat
Die X-Card schützt nicht vor Exposition. Denn um sie auslösen zu können, muss man den Trigger am Tisch erleben, bzw. erfahren. Nun kann der Betroffene auf die Karte tippen oder sie hochhalten und die Fortführung des Themas stoppen, aber die Exposition hat dennoch stattgefunden.

Die Exposition eines Triggers im Rollenspiel findet ja nicht unbedingt explosiv sondern eher als Slow-Burner statt: "Ihr seht um Euch herum Krippen und Kinderspielzeug und Fußabdrücke von Erwachsenen, die mit Blut auf dem Boden abgebildet sind, als Ihr Euch weiter dem satanischen Sing-Sang nähert." Da ist die Szene noch nicht explizit, aber für Leute, die gerade nicht mit Kindern als Opfer konfrontiert werden möchten, ist das ein guter Moment, hier schnell einzugreifen. Vielleicht machen sie es verbal, das ist neben dem "Einfach gehen" die einzige Option wie in den guten alten Zeiten, vielleicht zeigen sie als Schnell-Pausenknopf die X-Card. Danach wird sicher irgendwie geklärt, wie die Szene jetzt weitergespielt wird, denn das Zeigen der X-Card verstehe ich als Beginn der Klärung, nicht als Abbruch.

Widersprüchlichkeit: Wer ist hier vom Fach?
Zitat
Zumindest meine Rollenspielsitzungen sind keine Therapiesitzungen. Das meine ich nicht böse, ich kann das einfach nicht leisten, weil ich kein Fachmann bin.
Volle Zustimmung, die wenigsten hier sind erfahren und befugt, Therapien durchzuführen.

Im Widerspruch dazu steht diese nicht-fachliche Einschätzung:

Zitat
Die Nutzung der X-Card trainiert Resilienz ab
Obwohl unser klassisches Unterhaltungsrollenspiel kein psychologisches Werkzeug ist, kann es dennoch nützlich sein um bestimmten Situationen zu begegnen, bzw. den Umgang mit ihnen in einem gewissen Umfang zu trainieren.
Spielst Du auf die Konfrontationstherapie  (https://de.wikipedia.org/wiki/Konfrontationstherapie)an? Wie Du schreibst, ist Rollenspiel aber keine Therapiesitzung, und wir sind keine psychotherapeutischen Fachleute. Es verbleiben als einzig relevante Experten ihres Traumas die Betroffenen selbst. Und wenn sie sich dem Risiko einer Konfrontation aussetzen - was Du ja  im Grunde zum Resilienzaufbau gut findest - und beim Hantieren mit ihrem Trauma feststellen, dass es ihnen doch noch zu weit geht, dann ist die X-Card eine weitere Möglichkeit, das zu kommunizieren. Damit gibt die X-Card eine weitere Hilfestellung, Resilienz aufzubauen, wenn Du mit Deiner These richtig liegst.

Außerdem: Feuermelder und Feuerlöscher haben die Sorglosigkeit im Umgang mit feuergefährlichen Situationen wahrscheinlich nicht erhöht. Gurtpflicht und Airbags hat den Autoverkehr nicht rücksichtsloser werden lassen. Viele mittlerweile öffentlich zugängliche Defibrillatoren lassen die Leute nicht sorgloser mit ihrer Herzgesundheit umgehen.

Kurz: Maßnahmen, die das Risiko eines Crashes verringern sollen, tragen nicht automatisch dazu bei, dass die Leute ihre Resilienz verlieren und sorgloser den Crash suchen.

Mündigkeit und Bevormundung
Zitat
Es muss bei der betroffenen Person eine gewisse Mündigkeit vorliegen. Wenn die Person PTSD hat, dann setzt er sich besser nicht in eine Runde wo viel gekämpft wird. Hat jemand eine Vergewaltigungserfahrung gemacht, dann ist Vampire möglicherweise nichts für diese Person, da es da auch um Kontrollverlust gehen kann. Da hilft auch die beste X-Card nicht, weil sie die anfängliche Exposition nicht verhindern kann.
Vergewaltigungen können auch bei Nicht-Vampire-RPGs auftauchen, ein anderes Spiel als Vampire zu spielen gibt also keine Sicherheit. Du kannst ja nur für Deine eigenen Traumata und Deinem Umgang sprechen, nicht von denen anderer, das wäre Bevormundung. "Anfängliche Exposition" muss außerdem noch nicht belastend sein, aber das "tiefe Eintauchen" vielleicht schon, hier können wir auf den mündigen Umgang der Betroffenen hoffen.

Session Zero bietet keinen ausreichenden Schutz
Wir spielen seit gut 30 Jahren in derselben Runde. Was Mitte der 90er kein Problem darstellte, könnte sich geändert haben. Eine Freundin von mir hat ab Mitte 20 mehrere Schwangerschaften verloren, und das hat sie psychisch fertig gemacht. Wäre sie ein Gruppenmitglied, hätten diese Ereignisse nach unserer Session Zero stattgefunden. Der Freundeskreis hatte zuerst davon nichts mitbekommen, erst als ... ach egal. Ich will sagen, dass Traumata auch nach einer Session Zero entstehen können, und dann "alte Absprachen" nicht mehr gelten.

Sich Angreifbar Machen
Zitat
Durch die Nutzung der X-Card gibt man gefährlich viel von sich preis
Das ist eine unterschätzte aber sehr reale Gefahr, die ich schon am Spieltisch erlebt habe. Vielleicht ist das sogar die größte Gefahr von allen.
In dem von Dir beschriebenen Szenario stimme ich Dir zu. Wobei, wie jemand schon gesagt hat, in Deinem Szenario auch andere Formen des Zeigens, dass hier etwas unangenehm ist, die Gefahr heraufbeschworen hätte. Die X-Card löst nicht das Problem, dass es manipulative Arschlöcher gibt.

"Das Neue" ist nicht automatisch ideologisch
Zitat
Es besteht die Gefahr, dass die Nutzung ideologisch wird
Ähm, nein. Stattdessen besteht die Gefahr, dass die Nicht-Nutzung ideologisch wird ist. Würdest Du Dich heutzutage gegen Gurtpflicht, Airbags, Feuermelder, Feuerlöscher oder öffentlich zugängliche Defibrillatoren aussprechen, dann würdest Du - und wahrscheinlich stimmst Du mir hier zu - als ideologisch gelten.

Weil etwas früher "ja auch ohne" ging, sollte das keinesfalls bedeuten, dass daraus ein "ewiger Standard" abzuleiten ist. Sorry, Brieftauben.

(Edit: Und sorry, u.a. Teylen, meine Argumente sind unter anderem Deinen recht ähnlich (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,127461.msg135204177.html#msg135204177), da parallel geschrieben.)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Freeport am 30.01.2024 | 11:27
Ja, halte ich auch so. Du weißt aber tatsächlich nicht, was alles für diese Personen problematische Inhalte sein könnten. Und da kommt die X-Card ins Spiel.

Ich verstehe das System der Karte, ich habe dieses Tool bis dato einfach noch nie gebraucht. Ich maße mir nicht an, zu wissen, wer sich wie wo fühlt und was jemandem unangenehm ist - das kann ich gar nicht. Aber bis dato (und es sind dann ja schon ein paar Jahre) habe ich es immer hinbekommen, mit meinem Spieler zu reden oder Dinge abzufangen, bevor jemand eine Karte oder etwas anderes gebraucht hat. Aber wie gesagt ich disse das System nicht, ich würde mich auch nicht an einer X-Karte auf einem Con Tisch stören. Ich ganz persönlich habe sie nie ausgelegt und werde es denke ich auch weiterhin nicht tun. Und zwar, weil ich für mich ganz persönlich weiß, dass die Opt-Out-Fallacy bei mir durchaus greift. Ich neige ab und an dazu, weniger vor- und umsichtig zu sein, wenn ich weiß, dass es ein Netz gibt. Ist keine gute Eigenschaft von mir, aber deswegen fordere ich mich da heraus, es immer besser zu machen, ob mit Safety oder ohne.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: tartex am 30.01.2024 | 11:37
Grundsätzlich muss ich aber sagen das ich in meinen Runden und auch Conrunden mittlerweile keine X-Card mehr auf dem Tisch habe.

Warum?

Weil es auf dem Tisch ohnehin zu wenig Platz gibt.

Habe noch nie mitgekriegt, dass die X-Card eine echte Karte ist. Dachte, "X-Card" wäre einfach was, was man ausspricht. Zumindest wird das in allein Online-Video-Runden, die ich kenne so gehandhabt.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Outsider am 30.01.2024 | 11:40
Habe noch nie mitgekriegt, dass die X-Card eine echte Karte ist. Dachte, "X-Card" wäre einfach was, was man ausspricht. Zumindest wird das in allein Online-Video-Runden, die ich kenne so gehandhabt.

Ich denke das beschriebene ist die Goldrandlösung, der physische Rettungsanker der wie der "rote Warnblinker-Knopf" für alle sichtbar immer da ist. Damit man immer daran erinnert wird es gibt einen Weg raus den man selbst in emotional, psychisch belastenden Situationen nicht vergisst.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: JollyOrc am 30.01.2024 | 11:57
Karte ist eh ein großes Wort. In der einfachsten Form ist das ja wirklich nur ein gefaltetes Stück Notizpapier wo man mit dem Stift kurz ein "X" draufmalt.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Teylen am 30.01.2024 | 11:58
Habe noch nie mitgekriegt, dass die X-Card eine echte Karte ist. Dachte, "X-Card" wäre einfach was, was man ausspricht. Zumindest wird das in allein Online-Video-Runden, die ich kenne so gehandhabt.
Ich hatte bisher immer kleine X-Karten gemalt.
Also für meine Vampire Con-Runden.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Wobei ich überlege was haptischeres zu machen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Outsider am 30.01.2024 | 12:05
Karte ist eh ein großes Wort. In der einfachsten Form ist das ja wirklich nur ein gefaltetes Stück Notizpapier wo man mit dem Stift kurz ein "X" draufmalt.

Ich warte noch auf den "Make 100 X-Cards" KS  ~;D
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Horsinand am 30.01.2024 | 12:06
Ich benutze als Spielleiter einen gesunden Menschenverstand und Empathie.

Außerdem frage ich mich, warum gerade in der Rollenspielszene alles mit Sensibilität „abgesichert“ wird. Liegt das daran, dass es Freizeit ist und man mit Gleichgesinnten eine schöne Zeit verbringen will? Dann würde ich nur mit Leuten spielen, deren Hintergrund ich kenne und die mir sympathisch sind.

Falls mal jemand wirklich realweltlich heftig getriggered wird (habe ich in vielen Jahren nur einmal mit einem Neuling erlebt, der mich hinterher angesprochen hat), dann kann man das mE in der Situation lösen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Zed am 30.01.2024 | 12:10
Ich benutze als Spielleiter einen gesunden Menschenverstand und Empathie.
Ich denke, das tun wir alle. Zu wieviel % bist Du Dir sicher, dass Du unter Einsatz von Empathie und Menschenverstand mit jeder Gruppe unnötiges Vertiefen von Triggern verhinderst?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Horsinand am 30.01.2024 | 12:14
Ich bin mir zu 99% sicher, dass ich mir bekannte Spieler nicht realweltlich in einem Maße triggern werde, die ihnen das Spiel madig machen. Wenn das passiert, bin ich mir zu 100% sicher, dass wir das ad hoc geklärt bekommen.

Mit Fremden verschieben sich diese Prozentsätze. Daher spiele ich nicht mit Fremden, weil ich spielen möchte - und nichts anderes.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Outsider am 30.01.2024 | 12:15
Außerdem frage ich mich, warum gerade in der Rollenspielszene alles mit Sensibilität „abgesichert“ wird. Liegt das daran, dass es Freizeit ist und man mit Gleichgesinnten eine schöne Zeit verbringen will? Dann würde ich nur mit Leuten spielen, deren Hintergrund ich kenne und die mir sympathisch sind.

Es ist gerade "In" würde ich sagen. Es passt zu dieser jeder passt auf das er dem anderen nicht zu nahe kommt / tritt Mentalität die einfach nur eine Steigerung erfahren hat.

Man kann die X-Card ja auch als schlichtes Alibi dafür nehmen als SL eben nicht mehr hinzuschauen. Meine moralische Pflicht habe ich getan, wer will kann die opt-out Funktion nutzen. Will ich wissen warum, nee ich will mich nur absichern es nicht vergessen zu haben.

Da hier viele Analogien genutzt werden, gesunder Menschenverstand und Empathie sind wie der Sicherheitsgurt, Airbag und die Knautschzone beim Auto. Manche möchten aber im Auto noch gerne einen Helm tragen. Das ist dann die X-Card.

Können sie machen, es gibt Umgebungen aka Rally wo es Sinn macht nicht nur Helm sondern auch noch einen Überrollbügel zu haben, aber für die große Masse sollten die von dir angesprochenen Wert reichen. 

Und evt. ist es das was manche an der X-Card triggert *hüstel* dass sie der Helm im Auto ist.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: tartex am 30.01.2024 | 12:19
Wobei ich überlege was haptischeres zu machen.

Ich könnte meine alte X-Box auf den Tisch stellen.  ~;D

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Outsider am 30.01.2024 | 12:20
Ich könnte meine alte X-Box auf den Tisch stellen.  ~;D

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Nur als vorweggenommene Nostalgie :D

 :dftt:
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 30.01.2024 | 12:26
Außerdem frage ich mich, warum gerade in der Rollenspielszene alles mit Sensibilität „abgesichert“ wird. Liegt das daran, dass es Freizeit ist und man mit Gleichgesinnten eine schöne Zeit verbringen will? Dann würde ich nur mit Leuten spielen, deren Hintergrund ich kenne und die mir sympathisch sind.

An der Diskussion hier kann man ja sehen, dass das nicht Konsens ist. Und dass auch die Leute, die meinen, auf das Wohlergehen ihrer Mitspieler zu achten, recht unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was das bedeutet.

Z.B. "Eigenverantwortung" finde ich in diesem Kontext ziemlich unangemessen. Mir scheint es so, dass ich in jeder kommunikativen Situation eine erhebliche Verantwortung für mein Gegenüber übernehme. Andere sehen das wohl anders.

Insgesamt sind Rollenspieler wohl eine recht reflektierte Gemeinschaft und die Zusammensetzung ist eine andere als z.B. in Vereinen für Boxen, Kegeln, oder Fussball. Das spielt sicher eine Rolle. Und ich finde das ziemlich angenehm. Wir sind zwar nerdig und teilweise seltsam, aber wenig konsequent unangenehme Leute dabei.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Outsider am 30.01.2024 | 12:29
Und ich finde das ziemlich angenehm. Wir sind zwar nerdig und teilweise seltsam, aber wenig konsequent unangenehme Leute dabei.

Das liegt aber möglicherweise auch nur an der individuellen Verknüpfung von persönlichen Vorlieben und an der Definition von "unangenehme" würde ich sagen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Alter Weißer Pottwal am 30.01.2024 | 12:32
In einer Gruppe mit erwachsenen und gestandenen Menschen hat jeder für sich selbst die Verantwortung zu tragen. Da sehe ich den SL nicht besonders in der Pflicht. Wenn jemand mit bestimmten Themen Probleme hat, dann sollte er das ansprechen. Da setze ich auf die Eigenverantwortung der Mitspieler.

Wenn ich für Kinder und Jugendliche leite, dann ist das anders. Da meide ich diverse Themen einfach komplett und gehe keine Risiken ein.

Daher hat die X-Card für mich keinen Sinn, ich halte sie aber auch nicht für schädlich.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 30.01.2024 | 12:36
Das liegt aber möglicherweise auch nur an der individuellen Verknüpfung von persönlichen Vorlieben und an der Definition von "unangenehme" würde ich sagen.

Mir war mehr oder weniger klar, dass es da Einwände gibt. Wäre sonst nicht das Tanelorn  ~;D

Ja klar hat es was damit zu tun. Aber ich würde schon sagen, dass die Rollenspielszene eine Insel der Seeligen ist, was viele unangenehme Verhaltensweisen angeht. Ich würde schon sagen, dass der Umgang miteinander ganz OK ist.
Gewiss fühlen sich auch viele andere Leute in ihren jeweiligen Biotopen sehr wohl. Ich finde das zwar ein wenig gruselig, nehme das aber durchaus interessiert zur Kenntnis.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Klingenbrecher am 30.01.2024 | 12:41
Das liegt aber möglicherweise auch nur an der individuellen Verknüpfung von persönlichen Vorlieben und an der Definition von "unangenehme" würde ich sagen.


Unser Hobby ist recht voll mit unangenehmen Personen.
Pädophile, Mörderhobos, Edgelords, Besserwisser, Regelreiter, Toxische Persönlichkeiten, Aktivisten (links rechts)/ Rekrutierung für links/rechts, Männerhasserinnen, Frauenhasser, Personen mit Sexuellengewaltphantasien, übergriffige und stalkene Personen. Das könnte ich jetzt noch weiter füllen aber das dürfte reichen um die Spitze unsere Probleme zu nennen. Mit Taucheranzug und Batman Anti-Haispray kannst du noch tiefer tauchen. Das geht bis Harrasment unter Verlagen und Autoren.


Daher ist für mich die XCard fürs erste eine zarte Absicherung im Spiel mit neuen Personen am Tisch sowie Cons. Was noch keine Erwähnung gefunden hat. DieXCard bringt ja nicht nur den SL zum Schweigen. Es ist auch ein aktives Werkzeug damit Spieler andere Spieler bremsen wenn der SLmal trantütig ist und seinen Job als Richter am Tisch verpennt.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Outsider am 30.01.2024 | 12:46
Mir war mehr oder weniger klar, dass es da Einwände gibt. Wäre sonst nicht das Tanelorn  ~;D

Ja klar hat es was damit zu tun. Aber ich würde schon sagen, dass die Rollenspielszene eine Insel der Seeligen ist, was viele unangenehme Verhaltensweisen angeht. Ich würde schon sagen, dass der Umgang miteinander ganz OK ist.
Gewiss fühlen sich auch viele andere Leute in ihren jeweiligen Biotopen sehr wohl. Ich finde das zwar ein wenig gruselig, nehme das aber durchaus interessiert zur Kenntnis.

Naja, also wie hier manche Themen eskalieren und Karten rausgehauen werden (keine Kritik an den Raushauern sondern an den Empfängern :D ) wage ich zu bezweifeln das Rollenspieler überdurchschnittlich selbstreflektiert sind.

Aber das wird hier zu OT, zu generell und zu unspezifisch daher werde ich darauf nicht weiter eingehen. 
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Horsinand am 30.01.2024 | 12:46
Ich finde nicht, dass die Rollenspielszene eine Insel der Glückseligen ist. Das schweift thematisch etwas ab, aber ich möchte z.B. nicht verpflichtet werden, mit x-card zu leiten, wenn ich das nicht will. Wenn die Konsequenz dann ist, dass ich dann nicht leiten darf, dann bleibt die Blase/Insel natürlich glücklich . . .

Außerdem: Unangenehme Menschen können leiten, ohne dass irgendjemand getriggered wird. Angenehme Menschen können leiten, Atmosphäre ingame schaffen wollen und plötzlich jemanden ganz unbeabsichtigt triggern. Das sollte man mal auseinanderhalten.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Zed am 30.01.2024 | 12:46
Ich bin mir zu 99% sicher, dass ich mir bekannte Spieler nicht realweltlich in einem Maße triggern werde, die ihnen das Spiel madig machen. Wenn das passiert, bin ich mir zu 100% sicher, dass wir das ad hoc geklärt bekommen.

Mit Fremden verschieben sich diese Prozentsätze. Daher spiele ich nicht mit Fremden, weil ich spielen möchte - und nichts anderes.
Das deckt sich mit meinem Gefühl: Ich spiele mit meiner alten Truppe seit fast 30 Jahren. Da bin ich mir auch zu 99% sicher.

Mit einer mir fremden Truppe wäre auch meine %-Sicherheit geringer, so dass ich Session Zero und X-Card einsetzen würde.

Dann ist nicht die X-Card an sich für Dich unnötig (oder wie beim TE vielleicht sogar problematisch?), sondern schlicht bei Deiner Dir vertrauten Gruppe unnötig? Und bei fremden Gruppen hältst Du ihren Sinn für nachvollziehbar?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: DonJohnny am 30.01.2024 | 12:56
Ich könnte mir vorstellen, dass die Spielleiter die sie benutzen, sie gar nicht unbedingt bräuchten, weil solche Spielleiter überdurchschnittlich viel Wert drauf legen, dass es ihren Mitspielern "gut geht" und "nichts passiert". Wer so eine Grundeinstellung hat, dem traue ich zu, von vornherein sensibel für die Belange des Einzelnen zu sein.

Und wer sie bräuchte, dem traue ich wiederum zu, sie missbräuchlich zu verwenden, sich also drauf auszuruhen oder irgendwelchen kranken Mist zum Thema in der Spielrunde zu machen, weil, es gibt ja die X-Card.

Ich persönlich benutze so etwas nicht in meinen Spielrunden. Ich traue mir zu im Falle eines Falles zu erkennen, dass es ein Problem gibt oder dass die Spieler sich von selbst melden. Falls jetzt ein sehr empfindsamer Spieler in meiner Runde wäre und ich merke vorab, dass ich da in Probleme reinschlittern würde, wäre das aber gegebenenfalls ein Hilfsmittel, das ich vorschlagen würde. Vor allem in dem Fall sollte ich das Gefühl bekommen, dass dem betreffenden Spieler die verbale Variante nicht ausreichen sollte oder es ihm andersweitig helfen würde. Und wenn ein Spieler ohne Gründe zu nennen so etwas am Tisch haben wollen würde, würde ich mich demgegenüber nicht verschließen.

Würde mir ein Spielleiter vor dem Spiel Listen mit möglichen Triggern und No-Gos hinknallen, würde ich das als übergriffig empfinden und mich weigern so etwas auszufüllen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 30.01.2024 | 12:59
Ich könnte mir vorstellen, dass die Spielleiter die sie benutzen, sie gar nicht unbedingt bräuchten, weil solche Spielleiter überdurchschnittlich viel Wert drauf legen, dass es ihren Mitspielern "gut geht" und "nichts passiert". Wer so eine Grundeinstellung hat, dem traue ich zu, von vornherein sensibel für die Belange des Einzelnen zu sein.

Und wer sie bräuchte, dem traue ich wiederum zu, sie missbräuchlich zu verwenden, sich also drauf auszuruhen oder irgendwelchen kranken Mist zum Thema in der Spielrunde zu machen, weil, es gibt ja die X-Card.

Das ist auch mein Eindruck.
Es läuft vieles darauf hinaus, dass es hilfreich ist, mit Leuten zu spielen, denen man ein halbwegs zu den eigenen Vorstellungen passendes Sozialverhalten zutraut.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Freeport am 30.01.2024 | 13:05
Ich denke ob mit oder ohne Karte, der vernünftige Umgang von allen mit allen ist die Grundlage. Ist ein **** dabei, der andere triggert oder angeht, dann tut er das, Karte oder nicht. Haben alle ihre 5-10 Sinne zusammen ist es letzen Endes ein Klärung der Formalitäten. Für mich gilt bei so etwas immer die Regel des angenehmen Konsens. Möchte ein Mensch gern eine Karte, der Rest hat kein Problem damit - gibt's ne Karte. Wollen einige die Karte nicht und die, die sonst mit Karte spielen sind damit einverstanden, dann eben ohne. Und wenn schon vor Beginn der Runde Diskussionen, weil ein Mensch die Karte unbedingt will und ein anderer sich weigert, dann ist der angenehme Konsens für mich meist eher ein Bierchen fernab des Tisches, denn wenn man sich schon über solche Sachen nicht einig wird, dann weiß ich, wie der Rest der Runde laufen wird.

Letzteres habe ich tatsächlich schon gemacht (ein absoluter Powergamer am Tisch, ich kann das nicht haben, alle anderen fanden es okay, dann habe ich mich aus der Gleichung entfernt und allen ganz ehrlich viel Spaß gewünscht).
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: JollyOrc am 30.01.2024 | 13:06
Würde mir ein Spielleiter vor dem Spiel Listen mit möglichen Triggern und No-Gos hinknallen, würde ich das als übergriffig empfinden und mich weigern so etwas auszufüllen.

Ich, als Verfechter von X-Card und Sicherheitstools, würde das auch so empfinden.

Will sagen: So passiert das doch gar nicht. Das ganze Prozedere dauert in der Regel deutlich unter einer Minute: "Dieses Spiel haut nicht nur Monster im Dungeon tot, es können auch andere Themen vorkommen. Daher biete ich Euch an, dass Ihr Themen ausklammert oder ausblenden könnt. Und wenn Ihr wollt, können wir auch diese X-Card verwenden, die nehmt Ihr hoch, wenn Ihr von etwas unangenehm außerhalb des Spiels berührt werdet, und dann überspringen wir das."

Ist das wirklich, und ich wieder hole die Frage aus einem früherem Post in diesem Thread, "gefährlich"? Oder einfach nur etwas, was Ihr für Eure Bedürfnisse in Eurem Spiel nicht unbedingt braucht?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Freeport am 30.01.2024 | 13:12
Ich denke nicht, dass es gefährlich ist - an sich. Aber sowohl der Missbrauch, als auch der Nicht-Gebrauch von "Stop"-Mechanismen kann einem schon den Tag versauen. Es wird wahrscheinlich (fast) nie lebensgefährlich oder so, aber auch ein/e weinende/r Mitspieler*in ist ja nicht schön.

Wie gesagt - Scope beachten (wir reden hier nicht über eine psychotherapeutische Maßnahme) und vernünftig und offen an die Frage "Karte ja oder nein" rangehen, dann ist die Sache im Vorfeld in 10 Sekunden erledigt und keiner muss sich mehr drüber sorgen. :)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: DonJohnny am 30.01.2024 | 13:15
Will sagen: So passiert das doch gar nicht.

Ich hab keine große Erfahrung damit als Spieler, weil ich eigentlich auch nie spiele sondern nur leite und so Sachen bei uns im Verein überhaupt keine Verbreitung habe. Ich habe nur mal solche Listen im Netz gesehen (war handwerklich schon eher gut gemacht) und da hab ich mir gedacht: Niemals würde ich so etwas ausfüllen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: unicum am 30.01.2024 | 13:19
Habe noch nie mitgekriegt, dass die X-Card eine echte Karte ist. Dachte, "X-Card" wäre einfach was, was man ausspricht. Zumindest wird das in allein Online-Video-Runden, die ich kenne so gehandhabt.

Ich hab tatsächlich 2 Stück irgendwo die gab es beim Gratisrollenspieltag - und waren am Ende mit das einzige was noch übrig war von dem Paket.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: nobody@home am 30.01.2024 | 13:21
Ist das wirklich, und ich wieder hole die Frage aus einem früherem Post in diesem Thread, "gefährlich"? Oder einfach nur etwas, was Ihr für Eure Bedürfnisse in Eurem Spiel nicht unbedingt braucht?

Aus meiner Sicht ist es primär einfach ein "Da macht jemand im Internet etwas anders, und das muß ja falsch sein!!!"-Thema für Leute, die sonst gerade keine Probleme haben. Wer sich dadurch getriggert fühlt: bitte einfach melden. ;)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Freeport am 30.01.2024 | 13:23
Ich hab keine große Erfahrung damit als Spieler, weil ich eigentlich auch nie spiele sondern nur leite und so Sachen bei uns im Verein überhaupt keine Verbreitung habe. Ich habe nur mal solche Listen im Netz gesehen (war handwerklich schon eher gut gemacht) und da hab ich mir gedacht: Niemals würde ich so etwas ausfüllen.

Ich persönlich im Normalfall auch nicht.

Aber auch das ist Konsens - bittet z.B. ein/e SL ohne viel Erfahrung darum in einer Gruppe, die er/sie nicht gut kennt, weil er/sie Sorge hat jemanden zu verletzen - ich würde mich nicht kategorisch dagegen stellen. Wahrscheinlich würde ich wenig ankreuzen, aber wenn er/sie sich damit besser fühlt und positiver ins Leiten geht - bringt mich ja nicht um. Again - heed the scope of the situation. Wird ja niemand eingewiesen, weil er etwas möchte oder nicht möchte. :)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: DonJohnny am 30.01.2024 | 13:24
Da macht jemand im Internet etwas anders,

Was ist "anders"? Die Nutzung oder die Nichtnutzung?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Issi am 30.01.2024 | 13:27
Naja so ein Schriftstück auszufüllen, in dem vorab die persönlichen roten Linien geklärt werden müssen, erinnert schon ein bisschen an "Fifty Shades of Grey."
 ~;D
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Megavolt am 30.01.2024 | 13:29
Wie ist denn das korrekte Vorgehen, wenn jemand von der X-Card getriggert ist, es sich aber nicht zu sagen traut?

Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 30.01.2024 | 13:29
Wie ist denn das korrekte Vorgehen, wenn jemand von der X-Card getriggert ist, es sich aber nicht zu sagen traut?

Ist das Ironie, oder meinst Du das ernst?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Megavolt am 30.01.2024 | 13:32
Ist das Ironie, oder meinst Du das ernst?

Ist das Gatekeeping oder willst du nur die Frage nicht beantworten?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Freeport am 30.01.2024 | 13:34
Wie ist denn das korrekte Vorgehen, wenn jemand von der X-Card getriggert ist, es sich aber nicht zu sagen traut?

Ja gut, wenn du nix sagst wird auch - Überraschung - wahrscheinlich nichts passieren. Weder in die eine, noch die andere Richtung.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 30.01.2024 | 13:36
Das Problem mit der X-Card ist doch, dass sie bedingungslos als Trumpf-Karte angelegt ist um beliebige Inhalte aus dem Spiel zu entfernen und damit keinerlei Abwägung beinhaltet ist.

Eine "Mit dem SL vor die Tür"-Karte hätte denke ich effektiv denselben Schutzeffekt, würde aber einen Haufen anderer Bedenken bedienen:
- Missbrauchsanfälligkeit
- Unklarheiten zum Reizthema
- Outen müssen (die Karte kann ja auch für andere Zwecke wie Spielergeheimnisse benutzt werden)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Freeport am 30.01.2024 | 13:38
Naja so ein Schriftstück auszufüllen, in dem vorab die persönlichen roten Linien geklärt werden müssen, erinnert schon ein bisschen an "Fifty Shades of Grey."
 ~;D

Again - Konsens. Mich würde es nicht stören, ich muss es aber auch nicht machen. Hätte ich das Gefühl, der/die will das ausnutzen, spiel ich nicht mit. Sperrt mich ja aber wahrscheinlich niemand im Anschluss in den Folterkeller.
Willst du es nicht machen, sagst du es und es gibt einen anderen Konsens, oder spielst du in der Runde nicht mit.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 30.01.2024 | 13:38
Ist das Gatekeeping oder willst du nur die Frage nicht beantworten?

 ~;D
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: nobody@home am 30.01.2024 | 13:40
Was ist "anders"? Die Nutzung oder die Nichtnutzung?

Ich könnte hier jetzt hinschreiben, daß sich das jeder selbst aussuchen darf ;)...aber in diesem Fall ging's mir schon um die Nutzung, denn die ist ja recht offensichtlich für die meisten hier das "Andere" und aus welchem Grund auch immer als bedrohlich Empfundene.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Megavolt am 30.01.2024 | 13:40
Naja so ein Schriftstück auszufüllen, in dem vorab die persönlichen roten Linien geklärt werden müssen, erinnert schon ein bisschen an "Fifty Shades of Grey."
 ~;D

Ich habe schon erlebt, dass vor einer Con-Runde solche Listen ausgefüllt werden mussten (so Ankreuzlisten waren es, sehr lang).

Aber es war ein (empfundener) Einzelfall, ich habe das dann anderswo so nicht mehr erlebt.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: unicum am 30.01.2024 | 13:57
Naja so ein Schriftstück auszufüllen, in dem vorab die persönlichen roten Linien geklärt werden müssen, erinnert schon ein bisschen an "Fifty Shades of Grey."
 ~;D

Edith:
Auf besonderen Wunsch eines Einzelnen hier in einer anderen Form:

Aus einer Quelle die sich damit besser auskennt als ich, ist das Buch und der Film ziemlich abseitz der gelebten Realität, zumindest von dieser Quelle und deren umgebung um dieses Thema.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: unicum am 30.01.2024 | 14:01
Wie ist denn das korrekte Vorgehen, wenn jemand von der X-Card getriggert ist, es sich aber nicht zu sagen traut?

Also ich trau mich schon zu sagen das mich so ein großes X ziemlich Triggert. Echt jezt! Werbung für X, formals Twitter für einen der reichsten Egomanen der Welt! Ne brauch ich wirklich nicht am Tisch!

Enthält Spuren von,... :Ironie: ... aber auch ein kleinen Krümel Warheit.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: DonJohnny am 30.01.2024 | 14:08
Ich könnte hier jetzt hinschreiben, daß sich das jeder selbst aussuchen darf ;)...aber in diesem Fall ging's mir schon um die Nutzung, denn die ist ja recht offensichtlich für die meisten hier das "Andere" und aus welchem Grund auch immer als bedrohlich Empfundene.

In dem Fall, fühl ich mich da tatsächlich manchmal etwas getriggert. Und zwar dann, wenn stark ausgeführt wird, dass das superwichtig sei, wenn einem das Wohl seiner Spieler nicht völlig egal ist. Das impliziert dann bei mir schon einiges, nämlich, dass wenn ich das nicht mache, ein schlechter Spielleiter sei (womit ich noch leben könnte) und obendrein noch ein schlechter Mensch. Wenn jemand diese Tools vorstellt als "es gibt hier Tools, meinen Spielern bringt das was, vielleicht könnte das für euch auch nützlich sein", hab ich damit kein Problem.

Der erste Fall hat bei mir leider eine gewisse Grundaufregung gegenüber dem Thema geschaffen aus der ich mich jedes mal kurz wieder aktiv rausbewegen muss, wenn ich wieder damit zu tun habe.

So wie JollyOrc das in diesem Thread (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,127459.0.html) im ersten Post vorstellt, find ich das z.B. voll ok.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Zed am 30.01.2024 | 14:11
Das Problem mit der X-Card ist doch, dass sie bedingungslos als Trumpf-Karte angelegt ist um beliebige Inhalte aus dem Spiel zu entfernen und damit keinerlei Abwägung beinhaltet ist.
Das halte ich für im höchsten Maße missinterpretiert (5 Missinterpretationen fett hervorgehoben)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Klingenbrecher am 30.01.2024 | 14:14
Naja ich kenne eine die dort "unterwegs" ist (und nein nicht mit mir, sie steht auf Frauen) und bei ihr in der Community gilt das Buch (und film) als so ziemliche Lachplatte und abseitz von der gelebten realität.
Das ist übrigens rausgekommen nach einer Diskussion mit Ihr über Rollenspiele (hüstel) also unsere P&P Rollenspiele, was denkt ihr denn wieder?

Da ich mich selbst in dieser Szene über Jahre bewegt habe sind die Aussagen der Dame legetim. Jedoch die in klammern getätigt Aussagen Schrecken mich ab. Sehr geschwätzig für eine so verschlossene Gemeinschaft.

Oder sie hat sich dir anvertraut und du pustet das hier raus. Das wäre noch widerlicher. Am besten nennst du gleich Namen und Clubs. Sorry hier ist meine XCard
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 30.01.2024 | 14:25
Was ich interessant fände (vielleicht ist das eine andere Diskussion?): Was ist denn der angemessene Moment, bzw. ein (für euch) ausreichender Grund für eine Spielunterbrechung oder Themeneinschränkung?

Ich finde die gebrachten Beispiele mit weinenden Mitspielern, Leuten, die weinend zusammenbrechen, Trauma etc. schon ziemlich hart und vermute, dass so etwas nur sehr, sehr selten passiert. Zumindest, sofern man es nicht gerade darauf anlegt. Nur in Ausnahmefällen würde ich mir Sorgen machen, dass es dazu kommt.
Ich mache mir aber viel früher Sorgen. Für mich fängt die Veto-Grenze sehr viel früher an und ich würde meinen, dass schon viel kleinere Unwohlgefühle und leichtere Stress- und Angstreaktionen ein guter Grund sind, nicht wie bisher weiterzumachen.

Da ich mich selbst in dieser Szene über Jahre bewegt habe sind die Aussagen der Dame legetim. Jedoch die in klammern getätigt Aussagen Schrecken mich ab. Sehr geschwätzig für eine so verschlossene Gemeinschaft.

Oder sie hat sich dir anvertraut und du pustet das hier raus. Das wäre noch widerlicher. Am besten nennst du gleich Namen und Clubs. Sorry hier ist meine XCard

Da steht doch nichts drin, was man irgendwie verwenden könnte. Denke, die Aufregung ist ein wenig unnötig.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Klingenbrecher am 30.01.2024 | 14:27
Da steht doch nichts drin, was man irgendwie verwenden könnte. Denke, die Aufregung ist ein wenig unnötig.

Du hast PM

Sorry

 :btt:
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Alter Weißer Pottwal am 30.01.2024 | 14:29
Da ich mich selbst in dieser Szene über Jahre bewegt habe sind die Aussagen der Dame legetim. Jedoch die in klammern getätigt Aussagen Schrecken mich ab. Sehr geschwätzig für eine so verschlossene Gemeinschaft.

Oder sie hat sich dir anvertraut und du pustet das hier raus. Das wäre noch widerlicher. Am besten nennst du gleich Namen und Clubs. Sorry hier ist meine XCard

Für alle, die nicht verstehen worum es geht: Sie meinen eindeutig DSA ~;D ~;D
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Klingenbrecher am 30.01.2024 | 14:36
Für alle, die nicht verstehen worum es geht. Sie meinen eindeutig DSA ~;D ~;D


Ja, was den sonst. In keinem RPG glüht die XCard so auf wie hier.  ~;D
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Outsider am 30.01.2024 | 14:38

Ja, was den sonst. In keinem RPG glüht die XCard so auf wie hier.  ~;D

Wege der Vereinigung war ja ein Versuch das alles etwas zugänglicher zu machen...für Außenstehende.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: unicum am 30.01.2024 | 14:44
Da ich mich selbst in dieser Szene über Jahre bewegt habe sind die Aussagen der Dame legetim. Jedoch die in klammern getätigt Aussagen Schrecken mich ab. Sehr geschwätzig für eine so verschlossene Gemeinschaft.

Oder sie hat sich dir anvertraut und du pustet das hier raus. Das wäre noch widerlicher. Am besten nennst du gleich Namen und Clubs. Sorry hier ist meine XCard

Die gebe ich dir gleich mal zurück als PN.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Boba Fett am 30.01.2024 | 15:10
Das Problem mit der X-Card ist doch, dass sie bedingungslos als Trumpf-Karte angelegt ist um beliebige Inhalte aus dem Spiel zu entfernen und damit keinerlei Abwägung beinhaltet ist.

Wenn Du das als Problem wahrnimmst, dann existiert doch ein grundlegendes Problem in dieser (fiktiven) Runde - nämlich, dass da willkürlich die Spielinhalte diktiert werden ohne auf Konsens zu setzen.
Das ist doch kein Exit Karten Problem, sondern ein Problem von Rücksichtslosigkeit und Egoismus. Nimm die Exit Karte raus aus einer solchen Runde - glaubst Du ernsthaft, die befürchteten Probleme wären dann plötzlich weg? Dann wird ein anderes Werkzeug genommen, um seine Vorstellungen über legitime Inhalte durchzusetzen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: unicum am 30.01.2024 | 15:50
Ich stelle mir eh die Frage wie oft sie (X-Card) benuzt werden. Vieleicht ist in meiner Blase der Rollenspielenden die Resilenz so hoch, die Triggerpunkte so gering und die Spielleitung so einfühlsam/vorrausschauend das es einfach nie zu irgendwas triggerndem kommt?

Ich hab auch tatsächlich einmal an einem Abend etwas bespielt wo ich dachte das es eher zu Triggern kommt, hatte das angekündigt und wer mochte hätte mir auch anonym eine Nachricht zukommen lassen das er/sie es nicht mag abzublasen - bei schon einer Meldung hätte ich das auch gemacht, aber es kam nichts und so haben wir den Abend auch ausgespielt und viel Spass. (auch wenn sich einige sehr versteckt hielten an dem Abend) und ja ich hatte danach auch nachgefragt wie "schlimm" es war und es kam nur positives feedback zurück.

Also wie oft werden denn diese "in-game" Sachen wie die X-Card wirklich genuzt?

Ich meine ich lege recht viel wert darauf bei meiner Spielersuche schon klar zu machen was ich als SL leiten werde und würde etwas wenn ich etwas D&D im Underdark mit Loth etwa jemand mit bekannter Arachnophobie nicht in den Spielerfundus aufnehmen. Auch so schreib ich erstmal einen Teaser (Wie auch auf Cons) die imho schon anzeigen wie die Sache laufen soll.

Und danach eigentlich erst die Session 0 mit Feinabstimmung.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Jiba am 30.01.2024 | 16:03
Zitat
Ich stelle mir eh die Frage wie oft sie (X-Card) benuzt werden. Vieleicht ist in meiner Blase der Rollenspielenden die Resilenz so hoch, die Triggerpunkte so gering und die Spielleitung so einfühlsam/vorrausschauend das es einfach nie zu irgendwas triggerndem kommt?

Können wir bitte, bitte, BITTE aufhören einen Begriff aus der Psychologie, den wir im Durchschnitt hier im Thread nur halb verstehen, dafür zu verwenden, zu beschreiben, ob Leute bei Kannibalismus oder Clowns oder Spinnen, die sie sich im Kopf vorstellen, bei einem Spiel am Tisch zusammenzucken.

(Ja, ich X-karte den Begriff jetzt quasi!)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Megavolt am 30.01.2024 | 16:08
Ich stelle mir eh die Frage wie oft sie (X-Card) benuzt werden. Vieleicht ist in meiner Blase der Rollenspielenden die Resilenz so hoch, die Triggerpunkte so gering und die Spielleitung so einfühlsam/vorrausschauend das es einfach nie zu irgendwas triggerndem kommt?

Weitere technische Frage: Was ist denn eigentlich mit dem Spielleiter? Kann der die Karte auch einsetzen oder wird davon ausgegangen, dass der Spielleiter-Job z.B. eine ausreichende Resilienz voraussetzt?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 30.01.2024 | 16:12
Wenn Du das als Problem wahrnimmst, dann existiert doch ein grundlegendes Problem in dieser (fiktiven) Runde - nämlich, dass da willkürlich die Spielinhalte diktiert werden ohne auf Konsens zu setzen.
Das ist doch kein Exit Karten Problem, sondern ein Problem von Rücksichtslosigkeit und Egoismus. Nimm die Exit Karte raus aus einer solchen Runde - glaubst Du ernsthaft, die befürchteten Probleme wären dann plötzlich weg? Dann wird ein anderes Werkzeug genommen, um seine Vorstellungen über legitime Inhalte durchzusetzen.

Wie der akute Spielinhalt in die Runde gekommen ist, kannst du doch gar nicht beurteilen.
Aber ohne Dialog kein Konsens und genau den ersetzt die X-Card durch das Diktat des zuerst-Ziehenden.
So wird ein Schuh draus.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Boba Fett am 30.01.2024 | 16:13
Jiba: Der Begriff Resilenz wird nicht exklusiv in der Psychologie verwendet. Er hat sogar eine umgangssprachliche Bedeutung.
Ich kenne ihn zB aus dem technischen Ingenieurswesen und verstehe wahrscheinlich etwas anderes darunter. Und möglicherweise triggert er mich deswegen auch nicht.

Vielleicht solltest Du einfach vorher mal fragen, ob der Begriff so gemeint war, wie Du ihn wahrnimmst, denn Du interpretierst hier eine sehr spezielle Bedeutung, während der umgangssprachliche oder technische Begriff genau so legitim sein kann. Du gehst hier von Deiner Perspektive als absoluten Maßstab aus.

https://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Blizzard am 30.01.2024 | 16:19
Also eigentlich wollte ich gestern Abend, nachdem der Thread noch einigermaßen taufrisch war, etwas dazu schreiben. War aber zu müde und zu platt. Dass der Thread in der kurzen Zeit derart explodieren würde, war schon ein wenig unerwartet. Wobei...im Nachhinein betrachtet wohl auch nicht .

Ich bin jetzt seit etwas mehr als 20 Jahren im Hobby aktiv. Als SL. Und habe schon die verschiedensten Systeme geleitet. Ich habe in all diesen Jahren - ganz egal, ob private Runde oder auf einer Con- noch nie eine X-Card oder etwas Vergleichbares gebraucht. Noch nie. Und ich werde das auf meine alten Tage :korvin: jetzt auch nicht mehr anfangen.
Zu den Gründen will ich kurz anführen, da bin ich weitestgehend bei Fillus, Weltengeist & Co.
Ich benutze die X-Card nicht, weil sie auf dem Spieltisch zu viel Platz wegnehmen würde. Das ist schlicht & ergreifend kein Argument. Das zählt nicht.
Nein, ich benutze keine X-Card, weil ich sie schlicht & einfach nicht brauche. Und ich leitet tatsächlich mit Vorliebe, Rollenspiele, die einen Horror-Anteil besitzen.

Ich bin auch in all diesen Jahren nie von meinen Spielern nach so etwas gefragt worden. Wenn überhaupt, dann würde ich solche Dinge im Vorfeld abklären, aber selbst das brauche ich meistens auch nicht zu tun. Als SL habe ich gewisse Werkzeuge zur Hand (nein, keine X-Card), dank derer ich solche Sachen wie die X-Card nicht einsetzen und einer von den Spielern die dann raushaut. Ich kann z.B. Szenen oder Aktionen nur andeuten und muss sie nicht bis ins kleinste Detail schildern. Die meisten Spieler haben zumindest genug Fantasie und kennen vielleicht solche oder ähnliche Szenen aus Filmen/Büchern, so dass sie sich den Rest selbst denken können. Und das genügt oftmals schon.
Und ja, ich habe absichtlich "raushauen" und nicht "benutzen" geschrieben, denn wenn ein(er der) Spieler dieses Ding auf den Tisch legt ist es vorbei. Die Spannung ist weg, Atmosphäre ist weg- im schlimmsten Fall ist der Höhepunkt des Abenteuers im Eimer. Beim Benutzen der X-Card erfolgt unweigerlich ein Bruch der Immersion. Denn die X-Card wird - meinem Verständnis nach- in genau den Momenten eingesetzt, die eigentlich am dramatischtesten/spannendsten...sind.
Und das ist für mich der Hauptgrund, keine X-Card zu benutzen: Sie wirkt (unweigerlich) immersions(zer)störend.

In den letzten Jahren habe ich etliche Call of Cthulhu & Dread (Jengaturm)-Runden geleitet. Und einige waren wirklich heftig, teilweise nichts für schwache Nerven. Ja, da waren auch Spieler dabei, die irgendwann geweint haben. Aber nicht, weil sie irgendwie getriggert worden wären, sondern weil sie einfach immersiv so tief drin waren im Geschehen mit ihrem Charakter. Die haben ihren Charakter ausgespielt - und waren hinterher begeistert, dass man (als SL) es geschafft hatte, eine derartige Atmosphäre für sie und ihre Charaktere zu (er)schaffen. Das wäre mit der X-Card so sicher nicht möglich gewesen.

Wenn ich eine Horror-Runde leite, dann weise ich die Spieler - je nach Abenteuer- schon mal darauf hin, dass es " etwas heftiger" werden könnte. Das alleine reicht vielen Spielern schon als erste grobe Einschätzung- und für die meisten ist das nicht abschreckend.
Und das mag jetzt vielleicht etwas hart klingen, aber ich bin der Ansicht: " Wer eine X-Card (als Spieler) braucht oder verlangt, der sollte einfach keine Horror-Rollenspiele spielen."

(Ja, ich X-karte den Begriff jetzt quasi!)
Danke, damit habe ich mein Unwort des Jahres 2024 gefunden.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: tartex am 30.01.2024 | 16:21
Also eigentlich wollte ich gestern Abend, nachdem der Thread noch einigermaßen taufrisch war, etwas dazu schreiben. War aber zu müde und zu platt. Dass der Thread in der kurzen Zeit derart explodieren würde, war schon ein wenig unerwartet. Wobei...im Nachhinein betrachtet wohl auch nicht .

Die ganze Thematik ist halt ziemlich offensichtlich Teil des Culture Wars geworden. Also kein großes Wunder, dass da viel an Pagecount abgeht.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: JollyOrc am 30.01.2024 | 16:23
Eine kurze Bitte von mir als Moderator: Bitte unterstellt anderen nicht Dinge und legt ihnen auch nichts in den Mund. Hier werden diverse hypothetische Spielrunden mit und ohne X-Card aufgemalt, die dann entweder fantastisch oder fürchterlich sind, je nachdem wie es das eigene Argument gerade stützt. Und die andere Seite fühlt sich dann angegriffen und dann eskaliert das hier irgendwann.

Als Vorschlag: Schaut vielleicht einmal, ob ihr Euch auf konkrete eigene Erlebnisse konzentrieren könnt.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 30.01.2024 | 16:26
Als SL habe ich gewisse Werkzeuge zur Hand (nein, keine X-Card), dank derer ich solche Sachen wie die X-Card nicht einsetzen und einer von den Spielern die dann raushaut. Ich kann z.B. Szenen oder Aktionen nur andeuten und muss sie nicht bis ins kleinste Detail schildern. Die meisten Spieler haben zumindest genug Fantasie und kennen vielleicht solche oder ähnliche Szenen aus Filmen/Büchern, so dass sie sich den Rest selbst denken können. Und das genügt oftmals schon.

Nun ja, eigentlich wäre die X-Karte (oder andere geeignete Maßnahmen) dann dafür da, Dich von diesen Andeutungen abzuhalten.

Denn die X-Card wird - meinem Verständnis nach- in genau den Momenten eingesetzt, die eigentlich am dramatischtesten/spannendsten...sind.
Und das ist für mich der Hauptgrund, keine X-Card zu benutzen: Sie wirkt (unweigerlich) immersions(zer)störend.

Im Idealfall wird die X-Karte gar nicht benutzt. Sondern nur dann, wenn jemand so nicht mehr weitermachen möchte. Wenn es für diese Person dann halt nicht spannend oder dramatisch im positiven Sinn, sondern unangenehm oder schädigend wird.

In den letzten Jahren habe ich etliche Call of Cthulhu & Dread (Jengaturm)-Runden geleitet. Und einige waren wirklich heftig, teilweise nichts für schwache Nerven. Ja, da waren auch Spieler dabei, die irgendwann geweint haben.

Wow. Muss man echt wollen. Ich wäre da gar nicht gern dabei.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Alter Weißer Pottwal am 30.01.2024 | 16:30
Und das mag jetzt vielleicht etwas hart klingen, aber ich bin der Ansicht: " Wer eine X-Card (als Spieler) braucht oder verlangt, der sollte einfach keine Horror-Rollenspiele spielen."

Das sehe ich auch so. Wenn ich eine offensichtliche Horrorrunde anbiete, dann hätte ich auch null Verständnis für jemanden der eine X-Karte braucht. Mache ich beispielsweise Alien, dann wissen alle um was es geht und haben Bock darauf. Wenn dann auf einmal jemand mitbekommt, dass er zart besaitet ist und die Facegugger skippt, dann hätte ich dafür null Verständnis. Das macht dann allen anderen Mitspielern die Runde kaputt.

Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: tartex am 30.01.2024 | 16:37
Wenn dann auf einmal jemand mitbekommt, dass er zart besaitet ist und die Facegugger skippt, dann hätte ich dafür null Verständnis. Das macht dann allen anderen Mitspielern die Runde kaputt.

Und wenn irgendwer in derselben Runde z.B. sexuelle Gewalt anspielt? Ist das für dich auch so klar?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 30.01.2024 | 16:40
Das sehe ich auch so. Wenn ich eine offensichtliche Horrorrunde anbiete, dann hätte ich auch null Verständnis für jemanden der eine X-Karte braucht. Mache ich beispielsweise Alien, dann wissen alle um was es geht und haben Bock darauf. Wenn dann auf einmal jemand mitbekommt, dass er zart besaitet ist und die Facegugger skippt, dann hätte ich dafür null Verständnis. Das macht dann allen anderen Mitspielern die Runde kaputt.

Wird wohl auch kaum einer so machen.

Aber es ist doch legitim, im Vorfeld zu fragen, welche Art von Gruselzeug vorkommt.
Es gibt bei Cthulhu sehr viele Szenarien, die ich gern mitspiele und leite. Und dann gibt es ein paar Sachen, die ich mir nicht antun möchte. Kann man doch kommunizieren.

Genauso, wie ich mich in Fantasy-Runden vorher darüber absprechen möchte, ob Orks etc. klassisches und böses Schwertfutter sind, oder ob wir es mit einem Gegner zu tun haben, mit dem man z.B. verhandeln kann und bei dem irgendwelche ethischen Maßstäbe angelegt werden sollen. Beides hat seine Berechtigung, aber beides verträgt sich nicht miteinander. Und ich reagiere angesäuert, wenn mitten im Spiel diese Linien verschoben werden sollen. Zumindest möchte ich das vorher wissen und auf der Grundlage entscheiden, ob ich dabei sein möchte.
So wie ich auch erwarten können möchte, dass, wenn ich mich mit jemandem zu einer 50-km-Radtour verabrede, dann ungefähr 50 km gefahren werden. Und nicht plötzlich 100, weil ich hätte ja wissen müssen, dass eine richtige Trainingsrunde schon etwas größer ist. Warum fahre ich denn sonst Rad, ich Dusselkopp.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Jiba am 30.01.2024 | 16:45
Vielleicht solltest Du einfach vorher mal fragen, ob der Begriff so gemeint war, wie Du ihn wahrnimmst, denn Du interpretierst hier eine sehr spezielle Bedeutung, während der umgangssprachliche oder technische Begriff genau so legitim sein kann. Du gehst hier von Deiner Perspektive als absoluten Maßstab aus.

Entschuldige, aber wie, wenn nicht psychologisch, soll er denn hier gemeint sein? Es geht hier doch um psychologische und emotionale Zugänge zu Spielinhalten, oder nicht?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Boba Fett am 30.01.2024 | 16:49
Entschuldige, aber wie, wenn nicht psychologisch, soll er denn hier gemeint sein? Es geht hier doch um psychologische und emotionale Zugänge zu Spielinhalten, oder nicht?
Du fragst den falschen - nämlich nicht den, der den Begriff verwendet hat. Ich bin der, der nur sagte: Das Wort muss nicht so gemeint sein.
Und ich antworte einfach mal auf die "wie soll er denn hier gemeint sein?" Frage mit "im Zweifel wahrscheinlich umgangssprachlich"...?!
und zitiere mal:

Zitat
Resilienz kann umgangssprachlich als „seelisches Immunsystem“ beschrieben werden.
Es geht dabei um die psychische Kraft, Belastbarkeit und Flexibilität von Menschen, wenn sie mit schwierigen, belastenden Situationen und Lebensereignissen konfrontiert werden.

Quelle: HKK.de    also eine Website, die für ihre Mitglieder (meist alles keine Psychologen) Informationen bereit stellt.

Warum ich das gefunden hab: Weil ich erst mal gucken musste, was umgangssprachlich damit gemeint ist, denn ich bin nicht davon ausgegangen, dass der Fachbegriff, den ich im Kopf hatte, automatisch gemeint sein muss. (Resilienz bezeichnet in den Ingenieurwissenschaften die Fähigkeit von technischen Systemen, bei Störungen bzw. Teil-Ausfällen nicht vollständig zu versagen, sondern wesentliche Systemdienstleistungen aufrechtzuerhalten.)
Das hätte nämlich auch fast passen können, aber ich wollte sicher gehen, was wahrscheinlich gemeint war.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: schneeland am 30.01.2024 | 16:56
Das sehe ich auch so. Wenn ich eine offensichtliche Horrorrunde anbiete, dann hätte ich auch null Verständnis für jemanden der eine X-Karte braucht. Mache ich beispielsweise Alien, dann wissen alle um was es geht und haben Bock darauf. Wenn dann auf einmal jemand mitbekommt, dass er zart besaitet ist und die Facegugger skippt, dann hätte ich dafür null Verständnis. Das macht dann allen anderen Mitspielern die Runde kaputt.

Ich hätte jetzt gesagt, gerade in einer Horrorrunde sehe ich Raum für eine X-Karte, weil dort ja das Bedürfnis da ist, unangenehme Dinge auftauchen zu lassen. Und wo da die Grenze zwischen "erwünschter Grusel" und "nicht mehr erträglich" verläuft, kann letztlich nur jeder Spieler für sich beantworten. Jetzt ist es natürlich so, dass es nicht Sinn der Sache sein kann, alle Horrorelemente "weg-zu-X-en", aber die Chance, dass es hier zu kritischen Situationen kommt, ist ja viel höher als wenn wir die üblichen heimatlosen Problemlöser und Verlieserkunder spielen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Alter Weißer Pottwal am 30.01.2024 | 17:00
Wird wohl auch kaum einer so machen.

Aber es ist doch legitim, im Vorfeld zu fragen, welche Art von Gruselzeug vorkommt.
Es gibt bei Cthulhu sehr viele Szenarien, die ich gern mitspiele und leite. Und dann gibt es ein paar Sachen, die ich mir nicht antun möchte. Kann man doch kommunizieren.

Anders wird ein Schuh draus: Als SL spoilere ich das Abenteuer, wenn ich sage was dran kommt. Meldet sich der Spieler vorher und sagt was er nicht will, kann ich einfach was anderes raussuchen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 30.01.2024 | 17:08
Anders wird ein Schuh draus: Als SL spoilere ich das Abenteuer, wenn ich sagen was dran kommt. Meldet sich der Spieler vorher und sagt was er nicht will, kann ich einfach was anderes raussuchen.

Das setzt aber voraus, dass man vorher genau weiß, was man nicht mag - also quasi eine Liste im Kopf hat.
Die hat doch aber kaum einer. Ich hätte große Probleme, eine erschöpfende Liste von Dingen aufzustellen, die ich nicht haben möchte.
Und außerdem kann ja keiner wissen, was andere Leute sich ausdenken. Und es kommt möglicherweise auch auf Konstallationen an.

Die Spoilerproblematik ist natürlich ein Punkt. Und möglicherweise ist die ein Argument für Veto während des Spiels (X-Karte oder ähnliches) und gegen allzu umfangreiche Vorbesprechungen. Je nachdem.

Diese Frage fand ich übrigens sehr gut:

Zitat
Das sehe ich auch so. Wenn ich eine offensichtliche Horrorrunde anbiete, dann hätte ich auch null Verständnis für jemanden der eine X-Karte braucht. Mache ich beispielsweise Alien, dann wissen alle um was es geht und haben Bock darauf. Wenn dann auf einmal jemand mitbekommt, dass er zart besaitet ist und die Facegugger skippt, dann hätte ich dafür null Verständnis. Das macht dann allen anderen Mitspielern die Runde kaputt.

Und wenn irgendwer in derselben Runde z.B. sexuelle Gewalt anspielt? Ist das für dich auch so klar?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: KapitänOffensichtlich am 30.01.2024 | 17:10
Anders wird ein Schuh draus: Als SL spoilere ich das Abenteuer, wenn ich sage was dran kommt. Meldet sich der Spieler vorher und sagt was er nicht will, kann ich einfach was anderes raussuchen.

true
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Zed am 30.01.2024 | 17:15
@maarzan @Blizzard

JollyOrcs Beitrag nachgefasst:
Warum bringt Ihr hier missbräuchliche, unwahrscheinliche, nicht der Intention der X-Card entsprechende Anwendungsfälle ein?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Issi am 30.01.2024 | 17:16
So wie ich das verstanden habe, ist die X Card nur ein Werkzeug.
Es kommt also darauf an, wer sie wie benutzt.
Und als Werkzeug( wie viele andere)kann sie auch missbraucht werden.
Wie?
Auf SL Seite:
Mr Grey, Hannibal Lector oder Marquis de Sade leiten damit ihre Spielrunden, um schrittweise ihre "Spaßquellen" zu normalisieren.
Auf SPL Seite: Jemand der Spaß hat, das Spiel zu kontrollieren, und zudem ein hohes Maß an Aufmerksamkeit sucht, zückt gerne dann die Karte, wenn die Aufmerksamkeit gerade jmd anderes hat.

Das heißt aber nicht dass sie automatisch missbraucht wird. Nur dass sie theoretisch missbraucht werden kann


Wobei ich noch anmerken möchte, bei echten Triggern: In dem Moment in dem Du glaubst, dich könnte eine Szene triggern, bist Du es idR. schon.
Und wenn du das wirklich bist ,zückst du auch keine Karte mehr.
Sondern du stehst auf und gehst raus.
Ob und wann du wieder kommst - ungewiss.
(Just my opinion)

Also eine sichere Trigger Vermeidung ist das aus meiner Sicht deshalb nicht.
Sicherer ist es, da noch -auf bestimmte, häufig triggerende Elemente zu verzichten.
(Hundertprozent ist auch das nicht)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Blizzard am 30.01.2024 | 17:24
@maarzan @Blizzard

JollyOrcs Beitrag nachgefasst:
Warum bringt Ihr hier missbräuchliche, unwahrscheinliche, nicht der Intention der X-Card entsprechende Anwendungsfälle ein?
Das war, mit Verlaub, vor JollyOrcs Moderations-Anweisung.
Und wenn du meinen Beitrag genau gelesen hättest, dann hättest du gelesen, dass ich genau diesen Beitrag eigentlich schon gestern Abend zu dem Thema hier schreiben wollte. Das wäre dann noch deutlicher vor JollyOrcs Mod-Anweisung gewesen.
Das Thema hieß ursprünglich "Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme" und nicht " Schildert konkrete Fälle/Spielsituationen pro/contra X-Card".
Und ich wollte einfach nur darlegen, wieso ich X-Card ebenfalls für gefährlich halte - wenn auch aus anderen Gründen als Prisma. That's all.
Keine Ahnung, warum du plötzlich mit dieser obsoleten Frage daher kommst.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Alter Weißer Pottwal am 30.01.2024 | 17:35
@maarzan @Blizzard

JollyOrcs Beitrag nachgefasst:
Warum bringt Ihr hier missbräuchliche, unwahrscheinliche, nicht der Intention der X-Card entsprechende Anwendungsfälle ein?

Weil die Intention hinter der X-Card auf die Realität trifft und nicht auf einen bestmöglichen Fall. Da treffen missbräuchliche und unwahrscheinliche Fälle dann halt ein. Mag bei deiner - offenbar rein theoretischen Sicht - auf das Problem vielleicht keine Rolle spielen. Für uns am Spieltisch aber schon.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Jiba am 30.01.2024 | 17:38
Weil die Intention hinter der X-Card auf die Realität trifft und nicht auf einen bestmöglichen Fall.

Und die Realität ist dann immer der schlechtmöglichste Fall? Und: Ist der bestmögliche Fall keine Realität?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Alter Weißer Pottwal am 30.01.2024 | 17:39
Und die Realität ist dann immer der schlechtmöglichste Fall? Und: Ist der bestmögliche Fall keine Realität?

Frag mal den TÜV  ;)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 30.01.2024 | 17:40
Weil die Intention hinter der X-Card auf die Realität trifft und nicht auf einen bestmöglichen Fall. Da treffen missbräuchliche und unwahrscheinliche Fälle dann halt ein. Mag bei deiner - offenbar rein theoretischen Sicht - auf das Problem vielleicht keine Rolle spielen. Für uns am Spieltisch aber schon.

Ohne ein Freund der X-Karte zu sein: Niemand hier hat bisher von solchen Fällen berichtet. Es gibt also keine Realität auf die man sich berufen könnte.
Umgekehrt haben viele davon berichtet, dass sie zwar die X-Karte nutzen, diese aber praktisch nie ausgelöst wird.

Was auch immer das bedeutet; ich denke nicht, dass man in die eine oder andere Richtung ein empirisches Argument aus den vorliegenden Daten gewinnen kann.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Jiba am 30.01.2024 | 17:41
Frag mal den TÜV  ;)

Nee, werde ich sicher nicht.
Hier geht es um Menschen, nicht um Fahrzeuge.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: nobody@home am 30.01.2024 | 17:48
Ich hätte jetzt gesagt, gerade in einer Horrorrunde sehe ich Raum für eine X-Karte, weil dort ja das Bedürfnis da ist, unangenehme Dinge auftauchen zu lassen. Und wo da die Grenze zwischen "erwünschter Grusel" und "nicht mehr erträglich" verläuft, kann letztlich nur jeder Spieler für sich beantworten. Jetzt ist es natürlich so, dass es nicht Sinn der Sache sein kann, alle Horrorelemente "weg-zu-X-en", aber die Chance, dass es hier zu kritischen Situationen kommt, ist ja viel höher als wenn wir die üblichen heimatlosen Problemlöser und Verlieserkunder spielen.

Jepp. Beispielsweise im beliebten Cthulhu-Rollenspielkanon gibt's ja unter anderem auch schon mal Sachen wie buchstäblich unter die Haut gehenden Body Horror und den einen oder anderen monströsen Serienvergewaltiger mit oder ohne Todesfolge -- ich denke, davon, daß jeder, der sich mal auf 'ne gepflegte CoC-Runde freut, auch automatisch "hart" genug ist, um auch solche Themen wegzustecken, kann man einfach nicht guten Gewissens ausgehen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Darius der Duellant am 30.01.2024 | 17:52
Das halte ich für im höchsten Maße missinterpretiert (5 Missinterpretationen fett hervorgehoben)


Bedingungslos, beliebig und entfernen sind faktisch korrekt wenn du dir Mal das von mir im Thema verlinkte Dokument ansiehst.
Beim Rest haben wir dann zumindest einen Faktor wo es davon abhängig ist, wie wohlwollend man die Intention hinter so einer Nutzung interpretiert
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Nebelwanderer am 30.01.2024 | 17:57



Die X-Card ist nur bedingt nützlich
Die X-Card schützt nicht vor Exposition. Denn um sie auslösen zu können, muss man den Trigger am Tisch erleben, bzw. erfahren. Nun kann der Betroffene auf die Karte tippen oder sie hochhalten und die Fortführung des Themas stoppen, aber die Exposition hat dennoch stattgefunden. Die betroffene Person wurde bereits getriggert. Ja, die Fortführung wurde gestoppt, so das es nicht noch schlimmer werden kann, doch ein echter Schutz ist die X-Card nicht. Das kann sie auch nicht leisten. Da ist ein Gespräch während der Session Zero wesentlich effektiver und sicherer als der Gebrauch der X-Card.




Alles in allem mag die X-Card gut gemeint sein, aber in meinen Augen schützt sie nicht besonders gut und hat gefährliche Fehler. Ein im Vorfeld klärendes Gespräch sehe ich als effektiver an.

Naja, ich sehe jetzt keinen großartigen Unterschied in deinem Beisspiel mit dem Jungen, mein, wie willst du Sicherheit herstellen wenn solche relativ Trivialen und Unvorhersehbaren Trigger (Mit Trivial meine ich nur die Situation an sich, nicht das es für den betroffen nicht schlimm ist) entstehen - Ich glaube nicht das Jemand in einer Zero Runde sagt - Ähm, ja bitte, versucht Abwertungen von Vater gegenüber Kindern zu vermeiden. Da bist du ja genauso in der Exposition, bez. es wird gar nicht aufgemacht. Bez. ich finde sowas in einer Zero noch viel Schlimmer zu besprechen. Und nur weil ich es zum beispiel extrem Geschmacklos finde wenn man sexuellen Missbrauch thematisiert und ich das am Spieltisch nicht hören will heißt das noch lange nicht das mir das selber wiederfahren ist - Sowas thematisiere ich auch in Zero, wie brutal es gerne sein darf - Den da denkt sich keiner was.

Thematisiert man aber so ein spezielles Thema, ist es völlig egal ob Zero oder X - Die Exposition bleibt die gleiche, nur das bei der Zero das Problem entweder Ignoriert wird oder Frühzeitig Expo betrieben wird obwohl eventuell der Fall gar nie auftritt, und bei der X erst wenn der Fall tatsächlich auftritt.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Darius der Duellant am 30.01.2024 | 17:59
Wenn Du das als Problem wahrnimmst, dann existiert doch ein grundlegendes Problem in dieser (fiktiven) Runde - nämlich, dass da willkürlich die Spielinhalte diktiert werden ohne auf Konsens zu setzen.
Das ist doch kein Exit Karten Problem, sondern ein Problem von Rücksichtslosigkeit und Egoismus. Nimm die Exit Karte raus aus einer solchen Runde - glaubst Du ernsthaft, die befürchteten Probleme wären dann plötzlich weg? Dann wird ein anderes Werkzeug genommen, um seine Vorstellungen über legitime Inhalte durchzusetzen.


Grundsätzlich:
Ja!

Aber:
Nur weil es dann auch eventuell anders gemacht würde, bedeutet das nicht dass man über ein spezifisches Werkzeug in dem Zusammenhang nicht diskutieren kann.
In meinen Augen macht es die X-Card einfach deutlich leichter, destruktive Verhaltensweisen mit einer niedrigen Ausführungsschwelle an den Tisch zu bringen.
Auch und insbesondere wenn man mit Fremden spielt.
Das von einem anderen Tanelorni angeführte Beispiel aus einer Shadowrun-Runde ist für mich da sehr exemplarisch für eines der Szenarien an denen ich kein Interesse habe.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Metamorphose am 30.01.2024 | 18:00
Wenn Du das als Problem wahrnimmst, dann existiert doch ein grundlegendes Problem in dieser (fiktiven) Runde - nämlich, dass da willkürlich die Spielinhalte diktiert werden ohne auf Konsens zu setzen.
Das ist doch kein Exit Karten Problem, sondern ein Problem von Rücksichtslosigkeit und Egoismus. Nimm die Exit Karte raus aus einer solchen Runde - glaubst Du ernsthaft, die befürchteten Probleme wären dann plötzlich weg? Dann wird ein anderes Werkzeug genommen, um seine Vorstellungen über legitime Inhalte durchzusetzen.

Das denke ich persönlich auch (Rundenanalyse ausgenommen). Die Werkzeuge sind nur so sinnvoll, wie sie implementiert und/oder gelebt werden. Sie ist nur ein Werkzeug für Notfälle in der Gruppendynamik  Die Diskussion vor dem Spiel über Inhalt und Nog-Gos braucht es sowieso meistens. Das entspricht auch meiner eigenen Erfahrung.

Darius: Spannend, das wir zeitlich über den gleichen Post stolperten.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Darius der Duellant am 30.01.2024 | 18:12
@maarzan @Blizzard

JollyOrcs Beitrag nachgefasst:
Warum bringt Ihr hier missbräuchliche, unwahrscheinliche, nicht der Intention der X-Card entsprechende Anwendungsfälle ein?

Vielleicht weil man ein Werkzeug mit hohem Impakt das sogar von seinen Verfechtern als beim Spielen mit "Fremden" die höchste Sinnhaftigkeit zugeschrieben bekommt, auch auf seine potenziellen Risiken abklopfen kann und sollte?
Wenn du dann in deiner persönlichen (!) Risikobewertung zu dem Schluss kommst dass das für dich dann trotzdem schon so passt ist das ja fein.
Aber hör auf bei anderen hier eine Deligitimation durchzuführen, weil sie (im übertragenen Sinne) irgendwelchen unbekannten Zaungästen an Silvester nichts von ihrem eigenen Feuerwerk in die Hand drücken wollen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Megavolt am 30.01.2024 | 18:13
Ich bin, wenn ich ehrlich bin, eigentlich ziemlich dauergetriggert:

- Wenn meine Mitspieler zu viel herumalbern.
- Wenn sie zu wenig herumalbern.
- Wenn sie zu spät zur Session kommen.
- Wenn sie sich echt blöd anstellen.
- Wenn sie pfiffiger und oder besser sind als ich.
- Erst letzte Woche hat mir tatsächlich einer einen Pfeil in den Rücken geschossen, weil er in den Nahkampf geballert hat, das war sehr fahrlässig. Anschließend nur eine halbherzige Entschuldigung!
- Ein anderer hat eineinhalb Packungen Chips in sich reingefressen, aber wir hatten insgesamt nur zwei Packungen für alle da (zwar aufgrund von schlechter Chips-Logistik meinerseits, trotzdem war das nicht die feine englische Art).

Solche Sachen sind absolut realistisch und kommen dauernd vor.

Handelt es sich dabei um Fälle, die von der Karte legitim abgedeckt sind oder nicht?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Jiba am 30.01.2024 | 18:24
Megavolt, du könntest nicht mal dann auf einen supernerdigen Witz verzichten, wenn dir wer eine Knarre an die Schläfe hält, oder?  ::)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Klingenbrecher am 30.01.2024 | 18:40
Ich bin, wenn ich ehrlich bin, eigentlich ziemlich dauergetriggert:

- Wenn meine Mitspieler zu viel herumalbern.
- Wenn sie zu wenig herumalbern.
- Wenn sie zu spät zur Session kommen.
- Wenn sie sich echt blöd anstellen.
- Wenn sie pfiffiger und oder besser sind als ich.
- Erst letzte Woche hat mir tatsächlich einer einen Pfeil in den Rücken geschossen, weil er in den Nahkampf geballert hat, das war sehr fahrlässig. Anschließend nur eine halbherzige Entschuldigung!
- Ein anderer hat eineinhalb Packungen Chips in sich reingefressen, aber wir hatten insgesamt nur zwei Packungen für alle da (zwar aufgrund von schlechter Chips-Logistik meinerseits, trotzdem war das nicht die feine englische Art).

Solche Sachen sind absolut realistisch und kommen dauernd vor.

Handelt es sich dabei um Fälle, die von der Karte legitim abgedeckt sind oder nicht?

Die XCard würde ich ziehen wenn man diese Leute nicht kennt und diese das Con-Abenteuer immer und immer wieder unterbrechen um einen Schwank aus ihren anderen Runden zu erzählen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Megavolt am 30.01.2024 | 18:44
Ne, ich kenne die freilich gut und mag sie gerne. Das ist ja genau der Grund, warum ich schlecht sagen laut kann: "Jetzt tu die Griffel aus den Chips raus!" Vielleicht hat der Mann einfach Hunger, er hat vielleicht hart gearbeitet über den langen Tag und der Blutzuckerstoß ist gut für seine Laune, oder er futtert deshalb ungebremst, weil er vom Spiel in den Bann geschlagen ist. Es ist ein klassischer Fall von "getriggert werden" aber "nix sagen können". Daher meine Frage.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Jiba am 30.01.2024 | 19:07
In meinen Augen macht es die X-Card einfach deutlich leichter, destruktive Verhaltensweisen mit einer niedrigen Ausführungsschwelle an den Tisch zu bringen.
Auch und insbesondere wenn man mit Fremden spielt.
Das von einem anderen Tanelorni angeführte Beispiel aus einer Shadowrun-Runde ist für mich da sehr exemplarisch für eines der Szenarien an denen ich kein Interesse habe.
Ohne jetzt den ganzen Thread gelesen zu haben, will ich hierauf eingehen. Denn:
Das kann doch sowieso passieren!
JollyOrc hat doch klar gestellt, dass der Spieler auch bei Einsatz der X-Card schon immer benennen muss, was er genau entfernt oder übersprungen haben will. Ich meine, zu sagen: „Ich brauche die X-Card als visuellen Kanal nicht, damit Spieler sagen können, was sie entfernt haben wollen. Wir haben da andere Maßnahmen wie ‚Stop‘ sagen oder sowas“ – da kann ich mitgehen. Die X-Card ist ja auch nicht mein Lieblingssicherheitswerkzeug auf dieser Welt.

Aber dass es die Hürde für destruktives Verhalten senkt… das hast du doch sowieso, wenn ein Spieler Einwände haben kann. Wenn Absprachen wie oben getroffen werden, kann besagter Spieler ja trotzdem ‚Stop‘ sagen und den Spielfluss zum Erliegen bringen. Das kann man eigentlich nur verhindern indem man einen von zwei Aspekten ändert, nämlich entweder Verfügbarkeit oder Vorleistung.

Verfügbarkeit: Ich schränke ein, wann Spieler fragen dürfen, ob etwas entfernt wird. Etwa indem ich sage, dass nach Session Zero nur zwischen den Sessions Trigger abgesprochen werden. Oder abgestimmt wird ob was drin bleibt oder nicht.

Vorleistung: Ich verlange, dass der Spieler sich ausführlicher erklärt, warum er etwas abgeblendet oder entfernt haben will. Ich möchte, dass er mehr Informationen preisgibt, damit ich einschätzen kann, ob er nur trollen will oder es ernst meint.

Mit beidem habe ich so meine Probleme.

Im ersten Fall besteht halt das Risiko, dass ich über die Grenzen von jemandem drübergehe. Gut, zugegeben, was sagen kann ich als Spieler (oder SL eigentlich immer, wenn mir was nicht passt). Aber wenn die Absprache sagt, ich soll mich nicht mucksen, dann ist die soziale Hürde höher das auch zu tun. Egal ob ich was sagen oder auf eine Karte deuten und dann was sagen soll, die Hürde in diesen Fällen wäre gleich niedrig. Denn sagen muss ich ja trotzdem was.

Im zweiten Fall geht’s mich als Mitspieler halt einen Scheiß an, warum irgendwas ein Triggerpunkt ist oder nicht. Es muss sich niemand rechtfertigen, dass derjenige mit einem Inhalt nicht klarkommt. Und selbst wenn fragliche Person permanent auf der X-Card herumtippt, würde das doch auffallen und dann kann man den betreffenden Spieler zur Rede stellen. Erneut: JollyOrc macht das als X-Card-Befürworter ja auch klar und da gehe ich mit. Und selbst wenn der Spieler so sneaky ist, das niemand das merkt oder aus der Haut fährt, wenn mein seinen perfiden Plan durchschaut: Was ist denn das schlimmste, was passieren kann? Dass man eine miese Rollenspielerunde gespielt hat? Ich kann aus dem Stehgreif 4 Runden benennen, denen eine X-Card-Ansage zu Beginn vielleicht gut getan hätte. Aber ich bin auch nicht dran gestorben, dass Spieler:innen die torpediert haben oder unangemessenes Zeug gemacht haben. Man hat auch mal eine schlechte Rollenspielrunde.

Und das Risiko, das ein Sicherheitswerkzeug missbraucht wird, dafür aber eine Exitoption für Spieler:innen besteht, denen etwas unangenehm ist, gehe ich gerne ein. Und für die heilige Immersion opfere ich diese Möglichkeit erst recht nicht – also sorry, ist nur ein Spiel, Leute. Und „Horror“ ist ein so breites Genre, das reicht von „Blair Witch“ über „Die Frau in Schwarz“ bis zu „Martyrs“ und „Funny Games“. Sehr unterschiedliche Sensibilitäten. Mich triggert in Filmen zum Beispiel Kannibalismus oder die Degradierung von Menschen zu Tieren oder gar Vieh. Der Schluss von „Freaks“ zum Beispiel ist für mich unerträglich. Aber hätte ich das auch benennen können, bevor ich „Freaks“ dann gesehen habe? Nein.

Man mag mich gutgläubig nennen, aber ich gehe in keiner Rollenspielrunde grundsätzlich erst einmal davon aus, dass die anderen Mitspieler mich verarschen werden, wenn ich ihnen weit genug vertraue, keine Sucherheitstechniken in der Runde zum eigenen Vorteil zu nutzen.

Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: KapitänOffensichtlich am 30.01.2024 | 19:10
Also wenn jemand dann noch mit den Chips-Fingern (es soll Barbaren geben, die sowas wirklich anfassen *schauder) an irgendwas anderes, schlimmstenfalls meine Bücher geht, dann bräuchte ich einen X-Baseballschläger (aufgeblasen versteht sich, Gewalt ist böse!)...
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 30.01.2024 | 19:26
@maarzan @Blizzard

JollyOrcs Beitrag nachgefasst:
Warum bringt Ihr hier missbräuchliche, unwahrscheinliche, nicht der Intention der X-Card entsprechende Anwendungsfälle ein?

Im Gegenteil, ich halte die missbräuchliche Anwendung der X-Card für erheblich wahrscheinlicher als die Fälle, wo das so stark triggert, dass nur die X-Card retten kann.

Zusätzlich fühle ich mich in dieser Ansicht (und der Annahme zur missbräuchlichen, wenn auch nicht so plakatierten Intention) bestärkt, wenn genau der Missbrauchhebel für die Befürworter so relevant ist, dass dort abgeschwächte Varianten der X-Card nicht akzeptiert werden.  :think:

Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 30.01.2024 | 19:39
Zusätzlich fühle ich mich in dieser Ansicht (und der Annahme zur missbräuchlichen, wenn auch nicht so plakatierten Intention) bestärkt, wenn genau der Missbrauchhebel für die Befürworter so relevant ist, dass dort abgeschwächte Varianten der X-Card nicht akzeptiert werden.  :think:

Ich kann Dir nicht folgen. Kannst Du das ein wenig ausführen?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Jiba am 30.01.2024 | 19:43
Zusätzlich fühle ich mich in dieser Ansicht (und der Annahme zur missbräuchlichen, wenn auch nicht so plakatierten Intention) bestärkt, wenn genau der Missbrauchhebel für die Befürworter so relevant ist, dass dort abgeschwächte Varianten der X-Card nicht akzeptiert werden.  :think:

Heißt das, du gehst wirklich als Grundhaltung davon aus, dass ein Spieler, der die X-Card benutzen will eher darauf aus ist, dich absichtlich zu übervorteilen als sich eine Ausstiegsoption offenzuhalten, wenn ihm Inhalte emotional unangenehm sind?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: tartex am 30.01.2024 | 19:43
Im Gegenteil, ich halte die missbräuchliche Anwendung der X-Card für erheblich wahrscheinlicher als die Fälle, wo das so stark triggert, dass nur die X-Card retten kann.

Würde gerne mal eine real existierende Geschichte eines X-Card-Fails hören. Trotz unzähliger Stunden in Foren, auf Youtube und Reddit, ist mir noch keiner untergekommen.

Ich selbst bin da wohl noch der schlimmste Finger, den ich jemals erlebt habe, weil ich einmal statt dankend abzulehnen, als ich zu einer Wikinger-Kampagne eingeladen wurde, ich stattdessen noch vor der Session 0 gesagt habe: "Da ziehe ich die X-Card, das wäre nichts für mich."
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 30.01.2024 | 20:17
Heißt das, du gehst wirklich als Grundhaltung davon aus, dass ein Spieler, der die X-Card benutzen will eher darauf aus ist, dich absichtlich zu übervorteilen als sich eine Ausstiegsoption offenzuhalten, wenn ihm Inhalte emotional unangenehm sind?

Exakt.
Ich kann ihm aber die Variante aus Post #86 anbieten.
Wenn das nicht passt, gehe ich von Missbrauchsvorsatz aus.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Jiba am 30.01.2024 | 20:28
Puh.

Dann habe ich wirklich keine Ahnung, wie du überhaupt eine gesunde, gleichberechtigte Rollenspielrunde auf Augenhöhe spielen willst – dann gehst du ja grundsätzlich vom Schlimmsten aus. Ich hoffe, du kannst das irgendwann überwinden. Ich wünsche es dir zumindest.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 30.01.2024 | 20:30
Exakt.
Ich kann ihm aber die Variante aus Post #86 anbieten.
Wenn das nicht passt, gehe ich von Missbrauchsvorsatz aus.

Etwas weniger provokant formuliert wäre es also so, dass Du eine Spielunterbrechung und die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Mitspieler zwar in Ordnung findest, aber gern eine Erklärung hättest?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 30.01.2024 | 20:36
Etwas weniger provokant formuliert wäre es also so, dass Du eine Spielunterbrechung und die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Mitspieler zwar in Ordnung findest, aber gern eine Erklärung hättest?

Genau, und die Erklärung brauche ich als Spieler auch nicht persönlich.
Aber eben nicht als unhinterfragbarer Automatismus, wenn es in meinen Augen eine gleich gute Alternative gibt, welche dieses Missbrauchsfenster nicht öffnet.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 30.01.2024 | 20:43
Sehe zwar die Missbrauchsproblematik (im Gegensatz zu einer früheren Meinung von mir) nicht (mehr) als wahrscheinliche Gegebenheit, finde aber Deine Variante in Ordnung. Für die meisten Leute sollte das passen. Mir wäre es jedenfalls recht und in der Praxis habe ich es praktisch immer so ähnlich gehandhabt gesehen.

Hier ist möglicherweise hauptsächlich der (gegenseitige?) Ton das Problem, nicht so sehr die Sache.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Irian am 30.01.2024 | 20:50
Rein pers. halte ich die Wahrscheinlich sowohl von Missbrauch als auch dafür, dass sie wirklich aktiv genutzt wird (also dass sie jemand tatsächlich "zieht"), für relativ gering, so dass es recht müßig ist, sich zu fragen, was da nun wahrscheinlicher ist - aus der jeweiligen Antwort lässt sich vermutlich nur schließen, welche Befürchtungen jemand hat und nicht, was wirklich objektiv wahrscheinlicher ist. (Wie groß der passive Nutzen für die Befindlichkeit ist, ist auch völlig unerforscht - ich tendiere dazu, es positiv zu sehen, könnte aber genauso effektiv null bringen, who knows)

Und genauso rein pers. habe ich auch null Einwände gegen Gruppen, die sich gemeinsam entscheiden, das nicht zu wollen. Oder die irgendeine andere Variante wollen. Es ist eine Option und nicht das Mal des Tieres, das jeder tragen muss, der rollenspielen will. Not my circus, not my monkeys.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Prisma am 30.01.2024 | 21:32
@Widersprüchliche Argumentation:

Ich sage im Startpost, die X-Card kann die Exposition nicht verhindern. Dass sie die Fortdauer stoppen kann ist zwar gut, aber mit dem Eintreten der Exposition ist es schon zu spät. „Das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen.“ Das Gespräch in der Session Zero, welches Lines und Veils im Vorfeld klärt ist ein weitaus wirksameres Instrument. Damit lassen sich zumindest bekannte Expositionen verhindern. Macht man das nicht, kann man diese nicht verhindern. Es ist auch völlig irrelevant was man von der Exposition hält, die kann dann einfach passieren.

Ich sage, die X-Card kann Resilienz kosten und habe auf Nachfrage zur Anschauung das sprichwörtliche Beispiel mit dem Strauß der den Kopf in den Sand steckt angeführt. Ich sage, es ist meiner unfachmännischen Meinung nach besser sich der Exposition zu stellen, als sich mit dem Kopf im Sand vorzugaukeln, sie hätte nie stattgefunden (X-Card). Geht man damit irgendwie sinnvoll um, z.B. ignorieren reicht ja schon, so denke ich hat man Resilienz trainiert. Die X-Card sagt dagegen, es bringt zwar nichts, aber lauf trotzdem weg. Das trainiert in meinen Augen Resilienz eher ab.

Wo ist da der Widerspruch?



Die Situation mit manipulativen Mitmenschen halte ich für ziemlich konstruiert; es sitzt ja nicht an jedem Spieltisch jemand, der nur darauf lauert, die Schwächen anderer zu erfahren. Und wenn doch, würde er sie doch in der Session Zero sowieso mitkriegen?
Ich versichere dir, die Situation mit dem Intriganten ist nicht konstruiert. Ich wünschte, sie wäre es.
Den Punkt mit dem Zugang zum Trigger durch die Session Zero führt JollyOrc auch an. (Ich antworte jetzt einfach hier.) Das muss nicht passieren, wenn sich der betreffende Spieler unter vier Augen mit dem Spielleiter unterhält. Wenn nun aber der Intrigant der SL ist, dann ist eh alles für die Katz und da hilft weder Session Zero noch X-Card, noch irgendwas. Der betroffene Spieler könnte höchstens vage werden, was aber die Gefahr einer Exposition steigert.

Zum Thema "Resilienz": Es ist schlicht nicht deine Angelegenheit, wie andere Leute mit ihren Problemen umgehen (außerhalb des Spiels). Die Mitspieler sind erwachsen und müssen (und WOLLEN) nicht von dir zu richtigem Verhalten erzogen werden. Es geht dich nur solange etwas an, wie das ihr Verhalten am Spieltisch betrifft.
Wir reden hier nur über das Verhalten am Spieltisch.




Du hast folgende Probleme angemerkt, und zu allen habe ich etwas zu erwidern :)
Sehr gut!  :d
Aber sie bietet einen eleganten und schnellen Weg aus der Exposition heraus
Ich glaube nicht, dass das möglich ist. Man kann damit zwar das Thema wechseln, aber der Trigger ist ja leider ausgelöst worden und im Hinterkopf für eine Zeit präsent. (Wie gesagt, meine unfachmännische Vorstellung..)

Echte Therapeuten machen das in der Expositionstherapie ja auch so: Sie sorgen dafür, dass man das "gefährliche Ding" in einer sicheren Umgebung mit jederzeitiger Abbruchmöglichkeit ausprobieren kann.
Wenn das ein echter Therapeut in einer kontrollierten Umgebung macht, dann ist das sicher ein Mehrwert. Diese ideale Situation haben wir am Spieltisch aber nicht.


Durch die Nutzung der X-Card gibt man gefährlich viel von sich preis - Das hier von Dir gewählte Beispiel übergeht geflissentlich, dass auch ohne Nutzung der X-Card der manipulative Intrigant mitbekommen hätte, was da wen triggert. Das Preisgeben findet also so oder so statt. Hier würde ich sogar wieder das Gegenteil argumentieren: Mit X-Card hätte das Geschehen ggfs. früher abgebrochen werden können, und der potentielle Intrigant hätte weniger erfahren! (BTW: Ich hoffe, die Situation bei Euch ist da inzwischen besser?)
Siehe bitte meine Antwort an Nria weiter oben. Sie hat das gleiche Argument angeführt. (Übrigens, die Situation ist besser, dieser Mensch ist nicht mehr Teil dieser Community. Danke der Nachfrage! :) )


Und zuletzt nochmal ganz deutlich: Die X-Card ist nicht als Werkzeug gedacht, mit dem man Menschen, die das Spiel erst gar nicht spielen sollten, das Spiel dann doch irgendwie mundgerecht machen kann.

Sondern sie hilft gefestigten erwachsenen Menschen in ihrer Freizeit bewusst und konsequent die kleine Komfortzone zu verlassen und mutiger als sonst zu spielen, ohne im Fall des Falles den anderen Leuten am Tisch den Abend zu verderben.
Das Anliegen ist edel und gut, aber ich bin nicht von der Wirksamkeit überzeugt. Im Gegenteil, wie gesagt.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: flaschengeist am 30.01.2024 | 22:11
Was ist dieser Thread explodiert, seit ich heute Morgen etwas beitragen wollte. Da mir das immer noch wichtig ist, ich aber gerade keine Zeit habe, angemessen gründlich fünf Seiten zu lesen, wurde es eventuell schon von einem anderen Fachkundigen Tanelorni angemerkt:
In der Laienspreche werden die Begriffe "Trauma" und "sehr belastendes Erlebnis" oft synonym verwendet, obwohl es fachlich betrachtet wichtige Unterschiede gibt. Wenn ein traumatisches Erlebnis "getriggert" wird, geschieht das häufig von null auf hundert durch einen traumassoziierten Reiz. Man kann sich jedenfalls nicht darauf verlassen, dass sich hier eine (langsam) ansteigende Stressreaktion abspielt, die irgendwann in einen Flashback mündet. Entsprechend gibt es dann auch keine non- oder paraverbalen Warnsignale, auf die jemand Rücksicht nehmen könnte. Dieses subjektiv urplötzlich aus der Gegenwart gerissen werden, ist ein Merkmal, das eine PTBS für Betroffene so belastend macht (hier haben wir eine parallele zur Panikstörung, auch hier treten Panikattacken wie aus dem Nichts auf).
Eine langsam ansteigende Stresskurve ist eher typisch für Suchtdruck (das Beispiel des X-Card Autors mit dem Nikotinabhängigen, der auf einen Raucher-NSC trifft) oder eben eine Konfrontation mit schmerzhaften Erinnerungen, die aber keine traumatische Qualität haben. Traumaassoziierte Reize (also Trigger) sind übrigens häufig sensorische Eindrücke, z.B. spezifische Geräusche oder Gerüche, die in der Traumasituation vorhanden waren. Daher ist zum Glück die Wahrscheinlichkeit gering, dass eine rein verbale Beschreibung einen Flashback triggert, denn eine verbale Beschreibung wird neuronal anders verarbeitet als sensorische Reize.

Nun zum Thema X-Card: Zwei von meinen aktuell drei Runden spiele ich mit Leuten, die ich mehr als ein Jahrzehnt kenne. Hier bestand bislang keine Notwendigkeit für eine X-Card. Würde ich jetzt eine neue Runde starten, wäre eine "Session 0", in der auch über "Lines & Veils" gesprochen wird, ein No-Brainer. In der Spielleiterrolle würde ich zudem klarstellen, dass jeder Mitspielende jederzeit sagen kann, wenn ihn oder sie etwas triggert. Ob auf dem Tisch dann eine X-Card liegt oder nicht ist mir gleich. Wichtiger finde ich ohnehin, durch empathisches Eingehen auf seine Mitspieler das Signal zu setzen, dass "ihr dürft mir sagen, wenn euch etwas unangenehm ist" keine hohle Phrase war. Denn bei einer unempathischen, (latent) aggressiven Spielleitung ist die Wahrscheinlichkeit mit oder ohne X-Card stark reduziert, dass Mitspieler offen ihre Grenzen kommunizieren.

PS
Interessant fand ich, dass das Onlineportal des Dreieichcon uns SLs aufforderte, eine Art "FSK" (also ab welchem Alter) für ihre Runden anzugeben. Ich habe DuoDecem dann als ab 18 eingetragen - aber nicht weil das Einstiegsabenteuer so gruselig wäre sondern weil ich keine Kinder in der Runde wollte. Kann mich gar nicht mehr erinnern, ob das überhaupt gegangen wäre, aber am liebsten hätte ich ab 25 geschrieben, denn auch Spätpubertierende wollte ich an meinen Tisch möglichst vermeiden ;D. Hat zum Glück auch geklappt, die Runde war sehr angenehm.
 

Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: nobody@home am 30.01.2024 | 22:16
[...] aber am liebsten hätte ich ab 25 geschrieben, denn auch Spätpubertierende wollte ich an meinen Tisch möglichst vermeiden ;D.

Na, ob dir da mit einer reinen Altersbeschränkung wirklich sooo geholfen gewesen wäre...? ~;D
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: flaschengeist am 30.01.2024 | 22:47
Na, ob dir da mit einer reinen Altersbeschränkung wirklich sooo geholfen gewesen wäre...? ~;D

Die haben mir ja nicht erlaubt, von jedem Mitspielenden einen PSSI (https://www.testzentrale.de/shop/persoenlichkeits-stil-und-stoerungs-inventar.html) einzufordern, da musste ich nehmen, was ich kriegen kann ;).
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Zed am 31.01.2024 | 00:29
Die "Wahrheit" (einiger hier) jetzt mal auf den Punkt gebracht:

<Edit: Einige Tanelornys stellen die Nutzung der X-Card hier in einer grotesken Verzerrung dar, die nicht der Realität entspricht. Exemplarisch sei dieser Beitrag dafür:

Das wird mit der xCard eben nicht geregelt. Da hat der Benutzer schlicht und einfach Recht und alle anderen haben sich dann noch ihm zu richten. Basta und Aus also - ausdrücklich nix mit reden.
(Bei Bedarf suche ich noch weitere Beispiele heraus.)

Diese absurde Darstellung ist schon grotesk, und ich bin in diesem Post noch den letzten Schritt hin zur Satire gegangen: An dieser Stelle stand vor dem Editieren das von mir mit KI erstellte Comic-Abbild davon, wie sich einige im Tanelorn eine solche Rollenspielrunde mit X-Card-Tool-Nutzung wohl vorstellen, nämlich als eine Gruppe diverser, nicht-resilienter Spieler:innen, deren Spieltisch mit X-Karten übersät ist, und die in Tränen aufgelöst sind.

Ich finde die Strohmann-Verzerrung bei zeitgleicher Verweigerung, die wirklichen Anwendungsmomente der X-Card, die zahlreich genannt werden, zur Kenntnis zu nehmen, potentiell eskalierend. Die von mir hier eingestellte Darstellung dieser Rollenspielrunde machte die Absurdität sichtbar, und war somit auch potentiell eskalierend. Darum habe ich das Bild aufgrund des Moderationshinweises (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,127461.msg135204461.html#msg135204461) wieder entfernt.>
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Mr. Ohnesorge am 31.01.2024 | 06:58
Das ist unfassbar sexistisch.

@Prisma: nach deiner Argumentation wäre die X-Card eher schwach/ wenig hilfreich, aber nicht gefährlich.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Teylen am 31.01.2024 | 07:53
Die Verhinderung von der Konfrontration der Spieler mit Triggern ist auch ansonsten kein Bestandteil der Konzeption oder Zielsetzung der X-Card.
Ich verstehe nicht wie der Umstand das die X-Card nicht das aufkommen von Triggern verhindert ein Teil sein soll der die X-Card schlecht oder auch nur weniger nützlich macht.

@Widersprüchliche Argumentation
Den Widerspruch in der Argumentation sehe ich dahingehend das du die X-Card als Mittel siehst das dem Aufbau einer Resilienz (Therapie/Therapieziel) widerspricht, im selben Abschnitt jedoch argumentierst das Rollenspielrunden keine Therapiesitzungen sind oder sein sollen.
Das heißt entweder haben Rollenspiele auch eine therapeutische Funktion in bspw. dem Aufbau von Resilienzen, oder sie haben keine.

Was außerhalb der Betrachtung der Funktionsweise von Konfrontrationstherapie ist oder dem Aufbau von Widerstandsfähigkeit.
Der Versuch einer selbstorganisierten Konfrontrationstherapie, ohne entsprechend medizinisches bzw. therapeutisches Umfald, kann dazu führen das man einen gegenteiligen Effekt erhält; gerade wenn die Konfrontration nicht so verläuft das man danach ein positives Erlebnis hat sondern bspw. in einer Flucht oder andersweitig wahrgenommenen "versagen" endet.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Jiba am 31.01.2024 | 08:09
Das ist unfassbar sexistisch.

@Prisma: nach deiner Argumentation wäre die X-Card eher schwach/ wenig hilfreich, aber nicht gefährlich.
Das ist eindeutig KI. Die kann ja nicht anders.  8]

Aber ich stimme im zweiten Punkt zu: Die X-Card vielleicht nicht wirksam – und darüber kann man auch diskutieren. Aber den Begriff gefährlich, den finde ich auch etwas drüber, in dem Zusammenhang. Diese Behauptung gehört für mich, grade weil noch der Zusammenhang mit psychologischer Resilienz aufgemacht wird, eigentlich bereits in Rollenspiel und Gesellschaft. Ich würde mir wirklich wünschen, dass wir Spekulationen über Geisteszustände von imaginierten oder realen Rollenspieler:innen einfach droppen. Ich sehe nicht, wie das in der Diskussion einen Mehrwert hat.  :P
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: JollyOrc am 31.01.2024 | 08:59
[Moderatorhut auf]

bitte unterlasst solche Spitzen, sowas ist nicht mehr konstruktiv und potentiell eskalierend und kann mit Ermahnungen bis hin zu Karten geahndet werden. Dies ist erstmal nur ein freundlicher Hinweis.

Die Wahrheit (einiger hier) jetzt mal auf den Punkt gebracht:

(https://www.tanelorn.net/index.php?action=dlattach;topic=127461.0;attach=35711)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Boba Fett am 31.01.2024 | 09:51
Im übrigen sehe ich die X-Card nicht als gefährlich an und vermute der "Missbrauch" ist ein vorgeschobenes Argument, weil in den meisten Runden ganz schnell geregelt wird, ob das "ein-einzelner-diktiert-willkürlich-die-Spielinhalte" legitim ist oder nicht. Grundvoraussetzung für gelungenes Rollenspiel ist schließlich ein Mindestmaß an Sozialkompetenz. Oder was Wil Wheaton's Regel sagt...

Dass die X-Card vielleicht die Wirkung verfehlt und oder Nebenwirkungen mitbringen kann... So what? redet drüber und löst das Problem gemeinsam.
Die Card soll ja ein Schutzmechanismus sein und solche Mechanismen sind nun mal nicht Allheilungsmittel.
In moderenen Wohnungen hat man einen FI-Schutzschalter im Sicherungskasten, aber trotzdem fasst man nicht mit nassen Fingern in die Steckdose oder föhnt sich die Haare in der vollen Badewanne.
fGMV! (fucking gesunder Menschenverstand!)

Vor allem aber finde ich es wichtig, zu betrachten, in welchem Kontext eine Spielrunde zusammenkommt. Wie gut kennt man sich, wie gehen die Leute miteinander um. Kann man sich aufeinander einlassen, was ist mit Rücksicht und Einfühlungsvermögen und auch: Was für Spielinhalte durchspielt man da eigentlich? Wenn das eine Bier & Brezel "Tür-auf-und-rein-in-den-Dungeon" Battlemap Runde ist, braucht es weniger die Card, als wenn da die dystersten Abartigkeiten der Seele erforscht werden. Immerhin hat Mensch-ärger-dich-nicht auch keine X-Card und da kegelt man dauern Leute aus dem Weg. (soll nicht verharmlosend)
Den Kontext kann nur jede Runde gemeinsam besprechend wahrnehmen und damit auch nur jeder selber entscheiden.

Und eins sollte doch klar sein: Eine X-Card nimmt niemanden aus der Verantwortung und ist kein Freifahrtsschein. Wer grenzwertige Erlebnisse durchspielen will, hat trotzdem Empathie zu üben und seine Mitspielern gegenüber Umsicht zu walten. Wenn man nicht sicher ist, ob es allen gut damit geht, was gerade abgeht, dann fragt man und ruht sich nicht auf der nicht ausgespielten Exit Karte aus.
Denn wie immer gilt: redet miteinander. Kümmert Euch um euch gegenseitig...
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: JollyOrc am 31.01.2024 | 09:53
Aber ich stimme im zweiten Punkt zu: Die X-Card vielleicht nicht wirksam – und darüber kann man auch diskutieren. Aber den Begriff gefährlich, den finde ich auch etwas drüber, in dem Zusammenhang.

Dem kann ich, wie Boba, nur zustimmen. Ich gehe sofort mit, dass die X-Card nicht für jede Gruppe wirklich nützlich ist, halte es für unsinnig, sie jemanden aufzwingen zu wollen, sehe sie nur als Ergänzung zu anderen Dingen (Session 0, Lines&Veils, einfache Empathie und Rücksichtsnahme, etc.), aber die Argumente dafür, dass sie schädlich oder gar gefährlich wäre überzeugen mich persönlich nicht.

Insbesondere weil die Fallbeispiele der Argumente dazu alle (soweit ich das erkennen konnte) fiktiv sind, während die Befürworter auf reale Erfahrung am Spieltisch zeigen können.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Harry am 31.01.2024 | 10:24
Mich stört die X-Card weder, noch brauche ich sie unbedingt. Was ich wichtig finde, ist dass sich "die Runde" überhaupt Gedanken zum sicheren und respektvollen Umgang miteinander macht. Welche Werkzeuge notwendig oder erwünscht sind, ist für mich verhandelbar und noch dazu situationsabhängig (Heimrunde vs. Online- oder Con-Runde usw.). Ich bin aber froh, wenn diese Unterhaltung (explizit oder implizit) stattfindet.

Witzig: in seinem aktuellen Video spricht Quinns explizit die X-Card an - ich verlinke es mal (https://www.youtube.com/watch?v=6_dlxbGUNNQ), weil es auch sonst eventuell von Interesse ist. Die relevante Passage beginnt ca. bei Minute 21:00 .
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Hellcat am 31.01.2024 | 11:20
Ohne jetzt alle sieben vorherigen Seiten vollständig gelesen zu haben, meine 2 Cent dazu:

In meinen regelmäßgigen Runden nutze ich keine x-Card. Da sind für mich andere Werkzeuge deutlich sinnvoller, wie das oft angesprochene Reden über Erwartungen und Grenzen. Das funktioniert aber in erster Linie deswegen, weil sich die Leute untereinander (mehr oder weniger) gut kennen. Die x-Card nutze ich eher, wen ich auf Cons Runden leite, mit Menschen die ich nicht gut kenne. Empathie ist da zwar auch ein gutes Hilfsmittel, aber sie ist eben nicht unfehlbar. Da bietet die x-Card aus meiner Sicht eine gute Möglichkeit, rechtzeitig den roten Knopf zu drücken bevor sich jemand so unwohl fühlt, dass die Stimmung kippt oder im schlimmsten Fall er oder sie die Runde sogar verlässt.
Wenn jemand die x-Card benutzt unterbreche ich die Runde kurz, nehme die Person zur Seite und versuche im Rahmen dessen was diese Person bereit ist zu teilen zu klären, ob ich die Szene abändern kann oder ob die Person besser eine Pause macht und mit der nächsten Szene wieder in die Runde einsteigt.


Und eins sollte doch klar sein: Eine X-Card nimmt niemanden aus der Verantwortung und ist kein Freifahrtsschein. Wer grenzwertige Erlebnisse durchspielen will, hat trotzdem Empathie zu üben und seine Mitspielern gegenüber Umsicht zu walten. Wenn man nicht sicher ist, ob es allen gut damit geht, was gerade abgeht, dann fragt man und ruht sich nicht auf der nicht ausgespielten Exit Karte aus.
Denn wie immer gilt: redet miteinander. Kümmert Euch um euch gegenseitig...

Volle Zustimmung!
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Freeport am 31.01.2024 | 11:50
Nach vielem Lesen hier, stelle ich fest, ich bin mit meinem Grundsatz für Rollenspiel immer noch aktuell (auch wenn der jetzt bestimmt 20 Jahre alt ist):

Gut ist Rollenspiel, wenn es allen Beteiligten Spaß macht.
Hat ein/e Beiteiligte/r keinen Spaß, ist das nicht gut.

Wenn jemand in der Runde, eine X-Card oder ein ähnliches System braucht, um sorgenfrei Spielen zu können, so be it. Und das meine weder abwertend, noch sarkastisch, sondern absolut ehrlich.
Es ist ein Dialog, der geführt werden muss. Mal ganz offen, mal reicht ein Nicken, aber er muss geführt werden - nicht, weil es um Schwäche oder irgendwelche Grundsätze geht - sondern, weil es darum geht, dass alle maximal Spaß haben.

Ich werde dann noch mal kurz persönlich: Wer das nicht rafft oder versucht wegzudiskutieren, oder meint sich selbst und seine Bedürfnisse über die der anderen Mitspieler*innen stellen zu müssen, mit dem/der habe ich nichts zu bereden. Darf gern weiter spielen, aber nicht mit mir. Das ist für mich einfach basic decency. Ich habe meine Bedenken zur X-Karte (habe ich oben ja geschrieben, Thema Opt-Out-Fallacy), aber der Grund dahinter steht nicht in Frage. Und weil ich an das Gute im Menschen glaube, möchte ich meinen, das gilt für die meisten hier. :)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 31.01.2024 | 12:59
Im übrigen sehe ich die X-Card nicht als gefährlich an und vermute der "Missbrauch" ist ein vorgeschobenes Argument, weil in den meisten Runden ganz schnell geregelt wird, ob das "ein-einzelner-diktiert-willkürlich-die-Spielinhalte" legitim ist oder nicht. Grundvoraussetzung für gelungenes Rollenspiel ist schließlich ein Mindestmaß an Sozialkompetenz. Oder was Wil Wheaton's Regel sagt...

Dass die X-Card vielleicht die Wirkung verfehlt und oder Nebenwirkungen mitbringen kann... So what? redet drüber und löst das Problem gemeinsam.
Die Card soll ja ein Schutzmechanismus sein und solche Mechanismen sind nun mal nicht Allheilungsmittel.
...

Das wird mit der xCard eben nicht geregelt. Da hat der Benutzer schlicht und einfach Recht und alle anderen haben sich dann noch ihm zu richten. Basta und Aus also - ausdrücklich nix mit reden.

Und während es Fälle gibt, wo das persönliche Unbehagen nachvollziehbar und berechtigt ist, gibt es einen Haufen von aufgeführten Punkten., wo das ganz und gar nicht so ist.

Wenn jemand die x-Card benutzt unterbreche ich die Runde kurz, nehme die Person zur Seite und versuche im Rahmen dessen was diese Person bereit ist zu teilen zu klären, ob ich die Szene abändern kann oder ob die Person besser eine Pause macht und mit der nächsten Szene wieder in die Runde einsteigt.

Das wäre ja in etwa die Alternative, die ich vorgeschlagen habe.
Über das zu löschende Element hinaus nachfragen und abwägen ist mit der X-Card ja gerade ausgeschlossen.

Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: JollyOrc am 31.01.2024 | 13:05
Das wird mit der xCard eben nicht geregelt. Da hat der Benutzer schlicht und einfach Recht und alle anderen haben sich dann noch ihm zu richten. Basta und Aus also - ausdrücklich nix mit reden.

Und während es Fälle gibt, wo das persönliche Unbehagen nachvollziehbar und berechtigt ist, gibt es einen Haufen von aufgeführten Punkten., wo das ganz und gar nicht so ist.

naja, persönliches Unbehagen kann man IMHO nicht wirklich diskutieren. Wenn Person A sagt "damit kann ich nicht um, lasst das bitte", dann kann man maximal darüber diskutieren, ob man dann entweder das Thema eben sein lässt, ODER Person A die Runde verlässt.

Und die X-Karte kommt halt nur dann überhaupt in einer Runde zum Einsatz, wenn sich alle Anwesenden vorher darauf enthusiastisch einigen, in so einem Fall eben das Thema zu lassen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 31.01.2024 | 13:18
Das wäre ja in etwa die Alternative, die ich vorgeschlagen habe.
Über das zu löschende Element hinaus nachfragen und abwägen ist mit der X-Card ja gerade ausgeschlossen.

Ich bin nicht sicher, ob wir alle ein übereinstimmendes Verständnis davon haben, was mit "X-Karte" gemeint ist.

Hier z.B.
https://www.dnddeutsch.de/xcard/
wird eine vorgehensweise beschrieben, mit der Du eigentlich keine Probleme haben solltest. Abgesehen vielleicht von der Aufforderung, die X-Karte oft zu benutzen. Und abgesehen von der Übersetzung, die aus allen Poren Amerikanismen trieft (was vermutlich kaum zu vermeiden ist, soll kein Angriff gegen den Übersetzer sein).
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Boba Fett am 31.01.2024 | 14:00
Das wird mit der xCard eben nicht geregelt. Da hat der Benutzer schlicht und einfach Recht und alle anderen haben sich dann noch ihm zu richten. Basta und Aus also - ausdrücklich nix mit reden.

Es wird vielleicht nicht mit der XCard geregelt, wenn man sich sklavisch buchstabengetreu an der Regelung festhält.
(und ich fahre nie zu schnell, parke nie da wo es nicht erlaubt ist und halte immer an der Line bei einem Stop Schild. ganz ganz ehrlich! Ich liebe es mich an Regeln zu halten!)
Es regelt aber der gesunde Menschenverstand. Wenn da jemand die X-Card ausspielt und das für mich nicht nach einem echten Problem aussieht, wage ich, nachzufragen.
Und wenn die Person da nicht drüber sprechen möchte, ist das okay. Und wenn der Spielleiter mich deswegen rauswirft, ist das Problem schon erledigt.
Aber wenn nicht und wenn das dann häufiger passiert und für mich eigentlich kein Grund erkennbar ist, dann suche ich das Gespräch, allein des "bist Du sicher, dass du in einer Runde, in der immer wieder Inhalte kommen, die dich triggern mitspielen möchtest" wegens. Und wenn das auch abgeblockt wird, dann suche ich was anderes.
Nämlich neue Mitspieler (zumindestens eine, oder, wenn ich damit alleine stehe, eine neue Runde).
Es ist kein Problem, wenn sich eine Person am Tisch zum X-Karten Diktator aufschwingt - zumindestens nicht sehr lange, weil sich das von alleine reguliert.
Wie Wheaton sagt: Spiel nicht mit Arschlöchern.

Und im übrigen steht im oben verlinkten X-Karten Regularium (https://www.dnddeutsch.de/xcard/):
Zitat
Wenn du nicht sicher bist, was mit der X-Karte markiert worden ist, mach eine Pause und rede unter vier Augen mit der Person.
Es ist explizit das darüber reden möglich.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Megavolt am 31.01.2024 | 14:57
Das ist alles ziemlich willkürlich und wischi-waschi mittlerweile, man möchte fast sagen: widersprüchlich.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Boba Fett am 31.01.2024 | 15:05
Das ist alles ziemlich willkürlich und wischi-waschi mittlerweile, man möchte fast sagen: widersprüchlich.
Was findest du widersprüchlich? Wie man mit dem Ausspielen einer X-Card umgehen soll?

Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Swanosaurus am 31.01.2024 | 15:26
M.E. liegt das umfassendere Problem in der Frage nach der Bereitschaft, die Wahrnehmung einer anderen Person am Tisch erst einmal einfach gelten zu lassen, ohne sich angegriffen zu fühlen. Wenn ich als SL der Meinung bin, dass ich wirklich gar nichts ins Spiel gebracht habe, was einem meiner Mitspieler gerade derart sauer aufstoßen könnte, dass das eine Spielunterbrechung/Verlagerung auff andere Themen rechtfertigt, und jemand zückt die X-Karte, dann fühlt sich das natürlich wie ein Missbrauch an - die Person hat das ja "ohne guten Grund" getan, also wahrscheinlich nur, weil sie aus purem Spaß an der Böswilligkeit sabotieren will oder schlicht die Aufmerksamkeit genießt.
Wenn ich dagegen erst einmal davon ausgehe, dass die Person einen legitimen Grund für ihr Handeln hat, auch, wenn ich den vielleicht so unmittelbar nicht nachvollziehen kann, ist es im besten Fall eine Leichtigkeit für jede auch nur halbwegs flexible SL, das Problemthema  gemeinsam zu umschiffen. (und hinterher darüber reden, um zu klären, was eigentlich Sache war, ist damit ja auch nicht zwangsläufig vom Tisch.) Dafür braucht es eben nur die Einsicht, dass es auch andere legitime Perspektiven auf das Geschehen am Tisch geben kann als die eigene.

Klar kann es Missbrauch geben. Aber wie hier schon vielfach gesagt: Wer eine Runde böswillig sabotieren will, wird dabei auch innerhalb des sozialen und mechanischen Regelwerks immer einen Weg finden. Sei es durch exzessives Rules Lawyering, auf das gerade sonst niemand Bock hat, sei es durch sture "Mein Charakter ist halt so"-Nummern, sei es durch manipulatives Verhalten. Da kann die X-Card im besten Fall sogar noch ein kleiner Schutz gegen sein: Die kann ich ja auch nutzen, wenn ein Spieler gerade durch seinen Ego-Trip allen das Treffen versaut.

Wie gesagt verwende ich die X-Card in vertrauten Runden, in denen ich mich halbwegs sicher fühle und auch keine Angst vor Konflikten habe, nicht. In offenen Runden habe ich sie schon oft verwendet, sie wurde aber nie genutzt. Und sobald sie zur Gewohnheit geworden ist und die Vorstellung, dass die X-Card mal angetippt wird, nicht mehr beängstigend ist ("O Gott! Was hab ich falsch gemacht?"), empfinde ich sie tatsächlich als Entlastung bei solchen Runden, auch, weil sie die Verantwortung ein Stück weit in die Runde gibt - sie ist ein klares Signal, das sagt: alle sind für's soziale Miteinander in der Gruppe zuständig, das muss die SL nicht alleine managen.

Ich würde die X-Card auch keiner Runde aufzwingen wollen, die sich in ihrem Kreis dagegen entscheidet, finde es aber gut, wenn sie bei öffentlichen Runden Standard ist. Eine Gefahr kann ich in ihr beim besten Willen nicht erkennen, und das Missbrauchspotenzial beschränkt sich darauf, dass sie wie praktisch alles im Rollenspiel auch dazu eingesetzt werden kann, die anderen Spieler zu gängeln und zu nerven. Aber wie gesagt: Wer das will, schafft es mit oder ohne X-Card.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Foul Ole Ron am 31.01.2024 | 15:57
Ich fasse das mal kurz für mich zusammen:
Mit der X-Card am Tisch kann man also nichts tun, was man ohne die X-Card nicht auch hätte tun können.
Eine X-Card am Tisch verhindert nichts, was nicht nicht auch durch ein knappes Dutzend Gehirnzellen hätte verhindert werden können.
Man kann statt der X-Card auch die Hand heben, sprechen, oder einen fliegen lassen.
Eine X-Card schützt nicht vor Arschlöchern, und eine X-Card macht nicht alles gut.
Eine X-Card soll reglementieren, was nicht wirklich zu reglementieren ist.

Ich finde die X-Card weder störend noch gefährlich - aber auch nicht hilfreich!
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Jiba am 31.01.2024 | 16:08
Eine X-Card am Tisch verhindert nichts, was nicht nicht auch durch ein knappes Dutzend Gehirnzellen hätte verhindert werden können.
Man kann statt der X-Card auch die Hand heben, sprechen, oder einen fliegen lassen.

Uff, naja, das ist schon jetzt eine Polemik, die ich superunangemessen finde. Wenn das wirklich stimmt und man sich hier bei den Erfahrungsberichten umsieht, dann ist dieses "ein halbes Dutzend Gehirnzellen" ja nicht wirklich stichhaltig.

Die X-Karte liegt sichtbar auf dem Tisch und erinnert damit jedermann daran, dass es immer eine Exit-Option für unangenehme Inhalte gibt. Und ohne dass derjenige sich dann noch seelisch nackig machen muss.

Und genau DAS hat die X-Card einem klärenden Gespräch zu Beginn (was auch mit X-Card in der Regel zumindest kurz stattfindet) trotzdem voraus: Durch ihre Existenz zeigt sie: "So spielen wir, wir respektieren, wenn du die Reißleine ziehst."

Sie erinnert daran. Das hat sie den von dir genannten Dingen voraus.  :P
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 31.01.2024 | 16:09
Ich fasse das mal kurz für mich zusammen:
Mit der X-Card am Tisch kann man also nichts tun, was man ohne die X-Card nicht auch hätte tun können.
Eine X-Card am Tisch verhindert nichts, was nicht nicht auch durch ein knappes Dutzend Gehirnzellen hätte verhindert werden können.
Man kann statt der X-Card auch die Hand heben, sprechen, oder einen fliegen lassen.
Eine X-Card schützt nicht vor Arschlöchern, und eine X-Card macht nicht alles gut.
Eine X-Card soll reglementieren, was nicht wirklich zu reglementieren ist.

Ich finde die X-Card weder störend noch gefährlich - aber auch nicht hilfreich!

Scheint mir soweit zutreffend.
Außerd dem letzten Satz. Ich würde meinen, dass Nachdenken über das Problem X-Karte hilfreich ist.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Foul Ole Ron am 31.01.2024 | 16:14
Scheint mir soweit zutreffend.
Außerd dem letzten Satz. Ich würde meinen, dass Nachdenken über das Problem X-Karte hilfreich ist.
Das Nachdenken über die Karte hilft niemandem. Kann man auf den letzten 6 1/2 Seiten nachlesen. Man sollte eher über das Problem nachdenken, und sich nicht im Kreise drehen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Swanosaurus am 31.01.2024 | 16:21
Das Nachdenken über die Karte hilft niemandem. Kann man auf den letzten 6 1/2 Seiten nachlesen. Man sollte eher über das Problem nachdenken, und sich nicht im Kreise drehen.

Vielleicht lässt sich auf den letzten 6 1/2 Seiten auch eher nachlesen, dass die Weigerung, nachzudenken,  niemandem hilft.

Vielleicht kann man den Weicheiern, die eine X-card wollen, auch einfach eine lassen, anstatt über deren Gefährlichkeit zu schwadronieren. Allen anderen steht es ja frei,  nur mit "gestandenen Erwachsenen" zu spielen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 31.01.2024 | 16:36
Das Nachdenken über die Karte hilft niemandem. Kann man auf den letzten 6 1/2 Seiten nachlesen. Man sollte eher über das Problem nachdenken, und sich nicht im Kreise drehen.

Selbstredend (dachte ich zumindest) meine ich, dass das Nachdenken über die Karte das Nachdenken über das Problem beinhaltet. Daher halte ich das für grundsätzlich nicht sinnlos.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Foul Ole Ron am 31.01.2024 | 16:45
Uff, naja, das ist schon jetzt eine Polemik, die ich superunangemessen finde. Wenn das wirklich stimmt und man sich hier bei den Erfahrungsberichten umsieht, dann ist dieses "ein halbes Dutzend Gehirnzellen" ja nicht wirklich stichhaltig.

Die X-Karte liegt sichtbar auf dem Tisch und erinnert damit jedermann daran, dass es immer eine Exit-Option für unangenehme Inhalte gibt. Und ohne dass derjenige sich dann noch seelisch nackig machen muss.

Und genau DAS hat die X-Card einem klärenden Gespräch zu Beginn (was auch mit X-Card in der Regel zumindest kurz stattfindet) trotzdem voraus: Durch ihre Existenz zeigt sie: "So spielen wir, wir respektieren, wenn du die Reißleine ziehst."

Sie erinnert daran. Das hat sie den von dir genannten Dingen voraus.  :P
Auch ohne eine solche Karte musste sich noch nie jemand am Tisch seelisch nackig machen. Und wenn doch jemand das Gefühl hatte ebendies tun zu müssen, dann war das Problem ganz bestimmt nicht die fehlende X-Karte am Tisch! Durch ihre schiere Existenz zeigt die X-Card überhaupt nichts! Gar nichts! Der Umgang mit der Situation ist entscheidend, das, was nach der Karte passiert. DAS zeigt, wie ihr am Tisch spielt, und was ihr respektiert.

@ Swanosaurus: ich schrieb ja, dass ich sie nicht als störend empfände.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Isegrim am 31.01.2024 | 17:00
Sie erinnert daran.

Ist die Frage, ob man das möchte, oder es für sinnvoll hält.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Boba Fett am 31.01.2024 | 17:13
Ich fasse das mal kurz für mich zusammen:
Mit der X-Card am Tisch kann man also nichts tun, was man ohne die X-Card nicht auch hätte tun können.

Da möchte ich widersprechen, auch wenn ich weder Befürworter noch Ablehnende dieser Technik gegenüber eingestellt bin.

Mit dem Auslegen dieser Karte kannst ein Mitspielender signalisieren, dass der Spielinhalt so sehr nahegeht, dass das sofort aufhören muss.
Und zwar - und hier kommt der entscheidende Punkt - ohne ein Wort zu sagen, ohne sich erst mal erklären zu müssen, ohne dass sofort drauf los geredet wird.
Und das kannst Du mit Arm heben, reden oder einen "fliegen lassen" eben NICHT! Da wirst Du Dich immer erklären müssen.

Zitat
Eine X-Card schützt nicht vor Arschlöchern, ...

Da gebe ich Dir recht, aber man muss kein Arschloch sein, um aus Unvermögen oder Unverständnis eine entgleiste Situation noch weiter in der Katastrophe zu reiten.
In dem man eine Erkärung verlangt, wo es erst mal wichtig wäre, Abstand zu gewinnen. In dem man denjenigen zulabert, um sich zu rechtfertigen.
Indem man versucht "das war doch jetzt nichts schlimmes" zu verharmlosen.
Und davor kann (!) so eine Technik bewahren. Weil das Spiel einfach unterbrochen wird, sich (hoffentlich) jemand um die Person 'kümmert' und sich möglichst alle anderen vielleicht erst mal auf den Balkon verziehen bis die Emotionen abgeklungen sind. Und DANN kann man vielleicht (aber auch nur vielleicht) drüber reden. Und gucken, wie man weitermacht. Ob man den Tag überhaupt noch weitermacht.
Und wie gesagt: Man muss kein Idiot und auch kein Arschloch sein, um sich in solchen Moment völlig falsch zu verhalten. Ganz im Gegenteil, wer dann richtig reagiert, dem ist das anzurechnen.
Denn niemand weiß, was da gerade die Person getriggert hat und warum die Situation als so unerträglich empfunden wurde. Und auch nicht, ob oder warum in diesem Moment ein verbales "Stop!" nicht möglich gewesen ist.

Um es noch mal zu wiederholen: Ich finde, man sollte eine Technik wie die X-Card nicht überschätzen und es nimmt niemanden aus der Verantwortung. Und sie hilft vor allem in Rollenspielrunden, die eben nicht alle vertraut miteinander sind und wo man ein Rollenspiel betreibt, das darauf ausgerichtet ist, an die Nieren gehen zu dürfen. Sei es Horror, düstere Thriller, Mystery oder sowas.
Vanilla D&D in einer Runde, die seit 1974 spielt, braucht mit größter Wahrscheinlichkeit keine X-Card. Plüsch-Power & Plunder auch nicht.
My life with master, Kult, Unknown Armies, World of Darkness, Witchcraft - da sehe ich aber ein, dass bei einem sehr engagierten Spielleiter durchaus Situationen entstehen können, die einem so nahe gehen, dass jemand, der vorbelastet (ich vermeide "traumatisiert") ist und das vielleicht nicht mal weiß, starke emotionale Probleme am Tisch bekommen kann. Deswegen würde ich sowas nur in sehr vertrauter Runde spielen, wo ich weiß, dass genug Zuwendung da sein würde, um jemanden aufzufangen und auch genug Empathie, um wahrzunehmen, dass etwas schief läuft.
Und in solchen Umfeldern - vor allem, wenn eben diese Vertrautheit nicht gegeben ist - hat für mich eine solche Technik auch eine große Existenzberechtigung.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 31.01.2024 | 17:31
naja, persönliches Unbehagen kann man IMHO nicht wirklich diskutieren. Wenn Person A sagt "damit kann ich nicht um, lasst das bitte", dann kann man maximal darüber diskutieren, ob man dann entweder das Thema eben sein lässt, ODER Person A die Runde verlässt.

Und die X-Karte kommt halt nur dann überhaupt in einer Runde zum Einsatz, wenn sich alle Anwesenden vorher darauf enthusiastisch einigen, in so einem Fall eben das Thema zu lassen.

Und die X-Card sagt halt: Man lässt das Thema sein, egal was.  Die Person A hat als X-Card-Benutzer einfach automatisch recht.



Hier z.B.
https://www.dnddeutsch.de/xcard/
wird eine vorgehensweise beschrieben, mit der Du eigentlich keine Probleme haben solltest. ...
Von dort:


 3. “If anything in the game makes anyone uncomfortable…”
I switch from saying “you” to “anyone” and “we” below to reinforce it’s about the group’s needs. I say “anything” so it’s not limited or specific because I don’t want to prejudge what people find uncomfortable because it’s subjective and I’m not here to judge

 5. “You don’t have to explain why.”
You can explain why if you want to, but you don't have to. You don't have to debate your experiences and needs.

 6. “It doesn't matter why.”
No judgment. No questioning a person's boundaries.

 7. ”When we lift or tap this card, we simply edit out anything X-Carded…”
Repeat what they need to do “lift the card” and emphasize how it is simple and fast.

 8. ”And if there is ever an issue, anyone can call for a break and we can talk privately."
If the X-Card isn't enough and someone needs help, their needs are more important than the game.

Es ist auch in dieser Form ausschließlich die Person, welche die X-Card zieht, welche bestimmt.

A.)Es wird vielleicht nicht mit der XCard geregelt, wenn man sich sklavisch buchstabengetreu an der Regelung festhält.

B) Es regelt aber der gesunde Menschenverstand. Wenn da jemand die X-Card ausspielt und das für mich nicht nach einem echten Problem aussieht, wage ich, nachzufragen.
Und wenn die Person da nicht drüber sprechen möchte, ist das okay. Und wenn der Spielleiter mich deswegen rauswirft, ist das Problem schon erledigt.

C) Und im übrigen steht im oben verlinkten X-Karten Regularium (https://www.dnddeutsch.de/xcard/):Es ist explizit das darüber reden möglich.

A) Das Bedingungslose und "No questions asked" ist doch genau das, was die X-Card auszeichnet.
B) Genau das steht dir nach X-Card nicht zu. Du kannst maximal selber gehen.
C) Das wird dem Kartenzieher angeboten, er muss aber nicht. Wenn er sagt "spring", dann "darfst" du fragen "Wie hoch hättest dus gerne", aber nicht "warum".

Wie schon vorher gesagt: Eine Karte aka, "jeder kann bei einem Problem eine kurze Auszeit mit dem SL unter 4 Augen nehmen" sähe ich als unproblematisch, aber was die X-Card darüber hinaus bieten soll wäre in meinen Augen nur noch der geplante Missbrauch dieser Karte.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: JollyOrc am 31.01.2024 | 17:38
Und die Originalquelle sagt halt auch (https://docs.google.com/document/d/1SB0jsx34bWHZWbnNIVVuMjhDkrdFGo1_hSC2BWPlI3A/edit):

Zitat
If players don't enthusiastically consent, ask them if they have a different tool they would prefer to use. The X-Card doesn't work for everyone.

Sprich: Wenn vorher nicht alle sagen "Ja, da machen wir mit!", gibt es keine X-Card zu zücken. Die Absprache die Dir fehlt passiert also lange vorher. Ab da hat dann die Person tatsächlich "einfach automatisch recht". Wenn man das nicht möchte, sagt man der Verwendung der Karte am Anfang der Runde halt nicht zu.

Ich sehe da tatsächlich kein Problem.

*) "Enthusiastically consent" meint auch tatsächlich genau das. Ein "ist mir egal" oder einfach gar nix sagen reicht nicht.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Foul Ole Ron am 31.01.2024 | 17:49
Das kann man so sehen, Boba.
Allerdings passiert das von dir Beschriebene eben nicht einfach so zwangsläufig. Weder reiten alle Spielrunden ohne X-Card die Situation aus Unverständnis oder Unvermögen in die Katastrophe, noch bewahrt die Karte am Tisch vor ebenjener. Wie sagt man so schön: gut gemeint hat mit gut gemacht nichts zu tun!

"Da wirst du dich immer erklären müssen" - nein, wieso denn? Und genau so wenig, wie man das eben immer muss, genau so wenig hilft die Karte "immer", dass sich alle in diesem Moment angemessen bzw. richtig verhalten werden.

Ich halte derartige Vorhersagen für Kaffeesatzleserei. Es wird aber auch nicht helfen, noch ein paar Seiten mehr mit mehr oder minder abwegigen Konstruktionen für oder wider die Karte zu füllen. Der Kern liegt für mich in der Kommunikation, wobei es keine Rolle spielt, ob ich über eine Karte oder verbal oder mit den Füßen kommuniziere!

Wie schon gesagt: ich bin ja gar nicht dagegen, aber Nutzen sehe ich keinen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Zed am 31.01.2024 | 18:03
Und die X-Card sagt halt: Man lässt das Thema sein, egal was.  Die Person A hat als X-Card-Benutzer einfach automatisch recht.

"Die Person hat automatisch recht." steht da einfach nicht.

Die Person hat nicht einfach automatisch recht. Die Person hat nur automatisch das Recht, ihre Befindlichkeit nicht erklären zu  m ü s s e n - das ist, was da steht:
 
5. “You don’t have to explain why.”
You can explain why if you want to, but you don't have to. You don't have to debate your experiences and needs.

nicht müssen  ≠ nicht dürfen. "You can explain why if you want to". Eindeutiger geht es nicht.

Wir können stattdessen für die meisten Fälle annehmen: Nach dem Zeigen der X-Karte, die ja nur eine von vielen Möglichkeiten ist, eine Situation zu unterbrechen, wird mit Kommunikation geklärt, wie es weitergeht.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 31.01.2024 | 18:28
"Die Person hat automatisch recht." steht da einfach nicht.

Das steht da aber auch:

7. ”When we lift or tap this card, we simply edit out anything X-Carded…
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: kamica am 31.01.2024 | 18:58
Ich habe immer noch nicht verstanden, was "mir ist das Thema unangenehm, ich möchte hier bitte abbrechen" mit "Recht haben" zu tun hat. Wieso soll er nicht das "Recht" haben dürfen, zu entscheiden, was ihm unangenehm ist und was nicht? (Ob er das per X-Card macht oder laut sagt ist doch völlig wurscht) Wer soll denn sonst entscheiden, was er unangenehm finden darf und was nicht? Und wer soll außer ihm entscheiden, ob er über seinen wunden Punkt reden möchte oder nicht?  (Ich kann schon verstehen, dass sich jemand, der grade eine Spielunterbrechung braucht, weil ihm das Ganze zu sehr unter die Haut geht, nicht Gefahr laufen möchte, von seiner Gruppe einen Vortrag darüber gehalten zu bekommen, dass er an dieser Stelle nicht abbrechen darf, weil sein unangenehmes Gefühl in den Augen der Gruppe völlig unangebracht ist. ("Das ist nun mal in Warhammer Setting so.")

Außerdem ist doch nicht in Stein gemeißelt, wie die X-Card funktioniert. Auch darüber kann eine Gruppe ja Absprachen treffen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 31.01.2024 | 19:09
Das steht da aber auch:

7. ”When we lift or tap this card, we simply edit out anything X-Carded…

Was spricht denn dagegen? Vorausgesetzt, dass das nicht sehr oft passiert. Falls es sehr oft passiert, würde ich auch meinen, dass irgendwas grundsätzliches an der Konstellation nicht stimmt und dass man darüber sprechen sollte, was da grundsätzlich nicht passt.

Es sollte doch klar sein, dass niemand gezwungen werden soll, etwas mitzumachen, was er nicht möchte. Entsprechend muss es doch reichen, wenn jemand signalisiert, dass das so nicht geht.

Die Frage ist doch eigentlich nur, ob man darüber reden kann/soll/darf. Und ich habe hier noch keine Stimme gehört, die verbieten würde, freundlich nachzufragen, zumal wenn es sich häufen sollte.
Gleichzeitig ist klar, dass sich niemand gezwungen fühlen soll, sich zu rechtfertigen. Wenn man nicht über etwas reden möchte, dann muss das OK sein. Genauso OK ist es, dann darüber zu sprechen, ob das wirklich das richtige Spiel oder das richtige Szenario für alle Beteiligten ist.

Ist irgendwas davon nicht konsensfähig?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 31.01.2024 | 19:33
A) Ich habe immer noch nicht verstanden, was "mir ist das Thema unangenehm, ich möchte hier bitte abbrechen" mit "Recht haben" zu tun hat. Wieso soll er nicht das "Recht" haben dürfen, zu entscheiden, was ihm unangenehm ist und was nicht?

...
B) Außerdem ist doch nicht in Stein gemeißelt, wie die X-Card funktioniert. Auch darüber kann eine Gruppe ja Absprachen treffen.

A) Das spricht ihm keiner ab. Aber die Setzung "und dann richten sich alle ohne weitere Abwägung automatisch nach den Befindlichkeiten des Einen" ist dann "Recht haben" .

B) Dann gibt es gar keine diskutierbare X_Card, weil das dann ALLES bedeuten kann.

C) Was spricht denn dagegen? Vorausgesetzt, dass das nicht sehr oft passiert. ...

D) Es sollte doch klar sein, dass niemand gezwungen werden soll, etwas mitzumachen, was er nicht möchte. Entsprechend muss es doch reichen, wenn jemand signalisiert, dass das so nicht geht.

E) Die Frage ist doch eigentlich nur, ob man darüber reden kann/soll/darf. Und ich habe hier noch keine Stimme gehört, die verbieten würde, freundlich nachzufragen, zumal wenn es sich häufen sollte.
Gleichzeitig ist klar, dass sich niemand gezwungen fühlen soll, sich zu rechtfertigen. Wenn man nicht über etwas reden möchte, dann muss das OK sein. Genauso OK ist es, dann darüber zu sprechen, ob das wirklich das richtige Spiel oder das richtige Szenario für alle Beteiligten ist.

Ist irgendwas davon nicht konsensfähig?
C) Das andere Mitspieler andere Vorstellungen davon haben, wie das Spiel aussehen soll und das einer - alleine, weil er zuerst auf die Karte gezeigt hat - nun ausschließen können soll.
D) Doch, genau das versucht die Karte, denn damit werden die anderen gezwungen sich nach dem Xer zu richten.
E) Und er braucht darauf nicht antworten, sondern kann nach Plan stumm auf seinem "Recht" beharren.

Und nebenbei: es hindert den Betreffenden ja auch keiner einfach selbst zu gehen. Respekt und Toleranz geht nicht nur in eine Richtung und daher sollte zumindest die kurze Aussprache mit dem SL für jeden angemessen sein. Und wer so traumatisiert ist, das nicht mehr hinzubekommen, dürfte wohl auch zu angeschlagen sein um weiter spielen zu können. 
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Weltengeist am 31.01.2024 | 19:42
Die Person hat nicht einfach automatisch recht. Die Person hat nur automatisch das Recht, ihre Befindlichkeit nicht erklären zu  m ü s s e n - das ist, was da steht:

Irgendwie blicke ich trotzdem nicht, wie das Konzept in der Praxis funktionieren soll. Ist denn immer klar, was die Person jetzt gestört hat? In den meisten Situationen, die mir spontan einfallen und in denen jemand so eine Karte hätte ziehen können, wäre das überhaupt nicht der Fall gewesen.

Wie sieht denn die Reaktion auf das Ziehen der Karte in der Praxis aus? Machen wir doch mal ein Beispiel: Wir sind mitten in einer dramatischen Szene, der Kampf ist zu Ende, ein SC ist am Verbluten, zwei Gefangene weigern sich zu verraten, wo die Blume des Lebens wächst, Emotionen kochen hoch, der erste Spieler denkt laut über Verhörmethoden nach, der Priester verweist auf Praios Gerechtigkeit, jeder schreit jeden an, und plötzlich wirft jemand die X-Card auf den Tisch. Soweit gehe ich mit. Aber jetzt kann oder mag der Getriggerte nicht erklären, was ihn gestört hat. Und nun? Wie geht es jetzt weiter?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: KapitänOffensichtlich am 31.01.2024 | 19:46
Wie geht es jetzt weiter?

Berechtigte Frage, ich bin gespannt
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Irian am 31.01.2024 | 19:49
C) Das andere Mitspieler andere Vorstellungen davon haben, wie das Spiel aussehen soll und das einer - alleine, weil er zuerst auf die Karte gezeigt hat - nun ausschließen können soll.

Wenn die Glückseligkeit aller anderen Spieler davon abhängt, nun ausgerechnet das eine zu bespielen, was einem Spieler offensichtlich Unwohlsein bereitet, dann gibt es doch eh Probleme, ob mit oder ohne X-Card. Ich meine, was passiert schon ohne X-Card?

1) Alle anderen nehmen Rücksicht und stecken zurück
2) Der eine Spieler steckt zurück und fühlt sich unwohl
3) Der eine Spieler spielt nicht mehr mit

Die X-Card ist lediglich die vorherige Einigung, dass man in solchen Fällen 1) bevorzugt und dafür eine niederschwellige Möglichkeit anbietet. Diese Idee, dass das dann quasi dauernd passiert, halte ich für Paranoia und selbst wenn, würde das ja nur aufzeigen, dass es ein prinzipielles Problem gibt, dass man ohnehin lösen müsste. Ich weiß jetzt nicht, wo sich manche zum Spielen rumtreiben, dass eine solche Panik vor irgendwelchen Problemspielern herrscht.

D) Doch, genau das versucht die Karte, denn damit werden die anderen gezwungen sich nach dem Xer zu richten.

"Gezwungen" ist eine seltsame Formulierung, wenn die Bedingung ist, dass sich vorher alle einstimmig (und vorzugsweise enthusiastisch) auf die Verwendung der X-Card geeinigt haben. Also ja, du bist "gezwungen", die Absprachen deiner Gruppe, wie immer die aussehen, einzuhalten. Darin etwas schlechtes mag ich aber nicht erkennen.

E) Und er braucht darauf nicht antworten, sondern kann nach Plan stumm auf seinem "Recht" beharren.

Ja, darauf hat man sich geeinigt. Vorher. Alle. Einstimmig. Vorzugsweise enthusiastisch.

Und nebenbei: es hindert den Betreffenden ja auch keiner einfach selbst zu gehen.

Es hindert auch keinen jemanden daran, vorher nicht zuzustimmen...
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 31.01.2024 | 19:54
Wenn die Glückseligkeit aller anderen Spieler davon abhängt, nun ausgerechnet das eine zu bespielen, was einem Spieler offensichtlich Unwohlsein bereitet, dann gibt es doch eh Probleme, ob mit oder ohne X-Card. Ich meine, was passiert schon ohne X-Card?

1) Alle anderen nehmen Rücksicht und stecken zurück
2) Der eine Spieler steckt zurück und fühlt sich unwohl
3) Der eine Spieler spielt nicht mehr mit

Die X-Card ist lediglich die vorherige Einigung, dass man in solchen Fällen 1) bevorzugt und dafür eine niederschwellige Möglichkeit anbietet. Diese Idee, dass das dann quasi dauernd passiert, halte ich für Paranoia und selbst wenn, würde das ja nur aufzeigen, dass es ein prinzipielles Problem gibt, dass man ohnehin lösen müsste. Ich weiß jetzt nicht, wo sich manche zum Spielen rumtreiben, dass eine solche Panik vor irgendwelchen Problemspielern herrscht.

"Gezwungen" ist eine seltsame Formulierung, wenn die Bedingung ist, dass sich vorher alle einstimmig (und vorzugsweise enthusiastisch) auf die Verwendung der X-Card geeinigt haben. Also ja, du bist "gezwungen", die Absprachen deiner Gruppe, wie immer die aussehen, einzuhalten. Darin etwas schlechtes mag ich aber nicht erkennen.

Ja, darauf hat man sich geeinigt. Vorher. Alle. Einstimmig. Vorzugsweise enthusiastisch.

Es hindert auch keinen jemanden daran, vorher nicht zuzustimmen...

OK, dann sage ich mal zur Startfrage:
Der Wunsch die unmodifizierte X-Card anwenden zu wollen würde ich als Anzeichen sehen mit jemanden spielen zu sollen, welcher den Missbrauch der Generalermächtigung, die ihm dadurch zuwächst, schon plant und wäre ein Grund die Runde direkt abzuschreiben.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: kamica am 31.01.2024 | 19:55
Wie sieht denn die Reaktion auf das Ziehen der Karte in der Praxis aus? Machen wir doch mal ein Beispiel: Wir sind mitten in einer dramatischen Szene, der Kampf ist zu Ende, ein SC ist am Verbluten, zwei Gefangene weigern sich zu verraten, wo die Blume des Lebens wächst, Emotionen kochen hoch, der erste Spieler denkt laut über Verhörmethoden nach, der Priester verweist auf Praios Gerechtigkeit, jeder schreit jeden an, und plötzlich wirft jemand die X-Card auf den Tisch. Soweit gehe ich mit. Aber jetzt kann oder mag der Getriggerte nicht erklären, was ihn gestört hat. Und nun? Wie geht es jetzt weiter?
Schnitt ins Gasthaus:
Der Verwundete ist versorgt und die Wirtin bringt grade Bier und Essen. Die Gefangenen befinden sich im Gefängnis der Stadtwache, wo sie sicher im Kerker sitzen. Die Gruppe kann in aller Ruhe überlegen, was sie jetzt machen möchte.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 31.01.2024 | 19:57
Schnitt ins Gasthaus:
Der Verwundete ist versorgt und die Wirtin bringt grade Bier und Essen. Die Gefangenen befinden sich im Gefängnis der Stadtwache, wo sie sicher im Kerker sitzen. Die Gruppe kann in aller Ruhe überlegen, was sie jetzt machen möchte.

Abenteuer gelöst, alle können nach Hause gehen. Zufällig könnte man aber auch mit der Gruppe -1 Mitspieler noch einmal nach der Blume schaun gehen ...
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Irian am 31.01.2024 | 19:57
Wie sieht denn die Reaktion auf das Ziehen der Karte in der Praxis aus? Machen wir doch mal ein Beispiel: Wir sind mitten in einer dramatischen Szene, der Kampf ist zu Ende, ein SC ist am Verbluten, zwei Gefangene weigern sich zu verraten, wo die Blume des Lebens wächst, Emotionen kochen hoch, der erste Spieler denkt laut über Verhörmethoden nach, der Priester verweist auf Praios Gerechtigkeit, jeder schreit jeden an, und plötzlich wirft jemand die X-Card auf den Tisch. Soweit gehe ich mit. Aber jetzt kann oder mag der Getriggerte nicht erklären, was ihn gestört hat. Und nun? Wie geht es jetzt weiter?

Wie würde es denn weiter gehen, wenn ein Spieler erst ganz still wird und dann plötzlich rausrennt? Ich sehe die Schwierigkeit nicht (und das als introvertierter Sozial-Vermeider)...

a) Man stoppt die Szene erstmal (entweder völlig, blendet um, whatever, relativ egal)
b) Man (d.h. eine Person, welche immer am geeignesten ist) versucht erstmal sicher zu stellen, dass es der betroffenen Person gut geht (idealerweise mit ner gewissen Vorsicht und ggf. Pause)
c) Alle anderen dürfen mal aufs Klo (vielleicht nicht zusammen) oder eine rauchen (das gerne zusammen)
d) Wenn die Situation, wie hier, unklar ist, versucht die andere Person, nachdem b) fertig gestellt wurde, zu klären, was das Problem war bzw. welchen Aspekt man weglassen sollte
e) Danach entscheidet man, ob es weitergeht, minus das Problem, ob der Spieler mit dem Problem einfach mal aussetzt, ob man erstmal ne Pizza bestellt oder whatever halt sonst nötig ist, damit sich ALLE wohl fühlen.

Ich bin ehrlich gesagt minimal verwundert, dass Leute tatsächlich die Frage stellen, was man tut, wenn eine Szene einem Spieler offensichtlich größere Probleme macht.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 31.01.2024 | 20:04
Wie würde es denn weiter gehen, wenn ein Spieler erst ganz still wird und dann plötzlich rausrennt? Ich sehe die Schwierigkeit nicht (und das als introvertierter Sozial-Vermeider)...

a) Man stoppt die Szene erstmal (entweder völlig, blendet um, whatever, relativ egal)
b) Man (d.h. eine Person, welche immer am geeignesten ist) versucht erstmal sicher zu stellen, dass es der betroffenen Person gut geht (idealerweise mit ner gewissen Vorsicht und ggf. Pause)
c) Alle anderen dürfen mal aufs Klo (vielleicht nicht zusammen) oder eine rauchen (das gerne zusammen)
d) Wenn die Situation, wie hier, unklar ist, versucht die andere Person, nachdem b) fertig gestellt wurde, zu klären, was das Problem war bzw. welchen Aspekt man weglassen sollte
e) Danach entscheidet man, ob es weitergeht, minus das Problem, ob der Spieler mit dem Problem einfach mal aussetzt, ob man erstmal ne Pizza bestellt oder whatever halt sonst nötig ist, damit sich ALLE wohl fühlen.

Ich bin ehrlich gesagt minimal verwundert, dass Leute tatsächlich die Frage stellen, was man tut, wenn eine Szene einem Spieler offensichtlich größere Probleme macht.

Größere und typischerweise im eigenen persönlichen unangenehmen Schicksal liegende Probleme sind aber nur ein - und ich denke sehr kleiner Teil - dessen, was alles da mit der Karte umfasst wird.
Triggers can be anything!

Jedes beliebige Stück Spielinhalt steht zum spontanen unwidersprochenen Abschuss bereit.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: kamica am 31.01.2024 | 20:04
Abenteuer gelöst, alle können nach Hause gehen. Zufällig könnte man aber auch mit der Gruppe -1 Mitspieler noch einmal nach der Blume schaun gehen ...
Wie würde denn deine Lösung in dieser Situation aussehen?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Swanosaurus am 31.01.2024 | 20:05
OK, dann sage ich mal zur Startfrage:
Der Wunsch die unmodifizierte X-Card anwenden zu wollen würde ich als Anzeichen sehen mit jemanden spielen zu sollen, welcher den Missbrauch der Generalermächtigung, die ihm dadurch zuwächst, schon plant und wäre ein Grund die Runde direkt abzuschreiben.

Warum solltest du vom allerschlechtesten möglichen Fall ausgehen? Da könnte man ja genau so gut unterstellen, dass alle, die eine X-card in der Runde ablehnen, planen, die anderen mit einem megakrassen Edgelord-Programm zu überrumpeln und sich an ihren grüngrauen Gesichtern zu weiden.

Meinst du, dass alle hier, die sich unter bestimmten Umständen eine X-card wünschen, in Wirklichkeit lügen und nur ihren Machttrip ausleben wollen? Wenn nicht, dann solltest du vielleicht auch der restlichen Rollenspielwelt das gleiche Vertrauen entgegenbringen, anstatt sie einfach vorzuverurteilen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Weltengeist am 31.01.2024 | 20:08
d) Wenn die Situation, wie hier, unklar ist, versucht die andere Person, nachdem b) fertig gestellt wurde, zu klären, was das Problem war bzw. welchen Aspekt man weglassen sollte

Nicht cheaten, bitte. Die Aussage war ja gerade, dass der Getriggerte genau diese Frage nicht beantworten muss. Wenn er das doch tun muss, damit wir eine Lösung haben, sind wir genau da, wo wir mit dem altmodischem "Stopp, Leute, das wird mir zuviel" und anschließendem Zusammensitzen und Quatschen auch waren.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: KapitänOffensichtlich am 31.01.2024 | 20:08
Schnitt ins Gasthaus:
Der Verwundete ist versorgt und die Wirtin bringt grade Bier und Essen. Die Gefangenen befinden sich im Gefängnis der Stadtwache, wo sie sicher im Kerker sitzen. Die Gruppe kann in aller Ruhe überlegen, was sie jetzt machen möchte.

Bei so einer Lösung würde ICH dann die Karte spielen (wenn ich sie und Runden in denen sie existiert nicht ablehnen würde). Wen soll das dnen in irgend einer Weise zufriedenstellen? Da ist doch für alle "normalen" der Abend gelaufen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: kamica am 31.01.2024 | 20:10
Bei so einer Lösung würde ICH dann die Karte spielen (wenn ich sie und Runden in denen sie existiert nicht ablehnen würde). Wen soll das dnen in irgend einer Weise zufriedenstellen? Da ist doch für alle "normalen" der Abend gelaufen.
Wie würdest du die Situation lösen?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: KapitänOffensichtlich am 31.01.2024 | 20:12
Es gäbe diese Situation nicht, ich müsste sie also nicht lösen. ich bin auch kein Fürsprecher der zu diskutierenden Methode. Ich erkläre dir gerne in einem "Wie man sinnvoll Personen und bespielbare Themen für eine Spielgruppe filtert"-Thread, wie ich es erst gar nicht zu so einem Totalausfall kommen lasse.

Wenn ich keine Rundenverantwortung habe, dann ist es aber auch selten vorgekommen, dass jemand nicht mehr weiterspielen konnte/wollte. Dann ist aber erfahrungsgemäß der Abend gelaufen. Ich erkläre der Person dann, dass ich nicht ihr Therapeut bin und zukünftig ohne sie spielen werde.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Swanosaurus am 31.01.2024 | 20:16
Man kann sich natürlich in herbeigeredete legalistische Negativszenarien verrrennen ... Dann sollten wir uns aber auch fragen, ob der Privatbesitz von Rollenspiel-Material nicht ein Problem ist (ein Spieler kann die Runde sabotieren, indem er ihr das Regelbuch entzieht), oder das Hausrecht (ein Spieler kann den Rest der Runde vor die Tür setzen), oder die individuelle Bewegungsfreiheit (ein Spieler kann die Runde sabotieren, indem er aufsteht und geht) ... Ich freue mich schon auf die Threads zu den Gefahren von Privateigentum, Hausrecht und Bewegungsfreiheit!
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 31.01.2024 | 20:16
Wie würde denn deine Lösung in dieser Situation aussehen?

nach #86:
Der Spielleiter geht mit dem Spieler kurz vor die Tür, wo zweiterer sein Problem erklärt und ersterer das dann halt doch bewerten muss und dann idealerweise einen Kompromiss/Lösung anstrebt.
Wobei wenn da wirklich ein Trauma getriggert wurde, stellt sich mir die Frage, wie dass dann tatsächlich am Spieltisch gelöst werden soll. Angeschlagen wäre der Betreffende ja doch entsprechend stark .
Wenn das allerdings auf eine Geschmackssache hinausläuft, dann wären auch die anderen Spieler gleichberechtigt mit zu Rate zu ziehen. 

Warum solltest du vom allerschlechtesten möglichen Fall ausgehen? Da könnte man ja genau so gut unterstellen, dass alle, die eine X-card in der Runde ablehnen, planen, die anderen mit einem megakrassen Edgelord-Programm zu überrumpeln und sich an ihren grüngrauen Gesichtern zu weiden.

Meinst du, dass alle hier, die sich unter bestimmten Umständen eine X-card wünschen, in Wirklichkeit lügen und nur ihren Machttrip ausleben wollen? Wenn nicht, dann solltest du vielleicht auch der restlichen Rollenspielwelt das gleiche Vertrauen entgegenbringen, anstatt sie einfach vorzuverurteilen.

Ja, weil sie die moderierte alternative Variante, welche diese Missbrauchautomatik entfernt, abgelehnt haben.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Darius der Duellant am 31.01.2024 | 20:17
Uff, naja, das ist schon jetzt eine Polemik, die ich superunangemessen finde. Wenn das wirklich stimmt und man sich hier bei den Erfahrungsberichten umsieht, dann ist dieses "ein halbes Dutzend Gehirnzellen" ja nicht wirklich stichhaltig.

Die X-Karte liegt sichtbar auf dem Tisch und erinnert damit jedermann daran, dass es immer eine Exit-Option für unangenehme Inhalte gibt. Und ohne dass derjenige sich dann noch seelisch nackig machen muss.

Und genau DAS hat die X-Card einem klärenden Gespräch zu Beginn (was auch mit X-Card in der Regel zumindest kurz stattfindet) trotzdem voraus: Durch ihre Existenz zeigt sie: "So spielen wir, wir respektieren, wenn du die Reißleine ziehst."

Sie erinnert daran. Das hat sie den von dir genannten Dingen voraus.  :P



Als reine Gedächtnisstütze für einen Gruppenvertrag braucht es kein Werkzeug mit angehängter Zusatzfunktion.

Man kann die X-Card natürlich beliebig weit in ihrer Funktionalität modifizieren und anpassen, damit geht im Kontakt mit dritten aber ihr Vorteil flöten, ein klar umrissenes Werkzeug zu sein bei dem man nicht extra über die spezifischen Anpassungen diskutieren muss (Uno-Hausregeln lassen grüßen).
Und für mich persönlich ist die Verwendung der X-Card in der RAW-Version ausgehend von dem von mir auf Seite 1 dieses Themas verknüpften Erklärung des Autors aufgrund von wenigstens zwei Faktoren keine Option:
1. Sie bietet die Möglichkeit der Kommentar- und Erklärungsfreien Unterbrechung des Spielflusses in Kombination mit einer Kommunikationsebene die ich in diesem Zusammenhang als unverschämt erachte.
Auf Fingerzeig und ohne Worte einen Sprung zu erwarten darfst du gerne von deiner Katze/deinem Hund, aber nicht von mir.

2. (Und das spielt ergänzend zum oberen Punkt rein): Die RAW Definition für Kartenauslösende "Trigger" ist mir signifikant zu weit gefasst.
Ich verweise da nochmals auf das (explizit im Manifest des Autors genannte Beispiel) des angehenden Nichtrauchers der bei einem rauchenden NPC die Karte zückt.
Das ist eine Schwelle die ich als unverschämt gegenüber meiner investierten Vorbereitungszeit erachte und so jemanden würde ich auch direkt aus der Gruppe werfen.
Das kann ich aber nicht mehr guten Gewissens machen wenn ich die X-Card regeln akzeptiere, da eine drohende "Strafe" für den Einsatz der Karte das ganze Konzept ad absurdum führen würde.

Warum solltest du vom allerschlechtesten möglichen Fall ausgehen? Da könnte man ja genau so gut unterstellen, dass alle, die eine X-card in der Runde ablehnen, planen, die anderen mit einem megakrassen Edgelord-Programm zu überrumpeln und sich an ihren grüngrauen Gesichtern zu weiden.

Meinst du, dass alle hier, die sich unter bestimmten Umständen eine X-card wünschen, in Wirklichkeit lügen und nur ihren Machttrip ausleben wollen? Wenn nicht, dann solltest du vielleicht auch der restlichen Rollenspielwelt das gleiche Vertrauen entgegenbringen, anstatt sie einfach vorzuverurteilen.

Lass doch Mal dieses polemische Schwarz-weiß Denken.
Es brauchen gar nicht alle oder die Majorität an X-Kartennutzern ein destruktives Verhalten an den Tag legen damit man für sich persönlich entscheiden kann, dass in der eigenen Abschätzung der potenzielle Nutzen der Karte nicht so hoch ist, dass er das zusätzliche Schadensrisiko überwiegt.
Und da kann es keine objektive Wahrheit geben die man jemandem Vorschreiben kann.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: KapitänOffensichtlich am 31.01.2024 | 20:18
Weder für Hausrecht, noch Bewegungsfreiheit, noch Privateigentum gibst du einen Spielgegenstand bewusst zum Spiel hinzu, der ganz klar auffordert so das Spiel zu ruinieren. Den Vergleich finde ich jetzt etwas schwach.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Irian am 31.01.2024 | 20:19
Nicht cheaten, bitte. Die Aussage war ja gerade, dass der Getriggerte genau diese Frage nicht beantworten muss. Wenn er das doch tun muss, damit wir eine Lösung haben, sind wir genau da, wo wir mit dem altmodischem "Stopp, Leute, das wird mir zuviel" und anschließendem Zusammensitzen und Quatschen auch waren.

Ich nehme dir ehrlich gesagt nicht ab, dass das kein Getrolle ist, aber nun ja...

Die X-Card erlaubt erstmal nen niederschwelligen Stop, ohne dass man sich dabei sofort rechtfertigen muss, was ja bei anderen Situationen nicht automatisch klar ist (es kann natürlich auch sein, dass ne Gruppe bei "Stop, ist mir zuviel" auch einfach sagt "Ok, nächster Tag." - aber die X-Card macht es halt explizit). Es ist ein Versprechen, dass eben nicht der öffentliche Rechtfertigungsdruck ausgeübt werden wird. Wenn die Situation nicht "offensichtlich" ist, muss man natürlich irgendwie trotzdem klären, was nun geht und was nicht. Wenn der Spieler das nicht sagen will, kann man ja wahlweise die ganze Szene überspringen, oder der Spieler geht ne Runde rauchen während der Rest die Szene fertig spielt und kommt danach wieder oder sonstwas. Ist auch alles völlig ok.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Swanosaurus am 31.01.2024 | 20:22
Weder für Hausrecht, noch Bewegungsfreiheit, noch Privateigentum gibst du einen Spielgegenstand bewusst zum Spiel hinzu, der ganz klar auffordert so das Spiel zu ruinieren. Den Vergleich finde ich jetzt etwas schwach.

Die X-card fordert allerdings nicht dazu auf, das Spiel zu ruinieren.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: kamica am 31.01.2024 | 20:22
Wenn ich keine Rundenverantwortung habe, dann ist es aber auch selten vorgekommen, dass jemand nicht mehr weiterspielen konnte/wollte. Dann ist aber erfahrungsgemäß der Abend gelaufen. Ich erkläre der Person dann, dass ich nicht ihr Therapeut bin und zukünftig ohne sie spielen werde.
Deine Lösung ist also, denjenigen, dem es schlecht geht, aus der Gruppe zu werfen. Habe ich dich richtig verstanden?

Mal so an alle, die einen massiven Missbrauch der X Card  ausgehen: Wie häufig ist es bei euch am Tisch tatsächlich vorgekommen, dass die X Card missbraucht wurde? Was genau ist da passiert? Ich hätte gerne ein paar reale erlebte Beispiele, um mir das besser vorstellen zu können.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 31.01.2024 | 20:23
Nicht cheaten, bitte. Die Aussage war ja gerade, dass der Getriggerte genau diese Frage nicht beantworten muss. Wenn er das doch tun muss, damit wir eine Lösung haben, sind wir genau da, wo wir mit dem altmodischem "Stopp, Leute, das wird mir zuviel" und anschließendem Zusammensitzen und Quatschen auch waren.

Nach Original:
What if you don't know what was X-Carded?

Call for a break and have the person running the game or a close friend speak privately with the person who used the X-Card. In general, we tell people that no explanations are needed, but if they want to share, they are welcome to. It's their choice.


Der SL sollte bei der Seite nach dem genauen Ziel der X-Karte fragen - ob er eine Antwort bekommt und wie es weitergeht wenn nicht ...

Deine Lösung ist also, denjenigen, dem es schlecht geht, aus der Gruppe zu werfen. Habe ich dich richtig verstanden?

Mal so an alle, die einen massiven Missbrauch der X Card  ausgehen: Wie häufig ist es bei euch am Tisch tatsächlich vorgekommen, dass die X Card missbraucht wurde? Was genau ist da passiert? Ich hätte gerne ein paar reale erlebte Beispiele, um mir das besser vorstellen zu können.

So häufig ist die X-Card ja zum Glück nicht. (Ich weiß nicht, ob sie bei einer Runder monsterhearts mal mit auf dem Tisch lag)
Aber Fälle von Leuten, die sagen wir mal "sozial schwierig" versucht haben, ihre Belange am Tisch durchzusetzen und für die so eine X-card ein gefundenenes Fressen wäre, gibt es genug.

Aber nimm mal als Gedankenspiel diejenigen Leute, die Homosexualität ablehnen und da hat es ja auch schon entsprechend eskalierende Diskussionen im Netz zu gegeben.  Dann sind die eben davon "getriggert", er braucht das ja nicht mal konkret zu benennen - NSC x "muss weg" ... .
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Megavolt am 31.01.2024 | 20:27
Nicht cheaten, bitte. Die Aussage war ja gerade, dass der Getriggerte genau diese Frage nicht beantworten muss. Wenn er das doch tun muss, damit wir eine Lösung haben, sind wir genau da, wo wir mit dem altmodischem "Stopp, Leute, das wird mir zuviel" und anschließendem Zusammensitzen und Quatschen auch waren.

Vielen Dank, diese Frage stellt sich mir seit dem ersten Tag.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: KapitänOffensichtlich am 31.01.2024 | 20:28
Die X-card fordert allerdings nicht dazu auf, das Spiel zu ruinieren.

Dann sag mir doch, wie es nach einer eingesetzten Karte weitergehen soll, ohne dass das Spiel ruiniert ist. In die Taverne Porten ist keine befriedigende Lösung.

Deine Lösung ist also, denjenigen, dem es schlecht geht, aus der Gruppe zu werfen. Habe ich dich richtig verstanden?

Wenn der Ausfall nicht als einmalig erklärt werden kann und eine Wiederholung zu befürchten ist: Ganz klar ja! Warum soll ich mir sowas antun?

Wer sich nicht in der Lage fühlt an einem Spiel teilzunehmen, aus das man sich verständigt hat, der sollte selbst fernbleiben. Wenn das nicht gelingt, dann muss zum wohle Aller (auch der armen Person, der es "schlecht geht") nachgeholfen werden.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Darius der Duellant am 31.01.2024 | 20:29
Die X-card fordert allerdings nicht dazu auf, das Spiel zu ruinieren.


Sie macht es allerdings deutlich leichter.
Wenn ich schon ein Werkzeug mit klaren Regeln an den Tisch bringe, ist das eine implizierte Aufforderung dass das Werkzeug auch RAW genutzt werden darf.

Mal ein Beispiel aus dem Forum hier:
Der Blubbberlästerthread war über Jahre hinweg faktisch eine Einladung im DSA Bereich zu Shitposten
Gäbe es denn nicht, wäre so mancher nutzloser Beitrag nicht entstanden.
Dito zur Speakers Corner

Dazu vielleicht noch ergänzend:

Als Spieler hätte ich mit dem vorhandenensein der Karte am Tisch vermutlich ein geringeres Problem weil mein Invest geringer ist und ich im Zweifelsfall für mich persönlich Konsequenzen ziehen kann, die den Rest der Gruppe nur bedingt betreffen.
Als SL hingegen ist mein Invest deutlich größer und entsprechend gibt es das Teil bei mir nicht.
Negative Konsequenzen gibt es für mich dadurch nämlich keine.

Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Weltengeist am 31.01.2024 | 20:36
Ich nehme dir ehrlich gesagt nicht ab, dass das kein Getrolle ist, aber nun ja...

Ist es nicht. Und ich finde es schade, dass in einem Thread, der dermaßen in "Nein!" "Doch!" "Wohl nein!" ausgeartet ist wie dieser hier, ausgerechnet der Versuch, das Konzept wirklich zu verstehen, als Trolling interpretiert wird.

Zitat
Ich bin ehrlich gesagt minimal verwundert, dass Leute tatsächlich die Frage stellen, was man tut, wenn eine Szene einem Spieler offensichtlich größere Probleme macht.

Diese Frage habe zumindest ich nirgends gestellt, denn ich weiß, wie ich mit solchen Situationen umgehe. Ich habe daher gefragt, wie die X-Card die Situation löst. Denn mein Ausgangspunkt ist (im Gegensatz zu einigen anderen hier im Thread) ja nicht, dass Sicherheitsmechanismen wie die X-Card per se doof sind. Ich versuche nur zu verstehen, worin der Mehrwert der X-Card gegenüber der Art von Problemlösung besteht, die wir in all den Jahren praktiziert haben.

Zitat
Die X-Card erlaubt erstmal nen niederschwelligen Stop, ohne dass man sich dabei sofort rechtfertigen muss, was ja bei anderen Situationen nicht automatisch klar ist (es kann natürlich auch sein, dass ne Gruppe bei "Stop, ist mir zuviel" auch einfach sagt "Ok, nächster Tag." - aber die X-Card macht es halt explizit). Es ist ein Versprechen, dass eben nicht der öffentliche Rechtfertigungsdruck ausgeübt werden wird. Wenn die Situation nicht "offensichtlich" ist, muss man natürlich irgendwie trotzdem klären, was nun geht und was nicht. Wenn der Spieler das nicht sagen will, kann man ja wahlweise die ganze Szene überspringen, oder der Spieler geht ne Runde rauchen während der Rest die Szene fertig spielt und kommt danach wieder oder sonstwas. Ist auch alles völlig ok.

Aus deiner Beschreibung lese ich jetzt heraus: Es gibt eigentlich gar keinen wirklichen Unterschied. Es ist nur eine andere Bezeichnung für genau die gleiche Vorgehensweise (Wer ein Problem hat, macht sich bemerkbar. Das Spiel wird unterbrochen. Man versucht gemeinsam und mit Empathie, eine Lösung zu finden. Und nein, seine Traumavorgeschichte vor allen ausbreiten muss man auch bei uns nicht.).

Mehr muss ich eigentlich nicht wissen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Swanosaurus am 31.01.2024 | 20:37
Dann sag mir doch, wie es nach einer eingesetzten Karte weitergehen soll, ohne dass das Spiel ruiniert ist. In die Taverne Porten ist keine befriedigende Lösung.

Du beziehst dich dabei auf ein fiktives Negativszenario, dad so oder vergleichbar bisher anscheinend niemand erlebt hat, der sich hier zu Wort gemeldet hat. Ich finde da Kamions Lösung ganz brauchbar. Wenn sie für dich das Spiel ruinieren würde, ist das natürlich blöd, aber andererseits: da bei dir als SL so eine Situation laut eigener Aussage ohnehin niemals eintreten würde, mit oder ohne X-card, musst du dir ja auch nicht den Kopf darüber zerbrechen.

Ich wäre auch ehrlich an negativen Erfahrungen jenseits des Spekulativen interessiert.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Megavolt am 31.01.2024 | 20:38
Ich möchte meine Frage wiederholen (ich weiß nicht, ob ich vielleicht eine Antwort übersehen habe), ob der Spielleiter ebenfalls die X-Card ziehen kann.
Maarzan hat meine zweite Frage, ob wirklich uneingeschränkt alles als Trigger gelten kann, bereits beantwortet. Offensichtlich ist das der Fall, vielen Dank!

Mein bisheriges Zwischen-Fazit ist, dass die Einordnung als Safety-Tool womöglich wirklich gefährlich irreführend ist und schon sicherheitshalber auf jeden Fall vermieden werden sollte.

Meine Vermutung ist, dass das Tool einen anderen, klar artikulierbaren Zweck verfolgt, aber das muss ich noch durchdenken. Eine sehr spannende Diskussion bisher!
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Foul Ole Ron am 31.01.2024 | 20:41
Deine Lösung ist also, denjenigen, dem es schlecht geht, aus der Gruppe zu werfen. Habe ich dich richtig verstanden?
...
Keineswegs! Wenn ich aber nicht weiß was die Person triggert, dann laufe ich zukünftig ständig (!) Gefahr, diesen Trigger (ungewollt) wieder auszulösen.
Ob dann die getriggerte Person die Runde verlässt oder ich steht auf einem anderen Blatt. Aber ohne zumindest minimale Eingrenzung des Problems kommen wir nicht weiter!
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Swanosaurus am 31.01.2024 | 20:42

Aus deiner Beschreibung lese ich jetzt heraus: Es gibt eigentlich gar keinen wirklichen Unterschied. Es ist nur eine andere Bezeichnung für genau die gleiche Vorgehensweise (Wer ein Problem hat, macht sich bemerkbar. Das Spiel wird unterbrochen. Man versucht gemeinsam und mit Empathie, eine Lösung zu finden. Und nein, seine Traumavorgeschichte vor allen ausbreiten muss man auch bei uns nicht.).

Mehr muss ich eigentlich nicht wissen.

Ich finde, das beschreibt den Wert, den eine X-card für mich in offenen Runden hat, Recht gut: ich Stelle damit als Anbieter klar, dass Empathie hört einen höheren Stellenwert hat als "The Show must go on!", "Mein Charakter ist halt so!" oder "Das Setting ist halt so!" Ohne große Ansprachen dafür halten zu müssen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 31.01.2024 | 20:46
Ich finde, das beschreibt den Wert, den eine X-card für mich in offenen Runden hat, Recht gut: ich Stelle damit als Anbieter klar, dass Empathie hört einen höheren Stellenwert hat als "The Show must go on!", "Mein Charakter ist halt so!" oder "Das Setting ist halt so!" Ohne große Ansprachen dafür halten zu müssen.

Das haltre ich für sehr empathielos gegenüber den anderen Beteiligten angesichts der Tatsache, dass ja alles und jedes geXt werden kann aus beliebigen Gründen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Megavolt am 31.01.2024 | 20:46
Was findest du widersprüchlich? Wie man mit dem Ausspielen einer X-Card umgehen soll?

Da gibt es viele Sachen, aber ich will den Thread nicht derailen. Du erlaubst mir, dass ich mir eines rauspicke:
Ich habe hier zum ersten Mal (bei dir)  gelesen, dass man den möglicherweise schwer traumatisierten Spieler unter vier Augen auf sein Trauma ansprechen soll.

Das ist
a) ein harter Widerspruch zu dem klar geäußerten Wunsch, dass nicht darüber gesprochen werden soll und
b) finde ich das Vorgehen geradezu bizarr. Quasi eine Art Zwangskonfrontation, auch noch ohne Zeugen usw.

Da passt hinten und vorne gar nichts mehr.

Ich habe an dieser Stelle keinen weiteren Diskussionsbedarf, ich wollte deine Nachfrage nur nicht unbeantwortet lassen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Swanosaurus am 31.01.2024 | 20:48
Ich möchte meine Frage wiederholen (ich weiß nicht, ob ich vielleicht eine Antwort übersehen habe), ob der Spielleiter ebenfalls die X-Card ziehen kann.
Maarzan hat meine zweite Frage, ob wirklich uneingeschränkt alles als Trigger gelten kann, bereits beantwortet. Offensichtlich ist das der Fall, vielen Dank!

Mein bisheriges Zwischen-Fazit ist, dass die Einordnung als Safety-Tool womöglich wirklich gefährlich irreführend ist und schon sicherheitshalber auf jeden Fall vermieden werden sollte.

Meine Vermutung ist, dass das Tool einen anderen, klar artikulierbaren Zweck verfolgt, aber das muss ich noch durchdenken. Eine sehr spannende Diskussion bisher!

Klar kann die SL auch die X-card nutzen, warum nicht.

Das mit dem Safety -Tool kapiere ich nicht. Oder geht es dir um Safe words? Das ist aber wieder was anderes, klar, eine X-card hay nicht den Zweck, ein bewussts An-die-Grenze zu provozieren, im Gegenteil. Ist aber auch klar artikuliert in dem verlinkten Artikel .

Und dass es eine X-card- Verschwörung gibt, die mit der X-card irgendwelche geheimen Ziele verfolgt, wage ich zu bezweifeln.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Megavolt am 31.01.2024 | 20:51
Das mit dem Safety -Tool kapiere ich nicht.

Es geht darum, dass sie de facto keinen Schutz und keine Sicherheit (keine "Safety") bietet. Das wurde im Eingangsbeitrag gut dargelegt.

Ich glaube nicht an eine X-Card Verschwörung, da kann ich dich beruhigen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Swanosaurus am 31.01.2024 | 20:56
Es geht darum, dass sie de facto keinen Schutz und keine Sicherheit (keine "Safety") bietet. Das wurde im Eingangsbeitrag gut dargelegt.


Deshalb heißt es ja auch "Tool" und nicht "Garantie". Ein Hammer ist auch kein ganzer Werkzeugkasten, trotzdem kann er ein zweckdienliches Bestandteil eines solchen sein.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Megavolt am 31.01.2024 | 20:58
Deshalb heißt es ja auch "Tool" und nicht "Garantie". Ein Hammer ist auch kein ganzer Werkzeugkasten, trotzdem kann er ein zweckdienliches Bestandteil eines solchen sein.

Das überzeugt mich nicht. Sie müsste vielleicht Kommunikationsbeendigungskarte oder Spielbeendigungskarte heißen oder wie auch immer.

Eigentlich noch nicht mal das, denn wer sagt denn, dass sich die anderen auch daran halten.

Keine Ahnung. Ich bleibe bei der Vermutung, die Karte hat eigentlich einen anderen Zweck.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Maarzan am 31.01.2024 | 20:59
Deshalb heißt es ja auch "Tool" und nicht "Garantie". Ein Hammer ist auch kein ganzer Werkzeugkasten, trotzdem kann er ein zweckdienliches Bestandteil eines solchen sein.

Und was ist nun der unverzichtbare Vorteil der originalen X-Card gegenüber der Karte für "Spielleiter kurz vor die Tür"?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Irian am 31.01.2024 | 21:01
Aus deiner Beschreibung lese ich jetzt heraus: Es gibt eigentlich gar keinen wirklichen Unterschied. Es ist nur eine andere Bezeichnung für genau die gleiche Vorgehensweise (Wer ein Problem hat, macht sich bemerkbar. Das Spiel wird unterbrochen. Man versucht gemeinsam und mit Empathie, eine Lösung zu finden. Und nein, seine Traumavorgeschichte vor allen ausbreiten muss man auch bei uns nicht.).

Es ist eine sehr spezifische Konkretisierung dessen und, bedingt dadurch, dass das Kind einen Namen hat, eben auch etwas, was man (in der Theorie) nicht jedes Mal neu im Detail "verhandeln" muss. Aber natürlich ist es keine absolut neuartige Lösung, auf die vorher noch niemand gekommen wäre, hat ja auch keiner behauptet. Ob sie als Lösung für eine bestimmte Gruppe taugt oder überhaupt als nötig/hilfreich empfunden wird, muss die Gruppe entscheiden, wenn nicht, dann halt nicht.

Wenn man mich fragt, ist sie ideal für Cons, wo man relativ einfach als Veranstalter nen Flyer und ne laminierte Karte dafür auslegen kann auf jeden Tisch, so dass alle quasi sofort wissen, was gemeint ist und sich schnell einigen können "Ja/Nein" (tendentiell ist dort auch die Chance am größten, dass genug Spieler wissen, was es bedeutet - schon hat man Zeit gespart). Es kann auch bei neuen Runden helfen, wenn alle wissen, was es ist - wenn man das erst im Detail erklären muss, ist man natürlich vergleichsweise ähnlich schnell wie bei jeder anderen "Aushandlung" von Umgang mit sowas, da sind die Unterschied zu allen anderen Methoden dann geringer. Bei eingespielten Runden würde ich den potentiellen Nutzen noch am kleinsten sehen, klar (wenn auch nicht unbedingt null).
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Isegrim am 31.01.2024 | 21:04
Wir sind mitten in einer dramatischen Szene, der Kampf ist zu Ende, ein SC ist am Verbluten, zwei Gefangene weigern sich zu verraten, wo die Blume des Lebens wächst, Emotionen kochen hoch, der erste Spieler denkt laut über Verhörmethoden nach, der Priester verweist auf Praios Gerechtigkeit, jeder schreit jeden an, und plötzlich wirft jemand die X-Card auf den Tisch. Soweit gehe ich mit. Aber jetzt kann oder mag der Getriggerte nicht erklären, was ihn gestört hat. Und nun? Wie geht es jetzt weiter?

Schnitt ins Gasthaus:
Der Verwundete ist versorgt und die Wirtin bringt grade Bier und Essen. Die Gefangenen befinden sich im Gefängnis der Stadtwache, wo sie sicher im Kerker sitzen. Die Gruppe kann in aller Ruhe überlegen, was sie jetzt machen möchte.

Da hat die X-Karte dann, gewollt oder ungewollt, als Instant-Livesaver gewirkt. Eben noch am Verbluten mit unsicheren Aussichten, jetzt gut versorgt, und Bier jibbet auch noch... Ist jetzt nicht mein persönlicher "Ich bin raus"-Moment, mE kann man "SCs sterben nur, wenn die Spieler es so wollen" ruhig zur Regel erheben, aber wie Diskussionen hier im Forum gezeigt haben: Das ist bei weitem kein Konsens. Und das Beispiel schien mir so gestrickt, dass das ein Ding sein sollte...
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Foul Ole Ron am 31.01.2024 | 21:04
Deshalb heißt es ja auch "Tool" und nicht "Garantie". Ein Hammer ist auch kein ganzer Werkzeugkasten, trotzdem kann er ein zweckdienliches Bestandteil eines solchen sein.
Ich hatte schon vorher einen Hammer, und brauche keinen Neuen, auf dem in geschwungenen Lettern "Für Nägel" eingraviert ist.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Swanosaurus am 31.01.2024 | 21:07
Und was ist nun der unverzichtbare Vorteil der originalen X-Card gegenüber der Karte für "Spielleiter kurz vor die Tür"?

Überhaupt keiner. Schon gar nicht "unverzichtbar". Ich will dir nicht erzählen, dass du die eine gegen die andere ersetzen sollst. Ich beschwöre hier doch gar nicht die dramatischen Unterschiede zwischen der X-card- und anderen Techniken, sich empathisch über problematische Situationen zu verständigen. Bei mir hat sie bisher ihren Zweck gut erfüllt, indem sie still und leise auf dem Tisch lag und nicht benutzt wurde.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Swanosaurus am 31.01.2024 | 21:10
Ich hatte schon vorher einen Hammer, und brauche keinen Neuen, auf dem in geschwungenen Lettern "Für Nägel" eingraviert ist.

Wie ich schon an Marzaan schrieb: Schön. Keinen Grund, diejenigen, die den neuen Hammer aus dem einen oder anderen Grund ein bisschen praktischer finden, mit Hohn und Spott zu bedenken.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Megavolt am 31.01.2024 | 21:17
Ach, du bist der Rumpel. Schön, dass du wieder im Forum bist!

Aber dann ist das müßig das weiter zu vertiefen, denn ich gehe davon aus, dass du eine feste Meinung hast. No offense, wir sparen einfach nur Zeit.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Swanosaurus am 31.01.2024 | 21:21

Aber dann ist das müßig das weiter zu vertiefen, denn ich gehe davon aus, dass du eine feste Meinung hast. No offense, wir sparen einfach nur Zeit.

Danke!
Aber das mit den anderen Zwecken kapiere ich wirklich nicht... Wenn es keine "Verschwörung" ist, was denn dann? Ein unbewusster Wunsch, der den x-card-Usern irgendwie gemein ist? Eine emergente Dynamik ihrer Verwendung? Wie soll sie einen anderen Zweck als den kolportierten haben, ohne, dass da irgendetwas "im Geheimen" stattfindet?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Foul Ole Ron am 31.01.2024 | 21:22
Wie ich schon an Marzaan schrieb: Schön. Keinen Grund, diejenigen, die den neuen Hammer aus dem einen oder anderen Grund ein bisschen praktischer finden, mit Hohn und Spott zu bedenken.
Sorry, wenn das so rüberkam. Das sollte weder Hohn noch Spott sein, sondern die (imho) Überflüssigkeit illustrieren.
Die Überflüssigkeit, an sich funktionierende Dinge / Umstände früher oder später mit Regeln zu versehen, derer sie überhaupt nicht bedürfen. Dann basteln wir noch ein Gimmick dazu, und halten das irgendwann für unverzichtbar.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: kamica am 31.01.2024 | 21:34
Da hat die X-Karte dann, gewollt oder ungewollt, als Instant-Livesaver gewirkt. Eben noch am Verbluten mit unsicheren Aussichten, jetzt gut versorgt, und Bier jibbet auch noch... Ist jetzt nicht mein persönlicher "Ich bin raus"-Moment, mE kann man "SCs sterben nur, wenn die Spieler es so wollen" ruhig zur Regel erheben, aber wie Diskussionen hier im Forum gezeigt haben: Das ist bei weitem kein Konsens. Und das Beispiel schien mir so gestrickt, dass das ein Ding sein sollte...
Natürlich ist meine Lösung nur eine von vielen. Wie wäre denn deine?

Für den Fall, dass es untergegangen ist: Ich hätte gerne von den Kritikern der X Card real erlebte Beispiele, wo diese missbraucht worden ist, damit ich mir die Situationen besser vorstellen kann.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Prisma am 31.01.2024 | 21:49
Den Widerspruch in der Argumentation sehe ich dahingehend das du die X-Card als Mittel siehst das dem Aufbau einer Resilienz (Therapie/Therapieziel) widerspricht, im selben Abschnitt jedoch argumentierst das Rollenspielrunden keine Therapiesitzungen sind oder sein sollen.
Das heißt entweder haben Rollenspiele auch eine therapeutische Funktion in bspw. dem Aufbau von Resilienzen, oder sie haben keine.

Rollenspiele können soziale Fähigkeiten und Kommunikation trainieren. Sie trainieren auch Entscheidungsfindung und Problemlösung. Damit ist man im echten Leben besser aufgestellt, "resilienter". Dennoch geht es bei einer normalen Rollenspielrunde nicht um eine therapeutische Funktion, wie bei einem Psychotherapeuten.


@Prisma: nach deiner Argumentation wäre die X-Card eher schwach/ wenig hilfreich, aber nicht gefährlich.
Ich finde die Möglichkeit durch die X-Card eine empfindliche Schwäche an die falsche Person weiterzugeben sehr gefährlich. Da muss es nicht mal der Intrigant sein, der diese Information ausbeutet. Es kann auch bloß sein, dass Mitspieler das versehentlich nach draußen tragen, während sie sich mit anderen Rollenspielern über die Spielrunde unterhalten. Vielleicht möchte man als Betroffener einfach nicht dass jemand außerhalb der Runde erfährt, wann man die X-Card eingesetzt hat.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: nobody@home am 31.01.2024 | 21:51
Deshalb heißt es ja auch "Tool" und nicht "Garantie". Ein Hammer ist auch kein ganzer Werkzeugkasten, trotzdem kann er ein zweckdienliches Bestandteil eines solchen sein.

Wobei man sich dann natürlich auch wieder künstlich darüber aufregen kann, daß ein Hammer ja gefährlich ist und also in keinen anständigen Werkzeugkasten gehört... ;)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Zed am 31.01.2024 | 21:56
Machen wir doch mal ein Beispiel: Wir sind mitten in einer dramatischen Szene, der Kampf ist zu Ende, ein SC ist am Verbluten, zwei Gefangene weigern sich zu verraten, wo die Blume des Lebens wächst, Emotionen kochen hoch, der erste Spieler denkt laut über Verhörmethoden nach, der Priester verweist auf Praios Gerechtigkeit, jeder schreit jeden an, und plötzlich wirft jemand die X-Card auf den Tisch. Soweit gehe ich mit. Aber jetzt kann oder mag der Getriggerte nicht erklären, was ihn gestört hat. Und nun? Wie geht es jetzt weiter?
Natürlich ist so eine fiktive Szene und die Antwort darauf sehr angreifbar. "Ja, aber wenn es genau andersrum wäre?"; "Ja, aber..."; "Hältst Du  d a s  wirklich für realistisch, also ich..."

Zuerst zu Deinem Beispiel. Ich rate, dass in 99% der denkbaren Varianten Deines Beispiels, Weltengeist, das Zeigen der X-Karte nicht stattfindet. Es würde lauter und lauter geschrien, bis jemand mit etwas wie einem "Jetzt hört doch mal auf!", mit auf-den-Tisch-hauen oder sogar mit Aufstehen & Gehen deutlich macht, dass eine Grenze der Befindlichkeit erreicht oder überschritten ist. Zückt in so einer aufgeheizten Situation tatsächlich jemand stumm die Karte, dann wäre die Chance groß, dass sie gar nicht bemerkt wird.

Ich stelle mir eher so eine Situation vor, wo die X-Karte als eine von vielen Möglichkeiten, eine laufende Szene abzubremsen, eine wertvolle Hilfe sein kann:

Janne, Sam und Levke spielen eine Verhörszene.

Janne: Ich halte das Baby hoch und sage: Siehst Du das, Succubus? Dein Plan ist gescheitert.
Sam: Genau! Glaube nicht, dass wir Dich laufen lassen.
Janne: Wir lassen Dich nur laufen, wenn Du uns sagst, wer dir das Baby übergeben hat.
Sam: Wer hat mit dir zusammen gearbeitet, Dämon?
Janne: Ich halte das Baby der Succubus an einem Bein kopfüber und pendle es hin- und her.
SL: Die Succubus hat ehrlich Angst um das Baby.
Sam: Ach. Wenn Du willst, dass das Baby das überlebt, dann fängst Du jetzt an zu reden.
Janne: Warte mal, ich werf es zu Dir!
Sam: Ja, mal sehen, ob ich es fangen kann.
Janne: Dann würfeln wir eine Wurfattacke, okay SL? Wenn ich Sam verfehle, dann fängt sie das Baby nicht!
Sam: Das H A L B - Dämonenbaby! Oder ich kann meinen magischen Knüppel als Baseballschläger verwenden. *Sam und Janne lachen*
Janne: Wer hat dir geholfen, Succubus? Und dann werfe ich Sam das Baby zu, und ich würfle eine .... 7.
Sam: Das ist wohl knapp verfehlt...
*Janne und Sam lachen*

Levke hält die X-Card hin. Sam und Janne verstummen und gucken verwirrt. Erst jetzt fällt ihnen auf, dass Levke die ganze Zeit stumm war.
Levke kann gerade nichts sagen. Die SL, Janne und Sam sind so empathisch und verzichten auf Sätze wie "Was ist denn jetzt los?" "Verstehst Du keinen Spaß?" "Ich habe doch von vorn herein gesagt, ich habe einen deftigen Humor." "Und außerdem: Mein Paladin  m u s s  Dämonen vernichten, auch Halbdämonen, ich betreibe hier nur Charakterspiel..."

Stattdessen fragt Sam: Levke, sorry, sollen wir ne Pause machen?

Levke überlegt, ob er bleiben oder gehen soll oder ob er doch etwas sagen kann. Nach einigen Sekunden steht Levke stumm auf und verlässt den Tisch. Janne geht ihm hinterher.
Sam zur SL: Oha, wusstest Du, ob bei ihm irgendetwas los ist? Levke ist doch sonst nicht so...
SL: Nee.

Nach einiger Zeit kommt Janne wieder. Er wirkt ernst.
Janne: Da ist etwas mit seiner Tochter passiert letzte Woche. Sein Vater hat die Kleine fallen lassen, aus Versehen, beim In-die-Luft-Werfen. Bewusstlos, Rettungswagen, große Aufregung, Krankhaus, Vorwürfe, Angst, Familienzerwürfnis, Dauerbeobachtung, ob nicht doch Schäden bleiben. Levke wusste selbst nicht, dass ihn das so fertig macht. Wir sollen jedenfalls weiterspielen, sagt er, es tut ihm leid, dass er heute nicht mehr dabei ist.
Sam: Scheiß Sache, das.
SL: Was machen wir, wenn wir nächste Woche immer noch beim Verhör sind?
Sam: Wenn wir das Baby immer noch als Druckmittel einsetzen, dann sagen wir Levke einfach, dass er die Karte zeigen soll, falls es zu unangenehm für ihn wird. Also, noch besser, wir fragen ihn vorher, ob wir das so machen wollen.
Janne: Oder wir würfeln diesmal aus, ob die Succubus sich von uns überzeugen lässt, und sind diese Session damit durch.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: unicum am 31.01.2024 | 21:58
Ich hab jezt auch nicht mehr alles mitgelesen aber, wenn man so den Strang überfliegt denke ich könnte man auf die Idee kommen das Rollenspiele eine echt schreckliche Angelegenheit ist die nichts für Leute mich schwachen Nerfen ist,...

Ich meine "wir" schreiben hier doch so hitzig über ein Thema als würde es in jeder Spielsitzung mindestens einmal zu einem "X-Card vorfall" kommen.

Ist das wirklich so? Oder sitze ich nur in meiner kleinen (naja so klein auch wieder nicht, viele Conbesuche und einer der ersten Rollenspielvereien Deutschlands im Hintergrund) Blase an Rollenspielenden in denen das kein, oder zumindest fast kein Thema ist?

Nach dem ein oder anderen was ich gerade gelesen habe (seitdem ich mich heute Mittag ausgeloggt habe) möchte ich aber auch noch eines anmerken:

Wenn ich Rollenspiel mache, bin ich kein Therapheut, erstens kann ich das nicht und zweitens will ich das auch nicht (also die Verantwortung dafür übernehmen) aber wenn es einem Mitspieler schlecht geht dann greift der Satz (der heute auch im Bundestag gefallen ist)  "Sei ein Mensch".
Gegebenenfalls geht das auch in die andere Richtung - als Spieler habe ich auch mal dem SL abgesagt weil es mir einfach so mies ging das ich keine Lust zum Spielen hatte, aber wer bin ich das ich deswegen den anderen den Spaß verderbe? Aber ja, einige meiner RSP Kollegen sind enge Freunde und wenn die Probleme haben dann hab ich auch ein Problem.

Ich kann mir schon vorstellen das Leute einen Bogen um Rollenspiel machen weil sie sich da nicht sicher sein können getriggert zu werden. Wenn es dann möglichkeiten gibt das diese Menschen trozdem spielen können - warum denn nicht? Vieleicht ist das dann nicht mein spiel wenn die Triggeroptionen einfach mich selbst dann zu sehr einschränken. Aber wenn andere das machen können - warum nicht?

Für mich steht seit der ersten Seite dieses Stranges - und des anderen Stranges - irgendwie die große Frage im Raum,... (wie oben schon angedeutet)

Wie oft kommt sowas denn überhaupt vor?

oder vieleicht anderst:

Bei wieveilen Menschen kommt sowas denn überhaupt vor?

Ich meine, klar - it takes two to tango - es braucht jemand der einen Triggerimpuls erzeugt und jemand der darauf reagiert. Also kann die Konstellation auch schon einschränkend sein.

Und dann ändern sich Menschen eben auch noch, ich spiele heute anderst als noch zu befinn - gehe davon aus das in meinen SL Zeiten es früher auch eher zu triggerereignissen gekommen ist als heute.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 31.01.2024 | 22:46
Ich bin da raus, die Argumente scheinen ausgetauscht zu sein. Ein wenig schade ist es, aber ich fand es trotzdem interessant und lohnend.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Skaeg am 31.01.2024 | 23:18
Die X-Card ist kein Werkzeug.
Die X-Card ist nicht gefährlich (sondern schlimmstenfalls nervig).
Die X-Card bringt keine Sicherheit (sondern bestenfalls Zufriedenheit für einzelne Spielteilnehmer).

Sie ist eine Methode, um Gespräche über Themen, die einem unangenehm sind, zu unterbinden. Nicht mehr und nicht weniger. Im normalen Alltagsleben ist die einschlägige Methode, an solchen Gesprächen nicht teilzunehmen oder offen zu sagen, dass man darüber nicht sprechen will. Kriegen manche Rollenspieler nicht hin, okay, dann also meinetwegen ein "Tool". (Gegen diesen Ausdruck bin ich echt allergisch wegen der Verwendung in meinem Job... da möchte ich gleich die X-Card zücken.)

Wie man diese Methode zur Behebung von Kommunikationsmängeln behandeln kann, als wäre es eine lebensrettende (oder -gefährdende) Medizin, erschließt sich mir nicht.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Tudor the Traveller am 31.01.2024 | 23:22
Rollenspiele können soziale Fähigkeiten und Kommunikation trainieren. Sie trainieren auch Entscheidungsfindung und Problemlösung. Damit ist man im echten Leben besser aufgestellt, "resilienter". Dennoch geht es bei einer normalen Rollenspielrunde nicht um eine therapeutische Funktion, wie bei einem Psychotherapeuten.

Aus meiner Sicht zeigt das eher, dass du im Umgang mit psychischer / seelischer Gesundheit unsicher bist. Wenn du Sport machst, musst du auch kein Arzt oder Physiotherapeut sein, um mit den gesundheitlichen Aspekten des Sports umzugehen. Wenn sich beim Sport jemand verletzt und deswegen selbst raus nimmt musst du vielleicht erste Hilfe leisten aber nicht die medizinische Betreuung übernehmen. Wenn sich an deinem Spieltisch jemand seelisch verletzt, gilt das Gleiche.

Zitat
Ich finde die Möglichkeit durch die X-Card eine empfindliche Schwäche an die falsche Person weiterzugeben sehr gefährlich. Da muss es nicht mal der Intrigant sein, der diese Information ausbeutet. Es kann auch bloß sein, dass Mitspieler das versehentlich nach draußen tragen, während sie sich mit anderen Rollenspielern über die Spielrunde unterhalten. Vielleicht möchte man als Betroffener einfach nicht dass jemand außerhalb der Runde erfährt, wann man die X-Card eingesetzt hat.

So wie ich das sehe fördert das die angedeutete Stigmatisierung. Meine Meinung ist, dass man da eher den (seelischen) Rücken stärken sollte: demonstrieren, dass es in Ordnung ist, Schwäche zu zeigen. Dass es menschlich ist. Dass seelische Wunden auch echtes Leid sind.

Und wenn dann so ein Intrigant kommt wie du schreibst,  ist das schlicht Mobbing. Der mobbt auch aus anderen Gründen, weil er nur irgendeinen Vorwand sucht. Und Mobbing begegnet man mit Solidarität mit dem Opfer, indem man dem Mobber entgegen tritt. Das was du schreibst, lässt den Mobber gewähren und will ihm nur ausweichen, das potenzielle Opfer soll sich verstecken. Lässt ihn unwidersprochen in seinem Tun. Imo der völlig falsche Ansatz.

Edit: Wenn ich so darüber nachdenke, ist die X-Card kein Safety Tool in dem Sinne, dass sie vor etwas schützt. Es ist eher ein Alarm, der vor einer potenziellen seelischen Notsituation warnt. Es ist kein "Not-Aus", weil man diese Not im Falle des Falles nicht einfach ausschalten kann. In dem einen Punkt stimme ich insofern dem OP zu.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Issi am 31.01.2024 | 23:35
Die Gründe warum sich jemand gerade nicht nackig machen will ( vor zT. Fremden), können vielfältig sein.
Es spielt letztlich auch keine Rolle warum.
Und ist auch nur ein Ausdruck dessen, was besagte Person will. Bzw. was sie nicht will.

Wenn ich mich jetzt in so jemanden hineinversetzen würde (der sich nicht mitteilen möchte), würde ich wahrscheinlich auch empfehlen, lieber einfach ne Pause zu machen, und dann später wieder einzusteigen, wenn die Szene vorbei ist. (Oder auch ganz auszusteigen) Je nach Gusto.

Erlebt habe ich aber noch nicht, dass jemand wegen einer kritischen Situation ausgestiegen ist, oder ne X Karte gebraucht hätte.

(Wenn sich jemand mitteilen will und kann, ist das ne andere Sache. Es ist nur, finde ich, kein Muss.)

Edit.
Man kann auch einfach sagen: "Es geht mir nicht gut, brauche frische Luft. Ich komme wieder, wenn es mir besser geht."
Das ist ja in solchen Fällen nicht mal gelogen. - Auch wenn ne Notlüge in solchen Situationen durchaus mal praktikabel ist.
(Dass der Zustand nicht nur körperlicher, sondern seelischer Natur ist, braucht ja keiner erfahren)
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Quaint am 31.01.2024 | 23:39
Hier wird ja mit harten Bandagen "gekämpft". Ich denke das mag damit zusammenhängen das die X-Card halt auch im "Woke" Dunstkreis vagabundiert und damit automatisch kontrovers ist. Ich kenne jedenfalls schon ein paar Situationen wo jemandem etwas im Rollenspiel zu nahe ging, und ich habe für mich beschlossen, es mal mit Lines & Veils nebst X Card zu probieren. Man kann (und muss) ja ohnehin irgendwie mit solchen Situationen umgehen, und wenn es durch empfohlene Mittel aus entsprechenden Kreisen vielleicht besser geht als einfach so informell, dann will ich das gerne versuchen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Prisma am 1.02.2024 | 00:03
Wenn sich an deinem Spieltisch jemand seelisch verletzt, gilt das Gleiche.

Also, dann nur noch mit echtem Safeword, Seelsorgenotruf auf der Schnellwahltaste und einem Haftungsauschlussvertrag für jeden am Tisch, denn jeder könnte den Trigger liefern.

 
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Skaeg am 1.02.2024 | 00:26
Also, dann nur noch mit echtem Safeword, Seelsorgenotruf auf der Schnellwahltaste und einem Haftungsauschlussvertrag für jeden am Tisch, denn jeder könnte den Trigger liefern.
Diese Tragödie wäre durch die X-Card auf jeden Fall verhindert worden:

https://www.chick.com/products/tract?stk=0046

P.S.: Oder nicht? Darf man per X-Card auch den Tod des eigenen Charakters einfach wegeditieren? Also, natürlich darf man, denn erklären muss man ja nix, aber...
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Tudor the Traveller am 1.02.2024 | 06:45
Also, dann nur noch mit echtem Safeword, Seelsorgenotruf auf der Schnellwahltaste und einem Haftungsauschlussvertrag für jeden am Tisch, denn jeder könnte den Trigger liefern.

Ähm. Die Reaktion bestätigt meine Einschätzung. Was tust du denn bei Schlaganfall oder Herzinfarkt? Oder lassen wir diese lebensbedrohenden Fälle weg. Was ist mit so etwas "simplem" (was es nicht ist)  wie Migräne? Plötzliche Übelkeit? Bist du da auch so ablehnend? Müssen die Leute auch genau erklären, warum sie nicht weiter spielen möchten?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Tudor the Traveller am 1.02.2024 | 06:50
Diese Tragödie wäre durch die X-Card auf jeden Fall verhindert worden:

https://www.chick.com/products/tract?stk=0046

P.S.: Oder nicht? Darf man per X-Card auch den Tod des eigenen Charakters einfach wegeditieren? Also, natürlich darf man, denn erklären muss man ja nix, aber...

Ich weiß ja ehrlich nicht, ob ich darauf antworten sollte... the Show must go on. Koste es, was es wolle? Oder wie?
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Weltengeist am 1.02.2024 | 07:22
Ich denke das mag damit zusammenhängen das die X-Card halt auch im "Woke" Dunstkreis vagabundiert und damit automatisch kontrovers ist.

Ah, jetzt verstehe ich die Aggressivität, mit der hier beide Seiten zu Werke gehen, besser.
Dann bin ich hier mal raus (die Antworten, die ich wollte, habe ich ja ohnehin bekommen).
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Jiba am 1.02.2024 | 07:44
Mein bisheriges Zwischen-Fazit ist, dass die Einordnung als Safety-Tool womöglich wirklich gefährlich irreführend ist und schon sicherheitshalber auf jeden Fall vermieden werden sollte.

Meine Vermutung ist, dass das Tool einen anderen, klar artikulierbaren Zweck verfolgt, aber das muss ich noch durchdenken. Eine sehr spannende Diskussion bisher!
Und mein bisheriges Zwischenfazit ist, dass viele User anscheinend nicht in der Lage sind eine englische Originalquelle zu lesen und die winzigen Uneindeutigkeiten darin auf eine Weise zu interpretieren, die dem restlichen Sinn des Textes entspricht. Damit das funktioniert, was hier an Szenarien aufgemacht wird, müsste man dem Autor des X-Card-Textes selbst Unehrlichkeit vorwerfen und nicht etwa definitorische Nachlässigkeiten. Man müsste annehmen, dass alle Regeln RAW, die besagen „Don‘t be a dick about the X-Card“ eigentlich versteckte Aufforderungen sind, die Karte doch missbräuchlich zu benutzen. Weil RAW ist die X-Card nicht, wie sie hier dargestellt wird.

Was hier diskutiert wird, ist eine Bizarro-Version der X-Card, die von Leuten in einem schlimmen Rollenspieluniversum eingefordert wird, damit die den Rest der Runde gaslighten und aus den niedersten Motiven heraus dominieren können. Es wird ein Generalverdacht gegen Spieler:innen ausgesprochen, die sich ein bestimmtes Sucherheitstool wünschen. Das ist auf eine Weise betriebsblind, dass mir echt die Worte fehlen.

Und dieses, sorry für das krasse Wort, Herumgeflenne, dass dann „der Spielabend ruiniert sei“… ja, ganz ehrlich, je nachdem kommt man nach einem Trigger für eine Person, um die man sich dann kümmern muss, wirklich nicht mehr ins Spiel.

Aber das ist okay, denn…

ES IST NUR EINE VERFICKTE ROLLENSPIELRUNDE!
Emotionale Safety muss IMMER vorgehen vor meinem eigenen Spaß oder meinem Wunsch, einen Inhalt im Spiel haben zu wollen!

Dass das hier wirklich noch abgewogen werden muss, ist ein Armutszeugnis für dieses Forum.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Horsinand am 1.02.2024 | 08:08


Aber das ist okay, denn…

ES IST NUR EINE VERFICKTE ROLLENSPIELRUNDE!
Emotionale Safety muss IMMER vorgehen vor meinem eigenen Spaß oder meinem Wunsch, einen Inhalt im Spiel haben zu wollen!

Dass das hier wirklich noch abgewogen werden muss, ist ein Armutszeugnis für dieses Forum.

Wenn ich beruflich auf eine Konferenz gehe, gibt es da auch keine x-Card. Trotzdem könnten da Leute getriggered werde - beim Smalltalk, bei Vortragen, beim Fragen, beim Zuhören etc. Trotzdem würde niemand behaupten, dass die (emotionale) safety nicht vorgeht. - Man kann damit eben anders umgehen. Gesunder Menschenverstand und Empathie. Warum sollte das bei Runden auf Cons anders sein?

Armutszeugnis für dieses Forum ist auch sehr pauschalierend.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: nobody@home am 1.02.2024 | 08:15
Wenn ich beruflich auf eine Konferenz gehe, gibt es da auch keine x-Card. Trotzdem könnten da Leute getriggered werde - beim Smalltalk, bei Vortragen, beim Fragen, beim Zuhören etc. Trotzdem würde niemand behaupten, dass die (emotionale) safety nicht vorgeht. - Man kann damit eben anders umgehen. Gesunder Menschenverstand und Empathie. Warum sollte das bei Runden auf Cons anders sein?

Armutszeugnis für dieses Forum ist auch sehr pauschalierend.

Nein, laut behaupten würde das wohl keiner. Könnte ja der eigenen Karriere abträglich sein, wenn's ins falsche Ohr gerät...

Insofern bin ich mir nicht sicher, daß dieser Vergleich wirklich so paßt. Allein schon der schlichte Unterschied zwischen Beruf und Freizeit ist ja nicht ganz trivial.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Boba Fett am 1.02.2024 | 08:22
Emotionale Safety muss IMMER vorgehen ...
Dass das hier wirklich noch abgewogen werden muss, ist ein Armutszeugnis für dieses Forum.

Bitte nicht pauschalisieren und beleidigend werden, ja?

Abgesehen davon habe ich hier niemanden gelesen, der behauptet hat, dass "emotionale Sicherheit" sich dem Rollenspiel unterzuordnen hat.
Insofern stellst Du hier also einen Strohmann auf und empörst Dich über etwas, was so niemand gesagt hat und pauschalisierst hier gleich mal über das ganze Forum.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Jiba am 1.02.2024 | 08:24
Ja, stimmt, was du schreibst.

Nur: Kein einzelner X-Card-Befürworter behauptet das Gegenteil! Und wie die X-Card tatsächlich gedacht und angewendet werden soll, steht in dem Dokument. Der Missbrauch passiert nur dann, wenn Dinge, die auch in diesem Dokument stehen, ignoriert oder verschwiegen werden. Man müsste dem Autoren des Dokuments schon Täuschungsabsicht vorwerfen, wenn man die X-Card as written so verstehen mag, wie einige es hier tun.

Mein Rant richtet sich auch nicht gegen die User:innen hier, die schreiben „Die X-Card ist nicht besonders wirksam.“ Er richtet sich gegen diejenigen, die sagen „Die Nutzung der X-Card ist moralisch verwerflich.“ Und gegen diejenigen – und man muss nur in die letzten paar Seiten schauen, um Ansätze zu erkennen – die nichts mehr fürchten, als dass die „Immersion zerstört“ würde oder dass die „normalen Rollenspieler“ dadurch in ihrem Spiel gestört werden könnten. Das ist eine eklatante Scheißegal-Haltung gegenüber Mitspielenden, die eventuell emotional angegriffen sind. Das gilt auch für Spielleiter: Auch als SL geht es mich einfach einen Scheißdreck an, warum eine Person einen Inhalt entfernt haben mag.

„Spiel nicht mit Arschlöchern“ impliziert auch, dass ich denke, dass diejenigen, mit denen ich tatsächlich spiele, eben KEINE Arschlöcher sind. Wenn ich mich nicht mal darauf verlassen möchte… ey, dann steckt ein soziales Hobby wie Rollenspiel doch von sich aus voller Fallstricke. Und dagegen wendet sich das, was ich schrieb. Die X-Card ist kein Universalwerkzeug zur Rundendemagogie.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Nazir ibn Stonewall am 1.02.2024 | 08:27
Rollenspiele können soziale Fähigkeiten und Kommunikation trainieren. Sie trainieren auch Entscheidungsfindung und Problemlösung. Damit ist man im echten Leben besser aufgestellt, "resilienter".
Deine Argumentation geht seit dem ersten Post dahin, dass man belastende Situationen doch aushalten und damit Resilienz aufbauen soll, während das Vermeiden diese abbaut (Aber das betrifft ja nicht nur die X-Card, sondern auch Aufstehen und Gehen. Darf der Spieler das auch nicht?).

Für mich ist das Küchenpsychologie. Hast du irgendwelche Belege dafür, dass:
a) Ausweichen bei Belastungssituationen Resilienz abbaut? Dass es keine aufbaut, mag ich nachzuvollziehen, aber negative Effekte halte ich für ausgedacht.
b) Expositionen für jede Art von dahinterliegendem Trauma hilfreich ist? Denn du behauptest pauschal, dass es hilfreich ist, dann muss das für alle gelten, egal welcher Art und in welchem Stadium, das wage ich zu bezweifeln.
c) Rollenspiele hierfür hilfreich sind? Ich könnte mir vorstellen, dass Expositionen oft helfen, aber eher mit professioneller Begleitung in dafür geplanten Szenarien und nicht bei zufälligen und unvorhergesehenen Rollenspiel-Szenen.

Von daher würde ich deinen Resilienz-Einwand verwerfen wollen. Wir sind beide keine Psychologen (AFAIK), sodass keiner Fachwissen hat, Belege sehe ich nicht.

Dafür machst du dich trotzdem zum Therapeuten der Spieler, denn du entscheidest, was therapeutisch (nämlich für die Stärkung ihrer Resilienz) gut ist (nämlich Aushalten statt Abbrechen). Sportlich für einen Laien, zumal über ihren Kopf hinweg.

Ich finde die Möglichkeit durch die X-Card eine empfindliche Schwäche an die falsche Person weiterzugeben sehr gefährlich. (...). Vielleicht möchte man als Betroffener einfach nicht dass jemand außerhalb der Runde erfährt, wann man die X-Card eingesetzt hat.
Das Problem besteht aber immer noch in jeder Variante und hat mit der Karte nichts zu tun. Wenn jemand aufsteht und geht oder in Tränen ausbricht kann es auch passieren, dass jemand das weitererzählt. Weil alle wissen, an welcher Stelle das passiert ist. Sobald der Spieler nicht in der Lage ist, die Situation zu erdulden - und zwar so still, dass es keiner merkt -, ist für Außenstehende der Auslöser erkennbar. Aber gut, wie du sagst, soll die Person doch einfach resilienter werden.  :o
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Nazir ibn Stonewall am 1.02.2024 | 08:31
Abgesehen davon habe ich hier niemanden gelesen, der behauptet hat, dass "emotionale Sicherheit" sich dem Rollenspiel unterzuordnen hat.
Das ist richtig. Korrekt ist:

"Emotionale Sicherheit" hat sich Ängsten vor offensichtlich von den "Erschaffern" nicht gewolltem Missbrauch des Tools unterzuordnen. Obwohl die Befürworter reale Vorteile aufzeigen und es jedem freisteht, bei "Missbrauch" der X-Card Konsequenzen zu ziehen. Wiederum niemand hat behauptet, dass die Gruppe gezwungen ist, mit Leuten weiterzuspielen, egal wie oft und wie falsch diese die Karte benutzen. Es scheint nur für diesen Missbrauch keinerlei reale Beispiele zu geben, nur wohl etwas irrationale und IMO übersteigerte Ängste...
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: JollyOrc am 1.02.2024 | 08:34
Ich bitte alle Diskutierende hier einmal tief durchzuatmen und im Zweifelsfall die Hausordnung zu lesen, bevor der nächste Beitrag veröffentlicht wird.

Die Diskussion hier beinhaltet nämlich so langsam ein paar Beiträge die man mit weniger als absolut wohlwollendem Lesen als persönliche Angriffe oder Eskalation verstehen könnte.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Jiba am 1.02.2024 | 08:41
Abgesehen davon habe ich hier niemanden gelesen, der behauptet hat, dass "emotionale Sicherheit" sich dem Rollenspiel unterzuordnen hat.
Insofern stellst Du hier also einen Strohmann auf und empörst Dich über etwas, was so niemand gesagt hat und pauschalisierst hier gleich mal über das ganze Forum.
Ach nein?

Was ist mit Aussagen wie „Wer die X-Card am Tisch benutzen will, will ja eigentlich nur seine eigene Vorstellung der Dinge durchdrücken und das Argument gewinnen.“ Oder „Ich habe Angst, dass die Immersion leidet, wenn die X-Card am Tisch benutzt wird.“ Oder „Dann ist ja ständig die Runde ruiniert, wenn jeder einfach darum bitten kann etwas rauszueditieren.“ Diese Aussagen sind nicht wortwörtlich aber  intentional ähnlich in diesem Thread gefallen.
Und worauf läuft jede dieser Aussagen hinaus: „Im Zweifelsfall steht derjenige, der um die Entfernung eines Inhalts bittet, immer in der Bringschuld. Er muss irgendeine vorgelagerte Institution, sei es mich, die Gruppe, oder die SL davon überzeugen, dass sein Anliegen, etwas zu editieren, valide ist.“ Den Benefit of a doubt gibt es da nicht… es könne ja jemand missbrauchen… nein, es würde nach allen Wahrscheinlichkeiten jemand missbrauchen. Und das führt, heruntergebrochen letztlich doch dazu: „Mein Spaß ist mir wichtiger als dein Unwohlsein. Wenn du dich wirklich unwohl fühlst, dann musst du zuerst glaubhaft machen, dass du das nicht fakest.“

Und gut, das mit dem Armutszeugnis für dieses Forum nehme ich zurück, denn ich meine nicht das ganze Forum. Das war so aber auch nicht gemeint.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: tartex am 1.02.2024 | 08:43
Ah, jetzt verstehe ich die Aggressivität, mit der hier beide Seiten zu Werke gehen, besser.
Dann bin ich hier mal raus (die Antworten, die ich wollte, habe ich ja ohnehin bekommen).

Will nur anmerken, dass ich schon auf Seite 5 darauf hingewiesen habe. (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,127461.msg135204310.html#msg135204310)  :korvin:
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Tudor the Traveller am 1.02.2024 | 08:48
Wenn ich beruflich auf eine Konferenz gehe, gibt es da auch keine x-Card. Trotzdem könnten da Leute getriggered werde - beim Smalltalk, bei Vortragen, beim Fragen, beim Zuhören etc. Trotzdem würde niemand behaupten, dass die (emotionale) safety nicht vorgeht. - Man kann damit eben anders umgehen. Gesunder Menschenverstand und Empathie. Warum sollte das bei Runden auf Cons anders sein?

In der Arbeitswelt kommt das Thema auch gerade erst an. Allerdings mit Wucht. Nicht umsonst werden bereits erste Ersthelfer:innen speziell für psychische Probleme geschult.

Ps: so etwas wie GMV gibt es nicht, auch wenn er immer wieder beschworen wird. Jeder tickt anders und hält andere Dinge für "normal".

Ansonsten bin ich 100% bei Jiba.

Und wenn man da einfach eine Karte hochhalten kann, um sich schnell zurück zu ziehen, und alle wissen Bescheid, dass es gerade Scheiße läuft, dann ist das eine hilfreiche Sache, finde ich.

Manche Dinge kann man in dem Moment auch einfach nicht erklären und muss die selbst erstmal analysieren.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Mr. Ohnesorge am 1.02.2024 | 08:57
Ah, jetzt verstehe ich die Aggressivität, mit der hier beide Seiten zu Werke gehen, besser.
Dann bin ich hier mal raus (die Antworten, die ich wollte, habe ich ja ohnehin bekommen).

Sehe ich auch so. Ich bin fasziniert und schockiert, wie stark Anti-Wokeness hier bei einigen Postern zu finden ist.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Zed am 1.02.2024 | 08:59
Abgesehen davon habe ich hier niemanden gelesen, der behauptet hat, dass "emotionale Sicherheit" sich dem Rollenspiel unterzuordnen hat.
Insofern stellst Du hier also einen Strohmann auf und empörst Dich über etwas, was so niemand gesagt hat
Boba, das wurde mehrfach hier so dargestellt. Dass immer jemand die Karte spielen kann, und damit automatisch Recht bekommt. Bei „immer“ können auch emotionale Gründe im Spiel sein, und dass das eine Stoßrichtung ist, zeigte die insbesondere zu Beginn größere Diskussion um Menschen mit „zu geringer Resilienz“.

Dass die Karte immer eingesetzt wird und daher das Spiel kaputt macht, ist der Strohmann.

Ich habe eine Szene skizziert, in der die Karte ein geeignetes Mittel sein kann (und alle anderen Mittel, den eigenen Unmut zu äußern, stehen ja weiter zur Verfügung), das ich für überzeugend halte: So könnte sich der Auslöser, der Karteneinsatz und die Nachbearbeitung anfühlen.

https://www.tanelorn.net/index.php/topic,127461.msg135204697.html#msg135204697
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: Freeport am 1.02.2024 | 09:03
Ah, jetzt verstehe ich die Aggressivität, mit der hier beide Seiten zu Werke gehen, besser.
Dann bin ich hier mal raus (die Antworten, die ich wollte, habe ich ja ohnehin bekommen).

Dto. Alle Argumente sind dargelegt, für und wider und alles dazwischen.
Jeder, der sich informieren wollte oder vielleicht eine andere Sichtweise betrachten wollte, hat das glaube ich getan, nun verhärten sich nur noch die Fronten ohne kontruktiv zu sein.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: felixs am 1.02.2024 | 09:05
Sehe ich auch so. Ich bin fasziniert und schockiert, wie stark Anti-Wokeness hier bei einigen Postern zu finden ist.

Doch nochmal was von mir:
Ich kann das ganz gut verstehen. Das sind die Momente, in denen sich in mir auch ein Grummeln gegen die X-Karterei meldet, obwohl ich das für eine bedenkenswerte Sache halte. Das Brimborium, der Jargon, die "Szene" nerven mich oft ein wenig. Und ich möchte nicht mit der X-Karte den ganzen Satz anderer Themen mit kaufen. Und ich kann schon verstehen, dass einige die Sorge haben, dass ihnen die ganze Hand gebunden wird, wenn sie den kleinen Finger geben wollten.

Das dürfte genau das sein, was andere als "ideologisch" kritisiert haben. Meiner Ansicht nach nicht ganz zu unrecht.

Bezüglich der Argumente bin ich auch raus, glaube nicht, dass noch was kommt. Und meine Identität hängt nicht an diesen Dingen, entsprechend habe ich keine weiteren Verpflichtungen oder Interessen.
Titel: Re: Wieso ich die X-Card für gefährlich halte und Abstand davon nehme
Beitrag von: JollyOrc am 1.02.2024 | 09:08
Und das ist der Moment, wo die Diskussion zum einen durch ist, und zum anderen definitiv nicht mehr in den allgemeinen Bereich gehört. Wenn Ihr meint, wider meinem Erwarten, da noch etwas sinnvolles mit Rollenspielbezug rausholen zu können, macht einen neuen Faden in Rollenspiel & Gesellschaft (https://www.tanelorn.net/index.php/board,601.0.html) auf.