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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Arkam am 24.07.2024 | 18:39

Titel: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Arkam am 24.07.2024 | 18:39
Hallo zusammen,

im Thread "KI Spielleiter - Himmel oder Hölle" kam die Frage auf ob Spielleiter tatsächlich so schwer zu finden sind das eine KI als Lösung nötig wäre.
Hier bitte nicht über KI Spielleiter diskutieren sondern über die Frage ist es so schwer einen Spielleiter zu finden.

Ich glaube der erste Knackpunkt besteht wenn man am Tisch und eben nicht per Rechner spielen will. - Ich rede nicht von einem Computer Rollenspiel sondern dem Tisch Rollenspiel etwa über Discord oder ein VTT.
Der nächste ist dann natürlich das System. Je kleiner und unbekannter das System umso weniger Spielende wird man findet. Wahrscheinlich werden von diesen dann auch nicht alle die Spielleitung machen wollen.
Zuletzt ist noch das langfristige Spielen ein Hindernis. Für ein oder zwei Abende findet man eher jemanden als für die lange Kampagne.

Gruß Jochen
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: felixs am 24.07.2024 | 18:54
Meiner Erfahrung in den letzten 10 Jahren nach: Ja, es ist sehr schwierig, jemanden zu finden, der den SL machen möchte.

Ich gehe davon aus, dass auch über Gründe gesprochen und spekuliert werden darf und soll.
In meinem Umfeld wird als Grund eigentlich ausschließlich der Mangel an Zeit oder Lust angeführt, Vor- und Nachbereitung der Spielsitzungen zu machen.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Infernal Teddy am 24.07.2024 | 19:38
Das ist kein neues Phänomen
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Darius der Duellant am 24.07.2024 | 19:56
Zu Uni-Zeiten war es relativ einfach. Aber für Erwachsene die sich am Tisch (online gibt es mEn extrem viele Runden)  treffen wollen ist das Zeitfindungsproblem schon ziemlich real.
Ich selbst leite im Moment zum Beispiel trotz anfragen auch nicht mehr weil ich realistisch gesehen nur Zeit für maximal eine Runde habe und zumindest ab und an auch selbst spielen will. Wenn man aber einmal mit Leiten anfängt ist man ganz schnell in der perma-SL Ecke.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Runenstahl am 24.07.2024 | 19:58
Ich für meinen Teil habe viel Spaß am Spielleiten und mache das derzeit auch in 2 Kampagnen (die jeweils 2-Wöchentlich stattfinden). Neben meiner Arbeit, der Familie und den anderen Rollenspielrunden in denen ich Spieler bin habe ich dann tatsächlich keine Zeit mehr übrig um z.B. weitere Runde leiten zu können. Das ist sicherlich für jeden Anders (da wir meist auch alle unterschiedlich viel Freizeit haben) aber für sind 3,5 Pen & Paper Abende die Woche (bei denen ich im Schnitt einmal Leite) perfekt. Mehr (so gerne ich das auch tun würde) und ich merke wie mir an allen Ecken und Enden die Zeit fehlt. Weniger und mir fehlt das Rollenspiel ;D

Bei uns sind aber auch viele Spieler denen es in den Fingern juckt mal selber zu leiten (und einige davon sind vom Start weg auch sehr gut darin). Ich glaube wenn man lange genug Spielt kommt das von ganz alleine das man gerne mal Idee XY im Spiel erleben möchte.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Darius der Duellant am 24.07.2024 | 20:12
unterschiedlich viel Freizeit haben) aber für sind 3,5 Pen & Paper Abende die Woche (bei denen ich im Schnitt einmal Leite) perfekt.

Respekt. Da würde ich schneller ausbrennen als ich "aktive Parade" sagen kann.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Ludovico am 24.07.2024 | 20:14
In Hamburg ist es ziemlich schwierig.
Wenn ich etwas leiten will, dann hab ich schnell Spieler an der Hand (vor allem, wenn es ein bekanntes System ist), aber als Spieler...

Und dann kommt auch noch das Problem dazu, was für ein SL das ist. Da kann man richtig ins Fettnäpfchen treten und nach meiner Erfahrung eher öfter als weniger (ist aber auch so bei der Spielersuche).

Ich leite aktuell monatlich eine Erwachsenen-Runde und konnte mit Glück eine Runde abtreten an einen Spieler, der das erste Mal leiten wird (findet alle 2 Wochen statt - aber da wird die Termin-Findung nun richtig Tricky, so dass es sein kann, dass ich doch nicht mitspielen werde) und dazu noch eine wöchentliche Kinderrunde.

Was mir aber versagt bleibt, ist auf der anderen Seite des Tisches mit meinen Freunden gemeinsam zu spielen.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Arkam am 24.07.2024 | 20:21
Hallo zusammen,

mich als Oldie, irgendwann 84 / 85 mit DSA angefangen wunderte das erst Mal. Von den Leuten mit denen ich angefangen habe hat etwa jeder mindestens ein Mal den Spielleiter gemacht.
Aber wir haben auch ganz langsam angefangen. Die DSA 1 Regeln kenne ich Heute noch recht gut. Wenn ich an den Versuch denke mit DSA 4 wieder neu anzufangen, wir haben mit DSA 3 und der Borbarad Kampagne aufgehört, ist unter anderem auch am Regelumfang gescheitert, vor allem wenn man Geweihte brauchte und deshalb eigentlich DSA 4.1 nehmen müsste.

Dazu dann noch der Trend in Hintergrundbände noch Regeln zu packen die teilweise die Grundregeln aushebeln. Ist mir bei 7th Sea, ursprüngliche Fassung aufgefallen. In jedem Quellenband gab es neue Skillpakete und Vorteile die einen Charakter deutlich verändern konnten, eben dadurch das man Punkte zur Charaktergenerierung sparen konnte.

Was habe ich mir unter Vor- und Nachbereitung eines Abenteuers vorzustellen? Okay Dinge aufgreifen und gegebenenfalls ausarbeiten die sich für den nächsten Spielabend abzeichnen ist tatsächlich eine Spielleiteraufgabe.
Aber Dinge wie die Terminfindung,  Anfertigen von Notizen und auch finden des nächsten Spielorts kann man auch an einen oder mehrere Spielende übergeben.

Gruß Jochen
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Runenstahl am 24.07.2024 | 20:36
Respekt. Da würde ich schneller ausbrennen als ich "aktive Parade" sagen kann.

Danke, aber um es klarzustellen ich leite im Schnitt einmal die Woche. Die anderen Abende bin ich "nur" Spieler.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Edgar Allan Poe am 24.07.2024 | 21:43
Ich habe just gerade wieder so ein Phänomen erlebt. Ich wollte mal wieder den Versuch starten, eine Kampagne zu spielen. Also habe ich mich bereit erklärt, den Spielleiter zu machen und habe quasi diese Kampagne "ausgeschrieben". Es dauerte gar nicht lang, bis eine ganze Traube an Spielern aus ihren Löchern gekrochen kamen und mitspielen wollte. So viele, dass ich letztlich sogar Absagen verteilen musste. So das am Ende 5 Spieler plus mich als SL übrig blieben.

Zwei Spielabende vergingen. Die Spieler waren zufrieden (zufriedener als ich). Freuten sich auf den jeweils nächsten Spielabend. Quatschten auch in der eigens dafür erstellten WhatsApp Gruppe und gaben da sogar Feedback. Und dann? Naja ... Den dritten Spielabend musste ich leider aus beruflichen Gründen canceln. Früh genug für einen der anderen 5 für den Spielabend einzuspringen und einen One Shot einzuschieben.

Wollte keiner. Man spielte lieber gar nicht, als das einer den Spielleiter machen muss.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ja ... es ist verflucht schwierig Spielleiter zu finden. Schon für beliebte Systeme.

Nischensysteme? Keine Chance. Die vielen Bücher, die ich hier im Regal habe und gerne mal ausprobieren würde ... die werde ich niemals (!) spielen. Maximal leiten.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: felixs am 24.07.2024 | 21:47
Was habe ich mir unter Vor- und Nachbereitung eines Abenteuers vorzustellen? Okay Dinge aufgreifen und gegebenenfalls ausarbeiten die sich für den nächsten Spielabend abzeichnen ist tatsächlich eine Spielleiteraufgabe

Vorbereitung: Abenteuer lesen, verstehen, nochmal lesen, Notizen machen, Regeln nochmal nachlesen, ggfs. abändern etc. Bei selbst erstellten Abenteuern dann eben das Erstellen derselben.
Nachbereitung: Einerseits die Auswirkungen für die Zukunft festhalten, Entwicklungen in der Spielwelt festhalten, für die Einarbeitung in spätere Spielsitzungen vorbereiten. Und natürlich dann die Vorbereitung der nächsten Spielsitzung, in welche die Ergebnisse der Spielsitzung einfließen.

Aber Dinge wie die Terminfindung,  Anfertigen von Notizen und auch finden des nächsten Spielorts kann man auch an einen oder mehrere Spielende übergeben.

Theoretisch ist das so. Praktisch blieb auch das in allen Runden am SL kleben.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Darius der Duellant am 24.07.2024 | 22:16
Danke, aber um es klarzustellen ich leite im Schnitt einmal die Woche. Die anderen Abende bin ich "nur" Spieler.

Schon klar, aber selbst das wäre mir massiv zu viel. Hatte mal drei Runden parallel, das war hart an meiner Schmerzgrenze und wir haben effektiv nur jeweils 1-2 mal im Monat gespielt.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: YY am 24.07.2024 | 23:03
Aktuell habe ich mit der Situation auf der Arbeit, kleinem Kind und sonstigen wieder angelaufenen Hobbies ohnehin keine realistische Möglichkeit, an einer regelmäßigen nicht-online-Runde teilzunehmen.

Aber auch vorher war es selbst andersrum als SL schwierig, gute Spieler für meine Nischenveranstaltungen zu finden.
Sobald man als Spieler ein bisschen was wissen, können und wollen muss, wird die Luft ziemlich dünn.


Und das bringt mich zu folgendem (von drüben aus dem anlassgebenden Thread):
Gut, man darf dann nicht darauf bestehen, dass genau das Rollenspiel gespielt wird, das ich möchte. Aber das halte ich sogar für etwas Gutes. Dann muss man sich auch mal mit Inhalten auseinandersetzen, die nicht nur den eigenen Bedürfnissen entsprechen.

Von "genau" kann da keine Rede sein.
Wenn das, was tatsächlich am Tisch stattfindet, nicht mal ansatzweise in die Richtung geht, was man sich vorgenommen und zuvor abgesprochen hat, schläft das Ding entweder ziemlich flott wieder ein oder einer zieht die Notbremse.

Aktuell (sprich: seit mehreren Jahren) muss ich mir Termine mit riesiger Vorlaufzeit freischaufeln und selbst dann bricht das oft genug kurz vorher zusammen. Das mache ich nicht für "vielleicht wirds ja trotzdem irgendwie ganz nett", sondern für Runden, von denen ich ziemlich sicher weiß, dass sie auch zünden.
Und das bedeutet: mit genau ausgesuchten Spielern und einer klaren Linie, was dann geboten und angenommen wird.

Alles andere ist mir momentan die Zeit und den Aufwand nicht wert.
 
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Marduk am 24.07.2024 | 23:06
Die meisten Spieler sind im Endeffekt Egoisten, die sich nur unterhalten lassen wollen.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Prisma am 24.07.2024 | 23:22
Wie schwierig sind SLs zu finden: Leicht bis schwer. Es kommt stark darauf an, welches System, welche Erfahrung, welcher Anspuch auf beiden Seiten, Zeitfaktoren, Bereitschaft der Spieler mitzuziehen und letztlich welche Abstriche man bei allen Punkten eingehen will.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Horsinand am 24.07.2024 | 23:59
Ich hätte keine Ahnung, wo ich einen (mir noch unbekannten) Spielleiter finden sollte. Wahrscheinlich über eine Kontaktanzeige. Spieler hingegen konnte ich als SL schon immer finden.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Marduk am 25.07.2024 | 00:07
Wie schwierig sind SLs zu finden: Leicht bis schwer. Es kommt stark darauf an, welches System, welche Erfahrung, welcher Anspuch auf beiden Seiten, Zeitfaktoren, Bereitschaft der Spieler mitzuziehen und letztlich welche Abstriche man bei allen Punkten eingehen will.

Die meisten Menschen im Rollenspielhobby, denen ich begegnet bin, die von anderen Abstriche gefordert haben, waren oft die, die selbst am wenigsten zu Kompromissen bereit waren.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Eismann am 25.07.2024 | 01:08
Manche haben keine Lust, andere keine Zeit, aber ich hab auch schon erlebt, dass angehende SLs schlicht Schiss haben, weil sie quasi vom Publikum auf die Bühne müssen (auch wenn der Vergleich etwas schief ist). Sie haben dann Angst was falsch zu machen, ärgern sich über eigene (teils rein imaginäre) Fehler und nehmen es sehr krumm, wenn Spieler die Sache mal nicht ernst genug nehmen etc.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: klatschi am 25.07.2024 | 06:39
Was bei mir persönlich auch noch ein Faktor ist: Ich will mir die Arbeit einer Kampagne nur für Menschen machen, die ich kenne oder die Freunde von Freunden sind und die mir "empfohlen" werden. Klar, einen Oneshot biete ich immer am GRT an und vielleicht mal einen Fewshot - aber mehr würde ich nicht machen, da mir das einfach zu viel Zeit und Aufwand ist. Wenn ich das Geld brauchen würde, dann würde ich das vielleicht als bezahlter GM machen.

Auf der anderen Seite habe ich auch gemerkt, dass ich als SL immer weniger von meinen Ansprüchen zurücktrete, weil ich mir bewusst bin, dass Spieler seltener ne SL finden als umgekehrt.

Die meisten Spieler sind im Endeffekt Egoisten, die sich nur unterhalten lassen wollen.

Ganz so drastisch würde ich es nicht ausdrücken, aber auch bei meinen Runden stelle ich auch fest, dass die Arbeit dann oft am SL kleben bleibt, obwohl man sich abgesprochen hat, andere Spieler sind wieder voll motiviert und proaktiv (das ist immer ziemlich geil!).
Ich wiederhole dann einmal meine Wünsche, was die Spieler übernehmen sollen, und wenn das nicht passiert, dann kille ich lieber die Runde als dass ich mich ärgere. Ist so schon öfter passiert und ich denke jedes Mal, dass es die richtige Entscheidung war.
Mit manchen Spielern hab ich dann gar nicht mehr gespielt, anderen habe ich noch "ne Chance" gegeben.

Tatsächlich verlange ich auch einen Unkostenbeitrag von meinen Spielern, für Regeln, gekaufte Abenteuer, Serverkosten, Toolkosten, etc. pp. - das sind 30 bis 50 Euro im Jahr (je nachdem, wie viele Runden ich habe). Also wirklich ein Unkostenbeitrag. Spieler, die da aufstöhnen, sind bei mir auch sofort unten durch.
Wie ist das bei euch als SL? Verlangt ihr Geld von euren Gruppen?
(ist wahrscheinlich ein anderes Thema und müsste wieder ausgelagert werden)  ~;D
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: PayThan am 25.07.2024 | 07:17
Was das Verhältnis Spielleiter zu Spieler angeht: Da haben wir mal wieder einen klassischen Pareto-Effekt !

Gruselig auf was man den alles anwenden kann  ;D




Die meisten Spieler sind im Endeffekt Egoisten, die sich nur unterhalten lassen wollen.

Das sind wir doch alle.

"Der Egoismus ist die Triebkraft der Hilfsbereitschaft, der Ausgangspunkt jedes gesellschaftlichen Handelns und jeder Moral."

- Franz M. Wuketits

Ich würde auch behaupten dass 100% aller Spielleiter aus egoistischen Gründen in diese Rolle schlüpfen.
Das macht keiner nur der „Gruppe“ zuliebe, damit die anderen alle Spaß haben (nur der SL nicht, der sich vorbildlich Opfert).

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)


Ja klar, gibt es wie oben beschrieben angehende Spielleiter mit Lampenfieber und ähnlichen Symptomen.
Die Antriebsfeder diese Ängste zu überwinden ist aber dann doch wieder der Egoismus.



PS: Ich habe Marduk vor langer Zeit live im U2 in Bad Wörishofen gesehen. Als ich gerade den Namen gelesen habe, kamen alte Erinnerungen hoch. Vielen Dank dafür!
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Boba Fett am 25.07.2024 | 07:53
Ich muss für mich gestehen, dass ich noch nie Probleme gehabt habe Rollenspiel zu machen. Das beinhaltet auch, einen Spielleiter zu finden.
Es gab Jahre, da musste ich mich sogar eher bemühen, dem Angebot abzusagen, das ich hatte. Ich glaube aber, dass das nicht repräsentativ ist.
Denn zum einen bekommt man über das Tanelorn mehr Kontakte, als das wohl 'normal' ist.
Vor allem aber spielleiter ich auch selbst und ich glaube, das macht einen großen Unterschied. Denn mit dem "ja, ich könnte auch mal" findet man eher Anschluß.
Ich kann auch von mir selber berichten, dass ich bei Mitspielenden (meinen engsten Freunden in der langjährigen heimischen Runde ausgenommen) eher etwas skeptisch bin,
wenn ich wahrnehme, dass die sich ausschließlich in der "Konsumenten" Rolle sehen und die "Geber" Rolle für sich ausschließen. Klar tragen die am Tisch auch viel dazu bei,
dass alle (auch der SpL) Spaß haben. Aber trotzdem macht es einen Unterschied. Und das generiert bei mir (also dem Spielleiter) natürlich Skepsis.
(Wer mehr über den Unterschied wissen möchte, den ich da sehe, darf gern fragen...)

Insofern denke ich, ist die beste Chance, einen Spielleiter zu finden, die, erst mal selbst einer zu werden, und sich dann Leute zu suchen, die auch leiten würden.

PS.: Probleme, wie extrem enge Zeiträume (Elternrolle, Beruf, etc.) sind eine andere Situation. Denn das ist die Frage von Terminfindung. Nicht die Frage, ob man Spielleitende findet.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Sashael am 25.07.2024 | 08:45
Ich weiß nicht, so krass kann der Mangel nicht sein, wenn ich mir angucke, was für immense Terminprobleme immer wieder Runden zerbrechen lassen.

Man sollte doch meinen, wenn es so wenig SL gibt und man dann endlich mal einen gefunden hat, der längerfristig leitet und das auch bei dem Spaß macht, dann findet man öfter Termine zum Spielen und sagt auch nicht aus jedem x-beliebigen Grund ab, bis die Gruppe irgendwann getrennte Wege geht.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Hellcat am 25.07.2024 | 09:12
Meiner Wahnehmung nach ist das tatsächlich von ganz vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig, wie schwer es ist einen Spielleiter zu finden. Bei meinen Bestandsrunden findet sich beispielsweise ein Dauer-SL, eine Runde mit wechselnden SLs, wo wir gerade ein Überangebot haben (von fünf Leuten wollen drei leiten) und eine Runde mit wechselnden SLs, wo es immer wieder ein riesen Thema ist, wer beim nächsten mal leitet (da wurde sogar schon mal eine Strichliste aufgemacht, zum Glück ist die aber wieder sehr schnell gestorben). Die Frequenz der Runden ist mit 1-2x im Monat sogar ganz gut vergleichbar.

Wenn ich hingegen nach Spielern oder Spielleitern für neue Runden suche, ist das deutlich differenzierter. Biete ich an SL für ein bekanntes System zu sein, rennen mir die Spieler online die Bude ein, offline finden sich nach einigem Suchen aber auch meist genügend für eine Runde. Bei unbekannten Systemen ist es offline sehr schwierig bis unmöglich, online hingegen hat man durchaus auch mal Glück eine Runde auf die Beine zu stellen. Als Spieler lässt sich für die großen Systeme eigentlich auch immer was finden, bei nicht so verbreiteten Systemen hat man meist nach einiger Zeit ein paar Spieler zusammen, aber die Schwierigkeit ist hier, einen Meister zu finden.

Wenn ich jetzt noch mal in einschlägigen Foren oder im Discord auf das Verhältnis SL/Spieler-Gesuche schaue, dann verfestigt sich der Eindruck, dass deutlich mehr Leute spielen als leiten wollen. Mein Fazit wäre also: ja, es ist mit Aufwand verbunden, einen SL zu finden, aber in vielen Fällen machbar.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: ThinkingOrc am 25.07.2024 | 09:38
Also jetzt komme ich endlich auch mal dazu.
Zunächst einmal meinte ich offline Runden. Online sieht das vermutlich nochmal anders aus, insbesondere wenn man sich nicht davor scheut auch über den Teich zu schauen.

Bezügl. des Ansprüche herunterschrauben würde ich auch sagen: Klar wenn man nur irgendeinen SL mit irgendeinem System und irgendeiner Gruppe sucht, dann hat man wohl keine große Schwierigkeiten einen SL zu finden (in Berlin zumindest, für die Thüringische Pampa würde ich keine Hand ins Feuer legen (nichtmal ne fremde).

Sobald man aber z.B. als Gruppe von Freunden, wo zwar mehrere schon als SL agiert haben, aber aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr können (Zeit, Familie, Krankheit) ihren letzten SL verliert (wiederum wegen Gründen), und gerne weiter zusammen spielen möchte wird es schon schwieriger.

Wir hatten da in einer Gruppe auch schon seltsame Erfahrungen gemacht. Von mangelnder Körperhygiene über Diven und gönnerhafte aber herablassende "Father Knows it best" but is a fascist Typen über Leuten die dann einfach nie Zeit haben bis hin zu Persönlichkeitsstörungen und persönlicher Antipathie mit einzelnen war da alles dabei.

Also es geht nicht mal darum, dass es absolut zu wenig Leute gäbe, die evtl. mal spielleiten würden. Aber relativ zu den Ansprüchen dann eben doch.

Und wie hier schon öfter gesagt wurde: Wenn man dann noch mal ein nischiges System ausprobieren möchte, dann Gute Nacht.

Dass es insbesondere in Berlin so schwierig wäre hätte ich dabei nie für möglich gehalten. Was mich über die Jahre aber zu zwei Thesen führte:
1. Berlin ist so groß, dass die Leute (und zwar gerade die Urberliner) eher in Ihren Bezirken wenn nicht gar Kiezen verhaftet sind und nicht bereit sind mehr als 5 km weit zu pendeln (zumindest nicht fürs Hobby).
2. In Berlin gibt es ein kulturelles Überangebot, deswegen haben alle grundsätzlich weniger Zeit und so verpufft der potentiell größere Pool von Interessenten in Konkurrenzangeboten.

Wie schon erwähnt, wir sind jetzt final dann doch fündig geworden, bzw. für den einen itch leite ich mit zwei Kumpels in ner Online Runde, aber ich kann nicht sagen, dass es sonderlich leicht wäre, eine angenehmen SL für die eigene Gruppe mit dem bevorzugten System zu finden.
(und selbst meine Lösungen sind, entweder nicht bevorzugtes system oder Medium oder Gruppe, wie man es nimmt).

Sashael und ein paar andere haben allerdings recht. Man könnte schon erwarten, dass manche Leute sich mehr Zeit für das Hobby nehmen, wenn sie es denn schätzen und so schwierig ist was gutes zu finden. Oder das mehr Spieler einfach mal probieren würden selber zu leiten.
Denn ja, wenn man selbst anbietet zu leiten, finden sich oft genug Spieler zusammen. Aber Oft genug sind die auf reine Berieselung aus. Ich erstelle gerne Wikis für die Spielnotizen, bin dann aber oft der einzige, der das pflegt. Finde ich immer schade.
Aber das ist ja streng genommen nochmal ein eigenes Thema: "Spieler - Ist es wirklich so schwer ein bisschen mehr Zeit als die reine Spielzeit zu investieren?"
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Deltacow am 25.07.2024 | 10:29
Ich spiele seit 10 Jahren im Wochen bis 2-Wochenrhthmus mit den gleichen vier Leuten, zur Zeit online, bald wieder (wie all die Jahre zuvor) offline.
Wenn ich nicht kann, fällt die Runde im Regelfall aus. Ganz selten wurde mal ein Oneshot durch jmd. anders geleitet.
Anfangs hatte ich ein schlechtes Gewissen (also wenn ich mal nicht konnte), weil ich leider der unflexibelste bin (herausfordernden Job, 3 Kinder, usw.). Mittlerweile hat sich das gelegt.

Meine persönliche Erfahrung auf meine Gruppe bezogen ist, dass wir schon lange nicht mehr Teil einer "Pen-and-Paper-Community" sind. Wir haben uns über die Jahre so stark individualisiert, was wir spielen und wie wir spielen, dass wir gar nicht zu suchen bräuchten. Haben wir nämlich mal versucht, also sowohl SL-Suche als auch Spieler reinzuholen. Im Regelfall findest Du aber nur Leute für die gängigen Systeme. Darüber hinaus scheint Pen-&-Paper irgendwie ein Geringverdiener-Hobby zu sein (sorry, habe echt lange an der Formulierung herumüberlegt, aber es bringt leider alles was ich meine rasch auf den Punkt). Das führte wenn wir mal versucht haben uns nach außen zu öffnen immer rasch zu Problemen ... Anfahrtsweg schwierig (Anm.: Wien), Essen bestellen - lieber nicht - zu teuer, usw. - und das obwohl wir eine ziemlich unaufgeregte Runde sind diesbezüglich; ich zahl als SL bspw. das Material, die Abokosten für VTTs usw., die Gastgeber (also die Spieler wo wir spielen) kaufen immer die Getränke, lediglich das Essen zahlt jeder selbst. Aber da wollen wir uns dann halt nicht einschränken und wenn ich dann jemanden ständig abholen muss damit er in einer Großstadt zur Location kommt ... *schulterzuck*

Schlussfolgernd würde ich nach so vielen Jahren wahrscheinlich auch gar nicht mehr unterhaltsam andere Gruppen leiten können. Ich bin so entwöhnt von diesen ganzen Flachwitzen und Klischees die ich aus meiner Anfangszeit in Erinnerung habe, stark entwöhnt auch von Regeldiskussionen - die mich damals wie heute langweilen. Ich könnte mir also vorstellen das es viele SLs gibt die halt "ihre" Gruppe haben. Und abseits von mangelnder Zeit auch schon sehr stark auf diese adaptiert sind. Wir werden älter und schwieriger und wählerischer und exzentrischer und und und ...

Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Boba Fett am 25.07.2024 | 10:59
Aber das ist ja streng genommen nochmal ein eigenes Thema: "Spieler - Ist es wirklich so schwer ein bisschen mehr Zeit als die reine Spielzeit zu investieren?"
:d
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: felixs am 25.07.2024 | 11:31
[Egoisten] sind wir doch alle.

"Der Egoismus ist die Triebkraft der Hilfsbereitschaft, der Ausgangspunkt jedes gesellschaftlichen Handelns und jeder Moral."

- Franz M. Wuketits

Ich würde auch behaupten dass 100% aller Spielleiter aus egoistischen Gründen in diese Rolle schlüpfen.
Das macht keiner nur der „Gruppe“ zuliebe, damit die anderen alle Spaß haben (nur der SL nicht, der sich vorbildlich Opfert).

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)


Ja klar, gibt es wie oben beschrieben angehende Spielleiter mit Lampenfieber und ähnlichen Symptomen.
Die Antriebsfeder diese Ängste zu überwinden ist aber dann doch wieder der Egoismus.

Halte ich für eine ziemlich zirkuläre Definition von Egoismus, wenn Altruismus letztlich aus egoistischen Motiven stattfindet.
Ich schlage stattdessen vor: Egoismus ist dann, wenn jemand sich etwas nimmt, dass er nicht auch zu geben bereit ist, obwohl er wissen kann, dass die Gegenseite erwartet, dass etwas zurückgegeben wird. Sobald es ein Geben und Nehmen in halbwegs ausgeglichener Form ist, kann man das nicht sinnvoll Egoismus nennen. (Außer natürlich, man möchte unbedingt eine brachialindividualistische Philosophie á la Ayn Rand daraus machen. Viel Spaß.).

Bin ziemlich sicher, dass ich nicht aus egoistischen Motiven geleitet habe, sondern weil es sonst keiner machen wollte und weil sonst nicht gespielt worden wäre. Ich hätte lieber (zumindest auch mal) als Spieler gespielt. Ehre und Anerkennung sind mir in dem Zusammenhangt ziemlich egal. Ich genieße eine angenehme Gruppendynamik, mag das soziale Miteinander in funktionierenden Gruppen.

Tatsächlich nehme ich schon wahr, dass viele Nur-Spieler sich egoistisch verhalten (also, nach meiner Definition, mehr nehmen wollen als geben). Das ist für mich auch der Grund, warum ich (derzeit) nicht bereit bin, zu leiten. Zumindest nicht, bevor nicht auch Leute die SL-Rolle übernommen haben, die das bisher nie getan haben.

Das Phänomen an sich ist übrigens völlig normal. Fast alle sozialen Zusammenhänge hängen daran, dass einige Leute sehr viel mehr Aufwand erbringen und sehr viel mehr Verantwortung übernehmen, als andere. Es ist auch ziemlich normal, dass die Strukturen sich dann auflösen, wenn diese Leute aufhören. Kann man bei Vereinen, Feuerwehren, Freundeskreisen, Familienverbänden etc. beobachten.

PS.: Probleme, wie extrem enge Zeiträume (Elternrolle, Beruf, etc.) sind eine andere Situation. Denn das ist die Frage von Terminfindung. Nicht die Frage, ob man Spielleitende findet.

Diese Dinge werden - meiner Erfahrung nach - aber gern als Argumente angeführt. Für eine Teilnahme als Spieler (da muss man ja nichts vorbereiten) hat man Zeit. Als SL nicht (weil man da ja in irgendeiner Form auch noch Zeit für die Vorbereitung haben muss).
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Namo am 25.07.2024 | 12:26
Das Phänomen an sich ist übrigens völlig normal. Fast alle sozialen Zusammenhänge hängen daran, dass einige Leute sehr viel mehr Aufwand erbringen und sehr viel mehr Verantwortung übernehmen, als andere. Es ist auch ziemlich normal, dass die Strukturen sich dann auflösen, wenn diese Leute aufhören. Kann man bei Vereinen, Feuerwehren, Freundeskreisen, Familienverbänden etc. beobachten.

Sehr gute Anmerkung und wohl auch der springende Punkt am Ende. :d
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: unicum am 25.07.2024 | 13:14

"Der Egoismus ist die Triebkraft der Hilfsbereitschaft, der Ausgangspunkt jedes gesellschaftlichen Handelns und jeder Moral."

- Franz M. Wuketits

Ich würde auch behaupten dass 100% aller Spielleiter aus egoistischen Gründen in diese Rolle schlüpfen.
Das macht keiner nur der „Gruppe“ zuliebe, damit die anderen alle Spaß haben (nur der SL nicht, der sich vorbildlich Opfert).

Das könnte vielleicht auch erklären, warum einige im ursprünglichen Thread Angst davor haben, dass eine KI ihnen ihre 'Bühne / ihren Thron' rauben könnte.

Zum einen würde ich das Zitat des Herrn Wuketits in Frage stellen, da gibt es auch gegensätzliche betrachtungen. Es mag sein dass es in gewissen Punkten stimmt aber mir fallen da Beispiele ein welche das ziemlich in Frage stellen, etwas aus dem erweiterten Gleisarbeiter Dilemma und der bettrachtung von Soziophatie auf dieses.

Auch anderen auch den Punkt deiner Erklärung - Es gibt hier und da tatsächlich auch Spielleiter die das gerne machen. (und um es gleich mal zu sagen: ich schreibe da auch für mich und mindestens einen anderen der auf Wochenendcons (Donnerstag-Sonntag) nur Leitet und als ich ihn darauf angesprochen habe mir auch bestätigte das er lieber leitet als Spielt.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: PayThan am 25.07.2024 | 13:19
Egoismus ist dann, wenn jemand sich etwas nimmt, dass er nicht auch zu geben bereit ist, obwohl er wissen kann, dass die Gegenseite erwartet, dass etwas zurückgegeben wird.

Ja, diese Definition gefällt mir auch besser.

Allerdings frage ich mich, ob der Sinn einer Definition und deren Wahrheitsgehalt sich nicht verändern, wenn man diese Aussage so lange anpasst, bis sie sich für uns gut anhört und unser moralisches Verständnis nicht mehr komplett durcheinanderbringt.

Da ich jedoch kein Philosoph oder Ethiker bin, können wir uns gerne auf deine Definition einigen, wenn es den „Finger aus der Wunde“ nimmt.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: unicum am 25.07.2024 | 14:11
Es gab mal in einem anderen Forum die Umfrage warum Nur-Spieler (also Rollenspielende die nie spielleiten) eben nicht den SL machen. Die hauptantwort waren Varianten von "Ich trau mir das nicht zu".

Zusammen mit der Sache das es eben deutlich weniger SL als Spieler braucht, sehe ich darin den eigentlichen Grund für das Problem SL zu finden.

Ich kann mir vorstellen das es für jemanden der frisch mit unserem Hobby konfrontiert wird und in seinem bekanntenkreis niemanden kennt, nichtmal leute die Brettspielabende machen, es recht schwer sein könnte hineinzufinden und dann eben auch einen SL zu finden. Aber die Suchmöglichkeiten sind auch vorhanden, es gibt Fachebookgruppen, Discords, Vereine und sicher noch vieles mehr.

Aber das Problem bleibt: Es gibt deutlich weniger SL als Spieler und damit wird es ein SL der Spieler sucht es deutlich leichter haben als ein Spieler der eine SL sucht.

Zu dem oben genannten "Ich trau mir das nicht zu" - wenn man sich etwa die Matt Mercer Youtubes anschaut dann legen diese "die Latte" doch sehr hoch, das mag auch ein hemmgrund sein es mal zu versuchen (wenn ich mich daran erinnere wie ich geleitet habe in meiner Anfangszeit,...)
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: gunware am 25.07.2024 | 14:20
Aber das Problem bleibt: Es gibt deutlich weniger SL als Spieler
Wobei sich das bei einem durchschnittlichen Überhang von 1 SL zu 4 Spieler gar nicht bemerkbar machen sollte. Das heißt, dass das Verhältnis noch mehr auseinander laufen muss.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: ThinkingOrc am 25.07.2024 | 14:25
Ich würde behaupten das Verhältnis von SL, die das nicht nur notgedrungen machen (kein anderer macht's) und evtl sogar gerne und regelmäßig, zu Spielern ist sogar noch schlechter als 1:10. Wenn man dann noch gute SLs als Filterkrieterium dazu nimmt wird's noch schlechter.

Ich überlege gerade, ob es andere Hobbies gibt wo es ähnlich rare Rollen gibt.

Schiedsrichter beim Fussball werden jedenfalls einfacher gefunden scheint mir...
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Zed am 25.07.2024 | 14:50
Ich würde sagen, dass Herr Wulketits im Grundsatz Unrecht hat (siehe Communityprojekte wie zB wikipedia), bei Spielleitung aber stimmt: Ohne einen Anteil Eigen“nutz“ ist die Aufgabe der SL eigentlich nicht machbar.

Nur uneigennützig zu spielleitern ist für mich nicht vorstellbar. Ich als SL möchte auch meinen Spaß haben, meine Erzählleidenschaft gemeinsam mit der Gruppe ausleben, die Gruppe überraschen, unterhalten, amüsieren und ab und zu überraschen oder sogar bewegen.

Nur weil das alles wohl auch im Gruppensinne ist, ist es nicht uneigennützig. 🙂
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: unicum am 25.07.2024 | 14:55
Wobei sich das bei einem durchschnittlichen Überhang von 1 SL zu 4 Spieler gar nicht bemerkbar machen sollte. Das heißt, dass das Verhältnis noch mehr auseinander laufen muss.

Ja, ich hatte ja auch nicht gesagt das dies der einzige Grund ist und auch mindestens einen weiteren aufgeführt.
Aber es ist eben schon ein systembedingter Grund und zwar einer der recht schlecht auszumerzen ist, zugestanden es gibt auch Regelwerke die SL-los sind aber die haben es nie ins Rampenlicht geschafft, die großen Rollenspiele haben eine SL, eine Handvoll Spieler und ... Würfel.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: felixs am 25.07.2024 | 15:03
Ich würde sagen, dass Herr Wulketits im Grundsatz Unrecht hat (siehe Communityprojekte wie zB wikipedia), bei Spielleitung aber stimmt: Ohne einen Anteil Eigen“nutz“ ist die Aufgabe der SL eigentlich nicht machbar.

Nur uneigennützig zu spielleitern ist für mich nicht vorstellbar. Ich als SL möchte auch meinen Spaß haben, meine Erzählleidenschaft gemeinsam mit der Gruppe ausleben, die Gruppe überraschen, unterhalten, amüsieren und ab und zu überraschen oder sogar bewegen.

Nur weil das alles wohl auch im Gruppensinne ist, ist es nicht uneigennützig. 🙂

Ich denke, die Frage bezüglich des Eigennutzes ist eher, ob Du nicht eigentlich lieber Spieler wärst. Wenn Du lieber als Spieler spielen würdest und die Rolle des SL nur übernimmst, weil es sonst keiner machen möchte, dann ist das uneigennützig. Denn Du nimmst etwas auf Dich und gibst etwas für die Gruppe, von dem Du keinen Vorteil für Dich erwarten kannst. (Außer, man nimmt "Überhaupt spielen wollen" als eigennütziges Argument, aber das führt m.E. schnell in die Sackgasse - denn Du bist dann ja immerhin bereit, dafür etwas zu geben, was die anderen nicht bereit sind zu geben. Diesen Unterschied muss man schon irgendwie abbilden; und genau das ist eben der Unterschied zwischen Egoismus und Altruismus im Handeln, würde ich sagen.).

Wenn Du tatsächlich lieber als SL spielen möchstes, denn als Spieler, dann ist es eigennützig, die Rolle des SL übernehmen zu wollen.


Man kann jetzt fragen, was dieser Exkurs überhaupt soll.
Meine Antwort ist, dass ich ein Problem im egoistischen Verhalten der nicht-spielleitungswilligen Spieler sehe. Denn, ganz konkret, würden die theoretisch rollenspielinteressierten Leute in meinem Umfeld bereit sein, zu leiten, dann würde ich Rollenspiel spielen können. Und sie dann auch. Also ein Gewinn für alle. Wohingegen das egoistische Verhalten dazu führt, dass halt nicht gespielt wird.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: unicum am 25.07.2024 | 15:08
Nur uneigennützig zu spielleitern ist für mich nicht vorstellbar. Ich als SL möchte auch meinen Spaß haben, meine Erzählleidenschaft gemeinsam mit der Gruppe ausleben, die Gruppe überraschen, unterhalten, amüsieren und ab und zu überraschen oder sogar bewegen.

Zitiere mich mal selbst:

Es gibt hier und da tatsächlich auch Spielleiter die das gerne machen. (und um es gleich mal zu sagen: ich schreibe da auch für mich und mindestens einen anderen der auf Wochenendcons (Donnerstag-Sonntag) nur Leitet und als ich ihn darauf angesprochen habe mir auch bestätigte das er lieber leitet als Spielt.

Aber ja in dem Moment wo es mir kleinen Spass mehr machen würde, wäre einen großteil meiner Motivation weg. Ich könnte mir zwar noch vorstellen das "Irgend jemand muss es halt machen, sonst wird garnicht mehr gespielt" durchaus ein Punkt ist den ich auch logisch akzeptieren würde. Aber dann hätte ich auch eine gewisse Erwartungshaltung anderen gegenüber und wenn da dann jemand ist der eben zu der Fraktion der "Ich mache NIE sl" gehört würde ich für so eine Person auch nur sehr bedingt (guter Freund, als SL ne Pfeife aber als Spieler einfach super) den SL geben, da ist schon etwas egoismus meinerseitz drin.

Aber das ist nur eine recht Hypotetische Bertrachtung, derzeit macht mir Spielleiten noch recht viel Spass und ich freu mich gerade voll wenn ich daran denke das ich bald wieder hinter dem SL Schirm sitze.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: felixs am 25.07.2024 | 15:15
Aber dann hätte ich auch eine gewisse Erwartungshaltung anderen gegenüber und wenn da dann jemand ist der eben zu der Fraktion der "Ich mache NIE sl" gehört würde ich für so eine Person auch nur sehr bedingt (guter Freund, als SL ne Pfeife aber als Spieler einfach super) den SL geben, da ist schon etwas egoismus meinerseitz drin.

Das ist dann aber kein Egoismus Deinerseits, sondern eher (mit Recht) verletztes Gerechtigkeitsempfinden.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: ThinkingOrc am 25.07.2024 | 15:19
Bin ich leicht anderer Meinung.
Wenn einer SL macht, weil es sonst kein anderer machen würde, er aber eben trotzdem spielen möchte, dann handelt er in einem gewissen Maße eigennützig:(Zielerfüllung, wenigstens überhaupt spielen).
Erst wenn z.B. einer eigentlich gar nicht noch eine Runde bräuchte, weil er genügend Runden hat, in denen er spielt, aber trotzdem in ner anderen Runde den SL macht, weil die sonst gar kein Rollenspiel spielen könnte, würde ich das als puren Altruismus sehen.
Also nicht: "Ich würde eigentlich lieber Spieler sein" (für mich ist SL ja eh auch ein Spieler, nur mit einer besonderen Rolle und damit verbundenen Aufgaben).
Sondern: "Eigentlich habe ich gar kein eigenes Motiv. Ich mache den SL, damit ihr spielen könnt. Wenn es jemand anderes machte, würde ich gar nicht mitspielen."

Aber eigentlich auch egal für das Thema. Außer das man sagen könnte, dass es zu wenige altruistische SL nach dieser Definition gibt).

Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: felixs am 25.07.2024 | 15:33
Das Wuketits-Thema sollten wir wirklich hier nicht breittreten. Eine weitere Diskussion über die (neo?-)liberalen Wirrungen des Herrn Wuketits ist nur möglich, wenn man allgemein gesellschaftspolitisch wird. Und das sollten wir dringend vermeiden.

Wenn einer SL macht, weil es sonst kein anderer machen würde, er aber eben trotzdem spielen möchte, dann handelt er in einem gewissen Maße eigennützig:(Zielerfüllung, wenigstens überhaupt spielen).

Wie ist das dann zu differenzieren von dem Verhalten derer, die auch gern spielen wollen, aber eben nicht bereit sind, dafür den SL zu machen?

Sicher gibt es immer Graustufen. Aber ich denke schon, dass man unterscheiden kann und sollte: Er handelt zumindest mehr altruistisch und weniger egoistisch als die andere Spieler.

Aber eigentlich auch egal für das Thema. Außer das man sagen könnte, dass es zu wenige altruistische SL nach dieser Definition gibt).

Für das Thema müsste man wohl sagen, dass es zu wenig SL gibt, egal aus welcher Motivation. Der ethische Exkurs war wohl eher dem Bedürfnis nach Erklärung einerseits und moralischer Bewertung andererseits geschuldet.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: PayThan am 25.07.2024 | 15:34
Ich würde sagen, dass Herr Wulketits im Grundsatz Unrecht hat

Wie lange und mit welchem wissenschaftlichen Hintergrund beschäftigst du dich mit dem Thema Egoismus?

Ich schätze, dass Franz M. Wuketits sich ziemlich lange und ausführlich mit diesem Thema auseinandergesetzt hat.

Wie lange hast du darüber nachgedacht oder dich mit dem Thema beschäftigt, und was qualifiziert dich zu dieser Aussage?

Hast du einen wissenschaftlichen oder akademischen Hintergrund?
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: ThinkingOrc am 25.07.2024 | 16:00
Wie ist das dann zu differenzieren von dem Verhalten derer, die auch gern spielen wollen, aber eben nicht bereit sind, dafür den SL zu machen?
Er ist dazu bereit, eine persönliche Investition zu tätigen (Zeitaufwand, evtl. ein geringeres Maß an Spielspaß), um ein eigennütziges Ziel zu erreichen, auch wenn das Ziel auch anderen nutzt

Sicher gibt es immer Graustufen. Aber ich denke schon, dass man unterscheiden kann und sollte: Er handelt zumindest mehr altruistisch und weniger egoistisch als die andere Spieler.
Meiner Meinung und Verständnis nach nicht. Es gibt nicht ein bisschen oder mehr altruistisch. Das ist ein für mich ein Absolutadjektiv (wie schwanger oder tod).

Es kann meinetwegen aber mehrere unterschiedliche aber gleichzeitige Motive geben und so das gesamte Handeln entsprechend "einfärben".
Ich würde das Handeln, dass aber mindestens ein eigennütziges Motiv bedient nicht als altruistisch bezeichnen.

Für das Thema müsste man wohl sagen, dass es zu wenig SL gibt, egal aus welcher Motivation. Der ethische Exkurs war wohl eher dem Bedürfnis nach Erklärung einerseits und moralischer Bewertung andererseits geschuldet.
Das stimmt, es gibt vermutlich zu wenig SL insgesamt. Denn dazu würden ja auch nur SL, die aus purem Eigennutz SL sind genügen.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: unicum am 25.07.2024 | 16:13
Wie lange und mit welchem wissenschaftlichen Hintergrund beschäftigst du dich mit dem Thema Egoismus?
Ich schätze, dass Franz M. Wuketits sich ziemlich lange und ausführlich mit diesem Thema auseinandergesetzt hat.
Wie lange hast du darüber nachgedacht oder dich mit dem Thema beschäftigt, und was qualifiziert dich zu dieser Aussage?
Hast du einen wissenschaftlichen oder akademischen Hintergrund?

Ich will den Strang nicht noch weiter mit sowas belasten deswegen in spoiltertags:

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Ich werd mich dazu nicht weiter äussern, wir sind damit schon viel zu weit weg vom Strangthema.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Darius der Duellant am 25.07.2024 | 16:47
Ich schätze, dass Franz M. Wuketits sich ziemlich lange und ausführlich mit diesem Thema auseinandergesetzt hat.

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)


Ist am Ende des Tages auch irrelevant.
Leute Spielleitern (oder lassen es bleiben) aus ner Mannigfaltigkeit an Gründen heraus.
Spaß daran, Freude daran anderen Freude zu machen usw. usf. aber ob da dann Egoismus (also die Priorisieriung des selbst über andere) die Triebfeder ist, ist ne absolute Einzelfallbetrachtung.
Ich habe auch schon nen oneshot geleitet auf den ich keinen Bock hatte und der mir keinen Spaß gemacht hat. Das war ne reine "für die Kinder" Entscheidung. Egoismus ergo nicht vorhanden (positivzeit hätte ich auch anderswie mit denen generieren können).

Gerade wenn man auch aktiv die Option hat stattdessen selbst zu spielen (im Gegensatz zu "sonst gibt's halt gar keine Runde), gehört zum Leiten ein gewisser Mangel an Egoismus, außer man hat wirklich SEHR viel Spaß daran
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: unicum am 25.07.2024 | 17:20
Ich hab mich gerade gefragt "warum hab ich den Strang bei der Frage mir überhaupt angeschaut,...?"

Will sagen:
Mir hat sich die Frage wie ich einen Spielleiter finde nie wirklichg gestellt, also ich wurde oft genug gefragt "hallo, ich biete eine Runde XYZ an und wollte dich fragen ob du nicht mitspielen willst,..."
Oder ich machte eben selbst oft genug SL weil ich ein neues System ausprobieren wollte, eine Plottidee hatte, etc.

Ein paarmal hab ich auch tatsächlich ausserhalb meiner Blase nach Spielern gesucht, auf einer Mitspielezentrale hab ich eine Spielerin gefunden und am Schwarzen Brett im Rollenpielverein, und auch am schwarzen Brett im Spielleladen. Und nein ich hab da eigentlich nie "Mainstream" angeboten.

Ich meine es gibt ja schon aus der mathematischen betrachtung nur 4 Möglichkeiten:
- Man ist nur Spieler
- Man ist sowohl Spieler als auch Spielleiter
- Man ist nur Spielleiter
- Man ist weder Spieler noch Spielleiter (die mathemtisch notwendige 4 Option die aber für die betrachtung banal ist).
und natürlich gibt es Nuaencen dazwischen. Es gab auch eine Zeit in der ich auch in der 4 Möglichkeit steckte.

Ich könnte mir vorstellen das Option 3 sehr selten ist, möchte sie aber nicht kategorisch ausschliessen da ich genügend Leute kenne die in diese Richtung tendieren. Ich kenne aber mehr die Option 1 (nur-Spieler) ausfüllen. In meiner eigenen Blase dürfte aber tatsächlich Gruppe 2 auch sehr häufig sein. Und

Ich habe auch die Vermutung das die meisten die sich hier im :t: tummeln auch in der masse sich in Option 2 finden werden, könnte mich aber auch täuschen. Daraus resultierend, das Option 3 sehr selten ist und die aus Option 4 sich nur selten hierher verirren vermute ich auch das die hier aktiveren auch nicht zu Katrgorie 1 gehören.

Ich glaube auch nicht das Spielleiter wirklichg selten sind. Was ein seltenes Gut sein könnte ist ... Zeit. Wenn ich mehr Zeit hätte (kleines Kind, Arbeit, Haus, etc) würde ich sicher merhmals die Woche abends Rollenspielen und dann eben auch Spielleiten. Also bei einem Spielleiter einen freien Spielplatz zu erhalten das ist denke ich schwierig. Auch geschuldet der Tatsache das ich etwas vorsichtig bin Leute neu einsteigen zu lassen.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Yney am 25.07.2024 | 18:04
Dass Spielleiter scheinbar schwer zu finden sind dämmerte mir erst durch Mitlesen an diversen Stellen hier im Tanelorn. Das liegt vermutlich daran, dass der Kreis an Leuten, die ich kenne und die dieses Hobby betreiben, recht klein ist. Und darin gab es diverse Personen, die durchaus hauptsächlich oder sogar nur Spielleitung betrieben haben. In meiner Jugend war mein vorwiegender Eindruck, dass fast jeder unbedingt leiten möchte und die reinen Spieler in der klaren Minderheit waren.

Ich persönlich leite gerne und war rückblickend weit weniger in der Spielerrolle. Ich fühle mich wohl in dieser Rolle. Vielleicht hat es ja mit versteckten Kontroll- und Allmachtsphantasien zu tun (ich hoffe mal nicht, aber Selbstanalyse sollte man vorsichtig betreiben).

Ein Gedanke, der mir dabei aber auch kommt, hat mit anderen Arten des Spielens zu tun, die mir (ebenfalls vor Tanelornkontakt) kaum bewusst waren. Das Spiel mit meinen Freunden war immer vertrauensvoll und offen, obwohl die Spielleitung meist die volle Regie hatte. Themen in die Richtung "die Spielleitung muss dies oder das leisten" waren mir weitgehend unbekannt. Das soll bitte auf keinen Fall als Schlechtmachen anderer Spielweisen gelten, sondern nur als ein Gedanke zum Thema: Könnte die schwere Auffindbarkeit von Spielleitern auch damit zusammenhängen, dass die Erwartungshaltung gegenüber dieser Position teils recht hoch ist. Und dass mancher Spieler, der selbst diese Erwartung besitzt, sie sich selbst nicht zumuten möchte?
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Marduk am 25.07.2024 | 18:51
Dass Spielleiter scheinbar schwer zu finden sind dämmerte mir erst durch Mitlesen an diversen Stellen hier im Tanelorn. Das liegt vermutlich daran, dass der Kreis an Leuten, die ich kenne und die dieses Hobby betreiben, recht klein ist. Und darin gab es diverse Personen, die durchaus hauptsächlich oder sogar nur Spielleitung betrieben haben. In meiner Jugend war mein vorwiegender Eindruck, dass fast jeder unbedingt leiten möchte und die reinen Spieler in der klaren Minderheit waren.

Ich persönlich leite gerne und war rückblickend weit weniger in der Spielerrolle. Ich fühle mich wohl in dieser Rolle. Vielleicht hat es ja mit versteckten Kontroll- und Allmachtsphantasien zu tun (ich hoffe mal nicht, aber Selbstanalyse sollte man vorsichtig betreiben).

Ein Gedanke, der mir dabei aber auch kommt, hat mit anderen Arten des Spielens zu tun, die mir (ebenfalls vor Tanelornkontakt) kaum bewusst waren. Das Spiel mit meinen Freunden war immer vertrauensvoll und offen, obwohl die Spielleitung meist die volle Regie hatte. Themen in die Richtung "die Spielleitung muss dies oder das leisten" waren mir weitgehend unbekannt. Das soll bitte auf keinen Fall als Schlechtmachen anderer Spielweisen gelten, sondern nur als ein Gedanke zum Thema: Könnte die schwere Auffindbarkeit von Spielleitern auch damit zusammenhängen, dass die Erwartungshaltung gegenüber dieser Position teils recht hoch ist. Und dass mancher Spieler, der selbst diese Erwartung besitzt, sie sich selbst nicht zumuten möchte?

Ja, da ist auf jeden Fall was dran, oft hat die Spielleitung auch noch die Aufgabe der TErminfindung, des Streitschlichters zwischen den Spielern und noch vieles mehr. Daß sich das viele nicht zutrauen ist dann natürlich gegeben.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Fillus am 25.07.2024 | 19:44
Ja, da ist auf jeden Fall was dran, oft hat die Spielleitung auch noch die Aufgabe der TErminfindung, des Streitschlichters zwischen den Spielern und noch vieles mehr. Daß sich das viele nicht zutrauen ist dann natürlich gegeben.

Die Aufgaben teilt sich die SL aber auch zum Teil selbst zu. Mit der Terminfindung ist irgendwie klar. Weil die SL ja meinst auch am meisten in der Runde fürs Spiel brennt und weil es ohne SL ja nicht geht, sie muss also als erstes mal Zeit haben.

Das mit der Streitschlichtung ist so eine Sache. Ich sage jedesmal wenn ich neue Spielende am Tisch sitzen habe, dass ALLE für den Spielspass ALLER verantwortlich sind. Ich nehme mir dann aber heraus, sofern ich die Runde leite, jemanden dort rauszunehmen, der dieses Kriterium nicht erfüllt.

Charakterspiel ist so eine Sache. Klar wichtig, aber genauso wichtig ist das Gruppenspiel und je nach System auch das Plotspiel. Ein "Mein Charakter würde das nicht tun weil ..." ist nicht imemr der klügste Satz. Die SL muss Kompromisse eingehen, die Spielenden mit ihren Charakteren zum Wohle aller, aber auch.

Viele haben noch ein "altes" Bild im Kopf, was die Spieleitung angeht. Meister, Master, Gott. Die SL ist heutzutage eine weitere mitspielende Person, die zwar mehr Entscheidungen treffen muss, aber mit und nicht die Spielenden spielt. Aber wegen solcher und anderen Dinge, die man immer mal wieder liest, schrecken auch viele davor zurück.

Dazu kommt, dass man als SL nicht alles machen muss. Man kann jemanden von den Spielenden als Regel SL ernennen, die Initiative von ihnen verwalten lassen, sie selber Szenen beschreiben lassen, usw. Was ich meine, weicht man den Posten auf, trauen sich viellleicht auch mehr.

Zum Thema:
Ja, es gibt zu wenig SL. Das liegt aber meiner Meinung nach auch daran, dass immer mehr neue SL lieber regelarme Systeme mit wenig Vorbreitungszeit bevorzugen, die Spielenden aber meist nur die Regelmonster mit 1000 Charakteroptionen (wovon sie nur einen Bruchteil nutzen, D&D5 50 von 350 Zauber?). Für Settings mit hunderten Büchern, DSA, Shadowrun und Co, fehlt heute einfach die Zeit sich einzuarbeiten. Es spielen also noch viele der älteren Rollenspielgenerationen, die aber auch oft ihre festen Spielenden haben.
Es suchen also immer sehr viele Spieler nach bestimmten Mainstreamspielen wie D&D5 und bleiben oift erfolglos (außer Online vielleicht).
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: ThinkingOrc am 25.07.2024 | 20:51
Ich nehme mir dann aber heraus, sofern ich die Runde leite, jemanden dort rauszunehmen, der dieses Kriterium nicht erfüllt.

Viele haben noch ein "altes" Bild im Kopf, was die Spieleitung angeht. Meister, Master, Gott. Die SL ist heutzutage eine weitere mitspielende Person, die zwar mehr Entscheidungen treffen muss, aber mit und nicht die Spielenden spielt.

Du vielleicht auch?
So was fände ich als Gruppenmitglied (selbst wenn nicht betroffen) problematisch.
Höchstens vielleicht der Gastgeber könnte noch jemanden ohne Abstimmung innerhalb der Gruppe aus seiner Wohnung rausschmeißen, ansonsten haut das in so ne autokratische Kerbe, dass ich mit so einem SL nicht spielen wollte.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Sphinx am 25.07.2024 | 22:55
Ich glaub auch das es insgesamt nicht leicht sein wird einen Spielleiter zu finden.
Sagen wir ich würde gefragt werden ob ich für eine bestehende Gruppe als Spielleiter fungieren wollte...ich würde sehr misstrauisch sein warum der alte Spielleiter weg ist. Und wenn sie sich so zusammen gefunden haben und einen Spielleiter suchen...hätte ich auch schon das Gefühl da wollen sich Leute bespaßen lassen. Aber selbst die Arbeit machen zu Leiten will keiner, da kann ich abschätzen wie viel Arbeit die in ihre Charaktere bereit sind zu stecken.

Ich finde zwar das Konzept das Bezahlten DMs merkwürdig. Aber schätze das es, für den Fall das man wirklich unbedingt einen Spielleiter möchte mit die besten Chancen bietet. Wobei das dann extrem stark von der Region abhängt ob man Chancen hätte jemand fürs Offline Spielen zu finden.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: DonJohnny am 26.07.2024 | 06:11
Bei uns im Verein ist es relativ ausgeglichen. Also am Ende wechseln sich Spielrundenmangel und Spielermangel immer wieder ab, die letzten zwei Monate haben wir eher die Spielrunden nicht voll bekommen. Laut meiner Zählung haben wir 23 Leute, die dieses Jahr mindestens eine Runde angeboten haben, wobei die drei aktivsten Spielleiter über ein Drittel der ca. 150 Runden seit Jahresbeginn geleitet haben.

Wie haben Maßnahmen, dass wir mehr Leute zum Spielleiten bringen wie z.B. einen Neuspielleiterstammmtisch um zu unterstützen und Ängste abzubauen, 'zwingen' aber niemandem zum Spielleiten.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Zanji123 am 26.07.2024 | 08:34
ich glaub viele haben auch einfach Schiss dank der ganzen D&D / Rollenspielstreamer

die Spieler (auch Neuspieler) erwarten ja teilweise regelrecht so einen SL und die neuen Spielleiter oder solche die sich evtl. dran versuchen wollen haben Schiss das die das nie so hinbekommen.

Hab auf reddit schon einige stories gelesen von der ersten Session die nicht wie in (insert online runde mit Profis) gelaufen ist und die Spieler jetzt total enttäuscht sind.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Edgar Allan Poe am 26.07.2024 | 08:58
Die hauptantwort waren Varianten von "Ich trau mir das nicht zu".

Das liest man immer wieder. Und ich kaufe das den meisten einfach nicht ab. Da muss niemand auf eine Bühne. Man sitzt (für gewöhnlich) mit Freunden oder Bekannten um einen Tisch rum und unterhält sich. Und macht im Grunde auch nicht viel anderes als als Spieler. Man entscheidet. Der einzige Unterschied ist, dass man als SL noch die Konsequenzen dieser Entscheidungen ausspricht. "Ich traue mir das nicht zu." oder "Ich schaff das nicht." sind sehr dankbare Argumente, da man die nur schwerlich entkräften kann. Außer "Es ist gar nicht schwierig. Versuch es doch mal." (oder irgendwelche Derivate davon) kann man da nicht viel auffahren - und da ists dann sehr leicht abzuwinken. Ich behaupte, dass die meisten schlicht keinen Bock auf den SL-Posten haben. Man muss einfach zu viel Zeit investieren. Wenn ich mir anschaue, dass viele Spieler nicht einmal die Zeit investieren (wollen), um die Regeln für ihren Charakter zu lernen, glaube ich nicht, dass ich mit meiner Behauptung weit von der Realität entfernt bin.

Disclaimer: Ja, natürlich mag es auch Spieler geben, die sich wirklich nicht trauen. Ich glaube aber, dass das ein verschwindend geringer Prozentsatz ist.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: First Orko am 26.07.2024 | 09:06
Der Trick ist, Runden mit anderen Spielleitern zusammen zu spielen  8]

Ist natürlich ein Pseudo-Trick, so ein bisschen Douglas Adams Trick, zu fliegen: Auf dem Boden fallen, aber daneben  ;D
Schwierig vor allem, weil das ja schon viele Dinge vorweg nimmt, von denen einige gegeben sein müssen, anderer erarbeitet werden wollen.

Aber der Reihe nach.

Zunächst ist die Frage: Wo will ich spielen: Am echten oder virtuellen Spieltisch? sehr zentral, den abhängig, wo man wohnt und wie die Demografie dort zum eigenen Alter passt, ist der Anteil von Mit-Hobbyist·innen sehr variabel.

Dann zum Geschmack: Was will ich spielen? Da muss ich, wenn ich sehr selbstkritisch rangehe einräumen, dass ich derzeit vermutlich keine SL finde, die mehr als 60-70% Übereinstimmung in Spielstil und Inhalten zu mir hat. Und dabei würde ich mich als ziemlich offen in Hinsicht auf Genres, Systeme und Settings bezeichnen. Einziges Problem: Auf die "Großen" (DSA, Shadowrun, Cthulhu, DnD5) hab ich einfach so gar keine Lust - es sei denn, mit anderem System! Das schränkt die Auswahl schon merklich ein! Abgesehen davon bin ich aber für Setting- und Regel-Experimente zu haben, brauch aber keine autoritären "Meister-Spielleiter" mehr.
Wichtig: Man muss erstmal für sich herausfinden, was man will, was man nicht will und vor allem und nicht zuletzt: Welche Kompromisse bin ich bereit, einzugehen?

Der schwerste und aufwändigste Punkt von allen: Netzwerken, neudeutsch Networking! So ausgelutscht und überbeansprucht beide Begriffe im beruflichen Umfeld mittlerweile sind - im Hobby kommt man ohne einfach nicht weiter. Wer sich keinen Pool an Leuten aufbaut, mit denen man losen Kontakt pflegt (und sei es nur mal was wie "Ey hast du von demundem Kickstarter mitbekommen? Das wär doch was für dich?") und sich auf die eine, 30jährige Stammrunde verlässt, der steht schnell verlassen da, wenn die aufgrund von Jobwechsel, familiäre Veränderung oder einfach Prioritätenverschiebung bei mehr als 1 Mitspielende die Runde auf Dauereis gelegt wird.
Je weniger dicht die Gegend hobbymäßig besiedelt und ist je wichtiger einem Offline-Spieltisch ist, desto unweigerlicher wird dieser Punkt - leider, für die Introvertierteren unter uns  :'(
Ich habe gute Erfahrung damit gemacht, passende Leute aus dem Rollen- und Brettspielverein zu "rekrutieren" in dem ich ein paar Oneshots angeboten habe und darüber Kontakte aufgebaut.
Tatsächlich kann es auch hilfreich sein, mal als "Gastspieler" bei alteingesessenen Runden reinzuschauen (auch wenn man zBsp keine Lust auf Shadowrun hat, aber SciFi mag) und sich in den Pausen mal mit dem Mitspielenden zu unterhalten. Meist sind da auch Andere dabei, die für die Runde Zugeständnisse machen und zBsp supergern mal ein anderes Cyberpunksystem leiten würden - nur in DER Gruppe will das niemand.

Und die Kür: Andere motivieren! Was ich damit meine? Wenn eine Gruppe gegeben ist, wo ich als Spieler andere potentielle SL zu erkennen glaube, diese aber noch Hemmungen haben, kann ich in gewissen Rahmen versuchen, den Spielstil aktiv mitzugestalten, indem ich mir Mühe geben, sehr aktiv mit der SL zusammenzuarbeiten - und zwar dem Spielstil der SL entsprechend, nicht dem, den ICH gerne hätte. Darüber hinaus kann ich aktiv mitgestalten, ein Rundenwiki pflegen, die Rundennotizen für alle machen oder Terminkoordination übernehmen - also der SL das Leben leichter machen! Ich sehe das als "Support-Spiel" mit dem Ziel, den Mitspielenden zu zeigen, dass der SL-Job nicht so undankbar sein muss, wie er oft noch ist.
Das kommt jetzt vielleicht einerseits "positiv-manipulativ" rüber, anderseits vielleicht nur als Variante von "Sei kein Arsch" - aber sich die Möglichkeiten, die man als Spielende hat, bewusst zu machen und zu nutzen, kann die Qualität einer Runde wirklich enorm verbessern und die Schwelle für Andere, auch mal einen Oneshot zu leiten, verringern.

tl;dr: Zusammenfassend würde ich antworten: Es ist auf jeden Fall nicht immer und für alle leicht, eine SL zu finden. Es ist aber nicht unmöglich, wenn man zumindest in gewissen Teilen offen gegenüber Neuem (und manchmal auch Altem) ist und sich von der Idee der "perfekten Runde mit dem perfekten System und dem perfekten Spielleiter" macht. Und es kommt nicht von selbst, man muss dafür aktiv werden!
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Sashael am 26.07.2024 | 09:24
Gruppen, die eine neue SL suchen, um mit ihren alten Charakteren in ihrer alten Kampagne in ihrem alten Setting weiterspielen zu können, obwohl die alte SL möglicherweise hingeschmissen hat, finde ich ... sehr sehr seltsam.

Ne Mischung aus naiv (glauben die echt, das geht dann genauso weiter wie bisher?), borniert (wenn eure Kamapgne gerade den Bach runtergegangen ist, macht nen Trauertag und fangt dann bitte was Neues an!) und mit Anspruchsdenke (nein, ihr habt kein Recht darauf, dass jemand euer Spiel weiterführt!).

Entsprechende Anfragen bei FB finde ich eher ...gruslig.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: felixs am 26.07.2024 | 09:34
Und ich kaufe das den meisten einfach nicht ab.

Ich habe auch starke Zweifel. Zumindest dann, wenn für diese Person die Teilnahme als Spieler überhaupt kein Problem ist.

Natürlich gibt es Leute, die Probleme mit sozialer Interaktion haben, Unsicherheiten aller Art etc. Aber das sind fast alles Dinge, die man dann wahrscheinlich auch als Spieler hat. Und in der Tat ist es bei allen Leuten, die ich kenne, die irgendwelche Einschränkungen in dieser Richtung haben, auch so: Die Hürden sind für Spielen und Leiten sehr ähnlich.

Entscheidend scheint mir viel mehr die Motivation zu sein, die Bereitschaft, Zeit und Mühe zu investieren. Daran mangelt es wohl meist. Und da bin ich dann raus.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: ThinkingOrc am 26.07.2024 | 09:36
Gruppen, die eine neue SL suchen, um mit ihren alten Charakteren in ihrer alten Kampagne in ihrem alten Setting weiterspielen zu können, obwohl die alte SL möglicherweise hingeschmissen hat, finde ich ... sehr sehr seltsam.
[...]
Entsprechende Anfragen bei FB finde ich eher ...gruslig.
Echt sowas gibt's?
Das fände ich auch eher befremdlich.
Was ich schon gemacht habe, als Spielleiter für Star Wars einen weiteren Spieler zu suchen, der sich bereiterklärt, auch mal zu leiten. Da war dann schon die Erwartungshaltung, dass das gleiche Setting und evtl auch die gleichen Charaktere bespielt werden.
Wenn er aber gesagt hätte, dass er lieber mit ner anderen Charaktergruppe spielen würde wäre das für mich absolut ok gewesen.
Ich wollte halt nur gerne auch mal Star Wars spielen.
Was ich weiter oben meinte war explizit die Spielergruppe verliert ihren SL und will als Spieler zusammen bleiben. Dort war es fast völlig egal welches Setting und System der SL bevorzugte.

Ich habe auch starke Zweifel. Zumindest dann, wenn für diese Person die Teilnahme als Spieler überhaupt kein Problem ist.

Natürlich gibt es Leute, die Probleme mit sozialer Interaktion haben, Unsicherheiten aller Art etc. Aber das sind fast alles Dinge, die man dann wahrscheinlich auch als Spieler hat. Und in der Tat ist es bei allen Leuten, die ich kenne, die irgendwelche Einschränkungen in dieser Richtung haben, auch so: Die Hürden sind für Spielen und Leiten sehr ähnlich.

Entscheidend scheint mir viel mehr die Motivation zu sein, die Bereitschaft, Zeit und Mühe zu investieren. Daran mangelt es wohl meist. Und da bin ich dann raus.

Naja sowas mag es geben, aber es ist schon ein Unterschied einem Vortrag zuzuhören oder selbst vorzutragen. Und da meine ich jetzt nicht den Vorbereitungsaufwand und die Präsi zusammenzuklicken... Das eigentliche vor Menschen stehe und was präsentieren. Für viele ist das in der Vorstellung so. Und übrigens wird das mit weniger Leuten nicht unbedingt einfacher (wenn man denn solche Befindlichkeiten hat). Man kann nämlich viel schwieriger als bei einer undefinierten Masse die einzelnen Personen nd ihre Mimik ausblenden. Man fühlt sich richtig unter Beobachtung. Das ist nochmal was anderes als Sozialangst.

Ich habe schon für Komillitonen und Kollegen / Mitarbeiter vorgetragen, weil die das nicht "konnten". Die haben dann alles an Vorarbeit gemacht und ich habe einfach nur vorgetragen. So hatten alle weniger Stress. Aber die empfanden das auch als guten Deal.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: ThinkingOrc am 26.07.2024 | 09:40
sorry irgendwas ist hier komisch gewesen...
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: felixs am 26.07.2024 | 09:44
Naja sowas mag es geben, aber es ist schon ein Unterschied einem Vortrag zuzuhören oder selbst vorzutragen. Und da meine ich jetzt nicht den Vorbereitungsaufwand und die Präsi zusammenzuklicken... Das eigentliche vor Menschenn stehe und was präsentieren. Für viele ist das in der Vorstellung so. Und übrigens wird das mit weniger Leuten nicht unbedingt einfacher (wenn man denn solche Befindlichkeiten hat). MAn kann nämlich viel schwieriger als bei einer undefinierten Masse die einzelnen Personen nd ihre Mimik ausblenden. Man fühlt sich richtig unter Beobachtung. Das ist nochmal was anderes als Sozialangst.

Ist alles richtig, betrifft aber irgendwie alle in irgendeiner Weise.
Ich stehe auch nicht gern im Mittelpunkt einer Veranstaltung und ich mag Vortragssituationen nicht besonders. Trotzdem spielleite ich grundsätzlich nicht ungern. Und ich finde, dass man das auch von anderen erwarten kann - gerade dann, wenn es halt offensichtlich ein Problem ist. Was ich erwarte ist die Einsicht, dass einer den SL machen muss und dass es unfair ist, wenn das immer derselbe sein muss, auch wenn der lieber spielen auch mal spielen würde. Und da hakt es dann anscheinend.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: ThinkingOrc am 26.07.2024 | 09:50
Ja, aber davor klang es so, als ob die alle nur zu faul wären und kein eigentliches Problem mit der Situation hätten. Das glaube ich eben nicht. Ich glaube aber auch, dass man das mit Übung besser hinkriegt, also diese, ich nenne es mal Angst, zu überwinden.
Durch Neurodivergenzen in meiner Familie weiß ich aber auch, dass so typische Vorurteile für gewisse Verhaltensweisen oft aus nem Unverständnis oder der Unfähigkeit über den eigenen Erfahrungshorizont hinauszusehen herrühren.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Edgar Allan Poe am 26.07.2024 | 09:53
Ja, aber davor klang es so, als ob die alle nur zu faul wären und kein eigentliches Problem mit der Situation hätten. Das glaube ich eben nicht. Ich glaube aber auch, dass man das mit Übung besser hinkriegt, also diese, ich nenne es mal Angst, zu überwinden.
Durch Neurodivergenzen in meiner Familie weiß ich aber auch, dass so typische Vorurteile für gewisse Verhaltensweisen oft aus nem Unverständnis oder der Unfähigkeit über den eigenen Erfahrungshorizont hinauszusehen herrühren.

Ich glaube, dass die meisten (!) die behaupten, sie würden sich das nicht zutrauen, zu faul sind. Sicherlich nicht alle. Aber die meisten.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Selis am 26.07.2024 | 10:26
Entsprechende Anfragen bei FB finde ich eher ...gruslig.

Der Suchende verteilte dieses Gesuch über einen Haufen Kanäle, musste immer ein wenig hämisch grinsen.
War aber nicht die erste dieser Art, die mir über den Weg lief, die erste war eigentlich noch befremdlich er, weil sie einen interessierten SL, zum Schluss zur Bewerbung aufforderten. So weit kam man eigentlich gar nicht, weil die Liste der Anforderungen schon inakzeptabel waren.

Sieht man aber mal wieder, wie viele Menschen Spielleiter als kostenlose Dienstleister betrachten.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: YY am 26.07.2024 | 10:39
Ich könnte mir also vorstellen das es viele SLs gibt die halt "ihre" Gruppe haben. Und abseits von mangelnder Zeit auch schon sehr stark auf diese adaptiert sind.

Das ist doch der klassische Fall "verlorener" Rollenspieler:
Eine Gruppe jahrelang gehabt, die geht irgendwann irgendwie in die Brüche und es kommt nie zu einer Folgegruppe - oft genug auch, weil die ursprüngliche Gruppe die einzige war, die sich aus dem Freundes- und Bekanntenkreis zusammensetzen ließ.

Das verstehe ich auch insofern, weil es sehr mühsam und zeitraubend ist, unter quasi allen Rollernspielern die "richtigen" rauszusuchen, anstatt unter den sehr viel weniger Leuten, die man schon kennt und mit denen man gut klarkommt, Rollenspieler zu finden oder Leute zum Spielen zu bringen.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Yney am 26.07.2024 | 10:47
Sieht man aber mal wieder, wie viele Menschen Spielleiter als kostenlose Dienstleister betrachten.

Und in manchen Fällen sogar noch mehr, wie mir scheint. Denn der Spielleiter soll dann obendrein auch noch die eigenen Präferenzen bedienen. Da gibt es so manches Ausschlusskriterium, dass sicher nachvollziehbar ist (es soll ja auch menschlich zueinander passen). Aber es gibt auch Punkte, über die man nachdenken oder reden könnte. Oder noch besser: Man probiert es einfach mal aus – vielleicht macht es ja dennoch Spaß.

Kurz gesagt: So manche potenzielle Spielleitung sieht sich nicht nur der Mehrarbeit gegenüber, sondern auch einer gewissen Erwartungshaltung. Bei einer (auch mir seltsam erscheinenden) bezahlten Spielleitung kann ich das noch nachvollziehen, beim freundschaftlichen Spiel mit Bekannten tue ich mich da schwer.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Selis am 26.07.2024 | 10:52
Einer der Gründe, warum ich 15 Jahre lang den Posten nicht mehr angerührt hatte, bis auf einer Ausnahme, die aber bestätigte, das ich es besser bleiben lasse und dabei handelte es sich nie um unbekannte aus dem Internet auf gesammelte Mitspieler.

Früher wurde es zur Leistungsshow und dann musste ich die persönlichen Präferenzen bedienen und da ich eher unsicher war und nicht locker flockig wie der Dauerspielleiter das handhabte, wurde halt gemeckert.

Einer unserer SLs auf meinem Server hatte zwei Personen mit einem Ragequit, weil Teile der Unterlagen in Englisch waren.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Fillus am 26.07.2024 | 11:48
Ich reklektiere mich zwar immer selbst, aber ich mache das mehr für mich.  Leistungsdruck verspüre ich keinen und wenn eine Runde mal nicht gut lief, lag das so gut wie immer an allen Personen am Tisch. Ich gebe aber zu, es hat viele Jahre gebraucht, bis ich diese Haltung an den Tag gelegt habe. Für mich sind alle am Tisch gleichermaßen für den Spielspaß aller verantwortlich. Das selbsthinterfragen dient auch einem gutem Teil dazu, wie ich meinen eigenen Spielspaß als SL verbessern kann.
Mir ist bewusst, nicht jede Person am Tisch hat immer eine Sahnetag, es gibt eben auch schlechte. Das müssen alle anderen dann mit auffangen, vorallem wenn es der SL passiert.

Das meine ich damit, warum ich Begriffe wie "Meister", "Master" oder "Gottgleiches Wesen" am Tisch vermeide. Als SL bin ich nur eine weitere Spielende Person, die mit und nicht gegen spielt und genauso ihren Spaß haben möchte. Man darf mich auch gerne auf Fehler hinweisen, natürlich mache ich welche. Und ebenso hinterher konstruktiv Kritisieren.

Pen&Paper ist ein kooperatives Spiel, wo alle am Tisch (oder virtuellen Tisch) Konpromiusse eingehen müssen. Wenn man als SL aber seinen Stil gefunden hat, lässt sich das nicht bis in unendliche biegen. Wenn ich keine Battlemapschlachten haben möchte, es aber für die Spielenden ein wichtiger Aspekt ist, kann und will ich das nicht leisten. Sowas klärt man halt vor der Runde ab. Bis zu einem gewissen Grad kann man sich auch als SL auf so einen Beispiel einlassen udn Battlemapkämpfe zaubern, aber es wird niemals ein Hauptbestandteil sein wenn es der SL keinen Spaß macht.

Da liegt auch der Knackpunkt. Man wird vermutlic so gut wie nie haben, dass alle am Tisch exkat den selben Spielstil mögen. da einen Kompromiss zu finden, ist die Aufgabe. Das fängt beim Setting an und hört beim Regelsystem nicht auf. Und man kann jedes Spiel auf so unterschiedliche Weise spielen.

Ein weiterer Punkt ist, dass man sich als SL vorab in ein Spiel verguckt, was man toll findet, wofür man brennt. Nur finden sich dafür dann oft keine Spielenden. Stattdessen kommen Forderungen was man leiten sollte. An diesem Punkt beende ich dann oft die Kommunikation oder sogar den Kontakt. Ich kann kein Spiel leiten, nur weil es Mainstream ist und ich wenn ich es nicht "mag". Wenn ich als SL kein Bock auf das Spiel habe, bringt es genau Null.

Wie hier auch angesprochen, würde ich auch nie eine Kampagne weiterleiten, die unter einer anderen SL angefangen hat. Solche und andere Forderungen schrecken sicherlich viele ab.

Manchmal "überrede" ich Spielende für einen Abend zu leiten. Danach haben sie deutlich mehr Verständnis für den Posten und wissen sich als Spielende zu "benehmen".

Ich bin jetzt schon so lange dabei, ich kann inzwischen alles auf den Tisch bringen und es wird gespielt. Denke aber das ist die Ausnahme schlechthin. Ebenso habe ich Gruppen in der sich Menschen befinden, die auch gerne mal leiten. Überhaupt habe ich den Luxus so oft Runden zu haben wie ich möchte, auch wenn ich die meisten natürlich dann selbst leiten darf.

Aber, immer wieder lehne ich auch Spielende vor vorne herein ab, wenn es nicht passt. Die Hauptprobleme sind Egoistmus, mangelnde Kompromissbereitschaft und völlig falsche Erwartungen (SL ist ein Dienstleiser und ich kann mich berieseln lassen). Und dann noch die, welche ihren Spielspaß daraus ziehen, anderen den Spaß zu verderben und ihren Charakter über die Gruppe und über den Plot (so vorhanden) stellen.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Runenstahl am 31.07.2024 | 09:35
ich glaub viele haben auch einfach Schiss dank der ganzen D&D / Rollenspielstreamer

die Spieler (auch Neuspieler) erwarten ja teilweise regelrecht so einen SL und die neuen Spielleiter oder solche die sich evtl. dran versuchen wollen haben Schiss das die das nie so hinbekommen.

Hab auf reddit schon einige stories gelesen von der ersten Session die nicht wie in (insert online runde mit Profis) gelaufen ist und die Spieler jetzt total enttäuscht sind.

Zweifellos wird es solche Leute geben. Das sind mMn aber Idioten die nie zufrieden sein werden. "Wir haben neulich Fussball probiert und das war nicht so gut wie im Fernsehen". 

Meine Erfahrung ist, das Neulinge oftmals richtig viel Spaß haben. Und dabei ist es schnurz wie gut der SL im Vergleich zu irgendwelchen You-Tubern ist. Denn zuhause am Tisch ist der Spieler nicht nur Zuschauer sondern spielt selbst mit und das macht einen gewaltigen Unterschied !
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: felixs am 31.07.2024 | 11:52
Zweifellos wird es solche Leute geben. Das sind mMn aber Idioten die nie zufrieden sein werden.

Vermutlich kann man die meisten Probleme damit erklären, dass die meisten Leute (auch) Idioten sind.

Praktisch alles, was in dem Zusammenhang hier beschrieben wurde, läuft ja darauf hinaus, dass Leute sich in einer Weise verhalten oder Anforderungen haben, die nicht zu guten Ergebnissen führen. Insgesamt ist das wahrscheinlich sogar das Grundproblem der Menschheit.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Prisma am 31.07.2024 | 16:14
Ich kenne dieses Problem zwar nur aus dem Internet, aber es scheint speziell in 5E Kreisen vorzuliegen, Stichwort Matt Mercer Effect. (Hierzulande gibt es das auch über die Rocketbeans.)

Die Spieler sind eigentlich keine Idioten, sie sind bloß "verzogen", bzw. wurden mit einem Produkt (!) rollenspielsozialisiert, welches nur unter den Laborbedingungen von Mercer funktioniert. Dieses gibt es in der Realität gar nicht, denn am heimischen Spieltisch spielen sich keine bezahlten Voiceactors in einem Studio abgesprochene Bälle zu.

Darum sage ich immer das Mercer & Co eher schädlich sind. Einerseits können sie fürs Rollenspiel begeistern, andererseits ist die Enttäuschung der Leute um so höher, wenn sie auf die Realität stoßen. Doch nur dort findet die "echte Magie" statt und erscheint (!) dann unverdient minderwertig.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Selis am 31.07.2024 | 16:27
So neu ist das aber auch wieder nicht.
Durfte mir vor 15 Jahren schon anhören, welche Grundsätze der Rollenspiel-Theorie ich nicht berücksichtigt habe oder mir von irgendwem anhand eines Beispiels erklären lassen musste, wir man RICHTIG leitet, was in meinem Zusammenhang mit der gegebenen Situation stand.

Darauf folgte 15 Jahre eine Pause.
Mit einer Unterbrechung, wo ich mit meiner Leistung nicht an einem routinierten Dauer Spielleiter heran reichte.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: klatschi am 31.07.2024 | 17:13
Wie viele Leute beschweren sich im Netz und wie groß ist dieser Anteil an der Gesamtmenge? Ich halte die Debatte um den „Mercer-Effekt“ für absolut unnötig und für (sehr wahrscheinlich) absolut vernachlässigbar.

Aus meiner persönlichen Erfahrung (anekdotische Evidenz) habe ich keinerlei Rückmeldung in dieser Richtung bekommen, auch von Leuten, die davor CR oder RocketBeans konsumiert haben. Überschlagen wären das ca 20 Leute. Und ich glaube wirklich nicht, dass ich ein Überflieger bin.

Dieses gibt es in der Realität gar nicht, denn am heimischen Spieltisch spielen sich keine bezahlten Voiceactors in einem Studio abgesprochene Bälle zu.

Ohne CR verteidigen zu wollen (ist nicht mehr mein Format): gibt es Hinweise  dafür, dass das nicht am Tisch entsteht, sondern gescripted ist? Oder anders gefragt: ist es vielleicht nicht einfach wirklich ne Gruppe, die das spielt und das aus dem Spiel entwickelt - wir wir anderen „normalos“  auch?
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: Raven Nash am 31.07.2024 | 18:05
Ohne CR verteidigen zu wollen (ist nicht mehr mein Format): gibt es Hinweise  dafür, dass das nicht am Tisch entsteht, sondern gescripted ist? Oder anders gefragt: ist es vielleicht nicht einfach wirklich ne Gruppe, die das spielt und das aus dem Spiel entwickelt - wir wir anderen „normalos“  auch?
Vor allem: die kennen sich ewig (sind auch zwei Ehepaare dabei) und arbeiten auch zusammen - als Voice Actors. Ich denke mal, abgesehen von einem sehr groben Skript gewisser Abläufe, brauchen die das gar nicht. Ist ein eingespieltes Team.

Bzgl. dem sog. "Mercer-Effekt": Tja, ich hab hier genau eine Spielerin, die CR überhaupt gesehen hat, der Rest hat vielleicht mal davon gehört. Rekrutiert man Spieler natürlich nur aus der Bubble an Leuten, die CR-Fans sind, hat man den Effekt vielleicht. Ansonsten eher nicht.
Titel: Re: Spielleiter - Wie schwierig sind sie zu finden?
Beitrag von: felixs am 31.07.2024 | 18:17
Zum Thema "Vorbelastung" von Spielern: Ich hatte mal das Phänomen, mit einer Spielerin zu spielen, die über die Comics zu den Knights of the Dinnertable zum Rollenspiel gefunden hatte. Da habe ich dann schon etwas Enttäuschung darüber wahrgenommen, dass es ganz anders war, als erwartet. Es hat, glaube ich, nicht geholfen, dass wir Castle Falkenstein gespielt haben, während sie eigentlich D&D erwartet hat.