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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Gast am 25.07.2004 | 21:22

Titel: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Gast am 25.07.2004 | 21:22
Hallo Leute!
Hatte eben einen kleinen Disput mit meinem Meister und möchte gerne nach eurer Meinung fragen.
Und zwar ging es darum, dass unsere Gruppe, die sich noch gar nicht richtig kennt, in einer gemeinsamen Mission vom Transportschiff Richtung Gareth absteigen, um einen Mob Orks zu jagen, der zusammen mit irgendwelchen fiesen Menschen kleine Kinder misshandelt hat.
Nun boten sich kaum Gelegenheiten zum Rollenspiel bzw. zu inplay-Gesprächen zwischen den Charakteren, da alle (größtenteils auf eigene Faust) mit dem Erkunden der Gegend beschäftigt waren.
Nun war ich jetzt der Ansicht, dass sich die Charaktere zwangsläufig werden absprechen müssen, was sie gesehen haben, und wie wir weiter vorgehen sollten - doch mein Meister meinte, dass z.B. die Elfe in meinem Charakter nur einen schwergerüsteten Frauenheld sehen tüte, so dass ihr kaum in den Sinn kommen würde, alle ihre Aktionen zu offenbaren.
Ich hingegen meinte, dass wir nunmal inn einer gemeinsamen Mission sind, und es einfach wesentlich effektiver sein wird, zusammen zur Tat zu schreiten.

Wessen "Realismus" hat den nun Vorrang? Das wäre schließlich nicht der erste Fall gewesen, in dem es unterschiedliche Ansichten verschiedener Spieler und/oder des Meisters vom "Realismus" gäbe.

Was meint ihr? Wie sollte man in solchen Fällen agieren?
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 25.07.2004 | 21:24
Was sagte denn der Spieler der Elfe dazu?

Aber im Zweifel hat der SL immer recht. Immerhin muß er dafür sorgen, daß es weitergeht.

Das Thema könnte auch sehr gut in den Allgemein-Channel.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Jiriki am 25.07.2004 | 21:28
Ich würde da jetztz eigentlich auch dem SL rechtgeben, abgesehn davon, dass er immer recht hat ;D
Ne wirklich, warum sollten sich alle sofort prima verstehn und sich alles erzähln? Selbst wenn man eine "Mission" hat ist das für einen dickköpfigen/mistrauischen etc. Charakter/Mensch ;) noch kein Grund sich sofort auf alle zu verlassen und mit ihnen alles beraten.
Wir haben das AB auch am Samstag angefangen, und hatten ebenfalls ähnliche Probleme und ich finde das sollte man dann richtig ausspielen und der Meister sollte einfach gelegenheiten einbaun, wodurch das Vertrauen erstellt wird/aufgebaut...
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Gast am 25.07.2004 | 21:48
Ja nun - aber auf eigene Faust ins (möglicherweise von Orks besetzte) Dorf zu rennen ist wesentlich dümmer...
Auch einer Elfe sollte klar sein, dass sie alleine nichts ausrichten kann -
mit der Hilfe eines Kriegers und eines kräftigen Borongewehten mit fetter Rüstung und brutalen Waffen hingegen... ;)
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 25.07.2004 | 21:53
Wieso sollte eine Elfe alleine nichts ausrichten können?
Sie kann doch sicher gut schleichen und ist auch nicht schlecht im Verstecken, oder?

Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Suro am 25.07.2004 | 22:00
Und außerdem haben Elfen weiß Gott nicht die Vernunft gepachtet  >;D

Nein, im Grund ezählt die goldene "der-SL-hat-immer-Recht"-Regel, höchstens es wäre so, dass alle Spieler diese Entscheidung doof fanden.
Um allerdings zu sagen, ob die entscheidung von mir aus geshen richtig war, müsste ich den Charakter der Elfe und die Beziehung zwischen den Charakteren besser kennen.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Roland am 25.07.2004 | 22:09
Bei der Frage, was die Elfe mit Dir abspricht und wie sie ihre Mitcharaktere sieht, hat nur eine Recht, die Elfe.

Weder der SL noch Du haben in der Sache zu bestimmen. Man kann sich als Gruppe natürlich auf einen wohlwollenden Umgang untereinander einigen, diese Absprache treffen aber wieder die einzelnen Spieler.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Gast am 25.07.2004 | 22:10
Nunja, eine Elfe alleine kann aber kein Dorf von orkischen Besatzern säubern oder deren Gefangene befreien! :D
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Saerd am 25.07.2004 | 22:11
Also ich finde, dass sollte immer noch der/die Spieler/in der Elfe entscheiden.
Wenn ich das richtig verstanden habe scheint sich der SL in das Ausspielen von Charakteren regelrecht einzumischen und bestimmen zu wollen. Klar hat der Meister immer Recht, aber ich finde gewisse Dinge sollten den Spielern überlassen werden, man kann ja im nachhinein dies oder jenes mit den Spielern besprechen.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Suro am 25.07.2004 | 22:14
Joa dass schon, aber erstens dachte ich es geht um die Frage wer das recht hat, zu entscheiden, ob etwas realistisch ist (und da ist meine Prioritätsliste: Gruppe, alle Spieler, SL, ein Spieler).
Und außerdem kam es erstens nich trüber das der Spieler der Elfe sich absprechen wollte, und es hörte sich eher nach einer Meinung von Michi an, was im Laufe des ABentuers noch geschehen sollte, nicht nach einer Diskussion im Spiel, die vom Sl unterbunden wurde.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 25.07.2004 | 22:19
@Michi
Zweiteres schon, indem sie die Wachen meuchelt und dann die Gefangenen befreit und auch aus dem Dorf herausführt.
Elfen haben schließlich überragend gute Sinne.

@Saerd
Ich schätze mal, daß wir zu wenig Infos haben. Wenn der Spieler der Elfe anwesend war, dann ist das natürlich etwas heftig, wenn der sich einmischt und die Handlung eines SCs beherrscht.
Aber der Spieler könnte auch einfach abwesend gewesen sein, so daß der SL den Charakter geführt hat.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Saerd am 25.07.2004 | 22:26
@Ludovico

Wenn der Spieler abwesend ist, dann ist das natürlich eine ganz andere Sache, da hast du absolut recht.

-> Wir brauchen mehr Infos um etwas zu sagen
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Gast am 25.07.2004 | 22:39
wir hatten uns seinerzeit in der Gruppe geeinigt, dass keine bösen SCs zugelassen sind und alle einander vertrauen (auch wenn man sich mal auf die Nerven geht). Darauf hatten wir alle Bock und es schien uns auch ein "realistischer" Kompromiss, insofern als kein SC mit Leuten rumziehen würde und ihnen sein Leben anvertrauen würde, wenn er sie nicht sehr gut zu kennen glaubt (wer legt sich schon schlafen, wenn er nicht sicher sein kann, dass die Nachtwache im nicht an die Gurgel will), wir andererseits aber keinen Bock hatten, die ganzen vertrauensbildenden Massnahmen auszuspielen.
Im konkreten Fall: hängt vom Spieler der Elfe ab.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: wjassula am 25.07.2004 | 22:40
Ich denke ähnlich wie Roland, dass es hier nicht so sehr um Realismus geht, sondern darum, inwieweit die SL den SpielerInnen die Kontrolle über das Spielgeschehen überlässt. "XY machen eure Charaktere einfach nicht" finde ich eine ziemlich unsouveräne Vorgabe. Das ist natürlich auch eine Stilfrage, aber ich würde meine Aufagbe als SL nicht darin sehen, den SpielerInnen ein bestimmtes Verhalten vorzuschreiben, sondern mit dem Input der Gruppe zu arbeiten. Meiner Ansicht nach sollte das Verhalten der Charaktere untereinander den Spielern überlassen bleiben. Wenn ich als SL fände, dass die Zusammenarbeit unstimmig oder für den Spielfluss störend ist, würde ich das nach dem Spiel ansprechen.

"Die SL hat immer Recht" dient ja dem Zweck, das Spiel flüssig zuhalten, und ausufernde Diskussionen während des Spiels zu vermeiden. Das heisst aber nicht, dass die SL grundsätzlich die höchste Instanz in puncto Spielgeschehen ist.Nicht die SL sorgt dafür, dass es weitergeht, sondern alle Beteiligten am Spieltisch. Aber da sind wir wieder bei Stilfragen.
 
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Jiriki am 25.07.2004 | 22:53
Ich bin jetzt eigentlich davon ausgegangen, dass der Spieler gefehlt hat und der SL ihn mit gefürht hat. ;)
In dem Fall seh ich das eigetnlich so, dass es da weder Realismus gibt, noch welcher zu suchen ist, da ja letztendlich der SPIELER entscheidet was sein Charakter tut und was nicht (wenn jetzt keine Besonderheiten wie verzauber usw. vorliegen). Und da hat eigentlich die Regel, der SL hat immer Recht ganichts zu suchen ;), da wenn er sich in sowas einmischt kann er ja auch alleine spieln. Das gilt nartülich auch für die Mitspieler.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: 8t88 am 26.07.2004 | 08:40
Das ist ein normaler Disput, und denke ich keine Frage von Realismus, sondern wie viel Freiheit der SL bei solchen Sachen lässt.
Vielleicht passte es ja auch in seinen Plot.
Sonst würd ich einfach off-game mit ihm darüber Reden, warum dass so sein soll...

Mal ganze OT: eine Gruppe die sich so zersplittert würd ich als SL sowieso nicht zulassen, sondern die Leute zusammenhalten... und wenns für die Spielwelt nicht realistisch ist, ist das egal, denn da seh ich's Offplay: Ich bie die Sache so, dass die Spieler (also durchschnittlich 1 siebtel aller anwesenden) Spaß haben.
UNd das geht nur, wenn man den Spielern was bietet, und nicht den Charakteren, oder der Spielwelt (die ja sowieso nur Existiert weil ich das so sage... und da hat sie die spielwelt meinem Willen zu beugen, und nicht dem ihrer eigenen realität.)
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: wjassula am 26.07.2004 | 09:53
Zitat
UNd das geht nur, wenn man den Spielern was bietet, und nicht den Charakteren, oder der Spielwelt (die ja sowieso nur Existiert weil ich das so sage... und da hat sie die spielwelt meinem Willen zu beugen, und nicht dem ihrer eigenen realität.)

Amen.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ein am 26.07.2004 | 10:00
@8t88
Kommt drauf an, woher die Spieler ihren Spielspaß beziehen. Wenn sie ein Abenteuer erleben, wollen dann trifft deine These voll zu. Wenn es ihnen aber vorallem darum geht ihre Charaktere auszuspielen, dann kann man ihnen mit solchen Aktionen einfach den Spaß killen.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ralf am 26.07.2004 | 10:06
@ Ein
Da stimme ich dir zwar voll und ganz zu, aber einen dahingehenden Konsens scheint es ja in der Gruppe von Michi nicht zu geben. Er scheint mir doch eher wie ein Problemlöser.

Ich sage auch, dass die Elfe entscheidet.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: 8t88 am 26.07.2004 | 10:12
@8t88
Kommt drauf an, woher die Spieler ihren Spielspaß beziehen. Wenn sie ein Abenteuer erleben, wollen dann trifft deine These voll zu. Wenn es ihnen aber vorallem darum geht ihre Charaktere auszuspielen, dann kann man ihnen mit solchen Aktionen einfach den Spaß killen.
Ich muss immer den Spielern etwas bieten.
Und wenn das Ausspielen ihrer Charaktere dazugehört, und mache ich eine Plattform, die ihnen das ermöglicht.
Aber Ändert doch nichts an der Tatsache, dass ich den Spielern etzwas bieten muss, und nicht dne Charakteren!
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ein am 26.07.2004 | 10:16
Manche Leute wollen einfach nichts geboten bekommen, sondern einfach nur das Leben ihres Charakters ausspielen. ;)

Ich finde persönlich nicht, dass es unter "jmd. etwas bieten" fällt, wenn die Spieler - im Gruppenkonsens - einfach nur zwischenmenschliche Beziehungen ausspielen wollen.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Vale waan Takis am 26.07.2004 | 11:59
Eine Situation, die mich sowaohl als SL als auch als Spieler schon immer gewaltig genervt hat.
Kennenlernen mag ja ganz putzig sein, aber wenn dann immer wieder sowas wie: "...aber ich kenn den doch gar nicht, dem vertrau ich nicht..." oder "Wie? einem Elfen/Zwergen/Whatever soll ich vertrauen, nie im Leben.." oder auch "ich setzte mich von der Gruppe ab..." kommt, dann nervt es einfach nur.
Man sollte sowas besser vorher genau absprechen, aber nun zur konreten Frage:

1. sollte natürlich der/die/das Elfenspieler/in entscheiden wie sein/ihr Char/in sich verhält
2. entscheidet der SL
3. deine Argumentation ist am Gruppendienlichsten, aber da muss halt die Gruppe als solches sich zusammenraufen

Das Grundproblem wird aber imho durch so eine Entscheidung nicht gelöst. Ich gehe mal davon aus der Elfenspieler möchte so handeln bzw. hat sich für seine Char vorgenommen so zu handeln. Das ist sein gutes Recht. Aber es ist schädlich für die Gruppe. Deine Argumentation ist gruppenfreundlich, beschneidet aber den anderen Spieler in seiner Spielfreiheit. Die geht für mich vor die Gruppenfreundlichkeit, da der SL euch immer noch mit der guten alten Holzhammer Methode zusammenschweißen kann (Situation Lebensgefahr für alle, nur gemeinsam kommt ihr raus - ob das aber der Stimmung in der Gruppe hilft?). 
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Jestocost am 26.07.2004 | 12:17
Scheiß auf den Realismus - das Spiel und vor allem der Spielspaß zählt.

Rollenspiel ist nicht realistisch - wer würde denn schon den ganzen lieben langen Tag sein Leben riskieren, nur so aus Spaß an der Freud' und ein paar Schätzen, möglicherweise...

Im Spiel kommt man gelegentlich an den Punkt, dass das realistische Verhalten eines Charakters diese Figur entweder aus der Gruppe katapultieren würde oder man gegeneinander vorgehen würde...

Also sollte man dann einfach mal kurz von Mensch zu Mensch reden und schauen, wie man hier das Drehbuch abändert.

Das ist bei mir bei meinem letzten Spielabend auch passiert: Der Polizeipsychologe hätte sich beinahe nichts mehr vom Kommisar sagen lassen - dann sind die Spieler kurz raus gegangen, haben zusammen eine Lösung gefunden und weiter ging's...

Die Spieler sind nun mal wichtiger als die Charaktere... Und wenn's den Spielern gut geht, freut sich der Charakter (und der SL)...
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Vale waan Takis am 26.07.2004 | 12:19
wahr gesprochen
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Saerd am 26.07.2004 | 12:36
Solche Probleme sind mir leider auch bekannt. Besonders am Anfang hatten die Spieler die Affinität dazu gegeneinander zu spielen. ( Sich gegenseitig verprügeln, bestehlen, das übliche halt...  ;) )

Jetzt ist das aber auf ein Minimum zurückgegangen, SL sei dank.  ;D
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Arbo am 26.07.2004 | 12:55
@ Michi:

Vielleicht könntest Du mal noch etwas Näheres zu der Situation schreiben ... wurde ja weiter oben schon darauf hingewiesen, dass es so, wie Du es schilderst, doch etwas schwierig ist, sich da eine Meinung zu bilden. Also, war die Elfe ein NSC oder nicht? Hatten die Chars wirklich keine Möglichkeit umher zu streifen und sich entsprechend zu berichten? etc.

Ansonsten: Der SL hat IMMER Recht.

Das ist kein Gesetz, sondern ein Kompromiss. Am Ende dann darüber quasseln, wenn ihr alle wisst, was da ggf. wirklich gelaufen ist.

@ Jestocost:

Dem könnte ich zustimmen, möchte mir allerdings noch erlauben, darauf hinzuweisen, dass man trotz einer strikten an die Chars ausgelegten Entscheidung für Spannung und Spaß sorgen kann. Mal ganz davon abgesehen, dass es für mich nichts Inspirierenderes gibt, als die Chars auszuspielen und mit den sich daraus ergebenden Konflikten zu arbeiten.

-gruß,
Arbo
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ralf am 26.07.2004 | 12:58
@ Saerd
Als SL schau ich mir sowas für gewöhnlich etwa 5 min. an und greife dann beherzt zum Deus Ex Machina. Und wer motzt kriegt erzählt, dass es zum Besten aller ist. Bis jetzt habens mir sogar alle geglaubt. ::)
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Bad Horse am 26.07.2004 | 13:14
Hmm... also, entweder die Elfe ist ein SC. In diesem Fall hat der SL mit seiner Realismus-Definition da wohl nix zu suchen. Oder die Elfe ist ein NSC, dann sollte der SL aber nicht "Hey, die mag dich einfach nicht" sagen, sondern das ganze ausspielen. Da hat Michis Char dann immerhin die Chance, durch gutes Rollenspiel bei der blöden Kuh Punkte zu machen.

Und ehrlich gesagt, ist die Gruppe doch gemeinsam auf Mission aufgebrochen, um diese Orks zu erledigen. Warum sollte die Elfe ihre Infos über das Orkdorf zurückhalten? Warum traut sie Michis Char nicht? Weil er ein Frauenheld ist? Häh?

Der SL hat in einem Streitfall immer recht, weil das den Spielfluß fördert. Ansonsten ist er auch nur ein Spieler, und sollte nach der Sitzung auch in paar gute Argumente für seine Entscheidungen haben - oder sagen können "ups, das war wohl daneben"...  :)
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ein am 26.07.2004 | 14:01
Leonie 100% ACK
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 26.07.2004 | 18:25
Allerdings muß ich die Frage stellen, inwieweit der SL das Recht hat in das Charakterspiel einzugreifen.
Darf er gar nicht eingreifen, wenn er meint, daß ein Charakter falsch gespielt wird?
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Lord Verminaard am 26.07.2004 | 18:44
1) Was macht der SL, wenn ein Spieler seinen Charakter nicht realistisch spielt? Ich persönlich bevorzuge es in einer solchen Situation, dem Spieler ins Gewissen zu reden, ihm aber die letzte Entscheidung selbst zu überlassen. Vielleicht kann er mir ja auch plausibel erklären, warum sein Charakter so handelt, wie er handelt? Das macht das Spiel dann für alle befriedigender. Kein Grund für Geheimniskärmerei an dieser Stelle.

2) Was tun, wenn das konsequente Ausspielen der Charaktere die Gruppe oder die Story gefährdet? Ich meine, ein bisschen drehen und biegen kann nicht schaden. Allerdings nur im Rahmen dessen, was noch halbwegs plausibel gemacht werden kann.

Ich habe einmal den Fehler gemacht, die Rolle meines Charakters völlig zurückzustellen, damit die Gruppe nicht gesprengt wird. Das hat mir diesen Charakter, den ich jahrelang gespielt hatte, nachhaltig vergällt. Zwar hätte ein Mitspieler das Dilemma bei etwas umsichtigerem Spiel vermeiden können. Aber als die Situation erst einmal verfahren war, wäre es besser gewesen, die Gruppe (vorübergehend) aufzubrechen, statt die Plausibilität derart mit Füßen zu treten. Eine Story, die nicht plausibel ist, ist eine beschissene Story, und ein Charakter, der sich nicht plausibel verhält, ist ein beschissener Charakter.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Roland am 27.07.2004 | 01:01
Allerdings muß ich die Frage stellen, inwieweit der SL das Recht hat in das Charakterspiel einzugreifen.
Darf er gar nicht eingreifen, wenn er meint, daß ein Charakter falsch gespielt wird?

Das sollte ähnlich gehandhabt werden, wie Kritik am SL, also möglichst nicht im Spiel, sondern, wenn es sich irgendwie machen lässt, danach.

Außerdem sollte der Wunsch einer Spielerin, einen Charakter auf eine bestimmte Art zu spielen, vom SL respektiert werden, wenn es dadurch nicht zu gravierenden Beeinträchtigungen kommt. Zur Not wird eben der Hintergrund des Charakters oder der Spielwelt den Wünschen der Spielerin angepasst.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 27.07.2004 | 08:24

Darf er gar nicht eingreifen, wenn er meint, daß ein Charakter falsch gespielt wird?

Was herisst falsch gespielt?
Das er nicht dem Klischee bis auf den Punkt entspricht?
Da der SC von einem Spieler geführt wird, kann auch nur dieser Spieler über richtiges/falsches darstellen des SCs befinden.

. Vielleicht kann er mir ja auch plausibel erklären, warum sein Charakter so handelt, wie er handelt? Das macht das Spiel dann für alle befriedigender. Kein Grund für Geheimniskärmerei an dieser Stelle.
.

Vielleicht könntest du mir in dem Falle erstmal plausibel erklären, warum der Charakter "falsch" gespielt wird?
Zitat
2) Was tun, wenn das konsequente Ausspielen der Charaktere die Gruppe oder die Story gefährdet? Ich meine, ein bisschen drehen und biegen kann nicht schaden. Allerdings nur im Rahmen dessen, was noch halbwegs plausibel gemacht werden kann.
Angemessen innerhalb der Story darauf reagieren.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Haukrinn am 27.07.2004 | 11:06
Was heisst falsch gespielt?
Das er nicht dem Klischee bis auf den Punkt entspricht?
Ich glaube, gerade das meinte Vermi eben nicht. Ich würde die Aussage eher losgelöst von dem hier geschilderten, konkreten Problem sehen, s.u.

Da der SC von einem Spieler geführt wird, kann auch nur dieser Spieler über richtiges/falsches darstellen des SCs befinden.

Das sehe ich nicht so. Da der SL (in der Regel zusammen mit den Spielern) den Hintergrund vorgibt, haben sich auch die Charaktere in diesen einzugliedern. Wenn also die elfische Kultur definiert ist, und der Spieler nicht gerade einen Aussenseiter oder Ausgestoßenen spielt, hat er sich auch dieser Kultur unterzuordnen. Die Definition einer stimmigen Hintergrundwelt ist IMHO einen Dreck wert, wenn sich die Spieler selbst nicht daran halten. Damit möchte ich keineswegs eine Lanze für die eingangs in diesem Thread geschilderte Situation brechen. Wenn etwas falsch läuft, dann kann der SL den Spieler in einer Spielpause darauf aufmerksam machen. Einfach in die Entscheidungsfreiheit der Spieler einzugreifen ist definitiv der falsche Weg und wäre für mich als Spieler, bei mehrfachem Auftreten ein guter Grund, aus der Runde auszutreten.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Lord Verminaard am 27.07.2004 | 12:07
Ach Leute, bitte. Es gibt mehr Dinge, die einen Charakter ausmachen, als seine Charakterklasse und Kultur. Schon mal was von Persönlichkeit gehört? Von Wertvorstellungen, Zielen, Ängsten, Motivationen, Vorlieben, Abneigungen, typischen Verhaltensmusrtern, zwischenmenschlichen Beziehungen? Gut, wenn die Spieler das Charakterspiel so ernst nehmen, dass sie sich über all diese Dinge Gedanken machen, werden sie ihren Charakter im Zweifel auch danach spielen. Dann taucht eher das ungekehrte Problem auf, dass die Gruppe oder die Story gefährdet werden.

Bei uns ist das übrigens eher mal umgekehrt: Dass ich als SL bei den NSCs die Rolle nicht immer sofort richtig drauf habe und sie dann widersprüchlich zu ihrem bisherigen Verhalten spiele. Da kommt es schon mal vor, dass meine Spieler mich dann darauf aufmerksam machen und ich es korrigiere.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: wjassula am 27.07.2004 | 12:17
 
Zitat
Die Definition einer stimmigen Hintergrundwelt ist IMHO einen Dreck wert, wenn sich die Spieler selbst nicht daran halten.

Die Definition einer stimmigen Hintergrundwelt ist iMho einen Dreck wert, wenn sie den SpielerInnen zu wenig Freiräume lässt. Spielspass geht vor Hintergrundtreue, würde ich sagen.

Ansonsten Zustimmung zu Vermi.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Roland am 27.07.2004 | 12:26
Das sehe ich nicht so. Da der SL (in der Regel zusammen mit den Spielern) den Hintergrund vorgibt, haben sich auch die Charaktere in diesen einzugliedern.

Wieso kann der Hintergrund nicht den Wünschen einzelner Spieler angepasst werden, so lange die anderen Spieler nicht gravierend in Mitleidenschaft gezogen werden?

SL : "Moment mal Elfe, Du redest freundlich mit dem Ritter! So gehts nicht! In "Spitzes Ohr und langer Pfeil" steht ganz eindeutig, das alle Elfen eine ziemliche Abneigung gegen Menschen haben. Vor allem wenn sie so Chauvischweine sind, wie dieser hier.

Spieler 1:"Nicht alle Elfen hassen Menschen, manche von uns finden sie recht putzig. Mein Charakter zum Beispiel. Außerdem finde ich den Süßen so männlich"  :-*
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Haukrinn am 27.07.2004 | 13:20
Wieso kann der Hintergrund nicht den Wünschen einzelner Spieler angepasst werden, so lange die anderen Spieler nicht gravierend in Mitleidenschaft gezogen werden?

So wie ich's in meinem Posting einen Satz später selber sage?  ;D

Zitat von: wjassula
Die Definition einer stimmigen Hintergrundwelt ist iMho einen Dreck wert, wenn sie den SpielerInnen zu wenig Freiräume lässt. Spielspass geht vor Hintergrundtreue, würde ich sagen.

Da gehen die Meinungen halt auseinander. Das konkrete, anfangs geschilderte Problem war das der Beeinflussung der SC-Persönlichkeit durch den SL. Das ist schlecht, da sind wir uns einig. Aber wozu überhaupt Kulturen und soziale Strukturen definieren, wenn sich keiner dran hält? Wenn Du umbedingt einen Wikinger spielen willst, machst Du das dann, weil Dich die nordische Kultur interessiert oder weil Du Bärte und Hörnerhelme (ok, nicht ganz ernst gemeint  ;) ) cool findest? Wenn's Dir nur um letzteres geht, warum spielst Du dann keinen Franken mit Bart und albernem Helm, wenn dieser besser zu Deinem Charakter passt?
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Roland am 27.07.2004 | 14:02
Wieso kann der Hintergrund nicht den Wünschen einzelner Spieler angepasst werden, so lange die anderen Spieler nicht gravierend in Mitleidenschaft gezogen werden?

So wie ich's in meinem Posting einen Satz später selber sage?  ;D


Wo?
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ein am 27.07.2004 | 14:10
warum spielst Du dann keinen Franken mit Bart und albernem Helm, wenn dieser besser zu Deinem Charakter passt?

Weil Franken doof sind. ;)
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 27.07.2004 | 18:47
Was herisst falsch gespielt?
Das er nicht dem Klischee bis auf den Punkt entspricht?
Da der SC von einem Spieler geführt wird, kann auch nur dieser Spieler über richtiges/falsches darstellen des SCs befinden.

Unter "falsch gespielt" verstehe ich, wenn mir ein Spieler mitteilt, wie er seinen Charakter zu spielen gedenkt, was bei mir die Regel ist, aber dann doch etwas vollkommen anderes tut.
Kultur und Hintergrund des Charakters spielen hier auch eine Rolle und wenn der Spieler nicht alle Infos über die Kultur hat (weil zum Beispiel das Quellenbuch in Englisch ist und der Spieler dieser Sprache nicht mächitg ist), wieso dann nicht kurz eingreifen und sagen: "Ähm, das würde Dein Charakter nicht tun, da dies und jenes der Fall ist.")?
Okay, wenn man mir mitteilt, daß man einen Außenseiter spielen möchte, der sich um Regeln, Gesetze, Kultur, etc. einen Dreck schert, dann paßt das schon, wenn es in meine Kampagne und in die Gruppe paßt.
Aber ich werde, bevor ich einen Hintergrund eines Volkes vollständig verändere, dem Spieler lieber ein anderes nahelegen, was näher an seinen Vorstellungen liegt.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 27.07.2004 | 23:00


Das sehe ich nicht so. Da der SL (in der Regel zusammen mit den Spielern) den Hintergrund vorgibt, haben sich auch die Charaktere in diesen einzugliedern. Wenn also die elfische Kultur definiert ist, und der Spieler nicht gerade einen Aussenseiter oder Ausgestoßenen spielt, hat er sich auch dieser Kultur unterzuordnen.
Deiner Meinung erzeugt jede Kultur also Standardpersönlichkeiten, mit prinzipiell gleicher Persönlichkeit, Wertvorstellungen u.ä.
oder Ausgestossene?
Gibt es nicht noch andere Möglichkeiten wie jemand auf gewisse Werte, Schmata seiner Kultur ablehnend oder unschematisch reagieren?

Zitat
Die Definition einer stimmigen Hintergrundwelt ist IMHO einen Dreck wert, wenn sich die Spieler selbst nicht daran halten
Wenn Vom Standardschema F Abweichen, die Stimmigkeit einer Welt zusammenbrechen lässt, dann war an deren sog Stimmigkeit schon vorher nichts dran.

Wenn Du umbedingt einen Wikinger spielen willst, machst Du das dann, weil Dich die nordische Kultur interessiert oder weil Du Bärte und Hörnerhelme (ok, nicht ganz ernst gemeint  ;) ) cool findest?
Als standard Wikinger würde Ich einen Bauern/Fischer oder Kauffahrer bezeichnen.
Wobei diese genausowenig wie die Krieger Hörnerhelme trugen.
Aber was wäre jetzt das Problem daran, eine Skalden, Runenkundigen, Kohlensitzer, Händler  oder Geodi(Richter, Gesetzessprecher zu spielen?), vielleicht einen dessen Tutor oder Mutter/Vater ein Franke, Sachse(Mönch) oder Sarazene gewesen ist?
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 28.07.2004 | 09:03
[Deiner Meinung erzeugt jede Kultur also Standardpersönlichkeiten, mit prinzipiell gleicher Persönlichkeit, Wertvorstellungen u.ä.
oder Ausgestossene?
Gibt es nicht noch andere Möglichkeiten wie jemand auf gewisse Werte, Schmata seiner Kultur ablehnend oder unschematisch reagieren?

Also wenn ich Dich richtig verstanden habe, sind diejenigen, denen die Kultur im Spiel egal ist, Klischeecharaktere?

Als standard Wikinger würde Ich einen Bauern/Fischer oder Kauffahrer bezeichnen.
Wobei diese genausowenig wie die Krieger Hörnerhelme trugen.
Aber was wäre jetzt das Problem daran, eine Skalden, Runenkundigen, Kohlensitzer, Händler  oder Geodi(Richter, Gesetzessprecher zu spielen?), vielleicht einen dessen Tutor oder Mutter/Vater ein Franke, Sachse(Mönch) oder Sarazene gewesen ist?

Wie wäre es mit einem Wikinger, der sich nur über raufen und saufen definiert, aber ansonsten nichts mit der Kultur gemein hat (außer Kleidung und Bewaffnung)?
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 28.07.2004 | 11:00
Nein.

Wo sollte an diesem das Problem sein?
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 28.07.2004 | 11:08
@Schwerttänzer
Ach, zu früh am Morgen getippt und zu wenig Kaffee!
Ich meinte es genau umgekehrt:
Wenn also ein Charakter sich an die Regeln seiner Kultur hält, ist er dann in Deinen Augen ein Klischeecharakter?

Was den Wikinger angeht, so könnte (und wird sich für mich sogar wohl) folgendes Problem stellen:
Ich habe einen Spieler in der Gruppe, der ständig solche Charaktere spielt. Weil er jetzt feststellen durfte, daß das Volk, zu dem sein jetziger Charakter gehört, eher diszipliniert und ruhig ist, möchte er gerne den Char wechseln, was ich aber erstmal nicht zulasse.
Nun liebäugelt er mit eine Char, der von einem Wikingervolk stammt. Wenn ich dort aber nun ein Abenteuer stattfinden lasse, käme ich doch in diverse Schwulitäten, wenn ich das Volk dem SC anpasse und somit einen Haufen sauf- und rauflustiger Irrer ohne Kultur erzeuge anstatt es darzustellen, wie im Quellenbuch, nämlich als eine reichhaltige Kultur, die zwar etwas rückständig ist, aber sehr auf Ehre bedacht ist und dann noch die diversen Bräuche, den Glauben,...
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Roland am 28.07.2004 | 11:21
Was den Wikinger angeht, so könnte (und wird sich für mich sogar wohl) folgendes Problem stellen:
Ich habe einen Spieler in der Gruppe, der ständig solche Charaktere spielt. Weil er jetzt feststellen durfte, daß das Volk, zu dem sein jetziger Charakter gehört, eher diszipliniert und ruhig ist, möchte er gerne den Char wechseln, was ich aber erstmal nicht zulasse.
Nun liebäugelt er mit eine Char, der von einem Wikingervolk stammt. Wenn ich dort aber nun ein Abenteuer stattfinden lasse, käme ich doch in diverse Schwulitäten, wenn ich das Volk dem SC anpasse und somit einen Haufen sauf- und rauflustiger Irrer ohne Kultur erzeuge anstatt es darzustellen, wie im Quellenbuch, nämlich als eine reichhaltige Kultur, die zwar etwas rückständig ist, aber sehr auf Ehre bedacht ist und dann noch die diversen Bräuche, den Glauben,...

Ludovico triff Dich mit dem Spieler in der Mitte. Einerseits könnte durch eine kleine Modifikation der Wikinger (bzw. Vesten) Kultur sein Verhalten nicht ganz so abseits der Norm sein. Zum anderen könnte der Charakter aus einem hinterwälderischen Teil des Landes kommen, wo die Sitten etwas rustikaler sind.

So hättest Du Spielraum in beide Richtungen, ohne das der Charakter gleich völlig außerhalb seiner Kultur steht.   
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 28.07.2004 | 11:31
Zitat
Zum anderen könnte der Charakter aus einem hinterwälderischen Teil des Landes kommen, wo die Sitten etwas rustikaler sind.

Eine interessante Idee! Doch sieht es so aus, daß diese Wikinger selbst im hinterwäldlerischsten Teil immer noch über eine Kultur verfügen. Sie beten Grumvater an, folgen den alten Wegen,... Das sind alles Dinge, die diesen Spieler nicht interessieren.
Für den zählt nur saufen und kämpfen.
Kultur ist Mittel zum Zweck. Jemand will mit dem Charakter Streit? Hey, dann laß ein Gottesurteil machen (was im Rest der Welt allerdings kaum jemanden interessiert)!

Wenn ich nun das Volk entsprechend modifizieren würde (was nicht mal eine leichte Modifikation wäre, da ich es nun mal als eine reichhaltige Kultur ansehe, die vom Spieler allerdings auf zwei mindere Aspekte reduziert wird), dann wäre vielleicht der Spieler glücklich, aber ich wäre unglücklich, denn ich hab dem Volk dann einige sehr schöne Dinge genommen.

Man kann hierbei also von einem Meinungsunterschied zwischen SL und Spieler sprechen.
Wie kann man den nun lösen?
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ein am 28.07.2004 | 11:44
Lass ihn nen Söldner spielen.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 28.07.2004 | 11:49
Sogar Söldner besitzen eine gewisse Kultur und ich lege auch Wert auf den Hintergrund eines Chars.
Allerdings muß ich auch gestehen, daß ich diese Dinge nutze, um den Charakteren des Spielers etwas mehr Tiefe zu verleihen, bzw. ihm zu zeigen, daß diverse rückständige Völker keine Haufen blutrünstiger alkoholischer Psychopathen sind und diese auch nicht gutheißen.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Eulenspiegel am 28.07.2004 | 12:03
Ein Mensch definiert sich aber nicht nur über die Kultur:
Ich bin Deutscher. Aber sagt das etwas über meinen Charakter aus? Und wenn jemand in einer Cthulhu Kampagne einen französischen Greenpeace Aktivisten spielen will, dann werde ich im auch nicht sagen, nee das geht nicht, so sind die Franzosen nunmal nicht, halt dich gefälligst an die dortige Kultur.
Und wenn jemand einen Jähzorinigen Trinker spielen will, dann kan der genausogut in der deutschen als auch französischen Kultur aufgewachsen sein.

Und in der Wikingerkultur gab es sicherlich auch solche Leute, die gerne nur raufen und saufen, ohne dass alle so sind. Und man muss noch nicht mal ein Außenseiter sein. Und ob man nun diesen Gott inbrünstig verehrt oder es nur bei einem Lippenbekenntnis belässt ist doch auch innerhalb einer Kultur von Mensch zu Mensch verschieden.
Oder ist man hier in Deutschland ein Außenseiter, nur weil man kein Fußball mag?
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 28.07.2004 | 12:04
@Schwerttänzer
Ach, zu früh am Morgen getippt und zu wenig Kaffee!
Ich meinte es genau umgekehrt:
Wenn also ein Charakter sich an die Regeln seiner Kultur hält, ist er dann in Deinen Augen ein Klischeecharakter?
Wer trinkt auch Kaffee, brr , trink Tee.
Nein, und selbst wenn jemand einen "Klischee"chararakter spielen möchte, hätte wäre dagegen mMn nichts einzuwenden.
Ich hatte als Beispiele auch Chars genannt, die sich an die Regeln ihrer Kultur halten, ohne das Klischee des Hörnerhelmtragenden Metsäufers zu erfüllen.





Zitat
Ich habe einen Spieler in der Gruppe, der ständig solche Charaktere spielt. Weil er jetzt feststellen durfte, daß das Volk, zu dem sein jetziger Charakter gehört, eher diszipliniert und ruhig ist, möchte er gerne den Char wechseln, was ich aber erstmal nicht zulasse.
Nun liebäugelt er mit eine Char, der von einem Wikingervolk stammt. Wenn ich dort aber nun ein Abenteuer stattfinden lasse, käme ich doch in diverse Schwulitäten, wenn ich das Volk dem SC anpasse und somit einen Haufen sauf- und rauflustiger Irrer ohne Kultur erzeuge anstatt es darzustellen, wie im Quellenbuch, nämlich als eine reichhaltige Kultur, die zwar etwas rückständig ist, aber sehr auf Ehre bedacht ist und dann noch die diversen Bräuche, den Glauben,...
Prima, Ich würde auf ihn Kulturtypisch reagieren, der SC wäre in seiner Kultur unten durch, möglich.. wahrscheinlich würde sich sogar seine Sippe von ihm lossagen, ihn verstossen.
Zumindest aber ihn sein Wergeld etc alleine tragen lassen.

Ich ging allerdings davon aus, der Spieler wollte einen ungehobelten Schläger spielen, weil ihm diese Charaktervorstellung gefällt.

Hatte in einer Fading Suns runde fiel Spass mit so einer Adeligen.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 28.07.2004 | 12:13
Und in der Wikingerkultur gab es sicherlich auch solche Leute, die gerne nur raufen und saufen, ohne dass alle so sind. Und man muss noch nicht mal ein Außenseiter sein. Und ob man nun diesen Gott inbrünstig verehrt oder es nur bei einem Lippenbekenntnis belässt ist doch auch innerhalb einer Kultur von Mensch zu Mensch verschieden.
Oder ist man hier in Deutschland ein Außenseiter, nur weil man kein Fußball mag?

Danke! Sehr guter Punkt!
Allerdings ist es auch im realen Leben so, daß wir gewisse fundamentele Regeln beachten wie "Man schlägt keine Frauen". Das sind nun Regeln, die der Spieler auch nicht beachtet.
Ich denke mal, daß es auch daran liegt, daß er vor allem DSA-Spieler ist und immer Thorwaler gespielt hat und von der Spielweise seiner DSA-Charaktere nicht mehr abweichen möchte oder kann.
Aber ich leite nun mal keine DSA-Runde.

@Schwerttänzer
Zitat
Prima, Ich würde auf ihn Kulturtypisch reagieren, der SC wäre in seiner Kultur unten durch, möglich.. wahrscheinlich würde sich sogar seine Sippe von ihm lossagen, ihn verstossen.
Zumindest aber ihn sein Wergeld etc alleine tragen lassen.

Ich ging allerdings davon aus, der Spieler wollte einen ungehobelten Schläger spielen, weil ihm diese Charaktervorstellung gefällt.

So wird sie wohl auch auf ihn reagieren, wenn er einen Charakterwechsel macht.
Ich gehe davon aus, daß er einen machen wird. Die Abmachung lautet, daß er den jetzigen Charakter noch einige Abende spielen wird und erst dann gewechselt werden darf.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Lfsp am 28.07.2004 | 12:44
Also meine Meinung

Wenn man 5 Jahre in einem System spielt und "gelernt" hat das Elfen keinen Alkohol vertragen, würde ich es SEHR störend finden wenn der Meister die Elfen ändern würde weil ein Spieler einem trinklustigen Elfen spielen will!!! Das würde mir als Mitspieler ein Stück der schön und stimmig aufgebauten Welt rauben.

Ich finde der Spieler hat die "Rechte" am Helden. Aber wenn ich einen Adigen spiele der einfachem Pödel nicht in die Augenblicken würde (und so auch schon ein paar Abenteuer gespielt hat) und dieser auf einmal EIne einfache Bauerstochter abschleppen will würde ich als SL schon sagen: Du das passt doch nicht so ganz! Natürlich kann sich der Charakter des Helden ändern. Aber Doch nicht eine plötzliche tiefgreifende Bewusstseinsveränderung. (Ausnahmen ... Regel z.B. machtige Zauberei)

Aber wenn man einen Charakter aus einer speziellen Kultur spielt sollte er sich schon etwas dran halten! Als Beispiel eine blutige Kultur männerhassender Frauen kommt dan plötzlich ene Frau die an einen Männlichen Gott der Freuden bettet. Aber auch hier wieder Ausnahme ... Regel aber irgendwie sollte das doch schon begründet sein .. schließlich spielen alle Mitspeiler in ein und der selben HIntergrundwelt, und wenn jeder eine andere sehr stark abweichende Welt sieht wirds schwierig
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ein am 28.07.2004 | 13:23
Sogar Söldner besitzen eine gewisse Kultur und ich lege auch Wert auf den Hintergrund eines Chars.

Kann ich so zustimmen. Allerdings fallen Söldner (wenn es nicht gerade Schweizer oder Malteser(?) sind) schon ziemlich unter soziale Außenseiter und da ist natürlich dann viel mehr Platz. Ohne dass du dir all zu viele Gedanken machen musst.

Zitat
Allerdings muß ich auch gestehen, daß ich diese Dinge nutze, um den Charakteren des Spielers etwas mehr Tiefe zu verleihen, bzw. ihm zu zeigen, daß diverse rückständige Völker keine Haufen blutrünstiger alkoholischer Psychopathen sind und diese auch nicht gutheißen.

Finde ich als Skandinavien- und besonders als Finnlandfan sehr lobenswert. :)
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Bad Horse am 28.07.2004 | 13:27
Ich mag diese Formulierung "Das würde dein Char nicht machen" irgendwie nicht. Da ist mir ein "Du weißt aber schon, daß das-und-das in eurer Kultur eher unüblich ist" lieber. Was ein Char machen würde oder nicht, bleibt dem Spieler überlassen.

Was den Sauf-und-Rauf-Typen angeht: Na und? Würdest du sagen, die Deutschen oder die Briten sind alles Säufer und Schläger? Nicht unbedingt, oder? Da gibt es Goethe, Shakespeare, Philosophen, Naturwissenschaftler... und Fußballfans.  ;) Die interessieren sich auch nicht unbedingt für Theater. Oder das Königshaus.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 28.07.2004 | 15:50
@Leonie
Wie ich bereits andeutete, gelten aber nun mal für alle Personen aus einer Kultur, so unterschiedlich sie auch sein mögen (sei es der hochgeistige Schriftsteller oder der tumbe Schläger), gewisse Regeln, die jeder einhält und die Moral, Anstand und Sitte gebieten.
Diese Regeln sind von Kultur zu Kultur unterschiedlich und werden von den Charakteren des Spielers stets ignoriert.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 28.07.2004 | 18:08


Danke! Sehr guter Punkt!
Allerdings ist es auch im realen Leben so, daß wir gewisse fundamentele Regeln beachten wie "Man schlägt keine Frauen". Das sind nun Regeln, die der Spieler auch nicht beachtet.

Was hatte Ich von Kulturtypischen Reaktionen gesagt, das kann ggf von
"Würden sie mich bitte kurz vor die Tür begleiten, Ein Gentleman klärt solche Dinge nicht vor Damen!"
bis zu "wir schleifen ihn durch Kaktus!" und weiter reichen
reichen.

Also meine Meinung

Wenn man 5 Jahre in einem System spielt und "gelernt" hat das Elfen keinen Alkohol vertragen, würde ich es SEHR störend finden wenn der Meister die Elfen ändern würde weil ein Spieler einem trinklustigen Elfen spielen will!!!
Warum sollte das nötig sein.
PS da fällt mir ein das Ich in diesem SYstem mal einen SL erlebte der einem Elfen das Alkoholtrinken aufnötigte.


Zitat
Ich finde der Spieler hat die "Rechte" am Helden. Aber wenn ich einen Adigen spiele der einfachem Pödel nicht in die Augenblicken würde (und so auch schon ein paar Abenteuer gespielt hat) und dieser auf einmal EIne einfache Bauerstochter abschleppen will würde ich als SL schon sagen: Du das passt doch nicht so ganz! Natürlich kann sich der Charakter des Helden ändern. Aber Doch nicht eine plötzliche tiefgreifende Bewusstseinsveränderung. (Ausnahmen ... Regel z.B. machtige Zauberei)
Wieso?
1 Ausnutzen seiner höheren Stellung, die Magd ist dafür da.
2 Er hat erkannt, das seine Vorurteile, Werte etc falsch sind und sie geändert.*
´3 Wo die "Liebe" hinfällt..

~Wo bei es eher so ist, das wir unsere Überezeugung als unsere Persönlichkeit änder, vgl Saulus zum Paulus.

Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 28.07.2004 | 18:16
Wieso?
1 Ausnutzen seiner höheren Stellung, die Magd ist dafür da.
2 Er hat erkannt, das seine Vorurteile, Werte etc falsch sind und sie geändert.*
´3 Wo die "Liebe" hinfällt..

~Wo bei es eher so ist, das wir unsere Überezeugung als unsere Persönlichkeit änder, vgl Saulus zum Paulus.

Ich denke aber, daß so etwas ausgespielt gehört oder sich erst entwickeln sollte, anstatt daß es ganz plötzlich und ohne ersichtlichen Grund heißt: "Ich hab mir jetzt eine Magd geholt, obwohl ich so etwas noch letztes Abenteuer für unter meiner Würde hielt."
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Lfsp am 29.07.2004 | 12:12

Also meine Meinung

Wenn man 5 Jahre in einem System spielt und "gelernt" hat das Elfen keinen Alkohol vertragen, würde ich es SEHR störend finden wenn der Meister die Elfen ändern würde weil ein Spieler einem trinklustigen Elfen spielen will!!!
Warum sollte das nötig sein.

naja ist am anfang nicht die "idee" aufgekommen das dann einfach der hintergrund angepasst wird, wenn ein spieler seinen helden so und so spielen möchte???

Zitat
Ich finde der Spieler hat die "Rechte" am Helden. Aber wenn ich einen Adigen spiele der einfachem Pödel nicht in die Augenblicken würde (und so auch schon ein paar Abenteuer gespielt hat) und dieser auf einmal EIne einfache Bauerstochter abschleppen will würde ich als SL schon sagen: Du das passt doch nicht so ganz! Natürlich kann sich der Charakter des Helden ändern. Aber Doch nicht eine plötzliche tiefgreifende Bewusstseinsveränderung. (Ausnahmen ... Regel z.B. machtige Zauberei)
Wieso?
1 Ausnutzen seiner höheren Stellung, die Magd ist dafür da.
2 Er hat erkannt, das seine Vorurteile, Werte etc falsch sind und sie geändert.*
3 Wo die "Liebe" hinfällt..

~Wo bei es eher so ist, das wir unsere Überezeugung als unsere Persönlichkeit änder, vgl Saulus zum Paulus.


1. mhh auf einmal ist er sich nicht mehr zu fein? wenn ums sein leben geht vielleicht...
2. Genau DAS meinte ich mit einer PLÖTZLICHEN Bewusstseinsänderung(meinte damit: Ändern der Überzeugung)
3. Ok da haste recht! wobei ich jedoch eher daran dachte das er das macht um irgendwelche vorteile zu gewinnen ( wie bei deinem punkt 1)

Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Roland am 29.07.2004 | 13:34
Wie ich bereits andeutete, gelten aber nun mal für alle Personen aus einer Kultur, so unterschiedlich sie auch sein mögen (sei es der hochgeistige Schriftsteller oder der tumbe Schläger), gewisse Regeln, die jeder einhält und die Moral, Anstand und Sitte gebieten.

Nein.

Es gibts zwar Menschen, die diese Regeln gern aufstellen und propagieren, aber eingehalten werden sie nur, wenn es gerade passt oder man die Konsequenzen der Normverletzung fürchtet.

Allenfalls in sehr konformistischen Gesellschaften gibts es Konventionen, die von einem Großteil der betroffenen Gruppe eingehalten werden.

Außerdem sind die Spielercharaktere ja meist Personen, die ausdrücklich von der Norm abweichen, z.B. der Bauernsohn der ein heldenhafter Ritter wird oder die Dunkelelfe die nicht ganz so böse ist, wie ihre Geschwister.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 29.07.2004 | 15:06
Zitat
Allenfalls in sehr konformistischen Gesellschaften gibts es Konventionen, die von einem Großteil der betroffenen Gruppe eingehalten werden.

Dann leben wir also in einer konformistischen Gesellschaft?

Zitat
Außerdem sind die Spielercharaktere ja meist Personen, die ausdrücklich von der Norm abweichen, z.B. der Bauernsohn der ein heldenhafter Ritter wird oder die Dunkelelfe die nicht ganz so böse ist, wie ihre Geschwister.

Aber bei 7te See sollte das weniger zum Negativen sein.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Roland am 29.07.2004 | 15:23
Zitat
Allenfalls in sehr konformistischen Gesellschaften gibts es Konventionen, die von einem Großteil der betroffenen Gruppe eingehalten werden.

Dann leben wir also in einer konformistischen Gesellschaft?


Welche Regeln, die jeder einhält und die Moral, Anstand und Sitte gebieten gibts denn in Deutschland?
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 29.07.2004 | 15:25
Man belügt keine Freunde, schlägt keine Frauen, vergewaltigt keine Kinder... sowas halt.
Und auf solche, die es doch tun, auf die wird herabgeschaut und sie werden ausgegrenzt.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Roland am 29.07.2004 | 15:42
Man belügt keine Freunde, schlägt keine Frauen

Kommt täglich tausendfach in Deutschland vor.

Und auf solche, die es doch tun, auf die wird herabgeschaut und sie werden ausgegrenzt.

Auch Kriminelle und Gewohnheitslügner haben Freunde, meist mehr als viele Rollenspieler, die ich kenne.
In Deutschland bemühen wir uns (manchmal) aktiv um die Resozialisierung von Straftätern und wirken ihrer Stigmatisierung (zumindest mit Lippenbekenntnissen) entgegen.

Wenn man wissenschaftlichen Studien glauben darf lügt der durchschnittliche Mensch 20-100 Mal am Tag. Auch gegenüber Freunden, Verwandten usw..
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Samael am 29.07.2004 | 16:00

Wenn man wissenschaftlichen Studien glauben darf lügt der durchschnittliche Mensch 20-100 Mal am Tag. Auch gegenüber Freunden, Verwandten usw..


Fragt sich, was hier als "Lüge" definiert wurde. Ist es auch schon eine Lüge, wenn man einen Gegenüber über seinen Gemütszustand durch schauspielern (auch nonverbal) täuscht? Falls ja kann ixch mir diese Zahl erklären. Sonst nicht.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 29.07.2004 | 17:32
Kommt täglich tausendfach in Deutschland vor.

Wobei dies aber gesellschaftlich geächtet ist. Oder etwa nicht?

Auch Kriminelle und Gewohnheitslügner haben Freunde, meist mehr als viele Rollenspieler, die ich kenne.
In Deutschland bemühen wir uns (manchmal) aktiv um die Resozialisierung von Straftätern und wirken ihrer Stigmatisierung (zumindest mit Lippenbekenntnissen) entgegen.

Dennoch haben Kriminelle oftmals Probleme wieder Fuß in der Gesellschaft zu fassen. Arbeitsplätze sind für sie schwer aufzutreiben und ihnen schlägt oftmals Mißtrauen entgegen.
Wenn gar bekannt wurde, daß jemand wegen Kindesmißbrauchs gesessen hat, dann kann er sich nirgendswo mehr blicken lassen.
Es reicht ja oftmals schon der Verdacht alleine.

Zitat
Wenn man wissenschaftlichen Studien glauben darf lügt der durchschnittliche Mensch 20-100 Mal am Tag. Auch gegenüber Freunden, Verwandten usw..

Ich schließe mich hier Samaels Post an.

Aber zurück zum Thema! Wir schweifen ab.
Du meintest, man müsse auch mal die Spielwelt den Spielern anpassen. Das mag ja gut und stimmig sein, aber wie sieht es nun aus, wenn man zum Beispiel in DSA die Alkelfen einführt, um einen Spieler glücklich zu machen, was dann anderen Spielern, die auch Elfen gerne mögen, überhaupt nicht schmeckt?
Oder in meinem Fall, wieso soll ich damit ein Spieler es leichter hat, einen Stamm Wikinger ohne Kultur erschaffen, obwohl ich schon jetzt genau vorhersagen kann, daß den anderen Spielern das gar nicht schmecken wird?
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Roland am 29.07.2004 | 18:13

Wenn man wissenschaftlichen Studien glauben darf lügt der durchschnittliche Mensch 20-100 Mal am Tag. Auch gegenüber Freunden, Verwandten usw..


Fragt sich, was hier als "Lüge" definiert wurde. Ist es auch schon eine Lüge, wenn man einen Gegenüber über seinen Gemütszustand durch schauspielern (auch nonverbal) täuscht? Falls ja kann ixch mir diese Zahl erklären. Sonst nicht.

Teils, teils. Alle verbalen Täuschungen fallen aber in jedem Fall darunter, auch wenn der Lügner sie selbst als belanglos ansieht.

Kommt täglich tausendfach in Deutschland vor.

Wobei dies aber gesellschaftlich geächtet ist. Oder etwa nicht?


Nur wenn man die verbreiteten Lippenbekenntnisse als Ächtung wertet.  Viele Menschen sind der Meinung dass eine kleine Notlüge ab und an angebracht wird (der Begriff "kleine Notlüge" wird oft sehr großzügig ausgelegt) und ein guter Teil der Deutschen ist auch der Meinung, das man Gewalt da anwenden sollte, wo sie angebracht ist. In manchen sozialen Gruppen schliesst das auch Frauen und Kinder (z.B Gewalt zu erzieherischen Zwecken) mit ein.

Bei manchen Menschen stößt übertriebener Alkoholkunsum auf Ablehung, Andere stehen dem Verzicht auf Drogen mit Unverständniss gegenüber. Manche Menschen haben Angst vor Schlägertypen, Andere bewundern es, dass jemand sich zur Not auch mit Gewalt Respekt verschafft.
Den meisten Menschen ist das alles aber schlichtweg egal, so lange sie nicht selbst in Mitleidenschaft gezogen werden.

Das war aber nicht meine Frage/These sondern:

Zitat
Welche Regeln, die jeder einhält und die Moral, Anstand und Sitte gebieten gibts denn in Deutschland?

Du hast behauptet, das es solche Regeln in jeder Kultur existieren. Ich stimme Dir in so weit zu, das extreme Verbrechen (wie Kindesmord oder sexueller Mißbrauch)  in einigen Kulturen tatsächlich fast vollständig abgelehnt werden. Aber diese Verbrechen sind eben Extreme, die bei der Charakterdarstellung in Rollenspielen (fast) nicht vorkommen.

Bis auf diese Extreme sehe ich keine gesellschaftlichen oder kulturellen Normen, deren Verletzung nicht in vielen/manchen Gruppen auf Indifferenz oder gar Zustimmung stoßen würden.     

Aber zurück zum Thema! Wir schweifen ab.
Du meintest, man müsse auch mal die Spielwelt den Spielern anpassen. Das mag ja gut und stimmig sein, aber wie sieht es nun aus, wenn man zum Beispiel in DSA die Alkelfen einführt, um einen Spieler glücklich zu machen, was dann anderen Spielern, die auch Elfen gerne mögen, überhaupt nicht schmeckt?
Oder in meinem Fall, wieso soll ich damit ein Spieler es leichter hat, einen Stamm Wikinger ohne Kultur erschaffen, obwohl ich schon jetzt genau vorhersagen kann, daß den anderen Spielern das gar nicht schmecken wird?

Die Antwort darauf habe ich in einem Post weiter oben schon gegeben.

Wieso kann der Hintergrund nicht den Wünschen einzelner Spieler angepasst werden, so lange die anderen Spieler nicht gravierend in Mitleidenschaft gezogen werden?
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: wjassula am 29.07.2004 | 18:28
Zitat
Man belügt keine Freunde, schlägt keine Frauen, vergewaltigt keine Kinder... sowas halt.

Soll ich jetzt was sarkastisches schreiben, von wegen: Kinder schlagen ist o.k., und Frauen vergewaltigen auch  ;)? Ach nee, war bestimmt nur schnell gepostet.
 
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 29.07.2004 | 19:31
Teils, teils. Alle verbalen Täuschungen fallen aber in jedem Fall darunter, auch wenn der Lügner sie selbst als belanglos ansieht.

Also eine Studie, die für diese Diskussion absolut belanglos ist.

[Nur wenn man die verbreiteten Lippenbekenntnisse als Ächtung wertet.  Viele Menschen sind der Meinung dass eine kleine Notlüge ab und an angebracht wird (der Begriff "kleine Notlüge" wird oft sehr großzügig ausgelegt) und ein guter Teil der Deutschen ist auch der Meinung, das man Gewalt da anwenden sollte, wo sie angebracht ist. In manchen sozialen Gruppen schliesst das auch Frauen und Kinder (z.B Gewalt zu erzieherischen Zwecken) mit ein.

Bei manchen Menschen stößt übertriebener Alkoholkunsum auf Ablehung, Andere stehen dem Verzicht auf Drogen mit Unverständniss gegenüber. Manche Menschen haben Angst vor Schlägertypen, Andere bewundern es, dass jemand sich zur Not auch mit Gewalt Respekt verschafft.
Den meisten Menschen ist das alles aber schlichtweg egal, so lange sie nicht selbst in Mitleidenschaft gezogen werden.

Ich weiß ja nicht, was Du für Leute kennst, aber im Falle von übertriebenen Alkoholkonsum kommt eine gesellschaftliche Ausgrenzung ganz schnell zum Zuge. Menschen werden sehr schnell ausgegrenzt und zwar dann, wenn sie nicht mehr der Norm entsprechen. Diese Leute mögen einfach nur gegen die Normen rebellieren (wie Punks, die aber aufgrund ihres Auftretens auch eine begrenzte Jobauswahl haben) oder aber tatsächlich diejenigen, die abgestürzt sind.
Über solche Leute wird hergezogen.
Ist Dir so etwas noch nie aufgefallen?

Und ich hab noch nie von jemanden gehört, der es cool fand, daß man Frauen schlägt.

Zitat
Du hast behauptet, das es solche Regeln in jeder Kultur existieren. Ich stimme Dir in so weit zu, das extreme Verbrechen (wie Kindesmord oder sexueller Mißbrauch)  in einigen Kulturen tatsächlich fast vollständig abgelehnt werden. Aber diese Verbrechen sind eben Extreme, die bei der Charakterdarstellung in Rollenspielen (fast) nicht vorkommen.

Bis auf diese Extreme sehe ich keine gesellschaftlichen oder kulturellen Normen, deren Verletzung nicht in vielen/manchen Gruppen auf Indifferenz oder gar Zustimmung stoßen würden.

Ich habe geschrieben, daß jede Kultur gewisse Normen und Regeln vorschreibt, die nicht gebrochen werden dürfen oder sollten. Selbst, wenn das Gesetz sie nicht straft, so werden sie doch gesellschaftlich geächtet. Diese Regeln geben die gesellschaftliche Norm vor. Alles außerhalb dieser Norm ist ein unliebsamer Teil der Gesellschaft und über die Leute außerhalb dieser Norm wird entweder gelästert oder sie werden drangsaliert, gemobbt, zusammengeschlagen oder einfach nur mit Nichtachtung gestraft (Penner auf der Straße). Chancen wieder Teil der Gesellschaft zu werden, werden ihnen trotz der löblichen Bemühungen der Resozialisierung durch ihre Mitmenschen oftmals schwer bis unmöglich gemacht (Ex-Knackis wären hier ein Beispiel).    

Zitat
Die Antwort darauf habe ich in einem Post weiter oben schon gegeben.

Wieso kann der Hintergrund nicht den Wünschen einzelner Spieler angepasst werden, so lange die anderen Spieler nicht gravierend in Mitleidenschaft gezogen werden?

Aber die Änderungen, die ich erwähnt habe, sind nicht gravierend.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: wjassula am 29.07.2004 | 19:44
Nach meinem etwas flapsigen letzten Beitrag vielleicht aber noch mal ein Einwurf

mit Moderatorenstimme

Können wir auf sanften Pfoten zurück zum Thema? Was genau jetzt gesellschaftliche Norm ist usw. hat doch nur am Rande damit zu tun, wer entscheidet, was im Spiel realistisch ist.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Roland am 29.07.2004 | 20:01

Aber die Änderungen, die ich erwähnt habe, sind nicht gravierend.

Na also. Wenns niemanden stört, lass den Mann spielen was er will. Wenn nicht, solltet ihr euch einig werden.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 29.07.2004 | 20:04
Ich meinte mit "Nicht gravierend", daß diese Änderungen die Spielwelt nicht auf den Kopf stellen.
Ein Volk von Elfen, daß Alkohol trinkt, dürfte in Aventurien für genausowenig Wirbel sorgen wie ein Stamm Vesten in Theah, dessen Kultur nur aus Kämpfen und Saufen besteht.
Aber wie ich schon schrieb, stellt sich mir einfach die Frage, wie es ausschaut, wenn die Spieler selber gegen diese Änderungen sind, nur um einen Spieler zufriedenzustellen.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Roland am 29.07.2004 | 20:39
Ich vermute Du meinst, was man tun sollte wenn ein Spieler gern den Hintergrund ändern würde, die anderen Spieler aber etwas dagegen haben.

Das gleiche wie bei allen anderen Meinungverschiedenheiten in der Gruppe. Zu einer Einigung kommen die möglichst alle zufrieden stellt. Einen Kompromiss fände ich schön.

In Deiner Runde kommt es aber offensichtilich nicht auf den Hintergrund an, sondern Du bist mit der Spielweise des Spielers unzufrieden.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 29.07.2004 | 20:55
@Roland
Mit dem letzten Post hast Du vollkommen recht und auch mit dem letzten Satz.
Die Spieler wären aber meiner Einschätzung nach tatsächlich dagegen, zumal sie auch mit der Spielweise des Spielers eher unzufrieden sind.
Soviel hab ich zumindest aus Einzelgesprächen herauskriegen können.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Bad Horse am 1.08.2004 | 20:36
Und was sagt der Spieler selbst dazu? Ich vermute stark, daß er keine große Lust hat, sich beim Rollenspiel allzusehr anzustrengen, und daher immer Stereotypen spielt. Dagegen sind leider nur sehr wenig Kräuter gewachsen, aber vielleicht hilft ja ein offenes Gespräch mit der ganzen Runde - grade wenn es die anderen Spieler auch stört.
Titel: Re: Wer entscheidet, was realistisch ist?
Beitrag von: Ludovico am 1.08.2004 | 21:45
Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß dieser Spieler und ich uns demnächst sozusagen "trennen" werden. Ein Gruppengespräch wäre doch nur verschwendete Zeit.