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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Rollenspieltheorien => Thema gestartet von: Bitpicker am 21.04.2005 | 15:27
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Ich würde hiermit gerne ein Thema aufgreifen, das in einer anderen aktuellen Diskussion gefallen ist.
Spielberichte, wie man sie in den Diaries of Sessions lesen kann, sind oft langweilig. Das ist kein Vorwurf von mir an andere, denn ich schreibe ja selbst einen dort; aber schon beim Schreiben denke ich in der Regel, dass das viel zu langweilig ist, um wirklich gelesen zu werden. Woran liegt das?
In meinem Fall würde ich folgende Dinge identifizieren:
1. Das Argument, das Fred sicher bringen würde und das hier auch voll und ganz zutrifft: es gibt keine Story im literarischen Sinne. Weder im eigentlichen Spielablauf noch in der Nacherzählung folgt das (klassische) Spiel den Regeln, die wir von der Literatur und dem Film her gewohnt sind. Beim Lesen (und auch beim Schreiben) haben wir aber eine eher literarische Erwartungshaltung, deshalb ist es nicht sehr erbaulich, wenn man von ständigem Versagen oder dem Verfolgen falscher Fährten liest. Da aber der Fokus beim Spiel eben nicht auf der Konstruktion der optimalen Story liegt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich eine formell brilliante Story ergibt, die dann entsprechend nacherzählt werden kann.
2. Der zweite Punkt ist in meinem Fall die Position des Spielleiters. Der Spielbericht über die UA-Spielrunde ist nämlich m. E. sehr wohl literarisch genießbar, also nicht langweilig - weil sie aus der Sicht der Spielfigur geschrieben wurde, als Ich-Erzählung. Diese Position hat der Spielleiter nicht, er sieht immer das ganze Bild. Obwohl UA eher ein klassisches Spiel ist, ergibt sich in einer Ich-Erzählung leicht eine Story, die vorher nicht da war, weil der Erzähler das Pacing übernimmt. Aus einer ganzen Spielsitzung wird so leicht ein 'dann haben wir ein paar falsche Fährten verfolgt, bevor wir...' - und weiter geht es mit der nächsten Sitzung. Wenn ich aber als Spielleiter als Bericht nur schreiben würde 'Heute haben die Spieler nichts begriffen und alle Hinweise übersehen', dann klingt das irgendwie scheiße - und wird der Spielsituation vermutlich nicht gerecht, denn beim Rollenspiel kann ein Abend voller Fehlschläge durchaus trotzdem sehr viel Spaß machen.
3. Ein unwesentlicherer Punkt ist einfach logistischer Natur: wenn ich die Handlung einer Kampagne spannend und literarisch aufbereitet präsentieren wollte, müsste ich einen dicken Roman schreiben. Das würde den Rahmen des Forums ein wenig sprengen...
Wie könnte also ein Spielbericht von einem SL so abgefasst werden, dass er trotzdem interessant zu lesen ist?
Robin
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Als Ich-Erzählung eines NSC? ???
mfG
jdw
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Da fehlt dann doch alles. Wenn du einen normalen Krimi aus Sicht der Polizei spielst und den gefassten Täter am Ende die Geschichte erzählen würde, dann könnte er viele Dinge erzählen, die im Krimi nicht erwähnt wurden (nämlich was er getan hat), aber nichts von dem, was die Polizei getan hat.
Ein Spielbericht von einem SL ist (zwangsläufig?) ein Bericht eines allwissenden Autors, um in der Literaturterminologie zu bleiben. Er muss versuchen, das wiederzugeben, was den SC widerfahren ist und was sie getan haben, und dazu womöglich auch das, was NSC getan haben, auch wenn es den SC und damit den Spielern verborgen geblieben ist.
Robin
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Ein Spielbericht hat noch ein paar andere Steine mit zu schleppen. Einmal wird hier vermutlich kaum einer eine 1:1 Nacherzählung abliefern (wollen). Also ist das ganze schon einmal gerafft und auf das wesentliche reduziert.
Dazu kommt ein bestimmtes Vorwissen und Erfahrungen der Beteíligten, welche für diese Spielereignisse prägen können, welches Außenstehenden erst erklärt werden müßten.
Es müßte also um den impliziten Spielweltinhalt und Insider-Infos ergänzt werden, welche am SPieltisch nicht noch einmal extra erwähnt wurden.
Auch Gestik und Tonfälle der Beteiligten fallen typischerweise außen vor.
Außerdem hat man häufig nicht einen Faden, sondern mehrere, welche teils nur lose verbunden nebenher laufen. (Man hat halt die Interessen mehrerer Leute unter einen Hut zu bekommen.)
Diese Form ist auch nicht so verbreitet als literarische Form, auch wenn es wohl inzwischen häufiger geworden ist.
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Wie könnte also ein Spielbericht von einem SL so abgefasst werden, dass er trotzdem interessant zu lesen ist?
Nur, indem der Bericht dramatisiert wird. Genau wie Tatsachenberichte und ähnliche Dinge von Autoren aufbereitet werden, kann man es mit Spielberichten machen. Allerdings führt das fast zwangsläufig zur Verkürzung, da uninteressante Zusammenhänge wegelassen bzw. zusammengefasst werden.
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Nur, indem der Bericht dramatisiert wird.
In welchem Fall wir bei dem Roman ankommen. Oder lakonischen Meldungen wie 'im Westen nichts Neues'.
Robin
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Also ich setze als SL meine 7te See-Runde ins Netz ( abba nicht hier ) und schreibe alles rein was passiert ist, was die Charaktere mitbekommen haben, sonst nichts, sonstige Hintergründe werden erst mal erwähnt, wenn diese zum Tragen kommen bzw. die Gruppe etwas auflöst. Dazu poste ich alle Handouts.
Ist halt o.k., aber nichts Berauschendes.
Aber als Allwissender kennt man ja zwangsläufig auch das Charakterwissen, kann also locker auch aus der Perspektive schreiben! Ich werde mir aber evtl. auch noch ein paar Dinge überlegen, z.B. eigene Wertungen als Spielleiter/ dreckige Kommentare/ Quotes - das sind die spassigen Sachen...
Es liegt übrigens auch am Format - ich gehöre zu den Leuten, die am PC wenig lesen, wenns lang ist und ich kanns verstehen. Ich kriege Koppschmerzen davon, da drucke ich es mir lieber aus, leist sich gleich viel besser und einfacher!
Da finde ich meine Spielerberichte für Masterbook/ Stargate schon viel besser, amüsanter ( weil die sprüche teilweise unglaublich sind ) und unser Meister lacht sich immer scheckich, wenn er es zu Gesicht bekommt... die sind aus der Ich-Perspektive, auch mit Rückblicken, wenn die anderen mal nicht mit bei waren...
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In welchem Fall wir bei dem Roman ankommen. Oder lakonischen Meldungen wie 'im Westen nichts Neues'.
Jup. Am ehesten kann man sich wohl am Journalismus orientieren.
1. Tatsachenbericht - nur für interessierte Leser Spannend/unterhaltsam/interessant
2. Human Interest Story - schon im Hinblick auf Dramatik vorsortiert und meist auch leicht dramatisiert
3. Tatsachenroman - der Sachverhalt und die Entwicklung, die zur dargestellten Situation führt, wird meist stark verkürzt und dramatisiert.
Spielberichte sind zum großen Teil auch Insiderstories, für den Aussenstehenden erschliessen sich viele Dinge nicht.
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Mich würde einmal interessieren, mit welcher Erwartungshaltung die Leute z. B. an meinen Spielbericht herangehen, denn immerhin gibt es ja schon über 200 Lesezugriffe - und ob diese Erwartung erfüllt wird.
Robin
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Ich würd die Erwartung mal als "Wunsch der Teilhaftigkeit" formulieren und sagen, dass diese enttäuscht wird (meine Journals nicht ausgeschlossen, im Gegenteil).
Ich finde aber, dass die Foren auch als faktisch omnipräsente Referenz einen Zweck erfüllen, wenn auch nur für die Mitspieler.
(Ich entschuldige mich für das schreckliche Deutsch.)
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Mich würde einmal interessieren, mit welcher Erwartungshaltung die Leute z. B. an meinen Spielbericht herangehen, denn immerhin gibt es ja schon über 200 Lesezugriffe - und ob diese Erwartung erfüllt wird.
Robin
Hm ich will einfach nur sehen wie es anderen Spielern bei Cthulhu ergeht bzw. wie ein anderer SL dies und jenes handhabt. Da CoC mein Leib- und Magensystem ist bin ich einfach immer neugierig. Anhand der Erzählungen/ Örtlichkeiten versuche ich mir auch vorzustellen wie das ganze abgelaufen ist.
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Ich formuliere es einmal so: Ein Spielbericht, egal aus welcher Sicht, ist für "Nichteingeweihte" wie der Genuß eines Films ohne Bild.
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Tja, was kann ein Spielbericht für einen Sinn haben?
- Festhalten der Ereignisse für die eigene Runde. Dementsprechend: Zusammenfassung der Geschehnisse in der Spielrealität, möglichst knapp. Für Außenstehende total langweilig, allenfalls als Inspirationsquelle für angehende SLs brauchbar.
- Unterhaltung. Natürlich kann ein Spielbericht, wenn er witzig geschrieben ist und die Spiel-Ereignisse spannend waren, unterhaltsam zu lesen sein, vor allem wenn er aus der Sicht des Charakters geschrieben wird.
- Diskussionsstoff. Der Spielbericht kann Ausgangspunkt für eine Diskussion sein. Dann sollte der Autor diejenigen Dinge, über die er diskutieren möchte, in den Mittelpunkt rücken. Dies können Setting-Elemente, Regelfragen, das Verhalten von Spielern oder das Design von Abenteuern sein.
- Information über ein System. Der Spielbericht als Ergänzung der Rezension. Die letzten beiden Rollenspiele, die ich gekauft habe, habe ich aufgrund solcher Spielberichte gekauft. Dafür ist es wichtig, die richtige Mischung aus Information (wie hat das System funktioniert? Wie sind die Spieler damit zurecht gekommen?) und Unterhaltsamkeit (was für krass geile Sachen kamen dabei raus?) zu finden.
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naja ich würde die meisten eher als 'für mich uninteressant' bezeichnen...
ich interessiere mich nicht unbedingt für die Runden anderer (ausser sie erzählen mir ne spannende Annekdote..)
aber wenn Karl unseren Rundenbericht weiter führt ;D ;) dann hat es einen sehr praktischen Nutzen..die Erinnerung! so weiss man wieder was passiert ist, weil mitunter recht viel Zeit zwischen den einzelnen Sitzungen vergeht.