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Das Tanelorn spielt => [Fading Suns] The Sinful Stars => Spieltisch - Archiv => Forenrollenspiele => [FS] Sinful Stars Archiv => Thema gestartet von: Denize Noy am 20.05.2005 | 11:50

Titel: [Tag 3] Raumstation Bazaar
Beitrag von: Denize Noy am 20.05.2005 | 11:50
(Gildenquartiere. 9.30 h imperiale Standardzeit)

Unter der dünnen Wolldecke lief ein Schauer durch Denize als sie spürte, dass sie angestarrt wurde.
Obgleich ihr völlig bewusst war, dass es sich wieder um einen Alptraum handelte,  konnte sie sich nicht von dem Bild lösen, das ihr Geist heraufbeschwor.
Es war ein Bild des einäugigen Ukari-„Gottes“ Anikrunta. Ein Relief auf einer Steinwand. An einem finsteren Ort, den sie im Wachen noch nie betreten hatte. Im eisblauen Flackern ihrer ersterbenden Fusionsgasfackel schien es, als verzerrte sich seine Miene zu einem rachsüchtigen Grinsen. Sein einzelnes Auge heftete sich tadelnd auf ihre zitternde Gestalt.

„Scraver... Räuber. Nicht hier? Um zu stehlen? Nicht wahr? Hier, um dein Urteil zu empfangen. Kind.“

Die Zunge versagte ihr den Dienst.
Nein.

Eine Lähmung hatte sie befallen, gegen die sie verzweifelt ankämpfte. Die Luft war zäh wie Halawa.
Verdammt dazu, zu lauschen, trieb sie näher und näher auf den rauhen Fels zu, der sie kalt musterte.

„Wo du auch hingehst, sterben die Menschen.“

Nein!

Die Stimme wurde lauter, dröhnender. Wurde zu der des Allschöfpers selbst, als er tat, was er nicht tun durfte und ein zweites Auge öffnete. Es war strahlend blau. Eisig bohrte sich sein Blick in sie. Ihr Herz schlug so heftig, als wolle es zerspringen.

„Du hast nie einen Finger gerührt.“

Nein. Hör auf.

„Du hättest diese Leben retten können.“

Nein...

“Todesbotin. Deine geheuchelte Mitleidlosigkeit ist nichts als Feigheit. Schwäche. Du bist nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach...“

Die blauen Augen des Herrn näherten sich weiter, bereit ihr den letzten Stich ins Herz zu versetzen, sie den Geistern auszuliefern, die sie verfolgten.

Ein Keuchen floh über ihre Lippen, zerriss endlich den dünnen Schleier zwischen Traum und Wirklichkeit.

Denize saß mit einem Schlag senkrecht im Bett. Mwerron neben ihr unterbrach sich in seinem Satz und schenkte ihr jenen abschätzigen Blick, der sie immer traf, wenn sie auf diese Art erwachte.

Ein großes Paar strahlend blauer Augen richtete sich interessiert auf sie.
Es gehörte zu einem von blonden Strähnen umrahmten Kindergesicht, das mindestens ebensoviel natürliche Fröhlichkeit in sich trug, wie das der Mutter. Bis eben musste dieser Sprößling Suzannahs gebannt an Monns Lippen gehangen haben. Der Ukar saß auf der Bettkannte und hielt ein Springmesser in der Rechten, mit dem er scheinbar seine Worte unterstrichen hatte.  Ein ebenso klassisches wie furchteinflößendes Bild.
Ungläubig blinzelte Niz von den blauen zu den schwarzen Augen und wieder zurück.
Titel: [Tag 3] Morgens in den Unterkünften
Beitrag von: Azzu am 20.05.2005 | 19:33
Die Berührung riss ihn unbarmherzig aus dem Schlaf. Zurück in die kalte Wirklichkeit. Mit einem ungehaltenen Brummlaut wälzte er sich auf dem Bett herum, an dem zerbrechlichen Gebilde seines Traumes festhaltend. Und erstarrte. Finger auf seiner Haut. Kein Traum. Und nicht die Berührung von...

Unbekannter Geruch. Ein Fremder! Mwerron hörte das Schnappen des Springmessers, noch bevor er sich selbst völlig bewusst war, es gezogen zu haben. Unter der Decke jeder Muskel gespannt. Sprungbereit. Das Gesicht dem Eindringling zugewandt, öffnete er die Augen.

Die kleine, blonde Gestalt zuckte kurz zurück, die blauen Augen weit aufgerissen. Dann siegte die Neugier. Ein Menschenkind. Seine kleine Hand berührte die rituellen Narben auf Mwerrons Stirn. "Hat das weh getan?", fragte es. Ein leichtes Lispeln in der hellen Stimme.

Es dauerte eine Weile, bis Mwerron sich errinerte, wo er sich befand. Im Quartier des Suzannah-Wesens. Dies hier war eines ihrer Kinder. Schätzungsweise ein Junge. Mit dem Alter von Menschenkindern hatte Mwerron keine Erfahrung, aber diesem hier fehlten einige Zähne. Noch sehr jung. Keine Bedrohung. Mwerron setzte sich auf. Verbarg die Hand mit dem Messer hinter seinem Rücken.

"Ja. Sehr."

Das kleine Geschöpf trat einen Schritt zurück, das fremdartige Wesen mit den schwarzen Augen und den wulstigen Narben kritisch musternd. "Aber warum hast du es dann gemacht?", wollte es wissen.

Über sich selbst erstaunt, hörte er sich antworten: "Schmerzen. Machen stark. Nur wer Schmerz kennt. Kann. Ein Krieger sein." Kein Hohn in den naiven Kinderfragen. Nur Neugier. Mwerron deutete auf seine Stirn und die Tätowierung auf seiner Brust. "Dies hier. Zeigt. Wer ich bin. Und dass ich. Den Schmerz kenne. Und das..."

"Ich bin auch stark!", erklärte der Menschling unbeeidruckt. "Papa hat gesagt, ich soll aufpassen, dass ihr nix anstellt!"

"Sssshhhh", zischte der Ur Ukar, den Zeigfinger über den Mund gelegt. "Du wirst. Sie. Aufwecken."

Dieser kleine Junge wusste nichts von Schmerz, Entbehrungen und Stärke. Musste nichts davon kennen. Die Menschwesen schonten ihre Kinder. Lebten nicht auf einer Welt, die alles Leben hasste. Die Schwachen ohne Gnade tötete. Nein. Menschenkinder lebten beneidenswert. Glücklich. Und wurden schließlich zu weichlichen Schwachköpfen. Wie der Vater des Kleinen, der Gefährte des Suzannah-Wesens. Er hatte sein kleines Kind in Mwerrons Nähe geschickt. Vor wenigen Jahren noch hätte der Ur Ukar angegriffen, ohne zuvor die Augen zu öffnen. Ein Vater, der seine Familie nicht beschützte. Großer Krieger.

"Soll euch aber aufwecken", protestierte der Junge. "Gibt Kaa-fee!"

Ohnehin zu spät! Keuchend schreckte Denize aus dem Schlaf auf. Ein Alptraum. Mwerron beobachtete sie eine Weile, gab ihr etwas Zeit, den Mantel des Traumes abzuschütteln, ins hier und jetzt zurückzukehren.

Dann berührte er sie sanft an der Stirn, ließ die Fingerspitzen über Wangen und Hals gleiten. Ohne Ba'amon auf ihrer Haut eigentlich eine sinnlose Geste. Aber schon sein ganzes Leben lang hatte er die Seinen auf diese Weise begrüßt. Familie, Freunde, Waffenbrüder. Er würde sich nicht mehr umgewöhnen. Nicht ganz, zumindest. Die Haut unterhalb des Halses war tabu. Das musste er respektieren.

"Guten Morgen," sagte er leise. Noch ein Gruß ohne Sinn, diesmal einer der Menschwesen. Wozu sich einen guten Morgen wünschen, wenn der Morgen doch schon fast vorbei war? 'Guten Tag' hätte Mwerron passender gefunden. Aber so war es nicht Brauch.

"Kaa-fee!", wiederholte der blauäugige Menschling mit auffordernder Stimme.

Titel: [Tag 3] Morgens in den Unterkünften
Beitrag von: Jack Hawkins am 20.05.2005 | 21:36
Das linke Auge klappte zuerst auf. Klapp.
Das rechte kämpfte gegen das Kissen, auf das es gedrückt lag.

Da war ein fader, pelziger Geschmack in seinem Mund und ein dumpfes Rauschen in den Ohren.
Dann, als er den Kopf hob und das zweite Auge – klapp – dafür sorgte, dass die Sicht langsam dreidimensional wurde, erwachten auch die zwanzig Derwische wieder, die ohne Zweifel die ganze Nacht munter durch sein Hirn getanzt waren. Und setzten ihr Werk gewissenhaft fort.
Jack stöhnte und ließ seinen gepeinigten Kopf wieder in das Kissen der Couch sinken.
Bar. Drinks. Schlägerei. Zelle. Dazwischen noch irgendwo Denize und Monn. Ja.
Da war es wieder, das Gefühl, dass man nach manchen Nächten besser nicht aufwachen sollte.

Er drehte den Kopf. Es war dunkel im Quartier. Zu dunkel für – seine Augen brauchten eine Sekunde um sich auf die Entfernung zum gegenüberliegenden Regal scharfzustellen – 9:47. Er hätte damit gerechnet, dass Shawn die Quartierbeleuchtung um diese Zeit bereits auf "Tag" programmiert hatte.
Er richtete sich auf, gähnte und zuckte von dem jähen Schmerz in seinem Kiefer zusammen. Ächzend und stöhnend wie ein altes Weib kämpfte er sich aus den weichen Tiefen der Couch empor und stand auf. Ein kurzer Schwindel und das dringende Bedürfnis, etwas gegen den Geschmack im Mund zu unternehmen.

Seine Klamotten lagen wild auf Boden und Sessel verteilt und gaben der ansonst klinisch aufgeräumten Wohneinheit seines Bruders einen liebenswert anarchistischen Touch. Jack grinste und stellte sich Shawns missbilligendes Gesicht vor, als er heute Nacht heim gekommen war und den schnarchenden Bruder auf der Couch vorgefunden hatte. Dann fiel ihm ein, dass er ohne Shawn die Nacht weit weniger gemütlich verbracht hätte, und das Grinsen verflog.

"Shawn?" rief er zaghaft in Richtung des angrenzernden Raumes. "Kaffee?"
Wann war er wohl nach hause gekommen? Er hatte irgendwas von Nachtschicht gesagt. Jack hatte nichts gehört. Nach der Schlägerei von gestern hatten wohl sämtliche empyrianischen Engel inklusive dem vollständigen Pantheon der Heiligen seinen Schlaf gesegnet...

Er strubbelte seine Haare in das, was er für eine präsentable Form hielt, und machte sich auf den Weg zur Küchenzeile. Kaffee. Guuut.
Als die Maschine zwei Tassen ausgespuckt hatte, sah er nach Shawn und stellte fest, dass seine Koje unberührt war. Jacks Augenbrauen rutschten nach oben. Hatte er eine Doppelschicht eingelegt?
"Na toll, dann hätte ich auch in deinem Bett schafen können", raunzte er und nippte an seinem Kaffee. Wahrscheinlich wollte Shawn ihm aus dem Weg gehen und zog es vor, die Nacht auf seiner geliebten Brücke zu verbringen, ehe ihn sein dämlicher Bruder wieder in Schwierigkeiten brachte. Jack verzog die Lippen und schnaubte verächtlich. Bitte. Wenn er es so haben wollte.
Er leerte den Kaffee, ließ den zweiten Becher auf der Anrichte stehen und packte seine Sachen in den Seesack.
Seine Tasche fehlte, und ihm fiel siedendheiß ein, dass sie, sammt Inhalt, wohl noch in der Sicherheitszentrale lag. Oder bei Shawn. Verflucht.

Nun, es half nichts. Jack warf sich den Seesack über die Schulter und machte sich auf den Weg. Erst mal nach Niz und ihrem einsilbigen Begleiter sehen. Frühstück. Dann ihre Sachen holen. Und dann – seine Miene erhellte sich. Mit einem verschmitzten Grinsen stieg er in den Aufzug und gab das Ziel ein.
Dann Commander Lindsey treffen, ihr das Artefakt verkaufen und auf ihrem Schiff anheuern.

Na, wenn das mal kein Plan war.   
Titel: [Tag 3] Morgens in den Unterkünften
Beitrag von: Denize Noy am 21.05.2005 | 13:39
Gildenquartiere. Monn und Denize.

„Guten Morgen.“ Denize wiederholte die Geste im Gesicht des Ukar. Das Ritual beruhigte die Nerven, sagte ihr, dass alles in Ordnung war, und brachte sie allmorgendlich zum Grinsen. Erinnerungen an die ersten Missverständnisse. Mittlerweile war sie der Meinung, dass es klüger war, sich die Hand abzubeißen, als überstürzt auf Alienverhalten zu reagieren. 

„Kaffee klingt sehr verlockend, junger Mann. Aber eine Dusche wäre erstmal viel verlockender. Würdest du mir eine Ration Wasser verkaufen?“
Der Kleine nickte geschäftstüchtig. Klar, so machte man sich unter Bazaar-Kindern Freunde.
„Du siehst auch ganz schön fertig aus, Miss.“
-„Danke, das war genau das, was ich hören wollte.“
„Seid ihr Scraver? Ihr seht aus wie welche.“
-„Ja.“
„Cool. Habt ihr schon viele Raumschiffe überfallen?“
-„Das is der Job von Piraten, nicht von Scravern. Wer setzt dir solche Flöhe ins Ohr?“
„Mein Papa. Mein Papa lügt nie.“
-„Lobenswert. Wie heißt du?“
„Roger. Wie Piraten seht ihr auch aus.“
-„Nein. Wir haben keine Waffen. Ich bin Denize Noy.“
„Angenehm. Trotzdem...“
-„Wir haben keine Plappervögel auf der Schulter. Und keine Augenklappen. Wobei...das wär ne richtig gute Idee.“
„Ich kann dir eine verkaufen.“
-„Ne Augenklappe?“
„Japp.“
-„Her damit. Tut scheißweh.Vielleicht beruhigt’s etwas.“
„Scheiße darf man nich sagen.“
-„Bitte vielmals um Verzweiflung.“
„Hä?“
-„Schon gut. Mach das Schott zu, Roger. Ich kann alleine duschen.“

Der Inbegriff eines Bazaar-Görs. Beschwingt sang sie das Lied vom Piratenkönig, während die feinen Düsenstrahlen Dreck und alkoholbedingte Kopfschmerzen davon spülten. Der schmutzstarrende Haufen Kleidung am Boden hatte mit einem Mal etwas Grauenerregendes. 
Neeein. Heute darf es Feiertagskleidung sein.
Fröhlich malte sie sich angesichts ihres verwegen anmutenden Spiegelbildes aus, wie Chief Brad um Gnade winselnd vor ihr kroch, weil er sie für einen ominösen Auftrag von dem lukrativen Job auf Medoc abgezogen hatte. Ja, das klang gut.

Kurze Zeit später lehnte sie lässig im Eingang des Koch-Ess-Wohnzimmers, um sich dem kritischen Blick des Naseweis zu stellen, der dazu übergegangen war, Monn Löcher in den Bauch zu fragen.
„Na, is das repräsentabel?“

Ihr Ersatz- und Kirchgangsoutfit bestand aus einem hochgeschlossenen braunen Gouvernantenkleid, zu dem ein passender langer Umhang und ein breitkrempiger Hut gehörten. Biedere Bürgerinnenkleidung, hergestellt aus  gut isolierendem und schmutzabweisendem Leminlinon. In Verbindung mit der Augenklappe erhielt der ganze Aufzug einen Touch von Abenteuer, der ihr immer daran gefehlt hatte.
Titel: [Tag 3] Morgens in den Unterkünften
Beitrag von: Jack Hawkins am 23.05.2005 | 19:54
Der Aufzug entließ Jack auf einem mittleren Deck der Arkaden. Nicht die Route, die er geplant hatte, aber eine Laufsschrift im Inneren der Kapsel hatte darauf hingewiesen, dass die unteren Ebenen von Sektor B zur Zeit nur über die Nebenschächte zu erreichen waren.
Also ein kleiner Umweg. Nicht der Rede wert.
Der Kaffee hatte seine Lebensgeister geweckt, und nach ein paar Tabletten gaben auch der schmerzende Kiefer und die Rippen Ruhe.
Es war noch früh, zu früh für das verabredete Treffen im Coffee Garden. Trotzdem – vielleicht waren Niz und Monn schon wach, und er konnte sie ja auch abholen.
Wohlgelaunt schlenderte er in Richtung des Portals von dem ein breiter Korridor in den B-Sektor hinein führte.

Von Fernem bemerkte er, dass sich mehr Menschen als sonst vor den Hauptaufzugsschächten jenseits des Portals drängten. Ein zweiter Schacht war ausgefallen. Jack lenkte seine Schritte zum Rand der Plattform und blickte über das Geländer nach unten, neugierig ob sich die Ursache für den Defekt ausmachen ließ.

Die Ebenen des Handelssektors reihten sich in Ovalen abwärts, wie das Herz eines Bienenstocks, und nicht weniger betriebsam. Im Zentrum schwebten einige Fassadengroße Reklametafeln träge in einem Antigravitationsstrahl, die beeindruckenste natürlich die des Imperiums auf der das strenge Gesicht des Imprators dazu aufrief, sich den Truppen an der Symbiotenfront anzuschließen.
Warme, verbrauchte Luft blies Jack von unten ins Gesicht, wurde von den gewaltigen Venitlationsanlagen hoch über ihm emporgesogen und dem Wiederverwertungsprozess zugeführt. Die bunten Punkte, die wie Ameisen auf den Plattformen hin und her wuselten, wurden überschwemmt von braunen und grauen Punkten – Pilger, die in breiten Bahnen zu oder von den Hangaren her strömten. Ein vertrautes Bild.
Nur weit unten sah er etwas Tumult. Leute von der Stationssicherheit hatten einen Teil der Ebene abgesperrt. Jack zündete sich eine Zigarette an und sah sich die Szene eine Weile an, stieß sich dann aber vom Geländer ab und ging weiter.
Sollte in der Nacht irgend etwas spannendes vorgefallen sein, würde er es spätestens von Shawn erfahren. Er wusste ja immer, was auf seiner Station vor sich ging. Jack zog die Lippen zu einem zynischen Grinsen zurück und trat unter dem Portal hindurch in den B-Korridor.     

Zu Fuß dauerte es länger, als gedacht, aber schließlich erreichte Jack das Schott mit der Quartiersbezeichnung B-84-213 und drückte seine Hand flach auf den Türsummer. Augenblicke später öffnete sich das Schott und das schmale Gesicht von Jennah, der zweitältesten Tochter der Picketts, erschien in der Öffnung – gefolgt von einer wohlriechenden Wolke frisch gebrühten Kaffees.
Titel: [Tag 3] Morgens in den Unterkünften
Beitrag von: Azzu am 24.05.2005 | 20:51
(Monn)

Auf einmal wirkte das Quartier sehr belebt. Von der einen Seite das Geräusch prasselnden Wassers, gedämpft durch das Schott zum Nassbereich. Von der anderen, wohl aus der Küche, das Rumoren eines Mahlwerks, gefolgt von dem Geruch von frisch zermahlenen Kaffeebohnen. Ein typisch menschlicher Geruch. Mwerron mochte ihn trotzdem. Mehrere Jahre in einem Ausgrabungscamp der Scravers hatte ihn gelehrt, das Getränk zu schätzen. Und die damit verbundenen Rituale. Für die Menschwesen schien Kaffee beinahe heilig zu sein.

Aus einem weiteren Durchgang drang Kinderlachen. Die Geschwister des blauäugigen Menschlings. Nachdem sich das Schott hinter Denize geschlossen hatte, konzentrierte dieser sich nun wieder auf den Ur Ukar. "Und wie heißt du?"

"Mwerron."

"Was?"

"Mwerron."

"Mm-wr-onn. Du hat ganz schwarze Augen! Bist du blind?"

Nein, er war nicht blind. Aber auf Kordeth gab es kaum Licht, um zu sehen. Warum? Weil sein Volk unter der Erde lebte. Warum? Weil die Luft an der Oberfläche giftig war. Nein, die Ukari würden dort nicht weggehen. Die Götter hatten Kordeth für sei ausgesucht. Doch, sein Volk glaubte an mehr als nur einen Gott. Aber Anikrunta der Einäugige war der Stärkste unter allen Göttern.

Der Wissensdurst der Roger-Kreatur schien unerschöpflich. Mwerron antwortete geduldig. Überrascht, dass es ihm Freude machte, zu erzählen. So viele Worte in der Aerdensprache hatte er nicht mehr gesprochen, seit Niz das Uryari fließend zu beherrschen begonnen hatte. Aber es war genug! Einem Menschenkind von den Kadani zu erzählen, würde Ärger bedeuten. Ärger mit Menschenpriestern. Ein vages Gefühl von Verlust stach plötzlich in seiner Brust. Schmerzhaft. Dies war nicht sein Zuhause. 

Denize kam zurück, erlöste ihn vor weiteren Fragen des Menschlings. "Re-prä-häh?" krähte der Kleine, während er sie mit großen Augen beieindruckt anstarrte.

Mwerron tat es ihm gleich. Schweigend. Zunächst. Dann murmelte er, "In ihrer Schönheit Strahlen verblassten selbst Velisamils prächtigster Blumen Blüten, und finstere Nacht wurde zum Tag, aber ihre Augen brannten mit feurigen Stolz, wie im Herzen ihn nur Krieger tragen tragen." Ein Zitat aus der tragischen Geschichte um Paa Han Venel und Shinistraku. Teil der Noddavitya. Etwas verunstaltet leider durch die Übersetzung in die Menschensprache, aber es schien ihm trotzdem passend. Und es war der einzige ihm bekannte Grund, warum sein Volk Worte für Blumen und Blüten kannte.

Er verzog seine blassen Lippen zu einer Grimasse, die ein verlegenes Grinsen darstellen mochte. Setzte an, noch etwas zu sagen. Doch ein duchdringender Summton schnitt ihm das Wort ab. Das Türsignal. Die Finger des Ur Ukar schlossen sich instinktiv um den Griff des Springmessers, das sich die ganze Zeit über unbewusst in seiner Hand befunden hatte.
Titel: [Tag 3] Morgens in den Unterkünften
Beitrag von: Jack Hawkins am 28.05.2005 | 19:43
Quartier der Picketts

Jennah ging vor und er folgte ihr in die vertraute Enge des Standardquartiers. Es war immer wieder überraschend, wie weit sich der Begriff "ausgelegt für zwei Personen" dehnen ließ. Seit Jack denken konnte, lebten die Picketts in diesen vier Wänden, sechs Personen, auf engstem Raum. Aber obwohl jeder Quadratzentimeter des Quartiers für irgend etwas genutzt wurde, zweckdienlich umgebaut oder vollgestellt war, hatte er sich hier nie beengt gefühlt. Hier war ein Heim – vielleicht nicht sein eigenes, doch etwas davon färbte unweigerlich auf ihn ab, jedesmal wenn er durch das Schott trat.

Suzannah war nich daheim; natürlich, sie arbeitete in der Morgenschicht, genau wie ihr Mann David. Sie in den Hydroponik-Anlagen, er an der Frachtschleuse.
Jennah passte auf ihre jüngeren Geschwister auf, während ihre älteste Schwester sicherlich auch schon irgendwo unterwegs war, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Jack erinnerte sich, dass es immer ihr Wunsch gewesen war, eines Tages zu den SGilden zu gehen. Ob etwas daraus geworden war?

Unter einem Bogen Einmachgläser, die in einem komplizierten Geflecht von Schnüren, Rollen und Winden an der Decke befestigt waren, tauchte er hindurch in den Koch-Ess-Wohnbereich des Quartiers.
Niz wartete dort bereits und sah völlig ungewohnt aus. Ein Kleid? Ein Kleid. Es floss wie eine zweite Haut über ihren schlanken, sehnigen Körper, ließ sie auf einmal viel größer, strenger, wirken. Dazu, unpassend und doch auf eine merkwürdige Art richtig, der Hut und die Augenklappe. Er stieß ein kleines Pfeifen zwischen den Zähnen hervor. Dann sah er Monn und ließ es dabei bewenden.

"Jaaack!" krähte Roger vergnügt und schlang seine dünnen Arme um den Sternfahrer. Jack wuschelte mit einem Grinsen durch den Haarschopf des Jungen.
"Morgen allerseits. Ich wollt euch zum Frühstück abholen, aber wie ich sehe seid ihr schon bestens bedient."
Titel: [Tag 3] Arkaden
Beitrag von: Enkidi Li Halan (N.A.) am 28.05.2005 | 22:59
Als Enkidi erwachte, krallten sich seine Finger noch immer in die Gitterplatten.
Die Dunkelheit, und alles, was sie enthielt, zog sich zurück wie ein Tier, das das Licht des Tages fürchtet. Nur die Kälte blieb.

Eine Weile starrte er einfach nur auf das Metall vor sich und seine weißen, verkrampften Finger und hoffte, dass es vorbei war.
Er lag auf dem Boden, auf eiskaltem Stahl. Sein Atem ging flach und schnell, wie nach einem kilometerlangen Dauerlauf, und da war
noch ein Rest körperloser Panik, die aber mit jeder Sekunde, in der er den Raum um sich klarer wahrnahm, dahinschmolz und
schließlich versiegte.
Es war still. Er wusste nicht warum, aber er war dankbar dafür.

Ein kühlen Luftzug strich über seinen nackten Oberkörper. Das massive Stahlschott des Frachtraumes stand offen. Eine Anzeige flackerte in grünem Licht.
Die Ewigkeit und acht Stunden waren vergangen.

Er setzte sich auf, unendlich langsam und vorsichtig, wie ein Insekt, dass schwach und verletzlich aus seinem Kokon kroch und erst unter dem Licht der Sonne zu seiner endgültigen Gestalt aushärtete. Kein Schmerz. Nur unendliche Schwere und Erschöpfung.
Er sah an sich herunter. Da war Blut, eingetrocknet, auf seiner Brust, seinen Armen, auf dem Boden. Lag als metallischer Nachhall in seinem Mund.

Er erinnerte sich vage an Blut, das eine andere Farbe gehabt hatt, und begann zu zittern. Panik blitzte in ihm auf, ein Nachbeben, das kaum dass er es bewusst wahrnahm, auch schon wieder verebbte. Plötzlich war ihm dieser kalte, tote Raum, in den er sich selbst gesperrt hatte, unerträglich.

Er zog sich hoch, schleppte sich aus dem Frachtraum nach oben, zwei schmale Leitern empor, wusch sich in seinem Quartier und streifte sich erneut eine grobe Leinenrobe über. Seine Bewegungen waren langsam, mechanisch, als hätten Geist und Körper noch nicht ganz zusammen gefunden.
Er fragte sich, ob er wirklich schon wach war.
Es gab diesen Test, der Kindern einfiel – sich in den Arm kneifen, damit der Schmerz bewies, dass man wach war.
Aber was half einem das, wenn auch die Träume voller Schmerz waren.

Er saß eine Weile reglos auf der Kante seiner Schlafpritsche und betrachtete seine Hände. Die Linien und Furchen, Täler und Hügel.
In der Linken deutlich, in der rechten von aufgeworfenem Gewebe entstellt. Das Elixir hatte in der Nacht gearbeitet, unabhängig von allem, was geschehen sein mochte. Die Wunde war versiegelt und mit neuer, frischer Haut überzogen. Es kribbelte, aber das Brennen, der grelle Schmerz, waren fort.
Er musste wach sein. Es war Zeit vergangen.

Enkidi erhob sich und verließ das Schiff, ohne Richtung. Es fiel ihm schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Ein Bild kam ihm in den Sinn; von einem Gefäß, in dem eine silberne Flüssigkeit schwappte, und das waren alle Gedanken die er je gedacht hatte und denken würde. Und nun war sie leer, ausgeschüttet, oder zerbrochen – etwas hatte sie verzehrt.

Eine Stimme. Ein Gesicht. Es verzehrte. Darum exisiterte es.

Menschen. Plötzlich waren Menschen um ihn herum. Und Lärm. Stimmen. Rufen, Lachen. Jemand, der sich bei einem anderen jemand beschwerte. Er war auf den Arkaden. Das wummernde, pumpende Herz der Station, und er trieb zwischen den Menschen wie in einem warmen Strom.
Jemand rempelte ihn unsanft an und ein Mann mit dünnen Lippen und buschigen Brauen schimpfte ihm entgegen. Der Mann wusste nicht, wer da vor ihm stand, wieviele Welten zwischen dem einfachen Pilger und dem Adligen in der Robe eines Pilgers lagen.
Aber das war egal. Es war ein Mensch, und er war von Menschen umgeben. Enkidi spürte ihre Wärme, ihre Atemzüge, wusste, dass das Blut in ihren Adern rot war und lebendig und real. Sie hatten eine Form, die vertraut war, und nicht dem Alptraum entsprang. Man konnte sie berühren und erfassen. Ihre Stimmen hören, nicht fühlen.

Dies war real. Das andere nicht.

Er war dem Mann dankbar, und war drauf und dran, ihm das zu sagen, aber er war schon wieder in der Masse verschwunden. Andere rempelten in an, der Menschenstrom war dicht, sie strebten auf ein Ziel zu, dass Enkidi nicht erkennen konnte. Es war ihm gleich. Er genoß es, unter ihnen zu sein. Anonym und gesichtslos, ein Mensch unter vielen. Jemand, den niemand beachtete.

Auf den kein Auge fiel.

Schließlich stand er vor einem Portal. Einem hohen Bogen, dessen Ränder von roten Leuchtstoffröhren abgegrenzt wurden. Dahinter lag der Geruch von Kaffee, Joloba und frisch gebackenem Brot. Er trat ein.


 
Titel: [Tag 3] Morgens in den Unterkünften
Beitrag von: Azzu am 29.05.2005 | 11:52
(Monn)

Quartier der Picketts

Ein weiteres Menschenkind. Weiblich. Älter als die kleine Roger-Kreatur neben ihm. Huschte an ihnen vorbei, auf das Eingangsschott zu. Würde gleich öffnen. Mit zwei katzenhaften Schritten positionierte Mwerron sich schützend an Denizes rechter Seite. Der jetzt blinden Seite. Niz hatte kaum Erfahrung mit Blindkampf.

"Jaaack!" Der kleine Menschling stürzte auf den Neuankömmling zu. Das Jack-Wesen. Niemand hinter ihm. Still aufseufzend, ein kaum hörbarer Zischlaut, dann entspannte sich der Ur Ukar. Keine Gefahr. Aber auch keine Zeit mehr, alleine mit Niz zu sprechen. Der verfluchte Schichtdienst der Sternfahrer! Frühes Aufstehen lag den Piloten im Blut. Ohne hinzublicken, klappte Mwerron mit schlanken Fingern die Klinge des Springmessers ein und ließ es unauffällig in einer Hosentasche verschwinden.
Titel: [Tag 3] Morgens in den Unterkünften
Beitrag von: Denize Noy am 31.05.2005 | 00:44
Der poetische Anfall überraschte Denize. Gerade wollte sich Verlegenheit in ihr breit machen, da schob der Ukar ein spöttisches Lächeln hinterher. Dem Herrn sei Dank, er hatte nicht den Verstand verloren. Sie verzog einen Mundwinkel  zu einem halben Grinsen und setzte Zynismus gegen Spott ein. Schnurrte ihn an.
„Hast du davon noch mehr auf Lager? Mein Ego dürstet danach.“

Die Antwort blieb Monn ihr dank Hawkins schuldig. Der hatte auch schon mal frischer ausgesehen, schien sich daran jedoch wenig zu stören. Sein fröhlicher Auftritt ließ sie hoffen, dass dieser Tag für sie alle besser laufen würde, als der vorherige. Dass eine Unterhaltung über das Ding in seiner Tasche heute wesentlich produktiver sein würde, als die gestrige.
Nur die Sache mit der eingeschränkten Sicht  musste sie noch in den Griff kriegen. Als sie einen Schritt in den Raum gemacht hatte, war sie mit dem Hut gegen einige hängende Gläser gestoßen. Und als ein leises Klicken hinter ihr den Schluss nahelegte, dass sie schon wieder eines getroffen hatte, fand sie sich beim Umdrehen auf einmal Auge in Auge mit dem Ukar. Sie hatte nicht mal mitbekommen, wie er sich bewegt hatte.

Jennah drückte jedem von ihnen eine Kaffeetasse in die Hand und nötigte sie, sich um die schmale Tischplatte zu drängen, die sie bis Anschlag aus der Wand gezogen hatte.

„Oh bitte, darf ich,“ rief Niz als sich das Mädchen anschickte, ihre jüngste Schwester vom Boden einzusammeln und ihr mit einem kleinen Löffel Brei in den Rachen zu schieben. Dankbar übergab Jennah das glucksende Bündel der Fremden, die sich dem Füttern mit viel mehr Hingabe widmete, als ihrem Kaffee.

„Aber mach dir keine Mühe mit Essen für uns, Jennah. Wir wollten im Coffee Garden frühstücken. Ihr habt Euch genug aufgebürdet.“
Sie hatte nun mal beschlossen, heute ihren großzügigen Tag einzulegen und ihre beiden ungleichen Freunde einzuladen, selbst wenn das im CG hieß, dass sie das Geld dort lassen würde, dass sie sonst für drei Wochen Proviant veranschlagte. Außerdem fühlte sie sich Mwerron gegenüber verpflichtet, die Sightseeing-Tour über die Station weiterzuführen und zu beweisen, dass der alte Schrotthaufen auch schöne Plätze barg. Welchen schöneren sollte sie da finden, als den Garten? Den Garten. Den grünsten Ort der gesamten Raumstation. Stolz von Bazaar, der das teuerste Café beherbergte, dass Denize von innen kannte.  Ein Areal, so groß, dass man den Eindruck bekommen konnte, in einem echten Park einer Planetenstadt herumzuspazieren. Ganze zwei Standardminuten von einem Ende zum anderen mit frischester Luft und ohne Anblick von Stahl. Vorausgesetzt, der Blick wanderte nicht nach oben.
Titel: [Tag 3] Morgens in den Unterkünften
Beitrag von: Elisabeth Hawkwood am 31.05.2005 | 14:25
Nachdenklich blickte sie auf ihr eigenes Briefsiegel. Das verschlungene Hauswappen erinnerte sie unwillkuerlich immer an den Schreibtisch ihres Vaters. nun wuerde ihr Bruder dort sitzen, wenn er ihren Brief bekam.

Wird er tun, worum ich ihn gebeten habe? Tun können, das ist wohl die bessere Frage. Egal wie er sich entscheidet und was er ausrichten kann oder nicht, so werde ich noch mindestens zwei Monate hierbleiben muessen. Wenn die Felizitas in der Zeit schon fertig ist, dann muß ich mir eine gute Ausrede einfallen lassen. Auch fuer meine eigenen Leute. Sophia muß auch nicht unbedingt davon erfahren. Wer weiß wie sich in einem echten Loyalitätskonflikt entscheidet, das möchte ich nicht wirklich ausprobieren, es steht zuviel auf dem Spiel. Und ich hoffe wirklich mein liebes Bruderherz erinnert sich an den Code... . Das Allerschlimmste ist ja eigentlich, daß ich mich selber in diese Situation gebracht habe. aber es ist natuerlich einfacher auf Propaganda zu hören, als selber Nachforschungen anzustellen. Und wer stellt schon die Ziele des Hauses in Frage. noch ein Grund mehr, aus dem mein Entschluß nicht verkehrt ist... .

Schliesslich riß sie sich los, die Nacht war vorbei, im Moment konnte sie nicht mehr tun. sie legte den Brief zur Seite, schrieb eine kurze Einladung an die Baroneß Justinian zum Dinner, dann klingelte sie nach einem Diener, drueckte ihm die beiden Briefe in die Hand, bestellte sich ihr Fruehstueck und ließ Lisa kommen.
Titel: [Tag 3] Morgens in den Unterkünften
Beitrag von: Azzu am 31.05.2005 | 21:10
(Monn)

Quartier der Picketts


Die sehnigen Arme vor der narbigen Brust verschränkt, wunderte sich Mwerron, was Denize gemeint haben mochte. Mehr auf Lager? Dürstendes Ego? Nicht die Reaktion, die auf ein Kompliment erwartet hätte. Hatte er sie beleidigt? Schon wieder! Oder hatte Niz wirklich gemeint, was sie sagte?

Das Zitat aus der Noddavitya jedenfalls war noch nicht zu Ende. Auf den knappen Lobgesang auf Shinistrakus Anblick würde nun eine längere Beschreibung folgen, wie ihr Körper sich dem Tastsinn darstellte. Im Original. Die Übersetzung in die Aerdensprache hatte die Stelle mangels ausreichenden Wortschatzes auf einen einzigen Nebensatz reduziert. Anders als die Ukari gaben die Menschwesen sich mit visuellen Eindrücken zufrieden. Mwerron stutzte für einen Moment. Warum hatte er, der Ukar, sich dann von Denizes bloßem Anblick so beeindrucken lassen? Verließ auch er sich zu sehr auf seine Augen, nach all den Jahren auf der Oberfläche fremder Welten?

Den Gedanken abschüttelnd, folgte er Denize und der Jack-Kreatur in den Küchenbereich des Quartiers. Allmorgendliches Kaffeeritual. Der Sternfahrer erhielt zur Begrüßung nur ein kurzes Nicken. Mwerron hatte für's Erste genug von der Menschensprache. Der kleine Menschling Roger redete ohnehin schon genug. Berichtete dem Jack-Wesen lauthals alles, was er gerade über die Ur Ukar erfahren hatte. Nichts über die Kadani, zum Glück.

Mwerron erstarre, die schwarzen Augen auf die Feuerwaffe des Sternfahrers fixiert. Verfluchte sich innerlich.

Warum war er gerade vom Eingangsschott zurückgewichen? Ein Angreifer mit Schusswaffe hätte Niz und ihn ohne Weiters töten können. Die richtige Position wäre direkt neben dem Schott gewesen. Lauernd. Statt dessen hatte er sich vor Denize gestellt wie eine Raubtiermutter vor ihre Kinder, auf den tödlichen Schuss geradezu wartend. Unverzeihlich. Die Stärke der Ukari beruhte darauf, dass jeder kämpfte, jeder für jeden. Jeder jedem zugestand, Risiken einzugehen.

Mit wachsender Irritation beobachtete er die Bewegungen der dicht gedrängten Menschwesen um sich herum, die schmalen Lippen fest aufeinander grepresst. So sorglos. So unbeholfen. Er war im Begriff, den Instinkt des Kriegers zu verlieren, hatte ihn zu lange verleugnet. Würde werden wie sie.

Nein.
Titel: [Tag 3] Morgens in den Unterkünften
Beitrag von: Jack Hawkins am 1.06.2005 | 21:43
Jack dankte Jennah und versprach, gegen Abend noch einmal vorbei zu sehen. Sie leerten ihre Kaffeetassen und zogen los Richtung Coffee Garden.
Er musterte Niz und Monn, fuhr sich über die kurzen Haarstoppeln im Nacken und gähnte dann ausgiebig. 
"Und, wie war der Rest der Nacht, hm? Gut geschlafen?"

"Ja, auch gut. Eine Couch ist eben doch etwas anders, als eine Pritsche in einem Mannschaftsschlafraum." Er lachte, aber mehr zu sich selbst als zu Niz und Monn. Nein, für's erste hatte er genug vom interstellaren Schrotthandel. Schiffe wie die Hammond würden bis auf weiteres auf Jack Hawkins verzichten müssen – er hatte größeres im Sinn. Co-Pilot auf einem Schiff wie der Azara. Als würde man von einem Tanker auf eine Yacht befördert. L-U-X-U-S.
Er grinste verträumt, und das Grinsen hielt sich den gesamten Weg vom Wohnsektor bis zu den Arkaden.

Jack mied den Engpass der großen Personenaufzüge und wählte gleich den Fußweg durch die Eingeweide der Station. Schließlich erreichten sie das Deck, an das das Coffee Garden angrenzte.




» Ortswechsel zu Sektor A (http://tanelorn.net/index.php?topic=17635.msg375093#msg375093)
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Jack Hawkins am 1.06.2005 | 21:44
Vor dem Coffee Garden

Die Anlage war in der Tat aussergewöhnlich. Sie war eine der Verbingungen zwischen den Arkaden und dem Vergnügungsviertel, aber nicht jeder durfte hier passieren. Auch auf einem Planeten gehörten Parks und Gärten nicht jedermann, aber hier oben, zwischen den Sternen und eingebettet in einen Mantel aus Stahl und Ceraplast, war die grüne Oase erst recht nur den Reichen vorbehalten.
Jack war in seinem gesamten Leben hier auf der Station vielleicht zwei- oder dreimal im Garden gewesen, zu den wenigen ganz besonderen Ereignissen, die es in seinem Leben bisher zu feiern gegeben hatte. Der Brief mit der Zulassung zur Akademie, beispielsweise. Jahre waren seither ins Land gegangen.

Heute war eigentlich kein besonderer Tag, aber Niz hatte darauf bestanden, hier zu frühstücken. Und so lange sie zahlte, würde er sich nicht beschweren. Sie schritten durch ein erleuchtetes Portal, über dem in geschwungenen Neonlettern "Coffee Garden" strahlte, und wurden sogleich von einem spargeldünnen Ober in einem akkurat sitzenden Anzug empfangen.

Hinter ihm öffnete sich in einem grünen Oval die Illusion von Natur – von Menschenhand geformt und in eine gefällige Form gebändigt, aber nichts desto trotz Natur. Büsche, kleine Rasenflächen, Hecken, die die sandgestreuten Wege säumten. Sogar eine kleine Gruppe Bäume im Zentrum des Areals, Blumenbeete, in denen sich bizarre Blüten entfalteten, eine prachtvoller als die andere. Wie Inseln lagen Tischgruppen im Grün, zwischen denen Gäste auf einem wohlüberlegten Wegenetz flanierten. Ab und an, wenn sich ein Gast zu tief zu den Blumen oder über die Sträucher neigte, blitzte für einen Sekundenbruchteil ein Kraftfeld auf, das das kostbare Grün darunter schützte. Schon allein die Energie, die benötigt wurde, die Felder aufrechtzuerhalten, musste den Besitzer des Coffee Gardens Unsummen kosten.

Entsprechend war das Publikum. "Wohlbetucht" war das Stichwort, und die Gäste erweckten den Eindruck, als zögen sie es vor, unter sich zu bleiben. Der Ober schien sich das zu Herzen zu nehmen.
Er musterte die Gruppe vor sich prüfend, unter halb geschlossenen Augenlidern. Seine rechte Augenbraue zuckte leicht, als sein Blick von Niz, an deren Gestalt wohl wenig auszusetzten war, zu Jack und vor allem Monn wanderte.
"Kann ich Ihnen helfen?" fragte er mit blasierter Stimme in die Runde.
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Azzu am 2.06.2005 | 00:55
(Mwerron, von Sektor B zu Sektor A)

Schweigend schnürte Mwerron seine Stiefel, während sich Niz und die Jack-Kreatur noch mit den Kindern des Suzannah-Wesens unterhielten. Die weiche Galisp-Masse auf der Innenseite des gehärteten Pada-Leders schloss sich schmatzend um seine Füße, absorbierte und neutralisierte den Schweiß der Nacht. Lebende Kleidung. Effizienter, als im All teures Wasser zum Duschen zu verschwenden.

Draußen auf dem Korridor wimmelte es von Menschwesen. Hektisches Treiben in grellem Licht. Abstoßend. Reflexartig holte der Ur Ukar die getönte Brille aus einer Jackentasche. Einer spontanen Eingebung folgend, verstellte er einen Schalter an einem der Bügel, als er sie aufsetzte. Die Brillengläser verdunkelten sich langsam, wurden undurchsichtig. Finsternis umfing ihn. Zeit, lange vernachlässigte Instinkte zu schärfen.

Er konzentrierte sich auf den Rythmus von Denizes Schritten inmitten des klingenden Donnerns dutzender menschlicher Füße, folgte dem Geräusch. Drei Schritte weit. Eine knochige Schulter traf ihn am Brustkorb, begleitet von Flüchen in einen seltsamen Dialekt der Aerdensprache. Noch ein Schritt, ein weiterer Rempler. "Monn?" Denizes Stimme, weiter entfernt jetzt. Mwerrons Gesicht verzerrte sich in einem stillen, resignierenden Fluch. Aussichtslos, inmitten der trampelnden Masse von Menschwesen!

Nein.

Keine einfache Aufgabe. Aber lösbar. Das Talent dazu, er hatte es. Zu lange verleugnet.

Kein Versteckspiel mehr.

Das Vibrieren des Bodens unter seinen Füßen, er konnte es spüren, durch die weichen Sohlen seiner Stiefel hindurch. Er musste nur seine Gedanken öffnen, um es zu fühlen. Die ganze Station um ihn herum bewegte sich, rotierte um sich selbst. Während das Metall der Wände leise seinen Protest gegen den unerbittlichen Zahn der Zeit ächzte, dröhnten die Laufgitter unter den Schritten der Passanten, gemeinsam mit dem Summen abgenutzter Fusionsleuchten und dem Rauschen der Belüftung das ab- und anschwellende Konzet menschlicher Stimmen untermalend. Die gefilterte Luft schal und trocken, in leichter Bewegung durch die Ventilatoren, durchsetzt von Gerüchen nach Seife, Parfums und Ölen, und dem allgegenwärtigen Schweißgeruch derer, die sich die teuren Duschen nicht leisten wollten.

Mwerron spürte einen Windhauch, wich dem herannahenden Menschwesen aus. Seine scharf geschnittene Nase zuckte, als er die Luft einsog, nach bestimmten Gerüchen suchend. Denizes Duft, das Parfum, das sie nur zu Feiertagen verwendete. Die Zigarettenmarke des Sternfahrers. Mit den Fingerspitzen die Wand entlang tastend, bewegte er sich vorwärts, holte auf. Hörte bald wieder ihre Stimmen vor sich. Die Passanten traten nun von sich aus zur Seite, spürten das Raubtier herannahen, wichen zurück. Er konnte ihre Furcht riechen.

Willkommen zurück, schien seine Seele zu flüstern. Er lächelte.

Der Geruch von Kaffee verriet, dass das Ziel fast erreicht war. Dutzende verschiedene Sorten, die sich mit den vielfältigen Gerüchen der Arkaden und ihrer morgendlichen Besucher mischten. Hohe Luftfeuchtigkeit... Wärme... viele Pflanzen. Genug der Spielerei jetzt. Die Sonnenbrille verschwand wieder in ihrer Tasche.

Ein Garten. Wahrhaftig. Mit großen Augen sah er sich um. Beeindruckt von der unermesslichen Verschwendung von Energie, die es kosten musste, die aerdischen Pflanzen hier am Leben zu halten. Farne und Pilze hätten weit weniger Ansprüche an ihre Umgebung gestellt, manche sogar noch Licht gespendet. Trotzdem. Hier, mitten in den Weiten des Alls ein erstaunliches Bild. Das sie zweifellos würden teuer bezahlen müssen. Aber Geld kümmerte ihn derzeit nicht.

Er erwiderte den abschätzigen Blick der menschlichen Bedienung mit einem breiten, verächtlichen Grinsen und zog den Kragen seiner Jacke zurecht, den gut sichtbar das Symbol seiner Gilde zierte.

"Nett hier", murmelte er, zu niemandem im Speziellen.
Titel: [Tag 3] Morgens in den Unterkünften
Beitrag von: Megan am 5.06.2005 | 23:51
Quartier Megan Lindsey

Orange leuchtend schob sich Thetys vor das Panoramafenster und schickte seinen schwachen, warmen Schimmer über das glatte Laken. Ein Großteil des Raumes lag im Dunkeln, nur an der Wand neben der Schleuse blinkte konstant ein rotes Licht. Als Megan die Augen aufschlug fehlte ihr zunächst jede Orientierung. Es war ihr, als hätte sie sich seit Stunden keinen Millimeter bewegt. Ohne sich zu rühren starrte sie zu den metallenen Lamellen über ihr, dann wanderte der Blick hinaus zu dem Planeten, der dort wie eine überreife Frucht im Schwarz des Raumes hing - an diversen Stellen schon mit blaugrauen Druckstellen bedacht.
Wie ein zaghaftes Rinnsal strömten die Erinnerungen an den Vortag in ihr Gedächtnis. Enkidi - der Kossacke - Hawkins - die Azara - die Leiche - das Messer - Itaru - Enkidi. Enkidi! Mit einem Satz fuhr sie hoch. Sie hatte sich nicht mehr um ihn gekümmert. Wieviel Uhr mochte es sein? Der Blick auf den Raum unterdrückte den immitierten Tag-Nacht-Rhytmus der Station - sie konnte ihn sowieso nicht leiden.
Das Kunstlicht blendete sie selbst in gedimmter Stärke und sie hatte das merkwürdige Gefühl, noch immer zu träumen. Eilig huschte sie zum Schott und fand sich kurz danach vor Enkidis Tür wieder. Als er auf den Summer nicht reagierte tippte sie kurz entschlossen den Umgehungscode. Drinnen war alles leer und verlassen. Wenn er hier gewesen war, so waren schon Stunden vergangen. Irritiert sah sie sich nach einer Uhr um. Hatte sie so lange geschlafen? 9:00 Imperiale Standardzeit.
Darius, der ihr auf dem Gang begegnete erklärte ihr mit der üblichen verschlossenen Miene eines Li Halan Dieners, dass der Baron mitten in der Nacht kurz in seinem Quartier gewesen und seither sei. Sie schenkte ihm ein Stirnrunzeln mit einem versteckten Vorwurf im Blick, doch entweder er sah es nicht, oder ignorierte es geflissentlich. Wahrscheinlich spielte er ohnehin bereits mit dem Gedanken, um eine "Versetzung" zu bitten - ihr fiel ein, dass sie keine Ahnung hatte, wie das Verhältnis zwischen Diener und Herrn zustande kam.
Minuten später wanderte sie den langen Korridor hinab Richtung Kapelle. Bestimmt war er dort, nach den gestrigen Ereignissen würde er sein Heil wohl mal wieder vergeblich im Gebet suchen.
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Denize Noy am 6.06.2005 | 20:21
„Ja,“ entgegnete Niz. „Wir hätten gerne einen Tisch für drei Personen. Und wenn Sie Ihrem Chef mitteilen wollten, dass die Tochter von Masin Noy hier ist, wäre ich ebenfalls verbunden. Es könnte sein, dass er sich freut, mich zu sehen. Danke.“
   
Bla, bla, bla...

Bedingt durch ihre eingeschränkte Sicht hatte sie auf dem Weg zum CG einige Stöße und Rempler eingefangen. Erst ausserhalb des engen Quartiers wurde sie sich bewusst, wie schlecht sie auf einmal sah. Sehr unschön, das. In der Regel konnte sie sich auf ihre Augen von allen Sinnen am meisten verlassen. Skeptisch beobachtete sie sich selbst, wie sie dicht an Jacks Seite hing. Anhänglich wie ein Hündchen, bis sie vor dem Garten standen.
So hatte sie kaum Gelegenheit, sich ausreichend über Monns Verhalten zu wundern. Nachdem sie sich mehrmals umgedreht hatte, um festzustellen, ob er noch folgte, kam sie zu dem Schluss, dass er die Augen geschlossen hatte. Vielleicht, um mit seinen Gedanken allein zu sein.

Er ist aber nicht eifersüchtig, oder? Doch nicht auf Jack? Kaum ist er mal fünf Minuten aus sich rausgegangen, schon macht er wieder dicht.

Der Ober musste ein Stück zu ihr aufsehen. Der Tisch, an den er das Trio führte, war an drei Seiten von hohem Schilf umgeben und gab an einer den Blick auf „den Teich“ frei. Eine bessere Pfütze, über deren Einzigartigkeit auf der Station die Gärtner eifersüchtig wachten. „Gärtner“ war auf Bazaar Synonym für Erfolg und Ansehen. „Gärtner“ bedeutete, nur ganz knapp unter dem Adel zu rangieren. Es kursierten Gerüchte, dass schon mehr als ein Mord hier als Motiv eine freie Stelle in der zwanzig Mann starken Riege der Grünzeugpfleger und Rasenschnipsler hatte. Schauergeschichten, was mit denen geschah, die versuchten, Samen oder gar ausgewachsene Pflanzen illegal unter die Leute zu bringen, rundeten das Bild ab. An Arroganz waren die „20 Grünen“ kaum zu übertreffen. 
Ob sie sehr eifersüchtig, auf private Pflanzenzüchter wie Suzannah waren? Es sollten ja angeblich schon Quartiere verwüstet worden sein...

Nachdem sie Roger vor Jennahs Augen grinsend den mehrfachen Wert des Wassers gezahlt hatte, war ihr Gewissen gegenüber ihren Gastgebern beruhigt. Suzannahs Mann würde den Wink verstehen. Vielleicht war er klug genug, seinem Sohn neue Kleidung zu kaufen. Die Ärmel von Rogers rosafarbenen Mädchenpullover waren deutlich zu kurz. 
Hier im Garden jedenfalls würde ihr in wenigen Sekunden das restliche Geld wie Sand durch die Finger rinnen. Brunch für drei und falls Sir Vincent sie sprechen wollte, wovon sie ausging, noch sehr viel mehr.

Ihre gute Laune ließ nach.
Titel: [Tag 3] Morgens in den Unterkünften
Beitrag von: Sir Lars Trusnikon am 7.06.2005 | 17:21
Als er nach einer ungemuetlichen Nacht wie gerädert erwachte, erinnerte Sir Lars sich nur noch daran, dass er sehr wirr irgend etwas von dem geträumt hatte was der Diener des Hazats ueber die seltsame Diagnose der Amaltheaner wusste. Erstaunlich war eigentlich allein die Tatsache, dass ein einfacher Diener so etwas wusste. Aber gruebeln vor dem Fruehstueck war ihm dann doch zu dumm. Er musste nur daran denken, der Baroness später ein paar blumen und Genesungswuensche zu senden oder so etwas in der Richtung. Vielleicht fand sich auch eine originelle Kleinigkeit auf dem Markt.

Er befahl ein Bad. ein wenig ausgeruhter und auf alle Fälle besser gelaunt schlenderte er wenig später, Freya an seiner Seite den Korridor hinunter in Richtung auf die Arkaden, wo er hoffte ein Fruehstueckslokal zu finden.

Irgendwie ist hier viel los, so spät ist es ja noch gar nicht. Aber diese Pilger sind wohl alles Fruehaufsteher. Naja, Freya wird mir wohl den Weg freihalten. Wirklich ausgeschlafen wirkt sie heute morgen aber auch nicht. Naja, der Tag kann nur besser werden. Tag wie auch immer, diese Tag-/Nachtsimulation macht mich imemr nervös. egal, jetzt brauche ich erst einmal etwas zu Essen. Dann kann ich mir immer noch den Kopf ueber Raumstationen im Allgemeinen und diese im Besonderen zerbrechen.
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Azzu am 8.06.2005 | 02:03
Der Garten roch nicht lebendig genug. Der kräftige Duft einzelner Blüten. Beißendes, chemisches Düngemittel. Frische Blumenerde. Rinde, Harz. Zu wenig für soviel Grün. Aber seinen Augen schienen die Pflanzen allesamt täuschend echt. Im Fusionslicht blitzende Wassertropfen perlten auf den Blättern, die unter dem sanften Hauch der Belüftung zitterten. Irritiert tastete Mwerron mit den Fingerspitzen nach den Blüten eines violett blühenden Strauchs. Spürte die Lösung. Ein elektrisches Kribbeln unter seiner Haut, ein leiser Summton, dann stieß er auf Widerstand. Energiefelder. Ein unsichtbares Labyrinth aus Gewächshäusern, undurchlässige Grenze zwischen Garten und Gästebereich. Instinktiv blickte der Ur Ukar um sich, machte sich ein neues Bild von seiner Umgebung, den wahrscheinlichen Bewegungsmöglichkeiten und Fluchtrouten. Nur ein Ausgang.

Auch der Teich und die darum herum wachsenden Schilfpflanzen waren den Augen der Gäste vorbehalten, von Tast- und Geruchssinn jedoch abgeschnitten. Verschwendung. Typisch für die Menschwesen. Weder fähig noch willens, Schönheit zur Gänze zu erfassen.

Obwohl ihr Tisch recht abseits gelegen war, konnte Mwerron die Gespräche der anderen Gäste hören. An- und Abschwellendes Murmeln in der Menschensprache. Irgendwo erklang eine wundervolle Stimme, vielleicht die eines Sängers. Verstummte. Mwerron seufzte leise. Gerne hätte er den Sänger gebeten, weiterzusprechen, aber der war zu weit weg, hätte ihn nicht hören können.

Auch Denize und die Jack-Kreatur hatten in der Zwischenzeit Worte gewechselt. Er war abgelenkt gewesen. Überwältigt. Nicht mehr gewohnt, die Welt mit den Sinnen seiner Seele wahrzunehmen. Er durfte nicht vergessen, welche Gefahren der Einsatz dieser Kräfte barg! Schwierig, jetzt noch das Gesprächsthema zu erfassen - je länger sie sich auf Bazaar befanden, desto mehr verfiel Niz in diesen seltsamen Dialekt der Aerdensprache, den die Menschwesen hier benutzten und den Mwerron nur mit Mühe verstand. Denize. Gebannt betrachtete Mwerron das eine, sichtbare Menschenauge mit all seinen Farbabstufungen und Details. Sog mit zuckenden Nasenflügeln die Luft ein, ihr Parfum, das ihn bis hierher geführt hatte, noch etwas Alkoholgeruch vom Vorabend und den Duft ihres Körpers, fühlte, wie sich sein Puls daraufhin beschleunigte.

"Monn? Hörst du überhaupt zu?"

Mwerron fuhr zusammen. Nein. Er hatte nicht zugehört, sich erneut ablenken lassen. Warf Denize zur Antwort nur einen fragenden Blick zu.

"Ich hätte gedacht, Jacks 'Artefakt' interessiert dich!"

Ja. Monn wandte sich dem Sternfahrer zu, ein breites Grinsen auf dem bleichen Gesicht. "Obun-Fusionszelle. Zehn imperiale Phönix. Weniger, vielleicht. So weit von Velisamil: Wertlos. Dummer Käufer." Er zuckte mit den Schultern. "Oder. Etwas anderes? Nicht Obun-Tech. Älter. Viel mehr wert. Unbezahlbar! In diesem Fall: Dummer Jack!"

Das Grinsen verschwand und wich einem durchbohrenden Blick aus Mwerrons schwarzen Augen. "Warum. Willst du nicht. Vorher wissen. Was es ist?"
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Jack Hawkins am 8.06.2005 | 21:06
Jack rutschte auf dem geflochtenen Gartensesselchen hin und her, gab es aber schließlich auf, eine angenehme Sitzposition zu finden. So teuer war das Coffee Garden – und doch hatten es die Besitzer bis heute nicht geschafft, bequeme Sitzmöbel zu aufzutreiben.

Er musterte Monn scharf, als er die Sache auf den Punkt brachte. Natürlich wollte Jack wissen, was das für ein Artefakt war. Dass es eine Fusionszelle war – diese Geschichte klang mittlerweile selbst für seine Ohren unglaubwürdig. Monn hatte schon recht; was, wenn es etwas völlig anderes war? Der Zylinder hatte keine Ähnlichkeit mit irgendeiner Technologie, die er bisher zu Gesicht bekommen hatte. Sicher, auch die Ingenieursgilde baute Dinge zusammen, die bizarr und fremd waren, aber sein Instinkt sagte ihm, dass das Artefakt nicht von Menschen geschaffen wurde.

Was war es also? Und warum hatte Commander Lindsey so reges Interesse daran gezeigt?
Jack legte den Kopf schräg. Monns Worte hallten in seinen Gedanken nach. Obun-Technologie. So weit weg von Velisamil – wertlos. Dummer Käufer.
Dumm? Nein. Commander Lindsey war nicht dumm. Sie wusste etwas. Sie wusste, was das für ein Teil war, und sie wollte ihn übers Ohr hauen.
Jacks Lippen verzogen sich zu einem leisen Lächeln. Netter Versuch. Aber nicht mit mir, Schätzchen.

Er winkte den Ober heran, genoss es sichtlich, dass dieser in der Tat gehorsam folgte und bestellte eine Auswahl von Frühstückskomponenten, die man nur als 'wild' bezeichnen konnte. Eine Zigarette erglomm in seinem Mundwinkel und er beugte sich verschwörerisch vor, mit einem Gesichtsausdruck, als würde ihre Dreierrunde gerade die Ausrufung der Dritten Republik planen.

"Natürlich" hob er gehaltvoll an, "will ich wissen, was es ist."

Dann, zu Niz gewandt: "Ich kennen niemanden, der sich mit diesem Alien-Kram so gut auskennt, wie du. Es könnte nicht schaden, wenn du einen Blick drauf wirfst."
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Enkidi Li Halan (N.A.) am 8.06.2005 | 22:19
Hinter dem leuchtenden Portal eröffnete sich ein Bild, das deplazierter nicht hätte sein können. Grün. Natur.
Plötzlich war er sich nicht mehr so sicher, ob er nicht doch noch träumte.
Aber nein. Eine blasse Holografie im Eingangsbereich plapperte, ohne dass ihr große Aufmerksamkeit geschenkt wurde, von der Einzigartigkeit dieser künstlichen Welt. Erklärte mit freundlich-nachsichtiger Stimme, wieviel Energie, Zeit und Mühe in den Erhalt der Anlage gesteckt wurde. Enkidi musterte die flimmernde Frauengestalt und musste grinsen. Ein Garten auf einem Stück leblosen Metalls, das um einen unbedeutenden Planeten schwirrte. Bizarr.

Ein Mann in Livree trat ihm entgegen, wollte den Pilger, den er vor sich sah, mit freundlich klingenden Worten aber einem kalten Blick umgehend wieder hinaus komplimentieren. Ein kurzer Wink mit dem Siegelring klärte die Situation.
Der spindeldürre Mann errötete, verneigte sich und huschte vor ihm über die Wege, die wie bleiche Knochen im aufgeschlagenen Fleisch des künstlichen Grüns lagen. Er führte ihn in Richtung einer Gruppe von Tischen, an denen grell gekleidete Personen saßen und unverständliche Gespräche schnatterten. Ohne groß zu überlegen, ließ Enkidi seinen Führer hinter sich und bog auf einen schmalen Pfad nach rechts.

Das Gluckern von Wasser lockte ihn an einen kleinen Teich. Hier, obwohl mitten im Herzen des Gartens, war die Illusion zu Ende. Der Himmel, der sich im leicht bewegten Wasser spiegelte, war aus Metall.

Eine kleine Marmorbank über die sich ein mageres Bäumchen beugte, lud zum Verweilen ein. Fusionsstrahler irgendwo im Metallstrebenhimmel imitierten täuschend echt eine morgendliche Lichtstimmung.
Enkidi ließ sich nieder und beobachtete eine Weile das Schattenspiel. Er fragte sich, warum die Menschen zu den Sternen reisten, wenn sie letztendlich doch immer ihren Planeten mit sich nahmen. Etwas Vertrautes, an das sie sich in der unerbittlichen Leere des Alls klammern konnten. Das unauslöschbare Bild der Heimat, das sie dazu antrieb jeden Ort, den sie erreichten, dem verlassenen Ursprung gleich zu machen. Das Unbekannte, das vom Bekannten verschluckt wird...

Das Plätschern des Wassers lullte ihn ein; seine Gedanken begannen, ihre Form zu verlieren und halb dösend starrte er auf die sich kräuselnde Spiegelfläche vor ihm. Da war eine Art Wind, vielleicht der Atem von Ventilatoren. Blätterrauschen. Das unbestimmte Summen von Energie. Und fern, irgendwo, Stimmen.
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Denize Noy am 8.06.2005 | 23:58
Während sie stoisch im Hinterkopf Zahlen addierte, konzentrierte sich Denize Noy vordergründig auf ihr Gegenüber. Fragte sich, wie blauäugig Jack sich gegenüber dem potentiellen Käufer verhalten haben mochte. Mit wem er sich da eingelassen hatte. Andere Scravers? Dann ließe sich vielleicht was drehen. Oder es machte alles umständlicher.

"Das Alien hier," murmelte sie und deutete mit dem Daumen auf Monn, der endlich aufgehört hatte, sie unverwandt anzustarren, "weiß noch verdammt viel mehr, über diesen Alien-Kram. Um genau zu sein, hab ich das meiste von ihm gelernt. Wir werden uns das beide ansehen und uns dann die gelehrten Köpfe drüber einschlagen, wer recht hat. Was hältst du davon? Hat Shawn es dir zurückgegeben?"
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Jack Hawkins am 9.06.2005 | 10:09
Jacks rechts Ohr, das nicht-kybernetische, lief rot an. Er musste an seinem Taktgefühl arbeiten – an Bord der Hammond war ihm das wohl verloren gegangen. Dort wurde über Ausserirdische bestenfalls geringschätzig geredet, die meisten Crewmen sprachen eher von 'Vieh' oder dergleichen. Er überlegte kurz, ob er sich entschuldigen sollte, ließ es aber bleiben. Wahrscheinlich würde ein Ukar dies als beleidigend empfinden, und Monn würde ihn anfallen, ihm die Kehle durchbeißen und sein Blut trinken. Sowas in der Art. Sie hatten wirklich kein gutes Image, diese Ukar.

Er räusperte sich verlegen. "Ähm ja, natürlich. Ich werde es euch beiden zeigen, ist doch klar. Nein, Shawn hat es noch. Ich hab ihn heute noch nicht gesehen, er war nicht im Quartier als ich aufgestanden bin." Er zuckte mit den Schultern. "Keine Ahnung, wo der sich rumtreibt. Wahrscheinlich auf der Brücke. Am besten, wir gehen nach dem Frühstück gleich zur Sicherheitszentrale, holen eure Sachen und machen dann einen Abstecher nach oben." Er verzog sein Gesicht zu einem Grinsen und imitierte die Stimme seines Bruders: "Ich kann euch ja rumführen."

Ein Kellner, ein anderer als der, der sie empfangen hatte, brachte ihre Bestellung, und eine Wolke verschiedener Gerüche breitete sich von den Tellern, Tassen und den darauf versammelten Köstlichkeiten aus. Jacks Augen wurden groß. "Einmalig" murmelte er hingerissen und legte los, während der Kellner sich kurz zu Denize herabbeugte.

"Sir Vincent wird sich Ihrer gleich annehmen, Ma'am, sobald er sich von seinem Gespräch mit Vizekonsul Larsson loseisen kann."
Er lächelte unmerklich. "Es kann sich nur noch um Minuten handeln." Mit einer Verbeugung verschwand er wieder in den Tiefen des Gartens.   
Titel: [Tag 3] Morgens in den Unterkünften
Beitrag von: Elisabeth Hawkwood am 9.06.2005 | 16:26
Sie liess sich von Lisa ein einfaches schwarzes Kleid heraussuchen, genoß vor dem Ankleiden jedoch erst einmal ein Bad. Nach der schlaflosen Nacht fuehlte sie sich verspannt und alt. Älter als sie war.

Lisa wirkte die ganze Zeit wie ein aufgescheuchtes, ängstliches Reh, doch ihre Finger waren flink und geschickt, besonders beim Kämmen und Frisieren des Haares. Wahrscheinlich braucht sie einfach nur Zeit, dann wird sie ihre Angst schon ablegen. Aus ihr kann tatsächlich noch eine geschickte Leibdienerin werden. Es ist schade, daß ich keine Tochter habe, sie wären gleichaltrig, das wuerde ihr vielleicht Angst nehmen. Gedanken an eine mögliche Tochter beschworen andere Gedanken herauf, die wesentlich unliebsamerer Art waren. Gewaltsam drängte sie sie zurueck, konzentrierte sich stattdessen auf ihr Spiegelbild. Sie fuehlte sich nicht nur alt, sie wurde alt.

„Lisa, laß die Schuetzin Fjärill rufen, Larsson und Sophia haben heute morgen frei, deshalb werdet ihr mich begleiten“.
Sie ueberging den entsetzten Ausdruck in Lisas Gesicht, die sich schnell wieder fing, ein „Sehr wohl Mylady“ murmelte und eilig das Zimmer verließ.

Baronin Elisabeth schuettelte leicht den Kopf. Sie wuerde Lisa in Zukunft öfter mitnehmen muessen. Vielleicht gemeinsam mit Sophia. Aber darueber wollte sie nicht jetzt nachdenken.

Wenig später befand sich die Baronin mit ihrem kleinen Gefolge auf dem Weg zum Kirchenbereich.
Titel: [Tag 3] Klerikaler Sektor und Kapelle
Beitrag von: Elisabeth Hawkwood am 9.06.2005 | 16:32
Zielstrebig steuerte sie die Kapelle der Orthodoxie an. Es interessiert mich doch zu sehr ob Vater Valentinian bereits anbetend vor seinen roten Samtvorhängen steht.

Der Kirchenbereicht war voller Pilger, die sich schiebend und drängeln in Richtung auf die Kapelle schoben, oder aber von gerade von dort kamen. Die meisten wichen jedoch ängstlich zur Seite, sobald sie der Baronin und ihres Gefolges gewahr wurden. Drinnen selbst war es fast noch voller. Wahrscheinlich eines der seltenen Male im Jahr, da sich diese Kapelle derart mit Leuten fuellte. Normalerweise dämmerte sie wahrscheinlich eher in einer Art Dornröschenschlaf dahin. Die Bienenhausatmosphäre paßte vielleicht zu den prunkvollen roten Samtvorhängen, aber eigentlich weniger zum Charakter eines Ortes des Gebets. Langsam ließ sie sich mit der Menge nach vorne treiben.
Titel: [Tag 3] Klerikaler Sektor und Kapelle
Beitrag von: Elisabeth Hawkwood am 10.06.2005 | 15:32
Die Luft war schwuel und stickig. Schwerer Weihrauchduft mischte sich mit den Ausduenstungen vieler Menschen. Schon jetzt am morgen war die Hitze nahezu unerträglich. Es gab zwar sicherlich eine Klimaanlage, doch diese war mit dem Andrang offenbar ueberlastet. Einige Novizen drängten sich mit Gesichtern durch die Menge, die man nur als gespielt geduldig bezeichnen konnte. Vater Valentinian war nirgendwo zu sehen. Ein Bruder in weiten Gewändern war damit beschäftigt eine Gruppe Pilger herumzufuehren, wahrscheinlich keine einfachen Pilgerreisenden, Mitglieder einer der kleineren Gilden vielleicht.

Baronin Elisabeth bedeutete Fjärill und Lisa sich dich bei ihr zu halten, damit die dichte Menge sie nicht voneinander trennte. Sie ließ sich ihren Fächer von Lisa reichen. Doch aufgrund der Enge zeigte er wenig Erfolg. Immerhin konnte sie sich die dichtesten Weihrauchschwaden aus der Nase halten.

Der Bruder erblickte sie und verließ sofort die Pilgergruppe, um sich tief vor ihr zu verneigen. „Den Schöpfer zum Gruß Mylady! Kann ich etwas fuer Euch tun? Es tut mir sehr leid, aber nachdem Vater Valentinian gestern Abend noch einen sehr erhebenden Gottesdienst hielt verbringt er den heutigen Morgen in stillem Gebet und Meditation. Doch ich bin sicher, er wird dies sofort unterbrechen, wenn Ihr es wuenscht.“ Er blickte sie abwartend mit einem unterwuerfigen Lächeln an.
-„Den Schöpfer zum Gruß, Bruder. Vielen Dank, aber es ist nicht notwendig Vater Valentinian in seiner Meditation zu stören. Im Moment ist er sicherlich viel beschäftigt.“ Sie ließ den Blick bedeutsam ueber die Pilgermassen gleiten, „Ich werde noch einige Wochen auf der Station sein. Wenn dieser Ansturm hier vorueber ist, paßt es sicherlich besser fuer ein Gespräch. Naja, was Vater Valentinian darunter versteht weiß der nur der Allschöpfer, aber wir werden sehen. Vater Valentinian kann sicherlich einen Novizen schicken um einen Termin zu vereinbaren.“
Sie ließ ihren Fächer wieder aufschnappen. Der Bruder verstand das deutliche Zeichen und zog sich mit einer unterwuerfigen Verbeugung wieder zu seiner Pilgergruppe zurueck.

Sie machte eine Runde durch die Kapelle, bewegte sich dann jedoch auf den Ausgang zu. Ich habe genug von dieser Hitze, der Luft hier und all den Pilgern. In der Kapelle der Eskatoniker ist es sicherlich ruhiger. Ein Gebet zum Tagesanfang wäre doch recht hilfreich, um meine Gedanken zu sammeln. Dann werden wir weitersehen.
Titel: [Tag 3] Arkaden
Beitrag von: Sir Lars Trusnikon am 14.06.2005 | 16:15
Er verliess nach einem guten Fruehstueck das Café und begab sich relativ ziellos auf die Arkaden. Freya dicht auf den Fersen schritt er langsam die Galerie entlang und genoß den Blick durch die hohen Panoramafenster auf den Hangar.
Eine Fähre verließ gerade den Raumhafen in Richtung auf den Planeten. Wahrscheinlich mit jeder Menge Pilger an Bord. Weniger waren es trotzdem nicht geworden, wahrscheinlich kamen die Ersten bereits wieder zurueck und gaben sich mit den Abreisenden die Klinke in die Hand.
Naja, wenn es hier menschenleer wäre, dann wäre es auch langweilig. So ist es eine gute Uebung fuer Freya. Bis der Händler der al-Malik eintrifft muß ich ja sowieso warten. und das kann noch eine Weile dauern. Da ist es doch angenehmer, etwas Abwechslung zu haben. Ob ich mich nach unten wagen soll? Nein vielleicht warte ich lieber noch etwas, bis Freya ruhiger geworden ist. Die Händler erschrecken muß nicht sein. Ärger kann ich jetzt nicht wirklich brauchen.

Er warf einen letzten Blick auf den Hangar und drehte dem Fenster dann den Ruecken zu. Lässig an den Nischenrand gelehnt beobachtete er die vorbeihastenden Menschen. Freya warf ihm ab und zu fragende Blicke zu, die er geflissentlich ignorierte.
Nein mein Mädchen, das hier ueben wir jetzt schön. Fuer heute Nachmittag gib es vielleicht einen abgeschiedenen Trainigsraum, da können wir ein bißchen unser Zusammenspiel im Kampf trainieren, aber erst mal kommt das hier. Das Leben ist nicht nur Vergnuegen!
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Azzu am 15.06.2005 | 19:51
(Mwerron)[/i]

Alien-Kram. Was auch immer die Jack-Kreatur gefunden haben mochte, es befand sich bereits in den falschen Händen. Menschenhänden. Kein Interesse an den Geistern, die das Artefakt bewohnen mochten. Kein Interesse an seiner Geschichte, seinen Schöpfern, den Prinzipien, die es verkörperte. Für den Sternfahrer zählte nur der Wert in Geld. Wie erwartet. Selbst die kleinste Erkenntnis über die Natur des Artefaktes würde an das Menschwesen verschwendet sein.

Dann gab es da jemanden, der eine große Summe für den Gegenstand geboten haben musste. Genug für die Jack-Kreatur, um damit zu prahlen. Dieser jemand wusste also mehr als der Sternfahrer. Hatte wahrscheinlich Interesse daran, dass das so blieb. Möglicher Ärger. Mwerron war nichts anderes gewohnt. Kein schlechter Vorschlag des Jack-Wesens, den Rest der Sachen von der Sicherheit zu holen. Die Forschungsausrüstung. Zusätzliche Bewaffnung. Und den Krax. Da war noch eine Rechnung offen mit einem der Menschwesen.

Die blutleeren Lippen des Ur Ukar weiteten sich bei dem Gedanken zu einem breiten Grinsen. Zufrieden pflückte er eine rote Beere von einem der Teller, ließ sie über die Fingerspitzen tanzen. Schnippte sie dann hoch in die Luft, um sie mit den Zähnen aufzufangen und zu zerdrücken. Roter Fruchtsaft rann über die Schmucknarben seines Kinns.

Den beiden Kellnern hinterherblickend, lehnte er sich mit seinem Stuhl zurück. Der Boden vibrierte leicht unter ihren davoneilenden, lederbesohlten Schritten. "Wer ist Sir Vincent?" fragte er leise in seiner Muttersprache.
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Bazaar am 15.06.2005 | 20:05
Eine Antwort war nicht nötig, denn wie auf ein Stichwort näherte sich der Umriss eines Mannes der Sitzgruppe nahe des Teiches.
 
Ein streng geschnittener Gehrock aus einem dunklen, mit dichtem Ornament überzogenen Stoff setzte seine Gestalt deutlich vom saftigen Grün der Umgebung ab. Er war in den Vierzigern, dünn und hochgewachsen, mit jenem blassen Teint den ein langer Aufenthalt unter Kunstlicht mit sich brachte. Die dichten schwarzen Haare umrahmten fein säuberlich gekämmt das ovale Gesicht und gingen im Nacken in schulterlange Locken über, in die sich bereits vereinzelte graue Strähnen mischten. 

Zielstrebig ging er auf den Tisch mit den drei schlemmenden Personen zu, den Blick der stahlblauen Augen auf die junge Frau gerichtet, die seine Anwesenheit erbeten hatte. Sie hatte die Nase ihres Vaters, fiel ihm auf, doch ansonsten war wenig Ähnlichkeit mit dem alten Masin zu erkennen. Dessen zweifelhafter Lebenswandel hatte unauslöschbare Spuren in seine Züge gegraben, Spuren, die dem Gesicht seiner Tochter fremd waren. Sie wirkte lebendig und frisch, nicht verbraucht und ausgebrannt wie ihr Vater, als er ihn das letzte Mal lebend zu Gesicht bekommen hatte.

Sir Vincent trat an den Tisch und blickte mit dem wohlwollenden Lächeln eines Gutsherren in die Runde. Die rechte Hand ruhte elegant hinter seinem Rücken und würde sich in absehbarer Zeit auch nicht von dort fort bewegen – diese Gäste waren von zu geringem Stand für einen Handschlag. Die feingliedrige Linke mit ihren säuberlich manikürten Fingern lag auf dem silbernen Kopfstück eines Gehstocks, auf den er von Zeit zu Zeit sein Gewicht verlagerte – nicht jedoch, weil er auf den Stock angewiesen wäre, sondern vielmehr um der Inszenierung seines Auftretens den endgültigen Schliff zu verleihen.

Unerwartet für die schmale Gestalt war seine Stimme tief und voll.
"In der Tat – Denize Noy. Welche Überraschung." Er lächelte und entblößte eine Reihe ebenmäßig geformter Zähne.
"Ich hatte ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, Sie jemals wieder an Bord der Station anzutreffen. Wie man sich doch irren kann." Sein Lächeln bewegte sich keinen Millimeter, doch ihm fehlte jede menschliche Wärme. "Nun – wie kann ich Ihnen behilflich sein, Miss Noy?"
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Denize Noy am 15.06.2005 | 22:41
„Guten Morgen, Sir Vincent.“ Niz verbeugte sich steif. Verzog keine Miene, als sie antwortete. „Ja, man freut sich immer, wenn man Bazaar entkommt, nicht? Aber irgendwann kommt jeder hierher zurück. Können wir kurz unter vier Augen reden? Ich denke, es wird nicht lange dauern.“
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Bazaar am 15.06.2005 | 22:57
"Selbstverständlich." Sir Vincent taxierte die Begleitung der jungen Scraverin und fühlte sich für einen Augenblick hingerissen, dem Ukar eine Serviette zu reichen, nur um den Anblick des verschmierten Gesichtes nicht mehr länger ertragen zu müssen. Andererseits – wäre das eine nicht zu vertretende Verschwendung von edlem Stoff an diese Kreatur.
Er beschloss die Angelegenheit zu ignorieren und deutete mit einer einladenden Geste in Richtung eines Tisches, der einige Meter weiter hinter einer Gruppe von Büschen lag. "Bitte. Gehen wir doch dort hinüber."

Nachdem sich Denize niedergelassen hatte, nahm er ihr gegenüber Platz, schlug die Beine übereinander und faltete die Hände erwartungsvoll im Schoß. Ein künstlich generierter Wind kräuselte die Oberfläche des Teiches, der nun direkt vor ihnen lag.

"Was liegt Ihnen also auf dem Herzen, Miss Noy?"
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Denize Noy am 15.06.2005 | 23:04
"Wieviel Geld schuldet Euch mein Vater noch?"
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Bazaar am 15.06.2005 | 23:29
Sir Vincents Zeigefinger tippten gegeneinander.
"Deswegen sind sie hier? Wegen den Schulden ihres Herrn Vaters?" Er neigte den Kopf leicht vor. "Löblich."

"Nun... wenn ich die Zahlen richtig im Kopf habe–" Seine Finger lösten sich voneinander, die Linke griff nach dem Gehstock und fuhr über den stilisierten Falkenkopf-Knauf. "–müssten es mittlerweile inklusive der Zinsen und Zinseszinsen...1164 Firebird sein. Abgerundet, selbstverständlich." Er lächelte, als wäre er der Menscheit größter Wohltäter im bekannten Weltraum. 
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Denize Noy am 16.06.2005 | 00:16
„Natürlich,“ entgegnete Niz kühl.
Weswegen sollte ich auch sonst hierherkommen? Schon mal was von Familienehre gehört?... Gut, da wäre auch noch dieser Auftrag...Onkel Nedims Nachricht wegen der Schulden kam vor über einem Jahr. Die allein hätte mich nicht nach Bazaar gebracht.
 
„Ich bin hier, um diese Schulden zu begleichen.“
Ihre schlanken sehnigen Finger nestelten einen Reeves-Wechsel aus der schmalen Hüfttasche und falteten ihn sorgsam auseinander. Dankbar für deren Breite nutzte sie die Hutkrempe, um zu verbergen, wie sich ihre Kiefermuskeln anspannten.
Was soll’s?  Wer braucht schon ein Haus auf Aylon? Wir sind ja alle noch jung. Wozu jetzt schon an Ruhestand denken? ... Gute Werke tun... ich muss völlig verrückt sein.

Eine seltsame Heiterkeit ergriff sie, als sie dem heimlichen Herrscher Bazaars den größten Teil ihres gesamten Ersparten hinüberschob. Das Schilfgras zu ihrer Linken raschelte im Einklang mit dem bunt gemusterten Schein. Die künstliche Brise raunte dazu das Lied von Sir Vincents Reichtum. Niz lächelte schmal.

Da friß das, Halsabschneider. Und erstick daran.

„Ihr werdet mir sicherlich den Erhalt bestätigen, dann seid Ihr mich auch schon wieder los. Nichts liegt mir ferner, als Eure kostbare Zeit zu stehlen.“
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Azzu am 16.06.2005 | 01:46
Zurückgelehnt, fast reglos, sich nur bedächtig auf den hinteren Stuhlbeinen wiegend, lauschte Mwerron der Konversation am Nebentisch. Den schmallippigen Mund leicht geöffnet, die Mundwinkel abfällig nach unten verzogen. Scheinbar entspannt, und doch bereit, sich sofort vom Boden abzustoßen, die Entfernung zu dem Menschwesen im Sprung zu überwinden. Sir Vincent. Der Geruch des Menschenlords behagte ihm nicht. Kaum wahrnehmbar. Zu sauber. Überlagert von zu süßlichem Parfum. Langsam rann ein roter Tropfen den weißen Hals des Ur Ukar hinab.

Obwohl die gedäpften Stimmen von Niz und dem Lord-Wesen so deutlich an seine Ohren drangen, als würden sie direkt neben seinem Kopf ertönen, hatte er Schwierigkeiten, dem Gespräch zu folgen. Bazaar-Dialekt. Es ging wohl um Denizes Vater. Und um Schulden. Die Vincent-Kreatur verlangte Geld von Niz.

Er streckte sich und griff nach einer silbernen Teekanne. Kochendes Wasser. Perfekt geeignet, einen unaufmerksamen Energieschildträger schnell auszuschalten. Das silberne Gefäß in seinen Händen wiegend, konzentrierte er sich auf die Stimme des Lord-Wesens und lauerte auf eine Drohung.
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Bazaar am 16.06.2005 | 12:22
Sir Vincents Lippen kräuselten sich, als der Wechsel in seiner Hand landete wie ein Vogel auf der Pfote einer Katze. Sorgfältig überprüfte er, ob alles seine Richtigkeit hatte, trennte dann den Belegstreifen ab und drückte seinen Siegelring in das seidig schimmernde Papier. Er schob den Beleg über den Tisch und ließ den Rest des Wechsels in seiner Westentsche verschwinden.
 
"Eine beachtliche Summe, Miss Noy. Sicherlich genug, um einen angenehmen Ruhestand zu verbringen – sofern man umsichtig damit umgeht, nicht wahr?
Eine Chance, die Ihr werter Herr Vater leider nicht wahrgenommen hat. Aber wie dem auch sei – ich betrachte die Angelegenheit damit als vom Tisch." 
Ein öliges Lächeln. 

"Es war mir eine Freude, mit Ihnen Geschäfte zu machen." 
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Azzu am 16.06.2005 | 22:31
Keine Drohung. Ein Handel. Ein wenig enttäuscht lockerte Mwerron seinen Griff um die silberne Kanne. Goss eine Tasse Tee ein.

"Jack." Mit einer seidenen Serviette wischte er sich das rötliche Rinnsal vom Kinn, während seine Augen sich wieder auf den gierig schlingenden Sternfahrer richteten. "Wer ist. Sir Vincent?"
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Jack Hawkins am 16.06.2005 | 22:51
"Sir Vincent?" gab Jack zwischen Kauen und Schlucken von sich, leckte sich genüsslich die Reste eines Cremetörtchens von den Fingern und warf dann einen prüfenden Blick über die Tellerberge vor sich. Unschlüssig darüber, ob er sich der Fruchtschale oder den geräucherten Fischfilets widmen sollte, fand er Zeit Monns Frage zu beantworten.
"Die Fleisch gewordene Kreditanstalt Bazaars, für die, die schnell und ohne Fragen Bares brauchen. Wär sein Arsch nicht in Seidentüchern auf die Welt gekommen, würde er einen hervorragenden Scraver abgeben." Er grinste und häufte sich Fruchstücke auf den Teller.

"Hoffe, Niz hat keine Probleme mit ihm, das endet meist unschön." Er nahm einen Schluck Kaffee und warf über den Tassenrand einen längeren Blick zum Nachbartisch,  wenn auch durch das dichte Blattwerk nur Schmen zu erkennen waren. War da drüben alles in Ordnung?
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Megan am 16.06.2005 | 23:45
Resigniert verließ sie den Kirchensektor, entfloh dem Geruch von feuchten, verschwitzten Lumpen und ungewaschenem Mensch. Entweder Enkidi war nicht da, oder sie hatte ihn im Getümmel übersehen. Angesichts der Menschenscharen war dies kein Ort, an dem er hätte in sich gehen können.

Sie überlegte einen Augenblick, ob er zur Azara gegangen sein könnte, doch das erschien ihr absolut ausgeschlossen - er, der immer mit soviel Widerwillen an Bord ging, und stets der erste war, der nach Landung durch die Schleuse stürmte.

War er in ein Bordell gegangen? Der Gedanke schoß wie ein böser Spuk durch ihren Kopf und zerrte Bilder des vergangenen Tages wieder vor ihr inneres Auge. Ja, das musste es sein. Wohin sollte er sonst gegangen sein. Nicht zu den Decados zurück, oder doch? Es fiel ihr schwer, ihn einzuschätzen. Er schien stündlich sein Wesen zu wechseln. Schwer seufzend schob sie sich durch die Pilgerer. Seit sie hier waren hatten sie noch nichts konstruktives auf die Beine gestellt. Ihr Auftrag war zu einer Nebensächlichkeit verkommen. Während die anderen darauf warteten, dass sie mit wichtigen Informationen schnellstmöglich zurückkehrten erlebten sie hier ihren persönlichen kleinen Horror in aller Symbolträchtigkeit, die ihm innewohnen konnte.

Megan erreichte den Handelssektor, schlenderte gedankenverloren über den Markt ohne wirklich etwas wahrzunehmen. Hier hatte das Desaster angefangen, hier waren sie mit den Decados zusammengetroffen.

Eine knappe halbe Stunde später, nachdem sie Stände und zweifelhafte Etablissementes passiert hatte - nicht ohne die eine oder andere Erinnerung mit aller Kraft wieder in die entlegenen Winkel ihrer Erinnerungen zurückgedrängt zu haben - erreichte sie einen ruhigeren Teil der Station und es war wie ein Aufatmen für die Seele.

Dann sah sie den Garten. Megan brauchte selten Natur. Ihr Lieblingsort war irgendwo zwischen den Sternen. Dort, wo man immer weit genug weg war. In der Natur konnte man verloren gehen. Im Raum hatte man seine Technik. Neugierig näherte sie sich der Anlage, die die Natur so unerbittlich in ihre Abhängigkeit gedrängt hatte - so, wie sie das mit ihr und all den anderen Menschen hier oben getan hatte, wie es ihr schlagartig bewußt wurde.
Titel: [Tag 3] Klerikaler Sektor und Kapelle
Beitrag von: Elisabeth Hawkwood am 17.06.2005 | 14:52
Und noch einmal drängte sich die kleine Gruppe durch die Menge. Doch in Richtung auf die Kapelle der Eskatoniker zu wurde es leerer und leerer. Nur wenige Pilger hatten sich hierher verirrt. Etwas verloren standen sie herum, sich leise unterhaltend.
Wahrscheinlich wollten sie tatsächlich nicht hierher. Sie wissen gar nicht wie gut sie es haben, wollen sie wirklich gegen die Enge und den Gestank bei der Orthodoxie tauschen? Ach ja, ich vergaß die wunderschönen roten Samtvorhänge und all die netten anderen kleinen Kostbarkeiten, die Vater Valentinian angesammelt hat. Der Allschöpfer möge mir meine ketzerischen Gedanken verzeihen. Er allein weiß was Vater Valentinian sich dabei denkt und wie er es meint. Ich denke nur immer mehr, daß die Eskatoniker mir mehr liegen. Auch wenn man oft nicht genau weiß wie sie etwas meinen, das sie sagen.

Die Luft in der Kapelle war kuehl und leicht staubig. Es war leer, so wie sie gehofft hatte. Leer und ruhig. Fast hätte sie einen Seufzer der Erleichterung ausgestoßen, unterließ es dann jedoch lieber in Anbetracht ihrer jungen und noch unerfahrenen Begleitung.
Sie merkte wie sie ruhiger wurde. Langsam machte sie eine Runde durch die Kapelle, ehe sie sich zum Beten niederließ.

Sie spuerte, daß ihre Beine ein wenig steif wurden, doch noch war ihr nicht danach die stille Kapelle wieder zu verlassen. Ihre Gedanken wanderten zurueck zur gestrigen Trauerfeier. Wenn Bruder Erland gewußt hätte wie gut manche der Phrasen gepaßt hatten. Ob man ihm vertrauen konnte?
Ich muß mit Jemandem ueber all das reden, Jemandem der nicht zu nah am Adel steht. Ich brauche einen Rat! Und ich dachte, ich hätte genug gelernt, um nie wieder Rat von Jemandem zu brauchen, aber dies hier geht ueber das hinaus was ich gelernt habe. Wieviel Menschenleben hätten geschont werden können, wenn wir das eher gefunden hätten.
Vor ihrem inneren Auge erschienen wieder die wenigen Sätze, die sie mit Hilfe gewisser Elemente hatten auslesen und uebersetzen können:

N-ue- Befe-l: -ie –ec-dos w-ll-n uns hi-terg--en, --- So-n d-r –awkwo-d darf -icht ---geliefert wer-en. Töte- a-le v-n ihn-n --- der U-ber-abe bis auf ei--n un- versucht ---ausz-finden was --- vorhatten. Hi—ermä—e- und Komplizen sind heraus—fi-de-. Der Junge ---- erst einmal – Lebe- bleib-n, wir werden spä--r weiter---en. Behandelt --- angeme-se-.

Der Hauptteil des Logbuches hatte gefehlt, Chief Legayo hatte die Vermutung geäußert, daß das Schiff zu dem das Verzeichnis urspruenglich gehört hatte zerstört worden war. Aber sicher war er nicht. Und beim letzten Kampf war es weiter beschädigt worden. Ob man die Reste retten konnte war noch nicht sicher. Und noch immer wußte sie nicht was danach aus ihrem Sohn geworden war. War er im Kampf ums Leben gekommen? War er bei den Barbaren gelandet? Doch bei den Decados? Aber warum? Sie dachte an all die Vermutungen, die Rahmhorst und Legayo aufgestellt hatten, eine wilder als die vorhergehende.

Wo liegt die Wahrheit? Wieviele Barbaren haben wir fuer nichts und wieder nicht getötet? In sinnloser Rache, die sie gar nicht verdient hatten, diesmal nicht.

Als Rahmhorst sie in der letzen Schlacht in einer der kurzen Verschnaufpausen angesehen hatte, wußte sie daß er dasselbe gedacht hatte. Die Barbaren hatten immerhin einen guten Grund fuer ihre Rache... . Und dann hatte ihn die Axt getroffen....und er hatte einfach weitergekämpft, als ob nichts passiert wäre.
Einen der besten meiner Leute verloren fuer nichts als sinnloser Schlachtwahnsinn! Wie gut, daß Vater das nicht mehr erleben muß.

Plötzlich hustete Fjärill hinter ihr. Mit einem Schlag war sie wieder in der Kapelle der Eskatoniker. Etwas verwirrt blickte sie auf. Staub flimmerte in der Luft. Schritte zerrissen die Stille.
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Enkidi Li Halan (N.A.) am 18.06.2005 | 12:20
Das Rauschen des Wassers berührt ihn wie der ferne Flügelschlag eines großen Vogels.
Es gewinnt an Kraft, fügt sich selbst Stimme hinzu und wird Volumen.
Ein tiefer Ton, der alles durchdringt. Er versetzt die Platten seiner Schädeldecke in

Schwingung, lässt sie aneinander reiben wie Kontinente auf dem Antlitz eines Planeten.
Die Planeten. Sie bewegen sich lautlos in der Unfassbarkeit des Alls. Das Geräusch das
keines ist schwillt an und fällt wie ein gewichtloser Stein in die Iris des Tores. Es öffnet
sich das Auge Gottes und blickt auf seine Schöpfung.


                                                         Da ist eine


                                                      ich    sei     bin

                                                füge     Stimme      dich

                                                    dein   mein    Gott



Sein Kopf liegt auf dem atmenden Stein
                dessen Herzschlag die Ewigkeit durchschneidet.                                   
                               Er ist warm und kalt, stofflich und nicht von dieser Welt.
                                                Ein schwarzer Riese der durch das Nichts schwebt.
                                                                      Das Knirschen von bleichem Kieselstein.

                                                                Da ist eine Klinge an seiner Kehle
 
                     die das Fusionslicht auf einer gebrochenen Wasseroberfläche spiegelt.
   
Ein Garten in stählernem Mantel.
   
                         
                               Die Klinge bewegt sich

                             
             
                                            und durchtrennt die stoffliche Hülle.
                               

               
                                                    Die Hand eines Menschen schließt das Auge Gottes.




           Er liegt im Sand und stirbt.



                                           Geh                                                    Da ist sie


     ihre Gestalt ist Licht


                        nicht                               das auf der Haut brennt


                                            fort                                     Farbe jenseits des Spektrums

 
        seine Hand greift

                                                                                                     ins Nichts
                           Das Auge Gottes                                 

                                                                       ein Gefängnis


                                          Da ist sie                                              Materie

                     Form                                               Megan

                                                         Körper                            Stimme

                                       Vater         
                                                             Krax                 wo
                               Rauschen
                                                                                        Stoff
                                                    bist              Enkidi
                                                         
                                           Gestalt         Füge           du

                                                       dich       Sand

                                                              alles
                                                              sein
                                                               ist

                                                               da.           
                         
                                                                                     
 
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Enkidi Li Halan (N.A.) am 18.06.2005 | 12:33
Enkidi zuckte zusammen und schlug die Augen auf. Desorientierung. Dann: der Garten, der Teich, der stählerne Himmel.
Und Megan, die über den schmalen Kiesweg auf ihn zu kam.
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Megan am 19.06.2005 | 01:20
Wenn Du etwas suchst, dann such nicht danach, erst dann wirst Du es finden. Fast war es ihr, als klinge noch die Stimme ihrer Ziehmutter Claire in ihren Ohren.

Als hätte er an keinem anderen Ort sein können erspähte sie Enkidi zusammengesunken zwischen den Hecken nahe des Teiches. Es war mehr die Art, wie er dort saß, als sein Äußeres, woran sie ihn erkannte, denn erst auf den zweiten Blick fiel ihr das schlichte Pilgergewand auf. Vielleicht kannte man einen Menschen erst dann, wenn man nicht mehr wissen brauchte, wie er aussah.

Den Blick auf ihn geheftet, als wolle sie damit verhindern, dass er wieder entwischen könnte, steuerte sie auf ihn zu, den Ober, der sie ansprach nicht beachtend.

Als sie herangekommen war, hingen ihre Augen noch immer an den seinen, doch sie sagte kein Wort. Mit einer Hand zog sie den verschnörkelten weißen Stuhl über den Kies und ließ sich mit einem Seufzen darauf nieder. Dann schenkte sie ihm ein fast resigniertes Lächeln, während die Finger kurz über ihr Gesicht fuhren.

"Ihr seid nicht leicht zu finden, Baron... "
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Denize Noy am 20.06.2005 | 22:25
„Ist mir eine Ehre,“ log Niz. Eine weitere hölzerne Verbeugung.
Hoffentlich ist das nicht nur das erste, sondern auch das letzte Mal.

Sie erwägte kurz, ob sie sich den Weg zu Nedim Noy sparen sollte, indem sie den Ritter fragte, ob er wisse wo ihr Vater sich aufhielt. Sicher wusste der genauer über seine Schuldner bescheid als deren eigene Familie. Andererseits erschien es weitaus verlockender, sich die Zunge abzubeißen, als sich solche Blöße zu geben. 

Nach zwei Schritten hielt sie dennoch inne und drehte sich noch einmal um. Wer wusste, ob sie tatsächlich genug Zeit hatten, zu Nedim zu gehen, nachdem sie sich bei Chief Brad gemeldet hatten. Oder in welchem Loch ihr Vater sich vor der Welt verkrochen hatte, um nicht mit seinem Versagen konfrontiert zu werden. 

„Äähm.“ Sie widerstand dem Drang, sich eine Strähne hinters Ohr zu streifen, die sich aus dem dicken Zopf gelöst hatte. Wie eins der keuschen Weibchen auf den bunten Titelbildern kitschiger Ritterromane stand sie da, die Hände ineinander verhakt. Beinahe demütig.  Als erwarte sie ein Urteil von dem hohen Herren vor ihr, nicht nur eine Information. 
„Ihr wisst nicht zufällig, wo er zu finden ist? Mein Vater?“
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Azzu am 21.06.2005 | 01:24
"Wir sind keine..." er spuckte das Wort fauchend aus: "Geldverleiher."

Mit einer blitzartigen Bewegung des silbernen Tafelmessers köpfte Mwerron ein faustgroßes, blau gesprenkeltes Frühstücksei. Beäugte dann die Jack-Kreatur mit angewinkeltem Kopf. Blau, weiß und schwarz segmentierte Menschenaugen. Von winzigen roten Adern durchzogen. Blut. Blickten an ihm vorbei ins Leere. Haare, Kleidung, ungepflegt. Nach beißendem Rauch stinkend. Und Alkohol. Der Atem leise rasselnd. Zuviele Zigaretten. Aber ein Todeswunsch?

Langsam legte der Ur Ukar das Messer beiseite. Tauschte es gegen einen Eierlöffel.

"Tust du. Das. Mit Absicht?"

Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Bazaar am 21.06.2005 | 22:22
Sir Vincent hatte sich bereits erhoben, der Gehstock rammte sich knirschend in den Boden, einem neuen Geschäft entgegen. Doch er hielt inne und musterte die Scraverin die, so untypisch für Angehörige ihrer Gilde, den Kopf ihres Vaters aus der Schlinge gezogen hatte. Zumindest glaubte sie das.

"Ihr Vater?" Sein Kopf neigte sich zur Seite und plötzlich hatte er etwas von einem Raben, der ein glitzerndes Spielzeug entdeckt hatte. Er machte eine unbestimmte Geste mit der linken Hand und trat einen Schritt auf Denize zu, jedoch ohne dass sich der Gehstock auch nur einen Millimeter in seinem winzigen Kieskrater bewegte.

"Meines Wissens hat man ihn auf den Planeten gebracht. Seine Arbeitskraft wurde gepfändet– die Reeves waren mit ihm nicht so nachsichtig, wie ich." Er lächelte gönnerhaft. "Ich nehme an, er wurde in einer Erzkolonie untergebracht, oder einer anderen Institution, die den Muster unterstellt ist – Sie verstehen, mir fehlt da bisweilen der Überblick. Die Angelegenheit wurde seinerzeit von Mister Coats geregelt, vielleicht wenden Sie sich besser an ihn, Miss Noy." Die sauber aneinander gereihten Zähne blitzen im Kunstlicht auf.
"Wenn Sie mich jetzt entschuldigen. Es warten noch andere Gäste auf mich."

Sir Vincent nickte Denize mit einem undeutbaren Blick in den grauen Augen zu und wandte sich ab. Seine dunkle Gestalt verschwand in den Tiefen des Gartens, untermalt vom leiser werdenden Knirschen der Kieselsteine unter seinen Absätzen.
Dann war nur noch das Mumeln des Wassers und das helle Klirren von Besteck und Geschirr in unmittelbarer Nähe zu vernehmen.
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Jack Hawkins am 21.06.2005 | 22:41
Langsam aber sicher fühlte sich Jack etwas unbehaglich in der Gesellschaft des Ukars. Die leidenschaftliche Präzision, mit der er das Ei geköpft hatte ließ vermuten, dass Monn den Scherz nicht als solchen aufgenommen hatte. Schon wieder. Paulus, da war es ja lustiger mit einem Avesti Scrabble zu spielen.
Also, keine Witze mehr auf Kosten der Gilde. Wahrscheinlich hatten die Ukar so einen kruden Ehrenkodex nach dem sie jedem das Herz aus der Brust schnitten, die ihre Gilde, ihre Familie oder ihr Haustier beleidigten. Skeptisch betrachtere Jack den Löffel in Monns Hand. Dieser Mann rief entschieden zu viele Gewaltphantasien in ihm hervor.

"Mit Absicht?" Seine Augenbrauen hoben sich und er gab sich unwissend. "Was?"
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Azzu am 22.06.2005 | 16:52
Mwerron stieß ein grollendes Knurren zwischen den Zähnen hervor. Funkelte die Jack-Kreatur durchdringend an. Das Menschwesen hatte sehr wohl verstanden. Deutlich zu spüren. Einige unregelmäßige Atemzüge, beschleunigtes Zucken der Halsschlagadern, mehr Schweiß, als der Wärme des Gartens angemessen war. Aber kein Versuch der Klärung. Keine Bitte um Verzeihung. Unwillens, weiterzuleben, oder nur zu dumm dazu?

"Vergiss es. Nicht wichtig." Der Ur Ukar zeigte ein seltenes, breites Lächeln und begann, den weichen Dotter des Frühstückseies zu löffeln. "Danke. Für die Auskunft."

Stille.

Schritte des Lord-Wesens, die sich entfernten.

Stille.

Für einen Moment schien sein Herz stehen zu bleiben. Augen weit aufgerissen. Schrill klirrend prallte der Löffel auf einem Teller auf.

Stille.

Kein Lebenszeichen von Denize.

Eine einzige, fließende Bewegung katapultierte ihn weg von seinem Stuhl, hin zum Nachbartisch.

Ausatmen.

Da stand sie. Am Rand des Teiches. Regungslos. Aber lebendig. Hinter ihm schlug der Stuhl knirschend auf dem Kiesboden auf.

Ihre Augen folgten ihm nicht, als er sich näherte. Blickten geradewegs durch ihn hindurch. Weit offen. Starr. Wie heute morgen. Nach dem Alptraum.

"Niz?"

Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Denize Noy am 22.06.2005 | 22:40
Denize verharrte schweigend und reglos am Ufer des Sees. Starrte dem Ritter hinterher, bis keine Bilder mehr in ihrem Geist ankamen.  Würde sie sich zu früh wieder rühren, bestand die Gefahr, dass sie eine Dummheit machte. Jetzt bloß nicht anfangen, nachzudenken!

Obwohl sie nicht wirklich wusste, wie sie reagieren würde. Eine trügerisch angenehme Leere beherrschte sie. Wie nach einer Todesnachricht. Die Information wurde immer von irgendetwas im Gehörgang abgepuffert, bevor es das Gehirn vollständig erreichte. Vielleicht gehörte sie auch nur zu dieser begnadeten Sorte von Menschen, die das Schicksal, das sie ereilte als Willen des Pancreators einfach so annehmen konnten. Was sollte man auch noch groß machen, wenn jemand gestorben war? Tot war tot.

Nur ging es in diesem Falle nicht um den Tod.
Es war viel komplizierter.

Das Rauschen der Lüftung mischte sich mit dem Geräusch des Blutes in ihren Ohren. Ein Haar der losen Strähne stach in ihr Auge. Sie wurde sich dessen bewusst, dass sie ziemlich verloren neben dem Tisch stand. Nun, was sollte sie tun? Sich bewegen? Wohin? Ihre Beine ... waren noch da, ja. Gehorchten ihr noch? Möglicherweise. Nachdenken. Doch, ja. Sie musste nachdenken. Ehe sie sich bewegte, sonst brachte sie Gedanken und Gestik am Ende durcheinander.

Also:
Auch die Möglichkeit, dass Masin seine Freiheit verspielt haben könnte, hatte sie bereits in Betracht gezogen, und den Gedanken dann angewidert in den hintersten Winkel ihres Bewusstseins gedrängt. Sowas passierte einem vernünftigen Freigeborenen nicht.

Vernunft. Das war der springende Punkt. Kühl und klar machte sie es sich bewusst:  Sie hatte, bei Severinus,  nicht die verdammten Ersparnisse von vierzehn mayaverfluchten Jahren harter Arbeit dem allerletzten Arschloch der Station geopfert, das sie nötig hatte, weil sie oder irgendjemand, in dessen Adern Noy-Blut kreiste, vernünftig war.

Und aus genau diesem Grunde sollte sie vielleicht langsam anfangen, vernünftig zu werden und...

„Niz?“

....

Monn.
Sein schwarzglänzendes Starren durchbrach die Mauer zu ihrer Seele als wäre sie aus Papier, stellte sie nüchtern fest.

....


Mwerron stand vor ihr. Starrte sie weiter an, die Arme halb erhoben, Leicht geduckt, als wollte er sie anspringen? Umarmen? Erwürgen? An den Schultern packen und schütteln?

Was wollte er hier? Warum mischte er sich ein?
Konnte er nicht bei seinem verdammten Frühstück bleiben?
Hilf mir.   
Musste er alles mitbekommen, was ihre Privatsache war?
Sag mir was ich machen soll.   
War es überhaupt noch ihre Sache?
Sie hatte doch alles getan, was in ihrer Macht stand, nicht?
Ihre Zukunft verschenkt, zum Beispiel.
Sag mir was ich fühlen soll.
Dass Masin sich noch weiter verschuldet hatte, konnte sie ja nicht riechen. Irgendwo war eine Grenze, oder?
Ich müsste doch wütend oder traurig oder irgendwas sein.
Jeder ist seines Glückes Schmied.
Ich kann doch nicht einfach völlig gleichgültig bleiben, oder?

Monn stand vor ihr! Hinderte sie am Denken.
Wenn sie nicht aus langjähriger Erfahrung gewusst hätte, dass der Ukar sich um ihre Gefühle keinen Deut scherte, dann hätte sie seinen Ausdruck als Besorgnis interpretiert. Was fiel ihm ein? Ausgerechnet jetzt? Das war ihr Ding. Das ging ihn nichts, aber auch gar nichts an. Und am allerwenigsten brauchte sie jetzt die herablassende Alienbehandlung Marke na Nolent. Danke fürs Gespräch.

„G’...“ Statt eines schnarrenden Uryariwortes entrang sich nur ein erstickter Laut ihrer Kehle. Sie versuchte es mit Luftholen. Zu laut, zu scharf, zu wütend und trotzdem nur ein Keuchen brachte sie es hervor: „Geh weg!“

In Monns Ohren musste es wie Flehen klingen. Dass sie auch genau die falsche grammatikalische Form benutz hatte! Verdammt. Verdammt!
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Azzu am 24.06.2005 | 01:02
Er blieb wie angewurzelt stehen. Wäre am liebsten tief im Boden versunken, in der Dunkelheit. Aber hier war er. Hell angeleuchtet von künstlichen Laternen, die sich im Wasser des Teiches spiegelten, seine Augen schmerzten. Erneut betrogen von seinen Instinkten. Erst hatte er sich ablenken lassen von der plumpen Provokation der Jack-Kreatur. Dann ohne Rücksicht auf die Situation reagiert.

Zwar hatte er nicht viel von dem Gespräch mit dem Lordwesen mitbekommen. Aber genug, um zu wissen, dass Denize Angelegenheiten ihres Clans erledigte. Einmischung durch Außenstehende - tabu. Wäre Denize Ukari gewesen, sie hätte ihn dafür zum Zweikampf gefordert. Jahre der Freundschaft hin, oder her.

Statt dessen stand sie nur da, regungslos, als hätte sie der Blick von Anikruntas blutendem Auge getroffen. Körperlich gesund. Aber nicht unverletzt. Und schickte ihn weg.

Mwerron nickte mit dem Kopf, wandte sich halb ab. Keine schlechte Lösung. Einmischung beendet. Keine Zeugen. Die Ehre des Noy-Clans kaum beschädigt.

Er hielt inne.

Clan Noy? Bislang keine Spur davon auf Bazaar. Niemand.

Nur Denize.

Allein.

Lautlos seufzend tat er die letzten Schritte auf Denize zu. Menschwesen! Warum hatte sie ihn nicht einfach fordern können?

"Ich werde gehen. Gleich. Aber..."

Er zögerte. Ein Zweikampf wäre bedeutend einfacher gewesen.

"Denize. Wenn du Hilfe brauchst..."

Nun war es gesagt. Jedes Wort, beleidigend, würde geschmerzt haben.

"... dann schick einen Freund nicht weg."

Zu weit gegangen. Aber nun war er hier.

Mwerron streckte den rechten Arm aus, bot seine narbige Hand an.
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Enkidi Li Halan (N.A.) am 26.06.2005 | 02:31
Megan. Hatte er von ihr geträumt? Enkidi blinzelte.

Er richtete sich auf, rutschte ein Stück auf der Bank zu ihr herüber und nahm ihre Hand. Mochte der Garten Augen und Ohren haben – es war ihm egal. Sollte alle Welt wissen dass er sie liebte.

Ich kann meine Seele nicht in der Dunkelheit verlieren, denn sie gehört bereits ihr. Sie hält sie fest in ihren Händen, so dass sie mir nicht mehr entgleiten kann. Und nach Nächten wie dieser, wenn ich selbst den Weg nicht mehr kenne, muss ich nur in ihre Augen blicken und sehe mich selbst darin, meine Seele, dort wo sie hingehört.

Aber war das wirklich so? Was gestern geschehen war – wie sehr musste Megan darunter gelitten haben.
Wenn er so weiter machte würden eines Tages, wenn er wieder einmal völlig zerstört zu ihr zurück kroch, ihre Augen leer sein und ihre Hände kalt. Der Ort, an dem seine Seele Schutz fand, würde nicht mehr existieren. Dann war es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Dunkelheit sie zerreißen würde und ihre Fetzen für immer in der unendlichen Leere zwischen den Sternen verloren wären.

Was sollte er tun? Hier saß sie nun vor ihm, wieder einmal, und er dankte allen Engeln dafür.
Eine neue Chance vielleicht, die er so wenig verdiente wie all die hundert zuvor. Sie um Verzeihung zu bitten, würde nichts an dem ändern was geschehen war und Worte nutzen sich ab, wenn man sie zu oft gebrauchte. Sie nicht um Verzeihung zu bitten würde bedeuten den gestrigen Tag kommentarlos abzuhaken und das, was sie seinetwegen durchgemacht hatte einfach zu übergehen.

Es konnte so nicht weitergehen. Bitte, Herr, bitte, es darf so nicht weitergehen.
Er strich über ihre schmale Hand, und senkte seine Stirn auf ihre Finger.

"Wie hälst du es nur mit mir aus?", murmelte er.   

Gleich würde es sich entscheiden. Zog sie die Hand fort, war alles verloren. Verharrte sie, gab es noch Hoffnung.

Er spürte die Wärme ihrer Haut, sie tat gut, drängte sie Kälte in den eigenen Fingern zurück. Da war ein feiner Geruch von Mandelblüten und Seife, die seidene Weichheit der Fingerspitzen, ganz anders als auf der Azara, wo ihre Hände oft rau waren und nach Maschinenöl rochen.
»So ist das nunmal an Bord eines Schiffes«, sagte sie dann schnippisch, »keine Zeit für Maniküre, Eure Lordschaft.« Fast hätte er gelächelt und spürte eine warme Woge der Liebe und Vertrautheit durch seinen Körper strömen. Ihre Hand ruhte in der seinen, die viel größer war, und rau,

und verbrannt.
Und schmerzte.

Zum ersten mal an diesem Tag war er wieder da, der Schmerz, und für einen Sekundenbruchteil war es, als würde die Hand auflodern, dort, wo Megan sie berührte, und auch seine Stirn auf ihrem Handrücken brannte, als würde ein glühendes Eisen darüber gezogen.
Fast hätte er die Hand weg gezogen, da hörte es auf.   
Und zeitgleich quoll ein anderer Gedanke wie schwarze Tinte in sein Bewusstsein.

Megan.
Sie hat das Artefakt.

Da war es, das Bild, und er fragte sich, wie es jemals nicht da gewesen sein konnte. Das Artefakt.
Sie hat es genommen.

Sein Mund wurde trocken, als füllte ihn eine unsichtbare Hand mit kosmischem Staub.

Das Artefakt. Er hatte davon geträumt und gleichzeitig war es mehr als ein Traum gewesen.
Enkidi schluckte schwer, presste die Augen zusammen.

Das Artefakt. Es gehörte nun zu ihm, sie durfte es nicht haben.
Blut schlug in einem dumpfen Rhythmus gegen seine Trommelfelle.
Dann, plötzlich, war da der Nachhall von Worten.

ich habe ihm etwas geschenkt, driftete aus der Erinnerung an die Nacht empor.
Nikolajs Stimme.
es wäre möglich, dass dich die auswirkungen dieses tausches in zukunft etwas beeinträchtigen.

Er kannte dieses Gefühl. Dieses Verlangen. Dieser brennende, unstillbare Durst.
Was war geschehen? Was hatte Nikolaj getan?

Gedanken schlugen über ihm zusammen, Gedanken die Worte bilden wollten.
Megan, hast du das Artefakt bei dir? Kann ich es sehen? Gib es mir. Gib es mir. Es gehört mir.
Ich will es haben, Megan, gib es mir, sonst nehme ich es mir, das Artefakt, hast du es bei dir?
Enkidis Lippen zitterten.

NEIN! Reiß dich zusammen, befahl er sich, Augen und Lippen zusammengepresst.
Schloss mit einem Aufbäumen seines Willens die Tore der Kammer, aus der die Gedankenflut herausgebrochen war. Schluckte, gab ein leises Keuchen von sich, das auch ein Schluchzen hätte sein können.

Etwas geschah mit ihm. Und der andere war dafür verantwortlich.
Noch bevor ihm Megan vergeben hatte, war er drauf und dran, alles noch schlimmer zu machen.

Nein. Diesmal nicht. 

"Megan...", sagte er mit rauer Stimme. Hast du das Artefakt?

"Ich – brauche Hilfe."
Titel: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Denize Noy am 26.06.2005 | 15:37
Überrascht zuckte sie zusammen.
Das war gemein gewesen, ihm alle freundschaftliche Sorge abzusprechen. So deutlich hatte er noch nie darauf hingewiesen, aber... Sie waren Partner. Er fragte nie, ob sie ihn brauchte. Er war einfach immer da. Wie ihr hellerer Schatten. Und sie hatte sich bisher noch nicht mal Gedanken drüber gemacht, ob es berechtigt war, ihn einfach als Selbstverständlichkeit in ihrem Leben hinzunehmen. Hatte sie ihm irgendwann mal gedankt? Ja, dauernd. Für alles mögliche, vor allem Kleinigkeiten. Irgendwie waren große Worte nie nötig gewesen. Oder war es nicht insgeheim auch eine Art Diskriminierung?

Verlegen strich sie endlich die lästige Strähne hinters Ohr und seufzte - resigniert: „Ja. Nein. Passt schon. Danke... Ich weiß noch nicht... Ich komm drauf zurück.“

Verdammt, wenn er so abging bei ihrem Anblick, wie sah sie dann grade aus? War wohl besser, sich mal zu nem Grinsen durchzuringen, auch wenn es nur eine etwas schiefe Grimasse wurde. Sie sollte sich wirklich Zeit nehmen, die Sache durchzudenken. In aller Ruhe, wenn die verwirrende Leere in ihr sich verflüchtigt hatte.
Titel: [Tag 3] Allgemein
Beitrag von: Elantil Enbaran am 29.06.2005 | 10:17
Ein helles, vollständig schattenloses Leuchten erfüllte den Raum. Grelles Licht, wohin man sah. Zwei schatten rangen miteinander. Ein ewig währender Schlagabtausch. Mal hatte der eine, mal der andere die Oberhand. Ihr Reigen dauerte fort. Die Unendlichkeit und Sinnlosigkeit des ganzen hatte erst begonnen. Sie führten ihren Tanz auf und sie starrte wie gebannt darauf. Die Zeit, so es sie gab, schien stehen geblieben zu sein. Schlag auf Schlag erfolgte. Wieder und wieder. Immerfort. Mal verschmolzen die Schatten, dann trennten sie sich wieder, nur um dann wieder im Ringen miteinander wieder zu verschmelzen.

Für sie gab es nur noch schwarz und weiß. Weiß war alles, und Schwarz war nichts. Nichts außer dem Reigen. Ein Kampf um das Licht. Doch warum kämpften dann nur die Schatten?

Plötzlich löste sich alles in Farben auf. Wild wirbelnde Farben zu dumpfen Klängen. Schneller und schneller drehten sie sich. Schwarz und weiß war verschmolzen und in zahllose Farben explodiert. Die Klänge wurden lauter und schneller. Dumpfer und hämmernder. Etwas in ihr raste. Dem schnellen dumpfen folgend. Wieder schien die Zeit keinen Anspruch zu erheben. Es dauerte fort. Sie verlor sich in den Farben und Klängen. Wurde eins mit ihnen. Wurde aufgenommen. Wurde wieder ausgespieen.

Auf ein bizarre Ebene. Ein riesiges Insekt. Starr. Gift versprühend auf alles in seiner Nähe. Viele kleine Insekten die das Gift gierig aufnahmen. Kleine Tiere, die versuchten dem Gift auszuweichen. Ein paar größere Tiere. Zwei Löwen schlichen um sie rum. Drängten sie weg von dem Insekt. Drängten sie weiter und weiter.

Dann wieder ein grelles Licht. Sie stöhnte auf. Begann alles wieder von vorn? Stimmen. Konturen.


„My Lady“ geht es Euch gut? Ein Amaltheaner?

Verwirrt schaute sie sich um. Was war geschehen? Wo war sie? Einer ihrer Diener erschien in ihrem Blickfeld. Sie fokussierte Ihn.
„Bring mich hier weg!“ war alles was sie heiser sagen konnte. Danach fiel sie in tiefe Dunkelheit. Endlich.
Titel: Re: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Azzu am 29.06.2005 | 22:56
Eine Weile lang hing seine ausgestreckte Hand regungslos in der Luft. Wie eine unfertige Brücke. Schließlich zog er sie zurück und vergrub beide Hände in den Jackentaschen. Nicht der richtige Zeitpunkt. Denize war vor der Berührung beinahe zurückgewichen.

Was mochte die Vincent-Kreatur ihr angetan haben? Es war nur ein kurzer Augenblick gewesen, den Mwerron nicht zugehört hatte. Immerhin. Langsam kehrte sie wieder zu ihrem üblichen Selbst zurück. Ein ungehaltenes Seufzen. Gewohnte Reaktion auf die meisten seiner Verhaltensweisen.

Ja. Nein. Gute Antwort.

"Du bist nicht alleine," stellte er laut denkend fest. "Es sei denn, du willst es so."
Titel: Re: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Jack Hawkins am 1.07.2005 | 23:00
Plötzlich kippte der Stuhl neben Jack um und Monn war verschwunden.
Sein Kiefer klappte herunter. "Was zur Hölle....?"
Dann entschied sein Körper, dass er vielleicht auch etwas unternehmen sollte und jagte eine Ladung Adrenalin in seinen Kreislauf.
Jack sprang auf, griff nach seiner Waffe, und stolperte dabei halb über seinen eigenen Stuhl. Er schwankte, fluchte, und hastete hinter Monn her.

Nach ein paar Schritten klinkte sich sein Gehirn wieder ein.
Augenblick.
Da waren keine Schreie. Kein Kreischen. Keine Schüsse, kein Lärm, nichts.
Nur das Säuseln einer künstlichen Prise und dem Plätschern von Wasser, das friedlicher nicht hätte sein können.
Jack hielt inne.
Wusste der Himmel, was in den Ukar gefahren war.
Kein Grund für vorschnelles Handeln.

"Ähm...hallo?" rief er in Richtung des Buschwerks vor sich und ging langsam weiter.
"Niz? Monn?"

Er zögerte, lauschte, misstrauisch – ein Ukar sprang doch nicht einfach so los, als hätte ihn eine Rumpfratte in den Allerwertesten gebissen. Oder?
Nichts. Nada. Stille. Entfernte Gespräche irgendwo jenseits der Hecken. 
"Pffft", machte er verächtlich und schüttelte den Kopf. Überreagiert.

Die Waffe in der Hand war keine gute Idee, also steckte er sie wieder weg. Er umrundete die Sträucher und kam zu einer weiteren Sitzgruppe, ähnlich der ihren, aber mit nur zwei Stühlen und gänzlich umgeben von violett blühendem Buschwerk.
Monn und Denize standen da, reglos, beide so bleich wie die Marmorstatuen, die hier überall herumstanden. Er, weil er so bleich war, und sie... – etwas war vorgefallen. Niz' Gesicht war verschlossen, so unzugänglich und abweisend wie die rätselhaften Abbilder der versunkenen Gottheiten, denen sie ihr Leben gewidmet hatte.

Jack platze in eine erwartungsvolle Stille, die sich zwischen den beiden spannte. Da war ein Ausdruck auf Monns Gesicht, den er nicht einordnen konnte, und Sekundenbruchteile später fühlte er sich von dem Blick seiner schwarzen Augen durchbohrt.

"Hey... ist alles in Ordnung bei euch?"

Titel: [Tag 3] Fruehmorgens in den Subsektoren
Beitrag von: Managarmr am 6.07.2005 | 11:49
Nach mehreren Metern antrengender Krabbelei, nicht zuletzt deshalb, weil es leise vor sich gehen musste, gelangte Erland an eine Abzweigung. Er folgte seinem Richtungssinn und gelangte kurze Zeit später an eine festgerostete und deshalb offen stehende Irisblende.
Der Raum dahinter lag im Zwielicht einer dumpf und mit einem leisen Summen vor sich hinflackernden rötlichen Notfusionsleuchte.

 Es glich förmlich einer Symphonie in rötlichem Dunkel und Rostbraun, jedoch in Moll und Melancholie. Ein sehr enger und verwinkelter Raum, ein vergessener Knotenpunkt von Wartungsgängen. Der Blick des Mönchs schweifte ueber ein Wirrwarr aus abgelegten, obsoleten und vergessenen Teilen, in den Raumecken versinkend in einer trueben Bruehe, angedickt mit Eisenoxiden. Die halbzähen Lachen glichen fast gerinnendem Blut, herausgequollen aus den Einschuessen gleich sinnlos ueber die Wände verteilten Wartungschächten....

Eine Symphonie mit Dissonanzen, denn dort an der Wand blinkte etwas mit bernsteingelbem Licht. Keine Kameras? Langsam und bedächtig, nach einer Lauschperiode und aufmérksamer Betrachtung des Bodens, stieg der Mönch aus dem Schacht. Er zog die Martech aus den Tiefen der Kutte, seine Hand schloss sich nur widerwillig um den Griff, das Zeichen der Inquisition drueckte sich unsanft in die eigentlich harten Schwielen seiner Hände. Einen Erinnerung daran, dass das Ziehen dieser Waffe nicht leichtfertig geschehen sollte, und man sie nicht länger hielt als nötig. Andererseits hatte er auch Avesti kennengelernt, die mit Absicht spitze Dornen in den Handgriffen und auf der Rueckseit des Ka-Öl-Tanks hatten, die sich bei jedem Feuern in ihr suendiges Fleisch bohren konnten...

Mit einem absolut leisen Klicken singnalisierte sie die Entsicherung. Geduckt schlich der dicke Mönch zur nächsten Ecke vor. Er lauschte erneut. Ihm gegenueber, unauffällig hinter einer ölverschmierten schief herabhängenden Gitterblende, schielte eine Konsole hervor. Komplett mit Schirm, auf dem zwei Symbole blickten, darunter etwas mit mehreren Schaltern.
Bingo, Erland! Remigius Aufzeichnungen hatten recht. Die Karten und Dateien waren tatsächlich edititiert, kaum merklich, aber die Wahrscheinlichkeit, das jemand diesen Raum aufsuchte, war danach gleich null. Dennoch störte es das Symmetriebeduerfnis der urspruenglichen Erbauer, welches allen chaotischen Veränderungen dieses jahrhundertealten Ameisennestes trotzte, und noch hier und da zu erahnen war. Vorsichtig und mit einer blitzschnellen Bewegung schaute er kurz um die Ecke. Der eigentliche Raum endete dort nach zwei weiteren Metern, die einzigen Wege hinaus Leitern zu anderen Zwischenböden und -wänden, und weitere Luken, denn der urspruengliche Zugang durch eine Tuer war zugeschweisst. Mehr Muell auf dem Boden, Stoff..
Stoff? Alle Vorsicht fuer einen unbedachten Moment fallen lassend, hastete Erland um die Ecke. Er stellte seine Sachen auf den Boden, und drehte vorsichtig den Körper herum. Die Fasern der Robe protestierten mit einem reissenden Geräusch, als sie sich aus der schmatzenden Umarmung der dem Recycling entgangenen Fluessigkeiten löste. Schwarze teerartige Tränen rannen ueber das von Lachfalten geprägte Gesicht, bahnten sich ihren Weg ueber kaltes Fleisch, vorbei an Glassplittern, die sich vom der Umklammerung der Buegel und ihrer Eigenspannung befreit in das gefallene Gesicht gegraben hatten. NEEEEEEIIIIIIINNNNN!.

Es lief eiskalt und gleichzeitig siedendheiss seinen Ruecken hinunter. Vorsichtig tastete er nach Lebenszeichen in diesem schlaffen Körper, liebevoll hielt er ihn einer uebergrossen Puppe gleich, eine Puppe, deren Glieder schlaff und gebrochen hingen, und die man auf den Muell geworfen hatte.
Er hielt inne. Unmerklich, und doch vorhanden! Leise versank er in die Riten, das heilende Licht suchend. Eine Viertelstunde später hatte sich der Puls verstärkt, es waren jedoch keinerlei Anzeichen von Bewusstsein zu erkennen, die Augen unter den Lidern so verdreht, dass nur das Weisse zu sehen war.
Muehsam begann Erland Remigius schlaffen Körper in den Schacht zu ziehen, aus dem er gekommen war. Quälende, endlose Minuten später war er auf der anderen Seite angelangt, öffnete die Irisblende, und zog ihn heraus. Seine Arme protestierten nun noch stärker. Hier, im minimal besseren Licht untersuchte er Remigius erneut, wischte zärtlich das Gesicht sauber, und desinfizierte mit einer kleinen Flasche die er aus seiner Robe geangelt hatte, die Wunden im Gesicht. Keine weitere Besserung, aber keine Knochenbrueche, nun es musste wohl sein. Er wuehlte eine weiteres Mal in seiner Robe, und zog einen Injektor hervor. Er legte die teure Ampulle ein, und setzte Remigius das Elixier.
Nun, Zeit zu gehen.. Er sammelte die Sachen ein, aber hielt inne. Bei Hombor! Du Esel, Erland!. Die Fusionsleuchte wuerde nicht auffallen, aber die Waffe lag auch noch drueben!
Unter einer Tirade an sich selbst krabbelte er erneut in den Schacht. Schliesslich gelangte er auf der anderen Seite an, schlich zur Ecke, und klaubte seine Sachen aus dem Unrat. Das gelbe Blinken fiel wieder in sein Auge, uebte seine Anziehungskraft aus, wand förmlich seine Augen mit Gewalt dorthin, wurde willkommen geheissen von Neugierde... zwei Schritte nur...

Erland ergab sich und näherte sich vorsichtig der Konsole. Es sah fast aus wie eine kleine Version einer Geschuetzsteuereinheit, wenn er sich recht an die verschiedenen Cockpits erninnerte, die er bereits gesehen hatte. Die Zeichen auf dem Schirm kannte er nicht. Das war kein Lex, ähnelte auch nicht wirklich Suprema, soviel konnte er sehen. Es erinnerte ihn an etwas anderes, aber das konnte nicht sein! Oder?
Darunter lag ein Stapel Plastkarten. Verwundert schaute er die Linien an. Noch verblueffter registrierte er Agni und die Ellipsoiden - eine exakte Systemkarte, mit zeitlichem Muster. Also doch?
Nun versuchte jedoch sein Unterbewusstsein verzweifelt die Verblueffung, Neugier und das Gruebeln zu durchbrechen. Da kommt jemand!. Schockartig kehrte sein Verstand zurueck. Er schaute sich gehetzt um. Die Leiter dort druben sah stabil genug aus, um nicht zu quietschen. Er hastete so leise wie möglich hinauf, und kroch in den nächstbesten waagerechten Schacht. Nach drei Metern hielt er an, das Weiterkrabbeln war nun zu riskant. Er hörte, wie eine Person weiter unten eine andere Leiter herabkletterte, dem Geräusch nach Magnetstiefel, kurz zu lauschen schien, sich verwundert irgendwo kratzte, und dann etwas an der Konsole tippte. Erland hielt den Atem an. Wäre er Avesti, wuerde er wahrscheinlich heraustuermen und alles in Asche verwandeln. Aber das lag so ganz und gar nicht in seinem Bereich. Mal abgesehen davon, das Du Dein Fett dafuer nach hinten bewegen muesstest - eine denkbar unguenstige Ausgangsposition.. Er hielt den Atem an, die Situation war beinahe komisch.

Nach einer halben Ewigkeit, zeitlich strukturiert nur durch sein eigenes Gefuehlt und die von Zeit zu Zeit auftretenden Tippfolgen dort unten, stoppte die Person ihre Arbeit und verschwand leise wieder.
Erland wartete eine halbe Stunde lang, beschäftigt mit Kalkulationen und Inklinationen. Aus den leisen Perioden konnte man eventuell eine Entfernung und Antwortzeit errechnen, wenn es wirklich das war, was er vermutete. Andererseits kannte er nicht die Lesegeschwindigkeit der Person und die Länge der mutmasslichen Anworten. Langsam begann er nach vorne zu krabbeln, immer noch rechnend. Plötzlich quietschte das enge Rohr beinahe jämmerlich auf, ein Geräusch das rasch in eine Art von Knirschen uerberging, das fast von den Metallzähnen eines Golems hätte stammen können. Erland konnte nur noch aufstöhnen, und die Ellenbogen schnell ueber seinen Kopf legen. Dann stuerzte das Rohr herab, und mit dem harten Aufschlag wurde es Nacht.
Titel: Re: [Tag 3] Klerikaler Sektor und Kapelle
Beitrag von: Bazaar am 6.07.2005 | 11:51
Mit langsamen Schritten näherte sich eine Gestalt, beinahe umkränzt vom Licht, welches vom Korridor in den Eingang schien. Ein alter Mann, in einer fuer eskatonische Verhältnisse schon prunkvollen Robe. Sie war jedoch eingerissen und verschmutzt, und hatte einen unmerklichen, fast öligen Geruch.  Ein freundliches, aber fast starr wirkendes, verschrammtes Gesicht wurde im Zwielicht der Kapelle erkennbar.
Der Alte schritt weiter, mit keinem Zeichen war zu erkennen, ob er die Anwesenheit anderer ueberhaupt registrierte. Er hielt kurz vor dem Altar an und starrte dann unbewegt nach oben.

Posting of Managarmr
Titel: Re: [Tag 3] Klerikaler Sektor und Kapelle
Beitrag von: Elisabeth Hawkwood am 6.07.2005 | 13:00
Unschluessig verharrte die Baronin einen Moment lang halb erhoben. Er wirkt wie in Trance, vielleicht sollte ich ihn lieber nicht stören? Aber er sieht aus als käme er gerade aus einem Kampf oder so etwas. Und sein Gesicht wirkt auch merkwuerdig, auf eine gewisse Art und Weise fast Angst einflössend. Und worauf starrt er da oben? Sucht er nach einem Zeichen des Allschöpfers? Wieso sind Eskatoniker eigentlich immer so unberechenbar?

Sie erhob sich, wobei sie mit Absicht den Fächer gegen eine Bank schlagen liess und ging dann langsam nach vorne zu der unbeweglich dastehenden Gestalt.

"Den Schöpfer zum Gruss, Vater!" Sie verbeugte sich elegant, wobei sie unauffällig den Priester genauer musterte.
Titel: Re: [Tag 3] Arkaden
Beitrag von: Sir Lars Trusnikon am 6.07.2005 | 18:23
Eine Weile beobachtete er den vorbeifliessenden Strom der Menschen. Die graugekleidetetn Pilger, alle mehr oder weniger schmutzig und muede waren in der Ueberzahl. Einige nervös und uebernächtig wirkende Stationssicherkeitskräfte patrouillerten auf und ab, versuchten hier und dort mit nur mässigem Erfolg etwas Ordnung in die Menschenmassen zu bringen. Die meisten bewegten sich offenbar auf den Kirchenbereich zu.

Ich möchte lieber nicht wissen wie voll es dort mittlerweil sein muss und wie es sich dort drängelt und schiebt schonmal dreimal nicht. Nein danke. ein Grund mehr da nicht hinzugehen. Ich sollte lieber nach einer Aufmerksamkeit fuer die Baroness Ausschau halten. Gar nicht so einfach, das Angebot hier sieht nicht berauschend aus. Blumen sind zu langweilig, Schmuck zu hoch gegriffen. Mal sehen ob ich nicht eher etwas originelles auftreiben kann.

Er bewegte sich, das riesige katzenartige Guernicabiest dicht neben sich nach unten und bewegte sich schlängelnd zwischen den Ständen hindurch, die Rufe der Händler erst einmal ignorierend.

Die Stoffe hier sind zu billig, die sehen nur nach Protz aus, nach mehr nicht, das kommt nicht in Frage. Stationsandenken, um Himmels Willen, bin ich denn ein Pilger? Merkwuerdiger Krimskrams, nein, das meiste ist sicherlich eh nichts wert und kostet viel zu viel. Gibt es keine Gedichtbände oder so etwas? Es muessen doch wirklich genug Adlige hierher kommen, dass sich das lohnt. Es wäre auch einfacher wenn man wuesste was sie so treibt ausser launisch mit anderen Menschen umzuspringen... .
Titel: Re: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Denize Noy am 7.07.2005 | 21:11
"Nein." Denize schenkte Jack ein langes, geschmerztes Lächeln. Auch ihm stand die Sorge ins Gesicht geschrieben. "Nicht wirklich, um ehrlich zu sein. Lasst uns verschwinden.  Die Botanik hier kotzt mich an."

Damit stapfte sie entschlossen zurück an den Dreiertisch, stürzte ihren kalten Kaffee herunter und ließ ihre letzten Münzen auf die Tischplatte klimpern. Es kümmerte sie wenig, ob der Betrag stimmte. Sie war fertig mit dem Coffee Garden.

Fragend deutete sie am Teich vorbei auf den Ausgang zum Vergnügungsviertel.
Titel: Re: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Jack Hawkins am 7.07.2005 | 22:43
Jack hätte gerne nachgehakt, ließ es aber für den Moment auf sich beruhen. Niz sah nicht aus, als würde sie bereitwillig Auskunft geben. Er zuckte mit den Schultern, schlug sich zufrieden auf den wohlgefüllten Bauch und zündete sich eine Zigarette an.

Der heiße Rauch hinterließ einen angenehm harzigen Geschmack in seinem Mund zurück, der perfekte Abschluss eines Frühstücks, an das er sich wahrscheinlich noch in Jahren würde zurück erinnern können. Wenn sich nicht bald etwas entscheidend an seiner beruflichen Laufbahn änderte. Wenn er nicht endlich aus dieser elenden Pechsträhne herauskäme, die ihm seit Wochen einen Strich durch sämtliche seiner Unternehmungen machte.
Würde sich das Blatt heute wenden? Würden Niz' und Monns kundige Augen einen Schatz enthüllen, einen Schatz, der in seinem Besitz war?

Jack grinste zufrieden in sich hinein, während Niz zahlte und die drei das Coffee Garden verließen. Ja, der Tag hatte gut angefangen. Er hatte es im Gefühl, heute würde sich alles ändern. Jack Hawkins würde einen Schatz besitzen.

Seine Phantasie schlug Kapriolen, während er sich ausmalte, welche Möglichkeiten sich ihm bieten würden. All das Geld, das sich mit dem Verkauf eines echten Artefaktes machen ließe. Yeah. Seine Tage als Weltraum-Tagelöhner waren gezählt. Vielleicht wäre das der Grundstock für eine ganz neue Karriere – er würde Niz und Monn anheuern, sie würden die Spur des Artefaktes zurückverfolgen, denn wo eines war, waren sicher noch mehr. Sie würden ein Schiff mieten und irgendwo auf einem entlegenen Planeten fündig werden, oder noch besser, vielleicht ließ sich ja Commander Lindsey mit ihrem fantastischen Schiff für die Sache gewinnen und gemeinsam würden sie – ja, sie würden reich werden. Jack Hawkins, Artefakt-Händler. Das klang verdammt gut.

Er fing einen Blick von Niz auf, die neben ihm herlief, in sich versunken und stumm, den Blick nach innen gerichtet. Auf einen Punkt jenseits dieses Augenblicks, vieleicht auf die Vergangenheit – oder die Zukunft?
Während sich Jacks Welt gerade vor seinem inneren Auge neu aufbaute, schien ihre zerfallen zu sein. Wie eng lagen manchmal Glück und Enttäuschung beieinander.
Aber Unglück war nicht für die Ewigkeit. Das Leben trat einem in den Arsch, ohne Frage, viel zu oft und viel zu hart, aber egal wie sehr es sich anstrengte, irgendwann war eben der Punkt erreicht, an dem es nicht weiter abwärts gehen konnte.
Und dann – Bingo! – änderte sich von einem Moment auf den anderen alles und man schwamm wieder oben auf. Wie eben jetzt, in Jacks Leben. Vielleicht sollte er ihr das sagen.

Aber eigentlich wusste er ja gar nicht, was vorgefallen war.
Zeit, das zu ändern.

Er hielt es noch genau bis zum Hauptschacht Richtung Sektor E aus, ehe es aus ihm heraus platze.
"Hey Niz... was war denn mit Sir Vincent?"
Vielleicht half ein Kompliment, ihre Stimmung zu bessern. "Warum lässt du deinen hübschen Kopf so hängen, hmm?" 

Titel: Re: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Denize Noy am 8.07.2005 | 11:01
Es dauerte einige Augenblicke, ehe Denize reagierte. Sie nahm sich vorher Zeit, mit der Stiefelspitze einen Kieselstein, der sich vom Weg des Coffee Garden in die fremde Umgebung des Ganges verirrt hatte, vor sich her zu kicken, bis er in einer Ritze der Schachtverkleidung verschwand.

"Hmmm. Kennst du jemanden von der Gewerkschaft? Einen Mr. Coats vielleicht?"
Titel: Re: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Jack Hawkins am 8.07.2005 | 11:35
"Coats?"
Etwas in Jacks Gesichtsausdruck ließ darauf schließen, dass er mit diesem Namen keine guten Erinnerungen verband. Er nickte.
"Ein stationsbekannter Schläger, der seine Finger in ziemlich vielen zwielichtigen Angelegenheiten hat. Bis zum Hals voll mit Scheiße, wenn du mich fragst. Erst gestern hat er sich eine Messerstecherei geliefert." Beiläufig fügte er hinzu: "Bei der ich zufällig anwesend war." Er nahm einen letzten Zug aus der Zigarette und schnippte sie auf den Boden. "Ging zum Glück glimpflich aus."

"Aber.. wie kommst du darauf? Ich meine.... du hast doch keinen Ärger mit dem Typen, oder?"
Titel: Re: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Denize Noy am 8.07.2005 | 12:00
"Nicht direkt," brummelte Niz in sich hinein.

Na danke, genau sowas wollte ich unbedingt hören. Warum nicht sowas wie <Coats ist ein ehrenwerter Geschäftsmann, mit dem man gut reden kann>, hm?

"Er hat nur meinen Pa einkassiert. Nichts weiter schlimmes. Kann ja jedem mal passieren... " Die Grabesstimme, mit der sie die Nachricht vortrug, nahm der Ironie einen Großteil des Bisses, ließ sie resigniert und hilflos klingen. 

"Scheint so, als wären wir beide kein gutes Team, du und ich. Kaum hängen wir zusammen rum, schon suchen wir uns sehr geschickt die gleichen Leute aus, um Schwierigkeiten mit ihnen zu haben." 
Titel: Re: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Jack Hawkins am 8.07.2005 | 13:00
"Er hat deinen Pa einkassiert?" Jack blieb stehen und sah Niz an. "Deinen Vater?"
Es war sicher eine Ewigkeit her, dass Jack vom alten Masin Noy gehört hatte. Seit er nicht mehr regelmäßig auf die Station kam, hatte er eine Reihe alter Bekannter aus den Augen verloren – ohne großes Zutun, wie so oft, wenn das Leben von Menschen verschiedene Bahnen nahm. Einmal hatte er ein Gerücht aufgeschnappt, dass Masin in Schwierigkeiten steckte. Aber zu der Zeit hatte er seine eigenen Sorgen gehabt. Wie eigentlich immer. Umso mehr berührte es ihn, dass sich das Gerücht von damals nun als wahr herausstellte.

"Hrm." gab er von sich und ein Ausdruck von Sorge erschien auf seinem Gesicht. Um sie herum versiegte der Menschenstrom langsam, das Leben auf der Station konzentrierte sich um diese Zeit eindeutig auf den Arkaden und im Vergnügungsviertel. Und dieser Tage natürlich auch bei den Klerikern. Sektor E hingegen wirkte wie immer fast ausgestorben. Sie folgten den abgeblätterten gelben Markierungen auf dem Boden, die sie zielstrebig Richtung Stationssicherheit führten.

"Schwierigkeiten? Ja, sieht so aus. Warum hat Coats deinen Vater kassiert?" Die Frage war fast rethorisch. Coats Hauptgeschäft hatte mit Menschen zu tun – und bestimmt nicht, weil er ein Menschenfreund war. So langsam erkannte er die Zusammenhänge. Sir Vincent und Coats. Ein Traumpaar.
"Hör mal Niz... wenn ich irgendwas tun kann...."

Titel: Re: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Denize Noy am 8.07.2005 | 13:18
"Vielleicht. Wir werden sehen. Erstmal will ich meine Waffen wieder."
Fürs erste war die Unterhaltung damit von ihrer Seite beendet.  Das Wort Messerstecherei hallte in ihren  Ohren wider, im Takt ihrer beider Schritte. Monn bewegte sich völlig geräuschlos.

Nun, sie hatte nicht vor, gegenüber diesem Coats handgreiflich zu werden. Außer er gab ihr einen Grund. Aber dazu musste sie sich ersteinmal darüber klar werden, ob sie denn wirklich vorhatte, ihn aufzusuchen. Sie hatte sich selbst vorhin die Möglichkeit genommen, ihren Vater ohne weiteres freizukaufen. Wollte sie das überhaupt noch? Oder war jetzt ein guter Zeitpunkt, die Hoffnung aufzugeben?

Sicher war, dass sie sich unendlich viel zusätzlichen Ärger einhandelte, wenn sie die Angelegenheit weiter verfolgte.
Titel: Re: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Azzu am 8.07.2005 | 17:56
Zwei Schritte hinter Niz und der Jack-Kreatur verfluchte Mwerron wortlos die unpräzise Bildhaftigkeit der Menschensprache. Coats hatte Denizes Vater "einkassiert". Was immer das bedeuten mochte. Getötet? Schulden eingetrieben? Gefangen genommen?

Sinnlos, jetzt darüber zu grübeln. Falls Niz seine Hilfe wollte, würde sie auch ihn früher oder später einweihen. Falls nicht, hatte er sich aus den Angelegenheiten des Noy-Clans herauszuhalten.

Ein dünnes Lächeln erschien auf dem fahlen Gesicht des Ur Ukar. Wenn Denize ihre Waffen wollte, bevor sie der Coats-Kreatur gegenübertrat, würde sie auch ihn dabei haben wollen. Coats. Messerkämpfer. Mwerrons Lächeln wurde eine Spur breiter. Er freute sich auf die Begegnung.
Titel: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Bazaar am 15.07.2005 | 18:09
Ensign Hyan Trent saß mit verschränkten Armen hinter seinem Schreibtisch und beobachtete die flinken Bewegungen eines kleinen Jungen, der seine Stiefel polierte. Sein Fuß stand schwer auf einer Metallkiste, in der der Junge seine Bürsten, Sprayflaschen und Dosen mit Politur verwahrte.
Über ihm drehten sich mit monotonem Summen die Ventilatoren der Belüftungsanlage, die endlich wieder angesprungen war. Im Laufe des Vormittags war die Temperatur in seiner Wachstube bedenklich in die Höhe geklettert. Er hatte zwei Anfragen an die Technik losgeschickt, aber immer noch keine Antwort bekommen. Wahrscheinlich wieder einmal ein Systemausfall, und wie üblich war er der letzte, der davon informiert wurde.
Er nestelte ein blütenweißes Taschentuch aus der Innentasche seiner Uniformsjacke und tupfte sich den Schweiß von der Stirn. Es kam nicht oft vor, dass er in seinem Beruf schwitze, und er hasste es.

"Bist du endlich fertig", knurrte er ungehalten, und verlagerte das Gewicht seines Fußes. 
Ein Blick aus großen, dunklen Augen, die in einem verschmierten Gesicht saßen, unter verfilztem Haar, das wahrscheinlich seit Jahren weder mit Desinfektionspulver noch einer Schalldusche in Kontakt gekommen waren. Widerlich, dachte Hyan Trent und seine Gesichtszüge verzogen sich. Wenn er Flöhe hat, lasse ich ihn und seine ganze Familie von Bord werfen.
Die schmutzigen kleinen Finger zogen den Lappen noch ein, zwei Mal über den schwarzen Stiefelschaft, dann richtete sich der Junge auf, schlang den Lappen um seinen Hals und blickte ihn mit einem strahlenden Lächeln an. "Fertig, Boss."
Hyan beugte sich vor und begutachtete die Arbeit. Das Leder glänzte in sattem Schwarz, war wieder weich und geschmeidig. Kein einziger Riss mehr zu sehen. Tadellos.
Er schürzte die Lippen. "Das zahl ich nicht."
Der Junge schnappte Luft. "Aber.."
"Die sehen noch genauso aus, wie vorher."
Er betrachtete seine Stiefel von allen Seiten, stand dann auf und verstaute sein Taschentuch wieder in seiner Westentasche.
"Pack deinen Kram zusammen und verschwinde."
Der Junge sprang auf, Zorn, der Hyan galt, ihn aber völlig kalt ließ, blitze darin.
"Ich habe gute Arbeit gemacht, Boss, gib mir mein Geld."
Hyan nahm ein Datenpad vom Tisch und begann, seine Notizen vom Vormittag noch einmal durchzugehen. Dabei schritt er eine akkurate Kreislinie um seinen Schreibtisch herum ab und genoss die kühle Luft, die von oben in den Raum fiel.
Geräuschvoll packte der Junge seinen Kram zusammen und trat ihm dann in den Weg.
"Gib mir mein Geld" zischte er und streckte ihm fordernd seine Hand entgegen.
"Du bist ja immer noch hier", murmelte Hyan geistesabwesend hinter seinem Datenpad. "Wenn du nicht sofort verschwindest, melde ich dich der Aufsichts..."

In diesem Augenblick erklang der Türsummer. Das Schott glitt automatisch zur Seite und drei Personen traten in die Wachstube.
Ein freundliches Lächeln erschien auf Ensign Trents Gesicht.   



(posting von Enkidi Li Halan)
Titel: Re: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Megan am 15.07.2005 | 21:30
Irgendwo zwitscherte ein Vogel. Versonnen lauschte sie der zu harmonischen Melodie, als dass sie hätte echt sein können. Der Ober kam, und sie bestellte einen Kaffee. Sie ignorierte seinen irritierten Blick auf ihre Hände.

Noch immer waren Enkidis Augen auf sie gerichtet. Etwas Irres lag darin. Mit der Linken fuhr sie die Konturen der holografischen Karte nach, die weißtransparent über der Tischplatte schwebte. Dann lehnte sie sich zurück und nur noch ihre Fingerspitzen lagen in seiner Hand.

"Baron... Enkidi..." äußerlich blieb die Etikette bestehen, doch der Titel war schon aus dem Sinn, als sie den Namen nachsetzte.
"Ich bin gekommen, weil ich Euch an unsere Aufgabe auf dieser Station erinnern wollte. Wir haben viel zu tun und es sind einige Dinge passiert, über die ich Euch bisher bedauerlicherweise nicht in Kenntnis setzen konnte."

Während sie sprach blieb ihre Miene reglos, dienstbeflissen. Entweder nahm sie seinen Zustand nicht wahr, oder sie ignorierte ihn völlig. Lediglich die noch immer gehaltene Hand verlieh der Situation eine merkwürdige Vertraulichkeit.
Titel: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Jack Hawkins am 15.07.2005 | 21:49
Hinter dem Schott lag ein sechseckiger Raum, in dessn hintere Front mehrere mit blinkenden Codeschlössern versehene Sicherheitsluken eingelassen waren. Ein massiver Schreibpult dominierte den Raum, der ansonsten leer und aufgeräumt wirkte. Bläuliches Kunstlicht strahlte von der Decke und obwohl es dem Raum mit all seinen metallenen Oberflächen einen kühlen Eindruck verlieh, war es nicht kühl. Die Klimaregulatoren liefen auf Hochtour, und der Luftstrom zerrte an ein paar losen Blättern, die auf der glänzenden Schreibtischoberfläche lagen. Ein vager Geruch von Schweiß und Leder lag in der Luft, ging ohne Zweifel von dem Uniformierten aus, der sie vor Jack, Denize und Monn aufbaute.

Ein schlanker Asiate mit breiten Wangenknochen und einem flachen Kinn, dessen Augen weit aus ihren Höhlen hervortraten. Er erinnerte Jack an einen byzantinischen Regenbogen-Karpfen, den er in einem Souk auf Criticorum gesehen hatte. Die Haut des Mannes hatte den selben Gelbstich wie das uralte Plexiglas, in das das Souvenir gegossen war.
Er lächelte ein lexikontaugliches Beamtenlächeln, das ihn als den diensthabenden Offizier auswies. War ja auch sonst niemand im Raum.

Außer einem kleinen Jungen, der in diesem Moment ein breites Grinsen aufsetzte und am Ärmel des Wachhabenden zupfte.
"Das macht dann einen Crest, Boss. Für die Schuhe."
"Was?" Ein irritierter Seitenblick. "Ach ja." Er fischte eine Münze aus einer Hosentasche und gab sie dem Jungen, der daraufhin mit einem noch breiteren Grinsen den Raum verließ. Schien seinen Job ja echt gerne zu machen, der Kleine.

Jack las das Namensschild, dass prominent auf der linken Brust des Asiaten haftete.
"Ensign...Trent. Hi.
Wir sind hier, um unsere Sachen abzuholen. Jack Hawkins, Denize Noy und ... äh.... Monn."
Titel: Re: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Bazaar am 15.07.2005 | 23:03
"Ihre Sachen? In welcher Angelegenheit?"

"Ähm. Die Schlägerei. Frozen Sunset. Gestern. Wir waren die....Opfer."

"Die Opfer, hmm?" Schwer sich das vorzustellen, wenn ein Ukar in die Sache verwickelt war. Trent umrundete seinen Schreibtisch und lud die Dateien der letzten Nacht auf das in die Tischplatte eingelassene Display. Es dauerte eine Weile, immer wieder erschien ein weißkörniges Rauschen, das Schrift und Bilder unkenntlich machte. Trent fluchte leise. Offenbar war heute im gesamten System der Wurm drin. Er schlug kurz auf das Display – als ob das helfen würde. Doch in der Tat stabilisierte sich das Bild und er überflog die Daten. 

"Hawkins, Jack? Ensign Sternfahrer-Gilde?" Trent musterte den zerfledderten Sternfahrer vor sich. Schwer vorstellbar, aber da war in der Tat eine gewisse Ähnlichkeit mit Lieutenant Hawkins von der Stationsführung. Im Gegensatz zu dem stets gepflegten Brückenoffizier sah dieser Hawkins aus, als hätte ihn gerade eine der Müllaufbereitungsanlagen der unteren Ebenen ausgespuckt.
Der Bericht von der Schlägerei und die Tatsache, dass Noy, Denize und Nanolent, Werron der Gilde der Scraver angehörten, komplettierten das Bild.
Herumstreunendes Weltraum-Pack. Nomaden, wahrscheinlich auf der Suche nach einem Job oder der Gelegenheit, auf der Station ein unbedarftes Opfer über den Tisch zu ziehen. Er schüttelte leicht den Kopf, sein Nasenrücken kräuselte sich.

"Ja, hier ist etwas vermerkt. Ihr "Besitz" wurde in Verwahrung genommen."

Er blickte vom Display auf und musterte die drei Gestalten vor sich. Die Frau fiel aus dem Rahmen, anständige Kleidung und ein aufrechter Gang, sie hatte nichts Verschlagenes an sich, wie der Rest der Scraver, denen er begenet war. Vielleicht war das aber auch ihre Masche – die Unschuld vom Lande, der jedermann sofort ein offenes Ohr und die Brieftasche schenkte.
Und ein Ukar. Wie die meisten rechtschaffenen Bürger des Imperiums war auch Hyan Trent der Ansicht, dass nur ein toter Ukar ein guter Ukar sei, und er fragte sich in regelmäßigen Abständen, warum die Station diese Kreaturen immer noch ungehindert durch die Zollkontrollen ließ. Nun, dieser hier genoss offensichtlich den Schutz einer Gilde, was die Sache nicht weniger empörend, dafür aber umso komplizierter machte. Aliens mit Gildenschutz dachten, sie wären etwas besonderes. Und dass sie sich alles erlauben konnten. Und dass sie damit davon kämen. Trents Blick fiel auf den Berechtigungscode, der die drei vorzeitig aus der Haft entlassen hatte. Er stammte von Lieutenant Hawkins, Stationsführung. Tz. Natürlich. Familienbande lösten diese kleinen Probleme des Alltags.
Es sollte ein Gesetz gegen sowas geben.

Trent erhob sich langsam, seiner Bewegung war der Widerwillen anzumerken, der sich in ihm ausbreitete. An einem der Sicherheitsfächer machte er sich daran, den achtsteligen Nummerncode einzugeben.
Trent hatte einmal davon gehört, dass Scraver einen Code nur allein dadurch knacken konnten, dass sie sahen wie sich eine Hand über das Keypad bewegte. Er versuchte, sich so hinzustellen, dass sein Oberkörper die Sicht verdeckte, doch es war unmöglich, die drei Gestalten gleichzeitig im Auge zu behalten. Also beeilte er sich einfach, den Code einzugeben und das Licht am Schloss sprang von rot auf grün. Im Fach lag eine silberne Tasche mit einem Etikett auf dem der Inhalt verzeichnet war. Nichts aussergewöhnliches, ein paar persönliche Dinge, keine Waffen. Die waren laut Protokoll extra verwahrt. Gut so, dachte Trent. Die Vorstellung, ein Alien bewaffnet auf der Station zu wissen, verursachte ihm eine mittelschwere Gallencholik.

Trent nahm die Tasche legte sie auf den Tischblock und öffnete den Reißverschluss. Nach einer kurzen Überprüfung des Inhalts schob er sie zu Hawkins, Noy und dem Ukar hinüber.
"Hier. Sie müssen mir noch den Enpfang bestätigen."
Titel: Re: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Azzu am 16.07.2005 | 12:23
Mwerron aka "Monn"

Schleichend langsam, aber unaufhaltsam legte sich ein Schleier der Stille über seine Ohren, dämpfte die Geräusche des Korridors, bis nur noch die Schritte ihrer Füße zu hören waren. Laut und hallend die Stiefel der beiden Menschwesen auf den metallenen Laufgittern, leise tappend die weichen Galisp-Sohlen des Ur Ukar. Gleichzeitig schienen die mit farbigen Pfeilen und Zeichen bemalten Wände des Ganges bedrohlich näher zu rücken. Glatt und eben, wie unsichtbar für seine tastenden Fingerspitzen. Das künstliche Licht wirkte mit einem mal unerträglich grell, leuchtendes Neongas, schmerzhaft für seine Augen. Wie weggeweht die Gerüche seiner Umgebung, obwohl er den Luftzug der Belüftungsmaschine kaum mehr spüren konnte. Seine Welt wurde kleiner und kleiner, eingeschlossen von den Grenzen seiner schwindenden Sinne.

Beinahe hätte er geschriehen vor Enttäuschung und Schmerz, als die Kraft seiner Seele erbarmungslos aus seinen Augen, Ohren und Fingerspitzen wich. Stark sein, jetzt. Der Versuchung widerstehen, die Seelenkraft sofort neu zu erwecken. Er war sterblich. Nicht für göttliche Macht bestimmt. Nur kurze Augenblicke, die er sie nutzen durfte. Viel zu kurz.

Mißmutig setzte er die Sonnenbrille auf, um seine Augen vor den beißenden Leuchten in der Decke des Korridors zu schützen. Stapfte in sich selbst versunken Denize und der Jack-Kreatur hinterher. Es hatte eine Zeit gegeben, da hatte er seiner Seelenkraft keine Beschränkungen auferlegt. Eine gute Zeit. Am Anfang. Über das Ende wollte er nicht nachdenken. Niemals wieder.

Musste er auch nicht. Sie waren am Ziel. Der Sternfahrer redete bereits mit einer gelbhäutigen Sicherheitskreatur. Nicht dieselbe, die ihm gestern den Krax genommen hatte. Schade.

Sie müssen mir nur noch den Empfang bestätigen. So einfach?

Wortlos griff sich Mwerron die silbrig glänzende Tasche, platzierte den Inhalt mit zielsicheren Handbewegungen auf dem Tischblock.

"Nichts unterschreiben!"

Er wog die fingerlange Statuette einer zierlichen Ukari-Tänzerin in der Hand. Offensichtlich ohne praktischen Nutzen; ein Fremdkörper zwischen seinen übrigen Besitztümern. Eine Drehung der Hüfte würde die Statuette teilen, messerscharfen Würgedraht freigeben.

"Nicht vollständig."
Titel: Re: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Bazaar am 16.07.2005 | 17:19
"Nicht vollständig?", wiederholte Trent und stemmte seine schmalen Arme gewichtig auf den Tisch.
Er starrte den Ukar unverwandt an, was seine Augen noch größer wirken ließ.

"Ihre Besitztümer wurden vorschriftsmäßig verwahrt... Sir." Er quetschte das letzte Wort mit solchem Widerstreben und Ekel hervor, als spucke er einen Bissen vergorenen Protein-Schleims auf den Boden.
Dann etwas beherrschter:
"Laut Inventarliste ist alles vorhanden, was Ihnen die Wachhabenden gestern abgenommen haben."
Außer den Waffen, selbstverständlich. Hyan Trent war sich darüber im Klaren, worauf diese lichtscheue Kreatur vor ihm hinaus wollte.
Keine Chance. Er hatte seine Vorschriften – und das würde er diesem Pack klar machen.

"Wenn Sie nun bitte ihr Kreuz auf die Quittung machen würden. Da unten, bei der Linie. Oder soll ich Ihnen die Hand führen?"
Titel: Re: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Azzu am 16.07.2005 | 19:27
(Mwerron aka Monn)

Der Ur Ukar lächelte beinahe freundlich, von einem Ohr zum anderen, während die Sonnenbrille seinen Blick vor der Sicherheitskreatur verbarg.

"Ja. Bitte. Sir. Sehr Freundlich. Von Ihnen. Treten Sie. Doch näher."

Die Hüften der steinernen Tänzerin drehten sich im Takt seiner Worte. Gut geölt. Geräuschlos.
Titel: Re: [Tag 3] Morgens im Coffee Garden
Beitrag von: Enkidi Li Halan (N.A.) am 17.07.2005 | 12:06
Enkidi hob den Blick und betrachtete sie einen langen Augenblick. Dann richtete er sich auf, zog seine Hand zurück und legte sie nutzlos zu seiner anderen in den Schoß. Seine Schultern sackten in sich zusammen und er nickte, langsam, kraftlos, während er unter der Last ihrer stummen Anklage versank.

Da war sie, die Mauer, Megans undurchdringlicher Panzer, eine kalte Festung, die sie den Menschen entzog. Den Menschen, die ihr nahe standen und sie deshalb umso mehr verletzen konnten. Sie hatte die Fähigkeit, sich auf diese Art zu entrücken in langen Jahren perfektioniert und es hatte keinen Sinn, gegen diese Barriere anzustürmen. In gewisser Weise ähnelten sie sich in dieser Sache; sie beide hatten eine erstaunliche Fähigkeit darin entwickelt, Probleme zu verdrängen, zu ignorieren und von sich zu schieben, weil die Flucht in die Einsamkeit der Burg ein so viel einfacherer, unkomplizierterer Weg zu sein schien.

Doch Megan würde es immer gelingen, die Mauern seiner Festung zu durchbrechen, während er in Situationen wie dieser dazu verdammt war, vor den steinernen Wällen zu kauern und darauf zu hoffen, dass sich irgendwo ein Fenster öffnete.
Und wie es aussah, durfte er sich dieses Mal auf eine lange Zeit des Kauerns einstellen. Des Kriechens, eher.

Der distanzierte Umgangston war ein Teil des Mauerwerks, das er als gegeben akzeptieren musste. Daher antwortete er ebenso förmlich und gewährte ihr die völlige Kontrolle über die Situation. Das war er ihr schuldig.

"Natürlich. Unsere Aufgabe, Commander. Bitte, fahren Sie fort."
Titel: Re: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Denize Noy am 22.07.2005 | 13:33
Wie hypnotisiert starrte Denize auf die sich wiegende Statuette in Monns Hand  und erinnerte sich mit Schaudern an die Zeit, als sich ihr der Sinn dieses "Schmuckstücks" erschlossen hatte. 
Eine Zeit, in der sie alles andere als Freundschaft verband.  Rücksichtslos hatte sie damals in einem unbeobachteten Augenblick seine persönliche Habe durchwühlt, um sich einen Vorteil gegenüber dem ungeliebten Alien zu verschaffen - und sich damit selbst ins Aus geschossen. Unwissenheit hätte eine Gnade bleiben können... Allein der Inhalt seines Rucksacks; auf den ersten Blick harmlose Alltagsgegenstände, auf den zweiten ein Waffenarsenal erster Güte, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren. Nachdem sie sorgfältig sämtliche Gegenstände wieder an ihre alte Stelle gelegt und begleitet von einer Reihe Stoßgebete den Rückzug angetreten hatte, brachte sie längere Zeit damit zu, ihrem neuen Kollegen gründlich aus dem Weg zu gehen. Wenn es sich nicht vermeiden ließ, mit ihm zu sprechen, verhielt sie sich deutlich zurückhaltender und freundlicher als vorher. Seine Ratschläge befolgte sie wie Befehle.

Sehr viel später merkte sie eines Tages, dass sie ehrlichen Respekt vor ihm empfand, der trotz einiger unerfreulicher "Zwischenfälle" nichts mit Würgedraht und Angst zu tun hatte, sondern mit einer gemeinsamen Begeisterung für ihr Fach. Und auch der Ukar schien sich mit ihrer Existenz abgefunden zu haben und ihr Interesse zu schätzen.

Mittlerweile lag diese Geschichte lange zurück. Sie fühlte sich in Monns Gegenwart sicherer als in der jedes anderen Scravers.  Dennoch sah Denize die Figur nicht gerne. Nicht so in Monns Händen. Und nicht in Verbindung mit diesem blutdürstigen Grinsen.
Nun ja,  er bluffte bestimmt nur. Hoffte sie.
Im Normalfalls drohte er doch nur, wenn er nicht vorhatte, tatsächlich jemanden zu schädigen,... oder?

"Verdammt, hört auf mit dem Spielen, Kinder," knurrte sie. "Ensign, mit welcher Begründung halten Sie denn unsere Waffen zurück? Soweit mir bekannt ist, können sie die Waffen eines Gildenmitglieds nach Paragraph 61 der Stationsordnung nur dann einbehalten, wenn es sich um eine verbotene Waffe handelt oder damit nachweislich eine Straftat begangen wurde. Ich will doch nicht hoffen, dass sie den allgemeinen Scherz" das Wort sollte ihm wie ein nasser Lappen um die Ohren fliegen,  "unter ihren Kollegen, dass der Nachweis bei einem Alien automatisch als erbracht gilt, ernst genommen haben?"

Kalt funkelte sie den Wachmann an. Such dir nur Streit, Freundchen. Dafür sind wir genau die richtigen.
Titel: Re: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Bazaar am 29.07.2005 | 22:28
Trents Kopf ruckte irritiert zur Seite und seine Augen wurden schmal. Die Frau war gut informiert. Ein weiteres Indiz dafür, dass sie und ihre Begleiter versuchten, Trent aufs Kreuz zu legen.
Sein Blick zuckte zwischen ihr und dem Ukar hin und her. Er spürte die Spannung, die sich im Raum aufbaute und die von der Klimanalage noch nicht vertilgte Wärme wieder zu knisternder Hitze aufwallen ließ. Instinktiv wich er zurück, vertraute auf den Schutz des massiven Stahlblocks zwischen sich und den Unruhestiftern. Er befeuchtete seine Lippen, wägte seine Worte ab.

"Das ist korrekt, Ma'am. Dennoch waren Sie in eine bewaffnete Auseinandersetzung involviert, was gegen die Stationsvorschriften verstößt. Wenn Sie hierin einen Konflikt zwischen Stations- und Gildenrecht sehen, steht es Ihnen frei, jederzeit bei einem Vertreter der Reeves Beschwede einzulegen.
Bis dies geschehen ist beziehungsweise für den Rest ihres Aufenthaltes an Bord, werden Ihre Waffen hier verwahrt. Sie können sie selbstverständlich unversehrt hier abholen, wenn sie die Station verlassen und die entsprechenden Papiere von der Zollbehörde vorweisen." Trent musterte das Alien. Etwas an der Art, wie seine drahtigen Hände mit der Statue herumspielten, machte ihn nervös. 
Titel: Re: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Jack Hawkins am 29.07.2005 | 22:30
Jack platze der Kragen. Dieser blasierte schmock von einem Bürokrat. Typen wie ihn hatte er gefressen. Kleine rechthaberische Plasmafürze, die Vorschriften und Bestimmungen herunterbeteten, als wären sie das Wort des Propheten persönlich und in Byzantinischen Ceramstahl gegossen. Typen wie dieser erwarteten einen nach wochenlangem Flug durchs All mit einem Klemmbrett unter dem Arm am Raumhafen und erzählten einem mit ihrem verdammt freundlichen Grinsen, dass es irgendeine neue Regelung XYsonstnochwas gab, die die gesamte Fracht im Laderaum leider unter Quarantäne stellte und man sie entweder gar nicht oder erst sechs Wochen später löschen durfte. Typen wie dieser waren der wahre Abschaum des Universums, nicht die Symbionten, nicht die Barbaren, nicht die gottverfluchten Adligen. Typen wie Trent mit einem Horizont von der Größe einer getrockneten Erbse, die ihr Leben nie die Welt ausserhalb ihres Büros oder ihrer Wachstube gesehen hatten und sich daher vorkamen, als wären sie in den vier von ihrem eigenen Dunst eingehüllten Quadratmetern der Imperator persönlich. Wäre es nicht so schade um das gute Frühstück gewesen, hätte Jack Trent mit Freude auf den polierten Schreibtisch gekotzt.

Ja, Jack war wirklich angepisst. Und er konnte sehen, dass es Niz (von Monn ganz zu schweigen) ebenso ging. Er stellte sich neben sie und strafte Trent mit einem Blick als hätte er einen pandaemonischen Sandkakerlak vor Augen.
"Verdammt Trent, jetzt machen Sie mal einen Punkt. Sie wissen, dass Miss Noy hier recht hat. Wir wissen, dass Sie wissen, dass sie Recht hat. Wir gehören der Gilde an, Sie haben keine weitere Handhabe gegen uns. Also was soll der Dreck? Wir werden ja wohl kaum die Waffen nehmen, nach draußen spazieren und die erstbesten Leute abknallen, die uns über den Weg laufen. Wofür halten Sie uns eigentlich?" Zornesröte breitete sich von Jacks Wangen zu seinen Ohren aus.
"Wir sind ehrbare Bürger, nicht wie dieser Abschaum, der die Schlägerei angefangen hat. Wir sind in diese Sache hineingezogen worden, wollten eigentlich nur in Frieden unseren Geschäften nachgehen, klar?
Wir –" schloss er mit einer allumfassenden Geste und einer kathedralenreifen Märtyrermiene, "sind die Opfer."
Titel: Re: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Bazaar am 29.07.2005 | 22:31
Ein einzelner Schweißtropfen perlte von Hyan Trents Schläfe, suchte sich seinen Weg über die makellos rasierte Wange und verschwand im Schatten unter seinem Kinn. Er fühlte sich überfordert. Diese drei Gestalten waren definitiv seit langer Zeit der unangenehmste Start in seine Wachschicht.

Er zögerte und bemerkte plötzlich ein rotes Blinken auf dem in den Tischblock eingelassenen Display. Eine Nachricht, die für einen kurzen Augenblick seine gesamte Aufmerksamkeit einnahm.
Titel: Re: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Azzu am 29.07.2005 | 23:51
Angewidert musterte ein Paar schwarzer Augen das schweißglänzende, fleischige Gesicht der Sicherheitskreatur, die ungelenken, fettigen Menschenfinger, die letzte Nacht seinen Krax berührt, befleckt haben mussten. Verengte sich zu Schlitzen. Das Trent-Wesen hatte es selbst zugegeben. Hatte seine Klinge. Gottloser Abschaum! Wollte sie nicht herausgeben. Gut.

Neben ihm bellte die Jack-Kreatur irgend etwas. Mwerron hörte nicht hin. Schon im Sprung auf den metallenen Tischblock. Landete geduckt. Geräuschlos.

Von der spielgenden Tischplatte aus beobachtete die Statuette der Ukari-Tänzerin steinern lächelnd, wie sich totenblasse Finger sanft um das aufschreckende Gesicht des Trent-Dinges legten. Die verwundbare Stelle hinter den Ohren ertasteten. Zudrückten.

"Ich habe. Meine Klinge. Nicht verwendet. Gestern. Kein würdiger Gegner." Er zwang das schmerzverzerrte Gesicht des Menschwesens nahe an das seine heran, bleckte seine Zähne. "Jetzt. Gib sie mir. Zurück. Thumin. S o l a n g e . D u . N o c h . K a n n s t ."
Titel: Re: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Bazaar am 30.07.2005 | 23:14
Nicht einmal ein Röcheln, ein Quieken oder sonst ein Laut des Erschreckens oder der Panik entrang sich Trents Kehle. Er erstarrte einfach in den Händen des Raubtiers, dem uralten Instinkt des Opfers folgend.
Seine Augen quollen aus ihren Höhlen, das schwarz der Linsen zog sich zu einem winzigen Punkt zusammen der hilflos auf einem Ozean glasigen Weißes trieb. Zu dem Geruch von Schweiß und Desinfektionspulver mischte sich nun der von Angst, von jeder Pore seines Körpers ausgespieen. Die Finger des Ukar waren ein Rahmen, die ein Bild blanken Entsetzens in Szene setzen.
Titel: Re: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Jack Hawkins am 30.07.2005 | 23:15
Eine Katze, dachte Jack in jenem kurzen Augenblick zwischen völliger Verwirrung und dämmernder Erkenntnis. Wieder einmal war es, als hätte jemand das Licht kurz ein- und wieder ausgeschalten. Ein - Monn steht neben mir. Aus. Ein - Monn kniet auf dem Tisch und hat Trents Kopf zwischen den Händen. Katze. Maus. Frisches Futter.

Shit.

Jack stürzte vor, verlor Sekunden bei der Umrundung des Tisches, hörte, wie Trent nun irgendeinen Laut von sich gab und erreichte die andere Seite. Trents linke Hand bewegte sich, schien völlig autonom vom Rest seines gelähmten Körpers zu funktionieren, und tastete unter der Stahlplatte nach einem roten Knopf. Mit einem halben Hechtsprung packte Jack die Hand und drehte sie nach oben.

"Monn!Nicht!Ganzruhig,lassihnlos!"
Titel: Re: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Denize Noy am 31.07.2005 | 01:33
Im Geiste lehnte sich Denize zurück und verschränkte die Arme.
 Sie konnte nichts mehr tun. Warum sollte sie auch wollen?
Der Offizier bat förmlich darum, von seinem Dasein erlöst zu werden. Wie dumm musste man sein, um einen Kraxkar so zu reizen? Wer nicht hören will, muss fühlen.

Es gab zwei Möglichkeiten:
Trents Kopf kullerte zu Boden noch ehe sie Blubb sagen konnte  - oder: Der Ukar befasste sich auführlicher und ausnahmsweise wortreicher mit ihm. Was davon für den armen Kerl besser wäre, wagte sie nicht zu entscheiden.

Mwerron wählte die zweite Variante. Vor Niz' geistigem Auge lief der Film schon ab, bevor er in Wirklichkeit begonnen hatte. Sie kannte ihn und würde ihn ein weiteres Mal ansehen, ohne sich darüber klar zu werden, warum sie immer außen stand, warum sie niemals Teil der Handlung war. Die altbekannte Wärme stieg von unten her durch ihren Bauch in den Hals auf. Eine Mischung aus Erregung und Panik, deren Bann sie sich einfach nicht entziehen konnte.

Doch... damit hatte sie nicht gerechnet... dass Jack sich aus der Rolle des unbeteiligten Statisten lösen und eingreifen könnte. Das Bild flackerte. Einige Sekunden schwankte ihre Wahnehmung zwischen dem was war und dem was sie erwartete, dann stand es still und zeigte nur noch Jacks angespannte Miene, wie er versuchte, Monns Starren Widerstand zu leisten.

Wow!
Hätte sie nur die Sonnenbrille gehabt, um diesen Anblick festzuhalten.
Titel: Re: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Azzu am 1.08.2005 | 10:25
Keine Schreie. Menschliche Anatomie, nichts am richtigen Fleck! Sein Griff war nicht optimal gesetzt, die Nerven um Haaresbreite verfehlt! Ärgerlich, aber leicht zu korrigieren. Langsam verlagerte er den Druck seiner Fingerspitzen, auf die gewünschte Reaktion des schwächlichen Menschwesens lauernd.

Nur noch eine Frage von Sekunden.

Doch zuvor entriss eine unerwartete Bewegung die Situation seiner Kontrolle. Fauchend fuhr Mwerrons Blick nach rechts. Jack. Heranhechtend. Mischte sich in seinen Kampf ein. Raubte ihm seinen Gegner! Mit der Hand des Trent-Dinges ringend. Wollte ihm Befehle geben! Beleidigte seine Ehre! Nach dessen Laser am Gürtel tastend. Wollte ihn bedrohen!

Gleichzeitig begann sich das Sicherheitswesen zu winden, nun befreit vom mordlüsternen, lähmenden Blick des Ur Ukar. Es trat verzweifelt um sich, brachte mit den Stiefelspitzen den metallenen Tischblock zum klingen, und krallte die Finger der freien Hand in das knochenweiße Gesicht des Angreifers.

Mwerrons Gedanken rasten, fanden kein Ziel, um sich selbst kreisend wie ein Wirbelsturm. Die Hand des Sternfahrers erreichte das Gürtelholster und griff nach dem Laser. Zwei Gegner, die er nicht töten durfte. Zwei Finger der Trent-Kreatur bohrten sich in seine Augenhöhle. Das Trent-Ding - er brauchte es, um das Schließfach zu öffnen, aber es würde Alarm schlagen, wenn er loslies. Ein kräftiger Tritt des Sicherheitswesens gegen den Tischblock brachte sein Gleichgewicht ins Wanken. Die Jack-Kreatur - ein Freund von Denize, aber würde die Laserwaffe haben, wenn er nicht handelte.

Auf einmal schien ein donnernder Windstoß den Raum zu erfassen, begleitet von Mwerrons frustriertem Schrei. Schreibfedern und Papierblätter, die silberne Tasche und ihr vormaliger Inhalt wirbelten wild durch die Luft und prallten gegen die Wände. Die Trent-Kreatur wurde von unsichtbarer Hand gepackt, nach hinten gerissen - und blieb, einen Meter über dem Boden, in der Luft hängen, nun beinahe so bleich wie der Ur Ukar.

"Ich bin ruhig," zischte Mwerron, während er den rechten Arm nach der Laserpistole ausstreckte, die sich ruckelnd aus dem Holster löste und zielsicher in seine Hand schwebte.

Titel: Re: [Tag 3] Klerikaler Sektor und Kapelle
Beitrag von: Bazaar am 5.08.2005 | 15:27
Einige Wimpernschläge lang geschah gar nichts. Unverändert lagen Licht und Schatten in den Falten der Robe, wurden geschluckt von öligen Flecken, verloren sich im dichten, grauen Bart. Dann ruckartig, wie ein Vogel, drehte sich der Kopf zur Baronin. Die Augen fixierten sie, fuer einen kurzen Augenblick fast stechend, durchdringend, gleichssam das Innerste zuckend und schreiend ins Licht zerrend.
Dann jedoch wurde der Ausdruck schlagartig freundlich.
"Einen wunderschönen guten Morgen im Lichte des Allschöpfers, myLady". Der alte Mann deutete ebenfalls eine Verneigung an.

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Titel: Re: [Tag 3] Klerikaler Sektor und Kapelle
Beitrag von: Elisabeth Hawkwood am 8.08.2005 | 12:59
Dank jahrelanger Uebung hielt sie dem stechenden Blick stand und gab mit keinem Wimpernzucken zu erkennen wie unangenehm er ihr war. Gerade jetzt, nachdem sie kurz zuvor noch so tief in Gedanken bei Unangenehmem war. Ein Teil ihres Bewusstseins fragte sich wieviel der Priester sehen konnte von ihrem Innersten, ob er ueberhaupt etwas sah. Dann jedoch wurde sie wieder vom verschmutzten Äusseren des Priesters abgelenkt.

"Sehr erfreut!" sie liess die entsprechende Verbeugung folgen und gab Lisa einen Wink sie vorzustellen.
Mit leiser und etwas unsicherer Stimme kam die junge Dienerin dem Wunsch nach, wobei sie versuchte dem Blick des Priesters auszuweichen.
Titel: Re: [Tag 3] Arkaden
Beitrag von: Sir Lars Trusnikon am 18.08.2005 | 18:20
Langsam bewegte er sich von Stand zu Stand, genoss dabei den Platz, den Freya ihm dabei verschaffte. Er legte wenig Lust darauf sich seine teure Robe von irgendwelchen schweissstinkenden Pilgern verschmutzen zu lassen. Er war sich der Tatsache bewusst, dass die Stationssicherheit ihn mehr als genau im Auge behielt, doch jedesmal wenn er sich vergewissernd umblickte trottete Freya gleichmeutig neben ihm her und wirkte ruhig.
Ruhiger als vorhin an der Wand, sehr merkwuerdig. Aber  vielleicht ist sie auch einfach nur muede und hat eingesehen, dass man hier leider um Menschen nicht drum herum kommt.

Es gelang ihm trotz des Gedränges den Ueberblick zu behalten wo er sich bereits umgesehen hatte. An den meisten Ständen gab es wirklich nur Ramsch, nicht einmal geschmackvollen Schmuck konnte er entdecken. Doch dann erregte ein kleinerer Stand mit farbenprächtigen Stoffen seine Aufmerksamkeit.

Der Händler gefällt mir nicht, er hat so etwas Schmieriges, er sieht mehr anch einem Kopfgeldjäger aus, als nach einem Händler..., aber seine Stoffe sind trotzdem fantastisch. Dieser dort, der von gelb ueber orange in rot uebergeht wuerde doch zur Baroness passen. Feinste Seide, ich möchte lieber nicht wissen wo er den her hat. Aber der erscheint mir genau richtig. Also ignorieren wir das unschöne Angesicht dieser Händlerkreatur und handeln mal ein bisschen.

Erstaunlicherweise wirkte der Händler recht uninteressiert an einem guten Preis. Schon nach einer Viertelstunde konnte er den Stoff fuer einen Bruchteil seines Wertes kaufen. Er versteckte sein Erstaunen hinter der Maske des unberuehrten und unbeeindruckten Käufers, merkte sich jedoch Stand und Verkäufer. Irgend etwas ist hier komisch... . Diesen Kerl hier behalte ich mal im Gedächtnis. Wer weiss wozu es einmal nuetzt. Und wenn es ist um die Stationssicherheit von mir abzulenken.

Wenig später sass Sir Lars in seinem Quartier. Er schrieb der Baroness ein kleines Billet mit guten Besserungswuenschen, fuegte ein paar Sätze hinzu, dass er hoffe sie bald wieder gesund zu sehen, sowie, dass der Stoff ihn an sie erinnert habe; und liess beides in ihr Quartier bringen.

Während Freya in einer Ecke des Zimmers schlief wanderte er auf und ab und gruebelte ueber den seltsamen Händler nach.
Titel: Re: [Tag 3] Klerikaler Sektor und Kapelle
Beitrag von: Bazaar am 19.08.2005 | 09:25
Ein ehrlich guetiges und einnehmendes Lächeln schimmerte durch den grauen Bart.
"Ich freue mich, werte Baronin, Euch und Euer Gefolge so zahlreich zu Ehren unseres Allschöpfers versammelt zu sehen." Er musterte die Versammlung.
"Bestehen eventuelle Wuensche zur Vorbereitung auf den kommenden Feiertag, werte Baronin?"

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Titel: Re: [Tag 3] Klerikaler Sektor und Kapelle
Beitrag von: Elisabeth Hawkwood am 23.08.2005 | 14:33
Sie konnte es nicht ganz verhindern, dass ein Ausdruck von ehrlicher Ueberraschung auf ihren Zuegen erschien.

Selbst Eskatoniker sollten doch nicht so verwirrt sein, oder? Oder will er wirklich jetzt noch fuer heute etwas vorbereiten?

"Das ist sehr freundlich von Euch, Vater, vielen Dank fuer dieses grosszuegige Angebot, doch ich nehme an, dass es mit besonderen Wuneschen zur Vorbereitung nun etwas spät ist, da hätte ich Euch ja spätestens gestern aufsuchen muessen. Kurzfristige Hektik nun möchte ich Euch gerne ersparen. Zumal Brunder Erland ja so freundlich war die Beerdigungsfeierlichkeiten fuer zwei Leute aus meiner Gefolgschaft zu uebernehmen, darueber bin ich wirklich sehr dankbar und möchte nun ungern diese Freundlichkeit uebersprapazieren. Sowohl mir als auch meinem Gefolge steht in Anbetracht dieser traurigen Feier auch eher der Sinn nach einem sehr ruhigen und besinnlichen Begehen des heutigen Feiertages."
Titel: Re: [Tag 3] Morgens in den Unterkünften
Beitrag von: Alejandro Dulcinea am 10.10.2005 | 14:44
Der Geruch von Kaffee stieg verlockend empor und schmeichelte um seine Nase. Die rote Beleuchtung wurde gleichsam geschluckt von dem dunklen Spiegel in seinem Becher, ebenso wie die gelegentlich aufblitzenden Lichter auf den Konsolen.
Einen Augenblick später war er draussen, dem verhaltenen Gemurmel des Kommunikationsoffiziers entronnen, der Nachhall von 'da ist etwas in Gange, wir
bekommen wahrscheinlich Besuch' noch in seinem Ohr. Der Becher sandte Dampfschwaden nach oben, die sich schnell zum aufsteigenden Fruehnebel gesellten. Er
wanderte den improvisierten Graben entlang, der Nebel topfte von den Stacheldrahtrollen und Geschuetzrohren. Es war immer noch Zwielicht, die Sonne war
jedoch bereits als hellerer Fleck in Horizontnähe zu ahnen, bald wuerde sie durch- und ein neuer gnadenlos heisser Tag anbrechen. Ein paar Vögel zwitscherten
munter im Hintergrund. Er hielt bei Geschuetzleutnant de Ocampo.
"Sie kommen. Macht Euch berrreit."
"Don, welche Art von Angriff haben wir zu erwarten, Don?"
Alejandro schnaubte kurz und verächtlich.
"Unserre Kommunikation ist bedauerrlicherrweise immerrr noch gestörrt"
Interessiert beobachtete er, wie der Kaffeespiegel in seinem Becher zunächst unmerklich, nun aber deutlicher Ringe zeichnete. Seine Hand jedoch war ruhig.
Die Vögel verstummten.

"Alle Mann auf Gefechtsstation!!"
Eine Menge Gestalten tauchte auf dem Nebel auf, warfen ihre Helme ueber, und griffen sich mit Präzision ihre unterschiedlichen Waffen und nahmen ihre
Positionen ein. Alejandro lächelte zufrieden. Aus dem Faltbunker tauchte Don Ramón auf, sein Stirn unter den schwarzen Locken in Falten.
"Was gibts?"
"Etwas Neues. Die Aufklärrrung könnte rrrecht gehabt haben."
Im selben Moment wurde das Vibrieren des Bodens spuerbar. Alejandro griff sich widerwillig ebenfalls einen Helm, setzte ihn aber noch nicht auf.
"Das wirrrd interrressant."

Mit einemmal wurde ein neues Pfeifen und Zwitschern hörbar, diesmal jedoch deutlich ernsthafter.
"Deeeckung. Feuer errrst auf Befehl"
Sekunden später schlugen die ersten Mörsergranaten in der Nähe ein, Leuchtspurfahnen fegten durch den Nebel. Er lauschte dem Strom von Statusmeldungen aus
seinem Headset.
"Keine Rrraketen hierr, sie haben unserrre Abwehrr also ebenfalls nicht gebrrrochen."

Der Boden vibierte deutlicher, sein Kaffee tanzte im Becher. Er wollte ihn gerade hinunterstuerzen, als eine Lawine aus Lärm Staub ueber sie hinwegfegte.
Im Hintergrund gellte es "Sanitäääter".
Bedauernd kippte er den Becher aus. Er zwinkerte Don Ramón zu.
"Werr sie zuerrrst positiv identifizierrrt, darrrf heute abend neben Bernadita sitzen..."
Gleichzeitig rannten sie beide los, zu den Abstellplätzen der Schweber. "Feuerrr frrrei, sobald Meldung, oder auf Sicht" rief er ueber die Schulter.
Mit schnellen Griffen die Identifizierung abschliessend und Kontrollen aktivierend, heulten die Antigravturbinen auf wie grollende Bären, prostestierend ob dieser gegen die Vorschriften verstossenden Startmethode. Die beiden Schweber schossen ueber die Stellung hinweg, begleitet von ein paar Fluechen der Geschuetzbesatzungen und den sich duckenden Soldaten.
Die ECM/ECCM Anzeigen piepsten wild und gruen in sein Gesicht, und die rote Geschwindigkeitswarnung blinkte frenetisch in seinem HUD. Er ignorierte diese
gewissenhaft, während er in eine Abfangkurve dicht hinter Ramón schwang.
Die Klingenspitzen der Schweber teilten den physischen Nebel, während die Bordkanone in ihrer Halterung immer noch im elektronischen Nebel nach etwas eindeutigem suchte.
Mit einem wilden Lachen löste Alejandro eine Hand von den Kontrollen, und winkte Ramón, als er an ihm vorbeizog. Die Feuchte flog nur so ueber die lächerlich kleine Windschutzscheibe, sie in einem irren Strahlenmuster mit Tropfen ueberziehend. Die Kontrollen hatten nun doch etwas erfasst. Er ging in eine steile Abwärtskurve, ueberrascht wahrnehmend, dass Ramón, dieses Aas, ihn gerade wieder ueberholte.
"Meine Guete, was ein Behemoth!" entfuhr es ihm, als er durch einen Riss im Nebel unter ihm zwei riesenhafte Kampfpanzer des Kurgantrupps erspähte. Diese eine Sekunde war zuviel, und die Ausweichkurve vor dem nächsten Hinderniss misslang. In hohem Bogen flog er von seinem Schweber, und schlug hart auf.

Alejandro öffnete verwirrt die Augen. Um ihn herum war es trocken, ein leises, typisches Summen von Stationsventilatoren, der Geruch von Kaffee.
Er lachte laut auf. Dann schuettelte er seinen Kopf und damit die Reste des Traumes fort, stieg aus seiner liegenden Position neben dem Bett auf, und ging hinueber zu Balthasar.
Wenig später nach einem kargen Fruehstueck, und einer halben Stunde Morgentraining in noch leeren Hallen, informierte ihn Balthasar ueber seinen Terminkalender, während er Alejandros schwarze Festtagsstiefel buerstete.
"Feiertag, hmm ja. Ich werrde mich in den Kirrchlichen Sektor begeben, Du hast den Vormittag frei."
Titel: Re: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Jack Hawkins am 17.10.2005 | 23:13
Als sie noch kleine Jungen waren, hatten Jack und Shawn oft noch spät in der Nacht in ihren Schlafbuchten gelegen, unter eine mit einer Fusionsfunzel erhellten Decke gekauert, und hatten sich Geschichten erzählt. Shawns Spezialität waren Gruselgeschichten und er war erst zufrieden, wenn Jack kerzengerade im Bett saß und sich schwor, nie wieder das Licht auszuschalten. Er hatte von Monstern erzählt, die im Dunkeln lauern und die Sterne fressen, von heidnischen Hexern und von Aliens mit Augen schwarz wie die tiefste Nacht, deren Blick einem die Seele rauben konnte.
Diese Geschichten hatten Jack begleitet, selbst Jahre später, als Shawn sie schon längst vergessen hatte und zur Akademie ging, um ein anständiges Leben aufzubauen. Sie folgten ihm in dem Gerede in den kleinen Gässchen abseits der Agoren, in den Spelunken der Raumfahrer und den Quartieren der Crewmen, mit denen er zu den Sternen gereist war. Dort erzählte man ähnliches von den Aliens, von Hexerei und den dunklen Göttern, denen sie Opfer brachten.

Weil Shawn seine Geschichten erfunden hatte, wußte Jack, dass auch die Leute ihre Geschichten erfanden, denn es genügte nicht, dass die Ausserirdischen fremd waren, nein – sie mussten auch zaubern können und einen verfluchen, denn nur das machte sie so gemein und gefährlich, dass man sie versklaven und nach Belieben abschlachten konnte.
 
Die Ukar waren immer die Bösewichte gewesen, und Jack kannte nicht eine Magic Lantern Show, in der sie nicht mit gotteslästerlichen Zauberkräften und Psi um sich warfen und ihnen nicht irgendwann in einem heroischen Kampf von dem – im Idealfall – adligen Helden ein grausames (aber gerechtes) Ende gesetzt wurde.

Er hätte niemals damit gerechnet, dass diese Geschichten wahr sein könnten.

Doch was er nun sah, hier vor sich, live und in Farbe, ausgehend von Monn, einem ganz normalen Ukar, jemand, den Jack kannte – urplötzlich schien sich seine bekannte Wirklichkeit zu verschieben, die Figur aus den Gruselgeschichten stieg aus der Versenkung empor, wurde real und stand greifbar vor ihm.

Ein Hexer. Monn war ein Hexer.

Trent hing bewegungslos in der Luft, als hätte sich die Gravitation entschlossen, für ihn eine Ausnahme zu machen. Sein Kopf war fast grotesk nach hinten gebogen, die Kehle freigelegt für eine unsichtbare Hand, die nur darauf wartete, zuzudrücken.

Jack starrte wie gebannt zu Monn, dann zu Niz, dann wieder zu Monn. Das Gewicht einer Waffe in der Hand wäre jetzt sehr beruhigend gewesen, aber die einzigen Waffen in Reichweite wurden entweder von bleichweißen Fingern umklammert oder lagen hinter einigen Zentimetern Stahl und einem Nummernschloss in der Wand verborgen.
Wieviel Zeit hatten sie? Hatte Trent den Alarmknopf betätigt? Nein, es war alles zu schnell gegangen. Und selbst wenn – Jack war sich nicht sicher, dass die Lage sich ernsthaft verbessern würde, wenn die Stationssicherheit hier anrückte. Was waren sie? Geiseln? Mittäter? Wer würde schon glauben, dass er nichts mit diesem amoklaufenden Ukar-Hexer zu schaffen hatte? Sein Pulsschlag zog rapide an.

Verdammt.

Jack hob die Hände, beschwichtigend, versuchte ruhig zu wirken, ganz cool und easy – Ja, Monn, alles easy, du verdammter Freak –  aber das leichte Beben seiner Finger verriet ihn. Die kalte Furcht saß ihm im Nacken, aber er musste etwas tun, und möglichst bevor er sich zu einem Plan B hinreißen ließ, der etwas mit einem risikoneutralen Fluchtmanöver in Richtung Schott zu tun haben würde. Doch Monn würde ihn nicht gehen lassen. Er war ein Hexer.

Weil ihm nichts besseres einfiel, und alles andere ebenso wenig Sinn gemacht hätte, machte Jack einen Schritt auf Monn zu. Und dann, als er immer noch lebte, einen weiteren, geradezu in die Gefahr hinein. Eigentlich ganz einfach.

Das Kribbeln in Jacks Nacken wurde stärker, als läge Elektrizität in der Luft, kurz vor der Entladung.
"Monn", hörte er sich sagen, dann fester, bestimmter: "Monn."
Ein weiterer Schritt, begleitet vom Rascheln der Papiere auf dem Boden. Sie schwebten vor ihm, die lichtlosen Augen des Ukar in seinem bleichen, narbenentstellten Gesicht. Für den letzten Schritt, der ihn auf Armeslänge an das Alien heranbrachte, brauchte Jack fast eine Ewigkeit.

"Gib. Mir. Die. Waffe. Monn."   
Titel: Re: [Tag 3] Bei der Stationssicherheit
Beitrag von: Denize Noy am 18.10.2005 | 13:38
Ein Blatt Papier schlug Denize ins Gesicht, als der Zorn des Aliens mit der Gewalt einer Explosion greifbar wurde. Sie spürte es wie eine übernarütliche Ohrfeige.

Instinkt.
Da hatte sie die Antwort. Gut geölter Überlebensinstinkt war das, was sie davon abhielt, sich zwischen Mwerron Na Nolent und sein auserkorenes Opfer zu stellen. Die gnädige Hirnblockade, die dafür sorgte, dass die Welt nicht aus den Fugen geriet, weil man eben nicht zu verhindern versuchte, was eben gottverdammt nochmal passieren würde!

Instinkt, den der wahnwitzige Hawkins nicht hatte. Warum nicht? Ein Mangel, der ihn töten würde - aller Wahrscheinlichkeit nach in den nächsten zwei Sekunden. Wie konnte ein einzelner Mensch ein Vakuum solchen Ausmaßes zwischen seinen Ohren aufbauen, ohne daran zu krepieren?
Das geschah also, wenn man den Instinkt vergaß.
Denizes Hand krampfte sich zitternd über ihrem Bauch zusammen. Etwas dort fühlte sich an, als hätte Monn sie persönlich in die Magengrube geschlagen. Es geschah ihr ganz recht, hatte sie doch Jahre darauf beharrt, die Lüge zu glauben, er könnte nicht...

Ein anderer Instinkt übernahm das Ruder. Eine Wut, geboren aus dem Gefühl verraten worden zu sein, verlieh ihrer Stimme Messerschärfe.
"Es reicht!" Laut knallte ihr Stiefelabsatz auf der Sitzfläche des metallenen Besucherhockers. Ihre Lippen formten überdeutlich den Satz: "Habt ihr alle den Verstand verloren?"
Titel: [Tag 3] Klerikaler Sektor und Kapelle
Beitrag von: Bazaar am 4.11.2005 | 13:32
"Gestern, Bruder Erland..?" Ein Stirnrunzeln erschien, einen Augenblick lang starrte der alten Mann ins Leere. "Ach ja, Bruder Erland...Ich hoffe werteste Baronin, Sie können meine Zerstreutheit, und damit meine unsägliche Unhöflichkeit verzeihen. Ich vergass sogar, mich richtig vorzustellen: Philosophus Remigius, der Vertreter des eskatonischen Ordens auf dieser einsamen Insel im Dunklen." Der Philosophus deutete eine zerknirschte Verbeugung an.

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Titel: Re: [Tag 3] Klerikaler Sektor und Kapelle
Beitrag von: Elisabeth Hawkwood am 8.11.2005 | 14:18
Sie erwiderte die Verbeugung mechanisch und lächelte den Vater freundlich an: "Sehr erfreut. Keine Ursache, Bruder Erland erwähnte bereits, dass Ihr sehr beschäftigt seid, da bleibt ein wenig Zerstreutheit sicherlich nicht aus."
Auch wenn er aussieht als hätte er seit Tagen weder geschlafen, noch gegessen noch sonst etwas. Ich möchte lieber nicht wissen womit er sich beschäftigt.
"Doch ich hoffe der heutige Feiertag vergönnt euch ein wenig Ruhe und Zeit. Verzeiht mir die offene Bemerkung, aber Ihr seht aus, als könntet Ihr beides brauchen." Sie blickte ihn besorgt an, musterte ihn einmal mehr unauffällig von oben bis unten.
Titel: Re: [Tag 3] Raumstation Bazaar
Beitrag von: Bazaar am 30.03.2006 | 13:46
Der Priester hob seine Augenbrauen, und murmelte ein
"Mylady Baronin, der Allschöpfer liebt die Wahrheit, wenn man hier Lextius zitieren möchte..." und schaute dann den Faden verlierend sein Gewand hinab.
Ein verwirrter Ausdruck schlich sich unmerklich langsam in sein Gesicht, wurde dann jedoch fast unwirsch beiseite gewischt, von einem freundlichen Lächeln.
"Mylady, bitte entschuldigt wirklich meine Komplexion, Ihr habt durchaus recht. Lasst Euch bitte nicht stören. Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir in den nächsten Tagen ein Gespräch gewähren könntet."
Er machte eine minimale Pause.
"Mein Beileid Euch und Eurer Mannschaft, und möge das strahlende Licht des Allschöpfers die beiden empfangen."
Er malte mit Schwung das segnende Sprungtorzeichen.
Er deutete eine Verneigung an.
"Wenn Ihr mich bitte entschuldigen würdet..."
Titel: Re: [Tag 3] Raumstation Bazaar
Beitrag von: Elisabeth Hawkwood am 30.03.2006 | 16:18
Etwas ueberrascht durch seine plötzliche Geistesgegenwart hätte sie beinahe nur die entsprechende Verbeugung gemacht, doch sie fuegte schnell noch ein: "Selbstverständlich", hinzu. "Es wuerde mich durchaus sehr freuen, wenn Ihr in den nächsten Tagen einmal Zeit haben solltet!"

Auch wenn es durchaus möglich scheint, dass er dies morgen bereits wieder vergessen hat... . Irgend etwas stimmt hier nicht, aber das ist wohl eine Angelegenheit der Eskatoniker unter sich. Ich habe weiss der Allschöpfer genug andere Probleme.

Sie verneigte sich noch einmal elegant und blickte dann nachdenklich dem sich entfernenden Priester hinterher.
Titel: Re: [Tag 3] Raumstation Bazaar
Beitrag von: Megan am 27.05.2006 | 01:24
Die Sternfahrerin straffte sich. Zum ersten Mal seit etwa zwei Tagen hatte sie das Gefühl, der Normalität und ihren Aufgaben wieder ein Stück näher zu rücken. Jetzt ging es darum, ihr weiteres Vorgehen zu planen, die Dinge nüchtern zu betrachten und auf das Geschehene bedacht zu reagieren. Ja, das war es! Weg von emotionsgeladenen Problemsituationen, weg vom spirituellen Hokuspokus. Es gab Arbeit. Und Enkidi, bei aller Niedergeschlagenheit schien endlich wieder kooperien zu wollen, zu *können*. Sie hatte das Artefakt. Es würde ihm nichts mehr anhaben können. Sie hatten endlich die Kontrolle wieder und Megan würde dafür sorgen, dass es so blieb.

Sie erzählte lange, berichtete ihm von der Messerstecherei in der Kneipe, relativierte die Sache, als sie sein erschrockenes Gesicht sah, rang ihm das Versprechen ab, dass er den beteiligten Gewerkschafter  - zumindest vorerst - nicht kurzerhand zu Kleinholz verarbeiten würde, erläuterte ihm die Begenungen mit dem Lextiusritter und auch, was sie ihm im Old India gesagt hatte - wobei sie den Hinweis, dass das Artefakt möglicherweise eine merkwürdige Wirkung auf ihn haben könne aussparte.
 
Sie rollte die Ereignisse auf der Azara auf, die verschollenen Gegenstände und jene, die nicht gefunden worden waren, sparte sich jedoch die Erwähung des kleinen Flacons mit den grünlichen Überresten an Flüssigkeit darin. Als sie von der Leiche berichtete, meinte sie, in Enkidis Augen eine kurze Veränderung zu sehen, doch sie fragte nicht nach - vorerst nicht. (Später sollte sie erfahren, dass er während der Nacht vile Stunden auf der Azara verbracht hatte, ohne eine Ahnung von den Ereigenissen des Vortages.)

Als nächstes kam sie auf das vermeintliche Obunartefakt zu sprechen, das Jack Hawkins Tasche angeschmort hatte. Erstaunlicherweise konnte sie das Hauptaugenmerk auf das Artefakt legen, ohne dass Enkidi in einen Tobsuchtsanfall darüber ausbrach, dass sie mit irgendeinem Sternfahrer einfach so irgendwo auf einen Drink gewesen war. (Seine Ermattung hatte auch ihre Vorteile.)
 
Zuguterletzt arbeitete sie das Duell der vergangenen Nacht auf, schilderte ihre Eindrücke und ihren wenig formellen Abgang. Erst als sie sicher war, dass sie wirklich alles geschildert hatte, was von Interesse gewesen sein mochte, und was Enkidi vielleicht entgangen war - inklusive seiner eigenen Erlebnisse - legte sie eine Pause ein und nahm einen kräftigen Schluck von ihrem nurmehr lauwarmen Kaffee, während sie Enkidi eingehend musterte.

"Es gibt nun mehrere Dinge, die wir angehen sollten, Baron.
1. Ihr solltet mehrmals täglich die Kapelle aufsuchen und meditieren. Auch die Beichte wäre mit Sicherheit förderlich. Und dieser orthodoxe Priester, nach dem Darius gestern schickte würde auch beruhigt.
2. Ihr solltet die Decados meiden. Ich hoffe, dass dieser Graf Mandin bald abreist.
3. Wir sollten unsere Anstrengungen darauf konzentrieren, herauszufinden, wo dieser Eskatonier abgeblieben ist.
4. Wir müssen versuchen, den Zylinder an uns zu bringen.
5. Wir müssen klären, was auf der Azara passiert ist.
6. Ich glaube, Ihr solltet Euch Itaru widmen. Es ist gestern einfach zu viel passiert, als dass er einfach so wegsehen hätte können.

Das sind meine Vorschläge. Wie steht Ihr dazu?"

Megan lehnte sich zurück und wartete. Enkidi war geschwächt, doch es gab keine Zeit für Schwäche. Sie hatten genug Stunden verstreichen lassen, und je schneller sie von dieser Station wegkamen und das Artefakt wieder loswurden, desto besser. Sie war voller Tatendrang und fühlte sich entschlossen, die Dinge nicht mehr so entgleiten zu lassen.

Dann blickte sie Enkidi an, und ihr Blick wurde eine Spur weicher. "Enkidi!" sie sprach so leise, dass es fast ein Flüstern war. "Du musst ihn unter Kontrolle halten. Er darf nicht mehr so stark werden. Sonst bringt er uns alle um. Dieser Keitaro kann die Inquisition auf den Plan bringen. Du darfst Dir keinen Fehltritt mehr erlauben, hörst Du!"

Sie beugte sich vor und ihre Hände rahmten sein Gesicht ein, während Ihr Blick ihn fixierte.

"Hörst Du?"
Titel: Re: [Tag 3] Raumstation Bazaar
Beitrag von: Alejandro Dulcinea am 2.06.2006 | 23:00
Er spazierte in langsamen Tempo durch die Sektoren. Im kirchlichen Teil angekommen, strich ein leichter Hauch von Missgunst über seine Züge. Die Kirche und sicherlich auch die kriecherische Gilde hatten alles getan, um hier den grösstmöglichen Anstrich von Würde zu erreichen. Aber dieser falsche Prunk, wie eine dünne, übermässig gestreckte, und von Altersflecken gekennzeichnete Haut, mühsam über CeramStahlpfeiler und Luftschächte gezogen, missfiel ihm. Dann lieber die schmucklose Kapele des Panzerkreuzers Espinoza, die sich überhaupt nicht die Mühe gab, das harte Stahlskelett zu verstecken, die rohe Kraft, gleichsam die Faust des Glaubens mitsymbolisierend...ja, er wusste sehr es gut, eine einfache Feldkapelle in einem Zelt mitten in den Granattrichtern konnte mehr Würde entfalten als die grossen Kathedralen auf Aragon, obwohl diese natürlich zu den Perlen der bekannten Welten zu rechnen waren.
Ein vorbeischlurfender Eskatoniker, in etwas merkwürdiger Ausstattung, sich verwundert am Kopf kratzend und seinen Weg kreuzend riss ihn aus dem Gedankengang.
Diese Scharlatane hier, als Kapelle, im Dunkel zwischen den Sternen...Mmmh, interrresant
Neugierig schaute er in den Eingang, den davonschlurfenden Priester völlig ignorierend. Er begab sich gemessenen Schrittes in die Kapelle, nahm die eisige Baronin und ihr kleines Gefolge war,
nur zwei Begleiter - oder vielmehr eine Dienerin und ein Schiffsmannschaftsdienstgrad - was nochmal bedeuteten diese Abzeichen bei den Hawkwoods? er hatte nie wirklich bei den Raumkräften gedient - vermutlich als Leibwache/Adjutant. Also kein unötiger Pomp, aber in Trauerkleidung??
liess sich aber nichts anmerken, sondern in einer der hinteren Bänke auf die Knie nieder. Seine langen Locken fielen ihm ins Gesicht, als er sich inbrünstig ins Gebet versenkte.

edit Logikfehler
Titel: Re: [Tag 3] Raumstation Bazaar
Beitrag von: Bazaar am 3.06.2006 | 12:37
---Sektor F, Stationssicherheit, Überwachungszentrale---

Midshipman Yakatana musterte die Schirme in seiner kleinen Büronische, und wechselte in rascher Folge die "Augen" der Station durch. Heute war wirklich viel los, alles verstopft mit Pilgern. Noch war es Anfang der Schicht und leicht, sich zu konzentrieren. Er nahm einen Schluck dampfend heissen Kaffee aus dem Plastbecher in der Halterung neben sich. 
Das tat gut
Er blätterte weiter durch die Ansichten, die automatisierten Überwachungsprogramme auf dieser maroden Station waren einfach nicht gut genug, um auf menschliche Beobachter zu verzichten - was gut war, sicherte es ihm doch einen relativ angenehmen Posten.
Plötzlich stoppte er, tippte geübt eine rasche Folge, und blätterte damit zweimal zurück.
Sektor D, Kamera #DFE2, Eskat..nische Kapelle
leuchtete es grün auf dem Schirm, während in kriesiligem Grau eine Gestalt in die Kapelle hineinging. Wohl ein Hazat..., zu spät
er wechselte schnell auf Kamera DFG1, und richtig da kam, die andere Gestalt um die Ecke.
Er fokussierte, stoppte und rief ein Dokument neben das Kamerabild auf.
Tatsächlich, Philosophus Remigius. Dann war das wohl auch erledigt. Wachhabender zuständig für diesen Ablauf war...Ensign Trent, richtig. Also ihm die Nachricht schicken, und der Wartung ein Formular C12 schicken, damit die #DFE2 in 4Monaten hoffentlich mal eine Wartung bekam
das war der Zeitpunkt, an dem sie seine Erfahrung nach vermutlich endgültig ausfallen dürfte, der Bildqualität nach zu urteilen.
Er tippte die Meldung an Trent, versah sie mit hoher Priorität,
nicht das er nachher Ärger bekam, weil irgendwelche einflussreichen Leute Remigius eine hohe Priorität zugeteilt hatten (immerhin war er Priester), aber nichts ins System eingetragen hatte, um die Bestechung zu verdecken...


---Sektor F, Stationssicherheit, Wachstube, derzeit Wachhabender Ensign Trent---

Eine weitere Nachricht hoher Priorität lief ins System ein, und reihte sich geduldig in die Warteschlange. Die optischen Kreise mit der Turing Superoutine waren jedoch weniger geduldig. Den Vorschriften und der Programmierung nach hatten nie mehr als zwei Nachrichten höherer Prioritäten länger als 90.000s auf dem Schirm zu stehen. Programmiert, einfach um sicherzustellen, dass die kohlenstoffbasierte Lebensform vor dem Schirm nicht schlief - das System startete eine weitere Subroutine.
Die Konsole begann zum roten Blinken einen nervigen, durchdringenden Alarmpieper hinzuzugesellen.

Posting of Managarmr
Titel: Re: [Tag 3] Raumstation Bazaar
Beitrag von: Elisabeth Hawkwood am 18.06.2006 | 18:22
Nachdenklich sah sie dem davoneilenden Philosophus nach, liess sich vor ihren beiden Begleiterinnen nichts anmerken.

Das unerwartete Auftauchen des Priesters hatte sie jedoch nun sowieso aus der Andacht gerissen. Sie ueberlegte einen Moment, während sie sich den Anschein gab wieder zu beten.
Nun habe ich völlig den Faden verloren. Die ungewohnte Umgebung tut ihr uebriges, um mich hier nicht wieder zur Andacht kommen zu lassen. Aber an einem solchen Feiertag nach einer Beerdigung so schnell schon wieder gehen gehört nicht zum guten Ton. Ausserdem wäre es praktisch noch einmal Bruder Erland zu treffen. Vielleicht könnte man auch vorsichtig das Gespräch auf den seltsamen Zustand des Philosophus lenken. Ich bleibe noch.

Sie hörte plötzlich Schritte und dann wie sich Jemand offenbar weiter hinten in der Kapelle niederliess. Auf ihren fragenden Blick hin fluesterte Fjärill: "Ein Hazat, Mylady." Sie konnte nicht verhindern, dass sich die Verwunderung deutlich auf ihrem Gesicht spiegelte. Als sie sich wieder in der Kontrolle hatte, drehte sie sich so langsam und betont um, das er es hören musste, liess ihre eisblauen augen einen Moment auf seiner Gestalt ruhen, ehe sie sich ebenso langsam und betont wieder zurueck wandte.
Titel: Re: [Tag 3] Raumstation Bazaar
Beitrag von: Enkidi Li Halan (N.A.) am 18.06.2006 | 22:59
Enkidi nickte und ein Teil der Last, die auf seinen Schultern lag, löste sich.

Megan hatte lange gesprochen, und er hatte zugehört. Mit jedem Wort war ihre Stimme fester und sicherer geworden, und das war gut so. Sie übernahm die Kontrolle, und - wie es sich für einen guten Piloten gehörte - sie setzte einen neuen Kurs. Er würde würde ihr folgen, wie schon so viele Male zuvor, denn wenn er es nicht tat, würde sein Weg nur noch tiefer in das Labyrinth des Wahnsinns führen.

"Danke", flüstete er, und blickte ihr tief in die Augen.

Er kostete die Berührung ihrer Hände lange aus, streifte sie dann aber ab und richtete sich auf. Da war noch immer der Schmerz, und das merkwürdige Verlangen nach dem Amulett - doch Megans langer Monolog hatte beides entrückt und einen milden Schleier der Verdrängung darüber gelegt. Ja, es gab Dinge zu erledigen, und Enkidi würde sich zusammen reißen.

Abermals nickte er, diesmal entschlossener.
"Du hast Recht. Wir müssen endlich erledigen, weswegen wir auf diese Station gekommen sind." Er holte tief Luft. "Womit sollen wir also beginnen, Commander?"
Titel: Re: [Tag 3] Raumstation Bazaar
Beitrag von: Alejandro Dulcinea am 13.02.2007 | 21:12
Ein frisianischer Eiswurm, ja daran erinnerte sie ihn  - gross, geschmeidig elegant und oft ziemlich tödlich...aber auch das war lösbar.

Ein feines Lächeln spielte auf seinem Anlitz in Erinnerung an eine Jagd auf Delphi. Er hatte sein Gebet an den Allschöpfer abgeschlossen und hob nun den Kopf.
In einer geschmeidigen Bewegung stand er lautlos auf, schritt langsam zum Eingang der Kapelle, blieb dort stehen, und als die Dienerin der Baronin einmal dorthin schaute, signalisierte er, dass er die Baronin zu sprechen wünschte.
Titel: Re: [Tag 3] Raumstation Bazaar
Beitrag von: Elisabeth Hawkwood am 15.02.2007 | 12:48
Lisa warf einen unruhigen Blick zunächst auf ihre Herrin, die jedoch weiterhin ins Gebet vertieft war, sowie dann einen hilfesuchenden Blick zu Fjärill hinueber. Diese blickte sich unauffällig nach hinten um und nickte dann.
Lisa erhob sich vorsichtig und zögerlich, um auf den wartenden Hazat zuzugehen.
Sie verbeugte sich respektvoll und fragte dann: "Mylord wuenschen die Baronin zu sprechen? Wenn Ihr verzeiht so ist der hiesige Ort und der Zeitpunkt etwas unguenstig, wenn Ihr eine längere Audienz wuenscht?!"

Ein Hazat, auch das noch! Wenn ich die falschen Worte wähle... . Warum wollte ich jemals dienerin werden? Wenn mir klar gewesen wäre was das bedeutet. Und die Baronin ist in Trauer, wenn ich sie nun auch noch enttäusche? Oh Pancreator hilf mir!

Sie versuchte sich ihre Nervosität und unsicherheit nicht anmerken zu lassen, während sie, in der Verbeugung verharrend abwartend aufblickte.