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Medien & Phantastik => Sehen, Lesen, Hören => Lesen => Thema gestartet von: Purzel am 2.07.2006 | 11:27

Titel: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Purzel am 2.07.2006 | 11:27
Hi!

Gestern abend habe ich versucht Lovecrafts "Call of Cthulhu" auf Audio Hörbuch zu geniessen. Nach nur 12 Minuten brach ich verwirrt ab, nahm mir die echte Textversion und las in die rein. Erscheint es nur mir so, oder schreibt der Mann wirklich so dröge?

Dabei dachte ich, da er ja so berühmt sei, würden seine Bücher gut zu lesen sein. Stattdessen kommt "Call of Cthulhu" rüber wie ein sehr nüchtern geschriebenes Tagebuch, mit einer Menge Daten, Zahlen, Orten und Personen, die aber nicht wirklich relevant für den Plot sind. Sozusagen "Hartwurst" zum Lesen. ;) Seine Protagonisten entbehren grundsätzlicher Charaktereigenschaften, ein weiterer Grund, warum ich nicht in die Story reinkomme. Sein Vokabular ist beeindruckend gross, doch leider auch antiquiert. Meine Englisch-Kenntnisse sind dadurch leicht überfordert.

Schade eigentlich, hätte mich mal gerne für ein CoC Spiel vorgebildet. Doch dieser Klotz von Welt-Literatur ist nicht mit meinem Verständnis von spannenden Geschichten vereinbar.

Wie sind eure Erfahrungen mit Lovecrafts Werken? Kann mir jemand eine "leichtere" Geschichte von Lovecraft empfehlen?

Und: werd ich jetzt wahnsinnig?


 MfG, Purzel

Quellen:
Lovecrafts komplette Werke (http://www.dagonbytes.com/thelibrary/lovecraft/index.html)
Freies Audio Buch von "Call of Cthulhu" (http://greylodge.org/gpc/?p=106)
Cthulhu auf Wikipedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Cthulhu)
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: lodde am 2.07.2006 | 11:38
Hi!

Schade, das es dir nicht gefällt. Ich habe mir 2 Taschenbücher aus dem Surkamp-Verlag gekauft. Haben beide nur Kurzgeschichten. Die fand ich durchweg gut. Ich weiß leider jetzt nicht, wie die Bücher heißen, da ich beide verliehen habe(weiß leider nicht mehr an wen :'(). Wenn ich das richtig verstehe, hast du die Geschichte auf Englisch gelesen. Mein Tipp, ließ doch erst mal ein oder zwei Kurzgeschichten auf Deutsch, um besser in die Thematik und den Schreibstil reinzukommen. Spreche jetzt nur für mich: Obwohl mein Englisch nicht zu dem schlechtesten gehört, tue ich mir bei englischer Literatur immer etwas schwerer. Ist halt nicht meine Muttersprache, deshalb brauche ich länger zum lesen und verstehe manchmal nicht alles.

Fazit: Probiers mal auf Deutsch, wenns dir immer noch nicht gefällt, ließ was anderes!  ;) Lesen sollte doch Spaß machen, oder hab ich da was falsch verstanden?

lodde

P.S.: „In seinem Haus in R’lyeh wartet träumend der tote Cthulhu.“
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Suro am 2.07.2006 | 11:43
Lovecraft ist auch meiner Meinung nach nicht der beste Autor, den es gibt. Er ist halt nur so bekannt, weil er den Mythos begründet hat - und wie lodde sagte, die Kurzgeschichten sind angenehmer. Ich empfehle (auch wenn ich es auf deutsch gelesen habe) eher sowas wie "Hüter der Pforten", da sind zwar auch Kurzgeschichten von ihm drin( z.B. der leuchtende Trapezoeder), aber auch Geschichten von allen möglichen späteren Mythos-Autoren.
Da dürfte schon irgendwas dabeisein.
Irgendwo hat der "nüchterne Tagebuchstil" aber auch seinen Reiz - ich weiss nicht warum, aber so wirken die Teile manchmal auch viel "realistischer" war so mein Eindruck.

Gruß, Suro.
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Jahleesu am 2.07.2006 | 11:43
Dass der Wortschatz so antiquiert ist, liegt vermutlich daran dass der gute Manns chon ne gaaanze Weile tot ist. ;)

Nee, also ich muss ehrlich sagen, Lovecraft empfehle ich jedem der nicht gerade Englisch studiert oder so, auf Deutsch zu lesen, sonst wird man wirklich von der Wortgewalt erschlagen.

Stimmt, viele der Geschichten fangen sehr sehr nüchtern an, mit vielen Details, Namen, Daten, Fakten. Viele der Charaktere sind auch so, sehr nüchtern und rational und so berichten sie auch... um so interessanter zu sehen wie sich langsam schleichend der Wahnsinn einnistet wenn sie mit Dingen konfrontiert werden, die sie rational einfach nicht mehr erklären können.

Lovecraft ist glaub ich so ein Fall den man liebt oder hasst. Ich kenn genug Leute die ihn überhaupt nicht mögen, und genug Leute die ihn vergöttern ;)
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Pyromancer am 2.07.2006 | 11:48
Als kurzweiligen Einstieg in die Werke von Lovecraft empfehle ich den "Call of Cthulhu"-Film der HPLHS
Link (http://www.cthulhulives.org/cocmovie/index.html)
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Samael am 2.07.2006 | 12:10
Lovecraft hat auch zugängliche und wirklich unheimliche Geschichten geschrieben.

Empfehlungen:

Die Farbe aus dem All - (The Color out of Space)
Träume im Hexenhaus ("Dreams in the Witch-house")
Pickmanns Modell (Pickman´s model)
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Samael am 2.07.2006 | 12:11
Dass der Wortschatz so antiquiert ist, liegt vermutlich daran dass der gute Manns chon ne gaaanze Weile tot ist. ;)

Daran nicht unbedingt (soo lange ist der nämlich noch nicht tot). Eher daran, dass er versucht hat Poe nachzueifern.
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Noshrok Grimskull am 2.07.2006 | 12:51
Kann mich meinen Vorrednern nur anschließen: Probier halt was auf Deutsch. Viele der Kurzgeschichten von HPL wurden exzellent übersetzt, d.h. sie haben nichts von ihrem Flair verloren.

Und: werd ich jetzt wahnsinnig?

Wenn du's nicht schon bist: JA! :ctlu:
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Urias am 2.07.2006 | 13:00
Ich hab hier oben seine gesammelten Werke stehen *stolzbin* und da sind sogar die drin die er geschrieben hat als er noch ein Kind war und seine Komödien. Der Mann hatte einfach das richtige Gen zum schreiben wenn man sich erstere so ansieht.
Wovon ich abraten kann ist "An den Bergen des Wahnsinns". Das war sogar mir als riesen Lovecraft-Fan zu langweilig. Die ersten zwei Kapitel oder so gehts nur um Expeditionen welche vorher geschehen sind. Ziemlich zäh.
Ansonsten wie schon gesagt: Auf deutsch lesen!
Raziel
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Gwynnedd am 3.07.2006 | 12:36
ich finde die Sachen von ihm auch eher langweilig, so dass ich sie nur als Hörbuch ertragen kann.  :ctlu:
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Enkidi Li Halan (N.A.) am 3.07.2006 | 13:01
Ich stimme jedem zu, der Lovecrafts Stil als schwerfällig und überladen beschreibt; sein Stil entspringt seiner Zeit und wirkt aus der heutigen Sicht hölzern und unbeholfen; auch mangelt es seinern Geschichten udn Romanen an den sorgfältigen Spannungsbögen, die in der modernen Literatur zu finden sind. Dennoch: er war ein beduetender Wegbereiter der fantastischen Literatur und hat vor allem inhaltlich neue Wege beschritten. Seine Werke beschreiben die Konfrontation des Menschen mit einem unergründlichen Bösen, dem der Mensch nichts entgegen setzen kann. Erzählungen zeitgenössischer Autoren hatten oft den Konflikt Gut gegen Böse zum Thema, verkleidet in fantastische Themen, die zu Lovecrafts Lebzeiten recht populär waren/wurden. In diesen Werken obsiegte am Ende aber immer das Gute, was - und das war das Neue - in Lovecrafts Werken nicht der Fall war. Er beschrieb in leichten Varianten stets die hoffnungslose Auslieferung des Einzelnen gegenüber einer kosmischen Macht, deren Absichten völlig unergründlich und meist "bösartig" waren. Zu seiner Zeit galt der Mensch noch als unangezweifelte Krone der Schöpfung, und dass es etwas gäbe, mit dem der Mensch nicht fertig würde, war unvorstellbar. Dass Lovecraft an diesem Status zweifelte, war ebenfalls neu und führte zur Popularität seiner Werke.

Nach Lovecrafts Tod trat der Autor August Derleth Lovecrafts Erbe an und führte sein Werk fort; er vollendete mehrere Fragmente aus Lovecrafts Unterlagen und schrieb auch etliche eigene Geschichten und Bücher. Derleth war es auch, der eigentlich den Begriff "Cthulhu-Mythos" prägte und er erfand auch etliche Mythos-Wesenheiten. Sein Stil ist wesentlich gefälliger als der Lovecrafts, daher würde ich ihn eher empfehlen, wenn es um gemütliches Lesen geht. Lovecrafts Romane sind zum Teil schlampig geschrieben und zum Gähnen langweilig, seine Kurzgeschichten sind erheblich besser.

Neben Derleth gab es noch einige andere Autoren, die den Mythos fortführten; dazu gibt es ebenfalls Sammlungen, die zu empfehlen sind. Welche genau, kann ich im Augenblick leider nicht sagen, aber wenn ich daheim bin schaue ich gerne mal nach, wenn Interesse beseteht ;-)

 
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: PhiSch am 3.07.2006 | 13:17
lovecraft ist kult und gehört eigentlich in jede vernünftige sammlung phantastischer geschichten.
dass dieser mann (ich finde ihn genial), genau wie tolkien (mag ich nicht) ziemlich überbewertet ist, stimmt. aber das liegt quasi an der natur der sache, denn wenn man es sich recht überlegt ,sind beide eigentlich so etwas wie one-hit wonder... wenn auch gute, wie ich sagen muss. beide habe eine gute sache erschaffemn, die sie berühmt gemacht haben (den Mythos oder den Herren der Ringe), aber danach war nichts dolles mehr...
lovecraft auf englisch ist nicht einfach und definitiv auch nicht jedem zu empfehlen. Poe ist in meinen augen einfacher und runder, deswegen würde ich jedem empfehlen zuerst poe zu lesen und dann lovecraft (mir hat's geholfen)...
was die geschichten angeht so muss man definitv einen zugang dazu finden und den stil mögen, sonst ist das echt das ödeste der welt...
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: wjassula am 3.07.2006 | 14:50
@Enkidi: Ich stimme dir grundsätzlich zu. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es auch zu Lovecrafts Zeiten AutorInnen gab, die packende, gut konstruierte, sprachlich genaue Stories schreiben konnten. Das ist kein zeittypischer Fehler, sondern einer von Lovecraft, glaube ich.

Zu seiner Verteidigung kann man vielleicht sagen, dass zumindest in den besseren Geschichten die Stilmittel, die in der Ballung oft unerträglich sind, bewusst eingesetzt sind. Das ganze Wortgeklingel, die Reihung bizarrer Namen, der Vorrang von Klang und Atmosphäre über Konflikt und Plot, das soll schon so. Erbe der Romantik oder so? Keine Ahnung.

Die Bedeutung, wenn man so will, liegt sicher in der Schilderung des Alleine- und Ausgeliefertseins, der Unbarmherzigkeit des Universums, der Unbedeutendheit (ist das ein Wort?) der Menschheit und der Angst vor dem Fremden, Unbekannten, Unverständlichen. Stichworte: Freud, Zivilisationsmüdigkeit, Evolutionslehre, beginnende Globalisierung und erneute Einwanderungswellen in die USA.
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Vanis am 3.07.2006 | 14:59
In Bezug auf Lovecrafts Stil: Natürlich ist der antiquiert. Aber wenn dem nicht so wäre, müsste man seine Bücher auch gar nicht erst lesen. Immerhin sind seine Erzählungen fast 100 Jahre alt (Vanis...verwirrt).

Gerade der trockene "Tagebuchstil" macht den Cthulhu-Mythos doch aus. Lovecraft vermittelt dadurch den Eindruck, als ob die Geschehnisse wahr sind und das finde ich echt gut gemacht. Er verstrickt sich geradezu in Andeutungen, schiebt Medien wie Fotografien, Tagebücher und Augenzeugenberichte zwischen die Handlung und den Leser. Gerade das macht den lovcraftschen Stil aus, den ich wahnsinnig (welch Wortspiel) gut finde.
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Chiungalla am 3.07.2006 | 15:07
Zitat
was die geschichten angeht so muss man definitv einen zugang dazu finden und den stil mögen, sonst ist das echt das ödeste der welt...

Das stimmt.

Ich hab einige Werke von ihm zweimal gelesen.

Einmal nach dem Motto, hoffentlich bin ich bald durch.
Einfach nur die Handlung verschlungen, und möglichst wenig in die Protagonisten hinein versetzt.
Da waren die öde.

Beim zweiten mal hab ich die dann sehr konzentriert, am Stück und mit viel Phantasie gelesen. Mir vor allem viele Gedanken dazu gemacht, wie es einem wohl in solchen Situationen gehen würde u.s.w.
Und da ist das schon sehr cool, und nagt auch durchaus manchmal ein bischen an der geistigen Gesundheit...
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: PhiSch am 3.07.2006 | 16:03
aber ich lese ihn gerne... und die vorstellung in meinem Kopf ist schin ein wenig murnau lastig... oder...karloff. >;D >;D
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Chaosdada am 3.07.2006 | 16:22
Ich denke Lovecraft ist was für Leute die im Rollenspiel Simulationisten sind, und da ich dazu gehöre, finde ich ihn erstklassig. Klar könnte man seine Geschichten langatmig und zäh nennen, aber gerade die Detailfülle am Anfang spricht mich an. Sie macht die Geschichte glaubhafter, lässt sich besser in die Lage versetzen (Lovecraft verwendet auch sehr oft Ich-Erzähler) und wirkt sehr gewöhnlich - und bekanntlich ist der Horror um so besser, je gewöhnlicher der Rest. Wobei man gewöhnlich hier teilweise der falsche Ausdruck ist, eher  "echter" oder so. Eine Antarktisexpedition ist schließlich nicht als gewöhnlich zu bezeichnen.
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Purzel am 3.07.2006 | 21:36
Wow, vielen Dank an alle für die vielen Tipps und Analysen. Das wird mir sehr helfen, mich in die Materie einzulesen.

   MfG, Purzel
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Greifenklaue am 17.07.2006 | 01:01
Gerade seine trockene, nüchterne Art gefällt mir sehr gut.

In "Berge des Wahnsinns" klingt es eben wie ein echter Bericht eines echten Forschers zu der Zeit, der erst alle sachlich analysiert und sich dann die ersten Merkwürdigkeiten einschleichen, die er natürlich versucht, wissenschaftlich zu erklären.

Wenn man bedenkt, dass es zum Zeitpunkt des Buches nur wenige Südpoolexpeditionen gab (oder vielmehr: wenig erfolgreiche...), muss man auch die gute Recherche loben und was für einen Eindruck das auf einen Menschen der Zeit gemacht haben muss ohne den Abstand von 70 Jahren, Südpolkarten und viel mehr Wissen...
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Lyonesse am 21.07.2006 | 02:51
Nach meinem Dafürhalten ist Lovecrafts Stil schwerfällig, gespreitzt und überborden von Adjektiven. Er ist in dieser Hinsicht und was seine Phantasie anbelangt schon einzigartig. Ich bin auch nicht der Meinung, daß er Poe imitieren wollte, denn dessen Stil ist anders und unverwechselbar. Lovecraft war als Autor eben nicht so gut wie beispielsweise Robert E. Howard, der einen knackigen Stil hatte, der den Leser bei der Stange hielt. Howard mußte und wollte jedoch von der Schriftstellerei leben, wohingegen Lovecraft sich zeitlebens immer etwas dagegen gewehrt hat, daß Schreiben als Broterwerb zu betreiben - jedenfalls offiziell. Robert E. Howard konnte zwar Horrorgeschichten (und nicht die schlechtesten) im Cthulhu-Mythos schreiben, aber er hätte den Mythos in seiner pessimistischen, ausweglosen Form nie so erschaffen können wie Lovecraft. Schließlich hätten Howards Helden die großen Alten erstmal richtig in den Hintern getreten, wenn die ihnen dumm gekommen wären und das wäre ja sicher nicht im Sinne des Erfinders gewesen. Richtig gut zu lesen war Lovecraft also eigentlich nie, dennoch finde ich das 'Der Fall Charles Dexter Ward' mit zu seinen besten Kreationen gehört und recht gut zu lesen ist. Das wäre auch meine Empfehlung an dieser Stelle.

Gruß,

Lyonesse
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Samael am 21.07.2006 | 08:40
Ich bin auch nicht der Meinung, daß er Poe imitieren wollte, denn dessen Stil ist anders und unverwechselbar.

Naja anders sicher, aber doch in vielen Punkten ähnlich. Das Poe ein großes literarisches Vorbild Lovecrafts war, dem er nacheiferte hab ich mir übrigens nicht selbst ausgedacht - das ist ein Fakt.
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Lyonesse am 21.07.2006 | 11:57
Das Edgar Allan ein großes Vorbild von Lovecraft war und ihn beeinflußte, stelle ich auch nicht in Abrede, schließlich war er einer der größten amerikanischen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Wer immer sich mit Horrorliteratur beschäftigt, der kommt an Poe nicht vorbei, da er zum Fundament des Genres gehört. Lovecraft hat Poes 'Böses ohne Grund' unter anderem noch um die kosmische Dimension erweitert. Ich meine nur, daß sich beide eines unterschiedlichen Stils befleißigen.
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Greifenklaue am 21.07.2006 | 13:55
Zitat
Naja anders sicher, aber doch in vielen Punkten ähnlich. Das Poe ein großes literarisches Vorbild Lovecrafts war, dem er nacheiferte hab ich mir übrigens nicht selbst ausgedacht - das ist ein Fakt.
Ja, ohne Frage gibt es z.B. Überschneidungen zwischen Berge des Wahnsinns und, ähh, Poes Die denkwürdigen Erlebnisse de Arthur Gordon Pym , die Schreibstile sind jedoch vollkommen anders.

Inspiriert? Ohne Frage.
Kopiert? Keinesfalls.

Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Crenshaw am 21.07.2006 | 16:05
mein tipp für Lovecrafts werke ist "Der Schatten über Innsmouth" sowie "Das Grauen von Dunwich"."Der Fall Charles Dexter Ward" wurde ja schon von Lyonesse genannt.

mir würde zu "Berge des Wahnsinns" einfallen, dass es das buch war, das mir HPL-erzähltechnisch am allermeisten missfallen hat, vielleiht deswegen weil es eine längere story ist und eine längere aneinanderreihung von den standard-wendungen wie "furchterregend", "grausam","unvorstellbar", "unheimlich" und "unsäglich" in verschiedensten konstellationen mit der zeit nervig werden  ::). in den short stories funktioniert es, weil diese attribute nicht ohne ende wiederholt werden und auf den 150seiten geht HPL einfach die luft aus.davon unbeeinträchtigt bleibt natürlich der hohe anteil an Mythos-relevanten infos und dem "Grossen Alten"-hintergrund interessant.

@Lyonesse :

Howard hat auch CoC-stories geschrieben ? wusste ich gar nicht. welche denn ? ähem, mich würden schon stories interessieren,
in denen jemand den Mythos-biestern in den allerwertesten treten kann, am besten noch mit ABC-waffen.das wäre sicher B-Movie- mässig, aber unterhaltsam. ~;D

Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Samael am 21.07.2006 | 16:49
die Schreibstile sind jedoch vollkommen anders.

Die auffällige Adejektivenschwemme findet man jedenfalls bei beiden.

Zitat
Inspiriert? Ohne Frage.
Kopiert? Keinesfalls.

Das habe ich auch nicht behauptet.
Titel: Re: Zu H.P. Lovecraft
Beitrag von: Lyonesse am 21.07.2006 | 16:55
Es gab früher einen Band, der ausschließlich Horrorgeschichten von REH enthielt und auf dem vorne eine schöne Illustration mit einer hockenden Cthulhu-Statuette abgebildet war. Darin waren Erzählungen, wie 'The Black Stone' enthalten, wo es in den Alpen um den Kultplatz einer Krötengottheit geht. Es gibt (oder gab) auch ein Buch mit dem Titel 'Nameless Cults' in dem alle Cthulhu-Geschichten von Robert E. Howard zusammengefasst sind (ist wohl identisch mit dem von mir beschriebenen alten Band). Howards Helden begeben sich natürlich nicht in einen Faustkampf mit Nyarlathotep, aber den Kultisten wird schon ordentlich eingeheizt, da es für Howard nicht in Frage kam Geschichten mit Leuten zu schreiben, die hilflos sind. Andere Geschichten mit Horrorelementen drehen sich um Howards puritanischen Degenfechter Solomon Kane, der gerne und oft mit dem Übernatürlichen aneinander geriet. Schließlich fällt mir noch die beste Horrorgeschichte von REH ein, diese wurde von Stephen King mit Lob überschüttet, hat aber nichts mit dem Cthulhu-Mythos zu tun. Ich meine 'Pigeons from Hell', von der es auch eine geniale Comicadaption von Scott Hampton gibt (gab).