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Medien & Phantastik => Sehen, Lesen, Hören => Sehen => Thema gestartet von: Azzu am 22.12.2006 | 20:53

Titel: [KINO] Apocalypto von Mel Gibson
Beitrag von: Azzu am 22.12.2006 | 20:53
Er hat kein rotes Stirnband, dafür krassen Ohrschmuck. Er gibt keine Weisheiten von sich wie "wenn man einen Krieg gewinnen will, muss man zum Krieg werden", dafür ist sein Motto : "Mein Name ist Pranke des Jaguars, und ich habe keine Angst"! Die Hetzjagd verläuft sehr linear und vorhersehbar, dafür findet sie vor schöner Kulisse statt. Alles in allem bietet "Apocalypto" vom Setting abgesehen nichts wirklich Neues.

Trotzdem: Schade um das Eintrittsgeld war's nicht, gut gefilmte Action vor grandiosen Kulissen, und endlich mal wieder ein Film ohne die sonst omnipräsenten, nervenden Starvisagen.

Kann man sich durchaus ansehen!

P.S. Warnung vor der Rezension im Spiegel, die (mal wieder) die besten Szenen und das Ende verrät!
Titel: Re: [KINO] Apocalyptico von Mel Gibson
Beitrag von: Ralf am 22.12.2006 | 20:58
Wie schauts denn mit dem vielbeschworenen Bezug zur aktuellen Weltpolitik aus?
Wenn sowas zu plump daherkommt, find ich nämlich immer doof.
Titel: Re: [KINO] Apocalyptico von Mel Gibson
Beitrag von: Azzu am 22.12.2006 | 21:11
Wie schauts denn mit dem vielbeschworenen Bezug zur aktuellen Weltpolitik aus?

Also... der Vorspann lautet bedeutungsschwanger "Nur eine Zivilisation, die sich bereits selbst zerstört hat, kann von außen zerstört werden" oder so. Die Hochkultur der Maya kommt in dem Film dann auch gar nicht gut weg - die Protagonisten sind einfache, primitive Jäger, die Bösewichter gehören der übelst dekadenten, blutrünstigen Hochkultur an und man gönnt es ihnen richtig, dass irgendwann nach dem Ende des Films die Conquistadores über sie herfallen werden.

Ansonsten: Stamm A überfällt grundlos Stamm B und will die Überlebenden vom Stamm A ihrem Gott opfern. Held versucht zu fliehen, um seine Familie zu retten, und wird durch den Dschungel gehetzt. Stamm B: gut. Stamm A: böse. Keine Ausnahmen.

Wer da etwas reininterpretieren mag, bitte sehr. Wenn man nur wegen der Dschungeloptik und blutiger Action à la Mad Mel ins Kino gegangen ist, so wie ich, drängen sich jedenfalls keine gekünstelten Parabeln auf aktuelles Geschehen auf.
Titel: Re: [KINO] Apocalyptico von Mel Gibson
Beitrag von: Ralf am 22.12.2006 | 21:19
Trés bien.
Genau das wollte ich hören. ;D
Titel: Re: [KINO] Apocalyptico von Mel Gibson
Beitrag von: faehrmann am 23.12.2006 | 01:14
Ach schade hatte nach Mels Hang zur Bibel auf eine Christenverfolgung unschuldiger Conquistadoren durch blutgierige Atzteken gehofft...

Titel: Re: [KINO] Apocalypto von Mel Gibson
Beitrag von: Lyonesse am 24.05.2007 | 19:23
Farbenprächtig, bildgewaltig, blutrünstig und grauenerregend; so zeigt sich dieses packende Epos von Mel Gibson. Die Hochkultur der Maya, die trotz aller zivilisatorischer Errungenschaften ziemlich brutal war, präsentiert sich hier dem staunenden Zuschauer. Die Geschichte vom Schicksal eines friedlichen Stammes, der von den Sklavenjägern der Maya überfallen wird, ist bestechend in ihrer Schlichtheit und erinnert an die kraftvollen Geschichten eines Robert E. Howard. Gibson ist es gelungen mich 120 Minuten mit einer atavistischen und existenzialistischen Geschichte zu fesseln, die authentisch schmeckte - jedenfalls wirkte die Maya-Stadt wie eine Mischung aus Sodom und dem Vorhof zur Hölle. Erinnerte mich stellenweise an die französische Comic-Reihe 'Quetzalcoatl' von Mitton, auch wenn es da um die Azteken geht. Alles in allem auf jeden Fall eine Empfehlung wert, wenn auch nichts für zartbesaitete Naturen.
'Apocalypto' war für mich ähnlich beeindruckend, wie Gibsons Passionsfilm 'Die Passion Christi'. Ein radikaler und kompromissloser Künstler, dessen Filme von visuellen Impressionen und ihrer Körperlichkeit leben und deshalb bewußt auf verständliche Sprache verzichten.
Meine Leih-DVD bot außer einem ausführlichen Audio-Kommentar von Mel Gibson und seinem Co-Autor noch ein Making-of.