- Sind die Motive miteinander kompatibel?Es gibt bestimmt Theorien, die darauf mit einem entscheidenen "Nein" antworten, aber da ich lieber "beim Menschen" bleibe, wie er ist - gewiß. Darum ist man sich ja manchmal selbst nicht sicher, was man tun soll: Es wäre gewiß angenehm... aber dann könnte man nicht mehr... für sich selbst würde man ja... aber wegen der andern sollte man doch...
Gibt es andere Motive?Motive sind (zumindest in der Praxis) selten "chemisch rein", im besten Fall sind sie eine Suspension, in der die einzelnen Teile noch erkennbar geblieben sind - aber ich fürchte, zumeist sind sie eine Mischung, in der bestimmte Reaktionen bereits abgelaufen sind... Die genannten Motive verbinden sich mit anderen Motiven, und was daran bestimmend ist, was dagegen nur aufgrund seiner besseren Analysierbarkeit als wichtig wahrgenommen wird... wer will das sagen?
Bezugnehmend auf das 3-Ebenen-Modell kann schon mal zwischen Spieler- und Spielweltebene differenziert werden.Die Trennung halte ich für sinnvoll, insbesondere deswegen, weil die Spielweltebene so viel einfacher ist als die vorfindliche Wirklichkeit, und für Rollenspieltheoretiker noch dazu - glücklicherweise! - die wichtigere. Für die vorfindliche Wirklichkeit muß man gar nicht sonderlich tief bohren: Es muß aus rein praktischen Gründen genügen, diejenigen Motive und Ziele zu betrachten, die im Spieltischgeschehen "an die Oberfläche kommen". Was dahinter steht (und was man natürlich besser wissen würde, um das zu bedienen, um den Spieler richtig glücklich zu machen), das kann man nicht als "wißbar" voraussetzen; der Spieler kann schließlich nicht gezwungen werden, das preiszugeben. Dummerweise muß er nichtmal preisgeben, welche Motive er überhaupt hat. Aber auf der Spielweltebene gibt es Hinweise, und manche sind deutbar, selbst wenn der Spieler sie nicht ausformuliert. Wenn man den Spieler eine Weile im Spiel beobachtet, kann man weitere Hinweise sammeln und hoffen, daß - weil es ja nur eine angenommene Identität ist - die Motivationslage tatsächlich ungefähr so ist, wie sie sich darstellt.
@ Beral: Was studierst du? Möchte gerne erfahren aus welchem Hintergrund deine Ideen kommen.
Die Trennung halte ich für sinnvoll, insbesondere deswegen, weil die Spielweltebene so viel einfacher ist als die vorfindliche Wirklichkeit, und für Rollenspieltheoretiker noch dazu - glücklicherweise! - die wichtigere. Für die vorfindliche Wirklichkeit muß man gar nicht sonderlich tief bohren: Es muß aus rein praktischen Gründen genügen, diejenigen Motive und Ziele zu betrachten, die im Spieltischgeschehen "an die Oberfläche kommen".
Daß das uU nicht dem entspricht, was er sich im Inneren wünscht, sollte man wissen, aber es genau bei diesem Wissen auch belassen, bis etwas von diesem Andern im Innern an die Oberfläche kommt. Man sollte es eben darum wissen, weil man dann leichter damit umgehen kann, wenn sich plötzliche Motivationswechsel einstellen - und das kann sowohl geschehen, weil Motivationen auf- und abtauchen, als auch, weil der Mensch sich ja ändert und ihn das in keinem Aspekt seines Seins unbeeinflußt läßt.
@ Beral: Was studierst du? Möchte gerne erfahren aus welchem Hintergrund deine Ideen kommen.Ich studiere Sportwissenschaft. Psychologie betreibe ich im Selbststudium. Meine Ideen kommen prinzipiell von überall her, weil ich in der Freizeit quer durch alle möglichen Human- und Naturwissenschaften reise. Die Motive in diesem Thread sind 1:1 aus der Psychologie entliehen.
@Beral: War das 3-Ebenen-Modell nicht das etwas esoterische Modell, in dem die Spielwelt auch ohne die Spieler existiert?Die Spielwelt funktioniert nicht ohne die Spieler. Das Modell behauptet das auch nicht. Wenn Klärungsbedarf besteht, würde ich das gern aus diesem Thread auslagern.
Ich will nur anmerken, dass a2) Selbstverwirklichung und b2) Macht ausüben von sich aus schon gegensätzlich sind.Ja, aber in der Praxis kann man beides wollen - und sich auf einem Komprimißpfad durchlavieren. Menschen können nahezu beliebig unlogisch agieren.
Und zwar schon anhand eines "kleinen" Begriffes, den Du verwendest: Wirklichkeit. Erstens sind Wirklichkeiten sind immer nur subjektiv...Ich bin Wirklichkeitspositivist, d.h. ich sehe Wirklichkeit als etwas Gegebenes an, auch abseits von einer wie auch immer garteten Wahrnehmung. Ich betrachte die menschliche Wahrnehmung als prinzipiell zureichend, aber auch als begrenzt; ich denke insofern ohnehin unter dem Vorbehalt, daß man sich irren kann (und es auch oft genug tut). Aber wer immer nur auf die eigene Irrtumsfähigkeit starrt, paralysiert sich selbst. Es ergibt mehr Sinn, seine Sturheit zu zügeln, aber ansonsten nach dem Axiom zu verfahren:
Ich halte einen gefassten Gedanken oder eine begangene Handlung solange für richtig, bis sich das Gegenteil erkennbar herausgestellt hat.
Du erwähnst oft Spielwelt und Spieltisch ... beides sind aber unterschiedliche Dinge.Deshalb kann ich sie ja gegeneinandersetzen.
Die Spielwelt funktioniert nicht ohne die Spieler. Das Modell behauptet das auch nicht. Wenn Klärungsbedarf besteht, würde ich das gern aus diesem Thread auslagern.Nee, lass mal. Darüber wurde doch damals schon gestritten (http://tanelorn.net/index.php/topic,42050.msg788747.html#msg788747)… Oder meinst du, eine Neuauflage wäre sinnvoll?
Oder meinst du, eine Neuauflage wäre sinnvoll?Das müssen andere entscheiden. Ich will es keinem aufdrängen.
Ich betrachte die menschliche Wahrnehmung als prinzipiell zureichend, aber auch als begrenzt; ich denke insofern ohnehin unter dem Vorbehalt, daß man sich irren kann (und es auch oft genug tut). Aber wer immer nur auf die eigene Irrtumsfähigkeit starrt, paralysiert sich selbst.
Letzteres ist natürlich absoluter Blödsinn, aber das hier ist auch kein Seminar zur Erkenntnistheorie.Naja, es spricht schon die Tatsache, daß man sich Hilfsmittel zum Erkenntnisgewinn gerade in bezug auf die Motivationen ausgedacht hat, dafür, daß das Problem eben in der Praxis eine auffällige Bedeutung hat. Wenn man sich klar ist, daß man - auch wenn man niemals den Status der Perfektion erreichen wird - eben doch Dinge erkennen kann, ohne daß sie einem mitgeteilt werden, und daß man dabei durchaus auch zutreffende Erkenntnisse hat, kann das schon Mut machen, auf der Basis weiterzuhandeln. Aber wie Menschen so sind - auch Dinge, die positiv sind, müssen ausgesprochen werden.
Wenn es im Kern selbstbezogen ist, inwieweit profitiert es dann trotzdem von der Einbindung in eine Gruppenaktivität?
Tangente: Den selbstbezogenen Teil finde ich besonders interessant, da in den bisherigen Theoriediskussionen meist unterrepräsentiert. Insbesondere die Frage: Wenn es im Kern selbstbezogen ist, inwieweit profitiert es dann trotzdem von der Einbindung in eine Gruppenaktivität?Interessante Frage. Eine direkte Antwort habe ich zwar nicht, aber den Hinweis auf Rituale, bei denen eine Gruppe dafür sorgt, dass der Einzelne ein besonders intensives (teilweis überwältigendes im Sinne einer Offenbarung) Selbsterlebnis hat. Irgendwie kann das offenbar zusammen passen.
Wenn man sich klar ist, daß man - auch wenn man niemals den Status der Perfektion erreichen wird - eben doch Dinge erkennen kann, ohne daß sie einem mitgeteilt werden, und daß man dabei durchaus auch zutreffende Erkenntnisse hat, kann das schon Mut machen, auf der Basis weiterzuhandeln.
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Wenn es im Kern selbstbezogen ist, inwieweit profitiert es dann trotzdem von der Einbindung in eine Gruppenaktivität?Wenn jemand zum eigenen Vergnügen Leute braucht, die (auf eine Anregung hin, die er bereit ist zu liefern) ihn mit ihren individuellen Einfällen und Ideen bespaßen, kann so jemand ein sehr selbstsüchtiger Spielleiter sein - die Spieler funktionalisiert er lediglich, braucht sie als Gruppe aber natürlich unbedingt. Aber wenn er per besserer Vorbereitung dann auch (konsensfähig!) bessere Ergebnisse erzielt, kann er nichtsdestotrotz ein sehr guter Spielleiter sein.