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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Lord Verminaard am 27.05.2009 | 16:19

Titel: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 27.05.2009 | 16:19
Es gibt ja so ein paar Spezis, die immer wieder gerne über „NDE“ und „Emos“ lästern, wenn ein Rollenspiel(-setting) „düster“ daherkommt: Die Welt ist am Arsch, die Leute sind alle kaputt, Hoffnung gibt’s kaum, usw.

In der gleichen Diktion bleibend, könnte ich jetzt natürlich über die Poser lästern, die ihre pubertären Machtfantasien in ihren ach so „heldenhaften“ und „männlichen“ (oder gar „pulpigen“) Settings ausleben. Ein unkreatives Drei-Buchstaben-Kürzel könnte ich mir dazu auch ausdenken. Aber in Wirklichkeit würde das nicht nur zu nichts (außer beiderseitigen sinnlosen verbalen Ausfällen) führen, sondern es wäre auch nicht sachgerecht, da eine solche Unterstellung ungerechtfertigt wäre.

Genauso, wie das ganze Emo-Geflame ungerechtfertigt ist.

„Dark“ muss man nicht mögen, kann man aber, und dafür gibt es auch Gründe. Denn durch die Überzeichnung des Negativen, des Kaputten, des Hoffnungslosen, wird eine wichtige Zutat für Charaktere mit Persönlichkeit und Persönlichkeitsentwicklung geschaffen:

Krisen.

Wenn es kaum Hoffnung gibt, ist umso prägnanter, an welche Hoffnung die Charaktere sich klammern. Wenn man niemandem trauen kann, ist umso wichtiger, wem man am Ende doch vertraut. Wenn einem schlimme Dinge (tm) widerfahren, man selbst sich gezwungen sieht, schlimme Dinge (tm) zu tun, zeigt sich am ehesten, aus welchem Holz man geschnitzt ist.

Moderne, hoch gelobte TV-Serien wie Battlestar Galactica (Welt im Arsch) oder Dr. House (Leute kaputt) arbeiten mit genau diesem Prinzip. Das Ergebnis ist intensiver, auf einer moralischen Ebene fordernder und insgesamt schwerer verdaulich als ein strahlendes Heldenepos (oder eine style-over-substance Metzelorgie). Die Konfrontation mit extremen Situationen und Befindlichkeiten, Krisen eben, ruft beim Spieler eine stärkere emotionale Reaktion hervor. Das muss man nicht wollen, kann man aber.

Wenn etwas natürlich nur dunkel angemalt ist, aber gar keine echten Krisen drin sind, dann fällt dieser Effekt weg. Aber das ist wieder eine andere Geschichte, und sich daran aufzuhängen und den Rest auszublenden, ist ziemlich schwaches Tennis.

So, und jetzt kommt ihr.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: ChristophDolge am 27.05.2009 | 16:27
:d

Ein Dichter muss schließlich auch leiden, um wirklich gut zu sein.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Monkey McPants am 27.05.2009 | 16:27
Als "Initiator" des Threads der, wenn nicht den Grund dann doch vermutlich den letzten Tropfen für diesen hier geliefert hat, wollte ich nur fürs Protokol vermerken:

Ich find Post-Apo cool. Ich find auch "Dark" cool. Sogar "Dysternyss" hat sich schon gelegentlich in mein Regal und auf meinen Spieltisch verirrt.

Ich bin nur ein Mensch der einen breiten Geschmack hat und der darum viele verschiedene Dinge geil findet. Also sowohl Dysternyss als auch POWAH FANTASY!!!, GRIMDARK und Silly Fun, etc. Balance und Abwechslung ftw.

Wenn sich aber ein deutlicher Trend abzeichnet, sei es jetzt in die eine oder andere Richtung, dann werd ich neugierig. Stört mich nicht unbedingt, höchstens schmunzle ich vielleicht hie und da. Aber das ist dann nicht wirklich als Kritik gemeint.

Denn, wie gesagt, Dysternyss ist ja geil. Manchmal. ;)

M
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Minne am 27.05.2009 | 16:37
Ich empfand die angesprochenen Äußerungen der jeweiligen User als bloße und vollkommen subjektive, wenn auch vielleicht rethorisch etwas aufgepeppte, Geschmacksäußerung und als solche schlichtweg gleichgültig.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Bad Horse am 27.05.2009 | 16:39
Ich mag Krisen auch. Ich habe auch nichts gegen intensive, düstere Szenarios (Battlestar Galactica, zum Beispiel).

Ich find nur diese "Dysternyss um der Dysternyss" willen, und dann noch einen drauf, und "meine Welt ist kaputter als deine" doof. Ich finde es doof, wenn es eben keinen Lichtblick oder Hoffnungsschimmer, und konsequenterweise die Chars nichts bewegen und der Welt nur beim Abkratzen zugucken können. Wenn jeder ein Verräter ist, weil das eben nicht zulässt, dass die Chars irgendwem vertrauen und einen emotionalen Bezug aufbauen. Wenn du zehn gute Freunde hast, und einer verrät dich, ist das eindringlicher, dramatischer und mitreißender, als wie wenn sowieso jeder jeden für eine halbe Butterbrezel verkauft.

Nichts gegen Tragik - ich bin ein großer Fan von Polaris, aber dauernd könnte ich das auch nicht spielen. Ich will auch mal gewinnen. Ich will dafür ordentlich was einstecken und Opfer bringen müssen, aber ich will, dass man Char irgendwann auch mal sagen kann "Das hab ich gut gemacht" oder auch "Das war das Opfer wert".
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 27.05.2009 | 16:41

In der gleichen Diktion bleibend, könnte ich jetzt natürlich über die Poser lästern, die ihre pubertären Machtfantasien in ihren ach so „heldenhaften“ und „männlichen“ (oder gar „pulpigen“) Settings ausleben. Ein unkreatives Drei-Buchstaben-Kürzel könnte ich mir dazu auch ausdenken.
Das gibts doch schon! Da wäre das aufmerksamkeitshaschende und blenderische
FFF,
das versucht, einem vordergründiges Papierfigürchenschieben als wahres Rollenspiel tm zu verkaufen.

sers,
Alex, Freyschärler der Fynsternis
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Daheon am 27.05.2009 | 16:50
Lord Verminaard schrieb aber auch:
Zitat
Aber in Wirklichkeit würde das nicht nur zu nichts (außer beiderseitigen sinnlosen verbalen Ausfällen) führen, sondern es wäre auch nicht sachgerecht, da eine solche Unterstellung ungerechtfertigt wäre.

Daheon, Diener der Dämmerung  ;)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: scrandy am 27.05.2009 | 16:55
Also ich kann deinen Post eigentlich genauso unterschreiben, Vermi.

Ich würde sogar sagen, dass ich mich wundere, dass der Trend nicht auch in andere Genres einzieht. Fiktionen hängen nunmal am Zeitgeist. Und unsere heutige Jugend fühlt sich nunmal trotz unserer Wohlstandsgesellschaft eher schlecht und das nicht ohne Grund. Haben wir noch zu Mayday und Loveparade in den 90ern dem Millenium entgegen gefiebert und uns im "höher schneller weiter"-Sinne gefühlt wie die Krone der Schöpfung kurz bevor Star-Trek anfängt, so herrscht heute ein anderer Ton vor. Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Unvereinbarkeit mit Medienidealen und Abreitswirklichkeit, Wertelosigkeit, Umweltprobleme die unsere Generation nicht anpackt und eine extrem überalternde Gesellschaft prasseln heute auf die Jugend ein und da kann ich gut verstehen wenn sie nicht in den typischen "ich guck weg, und hab meinen Spass"-Hype einsteigen sondern sich stattdessen so fühlen wie die Welt ist: Es kann eigentlich nur schlechter werden.

So dass zu meinem persönlichen politischen Wort zum Sonntag. Möge ich mich irren.

Dass das die Rollenspiellandschaft beeinflusst finde ich jedoch eher gut als schlecht, denn es zeigt uns, dass es nicht nur um "Party and Bullshit" geht beim Spielen, sondern dass auch die Rollenspieler trotz all der Phantasie noch die Realität reflektieren und zum Nachdenken gebracht werden wollen.

Ob diese Dunkelheit allerdings immer Postapokalypse sein muss, dass denke ich hängt am Geschmack der Autoren selbst. Ich persönlich finde auch Settings wie Galactica cooler wo man irgendwie doch noch ein Fünkchen Hoffnung behält und statt Depression dann Realismus und Drama zeigt, aber dass ist nur mein Geschmack.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 27.05.2009 | 17:03
Das neue Erfinden einer solchen Abkürzung mit der ABsicht, sie als Schmähung zu verkaufen, würde zu nichts führen. Das stimmt schon. ;)

Was ich an dunklen Settings mag, ist der Reiz des Morbiden. Eine Ästhetik des Widerwärtigen, die Überwindung von Abstraktion.

Wenn es mich wütend macht, dass die Spielwelt so kaputt ist und mein Charakter beim Versuch dagegen anzukämpfen scheitert, oder vielleicht auch Erfolg hat, vielleicht füe einen Preis, der das ganze als Phyrrus-Sieg erscheinen lässt, dann habe ich nachher das gleiche Gefühl, wie nach einem guten Kriegsfilm, oder einem Drama, oder eine, dystopischen Thriller...Diese Endzeitspiele sind ja nichts anderes als dystopische Thriller.

Wenn jetzt jemand sagt, er findet Thriller albern, dann sage ich, dass sie trotzdem Spaß machen. Aber man fühle sich schlecht danach, aber das ist ein gutes Schlechtfühlen.
Quasi ein Konsum von Emotionen.

(Und jetzt meine ich nicht die typische Sabbathrunde, die ja eher in die Kategorie Splatter fällt...)


NINJAEDIT:
Habe ich doch glatt vergessen die FFF-Fraktion, im Folgenden FFFF genannt, zu bashen!
Das Problem bei FFF ist, dass man mich so schlecht versteht, wenn ich den Mund voller Popcorn habe...anders halte ich das nicht aus...und Trappings! das macht die Stimmung so kaputt. "also deine Kraft war ein einfacher Feuerball, nur dass der ganz laut ist und aus dr Hölle selbst kommt, dir die Seele verbrennt, das aber keine Auswirkungen hat?" - "ja, aber mir wäre es lieber, wenn Du es trotzdem als WeißenHöhenrauch bezeichnen könntest. Das ist immerhin ein ganz schrecklicher Zauber." - "das ist zu lang. nach FFF und in Rücksicht auf uns andere aus der FFFF: weißer Feuerball, aus Spielflussgründen ab jetzt kurz WFB. damit können wir alle leben, oder?" - *wimmer*
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Imago am 27.05.2009 | 17:12
Bei dem ganzen "NDE" - Gebashe hab ich irgendwie oft das Gefühl das es halt gerade was zum Bashen braucht. Bzw. das es so ein Modethema innerhalb der RPG-Forenwelt ist, dass es jedoch die Mehrzahl der (nicht regelmäßig auf :T:, :B: oder sonstwo surfenden) Spieler die man so trifft, und die oft von solchen Szenarien angefixt sind, garnicht großartig stört.

Klar, es gibt inzwischen schon ein paar mittelmäßige Horror- und Prä/Postapo Spiele und zB Degenesis hat so verkorkste Regeln das ich persönlich nach dem ersten Mal nicht mehr damit (Regeln, nicht Setting) spielen wollte. Genauso wie es schlechte Spiele zu anderen Genres gibt. So what? Rumrocken kann man in allen Szenarien/Genres, genauso wie man auch in allen "Emo" (was imho ne Sache wäre die ner Menge "seelenloser Teflonbillies/Helden" da draußen ganz gut tun könnte) spielen kann.
Und ob es jetzt eindringlicher ist ob einer von zehn strahlenden Paladinen des Guten ein mieses Verräterschwein ist, oder ob sich innerhalb der hinterfotzigen Straßengang doch die große Liebe findet ... hängt das nicht ganz gewaltig von den Leuten ab die genau in diesem Moment zusammen am Tisch sitzen?

Ist halt wie immer ne Sache von persönlichem Geschmack. Ich mag die "dunkle Seite."

Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 27.05.2009 | 17:20
Ja, die Ästhetik des Morbiden ist natürlich auch ein Punkt, aber wenn das verunglimpft wird, hab ich nichts dagegen (Edit: SOLANGE nicht mehr hinein gelesen wird als eine reine Geschmackssache). Da hat jeder was, was er nicht leiden kann, rein ästhetisch, ich auch. Das sind aber zwei paar Schuhe.

Natürlich kann man Krisen auch in einem nicht-düsteren Setting einbringen. Aber ein Setting, in dem sozusagen die Krise allgegenwärtig ist, ist dafür eben prädestiniert: Der Weg zur Krise ist kürzer, nämlich Null, UND es funktioniert auch, ohne dass man es allzu bewusst tut. Sozusagen kohärentes Setting-Design. :-X
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Ein am 27.05.2009 | 17:36
@Darth Verminaard
Zitat
Ein unkreatives Drei-Buchstaben-Kürzel könnte ich mir dazu auch ausdenken.
Ich glaube, dass wird Boba nicht gerne hören, der hat es nämlich zum erstenmal hier im :G: verwendet. ;)

Zitat
Denn durch die Überzeichnung des Negativen, des Kaputten, des Hoffnungslosen, wird eine wichtige Zutat für Charaktere mit Persönlichkeit und Persönlichkeitsentwicklung geschaffen: Krisen.
Sehe ich nicht so, Krisen entstehen dann, wenn die Etablierung des Charakters in seiner Umwelt durcheinander geworfen wird. Ein Charakter, der in einer 3V1Len Welt aufwächst und nichts anders als Schmutz, Abschaum und Gewalt kennt, befindet sich in keiner Krise, denn dies ist die Welt wie sie immer für ihn war. Die Welt ist sozusagen im Rechten. (Sieht man z.B. wunderbar an MadMax 2, 3 - viel dark, aber wenig Drama).

Anders sieht es aus, wenn ein Charakter vorher in einer heilen Welt war, die nun umgeworfen wird. Hier besteht eine Krise, denn er Charakter steht vor der Gefahr geliebte Dinge und Personen zu verlieren oder hat diese bereits verloren. (Mad Max 1)

Auch andersherum sieht es aus, wenn ein Charakter in einer darken Werken groß geworden ist, ihren Spielregeln folgt, und plötzlich kommt eine subversive Macht und fängt an die Dinge zum Lighten zu ändern, in eine Krise gerät.

Es gibt einfach keine Abkürzungen zur Krise.

Zitat
Moderne, hoch gelobte TV-Serien wie Battlestar Galactica (Welt im Arsch) oder Dr. House (Leute kaputt) arbeiten mit genau diesem Prinzip. Das Ergebnis ist intensiver, auf einer moralischen Ebene fordernder und insgesamt schwerer verdaulich als ein strahlendes Heldenepos.
Ich habe in beides hineingeguckt und ich finde beide Serien vollkommen überbewertet. Die ganze Darkness ist dabei so überzeichnet, dass es ebenso albern ist, wie die alten US-Familiensoaps, in denen alles verständnisvoll, tolerant und einfühlsam sind. Ich sehe da auch nichts moralisch forderndes, gerade nicht bei Dr. House.

@scrandy
Zitat
prasseln heute auf die Jugend ein
Nee, das sind die Designer, die in den 80ern mit drohendem Atomkrieg und Depeche Mode aufgewachsen sind.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 27.05.2009 | 17:41
Ich habe in beides hineingeguckt und ich finde beide Serien vollkommen überbewertet. Die ganze Darkness ist dabei so überzeichnet, dass es ebenso albern ist, wie die alten US-Familiensoaps, in denen alles verständnisvoll, tolerant und einfühlsam sind. Ich sehe da auch nichts moralisch forderndes, gerade nicht bei Dr. House.

Tja, vermutlich bist du deiner Zeit voraus. ;) House kenne ich fairerweise im Wesentlichen aus Erzählungen, uns BSG hab ich auch nur die erste Staffel gesehen.

Das mit den Krisen finde ich etwas zu kurz gesprungen; in einer Welt, in der Mord und Vergewaltigung an der Tagesordnung sind, sind diese trotzdem noch akute Krisen. Und sag nix gegen Depeche Mode! ;)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Ein am 27.05.2009 | 17:46
Naja, wenn man da dann den mittelfühlenden Helden in das darke Setting voller Mord und Vergewaltigung einbringt, was hat man dann? Richtig, Hollywood.

Denn wenn man schon anspruchsvoll sein will, dann sollte man auch die Psychologie des Menschen ins Spiel einbringen und so ehrlich sein, dass die Menschheit ein ziemlich abgestumpfter, egozentrischer, perverser Haufen ist.

Dystopien sind ja gerade deswegen dystopisch, weil alle mitmachen.

Wenn dann alles dark ist, dann sollten auch die Charaktere dark sein.
Wenn alles pervers ist, dann sollten auch die Charaktere pervers sein.
Wenn alle dark, hoffnungslos und pervers ist, ...

Naja.. die Transferleistung überlasse ich euch.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 27.05.2009 | 17:54
@Ein
Dann gibt es noch Geschichten wie: "Sterne wie Staub", in denen eine Idee die Welt erhellt und das Finstere ex finestre fällt. *plums*

Ohne Kontraste wirkt kein Stilmittel richtig. Damit Liebe funktioniert (als plotelement) muss es auch Hass geben (ROmeo und Julia), damit die entmenschlichung schockiert muss es auch menschliche momente geben (jeder Antikriegsfilm)...

Und irgendwie rocken da Welten, die düster sind mehr. Da glänzt das Licht einfach heller als in einer Lebkuchenfantasywelt in der der Honig Tiefwassertief durch die Ebenen fließt und ein böser Hexenbeschwörer die Rosinen klaut und den Zombienen aus den Niederhöllen gibt, weil hofft so die Weltherrschaft an sich zu reißen... wenn man genug Zucker hatte, dann möchte man auch mal etwas bitteres spielen...
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Imago am 27.05.2009 | 18:01
Irgendwie frage ich mich ja ob es überhaupt sinnvoll ist so einen Widerstreit "helle Settings vs. dunkle Settings" aufzubauen und ob es nicht besser wäre da für jedes Setting helle/dunkle Module zu finden die sich gegenseitig ergänzen und die fordernde Konflikte abbilden. Mordor zB ist jetzt eine geballte Ladung Darkness in einer ansonsten halbwegs netten Fantasywelt. Die Stadt Romdeau in Ergo Proxy ist eine Art paradiesischer Zustand in einer Postapo-Welt. In der Welt von Degenesis wäre das jetzt vielleicht Prag.

Von gedachten 100% Schwarz zu 100% Weiß gibt es doch jede Menge mögliche, kleinteilige Zwischentöne. Eine Reinform wäre sterbenslangweilig, aber die existiert imo so auch nicht.
Und zu sagen "ein dunkles Setting sollte jetzt aber auch richtig hoffnungslos sein, weil sonst ist es kein richtig düsteres Setting" ist imo Käse.

Auf die Krisen bezogen: Nur Krise nonstop geht auch im düstersten Setting nicht. Auch für den Bewohner eines verseuchten Post-Apo Bunkers gibt es einen alltäglichen Normalzustand, und wenn der schon aus Mord und Vergewaltigung besteht ist das in der Tat keine Krise mehr, aber wer möchte eine dauervergewaltigte Leiche spielen? Selbst die Protagonisten in Vampire saufen ja nicht täglich neue Opfer leer. Wenn doch, s.o.

Die "Dark"-Welt bietet nur einen viel brüchigeren Normalzustand. Das ist doch jetzt eher eine Frage auf was für einen Effekt man steht.
"Überraschung, ausnahmsweise mal Krise, aber jetzt richtig!" oder "Diese verdammte, unausweichliche Krise...da muss man doch mal was gegen tun."
Imo ist keiner davon so sonderlich stärker.

Naja, DE war schneller (Edit: und viel prägnanter :/ ) ... aber jetzt hab ich so lange getippt... :P
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 27.05.2009 | 18:01
@Ein: Mitfühlend oder pervers (oder beides), völlig egal. In der Krise wird es herausgekitzelt, das ist der Punkt. Und wenn das „darke“ Setting dazu inspiriert, die Abgründe eines echt abgefuckten Charakters auszuloten – dann hat auch das mit Krisen zu tun, nämlich denen, die den Charakter so abgefuckt haben werden lassen. Das ist doch der Punkt. So einen Charakter dann zu spielen, ist ja der moralische Grenzgang, ist ja, wenn man sich darauf einlässt, genau der emotionale Kick, den ich meine. Dazu kann ein „darkes“ Setting inspirieren.

Wenn man das alles natürlich den Leuten nicht abkauft, das alles für pseudo hält, na ja. Das halte ich eben für ungerechtfertigt (und im Übrigen prätentiös), den anderen pauschal zu unterstellen, dass sie nur so tun als ob. Warum sollten sie denn auch?
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Ein am 27.05.2009 | 18:19
Zitat
dann hat auch das mit Krisen zu tun, nämlich denen, die den Charakter so abgefuckt haben werden lassen. Das ist doch der Punkt. So einen Charakter dann zu spielen, ist ja der moralische Grenzgang, ist ja, wenn man sich darauf einlässt, genau der emotionale Kick, den ich meine.
Gut, dann sprechen wir von zwei Dingen:

Ich spreche von Krise im Sinne eines literarischen Konstrukts, das den Protagonisten verändert und so den Charakter herausfordern.

Du spricht von Krise im Sinne von Situationen, die nicht mit der Moral des Spielers übereinstimmen und so den Spieler herausfordern.

Ich will im Übrigen darken Spielen überhaupt nicht absprechen, dass sie keine Spaß machen können, ich sehe sie nur nicht als anspruchsvoller an. Beides ist Rollenspiel und damit ist beides (seichte) Unterhaltung.

@hibou
Ich denke das Bespielen deiner angesprochenen Fantasywelt wäre für die meisten Rollenspieler eine weit größere Herausforderung als das Verkörpern des x-ten abgefuckten Spinners.

Da will ich einfach ein sehr altes chinesisches Sprichwort zitieren: Die Guten sterben jung, doch das Böse überlebt.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Metamind am 27.05.2009 | 18:21
Moderne, hoch gelobte TV-Serien wie Battlestar Galactica (Welt im Arsch)

Verstehe gar nicht was alle so toll an der Serie finden. Bis zum Ende der Staffel 2 hatte ich meinen Spass und konnte der Serie was abgewinnen (vor allem durch die Ankunft der Pegasus) - doch was dann in Staffel 3 passierte war nicht mehr feierlich. Einen solchen Absturz einer Serie habe ich selten erlebt. (Absturz im Sinne von: es wurde zu freundlich - der Grundton änderte sich.)
Warum sehe ich das so?

BSG hat ein großes Problem: es will düster, dreckig und gemein sein - ist es aber nicht. Am Anfang einer Geschichte Millionen von Menschen auszuradieren mag erschütternd sein, wenn man aber keinen davon kennt interessiert das nicht - auch die Anzahl spielt dann keine Rolle mehr. Weiterhin hat sich BSG bemüht durch Folterszenen und Gewalt die Düsternis weiter auszuarbeiten. Das hat auch in vielen Szenen gut geklappt, dennoch scheiterte es letztendlich an folgenden Punkten:
1. die Charaktere sind (mir) zum Teil regelrecht unsympathisch und viele halte ich für Arschlöcher
2. die Zylonen handeln komplett ohne erkennbaren Plan bzw. führen diesen nicht richtig durch
3. keiner der Hauptcharaktere stirbt - selbst in absolut gefährlichen Situationen (Anfang Staffel 3)
4. die Serie wagt es nicht noch tiefer zu gehen - Vergewaltigungen werden in letzter Sekunde abgebrochen, Folter wird sanktioniert.

Wenn es also Dark sein soll, dann bitte richtig. Dazu gehört für mich:
1. sympathischen Charaktere müssen schlimme Dinge passieren (Vergewaltigung, Folter, Unfälle, Tod)
2. es darf kein Tabu geben (nicht jeder sollte pervers sein, aber Perversität floriert natürlich in solch einem Setting)
3. die "bösen" Charaktere müssen mindestens genauso schlau wie die "guten" Charaktere sein
4. liebgewonnene Charaktere müssen sterben können und sollten dieses auch häufig.

Lied von Eis und Feuer zeigt wie es gelingt.





Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Imago am 27.05.2009 | 18:27
Zitat
Ich denke das Bespielen deiner angesprochenen Fantasywelt wäre für die meisten Rollenspieler eine weit größere Herausforderung als das Verkörpern des x-ten abgefuckten Spinners.
Ich gehe ja nicht wie du davon aus das man zwangsläufig einen abgefuckten Spinner oder einen Popcornhelden in einem abgefuckten Szenario geben muss.

Und zwar deshalb:
Zitat
1. die Charaktere sind (mir) zum Teil regelrecht unsympathisch und viele halte ich für Arschlöcher
Ich finde die absolute Stärke der Serie ist gerade das man die Charaktere nicht mehr wirklich in symphatisch oder unsymphatisch unterteilen kann sondern das sie alle so ihre heroischen bzw "antiheroischen" Momente haben. Es sind keine stereotypen Abziehbilder die fest auf ihre Rolle geeicht sind sondern Figuren die sich wandeln können.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 27.05.2009 | 18:33
So, ich denke, das Thema BSG können wir damit dann beenden, danke.

@ Ein:

Zitat
Ich spreche von Krise im Sinne eines literarischen Konstrukts, das den Protagonisten verändert und so den Charakter herausfordern.

Ahjo, das hatte ich ursprünglich auch im Auge, hab’s mir halt zwischendurch anders überlegt… ;D

Zitat
Ich will im Übrigen darken Spielen überhaupt nicht absprechen, dass sie keine Spaß machen können, ich sehe sie nur nicht als anspruchsvoller an. Beides ist Rollenspiel und damit ist beides (seichte) Unterhaltung.

Nein, das will ich auch nicht sagen, schon gar nicht so pauschal. Was ich vielmehr sagen will, ist: Bei einem darken Setting ist es naheliegender, sich mit moralisch und emotional fordernden Inhalte zu befassen, mehr noch, wenn man sich darauf einlässt, kommt das von ganz alleine.

„Anspruchsvolles Rollenspiel“ ist in meinen Augen noch mal was ganz anderes, das hat (für mich) was mit dem Einsatz und der Leistung der Beteiligten zu tun, und nicht mit konkreten Inhalten oder Techniken.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Settembrini am 27.05.2009 | 18:38
Jetzt hast Du Dich gerade ganz schön zum Obst gemacht.

Kleibürgermoral auf US-Comicniveau in Frage stellen soll emotional fordernder Inhalt sein? Oh Mann.

Schwöre ab, oder gib Dich dem Gelächter preis.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 27.05.2009 | 18:43
Hä? Wo kommt das denn jetzt her? Sitzt dir wieder irgend ein zwei Jahre alter Forge-Thread quer?

Wer hat denn von Kleinbürgermoral gesprochen? Was du immer denkst wovon die anderen reden...
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Settembrini am 27.05.2009 | 18:48
Du hast von Kleinbürgermoral gesprochen, und zwar auf US-Comicniveau.  ::)

Ist ja nicht mein Problem, wenn Du so schlechten Geschmack hast, und den dann noch rumposaunst. War ja nur ein Hinweis, daß Du gerade ziemlich angreifbare Dinge sagst, die jenseits der Peinlichkeitsgrenze liegen.
 
Mehr war da nicht.


EDIT: Zum Beleg

Zitat
@Ein: Mitfühlend oder pervers (oder beides), völlig egal. In der Krise wird es herausgekitzelt, das ist der Punkt. Und wenn das „darke“ Setting dazu inspiriert, die Abgründe eines echt abgefuckten Charakters auszuloten – dann hat auch das mit Krisen zu tun, nämlich denen, die den Charakter so abgefuckt haben werden lassen. Das ist doch der Punkt. So einen Charakter dann zu spielen, ist ja der moralische Grenzgang, ist ja, wenn man sich darauf einlässt, genau der emotionale Kick, den ich meine. Dazu kann ein „darkes“ Setting inspirieren.

OMFG!
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 27.05.2009 | 18:55
Ohne Worte.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Preacher am 27.05.2009 | 18:55
Jetzt hast Du Dich gerade ganz schön zum Obst gemacht.
[...]
Schwöre ab, oder gib Dich dem Gelächter preis.

Ah, da war schon der erste von den
sinnlosen verbalen Ausfällen

Bist Du es eigentlich nicht manchmal leid, immer nur den Arsch zu geben?
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 27.05.2009 | 18:56
Nein, viel schlimmer, er ist Überzeugungstäter.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Ein am 27.05.2009 | 19:01
Zitat
Bei einem darken Setting ist es naheliegender, sich mit moralisch und emotional fordernden Inhalte zu befassen, mehr noch, wenn man sich darauf einlässt, kommt das von ganz alleine.
Naja, ich weiß nicht, ich sehe da immer den, naja, Set sagt es schon irgendwie, den gutbehüteten Bürger vor mir, der sich "mal gruseln" will.

Und das ist nun weiß Gott nichts neues, Kolonialschauen, Safari, Esoterik der 20er, Rotlichtmilieustudien der 70er, Slumtourismus der 80er etc. Daher entgeht mir das mit dem "Anspruch" (wie auch immer man den jetzt in Relation setzen will).

Ich, der in weniger behüteten Sozialmilieus groß geworden bin, frage mich da immer warum. Den guten, edlen Ritter kann man halt nicht ausleben, aber für einen weiteren schlechten Menschen ist immer noch Platz. Und das Geld für einen Puff oder eine Pornoproduktion hat eine gutbürgerliche Familie ohne weiteres.

Wobei ich jetzt keinen hier ankreiden oder gar an die Wand stellen will, es erschließt sich mir nur einfach absolut nicht.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 27.05.2009 | 19:08
@Ein
schonmal ne Pfadrunde in der oWoD gespielt?
Ist ganz schön schwer und gruselig, wenn es denn klappt.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Ein am 27.05.2009 | 19:11
@DK
Sagt mir nix. Ich grusel mich aber auch relativ schwer, weil man sich dafür auf so etwas einlassen muss. Mir geht da aber irgendwie bisher immer das Verständnis ab, was daran unterhaltsam sein soll.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: ChristophDolge am 27.05.2009 | 19:15
Zitat
Ich grusel mich aber auch relativ schwer, weil man sich dafür auf so etwas einlassen muss.

Das ist vermutlich generell der Grund, warum dir der Zugang zu sowas schwerfällt. Ähnliches liegt vermutlich bei Settembrinis Abneigung gegen alles mit Emotionen zugrunde ...
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 27.05.2009 | 19:17
Na ja gutbehütete Bürger sind wir vermutlich alle, zu unterschiedlichen Graden. Moralisch fordernd heißt ja nicht, Philosophie sechstes Semester Kolloqium, und schon gar nicht heißt es, am Ende erzählt uns Marshall Bravestar die Moral von der G'Schicht. Sondern es heißt einfach nur, dass (metaphorisch gesprochen) der Spielinhalt den für die Moral zuständigen Teil des Gehirns aktiviert. Das ist ja durchaus nicht zwingend beim Rollenspiel. Und genauso wenig beim TV, weswegen ich die entsprechenden Beispiele brachte.

Das mit dem "drauf einlassen" schrieb ich ja schon weiter oben, das ist eben Voraussetzung.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 27.05.2009 | 19:20
@Ein
Ach die Pfade sind halt Skizzen von alternativen Moralvorstellungen, die leider recht schlecht beschrieben sind.
Beim Sabbath in Vampire herrscht ja die Meinung vor, dass man als unsterblicher nicht mehr mit der menschlichen Gesellschaft angehört und deshalb auch andere Ethikansätze braucht, um die Jahrhunderte geistig gesund zu überstehen.
Und so eine Pfadkampagne demonstriert quasi den Übergang von der MEnschlichen/christlichen Ethik (Leben nach dem Tod, ja bitte.) auf die neue.
Im besten Fall schaut das ein bisschen so aus wie das Buch "Die Welle", wo ja auhc Werte ersetzt und neu geschaffen werden. Wenn man das spielt, betrachtet man quasi den Char, der immer fremder wird und versuchtihn konsistent weiterzuentwickeln...
Das ist quasi Brechtsches Theater, wo man den Charakter auf einer inneren Bühne spielen sieht. Und die Gedankengänge werden irgendwann gruselig, weil stimmig und erschreckend unmenschlich.

Naja, wenn man sich nciht drauf einlassen kann, hat es halt kaum Wirkung und wenn man diesem "Schock" nichts abgewinnen kann, dann macht es auch keinen SPaß. Ob man dafür jetzt ein Kleinbürger sein muss, weiß ich allerdings auch nicht. Ich denke mal nicht. Man muss nur Freude an der kultivierten Angst haben können.
sers,
Alex
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Ein am 27.05.2009 | 19:31
@Dolge
Naja, ich kann mich andererseits sehr gut auf Liebes- und Familienfilme einlassen, so lange sie nicht zu kitschig sind. Weil es sich mir absolut erschließt, warum man eine heile Welt haben möchte, aber warum die echte Welt auch noch im Rollenspiel haben? Kommt ihr einfach zu wenig vor die Tür? ;)

@Vermi
Und ich sehe einfach nicht wo diese moralische Sache sein soll. Das tolle an Fiktion ist doch gerade, dass sie sich jenseits der Realität bewegt und somit nicht zwingend in unser moralisches Gefüge eingebunden ist. Das ist dann halt im grunde nichts anders als die üblichen Allmachtsfantasie von Rollenspielern, nur dass man halt mal für einen Abend böse sein möchte.

Was vollkommen okay ist, ich sehe da einfach diese Beanspruchung nicht.

Moralische Herausforderung tritt doch erst dann zutage, wenn man abwägen muss ob man eine unmoralische Gelegenheit nutzt mit dem Risiko gesellschaftlichen Sanktionen ausgesetzt zu sein. Doch diese Sanktionen sind im Rollenspiel doch garnicht präsent. Auch die unmoralische Belohnung ist rein virtuell. Daher hat man kein moralisches Dilemma, sondern man tut nur so als hätte man eines. Man spekuliert dann halt mal nett drüber.

@DK
Naja, ich habe da sicherlich einfach einen zu nüchternden Blick drauf, weil ich genug gescheiterte Lebensgeschichten kenne, die jenseits des heilen bürgerlich-christlichen Bild von der Welt verlaufen. Für mich scheint ein solches Leben die Regel und nicht die reizvolle Ausnahme zu sein.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 27.05.2009 | 19:47
Der eine mag Katastrophenfilme und der andere arbeitet als Sanitäter. Der eine mag Liebesfilme und der andere hat emotionale Probleme. Der eine spielt nen Alki, der andere hatte unter einem zu leiden und kann dem nichts abgewinnen. Einer fängt bei Pika Pikachu an zu lachen, ein anderer kennt Kinder mit Pika(Essstörung, bei der alles gegessen wird.) und findet das nicht lustig.
Andere Geschichten, andere Geschmäcker...

Kann mir schon vorstellen, dass ich keinen Spaß an Dystopien hätte, wenn mein Leben nicht so verhältnismäßig glatt laufen würde. Dann wäre mir eine Heile Welt zum träumen lieber.

Diese "dunklen" Hintergründe bieten einerseits den Reiz des Widerwärtigen, des Skurrilen und andererseits auch diesen Grusel vor den eigenen Entscheidungen in einem solchen Umfeld. Von den satirischen Momenten und dem schwarzen Humor mal abgesehen.


sers,
Alex
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Skyrock am 27.05.2009 | 20:33
Wie andere schon mehr oder minder direkt festgestellt haben, sind "dark"e Spiele und moralischer Anspruch ein Widerspruch in sich.

Wo alles nur dark und dyster und fynster ist und die Charaktere nur abgefuckte drogenabhängige Antihelden sind, die alten Damen für 2,50$ das Ohr abschneiden, da liegt gar keine Quelle für moralische Entscheidungen vor - man folgt einfach dem bequemen Weg zur dunklen Seite der Macht und freut sich einen Ast darüber, "mal so richtig das Arschloch zu spielen", oder gruselt sich ein wenig und legt den Schmodder dann wieder weg.

Wo Helden hingegen heroisch sind, sich aber in einer finsteren Welt wiederfinden und sich gegen alle Widerstände stellen, da spielt man nicht "dark", da spielt man ganz klassisch (http://en.wikipedia.org/wiki/The_Night_Gwen_Stacy_Died) Spiderman.
Das entfaltet zwar im Gegensatz zu reinrassigem und "mal so richtig dräggiger Dysternis"-Kram Wirkung und kitzelt das Holz heraus, aus dem der Charakter geschnitzt ist, ist aber eindeutig kein Dark-Kram, da es da um Heldentum ohne Rücksicht auf Verluste geht und da dort sympathische Charaktere (im Gegensatz zu "mal so richtig abgefuckte Arschlöcher, die man als Leser sowieso gerne 6 Fuß unter der Erde sehen würde") die Leidtragenden sind.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 27.05.2009 | 20:36
Es reicht, dass die Helden ein klein wenig weniger finster sind, als die Umwelt, oder auch nur einem anderen Dunkel angehören, damit Moral ins Spiel kommt.
Aber man braucht die KOntraste, sonst wirkt es nicht. Das stimmt schon.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Preacher am 27.05.2009 | 20:48
Wie andere schon mehr oder minder direkt festgestellt haben, sind "dark"e Spiele und moralischer Anspruch ein Widerspruch in sich.

Wo alles nur dark und dyster und fynster ist und die Charaktere nur abgefuckte drogenabhängige Antihelden sind, die alten Damen für 2,50$ das Ohr abschneiden
Du hast aber schon den Eingangspost gelesen, ja?
Da war explizit von was anderem die Rede - ich wiederhole das nochmal für die Gedächtnisschwachen:

Wenn es kaum Hoffnung gibt, ist umso prägnanter, an welche Hoffnung die Charaktere sich klammern. Wenn man niemandem trauen kann, ist umso wichtiger, wem man am Ende doch vertraut. Wenn einem schlimme Dinge (tm) widerfahren, man selbst sich gezwungen sieht, schlimme Dinge (tm) zu tun, zeigt sich am ehesten, aus welchem Holz man geschnitzt ist.
Daß das keinen Sinn ergibt, wenn es kein Spannungsfeld gibt, wenn die Wahl, vor die die SC gestellt werden ihnen egal ist, weil sie zu abgefuckt sind - naja, das sollte sich an sich von selbst verstehen.
Dachte ich zumindest.

Da gibt es übrigens auch einen expliziten Satz zu:
Wenn etwas natürlich nur dunkel angemalt ist, aber gar keine echten Krisen drin sind, dann fällt dieser Effekt weg. Aber das ist wieder eine andere Geschichte, und sich daran aufzuhängen und den Rest auszublenden, ist ziemlich schwaches Tennis.
In diesem Sinne: Schwaches Tennis, Skyrock.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: SeelenJägerTee am 27.05.2009 | 20:53
Zitat
Moralische Herausforderung tritt doch erst dann zutage, wenn man abwägen muss ob man eine unmoralische Gelegenheit nutzt mit dem Risiko gesellschaftlichen Sanktionen ausgesetzt zu sein. Doch diese Sanktionen sind im Rollenspiel doch garnicht präsent. Auch die unmoralische Belohnung ist rein virtuell. Daher hat man kein moralisches Dilemma, sondern man tut nur so als hätte man eines. Man spekuliert dann halt mal nett drüber.
Ich sehe das eher so. Dass die moralische Herausforderung dann eintritt wenn du KEINE Sanktionen befürchten musst.
Es ist einfach ein guter Mensch zu sein, wenn du in einem gefestigten Umfeld lebst, dass Fehlverhalten sanktioniert.
Aber der wahre Charakter zeigt sich dann, wenn jemand in einer Situation ist, in der die Wahrscheinlichkeit für Fehlverhalten bestraft zu werden minimal ist. (Z.B. im Krieg wenn du genau weißt dass es absolut unwahrscheinlich ist dass man dich zur Rechenschaft zieht wenn du feindliche Soldaten Plünderst und dann abknallst obwohl sie sich ergeben hatten.) Dann zeigen sich böse Menschen.
Im Gegensatz dazu zeigen sich "gute" Menschen wenn sie gutes tun OBWOHL die Gefahr besteht dafür sanktioniert zu werden. (Leute die im Dritten Reich Juden versteckt haben. Soldaten die erschiesungsbefehle verweigern (oder sich Krankmelden an dem Tag.))

Und deswegen sind denke ich dunkle Settings in der Hinsicht vorteilhaft, es gibt öfters die Möglichkeit gutes zu tun.
Bzw man muss nicht gekünstelt so ne Situation vollkommen unplausibel schaffen, die kommt früher oder später ganz plausibel von alleine.
Der Charakter kann hergehen und die Vergewaltigung stoppen und das Risiko eingehen dafür von der Bande abgeknallt zu werden. Oder er kann wegschauen und weiter gehen.
Und genau hier haben wir das moralische Dilemma wenn man sich richtig in den Charakter hineinversetzt: Was soll er tun?

Jetzt kommt bestimmt das Gegenargument: Der Charakter findet das in so ner Welt doch vollkommen normal.
Dazu muss man sagen. Ach wirklich? Der 30 Jährige Krieg muss wohl so ne Zeit gewesen sein die Verdammt düster war. Im Mittelalter war Folter an der Tagesordnung. ... Trotzdem leben wir heute nicht in einer Gesellschaft die Mord, Folter und Vergewaltigung toleriert, also müssen von Zeit zu Zeit doch Menschen rumlaufen die Richtig von Falsch unterscheiden können und das wohl auch "spontan" fertig bringen (also wenn sie in einer Umgebung aufwachsen die etwas anderes Propagiert).
So gesehen warum sollte man dann nicht den Charakter spielen der eben nicht die total abgefuckte Moral hat.
Oder müssen in ner Düsteren Welt alle keine Werte mehr haben? Ich denke nicht die breite Masse kann ja sehr wohl den althergebrachten westlich-christlichen Werten Folgen. Es ist nur keine Staatsmacht da die diejenigen Sanktioniert die gegen diese Werte verstoßen.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Skyrock am 27.05.2009 | 20:58
Das ist alles richtig, das Problem ist nur dass das was ihr beschreibt kein typisches "Dark"-Setting ist, sondern ein stinknormaler Spiderman- oder X-Men-Comic, wo aufrechte Helden ohne gesellschaftliche Unterstützung (bzw. gar mit gesellschaftlicher Ächtung, s. Daily Bugle und Mutantenpanik) gegen fiese Schurken streiten.
Und das war wohl nicht, wie Vampire, Degenesis, OA und andere typische "Dark"-Spiele ursprünglich mal gedacht waren.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 27.05.2009 | 21:08
Und wieder stimmt das nicht, Skyrock.
Vampire war schon immer schillernd, was Moral angeht.
Und was "wir beschreiben" wäre ein stinknormaler Spawn, oder Blame! comic...
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: SeelenJägerTee am 27.05.2009 | 21:10
Mist zu langsam.

Naja ich meine aber dass es wohl nen argen unterschied gibt, ob das Setting in einer Welt spielt, die im Wesentlichen eine Zivilisation hat, die auf westlichen Werten basiert (als Beispiel nehme ich hier mal Baldurs Gate 2, weil mich das im Wesentlichen zum Rollenspiel geführt hat).
Dieses Setting ist nicht "dark" weil die Welt an sich nicht schlecht ist.

Ein Setting was zum Beispiel im Vietnam krieg spielen würde, könnte aber sehr wohl "dark" sein, einfach nur deswegen weil die Umwelt eben eine andere ist. Es wäre ein Schlachtfeld auf dem (im Wesentlichen) die moralischen Regeln einer Westlichen Gesellschaft sehr schnell verwischen und verschwinden.
Das Setting wäre dunkel, weil es das helle (die Zivilisation zu Hause in den USA) ausblendet. In dieses Setting kannste jetzt sehr wohl GI John reinwerfen der aus ner gut bürgerlichen Familie stammt und erst mal total entsetzt ist wies da zu geht.

Ob er jetzt mit der Zeit moralisch zerfasert unter dem Kriegseinfluss, oder ob er sich die Menschlichkeit in dem Blutbad bewahren kann hat meiner Meinung nach mal nichts primär damit zu tun ob das Setting dunkel ist oder nicht.
(Neben bei ist eigentlich die Frage das interessante daran. Sich in den Char hineinzuversetzen und nachzuvollziehen wie die Erlebnisse einen Menschen verändern würden.)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Skyrock am 27.05.2009 | 22:01
Neben "echt fynsteren" Helden glaube ich auch nicht an die Funktionstüchtigkeit von "echt dysteren" Settings (im Sinne von Kulturen und Gesellschaften).
An was soll sich denn ein Charakter klammern, der in einer Welt ohne Werte, ohne liebenswerte Eigenschaften und ohne eine brauchbare Gesellschaft lebt? Würde es irgendjemand jucken, was in einem Nahost-, Afghanistan-Stammes- oder Irak-Sippen-Krieg-Setting geschieht, wo einfach alle Seiten meschugge sind und am besten auf den Mond geschossen werden sollten? Nein, in Reinform würde auch das zur anspruchslosen (schwarzen) Tapete und dünnen (schwarzen) Pappkulisse, vor der man das Arschloch rauishängen lassen darf, "denn es geht doch eh um nichts und es ist eh alles nichts wert".

Interessant wird das ganze dann erst wieder, wenn Leute mit echten Werten das Spielfeld betreten, z.B. wie Arnie in "Running Man", der einfach mal die ganze perverse Show aufmischt, und wo auch die anderen Charaktere nicht völlig "dräggig" sind - Arnies Gefährten sind ja Sympathieträger, die völlig chancen- und sinnlos von den Jägern abgeschlachtet werden, und nur darum hat ihr Tod und die Art wie er entsteht Bedeutung.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Belchion am 27.05.2009 | 22:10
Denn durch die Überzeichnung des Negativen, des Kaputten, des Hoffnungslosen, wird eine wichtige Zutat für Charaktere mit Persönlichkeit und Persönlichkeitsentwicklung geschaffen: Krisen.
Das ist - meiner Meinung nach - ziemlicher Blödsinn. Im Rollenspiel geht es um Konflikte. Jeder Konflikt bietet Raum für Krisen. Dabei ist es egal, wie düster oder licht die Welt ist - wenn es einen Konflikt gibt, ist auch Raum für Krisen. Das hängt einzig davon ab, auf welche Teile der Krise das Schlaglicht fällt, aber nicht vom Helligkeitsgrad der Hintergrundwelt.

Wenn die Heldengruppe in den Vergessenen Reichen sieht, wie ihr Schlag gegen den Haupttempel der Zhentarim auch Unschuldige leiden lässt, dann habe ich wesentlich mehr Krise, als wenn ich in der monde du hobbes bloß ein Wolfsrudel nach dem andere niedermetzel.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: SeelenJägerTee am 27.05.2009 | 22:24
Zitat
Interessant wird das ganze dann erst wieder, wenn Leute mit echten Werten das Spielfeld betreten
Genau, aber ich habe das Gefühl, dass die meisten hier darüber geredet haben.

Zitat
An was soll sich denn ein Charakter klammern, der in einer Welt ohne Werte, ohne liebenswerte Eigenschaften und ohne eine brauchbare Gesellschaft lebt?
An "die Bessere Zukunft (tm)": GI John hofft lebend aus der Scheiße rauszukommen und zurück Florida zu seiner Verlobten zu kommen.
Wilson Smith (George Orwells 1984) hofft das totalitäre Regime zu stürzen. (Ich gebe zu dass mir 1984 als RPG Setting schon zu dreckig düster ist, weil es objektiv (also für den Spieler - nicht für den SC) keine Hoffnung gibt.
Aber ein SC in so einer Welt könnte sich sehr wohl an die Hoffnung auf eine bessere Zukunft klammern. (Dumm nur dass der Spieler weiß dass es eh nix wird weil das Setting so ausgelegt ist.)
Aber man kann ja auch nur mit 75% Düsterniss und dem Silberstreif am Horizont spielen.

Zitat
Wenn die Heldengruppe in den Vergessenen Reichen sieht, wie ihr Schlag gegen den Haupttempel der Zhentarim auch Unschuldige leiden lässt, dann habe ich wesentlich mehr Krise, als wenn ich in der monde du hobbes bloß ein Wolfsrudel nach dem andere niedermetzel.
(Ich hab zwar weder Ahnung was die Zhentarim noch die monde du hobbes ist) aber weiß worauf du raus willst.
Sicher ich kann in JEDEM Setting den Konflikt einbauen, aber ich denke ein Reiz der Düsteren Welt ist der: Ich kann normale Charaktere basteln und loslegen - und es wird nicht unplausibel wie die Char in so ein Dilemma kommen. Ich muss die "Glaubwürdigkeit" der Geschichte weit weniger strapazieren.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: ChristophDolge am 27.05.2009 | 22:25
Zitat
Würde es irgendjemand jucken, was in einem Nahost-, Afghanistan-Stammes- oder Irak-Sippen-Krieg-Setting geschieht, wo einfach alle Seiten meschugge sind und am besten auf den Mond geschossen werden sollten?

Wenn so ein Setting konsequent gestaltet ist - und das fordert Vermi ja, dann ist dort nicht jeder meschugge. Das Setting ist düster und kann Krisen produzieren, wenn es dort noch Leute gibt, die normal sind, die unter dem Setting wirklich leiden - was du beschreibst, ist quasi eine dysfunktionale Satire düsterer Settings, klar, dass das nicht klappt. Vampire lebt davon, dass es auch Normalsterbliche gibt, Degenesis funktioniert eben gerade deswegen nicht - weil alle Kulte komplett bekloppt und in dieser Umwelt eigentlich nicht überlebensfähig sind.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 27.05.2009 | 23:01
Interessant wird das ganze dann erst wieder, wenn Leute mit echten Werten das Spielfeld betreten,
Der Kontrast muss nicht immer der zum reinen,klaren und guten sein.
bei Conan ist Conan selbst ein vergewaltigender, despotischer Massenörder, der aber als wildes Gegengewicht zum zivilisierten bösen Magier auftritt.
Erst Held, dann Despot, dann wieder Held...

Das ist Düster. CHaraktere mit schweren Fehlern und eigenen Ansichten stehen vor anderen Übeln und handeln, teilweise so, dass der Spieler schlucken muss, aber die Show genießt.
Es gibt Böse, weniger böse und anders böse.
So kann Ordnung/Stillstand gegen Zerstörung/Freiheit gegen das Schaffende/erdrückende sehen, ohne dass auch nur eine Seite gut wäre, denn inkeiner könnte Mensch leben.
Wenn wir jetzt die drei Pole als Extreme in Reinform hinstellen und die Chars dazwischen werfen, ist es ein dystopisches Setting.
Da gibt es kein "GUT" und "Böse" nur KOnzepte.

Finstere Welten sind oft deshalb finster, weil ein bekanntes Konzept pervertiert wird...Es reicht, wenn die Helden unter dem jetzigen Zustand leiden und handeln müssen. abei ist es gleichgültig, ob sie ein Jesus sind, oder doch nur jemand, der endlich mal die Sache anpackt, die 1000 Menschen befreit und danach wieder im Suff 4 Frauen totschlägt. Für diese finstere Welt ist das immer noch ein Held. Aber der Spieler ist geschockt, weil ein Konzept pervertiert wurde.

So kann dysternis auch funktionieren.
Etwas anders als in den DC-Comics, oder?
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: 1of3 am 27.05.2009 | 23:08
Zitat
„Dark“ ist gar nicht so doof

Genau.

Auch wenn ich das Prädikat sowohl bei House als auch bei BSG für nicht unbedingt treffend halte. "Dark" bezeichnet nämlich vor allem erst mal eine Ästhetik und keinen Inhalt.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Falcon am 27.05.2009 | 23:43
was 1of3 sagt. Wir haben doch alle schon mal ein klassisches Fantasyabenteuer schwarz angemalt, der Abwechslung wegen. Das kann "dark" eigentlich nicht sein, Wenn nun wirklich nicht mehr dahinter steckt, als normales Rollenspiel in düster, würde es wohl nicht so viel aufmerksamkeit erregen.

Ich glaube dagegen aber auch nicht, daß "Darque" Settings für die Spieler sind, die in tiefe, zwischenmenschliche, emotionale und ernsthafte Krisen einsteigen während alle anderen nur naives Tamtam spielen. Das ist vermutlich auch der Grund, warum sie so viel Kritik einheimsen, es hört sich so an als halten sie sich für intellektuell besser. Alle anderen Rollenspiele (ausser Looney Toons vielleicht) können das nämlich auch, deswegen kümmert es den Rollenspieler ja, was mit den Figuren passiert.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Skyrock am 27.05.2009 | 23:48
Das mit dem Tiefsinn, Anspruch etc. ist noch mal ein ganz anderes Fass. Und obendren eines, zu dem es schon genug Wirbel im :T: gab (Fredis Kleinkunstthread etc.), insofern würde ich das hier nicht aufmachen.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Falcon am 27.05.2009 | 23:54
sorry, aber ich dachte, das wäre es schon:
Vermi schrieb
Zitat
...ruft beim Spieler eine stärkere emotionale Reaktion hervor.
(den Rest des ersten Posts spare ich mir mal zu quoten).
Es liest sich eben so, als versuche da jetzt jemand wichtige Zutaten des normalen Rollenspiel als Exklusivqualitätsmerkmal für dieses "Dark" Spiel zu kidnappen. Alle anderen haben das dann ja offensichtlich "weniger stark".
Und als Freund von pubertären Heldensettings auf das Naivgleis abgestellt zu werden geht mir irgendwie gegen den Strich. Ich will auch nicht in Zukunft sagen müssen "ich spiele dark", nur um zu beschreiben, daß ich normales Heldenrollenspiel spiele. Sollen sie sich doch eine richtige Exklusivität suchen.

wie gesagt, vielleicht kommt daher ja die ganze Kritik.


EDIT: Sorry, in meinem Rücken läuft nebenbei wieder BSG und das pseudodüstere Geschwalle in Dauerbeschallung, O-Ton *groll "ich habe so viele Männer in den Tod geschickt" .. "ich bin es Leid die Befehle zu geben" *groll*..-Nahaufnahme...Träne kullert runter.."
boah Kotz, geht mir auf den Sack. Dann übertrage ich die "Jetzt sind wir mal erwachsen" Attitüde wohl unwillkürlich etwas in diesen Thread. Ich meine, gehts auch etwas weniger platt und etwas subtiler?

Meine Vermutung: Dark ist keine andere Art von Spiel. Es zeichnet sich nur dadurch aus, daß ein Teil des normalen Rollenspiels (Emotion usw...) als Dauerrauschen in den Fordergrund gezerrt wird, und das so deutlich, daß es wirklich jeder mitbekommt.
Das ist es wohl auch, was Vermi meinte.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Dr.Boomslang am 28.05.2009 | 00:23
Skyrock, ich glaube du hast einfach die falschen Spieler erlebt, oder die falschen Runden. Es ergibt natürlich wenig Sinn Charaktere zu spielen die in ihrer Welt überhaupt nichts besonderes sind und nur einer Erweiterung derselben darstellen. Ein 08/15 Finsterling in einer düsteren Welt ist natürlich langweilig und kein Stoff für große Geschichten. Genauso wie ein "Held" lächerlich wirkt in einer Welt in der das heldenhafteste ist der Oma über die Straße zu helfen, weil die Welt völlig in Ordnung ist.

Eine dunkle Welt kann ebenso als Antagonist von außen (gegen den Helden) als auch als Antagonist von innen dargestellt werden (Antiheld, der Teil der schlechten Welt ist). Ersteres wäre eben das klassische Gut gegen Böse und letzteres das was wir hier Dark nennen. In beiden fällen muss es aber irgendwo einen Konflikt geben. Die Tendenz zum dunklen hin soll dabei nur den Kontrast runter drehen um Konflikte interessanter zu machen, weil sie nicht mehr so schwarz weiß sind. Ein Fehler der dabei häufig gemacht wird ist Dark als Stilmittel eingesetzt werden soll um die Konflikte mit Bedeutung aufzuladen. Das funktioniert aber nur sehr begrenzt.
Ein weiteres Problem mit vielen Dark-Settings ist es dass es tatsächlich nur um die Show geht und nicht um die Inhalte. Show ist ja gar nicht so schlimm, aber Style over Substance wird immer schnell langweilig und wir hatten nun schonmal die Dark-Welle. Wer also heute noch auf Dark macht muss schon wissen warum und das wissen eben viele nicht.

Außerdem ist es doch fraglich ob man überhaupt so weit von der Normalität weg muss um Konflikte interessant zu gestalten. Ich finde "normale" Welten z.B. oft spannender, weil gerade nicht alles bedeutungsschwer und aufgeladen ist. Konflikte gewinnen an Glaubwürdigkeit wenn sie in einer Umgebung stattfinden die nicht unbedingt von vornherein darauf gebürstet ist.
Das wäre aber sowohl eine Kritik an Dark, genauso wie an schwarz-weiß Comic-Helden. Wie gesagt Geschmackssache. Ich mag Dark eigentlich auch, aber letztlich kommt es immer auf die Spielweise an, nicht auf einen Stil oder ein Setting das reines Abziehbild bleibt.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: alexandro am 28.05.2009 | 01:37
@OP/Vermi: Versuchs erst gar nicht, war allesw schon da (vor mehr als einem Jahr im B!Forum).

Jeder sollte seinen eigenen Geschmack haben, aber sobald jemand von ästhetischen Kriterien redet und DANN die vollkommen leblosen Yüce-Wachsfiguren als Standard anführt, hat er es IMO verdient ausgelacht zu werden.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 28.05.2009 | 01:56
@alexandro
Wen meinst du jetzt?
und Yüce-wachsfiguren haben nichts mit der Dame zu tun, oder: http://yuce.yu.funpic.de/ ?

Dern momentane Stand:

a) Dark ist eine ästhetische Stilrichtung. (OK, kam ein paar mal und wurde als klar abgehakt)

b) Das Düstere provoziert Konflikte und zwar andere/krassere als in kuschelspielwelten. (zusammen mit d) konfliktreich)

c) Das sind kleingeister, die sich mal gruseln wollen. (been there, done that)

d) Es gibt kein funktionierendes Darksetting, denn wenn alles düster ist, gibt auch keine Konflikte. (ansonsten sind wir wiedr bei Comicniveau(?) )

e) Gibts alles schon und die Düsterfuzzies wollen sich nur hervortun, ohne etwas eigenes, wie FFF zu haben.

 ~;D

haber ich was vergessen?
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Ein am 28.05.2009 | 09:09
Zitat
Dass die moralische Herausforderung dann eintritt wenn du KEINE Sanktionen befürchten musst.
Moral funktioniert nur durch die Furcht vor Sanktion, denn Moral ist ein externer Faktor, der erst erlernt werden muss. Darum wird Moral sehr oft ins übermenschliche verlagert, denn den Göttern kann man nicht entkommen. Wenn man absolut keine Sanktionen zu befürchten hat, werden die meisten Menschen sich auch den Kopf deswegen nicht zerbrechen.

Weiterhin ist die Ablehnung aller Greultaten als moralisch falsch etwas sehr post-modern-eurozentrisches. In vielen Gesellschaften sind Gewalt und Greultaten gegen Feinde des Gesellschaft absolut sanktioniert.

Und genau da ist der Knackpunkt. Darke Settings werden aus dem Blickwinkel der modernen, europäischen bzw. us-amerikanischen Moral geschrieben und werden dadurch in sich nicht konsistenter, als jedes andere Setting auch. Es ist halt ganz viel Show, aber wenig Substanz.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Ludovico am 28.05.2009 | 09:26
„Dark“ muss man nicht mögen, kann man aber, und dafür gibt es auch Gründe. Denn durch die Überzeichnung des Negativen, des Kaputten, des Hoffnungslosen, wird eine wichtige Zutat für Charaktere mit Persönlichkeit und Persönlichkeitsentwicklung geschaffen:

Krisen.

Wenn es kaum Hoffnung gibt, ist umso prägnanter, an welche Hoffnung die Charaktere sich klammern. Wenn man niemandem trauen kann, ist umso wichtiger, wem man am Ende doch vertraut. Wenn einem schlimme Dinge (tm) widerfahren, man selbst sich gezwungen sieht, schlimme Dinge (tm) zu tun, zeigt sich am ehesten, aus welchem Holz man geschnitzt ist.

Ich denke, dass ich das so unterschreiben kann. Derzeit lese ich das Desolation RPG und da geht es in einer postapokalyptischen Welt genau um diese Dinge. Man steht ständig vor moralischen Entscheidungen und muss eventuell Dinge tun, die so absolut dem widersprechen, was man mal gelernt hat.

Und auf's Set Meinung kann ich eh nichts mehr geben, seit seinem Ausverkauf auf seinem Blog. Damit hat er sich für mich endgültig ins Aus der Leute mit halbwegs Niveau geschossen.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Waldviech am 28.05.2009 | 09:41
Zitat
Weiterhin ist die Ablehnung aller Greultaten als moralisch falsch etwas sehr post-modern-eurozentrisches. In vielen Gesellschaften sind Gewalt und Greultaten gegen Feinde des Gesellschaft absolut sanktioniert.

Und genau da ist der Knackpunkt. Darke Settings werden aus dem Blickwinkel der modernen, europäischen bzw. us-amerikanischen Moral geschrieben und werden dadurch in sich nicht konsistenter, als jedes andere Setting auch.
Und was ist daran problematisch? Da diese ganzen Settings von Westlern für Westler geschrieben werden, sehe ich darin nicht das geringste Problem. Hierin übrigens auch nicht:
Zitat
c) Das sind kleingeister, die sich mal gruseln wollen. (been there, done that)
Wenn ich RPGs wie Vampire, Cthulhu o.ä. nehme, ist das sogar der ausgewiesene Zweck hinter dem RPG. Und eine Linie von rassistischen Kolonialausstellungen zu "Dark-RPGs" ziehen zu wollen, halte ich ebenfalls für etwas......gewagt, wenn nicht gar ziemlich falsch. Gerade das Medium RPG würde ich da eher in der Tradition der klassischen Gruselgeschichte verorten.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 28.05.2009 | 10:39
Ahja, jetzt kommen sie doch alle wieder mit dem „Pseudo“-Argument. Klar. Ganz egal, was mir jemand erzählt, wenn ich mich mit den Händen in den Hosentaschen hinstelle, einmal ausrotze zu sage: „Du bist doch pseudo, du tust doch nur so“, dann braucht man sich nicht weiter zu unterhalten. Ich könnte natürlich auch sagen: „Skyrocks ARS-Manifest ist doch Poser-Kacke, das kauf ich ihm nicht ab“, und Spott und Häme über ihm ausgießen. Mache ich aber nicht, selbst wenn mir der Gedanke vielleicht mal gekommen ist, denn es steht mir einfach nicht zu.

Genau das meine ich mit prätentiös. Den Leuten zu unterstellen, dass sie unaufrichtig sind, sich anzumaßen, dass man selbst das besser beurteilen kann als die, um die es eigentlich geht… und das dann zum Anlass zu nehmen, sie zu verunglimpfen und zu verspotten… das meine ich mit schwaches Tennis. Da tritt eben auch eine bestimmte Geisteshaltung zu Tage, die ich schon früher angeprangert habe, aber das will ich jetzt nicht vertiefen.

Zum Thema „Anspruch“ stimme ich Skyrock zu, das ist eine andere Baustelle. Es geht hier ja nicht darum, den Inhalt einer Rollenspielsitzung an den Standards hoher Literatur oder auch nur guter Belletristik zu messen. Rollenspiel ist ein Hobby zum Mitmachen, und darum geht es: Wie die Spieler ihre Teilnahme erleben. Die Parallele zu Film und Buch besteht nur insoweit, als bestimmte Elemente „düsterer“ Geschichten zu diesem Zweck aufgegriffen werden: Einerseits eine bestimmte Ästhetik, die Geschmacksfrage ist (und auch durchaus verschieden interpretiert wird), andererseits eine bestimmte inhaltliche Zuspitzung auf das Kaputte, das Hoffnungslose, das Zynische.

Und meine Aussage ist, unterstellt, dass das nicht bloß alles pseudo ist, begünstigt diese inhaltliche Zuspitzung ein Spielerlebnis, das die Spieler als emotionale und moralische Wesen anspricht. Das Gleiche gilt eben auch für die entsprechenden Referenzen in Buch und Film, die die moralische Botschaft nicht gleich mitliefern, die auch mit verstörenden Inhalten arbeiten. Natürlich funktioniert das alles nur, wenn man sich darauf einlässt. Wenn man es alles lächerlich findet, bringt es nichts. Das gilt für Film und Fernsehen genauso. Nur ist es deswegen doch nicht gleich pseudo.


Es ist ja durchaus so, dass man Rollenspiel auch ganz ohne moralische oder emotionale Dimension spielen kann. Darf man ja auch.

Und es ist natürlich auch so, dass man Rollenspiel mit moralischer oder emotionaler Dimension spielen kann, ohne dass es „dark“ im einen oder andere Sinne zugeht. Darf man ja auch, und muss gar nicht beleidigt sein, weil der böse Vermi einen gedisst hat, hat er nämlich gar nicht.

Ich wollte nur mal erklären, was möglicherweise für viele die Faszination des Düsteren ausmacht.

@Ein:

Zitat
Moralische Herausforderung tritt doch erst dann zutage, wenn man abwägen muss ob man eine unmoralische Gelegenheit nutzt mit dem Risiko gesellschaftlichen Sanktionen ausgesetzt zu sein. Doch diese Sanktionen sind im Rollenspiel doch garnicht präsent. Auch die unmoralische Belohnung ist rein virtuell. Daher hat man kein moralisches Dilemma, sondern man tut nur so als hätte man eines. Man spekuliert dann halt mal nett drüber.

Na ja immerhin, ist doch was. So funktioniert ja Fiktion nun mal, man stellt sich etwas vor, das nicht real ist. Es muss ja im Übrigen auch nicht immer eine moralische Entscheidung sein, die der Charakter trifft. Unmoralische Charaktere – oder, was mich persönlich im Moment besonders reizt, amoralische Charaktere – kannst du ja auch nur spielen bzw. als solche erkennen, wenn du so was wie ein moralisches Empfinden besitzt, nur darum geht es mir.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 28.05.2009 | 10:51
Das ist alles richtig, das Problem ist nur dass das was ihr beschreibt kein typisches "Dark"-Setting ist, sondern ein stinknormaler Spiderman- oder X-Men-Comic, wo aufrechte Helden ohne gesellschaftliche Unterstützung (bzw. gar mit gesellschaftlicher Ächtung, s. Daily Bugle und Mutantenpanik) gegen fiese Schurken streiten.

Äh... nein.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: SeelenJägerTee am 28.05.2009 | 10:52
@ Ein

Auf was ich raus will ist folgendes:
Nehmen wir mal an jemand wird nach westlichen Moralvorstellungen aufgezogen, weiß also was richtig und falsch nach der Meinung eines Spielers aus dem europäisch dominierten Kulturraum ist.

Wenn du einen solchen Menschen in einer nach westlichen Maßstäben idealen Gesellschaft beobachtest kannst du kaum sagen, ob derjenige ein "guter" mensch ist: Du wirst niemals sagen können, ob er nur deswegen moralisch richtig handelt weil er Sanktionen befürchtet oder weil er an die "edlen Prinzipien" glaubt.

Wenn du die Selbe Person jetzt aber auf ein Schlachtfeld, Flugzeugabsturz, sonst was ... versetzt, dann kannst du das sehr viel besser beurteilen. Dort agiert er nämlich in einem Umfeld in dem moralisches Fehlverhalten in der Praxis oft weit weniger bis gar nicht sanktioniert wird und dort zeigt sich der wahre Charakter.

Als Beispiel: vor einiger zeit kam bei auf TerraX (Sendung Sonntag 19:30 ZDF) die Geschichte auf der Moby Dick basiert.
Wahlfangschiff wird von nem Wahl gerammt und der Mast bricht durch außerdem Leckt die Einschlagstelle.
Die Mannschaft ist mitten auf dem Meer und das Schiff kaputt.
Die Leute gehen in die Beiboote und Treiben durchs Meer und fangen an zu verhungern.
Im einen Boot fangen sie irgendwann an diejenigen die Sterben aufzuessen.
Im anderen Boot ziehen sie lose und erschießen den Verlierer um ihn aufzuessen (naja wenigstens war der einer von den Beiden die die Idee hatten), der Kapitän findet das zwar falsch verhindert es aber nicht.

Die Leute waren in einem Raum in dem die normalen Regeln der Gesellschaft nicht mehr gelten und in dem sie keine Sanktionen für ihr verhalten befürchten müssen. Dort hat sich dann gezeigt wer die "guten" und die "bösen" Menschen sind.

@ Lord Ver
Meine Rede.
Allerdings würde ich nicht pauschal sagen wollen, dass Rollenspiel PER SE qualitativ seicht ist und prinzipiell nicht mit hoher Literatur mithalten kann. (Ich will hier nicht behaupten dass ich jemals einer in dieser Hinsicht "anspruchsvollen" Runde beigewohnt habe, aber RPG ist denke ich in dieser Hinsicht potentiell zu dem gleichen Fähig wie Buch und Film.)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Falcon am 28.05.2009 | 10:59
und wer war in den Booten die Bösen und die Guten?
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: SeelenJägerTee am 28.05.2009 | 11:02
Das meinste nich ernst oder?

Im einen kann man es nicht sagen, ich würde sagen tote essen um zu überleben ist nicht böse.
Jemanden abknallen um ihn aufzuessen (besonders einen Kameraden) wenn man nicht in einer kannibalistischen Gesellschaft (und selbst in der Kameraden) aufgewachsen ist ist meiner Meinung nach sehr wohl böse.

Aber ich denke dass du hier nur ein bisschen rum provozieren willst oder?
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 28.05.2009 | 11:07
und wer war in den Booten die Bösen und die Guten?
Habe ich auch keine Ahnung, aber diese Art von Neugier, macht die Geschichten interessant und das düstere als Spielwelt attraktiv.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Falcon am 28.05.2009 | 11:11
@Seelenjäger: Wenn sie nicht alle einverstanden gewesen wären hätten sie vermutlich keine Lose gezogen.
Wenn man jemanden erschiessen will muss man ihm kein Los anbieten auf die Gefahr hin selber dran zu sein.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: SeelenJägerTee am 28.05.2009 | 11:11
Ohne jetzt irgend jemandem zu nahe treten zu wollen aber wo seid ihr großgezogen worden?
Ich denke für nen Mitteleuropäer sollte es eigentlich klar sein, dass es keine moralisch richtige Option ist jemanden (einen Menschen) umzubringen um ihn aufzuessen.

Ihr habt meinen unerschütterlichen Glauben an das gute im Menschen gerade heftig erschüttert.

Zitat
Wenn sie nicht alle einverstanden gewesen wären hätten sie vermutlich keine Lose gezogen.
Ach bist du dir da sicher?
Vlt. hat sich ja nur keiner getraut zu widersprechen weil er angst hatte sonst sicher derjenige zu sein den erwischt?

Und selbst wenn: Manche Sachen bleiben moralisch falsch auch wenn alle zustimmen.
Wenn ich alkoholabhängigen Pennern nen Kasten Bier verspreche dafür dass sie sich gegenseitig verkloppen ist das trotzdem unmoralisch auch wenn die beide zugestimmt haben!
Ihr solltet euch mal ordentlich schämen! (Das meine ich ausnahmsweise mal nicht ironisch)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 28.05.2009 | 11:21
Zu sterben ist moralisch auch falsch, vor Allem wenn es möglich ist, dass eine stirbt und die anderen überleben...
das sind Situationen in denen die Moral versagt und man eigene Überlegungen anstellen muss und das ist ein Reiz des SPiels.

DIese Art von Kitzel hat man in der normalen Faerun-kampagne nicht. Und diese Art von Kitzel ist das ASlleinstellungsmerkmal von Dysteren Settings.
(ich entwickel glauve ich eine y-allergie.)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: SeelenJägerTee am 28.05.2009 | 11:26
Sterben moralisch falsch? Ah demnach ist es also moralisch verwerflich wenn jemand in das Schussfeld springt um einen anderen zu schützen. Demnach ist es also moralisch falsch wenn ein Soldat einen Erschiesungsbefehl an Gefangenen verweigert obwohl er weiß dass er dafür aufgeknüpft wird.

Die anderen haben aber den aufgegessen der zuerst abgenippelt hat und darin besteht der unterschied.

Zitat
das sind Situationen in denen die Moral versagt und man eigene Überlegungen anstellen muss und das ist ein Reiz des SPiels.

DIese Art von Kitzel hat man in der normalen Faerun-kampagne nicht. Und diese Art von Kitzel ist das ASlleinstellungsmerkmal von Dysteren Settings.
Da gebe ich dir Recht. Aber nur weil die Moral dort versagt ist sie deswegen noch nicht ungültig geworden, sie gilt weiterhin, es kümmert sich nur keiner mehr drum. (oder ach halt da gab's ja noch das andere Boot in dem sie nicht zu Mördern geworden sind.)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 28.05.2009 | 11:32
Habe ich auch keine Ahnung, aber diese Art von Neugier, macht die Geschichten interessant und das düstere als Spielwelt attraktiv.

Sic!
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 28.05.2009 | 11:43
Sterben moralisch falsch?
Bitte auch noch den Satz danach lesen...
In dem Boot wären alle verhungert. Ich nehme einfasch mal an, dass die schon versucht haben, Fische zu fangen usw. und alles nicht geklappt hat.
Ansonsten ist sterben erstmal moralisch falsch, da es riesige Nutzeneinbußen mit sich bringt, die erteinmal aufgewogen werden müssen. Viel Spaß beim ABrechnen!

Ansonsten ist das nicht das THema hier. irgendwo fliegt hier noch so ein Ethik-Faden rum. Kannst ja darein posten. Stichwort Utilitarismus.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: SeelenJägerTee am 28.05.2009 | 12:03
Einer muss noch:
Sie hätten genau wie im anderen Boot auch denjenigen aufessen können der zuerst schlapp macht, das hätte nicht so den Substantiellen Unterschied für die Überlebenswahrscheinlichkeit gemacht.
Im anderen Boot ham ja auch welche überlebt.

Aber eigentlich wollte ich nur folgendes sagen: Der Charakter eines Menschen zeigt sich dann am besten, wenn er keine Konsequenzen befürchten muss sein Gesicht zu zeigen. Deswegen sind in dieser Hinsicht Settings attraktiv in denen eben diese Kontrolle weg fällt und nicht die Settings in denen eben diese Kontrolle da ist.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: wjassula am 28.05.2009 | 12:20
Ich werde zu alt für Rollenspielforen. Ich verstehe diese Diskussion nicht. Was redet ihr denn hier alle? Ich spiele zur Zeit DSA, Unknown Armies und PtA. Und viel zu wenig D&D. Und da geht es irgendwie immer darum, welchen Plan man jetzt verfolgt, ob man die Probe schafft, wie ich als SL eine gute Show abliefere und wie wir alle zusammen Spaß haben. Manche SC sind schon recht fiese Möpps und manche sind auch geistig nicht mehr ganz auf der Spur. Je nach Laune und Situation verhalten wir uns in allen Spielrunden dazu so, wie wenn man das im Fernsehen oder im Film sehen würde: "Boah, mein Char ist aber schon n kranke Sau. Gittigitt. Naja, mal gucken, ob ich treffe * oggel, oggel* Argh....verkackt!" Oder so. Wenn ich das richtig verstehe, was hier mit "dark" gemeint ist, machen wir das schon manchmal, aber der Anspruch scheint mir weder der auf besondere moralische Tiefe noch ungehemmtes Gewaltausleben zu sein. Es ist einfach nur ein Modus, in dem man bestimmt Geschichten oder Charakter unterbringen kann. Manchmal sind die Helden auch Helden, aber warum sollte es denn lustiger/erwachsener/unpeinlicher sein, immer aufrechte KämpferInnen gegen das Pöse zu spielen? Das sind doch beides Abgrenzungspositionen in völlig überflüssigen Szenegrabenkämpfen, die in keiner Spielrunde, in der ich jemals mitgemacht habe, irgendeine praktische Relevanz hatten. Naja.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Bad Horse am 28.05.2009 | 12:33
Einer muss noch:
Sie hätten genau wie im anderen Boot auch denjenigen aufessen können der zuerst schlapp macht, das hätte nicht so den Substantiellen Unterschied für die Überlebenswahrscheinlichkeit gemacht.

Genau, wer als erster schlapp macht, wird gegessen. Es ist ja auch viel moralischer, die Schwachen zu belauern, bis sie draufgehen, damit man sie endlich essen kann.

@Dysternyss: Ich glaube, ich hab einfach zu viel Vampire Life mit Leuten gespielt, die es unglaublich cool fanden, "dark" zu sein.

Ich habe nichts gegen krasse moralische Entscheidungen. Oder abgefuckte Charaktere. Aber ich möchte auch nicht ständig mit meinem Char von einer Krise in die nächste taumeln, ohne einen Ruhezustand, in der er sich regenerieren und reflektieren kann. (Zumindest nicht in einer Kampagne; in einem One-Shot ist das natürlich was anderes, weil ja normalerweise nur eine größere Krise abgehandelt wird)
Häufig kommt es dann nämlich zu Abstumpfungerscheinungen und Paranoia - man muss die Schraube immer weiter andrehen, damit man überhaupt noch eine Reaktion herauskitzelt. Meine UA-Kampagne ist auch schon sehr fies (Charakter im Knast, längere Foltersitzung, Koma-Visionen), aber es gibt immer wieder Momente, in denen er versuchen kann, wieder auf die Spur zu kommen und mal zu überlegen, ob er Aussagen wie "Ich sollte einfach alle Leute erschießen, die mir spontan unsympathisch sind" wirklich ernst meint.

Außerdem glaube ich nicht, dass es eine scharfe Trennung zwischen Upfuck- und Strahlemännchen-Settings gibt. Ich denke, dass ist aber auch jedem klar.  :)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Ein am 28.05.2009 | 12:47
Zitat
irgendeine praktische Relevanz hatten
Naja, das hier ist ja auch eine Grundsatzdiskussion.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Ein am 28.05.2009 | 13:05
Zitat
Da diese ganzen Settings von Westlern für Westler geschrieben werden, sehe ich darin nicht das geringste Problem.
Hmm, bin ich echt der einzige hier, der die Vorstellung seltsam findet ein Moralsystem Eins zu Eins von einer Gesellschaft auf eine andere zu übertragen? (Und das, wo ich hier der Katholik bin.)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Imago am 28.05.2009 | 13:27
Zitat
Szenegrabenkämpfe

... scheinen ja aber doch irgendwie auch ihre Relevanz zu haben wenn man sich ansieht wie oft es dazu kommt.
Powergamer gegen Theatraliker, PnPapers gegen Larper, SciFi vs Fantasy, Möchtegernjedis gegen Trekker, Piraten gegen Ninjas, Light vs Dark... :D

"Jedem das seine" ist halt auch einfach nur langweilig ... wo sind denn da die spannungserzeugenden Konflikte.  ~;D
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Waldviech am 28.05.2009 | 13:38
Zitat
Hmm, bin ich echt der einzige hier, der die Vorstellung seltsam findet ein Moralsystem Eins zu Eins von einer Gesellschaft auf eine andere zu übertragen? (Und das, wo ich hier der Katholik bin.)
Nein, bist du nicht. Du übersiehst scheinbar nur den entscheidenden Unterschied zwischen diesem Vorgang in der Realität und in der Fiktion. Versuche ich, mein westliches Moralsystem irgend einer anderen, real existierenden Kultur überzustülpen, wird es erfahrungsgemäß hässlich, denn diese real existierende Kultur hat ein eigenes Moralsystem. So weit, so richtig - nur zieht genau das nicht bei fiktiven Kulturen in fiktiven Welten, die ich selber (als westlicher Designer) erfunden habe, denn da lag bei der Erfindung schon mein westliches Wertesystem zugrunde. So werde ich z.b. eine Rasse menschenfressender, folternder Cyborgmonster in den meisten Fällen als böse empfinden und ein nach demokratischen Werten regiertes Artus-Königreich mit edlen Rittern, die nach (westlich orientierter) Gerechtigkeit streben als gut. Danach richtet sich dann auch, wie ich diese Völker im Spiel einsetze, darstelle und wo die Sympathien liegen. Das die Cyborgmonster das, wenn es sie denn gäbe, reichlich unfair fänden, spielt keine Rolle - denn es gibt sie ja nicht.

Edit:
Das ist übrigens auch der Grund, warum ich deinen Kolonialschau-Vergleich in diesem Zusammenhang recht daneben finde. Bei denen geht es nämlich darum, reale (!) Menschen zur Schau zu stellen und so zu präsentieren, daß sie auch ja in das Weltbild des wilhelminischen Spießbürgers passen (Nach dem Motto: "Guck mal, die blöden Wilden da knoten sich Knochen in´s Haar. Das sieht ja ekelig aus !"). Dieser fiese Aspekt geht fiktiven Rollenspielwelten völlig ab. Ich würde das "Grusel-RPG für Spießbürger" daher in keinem Falle in die Tradition von Slum-Touren und Kolonialschauen stellen, sondern eher in die Tradition von fiktiven Gruselgeschichten, die der Karthasis dienen können/sollen (zumindest auf gewisse Art und Weise in abgeschwächter Form. Es schaut sich wohl keiner Horrorfilme an, mit dem Ziel seine Seele zu reinigen ;) ). Und das ist kein Privileg von Spießbürgern und piefigen Mittelständlern, sondern zieht sich durch alle Schichten.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 28.05.2009 | 13:41
@ Ein
Dazu gibt es sogar in der Realität genug Beispiele.
Jedesmal bei einem Putsch oder ienem Regierungswechsel.
Ganz groß zum Beispiel nach dem ersten Weltkrieg, mit der EInführung der Weimarer Republik.

Was bleibt sind Reste der alten Moral (Duellkultur?), die nach und nach erodiert werden und das sorgt für konfliktgeladene Geschichten, vor Allem, wenn es die eigenen Moralvorstellungen sind, die man in der SPielwelt erodiert.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Belchion am 28.05.2009 | 13:53
Sicher ich kann in JEDEM Setting den Konflikt einbauen, aber ich denke ein Reiz der düsteren Welt ist der: Ich kann normale Charaktere basteln und loslegen - und es wird nicht unplausibel, wie die Char in so ein Dilemma kommen. Ich muss die "Glaubwürdigkeit" der Geschichte weit weniger strapazieren.
Das ist gerade die Fehlwahrnehmung, denn auch in der lichten Welt kannst du einfach so Charaktere basteln und loslegen, ohne daß du die Glaubwürdigkeit der Geschichte strapazierst.

Es kommt nur auf den Blickwinkel auf die Welt an: Achte ich auch auf die Nebenwirkungen der Handlungen der Charaktere oder ignoriere ich sie? Auch in einer lichten Welt wirken sich die gewählten Konfliktlösungsmethoden auf den Rest der Welt aus, damit besteht auch problemlos die Möglichkeit, Krisen einzubauen. Und wir spielen im Rollenspiel zumeist Konflikte, egal auf welcher Welt.

Die Farbe des Hintergrunds ist dabei vollkommen egal. Ob ich nun keine Gewissensbisse habe, weil ich die bösen Orks töte oder weil ich die böse Motorradgang töte, spielt keine Rolle. Die Regeln und der Zuschnitt der Abenteuer haben viel, viel mehr Einfluß auf mögliche Krisen als die Hintergrundstrahlung des Settings.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 28.05.2009 | 16:26
Westliches Moralsystem, Kleinbürgermoral, das ist in meinen Augen gar nicht der Punkt. Sondern der Punkt ist, dass im Spiel Situationen passieren, die, wenn man sich denn ein moralisches Urteil darüber bilden will, eben das moralische Urteilsvermögen fordern. Unabhängig davon, ob man dann einen Stuhlkreis bildet und drüber diskutiert (eher nicht), und völlig unabhängig davon, welche moralischen Maßstäbe in der Spielwelt gelten. Abweichende Sozialmoral in der (Fantasy-)Welt, das ist spannend, weil der Spieler sie an seinem eigenen Wertekanon misst und moralisch beurteilt.

Ich finde allerdings Moral gegenüber Emotionalität den weniger wesentlichen Punkt.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Sashael am 28.05.2009 | 17:13

Ich weiß nicht, wozu man ein finsteres Endzeitsetting für ECHTE Konflikte braucht. Das kriege ich in einem Teenager-Highschool-Setting viel schneller hin. Wenn man "Konflikt" mit "Bodycount" gleichsetzt, hat man meiner Meinung nach schon eine sehr abgestumpfte Vorstellung von Moral und Ethik. Vergewaltigung in einer brutalen Gangkontrollierten Megacity, der man sich als (meistens ja dann doch irgendwie kampfkräftiger) Einwohner dieser City entgegenstellt (oder auch nicht) fällt meiner Meinung nach dann doch eher unter "Grosses Actionkino" als unter echte moralische Entscheidungen. Diese Begriff wird (ebenso imho) sowieso ziemlich überstrapaziert. Im Endeffekt existiert eine solche Entscheidung ja gar nicht, wie weiter oben ja schon mal angemerkt wurde. Die SCs sind SCs sind SCs. Nichts was sie tun oder unterlassen, hat einen realen Effekt. Und die Auswirkungen auf ihre (virtuelle) Umwelt finden auch nur als Auslegung der Fakten durch den SL statt. Es ist nicht real und deswegen sind viele Entscheidungen imho nicht so sehr von Moral und Ethik sondern viel mehr von der Frage "What if?" bestimmt. So manche großartigen Rollenspieler zerbrechen sich auch weniger den Kopf um die moralischen Probleme, sondern lassen ihren Charakter gemäß des von ihnen im Vorfeld aufgestellten Konzeptes handeln. Rollenspiel eben: Nicht der Spieler, sondern der Charakter agiert.
Meine persönlichen Erfahrungen lassen sich auch so zusammenfassen: Je düsterer das Setting, desto suizidaler agieren die SCs. Frei nach dem Motto "Wir haben keine Chancen, also nutzen wir sie."
Viele Spieler, die ich kenne, bauen in extrem "hoffnungslosen" Settings auch eher Trashcan-Chars. Overstyled und mit VIEL (oberflächlicher/four color) Attitude, aber ohne allzuviel inneren Bezug. Der Char geht je nach SL ja eh mehr oder weniger schnell über den Jordan.  ::)

"Helle" Settings, in die sich das Bösetm hinterrücks einschleicht und am besten in einer moralischen Grauzone agiert, bieten imho um einiges mehr Stoff für "moralische" Konflikte als ein düsteres Endzeitsetting, bei dem sich jemand aufopferungsvoll dem unvermeidlichen Ende entgegenstellt. Das ist dann nämlich in meinen Augen wirklich platt. Wenn ich weiß, dass ich nix machen kann, ist jedes Auflehnen nur noch Show, damit ich einen coolen Abgang von der Bühne habe.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: 6 am 28.05.2009 | 17:14
Ich habe jetzt den kompletten Thread gelesen, weiss aber immer noch nicht, was "Dark" genau ist.

Sind Film Noirs "dark"?
Ist die Godfathers-Reihe oder die "Die Hard"-Reihe "dark"?
Oder gelten nur Settings und Filme, die eine Welt beschreiben, die dem Untergang nahe steht, als "Dark"?
Ist "Dying Earth" "dark"? Oder "Dr. Seltsam?
Wie sieht es mit Lovecraft aus? Hat der "darke" Bücher geschrieben?
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 28.05.2009 | 17:44
Düstere Settings sind solche, die sehr viel Gewicht auf das Leiden in der Welt legen und das auch zeigen wollen.
Dystopien, Endzeitszenarien, Brutalität, Entmenschlichung,... sind alles Zutaten für ein solches Setting. Das ist wie Borscht oder Gulasch, wenn man es sieht, erkennt man es, aber niemand kann dir genau sagen, was da jetzt nun reinkommt und wann es kein Borscht mehr ist.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: carthoz am 28.05.2009 | 18:27
Ich habe jetzt den kompletten Thread gelesen, weiss aber immer noch nicht, was "Dark" genau ist.

Sind Film Noirs "dark"?
Ist die Godfathers-Reihe oder die "Die Hard"-Reihe "dark"?
Oder gelten nur Settings und Filme, die eine Welt beschreiben, die dem Untergang nahe steht, als "Dark"?
Ist "Dying Earth" "dark"? Oder "Dr. Seltsam?
Wie sieht es mit Lovecraft aus? Hat der "darke" Bücher geschrieben?

Um mal mit den bisherigen Thread-Teilnehmern zu antworten:
Ja. Nein. Eventuell. Das ist hier gar nicht der Punkt. Was du meinst, ist emo. Du hast das wichtigste vergessen. Ihr versteht das alles falsch.  ;)

Augenscheinlich werden hier mehrere Dinge mit "dark" (oder gar "darque") in Verbindung gebracht, die da entweder nicht per se hingehören oder für so manchen mit "dark" synonym sind. Macht die Diskussion natürlich schwierig, aber ich denke, Vermi hat eigentlich ganz gut umrissen, worum es ihm geht.

So wie ich es verstehe, geht es gar nicht darum, die durchaus vorhandenen Konflikte "klassischer" Welten mit Gut-Böse-Schwarz-Weiß-Schema infrage zu stellen - die nehmen wir als gegeben hin und wissen auch, dass es sie gibt. ABER: Vermi hält Konflikte für interessanter, die eben nicht aus den hehren Motiven eines Weißen Ritters erwachsen. Wenn alles grauer ist und es kein klares Weiß gibt, sind auch die Spieler nicht weiß - ihre Motive sind fragwürdiger, niemand (oder sagen wir: meistens niemand) tut etwas aus Altruismus. Je dunkler das Grau wird, desto unklarer werden die Grenzen. Natürlich kann das zu einem Spiel führen, das vor allem auf der Ebene Spieler-Charakter zündet: Eine verkommene Moral und amoralisches Handeln erzeugen natürlich nur ihre Wirkung, wenn sich der Spieler dieser Dimension ständig bewusst ist. Gleiches gilt ja auch für die Beispiele, die Vermi am Anfang gebracht hat.
So gesehen KANN es natürlich reichen, wenn man (wie in klassischen Welten) nach der "weißen" Moral handelt - auch da gibt es genug Konflikte zu lösen, auch daraus kann man Vergnügen ziehen. Vermi findet es nur spannender, wenn es eigentlich keine "richtige" Entscheidung in der Welt gibt (im Sinne von "richtig"-"falsch", nicht "richtig" als Synonym für "tatsächlich") und damit kein ideeller Lösungsweg vorgegeben ist, sprich: einem die Konventionen sagen, was zu tun ist.
Ich finde daher auch das Beispiel mit den Booten voller Verhungernder von SeelenJägerTee großartig - wenn auch nicht in seinem Sinne. Natürlich kann man sagen, dass das Erschießen eines Ausgelosten Pechvogels falsch ist - aber nur, wenn man unsere Moralvorstellungen anlegt. Diesen Konflikt zu lösen verspricht aber enorme Spannung, wenn man nicht von vornherein "gezwungen" ist, bestimmte Lösungen auszuschließen, und genau das passiert, wenn von vornherein eine Entscheidung als "moralisch falsch" definiert wird. Nimmt man sie jedoch heraus, hat man eine spannende Situation - und wenn jeder Spieler ein Bootsmann spielt, ist die Sache noch spannender, weil jeder weiß, dass eine Entscheidung seinen eigenen Tod bedeuten könnte. Dass man so etwas nicht im wahren Leben erleben möchte, ist wohl klar. Aber in einem "darken" Setting hast du ganz andere Möglichkeiten als in einer schwarz-weißen Welt, die einen Lösungsweg ("schwarz") als nicht hinnehmbar ausschließt!
Und das ist meiner Meinung nach der Reiz an "dark".

Um außgehend von dieser Sichtweise die angefragten Werke/Genres abzuklappern:
Film Noir ist "dark" (meist ist schon der "Held" zwielichtig, von seinen Gegenspielern ganz zu schweigen).
"Godfather" ist auf jeden Fall "grau", aber da die Mafia sich als "ehrenwerte Familie" darstellt, würde ich das als Grenzbereich sehen - man versucht, einen moralischen Anstrich neben der eigentlichen Moral zu erzeugen, wirft aber beides gern über Bord, wenn es einem in die Quere kommt... ist also schwierig.
"Die hard" ist vermutlich mehr schwarz-weiß als man denkt, auch wenn der Protagonist graue Züge trägt und nicht immer moralisch handelt - er spricht unser "normales" Gerechtigkeitsempfinden an (das ja oft auch anders funktioniert als Moral...), seine Gegenspieler sind eindeutig schwarz und "die Bösen".
"Dying Earth" und "Dr. Seltsam" kenne ich leider nicht.
Lovecraft ist gewissermaßen auch ein Zwitter, weil er klar mit den moralischen Vorstellungen der Leser spielt und sie mit anderslaufenden Dingen konfrontiert: Göttliche Wesen ohne moralische Vorstellungen, Kulte, die ganz klar "dark" sind, aber auch "weiße" Protagonisten. Insgesamt also wenig grau, daher wohl auch kein "dark". (Interessant hierbei: Die anderen Wesen sind so fremdartig, dass sie eigentlich nicht ins Schwarz-Weiß-Schema passen, aber von der "normalen" Welt als "schwarz" wahrgenommen werden.)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 28.05.2009 | 18:28
Noch mal: Ich habe nie behauptet, dass Dark viel toller als alles andere ist und alles andere scheiße ist und es nirgends außer in darken Settings moralische Konflikte stattfinden.

Was ich gesagt habe, steht schon im Threadtitel.

@ Christian: Wenn Jack Vance Dying Earth nicht geschrieben hätte und Christian Günther es jetzt als Setting rausbringen würde, wäre es natürlich peinliche pseudo-fynstere Emo-Wichse der übelsten Sorte. Da es aber von Vance ist und Gary Gygax das D&D-Magiesystem aus Dying Earth entlehnt hat, ist es natürlich männlich, cool und total abenteuerlich. ::)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Backalive am 28.05.2009 | 18:51
Yep.
Ist es.

Es lebe die Hoffnungslosigkeit.
Dark. Darker. Am Darkesten.

Als Teilzustand in einem Abenteuer, einer Region eines Settings sicher, zumindest hin und wieder, eine gewinnbringende Sache.
Dem Spielleiter offenbaren sich Konflikte, die er den Heldencharakteren entgegenstellen kann und nach Überwindung dieser Schwierigkeiten die Helden noch strahlender hervorgehen als ohnehin schon.

Bei einem Gespräch auf einem Con wurde Shadowrun von einem Spieler auch als ein Dark-Setting bezeichnet  ;)

Das Ganze also nicht so verbissen sehen.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: 6 am 28.05.2009 | 19:30
@carthinius:
Danke für die Erklärungen. Das hat ne Menge geholfen. :)

@Vermi:
Bisher hatte ich eigentlich nicht das Gefühl, dass Dying Earth bis auf das Magiesystem viel mit den ersten Settings von D&D zu tun hatte. Ist aber hier auch nicht das Thema. Hat carthinius den Begriff in Deinen Augen gut zusammengefasst?
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Skyrock am 28.05.2009 | 20:16
Das ist alles richtig, das Problem ist nur dass das was ihr beschreibt kein typisches "Dark"-Setting ist, sondern ein stinknormaler Spiderman- oder X-Men-Comic, wo aufrechte Helden ohne gesellschaftliche Unterstützung (bzw. gar mit gesellschaftlicher Ächtung, s. Daily Bugle und Mutantenpanik) gegen fiese Schurken streiten.
Und das war wohl nicht, wie Vampire, Degenesis, OA und andere typische "Dark"-Spiele ursprünglich mal gedacht waren.
Äh... nein.
Nein? Ich habe instinktiv doch erraten, wie Vampire RICHTIG gespielt wird? :o
(Hm, lässt den "super heroes with fangs"-Kampfbegriff in ganz neuem Licht erscheinen...)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 28.05.2009 | 20:22
Den letzten Satz hatte ich aber nicht mit zitiert. ::)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Skyrock am 28.05.2009 | 20:36
Ich weiß, da habe ich dich auch absichtlich missverstanden... Konnte mir die Vorlage nicht entgehen lassen ;)

Ansonsten sind wir ja inzwischen ohnehin in der watteweichen Wohlfühlwolke [Rüdiger Hoffmann]"'Darque' kann ja mal Spaß machen... muss aber nicht"[/Rüdiger Hoffmann] angekommen, ab der allerspätestens eine Diskussion keinen Sinn mehr macht, außer für Berufsnörgler, denn da sind wir eigentlich schon am kleinsten gemeinsamen Nenner.
(Außer, jemand will das Pundit'schen Swinevorwurf nochmal aufwärmen, so von wegen "...who *imagine* to have fun playing darque swine games" oder "...who *pretend* to have fun playing darque swine games, just to make regular gamers of more pro-human games feeling inferior".)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 29.05.2009 | 09:49
@Vermi:
Bisher hatte ich eigentlich nicht das Gefühl, dass Dying Earth bis auf das Magiesystem viel mit den ersten Settings von D&D zu tun hatte. Ist aber hier auch nicht das Thema. Hat carthinius den Begriff in Deinen Augen gut zusammengefasst?

Nun ja, mein Stein des Anstoßes war ja die Verunglimpfung und das Über-Einen-Kamm-Scheren einer ganzen Reihe von Spielen bzw. Settings, die gar nicht viel miteinander gemeinsam haben; ich fand, mein Kommentar zu Dying Earth bringt die Beliebigkeit dieses Darque-Bashings ganz gut zum Ausdruck. Dark hat wie gesagt eine inhaltliche Komponente (alles kaputt, alles schlecht) und eine ästhetische Komponente (Goth-Disco); mir geht es hier um die inhaltliche Komponente.

(OT: Natürlich hat Gygax einzig die Idee aus Dying Earth geklaut, dass ein Magier nur eine gewisse Anzahl von Zaubern „speichern“ kann und diese durch Gebrauch gelöscht werden. Und vielleicht noch ein bisschen Inspiration für ein paar der schrägeren magischen Artefakte. D&D hat nicht wirklich was von Vance an sich.)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: 6 am 29.05.2009 | 10:02
@Vermi:
Verstehe. Danke für die Klarstellung. :)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Boba Fett am 29.05.2009 | 10:49
So, und jetzt kommt ihr.

Jup! :)

Ich mag "dark" Settings, aber ich mag auch andere Settings.
Ich kann mich zB auch für pulpige Settings (Swashbuckling) begeistern.
Ich hab auch ein ziemlich präzises Bauchgefühl ;) was Dark ist, kann es aber schwer in Worte fassen und verstehe auch, dass es da Schwierigkeiten gibt, eine genaue Definition zu erstellen. Und lasse es daher auch lieber. :)
Und ich kann auch verstehen, dass es für denjenigen, dem eben jenes Bauchgefühl fehlt, schwer fällt, zu erkennen, was typisch ist und warum davon eine Faszination ausgehen kann.

Ich muss gestehen, dass ich die Debatte etwas absurd finde.

"Dark ist gar nicht so doof!" und "Man kann dark mögen!"
Dass das darkesque ;) nicht ganz so doof sein kann, zeigt doch allein, dass es recht erfolgreich ist.
Natürlich, wer 'dark' nicht instinktiv spezifizieren kann, ist aussen vor. Dumme Sache... Da reden und begeistern sich einige für etwas und derjenige ist blind dafür und erkennt es nicht. Also baut er instinktiv erstmal eine Abwehrreaktion auf.
Also ist dark scheisse und die dark-fans sind doof.
Na und?
Als wenn wir das in anderen Bereichen nicht auch hätten, wo jemand die Vorlieben eines anderen nicht teilt.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Sashael am 29.05.2009 | 12:41
„Dark“ muss man nicht mögen, kann man aber, und dafür gibt es auch Gründe. Denn durch die Überzeichnung des Negativen, des Kaputten, des Hoffnungslosen, wird eine wichtige Zutat für Charaktere mit Persönlichkeit und Persönlichkeitsentwicklung geschaffen:

Krisen.

Wenn es kaum Hoffnung gibt, ist umso prägnanter, an welche Hoffnung die Charaktere sich klammern. Wenn man niemandem trauen kann, ist umso wichtiger, wem man am Ende doch vertraut. Wenn einem schlimme Dinge (tm) widerfahren, man selbst sich gezwungen sieht, schlimme Dinge (tm) zu tun, zeigt sich am ehesten, aus welchem Holz man geschnitzt ist.
Und das ist nicht über einen Kamm geschert? Alles was Dark ist, bringt automatisch bessere Krisen? So liest sich deine Meinung zumindest für mich.

Wenn alles was hell und Licht ist vom Bösentm bedroht wird, ist umso wichtiger, an welche Moral und Ethik sich die Charaktere halten, während sie das Bösetm bekämpfen. Wenn man allen vertraut, ist umso wichtiger, wer sich aus welchen Gründen an das Bösetm verkauft. Den Rest kann man so stehen lassen, das gibts nämlich in jedem Background.

Dass nahezu jeder mal Spass an Dark hat, hat ja schon Skyrock festgestellt. Dein Eingangspost kommt aber über genau diese Schiene: Dark ist "erwachsener".

Und das ist einfach kompletter Bullshit.  :q
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Falcon am 29.05.2009 | 12:44
@boba: das erinnert mich jetzt an die Gute Rollenspieler-Diskussion, da war eine fehlende Definition allerdings Grund genug für manche ihre Existenz abzuerkennen.
Vielleicht gibts Dark ja auch nicht als eigenständige Spielform ;) ?
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Arkam am 29.05.2009 | 13:05
Hallo zusammen,

kann es sein das die Diskussion über "Dark" auf ein Regelproblem zurück zu führen ist?

Denn Gefühle und Moral lassen sich nun Mal schlecht in Regeln fassen.
Wer also gerne nach Regeln spielt dem geht es auf den Senkel das diese Spiele ihren Kern kaum oder gar nicht in Regeln fassen.
Wer die Regeln schon Mal zurückstecken kann der findet in den Dark Spielen einen perfekten Aufhänger.

Dann würden am Thema einfach nur Mal grundlegende Fronten Mal wieder aufbrechen.

Gruß Jochen
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 29.05.2009 | 13:11
Dein Eingangspost kommt aber über genau diese Schiene: Dark ist "erwachsener".

DAS ist kompletter Bullshit. So war es nicht gemeint und so steht es auch nicht da.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Boba Fett am 29.05.2009 | 13:23
@boba: das erinnert mich jetzt an die Gute Rollenspieler-Diskussion, da war eine fehlende Definition allerdings Grund genug für manche ihre Existenz abzuerkennen.

Ja, und das kann auch gern jeder machen, dann muss er sich ja nicht weiter mit den Themen zu "dark" beschäftigen, weils das ja für ihn gar nicht gibt.

Zitat
Vielleicht gibts Dark ja auch nicht als eigenständige Spielform ;) ?

"dark" ist keine Spielform sondern zunächst ein Kriterium, das man zum Bewerten von Settings hinzuziehen kann.
Wenn man dieses Kriterium dann in einer Kampagne anwendet, könnte man von einer Spielform reden.
Da das aber für runden individuell ist, ist "dark" als Spielform kein hinreichender Maßstab für ein Rollenspiel, sondern höchstens eine Bewertung für die einzelen Spielrunde.

(schlechtes) Beispiel:
Shadowrun hatte am Anfang einen eindeutigen "dark" Charakterzug.
Was dann aber in den meisten Spielrunden daraus gemacht wurde, war "Happy-Elfen-Punk" ...
Viele Wummen, alle hatten den Platin Kontrakt, etc. Munchkin, pp...

Ich halte "dark" übrigens auch nicht für "erwachsener" als andere Dinge, sondern in eingen Dingen eher als spätpubertär, einfach weil das die übliche Phase ist, wo man sich von so etwas faszinieren lässt.
"erwachsen" bedeutet für mich die gesunde Distanz zu diesem Aspekt zu haben, um es (und sich selbst) nicht zu wichtig zu nehmen. Insofern ist kein Kriterium "erwachsener" als das andere, lediglich einzele Personen gehen mit den Kriterien erwachsener um, als andere. Auch "Realismus" (Simufantentum) ist ein Kriterium und auch das kann man überbewerten oder eben nicht.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Sashael am 29.05.2009 | 14:03
Es tut mir ja leid, wenn ich dich da mißverstehe Vermi, aber dein EP klingt für mich eben nach diesem Geschwalle.

...zeigt sich am ehesten, aus welchem Holz man geschnitzt ist.

...Das Ergebnis ist intensiver, auf einer moralischen Ebene fordernder und insgesamt schwerer verdaulich als ein strahlendes Heldenepos ...

... Die Konfrontation mit extremen Situationen und Befindlichkeiten, Krisen eben, ruft beim Spieler eine stärkere emotionale Reaktion hervor.

All das klingt nach: Dark ist intensiver als ein anderer Background.

Und solche Statements lehne ich grundsätzlich ab. Der Background und seine Grundstimmung hat doch nichts mit der Intensität des Spiels zu tun. Moralische Entscheidungen werden doch nicht nur in düsteren Settings gefordert. Meiner Meinung nach gilt sogar das Gegenteil. Da die Entscheidungen nur virtuelle Konsequenzen haben, überlegen sich ne Menge Leute viel weniger, was sie da eigentlich tun. Und wieviele Dark-Settings wurden denn schon von der Spielergemeinschaft zu Dark-Power-Rangers-Runden verwurstet?

Krisen kann man IMMER und in JEDEM Background schaffen. Und man kann JEDEN Background zu einem Heldenepos verkommen lassen. Die ganzen Vampiwer Rangers sind das beste Beispiel. Krisen sind weder das Vorrecht noch das Hauptkriterium eines düsteren Settings. Natürlich ist das flamen über die Dark-Welle kindisch. Genauso kindisch ist es aber, düsteren Settings in irgendeiner Form einen wie auch immer gearteten höheren Anspruch zuzugestehen.

Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Boba Fett am 29.05.2009 | 14:05
All das klingt nach: Dark ist intensiver als ein anderer Background.

Ich lese da: "Dark ist intensiv (ohne "er") und kann daher für Leute interessant sein, die Wert auf Intensität legen."
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Falcon am 29.05.2009 | 14:16
Ich hatte ja auch schon längst darauf hingewiesen, denn ich sah auch jede Menge "-ers" in Vermis Eingangspost.
Selbst wenn ich wie du beide Augen zudrücke. Vermis Wort dagegen wiegt zwar schwer, aber dann sollte man das ganze auch umschreiben.

Sashael schrieb:
Zitat
Meiner Meinung nach gilt sogar das Gegenteil. Da die Entscheidungen nur virtuelle Konsequenzen haben, überlegen sich ne Menge Leute viel weniger, was sie da eigentlich tun. Und wieviele Dark-Settings wurden denn schon von der Spielergemeinschaft zu Dark-Power-Rangers-Runden verwurstet?
Die spielen dann nicht "trve darque" ist doch klar. Die Definition beinhaltet schon moralisch fordernder zu sein, wenn es nicht intensiver ist, ist es nicht mehr Dark. ;D
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Daheon am 29.05.2009 | 14:25
Sashael schrieb:
Zitat
Krisen kann man IMMER und in JEDEM Background schaffen.

Können kann man so einiges. Wenn ich mich aber z.B. mit meiner Gruppe hinsetze, um z.B. Spirit of the Century zu zocken, dann kann ich davon ausgehen, dass die Spieler kerne in Hintern treten möchsten, statt die moralischen Tiefen ihrer Charaktere auszuloten.
Will sagen, die Wahl des Settings gibt ja auch die Themen vor, mit denen man sich beschäftigen möchte.

Und das (wahrscheinlich gar nicht mal so wenige) Zeitgenossen "darke" Settings als Entschuldigung ansehen, mal so richtig das Charakterschwein raushängen zu lassen, entkräftet ja nicht Verminaards These.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 29.05.2009 | 14:26
Sashael, hast du alle meine Posts in diesem Thread gelesen, oder nur den Eingangspost?
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Boba Fett am 29.05.2009 | 14:59
Ich hatte ja auch schon längst darauf hingewiesen, denn ich sah auch jede Menge "-ers" in Vermis Eingangspost.

Harald sagte letztens beim besuch der tapas Bar in Basel (nicht wörtlich zitiert):

...lesen und wohlgesonnen interpretieren.
Versuchen zu verstehen, was der andere im günstigsten Fall gemeint haben könnte,
anstatt sich in der Antwort auf das zu konzentrieren, was man im Beitrag des anderen als störend empfindet...

Ich glaube, das sollte man sich als Credo für die Forennutzung wählen.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 29.05.2009 | 15:13
Verständiges Lesen ist nicht mal erforderlich, Boba. Ich habe zwischenzeitlich in weiteren Posts sehr deutlich erklärt, wie ich es gemeint habe und wie nicht. Damit ist komplett irrelevant, wie mein Eingangspost vielleicht auf den ein oder anderen gewirkt hat. Diese Frage ist überholt und stellt sich nicht mehr.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 29.05.2009 | 15:22
Ihr müsst sie lieb und nett behandeln
erschreckt sie nicht- sie sind so zart!
Ihr müsst mit Palmen sie umwandeln
getreulich ihrer Eigenart.

Man schimpft halt gerne in Foren und ein Thema, das ursprünglich dazu gedacht war, Verständnis zu fördern, wird halt gerne mal entführt.

Wenn sie in ihren Sälen hetzen
sagt "Ja und Amen- aber gern.
Hier habt ihr mich schlagt mich in Fetzen."
und wenn sie prügeln, so lobt den Herrn!
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Sashael am 29.05.2009 | 21:05
Zu sterben ist moralisch auch falsch, vor Allem wenn es möglich ist, dass eine stirbt und die anderen überleben...
das sind Situationen in denen die Moral versagt und man eigene Überlegungen anstellen muss und das ist ein Reiz des SPiels.
DIese Art von Kitzel hat man in der normalen Faerun-kampagne nicht. Und diese Art von Kitzel ist das ASlleinstellungsmerkmal von Dysteren Settings.
Neulich in Faerun: Schiffsreise, Schiff sinkt, Charaktere retten sich auf Teile der Schiffswand als provisorisches Floss, NSC-Matrosen wollen mit auf das Floss welches dadurch aber 100%ig sinken wird, SCs stoßen NSCs mit Stangen und Rudern vom Floss um nicht selber unterzugehen, NSCs ertrinken und SCs überleben mit schweren Gewissensbissen (aber der Erfolg der Mission wiegt schwerer als die Leben der NSC)

q.e.d.  ::)

Und das (wahrscheinlich gar nicht mal so wenige) Zeitgenossen "darke" Settings als Entschuldigung ansehen, mal so richtig das Charakterschwein raushängen zu lassen, entkräftet ja nicht Verminaards These.
Seine "These"* kann man eben in JEDES Setting packen, man muss nur ein paar Worte austauschen. Nagut, FAST jedes Setting. Das Problem an dieser Aussage ist, dass er Fakten, die ALLEINE von Spielern und SL abhängen, an einer Art von Background festmacht. Und das ist einfach grundlegend falsch gedacht. Natürlich KANN ein düsteres Setting bestimmte Geschichten und Konflikte fördern. Aber genauso KANN man gleich schwere und auch wesentlich fordernde Geschichten und Konflikte in ganz andere Setting packen. Das hängt aber eben NUR von der jeweiligen Runde ab. Auch mit mehreren Abschwächungen ist die Kernaussage von Verminaard, dass Düstere Settings für innere Krisen und ethisch-moralische Konflikte besser geeignet sind als andere Settings. Und ich benutze bewußt das Wort "besser", denn ohne ein paar "-er"s macht dieser gesamte Thread keinen Sinn mehr. Es ist nämlich kein Ihr-spielt-euer-Spiel-und-ich-spiel-meins-Thread sondern soll klar die Vorteile düsterer (darker) Settings hervorheben. Und obwohl ich durchaus einige Vorteile in düsteren Settings sehe, finde ich den Ansatz des Da-sind-halt-die-fordernderen-Krisen-drin falsch.

Versteht mich bitte nicht miss, man muss mich nicht von Dark Settings überzeugen, ich mag die gelegentlich sehr. Aber die Argumente, die hier benutzt werden um diese Settings gegen Flamer und Buh-Rufer zu verteidigen, sind leider in keinster Weise haltbar. In der Malerei würde man sagen "Komposition verkackt, bitte nochmal".

* - Den Begriff These würde ich vorsichtig verwenden. http://de.wikipedia.org/wiki/These
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: SeelenJägerTee am 29.05.2009 | 21:46
Dass man alles in allem tun könnte.

Ich bin da zwar kein experte aber ich stelle mir vor, dass es schwieriger (nicht unmöglich) wird eine High-Power-Ass-Kick-Campaign in einem "Low-power-SC Setting" zu veranstalten.
Besonders ohne dabei die Sache unplausibel zu machen.

Ohne hier jetzt für oder gegen "dark" zu sein. Was mich einfach total anpisst ist dass sofort der Ruf kommt:
Wenn die SC ne Chance haben ist es nur pseudo-dark von Leuten die nur so tun.
und im gleichen Atemzug: Dark is scheiße weil da die Char keine Chance haben, da sieht man ja dass die Leute nur pseudo sind und nur so tun.

Scheinbar ist es nicht möglich zu sagen: ich denke die Vorteile von Setting XY sind: dass ...
ohne dass einer Ruft: PSEUDO, POSER, STIMMT DOCH GAR NICHT.

Genauso könnte man hingehen und behaupten: Fantasy is nur ne allmachtsfantasy von vor/spät-pubertären alternativ nie aus der Pubertät gekommenen die nur so tun.
Das is doch genauso scheiße Leute.
Wenn ihr den Fantasyspacken zugesteht, dass sie ganz EHRLICH nur in eine fantastische Welt eintauchen wollen, dann müsst ihr die gleiche Ehrlichkeit auch den "darkis" zugestehen.

Meine Empfehlung, SJT (seines Zeichens Fantasyspacke)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Blizzard am 29.05.2009 | 22:32
SJT (seines Zeichens Fantasyspacke)
Mit solchen Ausdrücken wäre ich vorsichtig, da handelt man sich schneller einen Titel ein, als einem lieb ist.
-scnr-
 >;D
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 29.05.2009 | 22:59
@Sashael:

Zitat
Und obwohl ich durchaus einige Vorteile in düsteren Settings sehe, finde ich den Ansatz des Da-sind-halt-die-fordernderen-Krisen-drin falsch.

Nicht die fordernderen Krisen. Sondern einfach viel mehr Krisen, nämlich alle naslang welche. Wenn du so willst, die Holzhammer-Methode. Im Rollenspiel meiner Erfahrung nach nicht das Schlechteste; wenn man im Rollenspiel die Dinge so subtil wie in einem Roman oder Film macht, gehen sie eher verloren.

Was mich aber viel mehr interessieren würde ist, welche Vorteile du in darken Settings siehst. :)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 30.05.2009 | 01:12
Neulich in Faerun:
q.e.d.
Da habt ihr dann was düsteres nach Faerun reingebracht...herzlichen Glückspunsch.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Sashael am 30.05.2009 | 09:00
Da habt ihr dann was düsteres nach Faerun reingebracht...herzlichen Glückspunsch.
Was allerdings dein "Alleinstellungsmerkmal von düsteren Settings" widerlegt. Das ist es eben nicht.

@Verminaard
Da könnte man auch über die Vorteile von Horrorfilmen diskutieren.  ;)
Warum spielt man düstere Geschichten oder sieht sich verstörende Filme an? Die Antworten dürften so vielfältig wie nichtssagend sein. Mit sowas wie Katharsis braucht man mir nicht kommen, wer so tiefsitzende Probleme mit seinen Gefühlen hat sollte imho zum Psychologen gehen.

Als Spieler mag ich düstere Settings, weil es einfach mal Spass machen kann, schlecht drauf zu sein. Desillusionierte Charaktere, Zyniker oder auch mal der aggressive Antiheld voller Wut auf die Scheisse, die um ihn  herum passiert. Charaktere, die eben NICHT mehr wissen, an was sie sich klammern sollen. Die nur noch das Schlechte erwarten damit sie nur noch entweder in ihren Erwartungen bestätigt oder positiv überrascht werden können. Aus einer Perspektive des Nicht Mehr Hoffens heraus zu spielen. Die Krisen sind nur ein Teil des gesamten kaputten Bildes. Die eigentliche Krise ist längst vorüber und man hat bereits verloren. Man lebt, weil der tiefsitzende Selbsterhaltungsinstinkt und der eigene Stolz es verbieten, dass man sich diesem Elend durch den Freitod entzieht.

Als SL mag ich düstere Settings, weil man die SCs "ungestraft" knallhart scheitern lassen kann.  8]
Wenn die SCs "verlieren", maulen die Spieler nicht sondern akzeptieren es als Teil der Welt. In düsteren Welten kann ich meinem Sadismus auch mal freien Lauf lassen.  >;D

Ich würde aber nicht behaupten, dass ich Moral und Ethik in irgendeiner Form besonders einfließen lassen würde.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Boba Fett am 30.05.2009 | 09:50
Ich würde aber nicht behaupten, dass ich Moral und Ethik in irgendeiner Form besonders einfließen lassen würde.

Desillusionierte Charaktere, Zyniker oder auch mal der aggressive Antiheld voller Wut auf die Scheisse, die um ihn  herum passiert. Charaktere, die eben NICHT mehr wissen, an was sie sich klammern sollen. Die nur noch das Schlechte erwarten damit sie nur noch entweder in ihren Erwartungen bestätigt oder positiv überrascht werden können. Aus einer Perspektive des Nicht Mehr Hoffens heraus zu spielen.

Was ist denn das unten beschriebene als die Moral und Ethik eines Charakters, die Du als Spieler ins Spiel fliessen läßt?
Damit beteiligst Du Dich doch in der Gestaltung der Welt, in der Eure Gruppe gerade spielt und gestaltest sie mit.
Und "besonders" ist sie insofern, dass sie sich von der Moral und Ethik Deiner Charaktere in den "üblichen" Settings deutlich unterscheidet.
Und ich denke (Hypothese), dass Du dies als Spielleiter in dunklen Settings auch machst, wenn Du die NSCs gestaltest, darstellst und ihre Entscheidungen im Spielverlauf beschliesst und auch die weiteren Ereignisse (Auswirkungen fallen drastischer aus) in der Hintergrundswelt entscheidest.
Es kann sein, dass Du dann nicht bewusst über die Moral und Ethik Deines Charakters oder als SpL der NSCs nachdenkst, sondern das instinktiv gestaltest - aber in dunklen Setting haben die beteiligten Charaktere andere ethische und moralische Grundlagen als in einem Standard Setting.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 30.05.2009 | 11:32
Was allerdings dein "Alleinstellungsmerkmal von düsteren Settings" widerlegt. Das ist es eben nicht.
So läuft das hier nicht ganz. Ein einzelner Ork macht noch keine EDO-Fantasy.
Und ein einzelnes, mächtiges Artefakt macht auch noch keine High-Powerrunde (siehe CoC.).
So macht auch ein düsteres Abenteuer noch lange kein düsteres Setting. tut mir leid.

Es gibt einen Unterschied zwischen formaler Logik und Kulturaussagen. Wenn Du Aussagen über Erwartungen nach streng formalen kriterien beurteilst, kommst du hier aus dem definieren nicht mehr hinaus.
(Formuliere mir doch mal bitte eine testbare Version von Spielgefühl...und dan sind auch schon wieder in der unreinen MAthematik :;) )
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Skyrock am 30.05.2009 | 12:09
Nicht die fordernderen Krisen. Sondern einfach viel mehr Krisen, nämlich alle naslang welche.
Dem würde ich widersprechen, und ich ziehe dazu mal einen praktischen Vergleich heran, mit zwei bekannten Beispielen: Der berüchtigte Poison'd-RPG.net-AP (http://forum.rpg.net/showthread.php?p=7710536#post7710536) vs Spidermans "The Night Gwen Stacey Died" (http://en.wikipedia.org/wiki/The_Night_Gwen_Stacy_Died#Plot).
Das eine ist extrem dark, hat aber null Konflikte; das andere ist völlig undark, hat aber alle naselang Konflikte, auch innere.

Du hast vielleicht (persönlich) mehr Begegnungen mit Konflikten in "darken" Spielen gehabt, aber (global) inhärent verknüpft ist da gar nichts.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Bad Horse am 30.05.2009 | 12:48
Ich denke, dass die Definition von "dark" ja eigentlich schon "Welt in der Krise" ist. Dass das nun nicht jeder umsetzen kann, ist klar. Ändert aber nichts daran, dass in einem "dark" Setting alles eigentlich von einer Krise in die nächste taumelt, und der Grundzustand nunmal auf "Krise" geschaltet ist.

Persönlich ist mir eine Entwicklung vom Grundzustand "normal" in den Grundzustand "Krise" viel lieber. Sieht man auch bei BS Galactica: Die Leute waren vor der Krise ja nicht alle abgewrackte Penner und Zynisten, sondern mehr oder weniger durchschnittliche Personen. Dann kam *pow* die Krise, und es gibt keinen Weg zurück.
Wobei ich es auch interessant finde, wenn es einen Weg zurück gibt, der aber aus verschiedenen Gründen für die Charaktere nicht gangbar ist; Beispiel "Supernatural".

@Vermi: Okay, ich sehe es ein: "Dark" ist gar nicht so doof.

"Dyster" ist so doof.  ;)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 30.05.2009 | 13:38
@ Sashael: Ja, diese Grundstimmung mag ich auch sehr gerne, dieses bittersüße, das funktioniert sehr gut, um bei mir Emotionen auszulösen. Dazu benutze ich Rollenspiel ja, unter anderem (und im Übrigen auch Filme und Bücher), um Emotionen zu erwecken. Ich hatte ja beide Aspekte im Ausgang genannt, den emotionalen und den moralischen, und finde es schade, dass alle sich so auf den moralischen Aspekt eingeschossen haben, da mir persönlich der emotionale ebenfalls wichtiger ist.

Wenn ich z.B. "V wie Vendetta" gucke, dann steht für mich klar die schwere, düstere Stimmung im Vordergrund, mich dafür zu öffnen, darin zu versinken. Ich mache mir da gar nicht unbedingt bewusst Gedanken über moralische Aspekte, habe noch nie mit irgendjemandem über die "Moral" des Filmes diskutiert. Aber trotzdem ist der Film stark moralisch aufgeladen, das macht einen Teil der Schwere aus. Insbesondere weil es an einigen Stellen auch durchaus ambivalent ist.

@ Skyrock: Natürlich ist etwas, wenn man es schlecht macht, schlecht. Um es mit den Worten von Shub-Schumann zu sagen: Scheiß Spieler waren noch nie ein Argument für irgendwas.

@ Dark-Definition: Wie immer, ist es unmöglich, über einen solchen "Kampfbegriff" zu reden, ohne 80% der Zeit auf Definitionsgrabenkämpfe zu verschwenden. Zumal ich hier ja nicht mal über das rede, was ich persönlich vielleicht meine, wenn ich "dark" sage. Sondern über das, was meiner Wahrnehmung nach den Beißreflex bei den Spöttern auslöst. Was ich halt scheiße finde, sind die Leute, die in einem Klappentext irgendwas von einer kaputten Welt lesen und vorne ist ein düsteres Bild drauf, und gleich schreien sie "Emo-Gewichse".
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: carthoz am 30.05.2009 | 13:41
"Dark" ist gar nicht so doof.

"Dyster" ist so doof.  ;)

Das ist vermutlich ein großer Teil des Problems in kurz UND flapsig - großartig! :d
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Sashael am 30.05.2009 | 15:12
So macht auch ein düsteres Abenteuer noch lange kein düsteres Setting. tut mir leid.

Es gibt einen Unterschied zwischen formaler Logik und Kulturaussagen. Wenn Du Aussagen über Erwartungen nach streng formalen kriterien beurteilst, kommst du hier aus dem definieren nicht mehr hinaus.
Möp ... deine Aussage war, das solche Konflikte ein Alleinstellungsmerkmal von Dark Settings sind. Und das ist eben nicht korrekt. Man kann solche Konflikte in nahezu jedes Setting bringen ohne den Background auch nur einen Hauch zu verändern. Und wenn man sich das FR-Buch mal durchliest, sieht man jede Menge Potential für dunkle Spielrunden. Ein Königreich, das arkane Magiebenutzer jeglicher Art verfolgt und umbringt ist einfach nicht mehr das übliche LiLaLauneland, das viele in den FR anscheinend erwarten. Dass Runden in Menzoberranzan ebenfalls ziemlich dark sein können, dürfte auch jedem klar sein.
Die Konflikte an sich haben mit der Grundstimmung des Settings nichts zu tun, wie du in deinem vorhergehenden Posting behauptet hast.

Ich habe nur deine Aussage widerlegt.  Definieren wollte ich damit nichts. :P

Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 31.05.2009 | 13:24
*seufz*
Dann nochmal:
Das Alleinstellungsmerkmal düsterer Settings sind die düsteren konflikte. Das bedeutet, man erwartet sie, man bekommt sie und es gibt sie en masse.

Dass Du dir eine düstere Kampagne in Faerun vorstellen kannst, ist ja ganz fein. Das macht weder das Setting  düster, noch verneint es die Gewichtung echt düsterer Settings.

Bei Rollenspielwelten sind sowas alles Fragen der Gewichtung, deshalb kann man ganz oft auch nicht direkt vergleichen (ist jetzt FS düsterer als PS? keine Ahnung, gibt in beiden das Böse und das korrumpierte Gute...)

Das ist halt die Frage, ob man Badminton lieber mit nem Squash oder nem Tennisracket spielt...;)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Skyrock am 31.05.2009 | 13:32
Nochmals: In einem typischen Spiderman-Comic sehe ich mehr "düstere" Konflikte, als in allen von mir gespielten Vampire-Runden zusammen. Entweder habe ich nur und ausschließlich scheiß SpielerTM mit Shubbi-GütesiegelTM gehabt, oder (wahrscheinlicher) es existiert wirklich keine Korrelation zwischen Dysternyss und packenden Konflikten.
(Oder Stan Lee ist so ein verkappter Dark-Michel, der uns unter dem roten Spandex und den lustigen Sprüchen Darkkram unterjubelt, was ich jetzt so nicht glaube...)

Insofern reden wir hier nur über ästhetische Präferenzen, und ab da ist ein Punkt erreicht wo keine sinnvolle Diskussion möglich ist.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Callisto am 31.05.2009 | 13:51
@Skyrock: deswegen sehe ich teilweise ganz andere Filme als dark an. Venom zum Beispiel (Spiderman 3) hat den Film für mich schon dark gemacht. Equilibrium -> Kein offener Aufstand, keine wilden Punker/Rocker die jeden aufschlitzen wollen, trotzdem empfinde ich den Film als recht "dark", weils keine Actiondarkness ist, sondern sich subtiler zeigt.
Mad Max 3 wiederum hat ne abgefuckte Welt, aber ist nicht dark, es ist halt Popcornaction.
"30 Days of Night" wiederrum ist ziemlich dark und sieht auch dark aus.
Ich denke, man darf das außenrum nicht verwechseln mit dem "Grad an Dunkelheit". Nur weil die Sonne nie scheint, muss es noch lange nicht dark sein.

Ich z. B. stehe drauf wenn in  eine zuckersüße Heilewelt Dunkelheit hereinbricht, weil das gerade wegen dem Gegensatz umso schauerlicher ist - siehe Auenland.

"Jeremiah" hat ne darke Welt und (obwohl ich nicht allzuviele Folgen gesehen habe) auch teils recht düstere Konflikte. Ist das jetzt echt dark? Jedenfalls finde ichs nicht doof.

@Alleinstellungsmerkmal: Meinst du, das unterscheidet ein Dark-Setting von einem anderen, oder nur ein Dark-Setting hat die düsteren Konflikte? In Fall 1 -> Nur wenns einfach nur dunkel 'angemalt' ist. Im Fall 2 -> dem kann ich wie Skyrock nicht zustimmen
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Skyrock am 31.05.2009 | 14:15
Callisto:
Genau darauf will ich hinaus - Konflikte und Grundstimmung sind unabhängig voneinander.

Der Op aber bezieht sich auf die Grundstimmung der Welt als Gradmesser für die "Darkness", und wiederum auf diesen Gradmesser als Maßstab für die enthaltenen Konflikte:
Es gibt ja so ein paar Spezis, die immer wieder gerne über „NDE“ und „Emos“ lästern, wenn ein Rollenspiel(-setting) „düster“ daherkommt: Die Welt ist am Arsch, die Leute sind alle kaputt, Hoffnung gibt’s kaum, usw.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Callisto am 31.05.2009 | 14:28
und ich weiß immer noch nicht was NDE bedeutet  :-[
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Waldviech am 31.05.2009 | 18:12
NDE bedeutet "Neue Deutsche Endzeit" und bezieht sich vor allem auf die deutschen Endzeitsysteme Endland, Degenesis und Engel und deren charakteristischen, "depressiven" Stil. Manchmal werden auch noch andere Systeme dazugerechnet, aber das ist meistens sehr umstritten. Bei OA zum Bleistift....obwohl das System weder Endzeit noch in irgend einer Weise depressiv oder "Emo" ist, wird es gerne mal in die NDE-Ecke geschoben. (Wo es, wie ich hier nochmals ausdrücklich betonen möchte, einfach nicht hingehört ;) )
Was noch wichtig ist, ist der Punkt, daß die Bezeichnung NDE in aller Regel negativ gemeint ist.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Callisto am 31.05.2009 | 18:19
Ah, verstehe, danke für die Aufklärung!
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Darkling ["beurlaubt"] am 31.05.2009 | 19:57
[semi-ot]
Bei OA zum Bleistift....obwohl das System weder Endzeit noch in irgend einer Weise depressiv oder "Emo" ist, wird es gerne mal in die NDE-Ecke geschoben. (Wo es, wie ich hier nochmals ausdrücklich betonen möchte, einfach nicht hingehört ;) )
Da mag ich doch glatt nochmal an diesen Thread dazu (http://tanelorn.net/index.php/topic,45104.0.html) erinnern, bei dem ich ja immer gehofft hatte, das z.B. Skyrock, der OA ja anhaltenderweise in die NDE-Ecke zu stecken versucht seine Argumente mal anbringt, aber... ;)
[/semi-ot]
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: alexandro am 1.06.2009 | 07:04
Also:
Jedes Rollenspiel (eigentlich sogar jedes SPIEL) funktioniert ja so, dass sich die Spieler nach einer imaginären Moral richten, welche durch die "Spielregeln" (bzw. "System", was ja mehr als nur die Regeln sind) dargestellt wird. Dabei ist es relativ egal, ob man jetzt moralisch verworfene Piraten spielt oder ein Fantasy-S.W.A.T. auf Omelett-Tour (siehe das Faerun-Beispiel).

Die Frage ist jetzt, wie konsequent die Moral in der Welt umgesetzt wird. Ich denke das Problem an den "beschissenen Runden" von Skyrock & Co. ist es, dass da mit zweierlei Maß gemessen wird.

Nehmen wir Warhammer z.B.: da wird uns immer wieder gesagt, dass die Welt dreckig und verkommen ("düster") ist. Am Spielleiter liegt es nun, diese "Düsternis" den Spielern zu präsentieren. Daraus können sehr geile Sessions entstehen. Leider sind einige SL einfach unkreativ und verstehen unter "düster", dass die SC von allen Seiten eins auf den Deckel kriegen, von NSCs welche offensichtlich (trotz der Gefährlichkeit der Welt) nichts besseres zu tun haben, als bei jeder sich bietenden Gelegenheit einen Streit vom Zaum zu brechen.

Ab diesem Punkt hört aber die Spielwelt auf, "Moral" und "Regeln" zu folgen, sondern wird verengt auf die Charaktere - die SoD leidet.

Gehen wir aber einmal von einer konsequenten Spielwelt aus: Skyrock sagt Vampire wäre "total emo" - führen wir diesen Gedanken weiter und nehmen an, dass es für die gesamte Spielwelt gilt. Wir hätten also einen Haufen Vampire, die eigentlich totale Softies sind, stark konfliktiert und innerlich zerrissen. Sie haben starke Bindungen (Liebe, Abscheu etc.) zu Sterblichen und anderen Vampiren und versuchen irgendwie ihr konfuses Gefühlschaos auf die Reihe zu bekommen und einen irgendwie ausgeglichenen Zustand zu erreichen. Sie lieben,zweifeln an ihrem eigenen Verstand, stoßen die vor den Kopf, die es gut mit ihnen meinen...
...ich würde so etwas gerne spielen wollen.

Was ich nicht will ist das was Skyrock sicherlich meint, ein Spiel in dem die größte Spieler-Leistung von "übercoolen" Mary-Sues des SL überschattet wird. In dem der SC seinen moralischen Konflikt durchleben "darf", während Mary das Abenteuer "löst". In dem der SL zwar gesagt hat "es geht hier um moralische Grauzonen", aber dann den SC nur NSCs vorsetzt, die absolut schwarz-weiß aufgebaut sind.

Aber zum Glück ist das o.g. ein Problem des SLs (möglicherweise noch ein Problem unklarer Spielanweisungen) und nicht des Spiels selbst.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: GustavGuns am 1.06.2009 | 14:17
Hm, ist halt ne Geschmackssache. Man kann aus jedem Thema ne Menge rausholen, das gilt auch für düstere Themen. Emo finde ich das gar nicht, ich bin wohl zu alt. :P Ich würde das eher als gothisch bezeichnen. War ALIEN emo? Ist eine konsequent fiese Shadowrun Interpretation emo?

Es ist natürlich eine Gratwanderung, einerseits den Spielern die Gefährlichkeit der Welt und ihre relative Insignifikanz klarzumachen (und das hassen Spieler), und aber andererseits die Spieler nicht so sehr zu entmutigen, daß sie gar nichts mehr versuchen. Darum ist sowas auch schwerer, als das klassische Helden-Swashbuckling-Ich-Kill-5-Feinde-pro-Kampfrunde-Setting.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Skyrock am 1.06.2009 | 14:52
Gehen wir aber einmal von einer konsequenten Spielwelt aus: Skyrock sagt Vampire wäre "total emo" - führen wir diesen Gedanken weiter und nehmen an, dass es für die gesamte Spielwelt gilt. Wir hätten also einen Haufen Vampire, die eigentlich totale Softies sind, stark konfliktiert und innerlich zerrissen. Sie haben starke Bindungen (Liebe, Abscheu etc.) zu Sterblichen und anderen Vampiren und versuchen irgendwie ihr konfuses Gefühlschaos auf die Reihe zu bekommen und einen irgendwie ausgeglichenen Zustand zu erreichen. Sie lieben,zweifeln an ihrem eigenen Verstand, stoßen die vor den Kopf, die es gut mit ihnen meinen...
...ich würde so etwas gerne spielen wollen.
Ich net :P (Die Mary-Sue-Variante aber auch nicht, und die habe ich zugegebenermaßen häufiger erlebt - von der Runde mit den oberkewlen Werwölfen im neuzeitlichen Amsterdam habe ich dir ja schon mal per PM erzählt. Die war zwar ein Extrembeispiel, aber der generelle Ton stimmt mit meinen VtM-Erfahrungen überein.)

Leiden und so OK, aber es sollte als Antrieb dienen um Hintern zu treten, nicht um zu wimmern und zu jammern.
Du hast ja auch die Entstehung der H&S-Treffensrunde verfolgt (zumindest habe ich dich da laufend als Leser gesehen). Lace Lass ist da ein gutes Beispiel dafür, wie man das gut umsetzt - klar hat sie eine beschissene Vergangenheit hinter sich, und sie leidet immer noch ein gutes Stück darunter (muss sich vor den Menschen verstecken, kriegt vom General den Ruf ihrer Rasse versaut etc.)
Anstatt sich zu verkriechen und traurige Gedichte zu schreiben, packt sie das Problem aber an und arbeitet daran, als Heldin anerkannt zu werden.
Und in ihrem Fall BEDEUTET es auch etwas, da sie nicht ein dynkylgrauys "Woe is me"-Monster ist, sondern eine sympathische Figur, die unschuldig in ihre Probleme gestolpert ist.

Beides sehe ich bei typischem Vampire nicht als gegeben an. Zum einen ist die dystere Welt dazu da, um alles was man anpackt wieder zunichte zu machen (etwa, weil der SL sein "Macht korrumpiert"-theme durchdrücken will), zum anderen darf man keine sympathischen Helden spielen, sondern nur dunkelgraue Antihelden, die allenfalls versehentlich mal was positives bewegen. (Vielleicht sogar ein Beispiel für vermurkstes "dark", wenn man sich z.B. mal Walter Jon Williams Hardwired-Roman ansieht, wo die Welt verdammt depressiv sind, die beiden Protagonisten Cowboy und Sarah aber dennoch klar erkennbar sympathisch sind und sich für eine gute Sache einsetzen - der eine will die uramerikanische Freiheit für sich und seine Deltajockkumpels gegen die Manipulationen der orbitalen Konzerne erhalten, die andere will ihren kleinen Bruder vom Strich holen und ihm ein besseres Leben ermöglichen.)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Lord Verminaard am 1.06.2009 | 15:15
Nun ja, Protagonisten, die wie das Kaninchen vor der Schlange verharren (und dabei ggf. auch noch einnässen), das ist auch nicht gerade mein Geschmack. Das ist ja aber nicht die einzige Alternative zu "die Bösen Jungs ununterbrochen in den Arsch treten".
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: alexandro am 1.06.2009 | 20:08
Zitat
Leiden und so OK, aber es sollte als Antrieb dienen um Hintern zu treten, nicht um zu wimmern und zu jammern.
Und du wirfst allen Ernstes Vampire und Co. vor, nur die US-(Mainstream)-Comic-Moral zu bedienen.
q.e.d.

Die SC im o.g. Beispiel packen ja auch konkrete Probleme an, versuchen Dinge auf die Reihe zu bekommen und die Spieler wollen dabei genausowenig, dass der SL das alles entwertet. Es ist halt etwas mehr wie "Ghost World" oder "Why I hate Saturn", statt wie "Spider-Man" oder den "X-Men", aber deswegen nicht weniger interessant.

Meine ersten "Gehversuche" in Vampire sahen dagegen ganz anders aus: ich hatte vorher an einer Promorunde von F&S teilgenommen und der SL hatte ein erstklassiges Detektivabenteuer (lose inspiriert durch den Film "Sieben") geleitet. Entsprechend waren meine frühen Vampire-Abenteuer auch Detektivgeschichten im weitesten Sinne des Wortes (die Plots zog ich hauptsächlich aus der Fernsehserie "Die Straßen von Berlin" ;D )

Zitat
Beides sehe ich bei typischem Vampire nicht als gegeben an. Zum einen ist die dystere Welt dazu da, um alles was man anpackt wieder zunichte zu machen (etwa, weil der SL sein "Macht korrumpiert"-theme durchdrücken will)
Wie gesagt: das ist ein Problem des SLs, nicht des Spiels (wie oben beschrieben). Meine SC konnten immer noch etwas anpacken (die Skala ist immer so eine Sache, da die Möglichkeiten der SC anfangs begrenzt sind, aber auch bei Traveller verplempert man ja viel Zeit mit sinnlosen Botengängen, bevor man die Mittel hat um in die interstellare Machtpolitik einzusteigen) und auch im o.g. Beispiel haben die SC die Möglichkeit (innerhalb der Core-Story des Spiels) eine ganze Menge zu erreichen.

Zitat
zum anderen darf man keine sympathischen Helden spielen, sondern nur dunkelgraue Antihelden, die allenfalls versehentlich mal was positives bewegen.
Sympathie ist subjektiv.
Ist Brad Pitts Charakter aus "Sieben" sympathisch? Nein, er ist ein kaputter Drecksack ohne Moral und Rückrad! Bewegt er etwas positives? Definitiv nicht! Macht es deshalb weniger Spaß ihm bei seiner (zugegebenermaßen recht "eigenen") Art des Fall-lösens zuzusehen? Würde man sich nicht trotzdem gerne in so eine Rolle hineinversetzen?

Was ist mit "The Machinist", "American Psycho" oder "Chinatown". Siehst du in deren Hauptfiguren kein gutes Potential für einen Rollenspielcharakter?

@Sashael:
Zitat
Neulich in Faerun: Schiffsreise, Schiff sinkt, Charaktere retten sich auf Teile der Schiffswand als provisorisches Floss, NSC-Matrosen wollen mit auf das Floss welches dadurch aber 100%ig sinken wird, SCs stoßen NSCs mit Stangen und Rudern vom Floss um nicht selber unterzugehen, NSCs ertrinken und SCs überleben mit schweren Gewissensbissen (aber der Erfolg der Mission wiegt schwerer als die Leben der NSC)

So etwas hatte ich bei Vampire auch mal - in meiner Anfangszeit.

Dieses konfliktscheue "Ich-weiß-dass-es-moralisch-falsch-ist-mache-es-aber-trotzdem-und-und-habe-dann-Gewissensbisse" ging mir relativ schnell auf den Senkel. Ich habe dann gesagt "Überzeugt mich von der Moral eurer Charaktere durch eure TATEN, nicht durch eure Inneren Monologe". Will heißen: wenn ihr Charakter das was sie zu tun gedenken tatsächlich als moralisch bedenklich einstuft, dann soll er gefälligst alles daran setzen, es zu VERHINDERN und Wege aus dem Dilemma zu suchen. Wenn er knallhart alle Möglichkeiten ausschöpft (selbst auf Kosten eines hohen Risikos) um nicht unmenschlich zu handeln, dann hat das eine STÄRKERE Aussage, als wenn er sagt "Ich mache es zwar, vergieße aber ein paar kleine, blutige Tränen dabei.". Oder er macht es halt ohne zu Zögern und nach Alternativen zu suchen. Auch das gibt eine starke Aussage über den Charakter ab.

z.B. hätten die Charaktere versuchen können wenigstens einige NSCs zu retten (auch auf das Risiko hin dabei zu kentern), oder schnell wegrudern, um wenigstens nicht auch noch auf die armen, verzweifelten Seeleute einprügeln zu müssen; oder, wenn sie schon sterben müssen, dies wenigstens (dank eines "Schlaf"-Zaubers (oder eines vergleichbaren Effektes)) des Gruppenmagiers friedlich und ohne Todesangst tun; oder zumindest ihre Familien unterstützen (D&D ist mit der Fixierung auf monetäre Geldwerte da natürlich problematisch, die meißten Spieler fühlen sich, als hätten sie "verloren", wenn sie Geld auf diese Weise ausgeben) oder gar ihre Möglichkeiten nutzen (Kontakt zu oder (im Falle des Magiers) Kontrolle über aquatische Kreaturen, Zauber "Wasser atmen"...), um die Leichen später zu bergen und irgendwann für ihre Wiederbelebung aufkommen...
...all das wäre WESENTLICH interessanter, als einfach zu sagen "OK, sie sind tot. Weiter im Plot."
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Sashael am 1.06.2009 | 22:35
@Alexandro

Dazu muss man auch ein paar Sachen über die Runde an sich wissen.  ;)
Das waren Lvl 3-5 Chars, der Magier war der einzige, den das alles ziemlich kalt gelassen hat (Necromancer mit gelegentlichen Visionen von Vecna inklusive tödlichem Fluch mit Countdown, dem waren die Matrosen ziemlich scheissegal). Das wenige Equip, dass überhaupt vorhanden war, sank größtenteils gerade dem Meeresgrund entgegen. Die Optionen waren SEHR beschränkt. Und die Matrosen konnten um einiges besser schwimmen, als die Landratten ein improvisiertes Floss rudern.
Man muss dem SL an dieser Stelle auch definitiv einen Hang zum Railroading vorwerfen. Mit einer sadistischen Note noch dazu. Gerailroaded wird bis zu einer echt beschissenen Stelle an der man nur unter größten Widrigkeiten überhaupt überlebt und ab dann dürfen die SCs mit so wenig Items/Gold/Magie/etc wie möglich alles tun was sie wollen. Sobald man also so richtig in der Scheisse sitzt, darf man sich völlig frei entscheiden und lebt dann mit den Konsequenzen. Der einzige Char, der überhaupt sowas ähnliches wie Besitz hatte, hat auch fleißig im Tempel für die Seelen der Ertrunkenen gespendet. Der Rest stand vor der Frage: Spenden oder eine warme Mahlzeit.  ::)

Das ist ja eben der Punkt: Der SL hat diese Runde zu einer echt düsteren Story mit viel Gib-den-SCs-auf-die-Fresse und mit wenig bis gar keinen Belohnungen gemacht. Düster, gemein, dreckig ... und in Faerun. Und keiner hatte von der reinen Story her das Gefühl, da würde irgendwas falsch laufen. Vom System der Challengeratings und Lootvergabe her lag da allerdings soviel im Argen, dass die Runde irgendwann daran verreckt ist. Unsere Chars stehen immer noch irgendwo in irgendeinem Gebirge auf ner Lichtung.  :-\
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Heretic am 2.06.2009 | 02:53
@Alexandro

Dazu muss man auch ein paar Sachen über die Runde an sich wissen.  ;)
Das waren Lvl 3-5 Chars, der Magier war der einzige, den das alles ziemlich kalt gelassen hat (Necromancer mit gelegentlichen Visionen von Vecna inklusive tödlichem Fluch mit Countdown, dem waren die Matrosen ziemlich scheissegal). Das wenige Equip, dass überhaupt vorhanden war, sank größtenteils gerade dem Meeresgrund entgegen. Die Optionen waren SEHR beschränkt. Und die Matrosen konnten um einiges besser schwimmen, als die Landratten ein improvisiertes Floss rudern.
Man muss dem SL an dieser Stelle auch definitiv einen Hang zum Railroading vorwerfen. Mit einer sadistischen Note noch dazu. Gerailroaded wird bis zu einer echt beschissenen Stelle an der man nur unter größten Widrigkeiten überhaupt überlebt und ab dann dürfen die SCs mit so wenig Items/Gold/Magie/etc wie möglich alles tun was sie wollen. Sobald man also so richtig in der Scheisse sitzt, darf man sich völlig frei entscheiden und lebt dann mit den Konsequenzen. Der einzige Char, der überhaupt sowas ähnliches wie Besitz hatte, hat auch fleißig im Tempel für die Seelen der Ertrunkenen gespendet. Der Rest stand vor der Frage: Spenden oder eine warme Mahlzeit.  ::)

Das ist ja eben der Punkt: Der SL hat diese Runde zu einer echt düsteren Story mit viel Gib-den-SCs-auf-die-Fresse und mit wenig bis gar keinen Belohnungen gemacht. Düster, gemein, dreckig ... und in Faerun. Und keiner hatte von der reinen Story her das Gefühl, da würde irgendwas falsch laufen. Vom System der Challengeratings und Lootvergabe her lag da allerdings soviel im Argen, dass die Runde irgendwann daran verreckt ist. Unsere Chars stehen immer noch irgendwo in irgendeinem Gebirge auf ner Lichtung.  :-\
Ok, und was hat dann das Overlorden deines SL in deiner D&D-Runde mit dem Thema zu tun? *rethorische Frage, du kennst die Antwort*
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Sashael am 2.06.2009 | 14:39
Ziemlich viel Pariah.  ;)

Es ist nämlich ein sehr schönes Beispiel, das Dark nicht auf Dark Settings beschränkt ist. Das Dark Spielen nur oberflächlich mit einem Dark Background zu tun hat. Aber das wurde weiter oben schon lang und breit auseinanderklamüsert.
Meine ausführliche Beschreibung der Aussensituation sollte Alexandro nur zeigen, dass die typischen D&D Optionen eben nicht vorhanden waren. Schlau daherreden, wie man irgendeine böse Situation ja viel besser und heldenmäßiger und moralischer und bliblablub hätte lösen können ist eben einfach. Vor allem, wenn man die genauen Umstände nicht kennt. Das hatte nichts mit
Zitat
...all das wäre WESENTLICH interessanter, als einfach zu sagen "OK, sie sind tot. Weiter im Plot."
zu tun. Weil eben alles immer viel mehr vom SL abhängt als vom Setting.

Und von der reinen Story her war die Kampagne einfach genial. Stimmungsvoll, hintergrundorientiert, Probleme en masse, charakterbezogen, schlüssig. Nur halt kein LiLaLauneland, wo sich die Helden darum streiten, wer den neuen Streitkolben der Zerschlagung +3 mitschleppen muss.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Heretic am 2.06.2009 | 20:00
Ziemlich viel Pariah.  ;)

Es ist nämlich ein sehr schönes Beispiel, das Dark nicht auf Dark Settings beschränkt ist. Das Dark Spielen nur oberflächlich mit einem Dark Background zu tun hat. Aber das wurde weiter oben schon lang und breit auseinanderklamüsert.
Meine ausführliche Beschreibung der Aussensituation sollte Alexandro nur zeigen, dass die typischen D&D Optionen eben nicht vorhanden waren. Schlau daherreden, wie man irgendeine böse Situation ja viel besser und heldenmäßiger und moralischer und bliblablub hätte lösen können ist eben einfach. Vor allem, wenn man die genauen Umstände nicht kennt. Das hatte nichts mit  zu tun. Weil eben alles immer viel mehr vom SL abhängt als vom Setting.

Und von der reinen Story her war die Kampagne einfach genial. Stimmungsvoll, hintergrundorientiert, Probleme en masse, charakterbezogen, schlüssig. Nur halt kein LiLaLauneland, wo sich die Helden darum streiten, wer den neuen Streitkolben der Zerschlagung +3 mitschleppen muss.
SL-Willkür ungleich Dark, du hast das Thema verfehlt, sorry.
Deine Geschichte hat mit "Dark" nichts zu tun, sondern mit SL-Railroading übelster Sorte.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Sashael am 2.06.2009 | 22:31
Egal, du willst es nicht verstehen. Du liest nichtmal, was jemand schreibt. Du verstehst ja nicht einmal, warum ich dieses Beispiel gebracht habe. Du kennst auch den SL nicht, du kennst die Story der Kampagne nicht, du hast keinen Plan, was da gelaufen ist. Aber in deiner kleinen Ego-Welt ist in Faerun eben kein Platz für Geschichten abseits vom 08/15-Heldentum.  Also seis drum. Du hast recht und ich hab meine Ruhe.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: ChristophDolge am 2.06.2009 | 22:42
In diesem Fall kann ich Pariah eigentlich nur zustimmen - das deckt auch das Problem auf, dass implizit Dark immer mit Railroading gleichgesetzt wird. Die Initiative zu so einem emotional betonten Spielstil mit Charakterfokus muss natürlich von Spielern und Spielleiter ausgehen, zu soetwas zwingen kann man niemanden. Wenn ich mich als Spieler für Fearun entscheide, dann will ich tatsächlich Faerun-typische Abenteuer spielen, genauso wie ich mit Vampire Vampire-typische Abenteuer haben will.

Warum sollte ich mich aufregen, dass eine Gurke (Faerun) nicht nach Banane (Vampire) schmeckt und dass Gurkenpudding mit Walnusssoße (Storygaming auf Faerun mit D&D als System...) einfach scheiße ist, während ein Tomaten-Bananen-Salat mit Salz, Pfeffer und Schafskäse (Hack and Slay bei Vampire) auch nur einfach widerlich schmeckt.

Die Diskussion um Spielstile behinhaltet immer wieder Vorwürfe, die besagen, dass bestimmte Settings und Stile nichts taugen - und dann werden als "Beweise" Beispiele angeführt, wo diese Settings und Stile versagt haben, die Bedürfnisse zu stillen, für die es ganz andere Settings und Stile gibt. Eigentlich muss man die ARS-Fraktion, die immer auf die Storyspieler draufhaut für ihren Gurkenpudding wirklich bemitleiden, offenbar haben sie nicht verstanden, dass sie niemand zum Vampire spielen zwingen will.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Ludovico am 2.06.2009 | 22:44
Tomaten-Banane-Salat kann ich mir vorstellen. Immerhin ist man in Asien auch gezuckerte Tomaten. Da kann man noch ein paar Bananen zufügen. Geil! Will ich mal ausprobieren.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: ChristophDolge am 2.06.2009 | 22:47
Ich hoffe, du weißt trotzdem, was ich meine.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Ludovico am 2.06.2009 | 22:50
Hast Du Salz, Pfeffer und Schafskäse nachgefügt, oder hab ich das überlesen?  ;D
Aber damit läßt sich auch was machen, wobei ich den Absatz zugegebenermaßen zur Verdeutlichung Deiner Argumente unglücklich finde.

Ich denke aber, dass ich weiß, was Du meinst, stimme aber nicht unbedingt überein damit.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: ChristophDolge am 2.06.2009 | 22:53
Zitat
Hast Du Salz, Pfeffer und Schafskäse nachgefügt, oder hab ich das überlesen?

Das war ein Nachtrag, genauso wie eine lesefreundlichere Textaufteilung...

Zitat
Ich denke aber, dass ich weiß, was Du meinst, stimme aber nicht unbedingt überein damit.

Schön, auch wenn ich den Absolutheitsanspruch, mit dem ich formuliert habe, im Herzen auch nicht unbedingt teile - zu praktisch allem gibt es Ausnahmen, so auch die Leute, die sich bei der o.g. Kombination nicht gleich vor Ekel schütteln. Allerdings ist die Formulierung mit Absicht so gewählt, um ganz gezielt den ARS-Heinis vor die Füße zu spucken ;)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Skele-Surtur am 2.06.2009 | 23:36
Och. Hört sich alles so an, als müsste man es erst probieren um zu beurteilen wie es schmeckt. Vielen Dank für die kulinarischen Tipps!

Ich weiß immer noch nicht, was Emo eigentlich bedeuten soll - abgesehen davon, dass es sich von Emotion ableitet. Ist wohl so ein Allzweckwerkzeug, mit dem man irgendwas diffus-negatives beschreiben kann, am besten wenn man nicht wirklich weiß, warum man es doof findet.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: alexandro am 3.06.2009 | 16:02
Emo =
Egal, du willst es nicht verstehen. Du liest nichtmal, was jemand schreibt. Du verstehst ja nicht einmal, warum ich dieses Beispiel gebracht habe. Du kennst auch den SL nicht, du kennst die Story der Kampagne nicht, du hast keinen Plan, was da gelaufen ist. Aber in deiner kleinen Ego-Welt ist in Faerun eben kein Platz für Geschichten abseits vom 08/15-Heldentum.  Also seis drum. Du hast recht und ich hab meine Ruhe.

 ~;D
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Der Oger (Im Exil) am 3.06.2009 | 17:12
Emo =
 ~;D
Du schafffst es doch immer wieder, Leute zu vergraulen, die mit Dir reden wollen. Naja, egal, im ORK ist noch genug Platz.

Emo: Emotional instabile Persönlichkeit, auch Kosmetik - , Mode- und Musikstil, der dieses visualisieren soll.

"Dark" ist klasse als Kampagnenvorraussetzung. Wirklich. Nur das "Emos" nicht die geringste Chance darin haben, zu überleben.

Ein Beispiel: Vampire.
Ich bin also ein Vampir, der von der Hälfte der eigenen Art am liebsten verbrannt, ausgesaugt, geköpft und gepfählt werden würde, wenn man ungestraft könnte. Die gleiche freundliche Einstellung noch für Werwölfe und Hexenjäger. Ich benötige jede Nacht Blut, je mächtiger, je besser. (Klar könnt ich mich von Kühen ernähren, aber das schmeckt einfach scheiße und ist nicht so wirksam. Und außerdem müsste ich dann ja noch aufpassen, das meine Mitvampire falsche Schlüsse ziehen).
Wenn man das einige Jahre durchziehen will, geschweige denn Jahrzehnte und Jahrhunderte, muss man schon ein verdammt kalter Hund sein. Jede Spur der Unsicherheit würde von meinen Mitsaugern sofort als Schwäche interpretiert werden, die es auszunutzen gilt, und gegebenenfalls Spuren legen, die noch ganz andere Wesen, Leute und Dinge auf meine Fährte setzt. Das ganze wird ein einziges "Wenn ich denke, das er denkt...". Emos sind da wohl eher Unfälle, nicht die Regel, sondern der brutale Pragmatismus.

Beispiel Zwei: Endzeit.
Ich krabbel also aus meinem Bunker, entlaufe meiner Sippe, ziehe von meinem Bauerndorf hinter einer Schrottautomauer in die schöne weite Welt hinaus. Habe ich Zeit, meine Gefühle zu explorieren? Nein, denn ich muss mich um Essen, sauberes Wasser, eine sichere Unterkunft und dergleichen kümmern. Und darum, das mich das Ding mit den vielen Augen und den Tentakeln nicht frisst und der Soldat mit dem Flammenwerfer mich nicht "desinfiziert", weil ich zu lange im Ödland war und irgendwelche Sporen eingatmet habe. Irgendwann brauche ich irgendwas zur Entstrahlung oder zumindest etwas, das die Schmerzen des Krebses ein wenig lindert. Auch da gilt: Pragmatismus vielleicht gepaart mit Draufgängertum, ist eher der Schlüssel zum Erfolg.

Nein, dark ist wirklich Klasse als Kampagnenvorraussetzung. Nur nicht für Emos.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: ChristophDolge am 3.06.2009 | 17:19
Zitat
Emo: Emotional instabile Persönlichkeit, auch Kosmetik - , Mode- und Musikstil, der dieses visualisieren soll.

Um es mit Hagen Rether zu sagen: Das ist in etwa so, als würde ich behaupten, alle Katholiken wären pädophile Holocaustleugner. (Oder alle Arsianer intellektuell simpel strukturierte Würfelfetischisten ohne Sinn für Dramatik und Charakterspiel). Diejenigen, die unreflektiert über Emocore oder die Emo-Jugendszene herziehen sind in etwa so gut informiert wie kirchliche Rollenspielkritiker in den USA...

Zitat
Pragmatismus vielleicht gepaart mit Draufgängertum, ist eher der Schlüssel zum Erfolg.

Wenn man herausforderungsorientiert spielt, mit Sicherheit. Sonst tritt das mit der Zeit eher in den Hintergrund. Wie gesagt, wenn man Dramatik und Emotionalität nicht sucht und als Spieler möchte, kann das Setting gar keinen Sinn ergeben, man muss sich schon auf die Prämissen des Rollenspiels einlassen, die unter anderem ja auch bei Vampire, wie schon dargelegt, eine bestimmte Einstellung zum Spiel fordern. Dann ist man wieder bei meinem Gurkenpudding.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Imago am 3.06.2009 | 17:37
[OT]

Ich dachte jetzt:

Emo = Emocore/Screamo, nette Abart von Hardcore von der man sich durchaus viele Sachen anhören kann.
+ modische Subkultur die sich in den letzten Jahren irgendwie daraus entwickelt und nen Hang zu schwarzem Kram und Androgynität hat.

Die daher von allen möglichen "Harder than though" - Machos und Mackern, die unter Druck stehen zu beweisen das sie den Längsten haben, verbal oder tätlich fertig gemacht werden. Alernativ daher Chiffre für: ängstlich, weinerlich, suizidal wie das "Grufti" auch mal war.
Gab ja auch schon regelrechte Emohetzjagden durch irgendwelche Fascho-Spinner. http://www.nme.com/news/variousartists/35463

Ich glaub die aktuellere "Emo-Mucke" ist ein bisschen softer geworden als früher aber kA, bin in letzter Zeit selten auf HC-Konzis und kein Plan ob das überhaupt noch mit unter HC firmiert.
[/OT]

Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Der Oger (Im Exil) am 3.06.2009 | 17:43
Um es mit Hagen Rether zu sagen: Das ist in etwa so, als würde ich behaupten, alle Katholiken wären pädophile Holocaustleugner.

Trenne den ersten Teil des Satzes vom zweiten. Wenn sich jemand wie ein Emo kleidet, schminkt, diese Musik mag, dann muss er nicht emotional instabil sein, sondern er macht sich zum Teil einer Jugendsubkultur. Diese Art von Emo war jedoch nicht gemeint. Wenns Dir hilft, The Cure hört der Oger dann und wann immer noch. Das mit der Androgynität hatte ich vergessen

Was deinen Gurkenpudding angeht: Du legst fest, das manche Dinge nicht zueinander passen. Das kannst Du aber nicht, weil keiner von uns beiden die Autorität hat, festzulegen, auf welche Weise ein Spiel gespielt werden darf. (Ich meine, du kannst das natürlich doch, für dich, aber das ist dann dein Problem, wenn Du Dich derart eingrenzt. Mache ich ja schließlich auch für mich).
Und auch kein anderer der klugen Gelehrten hier, ganz gleich, wie kunstvoll verschachtelt die eigene Überlegenheit aufgezeigt werden soll. Und wenn ich Vampire ergebnisoffen und herausforderungsbasiert leiten möchte, hast Du weder das Recht noch die Möglichkeit, mich daran zu hindern.

Diese Emojagden finde ich verabscheuungswürdig.

Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: ChristophDolge am 3.06.2009 | 17:47
Zitat
Und wenn ich Vampire ergebnisoffen und herausforderungsbasiert leiten möchte, hast Du weder das Recht noch die Möglichkeit, mich daran zu hindern.

Möchte ich auch nicht. Aber ich finde es unfreundlich, wenn du von Gurkenpudding darauf schließt, dass Pudding generell nicht schmecken kann - Bananenpudding ist eine ganz tolle Idee und nur weil du Bananen nicht magst oder verträgst, solltest du nicht von anderen Puddingarten darauf schließen.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Sashael am 3.06.2009 | 17:48
Oh Mann. *Kopf -> Tisch*

Das der SL in punkto Railroading leider versagt hat, tut der Story doch keinen Abbruch. Ebensowenig dem Spiel der SCs. Wenn die Dein-SL-war-Scheisse-und-deshalb-hattet-ihr-gar-kein-Dark-in-Faerun-Fraktion mal die gesamte Diskussion lesen würde und begreifen könnte, wie bestimmte Postings zustande kamen, anstatt sich einzelne Sätze rauszuklauben und aufgrund dieser dann eine "Diskussion" zu führen, dann könnte man eventuell auch auf ihre "Argumente" eingehen.

@Alexandro
Nimms nicht persönlich, aber du bist ein Idiot.

@Dolge
Lies doch bitte nochmal die restlichen Seiten des Threads, bevor du mit deinem Bananen-Tomaten-Salat kommst. Der übrigens ne ziemlich geile Idee ist. Den Gurkenpudding könnte ich mir leicht abgewandelt übrigens auch als Vorspeise in nem guten 5-Gänge-Menü vorstellen. Vielleicht solltest du in der Sterne-Gastronomie einsteigen, anstatt deine Zeit hier zu verschwenden.  ~;D
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: grasi am 3.06.2009 | 17:50
OT Anfang

Es gibt übrigens schlimmeres als Emos: POKEMONES
http://www.newsweek.com/id/124098
http://www.nytimes.com/2008/09/13/world/americas/13chile.html?_r=3&scp=1&sq=chile%20sex&st=cse&oref=slogin

Die armen Würstchen werden in Chile von Nazis gejagt und vermöbelt. Wobei chilenische Nazis auch irgendwie schräg sind ...

OT Ende
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Imago am 3.06.2009 | 17:54
Zitat
Diese Emojagden finde ich verabscheuungswürdig.

Ich hätte dir das anders jetzt auch nicht unterstellen wollen. Sry wenns evtl so rüberkam.
Wollte nur nochmal darauf hinweisen, weil mich das ständige Emo-Gebashe halt ankotzt, dass es durchaus nicht beim verbalen Bashen bleibt in manchen Fällen.
Glaub aber das ist leider schon zu sehr im Sprachgebrauch verankert um sich da zu sehr drüber aufzuregen, genauso wie halt auch "schwul" oder "Spasti". Aber das ist ein anderes Thema.

Ontopic:
Ich finde ja Dark-Settings auch deswegen toll weil sie oft Grau-in-Grau Entscheidungen forcieren. Es gibt halt keinen absoluten Königsweg und die Charaktere können sich entweder für ihr eigenes Wohl(einfacher Weg) oder für einen nicht perfekten, aber vielleicht aus ihrer Sicht gerechteren, steinigeren Weg entscheiden. Da werden halt Grenzen wie sie zB in AD&D mit den Gesinnungen drin sind (gut vs böse) aufgebrochen und man muss das kleinere Übel suchen.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: SeelenJägerTee am 3.06.2009 | 18:04
@Ontopic: Sehe ich zwar auch so, aber ich denke gleich kommt das: "Stimmt doch gar nicht."
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Der Oger (Im Exil) am 3.06.2009 | 18:09
Möchte ich auch nicht. Aber ich finde es unfreundlich, wenn du von Gurkenpudding darauf schließt, dass Pudding generell nicht schmecken kann - Bananenpudding ist eine ganz tolle Idee und nur weil du Bananen nicht magst oder verträgst, solltest du nicht von anderen Puddingarten darauf schließen.

Du glaubst garnicht, wer oder was dem Oger alles schmeckt.

Ich hätte dir das anders jetzt auch nicht unterstellen wollen. Sry wenns evtl so rüberkam.
Hat der Oger auch so nicht verstanden. Ich habe lediglich meine Verabscheuung gegen diese Vorgänge  zum Ausdruck gebracht.

Ontopic: Ich finde ja Dark-Settings auch deswegen toll weil sie oft Grau-in-Grau Entscheidungen forcieren. Es gibt halt keinen absoluten Königsweg und die Charaktere können sich entweder für ihr eigenes Wohl(einfacher Weg) oder für einen nicht perfekten, aber vielleicht aus ihrer Sicht gerechteren, steinigeren Weg entscheiden. Da werden halt Grenzen wie sie zB in AD&D mit den Gesinnungen drin sind (gut vs böse) aufgebrochen und man muss das kleinere Übel suchen.

Das Entscheidende ist, das sie wirklich die Wahl haben, welchen Weg sie gehen wollen, mit allen Konsequenzen. Und moralische Dilemmata habe ich auch bei D&D in allen Schattierungen schon eingebaut. (By the way, wenn du eine entsprechende Fantasy - Kampagne suchst, dann schaue dir Midnight von Fantasy Flight Games an. "Was wäre, wenn Sauron gewonnen hätte?" ist die alles entsprechende Frage).
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Imago am 3.06.2009 | 18:12
Zitat
Midnight
The Shadoow...
Konnte nicht widerstehen. ^^

Nee, sieht vom Klappentext her gut aus.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: ChristophDolge am 3.06.2009 | 18:22
Vermutlich werde ich die Tage mal einen längeren Beitrag zum Thema Rollenspielschisma, Gurkenpudding und Bananen im herzhaften Salat schreiben.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Der Oger (Im Exil) am 3.06.2009 | 18:27
Vermutlich werde ich die Tage mal einen längeren Beitrag zum Thema Rollenspielschisma, Gurkenpudding und Bananen im herzhaften Salat schreiben.

Mach das. Oger freut sich.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Skyrock am 3.06.2009 | 21:12
Was das alte Inkohärenzargument angeht, halte ich es mit dem Pundit:
Zitat
5. Conflicts do arise in gaming groups; [...]. The solution to these problems is not to "Narrow the rules", but to broaden the playstyle of a group to accomodate what the complaining players are missing. Thus, it is a Landmark that all correct gaming theories, if they deal with "player dis-satisfaction" at all, must focus the nature of that dissatisfaction on the rules ONLY to suggest that a given rules-set is too narrow

[...]

7. Any gaming theory that tries to divide gamers into specific criteria of "types" must make it clear that this is only one kind of categorization, and not an absolutist and literal interpretation that is a universal truth; it is only one form of categorizing gamers.

The Shadoow...
"Who knows what evil lurks in the hearts of men? The weed of crime bears bitter fruit. Heh-heh-heh-heh-heh-heh-heh! The Shadow knows ... "
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Bad Horse am 3.06.2009 | 21:19
The Shadoow...

The Shadow?


konnte auch nicht widerstehen.  ::)
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: ChristophDolge am 3.06.2009 | 21:35
@Skyrock: Jetzt erklär doch bitte mal, was das zum Thema beitragen soll. Um den Oger zu zitieren:

Zitat
Menschen ( und Oger), die dieses Hobby spielen, tun dies aus völlig unterschiedlichen Gründen und mit verschiedenen Fähigkeiten. Manche sind eher die Planer und Denker, andere die Redner und Darsteller. Manche wollen nur mal eben ein paar Würfel werfen und sich berieseln lassen, andere bestehen auf tiefer Charakterimmersion. Manche spielen lieber Fantasy, andere Science Fiction oder Horror. Da eine Wertung hineinbringen zu wollen, halte ich für irrwitzig, prätentiös und elitär. Mit einem Satz: Nichts was das Hobby braucht.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Der Oger (Im Exil) am 3.06.2009 | 21:41
Was das alte Inkohärenzargument angeht, halte ich es mit dem Pundit:

Kannst Du mir den Link mal geben? Ich will mir das mal in der vollen Pracht durchlesen.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Skyrock am 3.06.2009 | 21:43
Dolge:
Der Bezug ist dein Gurkenpuddinggleichnis, das ich für an den Realitäten des Hobbies vorbeigehend halte.
Das Hobby lebt gerade von seiner Diversität und wie diese diversen Bestandteile sich gegenseitig beflügeln - gerade ARS ist ein Paradebeispiel, da es von Stunde 0 an in der den Ursprung darstellenden Debatte mit Fredi dem Elch ein Plädoyer für spannende Herausforderungen _und_ emotionale Investition war (statt für kohärente Reagenzglastotgeburten nach Forgelehre, wo man entweder brettspielig Gnolle schnetzeln und deren Taschen ausrauben _oder_ thematisch ansprechende Story haben kann).

Oger:
- Pundits Landmarks of Gaming Theory (Originaldiskussion mit Ryan Dancey, Levi Kornelsen, Elliot Wilen u.a.) (http://www.darkshire.net/jhkim/rpg/theory/therpgsite/landmarks.html)
- Landmarken-Diskussion bei den Blutschwertern (http://www.blutschwerter.de/f91-rund-um-rollenspiele/t28811-pundits-landmarks-gaming-theory.html)

EDIT: Der Link zu den Originallandmarken war falsch, da der Thread durch einen Adminfehler verschütt gegangen ist. Die Debatte wurde aber von John H. Kim gespeichert und gehostet.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Der Oger (Im Exil) am 3.06.2009 | 21:56
Danke!
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: ChristophDolge am 3.06.2009 | 22:00
Dann siehst du meinen Beitrag zu eng bzw. verstehst (noch) nicht worauf ich das Gleichnis aufgebaut habe. Inkohärenz war nicht der Punkt, den ich angesprochen habe - es gibt durchaus Spiele, die jeden Spielstil ermöglichen und alle Gruppen einigermaßen befriedigen können. Wie der Pundit selber zugibt, sind fokussierte Spiele nicht zwangsweise schlecht - die meisten DarkSettings sind nunmal recht fokussiert, daneben sehe ich auch D&D als recht fokussiertes System an, das einen recht definierten Spielstil propagiert, obwohl es mit Sicherheit auch vereinzelt Gruppen gibt, die mit D&D anders umgehen und trotzdem Spaß haben. Wenn also fokussiertes Spiel von der Rollenspielpolizei erlaubt ist, aber niemand dazu gezwungen wird - warum sollte man ein fokussiertes Spiel spielen, wenn es einem keinen Spaß macht, weil der Fokus abseits der eigenen Bedürfnisse liegt?

Die Kohärenz beim Design - da gehe ich wiederum mit dir mit - ist aber nicht die Mutter aller Lösungen, da Rollenspiel eine Synthese aus vielen "reinen" Stilen ist und erst als solche wirklich Spaß macht.

(Allerdings denke ich, hat die Forgelehre durchaus wertvolle Erkenntnisse für das Design von Rollenspielen geliefert und auch einige durchaus spaßige Spiele produziert - wenn auch nur für einen recht begrenzten Fankreis, dessen Vorstellungen vom Rollenspiel interessanterweise sehr flexible sein muss, um etwas mit Forge-Spielen anfangen zu können).

Dennoch glaube ich, dass sich auch nichtforgige Rollenspiele bestimmten "reinen" Spielstilen mehr oder weniger annähern und dass daher bestimmte Spiele auch zu bestimmten Spielern und ihren bevorzugten Spielstilen passen und umgekehrt. Dass isolierte Reinformen der Stile nicht lange existenzfähig sind, bedeutet ja nicht gleich, dass es gar keine Unterschiede in den Bedürfnissen der Spieler gibt.

Gurke und Banane ist ja im Grunde nicht so weit weg voneinander, beide haben einige grundlegende Eigenschaften, die für beide Deckungsgleich sind - beide stammen von Blütenpflanzen, haben eine längliche Form mit mehr oder weniger rundem Querschnitt, sind mit einer schützenden Schale ausgestattet und dienen der Fortpflanzung, nur der Geschmack ist halt deutlich unterschiedlich - genauso sind Polaris und D&D beides Rollenspiele, nur bieten sie ein grundlegend unterschiedliches Spielerlebnis.

Emotionale Investitionen abseits des drohenden Charaktertodes haben sich bei meinen (zugegebenermaßen wenigen) ARS-Versuchen aber im Übrigen nicht eingestellt.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Der Oger (Im Exil) am 3.06.2009 | 22:16
@Skyrock: Jetzt erklär doch bitte mal, was das zum Thema beitragen soll. Um den Oger zu zitieren:


Oger kommt sich irgendwie benutzt vor.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: alexandro am 4.06.2009 | 00:12
Den Smiley habt ihr aber schon gesehen, ja?

Eine Satire der Emo-Hetze und die darauf folgenden (der Szene noch mehr schadenden) "Verteidigungen" ("Lasst doch die Emos in Ruhe, ihr versteht sie doch gar nicht. Lasst sie in RUHE!") als persönlichen Angriff werten ... du darfst dir 5 Punkte Hofrat-Paranoia gutschreiben, Sashael.

On Topic:
Wenn sie nichts machen konnten um es zu verhindern, warum regst du dich dann so auf. Dann ist das Thema relativ schnell vom Tisch, das "darke" in der Faerun-Runde war sowieso eine Totgeburt und man kann weitermachen.
Wenn man nicht versucht so etwas "darkes" zu forcieren und es sich organisch entwickeln lässt, so kommt (wenn die Spielwelt entsprechend aufgebaut ist) man früher oder später zu einem Punkt, an dem solche Situationen von allein zustande kommen.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Der Oger (Im Exil) am 4.06.2009 | 00:57
Den Smiley habt ihr aber schon gesehen, ja?

Eine Satire der Emo-Hetze und die darauf folgenden (der Szene noch mehr schadenden) "Verteidigungen" ("Lasst doch die Emos in Ruhe, ihr versteht sie doch gar nicht. Lasst sie in RUHE!") als persönlichen Angriff werten ... du darfst dir 5 Punkte Hofrat-Paranoia gutschreiben, Sashael.

On Topic:
Wenn sie nichts machen konnten um es zu verhindern, warum regst du dich dann so auf. Dann ist das Thema relativ schnell vom Tisch, das "darke" in der Faerun-Runde war sowieso eine Totgeburt und man kann weitermachen.
Wenn man nicht versucht so etwas "darkes" zu forcieren und es sich organisch entwickeln lässt, so kommt (wenn die Spielwelt entsprechend aufgebaut ist) man früher oder später zu einem Punkt, an dem solche Situationen von allein zustande kommen.

1. Ich fand es durchaus angebracht, mich in einer für mich nicht eindeutigen Gesprächssituation von Gewalttaten chilenischer Nazis zu distanzieren. Möchtest Du diese Entscheidung in Frage stellen, und wenn ja, warum?
2. In puncto organische Entwicklung stimme ich dir voll zu. Alles, was aufgedrückt wirkt, erzeugt höchstens Albernheit (kann auch mal gut sein), Bedrückung kommt nur bei moralischen Dilemmata auf. Diese sind jedoch nicht auf ein bestimmtes Rollenspiel begrenzt, sondern lassen sich überall einfügen, von MechWarrior bis Vampire. Der wichtige Aspekt ist: Die Spieler müssen die Wahl tatsächlich haben. Und die Konsequenzen müssen tatsächlich eintreten.
3. Ich mag es nicht, mit anzuschauen, mit welcher Herablassung Ihr Sashael behandelt habt, du und der Verminator. Mit welcher kaltblütigen Arroganz ihr drüber hinweg gegangen seid, ihn nicht für voll genommen habt, ist eigentlich schon einen eigenen Blogeintrag wert. (wobei die Sache mit dem untergegangenen Schiff ich jetzt so dunkel nicht fand. Scheiße passiert, hat Mama immer gesagt).

EDIT: Das mit dem Smiley und was du gemeint oder gesagt haben willst - ich glaube Dir nicht, das das als Scherz gemeint war.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: alexandro am 4.06.2009 | 02:07
1. Ich fand es durchaus angebracht, mich in einer für mich nicht eindeutigen Gesprächssituation von Gewalttaten chilenischer Nazis zu distanzieren. Möchtest Du diese Entscheidung in Frage stellen, und wenn ja, warum?
Wenn du dich wirklich so unbedingt davon distanzieren wölltest, dann hättest du das schon ein paar Seiten früher angesichts der Beiträge von Skyrock tun können. :gasmaskerly:

Und mir vorzuwerfen ich würde das, was Emos in Mexico und anderen südamerikanischen Ländern zu durchleiden haben verharmlosen...wo bitte kommt das her? Ich habe lediglich bemerkt, dass der zitierte Beitrag von Sashael "voll Emo-mäßig" geschrieben ist.
Denkst DU etwa, das wäre in irgendeiner Weise beleidigend oder abwertend gemeint? Wenn ja, dann solltest DU einmal dein Toleranzbewusstsein überprüfen.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Der Oger (Im Exil) am 4.06.2009 | 03:12
Wenn du dich wirklich so unbedingt davon distanzieren wölltest, dann hättest du das schon ein paar Seiten früher angesichts der Beiträge von Skyrock tun können.

Warum? Er hat sich ja in keinster Weise über Emos lustig gemacht, sie beschimpft oder damit geprahlt, das er welche verprügelt hätte. Überhaupt - nach zweimaligem Durchgehen seiner Beiträge finde ich nur einmal das E -Wort, und das als Zitat vom V, und das als Teil einer sachlich geführten Diskussion über ROLLENSPIEL. Nicht über Emos.

Das Du den Rest meines Posts so gelesen hast, wie Du es wolltest - nun ja, dafür kann ich nix.

Was die Hofrath - Paranoia - Punkte angeht - wie man effektiver jemandem aus einem Forum vertreiben kann, ist mir bisher nicht untergekommen. Seine Reaktion war nicht emo, sie war zu erwarten für jemanden, der deine Art der "Diskursführung" nicht kennt, und damit nicht umzugehen weiß. (Und ich glaub noch nicht mal, das er da überhaupt angemeldet ist. Aber egal. Wie ich schon sagte: im ORK ist noch Platz. Und da Du es schon angesprochen hast: Ich frag mich, wer hier Angst/Paranoia for wem oder was hat. Oder haben sollte).
EDIT: Ja, ich glaube, das das abwertend und beleidigend für Sashael war. Du beleidigst und wertest anders ab. Du sagst es den Leuten nicht ins Gesicht, sondern Du machst das indirekt, unter vielen Zeilen Text begraben. (Es sei denn Du wirst emotional, dann gelingt Dir das nicht immer).
ZUSATZ: Du weiß sicherlich, das es auch eine zu hohe Toleranzgrenze gibt. Man findet diese vorwiegend dort, wo "anständige" Bürger wegschauen oder mitmachen.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: alexandro am 4.06.2009 | 03:26
Warum? Er hat sich ja in keinster Weise über Emos lustig gemacht, sie beschimpft oder damit geprahlt, das er welche verprügelt hätte.
Wo habe ich JEMALS damit geprahlt (oder auch nur angedeutet) dass ich Emos prügeln würde? Warum wohl habe ich wohl "emo-Vampire" als etwas bezeichnet, was ich gerne mal spielen würde (was (natürlich) von Skyrock gebasht wurde, der sich wieder einmal über Emos lustig gemacht hat (wie so oft: darauf bezog sich Vermi auch), aber das gehört wirklich nich hierher).

Für deine Wahnvorstellungen kann ich nichts.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: ChristophDolge am 4.06.2009 | 07:47
Kommt doch mal wieder runter, Leute. Oder nehmt euch ein Zimmer...
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Imago am 4.06.2009 | 09:32
Ah, die Freuden der Internetkommunkation  ::)
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Ontopic:
Was ist denn jetz eigentlich der aktuelle Stand der Diskussion? Ist die Ehrenrettung des "Darken" jetzt abgeschlossen?
Ist jedem klar das düstere Settings ungleich SL-Mary Sue, weinerliche, schwache Charaktere die nichts reißen können oder Popcornhelden, Railroading usw. ist? Dann könnte ja überlegt werden wie man konstruktiv mit solchen Settings umgeht und wie man das in ihnen erlebte intensiviert.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Der Oger (Im Exil) am 4.06.2009 | 09:40

Für deine Wahnvorstellungen kann ich nichts.


Du bist ja nur neidisch, das die leisen Stimmen zu mir sprechen.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: ChristophDolge am 4.06.2009 | 11:03
Zitat
Ist jedem klar das düstere Settings ungleich SL-Mary Sue, weinerliche, schwache Charaktere die nichts reißen können oder Popcornhelden, Railroading usw. ist?

Ich denke mal, jene, die es verstehen wollen, haben es spätestens nach Vermis drittem Post kapiert.

Zitat
Dann könnte ja überlegt werden wie man konstruktiv mit solchen Settings umgeht und wie man das in ihnen erlebte intensiviert.

ich schätze mal, dass es hier nicht hilft, wenn man wie in anderen Settings vorgeht und die ganze Sache nicht immer bierernst nimmt, wenn man sich zu oft über die Düsternis lustig macht, verliert sie imho ziemlich schnell ihren Reiz. Wichtig ist, das wurde ja auch mehrmals betont, dass wirklich alle Spieler soetwas wollen (ist ja schon ziemlich fokussiert) und dass man im Notfall, falls mal einer oder mehrere keinen Bock auf sowas haben, einfach was anderes, weniger intensives spielt, wo z.B. spielerische Herausforderungen im Vordergrund stehen. Und Ding, die es i.d.R. zu vermeiden gilt, hast du ja auch schon genannt: SL-Mary-Sues, weinerliche schwache Chars, Popcornhelden, Railroading etc. Man muss als Spieler zulassen können, dass der Charakter mal was aufs Maul bekommt während man als SL nicht darin verfallen darf, die Düsternis des Settings nur darin ausdrücken zu wollen, dass die Charaktere immer wieder aufs Maul bekommen. Gerade in einem solchen Setting sollte man Rückschläge (sowohl als SL bezüglich der NSCs als auch als Spieler bezüglich der eigenen Charaktere) nicht persönlich nehmen, sondern sie als Ansporn sehen, den Charakter in besonderen Situationen auszuspielen, ihn richtig in die Scheiße zu reiten und leiden zu lassen und wiederum in helleren Situationen (düster bedeutet nicht komplett hoffnungslos) auch mal glänzen zu lassen.
Titel: Re: „Dark“ ist gar nicht so doof
Beitrag von: Funktionalist am 4.06.2009 | 11:09
Wäre TSoY nicht einfach nur prädestiniert für ein solches Spiel? ;D