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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: carthoz am 11.09.2009 | 16:15

Titel: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: carthoz am 11.09.2009 | 16:15
Hallo.

Ich hatte ursprünglich vor, dies hier im Warhammer-Bereich zu posten, habe mich dann aber entschieden, daraus eine allgemeine Diskussion zu machen. Verzeiht bitte daher, dass ich recht viel auf die kommende Neuauflage des Warhammer-Fantasy-Rollenspiels (http://www.fantasyflightgames.com/edge_minisite_sec.asp?eidm=93&esem=1) (WHFRP) eingehe.

Ich hatte vorhin ein Gespräch mit dem lokalen Spieleladenbesitzer meines Vertrauens; im Laufe des Gesprächs kamen wir auf die neue Edition des WHFRP zu sprechen. Inwieweit wir die Konzeption der neuen Edition gut oder schlecht fanden, sei hier dahingestellt; das Entscheidende war ein Argument, das im Gespräch aufkam: Seiner Meinung nach ist das, was Fantasy Flight Games mit der 3. Edition macht (nämlich das Publizieren eines Core Sets, in dem mehrere Bücher, über 300 Karten, Karrierenvorlagen und vieles mehr enthalten sind (http://www.fantasyflightgames.com/edge_minisite_sec.asp?eidm=93&esem=2)), der vermutlich zur Zeit einzige gangbare Weg, das Raubkopieren von Rollenspielen zu verhindern - wer soviel Kram zum Spielen braucht und das alles selbst zusammenbasteln müsste, wenn er es nur als Scan/PDF aus dem Netz zieht, der verliert schnell die Lust daran. Auf meine erstaunte Frage, ob das tatsächlich so ein großes Problem sei, meinte er nur, dass er es auch nicht verstehen könne - wir waren uns einig, dass ein Buch als haptisches Erlebnis, vernünftig gebunden und gedruckt, doch einem Scan oder PDF vorzuziehen sei (Kauf-PDFs seien da jetzt einmal außen vor gelassen - ich weiß, dass es manches nur als PDF gibt, und das ist ja hier auch gar nicht das Thema). Allerdings sei das Problem durchaus ernst, und für ihn sei der Weg, den FFG mit WHFRG einschlägt, auch durchaus diesem Problem geschuldet.

Was meint ihr? Wisst ihr mehr über das Problem des Raubkopierens? Ist es euch schon begegnet? Denkt ihr, dass Konzepte wie diese "Materialschlacht" dem Problem entgegentreten können? Seht ihr überhaupt ein Problem? Oder ist das etwas, mit dem man heutzutage einfach leben muss?
Und wenn es ein derartiges Problem ist: Rollenspiel ist als "Markt" längst nicht so groß wie z.B. der Musikmarkt - sollte nicht jedem klar sein, dass er sich in diesem Segment noch schneller selbst das Wasser abgräbt als in der Welt der Multimillionen-Musikkonzerne?
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Zwart am 11.09.2009 | 16:23
Also das Scans von so gut wie jedem größeren und bekannteres System im Netz herumschwirren und man dank google die auch finden sehr einfach finden kann ist glaube ich jedem klar.
Wenn ich kein Geld für ein kommerziell vertriebenes Rollenspiel ausgeben will muss ich das auch nicht. Nicht jeder geht mit einer bibliophilen und verlagsfreundlichen Grundeinstellung an das Hobby heran würde ich sagen. Das ist mir auch schon begegnet und begegnet mir auch immer wieder. Was man hat das hat und wenn es umsonst war umso besser.

Ich glaube aber nicht Warhammer deshalb mit diesem ganzen Krimskrams daher kommt. Ich glaube das es noch nicht mal mit dem Gedanken im Hinterkopf entwickelt wurde.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: JS am 11.09.2009 | 16:29
Ich denke auch, daß dieser Händler erst einmal relativ konkret nachweisen müßte, wieviel Schaden den Spieleverlagen durch Raubkopien entsteht, bevor er solche Mutmaßungen anstellt. Sonst ist es mal wieder nur heiße Luft und Blabla. Die Musikindustrie hat (laut Musikindustrie) 21939293823 Milliarden USD und NOCH MEHR Verluste durch Raubkopierer zu beklagen, kann aber ebenso keine fundierten Beweise dafür liefern, denn dann müßte sie nachweisen können, daß jeder Raubkopierer ohne Möglichkeiten zum Kopieren die Produkte auch garantiert käuflich erwerben würde. Kann sie nicht, würde er nicht, Verluste relativ.
Und andersherum: Wieviele Leute kaufen ein Buch oder Spiel oder Song bekanntlich erst, nachdem sie sich vorher seiner Qualität versichern können?

(Damit bin ich übrigens NICHT der Meinung, es entstünden keine Verluste durch Raubkopiererei, doch der Umfang dieser Verluste bleibt höchst vage. Ich frage mich daher auch, ob solche Überlegungen FFG zu ihrem Megapaket animiert haben.)
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Falcon am 11.09.2009 | 16:36
Die Musikindustrie will 21 TRILLIONEN USD Verlust gemacht haben?! Wie geht das denn? Die sollen erstmal gute Musik machen, vielleicht löst sich das Problem dann

ich glaube die RPG "Industrie" leidet mehr darunter, daß man 90% des Schunds nicht braucht als daß sie durch Kopierer verlieren.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Callisto am 11.09.2009 | 16:41
Es gab erst neulich eine Studie, die besagte, dass diejenigen die am meisten raubkopieren auch das meiste Geld für Originale ausgeben. Weiß grad nicht, obs um Filme und/oder Musik ging. Diejenigen die nichts raubkopierten haben auch ganz selten mal was gekauft. Ist ja auch verständlich. Wenn mich Filme nicht interessieren, geb ich weder Geld aus, noch begeb ich mich in das Risiko beim Raubkopieren erwischt zu werden. Beim RPG wird das ähnlich sein. Klar wird es immer schwarze Schafe geben, die NUR raubkopieren und nichts kaufen. Aber meine Vermutung ist, dass diese Personen meist auch nur wenig Geld zu Verfügung haben. Oft geben sie dann das Geld doch aus, sobald sie mehr verdienen. Natürlich wird es aber auch immer welche geben, die sparen wo sie können, obwohl sie eigentlich genug Kohle hätten.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Enkidi Li Halan (N.A.) am 11.09.2009 | 16:45
Ich glaube aber nicht Warhammer deshalb mit diesem ganzen Krimskrams daher kommt. Ich glaube das es noch nicht mal mit dem Gedanken im Hinterkopf entwickelt wurde.
Das glaube ich auch nicht. Viel wahrscheinlicher ist, dass gerade diese kleinen Zusatzgimmicks das sind, was Geld bringt. Siehe Sammelkarten oder Merchandise-Produkte zu populären Kinofilmen. Ein Kunde überlegt sich vielleicht, ob er 40 Euro für ein Grundregelwerk ausgibt, aber nicht, ob er 5 Euro in 10 Zusatzkarten oder in Würfel investiert. Dass er letzteres aber viel öfter tun wird, als einmalig einen größeren Batzen Geld in ein GRW zu stecken, ist natürlich der Trick dabei.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Zwart am 11.09.2009 | 16:47
Zitat
geb ich weder Geld aus, noch begeb ich mich in das Risiko beim Raubkopieren erwischt zu werden.
Das Ganze ist bei Rollenspiel noch ein wenig anders gelagert, würde ich sagen.
Während die Musik und Filmindustrie es sich leisten kann die einschlägigen Tracker zu überwachen und die User dann anzuzeigen sowie die One-Click Hoster abmahnen kann, sitzt das für einen kleinen Rollenspiel-Verlag eben nicht drin.

Insofern ist das schwarzkopieren von Rollenspiel-PDFs risikoloser.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: MadMalik am 11.09.2009 | 16:51
Wieso? Das Abmahnen tut man bestimmten einschlägigen Anwälten übertragen, die verdienen ihr gehalt damit selbst,
ein kleiner Restbetrag kommt sogar beim Copyright Inhaber an. Die Abmahnindustrie blüht ja in den letzten Jahren
richtig auf, und ist kein Kostenverursacher sondern ein Gewinneinbringer.  :gasmaskerly:

So oder so... sagen wir, ich kenne jemand der kopiert sich gern mal was, aber er gibt auch mehr als genug Geld für
den selben Scheiss aus, oft genug nachdem er einen Blick auf die Qualität des Endprodukts geworfen hat. Bei out
of Print produkten kommt dann nochmal dazu, dass man in der Regel nichtmal jemand schadet ausser dem Kerl der
der sein altes, vollgekrizeltes Fledderheft für viel zu viel Kohle in Ebay stellt und einfach kein Geld verdient hat...
in beiden möglichen Auslegungen des Satzes.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Callisto am 11.09.2009 | 16:53
Ich denke der Markt ist nicht groß genug um überhaupt ein Problem dahingehend entstehen zu lassen. Wer es sich leisten kann, gibt meistens das Geld aus. Der übliche Casual Gamer, der kein Regelwerk zuhause hat, hat mMn auch nur selten PDF's zuhause. Aber das ist nur meine Meinung.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Zwart am 11.09.2009 | 16:58
Ich weiß nicht.
Bei uns im Ort ging vor einigen Jahren eine DVD rum die vollgepackt mit DSA-Zeug war. Dadrauf war alles, vom Boten #1 bis Schlacht in den Wolken und natürlich die Regelwerke. Die wurde auch von Leuten genommen die nur ab und an DSA spielten. Und bis heute muss ich mich diesen Deppen herumschlagen die immer noch ihre Charaktere mit dem Kram von der DVD erstellen obwohl WdH draußen ist.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Callisto am 11.09.2009 | 17:00
Ja ok, das gibts natürlich, aber erstens hätten sie es wahrscheinlich kaum selbst im Internet gesucht und zweitens hätten diejenigen die nur ab und an DSA spielen, sich die Regelwerke eh nie gekauft. Ist halt ne Qualitätsfrage, ICH würde auch nie Geld für DSA ausgeben. Ich spiels aber auch nicht.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Lord Verminaard am 11.09.2009 | 17:13
Ich finde es übrigens recht aufschlussreich, sich mal Gedanken über die Etymologie des Wortes "Raubkopie" zu machen. Ebenso übrigens des Wortes "Software-Piraterie"... dass Rollenspiel-Verlage Probleme haben, hat verschiedene Gründe, aber an unauthorisierten PDF-Kopien liegt es bestimmt nicht.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Der Nârr am 11.09.2009 | 17:24
Ja, natürlich gibt es Raubkopien im Rollenspielbereich. Als ich zu Schulzeiten mit dem Rollenspiel erstmals in Kontakt kam, war es in der Rollenspieler-Szene meiner Schule üblich, gekaufte Bücher zu verleihen und zu kopieren. Das war natürlich gerade deshalb gut, da vieles die Klammerheftung hatte, bei der man problemlos die Bücher ganz aufschlagen und sauber kopieren konnte. Früher hieß es auch gelegentlich, dass der aventurische Bote zu Tode kopiert wird. Inwiefern es bei den heutigen Hardcovern oder auch im DSA-Bereich der Softcover-Bindung noch gemacht wird - keine Ahnung. Die Hardcover lassen sich ja oft schlecht auf Kopierer legen, die Softcover mit Klebebindung sind von vornherein schlecht dafür geeignet, ganz aufgeschlagen zu werden, wenn man keine unschönen Knicke möchte oder gar riskieren möchte, dass sich die Bindung löst. Ungewöhnliche Formate tragen sicher auch ihren Teil dazu bei, vor Raubkopien zu schützen.

Braucht es neue Konzepte? So dramatisch sehe ich die Situation nicht. Ich habe seit dem Ende meiner Schulzeit auch nicht mehr mitbekommen, dass Rollenspielbücher wirklich kopiert wurden.

Wohlgemerkt spreche ich nur von Printmedien, nicht von PDF's.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: psycho-dad am 11.09.2009 | 17:27
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Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: scrandy am 11.09.2009 | 17:27
Also ich entwickle ja zur Zeit ein Spiel, dass ich wenn genug Interesse besteht auch kommerziell vertreiben will. Und ich muss ehrlich sagen, dass das Phänomen Internet und Raubkopie wahrscheinlich meine Chancen erheblich vergrößern wird. Und ich hoffe wirklich, dass mein Grundregelwerk bis in jedes Kinderzimmer kopiert wird.

Die Sache ist nämlich die: Das große Problem beim Rollenspielverkauf ist es einen Fankreis aufzubauen. Hat man diesen Fankreis, dann geben diese Fans eine Unmenge an Geld für ihr Baby aus, sei es Regelergänzungen, Quellenbände, Abenteuer usw. Zum Teil kaufen sie auch Kram, den sie weder lesen noch brauchen. Nur die Leute erstmal zu Fans zu machen ist das Problem. Da aber das Internet (inklusive Tauschbörsen) nunmal das perfekte Medium für Mundpropaganda und einfache Produkt-Tests ist, werde ich wunderbar kostenlos meine Fanbasis aufbauen (vorausgesetzt mein Produkt ist gut genug). Wenn die Fans erstmal begeistert sind kaufen die auch massenweise teure Ergänzungsbände, denn man muss die ja "Original" haben, denn da sind ja extrem coole Bilder und andere Gimmiks drin. Die Leute, die das nicht ausgeben wollen, hätten auch sonst nicht mein Spiel gespielt und sind so wenigstens Werbeträger.

Ok und falls ihr mich jetzt für verrückt haltet, erforscht mal euer eigenes Kaufverhalten bzw. die Gängigen Marketing-Strategien für Rollenspiele.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Callisto am 11.09.2009 | 17:32
Ne, Scrandy, Du hast da vollkommen recht. Wieviele Musiker sind heutzutage nur durchs Internet bekannt geworden? Es werden immer mehr.
Abgesehen davon, PsychoDad, du hast auch vollkommen recht. Wir müssen doch auch 8 Stunden am Tag an fünf Tagen die Woche arbeiten. Was gibt Musikern, oder noch schlimmer, Musikproduzenten, das Recht 8 Stunden am Tag zu feiern und dann noch zu jammern?
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Bad Horse am 11.09.2009 | 17:50
Ich find´s nur interessant, dass Kinos etc. "Raubkopien" als Grund für die hohen Eintrittspreise genannt haben.

Dann ging die Anzahl an Raubkopien durch verstärkte Sicherheitsmaßnahmen zurück, aber die Kinopreise blieben, wo sie waren.  wtf?

Und für eine CD 16,99 € hinzulegen, finde ich albern. Weder das Rohmaterial noch der Produktsprozeß kostet ansatzweise soviel, die Künstler kriegen pro CD auch maximal 0,50 € (unbewiesene Behauptung, aber viel bleibt da nicht hängen), also wofür zahl ich da?
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Callisto am 11.09.2009 | 17:51
Du zahlst für die Musikproduktionsfirma.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Thot am 11.09.2009 | 17:51
Ich glaube auch nicht, dass unauthorisierte Kopien von Rollenspielregelwerken für irgend einen Verlag ein Problem sind, zumindest nicht die "kleinen", also alle außer WotC. Aber selbst das ist ein Übergangsphänomen einer Zeit, in gelebte Gewohnheit sich erst wieder neu an technische Möglichkeiten angleichen muss.

Die Frage ist mE nicht, ob wir neue Konzepte brauchen, sondern ob wir, damit das Hobby funktioniert, überhaupt noch Printverlage brauchen. WHFRP mag in seiner aktuellen Inkarnation als "Spiel in der Box" (absichtlich oder unabsichtlich) versuchen, mit mehr Ausstattung und schönem buntem Zeug ein paar Käufer mehr zu bekommen, aber braucht man all das Zeug zum Spielen selbst dieses dafür gemachten Rollenspiels? Das bezweifle ich doch sehr.

Die Aufgabe eines Rollenspielverlages ist es, gut funktionierende Regeln und schöne Settings zu schaffen und zu kommunizieren sowie Community zu stiften und zu befeuern. Dafür aber braucht man, streng genommen, keine zentrale Druckerei, sondern nur die Möglichkeit für Interessierte, sich ihr Buch drucken zu lassen, und die Vorlage als PDF.

Beides kann es auch ohne einen "Verlag" im althergebrachten Sinne (also einen "Vorleger des Geldes für den Druck") geben, und gibt es ja auch. Leute produzieren aus reinem Spaß an der Tätigkeit Rollenspiele und stellen diese als PDF zum Download bereit, und Print-on-Demand-Druckereien gibt es wie Sand am Meer.

Daraus folgt, dass der "Verlag" ein Auslaufmodell ist (und das gilt für andere Buch- und für Musikverlage genauso). An seine Stelle dürfte mittelfristig die PoD-Druckerei stehen, der man das PDF seines Lieblingsautors übermittelt. Und die Autoren(teams) sind dann zwangsläufig nichts weiter als Hobbyisten, die eher mit Werbung (z.B. Verlinkungen eines PoD-Ladens) Geld verdienen.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Silent am 11.09.2009 | 17:56
Ich seh diese digitalen Versionen gerne als Demoversion an.

Wenn es mich begeistert will ich lieber ein richtiges Buch haben, weil mit PDFs kann ich nicht so gut arbeiten.

Problemfälle sind da Kauf-PDFs die man eh ausdrucken muss, da jammer ich schonmal wenn ich es dann doch kaufe, obwohl ich es schon habe, aber irgendwie geh ich halt davon aus dass ich nur neue Produkte zu sehen bekomme, wenn es sich fpr den Verlag auch lohnt.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Monkey McPants am 11.09.2009 | 17:58
Und für eine CD 16,99 € hinzulegen, finde ich albern. Weder das Rohmaterial noch der Produktsprozeß kostet ansatzweise soviel, die Künstler kriegen pro CD auch maximal 0,50 € (unbewiesene Behauptung, aber viel bleibt da nicht hängen), also wofür zahl ich da?
Erinnert mich an einen Artikel in dem Courtney Love ein bißchen die Zahlen der Musikindustrie vorrechnet (http://archive.salon.com/tech/feature/2000/06/14/love/print.html). Keine Ahnung wie akkurat das jetzt ist, aber das Bild das sie zeichnet ist schon mal kein schönes.

M
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Ein am 11.09.2009 | 17:59
Ich sehe kein Problem. Und ich kann keinen armen Tropf, der seine produktive Zeit mit dem Versuch Raubkopien zu verhindern verschwendet, wirklich bemitleiden.

@thot
Nein, ich sehe auch keine große Zukunft mehr für Printverlage. Allerdings sehe ich den Rollenspieldesigner der Zukunft (bzw. Gegenwart) weiterhin als Künstler an, der von treuen Fans durchgefüttert wird, nicht von Werbung. Denn einerseits ist die Marketingblase schon lange geplatzt und andererseits braucht man dank der digitalen Revolution heutzutage eben keine starren Produktionsstrukturen mehr.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Beral am 11.09.2009 | 18:08
Ich glaube ebenfalls nicht, dass es in der Rollenspielszene ein Problem mit Raubkopien gibt. Die Umsätze würden nicht steigen, wenn die Kopiererei aufhören würde.

Wäre ich Autor eines Rollenspiels, würde es mich umso mehr mit Stolz erfüllen, je mehr das Werk herumgereicht wird.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: psycho-dad am 11.09.2009 | 18:23
Erinnert mich an einen Artikel in dem Courtney Love ein bißchen die Zahlen der Musikindustrie vorrechnet (http://archive.salon.com/tech/feature/2000/06/14/love/print.html). Keine Ahnung wie akkurat das jetzt ist, aber das Bild das sie zeichnet ist schon mal kein schönes.

M

Danke für den Link, sehr aufschlussreich...
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Samael am 11.09.2009 | 18:29
Ich glaube ebenfalls nicht, dass es in der Rollenspielszene ein Problem mit Raubkopien gibt. Die Umsätze würden nicht steigen, wenn die Kopiererei aufhören würde.

Und woher nimmst du diese Weisheit?

Die Musikinduatrie hat ja erwiesenermaßen Enorme Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, warum sollte das hier anders sein?


Zitat
Wäre ich Autor eines Rollenspiels, würde es mich umso mehr mit Stolz erfüllen, je mehr das Werk herumgereicht wird.

Du kannst sicher sein, dass Stolz ziemlich hinten bei den Gefühlen kommt, die jeder Autor eines Rollenspiels (sofern er von seiner Arbeit leben möchte) angesichts von Raubkopien empfindet.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: el-Pi am 11.09.2009 | 18:30
Also auch wenn ich mich jetzt in Schwierigkeiten bringe, oute ich mich hier mal als Raubkopie-Nutzer. :-[
Ich hab damals DSA 4.0 erst als Kopie benutzt weil ich mir das Original nicht leisten konnte aber trotzdem spielen wollte :(, habe aber dann nach und nach die Originale nachgekauft. :) Dies ist mir bis jetzt bei jedem erhältlichen System so gegangen weil ich lieber mit Büchern arbeite als mit PDF's.
Ich persönlich denke das das den meisten so geht und deshalb meine ich das Raub-Kopien ausgaben nur verschieben als verhindern.
Außerdem kostet das Drucken und Binden von ca. 250 Seiten in Farbe auch seine 15-25Euro sodass die meisten günstigen Originale dort gut mithalten können. (DSA 4.1 mit bis zu 50 Euro pro Buch natürlich nicht ;))
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Haukrinn am 11.09.2009 | 18:34
Ich denke, dass weit verbreitete PDFs nicht schädlich, sondern ein sehr gutes Marketinginstrument sind. Raubkopien sind da natürlich kein gangbarer Weg, aber warum die PDF-Versionen des Spiels nicht gleich gratis verteilen? Ich bin in dieser Hinsicht ja sehr gespannt, was das Experiment Eclipse Phase so macht, denn das ist ja unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht worden und legal als PDF über andere Leute oder Tauschbörsen zu beziehen.

Gimmicks wie bei WHFRP3 sind sicherlich eine gute Möglichkeit, Kunden zu binden (Stichwort Sammeltrieb), gegen kopierte PDFs werden sie aber sicherlich nicht helfen - vor allem nicht bei dem Preis, den man für diese Extras verlangt.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Zwart am 11.09.2009 | 18:37
Zitat
aber warum die PDF-Versionen des Spiels nicht gleich gratis verteilen?
Das hat bei Degenesis glaube ich auch ganz gut funktioniert. Das GRW gibt es bis heute gratis. Das Buch wird und wurde gekauft. War doch glaube ich sogar so sie sich erst entschieden haben ein Buch zu drucken als die Downloadzahlen des PDFs "explodierten".
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: oliof am 11.09.2009 | 18:43
Der Autor von "The Shab Al-Hiri Roach" hat irgendwo mal erwähnt, dass er die Karten auch zum Schutz vor allzu leichter Kopiererei eingebaut hat.

Fred Hicks und Rob Donoghue von Evilhat (Spirit of the Century, Dont Rest Your Head, …) haben schon immer PDFs verkauft und an die Käufer der Printprodukte in der Regel verschenkt. Sie haben keinen negativen Effekt durch ihre ungeschützten PDFs feststellen können.

Der Autor von "Panty Explosion" ist irgendwann darauf aufmerksam gemacht worden, dass auf irgendwelchen Tauschseiten sein eigenes Buch gefunden wurde. Er hat mit den Betreibern gesprochen, die die Datei durch eine Demo plus "hier kann man das Teil kaufen" ersetzt haben. Dadurch sollen seine Verkaufszahlen gestiegen sein.

Quellen dafür sind über mehrere Webforen verteilt. Ich bin grad zu faul, die rauszusuchen.

Mein Fazit: unbezahlte Kopien eines Rollenspiels schaden den Buchverkäufen – so es denn eines gibt – nicht und ironischerweise auch den PDF-Verkäufen nicht.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Thot am 11.09.2009 | 18:46
Ich denke, dass weit verbreitete PDFs nicht schädlich, sondern ein sehr gutes Marketinginstrument sind. Raubkopien sind da natürlich kein gangbarer Weg, aber warum die PDF-Versionen des Spiels nicht gleich gratis verteilen?[...]

Das geht nur, wenn der Preisunterschied zwischen "selber z.B. als Hardcover drucken lassen" und "im Laden kaufen" nicht nennenswert ist. Angesichts der Notwendigkeit, dass Läden bis zu 50%  des Buchpreises selber kriegen müssen, um im Geschäft zu bleiben, ist das illusorisch. Solange man als Verlag mit Läden Geschäfte machen will.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Retronekromant am 11.09.2009 | 19:04
Also auch wenn ich mich jetzt in Schwierigkeiten bringe, oute ich mich hier mal als Raubkopie-Nutzer. :-[
Ich hab damals DSA 4.0 erst als Kopie benutzt weil ich mir das Original nicht leisten konnte aber trotzdem spielen wollte :(, habe aber dann nach und nach die Originale nachgekauft. :) Dies ist mir bis jetzt bei jedem erhältlichen System so gegangen weil ich lieber mit Büchern arbeite als mit PDF's.
Ich persönlich denke das das den meisten so geht und deshalb meine ich das Raub-Kopien ausgaben nur verschieben als verhindern.
Außerdem kostet das Drucken und Binden von ca. 250 Seiten in Farbe auch seine 15-25Euro sodass die meisten günstigen Originale dort gut mithalten können. (DSA 4.1 mit bis zu 50 Euro pro Buch natürlich nicht ;))

DSA Raubkopien sind schon okay ~;D ;)

@Topic: Ich für mein Teil finde eine PDF im Allgemeinen ein schwaches Substitut für ein Buch, welches ich in der Hand halte, bei dem ich die Seiten fühle beim Umblättern und mich am tollen Artwork erfreuen kann. Würde niemals Geld für eine PDF zahlen (und habe die Befürchtung, dass es in mittlerer Zukunft gar keine echten Rollenspielbücher mehr zu kaufen gibt)

Ansonsten: Es gibt viele gute OpenSource Systeme. Kostenloser PDF-Download mit der Option ein gebundenes Buch zu kaufen. Gutes Konzept, mehr davon.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: MadMalik am 11.09.2009 | 19:22
Die Musikinduatrie hat ja erwiesenermaßen Enorme Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, warum sollte das hier anders sein?

Hat sie nicht, jedenfalls nicth erwiesenermaßen. Je nach Statistik fliesst jeder gedownloadete Song (teilweise hochgerechnet rein) un ab un an sogar die Verkäufe von CD Rohlingen, weil was will man damit sonst machen ausser Musik verfielfältigen. Ich selbst hab mir auch schon die gesamte Bolt Thrower Diskographie gesaugt, obwohl ich sie hier irgendwo komplett rumliegen hab. Einfach weil es schneller geht als die passenden CDs zu suchen. Nach der Musikindustrie sind da wieder Schäden in Höhe von einigen Hundert Euro entstanden. Von meinen lokalen Backup-CDs mal ganz zu schweigen.  ::)
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Retronekromant am 11.09.2009 | 19:27
Zitat
Bolt Thrower Diskographie

 :d :headbang:
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: MadMalik am 11.09.2009 | 19:32
Wobei, vieleicht hätt ich sie ja komplett neu gekauft, wenn ich sie nicht innerhalb von
10 Minne CD durchwühlen gefunden hätte und keinen zugriff auf Internet+Google gehabt
hätte.  :o *erleuchtung*
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: 6 am 11.09.2009 | 19:36
Nur mal so am Rande:
Wir reden hier davon, dass ein Brettspielverlag, der auch Rollenspiele verlegt, ein Rollenspiel in einer für den Verlag typischen Brettspielbox mit ähnlichen Gimmicks, die sie auf dem Brettspielmarkt etabliert hat mit Regeln, die teilweise direkt von den Brettspielen, die sie verlegen abgekupfert wurden...
Zusätzlich ist der Brettspielmarkt wesentlich größer als der Rollenspielmarkt.

Ich glaube ganz ehrlich, dass die Raubkopiererei überhaupt keine Rolle bei der Erstellung des Rollenspiels spielte... ;)
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Little Indian #5 am 11.09.2009 | 23:30
Ich denke, dass weit verbreitete PDFs nicht schädlich, sondern ein sehr gutes Marketinginstrument sind. Raubkopien sind da natürlich kein gangbarer Weg, aber warum die PDF-Versionen des Spiels nicht gleich gratis verteilen?

Das ist eine Super-Idee und aus marketingtechnischen Gründen wahrscheinlich sogar genau richtig.

Aber (und das wird jetzt ein ziemlich großes ABER): Diese Entscheidung, ob ein Werk auch (oder nur) als pdf gratis (oder zu einem geringeren Preis) vertrieben wird, ist eine Entscheidung, die NUR der Berechtigte – also der Verlag – treffen kann.
Wenn der sich dagegen entscheidend ist es schon ziemlich anmaßend, sich selbst als "treuen Supporter" zu verstehen, der einem für gut empfundenen Spiel dadurch eine höhere Marktverbreitung verschafft, indem er illegal erstellte Kopien verbreitet.

Sicherlich kann man darüber diskutieren, in welcher Höhe der Musikindustrie durch Raubkopien Schäden entstanden sind und ob CDs nicht sowieso überteuert sind. Aber dass dort Umsatzeinbußen durch illegale Downloads eingetreten sind, dass kann doch (auch hier) niemand mehr ernsthaft bestreiten.
Wenn Mann mit Fez hier schildert, dass er sich Songs herunterlädt, die er sowieso schon auf CD besitzt, dann mag das zwar nicht allzu verwerflich erscheinen (ist aber trotzdem illegal und strafbar), aber das ist doch auch nicht der Normalfall. Normalerweise laden sich doch die User entsprechender "Tauschbörsen" (vielleicht möchte jemand auch einmal die Scheinheiligkeit dieses Wortes untersuchen, da es sich bei solchen Programmen tatsächlich nicht um Tauschbörsen handelt, sondern um Kopiernetzwerke) diejenigen Lieder herunter, die sie noch nicht legal besitzen. Dabei gibt es so viele Möglichkeiten, sich diese Titel auch legal aus dem Netz zu saugen – das kostet dann natürlich nur etwas.
Es geht also bei „kostenlosen“ Downloads – wenn man ehrlich ist – nicht darum, dem militärisch-industriellen Komplex ein Schnippchen zu schlagen und gegen den Kapitalismus aufzubegehren sondern nur darum, sein eigenes hart verdientes Geld nicht für teure Sachen auszugeben, die man sich auch (illegal) kostenlos beschaffen kann. (Menschen in der Musik- und Filmindustrie arbeiten übrigens auch 8 Stunden am Tag und möchten dafür vielleicht auch bezahlt werden).

Auch Argumente wie „ich wollte das erst einmal ausprobieren“ oder „das ist ja sonst viel zu teuer, wer kann sich das denn leisten“ zeigen nur, wie selbstverständlich es heute hingenommen werden, dass die Recht der Künstler und Autoren (und die sind es ja auch, die letztendlich Einkommenseinbußen hinnehmen müssen und nicht nur die „geldgierigen Konzerne“) mit Füßen getreten werden.
Wenn ich ein Spiel ausprobieren will, dann leihe ich es mir in einer Bücherei aus oder nehme in meinem Gamestore an einer Proberunde teil. Außerdem kann ich online Rezensionen und meist auch einen Teil des Regelwerkes lesen, der vom Verlag veröffentlicht wird. Das müsste nun wirklich reichen, um sich einen Eindruck für eine Kaufentscheidung zu verschaffen.
Na gut, wenn man sich erst ein Kopie besorgt und dann das Original, dann kann man dagegen moralisch vielleicht wirklich nicht viel sagen (juristisch natürlich schon). Aber es ist doch naiv zu glauben, dass das immer passiert. Wie viele Regelwerke lädt man sich denn (wenn man so etwas tut) und kauft sich dann das Original NICHT. Und genau das ist doch das Problem.
Und wenn man das Geld für neue Rollenspielprodukte nicht aufbringen kann (nicht einmal für die meist doch deutlich günstigeren pdf-Produkte), dann gibt es eine ganz einfache Alternative: Verzicht. Das erinnert mich an einen Fall, in dem ein Elternpaar für ihr Kind sämtliche Folgen einer Hörspielserie illegal heruntergeladen hatte. Als dann die Staatsanwaltschaft gegen sie ermittelte waren sie ganz geschockt und meinten „Was hätten wir denn machen sollen? Wir hätten uns doch die Cassetten oder CDs nicht leisten können.“ Mensch, dann haben die Kinder eben nicht ALLE Folgen, sondern nur ein paar. Wenn ich mir keinen Sportwagen leisten kann sondern nur eine alte Klapperkiste, dann gehe ich doch auch nicht in ein Autohaus und stehle mir ein „angemessenes“ Fahrzeug.

Ich finde es erschreckend, mit welcher Unbekümmertheit hier Rechtsverletzungen und die Begehung von Straftaten „schöngeredet“ werden. Aber mir ist natürlich klar, dass das Internet (und gerade ein Internet-Forum) der falsche Ort ist, um eine Auffassung wie die meine zu vertreten.

So, und jetzt reg’ ich mich wieder ab…
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Bad Horse am 11.09.2009 | 23:43
Der relativ banale Unterschied zwischen deinem Hörspiel- und deinem Auto-Beispiel ist folgender: Wenn ich ein Auto klaue, kann der Vorbesitzer es nicht mehr verkaufen. Wenn ich mir ein Hörspiel herunterlade, kann der Besitzer es trotzdem weiter verkaufen. Es entsteht ihn dadurch zunächst mal kein Schaden.

Womit ich jetzt nicht sagen will, dass ich die Einstellung "Warum sollte ich denn dafür zahlen, wenn ich´s mir doch auch so runterladen kann?" in Ordnung finde.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Little Indian #5 am 11.09.2009 | 23:46
Wenn ich mir ein Hörspiel herunterlade, kann der Besitzer es trotzdem weiter verkaufen. Es entsteht ihn dadurch zunächst mal kein Schaden.

Oh doch. Ihm entsteht ein Schaden dadurch, dass du eine Ware kostenlos erhältst, für die du eigentlich einen Preis an ihn hättest zahlen müssen - entgangener Gewinn ist auch ein Schaden.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: ChristophDolge am 11.09.2009 | 23:53
Auch wenn ich dann sicher einiges Streufeuer abbekomme, möchte ich Little Indian den Rücken stärken - seine Position ist immerhin die, die die aktuelle Gesetzeslage stützt. Da nützt es auch nicht, dass hier im Thread die altbekannten Ausflüchte und Entschuldigungen runtergeleiert werden, warum es gaaaar nicht sooooo schlimm ist, wenn man sich Zeug runterläd bzw. zum Tausch anbietet (was ja bei den meisten Tauschbörsen nicht einfach zu trennen ist).

Edit: Und ja, natürlich bin ich ein doofer Spielverderber und eigentlich wollt ihr ja niemandem etwas böses und schadet auch keinem merklich - aber ihr seid ja nicht die einzigen, die so denken. Und in der Masse kann das durchaus Schaden ausrichten.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Bad Horse am 11.09.2009 | 23:57
Oh doch. Ihm entsteht ein Schaden dadurch, dass du eine Ware kostenlos erhältst, für die du eigentlich einen Preis an ihn hättest zahlen müssen - entgangener Gewinn ist auch ein Schaden.

Nur mal um Advocatus Diaboli zu spielen (im Prinzip stimme ich dir durchaus zu): Ihm ist ja kein Gewinn entgangen. Die Leute hätten die Hörspiele ja nicht gekauft.

Was mich an der Sache nervt, ist das fehlende Unrechtsbewußtsein - diese "wieso wollt ihr denn Geld dafür, ich krieg´s ja auch umsonst"-Einstellung.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Little Indian #5 am 11.09.2009 | 23:59
Nur mal um Advocatus Diaboli zu spielen (im Prinzip stimme ich dir durchaus zu): Ihm ist ja kein Gewinn entgangen. Die Leute hätten die Hörspiele ja nicht gekauft.

Das stimmt aber nur, wenn sie sie dann auch nicht gehabt hätten. Um sie - legal - zu bekommen (und sie hatten sie ja nun einmal), hätten sie aber zahlen müssen.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Zwart am 12.09.2009 | 00:03
Zitat
aber ihr seid ja nicht die einzigen, die so denken. Und in der Masse kann das durchaus Schaden ausrichten.
Erinnert sich noch jemand die Faker vor knapp 10 Jahren die sich Internet mit falschen Kontodaten erschlichen haben und so zwei Provider in den Ruin getrieben haben? Joar, die Masse machts. :)

und sicher hat der kleine Indianer Recht, sowohl moralisch als auch juristisch.
Ich weiß auch nicht warum man sich das schönreden muss. Gelegenheit macht nun mal Diebe und das Internet ist die größte Gelegenheit in der Menschheitsgeschichte. Es macht Stehlen einfach, so gut wie risikolos und es ist gesellschaftlich akzeptiert. Daran wird man auch nichts mehr ändern können.

Anstatt jetzt aber jeden Internetnutzer zu kriminalisieren sollte man lieber versuchen andere Wege zu finden. Die Musikindustrie holt sich das Geld inzwischen durch Live-Auftritte. Welche anderen Möglichkeiten man hat weiß ich nicht, das ist aber auch glücklichweise nicht mein Problem. :)
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Little Indian #5 am 12.09.2009 | 00:09
Welche anderen Möglichkeiten man hat weiß ich nicht, das ist aber auch glücklichweise nicht mein Problem. :)

Hey, Zwartie, wenn du die Antworten auf alle Probleme hättest, dann würde ich dein Bild um meinen Hals tragen und dir Tempel bauen...  ;D

Da fällt mir ein (mal wieder weg von Kult des Zwart): Hier treiben sich doch teilweise auch Mitarbeiter und Repräsentanten von Verlagen herum. Würde mich mal interessieren, wie die so zu diesem Problem stehen.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Nyx am 12.09.2009 | 00:30
Die Aufgabe eines Rollenspielverlages ist es, gut funktionierende Regeln und schöne Settings zu schaffen und zu kommunizieren sowie Community zu stiften und zu befeuern. Dafür aber braucht man, streng genommen, keine zentrale Druckerei, sondern nur die Möglichkeit für Interessierte, sich ihr Buch drucken zu lassen, und die Vorlage als PDF.

Beides kann es auch ohne einen "Verlag" im althergebrachten Sinne (also einen "Vorleger des Geldes für den Druck") geben, und gibt es ja auch. Leute produzieren aus reinem Spaß an der Tätigkeit Rollenspiele und stellen diese als PDF zum Download bereit, und Print-on-Demand-Druckereien gibt es wie Sand am Meer.

Daraus folgt, dass der "Verlag" ein Auslaufmodell ist (und das gilt für andere Buch- und für Musikverlage genauso). An seine Stelle dürfte mittelfristig die PoD-Druckerei stehen, der man das PDF seines Lieblingsautors übermittelt. Und die Autoren(teams) sind dann zwangsläufig nichts weiter als Hobbyisten, die eher mit Werbung (z.B. Verlinkungen eines PoD-Ladens) Geld verdienen.
Sehe ich nicht so.

An der von dir genannten Primäraufgabe eines RPG-Verlages will ich gar nicht deuteln, aber ich will auch richtig schöne, optisch geile Regel-/Quellenbücher haben.

Gutes Beispiel ist das schon genannte Eclipse Phase... ich habe das PDF gekauft nachdem ich mit Glück das Buch erstehen konnte und restlos begeistert war (optisch wie settingtechnisch). Das Ding sieht einfach nur schweinegeil aus und macht Spaß in der Hand zu halten. Supertolles Cover, gescheites Papier, tolle Bilder, guter Druck.

Dafür will ich mein Geld einem richtigen RPG-Verlag in den Rachen schmeißen, nicht irgendeiner PoD-Bude.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Woodman am 12.09.2009 | 00:42
Zitat
Dafür will ich mein Geld einem richtigen RPG-Verlag in den Rachen schmeißen, nicht irgendeiner PoD-Bude.
Den Machern musst du nach Thots Modell ja auch weiterhin das PDF bezahlen, und das wird auch weiterhin Artwork und gutes Layout haben (zumindest bei ordentlichen Produkten), nur fürs Drucken und Binden bezahlst du halt wen anders und nimmst den Verlagen damit das Risiko ab eine teure Druckauflage vorfinanzieren zu müssen. Wenn es Kunden wie dich gibt, die gerne hohe Druckqualität haben wird es auch Anbieter geben, die für ein entsprechendes Entgelt, eben Vollfarbdruck auf Hochglanzpapier im Hardcover Ledereinband bieten.
Auch heute schon hindert dich ja niemand daran eine gekauftes PDF bei einer lokalen Druckerei auf schönem 120g Papier drucken zu lassen und dann mit dem Stapel zum Buchbinder zu gehen, die Qualität dürfte die der meisten RPG Produkte übersteigen, dafür kostet das Drucken und Binden halt mehr als ein normales Hardcover Regelbuch.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 12.09.2009 | 00:53
War ja klar dass dies hier sofort in ein allgemeines Raubkopie-Thema läuft. Ich mach mal mit ;)
Ihm entsteht ein Schaden dadurch, dass du eine Ware kostenlos erhältst, für die du eigentlich einen Preis an ihn hättest zahlen müssen - entgangener Gewinn ist auch ein Schaden.
Entgangener Gewinn mag ein Schaden sein, aber dann muss Burger King auch für jeden verkauften Whopper einen Ausgleich an McDonalds zahlen wenn man das wirklich berechnen wollte. Das ganze System des Kapitalismus basiert auf Konkurrenz. Konkurrenz = massig entgangener Gewinn. Jedes mal wenn eine Firma ihre Preise senken muss ist das entgangener Gewinn, wem soll sie das berechnen?
Das ganze Argument mit entgangenem Gewinn ist absolute Propaganda und hat mit Marktwirtschaft nichts zu tun.

Tatsache ist hingegen dass jemand der illegal runterläd das Produkt nicht gekauft hat. Es ist also auch klar dass er es nicht für den Preis gekauft hätte für den es angeboten wurde, denn sonst hätte er es ja tun können. Andererseits nimmt jemand der etwas illegal unternimmt ein Risiko in Kauf und investiert eigene Anstrengungen die zugegen beim Kopieren meist nicht sehr hoch sind. Er ist also bereit etwas zu tun um das Produkt zu bekommen. Wenn er den gleichen Preis legal zahlen könnte würde er das natürlich tun. Es ist also sehr wohl eine Frage des Preises und natürlich auch anderer Vertragsbedingungen.

Jemand der mit irgendwas Geld verdienen will muss sich normalerweise auch ausdenken wie er das macht. Warenverkauf, Versicherungen, Glücksspiele, kostenlose Fernsehprogramme, all das funktioniert unterschiedlich, aber irgendwie bekommen die Anbieter schon ihr Geld, das ist aber ihr Problem. Es kann kaum Aufgabe des Gesetzgebers sein jede dämliche Idee Geld zu verdienen mit einer immer restriktiveren Gesetzgebung oder Strafverfolgung zu unterstützen. Dass Kopier- und andere Rechte "geistiges Eigentum" betreffend im digitalen Zeitalter eine dämliche Geschäftsidee sind dürfte langsam offensichtlich werden.
Microsoft kam ja schonmal auf die Idee gleich Steuergelder einzunehmen, da ja sowieso immer irgendwer ein kopiertes Windows benutzen würde und davon die ganze Marktwirtschaft profitiert. Das ist natürlich auch ein Geschäftsmodell. ::)

Was Rollenspiele angeht verdienen doch schon genug Leute über Verkäufe ohne Kopierschutz, Printprodukte, Spenden, Bounty-Systeme. Das ist doch ihre Sache und es funktioniert, auch ganz ohne Strafverfolgung.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: scrandy am 12.09.2009 | 01:09
Urheberrecht im Rollenspielbereich
Also zum Thema Rollenspiel-Urheberrecht habe ich ja eigentlich schon meinen Senf gegeben. Die Sache ist eigentlich klar: Dadurch dass man im Rollenspiel-Bereich vor allem durch den Sammlerwert die große Kohle macht, wiegt die Werbewirkung von Raubkopien höher als ihr potenzieller Schaden. Und gerade für kleine Verlage oder Eigenverlage eröffnet sich durch das Internet ein ganz neuer Geschäftsraum, der diesen mehr einbringt als er schadet. Warum sollte Degenesis sonst als PDF kostenlos abgegeben werden, wenn es so schädlich ist.

Zum Urheberrecht im Allgemeinen:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: scrandy am 12.09.2009 | 03:19
Noch mehr zum Urheberrecht im Allgemeinen (zu Little Indians Statement):
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: der.hobbit am 12.09.2009 | 10:01
Wenn die Mehrzahl der betroffenen Bevölkerung ein Gesetz nicht achtet, dass nur wenige der Bevölkerung schützt, dann sind nicht die Menschen alle Kriminelle, sondern dann stimmt das Gesetz einfach nicht.
Wer hat schon mal beim Mau-Mau gemogelt? Wohl die Mehrheit, also streichen wir doch einfach die Regeln. Ach so, das ist kein Gesetz? Wer ist schon mal zu schnell gefahren? Aha? Na, dann streichen wir doch einfach alle Geschwindigkeitsbeschränkungen, die Mehrheit der Bevölkerung will es so. Ach so, das nützt nicht nur teilen der Bevölkerung? Also hinfort mit allen Gesetzen, von denen nur wenige profitieren, wie z.B. jeglichem Minderheitenschutz.
Gesetze sollen kein Bevölkerungskonsens sein. Wenn dieser bestünde, dann bräuchte es die Gesetze nicht. Vielmehr dienen Gesetze dazu, die Leute durch angedrohte Strafe zu einem Verhalten zu bringen, das sie normalerweise nicht an den Tag legen.
Sicherlich kann man die Sinnhaftigkeit von Gesetzen hinterfragen, aber nicht so.

Entgangener Gewinn mag ein Schaden sein, aber dann muss Burger King auch für jeden verkauften Whopper einen Ausgleich an McDonalds zahlen wenn man das wirklich berechnen wollte. Das ganze System des Kapitalismus basiert auf Konkurrenz. Konkurrenz = massig entgangener Gewinn. Jedes mal wenn eine Firma ihre Preise senken muss ist das entgangener Gewinn, wem soll sie das berechnen?
Das muss ich erst einmal sacken lassen, stimme aber erst einmal nicht zu. Denn im Burger King vs. McDonald's Beispiel liefern beide Parteien eigene Leistung - ein Whopper ist eben nicht identisch mit einem BigMac. Daher ist es hier eine reguläre Konkurrenzsituation. Wenn ich jetzt aber einen McDunald's aufmache, mit großem, gelben M, den identischen Burgern (Rezept geklaut), der gleichen Einrichtung und mein Clown hat eine orange Nase - dann ist das für mich keine Konkurrenz mehr, sondern Diebstahl, selbst wenn ich nicht das Fleisch, sondern nur das Marketing stehle.
Raubkopien sehe ich in diesem zweiten Bereich: Ich stehle zwar nichts physikalisches, eigne mir aber widerrechtlich ein immaterielles Gut an.

Auf einer ganz anderen Medallie steht natürlich der Umgang mit der gängigen Praxis, Raubkopien anzufertigen. Wenn man eine Marktmacht wie die Musikbranche hat, kann man natürlich versuchen, mit der Keule draufzuschlagen. Wird wahrscheinlich nicht funktionieren, sie aber über ein paar Jahre hinüberretten. Bei Rollenspielverlagen ist die Situation natürlich völlig anders, und da ist es eine Frage des Krisenmanagements, wie man mit dieser Technologie umgeht, ganz im Sinne von scrandy:
Ich glaube nicht das sich so irgendjemand sieht. Lediglich die Autoren sehen das oft so gelassen, weil sie eh keine Wahl haben und nutzen einfach die neue Situation zu ihrem Vorteil.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Samael am 12.09.2009 | 10:55
Tatsache ist hingegen dass jemand der illegal runterläd das Produkt nicht gekauft hat. Es ist also auch klar dass er es nicht für den Preis gekauft hätte für den es angeboten wurde, denn sonst hätte er es ja tun können.

Was für ein Unsinn. Ich kenne einige Fälle im weiteren Bekanntenkreis, die seit 6 oder 7 Jahren keine einziges Album mehr gekauft, aber HUNDERTE runtergeladen, gebrannt und schön archiviert haben. Diese Leute hätten vielleicht WENIGER Platten gekauft als sie runtergeladen haben, aber sie hätten zweifelsohne welche gekauft. Hört auf euch eure Diebstähle schönzureden.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Selganor [n/a] am 12.09.2009 | 11:02
Tatsache ist hingegen dass jemand der illegal runterläd das Produkt nicht gekauft hat.
Stimmt noch.
Zitat
Es ist also auch klar dass er es nicht für den Preis gekauft hätte für den es angeboten wurde, denn sonst hätte er es ja tun können.
Stimmt nicht mehr. Sofern es auch nur einen Fall gibt in dem jemand ein Produkt erst gekauft hat weil er es illegal "gekriegt" hat und dadurch erst festgestellt hat, dass ihm das Produkt das verlangte Geld wert ist, faellt dieses Argument.


Zitat
Wenn er den gleichen Preis legal zahlen könnte würde er das natürlich tun. Es ist also sehr wohl eine Frage des Preises und natürlich auch anderer Vertragsbedingungen.
Auch die These bricht sobald es Leute gibt die egal zu welchem Preis (egal wie hoch oder niedrig) nie Geld dafuer ausgeben wuerden (oder bestimmte Verlage/Autoren/... "aus Prinzip" nicht finanziell unterstuetzen wollen)

Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Haukrinn am 12.09.2009 | 11:28
Das ist eine Super-Idee und aus marketingtechnischen Gründen wahrscheinlich sogar genau richtig.

Aber (und das wird jetzt ein ziemlich großes ABER): Diese Entscheidung, ob ein Werk auch (oder nur) als pdf gratis (oder zu einem geringeren Preis) vertrieben wird, ist eine Entscheidung, die NUR der Berechtigte – also der Verlag – treffen kann.

Das steht auch für mich völlig außer Frage. Aber mir ging es hier primär um die neuen Konzepte, und das ist ein relativ neues Konzept - von dem ich wirklich hoffe, dass es Schule macht, weil da mit Catalyst Games auch ein nicht ganz so kleiner Verlag hinter steht.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Thot am 12.09.2009 | 11:29
Den Machern musst du nach Thots Modell ja auch weiterhin das PDF bezahlen, und das wird auch weiterhin Artwork und gutes Layout haben (zumindest bei ordentlichen Produkten), nur fürs Drucken und Binden bezahlst du halt wen anders und nimmst den Verlagen damit das Risiko ab eine teure Druckauflage vorfinanzieren zu müssen. [...]

Hm, Jein. Ich denke, dass der Kampf um das Nutzungsrecht seitens der Autoren langfristig verloren gehen muss, einfach weil die technischen Rahmenbedingungen nun mal sind wie sie sind. "Normative Kraft des Faktischen", nannte man das früher. Und daraus folgt, dass die Macher eines Rollenspiels eben kein Geld mehr für ihre PDFs erhalten. Und auch gar nicht mehr verlangen, höchstens in Form freiwilliger Spenden.

Und dann lässt sich jeder sein kostenlos heruntergeladenes PDF so ausdrucken und binden, wie er es haben will. Softcover oder Hardcover, farbig oder in Graustufen, 120mm-Elefantenpapier oder auf Plastikfole.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Ein am 12.09.2009 | 12:08
@nyx
Ich denke, das meiste Geld wird im Hobby durch treue Fans gemacht, nicht durch gehypte Produkte. Denn es bringt einem Autor/Verlag nichts, wenn sich ein teures Produkt gut verkauft, aber das Produkt es nicht schafft, Kunden zu binden bzw. keine Nachfolgeprodukte erscheinen (Hallo, Onkel Günni).

DSA z.B. hat keine Super-Krasse-Produkte, aber eine fanatisch treue Fangemeinde, die das ganze am Laufen hält. Ebenso gibt es mittlerweile einige Autore/Verlage, die ihr Geld erfolgreich nur mit PDFs verdienen.

Denn aller Unkenrufe entgegen (und ich nehme mich da selbst nicht raus), ist der Rollenspielmarkt international gesehen mehr als groß genug, dass eine Menge Leute davon leben können.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: scrandy am 12.09.2009 | 12:11
Wer hat schon mal beim Mau-Mau gemogelt? Wohl die Mehrheit, also streichen wir doch einfach die Regeln. Ach so, das ist kein Gesetz? Wer ist schon mal zu schnell gefahren? Aha? Na, dann streichen wir doch einfach alle Geschwindigkeitsbeschränkungen, die Mehrheit der Bevölkerung will es so. Ach so, das nützt nicht nur teilen der Bevölkerung? Also hinfort mit allen Gesetzen, von denen nur wenige profitieren, wie z.B. jeglichem Minderheitenschutz.
Deine Beispiele treffen aber meine Vorgaben nicht: Geschwindigkeitsbeschränkungen werden zwar von vielen missachtet, aber sie dienen nicht einer Minderheit. Der Minderheitenschutz ist andererseits aber nichts, was die mehrheit der Bevölkerung aufheben wollte, sonst würde das (leider) auch per Gesetzesänderung geschehen.
Zitat
Gesetze sollen kein Bevölkerungskonsens sein.
In der Regel schon (Konsens im Sinne von Mehrheitsentscheid), denn sonst würde man ja nicht so penibel Repräsentanten in die Parlamente entsenden. Wenn die nicht in der Regel die Bevölkerung repräsentieren würden, dann bräuchte man doch nicht wählen. Aber man kann sich bei dem Thema auch wunderbar in Details verrennen und das möchte ich nicht. Das artet in Politik aus und da sind Menschen erfahrungsgemäß unterschiedlicher Meinung.

Allen sollte jedoch klar sein, dass der Status quo nicht erhalten bleiben kann. Und da wir eine Demokratie sind haben wir in Zukunft die Wahl zwischen computerüberwachtem Medienkonsum oder die Wahl ein neues Konzept anzunehmen und die Geschäftsmodelle anzupassen.

Es wird mit Sicherheit eine Mischung aus beidem geben, aber ich denke das eine DRM-kontrollierte Medienlandschaft nicht das Ziel sein kann.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Ein am 12.09.2009 | 12:18
Ach, DRM ist eh schon lange wieder vom Tisch. Warum? Weil sich digital-vervielfältigbare Produkte so nicht schützen lassen. Der Umsatz mit digital-vervielfältigbaren Produkte lässt sich nur durch Qualität und Verfügbarkeit sichern.

Und gerade auf einem Markt wie dem Rollenspielmarkt, in dem fast jede Nische ausgefüllt ist, spielt wie bereits erwähnt Kundenbindung die größte Rolle.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 12.09.2009 | 12:27
Sofern es auch nur einen Fall gibt in dem jemand ein Produkt erst gekauft hat weil er es illegal "gekriegt" hat und dadurch erst festgestellt hat, dass ihm das Produkt das verlangte Geld wert ist, faellt dieses Argument.
Moment, du änderst einfach die Situation. Information ist auch was wert, insbesondere Information über die Qualität des Produkts. Ich würde auch mehr für ein Los bezahlen wenn ich wüsste dass es gewinnt, das ändert aber wenig daran dass ich vorher trotzdem nur soviel zahlen würde wie für jedes andere.
Tatsache bleibt dass derjenige der das Produkt nicht kannte nur weniger (bis nichts) dafür gezahlt hätte als anfangs gefordert, denn sonst hätte er es zum regulären Preis erwerben können. Das ist ebenfalls ein Problem des Herstellers. Wenn die Leute bereit wären den geforderten Preis zu zahlen, aber nur unter der Bedingung dass sie das Produkt besser kennen, dann muss der Hersteller dafür sorgen dass sie es kennen lernen können. Das nennt man Werbung.

Im Rollenspielbereich in dem Bücher immer sowohl Nutz- als auch Sammlerobjekte sind ist es nicht schwer Printprodukte zu verkaufen obwohl der Inhalt schon bekannt ist. Das wurde doch hier schon diskutiert. Die beste Werbung für ein Buch ist sein Inhalt.

Auch die These bricht sobald es Leute gibt die egal zu welchem Preis (egal wie hoch oder niedrig) nie Geld dafuer ausgeben wuerden (oder bestimmte Verlage/Autoren/... "aus Prinzip" nicht finanziell unterstuetzen wollen)
Sobald nur noch Leute kopieren die, egal zu welchem Preis, das Produkt nie gekauft hätten, kann man ja nach der entgangener-Gewinn-Theorie nur froh sein, denn dann ist der entgangene Gewinn durch diese Leute gleich Null. ;D

Ich könnte ewig weiter machen, aber ich möchte das Thema nicht ins allzu grundsätzliche entführen.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Das Grauen am 12.09.2009 | 12:31
Was meint ihr? Wisst ihr mehr über das Problem des Raubkopierens? Ist es euch schon begegnet? Denkt ihr, dass Konzepte wie diese "Materialschlacht" dem Problem entgegentreten können? Seht ihr überhaupt ein Problem? Oder ist das etwas, mit dem man heutzutage einfach leben muss?

Ich denke mit Raubkopien muss man in der heutigen Zeit leben. Das gibt es in jeder Sparte und solange es genutzt wird, wird es auch immer wieder Leute geben, die sowas anbieten. Ich selber habe auch schon erlebt, das jemand mit eingescannten DSA und Shadowrun-pdfs auf dem Laptop geleitet hat. Ich selber nutze da dann doch lieber, gerade wenn es um Rollenspiele geht die gedruckten Werke und warte auch gerne eine entsprechende Zeit, ehe ich mir manche Werke hole.

Ich bin aber auch fast sicher, das ein Großteil der Rollenspieler das ähnlich sieht und gedruckte Werke den Raubkopien vorzieht. Denke aber das man das Raubkopiertum nie in den Griff bekommt, egal es jetzt die Rollenspielwelt oder andere Wirtschaftszweige betrifft.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: MadMalik am 12.09.2009 | 12:33
Gegen eingescannte Werke ist nichts zu sagen, besonders wenn man mit öffentlichen Vom
Studienort in die alte Heimat reisst ist es mal angenehm nicht 35 kilo zusatzlast an Büchern
mitschleppen zu müssen um einfach die möglickeit zu haben auchmal zocken zu können.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Callisto am 12.09.2009 | 12:43
Ich stimme dem Fez zu.

Trotzdem eine Anmerkung zu dem Schaden aus Copyrightverletzungen z. B. in der Musikbranche: Der Schaden entsteht NICHT durch illegale Filesharer, sondern durch Kopien die VERKAUFT werden, zum Beispiel auf Märkten in Tschechien. Denn dort wird Geld damit verdient.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Samael am 12.09.2009 | 13:45
Der Schaden entsteht NICHT durch illegale Filesharer,

Natürlich. Denn viele dieser Leute hätten sonst Musik gekauft.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Callisto am 12.09.2009 | 13:50
sondern durch Kopien die VERKAUFT werden, zum Beispiel auf Märkten in Tschechien. Denn dort wird Geld damit verdient.

Ich zitiere mich für dich auch NOCHMAL. HIER ENTSTEHT DER SCHADEN. Den hier VERDIENT jemand GELD damit. Aber nicht der Copyrightinhaber !

Und damit Du das auch wirklich verstehst: Die Leute die Musik KAUFEN sind dieselben, die das downlaoden.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Samael am 12.09.2009 | 13:55
Wo ist der Unterschied?

Der Schaden entsteht ja nicht, weil jemand anderes Geld verdient, sondern weil der Rechteinhaber KEIN Geld verdient.

Was wäre denn, wenn "auf den Märkten in Tschechien" (ich bin 2-3x im Jahr dort und habe da solche Märkte nie gesehen) sich jemand hinstellt und die Raubkopien verschenkt?

Dein Argument wäre nur gültig, wenn die Illegalen Downloader generell das ZEug was sie runterladen nicht kaufen würden. Und davon ist nunmal nicht auszugehen.


EDIT:

Nochmal auf den Punkt gebracht.

Du willst allen Ernstes das Argument vertreten, ein Rechteinhaber würde geschädigt, wenn jemand sein geistiges Eigentum klaut und dann weiterverkauft,
aber nicht, wenn jemand sein geistiges Eigentum klaut und umsonst an Interessierte weiterverteilt?

Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Callisto am 12.09.2009 | 14:03
Bei uns fahren Busse, die fahren NUR auf einen sogenannten "Tschechenmarkt". Da sind zwar dann viele Vietnamesen die ihre Ware feilbieten, aber umgansprachlich nennt man das bei uns "Tschechenmarkt". Ich kann dir nicht sagen wo die sind, weil ich da nie selbst hingefahren bin. Da gibts Kleidung, Essen und eben auch CD's und DVD's. Alles supergünstig, aber (bis aufs Essen) alles kopiert. Die Kleidung ist imitierte Markenware und CD's und DVD's sind OFFENSICHTLICH Fälschungen.

Es entsteht hier Schaden, WEIL jemand ein McDunalds eröffnet und die Leute dort Geld lassen, dass sie sonst dem Original gegeben hätten. Illegaler Filesharer bezahlt ENTWEDER trotzdem zusätzlich das Original ODER hätte in keinem Fall Geld ausgegeben, so dass auch niemand anders Gewinn gemacht hätte. Und hier kommen auch die einzigen meßbaren Zahlen von Verlusten der Musikindustrie her. Weil den Gewinn des Schwarzmarkts (und nichts anderes ist das), kann man eher einschätzen.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Samael am 12.09.2009 | 14:05
Illegaler Filesharer bezahlt ENTWEDER trotzdem zusätzlich das Original ODER hätte in keinenm Fall Geld ausgegeben, so dass auch niemand anders Gewinn gemacht hätte.

Ehrlich gesagt ist mir unerklärlich wie man so etwas allen Ernstes behaupten kann. Ich kenne jedenfalls in meinem Umfeld genug Leute, die definitiv Geld für Zeug (Software, PC-Spiele, Musikalben, RPG Bücher) ausgegeben hätten, wenn es nicht umsonst verfügbar gewesen wäre.

EDIT:
Bei mir war es früher nicht anders, besonders bei PC Games habe ich ohne Ende Raubkopien benutzt, Titel die ich mir sonst todsicher gekauft hätte. Seit ein paar Jahren kaufe ich aber alles Original. Bin also einer von den doofen, die die Diebe mitfinanzieren.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Callisto am 12.09.2009 | 14:07
Ehrlich gesagt ist mir unerklärlich wie man so etwas allen Ernstes behaupten kann. Ich kenne jedenfalls in meinem Umfeld genug Leute, die definitiv Geld für Zeug (Software, PC-Spiele, Musikalben, RPG Bücher) ausgegeben hätten, wenn es nicht umsonst verfügbar gewesen wäre.

Ich weiß nicht wie alt du bist und was für Leute DU kennst, ich kann nur von meinem Bekanntenkreis ausgehen. Da werden immer noch CD's und DVD's gekauft. Heute MEHR als vor zehn Jahren, weil die heute mehr Geld zur Verfügung haben.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Samael am 12.09.2009 | 14:09
Ich weiß nicht wie alt du bist und was für Leute DU kennst, ich kann nur von meinem Bekanntenkreis ausgehen. Da werden immer noch CD's und DVD's gekauft. Heute MEHR als vor zehn Jahren, weil die heute mehr Geld zur Verfügung haben.

Wenn du in mein Profil schaust siehst du, dass wir grob im selben Alter sind. Und ich habe wohl andere Erfahrungen als du gemacht. Deine generelle Behauptung "Filesharer saugen kein Zeug, was sie sonst auch gekauft hätten" ist jedenfalls absolut unhaltbar.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Retronekromant am 12.09.2009 | 14:18
Zum Argument "von der Qualität überzeugen" kann ich nur sagen, dass man in jedem guten Laden CDs probehören und Bücher probelesen kann.

Aber hey, zumindest bei DSA würde ich niemandem einen Strick draus drehen, wenn er Raubkopien davon besitzt. Höchstens, dass er sie benutzt ~;D
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Callisto am 12.09.2009 | 14:20
Deine generelle Behauptung "Filesharer saugen kein Zeug, was sie sonst auch gekauft hätten" ist jedenfalls absolut unhaltbar.

Das habe ich SO auch NIE geschrieben. Ich meinte: was sie gekauft haben, haben sie auch meist gesaugt. Und ich kenne auch einige, die haben sich was gesaugt und dann gelöscht und es sich nicht gekauft. Außerdem gehe ich von dem Großteil aus, NICHT VON ALLEN. Das es viele schwarze Schafe gibt, die gar kein Geld ausgeben wollen, aber trotzdem die Produkte geniessen wollen, habe ich NIEMALS bestritten.

@im Laden hören: anstehen, Hintergrundgeräusche die kaum auszublenden sind, im Laden finde ich das äussert unangenehm. Und wenns mir nicht gefällt, bin ich umsonst hingefahren.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 12.09.2009 | 14:27
Denn viele dieser Leute hätten sonst Musik gekauft.
Das mag stimmen, aber sagt doch gar nichts über Recht und Unrecht oder auch nur gut oder schlecht. Wenn ich ein Monopol auf irgendwas habe und den Preis erhöhe dann kaufen die Leute auch, weil sie nicht anders können. Wenn sie anders könnten, dann würden sie den Preis aber nicht zahlen weil er vielleicht einfach zu hoch ist, oder die gebotenen Bedingungen zu schlecht. Beim illegalen Kopieren zahlen Leute einfach einen niedrigeren Preis (u.a durch Inkaufnahme von Illegalität = Risiko von Strafverfolgung), weil sie es können.
Dass diese illegale Praxis nur unter enormen, völlig unrealistischen Bedingungen zu verhindern ist zeigt klar, dass was am Geschäftsmodell nicht funktioniert, da es nur unter enormen Zwang haltbar wird. Bei der Vermeidung von Diebstahl ist das ganz anders, nur deshalb sollte es zwischen Diebstahl und Kopieren auch einen Unterschied geben, und nicht wegen irgendwelcher Moralvorstellungen, die jeder nach seinem Gutdünken basteln kann.

Bei den Kopierern die dann weiter verkaufen stellt sich sogar die Frage, warum man die nicht ganz leicht aus dem Geschäft drängen kann indem man für den gleichen Preis legal anbietet. Den logischerweise ist der Preis zu dem illegale Anbieter anbieten genau der Preis der illegalen Aktion, da der Schwarzmarkt unreguliert und damit nahezu ideal ist.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Samael am 12.09.2009 | 14:35
Das habe ich SO auch NIE geschrieben.

Doch.

Zitat
Illegaler Filesharer bezahlt ENTWEDER trotzdem zusätzlich das Original ODER hätte in keinenm Fall Geld ausgegeben, so dass auch niemand anders Gewinn gemacht hätte.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Samael am 12.09.2009 | 14:37
Wenn ich ein Monopol auf irgendwas habe und den Preis erhöhe dann kaufen die Leute auch, weil sie nicht anders können.

Es geht hier um Luxusgüter, nicht um böse Megakonzerne, die die Wasserversorgung kontrollieren.

Zitat
Dass diese illegale Praxis nur unter enormen, völlig unrealistischen Bedingungen zu verhindern ist zeigt klar, dass was am Geschäftsmodell nicht funktioniert

Nur weil etwas kaum einzudämmen ist, macht es das nicht legitim.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Callisto am 12.09.2009 | 14:51
Zitat von: Fies
Illegaler Filesharer bezahlt ENTWEDER trotzdem zusätzlich das Original ODER hätte in keinenm Fall Geld ausgegeben, so dass auch niemand anders Gewinn gemacht hätte.

Zitat von: Samael
Deine generelle Behauptung "Filesharer saugen kein Zeug, was sie sonst auch gekauft hätten" ist jedenfalls absolut unhaltbar.

Das ist nicht dasselbe. Nach dem ODER steht nämlich genau das: Hätte kein Geld ausgegeben. Das bedeutet, jemand hat was gesaugt, dass er sich nicht kaufen wird.

Deine Aussage ist, könnte er es sich nicht illegal besorgen, würde er Geld ausgeben. Dieser Betrag an Verlust ist durchaus vorhanden. Aber sehr viel niedriger, als die Einnahmen, die die Industrie sowieso schon durch Käufer hat. Ich sage, durch den Versuch diesen Verlust zu umgehen und zu verfolgen wird sehr viel mehr Geld ausgegeben, als überhaupt Schaden entsteht. Damit ist dieser Schaden vernachlässigbar. Viel sinnvoller wäre es, auf den Zug aufzuspringen, seine Sachen legal günstig anzubieten und so sein Werk zu verbreiten. Dann würden zwar die Anwälte weniger verdienen, aber Künstler und Fans wären glücklicher.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: MadMalik am 12.09.2009 | 14:54
Hast du dir mal angeschaut wie teilweise hundertausend dollar Summen von alten Damen
gefordert werden? Also in den USA nimmt man mit den Klagen ganz gut Geld ein.  >;D
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Callisto am 12.09.2009 | 14:55
Hast du dir mal angeschaut wie teilweise hundertausend dollar Summen von alten Damen
gefordert werden? Also in den USA nimmt man mit den Klagen ganz gut Geld ein.  >;D

Das ist eben der Punkt. Die Anwälte verdienen das Geld.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: JohnBoy am 12.09.2009 | 14:56
@Samael/Fies:Ich stimme da Samael zu. Bin zwar geringfügig älter als ihr, sollte aber noch im Rahmen sein. Zwar gibt es wirklich viele Raubkopierer die im Nachhinein CDs kaufen, aber alleine wenn ich in meinen Bekanntenkreis gehe.... sehe ich da keinen. Einer davon kauft immer, zwei sind bei Musikflatrates angemeldet und der ganze Rest bedient sich frei im Internet. Und von denen hätten unter Garantie mehrere gekauft, wenn das Netz nicht bequemer und kostenlos zugleich wäre.

Dr.B. hat in meinen Augen aber auch Recht: Die Musikindustrie ist selber Schuld, sie klammert an Modellen die einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Mal schauen wann/ob da ein großes Umdenken einsetzt.

@Topic: Ich denke das Problem erwischt die Rollenspielindustrie so richtig erst später. Viele Rollenspieler sind mit Büchern aufgewachsen und schätzen sie immer noch als "bestes" Lesemittel. Mal sehen wenn da der Umbruch einsetzt und/oder sich alltagstaugliche Lesegeräte durchsetzen. Dann wird das Thema sicher erheblich mehr Relevanz haben.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Samael am 12.09.2009 | 15:02
Callisto,
Behauptungen. Hast du Belege für deine Einschätzungen, was die Größenordnung angeht?

Fakt ist, dass der Umsatz der Musikindustrie in D seit Anfang des Jahrtausends um 40% zurückgegangen ist. 40%! Was im gleichen Zeitraum im Bereich Filesharing passiert ist, weißt du ja sicher selbst.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Callisto am 12.09.2009 | 15:05
Ich sage ja nicht, dass sie keine Verluste machen. Ich sage nur, dass sie mit moderneren Methoden immer noch genug Geld verdienen könnten. Anstatt ihre Kunden zu kriminalisieren.

edit: Glaube nur den Statistiken die du selbst gefälscht hast. Der Musikindustrie glaube ich gar nix.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Thot am 12.09.2009 | 15:05
[...]
Fakt ist, dass der Umsatz der Musikindustrie in D seit Anfang des Jahrtausends um 40% zurückgegangen ist. 40%! Was im gleichen Zeitraum im Bereich Filesharing passiert ist, weißt du ja sicher selbst.

Aber welche Schlussfolgerung zieht man am besten daraus? Härtere Strafen? Mehr Polizei?

Oder passen wir unsere Gesetze nicht besser der Realität an? (Ich selbst halte mich übrigens prinzipiell an Gesetze. Aber das heisst ja nicht, dass man nicht über Änderungen reden sollte.)
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Samael am 12.09.2009 | 15:06
Die Musikindustrie ist selber Schuld, sie klammert an Modellen die einfach nicht mehr zeitgemäß sind. Mal schauen wann/ob da ein großes Umdenken einsetzt.

Nun, so kann man das ausdrücken. Faktisch ist es für die Label durch die neue Technologie sehr schwer geworden ihre Rechte zu verteidigen. Das legitimiert aber in keiner Weise Diebstahl. Die Formulierung "selber Schuld" finde ich da grenzwertig.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Callisto am 12.09.2009 | 15:07
Ich bin ja immer noch der Meinung, dass die Künstler die Rechte an ihren Werken haben sollten.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: JohnBoy am 12.09.2009 | 15:09
Nun, so kann man das ausdrücken. Faktisch ist es für die Label durch die neue Technologie sehr schwer geworden ihre Rechte zu verteidigen. Das legitimiert aber in keiner Weise Diebstahl. Die Formulierung "selber Schuld" finde ich da grenzwertig.
Oh, versteh mich bitte nicht falsch: Ich legitimiere gar nichts. Aber wer sich nunmal lange vor Trends&Entwicklungen verschließt, verschenkt vieles. Es gibt genügend frische Konzepte (~ITunes) die erstaunlich gut funktionieren. Nur auf breiter Basis hat die MI da viel zu lange an festen Tonträgern festgehalten. Das meinte ich mit "Selbst Schuld".
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Christoph am 12.09.2009 | 15:10
Nun, so kann man das ausdrücken. Faktisch ist es für die Label durch die neue Technologie sehr schwer geworden ihre Rechte zu verteidigen. Das legitimiert aber in keiner Weise Diebstahl. Die Formulierung "selber Schuld" finde ich da grenzwertig.

Das ist eine pur deutsche Sichtweise. Ich bin viel in Spanien und dort ist das kein Diebstahl, sondern erlaubt.

Im Übrigen wird die Industrie für die möglichen Kopien bereits entschädigt, nämlich durch Gebühren auf Brenner, CDs, DvDs usw.. ist in Spanien auch so - und genau darum auch legal, während hier kriminalisiert wird.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Ein am 12.09.2009 | 15:12
Man darf bei dem "Einbruch" der Musikindustrie auch nicht vergessen, dass vorher der Umsatz künstlich durch die Anwendung der Marktmacht kräftig nach oben getrieben wurden (erzwungener Umstieg von Vinyl zu CD). Das dabei eingenommene Geld (Konsumentenvertreter würden von Raub reden) wurde in neue Produkte und in eine gewaltige Marketingmaschinerie investiert, die jetzt so langsam ihre Schlagkraft verliert bzw. verloren hat.

Von daher ist dieser Sachverhalt nochmal eine ganze Nummer komplizierter als er eh schon ist, gerade wenn man dann noch betrachtet, dass es kaum möglich ist auf dem Musikmarkt Geld zu verdienen ohne sich dabei mit einem der wenigen Musikmultis einzulassen.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Samael am 12.09.2009 | 15:13
Zitat
Ich bin ja immer noch der Meinung, dass die Künstler die Rechte an ihren Werken haben sollten.

Die Bands, die ihre Platten im Eigenverlag rausbringen leiden auch unter den Raubkopien.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Thot am 12.09.2009 | 15:14
Die Bands, die ihre Platten im Eigenverlag rausbringen leiden auch unter den Raubkopien.

Leiden die auch unter Youtube?
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: MadMalik am 12.09.2009 | 15:16
Seid Anfang des Jahrtausends kauf ich bei kleinen Indi-Pressen/Brennern die ihre Musik teilweise auf CD-R verhökern
und deren Umsatz von der Musikgroßindustrie vollkommen ignoriert wird. Wobei ich mir trotzdem insgesamt 3 neue
Großindustriescheiben das Jahr geleistet hab, aber halt weit mehr als 40% weniger als noch im letzten Jahrhundert.
Ich als Einzelfall werd allerdings keinen so großen Einfluss auf die Statistik haben und den Einfluss von Filesharing auf
den Rückgang der Musikverkäufe wegzudiskutieren hat auch wenig Sinn. Das die Statistik allerdings immer wieder
künstlich aufgeblasen wird ist allerdings auch nicht vom Tisch zu schieben. Wobei, vieleicht lebe ich einfach in einem
begrenzten sozialen Umfeld wo die Kaufmoral einfach höher ist als im Rest Deitschlands.
[troll]
Andersrum sollt man sich allerdings auch nich allzusehr wundern wenn man Musik promoted die Diebstahl und Verbrechen
schönredet und dann jemand einem die Musik klaut.
[/troll]
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: JohnBoy am 12.09.2009 | 15:21
Die Bands, die ihre Platten im Eigenverlag rausbringen leiden auch unter den Raubkopien.
Hab/Hatte ich sogar ein Beispiel im Bekanntenkreis. Naiverweise hatte ich noch -als sie es drangegeben und umgeschult haben- gefragt: "Wer sollte denn von derart unbekannen Bands kopieren?". Sofern ich mich korrekt erinnere war die Antwort "Wenn du nur ein paar Tausend Platten verkaufst, brechen dir bereits x Raubkopien das Genick." Erinnere mich aber nicht mehr an die entsprechende Relation.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Arkam am 12.09.2009 | 20:29
Hallo zusammen,

also derzeit ist die Gesetzeslage eindeutig.
Der Rechteinhaber, also nicht unbedingt derjenige der das Werk geschaffen hat, bestimmt wie es genutzt wie es zugänglich gemacht wird.
Für den Privatgebrauch sind Kopien legal, die Rechteinhaber werden über die Gema Gebühren entschädigt solange das Werk nicht über einen technischen Kopierschutz verfügen.

Die Hauptprobleme die ich derzeit sehe sind der Problem der Lizenz, http://de.wikipedia.org/wiki/Lizenz und das der mehrfachen Geräte.
Am klarsten dürften die mehrfachen Geräte sein. Ich habe inzwischen einen Desktop Rechner, ein Notebook und ein Netbook.
Jetzt kaufe ich eine CD und spiele sie auf allen meinen Rechnern und zudem auf dem CD Spieler und auf meinem mobilen CD Player ab oder verkaufe gar diese CD.
Aus Sicht der Musikindustrie erwerbe ich aber eben nicht die CD sondern eine Lizenz. Ich erwerbe nach diesem Ansatz also nicht die CD mit ihrem Inhalt sondern die Erlaubnis den CD Inhalt auf einem Gerät wieder zu geben.
Wundert es jemanden das die Musikindustrie die der Meinung ist ich müsse 5 Lizenzen erwerben und ich der der Meinung ist das ich eine CD erworben habe und diese nach deutschem Recht auch noch kopieren kann auf ganz andere Zahlen kommen was den Anteil an illegalen Inhalten und die dadurch hervorgerufene Verluste kommen?
Noch interessanter wird es ja im Softwarebereich. Denn hier stehen inzwischen nicht nur mehrere kommerzielle Produkte, ja es gibt Software außer Windows und MS Office sondern sogar kostenlose Alternativen. Macht man hier jetzt die Milchmädchenrechnung auf das 100 Computer auch 90 Lizenzen gehören, 10% sind der Konkurrenz geschuldet, habe ich wahre Horrorzahlen die aber eben nicht den Tatsachen entsprechen.

Dazu kommt noch das sich viele Kunden unfreundliche Dinge durchgesetzt haben.
Der kurze Hinweis das illegale Kopien illegal sind ist soweit ich informiert bin aus juristischen Gründen notwendig. Die bedeutend längeren Werbefilmchen sicherlich nicht.
Trailer schaue ich mir gerne an. Aber doch bitte als Extramenüpunkt und nicht bevor ich mir den Film anschaue als Pflichtreklame.

Ich befürchte die den Vertreibern gegebenen Lizenzen geben auch vor welche Fassung des Werks den jetzt vertrieben wird.

Ich würde mir eine staatliches definierte Privatlizenzgesetz wünschen. In diesem Gesetz sollte festgelegt werden das man tatsächlich ein konkretes Produkt, etwa eine CD und nicht eine Lizenz erwirbt.
Es sollte klar gestellt wird das dieses Produkt auch jederzeit verkauft werden kann. Dieses Verkaufsrecht sollte ausdrücklich auch für immaterielle Güter wie etwa ein legal erworbener Download oder aber der Zugang zu einem Onlinespieleportal verkauft werden können.
Hier sollte auch festgehalten werden wie viele Kopien man anfertigen darf und wie es mit der Übertragung in ein anderes Format aussieht.

Gruß Jochen
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Master Li am 13.09.2009 | 08:22
Weil hier manche schreiben, dass das Urheberrecht nur eine Minderheit schützt, möchte ich einwerfen, dass ich dann auch zu dieser Minderheit gehöre.

Meine Programme oder Seiten, die ich für Kunden erstellt habe, fallen unter das Urheberecht, Fotos, doie ich auf meiner Homepage habe genauso, Texte die ich veröffentliche etc. Und ich finde es durchaus ok, dass ich selbst bestimmen kann, wie andere damit umgehen dürfen. Ich darf mir ein Lizenzmodell aussuchen und dieses dem jeweiligen Werk zuordnen. Wenn ich das nicht dürfte, hätte ich deutlich weniger dzur Verfügung gestellt. Denn dann könnte ich meine Werke nur durch Verstecken schützen.

Und ich bin kein multinationaler Konzern.

Es gibt mittlerweile kostenfreie Alternativen zu allem. Fernsehen für Filme, Radio und freie Musiker für Musik, kostenfreie Rollenspiele etc. Wenn es nicht kostenfrei ist, dann hat das eben der Rechteinhaber so festgelegt und basta. Wenn man das System schlecht findet, dann ist die einzige Alternative, diese Dinge nicht zu holen (legal oder illegal). Denn wenn man sich geschützte Werke illegal kopiert (ob nun Schaden entsteht oder nicht ist egal) dann signalisiert man, dass Bedarf für die kostenpflichtigen Werke existiert und legitimiert erst recht das System.

Wer also ernsthaft gegen Urheberrecht ist, darf nicht raubkopieren.


Meiner Erfahrung nach sind aber die meisten Argumente gegen Rechteinhaber und fürs Kopieren Scheinargumente, die nur das "Boah ey, ich hab das echt krass umsonst bekommen" rechtfertigen sollen.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Thot am 13.09.2009 | 08:37
[...]
Meiner Erfahrung nach sind aber die meisten Argumente gegen Rechteinhaber und fürs Kopieren Scheinargumente, die nur das "Boah ey, ich hab das echt krass umsonst bekommen" rechtfertigen sollen.

Das nehme ich zwar auch so wahr, jedoch sehe ich nicht, wie man die Uhr zurückdrehen und verhindern können soll, dass die Leute das Material umsonst bekommen. Das Netz ist da und kopieren gehört ganz elementar zu seiner Funktionsweise.

Ich glaube, es ist nur eine Frage der Zeit, bis das heutige Konzept der Nutzungsrechte fällt, weil es sich nicht mehr durchsetzen lässt. Das wird zur Folge haben, dass viele Berufe, die von eben jenen Nutzungsrechten leben, aussterben und zu einer Freizeitaktivität werden - oder zu einer Dienstleistung, bei der Arbeitgeber oder Auftraggeber für die Arbeitszeit selbst bezahlen, und nicht direkt für das Ergebnis (ähnlich wie das Geschäftsmodell von OpenSource-Entwicklungshäusern funktioniert). In der Folge werden Dinge wie z.B.  teure Kinofilmproduktionen nicht mehr vorkommen (ein Jammer), aber es wird immer Hobbyisten geben. Man denke nur an all die StarTrek- und StarWars-Fanproduktionen, die sich ja durchaus sehen lassen können.

Bis diese Erkenntnis sich aber auch bei den Gesetzgebern weltweit durchgesetzt hat, wird es noch einige Zeit dauern. Bis dahin ist die Rechtslage klar.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Arkam am 13.09.2009 | 08:58
Hallo zusammen,

ich hoffe das das sich auch im Netz durchsetzt das es ein Recht am eigenen Werk gibt.
Ich hoffe aber auch das sich eine Unterscheidung und neue Geschäftsmodelle durchsetzen.

Denn ein kommerzielles Produkt, wie etwa ein Hollywood Film und das Forschungsergebnis eines mit Steuergeldern finanzierten wissenschaftlichen Instituts sind zwei verschiedene Dinge.
Beim ersten haben Privatpersonen einen erheblichen Betrag aufgewendet um ein Werk zu schaffen mit dem sie Gewinn machen wollen.
Beim zweiten hat ein Forscher mit Geld das im die Gesellschaft zur Verfügung gestellt hat Ergebnisse gewonnen die er in den meisten Fällen ja seinen Kollegen und allen Interessierten zur Verfügung stellen möchte.

Ich hoffe das sich bei Werken die man sowohl in materieller Form, also etwa ein Rollenspielbuch, als auch in immaterieller Form, etwa ein Rollenspiel PDF, eine parallele Nutzung duchsetzt. Also das man verstärkt die Möglichkeit bekommt beisde in einem preisreduzierten Bündel zu bekommen.

Gruß Jochen
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Little Indian #5 am 13.09.2009 | 14:23
Ich bin ja immer noch der Meinung, dass die Künstler die Rechte an ihren Werken haben sollten.

Das ist auch so - jedenfalls nach deutschem Recht.

Das Urheberrecht schützt den Urheber, also gem. §§ 7, 8 UrhG denjenigen, der das Werk geschaffen hat. Dieses Recht kann - außer im Todefalle - nicht auf andere übertragen werden (§ 29 UrhG), es steht also ausschließlich und unwiderruflich dem Urheber zu.

Wenn also eine Musikfirma gegen Downloader vorgeht, dann nicht aus dem Urheberrecht, sondern wegen der Verletzung von Nutzungsrechten (die allerdings auch zur Abmehnung und zum Schadensersatz berechtigen). Diese Nutzungsrechte haben sie aber durch einen entsprechenden Vertrag vom Künstler selbst erhalten. Also bestimmt der Künstler, wer und in welcher Weise seine Werke verwertet. Ein illegaler Download verstößt also (auch und vor allem) gegen den Willen des Künstlers. Und nicht nur gegen den der "Industrie".
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Little Indian #5 am 13.09.2009 | 14:31
Sowohl das Scannen als auch das Kopieren für meine Freunde ist mir im Sinne der Privatkopie gestattet.

Ach ja, die nicht totzukriegende Legende der Privatkopie.

Ein Blick ins Gesetz macht da gleich schlauer:
Zwar ist es tatsächlich erlaubt, Kopien urheberrechtlich geschützter Werke zum eigenen Gebrauch anzufertigen (§ 53 Absatz 1 UrhG). Diese dürfen allerdings nicht an Dritte weitergegeben werde (auch nicht an Freunde) (§ 53 Absatz 6 UrhG).
Und übrigens – weil es ja hier (eigentlich) um Rollenspiele geht und nicht um Musik: Die „Privatkopie“ von Druckwerken ist generell unzulässig, außer mit ausdrücklicher Genehmigung des Rechtsinhabers (§ 53 Absatz 4 UrhG).

Und auch wenn man ein Gesetz nicht für richtig hält, ist man trotzdem dazu verpflichtet es zu befolgen. Und wenn man das nicht tut, muss man halt mit den vorgesehenen Sanktionen rechnen.

Nur um mal ein paar offensichtlich vorhandene Fehlvorstellungen geradezurücken.

*Klugscheißmodus aus*
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: scrandy am 13.09.2009 | 18:09
Hier der Gesetzestext zum Mitlesen (http://bundesrecht.juris.de/urhg/__53.html)
Und hier zum Überblick:
http://de.wikipedia.org/wiki/Privatkopie#Deutschland (http://de.wikipedia.org/wiki/Privatkopie#Deutschland)

Warum du die Privatkopie als Legende bezeichnest, wo sie doch in Gesetze gegossen ist, verstehe ich nicht wirklich. Klar, du hast recht: Vollständige Kopien dürfen bei Büchern nicht durchgeführt werden. Deswegen habe ich ja auch von "Vergriffenen Büchern" geredet, die eben doch laut Gesetz erlaubt sind.
Zitat
Ansonsten kenne ich Kopien noch von vergriffenen Regelwerken, wo sich Gruppen einfach untereinander helfen, weil sie Edition XYZ nicht mehr bekommen

Dabei handelte es sich nicht mal um eigene Kopien, denn ich habe für alte Werke gute Quellen im Internet. Ich kenne aber Leute, die nach einem Editionswechsel (ich glaube es war Shadowrun) nicht mehr auf gewisse Quellenbände zurückgreifen konnten und sich diese deswegen innerhalb der Gruppe kopiert haben. Ob da einer schon alle Werke hatte oder ob man ein Werk übers Antiquariat bekommen hat und den Rest kopiert hat, weiß ich nicht, weil ich nicht in dieser Runde war.

Jedenfalls halte ich solche Privatkopien für legitim und das Gesetz sieht das wohl auch so.

Was die DSA-PDFs betrifft waren das zwar auch 3er PDFs als alle schon längst 4te Edition spielten, aber ich muss zugeben, dass mich das wenig gejuckt hätte. Und ich glaube auch nicht, dass es die DSA-Redaktion stört, wenn man PDFs zum Eigengebrauch scannt wenn die Spieler reichlich Regelwerke im Schrank haben nur um im Zug oder auf ner CON noch schnell was nachschlagen zu können, wo man seine halbe Bibliothek zuhause hat.

Ich finde eh, dass das im Rollenspielbereich wenig Bedeutung hat. Ich bin zwar gegen das Urheberrecht in aktueller Form, habe aber dennoch sowohl Rollenspiele als auch PC-Spiele usw. alle im Original und in der Regel in größerer Zahl als ich sie wirklich spiele. Sammeltrieb läßt grüßen. Deswegen ist die Raubkopie-Diskussion für Rollenspiele meiner Meinung überflüssig.

Im Musik-Bereich finde ich wird sich die Musik-Industire einfach umstellen müssen und im Filme-Bereich denke ich eher, dass Kopien durchaus einen Konsumfördernden Effekt haben. Denn ich habe seit dem Anfang von DIVX und co eher eine Steigerung des Filmkonsums wahrgenommen. Und die Liste der kommerziell erfolgreichsten Filme gibt mir da recht. Daraus schließe ich eigentlich einfach nur eine Veränderung des Marktes aber nicht unbedingt das Aus für gute Filme.

Da aber die Grundsatzdiskussion zum Raubkopieren hier eigentlich OFF-Topic ist, würde ich das eher für eine Diskussion im Speakers-Corner Bereich vorschlagen und nicht hier fortsetzen, wo es doch um die praktischen Konsequenzen für den RPG-Markt geht.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 13.09.2009 | 18:43
Das Raubkopien bei Musik- oder Rollenspielverlagen gar kein, oder nur ein eingebildetes, Problem währen ist schon wunschdenke.
Aber genauso wunschdenke ist es, das man das irgendwie Sinnvoll verhindern könnte. Es müssen also Konzepte her, die einerseits das Kopieren nicht über Gebühr Kriminalisieren, aber andererseits einen Anreiz bieten sich das Original zu kaufen.
Solche Zusätze wie schöne Karten und anderes Gedöhns sind da durchaus ein Gangbarer Weg, wie ja auch die Musikindustrie versucht CD´s mit irgendwelchen Gimmicks auszustatten um den Kaufreiz zu erhöhen. Das man dann mehr dafür zahlen muss ist natürlich klar.
Wer auch imer da vorne geschrieben hatte, eine Musik-CD zu machen wäre weniger Arbeit als ein Buch zu schreiben, der möge mir mal bitte sagen wie er zu dieser Weisheit gekommen ist.  ::)
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: D. M_Athair am 13.09.2009 | 19:57
Ich zitiere mal Markus Staiger, Chef des Plattenlabes Nuclear Blast:
Zitat
„Natürlich entsteht uns ein finanzieller Schaden durch Raubkopien,
doch brachten unsere Experimente mit Sicherheitsmaßnahmen nur
Ärger ein. Also haben wir uns entschieden darauf zu verzichten.
Andererseits ist es für eine Band wie Nightwish auch eine tolle
Sache, wenn ihre Musik Menschen erreicht, die im Laden vielleicht
einfach an den CDs vorbei gelaufen wären“ (von 2003)

Im Übrigen hatte NB im Gegensatz zu den Branchenriesen (Universal, EMI, Sony BMG und Warner)
KEINEN Umsatzeinbruch. Bei anderen Indie-Labels sieht's ähnlich aus.

Woran liegt's?
Vielleicht am Ruf der Majors? (Reine Gewinnorientierung auch gegen die Interessen der Musiker & Fans)
Am Kopierschutz? (Die meisten Indie-Labels verzichten darauf ihre Tonträger zu verkrüppeln.)
...


Aber genauso wunschdenke ist es, das man das [Raubkopieren] irgendwie Sinnvoll verhindern könnte.
Stimmt. Allerding können Verlage etwas dafür tun, dass die Motivation Raubkopien anzufertigen oder
sich zu beschaffen sinkt. Stichwort: Kundenfreundlichkeit (Kommunikation mit den Kunden, Preisgestaltung, ...).
Dazu kommen Konzepte, wie die von dir erwähnten.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Tequila am 13.09.2009 | 21:39
Fakt ist, dass der Umsatz der Musikindustrie in D seit Anfang des Jahrtausends um 40% zurückgegangen ist. 40%! Was im gleichen Zeitraum im Bereich Filesharing passiert ist, weißt du ja sicher selbst.

Fakt ist, das es zum einen inzwischen so ist, das die Leute immer weniger Geld zur freien Verfügung haben und woran spart man da? Am Brot, an der Butter und am Turnschuh? Oder eher an der Musik?

Zum anderen, und das wird halt gerade von den Majors total gerne verschwiegen: Es gibt heute weit mehr Wege, sein Geld für Unterhaltung auszugeben, als noch vor 10 oder 15 Jahren: Damals entschied man sich zwischen CD, Kino oder äh...genau nichts adnerem mehr.

Heute sind halt noch DVDs hinzu gekommen, Spielkonsolen, Handyspiele und sonstige Downloads hierfür etc. pp.
Die Leute haben aber nicht mehr Geld als früher, eher weniger (Siehe Punkt 1). Das Budget für Unterhaltung verteilt sich also auf mehr Pötte als früher. Und da ist es halt besonders lustig, wenn die Sony/BMG einerseits rumflennt, weil sie 40% weniger an CDs verkauft, aber auf der anderen Seite jubelt das die Verkäufe in allen anderen bereichen immer weiter steigen. Es findet vielfach nur eine Umschichtung innerhalb des Konzernergebnis statt. Der Kunde kann seine 100€ Unterhaltungsbudget pro Monat nur einnmal ausgeben, vor 10 Jahren waren das halt 7 CDs, heute kauft er dafür 2 CD, 2 DVDs und ein Computerspiel....
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Samael am 13.09.2009 | 21:47
Fakt ist, das es zum einen inzwischen so ist, das die Leute immer weniger Geld zur freien Verfügung haben

Achja? Die Arbeitslosenquote ist heute etwas niedriger als 2000 und die Löhne sind jetzt auch nicht dramatisch hinter der Inflation zurückgefallen. Ok, Mehrwertsteuer, aber das kam ja als die Entwicklung schon im vollen Gange war. Wie kommst du also dazu, dass "die Leute" weniger Geld haben als vor ein paar Jahren?

Zum Rest deines Argumentes: Das ist zum Teil nicht von der Hand zu weisen (Filme (früher halt VHS) gibts nun auch schon was länger zu kaufen). Es wäre interessant dazu mal eine Statistik zu sehen.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Beral am 13.09.2009 | 21:52
Menschen können den Wert einer Leistung sehr sensibel einschätzen. Die kapitalistische Profitmaximierung macht satte Gewinne über den eigentlichen Wert der Produkte hinaus. Das Netz bietet plötzlich die Möglichkeit einer Selbstregulierung. Die Ware ist erstmal verfügbar und jeder Mensch kann sich dafür bedanken, wenn er die Ware für gut genug befunden hat.

Gute Künstler, die sich nicht als profitgeile Arschgeigen aufführen, werden ihren Unterhalt weiterhin verdienen. Wer seinen Unterhalt nicht verdienen kann, ist nicht gut genug. Entweder ist seine Ware nicht gut genug, oder er mindert den Wert der Ware durch seine Einstellung, die den Leuten nicht gefällt.

Es mag nach heutiger Gesetzeslage dreifach kriminell sein, aber ich sehe die Entwicklung positiv. Die Qualität der Produkte wird wichtiger werden als die Profitmaximierung. Warenwert und Verdienst werden sich selbstregulatorisch einpendeln. Künstler, die gute Arbeit machen und sich nicht an das alte System klammern, werden keinen Ruin befürchten müssen. Künstler, die zu Millionären werden, obwohl sie es nicht verdienen, wird es weniger geben.

Bei jeder Veränderung gibt es Menschen, die davon nachteilig betroffen sind. Sie jammern und wehren sich mit Händen und Füßen. Der Wandel wurde dadurch aber noch nie aufgehalten, höchstens etwas hinausgeschoben.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Tequila am 13.09.2009 | 22:08
Achja? Die Arbeitslosenquote ist heute etwas niedriger als 2000 und die Löhne sind jetzt auch nicht dramatisch hinter der Inflation zurückgefallen. Ok, Mehrwertsteuer, aber das kam ja als die Entwicklung schon im vollen Gange war. Wie kommst du also dazu, dass "die Leute" weniger Geld haben als vor ein paar Jahren?

Zum Rest deines Argumentes: Das ist zum Teil nicht von der Hand zu weisen (Filme (früher halt VHS) gibts nun auch schon was länger zu kaufen). Es wäre interessant dazu mal eine Statistik zu sehen.

Der VHS Kaufmarkt war aber nie auch nur annähernd so stark wie der DVD Markt. Ich sammel un schon seit Ewigkeiten Filme und meine VHS habe ich damels hauptsächlich von Börsen und aus Videotheken bekommen, nur in den wenigsten Fällen (ca. 10 von über 1000) im Einzelhandel. Heute finden bei mir viele Käufe durchaus im Einzelhandel statt.

Kaufkraftmäßig stehen die meisten Leute schon schlechter als noch vor 10 Jahren da. Die reinen Lebenserhaltungskosten (Nahrungsmittel etc.) wurden teilweise extrem günstiger, das wurde aber durch die stark gestiegenen Energiekosten mehr als aufgefressen.
Da aber das Lohnniveau der Leute eben nicht im GLeichen Maße gestiegen ist wie die Kosten (Die Arbeitslosenquote mag gesunken sein, aber Arbeitsplätze wurden hauptsächlich im Niedrig und Niedrigstlohnsegment geschaffen), gibt es im Endeffekt weniger Kaufkraft als früher
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Ludovico am 13.09.2009 | 22:17
Wie wäre es, wenn man es so hält wie einige Online-RPGs:
Das Produkt (eher PDF) ist frei erhältlich und ebenso die Quellenbücher, aber um es voll auszureizen, bzw. die Boni zu kriegen, muss der Kunde Geld ausgeben (nur so eine Idee).
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Edler Baldur am 13.09.2009 | 22:50
Im übrigen möchte ich mal auf ein interessantes Dokument (http://ec.europa.eu/information_society/eeurope/i2010/docs/annual_report/2009/sec_2009_1103.pdf) verweisen , insbesondere Seite 56 folgende.
Und für Interessierte, hier die Hauptseite (http://ec.europa.eu/information_society/eeurope/i2010/index_en.htm).

Im übrigen kann ich sagen, dass ich die Musikindustrie im Moment genauso unterstütze, wie vor 2000, nämlich gar nicht, da ich kein Musikhörer bin, da ich aber bestimmt 300 CD/DVD-Rohlinge gekauft habe, seid 2000, geht die Musikindustrie davon aus, dass ich einen Schaden in was für einer Höhe auch immer angerichtet habe, ne ist klar, tolle Logik.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 14.09.2009 | 08:53
Woran liegt's?
Vielleicht am Ruf der Majors? (Reine Gewinnorientierung auch gegen die Interessen der Musiker & Fans)
Am Kopierschutz? (Die meisten Indie-Labels verzichten darauf ihre Tonträger zu verkrüppeln.)
Ich denke nicht, dass soviele Menschen so politisch denken. Der Hauptgrund ist IMHO, das die Major-Labels ihr Geld mit Belibigkeitsmusik machen. Die haben Fans der kleineren Bands haben ein sehr viel engeres Verhältnis zu ihrer Band und machen sich tatsächlich Gedanken darüber, das die davon auch Leben müssen. Bei Madonna&Co sagt  sich hingegen jeder "Die verdient auch so genug".
Ich mach das auch nicht anders. Beliebige Musik hol´ ich mir bei Napster, CDs von kleineren Bands von denen ich Glaube dass bei denen noch jeder Cent zählt kaufe ich die CD, weil die Gewinne für die Bands von CDs höher sind als bei Downloadkäufen.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Tantalos am 14.09.2009 | 09:00
Zitat
weil die Gewinne für die Bands von CDs höher sind als bei Downloadkäufen.
Ist das so. Wenn Du das weißt  :P
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 14.09.2009 | 09:02
Ist das so. Wenn Du das weißt  :P
War auf jedenfall bei der letzten Aufstellung die ich gelesen habe so...
Hast du irgendeinen Grund das anzuzweifeln?  wtf?
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Little Indian #5 am 14.09.2009 | 09:15
Im übrigen möchte ich mal auf ein interessantes Dokument (http://ec.europa.eu/information_society/eeurope/i2010/docs/annual_report/2009/sec_2009_1103.pdf) verweisen , insbesondere Seite 56 folgende.

Ist sehr interessant (vielen Dank für den Link), vor allem die Statistik auf S. 59. Dass P2P-Datenverkehr (der ja - seien wir ehrlich - nahezu ausschließlich das illegale Kopieren urheberrechtlich geschützter Daten beinhaltet) fast 70 % des Datenverkehrs aus Deutschland ausmacht, ist schon extrem. Na gut, die Quelle hierfür ist die IFPI, die mag aus eigenem Interesse das Ganze etwas hochspielen, aber dass der illegale Datentausch einen so erheblichen Umfang hat, ist schon heftig.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Tantalos am 14.09.2009 | 09:17
War auf jedenfall bei der letzten Aufstellung die ich gelesen habe so...
Hast du irgendeinen Grund das anzuzweifeln?  wtf?

Ja, ist hier aber offtopic.
Ich wollte nur mal deine eventuell falschen, da pauschalen Aussagen hier offen legen. Nichts für ungut.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 14.09.2009 | 09:25
Ja, ist hier aber offtopic.
Ich wollte nur mal deine eventuell falschen, da pauschalen Aussagen hier offen legen. Nichts für ungut.
Ist überhaupt nicht off topic. Deine Falisfizierten und unpauschalen Aussagen würden hier bestimmt vielen weiterhelfen:
 Schlecht gefrühstückt?
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Little Indian #5 am 14.09.2009 | 09:26
Wie wäre es, wenn man es so hält wie einige Online-RPGs:
Das Produkt (eher PDF) ist frei erhältlich und ebenso die Quellenbücher, aber um es voll auszureizen, bzw. die Boni zu kriegen, muss der Kunde Geld ausgeben (nur so eine Idee).

Eine interessante Alternative ist auch das "Ransom"-Modell, wie es etwa Greg Stolze für "Reign" benutzt: Man bittet die User, per Paypal für ein bestimmtes Werk (z.B. ein Quellenbuch) zu spenden und wenn ein bestimmter Betrag erreicht wurde, dann wird das Quellenbuch zum freien Download für alle freigeschatet.

So kann der Autor von vorneherein festlegen, welchen Wert seine Arbeit haben soll (er arbeitet dann eben für ein festes Honorar und nicht eine Umsatzbeteiligung) und auf welchem Weg das Werk nach seiner Veröffentlichung dann verbreitet wird, kann ihm egal sein.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: MadMalik am 14.09.2009 | 10:13
War auf jedenfall bei der letzten Aufstellung die ich gelesen habe so...
Hast du irgendeinen Grund das anzuzweifeln?  wtf?

Bei Bands die ohne Laben im Eigenvertrieb das Zeug im Download für 1-2€ billiger anbieten als in CD/CDR Fassung.
Ja, da habe ich meine berechtigen Zweifel. Das die Künstler bei großen Labels bei Downloadverkäufen auch dick
verarscht werden und wieder nur minimalistische Gewinnbeteiligung bekommen, naja, das überrascht wohl keinen.
Das ist dann aber ein Problem des Labelvertrags und nicht des Verkaufsystems an sich.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: grasi am 14.09.2009 | 10:54
Ich kann zu der Diskussion nicht allzuviel beitragen, außer dass ich denke, dass sich RATTEN! sich nicht so gut verkauft hätte, wenn wir vorher das Spiel nicht als freies PDF angeboten hätten. Das Spiel ist aber auch recht günstig, das spielt sicherlich auch mit rein.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Eulenspiegel am 14.09.2009 | 11:21
Eine interessante Alternative ist auch das "Ransom"-Modell, wie es etwa Greg Stolze für "Reign" benutzt: Man bittet die User, per Paypal für ein bestimmtes Werk (z.B. ein Quellenbuch) zu spenden und wenn ein bestimmter Betrag erreicht wurde, dann wird das Quellenbuch zum freien Download für alle freigeschatet.
Das Problem ist, dass man hier die Katze im Sack kauft. Das heißt, ich gebe Geld für ein Werk aus, von dem es noch keine Rezension gibt (da das Werk ja noch gar nicht existiert).

Außerdem kann es passieren, dass ich Geld für ein Werk ausgebe, das niemals erscheinen wird (da es nicht genug Spenden gibt). Ich habe dem Autor also vielleicht 30 € gespendet in der Hoffnung, dass das Quellenbuch herauskommt. - Da ich aber der einzige bin, der daran interessiert ist, kommt nicht genug Geld zustande und meine 30€ sind umsonst ausgegeben.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Thot am 14.09.2009 | 11:24
Trotzdem hat das Spendenmodell einiges für sich: Der Autor wird nicht durch Werbekunden "käuflich", sondern ist nur seinen Lesern verpflichtet. Varianten, die bei Nichtzustandekommen das Geld zurückerstatten, sind ja denkbar.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Samael am 14.09.2009 | 11:24
Ich nehme doch mal an, dass die Kohle zurückgezahlt werden muss, wenn das Werk nicht erscheint.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Ein am 14.09.2009 | 12:35
Greg Stolze reicht die Spenden an ein Obdachtlosenheim weiter, wenn sie nicht ausreichen, um das Lösegeld zu bezahlen.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Joerg.D am 14.09.2009 | 12:52
Ne, die Summe wird erst dann wirklich fällig, wenn es zum Onlinestellen der Inhalte geht. Falls der Mindestbetrag nicht voll wird, wird die Zahlung via PayPal nicht fällig.

Außerdem ist das Problem noch nie aufgetreten, die Spendensumme war immer recht schnell voll.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Eulenspiegel am 14.09.2009 | 13:14
Es kommt halt darauf an, wie groß die Fangemeinde ist:
Wenn man bei WoD oder DSA so ein Spenden/Lösegeld-Modell anbieten würde, wäre die Summe sicherlich recht schnell voll.

Wogegen man beim Buxtehude-Brettspiel wahrscheinlich mehrere Jahre warten müsste, bis die Summe voll wird. (Wenn überhaupt.)
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Edler Baldur am 14.09.2009 | 13:21
Zitat
Dass P2P-Datenverkehr (der ja - seien wir ehrlich - nahezu ausschließlich das illegale Kopieren urheberrechtlich geschützter Daten beinhaltet) fast 70 % des Datenverkehrs aus Deutschland ausmacht, ist schon extrem.

Mich hat dies eigentlich nicht überrascht, man schaue sich nur mal bei Chip.de die Top-Downloads an, von den Top100 sind 11 Dateien P2P-Programme, die zusammen fast 50 Millionen mal runtergeladen wurden. Selbst unter der Annahme, dass davon nur 10% noch aktuell installiert sind, bleiben alleine aus der Quelle 5 Millionen übrig und die meisten Leute benutzen P2P nicht für legale Dateien. Hinzu kommt, dass seid 2003/4 ja auch vermehrt Filme dort getauscht werden, ein FilmRip in BD-Qualität benötigt dann halt 4-6 GB.
Oder Computerprogramme, etc.

Was meiner Ansicht nach sehr interessant ist, die Festplatten werden immer größer, die Internetverbindungen immer schneller, Größe und Menge von illegal kopierten Dateien nimmt zu... ::)
Aus meiner Sicht gibt es auch mindestens zwei Gewinner bei dem Spiel, Internetprovider und Festplattenhersteller, wäre mein Tip.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: 6 am 14.09.2009 | 13:49
Wogegen man beim Buxtehude-Brettspiel wahrscheinlich mehrere Jahre warten müsste, bis die Summe voll wird. (Wenn überhaupt.)
Naja. Das Buxtehude-Brettspiel (http://www.amazon.de/Huch-Friends-75082-Ausgerechnet-Buxtehude/dp/B000BNIAR6/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=toys&qid=1252928349&sr=8-1) ist eigentlich ziemlich gut verkauft worden. ;)

Aber Ernst beiseite:
GMT arbeitet schon seit Jahren mit einem ähnlichen Vertriebsmodell. Das nennt sich P500. Ein Spiel wird vorgestellt und es kann vorbestellt werden. Dann wenn mindestens 500 Spiele vorbestellt wurden, wird es produziert (ich glaube eine 1000-er Auflage). Das Prinzip nutzt GMT glaube ich für alle seine Spiele. Auch für spätere Auflagen.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: ChristophDolge am 14.09.2009 | 14:02
Ich denke, um mal auch meine Aussagen auf das Rollenspiel zu fokussieren: Hier kommt es auf die Markstellung des von Raubkopien betroffenen Verlags an. Ist dieser nämlich sehr groß (WotC, Pegasus), dann wird er durch diese Verbreitungsform tatsächlich Schaden nehmen, da sich das dann auch Leute besorgen, die die Schriftwerke brauchen, aber nicht kaufen wollen (weil es das in der Gruppe z.B. schon einmal gibt, man sich aber nicht ständig in nur ein Regelwerk teilen kann) - und aus der Sicht des SLs ist das dann fast schon legitim: An jene Spieler, die kein Regelwerk ihr eigenen nennen, verteile ich halt eine CD mit PDFs, statt sie zu bitten, doch den Verlag und damit das Hobby durch den Kauf des Buches zu unterstützen (was man ja auch nicht jedem Casual Gamer zumuten muss - wenn man sich zum Brettspiel trifft, reicht ja auch eine Box). Da können durchaus Einbußen entstehen.
Bei kleineren Verlagen sehe ich aber auch eher den hier beschworenen Werbeeffekt.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Little Indian #5 am 14.09.2009 | 15:35
Ich denke, um mal auch meine Aussagen auf das Rollenspiel zu fokussieren: Hier kommt es auf die Markstellung des von Raubkopien betroffenen Verlags an. Ist dieser nämlich sehr groß (WotC, Pegasus), dann wird er durch diese Verbreitungsform tatsächlich Schaden nehmen, da sich das dann auch Leute besorgen, die die Schriftwerke brauchen, aber nicht kaufen wollen [...] Bei kleineren Verlagen sehe ich aber auch eher den hier beschworenen Werbeeffekt.

Hä?  wtf?
Der kleinere Verlag hat doch genau dieselben Umsatzeinbußen durch illegale Kopien der von ihm vertriebenen Werke wie der große. Und da er einen geringeren Umsatz macht, werden ihn die Umsatzverluste auch eher noch schwerer treffen. Ob eine solche Umsatzeinbuße durch einen "Werbeeffekt" wieder ausgeglichen werden kann, halte ich für höchst fraglich.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: ChristophDolge am 14.09.2009 | 15:36
Allerdings setzen gerade die kleinen Verlage auf innovative Werbekonzepte und sind neuen Medien gegenüber eher aufgeschlossen als die großen Alten.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Little Indian #5 am 14.09.2009 | 15:38
Allerdings setzen gerade die kleinen Verlage auf innovative Werbekonzepte und sind neuen Medien gegenüber eher aufgeschlossen als die großen Alten.

Mag ja sein, aber sich die Verbreitung von Raubkopien als "innovatives Werbekonzept" schönzureden, ist doch schon ein ziemlich heftiger Euphemismus.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: ChristophDolge am 14.09.2009 | 15:40
Siehe Degensis-Beispiel: Die Verlage (zumindest jene, von denen ich spreche) verbreiten die PDFs (kostenlos!) selbst. Das hat sich zumindest in Deutschland durchaus bewährt - bei kleinen Auflagen, die sich vor allem an Sammler und nicht unbedingt an Neueinsteiger richten.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Samael am 14.09.2009 | 15:43
Da mag was dran sein. Die Marktführer verlieren eher durch .pdf Zirkulation, weil sie jeder kennt und potentielle Kunden verloren gehen, die Underdogs gewinnen eher, weil der Bekanntheitsgrad erhöht wird und einige Leute das Produkt dann doch legal erwerben.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Eulenspiegel am 14.09.2009 | 15:45
Siehe Degensis-Beispiel: Die Verlage (zumindest jene, von denen ich spreche) verbreiten die PDFs (kostenlos!) selbst. Das hat sich zumindest in Deutschland durchaus bewährt - bei kleinen Auflagen, die sich vor allem an Sammler und nicht unbedingt an Neueinsteiger richten.
Also wenn ich das kostenlose Degenesis mit dem kostenträchtigen Engel vergleiche (beides deutsche Produktionen), dann bezweifle ich, dass der Werbeeffekt von kostenlosen PDFs so wirksam ist:
1) Engel ist bekannter als Degenesis.
2) Engel wurde mehr verkauft als bei Degenesis.

Alles in allem scheint die Sache mit dem kostenlosen PDFs nicht so erfolgreich zu sein. (Was ganz anderes ist es, wenn man nicht die kostenlose Vollversion, sondern nur eine Demoversion ins Netz stellt, wie es Savage Worlds getan hat. - So etwas kann durchaus erfolgreich sein.)
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Little Indian #5 am 14.09.2009 | 15:50
Siehe Degensis-Beispiel: Die Verlage verbreiten die PDFs selbst.

Und genau das ist das entscheidende: Der Verlag hat sich in diesem Fall selber dafür entschieden, diesen Weg der Verbreitung zu gehen und das Regelwerk als Gratis-pdf zu verbreiten. Dabei ist man sich sicher des Risikos bewusst gewesen, sich selbst Umsatzeinbußen zuzufügen, weil manche Spieler sich die Regeln nicht mehr als Buch kaufen müssen, weil sie ja schon den (legal erworbenen) Download besitzen. Ein solches Risiko kann man dann betriebswirtschaftlich einschätzen und in Kalkulationen etwa der Autorenhonorare usw. einfließen lassen. In dieses Risiko hat also der Verlag - und ebenso die Autoren, in deren Verträgen so etwas sicherlich auch vereinbart wurde - eingewilligt.

Dass das eigentlich nur kostenpflichtig erhältliche Werk aber illegal kopiert und verbreitet wird, ist ein Risiko, in das ein Verlag nicht einwilligt und das auch nicht dem Willen der entsprechenden Autoren entspricht. Wer das tut, beraubt nicht nur den Verlag seines Umsatzes sondern auch die Autoren ihrer Tantiemen (und zwar bereits dann, wenn auch nur ein einziger User eine entsprechende Datei besitzt und sich nicht hinterher das entsprechende Werk im Original kauft).

Und bei Musikern mag es zwar stimmen, dass die auch über Tourneen noch Umsätze machen können, aber bei Autoren (gerade im Rollenspielbereich) ist das ja wohl eher nicht möglich. Somit werden illegale Kopien dazu führen, dass immer weniger Autoren in Vollzeit Rollenspiele schreiben können, weil sich das einfach nicht mehr für sie rentiert. Das bedeutet nicht nur, dass der Output in diesem Bereich weiter sinken wird, sondern dass auch immer mehr "Hobby-Autoren" sich hier betätigen werden. Und ob das mittel- und langfristig für eine erhöhte Qualität der entsprechenden Produkte sorgen wird, wage ich zu bezweifeln.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 14.09.2009 | 15:56
1) Engel ist bekannter als Degenesis.
2) Engel wurde mehr verkauft als bei Degenesis.
Ist das so? Zu den Zahlen kann ich nichts sagen. Was die Bekanntheit angeht, da denke ich hält sich das die Waage. Jedenfalls in meinem Umfeld.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Beral am 14.09.2009 | 16:01
Ne, die Summe wird erst dann wirklich fällig, wenn es zum Onlinestellen der Inhalte geht. Falls der Mindestbetrag nicht voll wird, wird die Zahlung via PayPal nicht fällig.

Außerdem ist das Problem noch nie aufgetreten, die Spendensumme war immer recht schnell voll.
Heißt das, Reign lässt sich irgendwo kostenlos downloaden?
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Thot am 14.09.2009 | 16:27
IIRC war das bei Zusatzbüchern so, beim Kernregelwerk hat er das nicht gemacht.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Joerg.D am 14.09.2009 | 16:32
Heißt das, Reign lässt sich irgendwo kostenlos downloaden?

Greg hat das Reign Regelwerk über Lullu vertrieben und die PDF war/ist leider nicht kostenlos (ich habe mir beides gekauft). Es gibt nur die Zusatzbände kostenlos im Internet zum Download.
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: carthoz am 14.09.2009 | 18:38
Also wenn ich das kostenlose Degenesis mit dem kostenträchtigen Engel vergleiche (beides deutsche Produktionen), dann bezweifle ich, dass der Werbeeffekt von kostenlosen PDFs so wirksam ist:
1) Engel ist bekannter als Degenesis.
2) Engel wurde mehr verkauft als bei Degenesis.
1) würde ich so nicht unbedingt unterschreiben - woher hast du diese Aussage? Kurze Erhebung im Bekanntenkreis?
2) wüsste ich gern, woher du die Verkaufszahlen von Engel hast. Bei DeGenesis war die ursprüngliche Auflage 1000, soweit ich weiß, und die wurde komplett verkauft. Für einen Verlag, den es vorher nicht gab, eine beachtliche Leistung. Zählt man noch die Downloads dazu, würde ich behaupten, dass mehr Leute ein DeGenesis-Regelwerk ihr eigen nennen als dies für Engel behauptet werden kann.
Kleine Erläuterung: Ich habe die 1. Edition von Engel hier im Schrank stehen, von DeGenesis aber keine. Warum? DeGenesis konnte ich vorher ansehen und mir daraus erschließen, dass es nichts für mich ist. War mir bei Engel nicht möglich.
So gesehen kann natürlich ein Verlag seine Bilanzen dadurch verbessern, dass ein Kunde Fehlkäufe nicht schon im Vorfeld verhindern kann - wer Previews und kostenlose Ausgaben seiner Werke ins Netz stellt, muss natürlich auch damit rechnen, dass es potentiellen Kunden nicht gefällt. Demnach kann man das Vermeiden solcher "neumodischer" Vermarktungstaktiken natürlich auch als Sicherung des Einkommens verstehen - ob das intendiert ist, vermag ich nicht zu sagen.

Alles in allem scheint die Sache mit dem kostenlosen PDFs nicht so erfolgreich zu sein. (Was ganz anderes ist es, wenn man nicht die kostenlose Vollversion, sondern nur eine Demoversion ins Netz stellt, wie es Savage Worlds getan hat. - So etwas kann durchaus erfolgreich sein.)
Naja, wenn du eine schon seit mehreren Jahren laufende englische Fassung ins Deutsche überträgst, kannst du relativ sicher sein, dass heutzutage schon etliche Leute davon gehört haben - außerdem gibt es ja mittlerweile auch kostenlose Heftchen der GamesOrbit, die ja immer positiv Neuheiten vorstellen, und da wurde Savage Worlds auch groß aufbereitet. Außerdem liegen die Schnellstartregeln auch als Print in Spieleläden.
Und inwieweit machen jetzt kostenlose Schnellstarter oder Demo-Kits eine nicht kostenlose Vollversion erfolgreich?!

Insgesamt finde ich ein wenig schade, dass hier weniger auf neue Konzepte eingegangen wird, sondern häufig das übliche "Raubkopien sind geil/scheiße, weil..." - "gar nicht, weil..." kommt.  :-\
Tatsächlich scheint es ja so zu sein, dass viele schon mit Kopien von Rollenspielprodukten in Kontakt gekommen sind - interessant wäre ja wirklich, herauszufinden, wie viele deswegen etwas nicht gekauft haben, was sie sonst gekauft hätten, es aber trotzdem nutzen. Ebenso interessant wäre aber auch, genauer sagen zu können, wer sich z.B. die aktuellen DSA-Regeln zieht, sie nicht kauft, aber eben wegen des kostenlos möglichen Blicks beschlossen hat, dass er sich DSA nicht kaufen will. Hätte ich z.B. im Vorfeld (legal!) die Möglichkeit gehabt, mir das Engel-Regelwerk anzusehen (z.B. als PDF), hätte ich es mir vermutlich auch nicht gekauft. Kennt ihr Situationen, wo Leute gesagt haben "ich hab mir das mal 'besorgt', ist nichts für mich", im Idealfall noch mit ergänztem "hab ich wieder gelöscht"?

Um noch auf ein paar Konzepte einzugehen:
Das Ransom-Modell finde ich zum Beispiel hochinteressant! Gibt es da Beispiele für Nicht-PDF-Produkte oder Grundregelwerke?
Bisher haben ja einige die Kleinst-Rollenspiele erwähnt, die teilweise deutlich von den kostenlosen PDF-Angeboten profitiert hätten. Wie sieht das denn im Vergleich aus? Also: Wie viele Downloads stehen wie vielen Verkäufen gegenüber? Was da jemand mehr? Mag grasi vielleicht einmal aus dem Nähkästchen für Ratten! plaudern?  :D
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Eulenspiegel am 14.09.2009 | 20:16
1) würde ich so nicht unbedingt unterschreiben - woher hast du diese Aussage? Kurze Erhebung im Bekanntenkreis?
Kurze Erhebung im Bekanntenkreis.
Und wenn auf Cons Systeme angeboten werden, merkt man auch, ob die Leute das Spiel eher kennen oder nicht.

Zitat
2) wüsste ich gern, woher du die Verkaufszahlen von Engel hast. Bei DeGenesis war die ursprüngliche Auflage 1000, soweit ich weiß, und die wurde komplett verkauft.
Die genauen Verkaufszahlen habe ich nicht. Allerdings gibt es zu Engel halt nicht nur ein Grundregelwerk, sondern zig Zusatzbände. Das deutet schon darauf hin, dass es recht erfolgreich ist. (Man würde für ein erfolgloses GRW sicherlich nicht zig weitere Zusatzbücher herausbringen.)

Die genaue Auflage kenne ich auch nicht. Aber zumindest die Ordensbücher sind alle vergriffen.

Zitat
Zählt man noch die Downloads dazu, würde ich behaupten, dass mehr Leute ein DeGenesis-Regelwerk ihr eigen nennen als dies für Engel behauptet werden kann.
Ja, wenn man die kostenloses PDFs dazu zählt, glaube ich das gerne.
Aber kostenlose PDFs bringen kein Geld ein. Kostenlose PDFs dienen vielleicht al Werbung (bzw. in deinem Fall als Anti-Werbung), aber was nützt es dem Autor bzw. dem Verlag, wenn jeder Deutsche ein kostenloses PDF zu Hause rumstehen hätte, solange niemand das GRW kauft?

Zitat
Und inwieweit machen jetzt kostenlose Schnellstarter oder Demo-Kits eine nicht kostenlose Vollversion erfolgreich?!
Du kannst mit der Demo-Version testen, ob das Spiel dir gefällt. Da die Demoversion kostenlos ist, ist die Hemmschwelle sehr niedrig, sich eine kostenlose Demoversion herunterzuladen.
Und wenn einem das Spiel gefällt, will er das gerne richtig spielen und holt sich deswegen die Vollversion. (Wenn er dagegen die kostenlose Vollversion zu Hause rumliegen hat, ist die Hemmschwelle, sich die kostenpflichtige Vollversion zu holen wesentlich höher.)
Titel: Re: Raubkopien und Rollenspiel - oder: Brauchen wir neue Konzepte?
Beitrag von: Thalamus Grondak am 14.09.2009 | 20:41
Allerdings gibt es zu Engel halt nicht nur ein Grundregelwerk, sondern zig Zusatzbände. Das deutet schon darauf hin, dass es recht erfolgreich ist. (Man würde für ein erfolgloses GRW sicherlich nicht zig weitere Zusatzbücher herausbringen.)
Die gibt es zu degenesis auch. Und dann muss man noch bedenken das für einen verlag wie F&S ein Buch sicherlich sehr viel Günstiger zu produzieren ist, als für einen Verlag wie SighPress. Jedenfalls vermute ich das.