Stimmungsspiel ist auch schon wieder negativ konotiert? Gibts hier eigentlich noch neutrale Begriffe, oder muss man die wieder mal neu erfinden? Das ist ja schlimmer als in Amerika.
Inzwischen ist ALLES, was nicht mit hardcore chrunchy Herausforderungsminiaturenspiel assoziiert ist, negativ konnotiert. Railroading, Illusionismus, Plot, Stimmungsspiel, Erzählonkel, eSeL, SchErz, Erzählspiel und so weiter: alles Scheiße. Die Besserspieler und -wisser kommen heute halt aus einer anderen Richtung als vor 15 Jahren und das äußert sich auch in den Begrifflichkeiten.
Aber: zwischen dem neunmalklugen Forengequatsche und der Wirklichkeit klaffte immer schon eine gewaltige Lücke. Wenn ich mir auf irgendwelchen Cons die Runden anschaue, läuft da wie vor 20 Jahren auch heute noch zu 90% gruseliger Trash. Nimms also nicht so ernst, was Dir irgendwelche Internettypis als Wahrheit verkaufen wollen. Äh, abgesehen von mir natürlich ~;D
Ich habe den Eindruck gewonnen das viele dieser Begriffe negativ belegt sind weil man mit ihnen Dinge verbindet die nicht mit ihnen verbunden sind.Was heißt "verbunden sind"? Mit einem Begriff "sind" sowieso nie Dinge verbunden, sondern sie werden verbunden. Ein Begriff ist etwas das erst aus der Benutzung entsteht.
Wer außer mir benutzt das Wort ergebnisoffen???? Du bist ja lustig. Check this (http://www.google.de/search?as_q=ergebnisoffen&hl=de&num=100&btnG=Google-Suche&as_epq=&as_oq=&as_eq=&lr=&cr=&as_ft=i&as_filetype=&as_qdr=all&as_occt=any&as_dt=i&as_sitesearch=tanelorn.net&as_rights=&safe=images).
Für mich macht es einen Unterschied, ob ein Begriff normativ gemeint ist, also die Wertung gleich mit zur Bedeutung gehört, oder aber ob es sich dabei um einen eigentlich beschreibenden Begriff handelt, der dann durch eine bestimmte Gebrauchsgeschichte mit Konnotationen belegt wird.Das komische dabei ist ja aber, dass diese Differenzierung für die Wahrnehmung und Benutzung eines Begriffs nur sehr selten eine Rolle spielt. Auch ein normativer Begriff kann seine normative Bedeutung in der Wahrnehmung völlig verlieren oder sogar umkehren. Die normative Kraft der Praxis ist nämlich häufig viel stärker als die normative Kraft irgend einer Definitionshoheit. Railroading ist das beste Beispiel dafür.
Im Powergamer steckte früher ja auch was Abwertendes und es hat sich zwischenzeitlich eine Bedeutungsumkehr eingestellt.Nur in Deutschland. In den USA wurde der eher neutral gesehn. Zumindest meiner Erfahrung nach.
Das komische dabei ist ja aber, dass diese Differenzierung für die Wahrnehmung und Benutzung eines Begriffs nur sehr selten eine Rolle spielt. Auch ein normativer Begriff kann seine normative Bedeutung in der Wahrnehmung völlig verlieren oder sogar umkehren. Die normative Kraft der Praxis ist nämlich häufig viel stärker als die normative Kraft irgend einer Definitionshoheit. Railroading ist das beste Beispiel dafür.
Für mich macht es einen Unterschied, ob ein Begriff normativ gemeint ist, also die Wertung gleich mit zur Bedeutung gehört, oder aber ob es sich dabei um einen eigentlich beschreibenden Begriff handelt, der dann durch eine bestimmte Gebrauchsgeschichte mit Konnotationen belegt wird. Begriffe wie Erzählspiel, Abenteuerspiel oder Stimmungsspiel sind mMn beschreibend. Dass sich dann in bestimmten Kontexten Wertungen damit verbunden haben, ist für mich sekundär. Tatsächlich habe ich bei diesen Begriffen auch nicht das Gefühl, dass darin eine negative Wertung zum Ausdruck kommen soll. Anders ist das bei Begriffen wie Railraoding oder Player Empowerment, die mMn beide eine normative Dimension haben - wobei die im Falle von Railraoding das entsprechende Phänomen als schlecht darstellt, im Falle des Player Empowerment hingegen als gut. (Aus diesem Grund empfinde ich die Frage, ob Railroading etwas Schlechtes darstellt auch immer als unsinnig. Denn für mich gehört genau das, nämlich die negative Wertung zum Begriff.) - Ich beeile mich zu betonen, dass hier im Thread wohl kaum der Platz ist, meine sprachlichen Intuitionen und Überzeugungen zu diskutieren. Aber die Unterscheidung zwischen normativen und deskriptiven Begriffen halte ich hier für wichtig. Mit Blick darauf kann ich die im Threadtitel gestellte Frage auch mit einem schlichten "nein" beantworten.
die Nennung eines ursprünglich normativen Begriffs kann irgendwann ohne Wertung gemeint sein und so verstanden werden (oder sogar mit umgekehrter Wertung) - allerdings geht das zumeist Hand in Hand mit einer Umdefinition.Dann ist die Frage was du mit einer "Umdefinition" meinst. Denn ein Begriff wird eben nicht (nur) gemäß Definition benutzt. Was wenn die Leute weder vorher noch nachher eine Definition kannten? Dann wurde da nichts umdefiniert. Einige mögen es auch schon immer so verstanden haben.