Wenn ich fragen dürfte...welches Alignment hat denn die Gruppe? Gut können die Leute bei dem (geplanten) Backstabbing ja nicht wirklich sein....
Wenn ich fragen dürfte...welches Alignment hat denn die Gruppe? Gut können die Leute bei dem (geplanten) Backstabbing ja nicht wirklich sein....
@Bandit: Unser SL arbeitet mit GIMP, verschiedenen Ebenen und der vollen Ausstattung eines normalen Gamer-Haushaltes (aka Heimnetzwerk, Großbildfernseher). Die grafiken werden von paizo bereitgestellt und vom SL zusammengefügt. Andere Grafiken, Bilder etc. lasseen sich leicht über deviantart.com finden und über das Netzwerk auf den Bildschirm werfen.
Dazu noch die passenden Zufalls-Zufallstabellen, Wettertabellen, Kingdom-Excellisten und Grafiken sowie ein 3D Modell unserer Hauptstadt und ab geht die Luzi :)
Ansonsten: Riesige Gruppe! Passt euer GM die Begegnungen deswegen an?
Und ich bin echt versucht, es auf der Basis von Legends of Anglerre in Hamburg anzubieten. Aber ich glaube nicht, dass sich dafür Spieler fänden.
Feedback motiviert, das ganze weiter zu machen. ~;DWar bisher stiller Mitleser, aber wenn das so ist: Go on, Dude!
Titty TurtleLass mich raten, wer den Namen erfunden hat... ~;D
Nachdem wir die letzten zwei Jahre in Ruhe regieren und unser Reich ausbauen (und, nebenbei gesagt, stinkreich werden) konnten, erreichte uns vor einigen Tagen eine Einladung zu einer Hochzeit.
Jacobi (wohl Gefährte der ersten Stunde, ich kannte ihn noch nicht) hat die Hochzeitsfeier eines seiner zahlreichen Söhne ausgerichtet. Wir haben uns in Schale geworfen und sind hin. Ersteres erwies sich als Fehler, denn bis auf Hakon hatten wir keine Rüstungen an und auch unsere Waffen nicht griffbereit (alles an den Pferden).
Eine der Brautjungfern, eine Gnomin, hatte einen ziemlich aufdringlichen Verehrer, der wohl schon jahrelang hinter ihr her war, von dem sie aber nichts wissen wollte. Als dann die Hochzeitszeremonie losgehen sollte, wartete er mit drei Schwärmen magisch... mutierter Bienen auf.
Die haben sich überhaupt nicht um den Met und Honig im Festzelt gekümmert, sondern sind auf die Gäste los. In ihrem Summen war etwas wie das Wort "Sterbt!" zu hören. Naja, ich hab sie mit Säurebomben bekämpft, Menolly mit Lampenöl und Fackeln und Lureena mit Elementaren. Ziemlich abenteuerlich, das Ganze. Die Dorfbewohner waren natürlich in heller Panik und haben nichts Konstruktives beitragen können. Einige hatten den Verstand, wegzulaufen, aber das waren nicht viele, die anderen haben die Bienen ziemlcih erwischt, teilweise tödlich. Lureena hat einen Heilzauber gewirkt, woraufhin diese Idioten dann aufstanden, statt sich totzustellen... Naja, auf jeden Fall hatten wir die Bienenattacke erfolgreich abgewehrt, als eine Stimme aus dem Wald kam (Ana war im Wald, für sie kam sie aus dem Dorf)- der verschmähte Verehrer. Er redete irgendwelches wirre Zeug von einem König... Nesmon, hieß der glaub ich, der von irgendwoher kommen und uns alle in unsägliches Leid stürzen sollte, ich hab zunächst nur die Hälfte verstanden und hatte auch keine Zeit, darüber nachzudenken, weil eine etwa zehn Fuß hohe Dornenhecke um uns herum hochschoss. Von Dornen war in dieser Prophezeihung auch die Rede gewesen, aber davon später. Wir sind auch mit der Hecke und den Kreaturen fertiggeworden, die plötzlich darin auftauchten, sahen uns dann aber mit Nebel konfrontiert. Der Geisteskranke hatte auch irgendwas von Nebel gefaselt, in dem wir ersticken sollten, aber ERstickungserscheinungen hatten wir nicht. Soviel dazu...
Wir haben die Hochzeitsgesellschaft mit unserem Gefolge in Richtung Osten geschickt, der Nebel kam aus Westen, und wollten selber dem Ursprung auf den Grund gehen. Also sind wir in den Wald (Ziel: ein Druide, der etwas darüber wissen könnte), irgendwann meinte Menolly dann, das Gebiet sei ihr unbekannt. Während wir noch versuchten, uns zu orientieren, fiel uns eine schwerverletzte Dryade vor die Füße. Sie war sehr aufgeregt und wir bekamen nur heraus, dass wir helfen sollten, weil jemand die Bäume niederbrennt. Den genauen Ort konnte sie uns zum Glück noch mitteilen, bevor sie starb.
Wir sind zu einer Lichtung mit Silberborkenbäumen gekommen, die allesamt lichterloh brannten und teilweise gefällt in einem großen Feuer lagen. Um das Feuer herum tanzten Rotkappen, fiese schattenhafte Feen, und mit Gnomen verwandte böse Feen, ich habe vergessen, wie sie heißen. Die Rotkappen hatten Sensen bei sich, die sie wieder und wieder in die bereits beschädigten noch stehenden Bäume rammten... kleine Mistkerle, in dem Feuer lagen einige tote Dryaden. Für Trix wäre das mit Sicherheit ihr schlimmster Alptraum gewesen, mich hat es aber auch ziemlich wütend gemacht.
Nachdem wir mit den Viechern fertig waren, haben wir uns mit der einzigen noch lebenden Dryade unterhalten und von ihr erfahren, wo der Druide zu finden ist. Als wir hinkaman, gab es eine böse Überraschung, er war zum sabbernden Trottel geworden. Nachdem Lureena ihn geheilt hatte, konnten wir uns dann mit ihm unterhalten, er konnte uns sagen, wer König Nesmon war und wie wir ihn bekämpfen könnten... so in etwa jedenfalls. Toll, da geht man zu einer Hochzeit und muss sich dann mit bösen Feen rumschlagen. War ja schon immer mein Traum...
In den Schatten
Episode 1 – Schlaue Langfinger leben länger
Gehetzt rannte Allara durch die Straßen Wolfensteins, das Geschrei der Händlersfrau und die Rufe der Stadtwache gellten in ihren Ohren. Sie schalt sich für ihre Dummheit. Ausgerechnet bei der Teskertin hatte sie nicht widerstehen können. Und natürlich hatte deren „Wachhund“, wie Allara die Begleiter der Händlerin im Stillen genannt hatte, bemerkt, wie sie im Gedränge den goldenen Ring mit dem großen Stein vom Finger der Frau gezogen hatte. Dabei war sie so nah dran gewesen! Doch dann war alles so schnell gegangen, sie hatte sich so sehr erschreckt, als der bullige Kerl sie an der Schulter gepackt hatte, daß sie nur vom Instinkt getrieben den Fuß hoch gerissen hatte und dann davon gestoben war, als der Kerl stöhnend in die Knie gegangen war. Den Ring hatte sie dabei sogar noch fallen lassen!
Schnell war sie im Hafenviertel mit seinem Gassengewirr untergetaucht, und die Stadtwachen hatten offensichtlich besseres zu tun, als eine verhinderte Möchtegerndiebin zu fassen, die ja noch nicht mal Beute gemacht hatte. Erst als sie völlig sicher war, nicht mehr verfolgt zu werden, wagte Allara es, sich zu ihrem Versteck in dem leerstehenden Lagerhaus am äußersten Ende des Piers zu begeben. Es war schon dunkel, und ihr Magen knurrte verdächtig. Wieder ein Tag ohne richtiges Essen.
Elend bog sie die Bretter auseinander, die den Eingang zu ihrem kleinen Versteck bildeten, zwängte sich hinein und schob die Bretter wieder zurecht. Durch die Ritzen und Spalten im Bretterwerk fiel kaum noch ein Lichtstrahl hinein, als Allara sich stöhnend an der Wand nach unten sinken ließ.
rrratsch - zisch
Das Geräusch lies Allara hochfahren. Ein kleines Licht erhellte den Raum plötzlich, als ein Streichholz angezündet wurde. Vor Entsetzen gelähmt verfolgte Allara das Licht, wie es scheinbar von selbst zu einer Kerze schwebte und dort den Docht entzündete. Dahinter wurde das schmale, schön geschnittene Gesicht einer Frau sichtbar. Schwarzes Haar umrahmte ihr Gesicht, helle, wachsame Augen massen Allara mit einem Blick, der ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ. Langsam fasste das junge Mädchen sich wieder und begann, vorsichtig nach dem kleinen Dolch zu tasten, den sie immer in ihrem Stiefel trug.
„Nana…“ sagte die Fremde und schlagartig gefror Allara zur Salzsäule. „Wer wird denn hier gleich dumme Dinge tun wollen… Eigentlich hatte ich dich schlauer eingeschätzt, Allara.“ die Angesprochene schluckte. Woher kannte die ihren Namen?! Panik stieg in ihr auf. Die Frau musste das in ihren Augen gesehen haben, denn sie lehnte sich zurück, wobei der einzige Stuhl in Allaras kleiner „Wohnung“ bedenklich knarrte. „Hab keine Angst. Wenn ich dir etwas hätte tun wollen, wäre das schon längst geschehen. Komm her.“
Hin und her gerissen zwischen Panik, dem Wunsch zu fliehen, dem Wunsch sich zu verteidigen und der Neugier, was diese Person hier von ihr wollte, rührte Allara sich zunächst keinen Millimeter. Doch dann beschloss sie, sich mit dem ganzen Mut einer Sechszehnjährigen der Frau entgegen zu stellen. Sie stand auf, betont langsam, und richtete sich auf, machte sich gerade, so wie ihre Mutter es sie gelehrt hatte. Etwas funkelte in den Augen der Fremden, was Allara sich nicht erklären konnte. Doch jetzt war es eh zu spät, von daher ging sie betont langsam einen Fuß vor den anderen setzend zu dem Tisch und blieb ein Stück davor stehen. Jetzt erkannte sie im schwachen Schein der kleinen Kerze, die die Frau mitgebracht haben musste, einen Krug, einen Becher, einen Laib Brot, Wurst und Käse und – Obst! auf dem Tisch stehen. Unwillkürlich lief ihr das Wasser im Mund zusammen und ihr Bauch schmerzte unerträglich. Dennoch riss sie den Blick los und sah der Frau ins Gesicht. Ihre Stimme klang rauh in ihren Ohren, als sie sich schließlich dazu brachte, zu sprechen: „Woher kennt Ihr mich? Was wollt Ihr von mir?“
Wieder funkelte etwas in den Augen der Frau, und Allara wurde das Gefühl nicht los, gerade etwas richtig gemacht zu haben. Anstatt ihre Fragen zu beantworten, deutete sie mit einer schwarz behandschuhten Hand auf das Essen: „Bedien dich. Mit leerem Magen entscheidet es sich so schlecht. Und nein, es ist nicht vergiftet, bevor du fragst…“ Ganz konnte Allara das Misstrauen nicht aus ihrem Blick verbannen, aber der Hunger war einfach übermächtig, so daß sie sich aller Vorsicht zum Trotz über das Essen hermachte. Schweigend sah ihr die Frau dabei zu und Allara wurde das Gefühl nicht los, daß diese jede einzelne ihrer Bewegungen mit Augenmaß betrachtete.
Es dauerte nicht lange, da hatte Allara das Gefühl zu platzen. Ihr sonst so leerer Magen ließ sich nur widerwillig mit all dem Essen füllen, das sie in ihn hineinstopfen wollte. „Lass dir Zeit, Allara. Ich habe nicht vor, das alles wieder mit zu nehmen. Wenn du jetzt zu viel isst, wird dir nur schlecht…“ Irgendwie hörte sich das an, als wüsste die Frau ganz genau, wovon sie sprach, dabei konnte Allara sich nicht denken, daß diese in feinstes schwarzes Tuch gekleidete Frau wirklich wissen konnte, was Hunger war. Dennoch spürte sie, daß sie eigentlich schon zu viel gegessen hatte und setzte sich im Schneidersitz auf den Boden. „Und nun?“ sie hasste sich dafür, daß ihre Stimme ihre Nervosität verriet, anstatt überlegen zu wirken.
„Nun? Ganz einfach. Ich habe dir einen Vorschlag zu machen, Allara. Einen Vorschlag, der dir und mir nur weiterhelfen kann. Hör ihn dir an, denk darüber nach, wenn du musst, und wenn du nicht einverstanden bist, verschwinde ich wieder und du lebst wie bisher. Zumindest…“ die Pause und die Veränderung im Tonfall der Fremden war deutlich. „… solange du das hier überlebst…“ Mit einer Geste umfasste die Frau das Versteck Allaras, aber ihr war klar, daß sie damit den Pier, den Hafen und vermutlich auch ihren ganzen Lebenswandel meinte. „Nun gut, was ist das für ein Vorschlag?“ allmählich gewann Allara an Selbstsicherheit.
Die Frau lehnte sich wieder zurück, die Fingerspitzen der schmalen Hände aneinander vor dem Gesicht aneinander gelegt, was unstete Schatten über ihre ebenmäßigen Gesichtszüge tanzen ließ. „Ich habe deinen Weg verfolgt, Allara Demian.“ Wieder schoß Allara das Blut ungewollt in die Wangen. „Woher…“ Die Frau winkte ab, eine Bewegung, als würde sie eine Fliege verscheuchen. „Das spielt keine Rolle, ich habe meine Mittel und Wege, Dinge herauszufinden. Ich weiß, du bist Waise, zumindest, wenn man von deiner Stiefmutter absieht, die dich nach dem Tod deines Vaters eher als … Unterhalterin an ihre Gäste verfüttert hätte, als dir eine anständige Ausbildung oder zumindest einen anständigen Ehemann zu suchen.“ Ungewollt ballte Allara ihre Hände zu Fäusten und senkte den Blick. „Seitdem lebst du auf der Straße, sie sucht sicher nicht nach dir. Du schlägst dich durch, manchmal gut, manchmal schlecht. Aber man sagt, du hast Geschick. Und Talent. Und ein Köpfchen, mit dem du was anzufangen weißt. Ausserdem merken die Leute hier, daß du eigentlich keine von ihnen bist. Auf Dauer wird das hier nicht gut gehen.“ Allara fragte sich ernsthaft, wie lange diese seltsame Frau sie schon hatte beobachten lassen, und woher sie das Gefühl hatte, daß die Frau ganz genau wusste, von was sie da sprach - und noch eine Frage formte sich in ihrem Kopf: Warum…
„Warum?“ echote die Frau und Allara erschrak – hatte sie wirklich laut gesprochen? Sie war sich nicht sicher…“Nun, das ist einfach…“ entgegnete die Frau: „Weil jeder hier in Wolfenstein eine zweite Chance verdient hat. Und meiner Meinung nach besonders die, die nie eine erste hatten.“ „Und was soll ich tun?“ nun war das Eis endgültig gebrochen. Was auch immer die Frau vor hatte, es konnte nicht schlimmer sein als dieses elende Leben im Hafen. „Hm, wie es scheint, kommen wir uns allmählich näher…“ murmelte die Frau. Lauter sprach sie dann: „Zunächst wirst du in die Lehre gehen. Bei mir.“ Fragend sah Allara sie an, doch sie sprach weiter: „Dann wirst du, je nach Eignung, einem unserer neuen Botschafter zugeteilt.“ Allara stutzte – war die Frau etwa ein Gesandte der Gräfin??? Doch unbeirrt fuhr sie fort: „Als Mitglied seines, oder ihres, Haushalts wirst du ein sicheres Auskommen und eine vernünftige Aufgabe haben – und du wirst für mich Augen und Ohren offenhalten, sowie dann und wann kleine … Erledigungen ausführen. Wenn du dich dann bewährst, wer weiß, welche Wege dir dann noch offen stehen… Versteh mich nicht falsch, was ich dir anbiete ist keine einfache Aufgabe. Es ist möglich, daß es irgendwann gefährlich wird. Und dann wird niemand da sein, dir zu helfen, du wirst ganz auf dich alleine gestellt sein. Aber im Gegensatz zu jetzt wirst du über Fähigkeiten und Mittel verfügen, die es dir erlauben, dir in so einem Fall selbst zu helfen. Na, was sagst du? Das hier…“ damit deutete die Frau wieder in Allaras Versteck herum… „oder die Chance, deine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und das Beste daraus zu machen?“
Aber Allara brauchte keine Bedenkzeit. Sie stand auf: „Gehen wir?“
Die Frau lächelte und sah dabei so aus, als sei sie sehr mit Allara zufrieden. Oder vielleicht doch eher mit sich selbst?
Episode 2 – All about romance
Der Empfang war in vollem Gange. Dame Demenjow hatte sich wieder mal alle Mühe gegeben, ein rauschendes Fest zu organisieren. Gutes Essen, gute Weine, angenehme Gesellschaft – ja, so ließ es sich hier doch aushalten. Immerhin – so allmählich wuchs diese Möchtegerngrafschaft in etwas, das man halbwegs als Zivilisation bezeichnen könnte, dachte Fernando bei sich im Stillen, während er mit seinem Pokal der reizenden, blonden, absolut tumben, aber gut gebauten Dame Teskertin zu prostete. Wer weiß, vielleicht ergab sich ja noch das ein oder andere heute Abend. Es wurde sowieso Zeit, sich nach einer neuen … Gönnerin umzusehen. Die Reserven aus Pitax waren an einen bedrohlich niedrigen Stand angekommen. Allmählich musste Nachschub her, oder es würde unangenehm werden.
Aber so schlecht standen seine Chancen nicht. In dieser sich gerade neu zusammen findenden Gesellschaft aus Opportunisten, Idealisten und Träumern fühlte Fernando sich wie ein Fisch im Wasser. Dies war seine Welt – die Welt der Schönen und Reichen – und zumindest zu erster Gruppe konnte Fernando sich ohne falsche Bescheidenheit zählen. Es wäre doch gelacht, wenn sich hier nicht ein guter Fang machen ließe. Oder auch zwei…
Freundlich mal mit diesem, mal mit jener plaudernd drehte Fernando also seine Runden. Gesicht zeigen war wichtig, zeigen, wer man war. Oder wer die anderen glaubten, das man war. Eine gute Eigenschaft hatte Fernando schon immer gehabt – er konnte Menschen gut von sich überzeugen. Selbst von Dingen, die nicht ganz so waren, wie er sie darstellte. Aber am Ende war alles nur Interpretationssache und was konnte er denn schon dafür, daß die Menschen seine Worte anders interpretierten, als er sie meinte.
Gerade als er sich entschieden hatte, eine hübsche Rothaarige zum Tanz aufzufordern, fiel sein Blick auf eine Gestalt, die seine Aufmerksamkeit sofort band. Eine schlanke Frau, elegant in einem dunklen, bodenlangen Kleid bester Machart gekleidet, das ihre Figur äußerst vorteilhaft betonte. Der Ausschnitt ließ die zarten Schultern der Frau frei und gab den Blick auf einen recht wohlgeformten Rücken frei, über den langes, seidig glänzendes schwarzes Haar floss. Eine silberne, filigran gearbeitete Kette betonte den schlanken Hals und das nett anzusehende Dekolleté der Dame. In den langen Fingern der rechten Hand hielt sie einen aus dunkler Spitze gefertigten Fächer, mit dem sie sich gerade etwas frische Luft zufächelte. Ihr fein geschnittenes Gesicht wurde dominiert von den strahlend hellen Augen, die suchend über die Menge an Gästen strichen. Volle, rote Lippen ließen Fernando sich unwillkürlich fragen, wie es wohl wäre, sie zu küssen. War diese Dame schon die ganze Zeit anwesend gewesen? Er war sich wirklich nicht sicher, dabei wäre ihm eine solche Gestalt sicher nicht entgangen! Irgendwie kam sie ihm auch bekannt vor, er wusste nur nicht genau, woher. Und irgendwie schien es ihm nicht angemessen, die Dame jetzt gleich anzusprechen. Lieber entschied er sich dazu, die Schöne noch etwas zu beobachten.
Sie hingegen schien ihn nicht bemerkt zu haben. Sie flanierte mal hier hin und dorthin, unterhielt sich mit den unterschiedlichsten Personen, schenkte ihrem jeweiligen Gesprächspartner dabei aber jedesmal die völlige Aufmerksamkeit. Alle mit denen sie sprach brachten ihr offensichtlich Respekt entgegen, keiner wies sie ab oder hielt das Gespräch nur so kurz wie höflich nötig. So unwichtig konnte sie also in dieser Gesellschaft nicht sein, auch wenn er sie noch auf keinem der Bälle bislang gesehen hatte. Oder vielleicht doch? Fernando leerte noch einmal seinen Pokal und ließ ihn von einem vorbeikommenden Pagen wieder auffüllen, bevor er sich dazu entschloss, doch den ersten Schritt zu wagen. Eben hatte sich ein Gespräch zwischen der Dame und der Gastgeberin entsponnen. Dame Demenjow war ja so eine Klatschbase und langweilig obendrein – das hielt aber niemanden davon ab, ihren Soirées und Bällen einen Besuch abzustatten. Langsam näherte Fernando sich den beiden Damen und hörte, wie die Dame Demenjow gerade sagte: „… und es ist mir und meiner Familie eine Ehre, Euch heute Abend hier begrüßen zu dürfen. Es freut mich ja so!“ Die Stimme der schönen Unbekannten wirkte wie Samt auf Fernando: „Aber nicht doch, Lady Demenjow, die Freude ist ganz auf meiner Seite. Der Abend ist wirklich gelungen, daß muss ich sagen. Und so viele illustre – Gäste. Natürlich soll ich auch noch die besten Grüße und Wünsche der Gräfin übermitteln. Sie bedauert, nicht selbst anwesend sein zu können und verspricht, es beim nächsten Ball wieder gut zu machen.“ Eine Vertraute der Gräfin! Fernando konnte sein Glück kaum fassen. Vielleicht war die Schöne ja eine Zofe oder so etwas, die die Gräfin hier her gesendet hatte, um nicht selbst die Gastgeberin ertragen zu müssen.
Fernando baute sich dezent hinter der Gastgeberin auf, so daß die Unbekannte ihn unweigerlich sehen musste. Das Gespräch ging noch ein paar Augenblicke weiter, die typischen Belanglosigkeiten, die die Dame unbeeindruckt über sich ergehen ließ und sogar noch ein paar nette Bemerkungen dazu einstreute. Schließlich verabschiedete man sich und die Dame blieb allein zurück, während die Gastgeberin andere Anwesende mit ihrer Aufmerksamkeit beglückte. Und wie er es geplant hatte, fiel der Blick der Unbekannten auf ihn. Stolz, doch nicht zu steif, die Hand locker in die schmale Hüfte gestützt, drehte er sich um, ließ es so aussehen, als ob er gerade dabei gewesen wäre, die Menge nach jemandem abzusuchen und als ob sein Blick nun rein zufällig den ihren traf. Doch diese Augen! Fernando konnte nur mühsam ein Schaudern unterdrücken. So hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt. Das würde ein Spaß werden!
Er lächelte die Frau an, hob seinen Pokal und prostete ihr zu. Zunächst erwiderte sie sein Lächeln und Fernando tat schon den ersten Schritt auf sie zu – da drehte sie sich mit einem kleinen, kaum merklichen Nicken weg und schritt, betont langsam, davon! Fernando konnte es kaum glauben, das war Absicht gewesen, kein Zweifel. So was hatte er ja schon lange nicht mehr erlebt. Gerade wollte er sich auf den Weg machen, ihr nachzugehen, da hörte er von hinten: „Ah! Federico di Almoretti! Was für eine Freude, Euch hier zu treffen. Das ist ja erfreulich, ich habe etwas mit Euch zu besprechen, wenn Ihr kurz Zeit für mich hättet...“ Oskar Trelef. Jetzt, ausgerechnet jetzt! Eigentlich wollte er mit diesem Wichtigtuer gar nicht reden, und schon gar nicht jetzt, wo ihm seine Beute aus den Fängen zu gleiten drohte, noch bevor er sie richtig hatte packen können, aber Trelef hatte nunmal beste Beziehungen und das war einfach wirklich was wert. Also ließ er sich auf das Gespräch ein, bemühte sich aber, bald, dennoch höflich bleibend, sich zu entschuldigen.
Es dauerte eine kleine Weile, bis er die schöne Unbekannte wieder fand. Wieder im Gespräch mit irgend jemandem, so ein Ärger. Es half nichts, also positionierte er sich wieder und wartete ab. Bei dem nächsten Pagen mit Tablett auf der Hand angelte er sich ein kleines Häppchen – und als er seine Aufmerksamkeit wieder nach vorne richtete, war die Frau verschwunden! Beinahe wäre ihm der Happen aus der Hand gefallen – ja gabs denn so was? Nun war seine Jagdleidenschaft entbrannt. Er musste sie finden! Suchend bahnte er sich seinen Weg durch die Menge, versuchte den großen Saal der herrschaftlichen Villa so schnell es ging zu überblicken, doch die Leute standen ihm im Weg! Wussten sie denn nicht, wie wichtig es war, das er sie wieder fand?!
Ein wenig abgehetzt und genervt erreichte er schließlich das Buffet, das am anderen Ende des Saals aufgebaut war. DA! Da war sie. Sie stand an der hohen Tür, die nach draussen auf die Terrasse führte, die eine Hand elegant auf den Türflügel gelegt, die schwarzen Handschuhe ein stechender Kontrast zu dem weissen Rahmen der Tür. Den Fächer hielt sie sich mit der Rechten vor das Gesicht – und sah ihm direkt in die Augen. Eine unmissverständlichere Aufforderung konnte es nicht geben, dachte Fernando bei sich, erstaunt und überrascht zu gleich, daß diese Dame mehr von den Raffinessen der höfischen Etikette verstand, als die allermeisten Anderen hier im Raum. Ihr Blick ging noch einmal kurz zum Buffet, zu der Ecke mit den Pokalen, die darauf warteten, mit einer flüssigen Leckerei gefüllt zu werden, dann sah sie ihn noch einmal an, drehte sich um und entschwand nach draussen in die Schatten der Nacht. Ein Schauder der Vorfreude durchfuhr Fernando, als er nach zwei Pokalen griff, sie mit einem kräftigen Rotwein füllen ließ und der Schönen in die Dunkelheit folgte.
Seine Augen brauchten ein paar Augenblicke, bis sie sich an das diffuse Licht der Nacht gewöhnt hatten. Die Gastgeber hatten in ihrem weitläufigen Garten viele Fackeln und Laternen aufstellen lassen. Zusammen mit dem Licht, das aus dem Ballsaal nach draussen drang, ergab dies einen prächtigen Anblick der gepflegten Anlage. Wie es schien, waren sie auch nicht die einzigen hier draussen, aus dem Heckenlabyrinth weiter hinten trug der Wind das Kichern einer Frau deutlich hörbar heran.
SIE stand an der Brüstung der Terrasse, die Hände übereinander auf das Geländer gelegt. Der sanfte Abendwind strich ihr durch das lange Haar, enthüllte ein wenig mehr von der angenehm blassen Haut, die sicher ebenso samtig war, wie der Stoff ihres Kleides. Sie hatte ihm ein wenig das Profil zu gedreht, geschickt, erlaubte es doch einen Blick auf ihre schlanke Gestalt, das scharf geschnittene Gesicht, offenbarte aber doch nicht zu viel. Sachte trat er neben sie, es schien ihm unangebracht, laute Schritte an den Tag zu legen und reichte ihr den Pokal. Sie war ein wenig kleiner als er, so sah sie ihn von unten herauf an, legte den Kopf schief, als müsse sie erst überlegen, was das jetzt sollte. Doch dann ergriff sie den Pokal, gerade als das Zögern peinlich zu werden drohte, prostete ihm zu und trank einen kleinen Schluck. Fernando erwiederte die Geste und wartete, was sie sagen würde. Doch sie schwieg, richtete den Blick, nachdem er einmal deutlich Fernandos Gestalt gemustert hatte, ohne zu verraten, was sie dachte, wieder in den Garten hinein.
„Ein schöner Abend, nicht wahr?“ durchbrach Fernando schließlich die Stille, die ihm unangenehm wurde. Sie sah ihn an, nur von der Seite. War da ein Lächeln in ihren Lippen? „Ja, in der Tat.“ rieselte ihre Stimme in den Abendwind hinein. Wieder fiel der Schatten des Schweigens auf sie beide. „Verzeiht meine direkte Frage, Milady…“ hob Fernando schließlich an. Ihre Antwort war nur, daß sie ihn wieder ansah. Es machte ihn schier wahnsinnig! Trotzdem zwang er sich zur Ruhe. Hier half nur ein kühler Kopf, wie es aussah. „Ich bin mir sicher, eine Frau wie Euch hätte ich schon längst in den Kreisen der feinen Gesellschaft Wolfensteins bemerkt. Doch sah ich Euch eben zum ersten Mal. Seid Ihr neu hier in der Grafschaft?“ Es dauerte eine Weile, bis sie sich dazu herab ließ, ihm zu antworten. „Nein, nicht direkt. Aber bislang habe ich diese Art von … gesellschaftlichen Ereignissen erfolgreich zu vermeiden gewusst. Doch heute ging es nicht anders.“ Fernando nickte, Verstehen signalisierend. „Ja, manchmal können solche Abende reichlich ermüdend sein, nicht wahr?“ Sie drehte sich nun etwas zu ihm um, ließ den Fächer auf der rechten Wange ruhen: „Besonders, wenn man nicht die richtige – Gesellschaft hat.“ Einen Schritt weiter, dachte Fernando sich. „Nun, da stimme ich mit Euch überein, Lady…“ „Almalcia. Lady Almalcia di Barabiso.“ Sie reichte ihm die Hand, die er formvollendet ergriff, um einen Kuss darauf zu hauchen, der die Winzigkeit eines Augenblicks zu lange dauerte, um völlig anständig zu sein. „Ich bin sehr erfreut, Eure Bekanntschaft zu machen, Lady Almalcia. Mein Name ist Federico di Almoretti. Euer Name verrät Euch, Milady. Kommt Ihr etwa auch aus Pitax?“ Sie maß ihn mit undeutbarem Blick über ihren Fächer hinweg, ohne ihm zu zeigen, was sie von der vertraulichen Anrede gehalten hatte, bevor sie sagte: „Nicht ganz, aber meine Familie blickt auf einen langen Stammbaum zurück…“ „Verstehe. Ich kam eben nicht umhin, mit anzuhören, wie Ihr Lady Demenjow Grüße von Ihrer Durchlaucht ausgerichtet habt. Lebt Ihr etwa am Hofe?“ Sie nickte: „Ja, das stimmt wohl.“ „Ah, welch eine Fügung des Schicksals!“ zeigte Fernando sich erfreut. „Wie darf ich das denn verstehen?“ „Nun, ich habe mir schon immer gewünscht, mit der Gräfin ein Gespräch zu führen. Vielleicht habe ich in Euch ja eine wohlgesonnene Fürsprecherin gefunden, die ein gutes Wort einlegen könnte…“
Das war ein Fehler gewesen! Sofort öffnete und schloss sich der Fächer in schneller Folge, deutlichstes Zeichen des Missfallens. „Wenn Ihr nur deswegen mit mir reden wolltet,“ entgegnete die Lady offensichtlich ungehalten. „dann gehabt Euch wohl. Der Gräfin nächste Audienz ist in zwei Tagen.“ Sie ließ ihn und den Pokal stehen und ging nun schnelleren Schrittes die Treppe hinunter. Mist, durchfuhr es ihn. Hatte er denn in den Monaten hier einfach alles verlernt? Sofort eilte er hinter ihr her, im Schatten der Bäume war sie kaum zu sehen. „Lady Almalcia! So wartet doch…“ doch die Lady dachte wohl nicht daran und lief einfach weiter. Wie behände sie war. Kaum ein Geräusch des langen Kleides drang an sein Ohr, als er sie durch das Grün des Parks verfolgte. Er musste sie einholen, seinen Faux pas unbedingt wieder gut machen!
Inzwischen waren sie an einer Stelle des Gartens angekommen, wo zwischen den akkurat geschnittenen Hecken ein Sitzplatz eingerichtet war. Selbst hier in dieser versteckten Ecke funkelten Laternen, stand ein Krug und diverse Pokale auf dem Tisch, um den herum einige Stühle standen. Lady Almalcia saß kerzengerade auf einem dieser Stühle und verbarg ihr Gesicht fast in ihrem Fächer. Ihre hellen Augen, die gerade hier vor dem dunklen Hintergrund nur so leuchteten, sahen ihn gekränkt und vorwurfsvoll an. Von einem plötzlichen Impuls getrieben beugte Fernando vor ihr das Knie, ergriff mit beiden Händen ihre freie Hand: „Liebste Lady Almalcia. Bitte verzeiht einem tumben Toren! Nichts lag mir ferner, als Euch zu kränken. Tausend Mal möchte ich mich bei Euch entschuldigen. Bitte, schenkt mir ein Lächeln Eurer wundervollen Augen, als Zeichen, daß Ihr mir vergebt, oder sagt, wie ich es wieder gut machen kann. Für Euch würde ich alles tun, nur damit Ihr mich noch einmal anlächelt.“ Erneut beugte er sich über ihre Hand, demütig ihr Urteil erwartend. Zunächst schwieg sie jedoch, er fühlte deutlich ihren Blick in seinem Nacken. Irgendwas ließ ihn frösteln, es musste der Wind sein, der hier draussen doch irgendwie kühler wirkte. Als sie dann schließlich doch sprach, war ihr Tonfall ein ganz anderer: „Also wirklich, ich hätte eigentlich mehr von Euch erwartet – Fernando Almorelli.“
Der Schock fuhr ihm durch Mark und Bein, doch er war nicht umsonst Profi in diesem Geschäft, so hob er nur den Kopf, blickte die geheimnisvolle Lady mit treudummem Blick an: „Aber Lady Almalcia, Ihr müsst mich verwechseln. Mein Name ist Federico di Almoretti, nicht Almorelli…“ Sie aber entzog ihm ihre Hand und wedelte damit herum, als müsse sie eine Fliege verscheuchen. „Spielt kein Spiel mit mir. Ich weiß genau, wer Ihr seid. Und warum Ihr Pitax verlassen habt.“
Fernando stand auf, erhob sich über die Dame, die offensichtlich mehr war, als sie zu sein schien. Eis klirrte in seiner Stimme, als er sagte: „Wer hat mich verraten?“ Es lag keinerlei Emotion in ihrer Stimme, als sie entgegnete: „Das tut nichts zur Sache. Wichtig ist nur, was ich Euch vorzuschlagen habe.“ Er runzelte die Stirn, seine Stimme troff vor Herablassung: „IHR wollt MIR etwas vorschlagen? Hier? Wo wir beide ganz … allein sind?“ Doch anstatt die unmissverständliche Drohung wahr zu nehmen lachte die Lady nur kurz auf: „Glaub Ihr wirklich, ich hätte Euch hier her geführt, wenn ich nicht absolut sicher wäre? Ihr könnt von mir meinetwegen denken, was Ihr wollt – aber haltet mich nicht für dumm.“ Ihr Tonfall war ebenso unmissverständlich. Offensichtlich hatte er sie völlig unterschätzt, was Fernando erheblich ärgerte. Unwillkürlich gingen seine Augen zu den Hecken – verbargen sich dort ihre Schergen? Kein Anzeichen verriet, ob seine Mutmaßung stimmte. Sollte er das Risiko eingehen? Immerhin wusste diese kleine Schlampe, wer er war.
Doch die Frau lehnte sich wieder zurück und deutete mit dem Fächer auf den Stuhl ihr gegenüber: „Ihr könnt mir ruhig glauben, Fernando. Ihr werdet mir nichts tun, ich bin sogar sicher, wenn Ihr erst einmal Euren gekränkten Hahnenstolz überwunden habt, und Euch meinen Vorschlag angehört habt, werdet Ihr erkennen, welch „Fügung des Schicksals“ Euch heute abend hier offenbart wird.“ Besser, ihr Spiel mitzuspielen. Wer weiß, wozu es gut war. Also zog er seinen imaginären Hut und verbeugte sich vor ihr: „Wie es scheint, Milady, habe ich heute abend meine Meisterin gefunden. Chapeau!“ Dann setzte er sich und schenkte ihnen beiden Wein ein. “Also, worum geht es…?” fragte er, als er von seinem Pokal genippt und sich ebenfalls scheinbar ganz entspannt zurück gelehnt hatte. „Nun, sagen wir, ich suche jemanden mit Geschick, Einfühlungsvermögen, Überzeugungskraft und Phantasie für … eine nicht ganz einfache Aufgabe der längerfristigen Natur. Ich habe mir sagen lassen, daß Ihr so ein Mann sein könntet und wollte Euch diese Chance anbieten.“
Fernando legte den Kopf etwas schief, musterte sein Gegenüber: „Und warum diese Scharade hier?“ Die Frau lächelte: „Ganz einfach. Um Eure Aufmerksamkeit zu fesseln, und um Euch zu zeigen, daß wir, sagen wir, auf gleichen Augenhöhe miteinander umgehen können und Ihr hier nicht die einzige Person seid, die im Allgemeinen … unterschätzt wird.“ „Ein Fehler, der mir kein zweites Mal passieren wird, Milady.“ entgegnete er lächelnd und prostete ihr zu. Sie erwiederte die Geste mit einem Blick, der nur sehr schwer zu deuten war. „Nungut, meine Aufmerksamkeit habt Ihr. Was ist dies für eine Aufgabe?“ „Ich sehe, wir kommen langsam auf einen Nenner. Schön.“ Ihre herablassende Art machte ihn so wütend! Doch bevor er etwas erwidern konnte, fuhr sie fort: „Die Aufgabe sollte eigentlich perfekt zu Euch passen. Ihr sollt Euch auf diplomatischem Parkett bewegen. Aber nicht im Vordergrund, nein, sondern zwischen den Zeilen, zwischen den Türen, hinter dem Vorhang. Nach aussen hin der Sekretär eines Botschafters, aber in Wahrheit – so viel mehr… Wo der Botschafter nicht hinkommt, ohne zu viel Aufmerksamkeit zu erregen, dort werdet Ihr sein, werdet Wolfensteins Aug und Ohr, denn ich weiß, Ihr versteht Euch sehr gut darauf, die Menschen dazu zu bringen, Euch … Dinge zu erzählen, die sie vielleicht besser für sich behalten würden. Und Euer Charme wird Euch dabei auch dienlich sein.“
Fernando tat so, als ob ihn ihre Worte völlig kalt liessen. „Und – was habe ich davon, ausser viel Arbeit?“ „Nun, zum einen habt Ihr ein gesichertes Auskommen, das Euch Euren Lebensstandard nicht nur erhalten, sondern auch verbessern wird, und das auf eine … zuverlässigere Art und Weise, als bisher.“ Dieser Spott in ihrer Stimme! Unter dem Tisch ballte Fernando die Hand zur Faust. „Und zum anderen bekommt Ihr mit dieser für Euch doch wie passend zugeschnittenen Aufgabe die berühmte „zweite Chance“, wie jeder hier in Wolfenstein, auch wenn Ihr Euch jetzt nicht unbedingt hier etwas zu schulden habt kommen lassen. Seht es als DIE Chance Eures Lebens an, mit dem, was Euch Spaß macht, Eurem Weg eine positive Wendung zu geben. Ich bin sicher, Ihr werdet Euch bewähren und dann stehen Euch später noch ganz andere – Möglichkeiten offen.“ Ihr Augenaufschlag veränderte sich, wurde intensiver, interessierter; da war es wieder, dieses kribbelnde Gefühl in seinem Bauch. Wenn er nur irgenwann lernen würde, schönen Frauen zu widerstehen! „Und welche Rolle spielt Ihr bei dem Ganzen?“ „Sagen wir, ich werde Eure Kontaktperson sein, und Euch hin und wieder, eventuell, ganz spezielle Aufgaben übertragen. Euer Aufwand dafür wird Euch natürlich angemessen entschädigt werden.“ „Und wenn es brenzlig wird, lasst Ihr mich fallen…“ Sie lachte leise auf: „Ferando, ich bin sicher, Ihr werdet Euch aus jedweder brenzligen Situation zu helfen wissen. Aber seid gewiss, ich werde Euch in nötigem Masse unterstützen.“ Sie lehnte sich vor, gewährte ihm so einen … netten Anblick, von dem er sich sofort wieder los riss, auch wenn es ihm schwer fiel. „Ihr seht, mein Vorschlag dient wirklich uns beiden. Ich meine es ehrlich mit Euch, doch bin ich auch offen – es wird nur diese eine Chance geben. Überlegt es Euch, aber nicht zu lange.“
Dann legte sie die Hand, die den Fächer hielt, auf die seine, die noch den Pokal umfasste. Ein Schock durchfuhr seinen Körper, den er nicht ganz vor ihr verbergen konnte. „Und da wir das Geschäftliche nun besprochen haben, wäre es da nicht an der Zeit, zum angenehmen Teil des Abends überzugehen?“ Ihr Gesicht, nun frei von den Schatten der Laternen, wirkte plötzlich so – anders.
Wer weiß, vielleicht würde es doch noch ein ganz netter Abend werden.
Lureena versucht Anastasia und Hakon zu helfen und wirft ein Seil herunter – leider ohne es oben anzubinden. Ein zweiter Versuch gelingt besser. Hakon und Ana kommen unbeschadet wieder am Pool an.Wie kam es denn dazu? Zickiger SL? Extra hartes "gesagt = getan" - "du hast was von runterwerfen erzählt, nicht von oben anbinden?"
Interessant wäre, warum manchen leuten der Aufbauteil nicht gefällt. Ich hör das öfter, aber ne begründung hört man selten. Theoretisch sollte man denken, das es die leute doch wenigstens etwas reizt, da sie das Reich selber aufgebaut haben.
In unserer Gruppe ist die Frage leicht geklärt:
Von 6 Stammspielern und einem Ab-und-an-Spieler haben 4 so gaaaar keinen Bock auf Aufbauspiel.
Bleiben ich und ein weiterer Spieler sowie der Ab-und-an-Spieler.
Wir kamen, wir sahen, wir wurden zerstückelt.
2 Tote.
Lureena steht vor ihrem Spiegel. Die Sonne scheint so hell, dass sie sich kaum erkennen kann. „So schön bin ich?!“ Hinter ihr im Spiegel breitet sich die wunderschöne Landschaft aus – oder ist es doch nur die Spiegelung ihres Fensters? Sollten da nicht die Straßen von Wolfenstein zu erkennen sein. Stattdessen Wald, Berge, Seen und Flüsse … alles nah und gleich fern. Sie blickt ihr Spiegelbild an – verächtlich blickt sie auf sich selber herab. Ein siegreiches Lächeln gleitet über beide Gesichter und ihre Hände greifen nach einander. Sie zieht. So gut sie kann ziehen sie einander in den Spiegel, durch den letzten Schleier um endlich wieder eins zu sein. Es schmerzt, aber so muss es sein. Sie muss leiden damit das Land wieder lebt.
Mit einem Mal zerplatzt der Spiegel in tausend Stücke. Ihre Hände werden auseinander gerissen. Glas bohrt sich schmerzhaft unter die weiße Haut. Ein Mann mit dem Oberkörper eines Hirsches steht neben ihr. „Niemals!“ Mit seinem Geweih reißt er Lureena vom Spiegel fort und schleudert sie durch den Raum. Durch die Tür. Durch den Gang. Über die große Treppe. Durch den Thronraum. Hinaus.