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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Ludovico am 29.08.2011 | 12:33

Titel: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Ludovico am 29.08.2011 | 12:33
Leistung – wozu?
Seit einiger Zeit leite ich endlich mal wieder und nach einigen Umstellungen und Anpassungen läuft es auch sehr gut und ich bin happy. Nun ist es so, dass ich mir früher öfters mal Gedanken gemacht habe über Techniken beim Leiten, Beschreiben und so und mich stark hinterfragte. Ich wollte besser werden, mich weiterentwickeln, mehr Leistung erbringen?
Und jetzt heutzutage frage ich mich: Wozu? Wozu soll ich mehr Leistung bringen? Hab ich dann mehr Spaß? Haben die Spieler mehr Spaß, wenn ich an meinen Techniken feile?
Wißt ihr was? Das glaube ich nicht, dass so mehr Spaß aufkommt. Als ich vor vielen Jahren mit 7te See anfing, war ich glücklich und zufrieden. Ich ging unbedarft um und auch wenn es einige Ecken und Kanten gab, lief es super. Ich lernte neue Systeme und neue Spiele kennen, las im Tanelorn einige interessante Sachen zur Theorie und Techniken. Es stellte sich der Wunsch nach mehr Leistung ein, nach Verbesserung in der Kampagnenplanung, beim Erzählstil, schneller, höher, weiter…
Heute bin ich für mich zu folgender Erkenntnis gekommen:  Das war alles großer Käse! Denn was hat es mir gebracht? Ich hab es schwerer Spaß am Spiel zu finden als früher, weil die Unbeschwertheit flötenging. Der Leistungsgedanke zeigte sich als absolut unnütz für das Spiel, denn er minderte den Spielspaß und Spaß ist das einzige, weshalb ich das Hobby betreibe.
Rollenspiel ist kein Leistungsspiel. Es ist nicht wie Fußball, bei dem gute Spieler Gagen bekommen, von denen sie mehr als gut leben können. RPG ist unter’m Strich doch bloß eins: Ein Gesellschaftsspiel!
Welcher geistig gesunde Mensch würde eine Art Leistungsgedanken in Spielen wie Mensch ärgere Dich nicht oder Arkham Horror reinbringen? Man spielt diese Spiele ja auch bloß, um Spaß zu haben und man überlegt zwar auch, wie man diese Spiele gewinnen kann. Aber wer geht schon ernsthaft daran und überlegt sich nicht bloß wie man gewinnt, sondern wie man den Spaß durch den Einsatz irgendwelcher Erzähltechniken etc. erhöht?
Das macht man nur beim Rollenspiel.
Ich will hier nicht die Theorie niedermachen. Ich finde die RPG-Theorie wichtig zum Designen von Spielen. Das Beschäftigen und Anwenden macht sicher auch einigen Leuten Spaß, ebenso wie Ideen über Erzähltechniken und Kampagnenleitfäden. Aber ich behaupte auch, dass diese Leute nicht den gleichen Spaß am RPG haben wie zu Beginn. Mir geht es jedenfalls so. Dummerweise musste ich feststellen, dass ich keinen Spaß an dieser Form des Spielens habe und folglich für mich das Erfolgserlebnis (also Freude am Spiel) schwerer zu erreichen ist.
Bleibt noch die Frage, ob meine Spieler mehr Spaß haben, wenn ich den Leistungsgedanken einbringe? Ich denke nicht, denn wenn ich so vorgehe, dann stelle ich höhere Anforderungen an mich als SL und das wiederum heißt, dass ich auch schneller die Lust verliere und wenn der SL die Lust verliert, dann ist die Runde erledigt.
Wozu bringt mich das? Ich bin zu der Ansicht gekommen, dass ich mich nicht mehr mit Techniken im RPG beschäftigen möchte, dass ich das Lesen von Kampagnenleitfäden, SL-Tipps, etc. für blanke und reine Zeitverschwendung halte und sogar für kontraproduktiv. Wenn man ein Problem hat, kann man mit den Spielern reden, sich Feedback einholen oder in einem Forum wie dem Tanelorn nachfragen. Aber ansonsten sollte man sich imho nur mit dem einzig wahren Aspekt des RPGs befassen und das ist das Spielen und damit meine ich nicht „besser Spielen“, sondern einfach bloß „Spielen“. Es gibt für mich kein besser oder schlechter mehr.  
Es gibt Spieler, mit denen hat man Spaß und es gibt Spieler, mit denen hat man keinen Spaß.  Es gibt Spiele, mit denen hat man Spaß und es gibt Spiele, mit denen hat man keinen Spaß. Das ist imho bei jeglichen Gesellschaftsspielen so, Brettspielen, Blinde Kuh, Topfschlagen,…
Also ist mein persönliches Fazit: Ich will mich nur noch damit beschäftigen, mit wem ich Spaß habe und womit und auch sogar noch über das Wie (ein Abenteuer muss ich mir ja schon noch ausdenken), aber tiefer gehen, werde ich nicht mehr und ganz besonders werde ich jeden Gedanken an „Wie werde ich ein besserer Spieler/Spielleiter“ aus meinen Runden streichen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: gunware am 29.08.2011 | 12:40
Das sage ich schon seit Jahren: RPG ist ein Hobby und soll Spaß haben, wenn es in Arbeit ausartet, dann macht man was falsch.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Boba Fett am 29.08.2011 | 12:42
Ja, so ist das, nachdem man vom Baum der Erkenntnis gekostet hat.
Es wachsen die Erkenntnisse, gleichzeitig damit verbunden aber auch die Erwartungen.
Und damit wächst die potentielle Unzufriedenheit, denn die gestiegenen Erwartungen zu erfüllen ist ungleich schwieriger.
Irgendwann reift die Erkenntnis, dass man naiver eigentlich meistens zufriedener war.

Aber stimmt das wirklich?
Ich glaube, nicht ganz,
denn wenn man sich nicht weiterentwickelt und im Stillstand verharrt, wächst auch die Chance, dass man im "ewig gleichen" die Lust verliert und sich nach etwas neuem umguckt.
Ausserdem ist der rükwärts gewandte Blick meistens stark verklärt und schönt die Vergangenheit.

Insgesamt sollte man durchaus aufgeschlossen und interessiert sein.
Aber ich ebensowenig durch neu erfahrenes verrückt machen lassen und auf jeden Hype springen und sich selbst unter Druck setzen wie man auch nicht jedem Heilsversprechen Glauben schenken sollte, dass die neue Technik, das neue System, die neue Mode die Lösung auf alle Probleme sein wird.
Man probiert aus, nimmt sich das was brauchbar erschent und entwickelt sich zwar langsam aber stetig und nachhaltiger. Und dämpft die Erwartungen.

Und manchmal muss man auch in nostalgischen Erinnerungen schwärmen und sich vielleicht auch mal um ein "back to the roots" bemühen, nur um dann zu erkennen, dass es damals eben doch gar nicht alles so toll war, wie man es in verklärter Erinnerung hatte...

Und ja: Rollenspiel ist ein Gesellschaftsspiel - nicht mehr, aber auch nicht weniger!
Für mich das schönste Gesellschaftsspiel, das es gibt. :)

Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Chrischie am 29.08.2011 | 12:45
@Ludovico

Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich versuche einfach kaum Erwartungen an mich und meine Spieler zu haben. Wir hatten bis jetzt jeden abend Spaß in unserer Deadlandsrunde. Jetzt gibt es bald die erste richtige Kampange. Ich meine eine Sandbox zu basteln, wobei mir bestimmt etliche widersprechen würden. Das ist mir aber egal, da es die Sandkiste von mir und meiner Gruppe ist. Ich kann dir zustimmen und es ist schwer den ganzen Pröll den man hier gelesen hat wieder aktiv zu verlernen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Ein am 29.08.2011 | 12:48
Sehe und handhabe ich genauso, Ludovico.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Chrischie am 29.08.2011 | 12:56
Mich stört an dem Thema außerdem, dass es in den meisten Fällen nur um "so wird man ein ganz toller Spielleiter" geht und nie auf die Seite der Spieler eingegangen wird. Alle Welt scheint davon auszugehen, dass der Spielleiter der einzige ist der viel Zeit und Arbeit investieren soll um sich zu verbessern und die Spieler noch glücklicher zu machen. Dass die Spieler auch mal etwas investieren könnten um sich zu verbessern, dem Spielleiter die Arbeit zu erleichtern und sich einzubringen, fällt in der Regel unter den Tisch.

Ähm irgendwie hast du den Post nicht verstanden. Ludovico bezieht in seine Überlegung auch den Spieler mit ein. Der soll sich in meinen Augen ein Charakterbauen den er toll findet und der zu den anderen Gruppenmitgliedern passt und gut. Der muss nicht einmal eine Liste mit Plothooks für den Charakter haben oder gar einen Hintergrund. Mir reicht ein Name, ein Aussehen und zwei oder drei Charaktermerkmale. Und selbst Letztere sind optional. Für mich ist das Vorbereiten eines Abenteuers oder Kampange Sapß. Ich investiere da so immer mal wieder Zeit rein. In der Bahn in eine Kladde oder so. Für mich ist das keine Arbeit sondern Zeitvertreib.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: 1of3 am 29.08.2011 | 13:08
Also ich habe heute mehr Spaß als in meiner Anfangszeit. Insofern kann ich aus meiner persönlichen Laufbahn die These so nicht unterschreiben. Ich finde auch den Vergleich etwas merkwürdig: Klar hat niemand Leistungsgedanken bei Mensch Ärger Dicht Nicht. Wie siehts bei Dominion aus? Bei Magic: The Gathering? Bei Schach? Und Rollenspiel ist auch nicht nur Gesellschaftsspiel. Es ist auch Geschichten erzählen, Schauspiel und Darstellung.


Zitat
Ludovico bezieht in seine Überlegung auch den Spieler mit ein. Der soll sich in meinen Augen ein Charakterbauen den er toll findet und der zu den anderen Gruppenmitgliedern passt und gut.

Also das mit dem Passen zu den Gruppenmitgliedern scheint mir aber schon nicht mehr ganz so naiv. Einige mir bekannte Spieler haben jedenfalls Probleme das hinzubekommen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: ClockworkGnome am 29.08.2011 | 13:16
Also ich habe heute mehr Spaß als in meiner Anfangszeit.

Ja, aber liegt das daran, dass Du Dich aktiv mit der verbesserung Deiner Leistung auseinandergesetzt hast oder ist das schlicht und ergreifend die normale Entwicklung die jedes Spiel durch Erfahrung der Spieler nimmt?

Bei uns trat zum Beispiel eine deutliche Vergrößerung des Spaßes ein, als wir anfingen, Abenteuer selber zu schreiben. Das lag aber nicht daran, dass wir überhaupt irgendwas verbessern wollten geschweige denn uns aktiv damit beschäftigt hätten, sondern schlicht daran, dass das Taschengeld nunmal nicht reichte, um ständig neue ABs zu kaufen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Eulenspiegel am 29.08.2011 | 13:22
Ich versuche meine Gedanken dazu mal aufzuschlüsseln:

1) Der Weg ist das Ziel.
Nehmen wir als Beispiel mal Schach. Ich denke, zwei Anfänger haben genau so Spaß an dem Spiel, wie zwei Profis. Besser beim Schach zu werden, bedeutet also nicht, dass man dadurch ein besseres Spielerlebnis hat.
Trotzdem versuche ich, beim Schach besser zu werden. Warum? Schließlich ist und bleibt das für mich nur ein Hobby und ich werde niemals damit Geld verdienen. Und mehr Spaß am Spiel habe ich auch nicht, wenn ich besser werde.

Aber das besser werden an sich macht bereits Spaß. Man kann sich anerkennend auf die Schulter klopfen, wenn man eine neue Strategie entwickelt hat. Es macht Spaß, sich Schachstrategien und Schachprobleme anzuschauen und darüber zu grübeln. Das Schachtraining ist für mich keine Arbeit sondern macht mir genau so viel Spaß wie das Schachspiel selber. Daher trainiere ich auch.

Wenn jemand anders dagegen kein Spaß mit Schachtraining hat und er/sie Schachtraining nur als Arbeit empfindet, dann sollte er/sie auch nicht trainieren.

So ähnlich ist das imho auch beim RPG. Wenn man zu verbissen rangeht und das ganze als Arbeit empfindet, sollte man darauf lieber verzichten. Wenn man das durchlesen von Spielleitertipps hingegen auch als Freizeit und als Teil des RPG-Spielens betrachtet, dann kann man auch daran Freude haben.

2) Gewöhnungssache
Zumindest bei mir ist es so, dass ich bei den meisten Sportarten, Brettspielen, Gesellschaftsspielen voller Begeisterung anfange und sie mir am Anfang riesig Spaß machen. Irgendwann tritt aber ein Gewöhnungseffekt ein und die Spiele werden immer langweiliger.
Dieser Gewöhnungseffekt tritt nicht nach dem 2. Spielen auf. Er tritt auch nicht nach dem 20. Spielen auf. Wenn ich aber ein Spiel schon 200mal gespielt habe (und davon gibt es einige), dann werden sie langsam langweilig.
Dem kann man entgegensteuern, indem man dieses Spiel mit Varianten anreichert aber irgendwann sind auch diese Varianten erschöpft.

Dass das RPG also weniger Spaß macht als in der Anfangszeit könnte evtl. unabhängig davon sein, dass du deine Erwartungen hochgesetzt hast. Es könnte evtl. auch einfach daran liegen, dass der Gewöhnungseffekt eingesetzt hat.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Belchion am 29.08.2011 | 13:23
Mein Spielspaß hat sich auf jeden Fall deutlich erhöht, seit ich mich mit Spielstilen und ähnlichem beschäftige. Ich habe seither weniger Probleme, festzustellen, wenn eine Gruppe einfach nicht passt und lasse mich - im Gegensatz zu meiner ersten Gruppe - nicht mehr so stark ins "aber echtes Rollenspiel!" drängen. Und ich kann für mich klarer sagen, was mir gefällt und was nicht.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: McCoy am 29.08.2011 | 13:26
Das ist imho eine zweischneidige Sache. Auf der einen Seite merke ich heute auch das der Reiz oder das gewisse Kribbeln nicht mehr so da ist wie am Anfang. Wo noch alles entdeckt werden musste und man gewissermaßen ziemlich oft dieses "Wow, voll cool" hatte als jetzt wo viele bekannt ist. Andererseits beschäftige ich mich gerne mit dem Hintergrund oder der Mechanik hinter dem Spiel. Das macht mir einfach Spaß.
Das ich jetzt natürlich nicht mehr so unbefangen ins Spiel einsteige bleibt dabei nicht aus. Macht es deswegen weniger Spaß?
Knifflig, weil es ist ja nicht mehr das gleiche wie früher. Auf der Habeseite steht dafür das ich ein besseres Kopfkino für mich ablaufen lassen kann als wenn ich komplett "blank" ins Spiel gehe. Gut, wie das mit den Mitspielern aussieht, steht auf einem anderen Blatt aber das ist immer so, ob man noch neu ist oder Veteran.

Abhilfe schaffen da meiner Meinung nach neue Welten, neue Systeme wo man noch nicht alles kennt. Wenn ich da dem Drang widerstehen kann, alles gleich wieder in mich aufzusaugen was es an Informationen gibt, dann kann ich relativ unbefangen daran gehen. Ich bin dann ein (ziemlich) ungeschriebenes Blatt und muss mich nicht ärgern das meine Mitspieler auch nach 6 Jahren immer noch keine Ahnung haben, weil ich selbst es ja auch nicht weiß.
Was natürlich bleibt ist die Summe an Erfahrungen die ich im Laufe der Zeit generell gesammelt habe, aber das kann ich ebenso wenig ändern, wie ich mich wieder 14 Jahre machen kann als ich mit RPGs anfing.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Grey am 29.08.2011 | 13:28
Ich hatte schon ganz ähnliche Gedanken wie Ludovico. Meine letzten Kampagnen waren erzähltechnisch gesehen bestimmt "besser" als die in meinen Anfangszeiten. Ich habe sehr viel mehr und gründlicher vorbereitet, Stimmungsmusik eingesetzt, künstlerisch anspruchsvolle Geländeskizzen gemalt usw. Die Kampagne hat unbestritten Spaß gemacht, gleichzeitig aber auch gestresst. Und nachdem gegen Ende "die Luft raus war", war der Frust genauso gesteigert wie das Spielerlebnis.

Wie Ludovico dachte ich dann ebenfalls an meine Anfangszeiten zurück, vor allem an meine jahrelange MidgarD-Kampagne während des Studiums. Damals hatte ich lange nicht so viele "Techniken" drauf, und in der Vorbereitung waren logische Löcher, durch die ein Öltanker quer durchpaßte. Aber es ging lockerer am Tisch zu, und der Spaß hielt über 5-6 Jahre, während er bei meiner letzten Kampagne schon nach anderthalb Jahren "verbraucht" war.

Trotzdem ziehe ich daraus nicht die Konsequenz, den Techniken und dem hohen Anspruch komplett Tschüß zu sagen. Zwar habe ich mir für meine nächste Kampagne vorgenommen, lockerer an die Sache ranzugehen und nur da viel Arbeit in die Vorbereitung zu stecken, wo ich einfach Lust drauf habe. Nichtsdestoweniger _haben_ sich Planung und Techniken in der letzten Kampagne ausgezahlt. Wir hatten Highlights an Spannung und Atmosphäre, die ich in meiner Uni-Kampagne so nie hinbekommen hätte. Von daher werde ich zwar nicht noch mal so verbissen an die Sache rangehen wie gegen Ende meiner letzten Kampagne; aber die Lehren, die ich daraus gezogen habe, tragen zum Spielspaß bei, also werde ich sie bestimmt nicht einfach hinter mir lassen.

Wie auch immer, ich gebe Ludovico dahingehend recht, daß nach einer Phase übertriebenen Anspruchsdenkens eine Phase locker-flockigen, naiven Spiels sicher gut tut. Und ich werde es in meiner nächsten Kampagne vermutlich ähnlich probieren. Irgendwann melden sich Gedanken wie "das ist jetzt nicht so toll gelaufen, wie kann ich das besser machen?" schon von selbst zurück. ;)
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Lord Verminaard am 29.08.2011 | 13:32
Einerseits, ja schon, es soll ja Spaß machen.

Andererseits wird dir jeder Hobby-Musiker und Freizeitsportler bestätigen, dass es sich sehr lohnt, auch mal eine Durststrecke zu überwinden bzw. sich auch mal ein Stück weit durchzubeißen, obwohl man keine Lust hat. Warum sollte es beim Rollenspiel anders sein?
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Jed Clayton am 29.08.2011 | 13:33
Oh je, also ich stimme im Prinzip dem Ausgangs-Posting zu, mit gefühlten 80 bis 90 Prozent.

Allerdings kenne ich auch Spieler, bei denen jedes normale Gesellschaftsspiel oder Brettspiel (Mensch-ärgere-dich-nicht, Catan, Carcassonne, Kings & Things, ...) und jedes Kartenspiel zu einem verbitterten, verbissenen Wettkampfsport mutiert. Sie spielen, als ginge es um ihren Job, um ihre Gesundheit, ihr Ansehen oder um ganz viel Geld. Als wären sie bei den Olympischen Spielen.

Ich mag das gar nicht, egal in welchem Spiel und in welcher Spielform es passiert. Es ist dann ein WettKAMPF, man bekämpft sich und macht sich fertig etc. Das Spielerische bleibt ganz außen vor.

Das liegt vielleicht auch daran, dass ich in meiner eigenen Persönlichkeit absolut keinen Antrieb für Prestige, Leistung, Status und so weiter zu haben scheine. Ich habe wenig Selbstachtung und nach den üblichen Definitionen absolut keinen "Ehrgeiz". Deshalb ist es mir egal, wer in einem Spiel gewinnt und wer wie viele Punkte hat. Dementsprechend leite ich auch meine Rollenspiele.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Ludovico am 29.08.2011 | 13:36
@1of3
Mich wundert es nicht, dass Du heute mehr Spaß hast. Ich hab Dich mittlerweile vor allem als "Bastler" kennengelernt, der sich gerne mit der Theorie beschäftigt. Für mich stellt das eine andere Herangehensweise ans Spiel ran. Es ist wie mit dem Hobby "Auto". Es gibt die Bastler, die vor allem gerne herumschrauben und daraus den Spaß ziehen und sich die Bestätigung holen, wenn sie ihre Einbauten ausprobieren und dann gibt es noch jene, die sich einfach ins Auto setzen wollen und losfahren.
Ich gehöre, auf das Spiel bezogen, zur zweiten Kategorie.

Was Dominion und Schach angeht, so hatte ich auch was dazu geschrieben. Beim Rollenspiel denken die Spieler nach, wie sie vorankommen und das Abenteuer schaffen, quasi also gewinnen. Bei Dominon denken die Spieler ebenso darüber nach, wie sie gewinnen, bei Schach ebenso. Beim Rollenspiel werden aber nicht Techniken entwickelt, um das Abenteuer zu schaffen, sondern vor allem um den Spielspaß zu erhöhen, sei es durch Verbesserung der Planbarkeit und Übersicht der Kampagne, Erzähltechniken,... Hast Du schon mal erlebt, dass jemand bei einem Brettspiel so etwas versuchte (vom Spieledesigner mal abgesehen)?

Beim RPG kommen Leute zusammen, um auf einem Regelwerk basierend, gemeinsam zu spielen. Das reicht für mich, um es für mich als reines Gesellschaftsspiel zu bezeichnen. Geschichten erzählen, Schauspiel und Darstellung ist nichts besonderes und kein Alleinstellungsmerkmal.

@Boba
Ich glaube, der Stillstand kommt schon alleine deshalb nicht zustande, wenn man weitere Spiele ausprobiert. Und nüchtern betrachtet, hatte ich die besten Runden zu meiner Anfangszeit mit DSA 3, wo ich Spieler war und 7te See als SL. 7te See verleidete ich mir mehr und mehr selber, als ich mit steigendem Wissenstand feststellen musste, welche Fehler es hat. Wie Grey feststellte, sind die Kampagnen auch kürzer und schnelllebiger geworden und das zu sehen, stört mich sehr, zeigt es mir doch auch, dass der Reiz und die Spannung schneller verfliegt und somit auch der Spaß.

@Vermi
Rollenspiel ist doch kein Sport? Was habe ich davon, wenn ich mich durchbeiße? Was bringt mir oder der Gruppe so etwas?
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Lord Verminaard am 29.08.2011 | 13:43
Ich glaube, das Nervige am "Leistungdgedanken" ist vor allem die Bewertung, die damit einher geht. Man bewertet sich selbst, und man wird durch andere bewertet. Man hadert mit den eigenen, hohen, vielleicht sogar widersprüchlichen Ansprüchen. Oder man fand sich eigentlich ganz gut, und dann kommt ein(e) Mitspieler(in), den/die man mag und schätzt, und sagt einem, nee, war nicht gut, musst du besser machen.

Ich spiele heute auch wieder entspannter, ohne jedes Mal eine Sternstunde erleben zu wollen. Aber die Kehrseite ist liebloses Spiel: Langweilig, belanglos, unmotiviert. Das will auch keiner.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Teylen am 29.08.2011 | 13:45
Jedes mal wenn ich Jogger sehe, solche die erkennbar freiwillig laufen, frage ich mich wieso die laufen, anstelle zu gehen. Was sehr viel gemuetlicher waere, weniger anstrengend und wo man sich die Gegend ansehen kann.

Ich denke das sich Leistung einerseits selbst entlohnt.
Wenn man etwas gemacht hat, das man nur machen konnte weil man sich vorbereitete oder etwas lernte, schuettet der Koerper Glueckshormone aus. Einfach so. Wenn ich in einer Runde eine "Battlemap" [Und sei es nur in meinem Fall eine Paint Zeichnung] rund schicke, sagt mir tief innendrin irgendetwas "gut gemacht".
Ich vermute daran das es vielleicht unter anderem daran liegt das es dem eigenen Selbstvertrauen beziehungsweise der eigenen Wertschaetzung zutraegt. Man hat etwas gemacht, man hat es gezeigt, Yay.

Nun und es ist eine Wertschaetzung der Mitspieler, fuer die man es ja auch gemacht hat, auch wenn die vielleicht nichts sagen, oder Kritik ueben, eine Art "Dankeschoen das ihr hier seit und spieler" beziehungsweise ein "Bitte hier". So etwas wie ein Gast-Geschenk. Da erwartet man ja auch nicht das der Gastgeber einem dankend in die Arme faellt, sondern freut sich Anerkennung zum Ausdruck gebracht zu haben.

Nun und die Spieler erhalten ein Angebot. Ich sehe jetzt nicht wieso sie sich darueber nicht freuen sollten, oder aus aehnlichen Gruenden wie der SL, Leistungen einbringen.
Wenn sich dann noch einer beim anderen fuer die Leistung bedankt steigt gleichfalls der allgemeine Gluecksfaktor.


Ein wenig ist das vielleicht wie mit Strategiespielen.
Man muss beim Schach oder Go keine Leistung einbringen, es macht so auch Spass, vermutlich. Aber dann macht es auch Spass Leistung zu zeigen, an sich zu arbeiten, ELO oder EGD Punkte zusammeln, und sich zu entwickeln.
Nun oder bei Konsolenspielen.
Man muss beim Prince of Persia Jump'n'Run nicht alle Lichtkugeln einsammeln, spart Zeit wenn man sich auf die noetigsten beschraenkt, aber es macht Spass und am Ende gibt es eine Achievement-Plakate.


Ansonsten bin ich neugierig. Zumindest etwas.
Das heisst, wenn gar nichts neues mehr kommt, fange ich mich sogar an zu langweilen.
Nun und auch dahingehend ist Leistung interessant, also zu gucken was es gibt, was man machen kann, wie gut es passt. Sich einfach da versuchen etwas zu entwickeln.


Wo ich dir jedoch absolut zustimme ist das es in Bezug auf Rollenspiel kein besseres oder schlechteres Spielen gibt oder ein richtiges oder falsches Verstaendnis eines System. Nur weil man Leistungen erbringen kann, heisst es nicht das diese zwingend objektiv bewertbar oder einforderbar sind.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Lord Verminaard am 29.08.2011 | 13:51
@Vermi
Rollenspiel ist doch kein Sport? Was habe ich davon, wenn ich mich durchbeiße? Was bringt mir oder der Gruppe so etwas?

Sagen wir mal, du bereitest ein Abenteuer vor. Und es flutscht nicht so recht. Du bist genervt. Du hast keinen Spaß. Aber du beißt dich durch, du fragst jemanden um Rat, du kriegst die Kurve, schreibst das Abenteuer fertig, leitest es und hast eine geile Sitzung.

Oder du kommst müde zum Spiel, bist unmotiviert, hast keine Ideen, könntest den Abend so wegplätschern lassen. Aber es kommt eine Situation, die für deinen Charakter maßgeschneidert ist. Also trinkst nen starken Kaffee, trittst dich selbst in den Hintern und gibst noch mal richtig Gas, und schwups, am Ende der Sitzung bist du hellwach und geflasht und könntest noch zwei Stunden weitermachen.

Du könntest natürlich auch abknicken. Keinen Bock heute, zu anstrengend, lass mal lieber X-Box zocken und quatschen. Oder du bleibst gleich zu Hause aufm Sofa. Dein Verlust.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Ein am 29.08.2011 | 13:57
Nur was hat das mit irgendwelchen Spielleitungstechniken zu tun? Zumindest ich habe noch nie vom Zähne-Zusammenbeißing als Technik gehört.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Ludovico am 29.08.2011 | 13:58
Ich glaube, das Nervige am "Leistungdgedanken" ist vor allem die Bewertung, die damit einher geht. Man bewertet sich selbst, und man wird durch andere bewertet. Man hadert mit den eigenen, hohen, vielleicht sogar widersprüchlichen Ansprüchen. Oder man fand sich eigentlich ganz gut, und dann kommt ein(e) Mitspieler(in), den/die man mag und schätzt, und sagt einem, nee, war nicht gut, musst du besser machen.

Ich spiele heute auch wieder entspannter, ohne jedes Mal eine Sternstunde erleben zu wollen. Aber die Kehrseite ist liebloses Spiel: Langweilig, belanglos, unmotiviert. Das will auch keiner.

Was mich am Leistungsgedanken nervt, ist weniger die Bewertung, sondern die steigende Komplexität. In der einfachen Zeit als Anfänger dachte man nicht so viel nach, hatte keine Techniken zu berücksichtigen, keine Leitfäden zum Erstellen der Kampagne,... Ich kam ratzfatz in einen Flow und konnte mir problemlos was ausdenken, so wie ich es derzeit wieder erlebe bei meiner aktuellen Runde.
Liebloses Spiel, langweilig und unmotiviert hab ich dadurch gar nicht. Wie das langfristig sein wird, weiß ich nicht, aber wenn ich an die besten Runden denke, so liefen die sehr lange und ohne diese Techniken und waren dennoch motiviert, Termine mit den Spielern waren schnell vereinbart, weil sie heiß auf's Spielen waren,...

Zu Deinem neuesten Post:
Ich würde daheim bleiben, bzw. dann auch mitteilen, dass man das Spielen knicken kann. Warum soll ich 90% eines Abends meine und die Zeit meiner Mitspieler verschwenden? Ich würde auch nie ein Abenteuer leiten, dass mich selbst nicht packt und wenn ich an einen toten Punkt komme und ich merke, dass es mich doch nicht reizt, dann verwerfe ich es. Würde ich mich durchbeißen, würde ich eher einen Verlust erleiden und noch schlimmer meine Mitspieler. Aber ok! Ein Abenteuer zu erstellen, ist für mich auch keine richtige Arbeit. Es wird erst schlimm, wenn ich versuche, es in die Struktur eines Leitfadens zu pressens, Gedanken über Techniken mit einfließen lasse mit dem Hintergedanken besser als früher zu leiten.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Joerg.D am 29.08.2011 | 14:06
Wozu Leistung?

Wenn man in der Lage dazu ist Hochleistung abzurufen, dann macht es (mir) unglaublich viel Spaß.

Meine ersten richtig guten Runden wie auf Hessenstein sind für mich Erleuchtungen gewesen. Heute strebe ich nach etwas, was besser ist als diese Runden, welche für so viele Leute mit das Non Plus Ultra darstellen. Nach Kampagnen mit so guten Spielern und einer nachhaltigen Entwicklung. Also Leistungsrollenspiel im Fortsetzungsromanen.

Das Verneinen der Leistung kommt für gewöhnlich immer von denen, die diese Leistung nicht abrufen können.

Das ist nicht weiter schlimm, jeder soll so spielen, dass er nach seinem persönlichen Leistungsvermögen glücklich wird. Doch wenn man den Leuten mit anderen Vorlieben das eigene Denken oder Leistungsvermögen zwangsverordnen will, dann harkt es. Also sollte man sich einfach Leute suchen die dem eigenen Leistungsvermögen entsprechen und die anderen entweder Leistungs- oder Entspannungsrollenspiel betreiben lassen.

Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Lord Verminaard am 29.08.2011 | 14:08
Nur was hat das mit irgendwelchen Spielleitungstechniken zu tun? Zumindest ich habe noch nie vom Zähne-Zusammenbeißing als Technik gehört.

Nee, das hat allenfalls indirekt mit Techniken zu tun, bezog sich eher auf die Aussage "es soll ja nicht in Arbeit ausarten".
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Teylen am 29.08.2011 | 14:09
Was das Auto fahren betrifft mag ich nicht basteln, aber ich mag mir die Landschaft ansehen, und hoffe das ich besser drin werde landschaftlich huebsche Strecken anzuschauen. Ausserdem mag ich keine Autounfaelle haben und ich freue mich durchaus ueber jede Parkluecke in die ich mit 2-3 Zuegen rein komme weil der gelernte Trick klappt.

Was Dominion und Schach angeht, so hatte ich auch was dazu geschrieben. Beim Rollenspiel denken die Spieler nach, wie sie vorankommen und das Abenteuer schaffen, quasi also gewinnen. Bei Dominon denken die Spieler ebenso darüber nach, wie sie gewinnen, bei Schach ebenso. Beim Rollenspiel werden aber nicht Techniken entwickelt, um das Abenteuer zu schaffen, sondern vor allem um den Spielspaß zu erhöhen, sei es durch Verbesserung der Planbarkeit und Übersicht der Kampagne, Erzähltechniken,... Hast Du schon mal erlebt, dass jemand bei einem Brettspiel so etwas versuchte (vom Spieledesigner mal abgesehen)?
Beim Schach, nun zumindest beim Go, geht es um effektivere Strategien und wie man den eigenen Spielstil erkennt und foerdert.
Fuer das reine gewinnen ist bei beiden Spielen der Level zu der entsprechenden Spitze zu gewaltig.

Zumindest beim Go geht es dahin das man seine eigenen Zuege plant, wie man die Uebersicht gestaltet (lokal / ganzeinheitlich) sowie ob man nun eher aggressive oder eher defensiv spielt und andere Aspekte. Teilweise spielen sogar auch mal aesthetische Aspekte dazu.

Zitat
Ich glaube, der Stillstand kommt schon alleine deshalb nicht zustande, wenn man weitere Spiele ausprobiert. Und nüchtern betrachtet, hatte ich die besten Runden zu meiner Anfangszeit mit DSA 3, wo ich Spieler war und 7te See als SL. 7te See verleidete ich mir mehr und mehr selber, als ich mit steigendem Wissenstand feststellen musste, welche Fehler es hat. Wie Grey feststellte, sind die Kampagnen auch kürzer und schnelllebiger geworden und das zu sehen, stört mich sehr, zeigt es mir doch auch, dass der Reiz und die Spannung schneller verfliegt und somit auch der Spaß.
In dem Fall waere aber doch das breite Angebot eher das "Problem" als eine Leistung?
Zumal die Erkenntnis von Systemfehler doch keinen Bezug zur Leistung hat?
Irgendwann waeren die einem ja vermutlich eh aufgefallen,..

Zitat
Rollenspiel ist doch kein Sport? Was habe ich davon, wenn ich mich durchbeiße? Was bringt mir oder der Gruppe so etwas?
Die meisten, die joggen, machen das ja auch nicht weil sie die Ambition haben einen Wettbewerb zu begluecken und zu gewinnen.
Die meisten sehen auch nicht so fett und wenig fit aus das man unterstellen kann das sie es tun weil sie muessen.
Dennoch bringen sie Leistung. Einfach so.

Nun und durchbeissen bringt einem erstmal ein fettes Erfolgserlebnis wenn man es hinter sich gebracht hat. Zumindest mir.

Ich mag normalerweise keine Karten zeichnen. Die sehen haesslich aus und ich koennte sie fast problemlos in den Zeichnungen eines Kindergarten verstecken. Dennoch freue ich mich tierisch wenn ich eine, waehrend der Sitzung, zustande brachte.
Ich mag normalerweise keine NSC-Stimmen imitieren, und mein missglueckter Pate-Versuch verfolgt mich immer noch, dennoch hatte ich spaeter eine geglueckte Guelcan-Stimme hinbekommen und bei den Saurieren sehr viel Spass.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: 1of3 am 29.08.2011 | 14:14
Ja, aber liegt das daran, dass Du Dich aktiv mit der verbesserung Deiner Leistung auseinandergesetzt hast oder ist das schlicht und ergreifend die normale Entwicklung die jedes Spiel durch Erfahrung der Spieler nimmt?

Klares jein. Ich habe nie einfach nur so gespielt. Als ich angefangen habe, ward das Internetz schon erfunden, und natürlich habe ich dann zunächst geschaut wie "man" das so macht und dann wie Andere es so machen, als mir auffiel, dass man offensichtlich verschieden vorgehen kann. Das ist also nicht nur Erfahrung, sondern Erfahrung und Reflexion.


@1of3
Mich wundert es nicht, dass Du heute mehr Spaß hast. Ich hab Dich mittlerweile vor allem als "Bastler" kennengelernt, der sich gerne mit der Theorie beschäftigt. Für mich stellt das eine andere Herangehensweise ans Spiel ran. Es ist wie mit dem Hobby "Auto". Es gibt die Bastler, die vor allem gerne herumschrauben und daraus den Spaß ziehen und sich die Bestätigung holen, wenn sie ihre Einbauten ausprobieren und dann gibt es noch jene, die sich einfach ins Auto setzen wollen und losfahren.
Ich gehöre, auf das Spiel bezogen, zur zweiten Kategorie.

Was Dominion und Schach angeht, so hatte ich auch was dazu geschrieben. Beim Rollenspiel denken die Spieler nach, wie sie vorankommen und das Abenteuer schaffen, quasi also gewinnen. Bei Dominon denken die Spieler ebenso darüber nach, wie sie gewinnen, bei Schach ebenso. Beim Rollenspiel werden aber nicht Techniken entwickelt, um das Abenteuer zu schaffen, sondern vor allem um den Spielspaß zu erhöhen, sei es durch Verbesserung der Planbarkeit und Übersicht der Kampagne, Erzähltechniken,... Hast Du schon mal erlebt, dass jemand bei einem Brettspiel so etwas versuchte (vom Spieledesigner mal abgesehen)?

Ahh, ich glaube ich verstehe jetzt besser.

Zunächst zu dem zweiten Teil: Ja, kenne ich. Bei Magic fingen irgendwann an Leute Glassteine für die Lebenspunkte mitzubringen. Das ist praktisch fürs Spiel, weil so jeder sieht was der andere noch an Lebenspunkten hat. Es fingen auch irgendwann an Leute darüber nachzudenken, warum andere so komisch spielen - jemand kam auf Timmy, Johnny und Spike. Man überlegte sich auch neue Spielmodalitäten, etwa für mehrere Spieler. - Reih um angreifen, König und was weiß ich noch was da lokal jeweils gespielt wird.

Auch bei Dominion kenn ich da Experten: "Ne, mach mal nicht die Kombination von Aktionskarten. Sonst wird das Spiel langweilig." Dem Einwand wurde prompt entsprochen. Mir war zu dem Zeitpunkt nicht klar, was sie meinten, inzwischen habe ich ungefähr eine Ahnung: Mit den Karten die da ursprünglich lagen, ist es sehr einfach das Spiel zu gewinnen, wenn man weiß, was zu tun ist. Die beiden Experten hätten uns Noobs damit gnadenlos abgezogen. Also ja, da hat sich jemand mit dem Spiel auseinandergesetzt, um den Spielspaß zu erhöhen, nicht um zu gewinnen.

Passiert angeblich auch beim Go, wenn der schwächere Spieler mit bereits platzierten Steinen ins Spiel geht. Also auch bei Gesellschaftsspielen gibt es Leute, die das Spiel nicht einfach aus der Box spielen. Es gibt sogar Foren im Internetz, wo über Gesellschaftsspiele gequatscht wird und sich ein ziemliches Know-how findet.

Damit zum ersten Punkt: Ja, ich bin ein Bastler. Es macht mir Spaß Spiele zu verstehen. Ich seh auch gerne ein, dass es Leute gibt, die einfach losspielen möchten. Denen kann dann gerne geholfen werden. Möchten sie sich nicht helfen lassen, werd ich gelegentlich fuchsig. Ich versuch grad noch etwas dazu zu sagen. Man kann aber auch über das Spiel reflektieren, um gewisse Probleme zu lösen. Das ist dann meist das Basteln, dass mir jedenfalls  wenig Spaß von sich aus macht. Da hab ich dann wirklich eine Hand voll nützliche Tricks gelernt, die mein Spiel verbessern. Die meisten Sachen aus diesem Gebiet ignoriere ich, weil ich meinen Stil gefunden habe.

Insofern muss man da, glaube ich, trennen. Ja, es gibt so spielerische Beschäftigung mit der Materie, also das Basteln an Rollenspielen und am Rollenspiel. Und es gibt ggf. gewisse Bedürfnisse, die es möglichst effektiv zu lösen gilt. Das kann zusammen gehen, muss aber nicht.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Ein am 29.08.2011 | 14:24
Zitat
Das Verneinen der Leistung kommt für gewöhnlich immer von denen, die diese Leistung nicht abrufen können.
Öhm, nö. Es gibt auch einfach die, die reif genug sind, zu wissen, dass sie sich diesen Stress im Hobby nicht geben müssen. Die nicht Rally fahren müssen, weil es ihnen mehr Spaß macht gemütlich über Landstraßen zu tuckern. Die nicht den größten Fisch fangen müssen, weil es ihnen mehr Spaß macht gemütlich am Fluss zu sitzen, egal ob sie etwas fangen oder nicht. Die nicht den Pott im Ligapoker knacken müssen, weil es ihnen mehr Spaß macht einfach mit ein paar Kumpels und ein paar Bieren ein paar Runden zu zocken. Die nicht auf den höchsten Gipfel steigen müssen, weil ihnen das gemütliche Wandern durchs Hügelland mehr Spaß macht. Die nicht kreuz und quer durch die Welt jetten müssen, weil es ihnen mehr Spaß macht ihren Schrebergarten zu pflegen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Joerg.D am 29.08.2011 | 14:26
Öhm, doch.

Dein Einwand wurde mit dem für gewöhnlich bereits bedacht.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 29.08.2011 | 14:26
Ich habe den Eindruck, dass der "Leistungsdruck" vor allem darin besteht, möglichst viele oder gar alle Techniken einzusetzen, die eigentlich erdacht waren, um Probleme im Spiel zu beheben. Aber nicht jede Runde braucht diese Techniken um (für sich) zu funktionieren. Vielmehr müssten die vielen und wirklich tollen Tips und Ratgeber (hier und anderswo) sehr viel gezielter eingesetzt werden.

-Nicht jedes Ingamegimmick benötigt unbedingt ein Handout. Aber zur rechten Zeit, ist es Gold wert.

-Nicht jeder Kampfschauplatz benötigt eine farbige Battlemap, aber für den entscheidenden Kampf erhöht es oft die Immersion oder die taktische Tiefe.

Weniger ist manchmal mehr!
Hier spielt auch Zeit eine große Rolle. Effektives Zeitmanagement ist nicht leicht und erfordert eine gute Struktur.

Aber vorsicht: Es gibt auch Situationen, die haben weniger mit Leistung, sondern mehr mit Respekt den Mitspielern gegenüber zu tun.
Es ist einfach mangelnder Respekt, wenn Spieler zum Spiel erscheinen, ohne ihre Steigerungen gemacht oder wenigstens durchdacht zu haben. Das hält alle anderen unnötig auf. Kurzfristige Absagen können ebenfalls dazu führen, dass ein Spiel insgesamt abgesagt wird und beeinträchtigt damit das ganze Hobby.
Man ist vielleicht keine Leistungsmannschaft, aber wohl eine Interessengemeinschaft und da kann ich erwarten, dass entsprechendes Interesse geäußert wird.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Nocturama am 29.08.2011 | 14:28
Warum Leistung? Für mehr Spaß.

Ich finde es immer interessant, dass viele Spieler ihre Anfangsrunden als sehr viel besser ansehen als ihre späteren Runden. Bei mir war das auf keinen Fall so. Sicher hatten wir Spaß am Spielen, aber so richtig gerockt haben die nicht. Na gut, manchmal. Das Problem war aber, dass wir den Spaß nicht wirklich replizieren konnten. Dazu muss man schon genug Leistungsdenken haben, um sich zu überlegen, was an dieser Runde jetzt ausgerechnet besonders viel Spaß gemacht hat.

Zugegeben, ich hatte auch eine Phase, in der mir Ansprüche meinen Spaß verleidet haben – nur waren dass nicht meine Ansprüche. Zu dem Zeitpunkt habe ich mich zu schnell von „Experten für richtiges Rollenspiel (tm)“ beeinflussen lassen. Inzwischen ist es mir das herzlich egal.
Denn das Wichtige war, dass ich meine eigenen Vorlieben kennen gelernt habe und dahin wäre ich nur sehr viel mühsamer (ich schreibe jetzt mal nicht „nie“) gekommen, wenn ich mir über Rollenspiele keine weitergehenden Gedanken gemacht hätte. Ich habe auch nicht mehr Arbeit mit meinen Runden. Im Gegenteil, ich weiß jetzt, in welche Punkte ich Arbeit investieren sollte (obwohl ich’s manchmal trotzdem nicht tue ;)) und in welche nicht. Es einfach zielgerichteter als früher.

Ich weiß inzwischen, wie ich die Wahrscheinlichkeit für eine spaßige Runde erhöhen kann und ich habe außerdem einen viel besseren Blick dafür, was einem anderen Spieler gefällt. Klar läuft es nicht immer supertoll, und ja, dann möchte ich schon wissen, wie ich das vermeiden kann – und beim nächsten Mal bessere Leistung bringen (egal ob als SL oder Spieler).
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Ein am 29.08.2011 | 14:29
@Jörg
Gut, dann sehen wir es als Ergänzung.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Lord Verminaard am 29.08.2011 | 14:30
@Ein: Naja, ich bin auch ein ziemlich unambitionierter Wanderer. Trotzdem besitze ich vernünftige Wanderschuhe, nen vernünftigen Rucksack, und schau in einen Wanderführer, bevor ich loslaufe. Um mal die Metapher auf die Spitze zu treiben. ;)
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Belchion am 29.08.2011 | 14:32
Die nicht kreuz und quer durch die Welt jetten müssen, weil es ihnen mehr Spaß macht ihren Schrebergarten zu pflegen.
Nur mal das als Beispiel, aber es gilt auch für alles andere: Du zählst jeweils unterschiedliche Hobbys auf. Schrebergärntern und Weltreisen sind keine zwei Ausprägungen der gleichen Tätigkeit. Der typische Schrebergärtner steigert seinen Ehrgeiz nämlich auch, versucht sich zunächst an irgendwas das blüht und kennt sich schließlich mit Baumschnitt, Düngung, Blütenfolge usw. aus. Sprich, er wird mit der Zeit ein besserer Gärtner.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Lord Verminaard am 29.08.2011 | 14:32
Zugegeben, ich hatte auch eine Phase, in der mir Ansprüche meinen Spaß verleidet haben – nur waren dass nicht meine Ansprüche. Zu dem Zeitpunkt habe ich mich zu schnell von „Experten für richtiges Rollenspiel (tm)“ beeinflussen lassen.

+1
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Eulenspiegel am 29.08.2011 | 14:35
Der typische Schrebergärtner steigert seinen Ehrgeiz nämlich auch, versucht sich zunächst an irgendwas das blüht und kennt sich schließlich mit Baumschnitt, Düngung, Blütenfolge usw. aus. Sprich, er wird mit der Zeit ein besserer Gärtner.
Das mag für einige Schrebergärtner gelten. Ich kenne aber auch genügend Leute, die fahren im Sommer in ihren Schrebergarten, ernten dort Erdbeeren, Äpfel, Birnen und Kirschen und das war's.

Bei heißem Wetter stellen sie evtl. die Sprenkleranlage an und wenn sie extrem viel Langeweile haben, beschneiden sie mal die Hecke.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: gunware am 29.08.2011 | 14:36
Das Verneinen der Leistung kommt für gewöhnlich immer von denen, die diese Leistung nicht abrufen können.
Oder denen es nicht so wichtig ist, weil das Preis/Leistungsverhältnis kippt. Wenn das Abrufen von Leistung in Arbeit ausartet, dann ist der Preis zu hoch, als das man bereit wäre, diesen Preis für die Leistung zu zahlen. Es läuft dann darauf hinaus, wie man die Prioritäten setzt. Soll ich bei einem Hobby 100% Leistung bringen, aber damit ich es schaffe, muss ich leider auf XY und XZ verzichten. Oder reicht es mir, nur 75% Leistung bringen, damit muss ich zwar auf XZ verzichten, aber dafür schaffe ich noch XY. Oder doch lieber nur 50% Leistung beim meinem Hobby bringen, damit ich nicht auf XY und XZ verzichten muss?

Es muss nicht immer an Unfähigkeit liegen. Es können viele Gründe dafür existieren, warum man bei einem Hobby nicht volle Leistung bringen will. Zeit, zusätzliche Interessen, Stress, Verpflichtungen, usw.
[EDIT: Tja, in der Zwischenzeit hat sich das weiterbewegt - und damit würde für mich eigentlich auch die Antwort gelten, die Jörg D. Ein gegeben hatte. Das Problem ist, dass ich "gewöhnlich" mit "mehr als die Hälfte" übersetzen würde und da meine ich, dass "gewöhnlich" die Leute eher einem Hobby nicht die oberste Priorität einordnen.]
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Ein am 29.08.2011 | 14:42
Zitat
Das Problem war aber, dass wir den Spaß nicht wirklich replizieren konnten. Dazu muss man schon genug Leistungsdenken haben, um sich zu überlegen, was an dieser Runde jetzt ausgerechnet besonders viel Spaß gemacht hat.
Was hat das mit Leistung zu tun? Das hat allein damit zu tun, dass man sich überlegt, was man eigentlich will. Im Grunde gehört dazu auch nur das nötige Selbstbewusstsein eben nicht jedem Mist hinterher zu rennen.

Zitat
@Ein: Naja, ich bin auch ein ziemlich unambitionierter Wanderer. Trotzdem besitze ich vernünftige Wanderschuhe, nen vernünftigen Rucksack, und schau in einen Wanderführer, bevor ich loslaufe. Um mal die Metapher auf die Spitze zu treiben.
Man sollte nicht Grundlagen und Weiterführendes verwechseln. Natürlich braucht man für das Rollenspiel ein Regelwerk, ein paar Würfel und ein Abenteuer, aber das hat noch nichts mit weiterführenden Techniken zu tun. Wandern kann man im Übrigen auch in Turnschuhen, ohne Rucksack und frei Schnauze. (Was sehr viele Bundesbürger jedes Wochenende betreiben.) Alles andere ist das Äquivalent zum Echten Rollenspiel(tm).

Zitat
Nur mal das als Beispiel, aber es gilt auch für alles andere: Du zählst jeweils unterschiedliche Hobbys auf. Schrebergärntern und Weltreisen sind keine zwei Ausprägungen der gleichen Tätigkeit. Der typische Schrebergärtner steigert seinen Ehrgeiz nämlich auch, versucht sich zunächst an irgendwas das blüht und kennt sich schließlich mit Baumschnitt, Düngung, Blütenfolge usw. aus. Sprich, er wird mit der Zeit ein besserer Gärtner.
Irgendwie kenne ich andere Schrebergärtner als du. ;) Den typischen Schrebergärtnern reicht es in ihrem eigenen Fleckchen Erde abzuhängen, Kuchen zu essen, zu grillen und den Kindern beim Toben zuzusehen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Teylen am 29.08.2011 | 14:47
Nur mal das als Beispiel, aber es gilt auch für alles andere: Du zählst jeweils unterschiedliche Hobbys auf. Schrebergärntern und Weltreisen sind keine zwei Ausprägungen der gleichen Tätigkeit. Der typische Schrebergärtner steigert seinen Ehrgeiz nämlich auch, versucht sich zunächst an irgendwas das blüht und kennt sich schließlich mit Baumschnitt, Düngung, Blütenfolge usw. aus. Sprich, er wird mit der Zeit ein besserer Gärtner.

Nun, es gibt Leute denen es genuegt wenn das Bett auf ihrer Terrasse irgendwie gruen ist und da irgendwelche bunten Pflanzen drauf rum stehen.
[Zur Not wird verdorrtes durch das naechst huebscheste aus dem Gartengeschaeft ausgetauscht]
Nun und es gibt Leute denen es nicht genuegt wenn da irgendwas gruen und bunt ist, sondern die sich mit Baumschnitt, Duengung, Jahreszeiten, und sowas beschaeftigen.

Vermutlich haben beide Leute total viel Spass an ihrem Garten und bezeichnen sich als Gaertner.
Obwohl sie sich im Garten des anderen nicht unbedingt wohl fuehlen wuerden [zu laienhaft / zu viel arbeit bzw. zu gestriegelt].


Nun die einen Leute haben Spass an Reisen, suchen sich einen Flughafen aus und fliegen.
Nun und es gibt Leute die haben Spass an Reisen, suchen sich einen Flughafen aus, buchen die Hotels vorab, machen eine Reiseroute, buchen Events und merken sich dies und jenes vor.

Vermutlich haben beide total viel Spass am Reisen und wuerden es als Hobby angeben.
Obwohl sie mit der Reise des anderen nicht zu recht kommen.


Das Problem ist nicht die Leistung, und ob diese vielleicht nicht wo anders liegt - der Chaosgaertner investiert uU viel Geld & Kreativitaet, der Nicht-Planer improvisiert die ganze Reise durch - sondern das wild Bewertungen hin und her geworfen werden. Vorallem die Bewertung: "Du leistest nichts / weniger. Schaem dich."
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Joerg.D am 29.08.2011 | 14:51
Zitat
Oder denen es nicht so wichtig ist, weil das Preis/Leistungsverhältnis kippt. Wenn das Abrufen von Leistung in Arbeit ausartet, dann ist der Preis zu hoch, als das man bereit wäre, diesen Preis für die Leistung zu zahlen. Es läuft dann darauf hinaus, wie man die Prioritäten setzt. Soll ich bei einem Hobby 100% Leistung bringen, aber damit ich es schaffe, muss ich leider auf XY und XZ verzichten.

Ja, das unterstützt meine Aussage doch. Sie sind nicht in der Lage Leistung zu bringen, ohne das  es in Arbeit ausartet. Also sollen sie doch so spielen, dass sie glücklich sind, mich aber bitte nicht auf ihr niederes Niveau zwingen. Das Thema mit der Leistung ist schon X mal durchgekaut worden.

Wer Leistung will, der soll sie haben, wer sie nicht will, der soll es lassen. So einfach ist das.

Wenn man wie Ludovico erkennt, dann man nicht kann, weil einem die Arbeit für die Leitung den Spaß raubt, dann ist das eine positive Sache. Nach dieser Erkenntnis spielt es sich bestimmt besser, wenn man passende Mitspieler findet oder bereits hat.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Blizzard am 29.08.2011 | 14:54
Seit einiger Zeit leite ich endlich mal wieder und nach einigen Umstellungen und Anpassungen läuft es auch sehr gut und ich bin happy. Nun ist es so, dass ich mir früher öfters mal Gedanken gemacht habe über Techniken beim Leiten, Beschreiben und so und mich stark hinterfragte. Ich wollte besser werden, mich weiterentwickeln, mehr Leistung erbringen?
Und jetzt heutzutage frage ich mich: Wozu? Wozu soll ich mehr Leistung bringen? Hab ich dann mehr Spaß? Haben die Spieler mehr Spaß, wenn ich an meinen Techniken feile?
Wißt ihr was? Das glaube ich nicht, dass so mehr Spaß aufkommt.
Lieber Ludovico, merkst du was? Bzw. hast du mal gezählt, wie oft das Wort "ich" in diesem Abschnitt deines Postings vorkommt? Das soll jetzt nicht negativ rüberkommen, aber: Das "Problem" bist du (selbst). DU willst mehr Leistung. DU willst ein besserer SL werden. DU willst dich mit Rollenspieltheorie beschäftigen. DU bist derjenige, der die Dinge hinterfragt und selbstkritisch begutachtet. Ja,ganz genau DU (als SL)-aber leider keiner deiner Spieler. Ich kenne das nur all zu gut, weil ich in den letzten Jahren eine ähnliche Erfahrung gemacht habe. Da will man sich selbst rollenspielerisch verbessern, durchstöbert Foren, schreibt Beiträg, etc...aber man ist da eben meistens alleine. Die Spieler ziehen da i.d.R. nicht mit(keine Zeit, keine Lust,whatever). Und dann will man da mal in der Runde zeigen, was man alles in der rollenspielrischen Fortbildung(Tanelorn, andere Internetforenetc.)gelernt hat-und steht letzten Endes da wie der Ochs vorm Berg,weil die Spieler nicht verstehen, was man von einem will. Und so reift dann nach und nach in einem die Erkenntnis, dass das alles mehr oder weniger vergebliche Liebesmühn waren-und man die Zeit besser hätte anderweitig nutzen sollen und können.

Zitat
Als ich vor vielen Jahren mit 7te See anfing, war ich glücklich und zufrieden. Ich ging unbedarft um und auch wenn es einige Ecken und Kanten gab, lief es super. Ich lernte neue Systeme und neue Spiele kennen, las im Tanelorn einige interessante Sachen zur Theorie und Techniken. Es stellte sich der Wunsch nach mehr Leistung ein, nach Verbesserung in der Kampagnenplanung, beim Erzählstil, schneller, höher, weiter…
Heute bin ich für mich zu folgender Erkenntnis gekommen:  Das war alles großer Käse! Denn was hat es mir gebracht? Ich hab es schwerer Spaß am Spiel zu finden als früher, weil die Unbeschwertheit flötenging. Der Leistungsgedanke zeigte sich als absolut unnütz für das Spiel, denn er minderte den Spielspaß und Spaß ist das einzige, weshalb ich das Hobby betreibe.
Das kann ich im Prinzip so unterschreiben. Nur würde ich die ganze Sache nicht von Anfang verteufeln; und ich denke auch kontraproduktiv wird es erst dann, wenn die Spieler nicht mitziehen, und sich ebenfalls rollenspieltechnisch fortbilden(s.o.).

Zitat

Rollenspiel ist kein Leistungsspiel. Es ist nicht wie Fußball, bei dem gute Spieler Gagen bekommen, von denen sie mehr als gut leben können. RPG ist unter’m Strich doch bloß eins: Ein Gesellschaftsspiel!
Welcher geistig gesunde Mensch würde eine Art Leistungsgedanken in Spielen wie Mensch ärgere Dich nicht oder Arkham Horror reinbringen? Man spielt diese Spiele ja auch bloß, um Spaß zu haben und man überlegt zwar auch, wie man diese Spiele gewinnen kann. Aber wer geht schon ernsthaft daran und überlegt sich nicht bloß wie man gewinnt, sondern wie man den Spaß durch den Einsatz irgendwelcher Erzähltechniken etc. erhöht?
Das macht man nur beim Rollenspiel.
Ich will hier nicht die Theorie niedermachen. Ich finde die RPG-Theorie wichtig zum Designen von Spielen. Das Beschäftigen und Anwenden macht sicher auch einigen Leuten Spaß, ebenso wie Ideen über Erzähltechniken und Kampagnenleitfäden. Aber ich behaupte auch, dass diese Leute nicht den gleichen Spaß am RPG haben wie zu Beginn. Mir geht es jedenfalls so. Dummerweise musste ich feststellen, dass ich keinen Spaß an dieser Form des Spielens habe und folglich für mich das Erfolgserlebnis (also Freude am Spiel) schwerer zu erreichen ist.
Ich denke auch, dass wenn man das RollenSpiel(en) zu sehr oder zu kritisch hinterfragt, verliert man mit zunehmender Dauer die Einfachheit des Spielens, welche aber imho Grundvoraussetzung ist, um überhaupt Spaß am Rollenspiel zu haben. Man verbaut sich durch den Leistungsdruck mehr oder weniger den einfachen Zugang zum Rollenspiel, wie man ihn früher hatte, daher: wehret den Anfängen.
 
Zitat
Bleibt noch die Frage, ob meine Spieler mehr Spaß haben, wenn ich den Leistungsgedanken einbringe? Ich denke nicht, denn wenn ich so vorgehe, dann stelle ich höhere Anforderungen an mich als SL und das wiederum heißt, dass ich auch schneller die Lust verliere und wenn der SL die Lust verliert, dann ist die Runde erledigt.
. Wenn man ein Problem hat, kann man mit den Spielern reden, sich Feedback einholen oder in einem Forum wie dem Tanelorn nachfragen. Aber ansonsten sollte man sich imho nur mit dem einzig wahren Aspekt des RPGs befassen und das ist das Spielen und damit meine ich nicht „besser Spielen“, sondern einfach bloß „Spielen“. Es gibt für mich kein besser oder schlechter mehr.  
+1, bzw. genauso wenig gibt es eine richtige oder falsche Art zu spielen.
 
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Teylen am 29.08.2011 | 14:57
Das Verneinen der Leistung kommt für gewöhnlich immer von denen, die diese Leistung nicht abrufen können.

Das ist nicht weiter schlimm, jeder soll so spielen, dass er nach seinem persönlichen Leistungsvermögen glücklich wird. Doch wenn man den Leuten mit anderen Vorlieben das eigene Denken oder Leistungsvermögen zwangsverordnen will, dann harkt es. Also sollte man sich einfach Leute suchen die dem eigenen Leistungsvermögen entsprechen und die anderen entweder Leistungs- oder Entspannungsrollenspiel betreiben lassen.
Nun es gibt noch den Aspekt das die erbrachte Leistung nicht in der gleichen Relation zum Resultat steht.
Was deutlicher wird, je technischer ein Spiel ist.

Es gibt Leute die sich wirklich stark mit z.B. Go beschaeftigen, die sich einen Lehrer anschaffen, die Buecher lesen, die regelmaessig im Club spielen und auch auf Turniere sowie Kurse fahren, und dennoch ueber Jahre hinweg nicht aus dem zweistelligen Kyu Bereich heraus kommen.
Es gibt Leute die wesentlich weniger Leistung in z.B. Go investieren und nach ein bis zwei Jahren im einstelligen Kyu oder im Dan Bereich sind.

Es ist dort falsch, und fuer die Betroffenen ungemein frustrierend, wenn man ihnen daraufhin unterstellt das sie wohl doch nur zur Entspannung Go spielen.
Zumal beim Rollenspiel, im Gegensatz zum Go, die festen Bewertungsmassstaebe fehlen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Lord Verminaard am 29.08.2011 | 14:57
Naja, ich mag den Begriff  „Leistung“ auch nicht, der klingt so nach Westerwelle. Was ich nur sagen will: Ein Hobby darf schon auch manchmal anstrengend sein, wenn (ja, wenn) sich die Mühe hinterher auszahlt. Es ist ja völlig okay, wenn Leute daran kein Interesse haben. Andererseits ist es aber eben auch nicht richtig, zu sagen, die Anstrengung lohnt sich sowieso nicht. Für mich hat sie sich manchmal nicht gelohnt, manchmal aber sehr wohl. Insofern kann ich ja sagen, hey, du verpasst was, und Ludovico kann sagen, hey, damit kann ich gut leben, und alles ist chico.

Aber dieses Argumentationsschema „hätte ich doch bloß nie über den Tellerrand geschaut, früher war ich doch viel zufriedener“, naja. Erstens neigt man dazu, die Vergangenheit nostalgisch zu verklären. Und zweitens gibt’s nun wirklich auch hier im Forum genug Beispiele von Leuten, bei denen es genau umgekehrt war, die bis zum bitteren Burnout immer wieder das Gleiche versucht haben, in der Hoffnung, dass es noch mal so toll wird wie am Anfang, ehe sie dann [hier System einsetzen] kennen lernten und plötzlich aufblühten.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: McCoy am 29.08.2011 | 14:57
Genau betrachtet liegt es aber auch nicht nur an einem selbst. Klar, kann man einen Haufen Arbeit in eine Kampagne einbringen und sonst was vorbereiten oder als Spieler alle Kniffe und Regeln auswendig können. Aber was bringts wenn die Mitspieler trotzdem nicht wissen ob sie einen W6 oder W10 werfen müsen? Oder der SL dir nicht folgen kann was du von ihm willst wenn du deine Fertigkeiten ausnutzt?
Ich hatte Spieler oder Mitspieler die zu faul waren sich auch nur irgend eine Beschreibung durchzulesen. Was mir nicht in den Kopf ging, weil mir das Spaß machte. Letztendlich schiffte der Typ dann irgendwie durchs Spiel und das verleidete mir das Spiel weil ich wegen der Mühe die ich investiert hatte wußte das das bestimmte Dinge anders waren als es dargestellt wurde. Hätte ich das nicht gewußt, wäre es mir nicht aufgefallen und hätte mich auch nicht gestört.
In dem Fall hätte ich (vermutlich) mehr Spaß an dem Abend gehabt wenn ich mich vorher nicht informiert hätte.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Skele-Surtur am 29.08.2011 | 14:58
Der Witz ist einfach, dass man sich nicht unter Druck setzen darf. Dann klappt das auch mit der Leistung und dem Spaß.
Ich persönlich bin der Ansicht, dass es dann zur Qual wird, wenn man anfängt, sich mit anderen zu vergleichen. Dann stellt man sich immer die Frage: "Warum klappt das bei mir nicht so gut, wie bei dem?"
Das ist aber bullshit. Man darf sich mit "beliebten" Spielleitern nicht in Vergleich setzen. Die besten SLs machen das, was sie gut machen häufig nämlich rein Intuitiv und nicht, weil sie ein Diplom (Uni) in Rollenspieltheorie haben.
Richtig ist: Wenn es keinen Spaß mehr macht, wenn zur Arbeit wird, dann werden die Spieler das häufig merken und dann ist die ganze Leistung für die Katz. Leistung kommt mit der Begeisterung für das, was man tut.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: gunware am 29.08.2011 | 15:00
Das Thema mit der Leistung ist schon X mal durchgekaut worden.
 ;) Als ich angefangen habe zu schreiben, dann war es noch nicht so durchgekaut. Meine Leistung in der Schreibgeschwindigkeit war einfach nur viel zu miserabel  ;) und ich wollte es nicht löschen, auch wenn es schon besprochen wurde.

Wenn man wie Ludovico erkennt, dann man nicht kann, weil einem die Arbeit für die Leitung den Spaß raubt, dann ist das eine positive Sache.
 :d Genau das ist es. Und genau das ist es, was ich mit meiner Antwort (http://"http://tanelorn.net/index.php/topic,69667.msg1392941.html#msg1392941") auch aussagen wollte. Bei einem Hobby nur so viel Leistung bringen, wie viel man braucht, damit es Spaß macht und nicht in Arbeit ausartet. Nicht mehr (aber vorzugsweise auch nicht weniger), denn die Arbeit beim Hobby macht kein Spaß. Die Grenzen sind halt bei jedem unterschiedlich. Was für den einen Arbeit ist, kann für den anderen die reinste Spaßquelle sein.

[EDIT: irgendwie schreibt ihr alle viel zu schnell...  ]
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Grey am 29.08.2011 | 15:01
Öhm, nö. Es gibt auch einfach die, die reif genug sind, zu wissen, dass sie sich diesen Stress im Hobby nicht geben müssen. Die nicht Rally fahren müssen, weil es ihnen mehr Spaß macht gemütlich über Landstraßen zu tuckern. [...]
+1000000!

Ich merke das immer wieder im Skiurlaub: sehr oft höre ich über mein Lieblingsskigebiet abfällige Bemerkungen von wegen "Rentnerskigebiet", weil die Pisten ja "keine Herausforderung" darstellen. So what? Ich weiß, daß ich jederzeit ohne Probleme eine schwarze Piste schaffe, aber ich fahre nun mal lieber die landschaftlich schöneren blauen und roten auf der Alm nebenan.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Ein am 29.08.2011 | 15:03
@Vermi
Aus seinem Trott ausbrechen, ist jetzt aber auch keine Technik. Sorry fürs Nitpicking, aber ich denke, dieser Punkt ist wirklich wichtig. Es sind nicht die Techniken, nein, manchmal braucht man einfach nur jemanden, der einem mal sagt: Hier probier doch mal das aus.

Nachtrag: Und das kann auch eine Rückbesinnung sein!

Ich hatte Ludovico auch nicht so verstanden, dass er meinte, dass früher alles besser war, sondern dass er eigentlich sein Ding schon gefunden hatte, es sich aber durch äußere Zwänge hat kaputt machen lassen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Harlan am 29.08.2011 | 15:05
Leistungsdenken hat in diesem Hobby wahrscheinlich zwei Wurzeln: einerseits ist es die übliche Eitelkeit, ins Gelingen verliebt zu sein und andererseits ist es auch die Wertschätzung der Mitspieler, die danach ruft, die kostbare gemeinsame Zeit zu etwas Besonderem zu machen.

Jetzt sage mal einer hier, er sei frei von Eitelkeit und außerdem seien seine Mitspieler ihm gleichgültig  :P
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Grey am 29.08.2011 | 15:06
Jetzt sage mal einer hier, er sei frei von Eitelkeit und außerdem seien seine Mitspieler ihm gleichgültig  :P
Meiner Einschätzung nach war der "leistungs"verliebteste SL, bei dem ich je gespielt habe, auch gleichzeitig der, dem seine Mitspieler am gleichgültigsten waren...
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: gunware am 29.08.2011 | 15:10
Jetzt sage mal einer hier, er sei frei von Eitelkeit und außerdem seien seine Mitspieler ihm gleichgültig  :P
Bei dem ersten würde ich nicken, Eitelkeit und Ehrgeiz sind bei mir tot und sehr tief begraben, bei dem zweiten würde ich nachfragen: Mitspieler oder deren Charas? Auf jeden Fall mache ich mir wahrscheinlich mehr Gedanken über die Charas als über die Mitspieler...  wtf? Sagt das jetzt etwas negatives über mich aus?  :o
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: dunklerschatten am 29.08.2011 | 15:14
Immer wieder dieser Leistungs-Irrweg.....

Zitat
Öhm, nö. Es gibt auch einfach die, die reif genug sind, zu wissen, dass sie sich diesen Stress im Hobby nicht geben müssen. Die nicht Rally fahren müssen, weil es ihnen mehr Spaß macht gemütlich über Landstraßen zu tuckern. [...]

Treffender kann man imho nicht schreiben.

Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Ein am 29.08.2011 | 15:15
Zitat
andererseits ist es auch die Wertschätzung der Mitspieler, die danach ruft, die kostbare gemeinsame Zeit zu etwas Besonderem zu machen.
Warum muss es etwas Besonderes sein? Warum sich unter Leistungsdruck setzen? Warum nicht einfach mit ein paar Kumpels zusammensitzen, ein paar Würfel rollen, ein paar Bierchen kippen und dabei Spaß haben? Der Witz ist doch: Man kann auch ohne Leistung Spaß haben. Der Spaß kommt dann halt aus dem sozialen Zusammensein und nicht aus der persönlichen Höchstleistung.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Grey am 29.08.2011 | 15:27
Warum muss es etwas Besonderes sein? Warum sich unter Leistungsdruck setzen? Warum nicht einfach mit ein paar Kumpels zusammensitzen, ein paar Würfel rollen, ein paar Bierchen kippen und dabei Spaß haben? Der Witz ist doch: Man kann auch ohne Leistung Spaß haben. Der Spaß kommt dann halt aus dem sozialen Zusammensein und nicht aus der persönlichen Höchstleistung.
Auf die Gefahr hin, daß ich mich wiederhole: +1000000.

Einige der spaßigsten und fröhlichsten Runden, die ich je hatte, waren beim erzähltechnisch "schlechtesten" SL, den ich je erlebt habe. Einfach, weil es mit den Leuten immer lustig war.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Nocturama am 29.08.2011 | 15:33
Warum muss es etwas Besonderes sein? Warum sich unter Leistungsdruck setzen? Warum nicht einfach mit ein paar Kumpels zusammensitzen, ein paar Würfel rollen, ein paar Bierchen kippen und dabei Spaß haben? Der Witz ist doch: Man kann auch ohne Leistung Spaß haben. Der Spaß kommt dann halt aus dem sozialen Zusammensein und nicht aus der persönlichen Höchstleistung.

Klar macht das Spaß. Ich habe auch Runden, in denen ich mich vor allem auf das Treffen mit Freunden und ab und zu mal würfeln freue.
Aber ganz ehrlich: Ich habe am Rollenspiel in fokussierteren Runden, bei denen jeder richtig rocken will (=leistungsorientierteres Rollenspiel), mehr Spaß. Warum kann nicht beides legitim sein?
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: gunware am 29.08.2011 | 15:35
Warum kann nicht beides legitim sein?
wtf? Warum sollte nicht beides legitim sein?
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Grey am 29.08.2011 | 15:39
Warum kann nicht beides legitim sein?
Sagt Ein irgendetwas davon, daß es das nicht kann?

Warum muss es etwas Besonderes sein?
Antwort: es muss nicht. Aber natürlich darf es.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Harlan am 29.08.2011 | 15:41
Der Spaß kommt dann halt aus dem sozialen Zusammensein und nicht aus der persönlichen Höchstleistung.
Wenn es mir primär um das soziale Zusammensein geht, dann unternehme ich mit den gleichen Leuten lieber etwas anderes als Rollenspiel. Beim Rollenspiel kommt mir nämlich die persönliche Interaktion ("was liest Du gerade, was hast Du heute erlebt, wie geht es Deiner Freundin etc?") viel zu kurz. Ist doch klar: im Rollenspiel ist Sprache das Hauptmedium und es stört einfach, wenn links gespielt wird und rechts das eigentlich wichtigere outgame-Gespräch läuft (oder noch schlimmer: NICHT läuft, obwohl man lieber etwas persönliches besprechen würde, anstatt zu spielen).

Beim Kartenspielen zB kann man dagegen prima über das Wahre Leben quatschen, weil man eben mit Karten und nicht mit Worten spielt.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Nocturama am 29.08.2011 | 15:42
Sagt Ein irgendetwas davon, daß es das nicht kann?
Antwort: es muss nicht. Aber natürlich darf es.

Genau. Mehr habe ich auch gar nicht gemeint.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Megan am 29.08.2011 | 15:45
Das Problem ist nicht, das Streben nach Verbesserung, sondern der Druck. Wenn man am Spiel nur den Druck und die Leistungserwartung wahrnimmt, dann wird das unangenehm und macht keinen Spaß und man sehnt sich nach der Einfachheit.

Es ist aber ganz natürlich, dass man sich weiterentwickelt, neue Erkenntnisse gewinnt, anspruchsvoller wird - das zieht sich doch durch alle Bereiche unseres Lebens. Deshalb trauert man der Kindheit immer irgendwie hinterher und erinnert sich an die Leichtigkeit des Seins als Student usw. Aber dass man auch gewinnt, dass man neue fantastische Erfahrungen erleben kann, das lässt man gerne unter den Tisch fallen.

Dein Streben nach der Einfachheit/Naivität von früher ist auch nur wieder ein Versuch, das Spielerlebnis zu verbessern - mit altbewährtem. Meiner Meinung nach ist dieser Zug aber abgefahren: Du kannst nicht mehr naiv werden, du kannst nicht alles vergessen, was du gelernt hast. Du musst einen Weg finden, mit dem was du weißt lockerer zu werden und ich glaube, da können mehr Selbstvertrauen, Freude am Anspruch, Lust auf Niveau helfen.

Außerdem solltest du dich fairerweise fragen, *warum* du, als du damals so glücklich warst überhaupt über den Tellerrand geguckt hast.

Horizonterweiterung, Anspruch und Leistung  != unangenehme Arbeit

Im Übrigen finde ich Rollenspiel mit Mensch-Ärgere-Dich-nicht oder einem anderen Brettspiel zu vergleichen ehrlich gesagt verdammt lieblos.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Teylen am 29.08.2011 | 15:46
Vielleicht hilft es zwischen einerseits der "Leistung" zu unterscheiden die ggf. beim Rollenspiel erbracht wird,
Sowie andererseits der "Leistung", die in der Vorbereitung fuer das Rollenspiel aufgewendet wird?
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 29.08.2011 | 15:46
"In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, Der uns beschützt und der uns hilft zu leben",
schreibt Herman Hesse.

ich denke, was im Anfangspost sehr deutlich zum Ausdruck kommt, ist eine typische Erfahrung des Älterwerdens.
Natürlich erinnern sich die meisten an die glückseligen ersten, unschuldig naiven Spielerfahrungen, wo alles so viel leichter gewesen zu sein scheint. Leichter erscheint es uns aber vor allem daher, weil wir und unsere Erfahrungen komplexer geworden sind. Damals war es sicher ebenso kompliziert, die neue Erfahrung "Rollenspiel" zu entdecken und zu erlernen (W20? RK? ETWO? was ist das?).

Oft sind Techniken, verbesserte Spielweisen etc. der Versuch, diesen anfänglichen Zauber wieder aufleben zu lassen. Dass wir es damit oftmals übertreiben, ist klar.
Ich denke übrigens, die Unmenge an unterschiedlichen Rollenspielsystemen und die Suche nach immer Neuem ist ebenso Ausdruck dieser Übertreibung.

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Ebenso klar muss sein, dass wir die frühere Unschuld, die im Nachhinein noch verklärt wird, nicht wieder herbeizaubern können, sprich: Wir können nicht mehr so spielen wie früher. Sonst würden wir uns immer noch damit begnügen, wie früher Lego zu bauen und im Garten Fangen spielen.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Warum wir den Zauber des Anfangs nicht bewahren können?
Hermann Hesse:
"Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.
"

Wer sich diese Erkenntnis aneignet, geht vielleicht lockerer, zumindest aber ehrlicher mit sich und seinen Erwartungen ans Rollenspiel um.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 29.08.2011 | 15:47
@Lucinda:

Gleichzeitiger Post,
ich denke, wir wollen auf´s Gleiche raus.
+1
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Megan am 29.08.2011 | 15:52
@Falke: Ja, das hab ich mir auch gerade gedacht - schöne Zitate!  :)
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Ein am 29.08.2011 | 15:54
Zitat
Warum kann nicht beides legitim sein?
Mir ist es ehrlich gesagt vollkommen egal, was ihr an euren Spieltischen treibt.

Ich bin nur der festen Überzeugung, dass man nicht oft genug klar machen kann, dass Spaß nicht kausal mit Leistung verbunden ist.

Zitat
Du musst einen Weg finden, mit dem was du weißt lockerer zu werden und ich glaube, da können mehr Selbstvertrauen, Freude am Anspruch, Lust auf Niveau helfen.
Oder Selbstvertrauen, Freude an der Einfachheit, Lust auf Unterhaltung. ;)

Wobei ich eh nicht die Kausalität zwischen Selbstvertrauen und Leistung sehe. Meines Erachtens ist das Bedürfnis nach (messbarer) Leistung, am besten noch mit Vergleichbarkeit zu anderen vor allem ein Zeichen von Konformität. Die Jagd nach dem Niveau ist dann vermutlich der Versuch das Spiel als leistungs- und zweckfreie Beschäftigung mit den Ansprüchen unsere leistungs- und zweckorientierten Gesellschaft unter einen Hut zu bringen.

Daher hat (meiner Meinung natürlich) auch jemand wie Jed Clayton, der einfach sein Ding durchzieht, egal wie sehr man über ihn spottet, weit mehr Selbstvertrauen darin, dass er weiß was er mag, als so mancher Leistungsrollenspieler.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 29.08.2011 | 16:05
das gleiche Phänomen zeigt sich übrigens bei Brettspielrunden, bei denen immer wieder neue und komplexere Brettspiele ausprobiert werden müssen, drei bis vier neue an einem Abend einmal durchspielen, nächstes Mal wieder neue, anstatt wie früher ein einziges (und einfacheres) Brettspiee totzuspielen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Lord Verminaard am 29.08.2011 | 16:12
das gleiche Phänomen zeigt sich übrigens bei Brettspielrunden, bei denen immer wieder neue und komplexere Brettspiele ausprobiert werden müssen, drei bis vier neue an einem Abend einmal durchspielen, nächstes Mal wieder neue, anstatt wie früher ein einziges (und einfacheres) Brettspiee totzuspielen.

Ja, das kann man auch mit Rollenspiel machen, solche Testpilotenrunden gibt's so einige, hatte ich auch mal. Wobei eben die meisten Rollenspiele, selbst kleine Indies, beim ersten Mal Spielen nicht unbedingt zünden. Und die Einarbeitung, das Reinfriemeln in die Regeln, das hin und her blättern, die Fehler, die man unweigerlich macht, das alles kann am Anfang vielleicht schon nerven. Aber vielleicht lohnt es sich eben auch, das mal in Kauf zu nehmen, sich die Zeit zu nehmen, das Spiel richtig zu begreifen.

Wenn es Ludovico wirklich nur um artsy-fartsy Player Empowerment & Co. ging, okay, geschenkt. Wenn Leute mit minimalem Einsatz Spaß haben, geschenkt. Aber wenn Leute keinen Spaß haben und deswegen beschließen, sich auch nicht mehr anzustrengen, möchte ich nur darauf hinweisen, dass die Logik nicht zwingend ist. ;)
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Grey am 29.08.2011 | 16:14
das gleiche Phänomen zeigt sich übrigens bei Brettspielrunden, bei denen immer wieder neue und komplexere Brettspiele ausprobiert werden müssen, drei bis vier neue an einem Abend einmal durchspielen, nächstes Mal wieder neue, anstatt wie früher ein einziges (und einfacheres) Brettspiee totzuspielen.
... womit du mal wieder sehr schön aufgezeigt hast, daß es für alles zwei ungesunde Extreme gibt. Denn "drei bis vier neue und komplexere Brettspiele an einem Abend ausprobieren" würde mir genausosehr den Spaß verderben wie "ein einziges Spiel immer wieder totspielen". Für mich persönlich ist es optimal, wenn es "das neue Spiel des Abends" gibt und ansonsten drei bis vier andere, die alle am Tisch schon kennen und wo man sich auf vertrautem Gelände nach vertrauten Regeln gegenseitig in Grund und Boden zocken kann. ;)

EDIT: Oh, und wenn ich eines in über 15 Jahren regelmäßigen Brett- und Kartenspielrunden gelernt habe, dann: "komplexer" ist nicht unbedingt "besser". Die Spiele mit dem größten Spaßfaktor sind erfahrungsgemäß meist die, die mit einem einfachen Mechanismus viel Variation ermöglichen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Joerg.D am 29.08.2011 | 16:16
Klar macht das Spaß. Ich habe auch Runden, in denen ich mich vor allem auf das Treffen mit Freunden und ab und zu mal würfeln freue.
Aber ganz ehrlich: Ich habe am Rollenspiel in fokussierteren Runden, bei denen jeder richtig rocken will (=leistungsorientierteres Rollenspiel), mehr Spaß. Warum kann nicht beides legitim sein?

Das ist absolut legetim. Die sollen so spielen wie sie wollen und Du so wie du willst.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Teylen am 29.08.2011 | 16:18
das gleiche Phänomen zeigt sich übrigens bei Brettspielrunden, bei denen immer wieder neue und komplexere Brettspiele ausprobiert werden müssen, drei bis vier neue an einem Abend einmal durchspielen, nächstes Mal wieder neue, anstatt wie früher ein einziges (und einfacheres) Brettspiee totzuspielen.
Ich glaube das es dort eher auf den Fokus ankommt.
Scrabble, Backgammon, Schach oder Go Clubs werden wohl kaum am laufenden Band neue Brettspiele ausprobieren.
Genauso wenig wie Poker, Skat oder Bridge Clubs.

Wenn man sich aber zum Brettspiel ausprobieren / testen trifft, halte ich es fuer normal. (*)
Respektive sind mir dort keine Trivial Pursuit Gruppen oder GIPF Gruppen bekannt.
Wobei meiner Erfahrung nach dort auch mit Spieleentwicklern gespielt wird, und man Spass an dem neuen hat.
Weshalb man auch zur Spiel faehrt, was fuer einen Schach Club nicht wirklich Sinn ergibt.

 (*) Bei einigen Spielen bekommt man zeitlich kaum oder keine zwei Partien an einem Abend hin.

PS: Ich halte weder das eine noch das andere fuer "ungesund" oO
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Megan am 29.08.2011 | 16:18
@Ein: Ich verstehe nicht, warum du so ein Problem mit "Leistungsrollenspiel" hast. Mir kommt es so vor, als würdest du jeden Kommentar aus der "Leistungsrollenspielecke" als Angeriff werten, obwohl es dir doch eigentlich egal ist, was andere an ihrem Spieltisch treiben. Es gibt Leute, die halt nunmal Spaß daran haben.
Da kommst du mir mit Konformität und der Gesellschaft und scheinbar mangelndem Selbstvertrauen, aber wir ziehen unseren Spaß doch nur aus unterschiedlichen Aspekten des Rollenspiels ziehen. Für das, was ich daran mag, muss man halt mehr tun, als für das, was du daran magst. So what?
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: ClockworkGnome am 29.08.2011 | 16:21
Ich denke das Problem ist nicht der Anspruch an Leistung generell. problematisch wird es m. E. n. nur wenn die Ansprüche in der Gruppe unterschiedlich sind (was Joerg sagte), also der SL was weiss ich nicht an Arbeit reinsteckt und die Spieler nur gemütlich Daddeln wollen und daher die Bemühungen des SL gar nicht wahrnehmen/würdigen.

Oder aber wenn eigentlich gar kein Grund für eine Steigerung vorliegt, weil alle glücklich sind, aber man halt im Inet solche Infos gefunden hat wie man das Rollenspiel besser macht, vielleicht noch gesagt bekommt das die Art, wie man leitet, ja scheiße sei und sich dann auf all die Infos drauf stürzt und die auf Biegen und Brechen einbauen will.

Verbesserung ist gut. Entwicklung ist gut. Aber nur im benötigten Rahmen. Wenn ich merke die Spieler schlafen ein, während ich nen Text vortrage, ist es gut, sich Infos zu suchen, wie man lebendiger erzählt. Aber es ist halt nicht zwingend gut, daraufhin die Runde gleich voll auf PE mit Gummipunkten oder was auch immer umzustellen.

Was Neues probieren ist auch gut. Wenns das Spiel bereichert, fein, wenn nicht, wieder abschaffen, auch wenn alle anderen das für die Krönung halten. Aber vorallem ein oder zwei Sachen testen, nicht alles auf einmal am nächsten Spielabend.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: D. M_Athair am 29.08.2011 | 16:50
Mein Spielspaß hat sich auf jeden Fall deutlich erhöht, seit ich mich mit Spielstilen und ähnlichem beschäftige. Ich habe seither weniger Probleme, festzustellen, wenn eine Gruppe einfach nicht passt und lasse mich - im Gegensatz zu meiner ersten Gruppe - nicht mehr so stark ins "aber echtes Rollenspiel!" drängen. Und ich kann für mich klarer sagen, was mir gefällt und was nicht.
Genau das. Dazu kommt, dass ich mittlerweile mit Begeisterung in Runden mitspielen kann, die mir früher nicht so viel Spaß gemacht haben. Einfach, weil ich weiß, an welchen Knöpfen ich drehen muss.


Mein Spielspaß hat sich auf jeden Fall deutlich erhöht, seit ich mich mit Spielstilen und ähnlichem beschäftige. Ich habe seither weniger Probleme, festzustellen, wenn eine Gruppe einfach nicht passt und lasse mich - im Gegensatz zu meiner ersten Gruppe - nicht mehr so stark ins "aber echtes Rollenspiel!" drängen. Und ich kann für mich klarer sagen, was mir gefällt und was nicht.
Genau das. Dazu kommt, dass ich mittlerweile mit Begeisterung in Runden mitspielen kann, die mir früher nicht so viel Spaß gemacht haben. Einfach, weil ich weiß, an welchen Knöpfen ich drehen muss.
Mit dem Höher-Schneller-Weiter-Gedanken hat das alles aber nix zu tun.

Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Teylen am 29.08.2011 | 17:15
@Ein: Ich verstehe nicht, warum du so ein Problem mit "Leistungsrollenspiel" hast. Mir kommt es so vor, als würdest du jeden Kommentar aus der "Leistungsrollenspielecke" als Angeriff werten, obwohl es dir doch eigentlich egal ist, was andere an ihrem Spieltisch treiben. Es gibt Leute, die halt nunmal Spaß daran haben.
Das Problem das ich bei der Verwendung des Begriffes sehe, ist das die Diagnose ob jemand eine Leistung erbringt oder nicht, ob er ein "Leistungsrollenspieler" oder ein "Entspannungsrollenspieler" ist am falschen Zeitpunkt erfolgt. Ich wuerde fast behaupten am eklatant falschen Zeitpunkt.

Die Leistung beim Rollenspiel, sofern diese ueberhaupt qualitativ bewertbar ist, hat nichts oder nur recht wenig mit der Leistung zu schaffen, welche ein Rollenspieler vor der Runde in sein Hobby beziehungsweise seine Leidenschaft, das Rollenspiel, investierte.

Als der Versuch eines Beispiel.
Ich kann fuer gewoehnlich, den Handlungsinhalt von Spielsitzungen, an denen ich teilgenommen habe, relativ detailliert wiedergeben. Das bezieht sich auf Sitzungen die eine Woche zurueck liegen, allerdings auch auf Sitzungen die einige Monate zurueck liegen. Teilweise sogar Sitzungen die Jahre zurueck liegen.
In der Gruppe, in der ich regulaer spiele, koennen die Spieler, nach eigener Aussage, den Inhalt vergangener Sitzungen nicht so gut rekonstruieren. Das ich den Sitzungsinhalt von Monaten abrufen kann fuehrte dabei sogar zu Diskussionen ob ich zuviel Zeit in das RPG investieren kann.

Man koennte jetzt geneigt sein, anhand dessen, zu behaupten ich sei ein Leistungsrollenspieler und die anderen Entspannungsrollenspieler.
Dem ist aber nicht so.
Hinter meiner Faehigkeit zur Zusammenfassung beziehungsweise rekapitulation der Ereignisse steht, von meiner Seite aus, kein Leistungsaufwand. Ich muss es dafuer nicht nach der Runde schriftlich festhalten, gedanklich durchgehen, ich mache keine Gedaechtnis Uebungen und auch sonst ist es mit keiner direkten Anstrengung verbunden.
Umgekehrt, wenn jemand anderes aus der Gruppe den Inhalt des letzten Abend wiedergeben soll, erfordert es fuer denjenigen, oftmals, eine groessere Gedaechtnisleistung und ggf. entsprechende Vorbereitung bzw. Aufwand als fuer mich. Das heisst er erbringt die groessere Leistung. Obwohl das Resultat, unter Umstaenden, lueckenhafter ist.


Insofern glaube ich das dort weniger der Wunsch besteht mit anderen "Leistungsrollenspielern" zu spielen, sondern mit Rollenspielern welche die eigene "Ansprueche" erfuellen. Ob sie dafuer tatsaechlich wirklich etwas leisten muessen, ranklotzen wie noch was, oder ob es ihnen einfach so talentmaessig in den Schoss gelegt wurde.

Der Grund ist nun der das wenn man die eigenen, hohen Ansprueche mit "Leistungsrollenspielern" gleichsetzt, ist das ein arger Schlag in's Gesicht derer die, motiviert von den Anspruechen versuchen Leistung zu bringen, hart an sich / ihren Runden arbeiten, aber die Ansprueche noch nicht erreichen koennen (und vielleicht nie werden). Weil die strampeln sich bildlich gesprochen einen ab, kriegen aber dann das Etikett "Entspannungsrollenspieler".
Das ist doch grausam o.O
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Bad Horse am 29.08.2011 | 17:32
So langsam bin ich fast froh, dass meine Anfangszeit im Rollenspiel ziemlich grottig war und ich nur dabei geblieben bin, weil ich das Gefühl hatte, dass mit dem Hobby noch viel mehr gehen müsste.

Zur Theorie-Hochphase bin ich dann natürlich auch mit dem Hype mitgezogen, habe meine Gruppen analysiert und über PE und anderes nachgedacht und dann auch noch in die super-großartigen Runden auf dem Treffen gekommen. Da haben die normalen Runden eben ein bißchen abgekackt, und irgendwann habe ich beschlossen, dass ich das Ganze wieder entspannter und lockerer angehe. Aber ich habe einen Haufen Erkenntnisse aus dieser Phase mitgenommen, die ich dann, wenn sie passen, anwenden kann.

Es ist halt so, dass ich ein ganz neues Instrumentarium gefunden habe - erst wollte ich alles einsetzen, aber jetzt, nach einer Weile, kriege ich ein Gefühl dafür, was passt und was nicht.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Harlan am 29.08.2011 | 17:44
Meines Erachtens ist das Bedürfnis nach (messbarer) Leistung, am besten noch mit Vergleichbarkeit zu anderen vor allem ein Zeichen von Konformität.
Du sagst das, als ob das Vergleichen etwas Schlechtes wäre ... Das Nacheifern hinter einem online-Ideal wäre jedenfalls sehr charakterschwach, keine Frage. Um kein Konfomist zu sein, muss man andererseits aber auch nicht gleich in Deine -mir-doch-egal-was-andere-machen-Haltung verfallen.

Ich finde es sehr interessant zu sehen, wie andere spielen, und frage mich oft, ob ich mir davon eine Scheibe abschneiden kann und möchte. Das setzt einen Vergleich voraus. Natürlich ist fraglich, wie man zwei SPielrunden messbar vergleicht - in LolZ, d.h. in Lacheinheiten pro Zeiteinheit?) - man kann aber beobachten, ob zB alle am Tisch aktiv waren, ob das Spiel sich um obskure Regeln drehte, oder um fantastische Begebenheiten, man kann beobachten, ob die Spieler mit kreativen Dialogen oder findigen Ideen sprudeln oder Bleistifte kauen und Würfeltürme basteln. Und man kann beobachten, mit welchen Techniken Spielleitern eine Gruppe eher in die eine oder in die andere Richtung stupsen. Schließlich darf man auch hoffen, dass die eigenen Runden von solchen Beobachtungen irgendwann, irgendwie mal profitieren.

Mit dem Höher-Schneller-Weiter-Gedanken hat das alles aber nix zu tun.
Genau - hier läuft schließlich kein Wettbewerb.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 29.08.2011 | 19:14
Ich fand das Beispiel mit der aufwändigen Karte sehr schön:

Solange ein SL in der Vorbereitung seinen Spaß daran hat, tolles Material herzustellen, kann man noch nicht von frustrierendem Leistungsrollenspiel sprechen. Ich hatte schon viele Runden und Kampagnen, wo mir das Vorbereiten als SL (oder das Charaktererschaffen als Spieler) viel mehr Spaß gemacht hat als das Ausspielen selbst - allein, weil ich mehr Zeit damit verbracht habe.
Wenn man als SL (oder Spieler) aber das Gefühl hat, jede Runde ein Top-Niveau (z.B. mit Karten) halten zu müssen, artet es verdammt schnell in Stress und Frust aus.

Schwierig wird der Leistungsgedanke vor allem deshalb, weil er der Spontaneität und Flexibilität oftmals im Wege steht, sei es, weil ich als Spieler nach dem "besten" build schaue oder als SL völlig frustriert bin, weil meine ganze Vorarbeit umsonst war, weil die Spieler den plot boykotieren oder meine schöne Karte nicht gebraucht oder gewürdigt wird.

Insofern kann, wie bereits besprochen, weniger Energie, die ich in diese Bereiche stecke, frei werden für Kreativität in anderen Bereichen.
Dass dauerhaft unmotiviertes Vor-sich-hin-spielen aber nicht die Kehrseite sein kann, sollte auch klar sein.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 29.08.2011 | 19:19
zur Ergänzung (dann bin ich hoffentlich ruhig  ;D )

Was wir suchen, ist letztendlich ja der "flow"-Zustand im Spiel. Das völlige Versunkensein im Spiel ohne Wahrnehmung der Zeit usw.
Dieser Zustand wird zum einen erschwert oder unmöglich gemacht durch ein ständiges Optimieren auf der Meta-Ebene, durch bewusstes Anwenden von Techniken zur Spieloptimierung usw., zum anderen ist aber unmotivierstes Vor-sich-hin-spielen ein Zeichen, dass man nicht im "flow" ist.

Aber daraus zu folgern, man müsse "Leistung" erbringen, um Spaß zu haben, ist der umgekehrte Schluss. Ich würde eher sagen, wenn ich im "flow" bin, das Spiel flüssig und spaßig läuft und ich Spaß habe, werde ich motiviert, mich stärker einzubringen und mehr "Leistung" im Spiel zu bringen, egal auf welcher Ebene.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Joerg.D am 29.08.2011 | 19:34
Ja und das ist doch gerade Leistungsspiel,was Du beschreibst.

Bloß mit dem Fokus auf Rolle.

Ich kann nur hoffen, dass Ludovico seinen Weg zum Spiel zurück findet, denn früher war er als SL mal richtig gut. Was ich dieses Jahr bei ihm gespielt habe war total grottig, wurde aber durch meine zum Teil genialen Mitspieler erträglich.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: ClockworkGnome am 29.08.2011 | 19:40
Tja, und vielleicht liegts auch einfach an Äußerungen wie diesen, dass Leute in so eine "Ich muss besser werden!" Leistungsspirale verfallen.

Es ist Dein gutes Recht zu sagen, dass DIR die Runden bei ihm nicht gefallen haben.

Aber "die Runden waren grottig" ist eine allgemeingültige Aussage, jetzt auch noch schön breit in der Öffentlichkeit bekannt gemacht.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Joerg.D am 29.08.2011 | 19:44
Das kann gut angehen, ich habe ihm böser Weise sogar total ausführliches Feedback gegeben um den Leistungsgedanken zu befeuern und besser zu machen.

Ja, ich habe versucht ihn auf die Seite der Leistungsrollenspieler zu ziehen.

Ich böser ich.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: ClockworkGnome am 29.08.2011 | 19:48
Sarkasmus ist ja schön und gut, aber dann sollte er auch treffen.

Direktes Feedback finde ich gut, das entspricht sogar meinem Punkt in meinem Post hier, dass man eben das verbessern soll, wo es hapert.

Mal allgemeingültig in ein Forum zu schreiben, dass die Runden einer Person grottig waren, ist weder konstruktiv noch wirklich ein Feedback; und Dein Post geht damit überhaupt icht auf das ein, was ich bemängelt habe.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Sashael am 29.08.2011 | 19:50
Mal allgemeingültig in ein Forum zu schreiben, dass die Runden einer Person grottig waren, ist weder konstruktiv noch wirklich ein Feedback; und Dein Post geht damit überhaupt icht auf das ein, was ich bemängelt habe.
Vielleicht, weil er das, was du forderst (konstruktives Feedback), schon längst erledigt hat?
Da darf er imo dann auch mal ne Breitseite Polemik abfeuern.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Oberkampf am 29.08.2011 | 19:53
RPG ist unter’m Strich doch bloß eins: Ein Gesellschaftsspiel!

QFT  :d

Habe noch nicht alles gelesen, aber das hier ist es prinzipiell wert, zitiert zu werden.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: ClockworkGnome am 29.08.2011 | 19:55
Vielleicht, weil er das, was du forderst (konstruktives Feedback), schon längst erledigt hat?
Da darf er imo dann auch mal ne Breitseite Polemik abfeuern.

Also, wenn ich Dir (unbekannter, auch ausdrücklich nur beispielhafter und persönlich selber fetter und faulerweise) als Freund sage, Du solltest mal auf Dein Gewicht achten und was Sport treiben, darf ich danach in ein Forum gehen wo Du auch angemeldet bist und rumschreien Du wärst so scheisse Fett?
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Joerg.D am 29.08.2011 | 20:00
Also er hat auf seinen damaligen ausdrücklichen Wunsch ausführliches Feedback in Form von schriftlichen Diarys und Telefonaten zum Spiel erhalten.

Das macht die Runden aber trotzdem nicht besser.

Außerdem reißt du das Ganze absolut aus dem Zusammenhang, denn ich habe ihm ja gewünscht, dass er seinen Spaß von früher wieder findet, auch wenn er dabei auf das von mir favorisierte Leistungsprinzip verzichtet. Es ist egal wie man besser wird oder mehr Spaß hat, Hauptsache man wird es/hat ihn.

Und er sagt mir regelmäßig, dass ich fett und hässlich wie die Nacht bin.

Na und?
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: ClockworkGnome am 29.08.2011 | 20:10
Also er hat auf seinen damaligen ausdrücklichen Wunsch ausführliches Feedback in Form von schriftlichen Diarys und Telefonaten zum Spiel erhalten.

Das macht die Runden aber trotzdem nicht besser.

Außerdem reißt du das Ganze absolut aus dem Zusammenhang, denn ich habe ihm ja gewünscht, dass er seinen Spaß von früher wieder findet, auch wenn er dabei auf das von mir favorisierte Leistungsprinzip verzichtet. Es ist egal wie man besser wird oder mehr Spaß hat, Hauptsache man wird es/hat ihn.

Und er sagt mir regelmäßig, dass ich fett und hässlich wie die Nacht bin.

Na und?

Feedback finde ich ja auch toll und würde ich mir auch mal von meinen Spielern wünschen.

Aber die Runden waren halt nur in Deinen Augen schlecht, was, wie ich sagte, ja Dein gutes Recht ist. Aber Du stellst Dich hier nun hin und erklärst seine Runden als grottig. Nicht: ich fand sie schlechter als früher oder selbst ich fand die letzten schlecht, sondern Du fällst ein allgemeines Urteil. Die Runden waren grottig. Und um es mal zu überspitzen könnte so eine Aussage auch mal dazu führen, dass jemand hier Mitspieler sucht und keine findet.

Es ging mir nur um die Form, wie explizit Du da öffentlich Kritik geübt hast.

Und, das eben solche Aussagen, um mal wieder aufs OP zu kommen, dazu führen können, das Leute, die und deren Runde eigentlich glücklich sind, anfangen, an ihrem Stil zu basteln, und versuchen, sich zu verbessern, obwohl sie das für ihren Spaß lieber lassen sollten.

Das ging zwar an jemanden anders, aber trotzdem zum Vergleich: ist er hier in Deinen Who is who gegangen und hat das da rein geschrieben? Ich mein ich bin auch hässlich und fett und steh dazu, könnte ja was ändern, wenn ich wollte, aber das muss man dem anderen doch nicht in der Öffentlichkeit vor den Kopf hauen?
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Oberkampf am 29.08.2011 | 20:31
Nachdem ich den Thread jetzt mal überflogen habe:

Rollenspiel ist ein Hobby, das sehr unterschiedliche Interessen bedient. Da kann es auch passieren, und das ist wohl nicht selten der Fall, dass in einer Gruppe mehrere "Leistungsrollenspieler" sitzen, die aber nicht wahrnehmen, was die anderen an "Leistung" erbringen.

Prinzipiell stimmt es natürlich schon, dass Leistung an sich Lohn genug ist (sei es wegen der Glückshormone oder aus anderen Gründen). Aber das heißt nicht, dass manche Leute Leistung nicht auch gerne honoriert hätten - und das bleibt beim RPG oft aus. Manchmal passiert sogar ungewollt das Gegenteil, und gerade dafür ist RPG meiner Meinung nach sehr anfällig.

Beispielsweise: ein Spieler, der sich intensiv mit den Spielregeln und ihren Verästelungen beschäftigt, erbringt eine Leistung. Am Tisch gilt er dann mit etwas Pech als "Rule-Rider" oder "Rule Lawyer". Ein Spieler, der seinen Charakter regelkonform optimiert, erbringt eine Leistung - und bekommt oft das von vielen Personen abfällig benutzte Etikett "Power Gamer" aufgedrückt. Ein SL, der komplizierte Plots strickt, erbringt eine Leistung - eine Spielergruppe, die lieber frei spielen will, wird das nicht schätzen können.

So kann man das ewig weiterspinnen. Ich bin ein künstlerisch vollkommen unbegabter SL und versuche gar nicht, tolle Karten als Handouts zu zeichnen, oder Bilder von meinen NSCs. Wenn ich meine Battlemaps mit den im T (besonders im SW-Board) gelegentlich gezeigten vergleiche, hat das bei mir nichtmal Vorschulniveau  - aber das heißt nicht, dass ich bei der Vorbereitung meiner Abenteuer keine "Leistung" erbringe. Aber jemand, der als Spieler auf tolle Handouts, NSC-Bilder und optisch beeindruckende Battlemaps steht, wird das nicht so wahrnehmen können. Für mich persönlich ist die Battlemap aber auch nur ein (äußerst nützliches) Werkzeug, um die leidigen Diskussionen, wer wo steht usw. zu vermeiden, und die Würfelprozedur plastischer zu machen.

Zu deutsch: könnte es vielleicht sein, dass auch Spieler, von denen man denkt, dass sie sich keine Mühe geben, etwas zum Spiel beizutragen, eigentlich in ganz anderen Bereichen, die man persönlich nicht so wichtig nimmt, ihre Leistung zeigen?
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 29.08.2011 | 20:37
@Tümpel: unterstreich ich.

@Jörg: Wenn mir ein Spieler das feedback geben würde, meine Runden wären grottig, würde meine Motivation auch in den Keller gehen. Oder meine Runden wären grottig, WEIL die Motivation bereits im Keller ist.
Aber eines weiß ich: Mit mehr Konzentration darauf, ein "besserer" SL zu werden (durch im Forum angelesene SL-Techniken) würde ich meine Motivation sicher nicht steigern.
Da ist die Formel hilfreicher: "Ich kümmer mich einfach nicht mehr darum, wie ich ein besserer SL sein kann, sondern wie ich wieder Spaß am Spiel entdecken kann"

@Clockwork: Wenn mir jemand sagen würde, die Spielrunden wären grottig, würde ich das noch lange nicht als Angriff auf meine Person werten und ist sicher noch nicht unter der Gürtellinie.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Chrischie am 29.08.2011 | 20:40
Ja und das ist doch gerade Leistungsspiel,was Du beschreibst.

Bloß mit dem Fokus auf Rolle.

Ich kann nur hoffen, dass Ludovico seinen Weg zum Spiel zurück findet, denn früher war er als SL mal richtig gut. Was ich dieses Jahr bei ihm gespielt habe war total grottig, wurde aber durch meine zum Teil genialen Mitspieler erträglich.

Lies mal deine Signatur.

Was mich an diesen Thread extrem störrt ist die Tanelorn-Arroganz die in dem zitierten und anderen Postings (auch von anderen Autoren) so richtig unverblümt durchschlägt: Ich bin eine Selbstdarsteller und benutzt Mindmaps zur Vorbereitung. Zieh mich nicht auf dein Niveau herab du Langweiler!

Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Sashael am 29.08.2011 | 20:49
Ich krieg eher Plaque, wenn ich an "die gute alte Zeit" denke.
Railroading, schlechtestes Timing, nicht nachvollziehbare NSCs, Mary Sues ... all das verbinde ich mit frühem Rollenspiel. Und eben erst das :T: hat mir gezeigt, was genau denn da schief lief. Der ach so schlechte Blick über den Tellerrand.
Ich hatte damals nicht mehr Spass. Wenn ich ehrlich bin, habe ich heute als Spieler auch nicht mehr Spass, weil meine SLs alle eben nicht das :T: lesen. Besser leiten tun sie dadurch aber auch nicht. Aber wenigstens kann ich a) den Finger darauf legen, was mich denn eigentlich davon abhält, so richtig Spass zu haben und b) kann ich eben daran arbeiten, diese Fehler als SL nicht zu machen.

Und das ist dan Leistungsrollenspiel und verdirbt mir den Spass? Seh ich eher nicht so ...
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: LöwenHerz am 29.08.2011 | 20:51
Leistung? Wozu?


Ich selbst bin derjenige, welcher sich unter Druck setzt (nicht setzen lässt) und versucht so breit gefächert, wie nur möglich vorbereitet zu sein. Ich selbst investiere Zeit und Mühen in meine Kampagnen, lese viel Stoff dazu, recherchiere und binde die Hintergrundgeschichte der SC so dicht wie möglich in den Handlungsfaden ein.

Ich will eine schöne Runde.
Ich will spannende Abenteuer erzählen.
Ich will, dass alle am Tisch -mich eingeschlossen- zufrieden sind und Spaß hatten.
Ich bin der Perfektionist.

Tjoa.... der Schuldige ist gefunden  >;D
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Oberkampf am 29.08.2011 | 21:15
Ich krieg eher Plaque, wenn ich an "die gute alte Zeit" denke.

Das kommt, glaub ich, auch drauf an, unter welchen Bedingungen man mit dem Spiel angefangen hat.

Wenn ich an die "gute, alte Zeit" denke, dann sind das bei mir die 80er, wo meine Freunde und ich noch ohne Storyzwang und Pet-NSCs einfach so drauf losgespielt haben. Und so ätzend ich die 80er in den meisten anderen Fragen finde, es war einfach die tolle Zeit des "Wald(es) ohne Wiederkehr", des "Schiff(es) der verlorenen Seelen" und des "Grauen(s) von Ranak" und der ersten Begegnung mit dem Krakenmolch, dem Carrion Crawler und dem Beholder (aber da hatten wir Aventurien schon den Rücken gekehrt).
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Jiba am 29.08.2011 | 22:36
Ich persönlich trenne inzwischen... je nach Gruppenkonstellation habe ich unterschiedliche Leistungsniveaus und die versuche ich einfach gezielt anzuspielen (ob jetzt als Spieler oder als SL). Bei Leuten, mit denen ich gut spielen kann und die eine ähnliche Gier nach Dramatik haben wie ich, arbeite ich eben daran, das Leistungsniveau hoch zu halten oder mit meinen Mitspielern an besserer Leistung zu arbeiten... und ziehe meinen Spaß eben genau daraus, dass sich Leute richtig Mühe geben und ich ein Teil dieses Aufwands sein kann (denn selbst wenn RPG mal in Arbeit ausarten sollte: Es gibt Leute, die haben Spaß an ihrer Arbeit :) ). Andererseits kann ich genauso Spaß haben, wenn ich mit Leuten ein bisschen rumplänkle - es wäre aber eine andere Art von Spaß und letztlich glaube ich, dass ich Rollenspiel lieber mit viel Eigeninitiative und dem Willen, alles zu geben, spielen will...

Und meine rollenspielerische Vergangenheit: Ja, die Schüler-WoD-Zeit war schon geil... jeden Freitag und Samstag Runde mit festen Leuten. Klasse... aber auch stark abhängig von vielen Zufallsfaktoren. So habe ich lange Zeit Runden gespielt, die mir primär wegen den Charakteren gefallen haben, obwohl ich alles andere doof fand: Die Abenteuer, die Regeln, das ständige Abschweifen, der Leitstil des SLs. Ich habe trotzdem weitergemacht, aus demselben Grund, wie Bad Horse auch: Ich dachte da geht noch was! Und ja, nachdem ich mich mit Rollenspieltheorie, SL-Techniken und Independent Systemen beschäftigt habe, bin ich anspruchsvoller geworden und ging mit mir selbst und mit meinen SLs härter ins Gericht. Andererseits habe ich aber auch Vokabeln dafür, zu beschreiben, was mich beim RPG kickt und was ich als störend empfinde. Ich glaube ich schätze Mitspieler, mit denen es richtig gut läuft, inzwischen sogar noch mehr, als zu der Zeit, wo wir einfach vor uns hingespielt haben. Ich muss mich jetzt nicht mehr auf Zufälle verlassen, sondern kann Idealbedingungen für meine Art zu spielen schaffen. Und das entlastet mich letztlich... denn jetzt weiß ich, dass ich Ansprüche habe und auch Ansprüche haben darf, an meine Mitspieler, meinen SL, mich. Ich lasse mich auf keine faulen Kompromisse mehr ein, sondern nur noch auf reife.

Ich glaube das Problem mit dem vielzitierten Leistungsrollenspiel tritt nur dann auf, wenn Leistungsrollenspieler Entspannungsrollenspielern erklären wollen, auf welche Weise sie ihre Leistung verbessern sollen. Schon zwei Leistungsrollenspieler können vollkommen unterschiedlicher Meinung sein, was Leistungsrollenspiel ist, und wie es zu betreiben ist.

Und nochwas: Klar denken wir oft, dass früher die Runden irgendwie toller waren... aber ich glaube bei mir liegt es wohl daran, dass es schön war, zu sehen, wie sich Strukturen und Gruppencodes und Insider ethablieren. Und daran, dass ich früher mehr Zeit hatte zu spielen und deshalb auch mehr gespielt habe, nicht unbedingt daran, dass ich früher mehr Zeit mit spielen und weniger mit Vorbereiten verbracht habe (bei mir ist das Gegenteil der Fall). Vielleicht ist man nach 30 Jahren Rollenspiel auch einfach übersättigt, weil die Kreativität und das einfache Sich-Begeistern-Lassen nicht mehr so 100% da sind, wie als man ein Jugendlicher war.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Seth am 29.08.2011 | 22:53
Also da die vielgelobte Jugend bei mir noch nicht so lange zurückliegt, wie vielleicht bei Anderen hier ( ~;D), verbinde ich nicht nur nostalgische Gefühle damit. Klar waren die naiven Runden D&D oder DSA auf jeden Fall eine Klasse für sich, aber auch ohne den "ich bin ja jetzt so emanzipiert und das wäre mir zu kindisch"-Gedanken wollte ich nicht mehr zurück, einfach weil es mir keinen so großen Spaß mehr machen würde, so naiv vor mich hinzuspielen. Das liegt an dem Anspruch an Leistung, dem ich mich selbst unterwerfe und der es überhaupt erst ermöglicht, dass ich so viel Spaß daran habe, eine Rolle zu spielen oder zu leiten. Ich ziehe vor Allem einen zweifachen Nutzen aus dem Hobby: mit meinen (Mit-)Spielern den größtmöglichen Spaß zu erleben und mich selbst zu fordern und so immer wieder über mich hinauswachsen zu können. Da ich an der Vorbereitung von Runden beinahe genausoviel Spaß habe, wie beim Spielen und Leiten selbst, ist es für mich obendrein ein Klacks, noch mehr Spaß und Begeisterung da rauszuziehen (eventuelle, kreativlose Phasen mal ausgenommen).

Allerdings habe ich keinen bestimmten Anspruch an mich und meine Spieler. Der Anspruch an mich selbst variiert im Grunde immer wieder und der einzige, feste Anspruch, den ich an meine Spieler habe, ist, dass sie dafür sorgen, dass sie und wir gemeinsam einfach Spaß am Spiel haben können. Ich weiß allerdings auch wie einige meiner langjährigen Spieler ticken und kann sie dementsprechend fordern um aus ihnen noch ein wenig hinauszukitzeln, wenn ich weiß, das sie das manches Mal brauchen um zur "Bestform" aufzulaufen. Dabei rede ich hier natürlich nicht von expliziten Spaßrunden, wo wir alle sowieso noch viel lockerer rangehen.

Was Rollenspieltheorien- und Tipps aus Foren wie diesen oder generell aus dem Internet angeht bin ich meistens relativ recht wählerisch und distanziert. Wenn mir eine Idee auf Anhieb gefällt, probiere ich sie vielleicht mal aus aber ich habe definitiv nicht den Anspruch, irgendwie (pseudo-)wissenschaftlich an das Hobby ranzugehen. Deswegen werden einige interessante Ansätze vielleicht mal bedacht und können auch dazu führen, dass ich ein paar (alte) Tugenden wieder mehr miteinbeziehe oder mich an ein paar Dinge erinnere, die ich gerne mal vergesse. Sklavisch würde ich mich allerdings nie an irgendwelche Definitionen halten, die aus etwaigen, abstrakten Diskussionen heraus entstanden sind, da ich immer noch der Meinung bin, dass die wahre Magie am Spieltisch passiert und nicht außerhalb davon.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Joerg.D am 29.08.2011 | 22:58
Was mich an diesen Thread extrem störrt ist die Tanelorn-Arroganz die in dem zitierten und anderen Postings (auch von anderen Autoren) so richtig unverblümt durchschlägt: Ich bin eine Selbstdarsteller und benutzt Mindmaps zur Vorbereitung. Zieh mich nicht auf dein Niveau herab du Langweiler!

Tja, was soll ich sagen? Wie oft hast Du deinen Account jetzt schon gelöscht und bist trotzdem wiedergekommen? Die Arroganz muss dir ja irgendwie fehlen. Ansonsten triffst Du es in Bezug auf dich schon recht gut, mit deinem letzten Satz.

@ Falke 359
Du weißt aber schon, das wir große erwachsene Jungs aus Norddeutschland sind und keine kleinen Weicheier? Wenn du meine Diarys im Channel der Diary of Seasons liest, dann wirst du sehen, wie ich Kritik an Spielleitern übe. Das geschieht meistens recht ausführlich, aber hoffentlich auch fundiert.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: dunklerschatten am 29.08.2011 | 23:08
Zitat
Zu deutsch: könnte es vielleicht sein, dass auch Spieler, von denen man denkt, dass sie sich keine Mühe geben, etwas zum Spiel beizutragen, eigentlich in ganz anderen Bereichen, die man persönlich nicht so wichtig nimmt, ihre Leistung zeigen?

Auch wieder schön den Punkt getroffen.

Zitat
Was mich an diesen Thread extrem störrt ist die Tanelorn-Arroganz die in dem zitierten und anderen Postings (auch von anderen Autoren) so richtig unverblümt durchschlägt: Ich bin eine Selbstdarsteller und benutzt Mindmaps zur Vorbereitung. Zieh mich nicht auf dein Niveau herab du Langweiler!

Und die Aussage kann ich auch, zumindest im Ansatz, verstehen. Und ich hab nur einen Account hier ;)

Aber letztlich dreht es sich hier doch wieder alles im Kreis.
Für die einen ist Rollenspiel eben nur ein Spiel und die anderen sehen darin eine hohe Kunst.
Die einen spielen lieber glücklich und naiv und die anderen brauchen Leistung für ihr Glück.

So what ?! Wir können natürlich, der Diskussion wegen,  hier noch 20+ Seiten rumkaspern uns bauchpinseln oder an-keifen. Aber was nutzt es ??? Außer das pers. Ego durch geschliffene Argumentationschlachten zu salben ??
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Joerg.D am 29.08.2011 | 23:18
Zitat
Aber letztlich dreht es sich hier doch wieder alles im Kreis.
Für die einen ist Rollenspiel eben nur ein Spiel und die anderen sehen darin eine hohe Kunst.
Die einen spielen lieber glücklich und naiv und die anderen brauchen Leistung für ihr Glück.

Joa, das fasst es zusammen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Pyromancer am 29.08.2011 | 23:23
Das Ideal für mich ist, wenn man zusammensitzt und - völlig unprätentiös - einfach spielt. Ohne künstlerischen Anspruch, ohne beeindrucken zu wollen/müssen, aber konzentriert, aufmerksam, wach und begeistert bei der Sache. Wenn jeder das Spiel ernst nimmt. Wenn darüber gelacht wird, was im Spiel passieren, und nicht über Monty-Python-Zitate.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Boba Fett am 29.08.2011 | 23:24
Zitat von: dunklerschatten
Wir können natürlich, der Diskussion wegen,  hier noch 20+ Seiten rumkaspern uns bauchpinseln oder an-keifen
Werden wir, keine Sorge... ;)
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Boba Fett am 29.08.2011 | 23:28
Was mich an diesen Thread extrem störrt ist die Tanelorn-Arroganz....
Es tut mir leid und vielleicht muß ich mich für diesen Umstand entschuldigen, aber die meisten User finden in diesem Forum eben genau das, was sie suchen...
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 29.08.2011 | 23:48
@ Falke 359
Du weißt aber schon, das wir große erwachsene Jungs aus Norddeutschland sind und keine kleinen Weicheier?

und was sagt mir das jetzt?

Zitat
Wenn du meine Diarys im Channel der Diary of Seasons liest, dann wirst du sehen, wie ich Kritik an Spielleitern übe. Das geschieht meistens recht ausführlich, aber hoffentlich auch fundiert.

Um Diarys zu lesen, hab ich meist keine Zeit, aber
falls ein erwachsener norddeutscher Jung  (;))wie du das überlesen hat: Ich hab dir in deiner Kritik Recht gegeben, weil du ja niemanden persönlich angegriffen hast.


Bevor hier (bezugnehmend auf meine Signatur) jetzt die Frage, ob früher alles besser oder schlechter war, diskutiert wird, fasse ich nochmals wiederholend zusammen:

Nostalgie hin oder her, die Art, wie wir früher gespielt haben, KANN schlicht nicht wiederhergestellt werden, also müssen die Ansprüche und Erwartungen ans RPG angepasst werden. SL-Optimierungsstrategien helfen manchen dabei und behindern andere.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Teylen am 30.08.2011 | 01:51
und was sagt mir das jetzt?
Das man vielleicht annehmen könnte das sich Jörg und Ludovico länger kennen, Ludovico vermutlich wusste wie die Kritik ausschaut, und vermutlich die Art und Weise der Kritik nicht das Problem war?
Auch nicht die Äußerungen hier im Thread?
Die vielleicht im Kontext des freundschaftlichen Verhältnis der beiden gar nicht so bösartig oder gemein 'rüber kommt wie es von Außenstehende gelesen wird?
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Just_Flo am 30.08.2011 | 01:57
Yepp, manche Dinge die früher super waren machen heute keinen Spaß mehr sondern sind sogar Spaßkiller geworden. Warum? Weil man sich verändert hat und weil man mittlerweile durchaus auch andere Sachen kennt.

Klar sollte leiten/spielen nicht in Leistungssport ausarten, aber man sollte so leiten/spielen, dass man Spaß daran hat.

Wenn ich dank besserem Wissen, mehr Erfahrung etc. weiß was mir Spaß macht und evtl. wie ich das fördern kann, dann haben die Foren etc. geholfen.
Wenn ich umbedingt den neusten Trick und die neuste Bastelanleitung, das neue System mit einem noch neueren Setting spielen muss, nur weil Just_Flo das in den Himmel gelobt und als die einzig wahre Art zu spielen dargestellt hat, dann dürfte das häufig schief gehen.

Vielleicht hast du Glück/ den selben Geschmack wie Just_Flo oder er hat recht, aber darauf würde ich nicht wetten. Genauso wie die meisten von uns sich nicht blindlings die Tageszeitung nehmen und auf alle Stellenangebote mit dem selben Anschreiben bewerben, genauso sollte man Tipps und Tricks darauf prüfen, ob sie zu einem passen, ob man sie umsetzen kann und ob sie etwas behandeln, was überhaupt bei einem Thema ist.

Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Chrischie am 30.08.2011 | 07:53
Tja, was soll ich sagen? Wie oft hast Du deinen Account jetzt schon gelöscht und bist trotzdem wiedergekommen? Die Arroganz muss dir ja irgendwie fehlen. Ansonsten triffst Du es in Bezug auf dich schon recht gut, mit deinem letzten Satz.

[...]

Einmal und in so schlechter Gesellschaft bin ich da nicht. Zum Rest.  ::)

@Topic

Ich finde es sehr spannend wie immer die Runden in Hessenstein herausgestellt werden. Ich hatte dort vier sehr coole Runden. Einmal eine Liquid-Runde mit Söldner im Dschungel, Cthulhu bei Morebytes, Schlumpfrunde bei Wodisch und eine Cthulhu-Runde die ich geleitet habe mit Axx, Jens und noch ein paar anderen.

Alle Runden waren rein Spaßrunden mit keinem Anspruch. Die Runden, welche sich sehr ernst nahmen, wirkten eher bemüht und lahm. Ich glaube auch nicht, dass ein großer Teil der User in diesen Forum wirklich nach dem Leistungsrollenspiel strebt. Das ist beschreit hier eher eine kleine laute Gruppe.

@Boba

Passt schon.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Vash the stampede am 30.08.2011 | 08:26
Ich strebe nach Leistung. Nicht immer, aber oft. Ich will eine gute Zeit und Runde erleben und versuche größtenteils etwas dafür zu tun. Manchmal gehe ich auch ohne vorherige Leistung in eine Runde und sie ist gut. Was sagt das nun aus? Aber wirkt sich nicht auch eine vorher erbrachte Leistung auf alles folgende aus?

Ich habe mich lange Zeit mit Dramaturgie beschäftigt. Dabei habe ich es auch mitunter übertrieben. Doch hatte ich auch in dieser Zeit sehr, sehr gute Runden. Heute kann ich sagen, dass es zwar anstrengend war, mich aber auch sehr viel weiter gebracht hat. Auch wenn ich heute nicht mehr Runde nach dramaturgischen Gesichtspunkten vorbereite, so möchte ich das Wissen darum nicht missen. Gleiches gilt für so viel anderes, sei es nun Player Empowerment, Scene Framing oder andere Dinge, die im Zuge der RSP-Theorie kamen.

In diesem Sinne kann ich Leistung, der Begriff ist in meinen Augen viel zu negativ besetzt, schon schätzen. Ich verstehe ihn auch nicht als Gegensatz zu Spaß. Das ist ein Trugschluss. Leistung kann Spaß machen. Da ist eher die Frage, kann ich mit Leistung Spaß und Freude erzwingen? Und das wird nicht möglich sein und zwar deshalb, weil es lähmt. Es lähmt meine Fähigkeit locker zu sein. In den flow zu finden. Und das ist letztendlich entscheidend.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Teylen am 30.08.2011 | 09:27
Es besteht ein Unterschied zwischen Können und Leistung.
Ich danke das hier nicht dazwischen getrennt wird, ist der Grund für die Abwehrhaltung und warum ein Problem mit dem Spaß entsteht.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Lord Verminaard am 30.08.2011 | 09:45
Ah, und da haben wir ihn mal wieder, den Thread, in dem es einfach um alles geht:

1) Um die Arroganz der Tanelornis im Allgemeinen und bestimmter Meinungsführer im Speziellen.

2) Um selbsternannte „anspruchsvolle“ Runden und dass die eigentlich alle nur pseudo und lame sind.

3) Um Nichtskönner, die bloß neidisch sind und deswegen die Könner dissen.

4) Um D&D4, FATE und Savage Worlds… okay, noch nicht, aber wartet’s ab! ;D

Ich will ja kein Spielverderber sein, aber: Wenn Ludovico sich beim Rollenspiel nicht mehr anstrengen will, weil er das Gefühl hat, das Spiel werde dadurch auch nicht besser, dann ist das seine Sache. Wenn andere Leute sich anstrengen und das Gefühl haben, dass es sich lohnt, ist das ihre Sache. Das war eigentlich auch schon alles. ::)
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: McCoy am 30.08.2011 | 09:46
Oder anders ausgedrückt: Soll doch jeder so spielen wie er Lust hat und sich entweder von anderen inspirieren lassen oder nicht auf die Schandmäuler hören und sein eigenes Ding machen  ~;D
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: LöwenHerz am 30.08.2011 | 09:48
Oder anders ausgedrückt: Soll doch jeder so spielen wie er Lust hat und sich entweder von anderen inspirieren lassen oder nicht auf die Schandmäuler hören und sein eigenes Ding machen  ~;D

Und sich bloß nicht mit anderen austauschen. Das geht in so nem Forum nämlich überhaupt gar nicht! So!  ~;D
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Terrorbeagle am 30.08.2011 | 10:42
In meiner Bescheidenen Meinung ist es nur atürlich, dass man versucht, in etwas an dem man Spaß hat und in das man Herzblut investiert, auch versucht, halbwegs gut zu sein. Das kann man als Leistungsdruck auffassen, ich würde es aber eher als ein Streben nach Selbstverbesserung auffassen, dass insbesondere in den Bereichen die einem selbst wichtig sind, eigentlich von alleine kommen. Wenn man großen Wert auf gutes Essen legt, wird man lernen, wie man besser kochen kann und seinn Geschmack entsprechend schulen. Wenn man Autofahren ganz toll findet, wird man sich entsprechendes theoretisches Wissen anliest usw.
Und ja, ein wenig Anspruchs- und Ehrgeizdenken schadet niemandem. Ich glaube, dass man sogar ganz gut daran tut, sich ständig weiterentwicklen und verbessern zu wollen, um zu vermeiden, dass eine festgefahrene Routine und das Gefühl von 'been there, done that' oder schlichter Langeweile einsetzt. Ich persönlich habe für mich als Spielleiter den Anspruch, jede Spielrunde ein klein wenig besser zu machen als die letzte. Dazu gehört dann auch, dass man sich klar macht, was gut lief und was nicht, und das man versucht, aus Fehlern zu lernen. Keine Kunst ist je zu Ende gedacht, niemand ist statisch und jeder kann noch dazu lernen.

Ich glaube allerdings auch, dass zu Mindest grundlegend eine gewisse Leistungssteigerung eine Entwicklung ist, die relativ unabdingbar einsetzt. Und ja, in gewisser Weise wird somit auch der Kenntnisstand und das 'Leistungsvermögen' ein Ausdruck der persönlichen Leidenschaft und des Engagements für die jeweilige Materie, bzw. das Fehlen der entsprechenden Kenntnisse oder Fähigkeiten oder Kenntnisse als Zeichen des Fehlens der entsprechenden Begeisterung.
Und das kann immer mal wieder nerven. Welchem Spielleiter ist noch nie das Gefühl gekommen, er risse sich da den Arsch auf und mache sich zum Affen, während die zugehörigen Spieler gelangweilt auf dem Sofa rumlümmelten, was zu dem leicht beklemmenden Gefühl der Undankbarkeit der Mitspieler führt?   

Rollenspiel ist meines Erachtens primär eine Gruppenaktivität, bei der jeder einzelne zwar zu einem größeren Ganzen, beiträgt, aber das letztendlich auch im Gesamtergebnis auch nur so "gut" wird, wie jeder einzelne dazu beiträgt. Spieler, die wenig bis nichts zu dieser Gruppenleistung beitragen sind daher immer etwas anstrengend, denn da Rollenspiel eben keine Einzelaktivität ist, ist eben jeder Beteiligter Mitspieler auch für die Zufriedenheit aller anderen Mitspieler verantwortlich. Daher halte ich es für eine Frage des guten Gruppenspiels, dass jeder einzelne versucht, dem durchschnittlichen Gruppenanspruch zu entsprechen und natürlich auch, diesen langsam aber stetig anzuheben, einfach damit man den anderen erlaubt, den Zeitvertreib, in den sie Zeit, Arbeit, Geld und vor allem viel, viel Herzblut investieren, auch genußvoll ausspielen zu können.

Oder sehr grob, völlig unsachlich und überspitzt formuliert: Faule und träge Rollenspieler sind Kameradenschweine.  >;D
 
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Teylen am 30.08.2011 | 11:07
Ich glaube allerdings auch, dass zu Mindest grundlegend eine gewisse Leistungssteigerung eine Entwicklung ist, die relativ unabdingbar einsetzt.
Das halte ich grob gesagt fuer Bullshit.

Ich kenne Leute die seit gut 10 bis 20 Jahren Go spielen. Einmal in der Woche.
Die einen Lehrer fuer das Go spielen haben. Der vielleicht noch Geld kriegt.
Die intensiv Buecher lesen und ueben.

Und die trotzdem nicht aus dem zwei stelligen Kyu Bereich raus kommen.
Was, im Grunde, schlecht ist.

Ich kenne Leute die in knapp 2 Jahren Go, ohne bezahlten Lehrer das grossartige lesen von Buechern, in den einstelligen Kyu Bereich gekommen sind. Die teilweise sogar Dan sind.

Es ist doch kompletter Schwachsinn den Leuten im zweistelligen Kyu Bereich zu unterstellen, die sich grob gesagt den Hintern wund schuften und versuchen besser zu werden, sie wuerden keine Leistung erbringen. Nur weil das Koennen sich nicht entsprechend entwickelt.
Von dem Schrott dann zu unterstellen das die sich nicht anstaendig genug begeistern ganz abgesehen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Boba Fett am 30.08.2011 | 11:18
Es ist doch kompletter Schwachsinn den Leuten im zweistelligen Kyu Bereich zu unterstellen, die sich grob gesagt den Hintern wund schuften und versuchen besser zu werden, sie wuerden keine Leistung erbringen. Nur weil das Koennen sich nicht entsprechend entwickelt.

Das kommt darauf an, was man als erbrachte Leistung ansieht...
Es wäre sicherlich schwachsinnig zu behaupten, dass die sich keine Arbeit machen würden.
Aber, was sie nach der Zeit im Vergleich zu den begabteren LEISTEN können (im Spiel) ist sicherlich weniger.
Denn sowas (wie auch vieles im Rollenspiel) hat mit Begabung und Veranlagung zu tun.
Dem einen fliegt sowas zu, dem anderen nur unter gewaltiger Mühe. Der eine ist Autodidakt, der andere lernt besser, wenn er es gezeigt bekommt.

Die beim "verbessern" erbrachte Arbeit hat aber nichts mit der Leistungsfähigkeit im Spiel zu tun.
Und nichts mit dem "sich verbessern wollen" oder "so gut wie möglich" Gedanken.
Und der ist letztendlich der Ausgangspunkt beim Thema Leistungsrollenspiel.


Zitat
Von dem Schrott dann zu unterstellen das die sich nicht anstaendig genug begeistern ganz abgesehen.
Da stimme ich allerdings zu. Aber denke auch, dass das niemand unterstellen wollte.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 30.08.2011 | 11:21
Ich glaube hier wird sowieso nicht ordentlich unterschieden zwischen:
1) der Spieler interessiert sich und engagiert sich für das/im Spiel
2) der Spieler spielt besonders toll (nach welchem Maßstab auch immer)

Beides kann man als Leistung ansehen.

Während man aber das erste erwarten darf, wie es hier oft dargelegt wurde, ist das zweite tatsächlich nur was für Extreme.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Terrorbeagle am 30.08.2011 | 11:40
Hey, selbst wenn du nur lernst, was ein kyu oder ein dan beim Go ist, oder wie sich die Rangfolge dieser errechnet ist dies bereits eine Leistungssteigerung - der Go-Spieler, so "schlecht" er auch spielen mag, lernt trotzdem dazu, auch wenn er dies vielleicht langsam tut. und nicht alle diese erworbenen Kenntnisse können sich auch automatisch 1:1 auf das tatsächliche Spiel übertragen.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich beim Rollenspiel gesammelt habe, besteht aus einem guten Dutzend verschiedener Kuchenrezepte. Hat mit dem eigentlichen Spiel nicht viel zu tun, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass Rollenspiel mit Kuchen gegenüber Rollenspiel ohne Kuchen klar zu bevorzugen ist.

Und zwotens machst du da noch ein ganz anderes Faß auf: Nämlich die Frage ob es Spieler gibt, die von vorneherein von der Veranlagung her besser oder schlechter sind. Das mag sein, trifft für ein kompetitives Spiel wie Go aber sicher eher zu als für ein kooperatives Rollenspiel, dass in informeller Form (z.B. Vater-Mutter-Kind, Cowboy&Indianer, Ritter&Piraten...) auch schon von Vorschulkindern verstanden und praktiziert wird. Das relevante beim Rollenspiel sind ja nicht bloß die reinen Regel- und Taktikkenntnisse, sondern ein ganzes Bündel aus Fähigkeiten (Sprachkompetenz, verschiedene Formen des Sozialverhaltens oder Schauspielerei) und Kenntnissen (Regeln, Hintergrund, Charakterwissen, whatever). Aber klar, wenn man davon ausgeht, dass es Spieler gibt, die eine gewisse "Grunddoofheit" in dem Bereich haben, dann hilft auch Reinknieen und Herzblut nur wenig. Die spannende Frage ist dann alerdings, inwiefern -und vor allem warum- die jeweiligen Spieler nichtsdestotrotz anhaltendes Interesse an der Materie haben.

Ich persönlich zu Mindest würde finde es weniger anstößig und unhöflich, grundsätzlich Leute eher für zu faul und desinteressiert zu halten, als sie von vorneherein als zu blöd abztustempeln.

Ich glaube hier wird sowieso nicht ordentlich unterschieden zwischen:
1) der Spieler interessiert sich und engagiert sich für das/im Spiel
2) der Spieler spielt besonders toll (nach welchem Maßstab auch immer)

Ich halte es für schwierig bis müßig da groß zu differenzieren, da der erste Schritt - Engagement - die absolute Grundvorraussetzung für zweiteres darstellt.

Und "gutes Rollenspiel" , insbesondere wenn man es definitionsoffen läßt als "extrem" einzuordnen halte ich auch für etwas... unbegründet.  Das Streben nach einer an den eigenene Maßstäben gemessenen guten Form des Rollenspiels erachte ich als eigentlich selbstverständlich. Die jeweiligen Maßstäbe mögen variierien aber ihre Nichteinhaltung oder Beachtung dürfte davon unabhängig enttäuschend sein.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.08.2011 | 11:41
@ Yehodan
zu Punkt 1) Ja, das sich ein Spieler für das RPG interessiert, ist zu erwarten. Sonst würde er es schließlich nicht spielen. Aber das Engagement ist so eine Sache: Man engagiert sich meistens für sein Lieblingshobby und auch noch für sein zweitliebstes Hobby. Wenn man viel Zeit hat auch noch für sein drittliebstes Hobby. Aber so ab dem 5.Platz aufwärts ist das Engagement nicht mehr vorhanden. Man betreibt das Hobby zwar noch gerne, aber man möchte sich nicht dafür engagieren. (Man hätte auch kaum Zeit dafür, da man sich ja bereist für die anderen Hobbys engagiert.)

Wenn das RPG das Lieblingshobby ist, wird man sich wahrscheinlich auch dafür engagieren. Wenn es jedoch nur ein Hobby unter vielen ist, dann ist das Engagement dementsprechend gering.

Ich halte es für schwierig bis müßig da groß zu differenzieren, da der erste Schritt - Engagement - die absolute Grundvorraussetzung für zweiteres darstellt.
Ich halte es sinnvoll, dort zu differenzieren. Selbst, wenn es die Grundvoraussetzung darstellen würde (was es nicht tut), macht es einen großen Unterschied, ob man nur die Grundvoraussetzung erfüllt oder auch zusätzlich die weiterführenden Voraussetzungen.

Und imho ist es nichtmal eine Grundvoraussetzung. Es gibt Leute, denen kommen die Fähigkeiten einfach zugeflogen. Die bereiten sich nicht vor, engagieren sich nicht, aber sobald sie da sind, liefern sie eine super Show.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: McCoy am 30.08.2011 | 11:51
Zum Engagement: natürlich gibt es hier viele Abstufungen, aber die Grundlegenden Sachen sollte man auch bei einem ansonsten uninspirierten Spieler erwarten können.
Wenn jemand nach mehreren Sitzungen oder Monaten/Jahrens des Spielens immer noch nicht weiß ob er von 2 Würfeln die Summe oder die höchste Zahl nehmen soll, dann ist das annähernd so als ob er nicht weiß ob er bei rot oder bei grün fahren darf. Das hat nichts mehr mit Leistung zu tun.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 30.08.2011 | 11:56
Zur Klarstellung:

Ich halte die Unterscheidung Engagement/Leistung für sehr wichtig, weil m.E. ein Teil der gegensätzlichen Diskussion hier auf unterschiedlichen Leistungsbegriffen fußt.
Wenn jemand sagt: "Ich erwarte Leistung von meinen Mitspielern!" meint er wohl eher das Engagement, wohingegen die Gegenmeinung mit "Rollenspiel soll Spaß machen und nicht in Arbeit ausarten" eigentlich eher den anderen Leistungsbegriff verwendet.

So stellt sich mir das jedenfalls dar.

Engagement ist das was ich reinstecke und Leistung wäre das was bei rauskommt.

Beides bedingt sich auch. Ohne Engagement keine Leistung. Und das Grundengagement ist, dass sich jeder wenigstens Zeit für den Rollenspieltermin nimmt.

Es geht also gar nicht um die Steigerung von Leistung (als Selbstzweck), sondern um die Steigerung des Engagements, um so vielleicht eine höhere Leistung zu erzielen.
Und ebenso geht es wohl einigen (mich eingeschlossen) um das Problem, dass es unterschiedliches Engagement in einer Gruppe gibt, was die Leistung (hier: Spielspaß) auch mal drosselt.

Und hier wird auch deutlich, dass die Erwartung mancher Casual Gamer einfach unfair ist, bis zur Grenze zur Anmaßung:
Obwohl nicht bereit, ein Engagement über das gelegentliche mit Charakterblatt (und manchmal nicht mal das) zum Spiel erscheinen zu leisten, wird erwartet, dass andere Mitglieder (eSeL, aber auch Mitspieler) mehr Engagement aufbringen, damit Regeln und Story funktionieren. Das ist im Grunde ein "unterhalten werden", statt Unterhaltung machen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.08.2011 | 12:00
Das relevante beim Rollenspiel sind ja nicht bloß die reinen Regel- und Taktikkenntnisse, sondern ein ganzes Bündel aus Fähigkeiten (Sprachkompetenz, verschiedene Formen des Sozialverhaltens oder Schauspielerei) und Kenntnissen (Regeln, Hintergrund, Charakterwissen, whatever). Aber klar, wenn man davon ausgeht, dass es Spieler gibt, die eine gewisse "Grunddoofheit" in dem Bereich haben, dann hilft auch Reinknieen und Herzblut nur wenig. Die spannende Frage ist dann alerdings, inwiefern -und vor allem warum- die jeweiligen Spieler nichtsdestotrotz anhaltendes Interesse an der Materie haben.
Also beim Sozialverhalten habe ich die Erfahrung gemacht, dass gerade schlechtes Sozial-Kenntnisse im RL ein Grund sein können, RPG zu spielen. Schließlich kann man dort einen SC mit hervorragenden Sozial-Kenntnissen spielen. (Disclaimer: Ich habe natürlich auch schon viele Rollenspieler mit guten Sozialkenntnissen erlebt.)

Und bei den anderen Sachen: Inwiefern sollten Sprachkompetenz, Fähigkeit zur Schauspielerei etc. etwas an der Motivation ändern? Ich wage zu behaupten, dass eine Person mit niedriger Sprachkompetenz die gleichen Gründe hat, RPG zu spielen, wie Leute mit hoher Sprachkompetenz. Das gleiche gilt bei der Fähigkeit zur Schauspielerei.

Zitat
Ich persönlich zu Mindest würde finde es weniger anstößig und unhöflich, grundsätzlich Leute eher für zu faul und desinteressiert zu halten, als sie von vorneherein als zu blöd abztustempeln.
Es geht nicht um Höflichkeit sondern um die Wahrheit. Und die Wahrheit kann nunmal hin und wieder unhöflich sein.

Und alle Leute, die keine Leistung erbringen für faul zu halten, ist genau so ein Schubladendenken, wie alle Leute, die keine Leistung erbringen, für dumm zu halten.

Und beide Schubladendenken bringen einem nicht weiter. Die Wahrheit ist nunmal, dass einige Leute, die keine Leistung erbringen, zu dumm dafür sind, und andere Leute zu faul dafür. Und wieder andere erbringen die Leistung aber auf einem anderen Gebiet. Das ist nunmal die Wahrheit, egal, ob sie höflich oder unhöflich ist.

Und wenn man sich überlegt, wie man damit umgeht, ist es hilfreich, sich klar zu machen, dass es unterschiedliche Gruppen gibt, und erstmal nachschauen sollte, zu welche dieser Gruppen die betreffende Person gehört. (Und wenn es ein guter Freund ist, dann sollte er auch eine unhöfliche Kritik nicht krumm nehmen sondern diese akzeptieren.)

@ McCoy
Richtig. Wobei hier die Frage ist, warum er diese grundlegende Sache nicht kann. Damit man sich so etwas Grundlegendes nicht merken kann, muss einer der beiden Sachen erfüllt sein:

Vielleicht gibt es noch eine 3. Möglichkeit, wieso jemand so etwas Grundlegendes nicht versteht. Imho wäre es ganz interessant, mal auszuwerten, welchen Schulabschluss diese Personen durchschnittlich haben, die solche grundlegenden Sachen (Summe oder höchste Zahl von 2 Würfeln?) nicht verstehen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Teylen am 30.08.2011 | 12:04
Es wäre sicherlich schwachsinnig zu behaupten, dass die sich keine Arbeit machen würden.
Aber, was sie nach der Zeit im Vergleich zu den begabteren LEISTEN können (im Spiel) ist sicherlich weniger.
Sie KOENNEN weniger. Sie LEISTEN, im Spîel, sogar unter Umstaenden mehr.

Das heisst sie werden bei dem Spiel, unter Umstaenden, sehr viel konzentrierter als man selbst versuchen die Stellung zu bewerten, sie werden rechnen was das Zeug haelt und sich lange Gedanken machen wo der naechste Zug hin kommt. Sie strengen sich wirklich sehr an, und rufen an Leistung ab was sie haben.

Wohingegen der staerkere Spieler ggf. keine grosse Leistung erbringen muss sondern einfach nur das koennen abruft.
Gerade wenn beide nun zusammen spielen.

Zitat
Da stimme ich allerdings zu. Aber denke auch, dass das niemand unterstellen wollte.
Also das hier:
Und ja, in gewisser Weise wird somit auch der Kenntnisstand und das 'Leistungsvermögen' ein Ausdruck der persönlichen Leidenschaft und des Engagements für die jeweilige Materie, bzw. das Fehlen der entsprechenden Kenntnisse oder Fähigkeiten oder Kenntnisse als Zeichen des Fehlens der entsprechenden Begeisterung.
Liesst sich aber da leider ziemlich genau so.

Hey, selbst wenn du nur lernst, was ein kyu oder ein dan beim Go ist, oder wie sich die Rangfolge dieser errechnet ist dies bereits eine Leistungssteigerung - der Go-Spieler, so "schlecht" er auch spielen mag, lernt trotzdem dazu, auch wenn er dies vielleicht langsam tut. und nicht alle diese erworbenen Kenntnisse können sich auch automatisch 1:1 auf das tatsächliche Spiel übertragen.
Die Grundkenntnisse hat soweit eigentlich fast jeder.
Hinsichtlich der Verbesserung ist es jedoch bei einigen das Verhaeltnis von Leistung sowie Koennenzuwachs in keinem positiven Verhaeltnis steht, und beurteilt wird dann zu meist was man kann, nicht was man geleistet hat.

Zitat
Und zwotens machst du da noch ein ganz anderes Faß auf: Nämlich die Frage ob es Spieler gibt, die von vorneherein von der Veranlagung her besser oder schlechter sind.

Das ist doch kein neues Fass.
Es wurde hier schon einige male geschrieben, das fuer einige wichtig ist ob sie mit "Leistungsrollenspielern" oder mit "Entspannungsrollenspielern" spielen. Weil andernfalls ein Teil der Entwicklung fehlt und es weniger Spass macht.
Hierbei finde ich es jedoch wichtig anzumerken das es dort nicht die Leistung betrifft, sondern das Koennen.

Nun und in Bezug auf Rollenspiel kommt dazu das das Koennen ueberaus subjektiv ist.

Zitat
Aber klar, wenn man davon ausgeht, dass es Spieler gibt, die eine gewisse "Grunddoofheit" in dem Bereich haben, dann hilft auch Reinknieen und Herzblut nur wenig. Die spannende Frage ist dann alerdings, inwiefern -und vor allem warum- die jeweiligen Spieler nichtsdestotrotz anhaltendes Interesse an der Materie haben.

Ich persönlich zu Mindest würde finde es weniger anstößig und unhöflich, grundsätzlich Leute eher für zu faul und desinteressiert zu halten, als sie von vorneherein als zu blöd abztustempeln.

Aus dem selben Grund aus dem Leute im zweitstelligen Kyu-Bereich noch weiterhin Go spielen, weil es Spass macht?
Wobei ich die Leute nicht fuer bloed oder doof halte.
Einfach nur fuer weniger talentiert, in der Richtung ggf. etwas weniger begabt.

Nun und ich finde das wesentlich hoeflicher als Faulheit oder Desinteresse zu unterstellen.
Wo die ggf. schuften und total daran interessiert sind (es seit Jahren / Jahrzehnten lieben und spielen).

Zitat
Ich halte es für schwierig bis müßig da groß zu differenzieren, da der erste Schritt - Engagement - die absolute Grundvorraussetzung für zweiteres darstellt.

Ich bin recht sicher das ich, was das Go betrifft, die meisten anderem im Forum ohne grosses Engagement, Anstrengung oder Leistung uebertrumpfen koennte ^.^;


Ansonsten wuerde ich unterscheiden zwischen:
Engagement - Die Leistung die man vor dem RPG aufwendet
Leistung - Die Anstrengung die man beim RPG aufwendet
Koennen - Das Resultat
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 30.08.2011 | 12:07
Vieles dreht sich gerade wieder im Kreis, was die Definition von Leistung angeht und wo man sich einpendelt zwischen Leistungsrollenspiel und simplem Spaßspiel.

Ein Punkt kristallisiert sich jedoch langsam ebenfalls heraus, den ich unterstreichen möchte:
Da Rollenspiel nie alleine betrieben wird, sind in den Überlegungen dazu die gruppendynamischen Prozesse nicht zu vernachlässigen. Man kann also nicht einfach nur darauf schauen, wie und mit welcher "Leistung" / Motivation der einzelne spielt, sondern wie das Zusammenspiel unterschiedlicher Leistungsvorstellungen und Engagementstufen in der Gruppe funktionert.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 30.08.2011 | 12:15
Leistung (exemplarische Definitionen):

1) (generell)    Arbeit pro Zeiteinheit
2) (schulisch) "Ergebnis und Vollzug einer zielgerichteten Tätigkeit, die mit Anstrengung
                      verbunden ist und für die Gütemaßstäbe anerkannt werden" (Klafki)
3) (sportlich)   Erbrachte messbare Ergebnisse z.B. größere Höhen und Weiten, höhere
                      Punktzahlen

Sucht euch was raus.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Terrorbeagle am 30.08.2011 | 12:21
@ Yehodan
Und imho ist es nichtmal eine Grundvoraussetzung. Es gibt Leute, denen kommen die Fähigkeiten einfach zugeflogen. Die bereiten sich nicht vor, engagieren sich nicht, aber sobald sie da sind, liefern sie eine super Show.

Na ja, manche Kenntnisse und Fähigkeiten muß man sich auch wenn es einem leicht fällt erarbeiten und teilweise auch relativ stumpf lernen. Gerade was Hintergrundwissen und Regelkenntnis angeht, führt selten ein Weg an "hinsetzen und lesen" vorbei. Und auch das erfordert eine gewisse Bereitschaft, die entsprechende Zeiteinteilung etc. Das ist zwar meines Erachtens kaum als "Arbeit" zu bezeichnen (soo kompliziert ist kein Rollenspiel), aber ohne die Bereitschaft, sich damit auseinander zu setzen wird das nix.
Mit der Ausnahme von Ausnahemtalenten ist es eigentlich immer so, dass man, wenn man etwas halbwegs brauchbar machen können will, da auch etwas Zeit und teilweise auch Mühe investieren muß.

Engagement ist das was ich reinstecke und Leistung wäre das was bei rauskommt.

Beides bedingt sich auch. Ohne Engagement keine Leistung. Und das Grundengagement ist, dass sich jeder wenigstens Zeit für den Rollenspieltermin nimmt.

Es geht also gar nicht um die Steigerung von Leistung (als Selbstzweck), sondern um die Steigerung des Engagements, um so vielleicht eine höhere Leistung zu erzielen.
Und ebenso geht es wohl einigen (mich eingeschlossen) um das Problem, dass es unterschiedliches Engagement in einer Gruppe gibt, was die Leistung (hier: Spielspaß) auch mal drosselt.

Und hier wird auch deutlich, dass die Erwartung mancher Casual Gamer einfach unfair ist, bis zur Grenze zur Anmaßung:
Obwohl nicht bereit, ein Engagement über das gelegentliche mit Charakterblatt (und manchmal nicht mal das) zum Spiel erscheinen zu leisten, wird erwartet, dass andere Mitglieder (eSeL, aber auch Mitspieler) mehr Engagement aufbringen, damit Regeln und Story funktionieren. Das ist im Grunde ein "unterhalten werden", statt Unterhaltung machen.

Jupp, da kann ich vorbehaltlos zustimmen, insbesondere zum letzten Absatz.


@ Teylen: Gute Argumentation. Die Differenzierung zwischen Können und Leistung leuchtet mir ein und die Schußfolgerungen sind stichhaltig. Ich wer jetzt erstmal gründlich drüber nachdenken, aber ja, du scheinst da Recht zu haben. Aslo Chapeau, das war eine gute und einleuchtende Argumentation, ich könnte da höchstens aus Trotz noch länger widersprechen, und das kommt mir dumm vor.

Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.08.2011 | 13:25
Und das Grundengagement ist, dass sich jeder wenigstens Zeit für den Rollenspieltermin nimmt.
Du bist Schüler, oder? Ja, damals hatte ich auch quasi jedes Wochenende Zeit.

- Später im Berufsleben kann es dann aber vorkommen, dass der Chef dich Freitag Abend anruft, weil Samstag ein ganz wichtiges Meeting ist, zu dem du unbedingt sollst. (Du könntest zwar theoretisch ablehnen, aber das wäre der Karriere nicht unbedingt förderlich.)
- Oder deine Kinder werden plötzlich krank und du musst dich um sie kümmern.
- Oder ein Paper wurde akzeptiert und du musst die überarbeitete Version bis Dienstag eingereicht haben. (Was bedeutet, dass du sie Montag erstmal an alle Koautoren sendest, damit diese ihr O.K. geben.)

Selbst, wenn RPG das wichtigste Hobby wäre, bedeutete das noch lange nicht, dass es das wichtigste im Leben ist. Es gibt einfach Sachen im Leben (Beruf, Familie), die sind zumindest mir wichtiger als das wichtigste Hobby.

Zitat
Es geht also gar nicht um die Steigerung von Leistung (als Selbstzweck), sondern um die Steigerung des Engagements, um so vielleicht eine höhere Leistung zu erzielen.
Und ebenso geht es wohl einigen (mich eingeschlossen) um das Problem, dass es unterschiedliches Engagement in einer Gruppe gibt, was die Leistung (hier: Spielspaß) auch mal drosselt.
Das Problem ist: Du kannst bei den wenigsten Leuten ihr Engagement messen. Du kannst nur ihre Leistung messen. Und wenn du siehst, dass jemand wenig Leistung erbringt, lässt sich häufig schwer feststellen, ob das am fehlenden Engagement oder am fehlenden Talent liegt.

Zitat
Und hier wird auch deutlich, dass die Erwartung mancher Casual Gamer einfach unfair ist, bis zur Grenze zur Anmaßung:
Obwohl nicht bereit, ein Engagement über das gelegentliche mit Charakterblatt (und manchmal nicht mal das) zum Spiel erscheinen zu leisten, wird erwartet, dass andere Mitglieder (eSeL, aber auch Mitspieler) mehr Engagement aufbringen, damit Regeln und Story funktionieren. Das ist im Grunde ein "unterhalten werden", statt Unterhaltung machen.
Und hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass die meisten Casual Gamer so etwas gar nicht erwarten. Sie wollen gar nicht, dass sich SL und Mitspieler vorher großartig vorbereiten. Aus ihrer Sicht kann der SL das Abenteuer auch während des Spiels improvisieren. (Inspectres lässt grüßen.)

Na ja, manche Kenntnisse und Fähigkeiten muß man sich auch wenn es einem leicht fällt erarbeiten und teilweise auch relativ stumpf lernen. Gerade was Hintergrundwissen und Regelkenntnis angeht, führt selten ein Weg an "hinsetzen und lesen" vorbei. Und auch das erfordert eine gewisse Bereitschaft, die entsprechende Zeiteinteilung etc. Das ist zwar meines Erachtens kaum als "Arbeit" zu bezeichnen (soo kompliziert ist kein Rollenspiel), aber ohne die Bereitschaft, sich damit auseinander zu setzen wird das nix.
Also imho kann man die Regeln problemlos während des Rollenspiels lernen. Wir machen häufig OneShots, wo der SL ein neues RPG vorstellt und dann spielen wir drauf los. Die meisten Spieler können dann am Ende des OneShots die grundlegenden Regeln. Und das Hintergrundwissen wird einem auch während des Spiels beigebracht.

Viele OneShots, die ich auf Cons anbiete, funktionieren nach dem gleichen Prinzip und auch dort klappt es wunderbar: Sehr viel Spielspaß und die Spieler benötigen NULL Vorbereitungszeit. (SCs sind entweder vorgefertigt oder werden während der Sitzung generiert. Regeln und Hintergrund bekommen die Spieler während des Spiels beigebracht.)

Und ich kenne mindestens einen Spieler, von dem ich weiß, dass er auch bei längeren Kampagnen keine Zeit zwischen den Spielabenden mit Regel- und Hintergrundlernen verbringt. (Er besitzt keine Rollenspielbücher und wollte sich bisher auch nie eines ausleihen.) Trotzdem hat er keinerlei Probleme mit den grundlegenden Regeln und auch keine Probleme mit dem Hintergrund, da er diese sehr schnell während des Spiels gelernt hat.

Zitat
Mit der Ausnahme von Ausnahemtalenten ist es eigentlich immer so, dass man, wenn man etwas halbwegs brauchbar machen können will, da auch etwas Zeit und teilweise auch Mühe investieren muß.
Da habe ich andere Erfahrung mit gemacht.

Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 30.08.2011 | 13:53
Du bist Schüler, oder?

Nein, wie kommst Du denn darauf und darauf, dass ich solch verqueren Prioritäten von Menschen, die mitten im Leben stehen erwarte? Natürlich ist Rollenspiel nur ein Hobby. Dennoch ist es nicht PC-Gaming sondern eine Gruppenveranstaltung, die davon lebt, dass sich alle mal die Zeit dafür freischaufeln (soweit möglich) ansonsten ist man halt nicht für das Hobby geeignet.
Man muss in dem vorher abgesteckten Rahmen verlässlich sein.
Keine Fußballmannschaft der Welt kann es auf Dauer verkraften, wenn sechs von 11 Spielern nicht zu den Spielen erscheinen.

Das Problem ist: Du kannst bei den wenigsten Leuten ihr Engagement messen. Du kannst nur ihre Leistung messen.

Das schätze ich anders ein. Ich kann viel eher wahrnehmen, und bewerte, wieviel Engagement jemand einbringt. Ob jemand z.B. sich bemüht, Termine so zu legen, dass regelmäßiges Spiel möglich ist oder ob jemand sich wenigstens mal das GRW kauft/ausleiht um darin die Basics zu lernen oder ob jemand unter der Woche mal anruft und ein paar Fragen stellt, ob jemand rechtzeitig Termine absagt oder überhaupt usw.
Ob jemand hingegen Leistung erbringt ist mir eigentlich egal. Ich habe noch niemanden Vorwürfe gemacht, der meines Erachtens nicht "gut" spielt oder wie auch immer man Leistung definiert. Ich mache mir da nicht mal Gedanken drüber meine Mitspieler bewerten zu wollen.

Und hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass die meisten Casual Gamer so etwas gar nicht erwarten. Sie wollen gar nicht, dass sich SL und Mitspieler vorher großartig vorbereiten. Aus ihrer Sicht kann der SL das Abenteuer auch während des Spiels improvisieren.

Da habe ich genau gegensätzliche Erfahrungen gemacht: Es findet kein Input statt, es werden keine Storyansätze eingebracht und es wird sinnlos dahingedümpelt und nachher sind irgendwie alle unzufrieden, weil nichts interessantes passiert ist. Und Spieler, die die Regeln nicht kennen und nicht lernen können oder wollen erwarten schon, dass Ihnen im rechten Moment einer sagt, wies nu geht.

Nachtrag: Zudem hast Du Dich selbst entlarvt. Sie erwarten kein vorheriges Engagement, aber sie erwarten dann schon doch Engagement im Spiel, nämlich dass sich der eSeL was ausdenkt. Anstatt eben selber die Story voranzutreiben... ;) (ich bitte das als flapsigen Einwurf zu verstehen)
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Sid am 30.08.2011 | 14:15
Da habe ich andere Erfahrung mit gemacht.

Ich glaube dir. Ich glaube dir, dass du es glaubst. :)

Es mag dir dann nicht wie (negativ konotiert) Mühe und Arbeit vorgekommen sein.

Doch es war eben solche. Wie sonst sollte man Fähigkeiten entwickeln, wenn nicht durch das Ausüben eben jener?

Auch die vermeintlichen Talente:
Vielleicht jene, die stilsicher ein Beschwörungsritual herunter improvisieren. Die können dies, weil sie von zuvor erlernten Fähigkeiten abstrahieren. Das ist ihnen nicht zugeflogen. :)



Ich selbst "leide" auch unter weniger engagementfreudigen Mitspielern.

Und wenn sie mir beteuern innerhalb vieler Monate einfach keine Zeit zu haben, dann werd ich auch mal böse und sage:

Behaupte doch nicht du hast keine Zeit. Die Wahrheit ist, du hast keine Lust und setzt deine Prioritäten anders. Das ist ok.
Aber zu behaupten du hast keine Zeit ist lächerlich.

Ich habe selbst bis vor kurzem kein Rollenspielmaterial besessen und zu erwarten, dass sich jemand mit solchen Dingen eindeckt liegt mir fern.
Doch wenn wir spielen, dann schmöcker ich hin und wieder in den Bänden meines SL und - hier mein größter Trick - überlege mir was ich tun möchte, bevor ich drann bin. :)

Ich finde, das darf ich auch von meinen Mitspielern in mindestens 50% der Fälle erwarten.

Ich bin auch der Meinung, dass man bei den meisten nicht simulatorischen Rollenspielen die Regeln auch wärend des Spielens erlernen kann. Doch erlich gesagt ist mir meine Zeit ein bisschen zu kostbar:

Man trifft sich vielleicht 2 Mal pro Monat für ein paar Stunden und die möchte ich auch sehr gern spielen.
Genau aus diesem Grund setze ich mich auch Zuhause hin und les mir mal was durch. Weil die Aussicht die Zeit mit coolen Aktionen am Spieltisch anstelle mit Regelerklärungen zu verbringen eine sehr große Motivation für mich ist.

Diese Einsicht würde ich mir auch von meinen Mitspielern wünschen.



Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.08.2011 | 14:28
Keine Fußballmannschaft der Welt kann es auf Dauer verkraften, wenn sechs von 11 Spielern nicht zu den Spielen erscheinen.
Richtig. Aber was hatte ich vorletzte Seite schon geschrieben:
Man muss in keiner Fußballmannschaft sein, um Fußball zu spielen.

Wenn sich 11 Freunde regelmäßig treffen, um Fußball zu spielen, dann klappt das auch wunderbar, wenn nur jeweils ca. 6 Leute zum Spielen auftauchen. Und hier spreche ich aus eigener Erfahrung: Wir sind ein Pool von ca. 15 Leuten, die sich im Sommer regelmäßig zum Fußballspielen treffen. Und obwohl wir ein Pool von 15 Leuten sind, sind immer nur 6-8 Spieler anwesend. Aber trotzdem funktioniert das einwandfrei.
Eben weil wir keinen Verein gründen wollen sondern einfach nur so zum Spaß drauflosspielen. Wer Lust hat, kann vorbeikommen und mitspielen und wer keine Lust hat, bleibt zu Hause.

Von den 15 Leuten sind einige dabei, die spielen fast jedesmal mit. Andere spielen nur hin und wieder mit. Und andere spielen nur selten mit. Trotzdem klappt das ganze wunderbar. Und das beste: Es ist komplett ohne Stress. (Hey, einer von den 15 Leuten ist sogar im Verein. Und er will auch im Verein bleiben. Aber er sagt auch, ihm gefällt unseres lockere Fußballspielen, wo keine Anwesenheitspflicht ist.)

Zitat
Das schätze ich anders ein. Ich kann viel eher wahrnehmen, und bewerte, wieviel Engagement jemand einbringt. Ob jemand z.B. sich bemüht, Termine so zu legen, dass regelmäßiges Spiel möglich ist oder ob jemand sich wenigstens mal das GRW kauft/ausleiht um darin die Basics zu lernen oder ob jemand unter der Woche mal anruft und ein paar Fragen stellt, ob jemand rechtzeitig Termine absagt oder überhaupt usw.
Wodran machst du fest, ob sich jemand bemüht, die Termine so zu legen, dass regelmäßiges Spielen möglich ist? Der eine hat einen freien Terminkalender und kann dort mühelos überall den Spieltermin reinlegen. Und der andere hat einen vollen Terminkalender und muss immer hart die anderen Termine umschieben, um einmal im Monat einen Abend freizuschaufeln.

Wenn sich jemand das GRW ausleiht, sagt das noch nichts darüber, ob er es auch liest.

Wenn jemand unter der Woche anruft, um ein paar Fragen zu stellen,bedeutet das nur: Entweder ihm ist langweilig oder er ist zu untalentiert, um sich die Fragen selbst zu beantworten. Und wenn jemand nicht anruft, bedeutet das: Entweder er ist zu beschäftigt oder er ist talentiert genug, sich die Fragen selbst zu beantworten oder es ist ihm einfach egal.
Aus dem Anrufen oder nicht anrufen kann man also auch keine Schlussfolgerung über sein Engagement treffen. (Wenn er anruft kann man höchstens eine Schlussfolgerung über sein Talent treffen.)

Zitat
Da habe ich genau gegensätzliche Erfahrungen gemacht: Es findet kein Input statt, es werden keine Storyansätze eingebracht und es wird sinnlos dahingedümpelt und nachher sind irgendwie alle unzufrieden, weil nichts interessantes passiert ist. Und Spieler, die die Regeln nicht kennen und nicht lernen können oder wollen erwarten schon, dass Ihnen im rechten Moment einer sagt, wies nu geht.
OK, dann haben wir unterschiedliche Casual Gamer kennengelernt.
Meine Erfahrungen mit Runden, in denen viele Casual Gamer vorhanden sind: Es werden viele OT-Wtze gerissen, es wird viel gelacht.
Und am Ende freut man sich über den gelungenen Abend, obwohl man RPG-mäßig überhaupt nichts geschafft hat.

Die Lieblingssysteme von Casual Gamern sind Systeme wie PP&P oder Inspectres.

Zu den Spielern, die die (Grund-)Regeln nicht kennen:
Vorausgesetzt, es sind wirklich einfache Regeln, dann bezweifle dass es am nicht lernen wollen liegt. Ich vermute bei solchen Sachen eher, dass es am nicht lernen können liegt. Selbst ein durchschnittlich Talentierter wird am Ende eines SW-Spielabends raffen, dass man zwei Würfel würfelt und den höheren nimmt. Ausnahme sind Schadenswürfel, wo addiert wird.

Das ist so elementar, das muss man nicht bewusst lernen. Das lernt man normalerweise automatisch, wenn man 2-3 mal gewürfelt hat. Daher vermute ich bei den Leuten, die das nicht automatisch lernen nicht fehlendes Engagement sondern fehlendes Talent.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 30.08.2011 | 14:34
Eben weil wir keinen Verein gründen wollen sondern einfach nur so zum Spaß drauflosspielen. Wer Lust hat, kann vorbeikommen und mitspielen und wer keine Lust hat, bleibt zu Hause.

Aber Ihr seid Euch darüber alle einig, weil der Rahmen von vornherein so gesetzt war. Wie ein Spieleabend oder Stammtisch. Wer kommt der kommt. Die meisten Runden, die ich kenne, funktionieren so nicht.

Und wegen dieser verschiedenen Grundvoraussetzungen oder des unterschiedlichen Verständnisses, haben wir hier verschiedene Ansichten.

Ich für meinen Teil würde es hassen, allein auf dem Bolzplatz zu stehen, weil alle anderen keinen Bock hatten. Das wäre ein frustrierendes Ereignis für mich.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Just_Flo am 30.08.2011 | 15:35
Hm, irgendwie überzeugt mich :

Zitat
Zu den Spielern, die die (Grund-)Regeln nicht kennen:
Vorausgesetzt, es sind wirklich einfache Regeln, dann bezweifle dass es am nicht lernen wollen liegt. Ich vermute bei solchen Sachen eher, dass es am nicht lernen können liegt. Selbst ein durchschnittlich Talentierter wird am Ende eines SW-Spielabends raffen, dass man zwei Würfel würfelt und den höheren nimmt. Ausnahme sind Schadenswürfel, wo addiert wird.

Das ist so elementar, das muss man nicht bewusst lernen. Das lernt man normalerweise automatisch, wenn man 2-3 mal gewürfelt hat. Daher vermute ich bei den Leuten, die das nicht automatisch lernen nicht fehlendes Engagement sondern fehlendes Talent.

überhaupt nicht.

Hm, irgendwie möchte ich niemanden den Schuh anziehen, dass er ein Verfahren, das aus
a) Nimm 2 Würfel in die Hand und werfe diese.
b) Schau dir die 2 Würfel an.

nicht erlernen kann.

Wer dies von sich behauptet, der sei dazu eingeladen eine oder mehrere Förderschulen der Bereiche L, G oder mit mehrfachbehinderten oder auch nur eine normale Grundschule zu besuchen. In allen diesen werden deutlich unterschiedlicheren Menschen als in der Runde am Spieltisch weitaus komplexere Fähigkeiten vermittelt.

Viele Gruppen visualisieren Kämpfe oder arbeiten mit Kampfmusik. Dadurch vom Rest der Spielesession abgetrennt entspricht die Anwendung des anderen Verfahren quasi:

a) Ins rote Heft machen wir nur Mathematik (Kampfmusik/Ich tue jemandem erfolgreich weh = Würfel zusammenzählen )
b) In alle andern Hefte schreibe machen wir nur Deutsch (keine Kampfmusik/ Ich tue nicht gerade jemandem erfolgreich weh = der größte Würfel zählt.)

Auf diese Einfachheit herunter gebrochen ist fast jede Tätigkeit die wir täglich vollführen komplizierter und wir würden (hoffentlich) jedem Menschen, egal was für besondere Lebensumstände er hat, es zubilligen diese Komplexität zu bewältigen.

Wobei ich einfach auch mal vermute, dass es selten auf so eine Einfachheit herunter gebrochen wird, da wären Mitspieler ja evtl. beleidigt. Wenn statt das Verfahren einfach und unmissverständlich zu beschreiben von expodierenden und anderen Würfeltypen geredet wird oder das Verfahren mit einem Test auf die Eigenschaft/ das Talent beschrieben wird, dann versteht es der Mitspieler evtl. nicht oder muss solnage Nachfragen, bis er das Interesse verliert und bei ihm der Eindruck, dass das ganze total kompliziert ist aufkommt.

Edit: Etwas weniger plakativ formuliert und einige Stellen, die ohne die bei den Begriffen eigentlich notwendige Differenzierung diese aneinander gereiht haben herausgenommen oder umgestaltet.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.08.2011 | 16:15
@ Hertha
Ja, wenn ich alleine auf dem Bolzplatz stehen würde, wäre ich auch angepisst. Aber das ist zum Glück nie vorgekommen. Bei schlechten Wetter fragt man halt in die Runde, wer trotz des Wetters Lust hätte zu spielen. Und da diese Abfragen relativ kurzfristig getroffen werden (Vielleicht 2-3 Stunden vorher), ist dort die Ausfallerquote recht gering.

Bei guten Wetterperioden machen wir den Termin auch schonmal mehrere Wochen vorher fest. Dort ist dann zwar die Ausfallerquote höher, dafür haben aber auch mehr Leute zugesagt, so dass sich das wieder ausgleicht.
Dass wir zu wenig zum spielen waren, ist bisher noch nie passiert. (Wobei ich persönlich sagen würde, dass man ab 4 Leuten Fußball spielen kann.)

@ Just_Flo
Leute mit ADHS und sozial auffällige Schüler würde ich nicht in die Kategorie "Leute mit geringem Talent" sondern bestenfalls in die Kategorie "Leute mit geringem Engagement" stecken. Bei Leuten mit ADHS ist nicht das Talent sondern das Engagement/die Motivation das Problematische.

Und bei der Visualisation hapert ja das ganze:
Die wenigsten SLs erklären ihren Spielern: "Ins rote Heft addierst du die Würfelzahlen und ins andere Heft schreibst du nur die höhere Würfelzahl."

Die meisten SLs erklären: "Pass mal auf, Bei Fertigkeiten und Attribute hast du einen WildDie. Das heißt, du darfst dir den besseren Würfel aussuchen. Das ist meistens der Höhere. Bei Schadenswürfeln hast du keinen WildDie. Das heißt, hier musst du die Würfel addieren."
Und wenn jemand das nach 3 Spielabenden noch immer nicht verstanden hat, meint der SL: "Verdammt, das ist doch nicht so schwer zu kapieren: Attribute und Fertigkeiten der höhere Würfel und bei Schaden wird alles addiert."
Auf die Idee, den Problemspielern das Ganze mit farbigen Heften zu visualisieren, ist bisher noch kein SL gekommen. Zumindest kein SL, mit dem ich gespielt habe.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Just_Flo am 30.08.2011 | 16:36
Hm, vielleicht habe ich mich da ja bei der Übertragung der Situation vom Klassenzimmer zum Spieltisch falsch ausgedrückt oder etwas unglücklich formuliert.

Aber irgendwie kann ich es nicht glauben, dass wenn ich jemandem erkläre du würfelst immer mir 2 Würfeln und nimmst den höheren. Solltest du gerade jemandem weh tun, dann und nur dann zählst du die 2 Würfel zusammen.

Aber vielleicht würde eine solche auf das Wesentliche reduzierte Erklärung von manchen SL als unter ihrer Würde bzw. du erklärst mir das als wäre ich ein Depp angesehen.

 
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.08.2011 | 16:51
Wie erklärst du dir dann, dass einige Spieler nicht wissen, ob sie zusammenaddieren oder den höheren Wurf nehmen sollen?

Irgendwie kann ich mir schlecht vorstellen, dass ein Spieler zu unmotiviert ist, um den Erklärungen des SLs zu lauschen, aber trotzdem zum Spielen erscheint und dort dann seine 4 Stunden verbringt.

Wenn jemand gegen seine Willen zum Spielabend geschleift wird, könnte ich mir eine fehlende Motivation als Grund schon vorstellen. Aber die meisten Spieler sind ja freiwillig dort. Also muss eine gewisse Grundmotivation schon vorhanden sein.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 30.08.2011 | 16:56
Es soll tatsächlich Menschen geben, die eher das Zusammensein, als das Spielen genießen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.08.2011 | 17:08
Klar. Aber auch diese Leute werden doch nicht aktiv weghören, wenn der SL ihnen eine so simple Regel wie "Bei Attributen und Fertigkeiten den höheren Wurf, bei Schaden wird addiert" erklärt.

Und selbst wenn man Null Anstrengung unternimmt, diese Regel zu lernen. Und selbst, wenn man dem SL nur passiv zuhört, so wird ein normal talentierter Mensch diese Regel nach 2-3 Spielabenden drauf haben.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Just_Flo am 30.08.2011 | 18:50
Man könnte es sich auch einfach auf den Charakterbogen schreiben. Keine  :Ironie:

Wie ich mir das erkläre? Nunja, einmal sind das wohl Leute aus folgender Kategorie:

Zitat
Es soll tatsächlich Menschen geben, die eher das Zusammensein, als das Spielen genießen.
Was ja prinzipiel nicht mal schlecht ist.

Dann gibt es diejenigen, bei denen die OT-Blase alles komplett überdeckt.

Dann gibt es diejenigen, die halt Regeln langweilig oder spielspaßzerstörrend oder einfach so unwichtig finden, dass sie diese Elemente ausblenden.

Dann gibt es diejenigen, die eher improvisiertes Situationstheater am Spieltisch machen.

Dann gibt es die Rule of Cool und ich habe es beschrieben also passiert es so und hat den und den Effekt.

Dann gibt es diejenigen, für die Würfeln nur eine Auswahloption oder eine Stütze ist.


Natürlich sind diese Stile absolut in Ordnung. Problematisch wird es halt wenn diese Leute mit Leuten am Tisch sitzen, für die prinzipiel die Existenz von Regeln eine Bereicherung ist und die diese auch gerne anwenden (würden).

Der Spieler der die Grundregeln (regelmässiges Spielen vorausgesetzt) nicht kann, dem sind die 5 Minuten Lebenszeit sich diese bewusst kurz erklären und aufschreiben zulassen und die 2 Minuten diese Regeln dann die nächsten 2 Sitzungen davor kurz zuüberfliegen zuschade oder es ist ihm zu unwichtig.

Ich weiß, aus Erfahrung, dass ich mit solchen Mitspielern eine Menge Spaß haben kann, vor und nach dem Spielen, aber halt eher selten während des Spielens.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 31.08.2011 | 00:06
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

In vielen Vereinen hat man doch immer die Leute, denen es eher darum geht, was zu erreichen, und solche, denen es mehr um das Gemeinschaftserleben geht. Je weniger Zeit man hat, Freizeit mit Freunden zu verbringen, umso mehr schätzt man zweiteres.

Wenn man sich überlegt, was das Maximum ist, was man mit noch so gutem Rollenspiel erreichen kann, dann bleibt doch höchstens, mit Freunden eine spaßige Zeit zu verbringen. Anders als in einem Fußballverein interessiert sich nämlich niemand sonst für die "Leistung", die ihr erbringt.

Als "Spiel" hat RPG per Definition seinen Zweck in sich selbst und nicht darin, ein Ziel zu erreichen. Der Vergleich mit sportlichen, beruflichen oder schulischen Leistungen ist damit unpassend gewählt.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Oberkampf am 31.08.2011 | 00:30
Als "Spiel" hat RPG per Definition seinen Zweck in sich selbst und nicht darin, ein Ziel zu erreichen. Der Vergleich mit sportlichen, beruflichen oder schulischen Leistungen ist damit unpassend gewählt.

Das mit dem Spielbegriff und der in ihm enthaltenen intrinsischen Motivation ist ein guter Punkt, und auch die Unterscheidung zwischen Engagement und Leistung in den vorangegangenen Posts (die ich jetzt zu faul/müde bin, zu suchen) hat mir zumindest ein Stückweit die Augen geöffnet.

Allerdings würde ich schon sagen, dass es beim Rollenspiel eine kleine Mindestanforderung an alle Teilnehmer gibt, zumindest die grundlegenden Mechanismen des Spiels und die wichtigsten Konventionen der Gruppe (hinsichtlich Genre, Setting, Umgang der Spieler miteinander und der Charaktere miteinander) zu lernen und anzuwenden. Darüber hinaus sind das Leistungsstreben und ein möglicher Verbesserungswunsch sehr persönliche Angelegenheiten.

Dass ich z.B. manchmal an meine sprachlichen Grenzen beim Beschreiben einer Situation stoße (mir fällt oft kein "panthergleich" ein  ;) ), ist so eine Sache, die ich persönlich gerne verbessern würde, genau wie meine Nervösität beim Leiten, während ich mich mit meinen geringen Zeichenfähigkeiten arrangiert habe und davon überzeugt bin, dass meine Gestaltungen von  NSC-Hintergründen ganz gut entwickelt sind.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Eulenspiegel am 31.08.2011 | 00:37
Wie ich mir das erkläre? Nunja, einmal sind das wohl Leute aus folgender Kategorie:
 Was ja prinzipiel nicht mal schlecht ist.

Dann gibt es diejenigen, bei denen die OT-Blase alles komplett überdeckt.

Dann gibt es diejenigen, die halt Regeln langweilig oder spielspaßzerstörrend oder einfach so unwichtig finden, dass sie diese Elemente ausblenden.

Dann gibt es diejenigen, die eher improvisiertes Situationstheater am Spieltisch machen.

Dann gibt es die Rule of Cool und ich habe es beschrieben also passiert es so und hat den und den Effekt.

Dann gibt es diejenigen, für die Würfeln nur eine Auswahloption oder eine Stütze ist.
OK, alle diese Leute sind nicht motiviert, die Regeln zu lernen. Und ich kann es ganz gut nachvollziehen, wenn man aufgrund diese Demotivation die DSA-Probe nicht lernt. Und ich kann es auch gut nachvollziehen, dass man aufgrund dieser Demotivation irgendwelche Spezialregeln oder die Feat-Listen von D&D nicht lernt.

Aber egal, wie demotiviert diese Person ist: Die Regel "Bei Attributen und Fertigkeiten nehme den höheren Würfel, bei Schadenswürfeln summiere die Würfel." sollte selbst der Demotivierteste lernen.

Wenn du mir nicht glaubst, mache einen Test: Nehme einen Freund aus deinem Bekanntenkreis und erkläre ihm diese Regel. Er wird dich fragend anschauen und fragen, was das soll. Sag ihm einfach, du machst ein kleines Experiment und er müsse sich auch nicht merken, was du ihm sagst.
Erkläre ihm diese Regel nun 20mal in einer Stunde. Ich wette, dein Freund wird von mal zu mal demotivierter und ihn nervt diese blöde Regel langsam.

So, frage deinen Freund nach 2 Stunden nach dieser Regel. Ich wette, er weiß sie noch. Auch nach 4 Stunden wird er sie noch wissen.

Treffe dich nach 2 Wochen nochmal mit deinem Freund. Erzähle ihm jetzt EINMAL diese Regel. Er wird nur sagen "Oh nein, hör bloß auf mit dieser verdammten Regel!" Aber die einmalige Erwähnung dieser Regel reicht aus, dass sich dein Freund diese Regel für die nächsten paar Stunden merken wird.

Wiegesagt: Dein Freund muss dazu keinerlei Motivation haben, diese Regel zu lernen. Er kann RPG total langweilig und/oder bescheuert finden. Seine Motivation, die Regel zu lernen, wird wahrscheinlich Null betragen. Trotzdem wird er die Regel automatisch lernen.
Einzige Voraussetzung ist, dass die Person über eine mindestens durchschnittliche Intelligenz und Auffassungsgabe verfügt.

Fazit:
Die Motivation ist für das Erlernen solch simpler Regeln vollkommen bedeutungslos. Motivation wird erst wichtig, wenn man komplexere Regeln lernen muss.

Als "Spiel" hat RPG per Definition seinen Zweck in sich selbst und nicht darin, ein Ziel zu erreichen. Der Vergleich mit sportlichen, beruflichen oder schulischen Leistungen ist damit unpassend gewählt.
Sport außerhalb von Vereinen hat auch hauptsächlich den Zweck in sich selbst. (Disclaimer: OK, bei einigen Sportarten geht es darum, körperliche Fitness zu erlangen. Aber gerade Fußball außerhalb des Vereins ist ein Selbstzweck und dient nur dem Spaß.)
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 31.08.2011 | 02:23
Wenn du mir nicht glaubst, mache einen Test (...)
Treffe dich nach 2 Wochen nochmal mit deinem Freund. Erzähle ihm jetzt EINMAL diese Regel. Er wird nur sagen "Oh nein, hör bloß auf mit dieser verdammten Regel!" Aber die einmalige Erwähnung dieser Regel reicht aus, dass sich dein Freund diese Regel für die nächsten paar Stunden merken wird.

Wiegesagt: Dein Freund muss dazu keinerlei Motivation haben, diese Regel zu lernen. Er kann RPG total langweilig und/oder bescheuert finden. Seine Motivation, die Regel zu lernen, wird wahrscheinlich Null betragen. Trotzdem wird er die Regel automatisch lernen.
Einzige Voraussetzung ist, dass die Person über eine mindestens durchschnittliche Intelligenz und Auffassungsgabe verfügt.

Fazit:
Die Motivation ist für das Erlernen solch simpler Regeln vollkommen bedeutungslos. Motivation wird erst wichtig, wenn man komplexere Regeln lernen muss.

falsch, eben für das langzeitige Behalten von Lerninhalten spielt die Motivation eine herausragende Rolle. Wenn die Regel für deinen Freund ohne Bedeutung ist, wird sie sich nicht in seinem Langzeitgedächtnis verankern. Einzig, "dass da so ne blöde Regel war".
Das belegst du selbst, indem du klarmachst, dass du ihm nach zwei Wochen die Regel NOCHMALS erklären müsstest. Hätte er sie gelernt, wäre das nicht notwendig.
Hast Du sie ihm solange eingeprügelt, bis er sie gelernt hat, hat er die Regel ebenfalls aus einer Motivation heraus erhalten, nämlich, dass du endlich aufhörst, ihn zu nerven.

Mach das gegenteilige Experiment: Lehre jemandem eine Regel durch eine motivierende Spielsituation, dann verankert sie sich viel leichter. Das sind grundlegende pädagogische Erkenntnisse, die sicher jeder schon am eigenen Leib erfahren hat.

Zitat
Sport außerhalb von Vereinen hat auch hauptsächlich den Zweck in sich selbst. (Disclaimer: OK, bei einigen Sportarten geht es darum, körperliche Fitness zu erlangen. Aber gerade Fußball außerhalb des Vereins ist ein Selbstzweck und dient nur dem Spaß.)

genau das ist mein Argument: Rollenspiel ist (meines Wissens) niemals Vereinssport und damit nur dem Selbstzweck unterworfen. Es gibt keine Belohnung über den Spielspaß hinaus. Ebenso wie beim Fußballspielen außerhalb des Vereins.
Übt jemand dagegen eine Sportart aus, um körperliche Fitness zu erlangen oder Medaillen zu erlangen, kann man das nicht als Spiel im oben genannten Sinne bezeichnen. Deshalb nennt man es Sport.

Merkt also jemand, dass die investierte Anstrengung nicht zum Spielspaß beiträgt, ist es förderlich, wie der OP davon Abstand zu nehmen und sich auf den Spaß zu konzentrieren.
Dazu kann auch gehören, einfachste Regeln zu lernen, denn wenn ich ständig das Spiel durch dumme Regelfragen aufhalte, leidet mein Spielspaß auf Dauer ebenfalls.  
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 31.08.2011 | 02:38
Was ich in vielen Posts immer wieder lese: "Man muss die grundlegendsten Regeln...", "der SL muss...", "die Spieler müssen aber..." erinnert mich daran, dass ein befreundeter Psychologe in diesem Zusammenhang immer von "Mussturbieren" spricht, dem selbst auferlegten Glauben, etwas tun oder sich auf eine bestimmte Art verhalten zu müssen.  

Weniger Mussturbieren erzeugt für gewöhnlich eine höhere Lebensqualität.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Just_Flo am 31.08.2011 | 03:50
Haben Engagement und Leistung was mit Spielspaß zutun?
Ja, beide können sowohl im Übermass als auch bei Nichtvorhandensein den Spielspaß mindern.
Ja, beide können in der richtigen Dosis (die sehr breit sein kann und oft schwankt) den Spielspaß erhöhen.

Es ist wie beim malen oder Zeichnen oder schreiben. Wenn ich etwas zu Papier bringe, dann kann es mir natürlich helfen, wenn ich die Rechtschreibung/Textaufbau/ Spannungsbogen/verschiedene Mal-/Zeichentricks halbwegs beherrsche. Wenn ich aber die ganze Zeit verkrampft daran klebe, dass ich ja nichts falsch mache, dann wird das Ergebnis eher nicht so der Hit sein, genauso wenn ich das einfach mal hinrotze.

Was will ich damit sagen? Das Mittelmaß macht es. Die goldene Mitte zwischen dem, was man anwenden kann/könnte und dem Aufwand zu finden und sich gelegentlich bewusst nach oben/unten strecken sind die Lösung.

Wenn ich 20 Jahre immer wieder mal was über Rechtschreibung/Textaufbau/ Spannungsbogen/verschiedene Mal-/Zeichentricks dazugelernt habe, dann ist es deutlich wahrscheinlicher das mein Werk von anderen als nur Eltern, Freunden und Lebensgefährten gewürdigt werden.

Wenn ich 20 Jahre lang immer mal wieder geschaut habe, wie hat des was ich mir vorgestellt habe funktioniert, was für Möglichkeiten dies oder jenes anders zumachen gibt es und welche davon liegen mir oder wie kann ich dieses oder jenes Problem lösen, dann sind vielleicht auch die Ansprüche gestiegen, aber sind wir doch mal ehrlich, bei und mit mir würden dann wohl eher die Leute spielen, denen es mit mir Spaß macht, die Rollenspielpolizei kommt nur für Lehrgänge vorbei und ein eventueller Gasthörer kommt in meine Gruppe und nicht in die Gruppe von dem, der alles seit 20 JAhren gleich macht.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Eulenspiegel am 31.08.2011 | 09:22
Das belegst du selbst, indem du klarmachst, dass du ihm nach zwei Wochen die Regel NOCHMALS erklären müsstest. Hätte er sie gelernt, wäre das nicht notwendig.
Wäre er motiviert, müsste ich ihm die Regel nach 2 Wochen 0mal erklären.
Aber selbst, wenn er demotiviert ist, reicht es aus, ihm die Regel einmal pro Spielabend zu erklären.

Bei dem angesprochenen Problemspielern muss man ihm die Regel jedoch mehrmals pro Spielabend erklären.

Zitat
Hast Du sie ihm solange eingeprügelt, bis er sie gelernt hat, hat er die Regel ebenfalls aus einer Motivation heraus erhalten, nämlich, dass du endlich aufhörst, ihn zu nerven.
Nein. Ich sagte ja: Man erzählt ihm die Regel innerhalb der ersten Stunde 20mal. Egal, ob er die Regel dann weiß oder nicht.

Zitat
Mach das gegenteilige Experiment: Lehre jemandem eine Regel durch eine motivierende Spielsituation, dann verankert sie sich viel leichter.
Das habe ich nie bestritten.
Wenn jemand motiviert ist, dann reicht es aus, dass ich ihm die Regel "Attribute und Fertigkeiten den höheren Wert, Schaden summieren" einmal erkläre und dann weiß er sie. Und wenn er motiviert ist, kennt er die Regel auch nach 2 Wochen noch, ohne dass ich sie wiederholen müsste.

Wenn jemand unmotiviert ist, muss ich ihm die Regel beim ersten mal 20mal erklären. Und nach 2 Wochen muss ich die Regel zumindest einmal erwähnen.

Natürlich lernt eine motivierte Person die Regel leichter. Das wurde nie bestritten. ABER: Auch eine unmotivierte Person lernt die Regel. Es ist zwar schwerer, ihm die Regel beizubringen, aber letztendlich kann er sie.

Wenn jemand also die Regel nicht kann, deutet das auf fehlendes Talent hin. Denn fehlende Motivation erschwert zwar das Lernen, verhindert es aber nicht vollständig.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Terrorbeagle am 31.08.2011 | 10:02
Das Problem ist doch, dass die meisten Gruppen eher heterogen sind, und es daher sehr gut sein kann, dass man am gleichen Tisch unmotivierte, eher passive Stuhlwärmer sitzen hat, die primär da sind, um sich bespaßen zu lassen, und sehr aktive bis egozentrische Rollenspieler, die sich entweder den Arsch aufreißen oder die einfach das entsprechende Talent mitbringen, um zum Gruippengeschehen und Gruppenglück beizutragen.
Und daraus leiten sich eine ganze Reihe an Fragen ab: Woran orientiert man sich ? An den "langsamen" oder an den "aktiven" Spielern? Was macht mit notorischen Underachievern oder Overachievern? Wie motiviert man die etwaigen Casual Gamer dazu, zu richtigen Rollenspielern  werden zu wollen (ja, ich betrachte Casual Gamer als nicht viel mehr als den Larvenzustand des Rollenspielers - keine Spielform sondern das Fehlen einer solchen)? Welche Mindestmaßstäbe lege ich an bei Fragen der Regel- oder Hintergrundkenntnisse, des Spielverhaltens, der aktiven Teilnahme und des schauspielerischen Anteils? Und, wenn man das als Spielleiter bewerten muß (und sei es nur für die Vergabe von Erfahrungspunkten), welche Bewertungsmaßstäbe legt man dabei an? Und nicht zu letzt: Welche Vorgaben und Ziele gibt man sich selbst vor, welche Ansprüche legt man an sich selbst fest?
Ich persönlich würde sagen, dass je niedriger und kulanter man diese Maßstäbe setzt, desto schlechter wird das Rollenspiel an sich, auch wenn das Zusammentreffen zum Spielen natürlich durch das Ausweichen von Konflikten  durchaus entspannter und freundlicher ablaufen kann.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 31.08.2011 | 10:11
Wie motiviert man die etwaigen Casual Gamer dazu, zu richtigen Rollenspielern  werden zu wollen (ja, ich betrachte Casual Gamer als nicht viel mehr als den Larvenzustand des Rollenspielers - keine Spielform sondern das Fehlen einer solchen)?

Ich würde es, wie immer, nicht so drastisch formulieren wie Du, Lachender Mann, aber ich glaube auch, dass da draußen viele Runden mit "erzieherischen" oder zumindest wertenden Mitgliedern existieren.

Seit ich mich mit der RPG-Theorie beschäftige, ist mir bewusst geworden, dass es auch schon mal einiges an Engagement bedarf, um sich weiterzubilden.

Ich frage mich, wie das mit dem Mantra: "Erwarte nichts!" zusammengeht, dass hier immer wieder eingestreut wird.

Rollenspiel als Spaß ohne Aufwand. Maximale Leistung bei minimalem Engagement.

Ich glaube da nicht so recht dran.
Wenn mir ein Ratgeber sagt: "Stelle keine Erwartungen, lasse Dich überraschen!", dann bedingt auch das Engagement, nur eben nicht vom eSeL sondern von der gesamten Gruppe. Es muss einen gewissen...mh...flow geben, einen Strom, mit dem man mitschwimmen kann.

Sonst ist es "nur" ein Treffen mit Salzstangen, dass ich eigentlich auch gemütlich ohne Rollenspiel dazu haben kann  wtf?
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 31.08.2011 | 10:23
Das Problem ist doch, dass die meisten Gruppen eher heterogen sind (...)
Und daraus leiten sich eine ganze Reihe an Fragen ab: Woran orientiert man sich ?

Wie überall, wo verschiede Interessen aufeinander treffen, muss man Kompromisse in alle Richtungen schließen. Ich kenn das aus Musikvereinen, wo es welche gibt, die ein gutes Konzert auf die Beine stellen wollen und solche, denen es nur wichtig ist, in der Gruppe nachher einen zu saufen. Und wie gesagt, RPG ist kein Vereinsspiel, insofern können nicht mal die Engagierten argumentieren, ihre Wünsche seien wichtiger.

Zitat
Ich persönlich würde sagen, dass je niedriger und kulanter man diese Maßstäbe setzt, desto schlechter wird das Rollenspiel an sich

Wie bereits oft von vielen betont, bringt die Wertung "gutes" bzw. "schlechtes" Rollenspiel einen Leistungsgedanken mit sich, der hier unpassend ist. Denn wer bewertet die Qualität des Spielabends? Nur die beteiligten Spieler. Der einzige Maßstab ist dabei der Spaß, alles andere ist irrelevant. Hat aber jemand mehr Spaß am gemeinsamen Zusammensein und Rumblödeln, wird er eine lockere Spielrunde als "besser" bewerten.

@Just_Flo:
Es ist wie beim malen oder Zeichnen oder schreiben.

Mit dem Unterschied, dass auch dabei das "Produkt" zählt, beim Rollenspiel nur der kreative Prozess und der daraus resultierende Spaß. Es entsteht schlicht kein künstlerisches Produkt, das für andere als der am Spiel Beteiligten und über die Spielerunde oder Kampagne hinaus Bedeutung hätte.

Ich frage mich, wie das mit dem Mantra: "Erwarte nichts!" zusammengeht, dass hier immer wieder eingestreut wird.

"Erwarte nichts!" ist nicht dasselbe wie "Streng dich nicht an."
Leistung ist etwas anderes als Leistungserwartung oder Leistungsdruck.

Zitat
Rollenspiel als Spaß ohne Aufwand. Maximale Leistung bei minimalem Engagement.

Nein: Rollenspiel ohne Zwang zum Aufwand. Maximale Leistung bei minimalem Druck.

Zitat
Sonst ist es "nur" ein Treffen mit Salzstangen, dass ich eigentlich auch gemütlich ohne Rollenspiel dazu haben kann  wtf?

Jetzt mal ehrlich: Was ist es denn sonst? Außer, dass wir während des gemütlichen Salzstangentreffens was Interessanteres machen als über das Wetter zu reden.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Megan am 31.08.2011 | 10:24
Also ich für meinen Teil habe absolut kein Gedächtnis für Regeln. Ich habe jetzt mit Ach und Krach die Grundregeln von FATE verinnerlicht. Selbst wie Pool funktioniert muss ich jedes mal aufs Neue lernen. Wir haben mal Earthdawn gespielt - 5 Jahre und ich konnte die Regeln am Ende immer noch nicht - hab mir allerdings einen Spickzettel mit den häufigsten Situationen erstellt. Trotzdem würde ich mich nicht als unengagiert bezeichnen. Ich kompensiere mein Regeldefizit dann eben durch Einsatz bei Charakter und Story.  :D

Trotzdem wäre ich wahrscheinlich bei so einigen SLs hier im :T: schon längst rausgeflogen, weil mit schöner Regelmäßigkeit genau dieses Defizit an Spielern massiv kritisiert wird - besonders bei denen, die sich gerne auf die guten alten Zeiten berufen. Tendentiell wohl auch bei Leuten, die Leistung im Rollenspiel scheiße finden, diese aber auf Techniken und Vorbereitung der Story beziehen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 31.08.2011 | 10:29
Ich stimme Megan zu.
Vor allem Leuten, denen es sehr leicht fällt, Regeln zu lernen und zu verinnerlichen, haben oft kein Gespür dafür, wie schwer das unter Umständen anderen, dennoch intelligenten und motivierten Menschen fällt. Wenn man RPG nur mit fundierter Regelkenntnis spielen könnte, würden alle regellosen Rollenspiele ohne festes Regelwerk nicht funktionieren.

@Herta:
Ich glaube übrigens, wir argumentieren hier von völlig verschiedenen Blickwinkeln aus. Du aus dem Extrem des völlig unmotivierten Rollenspiels, wo sich keiner anstrengt, ich aus dem Extrem des zu viel auf Leistung und "gutem" Rollenspiel ausgerichteten Leistungsdenken, das zu eben der Unlust führt, die der OP angesprochen hat.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 31.08.2011 | 10:32
Ich erkenne, das regelmäßige Rollenspieltermine für mich einen höheren Stellenwert haben, als sich auf ein Bierchen und eine Runde Pokern zu treffen. Das ist wichtig zu wissen und wahrscheinlich Auslöser für viel empfundenen Frust und viele unverständliche Blicke bei meinen Mitspielern.

Ich werde diesbezüglich mal die Gruppe abklopfen, inwieweit die anderen eigentlich Leistung oder Zeitvertreib (nicht wertend) wollen.

Und zum Verein: Du, Falke, kannst nicht jeder Runde vorhalten, sie sei nicht wie ein Verein. Es gibt sicher Gruppen, die unter sich so etwas wie einen Verein aufgebaut haben, gerade was Anwesenheits- und Mitwirkungspflicht angeht.

Es gibt also Gruppen, bei denen sich die Mitglieder auf mehr geeinigt haben, als "gelegentliche Treffs ohne Verpflichtungen"  ~;D
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 31.08.2011 | 10:39
Und zum Verein: Du, Falke, kannst nicht jeder Runde vorhalten, sie sei nicht wie ein Verein.

Ich schrieb "meines Wissens", lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.

Zitat
Es gibt sicher Gruppen, die unter sich so etwas wie einen Verein aufgebaut haben, gerade was Anwesenheits- und Mitwirkungspflicht angeht.

Ich hinterfrage aber kritisch, ob das den Spielspaß fördert, Stichwort "mussturbieren".
Eigentlich sollte sich das doch gruppenintern lösen lassen: Wer nicht kommt, wird halt auf Dauer nicht mehr eingeplant oder eingeladen, wer nicht mitmacht, ebenso. Muss ich das wie ne Vereinssatzung festschreiben? Ist meiner Ansicht nach doch albern.
In Gruppen, die das so handhaben, war das Klima meiner Erfahrung nach immer weitaus frostiger als in anderen, und ich bin ein sehr gewissenhafter Spieler, was Regelkenntnis, Beteiligung und Anwesenheit betrifft.

Ein Verein macht doch nur Sinn, wenn er etwas erreichen will, das eine gewisse Außenwirkung erzielen soll (Wettkampf mit anderen Vereinen z.B.).
Ein Rollenspielverein zur Bekanntmachung des Hobbys nach außen, zur Bereitstellung von Spielmaterial für andere Menschen, das Sich-Präsentieren und Mitgliederwerben auf Messen, Mittelaltermärkten usw. macht dann durchaus Sinn, aber da sind andere Ziele als das reine Spiel im Vordergrund.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 31.08.2011 | 10:43
Eigentlich sollte sich das doch gruppenintern lösen lassen: Wer nicht kommt, wird halt auf Dauer nicht mehr eingeplant oder eingeladen, wer nicht mitmacht, ebenso. Muss ich das wie ne Vereinssatzung festschreiben? Ist meiner Ansicht nach doch albern.

Nein, nein keine Satzung, aber schon ein Gruppenvertrag halt. In dem sich jeder dazu bekennt, wie wichtig ihm dieser Zeitvertreib ist, und wie er mit Absagen verfährt etc. Es gibt manchmal einfach Verhaltensweisen, die andere Spielstile stören. Z.B. wenn der eSeL einen Storyansatz für einen Charakter als Schmankerl einbaut und dieser Charakter nach der Hälfte der Zeit einfach nicht mehr auftaucht, weil der Spieler seine Prioritäten anders setzt. Das ist kein Beinbruch, aber es knirscht dann immer mal im Getriebe, wenn die anderen auf Konsistenz der Erzählung/der Spielwelt Wert legen.

Da müssen also die Karten auf den Tisch. Evtl. stößt man ja auch als Casual Gamer in eine Gruppe, die das ganze extensiv und mit großem Eifer betreibt und fühlt sich zu irgendwas verpflichtet, was man gar nicht leisten kann.

Ich wollte nie sagen, dass man tatsächlich einen Verein gründet, wohl aber eine soziale Gruppe, die eben gewisse Spielregeln (am besten ausdrücklich) festhalten sollte.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Oberkampf am 31.08.2011 | 10:48
Wenn man RPG nur mit fundierter Regelkenntnis spielen könnte, würden alle regellosen Rollenspiele nicht funktionieren.

Ich persönlich glaube nicht an regellose Rollenspiele. Spiele brauchen Regeln, das ist genauso ein Kernbestandtei wie die intrinsische Motivation. Regelleichte Rollenspiele, kein Problem. Würfellose Rollenspiele - mit Schmerzen, aber ok. Aber schon die Absprache, wer die Entscheidungskompetenz über den Ausgang einer Situation hat (SL? Gruppe? Würfel?) ist eine Regel. Und ohne die geht es nicht.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 31.08.2011 | 10:50
@Herta:

Kein Widerspruch hier, ich bedaure es nur, wenn eine Gruppe grundsätzliche zwischenmenschliche und rollenspielerische Gruppenregeln (Pünktlichkeit und Interesse) quasi vertraglich regeln muss und diese nicht von selbst klar sind. Aber da scheinen wir sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht zu haben.
Vielleicht habe ich mich von entsprechenden Spielern aber auch nur immer zu schnell verabschiedet bzw. spiele mit Leuten, wo das kein Problem ist.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 31.08.2011 | 10:55
Ich persönlich glaube nicht an regellose Rollenspiele.

Schau dir kleine Kinder an, die "Räuber und Polizist" o.ä. spielen. Wenn du denen sagst, sie müssen das anders spielen, geht der Spaß verloren. Natürlich entwickeln auch diese Regeln, aber die entwickeln sich im Spiel (durch Absprachen) und können sich nach Belieben und spontan ändern.
Auch wenn ich kein Fan völlig regelloser Rollenspiele bin, weiß ich, dass auch die funktionieren können.  

Zudem ist Regelhaftig- und Regellosigkeit von RPG hier ja nicht das Thema. Der Punkt war, dass auch Menschen, die ungern oder schwer Regeln lernen, viel Spaß und Motivation am Rollenspiel haben und entwickeln können.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Vash the stampede am 31.08.2011 | 11:03
Es gibt keine regellose (Rollen-)Spiele. Nur welche, bei denen die Regeln nirgendwo aufgeschrieben wurden. Siehe Falkes Kinderbeispiel. ;)
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Terrorbeagle am 31.08.2011 | 11:05
Wie bereits oft von vielen betont, bringt die Wertung "gutes" bzw. "schlechtes" Rollenspiel einen Leistungsgedanken mit sich, der hier unpassend ist. Denn wer bewertet die Qualität des Spielabends? Nur die beteiligten Spieler. Der einzige Maßstab ist dabei der Spaß, alles andere ist irrelevant. Hat aber jemand mehr Spaß am gemeinsamen Zusammensein und Rumblödeln, wird er eine lockere Spielrunde als "besser" bewerten.

Nein. Spaß ist kein Kriterium, weil Spaß nun mal vollends subjektiv ist. Damit ist das ganze so beliebig und letztendlich auch austauschbar, dass es als Maßstab Und ich persönlich finde die Gleichmacherei, die sich aus der vehementen Verneinung von qualitativen Unterschieden ergibt, wesentlich uangebrachter, da durch die durchaus bestehenden qualitativen Unterschiede verwischt werden und die besseren, engagierteren und leidenschaftlicheren Rollenspieler auf das gleiche Niveau der Mittelmäßigkeit herabgesogen werden, nur um gekränkten Eitelkeiten aus dem Weg zu gehen. Wobei zugegebenermaßen gekränkte Eitelkeiten auf beiden Seiten eine Rolle spielen.
Das echte Problem an dieser ewigen Gleichmacherei ist ja nicht, dass man mal jemandem auf die Füße tritt - das ist zwar in aller Regel für alle Beteiligten eher unangenehm, aber manchmal eben unvermeidbar - sondern, dass dieser Unsinn auch jedes Streben nach (Selbst-)Verbesserung ad absurdum führt, weil es ja eh keinen Unterschied macht. Und da fängt diese Gleichgültigkeit und der Ausdruck der (Selbst-)Zufriedenheit an, nicht mehr bloß grober Unfug zu sein, sondern zu einer aktiv schädlichen und hinderlichen Einstellung zu werden.

Es schadet nun wirklich neimandem, auch zu versuchen, dazuzulernen und eben nicht bloß (selbst-)zufrieden bei dem zu beharren, was man eh kann, sondern danach zu streben, über den eigenen Horrizont hinauszugehen und den eigenen Kenntnisstand und das eigene Fähigkeitenreservoir ständig zu erweitern.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 31.08.2011 | 11:12
Nein. Spaß ist kein Kriterium, weil Spaß nun mal vollends subjektiv ist.

ja eben! Deshalb gibt es kein objektives Kriterium für "gutes" Rollenspiel, that´s the point.

Zitat
Es schadet nun wirklich neimandem, auch zu versuchen, dazuzulernen und eben nicht bloß (selbst-)zufrieden bei dem zu beharren, was man eh kann, sondern danach zu streben, über den eigenen Horrizont hinauszugehen und den eigenen Kenntnisstand und das eigene Fähigkeitenreservoir ständig zu erweitern.

Wer sagt denn, dass man im Spiel nichts dazu lernt? Aber das sind im Rollenspiel doch nur Nebeneffekte. Ich kenne niemanden, der Rollenspiel betreibt, um Fähigkeiten über´s Rollenspiel hinaus zu erwerben. Wenn, fände ich das ziemlich albern, auch wenn manche versuchen, dadurch die scheinbare Bedeutsamkeit ihres Hobbys zu erhöhen ("ich lerne dabei ja so viel und entwickle mich weiter").
Ich frage kritisch (und vielleicht ketzerisch): Was lernt man denn für besondere Fähigkeiten, die über´s Rollenspiel hinaus Bestand haben?
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 31.08.2011 | 11:18
Lachender Mann hat schon immer postuliert, dass man sich gefälligst anzustrengen habe und sich nicht einfach hinter einer Wand der Bequemlichkeit verstecken solle. Das führe im Schnitt eben auch zu einer geringeren Gesellschaftsleistung. Oder, auf RPG bezogen, wenn nie jemand an neuen Methoden gearbeitet hätte, hätten wir heute vielleicht nicht so viele schöne Systeme mit innovativen Ideen.

Das "Laissez faire" im Rollenspiel als Fassade für schlichte Bequemlichkeit, Konsumverhalten und Verdummung.

So zumindest habe ich ihn verstanden.
Und es sehr vergröbert und plakativ gemacht.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Terrorbeagle am 31.08.2011 | 11:24
ja eben! Deshalb gibt es kein objektives Kriterium für "gutes" Rollenspiel, that´s the point.

Natürlich gibt's die. Sogar zu hauf: Regelkenntnis und Regelaneignung, Kenntnis des Hintergrunds, Darstellung und Ausarbeitung der eigenen Figur, Schauspiel und der Ausdruck von Emotionen, die Hohe Kunst des Intime Bleibens, Das Hineinversetzen in eine andere Mentalität oder Moralischer Weltanschauung jenseits der eigenen, die Fähigkeit, sich selbst oder andere in Szene zu setzen, plotförderliche Aktionen einbauen, Sprachkompetenz und Sprachwitz... Und dazu kommen dann noch sekundäre Geschichten wie Pünktlichkeit, seinen Kram dabei haben, Zuverlässigkeit... Und für Spielleiter gibt es noch einen eigenen Satz zusätzlicher Bewertungsmaßstäbe wie Dramaturgie, Spannungsaufbau, Timing, Einbindung von Charakteren, Darstellung der Spielwelt, Plotentwicklung...

Die Wichtung der einzelnen Aspekte ist variabel, klar. Aber zu behaupten, dass es sie nicht gäbe, ist wie gesagt grober Unsinn.

Ich frage kritisch (und vielleicht ketzerisch): Was lernt man denn für besondere Fähigkeiten, die über´s Rollenspiel hinaus Bestand haben?

Warum sollen die Fähigkeiten denn überhaupt irgendeine Funktion jenseits des Rollenspiels haben? Das ist für die Frage der Qualität des jeweiligen Spiels, der jeweiligen SPielrunde oder des jeweiligen Mitspielers doch völlig irrelevant.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: gunware am 31.08.2011 | 11:24
Ich frage kritisch (und vielleicht ketzerisch): Was lernt man denn für besondere Fähigkeiten, die über´s Rollenspiel hinaus Bestand haben?
Autofahren, Fremdsprachen, Statistik, Sprechen, Zuhören, Gedächtnistraining - und was man auf gar keinen Fall vergessen darf: Forenbeiträge verfassen!
 ~;D
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Oberkampf am 31.08.2011 | 11:30
Das Problem ist meiner Meinung nach, dass jemand, der sich beim Rollenspiel den Minimalen Grundanforderungen der Spielgruppe verweigert, allen anderen Beteiligten das Spiel verdirbt. Mal das einfachste Beispiel (weil ich das selbst erlebt habe): jemand, der die Basismechanismen der Regeln nicht versteht, die Möglichkeiten des eigenen Charakter nichtmal ansatzweise kennt und sich dann nicht mit Spickzetteln o. ä. behilft, der würgt den anderen Spielern den Spaß ab, genau wie jemand, der überhaupt kein Interesse an der Spielwelt hat, sondern lieber Kaffeklatsch mit Würfeln betreiben will und ständig Real World Stories dazwischenplärrt.

Über dieses Minimum hinaus würde ich sagen, dass es jedem Spieler (und den SL sehe ich da auch als einen Spieler) selbst überlassen ist, wie sehr er sich engagieren will, und auf welchen Feldern er sich anstrengt. Ich werde niemals NSCs malen (geschweige denn meine SCs), und ich würde keinen "Leistungsrollenspieler" Ernst nehmen, der das von mir verlangt. Ich bewundere allerdings die Bilder, die ein künstlerisch begabter Kumpel von mir für seine SCs immer malt.

OT:

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 31.08.2011 | 11:34
Natürlich gibt's die. Sogar zu hauf: Regelkenntnis und Regelaneignung,
Regelf***cker behindern oft den Spielspaß anderer, auch wenn sie selbst Spaß haben.
-> subjektives Kriterium
Zitat
Kenntnis des Hintergrunds
jeder bildet sich eine eigene Vorstellung der erdachten Welt, das zeigt sich oft an Missverständnissen ("ich hab mir den König aber ganz anders vorgestellt")
-> subjektiv

Zitat
Darstellung und Ausarbeitung der eigenen Figur, Schauspiel und der Ausdruck von Emotionen
, die Hohe Kunst des Intime Bleibens, Das Hineinversetzen in eine andere Mentalität oder Moralischer Weltanschauung jenseits der eigenen, die Fähigkeit, sich selbst oder andere in Szene zu setzen, plotförderliche Aktionen einbauen, Sprachkompetenz und Sprachwitz...
das sind alles subjektiv empfundene und nicht objektiv mess- und wertbare Größen. Was für den einen gutes Schauspiel ist, bleibt für den anderen Schmarrn. Wenn ein Spieler es toll findet, ingame zu bleiben, bevorzugt ein anderer eine abstraktere Herangehensweise. Wie willst du das messen?

Zitat
Und dazu kommen dann noch sekundäre Geschichten wie Pünktlichkeit, seinen Kram dabei haben, Zuverlässigkeit... Und für Spielleiter gibt es noch einen eigenen Satz zusätzlicher Bewertungsmaßstäbe wie Dramaturgie, Spannungsaufbau, Timing, Einbindung von Charakteren, Darstellung der Spielwelt, Plotentwicklung...
Diese tragen nur dann zur Qualität des Spielerlebnisses bei, wenn sie für jemanden subjektiv wichtig sind.

Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 31.08.2011 | 11:40
Das sehe ich anders. Erstmal ist da die Frage, inwieweit kleine Kinder überhaupt miteinander spielen - nicht selten spielen die ja jeder für sich, oder die "regellosen" Spiele haben nur eine kurze Dauer.

Da werden dir meine Söhne (3 und 5) aber was ganz anderes erzählen. Glaub mir.

Zitat
Drittens empfinde ich es auch als nicht förderlich, die Wurzeln des Role Playing GAMES allein im kindlichen Rollenspiel (wobei man das Wort dann eher im sozialpsychologischen oder soziologischen Kontext verwendet) zu verorten und daraus Rückschlüsse auf die RPGs zu ziehen.

Ich behaupte, wir spielen, um Spaß zu haben und dass "Spiel" an sich als zweckfrei definiert ist. Das Beispiel kindlichen Spiels soll zeigen, dass dafür kein "müssen", keine dauerhaften "Regelkonventionen" und kein "Sich-anstrengen-müssen" notwendig sind.

Das von dir, youth, oben genannte Beispiel geht doch wieder auf die Ebene der grundlegendsten Konventionen, um die es dem OP und mir doch gar nicht ging. Wir bewegen uns am oberen Ende des Spektrums, wo man immer mehr Leistungsdenken in´s Spiel pumpt und merkt, dass dadurch der Spaß nicht zunimmt, sondern stark abnimmt.

Vielleicht können wir uns darauf einigen, dass es hier NICHT um grundlegende Dinge wie Pünktlichkeit und ein Mindestmaß an Beteiligung und Regelkenntnis geht.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 31.08.2011 | 11:48
Die Frage nach gutem Rollenspiel ist immer subjektiv und daher sind die Kriterien auch subjektiv, ist doch klar.

Aber daraus kann man nicht ableiten, dass man keine subjektiven Kriterien erfüllen wollen sollte. Der Verzicht auf Verbesserung in jeglichem Bereich, nur weil man den Weg zum guten Rollenspiel als völlig subjektiv (im Sinne von: egal) sieht, ist doch das, was Lachender Mann meint: Ein Kapitulieren vor der Schwierigkeit.

Das heißt aber auch, dass jeder zunächst subjektiv für sich und seine Spielrunde entdecken muss, welche Kriterien des guten Rollenspiels für sie bedeutsam sind. Das alles ist bereits Mühe und "sich auseinander setzen" mit dem Thema, das ist bereits das Minimum an Arbeit.

Alles andere, nämlich das unbefangene: Wir treffen uns mal und schauen dann mal weiter droht in enttäuschten Erwartungen oder Missverständnissen über das, was wirklich wichtig ist, zu ersticken.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht so arg viele Rollenspieler wirklich wissen oder sich Gedanken machen, welchem Spielertyp er entspricht, und was für ihn Spaß ausmacht.
Das bleibt doch meist ein diffuser Eindruck, der nicht konkretisiert werden kann, denn dafür muss man sich Gedanken machen, auch abseits vom Treffen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Terrorbeagle am 31.08.2011 | 11:53
Regelf***cker behindern oft den Spielspaß anderer, auch wenn sie selbst Spaß haben.
-> subjektives Kriterium
Noch mehr Unsinn. Die Kenntnis der expliziten und impliziten Regeln des Spiels sind eine Grundvorraussetzung, um aktiv am Spiel teil zu haben: Wer nicht weiß was er machen kann oder soll - und genau das wird durch die Regeln nun mal mit einem Rahmen versehen - kann auch nur bedingt zum Spiel beitragen. Zudem sind Regelanalphabeten, die sich die Regeln eben nicht aneignen können oder wollen, sicherlich nicht weniger nervig.
Worüber man in deiser Hinsicht aller höchstens diskutieren kann, ist ob Regelemanzipation ein Teil der Regelkompetenz darstellt. Das wäre jedoch ein weiteres Kriterium, dass man wiederrum variabel gewichten kann.
Wie bereits erwähnt, die jeweilige Gewichtung der einzelnen Aspekte variiert, aber das heißt nicht, dass die Kriterien nicht existieren.

jeder bildet sich eine eigene Vorstellung der erdachten Welt, das zeigt sich oft an Missverständnissen ("ich hab mir den König aber ganz anders vorgestellt")
-> subjektiv

Und nichtsdestotrotz ist eine Kenntnis des Hintergrunds in aller Regel eine weitere Vorraussetzung um konstruktiv am Spiel teilzuhaben, was insbesondere bei Runden, die ein festgelegtes Setting als Grundlage annehmen und verwenden, eine relevante Größe darstellt. Oder, anders ausgedruckt: Das Fehlen von relevanten Informationen, die vom Setting vorgegeben und von der Runde als bekannt vorausgesetzt werden, ist ein eindeutiges Manko.
Was wiederrum zu dem exakt gleichen Schluß wie oben führt: Die Wichtung mag sich von Gruppe zu Gruppe oder von Mitspieler zu Mitspieler unterscheiden, aber daraus abzuleiten, dass das Kriterium selbst inexistent ist, ist bizarr.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Oberkampf am 31.08.2011 | 11:55

Das von dir, youth, oben genannte Beispiel geht doch wieder auf die Ebene der grundlegendsten Konventionen, um die es dem OP und mir doch gar nicht ging. Wir bewegen uns am oberen Ende des Spektrums, wo man immer mehr Leistungsdenken in´s Spiel pumpt und merkt, dass dadurch der Spaß nicht zunimmt, sondern stark abnimmt.

Was den Druck am oberen Ende angeht, bin ich mit dir ja völlig d`accord.  ;)
Da hatte ich beim Schreiben eher den Lachenden Mann im Blick (beziehungsweise einige Argumente der Pro-Leistungsrollenspiel-Fraktion).
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Falke359 am 31.08.2011 | 19:21
Ich glaube, diese Teildiskussion wird aus folgenden Gründen langsam sinnlos:

1) Wir haben eigentlich gar keinen Widerspruch. Nervige Überzeugungs-Rollenspiel-
    Analphabeten kennt jeder ebenso wie nervige Power-Gutes-Rollenspiel-Enhancer.
    (Wer eine der Gruppen nicht nervig findet, gehört dann wohl dazu).

2) Wir reden letztlich von unterschiedlichen Personenkreisen (siehe oben) an
    entgegengesetzten Enden des Spektrums. Daher der scheinbare Widerspruch.

Fazit: Wenn ich keine gegensätzlichen Meinungen feststelle und wir über unterschiedliche
         Dinge reden, lohnt sich die Fortführung einer Diskussion für mich nicht, außer,
         jemand bringt einen neuen Aspekt ein. Dennoch Danke für die ausführliche und
         fruchtbare Auseinandersetzung mit meinen Thesen.
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Terrorbeagle am 1.09.2011 | 11:31
Ja du hast recht, es würde nur daruaf hinauslaufen, dass die mehr oder weniger gliechen Argumente in anderer Formulierung ausgetauscht werden.

Und, was ich vielleicht nachtragen sollte: Nur weil jemand ein "guter Rollenspieler" ist, heißt es nicht, dass er auch gut fürs Rollenspiel sein muß. Ich persönlich spiele lieber mit einem sympathischen Casual Gamer und persönlich netten Menschen als mit einem Elite-Rollenspiel mit starken Arschlochtendenzen. 
Titel: Re: Leistung? Wozu?
Beitrag von: Ludovico am 5.09.2011 | 11:27
Dann will ich mich auch noch mal abschließend zu Wort melden:

Ich hab für mich festgestellt, dass ich aus dem Rollenspiel den Leistungsgedanken grundsätzlich raushalten will, denn dieser macht mich etwas kirre. Warum soll ich mich stressen und mir den Kopf zerbrechen, wie ich welche Techniken einzusetzen habe, um den Spielspaß zu maximieren. Früher hatte ich mir sogar über Kennzahlen Gedanken gemacht, um Runden auszuwerten. Kompletter Nonsens, wie ich heute finde.

Was Techniken angeht, so hab ich hier und da Sachen aufgeschnappt, die ich interessant und schön finde und die ich auch gerne weiterhin einsetzen werde. Von daher war die Zeit, in der ich mir zuviel Gedanken gemacht habe, gar nicht mal zwecklos, sondern sogar hilfreich. Hilfreich auch in dem Sinne, dass ich halt nur so zu den Erkenntnissen kommen konnte, die ich heute vertrete:
Es ist alles nur ein Spiel, nicht mehr und nicht weniger. Die Sympathie zwischen den Spielern ist so ziemlich das wichtigste, um eine gute Zeit zu haben und darum geht es doch, oder? Es geht nicht darum, den Drachen zu erschlagen, sondern ein paar kurzweilige Stunden in netter Runde zu haben und dabei abzutauchen in ein schönes Abenteuer.
Alles andere ist nur nettes Beiwerk.

Zu Techniken: Techniken sollen einem das Leiten doch leichter machen, für bessere Übersicht sorgen und den Spielspaß erhöhen. Von daher find ich das schon mal super. Aber wenn sich der Leistungsgedanke einschleicht mit der Frage "Wie werde ich noch besser?" und sich unter Druck setzt, dann hab ich daran keinen Spaß. Lieber unverkrampft und ungestresst spielen.

Und Jörgs Meinung zu meiner Leistung als SL angeht: Es ist egal. Ich und die Spieler haben Spaß. Was will ich mehr? Manche Spieler passen aber einfach nicht zusammen, auch wenn sie früher super duper harmoniert haben, einfach weil man sich weiter entwickelt und manchmal entwickelt man sich auseinander.

Ich hab mich in eine Richtung entwickelt, in der ich sagen kann, dass es für mich keine schlechten SLs und keine schlechten Spieler mehr gibt, sondern nur noch Runden, in denen ich Spaß habe und welche, in denen ich keinen Spaß habe.