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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Spielleiterthemen => Werkstatt => Thema gestartet von: Grey am 1.09.2011 | 10:12

Titel: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 1.09.2011 | 10:12
Hallo zusammen,

beim Entwurf meines Hard SF-Settings stolpere ich in letzter Zeit immer wieder über dieselben Probleme: wofür braucht es eigentlich noch Menschen?

Schon heute können ja Maschinen alles mögliche alleine erledigen. Und klassischerweise (wenn wir nicht gerade von Postapokalypse reden) befaßt sich die SF ja mit Entwicklungen, bei denen die Technik eher noch toller wird: die Maschinen noch stärker und noch exakter, die Computer noch "intelligenter"... und noch eigenständiger.

Schön, kann man da sagen, ist doch klasse, dann befreien uns die Maschinen von der Hartwurst des Alltags, und die Helden können sich aufs Abenteuer konzentrieren. Das Blöde ist nur: in der Praxis läuft es ja viel eher darauf hinaus, daß die Maschinen gerade die Aufgaben erledigen, die "für einen Menschen zu gefährlich"TM sind. Um ein paar Beispiele zu nennen:


... und so weiter. Wohin ich auch gucke, ich finde in der Zukunft einfach keine Action- und Abenteuerszenarien mehr, für die Menschen überhaupt gebraucht werden. Und gerade mein Lieblingskind, die Raumfahrt, wird zum langweiligsten Automatengedöhns überhaupt. "Um zum Saturn zu fliegen, bitte auf diesen Knopf drücken. - Danke. Wählen Sie nun die Musik, die Sie bis zur Ankunft hören wollen..."

Ich könnte natürlich den Frank-Herbert-Ansatz wählen und sagen, daß die Menschheit ganz bewußt (aus welchen gesellschaftlich/ethisch/religiösen Gründen auch immer) Computer tabuisiert hat. Im Zweifelsfall wird es wohl auch bei mir darauf hinauslaufen. Trotzdem wäre es mir lieber, ich könnte die Symbiose aus dem Menschen und seinen Schöpfungen irgendwie retten - und zwar am liebsten so, daß dabei ein Platz für Raumpiloten herauskommt, die mit feinfühligen Griffen an der Schalttafel die Umlaufbahn wechseln, das Schiff andocken usw. usf.

Hat jemand Ideen?


EDIT: In der Diskussion klarer herausgearbeitete Version der Fragestellung: siehe hier (http://tanelorn.net/index.php/topic,69756.msg1403788.html#msg1403788).
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: ErikErikson am 1.09.2011 | 10:21
Mach aus den Menschen doch bionisch-genetisch-cyborgmäßig hochgerüstete Superwesen, die noch dazu kostengünstiger sind als Maschinen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Pyromancer am 1.09.2011 | 10:22
Es gibt für jede Aufgabe eine Maschine, die darin besser ist als der Mensch. Blöd nur, wenn diese Maschine 25 Lichtjahre entfernt ist, die Aufgabe aber jetzt erledigt werden muss.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: McCoy am 1.09.2011 | 10:24
Paranoia - ein Feind ist in der Lage Computer und Automaten zu hacken, deine Fraktion weiß nicht wie und ist deshalb darauf angewiesen das Schiff mitteln neuronaler Verbindung zum Gehirn einer lebenden Person zu steuern.

kosmische Begebenheiten - seit der Explosion des Nachbarsterns (Sternenhaufens) wird der Sektor mit Strahlung/Partikeln/Gravitationswellen überschüttet, welche bei Automaten und künstlichen Intelligenzen die seit Jahrhunderten die Steuerung der Schiffe übernahmen zu Ausfällen führen und katastrophale Auswirkungen nach sich zog. Notgedrungen wurden von x-Jahren erstmals wieder menschliche Piloten eingeführt.

Arroganz/Religiöse Dogmen - Menschen sind die Krone der Schöpfung! Niemals wird eine Maschine in der Lage sein die Leistungen eines Menschen zu erreichen. Wer anderes behauptet wird brennen im Feuer seiner Sünde.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Teylen am 1.09.2011 | 10:34
Nur weil man fast alles automatisieren kann heisst es doch nicht das der Mensch von Problemen befreit waere?
Also sowas wie sich gegenseitig zu erschiessen, einander Ressourcen abzugraben oder nach besten koennen gegeneinander zu intrigieren?
So ein Szenario wie bsp. Games of Thrones wuerde doch nicht viel anders werden, nur weil man die bis zum Anschlag Technologisch hochruestet?
Zumal man die Technik auch erstmal haben muss,..

Ansonsten, gab es nicht bei Earth 2 den Ansatz das sich Menschen einfrieren lassen und nur auftauen wenn es was bemerkenswertes gibt?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 1.09.2011 | 10:59
Es geht ja nicht darum, dass es keine Stories mehr geben könnte, sondern um Action- und Abenteuerszenen.

Das Problem ist, dass man in so einem Setting bei logischer Automatisierung (also sprich, man lässt einen Computer alles das machen, was ein Computer eben besser, schneller und präziser kann als der Mensch) auf eine Menge bekannter und erwünschter Tropen verzichten muss. Zum Beispiel eben Raumpiloten. Interplanetarer Flug? Selbst ein Laie kann heute mit einem 400 Kilobyte-Programm und ein paar Stunden Einarbeitungszeit die notwendigen Berechnungen durchführen, mit einem stinknormalen Heimcomputer. Effizienter Aufstieg in die Atmosphäre? Autopilot. Sicherer Wiedereintritt bei minimaler thermischer Belastung? Autopilot.
Wie gesagt, das ist schon mit heutiger Billigtechnologie alles trivial; wie soll das dann erst in 2-300 Jahren aussehen? Da werden die Programme höchsten so perfektioniert sein, dass man sich sogar die Einarbeitungszeit sparen kann und einfach nur noch sagen muss "Computer, Kurs auf Saturn, schnellstens".

Da hatten es wirklich die Autoren der Golden-Age SF leichter. Damals war die Miniaturisierung noch nicht abzusehen, und Computer waren, wenn überhaupt vorhanden, zu groß und zu langsam, um eine nennenswerte Rolle zu spielen. Bei Heinlein mussten die Nachwuchsraumfahrer noch 40 Stunden Mathe pro Woche pauken und hatten als Hilfsmittel nur Rechenschieber und Logarithmentabelle.

Wenn man nicht wirklich abgedrehte Devices auspacken will, sowas wie computerchipfressende Raumbazillen, ist es wirklich schwierig, seinen raumfahrenden Protagonisten noch irgendwas zu tun zu geben.

Den Gedanken mit der erhöhten Strahlung hatte ich auch schon, aber das Problem ist: wenn die Strahlung so hart sein soll, dass man Computer nicht dagegen abschirmen kann, kann man Menschen erst recht nicht davor schützen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: ChaosAmSpieltisch am 1.09.2011 | 11:13
Befaßt sich SCI-FI wirklich mit weiterentwickelter Technologie? Oder ist weiterentwickelte Technologie nur ein Mittel, um die Aussage oder das Experiment der entsprechenden SCI-FI-Geschichte zum Ausdruck zu bringen? Utopie, Dystopie, usw.

Ich denke, dass ist der Ansatz, mit dem wir anfangen sollten. Ist es nämlich zweiteres, kann ich alles mir nicht in den Kram passt weglassen. Den es stört ja den eigentlichen Ansatz.

Problematisch wirds, wenn jemand eine Erklärung haben will, warum. Kann man ausblenden, wenn man das vorher offen mit den Spielern bespricht, und man sich einig ist, dass es stört. Dann fragt auch keiner mehr und fertig.

Alternativ kann man Erklärungen bringen, wobei die dann oft schwierig logisch zu halten sind. Ich bevorzuge daher eher den ersten Ansatz.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 1.09.2011 | 11:13
Bei BS Galactica wird wegen der drohenden Eingriffe seitens der Cylons j az.B. das Computernetzwerk abgeschaltet. SOwas wäre dann auch denkbar.

Ein anderer Faktor, der da ganz gerne ausgepackt wird, ist die menschliche Intuition. Keine KI kann diese ersetzen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: McCoy am 1.09.2011 | 11:18
Ein anderer Punkt den man anwenden könnte wäre, das ein Computer der so komplex ist das er ohne weiteres alle menschlichen Dinge um ein vielfaches erledigen könnte, automatisch die Grenze zum Bewußtsein überschreitet.

Um das zu verhindern werden Computer einfach auf einem bestimmten Level gehalten um der Gefahr durch eine KI Bildung zu verhindern. Ggf. ist so was in der Vergangenheit schon mal passiert und führte zu einem Gesetzt, welches zu komplexe Automaten verhindert.

Es ist also prinzipiell möglich, aber die Kacke wäre schnell am dampfen wenn man es tut.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 1.09.2011 | 11:23
Lass die Spieler doch KIs sein. Wir hatten mal eine Transhuman Space Kampagne, wo zwei der Spieler eine KI gespielt haben und es hat wunderbar geklappt.
Theoretisch könnte man auch eine Kampagne spielen, wo es sich bei allen SCs um KIs/Roboter handelt.

BTW: Gefährlichkeit ist relativ, wenn man zu Hause ein Bakup hat, das geladen wird, sobald dem Original ein tödlicher Unfall widerfährt. Gerade in transhumanistischen Settings stehen häufig auch für normale Menschen Mind-Bakups bereit.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 1.09.2011 | 11:31
Ein anderer Punkt den man anwenden könnte wäre, das ein Computer der so komplex ist das er ohne weiteres alle menschlichen Dinge um ein vielfaches erledigen könnte, automatisch die Grenze zum Bewußtsein überschreitet.

Es steht ja nirgends geschrieben, dass ein einzelner Computer alles können muss. Wenn man keine KIs haben will, verbaut man halt fünf getrennte Computer. Zumal, wie gesagt, die Rechenleistung von 3 C64 ausreicht, um zum Mond zu fliegen. Die strahlungsresistenten Computer der Shuttle-Generation waren iirc so etwa auf dem Stand eines 386SX. Jeder heutige spottbillige Heimcomputer ist ungefähr eine Million mal leistungsfähiger, und bietet damit schon mehr Power als man jemals brauchen wird, ohne die geringste Gefahr der KI-Bildung  darzustellen.

Natürlich geht es bei SF meistens um gesellschaftliche Szenarien, aber wie heisst es so schön, der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Und die Beschreibung der Technologie und ihr Einsatz gehört zumindest für mich zur SF zwingend dazu.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Teylen am 1.09.2011 | 11:39
Nur weil es Autos gibt, und man nicht mehr ueberall hingehen muss, ein Auto auch mehr macht als eine Pferdekutsche, heisst es ja das man beim Auto fahren keine Action oder Abenteuer erleben kann. Raumschiffe sind da auch nicht viel mehr als Autos im All.
Naja und die Technik muss ja erstmal bewerkstelligen das man in den Weltraum kommt.
Was sie aktuell nicht kann. Zumindest nicht fuer die Masse.
Zwischen "fliegt" und "steuert sich von allein" sehe ich da einen grossen Unterschied.

Autos haben ja mittlerweile auch Boardcomputer, und fahren dennoch nicht komplett selbststaendig und selbst beim einparken harpert es.
Selbst Flugzeuge brauchen noch Piloten.
Wieso sollte dann ein Schiff automatisch total effizient in Atmossphaeren ein- und auftauchen koennen?

Wie gesagt, das ist schon mit heutiger Billigtechnologie alles trivial
Leide werde ich bei meiner Amerika Reise, meinem gemieteten Auto nicht sagen koennen: Kleines, such mir eine touristisch attraktive Strecke aus, nimm mir das steuern und das Gas geben ab und spiel Entspannungsmusik.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 1.09.2011 | 11:40
Menschen sind billiger .

Safe Tech SciFi Menschen behalten die Kontrolle, Computerr sind zu störanfällig.
Menschen reagieren schneller bzw flexibler
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 1.09.2011 | 12:07
Raumschiffe sind da auch nicht viel mehr als Autos im All.

Raumschiffe sind etwas _ganz anderes_ als Autos im All!

Zitat
Naja und die Technik muss ja erstmal bewerkstelligen das man in den Weltraum kommt.
Was sie aktuell nicht kann. Zumindest nicht fuer die Masse.
Zwischen "fliegt" und "steuert sich von allein" sehe ich da einen grossen Unterschied.

Antrieb und Avionik sind zwei völlig verschiedene Paar Stiefel. Woran es bei uns heute in der Raumfahrt hapert, ist die Antriebstechnologie.

Zitat
Wieso sollte dann ein Schiff automatisch total effizient in Atmossphaeren ein- und auftauchen koennen?

Was glaubst du eigentlich, wie in den letzten 30 Jahren die Space Shuttles auf die Erde zurückgekommen sind?
Da hat niemals ein Pilot gesteuert. Der Kommandant drückt im vorher (von den Computern der Bodenkontrolle) berechneten Moment auf den Knopf, der das Wiedereintrittsprogramm startet, und der Rest geht automatisch. Das Fahrwerk darf er am Schluss noch mit einem zweiten Knopfdruck ausfahren, aber auch das nur aus kosmetischen Gründen, damit es wenigstens so aussieht als hätte der Mensch noch irgendeine Aufgabe.

Wie gesagt: seit 30 Jahren.

Da hat sich eben die Realität völlig anders entwickelt, als die alte SF erwartet hat. Damals (vor ca. 60 Jahren) hat man damit gerechnet, mit Atomraketen quer durchs Sonnensystem zu düsen, aber die Flugbahnen dafür von Hand ausrechnen zu müssen. Heute können wir die Flugpläne mit ein paar Mausklicks berechnen, aber haben keine Antriebe, mit denen wir sie umsetzen könnten.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: thestor am 1.09.2011 | 12:09
kosmische Begebenheiten - seit der Explosion des Nachbarsterns (Sternenhaufens) wird der Sektor mit Strahlung/Partikeln/Gravitationswellen überschüttet, welche bei Automaten und künstlichen Intelligenzen die seit Jahrhunderten die Steuerung der Schiffe übernahmen zu Ausfällen führen und katastrophale Auswirkungen nach sich zog. Notgedrungen wurden von x-Jahren erstmals wieder menschliche Piloten eingeführt.

So habe ich das in meinem eigenem Setting angedacht, eine komsische Hintergrundstrahlung (welche mit dem Phänomen das Überlichtschnelle Reisen ermöglicht in Zusammenhang steht) die regelmässig Computerchips grillt. Wobei ich gestehen muss, dass mir das Ausmaß der Problematik wie von Hollaridudödeldi dargestellt gar nicht klar war, ich woillte ursprünglich nur verhindern das Raumkämpfe komplett von Fire-and-Forget Raketen und ECm und ECCM entschieden werden.
Ich habe den Effekt der die kosmische Hintergrundstrahlung verursacht gleich zu meinem Plotaniaum/Unobtanium gemacht, also alles was nicht shcön wissenschaftlich zu erklären ist, daran ist eben dieser Effekt Schuld.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Teylen am 1.09.2011 | 12:16
Naja, da Auto fahren noch wesentlich einfacher ist als ein Flugzeug zu fliegen.
Vermute ich das ein Raumschiff zu fliegen nicht einfacher wird als Auto fahren. ^^

Und ich vermute auch das Space Shuttle Piloten eine wesentlich bessere / umfangreichere Ausbildung zum Space Shuttle fliegen brauchen / erhalten als meinereiner zum Auto fahren.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tigerbunny am 1.09.2011 | 12:17
Generell könnte man einfach KI negieren, sie wurde halt nie entwickelt oder sie ist völlig aus dem Ruder gelaufen(z. B. SkyNET). Ergo gibt es viele Aufgaben, die nach wie vor von Menschen erledigt werden, da Computern die nötige Intuition fehlt.

Alternativ kann man die Menschheit durchaus auch zu unmündigen Sklaven der Maschinen machen. In dem Falle wären die Helden des Settings Menschen, die sich von der Entmündigung zu befreien versuchen und so wieder Technik entwickeln, die eben nicht automatisiert ist. Zwischen den "Freien" und den "Sklaven" gibt es folglich eine Menge Konflikte. Ob dieser Konflikte werden ja dann vielleicht auch die Sklaven wieder mündiger, weil die Automaten nicht adäquat auf die Aktionen der Freien reagieren können.

Das verändert aber natürlich den Fokus des Settings ziemlich.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 1.09.2011 | 12:41
Mach aus den Menschen doch bionisch-genetisch-cyborgmäßig hochgerüstete Superwesen, die noch dazu kostengünstiger sind als Maschinen.
Lass die Spieler doch KIs sein. Wir hatten mal eine Transhuman Space Kampagne, wo zwei der Spieler eine KI gespielt haben und es hat wunderbar geklappt.
Das möchte ich beides ganz bewußt nicht. Ich möchte Szenarien, die von Menschen handeln, nicht von Maschinen mit einem kleinen Schuß Mensch drin.

Es gibt für jede Aufgabe eine Maschine, die darin besser ist als der Mensch. Blöd nur, wenn diese Maschine 25 Lichtjahre entfernt ist, die Aufgabe aber jetzt erledigt werden muss.
Unter der Annahme, daß es solche Maschinen gibt: warum sind dann überhaupt Menschen an den Ort des Geschehens geschickt worden? Wie sich die Raumfahrt im Moment entwickelt, werden höchstwahrscheinlich immer die Maschinen zuerst da sein, und die Menschen kommen nach, sobald's sicher ist.

Nur weil man fast alles automatisieren kann heisst es doch nicht das der Mensch von Problemen befreit waere?
Also sowas wie sich gegenseitig zu erschiessen, einander Ressourcen abzugraben oder nach besten koennen gegeneinander zu intrigieren?
Wie gesagt: mir geht es um _Action_ und _Abenteuer_, nicht um hohe Politik und Intrige. Diese Themen interessieren mich einfach nicht bzw. bestenfalls am Rande.

Befaßt sich SCI-FI wirklich mit weiterentwickelter Technologie? Oder ist weiterentwickelte Technologie nur ein Mittel, um die Aussage oder das Experiment der entsprechenden SCI-FI-Geschichte zum Ausdruck zu bringen? Utopie, Dystopie, usw.
Die Technik ist in diesem Fall ein Faktor, der sich einfach ins Setting drängt, ob ich will oder nicht. Ich möchte Geschichten durchspielen, die im Weltall stattfinden, auf fremden Welten und in der unendlichen Leere dazwischen. Das erfordert ein gewisses Tech-Level, das unser heutiges übersteigt. Aber schon unser heutiges Tech-Level ermöglicht Automatisierung, die viele gefährliche Pionieraufgaben auf Maschinen überträgt. Die Annahme, daß ausgerechnet dieser Zweig der Technisierung zum Stillstand kommt oder sich gar zurückentwickelt, kommt mir da so unrealistisch vor, daß ich das Szenario nur mit größten Bauchschmerzen angehen könnte. Die Randbedingung "hohes Automatisierungslevel" ergibt sich - leider - zwangsläufig aus der Ausgangsbedingung "für Raumfahrt ausreichendes Tech-Level".

Ich brauche also irgendetwas, das dieses Automatisierungslevel "entschärft" - sei es eine unerwartete Grenze bei der Weiterentwicklung von Computern, sei es eine Krise, derzufolge die Menschen die Automatisierung nicht mehr wollen und somit abgeschafft oder eingeschränkt haben.

Ein anderer Faktor, der da ganz gerne ausgepackt wird, ist die menschliche Intuition. Keine KI kann diese ersetzen.
Tja, aber Intuition allein wäre mir ein etwas sehr schmales Betätigungsfeld für todesmutige Abenteurer... die dann im wesentlichen hinten stehen und die Einfälle beisteuern würden, nach denen die Roboter vorne die Drecksarbeit erledigen. :-X

Paranoia - ein Feind ist in der Lage Computer und Automaten zu hacken, deine Fraktion weiß nicht wie und ist deshalb darauf angewiesen das Schiff mitteln neuronaler Verbindung zum Gehirn einer lebenden Person zu steuern.
:) Das wäre schon mal ein gangbarer Ansatz. Wobei ich die neuronale Verbindung dann auch gern weglassen würde. Ich möchte einfach das Feeling von Menschen, die wirklich mit Händen und Füßen agieren und nicht nur mit dem Gehirn.

Allerdings ließe sich das bei diesem Ansatz ja auch gut umsetzen. Wenn der Feind imstande ist, sich ins System zu hacken, kann er bestimmt auch ein per neuronale Verbindung angeschlossenes Gehirn zumindest schädigen.

Alternativ kann man die Menschheit durchaus auch zu unmündigen Sklaven der Maschinen machen. In dem Falle wären die Helden des Settings Menschen, die sich von der Entmündigung zu befreien versuchen und so wieder Technik entwickeln, die eben nicht automatisiert ist. Zwischen den "Freien" und den "Sklaven" gibt es folglich eine Menge Konflikte. Ob dieser Konflikte werden ja dann vielleicht auch die Sklaven wieder mündiger, weil die Automaten nicht adäquat auf die Aktionen der Freien reagieren können.
:) Das wäre ein weiterer schöner Ansatz. Es würde mit den überfürsorglichen Maschinen auch gleich einen Hauptantagonisten ins Szenario einbringen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: McCoy am 1.09.2011 | 12:48
Eine weitere Methode wäre - wenn auch sehr zynisch und nicht unbedingt human - das die Überbevölkerung dafür gesorgt hat das Menschen das am schnellsten und billigsten zu erlangende Gut sind.
Warum einen komplexen und teuren Automaten bauen der auch noch gewartet werden muss, weil er ja an Verschleiß leidet, wenn ein menschlicher Körper sich selbst erhält, wenn man ab und zu bestimmtes Rohmaterial zuführt?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 1.09.2011 | 12:50
Naja, da Auto fahren noch wesentlich einfacher ist als ein Flugzeug zu fliegen.
Vermute ich das ein Raumschiff zu fliegen nicht einfacher wird als Auto fahren. ^^

Nochmal zum mitschreiben: das. kann. man. nicht. vergleichen.

Im Weltraum hast du keine Reibung, keinen Untergrund, keine Straßenbegrenzungen, keine Turbulenzen, keine Atmosphäre und keine Gefahr eines Strömungsabriss, keinen Gegenverkehr. Und man kann nicht mal eben anhalten und nach dem Weg fragen. Ganz grob gesagt richtest du dein Raumschiff am Anfang der Reise auf einen leeren Punkt im Weltraum, der voller Planet sein wird wenn du dort ankommst. Wenn du dich bei der Berechnung vertust, schießt du am Zielplaneten vorbei und dann war's das, lost in space.
Und diese Bestimmung des Zielpunktes ist eben das, was für einen Menschen sehr schwierig und für einen Computer ziemlich leicht ist. Mit fliegen oder autofahren hat das rein überhaupt nichts zu tun.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Pyromancer am 1.09.2011 | 12:54
Unter der Annahme, daß es solche Maschinen gibt: warum sind dann überhaupt Menschen an den Ort des Geschehens geschickt worden? Wie sich die Raumfahrt im Moment entwickelt, werden höchstwahrscheinlich immer die Maschinen zuerst da sein, und die Menschen kommen nach, sobald's sicher ist.

Weil halt der "Ort des Geschehens" nicht als "Ort des Geschehens" geplant war. Ich meine, niemand plant doch Action und Abenteuer.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 1.09.2011 | 13:09
Und diese Bestimmung des Zielpunktes ist eben das, was für einen Menschen sehr schwierig und für einen Computer ziemlich leicht ist. Mit fliegen oder autofahren hat das rein überhaupt nichts zu tun.

Und wenn man genau dort ansetzt? Aus irgendeinem Grund ist die Berechnung zwar theoretisch möglich, aber praktisch unbrauchbar. Vielleicht weil es irgendwelche Raum-Zeit-Verschiebungen gibt, die man nicht simulieren kann, weil die nötigen Daten fehlen. Der Vektor mag stimmen, aber es könnte unterwegs zu viel schief gehen, was ein Computer nicht berechnen kann und wofür auch keine brauchbaren Routinen für einen Autopiloten existieren.

Nur als spontane Idee...

EDIT: und noch ein Gedanke: selbst wenn alles automatisiert ist, muss am Ende irgendwer die Verantwortung übernehmen. Kann man es wirklich riskieren, weitreichende Entscheidungen voll automatisch von Computern treffen zu lassen? Zugegeben, das läuft erstmal nur auf einen "Go"-Button-Drücker hinaus.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 1.09.2011 | 13:32
Naja, das Genre soll ja laut Threadtitel Hard SF sein, da kann man also nicht nach Belieben mit Fantasy-Devices um sich schmeissen.
Aber andererseits sind assistive Autopiloten ja nichts Schlimmes. Langweilig wird es halt, wenn die gesamte Navigation sich auf einen Mausklick reduziert.
So sieht die Verwendung eines interplanetaren Navigationsprogramms etwa so aus, dass man drei Pläne aufstellt: einmal das Verlassen des Startorbits (z.B. Erde), welches im richtigen Vektor geschehen muss, damit man nicht in die unendliche Leere rauscht sondern schonmal aufs Ziel zuhält. Dann den eigentlichen Transit, in dem Kurskorrekturen vorgenommen werden können. Drittens das Einschwenken in den Zielorbit. Du stellst jeweils die Startzeit und die Geschwindigkeitsänderung ein, und der Computer berechnet dir die Bahn deines Schiffes, und wann und wo sie den Zielorbit kreuzt. Du musst mit diesen Variablen dann so lange rumspielen, bis du eine befriedigende Voraussage hast. (In der Praxis ist es übrigens zweckmäßiger, zuerst den Transit- und dann den Escape-Plan aufzustellen, das nur am Rande.)

Auf diesem Niveau ist der Prozess eben deutlich handzahmer als wenn man alles von Hand berechnen muss. Andererseits ist es noch deutlich mehr Aufwand, als einfach per Mausklick ein Ziel anzuwählen und der Rest geht von alleine. Nur wäre wahrscheinlich so ein "1-Klick-Astrogation" Programm heute schon machbar, wenn man es haben wollte, und es klingt ein bißchen unglaubwürdig, wenn man behauptet, dass es in 500 Jahren immer noch nicht möglich sein soll. _Das_ ist die eigentliche Crux.

Witzigerweise bietet da ausgerechnet ein FTL-Setting mehr Spielraum: wenn man viele Systeme bereisen kann, kann man plausibel behaupten, dass diese ganzen Systemdaten nicht in der Schiffsdatenbank erfasst sein können. Also muss man beim Bereisen solcher "Wildwest-Systeme" mehr von Hand ausrechnen.
Insbesondere wenn man auf fremden Himmelskörpern landen will, ist vielleicht am ehesten wieder die menschliche Intuition gefragt: wenn der Computer nicht genau weiß, wie sich die Atmosphäre verhält, muss man das eben nach Gefühl machen.

In rein solaren Settings, wo sich also alles nur in unserem Sonnensystem abspielt, schaut es dagegen eher mau aus: wir wissen heute schon sehr genau, wie z.B. die Atmosphären sämtlicher größerer Monde zusammengesetzt sind. Die Gesamtzahl der Himmelskörper ist sehr überschaubar. Also umso weniger Raum für Überraschungen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 1.09.2011 | 13:50
Weil halt der "Ort des Geschehens" nicht als "Ort des Geschehens" geplant war. Ich meine, niemand plant doch Action und Abenteuer.
Hast du einen Vorschlag, wie solche Situationen konkret zustandekommen sollen? Unter der Annahme, daß auf jedem fremden Planeten zuerst die Roboter landen und die Menschen erst nachkommen, sobald im Grunde schon die Städte mit Strom, fließend Wasser, Highspeed-Netzanbindung und einem funktionierenden Action&Abenteuer-Abwehr-Sicherheitsdienst aus tausenden von Robotern stehen?

Auf diesem Niveau ist der Prozess eben deutlich handzahmer als wenn man alles von Hand berechnen muss. Andererseits ist es noch deutlich mehr Aufwand, als einfach per Mausklick ein Ziel anzuwählen und der Rest geht von alleine. Nur wäre wahrscheinlich so ein "1-Klick-Astrogation" Programm heute schon machbar, wenn man es haben wollte, und es klingt ein bißchen unglaubwürdig, wenn man behauptet, dass es in 500 Jahren immer noch nicht möglich sein soll. _Das_ ist die eigentliche Crux.
Korrekt. Exakt das ist mein Problem.

Ich hätte gern in einer fernen Zukunft Raumpiloten und wagemutige Weltraumpioniere. Die sind aber im Grunde schon heute überholt.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tigerbunny am 1.09.2011 | 14:04
So ungern ich das tue, ich verweise mal auf das Perry Rhodan-Universum. Die Kolonisation läuft ungefähr so ab, wie Du sie beschreibst. Insgesamt ist das ganze Universum ziemlich Hard-SF mit einigen Space Opera-Anleihen. Dennoch erleben die Helden ständig Abenteuer, die meistens mit der Invasion durch einen übermächtigen Feind zusammenhängen. Dieser Feind debilisiert dann in der Regel ab etwa der Hälfte eines Zyklus, weil die Menschheit sonst kein Bein an die Erde kriegen würde.

Hier sehe ich das grundlegende Problem von Hard-SF. Logischerweise wird das Universum konsequent immer sicherer und... langweiliger. Da ist irgendwann kein Platz mehr für Abenteuer und Action. Dann bleiben nur noch innere Konflikte in der Entwicklung von Protagonisten oder übermächtige Antagonisten, denen nur mit der menschlichen Anpassungsfähigkeit beigekommen werden kann.

Eine andere Möglichkeit ist das Star Trek-Universum, wo der Weg zum sicheren Universum zwar nicht konsequent durch harte SF erreicht wurde, das Resultat aber dasselbe ist. Da lösen die überlegenen Menschen die Probleme der nicht so überlegenen Riffelnasenmenschen und Blumenkohlohrenmenschen oder bekämpfen die überlegenen Cybermenschen und Riffelstirnmenschen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: McCoy am 1.09.2011 | 14:06
OT
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Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 1.09.2011 | 14:06
Hast du einen Vorschlag, wie solche Situationen konkret zustandekommen sollen? Unter der Annahme, daß auf jedem fremden Planeten zuerst die Roboter landen und die Menschen erst nachkommen, sobald im Grunde schon die Städte mit Strom, fließend Wasser, Highspeed-Netzanbindung und einem funktionierenden Action&Abenteuer-Abwehr-Sicherheitsdienst aus tausenden von Robotern stehen?
SCs gehen ihre Verwandten auf dem Nachbarplaneten besuchen (oder wollen dort Urlaub machen). Unterwegs werden sie von Piraten oder einer feindlichen Nation angegriffen.

Oder ihr Schiff geht kaputt und muss notlanden. Oder ihr Schiff ist heil, aber sie hören ein Notrufsignal. Und ihr Passagierschiff ist das einzige in weitem Umkreis, das zur Hilfe eilen könnte.

Oder auf der Heimaltwelt der SCs ereignet sich ein riesengroßes Erdbeben und/oder Vulkanausbruch, das die ganze Infrastruktur lahmlegt und die SCs verschüttet. Roboter-Rettungskräfte sind unterwegs. Aber bis diese eintreffen, ist es zu spät. (Evtl. sind ein paar schwer verletzte NSCs bei den SCs, die verbluten würden, wenn man bis zum Eintreffen der Rettungskräfte warten würde.)

Die SCs werden wegen einem Verbrechen angeklagt, das sie nicht begangen haben. Sie können jedoch entkommen und jetzt heißt es Dr. Kimble auf der Flucht (http://de.wikipedia.org/wiki/Dr._Kimble_auf_der_Flucht).
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: ErikErikson am 1.09.2011 | 14:08
Oder sie sind arm, und müssen den letzten Schrott an Technologie benutzen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: McCoy am 1.09.2011 | 14:11
Eine Strafexpedition zu den Rändern des bekannten Raums. Ausgestattet mit der ältesten und entbehrlichsten Ware welche das Imperium/Konsortium/Reich zu bieten hat.
Mit dem Auftrag nicht eher wieder zu kommen bis Ziel X erreicht ist.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 1.09.2011 | 14:37
@Eulenspiegel, @McCoy: das sind alles schöne Aufhänger für Einzelabenteuer, aber was ich gern hätte, wäre nun mal ein ganzes Setting. Eines, in dem Abenteuer-Charaktere wie Raumpiloten, Weltraumkämpfer etc. im gleichen Maße rumlaufen wie Ritter, Jäger und Barbarenkrieger in einem (pseudo-)mittelalterlichen Setting.

Oder sie sind arm, und müssen den letzten Schrott an Technologie benutzen.
"Der letzte Schrott" an Technologie in 100 Jahren wird leider immer noch dem, was wir heute schon haben, wahrscheinlich weit überlegen sein. Und wie Feuersänger schon aufgezeigt hat: was wir heute schon haben, macht den Raumpiloten bereits obsolet.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 1.09.2011 | 14:45
Wie ich schon sagte, Safetech(Geringere Risikobereitschaft bei Technologieentwicklung) keine KI keine Computer ohne menschliche Kontrolle und der Kostenfaktor
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: McCoy am 1.09.2011 | 14:46
@Eulenspiegel, @McCoy: das sind alles schöne Aufhänger für Einzelabenteuer, aber was ich gern hätte, wäre nun mal ein ganzes Setting. Eines, in dem Abenteuer-Charaktere wie Raumpiloten, Weltraumkämpfer etc. im gleichen Maße rumlaufen wie Ritter, Jäger und Barbarenkrieger in einem (pseudo-)mittelalterlichen Setting.

Find ich nicht das es nur was für Einzelaktionen ist. Das überlegene und hochtechnische Reich, schmeißt die ganzen unliebsamen Leute wie Hinterplanetler, Unangepassten, Hitzköpfe, die nicht ins sterile, gefühlskalte, technologische Konzept passen außerhalb der Energiebarriere, welche seit Äonen das Reich abschirmt.
Und hier beginnt das Szenario: Hinter der Barriere hat man es mit alter Technologie, eigenartigen Völkern und Planeten, ggf. Schmugglern die es schaffen Hochtechnologie durch die Barriere zu schaffen, selbst ernannten Planetenfürsten, zu Gladiatorenarenen umgebauten Asteroiden und weiß der Himmel was zu tun.

Jede Menge zu entdecken, für Leute / Wesen die bisher nur die Gesellschaft des Reiches kannten.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: ErikErikson am 1.09.2011 | 15:25
Es ist auch schon massiv unrealistisch, wenn Menschen dann noch Menschen sind. Warum sollte man sich nicht die paar genetischen/bionischen Verbesserungen gönnen, die auf dem Markt sind?

Anders gesagt: Wer in der Supertech-Zukunft Mittelalter-Menschen spielen will, wo es also normale Menschen umgeben von Supertech gibt, der muss halt drauf zurückgreifen, das es nicht die eigene ist, z.B. Alientechologie oder sowas.

Das ist doch ne gute Idee. Die Leute verlassen sich auf Alientechnologie. Die hat man irgendwo gefunden, wie sie funktioniert weiss man nicht so recht, man hat auch nicht alles da, sonder nur das, was der SL will.   
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 1.09.2011 | 15:37
Ich meine, niemand plant doch Action und Abenteuer.

Das wäre einer meiner Ansätze gewesen - wenn die SCs das so wollen, können sie es ja so kriegen...

So was würde aber nur für eine kleine Gruppe von Leuten funktionieren, die auch über entsprechende Ressourcen verfügen müssten.

Das geht dann mMn eher in die Richtung stinkreiche, adrenalinsüchtige Extremsportler als "echte" Abenteurer.

@Eulenspiegel, @McCoy: das sind alles schöne Aufhänger für Einzelabenteuer, aber was ich gern hätte, wäre nun mal ein ganzes Setting. Eines, in dem Abenteuer-Charaktere wie Raumpiloten, Weltraumkämpfer etc. im gleichen Maße rumlaufen wie Ritter, Jäger und Barbarenkrieger in einem (pseudo-)mittelalterlichen Setting.

Das wird dir mit Hard SF kaum gelingen.

Den "Weltraumkämpfer" kann man ja noch retten, wenn man seinen Tätigkeitsbereich nur weit genug auf das "Zwischenmenschliche" fokussiert.
Im zivilen/polizeilichen oder infanteristischen Bereich sind nicht die ballistischen Berechnungen der Knackpunkt, sondern u.A. die Möglichkeiten der Sensorik und die Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit/Vielseitigkeit der evtl. verwendeten Roboter.
Da kann man mMn dem Menschen mit einigen wenigen Postulationen durchaus noch eine recht breite Nische erhalten - aber er wird ab einer bestimmten Ausrüstungsebene/Eskalationsstufe in engem Verbund mit Maschinen arbeiten, ganz klar.


Aber gerade Raumkampf ist in der Hard SF fest in Maschinenhand, da beißt die Maus keinen Faden ab.

Ohne alternativen Geschichtsverlauf ohne Rechner oder einen wie auch immer gearteten "Computergenozid" wird das ziemlich knifflig, um nicht zu sagen unmöglich.

Ein möglicher Kunstgriff in dieser Richtung wäre es z.B., den nächsten großen Sprung in Sachen Rechenleistung darauf basieren zu lassen, dass das menschliche Gehirn parallel zu seiner normalen Tätigkeit auch noch als Rechenkern mitgenutzt wird.
Dann ist man immerhin mal wieder so weit, dass man Menschen vor Ort haben will...und dann kann man die ja auch gleich noch als Effektoren nutzen, wenn sie eh schon da sind.

Man sollte dann eben nur nicht so pragmatisch sein, die Menschen zu Dutzenden irgendwo zum Rumhirnen einzusperren und trotzdem nur Roboter rauszuschicken  ;D
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Teylen am 1.09.2011 | 15:49
In einem Kriegsfall wuerde aber doch dennoch der Kontakt mit zu toetenden Menschen gesucht?
Weil das Szenario das sich zwei vollautomatisierte Kriegschiffe mittels KI beschiessen fuehrt doch am Zweck der Kriegsfuehrung vorbei, oder?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 1.09.2011 | 15:54
Früher ist man ja auch teilweise den Ansatz gefahren: "Munition ist teuer, Menschen sind billig."

Den gleichen Ansatz könnte man auch in der Zukunft fahren: Einen Roboter muss man erst aufwendig bauen. Von Menschen haben wir dank Überbevölkerung eh genug.

In einem Kriegsfall wuerde aber doch dennoch der Kontakt mit zu toetenden Menschen gesucht?
Weil das Szenario das sich zwei vollautomatisierte Kriegschiffe mittels KI beschiessen fuehrt doch am Zweck der Kriegsfuehrung vorbei, oder?
Wieso? Der Zweck der Kriegsführung ist es, Gebiet zu erobern bzw. die militärische Schlagkraft des Gegners zu senken.
Menschliche Verluste werden als Kollateralschaden bezeichnet. Manche Parteien versuchen solche zu vermeiden, andere nehmen sie in Kauf und wieder andere benutzen diese, um die Kampfmoral des Feindes zu senken.

Aber Prinzipiell kommt man auch ohne menschliche Verluste in einem automatisierten Krieg aus.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Teylen am 1.09.2011 | 16:02
Wieso? Der Zweck der Kriegsführung ist es, Gebiet zu erobern bzw. die militärische Schlagkraft des Gegners zu senken.
Ich habe bisher angenommen das dass Ziel der Kriegsfuehrung ist den Gegner zu unterwerfen, auf das er sich von einem regieren laesst.
Idealerweise durch das ausschalten von menschlichen Combatanten. Im nicht idealen Fall in dem man entsprechend viele Zivilisten umbringt.
Wenn man dort lediglich finanzielle Verluste zufuehrt, durch die Eliminierung von Kriegsmaterial, wird er sich kaum hinreichend unterworfen betrachten bzw. die Moral nicht fallen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 1.09.2011 | 16:09
Das man eine ganze Nation besiegt, ist eher die Ausnahme. Meistens ging es wirklich nur darum, Gebiet zu erobern. Das lag einfach daran, dass die Nationen, die sich bekriegten, häufig in etwa gleich stark waren bzw. der Angreifer schwächer wurde, je weiter er ins Feindesland vorrückte.

Zu den Fällen, wo eine ganze Nation tatsächlich besiegt wird:
Eine Nation fühlt sich unterworfen, wenn ihr die Politik egal ist. (Was kümmert es mich, ob nun König A oder König B über mich regiert? Ich muss so oder so Steuern zahlen.)
Oder wenn die Bevölkerung einsieht, dass ein offener Widerstand zwecklos ist. Wenn also die gesamt eigene Militärmacht vernichtet wurde und die feindlichen Roboter durch die Straßen marschieren, dann sieht wohl jeder ein, dass man den Krieg verloren hat. Einige Leute resignieren daraufhin und erkennen den Besatzer an. Und andere gehen in den Untergrund und führen Guerilla-Kämpfe aus.

Aber wenn du eine riesengroße Roboterstreitkraft hattest, die vernichtet wurde, dann wird wohl niemand einen offenen Widerstand wagen oder für eine offene Fortsetzung des Krieges plädieren. (Guerilla-Taktiken und Terrorismus bleiben natürlich auch weiterhin eine Option.)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 1.09.2011 | 16:12
Und hier beginnt das Szenario: Hinter der Barriere hat man es mit alter Technologie, eigenartigen Völkern und Planeten, ggf. Schmugglern die es schaffen Hochtechnologie durch die Barriere zu schaffen, selbst ernannten Planetenfürsten, zu Gladiatorenarenen umgebauten Asteroiden und weiß der Himmel was zu tun.
Ich fürchte, das verlagert das Problem nur. Politische Einheit oder nicht: auch "jenseits der Barriere" werden wir es mit einem Techlevel zu tun haben, der unseren heutigen weit übersteigt. Wie machen wir plausibel, daß dort nicht ebenfalls die Automatisierung regiert?

Ohne alternativen Geschichtsverlauf ohne Rechner oder einen wie auch immer gearteten "Computergenozid" wird das ziemlich knifflig, um nicht zu sagen unmöglich.
Dann wird es wohl auf einen solchen "Computergenozid" bei mir hinauslaufen. Frank Herbert läßt grüßen. :-\

Aber Prinzipiell kommt man auch ohne menschliche Verluste in einem automatisierten Krieg aus.
Das eröffnet einen interessanten neuen Ansatz für ein Dystopie-Szenario: Krieg als sportliche Veranstaltung bzw. Unterhaltungsevent. Da ja eh nur die Maschinen einander gegenseitig hochjagen, kann es den - militärisch bedeutungslosen, somit also von Angriffen verschonten - Menschen egal sein, wenn "ihre" Flotte verliert. Ist zwar ärgerlich und teuer, aber kein Weltuntergang.

Natürlich könnten dann die von YY bereits erwähnten Adrenalinjunkies auf die Idee kommen, sich in Persona in das bunte Treiben zu mischen und zum Vergnügen ums Überleben zu kämpfen. Und ist diese Tür einmal aufgestoßen, können sich durchaus Situationen ergeben, bei denen nicht mehr alle Teilnehmer, die da oben rumschwirren, freiwillig dabei sind...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: McCoy am 1.09.2011 | 16:21
Ich fürchte, das verlagert das Problem nur. Politische Einheit oder nicht: auch "jenseits der Barriere" werden wir es mit einem Techlevel zu tun haben, der unseren heutigen weit übersteigt. Wie machen wir plausibel, daß dort nicht ebenfalls die Automatisierung regiert?
Weil es dort nicht das Wissen, das Equipment die Technologie gibt, welche die andere Supertechnologie am laufen hält. Weil die Exilanten improviesieren müssen indem sie Pilotenliegen in die Robotflieger einbauen weil vor Jahrzehnten der virtuelle Pilot den Geist aufgegeben hat. Weil die Bodenkampfroboter, nach unzähligen Gefechten umgebaut wurden und nur noch als Exokampfskelett dienen.
Weil Planet X-A9 eine komische Energiesignatur hat und empfindliche Hochtechnologie durchbrennen lässt und die Bevölkerung deswegen auf biomechanik zurückgreift.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 1.09.2011 | 16:35
Den gleichen Ansatz könnte man auch in der Zukunft fahren: Einen Roboter muss man erst aufwendig bauen. Von Menschen haben wir dank Überbevölkerung eh genug.

Roboter - möglicherweise.

Aber Rechner sind bereits heute so billig, dass man diesen Weg nicht mehr ohne Handwedelei gehen kann - siehe vor allem  Feuersängers Aussagen zur automatisierten Raumfahrt.
Dieser Zug ist für die Hard SF schon längst abgefahren.

Das eröffnet einen interessanten neuen Ansatz für ein Dystopie-Szenario: Krieg als sportliche Veranstaltung bzw. Unterhaltungsevent. Da ja eh nur die Maschinen einander gegenseitig hochjagen, kann es den - militärisch bedeutungslosen, somit also von Angriffen verschonten - Menschen egal sein, wenn "ihre" Flotte verliert. Ist zwar ärgerlich und teuer, aber kein Weltuntergang.

So was scheitert meist daran, dass man im Zweifelsfall eben doch die gegnerische Bevölkerung zum Ziel macht.
Da muss schon ganz schön was passieren, dass sich jeder an so was hält - vor allem an die erzielten Ergebnisse.

Wenn das Ganze völlig folgenlos und losgelöst ist, freilich nicht - aber dann ist es auch nicht sonderlich dystopisch...

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 1.09.2011 | 16:38
Mal ein ganz anderer Ansatz: Wenn man die zukünftigen Bücher nicht lesen kann, weil man sie noch nicht hat - dann muß man eben wirklich alte Bücher lesen. Soweit man sie eben noch kriegen kann...

Action ist meines Erachtens keine Erfindung der Neuzeit. Aber die Art der Action ändert sich mit den Gegebenheiten.
Die Gegebenheiten werden wohl tatsächlich darauf hinauslaufen, daß Autorennen und Schußwechsel Aug' in Aug' mit dem Gegner von der zeit überholt werden. Aber hey, auch Pferdewagenrennen und Messergefechte sind aus der Mode - man sieht sie trotzdem noch gern, aber eben nur "in historischer Verpackung", weil sie in der Gegenwart einfach keinen Platz mehr haben. Messer gegen moderne Waffen? Da muß man schon viel Erklärung mitliefern, damit nicht der mit der Waffe den andern niederschießt, und es das war.

Also - was wird die Action von morgen sein? Was läßt Schußwaffen so alt aussehen, wie eine Schußwaffe ein Messer alt aussehen läßt, was einfach bei gleichem Nutzen besser ist? Und was kann passieren, das man unbedingt verhindern muß, wenn man sie einsetzt?
Was läßt Autorennen so alt aussehen, wie Pferderennen für uns alt aussehen? Und was kann passieren, das man unbedingt verhindern muß, wenn man sie einsetzt?
Das geht an die Grenzen unserer Vorstellungskraft. Die Technik der Zukunft teilt mit den Büchern der Zukunft, daß sie nicht einfach zur Verfügung steht. Und explodierende Motoren kann man durch keine Extrapolation von Pferderennen je in den Blick bekommen.

Die Technik künstlich zu schwächen, ist irgendwie ein hilfloser Versuch - dem man die Hilflosigkeit noch dazu allzu klar ansieht. Es kommt mir ein wenig so vor wie der Versuch, die Kugel im Lauf literarisch-fiktiv so zu hemmen, daß man mit der Schußwaffe auf Messerreichweite an den Gegner herankommt, um dann wie mit einem Messer zu kämpfen.
Aber man sieht beim Pferderennen mehr von dem Gegner als beim Autorennen, beim Messerkampf mehr als beim Schußwaffenkampf. Den Schweiß auf der Stirn, die angespannten Muskeln, die Mundwinkel sind, was ihre Sichtbarkeit angeht, von vorgestern. Mann gegen Mann könnte schlicht von gestern sein. Morgen sieht man nicht mehr, wer im Raumer sitzt. Man sieht nur, wie schnell, wie zielsicher, wie vorausschauend und wie pfiffig er gesteuert wird. Und Vorausschau unter Einbezug von unlogischen Varianten und "Pfiffigkeit" sind derzeit auch noch nichts, worin uns KIs gefährlich werden können.
Wenn man also die beiden Faktoren dem Action-Helden (=Menschen) vorbehält, sollte man den Rest eher ausreizen bin an die Grenzen des Denkbaren. Was ist, wenn wirklich alles automatisiert läuft, sich jeder blind darauf verläßt und (nahezu!) keiner mehr daran denkt, daß man die Steuerung auch manuell machen kann? Wenn ein Raumschiff nicht die "logischen" Routen nimmt, sondern... ehm... wie ein Auto durch die Fußgängerzone brettert? Wie weicht man als Fußgänger aus, und wie kommt man als Gegner hinterher?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 1.09.2011 | 16:42
Roboter - möglicherweise.

Aber Rechner sind bereits heute so billig, dass man diesen Weg nicht mehr ohne Handwedelei gehen kann - siehe vor allem  Feuersängers Aussagen zur automatisierten Raumfahrt.
Dieser Zug ist für die Hard SF schon längst abgefahren.
Rechner sicherlich. Aber was nutzt mir der beste Rechner, nachdem das Raumschiff gelandet ist? Dann brauche ich anschließend trotzdem noch Leute, die aussteigen und dort Sachen auf dem Planeten erledigen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 1.09.2011 | 16:48
In einem Kriegsfall wuerde aber doch dennoch der Kontakt mit zu toetenden Menschen gesucht?
Nein, wieso sollte man?

Zitat
Weil das Szenario das sich zwei vollautomatisierte Kriegschiffe mittels KI beschiessen fuehrt doch am Zweck der Kriegsfuehrung vorbei, oder?
Deshalb wurden Kapitäne für den verlust von Kriegsschiffen auch vor Gericht gestellt.
Die Mittel zur Kriegsführung zu nehmen, den Gegner zum Nachgeben zu zwingen ist das ziel der kriegsführung

Ansonsten siehe Kabinettskriege

Die Antwort auf dein Problem ist sozialer Natur, die Gesellschaft lehnte die Entwicklung der superhypertech ab, konservative Safe tech ist akzeptiert.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 1.09.2011 | 17:00
Rechner sicherlich. Aber was nutzt mir der beste Rechner, nachdem das Raumschiff gelandet ist? Dann brauche ich anschließend trotzdem noch Leute, die aussteigen und dort Sachen auf dem Planeten erledigen.

Sagte ich ja schon - in der Schwerkraftsenke kann man mit den Leistungsparametern und der (fehlenden) Vielseitigkeit von Robotern noch einiges drehen/retten, wenn man will.

Aber im All? Sieht ganz schlecht aus, weil der heutige Stand großartige menschliche Beteiligung schon weitgehend ausschließt.


Messer gegen moderne Waffen? Da muß man schon viel Erklärung mitliefern, damit nicht der mit der Waffe den andern niederschießt, und es das war.

Das kommt schwer auf den Kontext an.
Militärisch? Keine Frage.

Aber im zeitgenössischen zivilen Bereich sind Messer als Tatwaffen bei Mord, Totschlag und Körperverletzung mit Todesfolge GANZ vorne dabei.
Das wird sich auch in Richtung Zukunft nicht großartig ändern - vielleicht sehen da die Messer anders aus, aber das wars dann auch schon.



Also - was wird die Action von morgen sein? Was läßt Schußwaffen so alt aussehen, wie eine Schußwaffe ein Messer alt aussehen läßt, was einfach bei gleichem Nutzen besser ist?

Die Möglichkeiten sind da recht überschaubar - und gehören wieder alle in den militärischen Bereich.
Im zivilen Kontext sieht das Messer gar nicht so alt aus, und dementsprechend wird wohl auch die Schusswaffe in der fernen Zukunft nicht unbedingt alt aussehen.
Solange der Mensch noch an den gleichen Sachen stirbt wie heute und nicht rund um die Uhr irgendwelche Schutzmaßnahmen aktiv sind, ändert sich da nichts bzw. nicht viel.

Was ist, wenn wirklich alles automatisiert läuft, sich jeder blind darauf verläßt und (nahezu!) keiner mehr daran denkt, daß man die Steuerung auch manuell machen kann? Wenn ein Raumschiff nicht die "logischen" Routen nimmt, sondern... ehm... wie ein Auto durch die Fußgängerzone brettert? Wie weicht man als Fußgänger aus, und wie kommt man als Gegner hinterher?

Das kann man aber wiederum recht gut mit modernen Luftkämpfen vergleichen:
Pfiffigkeit und unlogische Varianten spielen immer dann keine große Rolle, wenn es um Feuerleitlösungen und Reaktions-/Verarbeitungs-/Handlungsgeschwindigkeit geht.

Im Vorfeld eines Raumkampfes kann da der Mensch evtl. noch einen Enfluss mit Intuition und "Pfiffigkeit" haben.
Bei der eigentlichen Gefechtsführung stinkt er aber gegen entsprechende Rechner gnadenlos ab - und das um so spektakulärer, je mehr er mit seinen unlogischen Aktionen im Vorfeld ins Klo greift.

Überraschende Aktionen etc. pp. gibt es nur da, wo Unklarheit herrscht.
In einem Raumkampf, wo man sich mit offenen Karten gegenseitig abzuschießen sucht, spielt das keine große Rolle.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 1.09.2011 | 17:03
Weil es dort nicht das Wissen, das Equipment die Technologie gibt, welche die andere Supertechnologie am laufen hält. Weil die Exilanten improviesieren müssen indem sie Pilotenliegen in die Robotflieger einbauen weil vor Jahrzehnten der virtuelle Pilot den Geist aufgegeben hat.
Das wäre natürlich auch noch ein Ansatz: die Kolonien verfügen zwar über die Infrastruktur, um ihre Raumschiffhardware selbst zu bauen, aber was Computer betrifft, hat man sich immer auf den Nachschub von der Erde verlassen. Microchips lassen sich zwar gut in rauhen Mengen quer durchs Weltall transportieren, tonnenschwere Raumschiffantriebe dagegen fertigt man lieber vor Ort.

Wenn nun auf der Erde der dramaturgisch stets beliebte Kataklysmus eintritt und die Kolonien auf sich allein gestellt sind, und ihr Überleben hängt von der Raumfahrt ab, werden sich zwangsläufig wieder menschliche Piloten etc. herausbilden. Zumindest für eine Übergangszeit, bis die Kolonien wieder selbst in der Lage sind, Microchips herzustellen.

Die Technik künstlich zu schwächen, ist irgendwie ein hilfloser Versuch - dem man die Hilflosigkeit noch dazu allzu klar ansieht.
Damit hast du sehr korrekt zusammengefaßt, wie ich mich zur Zeit fühle.

Aber "an den Grenzen des Denkbaren" habe ich mich in den letzten Jahren genug aufgehalten. Szenarien, wie du sie schilderst, mit Mensch-Maschine-Hybriden, superhochgezüchteten KIs und der automatisch wachsenden, sich aus Nanobots ständig neu zusammensetzenden Stadt, das habe ich bereits durch - nicht als Rollenspiel, aber in Romanen. Und ich mußte die Erfahrung machen: das gibt mir nichts. Für mich ist das alles einfach nur anstrengend, mehr nicht.

Wonach ich suche, ist eine Zukunft, in der Menschen noch Menschen im heutigen Sinne sind. Vom Denken her sollen sie uns so fremd sein wie die Menschen des Mittelalters oder der Antike, aber ich möchte sie noch als Menschen erkennen. Und zu einem Menschen gehört für mich auch, daß er nicht nur ein Hirn mit Elektroden dran darstellt, sondern mit den Händen agiert und sein Körper insgesamt noch zu irgendetwas gut ist. Und daß er an den abenteuerlichen Unternehmen seines Settings - Raumflug, Kämpfe etc. - aktiv beteiligt ist.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Teylen am 1.09.2011 | 17:08
Guerilla-Taktiken und Terrorismus bleiben natürlich auch weiterhin eine Option.
Vielleicht wuerde die Option noch staerker als heutzutage genutzt?

Denn wie gesagt, ich halte es fuer schwer vorstellbar das man durch das fuehren einer abstrakten Metall-Schlacht, eine Seite zur Akzeptanz der Forderungen fuehren kann fuer die man Krieg fuehrte.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 1.09.2011 | 17:14
Das wäre natürlich auch noch ein Ansatz: die Kolonien verfügen zwar über die Infrastruktur, um ihre Raumschiffhardware selbst zu bauen, aber was Computer betrifft, hat man sich immer auf den Nachschub von der Erde verlassen. Microchips lassen sich zwar gut in rauhen Mengen quer durchs Weltall transportieren, tonnenschwere Raumschiffantriebe dagegen fertigt man lieber vor Ort.

Aus Hard SF-Warte zurück gefragt:
Ist es plausibel, dass man solche Fertigungsmöglichkeiten hat, aber keinerlei Möglichkeit, raumfahrttaugliche Rechner auf die Schnelle zu improvisieren?

Der Witz ist ja gerade, dass die benötigte Rechenleistung ziemlich trivial ist und man die in einer auch nur ansatzweise zivilisierten Umgebung an jeder Ecke vorfindet.


Wonach ich suche, ist eine Zukunft, in der Menschen noch Menschen im heutigen Sinne sind.

(fett von mir)

Ich glaube, das Zauberwort heißt da recht wahrscheinlich nicht "noch", sondern "wieder".


Aber mal blöd gefragt:
Sind Menschen, die die Möglichkeiten der ihnen zur Verfügung stehenden Technologie nicht voll nutzen, aus heutiger Sicht nicht ausreichend fremd?

Kann der Mensch nicht durch etwas so Banales und nicht-Kataklysmisches wie eine andere Einstellung zur Technologie und selbst gemachten Erfahrungen wieder in den Mittelpunkt rücken?
Mit einer neuen/anderen Spiritualität ließe sich da Einiges machen - ohne von physikalischen/technischen Zwängen gehindert zu werden.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Chaosdada am 1.09.2011 | 18:04
Eine Variante des "Kriegs gegen Skynet" wären vielleicht rechtliche Probleme.
Im Rahmen der Entstehung hochentwickelter KIs gab es - getrieben vom politischen Druck einer Arbeitslosenquote von 90% dank der fortgeschrittenen Automatisierung - ein maßgebliches Urteil, das klarstellt, dass Menschen, die arbeitende Rechner überwachen nicht die Verantwortung für deren Fehler übernehmen können. In Folge dessen werden keine hochautomatisierten Systeme mehr verwand, denn wenn irgendetwas schief geht, müssen die Hersteller (die Firma nicht einzelne Menschen) astronomische Schadensersatzsummen zahlen. Ich finde es nicht so abwegig, dass der massenhafte Verlust von Arbeitsplätzen, zu einer drastischen Behinderung der Automatisierung führen könnte.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 1.09.2011 | 18:19
Faa studie: piloten verlassen sich auf den computer und können im ernstfall nicht mehr fliegen:
http://m.spiegel.de/wissenschaft/technik/a-783624.html

Generell:
Automatisierung funktioniert gut für routineaufgaben.
Aber für kreative lösungen braucht es immer noch menschen.
Daran dürfte auch eine ki der zukunft scheitern.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 1.09.2011 | 18:22
He, das find ich gar nicht schlecht.
Grey und ich haben uns ja schonmal über das Thema unterhalten, und sind dabei auch auf den Aspekt gekommen, dass alle supertoll gesteigerte Produktivität nichts nützt, wenn es am Ende keine Konsumenten gibt. Will sagen, wenn auch in der Produktion alles automatisiert ist, sodass man 90% der Stellen streichen kann, gibt es auch 90% Arbeitslose, und wer soll dann die ganzen Produkte kaufen? Um auch nur den sozialen Frieden zu erhalten, müssten die erwirtschafteten Gewinne sowieso schon zum Teil an die Menschen ausgeschüttet werden, denen die Roboter die Arbeit weggenommen haben.

Das wäre quasi eine Erklärung, warum im produzierenden Sektor irgendwann Schluss ist mit der Automatisierung. In anderen Sektoren, wie Dienstleistung und dergleichen, und letztendlich auch Raumfahrt, könnte die Haftungsfrage in der Tat den Ausschlag geben.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 1.09.2011 | 18:30
Will sagen, wenn auch in der Produktion alles automatisiert ist, sodass man 90% der Stellen streichen kann, gibt es auch 90% Arbeitslose, und wer soll dann die ganzen Produkte kaufen?
Du darfst dir den Kapitalismus in der Zukunft nicht so vorstellen, wie er heutzutage unbedingt ist.

Wenn man eine 100% Automatisierung hat, ist die Frage, wem die Roboter gehören:
1) Die Roboter gehören dem Staat. In diesem Fall hat man einen Wohlfahrtsstaat: Die Menschen müssen nicht arbeiten, werden aber trotzdem mit allem versorgt, was es gibt.

2) Die Roboter gehören einigen Privatpersonen. Dann werden diese Privatpersonen genau so viel Konsumgüter an die restlichen Menschen verteilen, damit diese nicht rebellieren. Die Robotereigner selber leben im Überfluss. (Wozu soll man Sachen verkaufen, wenn man alles, was man braucht, auch selber herstellen kann?)

Zitat
Um auch nur den sozialen Frieden zu erhalten, müssten die erwirtschafteten Gewinne sowieso schon zum Teil an die Menschen ausgeschüttet werden, denen die Roboter die Arbeit weggenommen haben.
"Weggenommen" klingt so negativ. Für mich wäre das eher ein wahrgewordenes Schlaraffenland (http://de.wikipedia.org/wiki/Schlaraffenland).
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 1.09.2011 | 18:41
Ich sehe eigentlich gar kein Problem in der Automatisierung... die Spielercharaktere sind dann eben keine allein operierenden EInzelkämpfer im Kleinstteam, sondern Heerführer. Und ihr Heer sind Roboter.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 1.09.2011 | 19:25
"Weggenommen" klingt so negativ. Für mich wäre das eher ein wahrgewordenes Schlaraffenland (http://de.wikipedia.org/wiki/Schlaraffenland).
Aber wir leben doch schon im Schlaraffenland. Wir haben immer genug zu Essen (sofern wir es kaufen können), wir leben in unvergleichlicher Sicherheit, selbst die Schmerzen können wir mit Schmerzmitteln beherrschen - was will man denn noch mehr?

Das heißt - es wird kein Schlaraffenland sein, in dem das alles auch noch kostenlos ist, weil bezahlte Arbeit nicht mehr erforderlich ist und damit jedem Handelssystem der Boden entzogen wird. Es wird genausogut die Hölle sein. Die Hölle der Nutzlosigkeit, nehme ich an: weil die Urgroßeltern und Großeltern alles, was erforderlich ist, an Maschinen übertragen haben und weil das ja, Hand auf's Herz, auch eigentlich ganz praktisch ist. Aber damit lebt man für nichts mehr. Die Mehrheit wird vermutlich "Pseudo-Jobs" als zureichend empfinden, die man macht, einfach um etwas zu tun zu haben. Aber die, die die Täuschung hinterfragen, werden in einem Maße leiden, das heute kaum vorstellbar ist. Kann gut sein, daß es eine Gesellschaftsschicht gibt, die nicht durch ihr Vermögen ausgezeichnet ist, sondern dadurch, daß sich die Einzelnen in den noch verbliebenen wirklich notwendigen Jobs profiliert haben. Echte Arbeit - die am härtesten umkämpfte Ressource? In einer voll durchtechnisierten Welt vielleicht.

Und wo bleibt da die Action? Nun, vielleicht darin, daß man für echte Arbeit belastbar sein muß. Daß man wissen muß, was man tut und was man damit anrichtet. Und zweitens: Daß der potentielle Arbeitgeber auch herausfinden kann, daß man diese Eignung hat. Es wird immer Betrüger geben, die sich das erschleichen wollen, was mit Prestige verbunden ist.
Das heißt - nicht seltene Erze, nicht ertragreiche Minen, nicht Gold, sondern sinnvolle, verantwortungsbeladene Arbeit kann durchaus der Schatz der Zukunft sein. Und dann muß man eben sehen, was sich daraus ergibt. Twitter und Facebook etwa können da zu Machtmitteln werden, indem man über sie Leute ebenso in den Himmel heben wie diskreditieren kann. Überwachungssysteme kann man täuschen, was voer allem dann lohnt, wenn sie im Regelfall sehr gut funktionieren. Administratoren können "Clans" bilden, in denen wesentliche Elemente ihrer Arbeit (Passworte!) nur mündliche tradiert werden. Ähnlichkeiten mit der Zeit vor dem Buchdruck? Ich halte sie für keineswegs zufällig, fast eher zwingend. Es wird dieselbe Welt mit denselben Menschen sein, allerdings eben einem Heer vor Sklaven, die nur noch dazu da sind, damit die Herrscher etwas haben, worüber zu herrschen einem das Gefühl gibt, selbst eine sinnvolle Tätigkeit auszuüben.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 1.09.2011 | 19:45
Aber wir leben doch schon im Schlaraffenland. Wir haben immer genug zu Essen (sofern wir es kaufen können), wir leben in unvergleichlicher Sicherheit, selbst die Schmerzen können wir mit Schmerzmitteln beherrschen - was will man denn noch mehr?
Nicht arbeiten müssen!

Im klassischen Schlaraffenland liegt man den ganzen Tag faul in der Sonne und/oder betätigt seine Hobbies. Ich habe noch nie von einem Schlaraffenland gehört, in dem man arbeiten müsste.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 1.09.2011 | 20:48
Das ist halt eben die große Frage: was passiert, wenn dank Automatisierung niemand mehr arbeiten _muss_, aber eben auch kaum noch jemand die _Möglichkeit_ hat, zu arbeiten?

Um es mal mit Eulenspiegelstrichen aufzuzählen:
- ein Teil der Menschheit ist damit vielleicht glücklich und zufrieden, und gibt sich dem Müßiggang und lebenslangem Urlaub bzw. ausgiebigen Hobbies hin.
- ein weiterer Teil nutzt den Wegfall des wirtschaftlichen Drucks, um sich geistig weiterzuentwickeln, oder arbeitet in der Forschung. Sozusagen der Elfenbeinturm.
- aber es ist auch realistisch, dass viele Menschen einerseits nicht das Interesse an geistiger Betätigung haben, aber andererseits durchdrehen wenn sie nichts sinnvolles tun können. Wobei es nicht ausreicht, freiwillig von Hand eine Arbeit zu erledigen, die ein Automat noch besser und schneller erledigen könnte.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 1.09.2011 | 21:01
2) Die Roboter gehören einigen Privatpersonen. Dann werden diese Privatpersonen genau so viel Konsumgüter an die restlichen Menschen verteilen, damit diese nicht rebellieren. Die Robotereigner selber leben im Überfluss. (Wozu soll man Sachen verkaufen, wenn man alles, was man braucht, auch selber herstellen kann?)
Diese Variante erscheint mir realistischer und käme mir auch durchaus entgegen. Soziale Spannungen bergen Konfliktpotential und damit den Keim einer spannenden Handlung.

Das heißt - es wird kein Schlaraffenland sein, in dem das alles auch noch kostenlos ist, weil bezahlte Arbeit nicht mehr erforderlich ist und damit jedem Handelssystem der Boden entzogen wird. Es wird genausogut die Hölle sein. Die Hölle der Nutzlosigkeit, nehme ich an: weil die Urgroßeltern und Großeltern alles, was erforderlich ist, an Maschinen übertragen haben und weil das ja, Hand auf's Herz, auch eigentlich ganz praktisch ist. Aber damit lebt man für nichts mehr.
Damit hast du genau den Finger auf mein Kernproblem gelegt, danke. :) Der Charakter, der über der Sinnlosigkeit seines von Robotern umsorgten Daseins am Wahnsinn kratzt, ist genau der, in den ich mich in einer durchautomatisierten Zukunft am besten hineinfühlen kann. Im Moment setze ich gewissermaßen meine Hoffnungen in diese Charaktere, um in der SF wieder einen Hauch von Leben und Seele wiederzufinden.

- aber es ist auch realistisch, dass viele Menschen einerseits nicht das Interesse an geistiger Betätigung haben, aber andererseits durchdrehen wenn sie nichts sinnvolles tun können. Wobei es nicht ausreicht, freiwillig von Hand eine Arbeit zu erledigen, die ein Automat noch besser und schneller erledigen könnte.
Das ist genau mein Punkt. Um auf meine Lieblings-Charakterklasse zurückzukommen, menschliche Raumpiloten sind ineffizient und unwirtschaftlich. Was also soll ein Mensch tun, der sich für genau diesen Job "geboren fühlt"?

Aus Hard SF-Warte zurück gefragt:
Ist es plausibel, dass man solche Fertigungsmöglichkeiten hat, aber keinerlei Möglichkeit, raumfahrttaugliche Rechner auf die Schnelle zu improvisieren?

Der Witz ist ja gerade, dass die benötigte Rechenleistung ziemlich trivial ist und man die in einer auch nur ansatzweise zivilisierten Umgebung an jeder Ecke vorfindet.
Computer, die dir die benötigten Kursdaten _ausrechnen_, sind eine Sache.

Computer, die dann auch in der Lage sind, die Triebwerke automatisch anzusteuern, Unregelmäßigkeiten auszugleichen etc. eine andere. Ich wäre ja schon zufrieden, wenn meine menschlichen Piloten anhand der von einem Computer errechneten Bahndaten gefühlvoll das Triebwerk von Hand bedienen müßten.

Kann der Mensch nicht durch etwas so Banales und nicht-Kataklysmisches wie eine andere Einstellung zur Technologie und selbst gemachten Erfahrungen wieder in den Mittelpunkt rücken?
Mit einer neuen/anderen Spiritualität ließe sich da Einiges machen - ohne von physikalischen/technischen Zwängen gehindert zu werden.
Hast du einen Vorschlag, wie eine solche geänderte Spiritualität aussehen könnte?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: ErikErikson am 1.09.2011 | 21:03
Verleg die Handlung doch in eine Art Holodeck oder VR.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Boba Fett am 1.09.2011 | 21:05
Hat jemand Ideen?
Tja, da ich technische Informatik, Fachbereich Automatisierungstechnik studiert habe... ;)

Egal, wie hoch der Automatisierungsgrad oder die sogenannte Maschinenintelligenz sich entwickelt wird (selbst mit der Existenz von KI, so wie sie heute denkbar wäre):

Man wird immer den Menschen gebrauchen, weil die Maschine jemanden braucht, der Entscheidungen trifft. Und weil der Mensch stets flexibler und anpassungsfähiger ist, unvorhersehbare Situationen bewerten, improvisieren und zur Not sogar intuitiv handeln kann.

Ausserdem fallen Maschinen aus, müssen repariert, im Notfall durch Improvisation, oder ausgeschaltet oder durch Alternativen ersetzt werden.
Einfach mal Apollo 13 gucken...

In Konfliktsituationen gibt es stets die Maschine, die die Maschine ausschaltet, Störsignale, ELectronic Counter Measures, ECCM, ECCCCM, und so weiter.
Notfalls Erzeugt man einen Blackout und schon ist die schöne Elektronik im Eimer.
oder man stört die Freund Feind Erkennung und schon muss jeder vom friendly fire der Veründeten Angst haben....
wie auch immer, egal wie hoch man automatisiert, die Gegenseite kann mithalten (oder hat eh verloren) und dann kommt man zu dem Punkt wo der Mensch das Quentchen Unterscgied macht, die kritische Situation ausgleicht oder eben die Entscheidungen trifft...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 1.09.2011 | 21:36
Verleg die Handlung doch in eine Art Holodeck oder VR.
Au ja. Oder ich lege fest, daß die Handlung sich in Wirklichkeit in der Phantasie von ein paar Typen abspielt, die mit Würfeln und Stiften um einen Tisch sitzen und... äh... Moment.
~;P

@Boba: Naja, aber das würde die Menschen immer noch darauf reduzieren, daß sie nur in extrem außergewöhnlichen Notfallsituationen selbst handeln. Oder eben auf die Rolle des Entscheidungsträgers. Ich möchte sie aber als Handlungsträger, die sich auch wirklich selbst die Hände schmutzig machen. Und das nicht nur, weil zufällig gerade alle automatischen Systeme versagen, sondern gewohnheitsmäßig.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Boba Fett am 1.09.2011 | 21:54
@Boba: Naja, aber das würde die Menschen immer noch darauf reduzieren, daß sie nur in extrem außergewöhnlichen Notfallsituationen selbst handeln. Oder eben auf die Rolle des Entscheidungsträgers. Ich möchte sie aber als Handlungsträger, die sich auch wirklich selbst die Hände schmutzig machen. Und das nicht nur, weil zufällig gerade alle automatischen Systeme versagen, sondern gewohnheitsmäßig.
Das kannst Du auch...

Stichwort "Autopilot"
Der Flug von A nach B...
Zwiachen den beiden Punkten steuert die Maschine.
Start und Landung macht der Mensch aber selbst.

Die Automatisierung wird mehr und mehr die Routineaufgaben lösen.
In den Ausnahmefällen wird man sich aber nicht auf eine Maschine verlassen wollen.

Anderes Beispiel... Lotse an Bord
Der Lotse kennt das Territorium, weiss von aktuellen Änderungen, wo der Kapitän oder die Maschine nicht up to date ist und mit den aktuellen Situationen auch keine Erfahrungen oder Programmanpasungen erlangen konnte.

Piratenerkennung...
Sobald Piraten wissen würden, wie eine Maschine entscheidet, ob ein nahendes Schiff potentielles Risiko darstellt, hätte die Maschine verloren...

Lokführer wären heute überflüssig, es wird aber trotzdem nicht verzichtet...

Und ganz wichtig: Interaktionsfähigkeiten

Ich könnte jetzt eine lange Liste machen, wo Maschinen alleine nicht ausreichen oder nicht ausreichend flexibel sind.

Und als Alerletztes:
Der Preis: Die Ressource Mensch ist billiger, selbst reprodizierend und entbehrlich.
Warum eine teure Maschine kaufen, deren Verlust wirklich teuer ist, wenn man genauso einen Mensch leasen kann?
(dazu habe ich ein sehr bitteres Beispiel aus der aktuellen Zeit)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Whisper666 am 1.09.2011 | 22:11
Zitat
Der Lotse kennt das Territorium, weiss von aktuellen Änderungen, wo der Kapitän oder die Maschine nicht up to date ist und mit den aktuellen Situationen auch keine Erfahrungen oder Programmanpasungen erlangen konnte.
Dann lädt die Maschine eben kurz vor der Landung die letzten Aktualisierungen runter. Problem gelöst.

Zitat
Die Ressource Mensch ist billiger, selbst reprodizierend und entbehrlich.
Warum eine teure Maschine kaufen, deren Verlust wirklich teuer ist, wenn man genauso einen Mensch leasen kann?

1. Ein Mensch ist nicht billig. Schon mal überlegt, was es kostet, einen Menschen von der Geburt in ein nützliches Alter zu bringen? Allein die Kosten für Futter sind riesig. Dann noch die Kosten für die Ausbildung.
2. Ich höre immer teure Maschine. Wenn Roboter allegegenwärtig sind und in Massenproduktion hergestellt werden, warum sollten die dann noch teuer sein? Vor zwei drei Jahren waren Flachbildschirme auch noch schweineteuer, heutzutage kriegt man die beim Klauen hinterhergeschmissen. Mit Robotern wird das nicht anders sein. Die werden in einem solchen Szenario deutlich billiger sein als Menschen. Zumal man eine Maschine nicht erst ausbilden muss. Und man muss auch nicht für ihren Komfort an Bord sorgen. Oder für Verpflegung.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Fat Duck am 1.09.2011 | 22:36
Ist das beliebte "Mensch an Maschine anstöpseln / Maschine in Gehirn einbauen" keine Lösung?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 1.09.2011 | 22:42
Ist das beliebte "Mensch an Maschine anstöpseln / Maschine in Gehirn einbauen" keine Lösung?
Nein, siehe:

Und zu einem Menschen gehört für mich auch, daß er nicht nur ein Hirn mit Elektroden dran darstellt, sondern mit den Händen agiert und sein Körper insgesamt noch zu irgendetwas gut ist. Und daß er an den abenteuerlichen Unternehmen seines Settings - Raumflug, Kämpfe etc. - aktiv beteiligt ist.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Whisper666 am 1.09.2011 | 23:03
Der Vollständigkeit halber:
Wie siehts aus mit einem Szenario ähnlich dem in "The Surrogates", also die Menschen sitzen zu hause und interagieren über ihre Roboterebenbilder?

Oder alternativ, ein "Brav New World" Szenario. Menschen werden nciht mehr geboren, sie werden in Klontanks als voll ausgebildete Erwachsene geschaffen. Dann wären sie tatsächlich billiger als Maschinen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 1.09.2011 | 23:24
1. Ein Mensch ist nicht billig. Schon mal überlegt, was es kostet, einen Menschen von der Geburt in ein nützliches Alter zu bringen? Allein die Kosten für Futter sind riesig. Dann noch die Kosten für die Ausbildung.
Das "Problem" ist: Diese kosten hast du sowieso. Wenn ein Mensch geboren wird, dann hast du automatisch die Kosten für Futter. Und eine halbwegs vernünftige Ausbildung wird sicherlich auch als Menschenrecht angesehen.

Das heißt, du hast 1 Millarde ausgewachsener, durchschnittlich ausgebildeter Menschen. Ob du sie für die Arbeit benutzt oder ob sie einfach nur vor sich hinleben, ist egal. Sie sind da und die Kosten für sie mussten so oder so gezahlt werden.

Jetzt hast du die Wahl:
1) Du fütterst diese Leute jetzt 40 weitere Jahre lang durch, bis sie irgendwann an Altersschwäche draufgehen.
2) Du lässt die Leute verhungern und bereitest dich auf eine Rebellion vor, da die Leute sicherlich nicht friedlich verhungern werden sondern versuchen, sich irgendwie Lebensmittel zu ergattern - notfalls mit Gewalt.
3) Du quasselst etwas von "Lebensraum im Weltraum". Und mit etwas Glück kommt nur die Hälfte wieder und die andere Hälfte stirbt bei der Expedition.
4) Du findest auf der Erde ein paar Jobs, die die Menschen erledigen können. Am besten körperlich anstrengende und/oder gefährliche Arbeit, damit die Arbeiter möglichst früh sterben und man sie nicht bis zum erreichen des Todes durch Altersschwäche durchfüttern muss.

Was glaubst du, ist davon die billigste Alternative? Und was glaubst du, kostet am meisten?

Zitat
Mit Robotern wird das nicht anders sein. Die werden in einem solchen Szenario deutlich billiger sein als Menschen.
Bei Robotern hast du die Wahl: Ich bau sie oder ich bau sie nicht.
Bei Menschen hast du nicht die Wahl: Diese werden automatisch gezeugt.

Das heißt, Roboter hast du nur, wenn du sie auch brauchst und einsetzen willst. Und nur in diesen Fällen hast du ihre Kosten zu tragen.
Menschen dagegen hast du immer, egal ob du sie brauchst oder nicht. Und ihre Kosten müssen in jedem Fall getragen werden, egal, ob du sie einsetzen willst oder nicht.

Der Einsatz eines Roboters kostet Ressourcen, da du ihn dafür extra bauen musst.
Der Einsatz eines Menschen kostet keine Ressourcen, da dieser Mensch sowieso schon existiert. (Egal, ob du ihn einsetzen willst oder nicht.) Im ökonomischsten Fall spart man durch den Einsatz sogar Ressourcen, da der Mensch beim Einsatz stirbt und nicht mehr durchgefüttert werden muss.

PS: Und ja, das ist zynisch.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 1.09.2011 | 23:27
Damit hast du genau den Finger auf mein Kernproblem gelegt, danke. :) Der Charakter, der über der Sinnlosigkeit seines von Robotern umsorgten Daseins am Wahnsinn kratzt, ist genau der, in den ich mich in einer durchautomatisierten Zukunft am besten hineinfühlen kann. Im Moment setze ich gewissermaßen meine Hoffnungen in diese Charaktere, um in der SF wieder einen Hauch von Leben und Seele wiederzufinden.

Hast du mal einige Culture (http://en.wikipedia.org/wiki/The_Culture)-Bücher gelesen?

Das klingt in einigen mehr als nur ein bisschen an.

1. Ein Mensch ist nicht billig. Schon mal überlegt, was es kostet, einen Menschen von der Geburt in ein nützliches Alter zu bringen? Allein die Kosten für Futter sind riesig. Dann noch die Kosten für die Ausbildung.

Ja, aber: Wenn ich einen Roboter will, muss ich ihn selbst bezahlen.

Den Menschen bezahlt jemand anders, weil er ihn zum Selbstzweck "baut" und nicht von Anfang an mit dem Gedanken, mir einmal seine Arbeitskraft entgeltlich zur Verfügung zu stellen.

Und auch davon abgesehen ist ein vielseitiger Roboter, der körperlich und bei grundlegenden mentalen Sachen alles kann, was ein Mensch "sowieso" kann, derzeit noch Zukunftsmusik und wird auf lange Zeit hinaus nicht billig sein.

Je nachdem, was der Roboter alles können muss und wie die technischen Gegebenheiten des Settings aussehen, gibt es da meiner Einschätzung nach jedenfalls eine ganze Anzahl an Szenarien, wo ein Mensch deutlich billiger als ein Roboter ist.

2. Zumal man eine Maschine nicht erst ausbilden muss. Und man muss auch nicht für ihren Komfort an Bord sorgen. Oder für Verpflegung.

Auch die Maschine muss programmiert werden - mit entsprechenden Updates. Der Mensch macht da vieles selbst.

Das sind nur zwei ganz unterschiedliche Prinzipien: Die Maschine kann ich schnell "ausbilden", muss aber mühsam nacharbeiten.
Den Mensch muss ich mühsam "programmieren", dafür macht er die meisten Updates selbst oder zumindest ohne großen Aufwand und ohne Katastrophen wegen einem falsch gesetzten Komma.

Und auch die Maschine braucht Komfort und Verpflegung:
Die hat genau so ihre Umweltbedingungen, die sie auf Dauer nicht verträgt (und da sind Dinge dabei, die ein Mensch evtl. gar nicht bemerkt - dafür sind ihr andere Sachen relativ egal, an denen ein Mensch scheitern würde), und sie hat ebenso ihren Bedarf an Betriebsstoffen und Ersatzteilen - die "weit draußen" möglicherweise nur sehr schwer oder gar nicht hergestellt werden können.

Das kommt dann wieder drauf an, wie die Technologie im Setting konkret aussieht.

Aber wenn man sich mal die Laufzeiten zwischen ernsten Störungen, die Wartungsintervalle etc. pp. anschaut, steht der Mensch bis auf Weiteres im Vergleich mit mobilen, vielseitigen und leistungsfähigen Robotern ziemlich gut da.

Menschen werden nciht mehr geboren, sie werden in Klontanks als voll ausgebildete Erwachsene geschaffen. Dann wären sie tatsächlich billiger als Maschinen.

Das bezweifle ich stark.
Wenn ich mir die Kosten von diversen medizinischen Gerätschaften und Mittelchen so anschaue (und dann noch ein bisschen was draufschlage für die Sachen, die es dazu zusätzlich bräuchte), dann ist eine "manuelle" Aufzucht wesentlich billiger.

Von der Kohle für den Betrieb eines Klontanks kann man einen ganzen Haufen Kinder in die Welt setzen und hat dann sogar noch die Chance, dass man hinterher ein paar Brauchbare hat und nicht nur einen, bei dem ja auch noch eine gewisse Fehlerquote vorliegt.

Und ohne ernsthafte Handwedelei sind die Klone auch nicht schneller fertig - denn zumindest Teile dieser Wachstumsbeschleunigung ließen sich wahrscheinlich auch auf normal aufwachsende Menschen anwenden.

Ich könnte jetzt eine lange Liste machen, wo Maschinen alleine nicht ausreichen oder nicht ausreichend flexibel sind.
Nichtsdestotrotz gibt es insbesondere im Raumkampf oder in anderen militärischen, High-Tech-geprägten Umfeldern genug Dinge, die der Mensch schlicht niemals so gut können wird wie eine spezialisierte Maschine.
Als Handlungsträger hat er in diesen Bereichen leistungsmäßig nichts verloren.


Hast du einen Vorschlag, wie eine solche geänderte Spiritualität aussehen könnte?

Konkret z.Zt. nicht...es dürfte/müsste aber aus dem Bauch raus in Richtung "Erfahrungsjunkie" gehen mit einer "neohumanistischen" Komponente (evtl. in Abgrenzung vom Transhumanismus). Ich denke da mal etwas drauf rum und gebe Laut, wenn mir was Brauchbares einfällt.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 2.09.2011 | 00:07
Die Automatisierung wird mehr und mehr die Routineaufgaben lösen.
Und mehr und mehr wird zu Routineaufgaben werden - oder einfach entfallen.
Ich kann nur noch einmal betonen, daß man nicht linear denken darf, wenn es um die Zukunft geht. Explodierende Motoren lassen sich nicht linear von Pferdekutschen herleiten. Und Pferdekrankheiten zu diagnostizieren und Ställe auszumisten, hat sich im Transportwesen schlicht erledigt. Warum sollten sich nicht entsprechend auch viele Dinge erledigen, die heute manuell gemacht werden?
Und: "Kinder kriegen die Leute immer!"? Nein. Dazu braucht es bestimmte Voraussetzungen, in aller Regel solche kultureller Art. Aber welche Kultur ist mit einer durchtechnisierten Welt noch kompatibel? Warum sollten die durchgefütterten, umsorgten Menschen Kinder haben wollen? Säuglingspuppen werden wohl reichen, um Mutterinstinkte abzureagieren - und die werden auch nicht älter, kommen nicht in die Pubertät, verlassen nicht das Elternhaus... fast noch besser als echte Kinder. Nur halt nicht so echt, aber - macht das denn so viel?
Nein, das Heer von Sklaven, das die Herrscher zum Beherrschen brauchen, wird nicht von selbst bestehen bleiben. Mag sein, es wird sogar aufwendiger sein, den Bestand an Sklaven zu halten, als die Umstände zu schaffen, unter denen sie komfortabel leben können...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 2.09.2011 | 01:24
Wie siehts aus mit einem Szenario ähnlich dem in "The Surrogates", also die Menschen sitzen zu hause und interagieren über ihre Roboterebenbilder?
Das widerspricht meiner Zielsetzung von Charakteren, die selbst Action und Abenteuer erleben, sich dabei selbst die Hände schmutzig machen und auch selbst in Gefahr geraten.

Oder alternativ, ein "Brav New World" Szenario. Menschen werden nciht mehr geboren, sie werden in Klontanks als voll ausgebildete Erwachsene geschaffen. Dann wären sie tatsächlich billiger als Maschinen.
Das widerspricht meiner Zielsetzung, daß das Szenario von Menschen handeln soll, die ich auch selbst als Menschen empfinde. Dazu gehört für mich absolut unverzichtbar eine Kindheit.

PS: Und ja, das ist zynisch.
Faßt es aber gut zusammen. Wie schon Kapitän Wolf Larsen in Jack Londons "Der Seewolf" bemerkt: "Wirtschaftlich gesehen gibt es nichts wertloseres als das Leben. Es füllt ungefragt jede Lücke und bietet sich überall an." (Zitat aus dem Gedächtnis, ich hab' die Stelle gerade nicht wiedergefunden.)

EDIT: hab' das Zitat eben noch ergoogelt: "Wert ist eine Sache, die durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird und damit ist das Leben die wertloseste Sache der Welt."

Hast du mal einige Culture (http://en.wikipedia.org/wiki/The_Culture)-Bücher gelesen?
"Bedenke Phlebas" habe ich mal angefangen, aber sehr schnell wieder weggelegt. Es war mir um Größenordnungen zu bombastisch.

Nichtsdestotrotz gibt es insbesondere im Raumkampf oder in anderen militärischen, High-Tech-geprägten Umfeldern genug Dinge, die der Mensch schlicht niemals so gut können wird wie eine spezialisierte Maschine.
Als Handlungsträger hat er in diesen Bereichen leistungsmäßig nichts verloren.
Zumindest nicht, wenn er in Konkurrenz zu entsprechenden Maschinen steht.

Konkret z.Zt. nicht...es dürfte/müsste aber aus dem Bauch raus in Richtung "Erfahrungsjunkie" gehen mit einer "neohumanistischen" Komponente (evtl. in Abgrenzung vom Transhumanismus). Ich denke da mal etwas drauf rum und gebe Laut, wenn mir was Brauchbares einfällt.
:)

Ich kann nur noch einmal betonen, daß man nicht linear denken darf, wenn es um die Zukunft geht. Explodierende Motoren lassen sich nicht linear von Pferdekutschen herleiten. Und Pferdekrankheiten zu diagnostizieren und Ställe auszumisten, hat sich im Transportwesen schlicht erledigt. Warum sollten sich nicht entsprechend auch viele Dinge erledigen, die heute manuell gemacht werden?
Weil das exakt die Sorte Szenario ist, die ich _nicht_ will. Nicht mehr, genaugenommen. Been there, done that. Es gibt mir nichts. Wenn es dir Spaß macht, dich in ein durchautomatisiertes Szenario hineinzudenken, dann tu's und werde glücklich damit. Ich suche ja gerade einen Ausweg daraus. Ich möchte ausdrücklich! ein glaubwürdiges SF-Szenario, in dem die Automatisierung nicht alles an sich rafft, sondern in dem Menschen noch - oder wieder - selbst Hand anlegen müssen. Und die "Hand" meine ich, wie schon mehrfach erwähnt, wörtlich. Per Cyberware-Schnittstelle eine Maschine ans Hirn anzuschließen, zählt für mich nicht.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 2.09.2011 | 08:15
Gabs die Lösung Ressourcenknappheit schon? Die Technologie der Zukunft könnte  irgendeinen knappen Rohstoff benötigen, der schlicht die Menge der Maschinen deckelt. Da könnte man sich irgendein Element raussuchen, das nicht in riesigen Mengen vorkommt und auch keine oder wenige Alternativen zulässt. Die Menschheit könnte es auch z.B. bei einem unkontrollierten Technologieboom (Krieg?) viel schneller verbraucht haben, als die Wissenschaft Alternativen erforschen konnte. Das würde auch zugleich eine starke Motivation für Exploration liefern.

Ich habe z.B. mal gelesen, dass die irdischen Vorkommen an Lithium bald die Verfügbarkeit von entsprechenden Akkus begrenzen werden. Hab es selbst nicht weiter recherchiert, aber als Beispiel taugt es unabhängig obs stimmt.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 2.09.2011 | 09:36
Weil das exakt die Sorte Szenario ist, die ich _nicht_ will. Nicht mehr, genaugenommen. Been there, done that. Es gibt mir nichts. Wenn es dir Spaß macht, dich in ein durchautomatisiertes Szenario hineinzudenken, dann tu's und werde glücklich damit. Ich suche ja gerade einen Ausweg daraus. Ich möchte ausdrücklich! ein glaubwürdiges SF-Szenario, in dem die Automatisierung nicht alles an sich rafft, sondern in dem Menschen noch - oder wieder - selbst Hand anlegen müssen. Und die "Hand" meine ich, wie schon mehrfach erwähnt, wörtlich. Per Cyberware-Schnittstelle eine Maschine ans Hirn anzuschließen, zählt für mich nicht.
Was zeichnet den Menschen aus? Ich hab's doch oben schon geschrieben...
Automatisierung kann Routineaufgaben übernehmen, ohne den Menschen davon zu entbinden, hin und wieder seinen A*** sehr, sehr schnell aus dem Sessel kriegen zu müssen...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: McCoy am 2.09.2011 | 09:37
Wenn dein Szenario von Menschen handeln soll die Abenteuer erleben, machen die das dann freiwillig oder weil sie es müssen? Aus der Not heraus oder aus einem Pflichtgefühl?
Geht es allem Menschen so oder bilden die Chars eine kleine Gruppe inmitten andersartiger?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tigerbunny am 2.09.2011 | 10:49
Was zeichnet den Menschen aus? Ich hab's doch oben schon geschrieben...
Automatisierung kann Routineaufgaben übernehmen, ohne den Menschen davon zu entbinden, hin und wieder seinen A*** sehr, sehr schnell aus dem Sessel kriegen zu müssen...
Es gibt doch diese Dokus, was wäre, wenn der Mensch von heute auf morgen vollständig von der Erde verschwinden würde. Die Betreiber von Wasser- und Elektrizitätswerken erklären da, das die Versorgung wohl noch zwischen 48 Stunden und 4 Tagen(die genauen Zahlen weiß ich nimmer und ich hab grad auch keine Lust, die Dokus zu suchen) von den Computern aufrechterhalten würde. Erst dann würden die aufsummierten Spannungs- und Druckschwankungen, die aufsummierten Kleinigkeiten halt, zum Zusammenbruch führen. Denken wir das in die Zukunft weiter, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass der Betrieb noch länger automatisch weitergehen würde.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 2.09.2011 | 11:15
Was ich mich jetzt die ganze Zeit frage: wird die Menschheit wollen, dass alles um sie herum voll-automatisch geregelt wird? Je mehr automatisiert ist, desto weniger Kontrolle hat der Mensch darüber. Ich würde einfach erwarten, dass es eine Reihe von "Soll-Bruchstellen" gibt, wo der Mensch zumindest noch sein OK für den Prozess geben muss, bevor dieser gestartet bzw. fortgesetzt wird. Das kann natürlich auch ferngesteuert erfolgen, aber vielleicht ist das in der Raumfahrt ja gar nicht so praktikabel?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: McCoy am 2.09.2011 | 11:21
Wie wärs denn mit einer Technologie dich auf Bioschnittstellen beruht? Da künstliche Nervenbahnen sich als zu anfällig für wasweißich für Störungen erwiesen haben, wurde irgendwann lebendes Gewebe benutzt.

Aus diesem Grund sind nur speziell geschulte(gezüchtete) Operatoren in der Lage mit den Maschinen zu kommunieren, da ihre Hirne als Rechnerersatz dient.

Alternativ wurde die gesamte Hochtechnologie des Sternenreiches durch einen künstlichen Zentralcomputerplaneten gesteuert. Nachdem der durch Faktor X zerstört wurde, hatte man zwar noch riesige Flotten an Tantalus Kampfdrohnen und Raumschiffen aber ohne steuerimpule konnten die nix mehr. Aus der Not heraus wurden diese dann für menschliche Steuerung umgebaut.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tigerbunny am 2.09.2011 | 11:27
Passend zum Thema:

Hier entlang... (http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_wissen/article13579740/Flugkapitaene-verlernen-das-Fliegen.html)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 2.09.2011 | 12:11
Wie wärs denn mit einer Technologie dich auf Bioschnittstellen beruht? Da künstliche Nervenbahnen sich als zu anfällig für wasweißich für Störungen erwiesen haben, wurde irgendwann lebendes Gewebe benutzt.

Aus diesem Grund sind nur speziell geschulte(gezüchtete) Operatoren in der Lage mit den Maschinen zu kommunieren, da ihre Hirne als Rechnerersatz dient.

Alternativ wurde die gesamte Hochtechnologie des Sternenreiches durch einen künstlichen Zentralcomputerplaneten gesteuert. Nachdem der durch Faktor X zerstört wurde, hatte man zwar noch riesige Flotten an Tantalus Kampfdrohnen und Raumschiffen aber ohne steuerimpule konnten die nix mehr. Aus der Not heraus wurden diese dann für menschliche Steuerung umgebaut.
1. Hat er schon mehrfach ausdrücklich darauf hingewiesen, dass er keine hochgezüchteten mit der Maschine verbundenen Menschen haben will.
2. Sämtliche Information breitet sich maximal mit Lichtgeschwindigkeit aus. Beim Kürzesten Abstand zwischen Mars und Erde braucht eine Radioübertragung etwa 3 Minuten.
Jetzt kommt es darauf an wie man das Hard-Sci-Fi Problem der Überlichtreise löst.

Mal so als Ansatz.
Nimm doch eine alternative Realität in in der Transistoren nicht funktionieren. Jeder Rechner muss mit Röhren gebaut werden. Überall dort, wo man jetzt keinen zimmergroßen Rechner haben kann muss Mensch selber machen.
[EDIT] Ja ich weiß dass du eigentlich keine alternate History haben wolltest, ich hab's trotzdem mal gepostet, da es mMn das geringste Übel ist. Es ist nur eine Prämisse, die alle Probleme soweit ich das sehe löst. mMn besser als künstlich jegliche Automatisation irgendwie per Plotonium zu unterbinden. [/EDIT]

Ansonsten würden in der Zukunft in einem Raumschiff wohl ein paar Ingenieure herum sitzen, die Entscheidungsträger sind und Zeugs Reparieren wenn etwas kaputt geht.
Crew der Zukunft (Elektriker, Informatiker, Raumfahrtingenieur, Arzt, Pilot - gibt bestimmt noch welche die mir gerade nicht einfallen) die Jobs vielleicht auch in 2facher Ausführung falls einer Krank wird und dass die Besatzung sich nicht so schnell an die Gurgel geht weil man Person X nicht so mag aber mit ihm sozialisieren muss, weil man ihm nicht richtig aus dem Weg gehen kann.
Für die gefährlichen Sachen würden sie dann einen Roboter per Fernsteuerung raus schicken. Das heißt die Action würde sich am Joystick abspielen und wenn man "verliert" ist man nicht tot sondern man ärgert sich weil einem der Roboter verreckt ist.

Willkommen in der Zukunft in 500 Jahren, das Leben ist eine Soap Opera. Da die Produktionstechniken allen Menschen den Luxus der Zivilisation ermöglichen ohne dafür arbeiten zu müssen, sind die wichtigen Fragen die aus dem schnulzigen Nachmittagsprogramm von heute geworden.

Passend zum Thema:

Hier entlang... (http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_wissen/article13579740/Flugkapitaene-verlernen-das-Fliegen.html)
Ist halt nur die Frage, wenn durch die Automatisation im Notfall nicht mehr Manuell gesteuert werden kann und deswegen 100 Leute im Jahr umkommen ...
ABER durch die Automatisation auch Unfälle die durch menschliches Versagen entstanden wären und 500 Tote gefordert hätten verhindert werden.
Dann sollte man schon lieber mit inkompetenten Piloten und kompetentem Autopiloten unterwegs sein.

Was man sich aber natürlich vorstellen könnte ist, dass in der Zukunft Mensch steuert und wenn er einen Fehler macht übernimmt der Autopilot und korrigiert. Das ganze dient nur dazu den Piloten fit zu halten falls durch einen Technischen defekt der Autopilot mal ausfällt und er WIRKLICH selber fliegen muss.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 2.09.2011 | 13:01
Was ich mich jetzt die ganze Zeit frage: wird die Menschheit wollen, dass alles um sie herum voll-automatisch geregelt wird?
Diese Problematik wird sehr schön in der Roman-Trilogie Sternengeist, Sternenfeuer und Sternennebel von Poul Anderson beschrieben.
Dort breitet sich auf der Erde die Automatisierung immer weiter aus und einige Menschen kolonisieren daraufhin den Planeten Demeter. Später wird dann zweigleisig erzählt:
Einerseits auf der Kolonie Demeter, die immer wieder die Hilfsangebote der KIs von der Erde ablehnen. Und andererseits die Menschen auf der Erde, die in einer perfekt durchdesignten Welt leben, in der es nur Müßiggang, aber keine Arbeit mehr gibt. (Ja, auch Wissenschaft und Politik wurde von den KIs übernommen, die auch in diesen Bereichen wesentlich besser (und weniger korrupt) arbeiten als die Menschen.)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 3.09.2011 | 16:32
Als wenn es bei der Besetzung von Posten in Politik und Wirtschaftsspitze darum ginge, wer das "besser" kann.  :D
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 4.09.2011 | 01:24
Da stelle ich mir doch die Frage, inwiefern KIs zu kreativen Lösungen fähig sind. Das gilt u.a. sowohl für Wissenschaft als auch für Politik. Man kann eben nicht alles mit einem "Wenn A, dann X" Programm lösen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 4.09.2011 | 02:46
Was ist schon Kreativität? Kreativität ist im Prinzip die Verwendung eines bekannten Prinzips mit einer zufälligen Abweichung. Und das sollte auch bei Programmen funktionieren.

Desweiteren ist man ja auch am Forschen, die Funktionsweise des Gehirns künstlich nachzubauen. Sprich, man gibt dem Computer dann kein Programm sondern eine Reihe von Schaltpunkten, die je nach Schaltplan ihre Signale an andere Schaltpunkte weiterleiten.

Heutzutage gibt es ja bereits Pseudo-KIs. Und selbst diese arbeiten mit keinen simplen "Wenn A, dann X"-Programmen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 4.09.2011 | 03:43
Gerade in der Politik kann ich mir recht gut vorstellen, dass das in einigen Bereichen mit ordentlich programmierten KIs sogar teils deutlich besser funktioniert.

Die haben wenigstens keine wie auch immer geartete Privatagenda, machen keine hirnrissigen Anlassgesetze und sind evtl. sogar in der Lage, handwerklich saubere Gesetze zu schreiben (§42a WaffG lässt grüßen...).

Und mal ganz ehrlich: Sonderlich kreativ sind zeitgenössische politische Lösungen auch nicht.
Der Kram ist zwar komplex, aber die sinnvollen Handlungsmöglichkeiten sind nicht nur endlich, sondern letztendlich auch recht überschaubar.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 4.09.2011 | 10:00
Da stelle ich mir doch die Frage, inwiefern KIs zu kreativen Lösungen fähig sind.
Das hängt davon ab, wie man "Kreativität" versteht. Meines Erachtens stoßen Computer da an ihre Grenzen, wo die Parameter einer Situation nicht mehr in den vom Programm vorgegebenen Rahmen angemessen auswertbar sind. "Angemessenheit" entzieht sich aber der Programmierung, zumindest soweit bisher absehbar ist. Sie entzieht sich ja sogar zuweilen dem Urteil des Einzelnen, weswegen gar nicht so selten "Fachleute" dazu neigen, "unangemessene" Reaktionen zu zeigen, weil sie den Ausbruch der situativen Umstände aus der Parametrisierung ihrer üblichen Arbeit nicht wahrnehmen. Sie handeln nach einem Schema, das sie kennen, und machen daher Fehler, die jemand, der das Schema nicht verinnerlicht hat, als solche erkennen kann.

Umgangssprachlicher formuliert: Computer können hervorragende "preußische Beamte" abgeben, die alle Regeln genau kennen und einhalten wollen. Aber sie können nicht bewerten, ob ein Einhalten der Regeln an dieser Stelle angemessen ist.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 4.09.2011 | 10:10
Da stelle ich mir doch die Frage, inwiefern KIs zu kreativen Lösungen fähig sind.[...]

Echte KIs sind dazu selbstverständlich genau so in der Lage wie Menschen. Sind doch bloss emulierte Menschen mit mehr Leistung.

Der Unterschied zwischen Mensch und KI ist einfach nur, dass in einer KI-Gesellschaft die KIs die willigen Sklaven sind und die Menschen die Sklavenhalter. Und das ist für Heldengeschichten eigentlich ideal: Odysseus verlor mehrere Schiffsbesatzungen auf seiner Odysee, Achilles hatte seine Myrmidonen, Kirk seine Redshirts und so weiter und so fort.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Boba Fett am 4.09.2011 | 10:17
@Thot: Das ist falsch. KI definiert sich nicht durch Menschliche Denkstrukturen.
das ist ein KANN aber kein MUSS. Es ist sogar eher unwahrscheinlich, dass eine Denkmaschine (Computer, neuronales Netzwerk, was auch immer) menschenähnliche Denkprozesse haben wird.

KI = künstliche Intelligenz
Künstlich ist wohl klar (muss aber nicht mal von menschenhand geschaffen sein).
Intelligenz muss also definiert werden, geht in Richtung "Eigenbewustsein" (ich denke, also bin ich), Lernfähigkeit, Kreativität, Gedächtnis, Kommunikationsvermögen.
Das kann auch völlig Menschen-unartig und fremd sein.

Was Menschen ausmacht, der KI aber wahrscheinlich fehlen wird (oder kann), sind Instinkte, Emotionen, Fortpflanzungsbedürfnis, Spiritualität, Hormone,...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 4.09.2011 | 10:22
@Thot: Das ist falsch. KI definiert sich nicht durch Menschliche Denkstrukturen.
das ist ein KANN aber kein MUSS. Es ist sogar eher unwahrscheinlich, dass eine Denkmaschine (Computer, neuronales Netzwerk, was auch immer) menschenähnliche Denkprozesse haben wird.

http://www.suite101.de/content/das-kuenstliche-gehirn-a50172

Zitat
[...]
Was Menschen ausmacht, der KI aber wahrscheinlich fehlen wird (oder kann), sind Instinkte, Emotionen, Fortpflanzungsbedürfnis, Spiritualität, Hormone,...

Und was spricht dafür, dass man das nicht einprogrammieren könnte, wo es nützlich wäre?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Boba Fett am 4.09.2011 | 10:24
"KANN" nicht "MUSS" steht da oben.

In Deinem zitierten Werk geht es darum, ein menschliches Gehirn künstlich nachzubilden.
da sind menschliche Denkstrukturen natürlich Ziel.
Das ist aber nicht der einzige Ansatz für KI.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 4.09.2011 | 11:13
"KANN" nicht "MUSS" steht da oben.

Kein Grund zu schreien. Dass es mir offensichtlich nicht darum geht zu behaupten, man könne KIs nur auf eine Art und Weise programmieren, sollte eigentlich evident sein. Für die Diskussion hier ist einzig und allein relevant, dass es überhaupt keinen Grund gibt, anzunehmen, dass eine echte KI im Prinzip nicht genau so gut und besser in einer beliebigen (!) Aufgabe wäre wie bzw. als ein Mensch.

Und dass das die Menschen nicht davon abhalten wird, die spannenden Dinge trotzdem selber zu entscheiden.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: mat-in am 4.09.2011 | 11:13
Gerade in der Politik kann ich mir recht gut vorstellen, dass das in einigen Bereichen mit ordentlich programmierten KIs sogar teils deutlich besser funktioniert.
Ja, sehen wir ja, wie gute es an den Finanzmärkten läuft seit dort KI's einkäufe, verkäufe und bewertungen tätigen. War ein großer Schritt vorwärts zu ... mehr Gewinn und weniger stabilität.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 4.09.2011 | 11:20
Was ist schon Kreativität? Kreativität ist im Prinzip die Verwendung eines bekannten Prinzips mit einer zufälligen Abweichung. Und das sollte auch bei Programmen funktionieren.

Das ist keine Kreativität in meinen Augen. Kreativität zeichnet sich (imo) doch dadurch aus, bekannte Prinzipien außen vor zu lassen.

Das hängt davon ab, wie man "Kreativität" versteht. Meines Erachtens stoßen Computer da an ihre Grenzen, wo die Parameter einer Situation nicht mehr in den vom Programm vorgegebenen Rahmen angemessen auswertbar sind.

Genau das meine ich. Mal echte, menschlich denkende KIs ausgeklammert und zurück zur bloßen computergesteuerten Automatisiserung. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein noch so komplexes Programm zu jederzeit in vom Erwarteten stark abweichenden Situationen alle notwendigen Parameter vorliegen hat, die zu einer sinnvollen Entscheidung führen würden. (ok, was heißt jetzt "sinnvoll"?). Eine programmierte Routine, beispielsweise zur automatisierten Kolonisierung eines Planeten, wird immer nur die Informationen sammeln, die die Programmierer als notwendig  vorhergesehen haben. Es wird sicherlich einige Auffangnetze geben, wo bestimmte Kontrollparameter abgefragt und dann u.U. Zusatzmaßnahmen zugeschaltet werden. Aber halt immer nur im Rahmen des Erwarteten.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 4.09.2011 | 11:27
[...]
Genau das meine ich. Mal echte, menschlich denkende KIs ausgeklammert und zurück zur bloßen computergesteuerten Automatisiserung. [...]

Warum sollte man das für die Zwecke dieser Dikussion für nützlich halten?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 4.09.2011 | 12:12
Weil es allgemein um Automatisierung und nicht speziell um KIs geht? Der TE spricht von Computern und Robotern. KIs kamen erst später in die Diskussion.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 4.09.2011 | 12:16
Ich habe

[...]
beim Entwurf meines Hard SF-Settings stolpere ich in letzter Zeit immer wieder über dieselben Probleme: wofür braucht es eigentlich noch Menschen?
[...]

anders verstanden.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 4.09.2011 | 15:40
Ja, sehen wir ja, wie gute es an den Finanzmärkten läuft seit dort KI's einkäufe, verkäufe und bewertungen tätigen. War ein großer Schritt vorwärts zu ... mehr Gewinn und weniger stabilität.

Und mit welcher Zielsetzung wurden diese KIs programmiert?

Ist das zwangsläufig immer so oder wäre nicht eine andere Programmierung denkbar?

Warum das an den Finanzmärkten kein einzelner Akteur macht, liegt auf der Hand - aber in dem Moment sollte auch der Unterschied zur Politik klar werden.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: mister diesel am 4.09.2011 | 15:49
Ein ähnliches Szenario wie dein Problem der Automatisierung wurde in mal in Lems Buch "Das Fiasko" nebenbei behandelt. Dabei schufen zwei verfeindete Parteien immer mehr automatische Waffensysteme, die dann völlig autonomk handelten praktisch unkontrollierbar waren. Es wäre doch möglich, Abenteuer zu machen, in denen die Helden versuchen, genau diese Automatisierung zu verhindern, zum Beispiel weil irgendwelche Roboter verhindern, dass ein angeblich sowieso sterbender Patient gerettet wird.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Fat Duck am 4.09.2011 | 16:08
Gerade in der Politik kann ich mir recht gut vorstellen, dass das in einigen Bereichen mit ordentlich programmierten KIs sogar teils deutlich besser funktioniert.

Thomas Hobbes' Leviathan lässt grüßen? Ein bischen Absolutismus könnte natürlich ein guter Grund sein, warum sich dann viele Leute gegen Automatisierung wehren. :)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 4.09.2011 | 19:29
Ja, sehen wir ja, wie gute es an den Finanzmärkten läuft seit dort KI's einkäufe, verkäufe und bewertungen tätigen. War ein großer Schritt vorwärts zu ... mehr Gewinn und weniger stabilität.
Du weißt schon, dass wir heutzutage noch keine KIS besitzen? Echte KIs wird es vielleicht in 50 Jahren geben, aber bestimmt nicht früher.

Das was heutzutage an den Finanzmärkten benutzt wird, sind ganz simple "Wenn A, dann X"-Programme.

Und ein "Wenn A, dann X"-Programm mit einer KI zu vergleichen, ist in etwa so, als ob du einen Affen mit einem Menschen vergleichen würdest.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: mister diesel am 4.09.2011 | 19:43
Zitat
Und ein "Wenn A, dann X"-Programm mit einer KI zu vergleichen, ist in etwa so, als ob du einen Affen mit einem Menschen vergleichen würdest.

Das heist also, ihre Programmeigenschaften stammen zu 95% überein? Die DNS von Menschen und Affen sind zu 95% gleich. ~;D
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 4.09.2011 | 20:18
Du weißt schon, dass wir heutzutage noch keine KIS besitzen? Echte KIs wird es vielleicht in 50 Jahren geben, aber bestimmt nicht früher.

Na, mit einem groooßen "vielleicht". Oder nie.

Sollte es wirklich mal echte, leistungsfähige und "selbst-bewusste" KIs geben, dann muss man sich tatsächlich fragen, wofür man die Menschen noch braucht. Das ist aber derart spekulativ, um nicht zu sagen, fiktional, dass man das für ein SciFi Setting auch handwedeln kann.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 4.09.2011 | 23:17
Was zeichnet den Menschen aus? Ich hab's doch oben schon geschrieben...
Automatisierung kann Routineaufgaben übernehmen, ohne den Menschen davon zu entbinden, hin und wieder seinen A*** sehr, sehr schnell aus dem Sessel kriegen zu müssen...
Nur daß Erfahrung in Routineaufgaben meiner Ansicht nach unverzichtbar für die Fähigkeit ist, in Ausnahmesituationen vernünftig reagieren zu können.

Wenn dein Szenario von Menschen handeln soll die Abenteuer erleben, machen die das dann freiwillig oder weil sie es müssen? Aus der Not heraus oder aus einem Pflichtgefühl?
Geht es allem Menschen so oder bilden die Chars eine kleine Gruppe inmitten andersartiger?
Sagen wir's mal so: grundsätzlich sollte der Alltag eines Erwachsenen schon mindestens so "abenteuerlich" sein wie heute. D.h. das Äquivalent einer langen Autobahnfahrt sollte nicht nur darin bestehen, darauf zu warten, daß man vollautomatisch am Ziel ankommt. Klar, an der Raststätte rausfahren und einen Hamburger kaufen ist nicht gerade eine epische Queste, aber es kommt zumindest eine gewisse Road Movie-Atmosphäre auf. Klar, was ich meine?

Meine SCs sollen natürlich ein bißchen mehr erleben. ;) Aber grundsätzlich geht es mir darum, daß sie, wenn ein wirklich gefährliches Abenteuer dräut, nicht als dekadente Roboter-Hätschelkinder dastehen, die nicht einmal Praxis darin haben, sich selbst den Hintern abzuwischen. Ich möchte eine Basis haben, durch welche Fähigkeiten sich ein Charakter definiert - nicht nur spieltechnisch, sondern auch vom Selbstverständnis her. Es sollte halt so sein, daß (um dieses Beispiel wieder zu bemühen) ein Charakter im Alltag eben ein Raumpilot ist, der normalerweise eine langweilige Pendelroute fliegt und sich im Rahmen der Queste stattdessen mal ein paar echten Herausforderungen gegenübersieht wie z.B. sich einen Kurs durch einen unbekannten Asteroidengürtel zu ertasten.

Sprich: die Charaktere sollten von ihrem Alltag her Fähigkeiten besitzen, die sie befähigen, ein gefährliches Abenteuer, wenn sie sich auf eines einlassen (oder unfreiwillig in eines hineinstolpern) auch zu bewältigen.

Was ich mich jetzt die ganze Zeit frage: wird die Menschheit wollen, dass alles um sie herum voll-automatisch geregelt wird?
Das trifft genau den Kern meiner Frage. Meiner Ansicht nach würde die Menschheit das eigentlich gar nicht wollen. Im Moment zielt aber die ganze Entwicklung darauf ab und scheint unaufhaltsam dorthin zu driften. Daher suche ich nach Wegen, die die Menschheit beschreiten könnte, um sich nicht von der eigenen Automatisierung entmündigen zu lassen.

Was man sich aber natürlich vorstellen könnte ist, dass in der Zukunft Mensch steuert und wenn er einen Fehler macht übernimmt der Autopilot und korrigiert. Das ganze dient nur dazu den Piloten fit zu halten falls durch einen Technischen defekt der Autopilot mal ausfällt und er WIRKLICH selber fliegen muss.
Das klingt nach einem ausbaufähigen Ansatz, danke! :)

Diese Problematik wird sehr schön in der Roman-Trilogie Sternengeist, Sternenfeuer und Sternennebel von Poul Anderson beschrieben.
Auch für den Literaturtip: Danke! :)


EDIT: Grammatikalische Bezüge geradegebogen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Whisper666 am 5.09.2011 | 00:02
Ich bin der Meinung, dass es auf Raumschiffen immer eine menschliche Crew geben wird.
Warum?
Weil der Präsident/Imperator/Großkopfträger dem vollautomatischen Schlachtkreuzer P3X247 _nicht_ medienwirksam die Tapferkeitsmedallie verleihen kann.
Und weil die Kolonisierungsdrohne "Mars" einen schlechten Werbeträger für Zahnpasta oder Klamotten abgibt.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: dx1 am 5.09.2011 | 00:27
Okay, außer "Entwurf meines Hard-SF" hast Du in der Eröffnung kaum etwas preisgegeben und wie alle Anderen hier spekuliere ich mal wild drauf los und lasse meine Meinung dazu mal durch die Tasten ins Netz fließen. Mit "Du" meinte ich zwar eigentlich Dich, Grey, aber nimm's nicht zu persönlich. Ich habe hier nur "laut nachgedacht". Ich wollte erst noch einen Teil schreiben, der ein Setting in der nahen Zukunft behandelt — nur auf unser Sonnensystem begrenzt und wenn's weniger "bodenständig" sein soll, also mit Dogfights und was man sonst noch braucht, um den drögen Kapitalismus zu übertünchen auch mit ein bissel Space Opera und Cyberpunk drin — aber das wird mir zuviel und ich verweise nur auf die Anime-Serie "Planetes" und die neuere BSG-Serie …

Kein FTL-Flight. FTL ist meiner Meinung nach besser für Space Opera mit Außerirdischen oder Fraktionen, die aktuelle oder vergangene Konflikte aus Realität und Fantasie in die Zukunft™ projizieren. Du brauchst gemessen an der Größe des Raumes langsame, dicke, fette, kilometerlange, fensterlose Generationenschiffe. Mit meterdicken, mehrlagigen Wände aus verschiedenen Metallen und Kunststoffen. Vorrangig gegen die Strahlung und gegen Kollisionen mit "Partikeln" bis mehrere Zentimeter Durchmesser. Du brauchst dann auch keine "künstliche" Schwerkraft. Dafür gibt's rotierende Wohn- und Arbeitsbereiche auf einem Trägersystem. Ladung kann in starr aufgehängten Containern im Freifall aufgehoben werden. Du brauchst Technik, die sich notfalls beim Licht von Helm- oder Handlampen ohne Werkzeug instandsetzen lässt. Niemand will nach 350 Jahren Reise der scheiternden (und letzten) Generation angehören, weil grad der Vorrat an 8nm-CPUs aufgebraucht ist. Das begrenzt auch die Rechenkapazität auf "weniger als unendlich". Du brauchst Menschen, die die Daten der auf parallelen Kursen reisenden Sonden auswerten, um rechtzeitig Spezialisten nach draußen zu schicken, um größere Meteore abzulenken oder zu zerstören. Da kommen dann vielleicht sogar "Jagdschiffchen" ins Spiel. Du musst die Sonden "reinholen" und instandsetzen. Du brauchst Menschen als Lehrer für den Nachwuchs, Du brauchst Astronauten, die mal eben draußen was löten, wenn ein Träger warum auch immer geborsten ist. Etc. pp.

Falls Dir so ein Setting zu "closed room" ist, überlege, was passiert wenn die Menschen irgendwann irgendwo ankommen: Alles was sie zur Besiedelung einer neuen Welt haben befindet sich an Bord des Schiffes. Dazu gehört was auch immer Du ihnen zugestehst. Da das Schiff autark ist können sie praktisch so lange im Orbit des Planeten bleiben, bis sie Möglichkeiten gefunden haben, dort zumindest Biosphären zu errichten und darin für Menschen essbare Pflanzen anzubauen. Ich würde jedenfalls nicht probieren, ob auf Planet X eine der Kartoffel ähnliche Knolle für meinen Körper verwertbare Aminosäuren enthält. Es ist davon auszugehen, dass meine mitgebrachten Kartoffeln nicht ohne weiteres in fremder Erde wachsen, weil der Boden ganz andere Mikroben enthält.

Springen wir noch weiter. Den Siedlern ist es gelungen, den Boden mit Mikroorganismen anzureichern, die die heimischen Arten verdrängt haben oder bei unbelebtem Planeten überhaupt erst den Boden für Pflanzungen vorzubereiten. Das hat einige Zeit gedauert und nebenbei hat man schon große Teile der Schiffsbewohner in die Habitate umgesiedelt, vorsichtig mit der Vermehrung begonnen und wartet auf Atemluft in der Atmosphäre. Noch viel später traut man sich dann hinaus und beginnt nach und nach alle Ladung vom Schiff auf den Planeten zu werfen. Mit etwas Glück landet es auch wie geplant im Umkreis einiger 100 km um die Habitate herum. Mit etwas Pech liegen die Traktoren, mit denen man die Cargo-Container relativ bequem heranschaffen könnte auf der anderen Seite der Welt.

Dummerweise sehe ich in Hard-SF keinen Platz für (kriegsfähige) Außerirdische. Wenn Du es etwas aufweichen wollen würdest, ginge viel mehr, aber so richtig harte Science Fiction musst Du anders angehen und andere Probleme finden als die, die mit ein paar mutigen Piloten in X-Wings zu lösen sind. Hard-SF als Rollenspiel wirft aus meiner Sicht eher politische, philosophische und ethische Konflikte in die Runde. Ich meine, allein mein Generationenschiff wurde schon von Menschen fertiggestellt, die nie einen Fuß auf die Erde gesetzt haben, sondern dort geboren wurden, als es noch im Orbit um den Rest der Menschheit war. Dass sich da nach zwei Jahrhunderten Leben in künstlicher Umgebung auch in einer Gesellschaft von Technikern, Botanikern und Wissenschaftlern neue religiöse Kulte bilden, könnte passieren. Dass die Hierarchie nicht mal mehr von den geborenen Anführern ohne eingetrichterte Dogmen aufrecht erhalten werden wird, ebenso …

Ich geh erstmal pennen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 5.09.2011 | 02:17
Nur daß Erfahrung in Routineaufgaben meiner Ansicht nach unverzichtbar für die Fähigkeit ist, in Ausnahmesituationen vernünftig reagieren zu können.
Zuweilen ja, zunehmend häufiger aber nein. Sondern wenn eine Situation eintritt, der die automatischen Systeme nicht gewachsen sind, muß ich das tun, was die Systeme nicht können. Und ich muß einen Überblick haben, wie sie zusammenarbeiten.
Ich muß im Grunde nicht rechnen können, um zu wissen, daß ein automatisches System bei derselben Rechnung dasselbe Ergebnis bekommen sollte. Es reicht, die Forderung als "quasi-axiomatisch" zu behandeln und zwei "Entitäten" auf "Identität" zu prüfen. Und ich muß nicht rechnen können (obwohl es die Sache vereinfacht), um herauszufinden, wie ich das System dazu bringen kann, sich in Zukunft nicht mehr zu verrechnen. Die Routine im Rechnen kann ich die ganze Zeit vollends dem System überlassen - was ich wissen muß, ist, wie es funktioniert und wie man Fehler behebt.

Echte KIs sind dazu selbstverständlich genau so in der Lage wie Menschen. Sind doch bloss emulierte Menschen mit mehr Leistung.
Allerdings sind sie eben deshalb, weil sie von vorneherein und auf alle Zeit emulierte Wesen sind, eventuell zu entscheidenden Dingen nicht in der Lage. Das Problem, das an ihnen haften bleibt, ist, daß sie nur so gut emuliert werden können, wie
1.) die aktuellen Kenntnisse zur Vorlage sind und
2.) diese Kenntnisse umgesetzt werden können.
Der zweite Punkt ist dabei vermutlich unkritischer als der erste. Der erste ist dafür extrem problematisch. Bis auf Weiteres gibt es einen gigantischen Haufen von Sachen, die mal jemand behauptet in einem "wissenschaftlichen" Experiment herausbekommen zu haben. Glaubensdebatten wie die um Homöopathie werfen ein sehr gutes Streiflicht darauf, wie hilfreich das ist. Bislang bewahrheitet sich jedenfalls noch, daß, wer in der Wissenschaft eine Frage beantwortet, sofort vor zwei bis zehn neuen Fragen steht. Die Unwissenheit wächst schneller als das Wissen.
Aber solange der Mensch sich selbst ein Rätsel ist, kann er nichts "emulieren", was im Ergebnis ihm gleich oder auch nur ähnlich wäre.

Darum ist es mit der "künstlichen Intelligenz" auch nicht so weit her, bislang und bis auf Weiteres. Eventuell ist es sogar aus systemischen Gründen nicht möglich, je eine KI zu schaffen, die diesen Namen zu recht trägt.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 5.09.2011 | 10:56
Kein FTL-Flight.
Check. Ist bei mir auch nicht vorgesehen. Tatsächlich soll sich das Setting anfangs auf unser Sonnensystem beschränken, und die Menschheit steht an der Schwelle zu ersten interstellaren Missionen, aber rein relativistisch und STL.

Dummerweise sehe ich in Hard-SF keinen Platz für (kriegsfähige) Außerirdische. Wenn Du es etwas aufweichen wollen würdest, ginge viel mehr, aber so richtig harte Science Fiction musst Du anders angehen und andere Probleme finden als die, die mit ein paar mutigen Piloten in X-Wings zu lösen sind.
OK, an dieser Stelle ist vielleicht ein falscher Eindruck entstanden. Der Fokus soll bei mir nicht auf Raumkämpfen liegen, sondern eher auf dem, was in der Fantasy unter der Rubrik "Abenteuerfähigkeiten" zu finden ist. Die Fähigkeit eines Raumpiloten, seine Kiste auch unter widrigen Umständen sicher an ein trudelndes Wrack anzudocken, soll wichtiger sein als das Ballern mit schweren Geschützen.

Raumkämpfe soll es auch geben, aber nicht gegen Außerirdische, sondern zwischen Menschen untereinander. Und mir schweben da weniger epische Schlachten vor als Piratenüberfälle und kleine Scharmützel. "Wir plündern die schlecht bewachte, abseits gelegene Kuppel der Nachbarkolonie" bzw. "Wir verteidigen uns gegen den nächsten Besuch der Nachbarn", so in der Richtung.

Ich muß im Grunde nicht rechnen können, um zu wissen, daß ein automatisches System bei derselben Rechnung dasselbe Ergebnis bekommen sollte.
Nein. Aber ich muß geschulte Reflexe haben, um in einer Notsituation bestimmen zu können, wie herum wir das Schiff jetzt am besten drehen und wohin wir es mit einem kleinen Triebwerksstoß driften lassen. Da bleibt keine Zeit, um sich erst noch mal die Grundlagen durchzulesen: "Ähm, ja, um auf eine höhere Umlaufbahn zu kommen, müssen wir in Bahnrichtung beschleunigen... oder?"

Ich habe bestimmt nicht vor, meine Astronauten seitenweise Blöcke vollkritzeln zu lassen, um jede Triebwerkszündung von Hand zu berechnen. Aber solche Dinge wie Andockmanöver, Ausweichmanöver, Landung auf atmosphärelosen Welten... und eben all das auch in Situationen, die "von der Norm abweichen", das sollte ein Raumpilot in meinem Setting hinbekommen. Und dafür genügt es nicht, sich zurückzulehnen und dem Autopiloten zu sagen: "Bring uns irgendwie hier raus!" (bzw. wenn das genügt, empfinde ich das als ziemlich dröge). Dafür muß der Pilot auch wirklich ein Gefühl dafür haben, wie sich sein Schiff bewegt.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 5.09.2011 | 11:29
Dann lasst uns doch mal zusammentragen, was es bei derartigen Lande- / Start- / Dockmanövern geben könnte, womit ein Autopilot nicht klarkommt, und daher manuelle Bedienung besser ist.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 5.09.2011 | 12:45
Ich habe den Eindruck, dieses Thema geht von der Grundannahme aus, dass, nur weil es theoretisch möglich wär', alles voll zu automatisieren, auch alles voll automatisiert umgesetzt würde.

Der Threadsteller hat früh darauf hingewiesen, dass es ihm auf Politik und Intrige nicht ankommt. Daraus leite ich ab: Das größere Ganze soll keine zentrale Rolle spielen, was meines Erachtens wesentliche Aspekte aus der Diskussion außen vorlässt.

An zahlreichen Beispielen wurde bereits besprochen, wie sehr der Mensch sich in verschiedenen Lebensbereichen immer weiter überflüssig gemacht hat; und das wird als Grundlage für die Extrapolierung (Extraplation?) verwendet, dass dies analog für zukünftige Technologien Gültigkeit haben würde.

Ein paar Mal wurde auch schon darauf hingewiesen, dass Technologien Gegentechnologien haben und dass Ressourcen ein zentrales Problem darstellen könnten.

Bizarr ist, dass die Vollautomatisierung offenbar gleichgesetzt wird mit der Rechenleistung von Computersystemen und den potentiellen Vorstellungen von KIs ...

(So ist meine bisherige Bilanz dieser Diskussionen hier so weit ...)

Bevor ich daher auf das Thema eingehe, möchte ich das hier verifiziert oder falsifiziert wissen. Danke.

AO
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: mat-in am 5.09.2011 | 12:47
Du weißt schon, dass wir heutzutage noch keine KIS besitzen? Echte KIs wird es vielleicht in 50 Jahren geben, aber bestimmt nicht früher.

Das was heutzutage an den Finanzmärkten benutzt wird, sind ganz simple "Wenn A, dann X"-Programme.
Du darfst dir eine KI nicht als Menschliche intelligenz die einen Turing Test besteht vorstellen. Es sind Expertsysteme, die schon bei der einfachen lagerverwaltung über "wenn A dann mach X" hinaus gehen. Da blickt kein Mensch mehr durch, warum jetzt Produkt A in Regal Y kommt statt X, aber wenn man die Maschine machen läßt arbeitet sie effizienter als jeder Mensch.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 5.09.2011 | 13:11
Ich habe den Eindruck, dieses Thema geht von der Grundannahme aus, dass, nur weil es theoretisch möglich wär', alles voll zu automatisieren, auch alles voll automatisiert umgesetzt würde.
Stimmt. Das ist derzeit mein Eindruck, wie die Menschheit tickt.

Wenn du zu dieser Grundannahme einen lebensfähigen Gegenentwurf hast, wäre das allerdings genau das, wonach ich suche.

Der Threadsteller hat früh darauf hingewiesen, dass es ihm auf Politik und Intrige nicht ankommt. Daraus leite ich ab: Das größere Ganze soll keine zentrale Rolle spielen, was meines Erachtens wesentliche Aspekte aus der Diskussion außen vorlässt.
Nein. Die Bedingungen im Kleinen ergeben sich aus dem größeren Ganzen, also soll letzteres hier natürlich auch diskutiert werden.

Ich möchte aber das größere Ganze nicht zum Gegenstand der Spielhandlung machen. Vorschläge, denen zufolge die Charaktere sich auf Politik und Intrige konzentrieren und fürs Grobe ihr Gefolge von Robotern haben, gehen an meiner Intention vorbei. Im Fokus der Handlung sollen als Charaktere (anfangs) kleine Abenteurer stehen, die ihre Drecksarbeit eigenhändig erledigen müssen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 5.09.2011 | 13:20
Wenn du zu dieser Grundannahme einen lebensfähigen Gegenentwurf hast, wäre das allerdings genau das, wonach ich suche.

Wie ich versucht habe, durchklingen zu lassen, gibt es nur zwei Gegenentwürfe, die mir einfallen:

A) es gibt Dinge, die durch Automatisierung schlechter würden oder nicht möglich sind (Kreativität, Intuition, unerwartete Parameter)

b) Automatisierung ist "böse" / verpönt / unerwünscht - aus irgendwelchen Gründen (religiöse, philosophische, sicherheitstechnische...). Das entfernt sich allerdings imo stark vom Hard SciFi.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 5.09.2011 | 13:23
Es sind Expertsysteme, die schon bei der einfachen lagerverwaltung über "wenn A dann mach X" hinaus gehen. Da blickt kein Mensch mehr durch, warum jetzt Produkt A in Regal Y kommt statt X, aber wenn man die Maschine machen läßt arbeitet sie effizienter als jeder Mensch.

Gibt es das? Das fände ich erschreckend. Man stelle sich vor, überall um uns herum Maschinen, die tun was sie tun, und keiner weiß warum (oder auch wie); nur dass es funktioniert... totaler Kontrollverlust der Menschheit...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 5.09.2011 | 13:36
Danke.

Stimmt. Das ist derzeit mein Eindruck, wie die Menschheit tickt.
Wenn du zu dieser Grundannahme einen lebensfähigen Gegenentwurf hast, wäre das allerdings genau das, wonach ich suche.

I. Der "lebensfähige" Gegenentwurf ist unsere Jetztzeit: Theoretisch könnten wir (iSv. Menschheit) weit mehr Automatisierung haben, als es der Fall ist, bzw. weitaus zuverlässigere Systeme verwenden, als es der Fall ist. Das haben wir aber bisher nicht umgesetzt, und wir werden es auch nicht - aufgrund politischer, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, ideologischer und sogar technischer Erwägungen. Insofern lege ich die Gegenannahme in die Waagschale und behaupte: das wird auch in der fernsten theoretisch möglichen Zukunft nicht anders sein.
Von komplexen Systemen auf vergleichsweise kleine oder hochgradig spezialisierte Lebensbereiche (Autopiloten, Finanz-/Aktienmarkt-KIs) auf alle Lebensbereiche (Stichwort: Massenmarkt) Ableitungen zu versuchen, hilft bei den Überlegungen zwar weiter, ist aber meines Erachtens nicht zielführend, da diese Profisysteme verglichen mit den Massenmarktprodukten ungleich teurer sind und ganz andere Anforderungen erfüllen müssen. Anderes Beispiel: Militär - die supermodernen Gewehre werden nicht an Infantristen ausgegeben ... Warum wohl?
II. Der wohl schwerwiegendste Grund, weshalb eine Vollautomatisierung oder Volltechnisierung nicht stattfinden wird, ist die Technik selbst. Es wurde zwar bereits als Frage aufgeworfen, aber nicht vertieft: Instandhaltung und Ersatz bei Ausfällen.
III. Auch das wurde mit Blick auf die Technologie bereits angesprochen: Jede Technologie benötigt Ressourcen, die irgendwo ihren Ursprung haben müssen.
IV. In II und III spielen insbesondere wirtschaftliche, nicht selten auch fundamentale ideologische oder politische Interessen und Abwägungen mit hinein. Nur, weil etwas theoretisch möglich ist, wird es nicht umgesetzt, weil es zu teuer ist oder aber zu einem Kräfteungleichgewicht führt.

Kleines Fallbeispiel:
Da fliegt ein vollautomatisiertes Raumschiff mit seiner state-of-the-art KI durch den Weltraum. Irgendwo zwischen zwei Systemen versagt plötzlich die Energieversorgung, weil irgendein Gerät seinen Dienst einstellt (da schmort was durch). Die redundanten Energiesysteme (Notstrom) versorgen die KI und Reparaturstationen, soweit es eben geht.
Was zunächst wie ein kleines Problem aussieht, gestaltet sich als doch weitaus komplexer. Die Fehlerdiagnose stellt mehrere mögliche Ursachen für den Ausfall fest und bewertet sie nach Wahrscheinlichkeiten; ein eindeutiges Ergebnis steht nicht fest. Also werden unterschiedliche Prozeduren zur Fehlerbehebung oder nach Priorität eingeleitet, um das "potentielle" oder "wahrscheinlichste" Problem zu lösen.
Verdammte Axt: Die Erstmaßnahmen laufen ins Leere; der Fehler produziert einen "Weiterfresserschaden", so dass weitere Systeme ausfallen und weitere Probleme stattfinden.
Usw. usf.
Bis zu einem gewissen Grad wird eine KI oder ein vollautomatisiertes System dies kontrollieren, vielleicht sogar beheben können - nämlich genau solange, wie entsprechende Szenarien programmiert sind bzw. wie die KI von bekannten Problemen auf unbekannte Herleitungen umsetzen kann; und die Reparaturen hängen massiv davon ab, welche Ersatzteile verfügbar sind bzw. ob das System Ersatzteile eigenständig produzieren kann oder alternative Notlösungen operieren kann.
Gut - akzeptiert: Theoretisch ist das alles möglich.

Die Schadensbehebung wird demgegenüber ungleich _einfacher_, je weniger komplex die Einzel-Systeme und ihre Gesamtkomplexität sind. Das wird auch dazu führen, dass die KI oder die Computersysteme dann doch nicht state-of-the-art sind.
Und da Raumschiffe vermutlich von Unternehmen oder irgendeiner hoheitlichen Hand losgeschickt werden, werden sie in diesen Fragen dementsprechend Kosten-Nutzen-Relationen herstellen. Prognose meinerseits: Nur weil etwas technologisch möglich ist, wird es nicht umgesetzt; stattdessen wird auf einem niedrigeren technologischen Standard gewerkelt, was den Einsatz von Menschen benötigt.

Beispiele aus dem Alltag unserer Zeit: Autos, Computer, Mobilfunkgeräte, Kommunikationssysteme, Küchengeräte etc. pp. Ich sehe nicht (ein), weshalb das in ferner Zukunft einerseits sein sollte.

Im Fokus der Handlung sollen als Charaktere (anfangs) kleine Abenteurer stehen, die ihre Drecksarbeit eigenhändig erledigen müssen.

Siehe oben.

Ich musste ein paar mal das Venus-Projekt (http://"http://www.thevenusproject.com/index.php") denken ...

AO
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Skasi am 5.09.2011 | 13:44
OT:

Gibt es das? Das fände ich erschreckend. Man stelle sich vor, überall um uns herum Maschinen, die tun was sie tun, und keiner weiß warum (oder auch wie); nur dass es funktioniert... totaler Kontrollverlust der Menschheit...

Naja, m.E. ist heutige Software weit weg von KI...
Am Beispiel der "einfachen" Lagerverwaltung: wenn man mit ein wenig Sachverstand und mit Kenntnis der Parameter die Abläufe beobachtet, dann ist es durchaus nachvollziehbar (wäre ja schlimm, wenn nicht). Man muß eben nur alles mögliche bedenken, wie Gewichte, Fachgrößen, Laufwege (meint auch Fahrwege für Stapler etc.), Mover-Einteilung (wie lange verbleibt dieser Artikel typischweise im Lager), Nachfüllstrategien, Umlager-Mechnismen etc. pp.
Also... nicht erschrecken - ist halb so schlimm ;)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 5.09.2011 | 13:46
@AO: Das ändert aber nichts daran, dass der Mensch dabei zur Überwachungs- und Notfall-Instanz wird, statt Haupt-Ausführender zu sein.

Das Schiff fliegt, landet und startet per Autopilot. Ein paar Menschen als Crew dienen dazu alles zu überwachen, hier und da den "Go" Button zu drücken und im Notfall manuell einzugreifen, wenn die Technik am Ende versagen sollte. Siehe den Link zu den Piloten, die das Fliegen verlernen.

Und zu dem Fall-Beispiel: ok, da geht mal wegen einer unglücklichen Verkettung unwahrscheinlicher Vorgänge ein Raumschiff drauf. Dafür hat man ansonsten eine Menge gespart: die Crew, Quartiere, Lebenserhaltung, Nahrung, Wasser, zwischenmenschliches Chaos, menschliches Versagen, medizinische Versorgung, usw., und das für alle Flüge, die stattfinden. Es könnte doch sein, dass das schwerer wiegt, als ab und an mal ein Schiff wegen unglücklicher Umstände zu verlieren.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 5.09.2011 | 13:47
Boah Leute schreibt nicht so viel. Jedes mal wenn ich abschicken will gibt es nen neuen Beitrag.

[...]
Was man sich aber natürlich vorstellen könnte ist, dass in der Zukunft Mensch steuert und wenn er einen Fehler macht übernimmt der Autopilot und korrigiert. Das ganze dient nur dazu den Piloten fit zu halten falls durch einen Technischen defekt der Autopilot mal ausfällt und er WIRKLICH selber fliegen muss.
Um diesen Ansatz mal fortzudenken.

Es hat sich bei Piloten gezeigt, dass die Anzahl an zurückgelegten Flugstunden stark damit korreliert wie gut sie bei einem technischen Defekt die Lage retten können.
Deswegen führt man oben von mir vorgeschlagene Lösung gesetzlich ein: Pilot MUSS selber fliegen, Autopilot ist nur das Sicherheitsnetz.

Desweiteren gab es mal einen Fall in dem einem Kreuzfahrt-Raumschiff der PC verreckt (oder lass das Programm abstürzen und die Sicherungs-CD war nach 50 Jahren Weltraumstrahlung unbrauchbar) ist und die Crew mitsamt Passagieren in einem hinterwäldlerischen System eingegangen sind. Als man das Schiff gesucht hat und die Rettungsmannschaften angekommen sind waren schon alle tot, weil die Lebenserhaltung zwischenzeitlich ausgefallen ist und man sie nur in der Werkstatt hätte reparieren können - man hätte es ja auch rechtzeitig zur Werkstatt geschafft ... wenn man den Kurs nach Hause hätte berechnen können.
Deswegen wurde ein Gesetz erlassen, dass jedes Raumschiff eine Anleitung besitzen muss "Navigation ohne Computer" das ist ein Handbuch, Logarithemtabellen, Papier, Stift, ...
Wenn die Politiker jetzt noch ein Sahnehäubchen mehr Aktionismus drauf hatten (so wie Politiker nun mal sind), schreibt das Gesetz sogar vor, dass jeder Kurs erst mal Manuell berechnet werden muss bevor man den PC machen lässt.
Sämtliche Schiffssysteme sind deswegen auch manuell ansteuerbar.
Technologie ist robust. Man will nicht, dass einem irgendwo mitten im Raum ein Teil verreckt und man das nur in der nächsten Werkstatt reparieren kann. Wenn du irgend ein Koloniesystem belieferst, bei dem 1x im Jahr das Postschiff vorbei kommt, kann es nicht sein, dass die "Wartungsleuchte" angeht und man auf den "ADAC" warten muss.

Das würde heißen Menschen machen alles, damit sie für den theoretischen Fall dass die Technik versagt auch so wieder nach Hause kommen. Der Computer kontrolliert die Menschen nur und ist dazu da ihre Fehler auszubügeln.
An sich taugt das natürlich nicht für Abenteuer, wenn man den Pilot-Test verhaut und dann einfach der PC übernimmt und rettet ist das ja nicht wirklich was du wolltest.
Aber wenn ein Raumschiff kurz vor dem Ruin wirtschaftet, die Technik kaputt geht und TÜV erst in 10 Jahren ist ... dann kann ich mir schon vorstellen, dass man es da nicht so genau mit den Gesetzen nimmt und halt auf die Reparatur des Autopiloten verzichtet.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 5.09.2011 | 13:55
@AO: Das ändert aber nichts daran, dass der Mensch dabei zur Überwachungs- und Notfall-Instanz wird, statt Haupt-Ausführender zu sein.

Das Schiff fliegt, landet und startet per Autopilot. Ein paar Menschen als Crew dienen dazu alles zu überwachen, hier und da den "Go" Button zu drücken und im Notfall manuell einzugreifen, wenn die Technik am Ende versagen sollte. Siehe den Link zu den Piloten, die das Fliegen verlernen.

Ich sehe das Problem nicht. Bzw. ich vermute, hier wird ein Problem konstruiert, das keines ist.

Der Verweis zu den Piloten ist irreführend und missachtet meine Ausführungen in Gänze: Nach meinem Fallbeispiel wird die Crew eingesetzt, um Eventualfälle lösen zu können - und zwar mit Bezug auf die "einfachere" Technologie mit entsprechend "niedrigen" Anforderungen an technische Fähigkeiten. In diesen Fällen wird also nicht die Technik modernisiert, um Personal überflüssig zu machen, sondern Technik kleingehalten (aus insbesondere ökonomischen Erwägungen), was logischerweise eine "geeignete" Crew erfordert. Der Verweis auf den Spiegelartikel ist viel zu einfach.

Es kam zwischenzeitlich das Beispiel mit dem Autofahrer auf, der über die Autobahn fährt. Er fährt ... genauer: Das Auto fährt, der Fahrer sorgt nur dafür, dass man auf der Straße bleibt, mit anderen Worten: er kontrolliert auch nur, was die Technik hier macht. Dann, auf der Raststätte hat er sein Roadmovie-Erlebnis ...
Das übertragen auf die Schiffscrew, die zur Kontrolle auf dem Schiff unterwegs ist. Ja - das Schiff fliegt; die Crew greift ein, wenn es notwendig ist. Hier haben wir die erste potentielle Action-Quelle. Dann spinnen wir weiter: Das Schiff transportiert etwas, woran möglicherweise irgendwer interessiert ist - ein blinder Passagier, der das Leben der Crew zur Hölle werden lässt, oder ein Überfall durch Piraten/ Feinde? Tada: schon wieder Action. Weiter gesponnen: das Schiff startet irgendwo oder landet irgendwo; nicht die KI, NEIN, sondern die Crew betritt/ verlässt das Schiff und interagiert mit der Umwelt, also dem Raumhafen/der Raumstation/dem Mutterschiff oder whatever.

AO
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 5.09.2011 | 14:04
Es kam zwischenzeitlich das Beispiel mit dem Autofahrer auf, der über die Autobahn fährt. Er fährt ... genauer: Das Auto fährt, der Fahrer sorgt nur dafür, dass man auf der Straße bleibt, mit anderen Worten: er kontrolliert auch nur, was die Technik hier macht.

Und wenn es für Autos einen brauchbaren Autopiloten gäbe, würde ein solcher die Zahl der Zwischen- / Unfälle, die hauptsächlich durch menschliches Versagen entstehen, nicht drastisch reduzieren? (eine leistungsfähige und ausgereifte Technik vorausgesetzt) Vor allem bezüglich des Warentransportes (LKW), wo der Mensch eigentlich nur als Lenker benötigt wird und ansonsten eher eine Gefahrenquelle als eine Sicherheit ist? So etwas käme deiner Meinung nach nicht zum Einsatz?

Anderes Beispiel: In Fukushima wurden nach dem Unglück Roboter eingesetzt, obwohl eine Aufklärung durch Menschen bessere Ergebnisse geliefert hätte. Warum wohl?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 5.09.2011 | 14:11
Und wenn es für Autos einen brauchbaren Autopiloten gäbe, würde ein solcher die Zahl der Zwischen- / Unfälle, die hauptsächlich durch menschliches Versagen entstehen, nicht drastisch reduzieren? (eine leistungsfähige und ausgereifte Technik vorausgesetzt) Vor allem bezüglich des Warentransportes (LKW), wo der Mensch eigentlich nur als Lenker benötigt wird und ansonsten eher eine Gefahrenquelle als eine Sicherheit ist? So etwas käme deiner Meinung nach nicht zum Einsatz?

Die Technischen Möglichkeiten existieren bereits. Beispiel: http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/harz/leonie129.html

Es hapert allein an der Umsetzung ... und zwar, weil es zu teuer ist. Unfälle würden dann nur bei bei Einwirken durch höhere Gewalt, bei Fehlfunktionen oder Verschleiß eintreten.

Wenn es "nur" um die Bestätigung der Frage geht, dass actionmäßiges Spiel durch eine Spielwelt, in der alle Lebensbereich vollautomatisiert sind, kaum bis nicht möglich ist, pflichte ich bei. Vermutlich würde ein solches Spiel letztlich auf ein philosophisches Quartett hinauslaufen, in der sich die Spielerfiguren die Frage zu beantworten versuchen, was sie in einer Welt machen könnten, in der sich die Menschheit selbst wegrationalisiert hat.
Wenn es aber um die Frage gibt, ob ein Spiel in einem SF Hintergrund möglich ist, in welchem Vollautomatisierung möglich wäre, die Frage aber ist, ob es so eine Vollautomatisierung überhaupt geben würde, dann vertrete ich die Position, die sagt: Nein, Vollautomatisierung ist  unwahrscheinlich, womit mithin ein actionmäßiges Spiel selbst bei einem hohen Grad der Automatisierung verschiedener Lebensbereiche immer möglich ist.

AO.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 5.09.2011 | 14:21
Es hapert allein an der Umsetzung ... und zwar, weil es zu teuer ist.

Und das, weil es ein Prototyp ist bzw. die Technik noch in den Kinderschuhen steckt. Was ich aber ausschloss:

(eine leistungsfähige und ausgereifte Technik vorausgesetzt)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 5.09.2011 | 14:34
@Tudor: Ich verstehe Deine Botschaft nicht. <°))><

Das Fahrzeug hat erfolgreich am Straßenverkehr teilgenommen. Ergo hat die Technik die Mindestanforderungen erfüllt und sich als "ausgereift genug" gezeigt.

Mit anderen Worten: Es ist und bleibt theoretisch möglich, unseren Straßenverkehr bezogen auf mindestens zweispurige Fahrzeuge vollständig zu automatisieren.
Genauso theoretisch, wie es ein denkbares utopisches Szenario gibt, in welchem alle Lebensbereiche vollautomatisiert sind.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 5.09.2011 | 14:37
@Tudor: Ich verstehe Deine Botschaft nicht. <°))><

...

Mit anderen Worten: Es ist und bleibt theoretisch möglich, unseren Straßenverkehr bezogen auf mindestens zweispurige Fahrzeuge vollständig zu automatisieren.

Dann nochmal: Wenn/sobald es praktisch, d.h. ökonomisch und zuverlässig, möglich sein wird, wird sich der Straßenverkehr darauf umstellen. Einfach weil es zu weniger Unfällen führen wird. Der Mensch wird transportiert werden, aber sein Zutun wird drastisch abnehmen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 5.09.2011 | 14:52
Dann nochmal: Wenn/sobald es praktisch, d.h. ökonomisch und zuverlässig, möglich sein wird, wird sich der Straßenverkehr darauf umstellen. Einfach weil es zu weniger Unfällen führen wird. Der Mensch wird transportiert werden, aber sein Zutun wird drastisch abnehmen.

Denkbar, aber nicht zwingend.
Zudem muss dabei auch die Frage beantwortet werden, was denn ökonomisch und was zuverlässig ist?
Im Übrigen gibst Du damit den Kernfragen meines Raumschiffbeispiels wieder: Welcher Grad der Automatisierung ist sinnvoll? Und ist eine Vollautomatisierung ökonomisch sinnvoll und zuverlässig genug? Ich sage: Vermutlich nein.

Danke für den Tanz.
AO
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 5.09.2011 | 15:09
Denkbar, aber nicht zwingend.
Zudem muss dabei auch die Frage beantwortet werden, was denn ökonomisch und was zuverlässig ist?

Naja, wenn es für die Massenproduktion / die Masse der Autofahrer finanzierbar ist und signifikant weniger Unfälle durch Versagen des Autopiloten als durch menschliche Autofahrer entstehen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 5.09.2011 | 15:13
Naja, wenn es für die Massenproduktion / die Masse der Autofahrer finanzierbar ist und signifikant weniger Unfälle durch Versagen des Autopiloten als durch menschliche Autofahrer entstehen.

Es ist halbwegs offenkundig, wenn man unsere Wirtschaftsordnung zugrunde legt.
Die Produktionskosten und die ideale Vorteil allein reichen nicht aus. Es bedarf noch des Marktes - sprich des Endverbrauchers, der das auch abnimmt - also so ein Produkt wünscht und kauft. Und dass Verbraucher bisweilen entgegen jeder Vernunft einkaufen, sieht man alltäglich (Handys mit Funktionen, die kaum einer nutzt, SUVs, die WIRKLICH KEINER braucht, überflüssige Schuhe, sinnfreie Medikamente und alles, was irgendwie mit Unterhaltung zu tun hat ...) Diese Instanz darf unter keinen Umständen außen vorgelassen werden.

Wir beide machen einen sehr fundamentalen Fehler in unserer Betrachtung: Wir gehen davon aus, dass die heutige für D/ EU/ USA gültige Wirtschaftsordnung in dieser Form in der fernen, möglicherweise vollautomatisierten Zukunft gültig ist. These: Eine Zivilisation, die die Vorzüge einer Vollautomatisierung hat, wird ein völlig anderes Handels- und Wirtschaftsverständnis haben, durch das Vollautomatisierung per se sinnvoll sein könnte - oder eben auch ganz und gar nicht.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 5.09.2011 | 15:24
Es ist halbwegs offenkundig, wenn man unsere Wirtschaftsordnung zugrunde legt.
Die Produktionskosten und die ideale Vorteil allein reichen nicht aus. Es bedarf noch des Marktes - sprich des Endverbrauchers, der das auch abnimmt - also so ein Produkt wünscht und kauft. Und dass Verbraucher bisweilen entgegen jeder Vernunft einkaufen, sieht man alltäglich (Handys mit Funktionen, die kaum einer nutzt, SUVs, die WIRKLICH KEINER braucht, überflüssige Schuhe, sinnfreie Medikamente und alles, was irgendwie mit Unterhaltung zu tun hat ...) Diese Instanz darf unter keinen Umständen außen vorgelassen werden.
[...]
Diese PKW-Autopiloten sind aber noch nicht so neu sondern noch im Entwicklungsstadium. Warte mal 10 Jahre und die Chancen sind gut, dass die serienmäßig in jedes Auto eingebaut sind.
Und ob der Kunde das kaufen WILL ist gar keine Frage. Wenn dadurch pro Jahr [Zahl] Menschenleben durch nicht stattgefundene Unfälle gerettet werden und der Gesetzgeber deswegen ein Gesetz erlässt, dass das Zeugs rein MUSS, dann ist es sekundär ob jemand mit zu dicken Eiern meint, dass er seinen tiefer gelegten schwarzen BMW mit Ledersitzen aber besser fahren könne als jeglicher Autopilot.
Am Anfang wollte sich auch so gut wie niemand anschnallen, man hat einfach Gesetze gemacht und die Leute gezwungen den Gurt zu benutzen.
(Andererseits in Deutschland regiert die Autoindustrie und wenn die droht, dass dann weniger schwarze BMW mit roten Ledersitzen verkauft werden und man dann Arbeitsplätze abbauen müsse dann horcht da die Politik auch drauf.)

Zitat
Wir beide machen einen sehr fundamentalen Fehler in unserer Betrachtung: Wir gehen davon aus, dass die heutige für D/ EU/ USA gültige Wirtschaftsordnung in dieser Form in der fernen, möglicherweise vollautomatisierten Zukunft gültig ist. These: Eine Zivilisation, die die Vorzüge einer Vollautomatisierung hat, wird ein völlig anderes Handels- und Wirtschaftsverständnis haben, durch das Vollautomatisierung per se sinnvoll sein könnte - oder eben auch ganz und gar nicht.
Nehmen wir mal an die Produktionsleistung steigt so weit an, dass wir jedem Menschen allen erdenklichen Luxus zur Verfügung stellen können ... ich bin mir ziemlich sicher, dass dann das aktuelle kapitalistische Wirtschaftsmodell ausgedient hat.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 5.09.2011 | 15:40
Du darfst dir eine KI nicht als Menschliche intelligenz die einen Turing Test besteht vorstellen. Es sind Expertsysteme, die schon bei der einfachen lagerverwaltung über "wenn A dann mach X" hinaus gehen. Da blickt kein Mensch mehr durch, warum jetzt Produkt A in Regal Y kommt statt X, aber wenn man die Maschine machen läßt arbeitet sie effizienter als jeder Mensch.
Und du darfst dir KIs nicht als heutige Expertensysteme vorstellen.

Natürlich blickt kein Mensch mehr durch, warum Produkt A in Regal Y kommt statt in X. (Nur zur Info: Ich selber hatte schon mal einen Algorithmus zur Optimierung eines logistischen Problems geschrieben. Ich weiß, wie sch*** komplex solche Sachen sind.) Aber nichts destotrotz bestehen auch diese hochkomplexen Algorithmen im Prinzip nur aus "Wenn A, dann mache X"-Programmen.

Es gibt heutzutage auch noch andere Ansätze. Stichwort Künstliches neuronales Netz (http://de.wikipedia.org/wiki/Künstliches_neuronales_Netz) und Quantencomputer (http://de.wikipedia.org/wiki/Quantencomputer). Diese Ansätze stecken im Moment aber noch in den Kinderschuhen und es gibt dafür noch keine praktische Anwendung.

Disclaimer: Ja, beim Quantencomputer wird geplant, ihn in der Kryptographie einzusetzen. Aber soweit ich weiß, ist das noch in der Planung&Entwicklung und wurde noch nicht praktisch umgesetzt.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 5.09.2011 | 15:58
Und ob der Kunde das kaufen WILL ist gar keine Frage. Wenn dadurch pro Jahr [Zahl] Menschenleben durch nicht stattgefundene Unfälle gerettet werden und der Gesetzgeber deswegen ein Gesetz erlässt, dass das Zeugs rein MUSS, dann ist es sekundär ob jemand mit zu dicken Eiern meint, dass er seinen tiefer gelegten schwarzen BMW mit Ledersitzen aber besser fahren könne als jeglicher Autopilot.
Am Anfang wollte sich auch so gut wie niemand anschnallen, man hat einfach Gesetze gemacht und die Leute gezwungen den Gurt zu benutzen.
(Andererseits in Deutschland regiert die Autoindustrie und wenn die droht, dass dann weniger schwarze BMW mit roten Ledersitzen verkauft werden und man dann Arbeitsplätze abbauen müsse dann horcht da die Politik auch drauf.)

Gurte sind doch etwas anderes als Autopiloten.
Es gibt bereits diverse vernünftige Technologien, die Fahrsicherheit produzieren sollen - begonnen mit ABS, BAS und ESP zu wer-weiß-was-für-Zaubereien. Sie alle sind keine Pflicht, obwohl sie erheblich dazu beitragen, dass Unfälle reduziert werden oder die Personenschäden auch zurückgehen. Ebenso Knautschzonen, besondere Verbundstoffe und elastischere Teilbereiche an Karosserien und beweglichen Teilen sowie Airbags im Innenraum. Neuerdings auch automatische Parkassistenten und Anti-Kollisions-Systeme ...
Alles nicht vom Gesetzgeber als bindend und verpflichtend vorgeschrieben. Warum sollte das bei Autopiloten für Autos anders sein?
Wird es nicht. Da bin ich mir nicht 100%ig, aber sehr sicher.
Wahrscheinlicher ist, dass Autopiloten - wenn überhaupt - durch Subventionierung oder besondere 'Incentives' gefördert werden und diese für lange Zeit im oberen Mittelklasse Segment der Fahrzeuge und darüber hinaus für satte Aufpreise verfügbar sein werden.

Diese weitaus besseren Technologien sowie die bisherigen Erfahrungen mit modernen Systemen, wie sie sich am Markt entwickelt haben, zeigen, wie schwer für die Gesundheit des Menschen sinnvolle Dinge im Alltag Einzug erhalten. Diese Erfahrungen wirken sich auf Produktstrategien und -entwicklung entsprechend aus. Ich denke, das zeigt, wie sehr die wünschenswerten Vorstellungen (Da bin ich bei Euch! Das fänd' ich alles super!) über Durchsetzung am Markt moderner Technologien bis hin zur Vollautomatisierung zum Schutz von Mensch und seiner Gesundheit aufgrund realer Gegebenheiten im bereich der Vorstellung verbleiben.

Angenommen, solche Erfahrungswerte und Entwicklungsprozesse lassen sich nun auf eine ferne Zukunft mit hohem technologischen Potential übertragen, dann lässt sich durchaus eher mit Leichtigkeit vertreten, dass eine Vollautomatisierung an solchen "Gesetzmäßigkeiten" scheitern wird. Eine Obrigkeit, die heutzutage eben territorial begrenzt Regeln definieren könnte, würde noch dazu in ferner Zukunft an den riesigen Räumen im interstellaren Raum wirkungslos verpuffen ...

Man darf ja auch nicht außer Acht lassen, dass es ebenso, wie es heutzutage hier regionale Unterschiede in der Verbreitung von Technologien gibt, Unterschiede im interstellaren Raum geben wird; eine Vollautomatisierung aller Lebensbereiche würde also vermutlich nicht bis in den hinterletzten Winkel der Kolonien oder des erkundeten Weltraums erfolgen.

AO
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 5.09.2011 | 16:17
Hehe, ich habe gerade mal Zitate zu dem Thema gegoogelt. Lustig  ;)  Aber es zeigt halt auch, wie sehr man sich bezüglich neuer Technologien irren kann.

"Ich denke, daß es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt ".
Thomas Watson, Vorsitzender von IBM, 1943

" Flugzeuge sind interessante Spielzeuge, aber von keinem militärischen Wert ".
Marschall Ferdinand Foch, Professor für Strategie, Ecole Superieure de Guerre.

"Das 'Telefon' hat zu viele ernsthaft zu bedenkende Mängel für ein Kommunikationsmittel. Das Gerät ist von Natur aus von keinem Wert für uns ". Western Union Interne Kurzinformation, 1876.

"Louis Pasteurs Theorie von Bazillen ist lächerliche Fiktion".
Pierre Pachet, Professor der Physiologie in Toulouse, 1872

u.a.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 5.09.2011 | 16:25
Hehe, ich habe gerade mal Zitate zu dem Thema gegoogelt. Lustig  ;)  Aber es zeigt halt auch, wie sehr man sich bezüglich neuer Technologien irren kann.

"Ich denke, daß es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt ".
Thomas Watson, Vorsitzender von IBM, 1943

" Flugzeuge sind interessante Spielzeuge, aber von keinem militärischen Wert ".
Marschall Ferdinand Foch, Professor für Strategie, Ecole Superieure de Guerre.

"Das 'Telefon' hat zu viele ernsthaft zu bedenkende Mängel für ein Kommunikationsmittel. Das Gerät ist von Natur aus von keinem Wert für uns ". Western Union Interne Kurzinformation, 1876.

"Louis Pasteurs Theorie von Bazillen ist lächerliche Fiktion".
Pierre Pachet, Professor der Physiologie in Toulouse, 1872

u.a.

Schöne Zitatensammlung. Gibt es auch Zitate von sinnvollen Technologien, denen eine hohe Zukunftstauglichkeit zuerkannt worden ist, die sich aber nicht duchgesetzt haben?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 5.09.2011 | 16:35
Die Schadensbehebung wird demgegenüber ungleich _einfacher_, je weniger komplex die Einzel-Systeme und ihre Gesamtkomplexität sind. Das wird auch dazu führen, dass die KI oder die Computersysteme dann doch nicht state-of-the-art sind.
Und da Raumschiffe vermutlich von Unternehmen oder irgendeiner hoheitlichen Hand losgeschickt werden, werden sie in diesen Fragen dementsprechend Kosten-Nutzen-Relationen herstellen. Prognose meinerseits: Nur weil etwas technologisch möglich ist, wird es nicht umgesetzt; stattdessen wird auf einem niedrigeren technologischen Standard gewerkelt, was den Einsatz von Menschen benötigt.
OK: Robustheit wäre also ein Faktor, der eine Rolle spielen könnte. Eine superhochgezüchtete Technologie, zu deren Reparatur es die industrielle Infrastruktur einer hochentwickelten Welt braucht, ist für einen "tapferen Pionier" weitab der Zivilisation somit weniger brauchbar als ein primitives, wenig leistungsfähiges System, das im Zweifelsfall mit ein paar Handgriffen und kreativen Improvisationen geflickt werden kann. Sprich: lieber ein klobiger Röhrencomputer, den man zur Not mit Draht und Kronkorken reparieren kann, als ein Quantenmicrochip, den man nur eine Milliarde Kilometer entfernt auf der Erde nachkaufen kann. Habe ich da dein Argument richtig verstanden?

Also... nicht erschrecken - ist halb so schlimm ;)
Äähhmm... wenn bereits ein primitiver, programmierbarer Automat effizienter arbeitet als ein Mensch, ist es "halb so schlimm"? Wozu wäre dann erst eine echte, lernfähige KI imstande?

Hehe, ich habe gerade mal Zitate zu dem Thema gegoogelt. Lustig  ;)  Aber es zeigt halt auch, wie sehr man sich bezüglich neuer Technologien irren kann.
Das bestätigt mich darin, daß der Satz: "dies und jenes wird sowieso nie möglich sein" als Argument für eine nicht-vollautomatisierte Welt ausscheidet. Wenn in einem SF-Szenario die Automatisierung eingeschränkt wird bzw. bleibt, so daß Menschen weiterhin als Handlungsträger in Frage kommen, dann muß diese Beschränkung absichtlich von den Menschen (oder den KIs?) eingeführt werden. Auf technische Hürden, die dem Menschen in irgendeinem Bereich für alle Ewigkeit eine Überlegenheit über die Maschine sichern, sollte ich mich besser nicht verlassen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 5.09.2011 | 16:43
OK: Robustheit wäre also ein Faktor, der eine Rolle spielen könnte. ... Sprich: lieber ein klobiger Röhrencomputer, den man zur Not mit Draht und Kronkorken reparieren kann, als ein Quantenmicrochip, den man nur eine Milliarde Kilometer entfernt auf der Erde nachkaufen kann. Habe ich da dein Argument richtig verstanden?

Ja. Deine Überspitzung unterstreicht meinen Gedanken.

Das bestätigt mich darin, daß der Satz: "dies und jenes wird sowieso nie möglich sein" als Argument für eine nicht-vollautomatisierte Welt ausscheidet. Wenn in einem SF-Szenario die Automatisierung eingeschränkt wird bzw. bleibt, so daß Menschen weiterhin als Handlungsträger in Frage kommen, dann muß diese Beschränkung absichtlich von den Menschen (oder den KIs?) eingeführt werden. Auf technische Hürden, die dem Menschen in irgendeinem Bereich für alle Ewigkeit eine Überlegenheit über die Maschine sichern, sollte ich mich besser nicht verlassen.

Technische Hürden in SciFi ... ? Schwer vertretbar; scheint mir fast ein Oxymoron. Wenn sich Technologie oder Vollautomatisierung nicht durchsetzt, obgleich sie wenigstens theoretisch möglich wäre (in SciFi dürfte es grundsätzlich ein "unmöglich" nicht geben; und wenn, dann nur innerhalb definierter Parameter bzw. Paradigmen), dann wird dies auf übergeordnete Gründe zurückzuführen sein. Wirtschaftliche Interessen (Kosten-Ntzen-Relation, fehlender Markt), Machtkalkulation (keine Kommunikationsmittel, um Volk "dumm" zu halten) und fehlende Akzeptanz in der Gesellschaft (keine Orbitalbombardementwaffensysteme aus ethischen Gründen) ... Vielleicht auch andere Entitäten wie Kontrolle durch KIs, die ihre eigene "Existenz" ungefährdet wissen wollen ...

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 5.09.2011 | 16:47
Schöne Zitatensammlung. Gibt es auch Zitate von sinnvollen Technologien, denen eine hohe Zukunftstauglichkeit zuerkannt worden ist, die sich aber nicht duchgesetzt haben?

Schwierig. Das Problem daran ist ja, dass man schwer bewerten kann, wie sinnvoll die Technologie war, wenn sie kaum eingesetzt wurde. Dass Innovationen hochgelobt werden, ist ja erstmal normal.

Zu diversen Datenformaten liest man immer wieder, dass sich überlegene nicht durchgesetzt haben.

Von Luftschiffen hat man sich früher z.B. auch viel mehr erhofft, soweit ich gelesen habe, aber da habe ich kein Zitat zu gefunden.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 5.09.2011 | 16:52
Schöne Zitatensammlung. Gibt es auch Zitate von sinnvollen Technologien, denen eine hohe Zukunftstauglichkeit zuerkannt worden ist, die sich aber nicht duchgesetzt haben?
Schwierig. Das Problem daran ist ja, dass man schwer bewerten kann, wie sinnvoll die Technologie war, wenn sie kaum eingesetzt wurde. Dass Innovationen hochgelobt werden, ist ja erstmal normal.

Zu diversen Datenformaten liest man immer wieder, dass sich überlegene nicht durchgesetzt haben.

Von Luftschiffen hat man sich früher z.B. auch viel mehr erhofft, soweit ich gelesen habe, aber da habe ich kein Zitat zu gefunden.

Hehe. Vielen Dank für die Antwort. War nur Frotzeln meinerseits. ;)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 5.09.2011 | 16:52
OK: Robustheit wäre also ein Faktor, der eine Rolle spielen könnte.
Das komplexeste und Fehleranfälligste Systemw ird wahrscheinlich immer noch der Menschs elbers ein:
- Krankheiten
- Depressionen
- Knochenbrüche
- Quetschungen
- Sehnenriss

Lassen sich auch nicht so ohne Weiteres in einem Raumschiff heilen.

Außerdem ist die Energieversorgung eines Computers (ein vernünftiger Generator) wesentlich einfacher als die Energieversorgung eines Menschen (Täglich mehrere Lebensmittel-Riegel mit den unterschiedlichsten Vitaminen drin).

Zitat
Auf technische Hürden, die dem Menschen in irgendeinem Bereich für alle Ewigkeit eine Überlegenheit über die Maschine sichern, sollte ich mich besser nicht verlassen.
"Für alle Ewigkeiten" nicht. Aber was wäre, wenn die KIs gerade in der Testphase sind?
Es ist abzusehen, dass es in 50 Jahren keine menschlichen Piloten mehr gibt und alles durch KIs gesteuert wird. Aber wir leben im Hier und Jetzt. Noch gibt es Piloten.

Der SC wird seinem Sohn erzählen: "Lerne bloß nicht den Pilotenberuf. Der hat keine Zukunft mehr." Aber selber ist er ein fähiger und begehrter Pilot, da die KIs noch nicht marktreif sind.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 5.09.2011 | 17:04
Das komplexeste und Fehleranfälligste Systemw ird wahrscheinlich immer noch der Menschs elbers ein:
- Krankheiten
- Depressionen
- Knochenbrüche
- Quetschungen
- Sehnenriss

Öhm. Mechanische Schäden durch Materialermüdung oder unzureichende Schmierungen sowie Isoliermaterialien einerseits und Software-Crashes aufgrund von Hardwareausfällen und/oder Viren oder Datenfragmentierungen entsprechen wohl den Gebrechen der Menschen ...

Lassen sich auch nicht so ohne Weiteres in einem Raumschiff heilen.

Naja ... Das kommt wohl auf die Größe des Schiffes einerseits und die Einrichtung entsprechender medizinischer Stationen und den Einsatzmöglichkeiten des medizinischen Personals andererseits ab. Insofern ist diese pauschale Aussage so zutreffend, wie sie auch überhaupt nicht zutreffend ist.
Im Übrigen gelten bei entsprechenden Schäden an vollautomatisierten Schiffen die gleichen Probleme - keine Reparaturmöglichkeiten.

Außerdem ist die Energieversorgung eines Computers (ein vernünftiger Generator) wesentlich einfacher als die Energieversorgung eines Menschen (Täglich mehrere Lebensmittel-Riegel mit den unterschiedlichsten Vitaminen drin).

Die Vollautomatisierung erschöpft sich nicht in der KI und ihrem Mainframe.
Wenn durch den Ausfall der Stromversorgung plötzlich die Kühlaggregate nicht mehr funktionieren und dadurch der Mainframe der KI verglüht, war es das ... Da reicht eine Duracel-Batterie wohl nicht aus ...

Der SC wird seinem Sohn erzählen: "Lerne bloß nicht den Pilotenberuf. Der hat keine Zukunft mehr." Aber selber ist er ein fähiger und begehrter Pilot, da die KIs noch nicht marktreif sind.
Mögliches Szenario.

Edit: Korrekturen
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Ein am 5.09.2011 | 19:23
Ich habe auch hier den Thread nicht gelesen.

Die Antwort auf deine Frage ist ganz einfach: Wer sagt, dass Computer jemals soweit kommen, dass sie den Menschen vollständig ersetzen können. Anders als gerne behauptet ist es kein Naturgesetz. Wenn man sich einmal ansieht wie lange man bereits an KI und Robotik forscht und wie wenig Fortschritte man bisher gemacht hat, ist es durchaus denkbar, dass auch weiterhin nur dort automatisiert wird, wo die Rahmenbedingungen überschaubar sind.

Der andere Punkt ist, dass viele Sachen einfach nicht spannend sind und es daher für das Spiel auch vollkommen irrelevant ist, ob sie automatisiert ablaufen oder nicht. Der Flug von der Erde zum Jupiter ist nicht spannend. Das Shuttle, dessen Triebwerk gerade ausgefallen ist, sicher landen ist spannend.

Und gerade da helfen Computer nicht zwingend, wie die Untersuchung von diversen Flugzeugabstürzen der letzten Jahre ergeben haben. Einige Flüge sind wohl nur deswegen abgestürzt, weil sich die Mannschaft zu sehr auf den Bordcomputer verlassen haben.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 5.09.2011 | 19:47
Ich habe auch hier den Thread nicht gelesen.

Die Antwort auf deine Frage ist ganz einfach: Wer sagt, dass Computer jemals soweit kommen, dass sie den Menschen vollständig ersetzen können.[...]

Der gesunde Menschenverstand, fürchte ich.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: גליטצער am 5.09.2011 | 20:06
-Aboposting-
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 6.09.2011 | 19:32
Aber solche Dinge wie Andockmanöver, Ausweichmanöver, Landung auf atmosphärelosen Welten... und eben all das auch in Situationen, die "von der Norm abweichen", das sollte ein Raumpilot in meinem Setting hinbekommen. Und dafür genügt es nicht, sich zurückzulehnen und dem Autopiloten zu sagen: "Bring uns irgendwie hier raus!" (bzw. wenn das genügt, empfinde ich das als ziemlich dröge). Dafür muß der Pilot auch wirklich ein Gefühl dafür haben, wie sich sein Schiff bewegt.
Tertium datur. Und zwar, dem System zu sagen, welche Rahmenbedingungen jetzt unbedingt einzuhalten sind, und es dann machen zu lassen. Ich muß einem Auto-Motor nicht sagen, daß er ... was auch immer, ich weiß es nicht, und ich muß es auch nicht wissen. Mein rechter Fuß sagt ihm, daß er mehr oder weniger powern soll. Aber beispielsweise das Schalten zwischen den Gängen können manche Autos schon "von selbst", und die Kommunikation beschränkt sich darauf, Rahmenbedingungen vorzugeben: "Schalte jetzt nur bis zum zweiten Gang!" Wie der Motor das macht, das muß mich in erster Näherung überhaupt nicht interessieren.
Das heißt, wenn die Situation eines Raumers nicht in die normalen Kategorien passt, muß der Fachmann in irgendeiner Weise vermitteln: "Bring uns hier heraus, wobei wir von rechts-unten aus nicht gesehen werden, links nicht zu nah an dieses große Ding da kommen und wir nichts Wesentliches kaputtmachen." Die Adaption an alle anderen Parameter muß der Raumer dann schon selbsttätig erledigen. Ob die Kommunikation über Lenkrad, Joystick oder verbal erfolgt, ist Geschmackssache; wesentlich ist, daß der Mensch Vorgaben macht, innerhalb derer die Systeme automatisch laufen. Die Nische des Menschen bleibt, daß er darüber befindet, was im gegebenen Moment beachtet werden muß, und was das Ziel der laufenden Handlung ist. Und da ist auch in aller Regel völlig ausreichend viel Spiel-Raum für "Action". 
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 8.09.2011 | 10:57
Die Antwort auf deine Frage ist ganz einfach: Wer sagt, dass Computer jemals soweit kommen, dass sie den Menschen vollständig ersetzen können.
Die Erfahrung. Seit ca. 25 Jahren bastle ich immer wieder mal an Hard SF-Szenarien. Jedesmal wurde das, was ich mir als Computer- und Automatisierungstechnik für die ferne Zukunft (mehrere Jahrhunderte) überlegt hatte, binnen höchstens zehn Jahren von der Realität überholt.

Und diese Frustration möchte ich mir für diesmal ersparen. Das Dogma "Es gibt Dinge, die eine Maschine nie können wird" hat mir bislang nicht weitergeholfen, also gehe ich nun in die Offensive und sage: "Technische Beschränkungen taugen nicht, um den Menschen als aktiven, notwendigen Handlungsträger im Spiel zu halten. Die Beschränkung muß anderer Natur sein, z.B. gesellschaftlich motiviert, durch Rohstoffmangel hervorgerufen o.ä." Um Ansätze für Beschränkungen dieser Art zu sammeln, habe ich diesen Brainstorming-Thread ins Leben gerufen.

Wenn man sich einmal ansieht wie lange man bereits an KI und Robotik forscht und wie wenig Fortschritte man bisher gemacht hat, ist es durchaus denkbar, dass auch weiterhin nur dort automatisiert wird, wo die Rahmenbedingungen überschaubar sind.
"Wenig" Fortschritt? Digitalcomputer sind noch nicht einmal ein Jahrhundert alt und jetzt schon in der Lage, z.B. bei einem Strategiespiel die meisten menschlichen Gegner ziemlich alt aussehen zu lassen.

Die Beschränkungen für KIs bestehen derzeit vor allem auf dem Gebiet der physischen Wahrnehmung und Interaktion. Handlungsstrategien hingegen sind ihre ureigene Domäne. Ich muß daher davon ausgehen: sobald technisch das Problem gelöst ist, daß ein Computer visuell einen Menschen identifizieren und seine Bewegungen einordnen kann und daß er seinen eigenen "Körper" unter Kontrolle hat, sind Kampfroboter mit übermenschlich schnellen und präzisen Reflexen kein Problem mehr.

Der andere Punkt ist, dass viele Sachen einfach nicht spannend sind und es daher für das Spiel auch vollkommen irrelevant ist, ob sie automatisiert ablaufen oder nicht. Der Flug von der Erde zum Jupiter ist nicht spannend. Das Shuttle, dessen Triebwerk gerade ausgefallen ist, sicher landen ist spannend.
Der Flug von der Erde zum Jupiter ist Fluff. Damit das Abenteuer spannend wirkt, braucht es als Kontrast die [langweilige] Routine.

Für das Selbstverständnis der Charaktere ist es meinem Empfinden nach notwendig, zu wissen, womit sie normalerweise ihren Alltag verbringen. Wenn sich dieser darin erschöpft, darauf zu warten, daß irgendwelche Maschinen mit irgendwas fertig werden, sehe ich (a) keinen Anknüpfungspunkt, um mich in irgendeiner Weise mit dem Charakter zu identifizieren und (b) keine glaubwürdige Grundlage, auf der ein Charakter seine Fähigkeiten erworben hat, um in Ausnahmesituationen handlungsfähig zu sein.

Tertium datur. Und zwar, dem System zu sagen, welche Rahmenbedingungen jetzt unbedingt einzuhalten sind, und es dann machen zu lassen. Ich muß einem Auto-Motor nicht sagen, daß er ... was auch immer, ich weiß es nicht, und ich muß es auch nicht wissen. Mein rechter Fuß sagt ihm, daß er mehr oder weniger powern soll. Aber beispielsweise das Schalten zwischen den Gängen können manche Autos schon "von selbst", und die Kommunikation beschränkt sich darauf, Rahmenbedingungen vorzugeben: "Schalte jetzt nur bis zum zweiten Gang!" Wie der Motor das macht, das muß mich in erster Näherung überhaupt nicht interessieren.
Wie aber sollst du als Mensch in der Lage sein, zu entscheiden, wann die Beschränkung auf den zweiten Gang sinnvoll ist, wenn du vorher nie manuell geschaltet hast? Insbesondere in Ausnahmesituationen, wenn Gefahr droht und du unter Streß eine schnelle Entscheidung treffen mußt?

Um bei deinem Beispiel zu bleiben: Ein Autofahrer, der sein Leben lang mit Automatikgetriebe und Tempomat über Autobahnen geheizt ist, wird hoffnungslos überfordert sein, wenn er sich bei Linksverkehr über eine irische Paßstraße tasten soll. Da braucht es aus Routine geborenes Feingefühl mit der Gangschaltung.

Du bringst mich allerdings gerade auf eine Idee. Eine Automatik mit einem gewissen Maß an Eigeninitiative hat eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Reit- oder anderweitigen Nutztier. Sprich: der Bediener kann ihm Weisungen geben, hat aber (im Normalfall) nicht die volle Kontrolle darüber. Gerade in Ausnahmesituationen kommt es dann darauf an, die Maschine "mit hartem Zug am kurzen Zügel" zu riskanten Handlungsmodi entgegen ihren "Instinkten" (= Automatismen, Sicherheitsschaltungen...) zu zwingen.

Dazu gibt es sogar heute schon ein Beispiel aus dem Alltag. Google kommt mir seit den letzten "Verbesserungen" mehr und mehr vor wie ein störrisches Maultier. ;)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 8.09.2011 | 11:21
Wie aber sollst du als Mensch in der Lage sein, zu entscheiden, wann die Beschränkung auf den zweiten Gang sinnvoll ist, wenn du vorher nie manuell geschaltet hast? Insbesondere in Ausnahmesituationen, wenn Gefahr droht und du unter Streß eine schnelle Entscheidung treffen mußt?
Die Situation tritt nicht ein - oder wenn, dann sind Genies gefragt, keine Menschen mit Beschränkungen. Wenn Du immer nur Automatik-Wagen fährst, weißt Du, ob Du Optionen hast, oder ob schon alles zu spät ist, weil eben keine Optionen mehr offenstehen. Aber Du weißt, wie Du mit den Optionen umgehst, die Du hast, und worauf Du achten mußt, damit die "zu-spät"-Situation gar nicht erst eintritt.
Ich habe den Eindruck, Du versuchst, den Beifahrer mitten in der Fahrt zum Fahrer zu machen: von "sich komplett bedienen lassen" zu "alle Anweisungen selbst geben". Das das in den meisten Fällen schiefgeht, ist klar, aber Leute wechseln deshalb auch in aller Regeln nicht mitten im Fahren von einem Frontsitz zum andern, insofern ist das keine Basis für einen Vergleich. Das Maultier-Beispiel passt da in der Tat besser. 
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 8.09.2011 | 11:28
Ich habe den Eindruck, Du versuchst, den Beifahrer mitten in der Fahrt zum Fahrer zu machen: von "sich komplett bedienen lassen" zu "alle Anweisungen selbst geben".
Nein: Ich versuche, den Beifahrer-Status für den SC von vornherein zu vermeiden. Darum ja gerade dieser Thread.

Aber mit dem "Maultierführer"-SC wäre ich ebenfalls einverstanden. Das eröffnet sogar ganz neue Möglichkeiten. :) So z.B. daß es quasi unmöglich ist, Raumschiffe zu normen. Ein Pilot muß sein Schiff kennen und mit seinen individuellen Macken vertraut sein, weit über "Diese Röhre springt manchmal erst im zweiten Versuch an" hinaus. Eben im gleichen Maße, wie ein Reiter sein Pferd kennen sollte.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Dark_Tigger am 8.09.2011 | 11:47
Also praktisch wie der Maschinen Geist aus WH40k, dem nett zugeredet wird damit er tut was man will.  >;D
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 8.09.2011 | 11:59
Wenn man schon KIs mit reinnehmen muss, warum dann nicht das Maultier noch weiter treiben?

KIs sind vielleicht längst lernfähig. Aber der Mensch hat nicht ansatzweise die Kontrolle über alle Parameter, die die Entwicklung einer KI beeinflussen. In der Folge ist jede KI einzigartig und wenn man sie nicht kennt, weiß man nicht, wo sie bockt und wo sie glänzt. Sie sind also ein Stück weit unberechenbar und damit auch mal unzuverlässig...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 8.09.2011 | 12:25
Also praktisch wie der Maschinen Geist aus WH40k, dem nett zugeredet wird damit er tut was man will.  >;D
Ich kenne jetzt WH40k nicht, aber ich stelle mir eher so was wie ein Reitpferd vor, mit dem der Reiter auch reden kann. Und wo er bzw. ein Fachmann notfalls eine Klappe öffnet, um irgendwas neu einzustellen oder zu reparieren. Sinnbildlich gesprochen.

KIs sind vielleicht längst lernfähig. Aber der Mensch hat nicht ansatzweise die Kontrolle über alle Parameter, die die Entwicklung einer KI beeinflussen. In der Folge ist jede KI einzigartig und wenn man sie nicht kennt, weiß man nicht, wo sie bockt und wo sie glänzt. Sie sind also ein Stück weit unberechenbar und damit auch mal unzuverlässig...
Ja, so ungefähr stelle ich mir das vor. Und um noch einen draufzusetzen, entwickeln die Menschen vielleicht in 300 Jahren wieder einfache Automaten, deren einziger Sinn und Zweck in der vereinfachten Bedienung von KIs besteht. Hm, oder die KIs entwickeln wiederum ihre eigenen Automaten, um von der stumpfsinnigen Routine verschont zu bleiben. ;)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 8.09.2011 | 12:34
Warum legst Du das Dogma, dass Maschinen nie alles können werden, was Menschen können, Deiner kritischen Grundfrage zur Grundlage. Ist nicht gerade die Mischung aus SF und Rollenspiel die Gegenthese dazu?
SF zeichnet sich doch gerade auch dadurch aus, dass andere Spezies und Automatisierung den Menschen "grundsätzlich" überflüssig werden lassen könn(t)en; und Rollenspiele zeichnen sich ja auch gerade dadurch aus, dass das vermeintlich Unmögliche doch möglich wird. Also treffen hier zwei "Konzepte" des "Alles ist möglich" aufeinander... Also "Alles ist möglich zum Quadrat ..."

Ich gehe davon aus, dass eine Vollautomatisierung und/oder KIs den Menschen überflüssig machen können.

Allerdings knüpfe ich an meine geheime, verklauselte, verschlüsselte Botschaft meiner früheren Postings an: Die Technologien werden von Menschen entwickelt, weil sie (Menschen TM) Ziele verfolgen; Automatisierung wird in alle möglichen Lebensbereiche implementiert, weil sie (Menschen TM) Ziele verfolgen; KIs werden entwickelt und eingesetzt, weil sie (Menschen TM) Ziele verfolgen.

Stets verfolgt der Mensch Ziele mit dem, was er tut. Darin fallen auch Entscheidungen darüber, ob der selbe Grad der Automatisierung oder Technisierung oder KI-isierung in allen Gebieten gewünscht wird oder (vernünftigerweise, sinnvollerweise, weshalberweise auch immer) eingesetzt wird. Solange es also solche Entscheidungsinstanzen gibt, die (noch) nicht durch Automatisierung, Technisierung und KI-isierung ersetzt worden sind, solange wird es unter der Wirkung welcher politischer, wirtschaftlicher, ideologischer, gesellschaftlicher, religiöser etc. pp Gründe auch immer (Reihenfolge wahllos, ohne Prio) Möglichkeiten geben, trotz (oder gerade wegen) Vollautomatisierung Szenen und Stories im Rollenspiel entstehen zu lassen. Daran knüpft auch der Gedanke die Frage, weshalb der Mensch sich selbst zu 101% überflüssig machen wollte ...

Gerade weil Du als Spielleiter/ Ihr als Spielrunde die Wahl nach Setting und Spielsystem habt, so können Du und Ihr auch entscheiden, wieviel Vollautomatisierung Ihr eigentlich zulassen möchtet. Damit trefft Ihr die selbe Entscheidung in verkürzter Weise, wie sie die hypothetischen Menschen-Systeme der SF Zukunft treffen würden.

Letzter Gedanke: Hast Du den Film "Wall-E" gesehen? Was ist denn da mit den Menschen passiert, die in ihrem vollautomatisierten Raumschiff gelebt haben? Lustige Idee für ein SF Setting ... Aber warum hat die Raumschiff KI die Menschen weiter gepflegt? Sie (MenschenTM) waren doch überflüssig???

AO

Als scherzhaft verstanden zu wissender Kommentar gedacht: Ich hatte zwischendurch schon mal den Eindruck, dass Du eigentlich _nur_ eine These in den Raum stellst, für die Du gesagt bekommen möchtest: "Ja, eigentlich hast Du Recht. Gut gemacht. Hier hast Du Leckerlie." Dieses Gefühl kommt bei mir wieder auf.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 8.09.2011 | 12:54
Warum legst Du das Dogma, dass Maschinen nie alles können werden, was Menschen können, Deiner kritischen Grundfrage zur Grundlage.
wtf? Wieso? Das tue ich doch gerade _nicht_.

Ich gehe davon aus, dass eine Vollautomatisierung und/oder KIs den Menschen überflüssig machen können.
Ich auch. Darum habe ich ja gerade diesen Thread gestartet: um Gründe zusammenzutragen, warum sie es nicht tun, obwohl ich voraussetze, daß sie es können.

Stets verfolgt der Mensch Ziele mit dem, was er tut. Darin fallen auch Entscheidungen darüber, ob der selbe Grad der Automatisierung oder Technisierung oder KI-isierung in allen Gebieten gewünscht wird oder (vernünftigerweise, sinnvollerweise, weshalberweise auch immer) eingesetzt wird.
Mag sein. Aber hier müssen wir auch die Ziele der Menschen in der Realität bzw. innerhalb des Szearios von meinen Zielen als SL trennen. Niemand (bzw. nur eine verschwindend geringe Minderheit) möchte in seinem Leben Gefahr, Action und Abenteuer. Daher wird die Automatisierung (wie schon heute) dazu verwendet werden, dem Menschen gefährliche und abenteuerliche Tätigkeiten zu ersparen. Ich als SL möchte ein Setting, in dem die Charaktere Gefahr, Action und Abenteuer erleben, und zwar nicht nur als "Einbruch" in ein dekadentes, von Vollautomation umsorgtes Leben. Daher suche ich nach Wegen bzw. Motiven, warum eine Anti-Action-Automatisierung, auch wenn sie möglich ist, nicht stattfindet.

Als scherzhaft verstanden zu wissender Kommentar gedacht: Ich hatte zwischendurch schon mal den Eindruck, dass Du eigentlich _nur_ eine These in den Raum stellst, für die Du gesagt bekommen möchtest: "Ja, eigentlich hast Du Recht. Gut gemacht. Hier hast Du Leckerlie." Dieses Gefühl kommt bei mir wieder auf.
Mir ist schleierhaft wieso, denn ich bin mir nicht einmal bewußt, "eine These in den Raum gestellt zu haben". Ich habe geschildert, welche Sorte Setting ich gerne hätte, und ich habe die Probleme bezüglich Logik und Glaubwürdigkeit angesprochen, in die ich dabei hineinlaufe. Ich hatte selbst keine lebensfähige Idee zur Lösung dieser Probleme, daher habe ich nach solchen gefragt. Dankenswerterweise sind hier auch eine Menge Anregungen gekommen, von denen ich manche freudig aufgreife, manche nicht. So läuft ein Brainstorming.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 8.09.2011 | 13:31
No harm done, no offence. Wollte nicht zu nahe treten.

Da ich Dich nach Lesart meines letztens Beitrags Deinen Beitrag wohl völlig missverstanden habe, setze ich noch mal neu an. Strich auf meinen letzten Kommentar.

Als Zwischenbilanz bleibt zunächst mal, dass der Mensch gerade nicht alle Lebensbereiche aus verschiedenen Gründen vollautomatisieren würde, obwohl es theoretisch möglich wäre. Diese Gründe sind zum Beispiel fehlende Praktikabilität (siehe mein Beispiel mit den Defekten inmitten einer Reise ohne Möglichkeit, komplexe Systeme reparieren (lassen) zu können), Mangel an Ressourcen, unterschiedliche Prioritäten für unterschiedliche Gebiete ("Bergbau-/Asteroidenabbau-Stationen" vs. Prestige-Stationen als Analogie zu Fabrikanlagen vs. Vorzugswohngebiete) oder die Frage eben, ob es nicht doch Dinge gibt, die doch nicht von Maschinen geleistet werden können ...
Grundsätzlich gehen wir aber alle davon aus, dass der Mensch nach wie vor in einem solchen Universum leben würde - die Frage ist dann aber auch mit Blick auf die Technologisierung, in welchen Bereichen und in welchen Bereichen gerade noch und in welchen bereichen nicht mehr (Stichwort: Wegrationalisierung; gutes Beispiel: Buchdruck).

Darüber hinaus ist bisher noch nicht die Frage gekommen, ob der Mensch es überhaupt zulassen würde, sich selbst durch Vollautomatisierung überflüssig zu machen. Ich denke, auch hier kommt es wieder auf die verschiedenen ideologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Systeme an; aber spontan und auch bei längerer Überlegung fällt mir kein System ein, dessen Ziel es wär', den Menschen soweit durch Technik "fremdbestimmt leben zu lassen" - nicht einmal beim Venus-Projekt. Meines Erachtens müsste die Diskussion daher eher in dem Bereich geführt werden, welche Motive den Menschen dazu bringen würden, sich soweit seiner eigenen Autonomie entziehen zu lassen, bzw. wie weit er Outsourcing seiner Handlungsoptionen auf den technischen Bereich treiben würde.

Alle Beispiele, die hier bisher besprochen wurden, sind ja nicht aus sich selbst heraus entstanden und haben den Menschen in diesen Bereichen aufgrund eines Selbstzwecks "überflüssiger" werden lassen; sondern sie alle sind von Motiven getragen - insbesondere solche, die ökonomisch geprägt sind - Effizienzsteigerung, Energieeinsparung, Personalkostenreduktion - gut möglich, dass auch andere "Motive" dazukommen könnten.

Also schlage ich vor, solche Motive hier mal zu benennen.
@Grey: Ist Deine Frage offen gestellt, oder mit dem Hintergedanken, ein spezielles Setting im Auge zu haben? (Vermutlich kein spezifisches Setting.)

AO
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 8.09.2011 | 14:06
@Grey: Ist Deine Frage offen gestellt, oder mit dem Hintergedanken, ein spezielles Setting im Auge zu haben? (Vermutlich kein spezifisches Setting.)
Doch, es geht mir tatsächlich um ein spezifisches Setting. Um weiteren Mißverständnissen vorzubeugen, fasse ich es an dieser Stelle noch mal zusammen und auch, worin mein Problem besteht.

Settingwunsch: Ein Hard SF Setting mit dem Flair des "Golden Age" der SF, also Aufbruch ins Weltall, Pioniergeist usw. Das Setting soll insgesamt auf Action und Abenteuer ausgelegt sein, wohingegen Politik und Intrige höchstens am Rande eine Rolle spielen sollen. Als Charakterkonzepte schweben mir solche Stereotype vor wie "Raumpilot", "Weltraumkämpfer" und "Vakuumwelt-Pionier". Für den Raumpiloten schwebt mir dabei tatsächlich jemand in einer Pilotenkanzel vor, der mit Steuerknüppel und diversen Hebeln und Schaltern sein Schiff im Griff hat; also insbesondere _nicht_ jemand, der lediglich dem Autopiloten Anweisungen gibt und sich vornehm im Pilotensessel zurücklehnt.

Hard SF beinhaltet für mich die ausdrückliche Anforderung STL. Das Setting wird zu Beginn auf unser Sonnensystem beschränkt sein. Die Menschheit steht an der Schwelle zu den Sternen, doch wird der Aufbruch dorthin mit Archen oder Kälteschlafschiffen stattfinden. Außerirdische sind nicht vorgesehen. Weltraumkämpfe werden zwischen menschlichen Fraktionen ausgetragen, und es handelt sich weniger um epische Schlachten, sondern eher um kleine Scharmützel und Piraterie.

Mein Problem, das ich hier zur Diskussion gestellt habe: Das für dieses Setting erforderliche Technik-Level bringt zwangsläufig auch ein Level an Automatisierung hervor, das gerade die mir vorschwebenden Charakterkonzepte überflüssig zu machen scheint. Raumfahrt läuft, wie hier mehrfach eingebracht wurde, schon heute vollautomatisiert ab, was mein Charakterkonzept "Raumpilot" obsolet macht. Für Raumschlachten braucht es Fähigkeiten, die ein Computer sehr viel eher mitbringt als ein menschlicher Schütze. In den lebensfeindlichen Umgebungen auf fremden Welten tut sich ein Roboter leichter als ein menschlicher Pionier im Raumanzug. Alles läuft darauf hinaus, daß der Mensch glaubwürdigerweise eher auf die Rolle des Entscheidungsträgers reduziert würde, mit dem eigentlichen Abenteuer aber kaum in Berührung käme.

Bisherige, in diesem Brainstorming zusammengekommene Lösungsansätze, die mir auch zielführend erscheinen, lauten:

Damit kann ich auch schon arbeiten, aber weitere Ideen sind natürlich nach wie vor willkommen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 8.09.2011 | 14:23
Niemand (bzw. nur eine verschwindend geringe Minderheit) möchte in seinem Leben Gefahr, Action und Abenteuer. Daher wird die Automatisierung (wie schon heute) dazu verwendet werden, dem Menschen gefährliche und abenteuerliche Tätigkeiten zu ersparen. Ich als SL möchte ein Setting, in dem die Charaktere Gefahr, Action und Abenteuer erleben, und zwar nicht nur als "Einbruch" in ein dekadentes, von Vollautomation umsorgtes Leben. Daher suche ich nach Wegen bzw. Motiven, warum eine Anti-Action-Automatisierung, auch wenn sie möglich ist, nicht stattfindet.

Ich bin hiermit völlig bei dir. Lass mal überlegen: wir sind ja heute schon soweit, dass wir in den Industrienationen relativ risikolos leben. Automatisierung ist auch schon reichlich vorhanden.

Was du beschreibst, wäre ja quasi der "Wilde Westen" im Weltraum (der Mensch als Pionier mit wilden Schießereien). Der Wilde Westen ist aber schon heute nicht mehr (oder nur in bestimmten Regionen) gegeben. Vielleicht können wir einfach für die Gegenwart mögliche Konzepte erarbeiten, die an den Wilden Westen drankommen, und das in dein Setting projizieren?

Oder wir versuchen mal wirklich konkrete Beispiele zu untersuchen. Vielleicht finden sich dann Ansatzpunkte. Zum Beispiel, wie in deinem Setting eine (voll-?)automatisierte Kolonisierung aussehen könnte und wo da der Mensch gefragt sein könnte:

Ein Planet soll erschlossen werden. Woher kennt man den? z.B. Aufklärungssonden, die auf einem programmierten Flug einfach Daten sammeln...? Oder Berechnungen aus Daten, die man per Himmelsbeobachtung erhielt? Wenn Sonde: Wie werden diese erhalten? Muss man die Sonde wieder einfangen oder kann diese die Daten senden? Wie lange dauert so etwas? Welchen Weg legt so eine Sonde zurück? Welchen Belastungen ist sie ausgesetzt? Welche Daten kann sie sammeln? Schickt man eine einzelne vielseitige Sonde oder eine Reihe spezialisierter Sonden? Von wo werden sie gestartet / überwacht?


Dann

Von der nächstliegenden Basis (Raumstation? Planet? Mond? Ressourcen? Personal?) wird eine Reihe von Sonden gestartet, die den fraglichen Planeten näher untersuchen. Zum Datenverkehr s.o. Über welche Entfernungen sprechen wir überhaupt? Eventuell wären Sonden ja zu umständlich und ein Kundschafter-Schiff mit entsprechend geschulter Crew würde ausgesandt, um direkt vor Ort geeignete Maßnahmen zu ergreifen?

usw.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 8.09.2011 | 14:41
Ein wenig OT, aber anknüpfend an die KI Diskussionen:

http://www.elektrischer-reporter.de/phase3/video/248/ - der dritte Beitrag bemüht sich um KI.

@Topic: Vielen Dank für die Orientierungshilfen.

Die "Golden Age" der Raumfahrt, die von Pioniergeist und Erforschung getragen ist.
Das lässt bei mir gleich einen Berg an "Sachverhalten" entstehen, bei denen die Vollautomatisierung mit der Reduktion des Menschen auf einen reinen Entscheidungsträger kein Problem darstellt, weil sie nicht eintreten würde ...

- Mal blindlings in die Zahlen gegriffen: Wenn ich für eine Mille eine Crew auf Reisen schicke, um das System XYZ123 zu erforschen, dann werde ich nicht 10 Mille investieren, wenn die gleiche Aufgabe von einem nahezu vollautomatisierten System erfüllt werden könnte. Gründe als Beispiele: Unvorhershebare technische Probleme, deren Ursachen innerhalb der Systeme entstehen (durchgebrannte, dadurch irreparable Elektronik) aber auch von außen an die Systeme herangetreten werden (Anomalien, unbekannte Weltraumphänomene) könnten; Vermeiden, dass das Schiff in die Hände der Konkurrenz fallen könnte; 10 Ein-Mille Expeditionen können 10 Systeme erforschen, eine 10 Mille nur ein System ...

- Würde ich als Staatsmacht/ als Unternehmen ein frisch erschlossenes Gebiet voll automatisieren, wie ich es auf dem Heimatplaneten gewohnt bin? Das wär' ein gewaltiger Investitionsaufwand, den ich betreiben müsste.

- Es wird Organisationen, kleinere Nationen oder Unternehmen geben, die einfach nicht das Investitionsvolumen aufbringen können, Reisen mit umfangreicher Technologie auszustatten; vielleicht gibt es auch solche Gruppierungen, die eine gewisse Skepsis gegenüber Technik mitbringen (Pille-Analogie zum Beamen).

- Und überhaupt: Wie weit fortgeschritten ist die Technisierung der Heimat? Befindet die sich auf einem utopisch hohen Niveau; oder ist es nur die konsequent von uns aus weiterentwickelte Technologie?

Unabhängig von diesen Gedankenspielen wird es vermutlich darauf hinauslaufen, dass dennoch die meisten Funktionen weitestgehend automatisiert würden. Allerdings sind das auch die Systeme, bei denen sich eine Automatisierung aufgrund der Vorhersehbarkeiten auch lohnt. Daher würde ich als These in den Raum stellen, dass gerade die Dinge, deren Vorhersehbarkeit immer schwieriger wird, durch einen immer schwächeren Grad der Technologisierung begleitet werden - zum Beispiel die Ernährungssysteme, medizinische Versorgung, Treibstoffversorgung, Wartungs- und Reparatursysteme, Kampfsysteme, Radard und Sensorik ...

Dein Beispiel mit dem Piloten, was zum Beispiel auf den Navigator oder den Lotsen übertragbar ist: In gut erschlossenen und kartografierten Gebieten ist seine Funktion "nahezu überflüssig". Aber sie wird wichtiger, je unbekannter oder gefährlicher der Raum wird. Man stelle sich vor, dass ein Raumschiff mit der gleichen "Intuition" durch ein enges Asteroidenfeld navigieren wollte, wie es ein Pilot könnte. (Übrigens ist "so etwas" in der Computerspielserie "X" von Egosoft ja schon "angedeutet" - eine gelungene Mischung aus Autopilot und Manualpilot) - logisch, dass so etwas Training bedarf ... Training ist nur halbwegs "realistisch", wenn die verwendeten Technologien künstlich kleingehalten werden und Piloten dazu "gezwungen" werden, häufig selbst einzugreifen - etwa bei der Landung auf Raumstationen, bei Dockmaneuvern, regelmäßig wiederkehrende Tests und Fortbildungen mit einem hohen Anteil an praktischen Übungen etc.

AO
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Ein am 8.09.2011 | 14:53
Zitat
Digitalcomputer sind noch nicht einmal ein Jahrhundert alt und jetzt schon in der Lage, z.B. bei einem Strategiespiel die meisten menschlichen Gegner ziemlich alt aussehen zu lassen.
Irgendwie habe ich da ganz andere Erfahrungen gemacht. Ich kenne bisher nur ein Spiel, bei dem Computer die Nase vorne haben und das ist Schach. Warum? Weil man beim Schach aufgrund der sehr eingeschränkten Optionen alle möglichen Züge vorausberechnen kann.

Sobald man diesen freien Rahmen verlässt, lässt das sehr, sehr schnell nach mit der KI. Was vor allem daran liegt, dass diese bisher kaum lernfähig sind und das obwohl seit 60 Jahren postuliert wird, dass man bald eine KI haben wird. Daher stellt sich die Frage, ob das Beharren auf die zwingende Entwicklung von KIs nicht ebenso ein Dogma ist, ebenso wie die Vorstellung, dass Maschinen zwangsweise schneller und überhaupt besser sind als Menschen.

Wenn man natürlich diesem Dogma folgen will, dann kommt man um gewisse Konsequenzen nicht herum. Ich für mich muss aber sagen, dass momentan Computer hundsmieserabel darin sind mit unbekannten Situationen (=Action) umzugehen und da scheint auch sobald keine Besserung in Sicht zu sein.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 8.09.2011 | 15:03
Einwurf: dazu passt auch der heutige SMBC (http://www.smbc-comics.com/comics/20110908.gif).

Heutige KIs verdienen den Namen nicht. In den meisten Computerspielen muss die KI bescheissen (und tut dies auch sehr fleissig), um einem menschlichen Spieler eine Herausforderung zu bieten. Egal ob es nun um Action oder Strategie geht.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 8.09.2011 | 15:21
Darüber hinaus ist bisher noch nicht die Frage gekommen, ob der Mensch es überhaupt zulassen würde, sich selbst durch Vollautomatisierung überflüssig zu machen.
Meines Erachtens läßt sich das Problem sehr einfach lösen, wenn man mal einen Schritt zurücktritt. Der Mensch kann überhaupt nicht überflüssig werden - oder er war es schon immer, und mit ihm ist es das ganze Universum seit jeher und für alle Zeit. Entweder es gibt einen Zweck, und dann ist es (zumindest für unsereinen) jeder Mensch, oder es gibt keinen, dann können wir uns auch völlig zweckfrei mit unserm Dasein vergnügen.
Das, was der Mensch schlichtweg gar nicht jemand anderem, sei es Tier oder Maschine, überlassen will, ist, sich an etwas zu freuen, gar zu genießen. Das ist demzufolge immun gegenüber jeder Art von Verreinnahmung durch Technik oder was auch immer. Wir brauchen in erster Näherung kein Fußballspiel und demzufolge auch keine Fußball-Teams, aber es gibt genügend Leute, die sie wollen, darum zahlt der Steuerzahler für die Stadien und das Polizeiaufgebot. Wir brauchen keine Romane, aber es gibt genug Leute, die sie lesen, darum gibt es Buchhandlungen, die voll von Romanen sind.
Einzig und allein bei Menschen ist - nach der in unserem Teil der Welt gegenwärtig vorherrschenden Weltanschauung jedenfalls - die Frage nach dem Zweck nicht erlaubt. Damit kann er aber auch nicht überflüssig sein, denn "überflüssig" ergibt nur einen Sinn in Zusammenhang mit einem Zweck, auf den sich die Beurteilung bezieht.

Wenn also jemand den Wunsch hat, in den Weltraum zu gelangen, dann kann er auf dem Weg dahin nicht überflüssig werden - weil er das ganze Unternehmen ja überhaupt erst mit einem Zweck versieht, nämlich dem, daß am Ende er, der Mensch, dort ist.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 8.09.2011 | 15:35
Irgendwie habe ich da ganz andere Erfahrungen gemacht. Ich kenne bisher nur ein Spiel, bei dem Computer die Nase vorne haben und das ist Schach. Warum? Weil man beim Schach aufgrund der sehr eingeschränkten Optionen alle möglichen Züge vorausberechnen kann.
Soweit ich weiß, sind auch die computergesteuerten Gegner bei typischen 4X-Spielen inzwischen ziemlich tough. Aber gut, ich muß zugeben, daß ich hier nicht gerade auf dem neuesten Stand bin.

Heutige KIs verdienen den Namen nicht. In den meisten Computerspielen muss die KI bescheissen (und tut dies auch sehr fleissig), um einem menschlichen Spieler eine Herausforderung zu bieten. Egal ob es nun um Action oder Strategie geht.
Na, das erklärt einiges. :D

Wenn also jemand den Wunsch hat, in den Weltraum zu gelangen, dann kann er auf dem Weg dahin nicht überflüssig werden - weil er das ganze Unternehmen ja überhaupt erst mit einem Zweck versieht, nämlich dem, daß am Ende er, der Mensch, dort ist.
Aber leistet der Mensch zu seiner eigenen Reise ins Weltall aktiv einen Beitrag, oder steigt er nur in seine Maschine und überläßt ihr den Rest? Das ist für mich die entscheidende Frage. Wenn die Maschinen den Flug, die Kolonisation etc. alles sehr gut alleine bewältigen können, dann ist der Mensch im Sinne meiner Frage "überflüssig", selbst wenn er der Zweck ist, um den sich all das dreht. Ich aber möchte ein Szenario, in dem der Mensch als aktiver Handlungsträger unterwegs ist.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: ErikErikson am 8.09.2011 | 15:43
Ich finde ME Vorschlag perfekt. Die SC reisen in den Weltraum, weil sie es wollen. SIe haben genau so viel Automatisierung, wie sie wollen. Wenn die SC XY selber steuern wollen, gibt es keine Automatik. Der Zweck der Reise ist primär der, die Menschen zufriedenzustellen. Und die sind halt so drauf, das sie mit Automatisierung nicht zufrieden sind.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 8.09.2011 | 15:50
Heutige KIs verdienen den Namen nicht. In den meisten Computerspielen muss die KI bescheissen (und tut dies auch sehr fleissig), um einem menschlichen Spieler eine Herausforderung zu bieten.
Sagen wir, die Computergegner in Computerspielen verdienen den Namen KI nicht. Das Problem ist, dass die Computerspielgegner nicht lernfähig sind.

Aber gerade im Bereich Bilderkennung und Handschriftenerkennung wurden auch lernfähige Algorithmen entwickelt. Diese gehen schon recht gut in Richtung KI. - Auch wenn ihre Intelligenz noch nicht mit der eines Menschen mithalten kann.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 8.09.2011 | 15:53
Die Beschränkungen für KIs bestehen derzeit vor allem auf dem Gebiet der physischen Wahrnehmung und Interaktion. Handlungsstrategien hingegen sind ihre ureigene Domäne. Ich muß daher davon ausgehen: sobald technisch das Problem gelöst ist, daß ein Computer visuell einen Menschen identifizieren und seine Bewegungen einordnen kann und daß er seinen eigenen "Körper" unter Kontrolle hat, sind Kampfroboter mit übermenschlich schnellen und präzisen Reflexen kein Problem mehr.
Auch wenn das ein ziemliches Randthema ist:

Derzeit steckt da alles Nötige in den Kinderschuhen.

Ob man es überhaupt hinbekommt, eine KI einen Menschen auch unter widrigen Bedingungen korrekt einschätzen zu lassen, steht meiner Ansicht nach derzeit noch in den Sternen. Da hat sich Vieles nicht bewahrheitet, was man vor einiger Zeit vermutet/erwartet hat.

Und das Thema Körperbeherrschung ist derzeit auch noch eine Sache für sich...

Ich behaupte: Der hohe Kampfwert eines ausgereiften Roboters wird sich nicht aus der Verarbeitungsgeschwindigkeit der zugehörigen KI ergeben, sondern hauptsächlich daraus, dass man den gesamten Körper zweckbestimmt konzipieren kann und nicht nur die Hülle (Power Armor & Co.).

Aber von KIs im Kontext irregulärer Kriegsführung oder dem handfesten Teil der Polizeiarbeit will ich gar nicht erst anfangen...

Soweit ich weiß, sind auch die computergesteuerten Gegner bei typischen 4X-Spielen inzwischen ziemlich tough. Aber gut, ich muß zugeben, daß ich hier nicht gerade auf dem neuesten Stand bin.
Bei Echtzeitstrategiespielen sind die KI-Gegner i.d.R. schlicht Mist.

Das einzige RTS, wo ich an einigen Stellen das Gefühl hatte, gegen einen "mitdenkenden" Gegner zu spielen, war Z - 1996...

Es ist anscheinend für die Hersteller völlig uninteressant, da großartige Entwicklungsarbeit zu leisten - gekauft wird auch der Mist.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 8.09.2011 | 15:58
Es ist anscheinend für die Hersteller völlig uninteressant, da großartige Entwicklungsarbeit zu leisten - gekauft wird auch der Mist.
Da traurige ist: Die Unis haben da schon große Vorarbeit geleistet. Die Spielefirmen müssten nur mal über ihren Schatten springen und bei der Uni nachfragen.

Sicherlich wäre es auch noch genug Arbeit, diese UNI-KIs so anzupassen, dass sie für ein Computerspiel funktionieren. Aber es ist sicherlich weniger Arbeit, als eine mittelmäßig schlechte "KI" selber von Grund auf zu entwickeln.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 8.09.2011 | 16:26
Ich finde ME Vorschlag perfekt. Die SC reisen in den Weltraum, weil sie es wollen. SIe haben genau so viel Automatisierung, wie sie wollen. Wenn die SC XY selber steuern wollen, gibt es keine Automatik. Der Zweck der Reise ist primär der, die Menschen zufriedenzustellen. Und die sind halt so drauf, das sie mit Automatisierung nicht zufrieden sind.

Dann kann ich auch aufs Star Trek Holodeck gehen...

Die Sache sieht doch so aus: Da gibt es System XYZ, das bereits bekannt und untersucht ist. Und es bietet Ressource R, und die hätte man gerne. Aber System XYZ wurde auch als für Menschen riskant eingestuft, z.B. wegen hoher Strahlenbelastung oder weiß der Henker was.

Und da man keine Menschen einfach einem hohen Risiko aussetzt und ja auch die tollen automatischen Erschließungsroboter hat, schickt man halt die.

Grey hat es ja oft genug geschrieben: es geht nicht darum, was der Mensch möchte, sondern sozusagen was er nicht möchte: Menschenleben riskieren, wenn es nicht nötig ist; damit aber die Action nicht zu kurz kommt, soll es in bestimmten Situationen halt doch nötig sein. Nur warum?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 9.09.2011 | 08:44
Aber leistet der Mensch zu seiner eigenen Reise ins Weltall aktiv einen Beitrag, oder steigt er nur in seine Maschine und überläßt ihr den Rest?
Er will die Reise. Das ist ein unersetzlicher, ungemein aktiver Beitrag. Ohne den gäbe es nicht nur keine Reise, sondern nichtmal das Reisegefährt.

Und es ist ein Beitrag mit Implikationen. Wieviele Leute sterben, während sie versuchen, in die Spitzenklasse der Formel-1 aufzusteigen? Wieviele Menschenleben könnte man also retten, wenn man statt der Menschen automatische Assistenzsysteme in der Formel-1 einsetzen würde? Von den Gehältern der 10 besten Fahrer könnte man vermutlich eine F&E-Truppe zahlen, die, sofern sie einigermaßen von den Autokonzernen unabhängig ist, innerhalb von weniger als einem Jahrzehnt Assistenzsysteme heranzüchten kann, die nicht schlechter fahren als die derzeitigen 10 besten Fahrer. Nur: Wer würde sich das noch ansehen wollen? 
Wieviele Leute sterben, weil "anderweitige Interessen" in der hohen Politik für wichtiger gehalten werden? Ein Tsunami-Warnsystem rund um alle Weltmeere wäre heutzutage problemlos machbar und mit einem Bruchteil des sogenannten "Verteidigunshaushalts" jeder größeren Industrienation bezahlbar...

Muß ich weitermachen?

Der Mensch ist sich selbst Zweck genug - zum Guten wie zum Bösen. Wenn er Raumkämpfe will, wird es sie geben.
Und er kann sie wollen. Das Kolosseum in Rom spricht Bände über den Zweck gigangtischer Investitionen...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 9.09.2011 | 08:55
Muß ich weitermachen?
Nein, weil deine Beispiele nicht taugen, Sorry.

@Formel 1: Das ist Unterhaltung bzw. Sport. Der Mensch tut es, um sich selbst zu testen / zu beweisen.

@Tsunami-Warnsysteme: Es gibt genug Leute, die diese möchten. Hier scheitert es allein daran, dass andere anderes möchten und man sich nicht einig ist.

Das erste Beispiel kannst du total vergessen, denn der Mensch möchte wohl nicht aus sportlichen Gründen in den Weltraum. Das wäre nur dann ein gutes Beispiel, wenn es ein echtes (sportliches) Wettrennen in den Weltraum gäbe. So nach dem Motto: wer schafft es als erster ohne XYZ bzw. nur mit OPQ?

Das zweite Beispiel ist wenigstens ein bisschen verwertbar. Vielleicht ist die Automatisierung im Setting in den fraglichen Bereichen noch nicht so weit, wie sie sein könnte, weil die nötigen Ressourcen für andere Dinge verwendet werden. Dann ist es aber nur eine Verzögerung und damit auch nur eine Frage der Zeit.

Wenn er Raumkämpfe will, wird es sie geben.

Klar, weil ja der militärische Sektor traditionell der ist, wo man neue Technologien ignoriert, weil das Kämpfen dann ja keinen Spaß mehr macht  ::) Deshalb hauen wir uns immernoch Schwerter auf den Kopp, anstatt den Feind mit ferngezielten Raketen... ach neee.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 9.09.2011 | 09:15
Er will die Reise. Das ist ein unersetzlicher, ungemein aktiver Beitrag. Ohne den gäbe es nicht nur keine Reise, sondern nichtmal das Reisegefährt.
@Merlin Emrys: Ich glaube, wir reden von zwei verschiedenen Auslegungen von "überflüssig".

Du scheinst es in der ethisch-weltanschaulichen Bedeutung zu meinen. Daß der Mensch da auch als Hätschelkind diverser Automaten nicht überflüssig wird, ist klar.

Ich meine es in dramaturgischer Hinsicht. Und da reduziert ein Übermaß an Automation den Menschen zum McGuffin. Klar, das Raumschiff startet allein seinetwegen, aber die _Akteure_ sind KIs und Roboter.

Und genau das möchte ich vermeiden.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 9.09.2011 | 11:23
Mal eine Anregung ...

Wenn ein SF Rollenspiel gespielt wird, wieviel wird denn dann auf "Pilot" oder "Navigation" oder "Kommunikation" gewürfelt? Bzw. wieviel "Action" macht das denn aus? Daher Frage an Grey: Magst Du mal auflisten, für welche typischen (und weniger typischen) Fälle Du hier diese Diskussion im Auge hast? 

These: Versuche ich mir vorzustellen, wie solche SF Abenteuer aussehen, würde ich vermutlich nur wenige Male dabei sein, weil spätestens das "dritte Abenteuer", in dem ich auf solche Sachen würfeln müsste, einfach _langweilig_ würde.

Logisch - in einem Hard SF Setting oder grundsätzlich in einem Weltraum-Reise-Setting ist eine Kollision des Raumschiffs mit einem anderen Objekt ein GAU und aller Wahrscheinlichkeit nach extrem lebensbedrohlich; insofern kann eine verpatzte Probe dann darüber entscheiden, ob das Abenteuer geschafft wird oder ob die Reisenden frühzeitig sterben. Aber wollte ich so etwas spielen?

Ich wollte doch höchstens dann auf Pilot, Navigation oder andere vollautomatisierbare Bereiche würfeln (müssen), wenn diese für eine spannende Szene in einer (gut) erzählten Geschichte auch eine nicht nur situativ, sondern auch für die Geschichte relevante Bedeutung hat.
Auf der Flucht aus dem Raumschiffhangar hilft mir der beste Navigationscomputer nichts, da er sich innerhalb bestimmter/ bestimmbarer Parameter bewegt, die noch dazu wahrscheinlich nicht ohne weiteres geändert werden können. Also werde ich selber den Knüppel in die Hand nehmen und die Flucht forcieren, selbst manövrieren sowie Risiken eingehen.

Mit anderen Worten: Die Vollautomatisierung, die den Menschen weitgehend ersetzt und ihn zu einem Entscheidungsmedium reduziert, verliert dort ihre Funktion, wo sich Handlungsverläufe außerhalb typischer Parameter bewegen. Das ist der bereich, indem Action also eine Rolle im Rollenspiel spielt.

Hier spielt im Übrigen wieder die Motiv-Ebene der menschen mit hinein. Würde ich ein Raumschiff überhaupt so ausstatten, dass es für mich in jeder Lebenslage fliegt und mich so in meiner Unfähigkeit als Pilot bestärkt? Oder würde ich es auf rudimentäre Automatiken begrenzen, die mir das Fliegen erleichtern, mich aber nicht ersetzen?

Übrigens: Die Beispiele von ME sind beide gut und angebracht - und zwar so, wie sie auch nicht passen. Zwar pflichte ich bei, dass unter gewissen Gesichtspunkten diese Beispiele nicht funktionieren; aber dafür funktionieren sie unter anderen Gesichtspunkten. Was spräche denn wirklich gegen ein Wettrennen ins All? Eine Art Pony-Express Wettkampf um "wer bietet das bessere Botensystem" könnte sogar eine Basis für eine (Mini-)Kampagne sein ... Und gerade das Beispiel mit den Tsunami-Warnsystemen bedient doch das, was ich pausenlos vomittiere - es kommt auf die Interessenlagen an, die auch als Gemengelage widerstreitender Interessen begriffen werden können, woraus sich dann letztlich ergeben kann, dass eben nicht vollautomatisiert wird, obwohl es theoretisch (und rechnerisch) möglich wäre (puh, langer Satz ...).

AO
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 9.09.2011 | 11:29
Auf der Flucht aus dem Raumschiffhangar hilft mir der beste Navigationscomputer nichts, da er sich innerhalb bestimmter/ bestimmbarer Parameter bewegt, die noch dazu wahrscheinlich nicht ohne weiteres geändert werden können.
Und genau das wird in 100 Jahren wahrscheinlich nicht der Fall sein. In 100 Jahren wird dich der Bordcomputer sicherer und schneller aus dem Hangar herausbringen können, als es ein Mensch je könnte.

Zitat
Hier spielt im Übrigen wieder die Motiv-Ebene der menschen mit hinein. Würde ich ein Raumschiff überhaupt so ausstatten, dass es für mich in jeder Lebenslage fliegt und mich so in meiner Unfähigkeit als Pilot bestärkt? Oder würde ich es auf rudimentäre Automatiken begrenzen, die mir das Fliegen erleichtern, mich aber nicht ersetzen?
Ich wette, 99% aller Menschen sind Bequemlichkeitstiere und lassen sich gerne ihre Arbeit abnehmen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: ErikErikson am 9.09.2011 | 11:31
Grey ist auch nicht zu helfen in diesem Punkt. Es kamen jetzt so viele tolle Ideen, aber er scheint nicht zufrieden.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 9.09.2011 | 12:03
@Eulenspiegel:

Kann sein, muss nicht so sein.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 9.09.2011 | 12:44
Magst Du mal auflisten, für welche typischen (und weniger typischen) Fälle Du hier diese Diskussion im Auge hast?

Beispiel 1: Landung in schwierigem Gelände. Das Schiff befindet sich im Anflug auf eine Piste, die extrem schmal ist, von Felstrümmern übersät o.ä. - Hier ist durchaus eine Action-Szene denkbar, für die mehrmals gewürfelt wird ("rundenweise", analog zu einem Kampf) und bei der die Konsequenz eines vergeigten Wurfes nicht automatisch in einem "Ihr seid alle tot" mündet, sondern lediglich in einer unsanften Landung, Verletzten an Bord, Beschädigungen am Schiff und/oder an der Fracht usw.

Beispiel 2: Verfolgungsjagd quer durch das Monde-System eines Gasriesen. - Wer spielt das gekonntere Swing-By-Billard, um den entscheidenden Geschwindigkeitsvorteil rauszuholen?

Beispiel 3: Manövrieren durch einen Asteroidenschwarm. - Zusätzlich zu den schon in Beispiel 1 genannten Konsequenzen könnte es hier darauf ankommen, mit dem Treibstoff so zu haushalten, daß man hinterher überhaupt wieder Kurs auf das ursprüngliche Ziel (oder ein sinnvolles alternatives Ziel) nehmen kann.

Beispiel 4: Andockmanöver an ein trudelndes Wrack. - Mögliche Konsequenzen: das Wrack wird beschädigt, mögliche überlebende Insassen werden verletzt... oder das Manöver dauert einfach zu lange, und den zu rettenden Insassen geht langsam der Sauerstoff aus.

Ist die grobe Idee damit klar?
 
Auf der Flucht aus dem Raumschiffhangar hilft mir der beste Navigationscomputer nichts, da er sich innerhalb bestimmter/ bestimmbarer Parameter bewegt, die noch dazu wahrscheinlich nicht ohne weiteres geändert werden können. Also werde ich selber den Knüppel in die Hand nehmen und die Flucht forcieren, selbst manövrieren sowie Risiken eingehen.
Das aber erfordert, daß du mit dem Steuerknüppel überhaupt umgehen kannst. Und hier habe ich ein Glaubwürdigkeitsproblem, wenn der Pilot 99% seiner Zeit mit hinterm Kopf verschränkten Händen dem Autopilot bei der Arbeit zusieht. Daher war meine anfängliche Intention in diesem Thread, dem Piloten auch im "langweiligen Alltag"TM was zu tun zu geben.

Diese Intention wurde im Verlauf dieser Diskussion bereits modifiziert. Der "Maultier-Ansatz" z.B., demzufolge die Automatik dazu führt, daß sich ein Raumschiff weniger wie eine Maschine verhält und mehr wie ein Reittier, gefällt mir sehr gut.

Was spräche denn wirklich gegen ein Wettrennen ins All? Eine Art Pony-Express Wettkampf um "wer bietet das bessere Botensystem" könnte sogar eine Basis für eine (Mini-)Kampagne sein ...
Stimmt, und in diesem Sinne auch besten Dank an ME für die Anregung. ;) Aber Regatten als _einziges_ Betätigungsfeld für "Von-Hand-Piloten" (sprich: "Wir fliegen eigentlich nur von Hand, weil wir Bock drauf haben, aber es wäre nicht nötig") sind mir einfach ein wenig eng. Das würde bedeuten, daß es nur noch Amateursportler am Steuerknüppel gibt, aber infolge Automatisierung keinen _wirklichen_ Bedarf an Profis.

Und gerade das Beispiel mit den Tsunami-Warnsystemen bedient doch das, was ich pausenlos vomittiere - es kommt auf die Interessenlagen an, die auch als Gemengelage widerstreitender Interessen begriffen werden können, woraus sich dann letztlich ergeben kann, dass eben nicht vollautomatisiert wird, obwohl es theoretisch (und rechnerisch) möglich wäre (puh, langer Satz ...).
Korrekt, und genau da fußt doch mein Problem. Wenn es wirtschaftlicher ist, seine Fracht einem Autopiloten anzuvertrauen, warum sollte dann irgendjemand sie einem dahergelaufenen Trupp Abenteurer anvertrauen, die aus Spaß an der Freude ihre Raumyacht manuell steuern?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 9.09.2011 | 15:20
Mh.
Ich hatte da jetzt mehr erwartet als bloß vier unterschiedliche Variationen des Pilotenproblems. Ich hatte bisweilen den Eindruck, dass es grundsätzlich um alles ging, worin der Mensch sich in Sicherheit Technokratisieren und Automatisieren können könnte ...

Für die _Probleme_ bezogen auf das Pilotendasein sind hier in der Tat schon einige Lösungen oder Lösungsansätze besprochen worden. Da hilft es vielleicht, die nochmal für sich zusammenzutragen, zu sortieren und darauf aufbauend etwas zu machen. Diese Frage kann letztlich nur von Dir selbst beantwortet werden; einfach mal der Dauer-Ignore oder Repetier-Nein abschalten. Denn letztlich wird nicht die Community hier die Antwort liefern, sondern Du Dir aus dem mittlerweile recht umfangreichen Input ableiten müssen.

Da offenbar insbesondere das Pilotenthema das "problematische" Thema ist, fällt mir spontan _Alien_ ein. Die Nostromo flog auch allein, und die Crew erlebte ein ziemlich action-geladenes Abenteuer.

Vielleicht kann es ja auch reizvoll sein, das _Problemkind_ (Pilot) auszublenden und andere Schwerpunkte für Action oder spannende Stories zu finden. Wie ich in meinem letzten Beitrag schrieb: Ich stelle mir das auf die Dauer problematisch vor, wenn den Pilotenfunktionen ein zu hoher Wert eingeräumt wird.

In meiner aktiven Zeit mit Shadowrun hatten wir zwar einen Rigger; aber Riggerkämpfe oder Dronenmanöver waren äußerst selten. Ebenso waren meine Erfahrungen mit Star Wars D6 (, wobei Star Wars ja nicht gerade unerheblich von Raumkampf auch lebt), Cyberpunkt, aber auch im Fantasy, wenn es um Verfolgungsjagden zu Pferde/Kutsche/Drache ging ...

Damit verabschiede ich mich aus dem Thema. Viel Erfolg weiterhin!

AO
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 9.09.2011 | 15:45
Ich hatte da jetzt mehr erwartet als bloß vier unterschiedliche Variationen des Pilotenproblems. Ich hatte bisweilen den Eindruck, dass es grundsätzlich um alles ging, worin der Mensch sich in Sicherheit Technokratisieren und Automatisieren können könnte ...
Ah, sorry, da hatte ich dich mißverstanden. Ich dachte, du wolltest spezifisch Beispiele für das Pilotenproblem.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 9.09.2011 | 16:08
Ah, sorry, da hatte ich dich mißverstanden. Ich dachte, du wolltest spezifisch Beispiele für das Pilotenproblem.

Ja, Sorry. War von mir unglücklich formuliert. Nein, die Frage war weit umfassender gedacht und nicht nur auf Piloten/ Navigation beschränkt.

AO
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 9.09.2011 | 16:20
Klar, weil ja der militärische Sektor traditionell der ist, wo man neue Technologien ignoriert...
Ja - auch wenn Du es nicht hören magst. Wo werden denn heute Atombomben geworfen? Wo kommen Giftgase und andere hochwirksame Chemikalien zum Einsatz? Wo werden systematisch die Computer der "Feinde" sabotiert, die Systeme von innen heraus zerstört und die Infrastruktur lahmgelegt...? Wo findet der "moderne Krieg" statt? 
Sieh' Dir doch an, womit in der Praxis gekämpft wird. In den Straßenschlachten in Mexiko und in den Völkermorden von Zentral-Afrika werden "neue Technologien" so gründlich ignoriert, daß die Leute sich noch gegenseitig mit Messern und Macheten abschlachten.
Und das wird nicht anders werden. Darum hilft es auch nicht weiter, "das ist ja nur Sport" zu sagen. Es ist derselbe Schlag Menschen, der sich beweisen muß - im Sport, in der Politik, im Kindergarten, als Konzernboss, als Börsenspekulant, in der Jugendgang. Und eben als Pilot eines Raumschiffs, sobald das in Reichweite ist. Ob das dann das "Erde-Mars-Rennen" der Formel-2 ist oder es darum geht, die Materialvorkommen auf dem Mars auszubeuten oder ob es nur darum geht, nach allen Achttausendern nun alle Planeten des Systems "bezwungen" zu haben.   

Ich meine es in dramaturgischer Hinsicht.
Ja. Aber die "dramaturigische Hinsicht" ist dem Menschen als Menschen mitgegeben. Darum fiebert er mit, wenn rund zweienhalb Dutzend Leute sich auf einer Rasenfläche mit weißen Linien um einen Ball tummeln. Darum sterben Menschen, die sich überschätzt haben, die zuviel von sich wollten. Und darum ist auch Doping so verachtenswert: weil es zur "dramaturgischen Hinsicht" gehört, daß die Sportler mit ihren eigenen Kräften erreichen, was auch immer das Ziel der Sportart ist. (Darum ist z.B. auch der Läufer ohne Beine (http://www.fr-online.de/sport/ein-laeufer-ohne-beine/-/1472784/9677880/-/index.html) ein Gegenstand von Diskussionen.)
Das heißt: Nur, daß Menschen dabei sterben könn(t)en, ist eben kein Grund, etwas zu lassen. Und nur, daß Maschinen etwas besser könn(t)en, ist kein Grund, es sie auch machen zu lassen. Wenn es nicht gewollt wird, wird es keine vollautomatischen Raumschiffe geben - auch wenn sie technisch machbar wären. Wenn es zum Selbstverständnis eines Raumschiffsteuerers gehört, daß er auch wirklich steuert - damit er sich in dieser Disziplin "beweisen kann"! -, dann werden die Raumschiffe sich eben von ihm steuern lassen müssen.
Als "öffentlichen Grund" kann man dann immer noch die "Globale Bürokratie-Norm x0dra0-8_15-F25ghd" anführen, die so ungefähr besagt, daß auch Raumschiffe aus Sicherheitsgründen niemals ohne mindestens dreiköpfige Besatzung unterwegs sein dürfen, wovon zwei abwechselnd steuern und der letzte den jeweiligen Steuernden mit Kaffee, schlechten Witzen und andauerndem Rumgenerve wachhalten muß..
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 9.09.2011 | 17:56
Ja, Sorry. War von mir unglücklich formuliert. Nein, die Frage war weit umfassender gedacht und nicht nur auf Piloten/ Navigation beschränkt.
OK. Ich hoffe, dein Rückzug aus der Diskussion ist nicht endgültig, denn ich finde deine Beiträge durchaus anregend.

Das heißt: Nur, daß Menschen dabei sterben könn(t)en, ist eben kein Grund, etwas zu lassen. Und nur, daß Maschinen etwas besser könn(t)en, ist kein Grund, es sie auch machen zu lassen. Wenn es nicht gewollt wird, wird es keine vollautomatischen Raumschiffe geben - auch wenn sie technisch machbar wären. Wenn es zum Selbstverständnis eines Raumschiffsteuerers gehört, daß er auch wirklich steuert - damit er sich in dieser Disziplin "beweisen kann"! -, dann werden die Raumschiffe sich eben von ihm steuern lassen müssen.
Ah, OK, jetzt verstehe ich endlich, worauf du hinauswillst.

Ließe sich eines der Motive, die du gerade angeführt hast, vielleicht mit dem Schlagwort "Prestige" zusammenfassen? Wenn es eine hinreichend einflußreiche Lobby gäbe, die Wert darauf legt, sich auf den Gebieten Raumfahrt, Weltraumkampf, Vakuum-Pioniertätigkeit etc. zu beweisen, könnte das unterm Strich zu einem Zurückdrängen der Automation führen.

Bleibt die Frage, wie so etwas historisch wachsen soll. Konstruieren wir doch mal einen Fall zum Thema "Weltraumkampf". Angenommen, unter Angehörigen der Oberschicht wird es Mode, ihre Yachten zu bewaffnen und sich als Piraten zu betätigen.

Frage: was würde die einfachen Händler, die eigentlich nur sicher ans Ziel kommen wollen und an dieser Sorte Kräftemessen kein Interesse haben, davon abhalten, zur Abwehr solcher jungen Halbstarken einfach vollautomatische Waffensysteme auf ihre Frachter zu montieren, die schneller und präziser zurückfeuern als ein Mensch? - Offene Frage, wenn jemandem hierzu etwas einfällt, immer her damit.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 9.09.2011 | 18:00
Das die Dinger zu gefährlich sind?

Wie gesagt, Mehrfach, Safetech der Gesellschaft war es einfach zu riskant bestimmte Technologien weiterzuentwickeln
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 9.09.2011 | 18:02
Das die Dinger zu gefährlich sind?

Wie gesagt, Mehrfach, Safetech der Gesellschaft war es einfach zu riskant bestimmte Technologien weiterzuentwickeln
Nenn doch mal ein konkretes Beispiel: Was ist [in der Zeitlinie des Settings] Gefährliches/Fatales passiert, daß diese Entwicklung eingestellt wurde?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 9.09.2011 | 18:20
Das ist absolut settingabhängig.

Vielleicht haben einige KIs einige Passgierraumer hochgeblasen, sind im Kindergarten gelandeet....
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 9.09.2011 | 18:26
Ok. Nehmen wir an, es hat sich so "eine Mode" eingeschlichen ... [Dazu gibt es ja durchaus eine Analogie zu Sinn und Unsinn im Straßenverkehr (wer braucht im Flachland als reiner Stadtautofahrer einen SUV oder ein Geländewagen???)] ..., wie würden Händler und Unternehmen darauf reagieren?

Wie sähe der "mittelständische" Unternehmer aus? Die großen Unternehmen würden vermutlich so viel wie möglich automatisieren. Aber die kleinen? Können die sich das leisten?
Und wie würde die Obrigkeit reagieren? Und wie würden die Systeme in Sicherheitszonen unterteilt - so ähnlich wie heutzutage internationale und nationale Gewässer? Da gibt es viel potential.

Das die Dinger zu gefährlich sind?
Wie gesagt, Mehrfach, Safetech der Gesellschaft war es einfach zu riskant bestimmte Technologien weiterzuentwickeln
Nenn doch mal ein konkretes Beispiel: Was ist [in der Zeitlinie des Settings] Gefährliches/Fatales passiert, daß diese Entwicklung eingestellt wurde?

Bei solider Gegenwehr werden die automatisierten Schiffe zu stark beschädigt; sie explodieren; bedauerlicherweise sind sie zu nah an einem Raumhafen, oder es handelt sich um Passagierschiffe => zu große Kollateralschäden.
Vielleicht ist auch der Bau und die Entwicklung solcher Systeme schon zu riskant. Die Docks, in denen Schiffe entsprechend gebaut bzw. ausgerüstet sind, sind beliebte Angriffsziele von Piraten und Freischärlern; der Unterhalt notwendiger Sicherheitssysteme und Sicherheitskräfte ist zu aufwendig/ zu teuer, bzw. das Risiko von großen Schäden durch Angriffe ist zu groß ...

Also ich denke: Da steckt einiges an Potential, welches zwangsläufig auf die Frage hinausläuft: Was ist schon wirklich sicher? Und auf wievielen Ebenen muss man Sicherheit berücksichtigen?

AO

P.S.: Das beantwortet wohl die Frage mit meinem Ausklinken. ;)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 9.09.2011 | 19:53
Ja - auch wenn Du es nicht hören magst. Wo werden denn heute Atombomben geworfen? Wo kommen Giftgase und andere hochwirksame Chemikalien zum Einsatz? Wo werden systematisch die Computer der "Feinde" sabotiert, die Systeme von innen heraus zerstört und die Infrastruktur lahmgelegt...? Wo findet der "moderne Krieg" statt? 
Sieh' Dir doch an, womit in der Praxis gekämpft wird. In den Straßenschlachten in Mexiko und in den Völkermorden von Zentral-Afrika werden "neue Technologien" so gründlich ignoriert, daß die Leute sich noch gegenseitig mit Messern und Macheten abschlachten.

Besagte Waffen sind geächtet, wegen viel zu großer Kollateralschäden bzw. weil sie nicht kontrollierbar sind - das ist doch ein riesiger Unterschied. In Zentral-Afrika würden sie wahrscheinlich liebend gerne hochmoderne Kampftechnologien nehmen, wenn sie denn drann kämen. Diese Kräfte sind doch schlichtweg sauschlecht ausgerüstet. Nimm mal einen gut gerüsteten Kombatanten. USA, China, Israel, Russland von mir aus... egal. Da hats Drohnen, zielsuchende Raketen, Satellitenunterstützung... Und über Cyberangriffe wird auch genug gemunkelt.

Natürlich kommt die High-End-Technologie eher selten zum Einsatz. Im Mittel bleiben die Möglichkeiten etwas darunter; ich denke hauptsächlich aus Kostengründen. Das ist dann wie in der gesamten Elektronikbranche.

Was mir gefällt, ist der Gedanke von AO bezüglich kleiner Unternehmen, die sich eben keine High-End-Technologie leisten können oder wollen. Eventuell könnte man darauf aufbauen. Die SC stehen dann eben in Konkurrenz zu den KIs der Megakonzerne und reichen Staaten, und sind eher im kleinen Rahmen unterwegs. Wer sich keinen guten Autopiloten leisten kann, wählt vielleicht doch lieber menschliche Piloten, weil die immernoch besser sind, als ein Low-Budget-Autopilot.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 9.09.2011 | 20:20
Also ich denke: Da steckt einiges an Potential, welches zwangsläufig auf die Frage hinausläuft: Was ist schon wirklich sicher? Und auf wievielen Ebenen muss man Sicherheit berücksichtigen?
Laßt uns das mal weiter ausbauen. Schließlich gehören zur Beurteilung der Frage "Ist es so unsicher, daß wir die Entwicklung ganz einstellen?" immer mehrere.

Welche Interessengruppen sind bei der Automatisierung von Raumfahrt, Kampf und Exploration/Besiedlung außerirdischer Welten beteiligt?

Welche konkreten Gruppen hätten ein Interesse an Automatisierung? Welche hätten ein Interesse daran, selbige zu unterbinden?

Welche konkreten Ereignisse können der einen oder anderen Gruppe in die Hände spielen? - Ruhig in beiden Richtungen, die Geschichte verläuft ja auf keinem Sektor jemals glatt und geradlinig. (Es könnte ja sogar zunächst ein Übergewicht in Richtung "zu viel Automatisierung" gegeben haben, das sich dann auf spektakuläre Weise als Irrweg erwies.)

Welche Alternativen setzen sich ggf. gegen die von ihren Befürwortern als unverzichtbar gepriesene Automatisierung durch? Verbesserte Ausbildung? Esoterische Meditationstechniken à la "Der Wüstenplanet"? Oder einfach die Erfahrung, daß jemand, der sein Leben lang nichts anderes macht, als Raumschiffe zu steuern, durch pure Routine jedem Autopiloten überlegen wird? (Man bedenke, unsere heutigen Astronauten sind ja im Grunde nur "Gelegenheitsflieger". Wie oft kommen die schon mal an den Start? Drei- oder viermal im Leben, wenn's hochkommt. Wie sähe das bei einem im Weltraum aufgewachsenen Händler aus, der mit 12 von seinem Vater darin eingewiesen wurde, sein Schiff von Hand zu fliegen...?)

P.S.: Das beantwortet wohl die Frage mit meinem Ausklinken. ;)
;)

Was mir gefällt, ist der Gedanke von AO bezüglich kleiner Unternehmen, die sich eben keine High-End-Technologie leisten können oder wollen. Eventuell könnte man darauf aufbauen. Die SC stehen dann eben in Konkurrenz zu den KIs der Megakonzerne und reichen Staaten, und sind eher im kleinen Rahmen unterwegs. Wer sich keinen guten Autopiloten leisten kann, wählt vielleicht doch lieber menschliche Piloten, weil die immernoch besser sind, als ein Low-Budget-Autopilot.
Das wäre auch schon mal ein schöner Settingansatz. :)

In Punkto Kampf kam mir noch eine (mit Blick auf die menschliche Natur ziemlich absurd anmutende) Idee: Was, wenn es keine automatischen Waffensysteme mehr gibt, weil zwischendurch eine Zeit des Weltfriedens herrschte? Infolge von Abrüstungsverträgen usw. ist die ganze Infrastruktur zur Herstellung von Kampfrobotern, automatischen Geschützen usw. verfallen. Nun, wo die Zeiten wieder rauher werden, greifen "Raumpiraten" und ähnliche Konsorten wieder auf manuell zu bedienende Laser, Projektilwaffen u.ä. zurück...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 10.09.2011 | 08:21
Ließe sich eines der Motive, die du gerade angeführt hast, vielleicht mit dem Schlagwort "Prestige" zusammenfassen?
Ja, das ist ein sehr treffender Begriff für zumindest eine der Motivationen.

Frage: was würde die einfachen Händler, die eigentlich nur sicher ans Ziel kommen wollen und an dieser Sorte Kräftemessen kein Interesse haben, davon abhalten, zur Abwehr solcher jungen Halbstarken einfach vollautomatische Waffensysteme auf ihre Frachter zu montieren, die schneller und präziser zurückfeuern als ein Mensch?
Daß er sie nicht kaufen kann, weil es sie nicht gibt?
Man müsste sie ja unter "Weltraumbedingungen" entwickeln, und das würde ein sehr teures Weltraumlabor verlangen. Sowas können sich nur die Kinder der Superreichen leisten (die das wiederum von ihrem Taschengeld bezahlen, von Pappi zum 18. bekommen oder so). Das heißt, solange die Frachtverluste nicht zu hoch werden oder man die Piraten mit moderaten "Schutzgeldern" zufriedenstellen kann, ist es billiger, sich überfallen zu lassen.
Aber schon im selben Moment kann wieder eine andere Seite des Menschen zum Zug kommen: Der Stolz. Gerade Leute, die nicht in erster Linie ihren Job machen, sondern darüber hinaus Ziele haben - also solche wie typische Spielercharaktere - könnten versuchen, die Piraten doch mal ordentlich auf's Haupt zu hauen. Und zwar... mit dem, was sie haben und was man einsetzen kann. Also vielleicht nicht gerade Schußwaffen, die die eigene Außenhülle löchern würden - oder, wenn Du gern Schußwaffen haben möchtest, dann haben sie eben einen kleinen Roboter (Eigenentwicklung), der nichts tut, als von einem Schußloch zum andern zu wuseln und Korken hineinzustöpseln.

In Punkto Kampf kam mir noch eine (mit Blick auf die menschliche Natur ziemlich absurd anmutende) Idee: Was, wenn es keine automatischen Waffensysteme mehr gibt, weil zwischendurch eine Zeit des Weltfriedens herrschte?  
Oder weil die ganze Drohkulisse nur noch Theater ist...? Die möglichen Waffensysteme wären dermaßen unbeherrschbar, daß die Waffenindustrie sich nicht traut, das zuzugeben, aber deswegen kann sie sie nicht wirklich testen. Damit aber die Lobby weiter ihr Ding drehen kann, werden sonstwelche Datensätze erfunden, Testberichte geschrieben und unter höchster Geheimhaltung (Theaterkulisse!) weitergegeben... und verkauft werden die Sachen offiziell nicht, damit sie nicht irgendwelchen Terrorosten in die Hände fallen. Naja, oder man deklariert als Terroristen einfach alle, die die verrückte Idee haben könnten, die wirklich einzusetzen, dann wäre die Begründung sogar zutreffend :-o .

Besagte Waffen sind geächtet, wegen viel zu großer Kollateralschäden bzw. weil sie nicht kontrollierbar sind
Ja, genau, damit hast Du den Grund zusammengefasst, warum (wie Du selbst sagst) "der militärische Sektor traditionell der ist, wo man neue Technologien ignoriert". Das jetzt als "Unterschied" zu deklarieren, geht allerdings leider nicht mehr. Die Legende, Krieg würde "modern" geführt, ist nur das: eine Legende.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 10.09.2011 | 08:52
Ich halte für die Bedingungen, unter denen technisch mögliche KI aus reiner Willensentscheidung nicht verwendet werden, für einen instabilen gesellschaftlichen Zustand. Mit anderen Worten: So eine Stimmung hält vielleicht ein oder zwei Jahrzehnte, und dann ist Schluss.


Ein schönes fiktionales Beispiel dafür ist die Fernsehserie Battlestar Galactica. Kurz vor der Zerstörung der Kolonien (40 Jahre nach dem die Roboter beinahe alle ausgelöscht hätten) durch die Cylonen sind Leute wie Dr. Baltar schon wieder der Meinung, man sollte das mit den KI-Beschränkungen alles nicht so eng sehen.

Und als realweltliches Beispiel für irgendwann abklingende Technikfeindlichkeit frage man sich, wie die Leute in den 80ern heutige Mobiltelefone, plötzlich und ohne Übergang eingeführt wahrnähmen. Man erinnere sich: Damals machten sich die Leute schon Sorgen, dass sie übers Kabelfernsehen abgehört werden könnten (was ja technisch gar nicht geht... erst mit IPTV wäre das drin), geschweige denn mittels einer Wanze, die sie ständig mit sich herum tragen und auch noch selber wieder aufladen...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Vexrath am 10.09.2011 | 09:45
Ich finde ein recht gutes Beispiel ist auch folgendes:
Fast jedes Auto lässt sich heute mit Automatik-Getriebe kaufen und die aktuellen Getreibe führen meinst sogar zu einem geringeren Benzinverbrauch. Trotzdem fahren sehr viele Menschen (zumindest in meinem Bekanntenkreis) einen normalen Schaltwagen, einfach, weil das für sie zum Autofahren dazugehört.
Ähnliches könnte man doch auch in ein SF-Setting übertragen: Es ist zwar möglich, per Autopilot zu fliegen, aber einige wollen das einfach nicht, weil es für sie dazugehört, selbst am Steuerknüppel zu sitzen.
Was Waffensysteme angeht hätte ich auch noch eine Idee: Vlt. schrecken die MEnschen vor autonomen Waffensystemen zurück, weil die Erfahrung gezeigt hat, dass ein Mensch leichter zu kontrollieren (Treue, Ehre, etc.) ist (und im Zweifelsfall auch leichter "abzuschalten").
Ansonsten eben: Low-Budget-Raumschiff. Das Ding muss möglichst billig sein und hat darum nur das nötigste an Ausstattung: Lebenserhaltung und Antrieb.
Vlt. gibt es die hochgezüchteten Spezial-Roboter auch nur beim Militär (die haben genug Geld/Einfluss um das zu rechtfertigen). Als Privatperson kommt man da nicht/nur schwer dran, weil es per Gesetz verboten ist, sich sowas zuzulegen. Ich meine hier in Deutschland läuft ja auch nicht jeder LKW-Fahrer mit nem MG ober ner Atombombe rum... Und auch heutige Tanker etc. sind meist auf Militärischen Schutz angewiesen, wenn sie durch gefährliche Gewässer fahren.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 10.09.2011 | 09:53
Warum kleine Händler und Raumfahrer keine vollautomatisierten Waffensysteme verwenden ... das könnte auch damit begründet sein, dass ihnen das individuelle Know How zur Wartung und Waffenpflege fehlt oder dass sie die langjährigen Wartungs- und Serviceverträge aufgrund abschreckender Beträge nicht zahlen wollen; vielleicht sind die wenigen Vorfälle, in denen diese Systeme mal fehlfunktionierten auch ausschlaggebend genug dafür, darauf zu verzichten, weil die Haftungsansprüche aller möglichen Geschädigten einfach einer Super Nova des persönlichen Budgets gleich käme ...

Die Anregungen hier gefallen mir sehr. Das verrückt sich alles so ein wenig in "dekadente" "Goldene Weltraumfahrt-Ära" ... ;)

Später mehr.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 10.09.2011 | 10:28
  Und über Cyberangriffe wird auch genug gemunkelt.
 .
vielleicht gerade deswegen, nachdem einige Streitkräfte damit verhavkstückt wurden, ging man davon ab.

Vielleicht ist Safetech Feldtauglicher, im inneren Kern ist die Softtech zu unterhalten im Outer Rim nicht so zuverlässig
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 10.09.2011 | 11:08
Ich habe nochmal drei Zitate gesammelt, die man imo bei der Diskussion nicht aus den Augen verlieren sollte. Besonders technische Hürden hatten wir eigentlich bereits ausgeschlossen (so von wegen Wartung oder auch die von mir vorgeschlagene Low-Budget-Tech). Das überholt sich halt zu schnell, wie Grey anfangs irgendwo auch schrieb (hab die Stelle nicht mehr gefunden). Natürlich kann man da beliebig postulieren, was geht und was nicht. Aber man darf auch nicht vergessen, dass es bereits heute so ist, dass sich die Technik innerhalb weniger Jahre bereits zum Teil völlig überholt.
Und ich halte es für eine gewagte Aussage, dass Menschen auf Sicherheit verzichten, weil sie es so wünschen. Es mag im Kleinen der Fall sein aber im Großen? Ein Automatikgetriebe im Auto ist eher eine Frage der Bequemlichkeit als der Sicherheit. Wenn ein Automatikgetriebe aber die Unfallgefahr siginfikant reduzieren würde, sähe das anders aus. Und man muss auch mal sehen, wie schnell im Auto anfängliche High-End-Technologie zum Serienstandard wird.

Also hier besagte Zitate:

Ich könnte natürlich den Frank-Herbert-Ansatz wählen und sagen, daß die Menschheit ganz bewußt (aus welchen gesellschaftlich/ethisch/religiösen Gründen auch immer) Computer tabuisiert hat. Im Zweifelsfall wird es wohl auch bei mir darauf hinauslaufen. Trotzdem wäre es mir lieber, ich könnte die Symbiose aus dem Menschen und seinen Schöpfungen irgendwie retten - und zwar am liebsten so, daß dabei ein Platz für Raumpiloten herauskommt, die mit feinfühligen Griffen an der Schalttafel die Umlaufbahn wechseln, das Schiff andocken usw. usf.

Ich halte für die Bedingungen, unter denen technisch mögliche KI aus reiner Willensentscheidung nicht verwendet werden, für einen instabilen gesellschaftlichen Zustand. Mit anderen Worten: So eine Stimmung hält vielleicht ein oder zwei Jahrzehnte, und dann ist Schluss.

Was glaubst du eigentlich, wie in den letzten 30 Jahren die Space Shuttles auf die Erde zurückgekommen sind?
Da hat niemals ein Pilot gesteuert. Der Kommandant drückt im vorher (von den Computern der Bodenkontrolle) berechneten Moment auf den Knopf, der das Wiedereintrittsprogramm startet, und der Rest geht automatisch. Das Fahrwerk darf er am Schluss noch mit einem zweiten Knopfdruck ausfahren, aber auch das nur aus kosmetischen Gründen, damit es wenigstens so aussieht als hätte der Mensch noch irgendeine Aufgabe.

Wie gesagt: seit 30 Jahren.

PS: Schade, dass Feuersänger sich ausgeklinkt hat.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 10.09.2011 | 12:45
Mal eine andere Überlegung: Wo findet denn normalerweise die Action statt? Auf dem Boden.

Egal, ob ich jetzt SF-Romane lese oder SF-RPGs spiele: Die Weltraumkämpfe lassen sich an einer Hand abzählen und darauf kann man gut verzichten. Interessant wird es immer, sobald die Leute ihre Raumschiff verlassen und auf dem Planeten herumspazieren.

Was spricht also dagegen, das Raumschiff vollautomatisch handeln zu lassen? Das Raumschiff ist quasi nur ein McGuffin, das die Helden von Planet A nach Planet B bringt. Die eigentliche Action findet auf Planet A und auf Planet B statt.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 10.09.2011 | 12:46
Und ich halte es für eine gewagte Aussage, dass Menschen auf Sicherheit verzichten, weil sie es so wünschen. Es mag im Kleinen der Fall sein aber im Großen?

- planned obsolescence
- ein Blick in den größten Teil der Lebensmittel- und Medikamentenindustrie zeigt: Zu Risiken und Nebenwirkungen fressen sie die Packungsbeilage (die hat im Zweifel weniger Risiken und Nebenwirkungen) und schlagen sie ihren Arzt und Apotheker. Dort werden so viele Substanzen verwendet, die alle für sich genommen zwar Grenzwerte unterschreiten; aber die Masse macht's. In diesem Kontext auch: Alle verpackungen mit sogenannten _Weichmachern_ => Es ginge auch einfacher, nämlich vieles mit deutlich weniger Verpackung oder anderer Verpackung.
- Billige Autos => schlechte Verbundmaterialien, deutlich schlechtere Unfallverhalten, insbesondere bei mittleren und höheren Geschwindigkeiten; gegen SUVs, klein-Panzer (also Vans, Familienkutschen und kleintransporter) haben diese Fahrzeuge Null, in Zahlen 0 Chance; alles das könnte mit entsprechenden Produkten und einem von Sicherheitsverlangen getragenen Konzepten ohne weiteres gelöst werden.
- Luftbelastungen innerhalb von Neubauten und Altbauten dadurch, dass moderne oder völlig veraltete, in beiden Fällen aber hochgradig schadstoffhaltige Bausubstanzen verwendet werden; dass so etwas überhaupt einen Markt findet bzw. angeboten werden darf ... Groß!
- Weichmacher in Kinderspielzeug; gerade Zeug made in China hatte in den letzten Jahren vermehrt auch erhöhte Bleiwerte mitgebracht. Klasse! Sicherheit für die Kinder? Hauptsache Barbie ...

Also ich sehe das so, dass unser Alltag an vielen kleinen Stellen zahlreiche gute Beispiele liefert, wie wenig Sicherheit für den Menschen eine Rolle im Großen und Ganzen bietet.

Allerdings gehe ich auch so weit und behaupte: Das wird man von Fall zu Fall neu betrachten müssen. Denn bei Flugleitsystemen und Kommunikationssystemen - zumindest im professionellen Umfeld - steht die Sicherheit aller Wahrscheinlichkeit in einer sehr prominenten Position, da die Auswirkungen bei Fehlfunktionen wohl erheblich höhere Ausmaße annehmen dürften. Insofern sind pauschale Aussagen wie "An Sicherheit wird immer gespart" oder "Sicherheit ist der zentrale Aspekt" wohl gleichermaßen irreführend wie zutreffend. Die Antwort liegt irgendwo in der Mitte - und zwar im Großen ("Geht's billiger bei welcher Risikosteigerung?") wie im Kleinen ("Was nicht passt wird passend gemacht ..." *dengel*). ;)

AO
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 10.09.2011 | 13:23
[...]
Was spricht also dagegen, das Raumschiff vollautomatisch handeln zu lassen? Das Raumschiff ist quasi nur ein McGuffin, das die Helden von Planet A nach Planet B bringt. Die eigentliche Action findet auf Planet A und auf Planet B statt.

Tja, schon... aber konsequenterweise wird man alles, was absehbar gefährlich ist, von rot angemalten Robotern machen lassen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 10.09.2011 | 15:05
Tja, schon... aber konsequenterweise wird man alles, was absehbar gefährlich ist, von rot angemalten Robotern machen lassen.
Man könnte es wie in Warhammer 40k machen:
Es wird vom Anführer erwartet, dass er in erster Linie kämpft. Ein Anführer, der sich hinter seinen Robotern versteckt, ist gesellschaftlich unten durch.

Und für die Leute, die Angst vor dem Tod haben: Auf der Erde gibt es ein Mind-Bakup. Solltest du sterben, wird auf der Erde ein Clon generiert und mit einem Mind-Bakup ausgestattet. Das heißt, du wirst quasi in dem Zustand wiederhergestellt, in dem du das letzte Mal die Erde verlassen hast.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 10.09.2011 | 15:24
Menschen zeichnen sich durch ihre flexibilität aus.
Die kombination aus sprache, gedächtnis, hochkomplexem visuellen system, aufrechtem gang und präzision unserer greifwerkzeuge sind bisher unübertroffen.
Die eierlegende-wollmilch-ki, die an einen menschen herankommt will ich sehen.
Die technische erweiterung von lebewesen und hochspezialisierte ki sehe ich als wahrscheinlicheres und spassigeres zukunftszenario an.
Und dieses sollte doch genügend spielwiese bieten?!
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 10.09.2011 | 16:07
Die kombination aus sprache, gedächtnis, hochkomplexem visuellen system, aufrechtem gang und präzision unserer greifwerkzeuge sind bisher unübertroffen.
Der Fettdruck kommt von mir.

Es gibt keinen Grund, weshalb ein organisches Gehirn einem elektronischen Gehirn prinzipiell überlegen ist.

Man schaue sich doch nur an: Der Mensch hat in 50 Jahren das geschafft, wofür Mutter Natur zig Millionen Jahre benötigte. (Die Intelligenz eines Reptils.)

Das heißt, von 0 auf Reptilienintelligenz war der Mensch um ca. den Faktor 1mio schneller als Mutter Natur.
Also ist auch anzunehmen, dass der Mensch um von Reptilienintelligenz zu Menschenintelligenz zu kommen, um den Faktor 1Millionen schneller ist als Mutter Natur.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: ErikErikson am 10.09.2011 | 16:19
Nee, kann man so nicht annehmen. Wir folgern das aus der schnellen Entwicklung der Computer. Aber es kann sein, das wir irgendwann an ein Plateau stoßen, wos einfach mal ne Weile nicht weitergeht.

So würde ich das wohl auch halten, die KI-Forschung wird einfach mal ne Weile nix, während Weltraumtechnik fleissig voranschreitet. Problem gelöst. Mal wieder. Zum 20ten Mal.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 10.09.2011 | 16:25
So würde ich das wohl auch halten, die KI-Forschung wird einfach mal ne Weile nix, während Weltraumtechnik fleissig voranschreitet. Problem gelöst. Mal wieder. Zum 20ten Mal.
Nein, Problem nicht gelöst.
Und dass du deine Problem-Nichtlösung 20mal postet, macht sie keinen Deut besser.

Grey hatte doch schon geschrieben, dass er schon früher eher technologisch konservative Settings konstruiert hat und diese regelmäßig von der Wirklichkeit eingeholt wurden.

Die Vorgabe für diesen Thread hier ist, dass man sich keine technologische Beschränkungen überlegt sondern soziale, kulturelle, gesellschaftliche Beschränkungen angibt.
Und sich nicht an diese Vorgabe zu halten, löst das Problem kein Stück.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 10.09.2011 | 16:30
Die Vorgabe für diesen Thread hier ist, dass man sich keine technologische Beschränkungen überlegt sondern soziale, kulturelle, gesellschaftliche Beschränkungen angibt.
Und sich nicht an diese Vorgabe zu halten, löst das Problem kein Stück.

Ja, sehr gut zusammengefasst, wie ich finde - auch wenn ich zeitweise den Eindruck hatte, dass diese Faktoren bisweilen auf blinde Augen (taube Ohren geht in einem Leseforum ja kaum ...) gestoßen sind ... *g*

AO
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: ErikErikson am 10.09.2011 | 16:31
Die Lösung ist aber plausibel. Schau dir mal an, was die Leute vor 50 jahren für möglich gehalten haben. Die Hälfte ist eingetreten und übertroffen, die andere Hälfte bei weitem nicht.

Beispiel: Die bemannte Weltraumfahrt krebst ziemlich vor sich hin. In den 50ern haben die Amis wohl geglaubt, 2000 hocken wir in unserer Kolonie auf dem Mars.

Und wir haben auch schon zig soziale, kulturelle und gesellschaftliche Beschränkungen gehabt, die die Vorgaben erfüllen.

Aber gut, der Thread regt mich auf, sorry, ich bin draussen.

 
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 10.09.2011 | 16:56
Und wir haben auch schon zig soziale, kulturelle und gesellschaftliche Beschränkungen gehabt, die die Vorgaben erfüllen.
Gegen diese Vorgaben wurde ja auch nicht protestiert.

Aber je nach entsprechender Vorgabe, ändert sich das Flair des Settings. Daher ist es sinnvoll, hier verschiedene Vorgaben zu sammeln, damit man sich für sein eigenes Setting die zum Flair passende Vorgabe aussuchen kann.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 10.09.2011 | 17:03
PS: Schade, dass Feuersänger sich ausgeklinkt hat.

Ich habe den Faden verloren, und mir fällt momentan auch nicht mehr zum Thema ein, als das was schon gesagt wurde.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Fat Duck am 10.09.2011 | 17:27
Die Vorgabe für diesen Thread hier ist, dass man sich keine technologische Beschränkungen überlegt sondern soziale, kulturelle, gesellschaftliche Beschränkungen angibt.
Und sich nicht an diese Vorgabe zu halten, löst das Problem kein Stück.
Wobei man dazu sagen sollte, dass kognitive Operationen wie Denken, Wahrnehmen usw. nach vielen Theorien von sozialen/kulturellen/gesellschaftichen Bedingungen abhängen und durch sie beschränkt sind.
Die Beschränkung von KIs lässt sich also durchaus mit den Vorgaben verbinden oder sogar speziell thematisieren, wenn man sich der entspechenden erkenntnistheoretischen Ansätze bedient.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 10.09.2011 | 17:48
@Eulenspiegel: meines wissens kennt man die reptilienintelligenz noch nicht so gut um sagen zu können, dass irgendeine ki daran herankäme. Selbst aplysia mit ihren 20000 bekannten zentralen neuronen ist einfacher formen des lernens mächtig. Sprich ihre neurone passen sich den erfahrungen an.

Delfine sind übrigens auch schlau und können trotzdem nicht annähernd so geiles zeug wie menschen, weil sie keine hände haben und an land eine schlechte figur machen. Oktopusse sind schlau, haben tentakel mit denen sich was bauen liesse aber werden nicht alt genug um was draus zu machen...

Es macht denk auch wirtschaftlich keinen sinn eine ki zu bauen die so flexibel ist wie ein lebewesen.
Man hat ein problem und baut sich die meist sejr spezialisierte lösung. Und wie es oft so ist, werfen lösungen neue probleme auf.

Wichtiger punkt ist für mich: menschen sind aufgrund ihres körperbaus  flexibler einsetzbar und aufgrund der plastizität ihres gehirns wesentlich anpassungsfähiger wenn auch ressourcenbedürftiger als eine maschine. Und dann wäre da noch die fähigkeit des synchronen und asynchronen wissenstransfers.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 10.09.2011 | 17:53
Fazit:
Ich bin für cyberware, mensch-maschine interaktion auf hohem niveau und hochspezialisierte ki.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 10.09.2011 | 18:09
Nachtrag: eine besondere schwäche von lebewesen ist natürlich die rasche ermüdung. An dieser stelle könnte man auch über moderne drogen und arbritszeit- und arbeitsteilungsmodelle nachdenken.

Die mensch maschine debatte existiert übrigens schon lange in der abo psychologie.a
Man google schlagworte wie
- allocation of function
- left-over-approach
- compensatory approach

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 10.09.2011 | 18:10
@Eulenspiegel: meines wissens kennt man die reptilienintelligenz noch nicht so gut um sagen zu können, dass irgendeine ki daran herankäme. Selbst aplysia mit ihren 20000 bekannten zentralen neuronen ist einfacher formen des lernens mächtig. Sprich ihre neurone passen sich den erfahrungen an.
Auch heutige KIs sind bereits einfacher Formen des Lernens mächtig. Und auch hier können Neuronen simuliert werden, die sich anpassen.

Zitat
Es macht denk auch wirtschaftlich keinen sinn eine ki zu bauen die so flexibel ist wie ein lebewesen.
Wieso? Das Raumschiff muss man sowieso bauen. Also ist es doch nur sinnvoll, den Bordcomputer so intelligent wie möglich zu machen.

Denn wie du schon sagtest: Zu spezialisierte Lösungen werfen nur neue Probleme auf.

Zitat
Wichtiger punkt ist für mich: menschen sind aufgrund ihres körperbaus  flexibler einsetzbar und aufgrund der plastizität ihres gehirns wesentlich anpassungsfähiger wenn auch ressourcenbedürftiger als eine maschine. Und dann wäre da noch die fähigkeit des synchronen und asynchronen wissenstransfers.
Also einen Roboter zu bauen, der wie ein Mensch geformt ist, sollte das geringste Problem darstellen. Das ist ja bereits heutzutage möglich.

Und was meinst du mit (a)synchronen Wissenstransfer?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 10.09.2011 | 18:34
Ach mist.
Das thema ist.spannend aber mühsam.am.handy zu antworten :P
lernen muss ich auch ::)

Zur letzen frage: sprache, abbildungen, statistiken, handlungem in vorgeführter, mündlicher, schriftlicher und animierter form

Bordcomputer brauchen aber doch keinenfaustkampf austragen können oder liebeslieder singen, oder?
Emotionen haben bei der.bildung.von gedächtnisinhalten beim menschen eine wichtihe rolle.
Aber wer will einen schmollemdem pathetischen bordcomputer? ^^
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 10.09.2011 | 18:36
Was spricht also dagegen, das Raumschiff vollautomatisch handeln zu lassen? Das Raumschiff ist quasi nur ein McGuffin, das die Helden von Planet A nach Planet B bringt. Die eigentliche Action findet auf Planet A und auf Planet B statt.

So macht es Eclipse Phase auch - aber wenn man explizit Raumkämpfe will, ist man damit natürlich nicht zufrieden...

Und für die Leute, die Angst vor dem Tod haben: Auf der Erde gibt es ein Mind-Bakup. Solltest du sterben, wird auf der Erde ein Clon generiert und mit einem Mind-Bakup ausgestattet. Das heißt, du wirst quasi in dem Zustand wiederhergestellt, in dem du das letzte Mal die Erde verlassen hast.

Da muss man aber schon mit Gewalt nicht allzu genau drüber nachdenken, um sich davon die Angst vor dem Tod nehmen zu lassen  :P

Also einen Roboter zu bauen, der wie ein Mensch geformt ist, sollte das geringste Problem darstellen. Das ist ja bereits heutzutage möglich.

i]Wie ein Mensch geformt[/i], klar.

Aber in vollem Umfang zu den selben Bewegungen fähig wie der Mensch?
Noch lange nicht.

In Punkto Kampf kam mir noch eine (mit Blick auf die menschliche Natur ziemlich absurd anmutende) Idee: Was, wenn es keine automatischen Waffensysteme mehr gibt, weil zwischendurch eine Zeit des Weltfriedens herrschte? Infolge von Abrüstungsverträgen usw. ist die ganze Infrastruktur zur Herstellung von Kampfrobotern, automatischen Geschützen usw. verfallen. Nun, wo die Zeiten wieder rauher werden, greifen "Raumpiraten" und ähnliche Konsorten wieder auf manuell zu bedienende Laser, Projektilwaffen u.ä. zurück...

Das halte ich gerade bei Großgerät/Schiffswaffen für ziemlich unplausibel.

Die zum bemannten Raumflug nötige Technologie gibt es immer auch her, automatische Waffensysteme zu bauen - die sind im Bedarfsfall recht schnell improvisiert und wieder auf einem brauchbaren Niveau.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Boba Fett am 10.09.2011 | 19:19
Mir fällt gerade etwas ein...
grey, Du solltest das Battlestar Galactica Rollenspiel spielen.
Da ist plausibel erläutert, warum der Mensch auf hightech verzichtet und esngibt jede Menge Raumkämpfe...

Ansonsten bietet Fading Suns eine Erklärung...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 10.09.2011 | 19:37
So macht es Eclipse Phase auch - aber wenn man explizit Raumkämpfe will, ist man damit natürlich nicht zufrieden...
Bei Eclipse Phase ist das Raumschiff ein SC. Und wenn es dann Bodenmissionen gibt, lädt sich die Bord-KI auf einen Avatar/Chassis.

Zitat
Da muss man aber schon mit Gewalt nicht allzu genau drüber nachdenken, um sich davon die Angst vor dem Tod nehmen zu lassen  :P
Wieso?
Also zumindest bei Transhuman Space gehört der vorübergehende Tod zum ganz normalen Alltag.

Unschön ist es halt nur, wenn seit dem letzten Mind-Bakup ein paar Jahre vergangen sind, wenn man stirbt. Aber sobald man monatlich oder von mir aus auch halbjährlich ein Mind-Bakup macht, ist der Tod nichts wirklich problematisches. Im Prinzip "nur" eine kleine Amnesie.

Zitat
Aber in vollem Umfang zu den selben Bewegungen fähig wie der Mensch?
Noch lange nicht.
Es fehlt dem Roboter momentan an Intelligenz, sich so wie ein Mensch zu bewegen. Aber rein körperlich wäre der Roboter dazu in der Lage.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 10.09.2011 | 21:04
Äh? No way! :D
Im übrigen ist intelligenz im sinne höherer kognitiver funktionen nicht auf alles eine antwort.
Zeig den roboter der über dieselbe beweglichkeit, die reflexe und die bewegungskontrolle wie ein mensch verfügt.
Über die anteile die somatosemsorik, visuelle wahrmehmung und vestibuläre inputs daran haben fang ich garnicht erst an!
Keine frage roboter können was.
Aber menschen sind einfach scheisskomplex.
Frag ärzte die öfter mal welche auseinandernehmen.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 10.09.2011 | 21:43
[...]Zeig den roboter der über dieselbe beweglichkeit, die reflexe und die bewegungskontrolle wie ein mensch verfügt.
[...]

Dieselbe Beweglichkeit kann man bieten.

http://www.youtube.com/watch?v=6d29fmwUezI

Reflexe sind sowieso schneller (wenn auch andere; eine Sache der Programmierung, womit wir wieder bei der Mustererkennung sind), und Bewegungskontrolle ist naturgemäß millimetergenau.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.09.2011 | 00:23
Im übrigen ist intelligenz im sinne höherer kognitiver funktionen nicht auf alles eine antwort.
Zeig den roboter der über dieselbe beweglichkeit, die reflexe und die bewegungskontrolle wie ein mensch verfügt.
Über die anteile die somatosemsorik, visuelle wahrmehmung und vestibuläre inputs daran haben fang ich garnicht erst an!
Beweglichkeit hat Thot schon gezeigt.
Bei den Reflexen sind die Roboter dem Menschen sogar überlegen.
Bewegungskontrolle hängt direkt von der kognitiven Intelligenz ab: Ein Baby besitzt auch noch keinerlei Bewegungskontrolle. Es benötigt Intelligenz, um Bewegungskontrolle zu erlernen. Wenn du also eine intelligente KI hast, kann es genau wie ein Baby die Bewegungskontrolle erlernen.

Die einzige Somatosensorik, die für Bewegung notwendig ist, ist das Messen von Druckwiderstand. Und das können Roboter schon messen. Ansonsten sind noch Optik und Gleichgewichtssinn von Nöten, die bei Robotern ebenfalls technisch bereits machbar sind.

Visuelle Wahrnehmung: Die physische Komponente sind bei Robotern sogar besser. Sprich die Videokamera beim Roboter ist besser als das menschliche Auge. Wo es heutzutage Probleme gibt, ist die kognitive Verarbeitung des Gesehenen. Also auch wieder ein Problem der Intelligenz.

Vestibulärer Input ist bei Robotern vorhanden und teilweise sogar besser als beim Menschen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Zauberelefant am 11.09.2011 | 00:42
Das ist ja alles nicht einfach. Also: STL, Menschen am Ruder, ohne künstliche technische Hürden?
Und dann auch noch interessant? Mal sehen.

Nach kurzem ersten Entwurf für das Posting hab ich alles gelöscht, weil die bisherige Herangehensweise in typischer Hard-SF-Manier die soziale Komponente ignoriert.
Ohne Beschränkungen in technischer Hinsicht ist eben alles vorstellbar und man kann es drehen wie man will. Die Frage ist vielmehr: Wie sieht die Gesellschaft der Zukunft aus, die jedes Problem technisch in den Griff bekommen kann?
An dieser Stelle verlangen wir nichts weniger als Antworten, Mr. Grey.  ;)

-Gehören Armut, Umweltverschmutzung, Krankheit, vielleicht der Tod der Vergangenheit an?-
Wohl eher nicht. Wir wollten ja Abenteuer, oder? Also kann man sich die Welt in der Zukunft ähnlich problembeladen vorstellen wie heute. Armut und Umweltverschmutzung sind auf jeweiligem technischen Niveau z.B. immer vermeidbar (und sei es durch Vermeidung...), die Streitfrage ist das Abwägen zwischen den Gütern Wohlstand und Nachhaltigkeit. Ebenso die Frage der Verteilung von Gütern. Gibt es eine kapitalistische Wirtschaftsordnung? Umverteilungsmechanismen? Marktwirtschaft, Planwirtschaft, Grüne Wirtschaft? Ich würde sowas immer eher dystopisch ansiedeln.

- Wirken alle Menschen am politischen Prozeß mit oder nur wenige? Dürfen KI wählen? Gibt es überhaupt noch einen politischen Prozeß? -
Wird die Zukunft aus diversen Staaten bestehen? Weltregierung? Korporatistisch, Demokratisch, Diktatorisch? Gründen sich neue soziale Einheiten an den Rändern menschlicher Siedlung? Existieren Kriege weiter und worum werden sie geführt?

- Was bestimmt das Denken der Menschen? -
Gibt es noch Weltreligionen? Oder ein unübersehbares Nebeneinander von Sekten, Philosophien oder Weltanschauungen mit einer relativen Mehrheit von Atheisten und Desinteressierten? Was sind die Grundlagen für moralische Entscheidungen?

- Gab es jemals eine globale Katastrophe? -
Anders herum: ging es von heute linear in die Zukunft? Oder kam zwischenzeitlich der Weltkrieg, der Klimawandel, der große Brocken Eis und Stein aus dem Weltraum und hat die Parameter menschlicher Exploration verschoben?

Wenn diese Fragen beantwortet sind, kann man eher drüber nachdenken, warum Johnny Raumpilot selber am Hebel steuert. Bisher sind ja alle möglichen Ansätze im Thread - aber man muß sich mal entscheiden.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 11.09.2011 | 07:15
Sorry eulenspiegel.
Allein dass du glaubst eine videocamera wäre so gut wie das visuelle system von lebewesen zeigt, dass dir nicht bewusst ist, welche leistungen es beim menschen vollbringt.
Du hast dich vielleicht mehr mit maschinen auseinandergesetzt als ich.
Doch vom menschlichen nervensystem hab ich doch noch ein bisschen mehr kenntnis.
Wenn du mal ein lehrbuch für die neurowissenschaften (kandel, schwartz & jessel oder bear, connors &  paradiso) gelesen hast, wirst du mir vielleicht zustimmen, dass heutige roboter noch weit davon entfernt sind, sich in der umwelt so gut wie ein mensch zu bewegen.

Die letzten roboter die ich jedenfalls gesehen habe, verfügten über kaum mehr als rückenmarksautomatismen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 11.09.2011 | 07:22
Thot, die beweglichkeit hängt vom komplexen zusammenspiel von muskeln, skelett und neuronaler verschaltung ab.
Asimo hat mir für eine gute beweglichkeit ein bisschen wenig "knickmöglichkeiten".
Im übrigen ist er mir nicht unbekannt.
Wir haben in neurobio 2 mal seine module erfahren.
Hab sie grad nicht zur hand aber hannibal war eh besser.
Mal sehen ob ich zu dem noch was finde.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 11.09.2011 | 08:25
Das ist ja auch nur ein Beispiel, was man heute, seit 2005, für eine Million Dollar tatsächlich schon kaufen kann.

Dass mit Serienfertigung und weiteren 20 Jahren Entwicklung da noch wesentlich besseres möglich werden wird, ist wohl unbestritten. (Ich persönlich hoffe ja auf einen in wenigen Jahrzehnten kaufbaren funktionierenden Butlerroboter... hach, das wäre praktisch.) Viele Jobs werden damit völlig überflüssig, weil Roboter das billiger können.

Und die Schlussfolgerung daraus: In einer solchen Zukunft sind alle Menschen entweder Mitglieder einer aristokratischen, vielleicht auch ein wenig dekadenten Herrscherklasse mit Robotern als Sklaven, oder schlicht überflüssig. Letzteres würde so oder so nicht lange halten.

Und dann ist das Problem des "Abenteuer erleben" eigentlich durch historische Analogie gelöst: Die Menschen haben die Rolle von Adeligen, von Anführern, von abenteuerlustigen Herren, die mit einer Horde Roboter als Geleitschutz unterwegs sind... die sie natürlich auch brauchen, denn die Gefahren sind mannigfaltig und besonders tödlich.

Ich meine, bedenkt, was KI noch alles bedeutet: Intelligente Granaten, die wie kleine Spielzeughelikopter ihr Ziel suchen. Robotische Fabriken, die automatisch ganze Armeen bauen und damit Planeten erobern (und nur der richtige Mensch kann den Override-Befehl geben... also der Erbe des vormaligen Eigentümers...)



Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 11.09.2011 | 08:44
Ich halte für die Bedingungen, unter denen technisch mögliche KI aus reiner Willensentscheidung nicht verwendet werden, für einen instabilen gesellschaftlichen Zustand.
Das mag in der Tat sein, nur - was hat das mit der Entscheidung zu tun, Dinge nicht zu nutzen, weil sie am Selbstverständnis kratzen? Das wiederum hat mit dem Willen nur am Rande zu tun, das kratzt auf viel tieferen Schichten des menschlichen Daseins. Jeder Mensch tut viel mehr, obwohl er es nicht will, als er tut, weil er es will. Man denkt nur meist nicht besonders darüber nach und übersieht es lieber, weil man sich dafür schämen muß und weil es selbst schon wieder das Selbstverständnis der "Selbstbestimmung" verletzt, und zwar sehr tief.
Solange aber der Mensch Mensch bleibt, wird auch die Gesellschaft in diesen Dingen stabil bleiben. Denn auch in der Gesellschaft geschehen mehr Dinge, die "die Gesellschaft" eigentlich nicht will, als Dinge geschehen, die sie will. Aber jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft tun das seine dazu, damit sie geschehen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 11.09.2011 | 08:48
Na. Du hast recht es geht hier immernoch ums spiel.
Wettrüsten und automatisieren werden weiterhin vorangetrieben.
Roboterbutler könnten in der krankenpflege durchaus mal sehr gefragt sein.
Aber die anforderungen für so einen job sind an eine intelligente maschine schlichtweg zu hoch.
Vielleicht für ganz einfache überwachung und unterstützung.
Im notfall müsste er trotzdem einen menschen zu hilfe rufen.

Grundsätzlich sehe ich durchaus ein szenario, in dem menschen die eigentliche action austragen.
Und sei es neurotechnisch improved.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 11.09.2011 | 09:31
Das mag in der Tat sein, nur - was hat das mit der Entscheidung zu tun, Dinge nicht zu nutzen, weil sie am Selbstverständnis kratzen?

Eine solche Entscheidung bedeutet, einer abstrakten Idee wie "Selbstverständnis" mehr Bedeutung beizumessen als einem niederen menschlichen Trieb wie "Faulheit". Das mag unter bestimmten kulturellen Bedingungen eine Weile so laufen. Auf die Dauer würde ich allerdings keinen Cent drauf wetten, das das ein stabiler Zustand wäre.  ;D
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 11.09.2011 | 09:33
[...]
Aber die anforderungen für so einen job sind an eine intelligente maschine schlichtweg zu hoch.
[...]

Kommt mir unplausibel vor. Es gibt bereits eine Maschine, die all das kann, was ein Mensch kann: Den Menschen. Alles, was in der Robotik versucht wird, ist, eine zweite zu bauen. Und das wird früher oder später gelingen, denn dass es grundsätzlich geht, zeigt ja die erste Maschine schon eindrucksvoll.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 11.09.2011 | 10:54
Wir bestehen aus lebenden zellen.
Aus nicht lebendem material kriegt man bestenfalls eine mimikry des menschen hin.
Ich will dabei garnicht ausschliessen dass formen von bewusstsein programmierbar sein könnten.
Vielleicht ist das sogar einfacher als einen künstlichen muskel zu bauen.
Aber diese hätten wohl etwas andere eigenschaften, da die möglichkeiten des materials zur anpassung eher begrenzt sind.

Intelligenz im sinne höherer kognitionen wird beim menschen mMn gerne überbewertet, seine motorik und sensorik oft unterbewertet, weil sie uns im gebrauch selbstverständlicher erscheint als einsteinsche denkleistungen. Und doch wird eine maschine auch hier gegen den menschen versagen, wenn sie nicht in der lage ist, induktive schlüsse zu ziehen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 11.09.2011 | 11:40
Wir bestehen aus lebenden zellen.
Aus nicht lebendem material kriegt man bestenfalls eine mimikry des menschen hin.[...]

Eine Mimikry, die halbwegs glaubhaft ist, reicht völlig, um Menschen auf dem Arbeitsmarkt rein funktional überflüssig zu machen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 11.09.2011 | 11:55
Die Robotisierung und Automatisierung reicht schon heutzutage von der Rohstoffförderung bis in den Dienstleistungssektor. Durch diese Maßnahmen werden Arbeitsplätze aus Sicherheits- und Investitionsgründen dem menschlichen Arbeitnehmer genommen und den Maschinen übergeben. Zwar sieht keines dieser Systeme auch nur annähernd wie ein Mensch aus. Aber ist das denn entscheidend? Kommt es denn für die technische Lösung von potentiellen Menschen darauf an, dass die Maschine dann wie ein Mensch aussieht?

Klipp und klar: Nein.

Die technischen Erwartungen und Grenzen sind hier ja eben nicht das Kriterium dieser Diskussion. Da wir über SF sprechen - also über Fiktion, die in eine potentielle Zukunft blickt - tu' ich mich unterm Strich eh schwer damit, irgendwelche technischen Grenzen anzunehmen. Wenn wir unseren Stand der Technik mit Tech Level 10, 12, Progress Level 6 oder Technologie Grad 5 oder wie auch immer definieren, und in vielen Settings mutmaßen, dass es deutlich höhere Grade an Techlevel gibt, und wenn wir bereitwillig Cyborgs und maschinengeführte Kriege für potentiell möglich halten, so ist es doch müßig, darüber nachzudenken, aus welchen neuro-medizinischen oder bionischen Gründen was nicht möglich sein soll, nur weil wir (offiziell) solche Dinge noch nicht erreicht haben (wollen).

AO
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Fat Duck am 11.09.2011 | 12:31
Eine Mimikry, die halbwegs glaubhaft ist, reicht völlig, um Menschen auf dem Arbeitsmarkt rein funktional überflüssig zu machen.
Naja, kommt drauf an. In einigen Arbeitsmärkten ist der Mensch schon sehr billig.

und wenn wir bereitwillig Cyborgs und maschinengeführte Kriege für potentiell möglich halten, so ist es doch müßig, darüber nachzudenken, aus welchen neuro-medizinischen oder bionischen Gründen was nicht möglich sein soll, nur weil wir (offiziell) solche Dinge noch nicht erreicht haben (wollen).
Nicht wirklich. Cyborgs halte ich für eher möglich als KIs. Bei einer höheren Intelligenz kommen so viele Faktoren zusammen, von denen viele einfach noch reine Spekulation sind, dass man hier selbst in der Hard SF recht beliebige Grenzen setzen kann.
Und ob es KIs gibt, die dem Menschen Konkurrenz machen können, oder nicht, ist halt doch recht wichtig für ein Setting (so wichtig, dass sie generell im Rampenlicht stehen, wenn es sie gibt).
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 11.09.2011 | 12:42
Ok, man mag zwischen KI und Cyborgs - also zwischen KI und Robotik/ mechanische Automatisierung - differenzieren; I give it that. Doch ändert diese Differenzierung nichts daran, dass wir letztlich nicht ausschließen können, dass eine KI unter Umständen doch irgendwann, zumindest unter fiktionalen Gesichtspunkten möglich sein könnte - egal, wie unwahrscheinlich es zur Zeit auch erscheinen mag.

Die Frage aber dann ist - wenn es möglich sein sollte, warum würden Menschen - oder grundsätzlich _zivilisierte_ iSv. weitentwickelte und raumfahrende Völker auf diese verzichten bzw. diese nur begrenzt einsetzen.

AO
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 11.09.2011 | 12:42
Naja, kommt drauf an. In einigen Arbeitsmärkten ist der Mensch schon sehr billig.[...]

Spätestens, wenn Du einen Hausdiener für 99,95 beim Media-Markt kriegst, ist Lohndumping als Konkurrenz dazu kein Thema mehr.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 11.09.2011 | 13:38
Ja. Mein auch dass hard sf settings verschiedene gesichter haben können.
Fading suns liegt mir da z.b. weniger, weil ich mich in der zeit zurückgesetzt fühle statt in der zukunft.
Aber das liegt an der dort angenommenen gesellschaft.

Mein wunsch hard sf setting wär ein mix aus technischem fortschritt und umweltkatastrophaler apokalypse.
Auf bodenlevel würd ich dann gern extrem parcours sportler mit cyberware spielen, die wenig zu verlieren hätten.
Umweltaktivisten vielleicht sogar.

Hmm... Bock. Auf. Sowas.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.09.2011 | 14:34
Allein dass du glaubst eine videocamera wäre so gut wie das visuelle system von lebewesen zeigt, dass dir nicht bewusst ist, welche leistungen es beim menschen vollbringt.
Du hast dich vielleicht mehr mit maschinen auseinandergesetzt als ich.
Doch vom menschlichen nervensystem hab ich doch noch ein bisschen mehr kenntnis.
Es reicht nicht aus, vom Nervensystem eine Kenntnis zu haben. Du musst das Auge schließlich mit der Videokamera vergleichen.

Und letztendlich kommt es auf folgende Parameter an:
- sichtbares Wellenspektrum
- Auflösungsverhalten im Raum. (Wieviele Pixel pro Bild?)
- Auflösungsverhalten in der Zeit. (Wieviele Bilder pro Sekunde können erfasst werden?)
- minimaler Fokus (maximaler Fokus ist eh meistens unendlich)

Das sind im Prinzip die Parameter, auf die es bei der physischen/Hardwareseitige n Leistungsfähigkeit ankommt. Und in all diesen Punkten ist die Videokamera vorn. Der einzige Punkt, wo das menschliche Auge punkten kann, ist die Geschwindigkeit, mit der es refokussieren kann.

Zitat
Wenn du mal ein lehrbuch für die neurowissenschaften (kandel, schwartz & jessel oder bear, connors &  paradiso) gelesen hast, wirst du mir vielleicht zustimmen, dass heutige roboter noch weit davon entfernt sind, sich in der umwelt so gut wie ein mensch zu bewegen.
Das habe ich nie bestritten. Ich bestreite nur, dass die physischen Probleme des Roboters der Grund dafür sind.

Dass sich heutige Roboter nicht so gut wie Menschen bewegen liegt einzig und allein an der schlechten KI, die heutzutage verfügbar ist.

Zitat
Die letzten roboter die ich jedenfalls gesehen habe, verfügten über kaum mehr als rückenmarksautomatismen.
Sage ich doch: Wir haben heutzutage noch schlechte KIs.
Der Körper ist fähig, doch der Geist ist schwach.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: ErikErikson am 11.09.2011 | 14:42
Auch das Auge.

Das Auge/Gehirn beherrscht Farbsehen und Schwarz/Weissehen, und Tiefenwahrnehmung, und Objektkonstanz und noch ein paar andere Dinge.

Den Robo wil ich sehen, der das kann.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.09.2011 | 14:54
Das Auge/Gehirn beherrscht Farbsehen und Schwarz/Weissehen, und Tiefenwahrnehmung, und Objektkonstanz und noch ein paar andere Dinge.
1) Objektkonstanz ist eine kognitive Fertigkeit und keine körperliche Fertigkeit. Objektkonstanz beim Menschen wird nicht im Auge sondern im Gehirn erzeugt.

Aber ja, es gibt bereits Programme, die Objektkonstanz erzeugen können.

2) Farbsehen und Schwarz/Weissehen ist ja wohl eine der einfachsten Übungen. Schau dir einfach mal eine Digitalkamera an, die es für 200 € bei Media Markt gibt.

3) Tiefenwahrnehmung funktioniert bei Videokameras ebenfalls:
Zum einen über die Analyse der Tiefenschärfe: Wie groß muss ich den Fokus einstellen, damit das Bild scharf ist? Über diese Analyse kann die Kamera sehr gut die Entfernung eines Objektes bestimmen.

Desweiteren wurden auf der IFA letzte Woche auf Objektive für Kameras vorgestellt, die die Aufnahme eines 3D Bildes ermöglichen. Ganz klassisch dadurch, dass zwei leicht versetzte Bilder aufgenommen werden. Wie bei einem menschlichen Augenpaar.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 11.09.2011 | 15:37
OT daher bitte um verschiebung in bereich science without fiction oder so...

Das visuelle system reicht vom auge bis zu inklusive area 17 bzw v1 des cortex.
Und schon hier fangen die wissenslücken an. Erst kürzlich hat man retinale ganglienzellen entdeckt, die nicht dem sehen sondern der justierung der inneren uhr dienen. Das corpus geniculatum laterale erhält nur 20% des inputs aus der retina.
Man weiss nicht wozu diese verschaltung dient.
Weitere visuelle areale die man dem noch hinzufügen kann umfassen v2 bis v5.
Darüber hinaus gibt es visuell-kognitive areale die zum beispiel mit räumlichem arbeitsgedächtnis beschäftigt sind und aufgaben wie die delayed response task ermöglichen, d.h. das wiederfinden von vor 5 sec versteckten erdnüssen.
Summa summarum sind etwa 60% des cortex mit visueller integration beschäftigt und jetzt kommst du mit deiner kamera...  ;)

Ach ja und kürzlich hat man fettrezeptoren auf der zunge entdeckt.
Man vermutet auch wasserrezeptoren.
Soviel dazu wie gut wir unsere eigenen funktionen überhaupt kennen um sie gebührend zu schätzen zu wissen, geschweige denn sie zu kopieren.

[gelöscht durch Administrator]
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 11.09.2011 | 15:43
Bei Eclipse Phase ist das Raumschiff ein SC. Und wenn es dann Bodenmissionen gibt, lädt sich die Bord-KI auf einen Avatar/Chassis.

Eclipse Phase hat mit voller Absicht keine Raumkampfregeln und klammert diesen Bereich damit explizit aus.
Sich für einen Raumflug ins Schiff hochzuladen wäre zwar möglich, aber recht witzlos.

Wieso?
Also zumindest bei Transhuman Space gehört der vorübergehende Tod zum ganz normalen Alltag.

Unschön ist es halt nur, wenn seit dem letzten Mind-Bakup ein paar Jahre vergangen sind, wenn man stirbt. Aber sobald man monatlich oder von mir aus auch halbjährlich ein Mind-Bakup macht, ist der Tod nichts wirklich problematisches. Im Prinzip "nur" eine kleine Amnesie.

Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie man zu dem Ergebnis kommen kann, dass man selbst wieder rumläuft, nachdem so eine Kopie erstellt wurde.
Sicher gibt es dann eine für alle praktischen Zwecke identische Kopie (wenn das Backup aktuell war).
Das bringt aber nur allen anderen (einschließlich der neuen Ausgabe) etwas. Das Originalbewusstsein ist trotzdem verloren.

Es fehlt dem Roboter momentan an Intelligenz, sich so wie ein Mensch zu bewegen. Aber rein körperlich wäre der Roboter dazu in der Lage.
Jein.
Man kann mehr oder weniger jeden Einzelbereich ganz gut umsetzen, aber daraus ein funktionierendes Ganzes zu machen, ist doch etwas schwerer, als man zuerst gedacht hat.

Dieselbe Beweglichkeit kann man bieten.

Itzo lass mich lachen.

ASIMO ist gerade so kein Krüppel. Er ist langsam (sowohl in der Bewegung selbst als auch bei der Berechnung), "unsicher" (weil die ständig mitlaufende Prüfung, ob er auch alles richtig macht, die Bewegung weiter verlangsamt) und ungelenk.

Der Unterschied zu einem gesunden, jungen Menschen ist gewaltig.

Viele Jobs werden damit völlig überflüssig, weil Roboter das billiger können.

Das ist immer die Frage nach den Betriebskosten.

Spezialisierte Roboter wird es zweifellos immer mehr geben.

Aber ein Roboter mit einer annähernd menschlichen Vielseitigkeit wird auch auf lange Sicht so teuer und wartungsaufwändig* sein, dass man stattdessen fokussiertere Modelle oder Menschen einsetzen wird.


*Es wird schließlich nicht alles rasend schnell billiger wie im Elektronikbereich.

Das sind im Prinzip die Parameter, auf die es bei der physischen/Hardwareseitige n Leistungsfähigkeit ankommt. Und in all diesen Punkten ist die Videokamera vorn.
Eher: Für alle diese Punkte gibt es jeweils Kameras, die besser sind.

Aber eine Kamera, die in allen Punkten zugleich unter allen Umständen besser ist und dabei noch eine vernünftige Größe hat (im Idealfall gleich groß oder kleiner wie das menschliche Auge mit zugehöriger Wetware)?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.09.2011 | 15:57
@ Alice
Wir sprechen hier nicht über das visuelle System sondern über das Auge. Oder lass es mich so sagen: Für vernünftiges Sehen benötigt man eine körperliche und eine kognitive Komponente. (Bzw. eine Hardware-Komponente und eine Software-Komponente.)
Und deine Aussage war, dass die körperliche Komponente des Sehens beim Menschen fortschrittlicher ist als die körperliche Komponente des Sehens beim Roboter. Um diese Aussage zu untersuchen, ist es vollkommen irrelevant, die ganze kognitiven Leistungen des menschlichen visuellen Systems aufzuzählen. (Denn in diesem Punkten stimme ich dir ja zu, dass hier der Mensch noch leistungsfähiger ist.) Und es ist auch unnötig, die ganzen Fähigkeiten aufzuzählen, die im visuellen System verankert sind, aber nichts mit dem Sehen zu tun haben.

BTW: Auch Videokameras haben eine Uhr eingebaut. Aber wenn wir uns hier mit der Frage des Sehens beschäftigen sind solche Sachen vollkommen irrelevant.

Das Originalbewusstsein ist trotzdem verloren.
Was ist schon "Original"?

Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass das "Original"-Bewusstsein sowieso stirbt, selbst, wenn der Körper überlebt: Überlege dir mal, wie du vor 10 Jahren gedacht hast und wie du heutzutage denkst. Dann wird dir vielleicht bewusst, dass dein Bewusstsein von vor 10 Jahren gestorben ist und einem neuen Bewusstsein Platz gemacht hat.
Zugegeben, diese Prozess fand schleichend statt und nicht plötzlich. Aber nichtsdestotrotz fand dieser Prozess statt.

Zitat
Man kann mehr oder weniger jeden Einzelbereich ganz gut umsetzen, aber daraus ein funktionierendes Ganzes zu machen, ist doch etwas schwerer, als man zuerst gedacht hat.
Wie gesagt: Die Probleme, daraus ein funktionierendes Ganzes zu machen, sind alles kognitive Probleme.
Körperliche Probleme treten keinerlei auf.

Zitat
ASIMO ist gerade so kein Krüppel. Er ist langsam (sowohl in der Bewegung selbst als auch bei der Berechnung), "unsicher" (weil die ständig mitlaufende Prüfung, ob er auch alles richtig macht, die Bewegung weiter verlangsamt) und ungelenk.
Alles kognitive Mängel. Aber nichts davon ist auf einen körperlichen Mangel zurückzuführen.

Ansonsten sagen Geschwindigkeit und "Unsicherheit" nichts über die Beweglichkeit aus.

Zitat
Aber eine Kamera, die in allen Punkten zugleich unter allen Umständen besser ist und dabei noch eine vernünftige Größe hat (im Idealfall gleich groß oder kleiner wie das menschliche Auge mit zugehöriger Wetware)?
Eine solche Kamera, die in allen Punkten besser ist, gibt es für 200 € bei Media Markt.

Und dass die Kameras so groß sind, liegt daran, dass man auch Platz haben muss, um mit seinen Knubbelfingern die Knöpfe richtig drücken zu können.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 11.09.2011 | 15:57
Guter punkt mit der selbstkopie.
Das wird in einem schwarzenegger film sehr gut aufgegriffen.
The 6th day.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.09.2011 | 15:59
Ja, der Film ist richtig gut. Den hatte ich auch überlegt, hier als Empfehlung zu posten.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: ErikErikson am 11.09.2011 | 16:02
Ok, das klingt ja gut mit der Kamera. Hab nicht gewusst, das die so gut sind.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 11.09.2011 | 16:05
[...]
ASIMO ist gerade so kein Krüppel. Er ist langsam (sowohl in der Bewegung selbst als auch bei der Berechnung), "unsicher" (weil die ständig mitlaufende Prüfung, ob er auch alles richtig macht, die Bewegung weiter verlangsamt) und ungelenk.

Der Unterschied zu einem gesunden, jungen Menschen ist gewaltig.
[...]

Dass das nur eine Frage des Budgets für die Servomotoren ist, sollte er aber schon eindrucksvoll bewiesen haben, der Asimo. Aber wenn man unbedingt will, dass nichts jemals mit dem Menschen gleich ziehen oder gar überlegen sein kann, dann sieht man das natürlich nicht. ;)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 11.09.2011 | 16:08
Ich spreche schon die ganze zeit vom visuellen system.
Das beginnt mit dem auge.
Und selbst dort findet in der retina bereits visuelle integration statt.
Die justierung der inneren uhr hilft dir den jet lag zu überwinden.
Das hat nicht viel mit der reinen anzeige der uhrzeit zu tun, die bei zeitzonenwechsel angepasst werden muss.

So. Jetzt verabschied ich mich aus dem thead.
Ich hab drei prüfungen demnächst, da muss ich für lernen ;)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.09.2011 | 16:19
Wie gesagt: Das visuelle System lässt sich in zwei Komponente aufteilen:
Die körperliche Komponente und die geistige Komponente. In der geistigen Komponente ist der Mensch dem Roboter überlegen. Aber in der körperlichen Komponente ist er dem Roboter unterlegen.

Und wo die visuelle Integration stattfindet, ist ja vollkommen egal. Im Endeffekt zählt nur, ob visuelle Integration stattfindet und wie gut diese ist.

Und ich habe nie behauptet, dass die innere Uhr beim Menschen das gleiche ist wie die innere Uhr bei der Videokamera. Ich habe nur gesagt, dass beides gleich irrelevant ist. (Bezüglich der Frage, wie gut man sehen kann.)

PS:
Bezüglich der Media Markt Kameras muss ich eine kleine Einschränkung machen: Deren Auflösung ist schlechter als die des menschlichen Auges. Es gibt zwar auch schon Kameras, deren Auflösung vergleichbar mit denen des menschlichen Auges ist, diese sind aber deutlich teurer als die Media Markt Kameras. (Was Fokus und wahrnehmbares Lichtspektrum angeht, sind Media Markt Kameras dem menschlichen Auge aber überlegen.)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: ErikErikson am 11.09.2011 | 16:22
Nein. Das visuelle System lässt sich ganz bestimmt nicht in zwei Teile aufteilen. Das ist ein fließender Übergang von basalen zu höheren Verarbeitungsschritten.

Das menschliche Auge verfügt allerdings bsp. gleichzeitig über gewisse Dunkelsicht und Farbwahrnehmung. Ich glaube, dazu muss man immer noch 2 Kameras haben. Nicht, das das bei der Miniaturisierung ein Prob wäre.

Ausserdem müsste man sich noch den Aufnahmebereich und die Auflösung der Kamera anschauen. 
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 11.09.2011 | 16:28
Man sollte sich im Klaren darüber sein, dass das "Original"-Bewusstsein sowieso stirbt, selbst, wenn der Körper überlebt: Überlege dir mal, wie du vor 10 Jahren gedacht hast und wie du heutzutage denkst. Dann wird dir vielleicht bewusst, dass dein Bewusstsein von vor 10 Jahren gestorben ist und einem neuen Bewusstsein Platz gemacht hat.
(Genau genommen ist auch der Körper weitgehend ausgetauscht - die Zellen sind nicht identisch mit denen von vor 10 Jahren)

Dabei ist aber eine Kontinuität gegeben - ich habe die Veränderung mitgemacht und es ist immer noch mein Bewusstsein.

Zur Verdeutlichung:
Es kann jederzeit eine Kopie mit Hilfe des Backups erstellt werden, auch dann, wenn das Original noch lebt.
Dabei käme aber wohl niemand auf die Idee, dass das Originalbewusstsein nun Zugriff auf zwei Körper hat oder Ähnliches.

Das gesamte Umfeld und die Kopie selbst können nicht unterscheiden, ob sie das Original ist oder nicht.
Aber dass sie zwingend nicht das originale Bewusstsein hat, halte ich für offensichtlich.
Und das ist der Knackpunkt, ob man dem originalen Bewusstsein mit der Verfügbarkeit so einer Kopie die Angst vor dem Tod nehmen könnte oder nicht.

Bezüglich der Media Markt Kameras muss ich eine kleine Einschränkung machen: Deren Auflösung ist schlechter als die des menschlichen Auges. Es gibt zwar auch schon Kameras, deren Auflösung vergleichbar mit denen des menschlichen Auges ist, diese sind aber deutlich teurer als die Media Markt Kameras.

Und wesentlich größer.
Eine Videokamera in Augengröße mit gleicher Leistungsfähigkeit über alle Bereiche gibt es meines Wissens z.Zt. nicht.  

Alles kognitive Mängel. Aber nichts davon ist auf einen körperlichen Mangel zurückzuführen.

Schau dir z.B. mal ASIMOs Hand-, Fuß- und Schultergelenke an.
Der ist konstruktionsbedingt nicht so beweglich wie ein Mensch.

Klar könnte man da auch heute schon manches anders machen - aber dann wäre das Ganze wieder ungleich aufwändiger/komplexer und teurer.

Wenn so ein Roboter mal Fahrrad fahren, ein Rad schlagen, als Chi-Sao- oder BJJ-Partner herhalten kann...dann reden wir noch mal drüber.


Dass das nur eine Frage des Budgets für die Servomotoren ist, sollte er aber schon eindrucksvoll bewiesen haben, der Asimo. Aber wenn man unbedingt will, dass nichts jemals mit dem Menschen gleich ziehen oder gar überlegen sein kann, dann sieht man das natürlich nicht. ;)
Es ist nicht nur eine Frage des Budgets für die Motoren. Es ist auch eine Frage der Programmierung und der restlichen Hardware sowie der Gesamtkonstruktion.

Ich habe übrigens nicht behauptet, dass kein Roboter jemals mit dem Menschen wird gleich ziehen können und tue das auch jetzt nicht.

Meine Aussage war, dass ASIMO offensichtlich bei Weitem nicht so beweglich und vielseitig ist wie ein Mensch* und dass ein Roboter, der es ist, nicht für einen Appel und ein Ei gebaut und betrieben werden kann.

*Zum Vergleich:
Würde ich es mir anschauen und würde es mich beeindrucken, wenn ein Mensch das tun würde, was ASIMO im verlinkten Video macht?
Natürlich nicht.

Würden mir die Augen übergehen, wenn ich einen Robot-Traceur oder -Breankdancer live sehen würde?
Klar.

Nur sind wir von so was (oder dem hier (http://www.youtube.com/watch?v=X99Lk45hvJE)) noch sehr weit weg.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 11.09.2011 | 16:35
Es gibt keine geistige komponente die sich von einer körperlichen trennen liesse.
Aber das ist für manche leute eine glaubensfrage.

Die auflösung ist im menschlichen auge übrigens nicht überall gleich.
In der fovea centralis beträgt der visus 1. 20000 zapfen projizieren dort auf 40000 axone.
In der peripherie haben wir zunehmend stäbchen, die eine hervorragende zeitliche auflösung haben aber dafür kein farbsehen.
Deshalb nehmen wir bewegungen besser in der peripherie wahr aber lesen mit der fovea.

Ausserdem nicht zu vergessen: wir haben zwei augen deren input miteinander verrechnet wird.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 11.09.2011 | 16:51
Es gibt keine geistige komponente die sich von einer körperlichen trennen liesse.

Beim Menschen nicht. Beim Roboter schon. Das, was in Software abgebildet wird, ist "geistig".
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.09.2011 | 16:54
Nein. Das visuelle System lässt sich ganz bestimmt nicht in zwei Teile aufteilen. Das ist ein fließender Übergang von basalen zu höheren Verarbeitungsschritten.
Wo siehst du denn bitteschön einen fließenden Übergang?

Zitat
Das menschliche Auge verfügt allerdings bsp. gleichzeitig über gewisse Dunkelsicht und Farbwahrnehmung. Ich glaube, dazu muss man immer noch 2 Kameras haben. Nicht, das das bei der Miniaturisierung ein Prob wäre.
Die BECO C 901 (http://www.mediamarkt.at/mcs/catentry/C-901-KABELLOS-FARBKAMERA-MINI-FARBKAM-NACHTSICHT,10255,27227,140269.html) vereint Farbsehen mit Nachtsicht.

Hier (http://www.amazon.de/gp/product/B002PZUZHQ/ref=s9_simh_gw_p60_d0_g23_i3?pf_rd_m=A3JWKAKR8XB7XF&pf_rd_s=center-2&pf_rd_r=1Y6E72SREHD3A8E22G7C&pf_rd_t=101&pf_rd_p=463375173&pf_rd_i=301128) dann noch eine Kamera, die Farbsehen und Infrarot gleichzeitig ermöglicht.

Zitat
Ausserdem müsste man sich noch den Aufnahmebereich und die Auflösung der Kamera anschauen.
Bei der Auflösung bin ich zurückgerudert. Der Aufnahmebereich ist ähnlich groß wie beim menschlichen Auge.

Es gibt keine geistige komponente die sich von einer körperlichen trennen liesse.
Wieso nicht?

Zum Rest: Ja, aber was hat das jetzt mit der Diskussion hier zu tun?

Dabei ist aber eine Kontinuität gegeben - ich habe die Veränderung mitgemacht und es ist immer noch mein Bewusstsein.
Was verstehst du unter "mein" Bewusstsein?
Auch ein Mind-Bakup ist "dein" Bewusstsein.

Zitat
Zur Verdeutlichung:
Es kann jederzeit eine Kopie mit Hilfe des Backups erstellt werden, auch dann, wenn das Original noch lebt.
Dabei käme aber wohl niemand auf die Idee, dass das Originalbewusstsein nun Zugriff auf zwei Körper hat oder Ähnliches.
Ja und?
Es käme ja auch niemand auf die Idee zu behaupten, dein jetziges Bewusstsein hätte Kontrolle auf deinen Körper vor 10 Jahren. Oder dein Bewusstsein vor 10 Jahren hätte Kontrolle über deinen jetzigen Körper.

Jedes Bewusstsein hat nur die Kontrolle über den Körper, in dem es sich aktuell befindet. Trotzdem fassen wir das Bewusstsein vor 10 Jahren und das jetzige Bewusstsein als das "gleiche" auf. Und ebenso ist es mit einer Kopie deines Bewusstsein.

Schon alleine, dass du zwischen Kopie und Original trennst, ist schon problematisch: Eigentlich hast du ein Bewusstsein zum Zeitpunkt X. Nach dem Mind-Bakup hast du zwei Bewusstseine, die mit dem Bewusstsein von Zeitpunkt X identisch sind und sich nun getrennt weiterentwickeln. Aber es ist strenggenommen falsch, das eine Bewusstsein als Original und das andere als Kopie zu bezeichnen.

Zitat
Das gesamte Umfeld und die Kopie selbst können nicht unterscheiden, ob sie das Original ist oder nicht.
Aber dass sie zwingend nicht das originale Bewusstsein hat, halte ich für offensichtlich.
Und ich halte es für offensichtlich, dass dein jetziges Bewusstsein nicht das gleiche Bewusstsein ist, wie das Bewusstsein vor 10 Jahren.

Zitat
Und das ist der Knackpunkt, ob man dem originalen Bewusstsein mit der Verfügbarkeit so einer Kopie die Angst vor dem Tod nehmen könnte oder nicht.
Kommt halt darauf an, wie weit das Mind-Bakup zurückliegt: Wenn das Mind-Bakup mehrere Jahre zurückliegt, dann haben sich die beiden Bewusstseine getrennt weiterentwickelt und sind nun zwei völlig verschiedene Wesenheiten.

Wenn das Mind-Bakup jedoch nur wenige Tage zurückliegt und in den letzten Tagen nichts Aufregendes passiert ist, dann ist es egal, welcher der beiden Körper stirbt. Die beiden Bewusstseine sind sich noch so ähnlich, dass man sie guten Gewissens als identisch beschreiben kann. Also zumindest ich hätte in diesem Fall keine Angst vor dem Tod, da ich weiß, dass ich in der anderen Person weiterlebe.

Zitat
Und wesentlich größer.
Eine Videokamera in Augengröße mit gleicher Leistungsfähigkeit über alle Bereiche gibt es meines Wissens z.Zt. nicht.
Googel mal einfach nach "Spionagekamera".
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 11.09.2011 | 16:54
[...]
Nur sind wir von so was (oder dem hier (http://www.youtube.com/watch?v=X99Lk45hvJE)) noch sehr weit weg.

Fazit: Wir haben heute noch keine Kampfroboter. Danke für diesen Beitrag.  :D
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 11.09.2011 | 17:11
Du meinst mit geistiger komponente wohl eigentlich das nervensystem wozu die retina bereits gehört.
Und selbst dieses ist "körperlich".
Bevor wir hier weiterdiskutieren möcht ich dir doch nochmal erwähnte literatur ans herz legen.
Dann erspar ich mir auch grad 20 seiten erklärung zum fliessenden übergang von basaler zu höherer integration.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 11.09.2011 | 17:16
Was verstehst du unter "mein" Bewusstsein?
Auch ein Mind-Bakup ist "dein" Bewusstsein.

"Mein" Bewusstsein ist dasjenige, in dem meine Selbstwahrnehmung verortet ist.

Aus meiner Perspektive ist die Unterscheidung von der Kopie sehr einfach. Aus einer anderen Perspektive ist sie bei einem aktuellen Backup unmöglich.

Trotzdem fassen wir das Bewusstsein vor 10 Jahren und das jetzige Bewusstsein als das "gleiche" auf. Und ebenso ist es mit einer Kopie deines Bewusstsein.

Eben nicht - beim Übergang vom alten zum aktuellen Bewusstsein besteht Kontinuität.

Im Fall der Kopie gibt es nicht einmal einen Übergang.


Nach dem Mind-Bakup hast du zwei Bewusstseine, die mit dem Bewusstsein von Zeitpunkt X identisch sind und sich nun getrennt weiterentwickeln.

Nicht ich habe zwei Bewusstseine, sondern ich habe weiter wie gehabt ein Bewusstsein und es ist eine neue Entität entstanden, die ein identisches Bewusstsein hat, aber logischerweise eine eigenständige Selbstwahrnehmung.

Es wird nur das Netz perfekt kopiert, aber nicht die darin sitzende Spinne.

Also zumindest ich hätte in diesem Fall keine Angst vor dem Tod, da ich weiß, dass ich in der anderen Person weiterlebe.

Und wenn ich deine Kopie frage, sagt sie sogar, dass das alles wunderbar funktioniert hat...dennoch existiert deine aktuelle Selbstwahrnehmung in so einem Fall nicht weiter.

Googel mal einfach nach "Spionagekamera".
Gegenvorschlag:
Gib mir doch mal einen Link auf eine Kamera mit den geforderten Leistungsdaten.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 11.09.2011 | 17:37
@YY: zum thema bewusstsein dürftest du split brain patienten interessant finden.
 "ach zwei hirne denken in ihrem schädel"

oder anders ausgedrückt: dass zwei individuen getrenmte bewusstseine haben steht ausser frage.
Es gibt sogar welche die anatomisch bedingt zwei haben.

ansonsten ist das mit der kopie zwar eine coole idee, wird aber immer fiktion bleiben.
das gehirn lässt sich nicht einfach mit info bespielen.
wissen bedeutet erfahrungsbedingte morphologische veränderung z.b. in form der grösse von cortexarealen und der stärke assoziativer verknüpfungen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.09.2011 | 17:54
Du meinst mit geistiger komponente wohl eigentlich das nervensystem wozu die retina bereits gehört.
Und selbst dieses ist "körperlich".
Nein, mit geistiger Komponente meine ich all das, wo die erhaltenen Informationen weitergeleitet bzw. verarbeitet werden.

Und die körperliche Komponente bei der Sensorik ist all das, wo Informationen von außerhalb aufgenommen werden.

Die geistige Komponente fängt also wahrscheinlich bei dem Sehnerv an.

Aber bitte nicht den Fehler machen und "geistige Komponente" = "Nervensystem" gleichsetzen. (Auch wenn die Schnittmenge zwischen beiden extrem groß ist, so sind die beiden Sachen nicht deckungsgleich.)

Aus meiner Perspektive ist die Unterscheidung von der Kopie sehr einfach. Aus einer anderen Perspektive ist sie bei einem aktuellen Backup unmöglich.
Also ist "Kopie" für dich immer der andere? Du selber bist per definitionem nie die Kopie.

Oder anders ausgedrückt: Wenn man ein Mind-Bakup hat, dann behaupten beide Personen, das Original zu sein. Und beide Personen bezeichnen die jeweils andere als Kopie.
Habe ich dich so richtig verstanden?

Zitat
Eben nicht - beim Übergang vom alten zum aktuellen Bewusstsein besteht Kontinuität.
Und inwiefern ist Kontinuität jetzt wichtig?

Zitat
Nicht ich habe zwei Bewusstseine, sondern ich habe weiter wie gehabt ein Bewusstsein und es ist eine neue Entität entstanden, die ein identisches Bewusstsein hat, aber logischerweise eine eigenständige Selbstwahrnehmung.
OK, ich meine mit "du" wahrscheinlich etwas anderes als du.

Für mich ist z.B. Person X "du". Aber alle Wesenheiten, die aus Person X entstehen, sind für mich ebenfalls "du".

Zitat
Und wenn ich deine Kopie frage, sagt sie sogar, dass das alles wunderbar funktioniert hat...dennoch existiert deine aktuelle Selbstwahrnehmung in so einem Fall nicht weiter.
Das kommt wahrscheinlich darauf an, was ich unter "du" verstehe.

Wenn man wie bei dir nur die Selbstwahrnehmung als "du" bezeichnest, dann existiere "ich" nur wenige Sekunden. Nach ein paar Sekunden ist "ich" gestorben und ein neues "ich" ist entstanden. Im Normalfall ist dieses neue "ich" nur minimal anders als das vorherige "ich". Aber es ist trotzdem ein neues "ich".

Aber mal als Beispiel:
Eulenspiegel macht um 17:00 Uhr ein Mind-Bakup. Um 19:00 Uhr stirbt Eulenspiegel an einem Herzinfarkt und sein Mind-Bakup wird aktiviert.
Dann haben wir:
Zitat
Gegenvorschlag:
Gib mir doch mal einen Link auf eine Kamera mit den geforderten Leistungsdaten.
Für Leute, die noch kein Google Fu beherrschen:
- 1. Google Treffer (http://www.lightinthebox.com/de/c/spy-cam_811/Alle-3?currency=EUR&litb_from=paid_adwords_search&gclid=CPmnra3FlasCFUbwzAodhQ6euQ)
- 2. Google Treffer geht ins Leere
- 3. Google Treffer (http://www.spionminikamera.com/?gclid=CPGbsa7FlasCFUW9zAodSSMYtQ)
- 4. Google Treffer (http://www.alarm.de/glossar/s/spionagekamera/index.html)
- 5. Google Treffer (http://www.google.de/search?q=spionagekamera&hl=de&biw=1280&bih=799&prmd=ivns&source=univ&tbm=shop&tbo=u&sa=X&ei=K9hsTsLcEs7Isgax4OzoBA&sqi=2&ved=0CG8QrQQ)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 11.09.2011 | 18:14
"klonk"
Das war mein kopf der grad aufs pult fiel.

Nach deiner einteilung von körperlich und geistig wär bereits die retina geistig weil hier schon folgende verschaltungen stattfinden:
(siehe anhang. Hab kein bock mehr mit handy zu tippen)

wenn du das was dann noch übrig bleibt mit einer kamera vergleichst, hat das menschliche auge ja nichtmal eine auflösung.
das bisschen linse, iris und glaskörper ist alles was deine kamera ersetzen kann?
Not impressed.

[gelöscht durch Administrator]
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 11.09.2011 | 18:30
Also ist "Kopie" für dich immer der andere? Du selber bist per definitionem nie die Kopie.

Oder anders ausgedrückt: Wenn man ein Mind-Bakup hat, dann behaupten beide Personen, das Original zu sein. Und beide Personen bezeichnen die jeweils andere als Kopie.
Habe ich dich so richtig verstanden?

Nein, die Kopie ist stets derjenige, der aus dem Backup hervorgegangen ist - das ist ja objektiv feststellbar.

Solange aber keine technischen Probleme dem entgegenstehen/das Verfahren genau genug ist, kann die Kopie allerdings selbst nicht sagen, ob sie die Kopie ist - schließlich sind die Erinnerungen identisch.

Und inwiefern ist Kontinuität jetzt wichtig?

Weil ich von meinem alten Ich objektiv und subjektiv sagen kann: Das war ich mal.
Die Selbstwahrnehmung bleibt über die ganzen "Versionen" erhalten, was bei der Kopie nicht der Fall ist.

OK, ich meine mit "du" wahrscheinlich etwas anderes als du.

Für mich ist z.B. Person X "du". Aber alle Wesenheiten, die aus Person X entstehen, sind für mich ebenfalls "du".

Das ist der Unterschied zwischen Baureihe und Exemplar.

Bei einem aktuellen Backup kann dir das tatsächlich für alle praktischen Belange egal sein, welches Exemplar du vor dir hast.

Es ist nur dem Original nicht egal, weil dessen Selbstwahrnehmung mit seinem Körper zugrunde geht.

Für Leute, die noch kein Google Fu beherrschen:
- 1. Google Treffer (http://www.lightinthebox.com/de/c/spy-cam_811/Alle-3?currency=EUR&litb_from=paid_adwords_search&gclid=CPmnra3FlasCFUbwzAodhQ6euQ)
- 2. Google Treffer geht ins Leere
- 3. Google Treffer (http://www.spionminikamera.com/?gclid=CPGbsa7FlasCFUW9zAodSSMYtQ)
- 4. Google Treffer (http://www.alarm.de/glossar/s/spionagekamera/index.html)
- 5. Google Treffer (http://www.google.de/search?q=spionagekamera&hl=de&biw=1280&bih=799&prmd=ivns&source=univ&tbm=shop&tbo=u&sa=X&ei=K9hsTsLcEs7Isgax4OzoBA&sqi=2&ved=0CG8QrQQ)
Und welche von denen liefert bessere Bilder als das menschliche Auge?
Die erste (wo als einziges ein damit aufgenommenes Video zu sehen ist) schon mal nicht.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.09.2011 | 18:32
"klonk"
Das war mein kopf der grad aufs pult fiel.
Pass auf deinen Kopf auf. Das ist für die Gehirnzellen nicht unbedingt förderlich.

Zitat
Nach deiner einteilung von körperlich und geistig wär bereits die retina geistig weil hier schon folgende verschaltungen stattfinden:
(siehe anhang. Hab kein bock mehr mit handy zu tippen)
Wenn die Stäbchen und Zäpfchen nicht zur Retina gehören, dann scheinbar ja. Dann würde bereits die Retina zur geistigen Komponente zählen.

Zitat
wenn du das was dann noch übrig bleibt mit einer kamera vergleichst, hat das menschliche auge ja nichtmal eine auflösung.
das bisschen linse, iris und glaskörper ist alles was deine kamera ersetzen kann?
Not impressed.
Und natürlich hat das Auge eine Auflösung: Der Abstand der Stäbchen &Zäpfchen untereinander sowie der Abstand der Stäbchen und Zäpfchen zur Linse bestimmen die Auflösung.

Und ich habe nie behauptet, dass die Kamera besonders viel ersetzen kann noch habe ich behauptet, dass dies besonders beeindruckend sei. Ich persönlich bin zum Beispiel von den Leistungen unserer Kameras auch nicht beeindruckt.

Im Gegenteil, ich denke, dass die körperlichen Komponenten beim Menschen recht leicht zu ersetzen sind. Die Schwierigkeit liegt meiner Meinung nach in den geistigen Komponenten, wo die KI-Forschung noch mindestens 50 Jahre dran sitzen wird, bevor sie in diesem Gebiet den Menschen eingeholt hat. Aber das hatte ich bereits vor mehreren Seiten geschrieben.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 11.09.2011 | 18:42
Es heisst zapfen. Zäpchen sind für was anderes  ~;D
Und diese gehören zur retina. Ebenso wie die bipolarzellen mit denen sie verschaltet sind.
Deine einteilung zwischen körperlich und geistig ist willkürlich.
In den neurowissenschaften unterscheidet man zum beispiel zwischen zns und pns, primären motorischen und sensorischen arealen und assoziationscortices...
Wahrnehmung und bewegung sind ohne das was du bereits geistig nennst beim menschen nicht möglich.
Daher ist diese unterteilung recht unzweckmässig.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 11.09.2011 | 18:52
"klonk"
Das war mein kopf der grad aufs pult fiel.
[...]

Ihre redet ein wenig aneinander vorbei. Eulenspiegel spricht vom Roboter, Du vom Menschen. Beim Menschen ist alles Hardware, auch die "Software". Beim Roboter aber kann und muss man da trennen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.09.2011 | 18:59
Weil ich von meinem alten Ich objektiv und subjektiv sagen kann: Das war ich mal.
Nein, das warst nicht du, das war jemand anderes, der dir einfach nur verdammt ähnlich ist. Du selber existiert erst seit wenigen Sekunden.
Das Bewusstsein, das davor existierte, war jemand anderes, das dir halt nur verdammt stark ähnelt.

Zitat
Die Selbstwahrnehmung bleibt über die ganzen "Versionen" erhalten, was bei der Kopie nicht der Fall ist.
Nein, auch die Selbstwahrnehmung ändert sich.

Eulenspiegel(vor 5 Stunden) hatte zum Beispiel Hunger.
Eulenspiegel(Gegenwart) hat keinen Hunger.

Klar, Eulenspiegel(Gegenwart) kann sich erinnern, das vor 5 Stunden Hunger vorhanden war. Aber ich jetzt in der Gegenwart nehme keinen Hunger war. Das bedeutet also, dass Eulenspiegel(vor 5 Stunden) und Eulenspiegel(Gegenwart) eine andere Selbstwahrnehmung haben.

Und wenn ich mir jetzt Eulenspiegel(vor 10 Jahren) anschaue, dann stelle ich fest, dass dessen Selbstwahrnehmung und dessen Charakter nochmal komplett anders war, als mein Charakter.

Wenn es ein Mind-Bakup von vor 2 Stunden von mir gäbe, das gleich nach der Erstellung auch aktiviert worden wäre: Ich hätte mehr Ähnlichkeit mit dieser Kopie als mit dem Eulenspiegel vor 10 Jahren. Ich würde mich dieser Kopie enger verbunden fühlen als meinem "Ich" vor 10 Jahren.

Zitat
Und welche von denen liefert bessere Bilder als das menschliche Auge?
1) Das war nicht die Frage. Die Frage war, ob es eine Kamera gibt, die kleiner als das menschliche Auge ist.

2) Was verstehst du unter "besser"? Bezüglich Auflösung habe ich weiter oben schon etwas geschrieben. Und abgesehen von der Auflösung kann ich keine großen Probleme erkennen.

Und diese gehören zur retina. Ebenso wie die bipolarzellen mit denen sie verschaltet sind.
Dann sehe ich nicht, wo dein Problem liegt.

Zitat
Deine einteilung zwischen körperlich und geistig ist willkürlich.
In den neurowissenschaften unterscheidet man zum beispiel zwischen zns und pns, primären motorischen und sensorischen arealen und assoziationscortices...
1) Inwiefern ist es relevant, wie willkürlich eine Einteilung ist?
Letztendlich ist doch nciht die Frage wichtig, ob eine Einteilung willkürlich ist sondern die Frage ist wichtig, wie hilfreich eine Einteilung bei bestimmten Fragestellungen ist.

2) Die Einteilung in den Neurowissenschaften hilft hier nicht wirklich weiter. Es geht ja um KIs. Also sollte man die Einteilung der KI-Forschung benutzen. Und da wird in Software(geistige Komponente) und Hardware(körperliche Komponente) unterschieden.

Es ist für die KI-Forschung zum Beispiel vollkommen irrelevant, ob etwas jetzt im peripheren oder im zentralen Nervensystem liegt. Beides wird in der KI-Forschung durch die Software umgesetzt und gehört daher zur geistigen Komponente.

Ich glaube dir gerne, dass diese Unterscheidung in den Neurowissenschaften total wichtig ist und dass es in den Neurowissenschaften einen riesigen Unterschied macht, ob etwas zum ZNS oder zum PNS gehört.
In der KI-Forschung ist diese Unterscheidung jedoch unwichtig und es macht auch keinen Unterschied. (Es gilt zwar tendenziell, dass man Sachen der PNS eher emulieren kann, während Vorgänge des ZNS nach wie vor ein Problem darstellen. Aber das sind nur Tendenzen und kein so wesentlicher Unterschied wie zwischen geistig und körperlich.)

Zitat
Wahrnehmung und bewegung sind ohne das was du bereits geistig nennst beim menschen nicht möglich.
Daher ist diese unterteilung recht unzweckmässig.
Zum ersten Satz:
RICHTIG! Das sage ich doch die ganze Zeit!

Zum zweiten Satz:
FALSCH! Auch wenn beide Sachen für Wahrnehmung und Bewegung benötigt werden, so ist diese Unterteilung extrem wichtig, da sie zwei vollkommen verschiedene Herangehensweisen benötigen.

Die Unterteilung zwischen Hardware/körperlich und Software/geistig kommt ja nicht von ungefähr.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 11.09.2011 | 19:26
Nun gut.
Ich hab dir etwas über den menschen erzählt.
Dass du auf dem gebiet kein grosser experte bist, hast du mir bewiesen.
Jetzt erzähl mir doch ein bisschen was über hard und software eines roboters.
Vielleicht kann ich ja doch noch was von dir lernen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.09.2011 | 19:49
Das habe ich doch schon in den letzten Posts getan. Was gibt es da noch großartig zu schreiben?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 11.09.2011 | 20:24
Ich habe den Faden verloren,
Macht nichts, ich auch. ;) Ich versuche mal, ihn wiederzufinden. An alle, auf die ich in diesem Posting nicht eingehe: das ist keine böswillige Ignoranz, sondern einfach der Tatsache geschuldet, daß es inzwischen ein Fulltime-Job wäre, diesem Thread zu folgen. Nicht zuletzt wegen vieler wertvoller Anregungen, die hier schon gekommen sind. Dafür vielen Dank an alle Teilnehmer, falls ich das noch nicht gesagt haben sollte.

Also, ans Werk:

Mal eine andere Überlegung: Wo findet denn normalerweise die Action statt? Auf dem Boden.

Egal, ob ich jetzt SF-Romane lese oder SF-RPGs spiele: Die Weltraumkämpfe lassen sich an einer Hand abzählen und darauf kann man gut verzichten. Interessant wird es immer, sobald die Leute ihre Raumschiff verlassen und auf dem Planeten herumspazieren.

Was spricht also dagegen, das Raumschiff vollautomatisch handeln zu lassen? Das Raumschiff ist quasi nur ein McGuffin, das die Helden von Planet A nach Planet B bringt. Die eigentliche Action findet auf Planet A und auf Planet B statt.
@Eulenspiegel: zum einen, auch wenn ich mich bei meinen Beispielen sehr auf die Raumfahrt konzentriert habe, es geht mir durchaus auch um andere Aspekte des menschlichen Daseins, die durch zuviel Automatisierung für mich an Reiz verlieren. Zum Beispiel die Exploration lebensfeindlicher Welten - warum einen heldenhaftenTM Menschen im Raumanzug gefährden, wenn man auch einen Roboter schicken kann? Oder, anders gefragt: wie müßte meine Gesellschaft mit ihren Normen, Ehrbegriffen, Arm/Reich-Verteilung usw. aufgebaut sein, damit es häufiger mal vorkommt, daß ein Mensch sein kuscheliges Habitat verläßt, um im Raumanzug durchs Vakuum oder eine tödliche Atmosphäre zu laufen?

Davon abgesehen: du hast recht, Romanszenen, in denen der Fokus auf gewagten Manövern im Weltraum liegt, sind selten. Aber sie sind, wenn sie denn mal vorkommen, genau das, was mich persönlich als Leser immer am meisten in Bann zieht. Aus diesem Grund habe ich z.B. Asimov in seinen "Lucky Starr"-Büchern eine Menge an Klischees verziehen, da er drei von sechs Romanen dieses Zyklus fast ausschließlich im Weltall spielen läßt und dieses Feeling bedient, das meiner Ansicht nach in der SF viel zu kurz kommt. Deshalb möchte ich es ja gerade in meinem Setting entsprechend würdigen.

Nach kurzem ersten Entwurf für das Posting hab ich alles gelöscht, weil die bisherige Herangehensweise in typischer Hard-SF-Manier die soziale Komponente ignoriert.
Huh? Auf wirtschaftliche Faktoren, Prestige etc. wurde doch durchaus schon eingegangen.

Ohne Beschränkungen in technischer Hinsicht ist eben alles vorstellbar und man kann es drehen wie man will. Die Frage ist vielmehr: Wie sieht die Gesellschaft der Zukunft aus, die jedes Problem technisch in den Griff bekommen kann?

An dieser Stelle verlangen wir nichts weniger als Antworten, Mr. Grey.  ;)
Spaßig, die erhoffe ich mir eigentlich von euch. ;) (Und habe ja auch schon einige gekriegt.) Aber gut, auf die Gegenfragen werde ich nach bestem Wissen und Gewissen eingehen:

-Gehören Armut, Umweltverschmutzung, Krankheit, vielleicht der Tod der Vergangenheit an?-
Wohl eher nicht. Wir wollten ja Abenteuer, oder?
Korrekt. Das Problem der Umweltzerstörung möchte ich tatsächlich als "mit einem blauen Auge überstanden" abhaken und in die Geschichtsbücher des Settings verbannen; alles in allem ist die Umwelt dabei, sich zu erholen, hat aber noch einen langen Weg vor sich. Dafür aber soll es andere Probleme geben, wozu u.a. Ressourcenknappheit gehört. Und eben soziale Probleme, wie sie sich aus solchen Neuerungen ergeben, wie z.B. das Vorhandensein ultrahochgezüchteter KIs eine wäre.

Gibt es eine kapitalistische Wirtschaftsordnung? Umverteilungsmechanismen? Marktwirtschaft, Planwirtschaft, Grüne Wirtschaft? Ich würde sowas immer eher dystopisch ansiedeln.
Das ist regional unterschiedlich. Das Wirtschaftssystem der Erde ist für mich derzeit noch etwas nebulös. Mit Sicherheit wird ein guter Schuß Kapitalismus drin sein, ja. Auf dem Mars gibt es einige wenige Kartelle, die freie Marktwirtschaft weitgehend unterbinden; die Zugehörigkeit zum "richtigen Club" entscheidet über deine Möglichkeiten, an Reichtum und Einfluß zu gelangen. Für das Saturnsystem schweben mir die schon von Tudor angesprochenen Wildwest-Zustände vor, d.h. abgesehen von einigen kulturellen Zentren herrscht libertarianische Anarchie mit ungezügelter Marktwirtschaft und der Herausbildung der ersten (tyrannischen) Monopole.

- Wirken alle Menschen am politischen Prozeß mit oder nur wenige? Dürfen KI wählen? Gibt es überhaupt noch einen politischen Prozeß? -
Es gibt nicht nur einen, sondern viele. Das Sonnensystem ist nicht unter einer Führung geeint. Die weißen Flecken auf der Karte des Settings lassen derzeit noch Platz für verschiedene politische Systeme, manche demokratisch, manche diktatorisch, die meisten eher oligarchisch. Inwieweit KIs (sofern vorhanden) geduldet werden und/oder an der Politik aktiv mitwirken, hängt vom jeweiligen Staat ab.

Existieren Kriege weiter und worum werden sie geführt?
Große Kriege zwischen Nationalstaaten sind selten geworden, allerdings weniger wegen guten Willens, sondern wegen enger wirtschaftlicher Verflechtungen. Beständige, kleine Scharmützel, Plünderungen und Piraterie gehören allerdings je nach Gegend zum Alltag. Geführt werden sie um Ressourcen und schnöden Mammon. Kriege zur Gebietsgewinnung hingegen sind auf der Erde überholt, im Saturnsystem noch nicht lohnend und finden, wenn überhaupt, derzeit nur auf dem Mars statt.

Gibt es noch Weltreligionen? Oder ein unübersehbares Nebeneinander von Sekten, Philosophien oder Weltanschauungen mit einer relativen Mehrheit von Atheisten und Desinteressierten? Was sind die Grundlagen für moralische Entscheidungen?
Das ist genau der Punkt, bei dem es bei mir noch hakt. Es existieren definitiv weiterhin Religionen, wobei sich die Kräfte zwischen unseren heutigen Weltreligionen und einigen neu aufgekommen, teils esoterischen, teils technokratischen Kulten verschoben haben. Die Grundlagen für moralische Entscheidungen allerdings entziehen sich mir noch, da meiner Überzeugung nach der Mensch hier nicht so tickt, daß er als Moral annimmt, was ihm von der Kanzel gepredigt wird; sondern daß viel eher das, was von der Kanzel gepredigt wird, auf die Zwänge, Notwendigkeiten und das Selbstverständnis der Menschen gemünzt wird. Wo aber sind Zwänge und Notwendigkeiten bei einem Übermaß an Automatisierung? Wo ist das Selbstverständnis, wenn die Menschen nicht einmal die Frage beantworten können: "Was machst du, was kannst du, worauf bist du stolz?"

- Gab es jemals eine globale Katastrophe? -
Anders herum: ging es von heute linear in die Zukunft? Oder kam zwischenzeitlich der Weltkrieg, der Klimawandel, der große Brocken Eis und Stein aus dem Weltraum und hat die Parameter menschlicher Exploration verschoben?
Es ging ganz sicher nicht linear voran. Der Klimawandel ist, wie gesagt, bewältigt. Aber es kam nach meinen bisherigen Überlegungen zu mindestens zwei großen sozialen Umwälzungen, von denen die eine ihre Wurzeln noch in der Jetztzeit hat (ein wirtschaftlicher Zusammenbruch in Asien, der infolge der Globalisierung die ganze Welt in Mitleidenschaft zieht) und die andere im Aufkommen von Cyberware; diese führt im Lauf der Jahrhunderte zu einer enormen Verschärfung sozialer Gegensätze und letzten Endes zu einem globalen Bürgerkrieg auf der Erde.

Beide Krisen sollen bereits in der Vergangenheit liegen, wobei letztere noch nachwirkt. Alte Feindschaften schwelen noch. Trotzdem soll in meinem Setting zu Beginn alles recht friedlich aussehen. Für den Metaplot schwebt mir das Nahen der nächsten großen Krise vor, die das ganze Sonnensystem erfassen wird, die aber vorerst niemand kommen sieht.

Als "Joker" in der Hinterhand behalte ich mir noch ein bis zwei globale Naturkatastrophen vor, die ich aber nur dann in meine Vorgeschichte einflechten möchte, wenn die sozialen Katastrophen allein es nicht tun. Die Naturkatastrophen finde ich lustiger, wenn die Charaktere sie auch miterleben. >;D

Solange aber der Mensch Mensch bleibt, wird auch die Gesellschaft in diesen Dingen stabil bleiben. Denn auch in der Gesellschaft geschehen mehr Dinge, die "die Gesellschaft" eigentlich nicht will, als Dinge geschehen, die sie will. Aber jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft tun das seine dazu, damit sie geschehen.
@Merlin: wir sind hier genau auf einer Schiene. Auch ich bin überzeugt, daß "wenn die Menschheit keine Automatisierung will, sie auch nicht kommen wird."

Aber dieses "Wenn die Menschheit nicht will" kann ich selbst nur sehr abstrakt fassen. "Die Menschheit" ist groß, nebulös und in viele soziale Gruppen mit unterschiedlichen Interessen aufgespalten. Ich bräuchte konkrete Mechanismen, wie sich dieses "nicht wollen" äußert. Wenn Automatisierung machbar ist, gibt es auch eine Gruppe, die sie durchsetzen will. Wenn sie praktisch und wirtschaftlich ist, braucht es eine starke Gegenbewegung, damit sie am Ende doch nicht kommt. Diese Gegenbewegung möchte ich gern konkreter fassen: ihre Motive, ihre Überzeugungen und die Mittel, mit denen sie sich durchzusetzen versucht.

Wie am Anfang dieses (verdammt lang gewordenen, puh) Postings gesagt: ich habe aus diesem Thread auch schon einiges an Anregungen in der Richtung gezogen. Ich möchte das nur erwähnt haben, damit nicht schon wieder der Eindruck entsteht, ich würde (wie von mehreren Teilnehmern bemängelt) "alles blocken". Ich kann nur leider nicht auf alles so ausführlich eingehen, wie ich gerne würde. ;) Daher noch mal ausdrücklich vielen, herzlichen Dank für eure Beiträge. Keep 'em coming.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 11.09.2011 | 20:54
Auch ich bin überzeugt, daß "wenn die Menschheit keine Automatisierung will, sie auch nicht kommen wird."

Aber dieses "Wenn die Menschheit nicht will" kann ich selbst nur sehr abstrakt fassen. "Die Menschheit" ist groß, nebulös und in viele soziale Gruppen mit unterschiedlichen Interessen aufgespalten. Ich bräuchte konkrete Mechanismen, wie sich dieses "nicht wollen" äußert. Wenn Automatisierung machbar ist, gibt es auch eine Gruppe, die sie durchsetzen will. Wenn sie praktisch und wirtschaftlich ist, braucht es eine starke Gegenbewegung, damit sie am Ende doch nicht kommt. Diese Gegenbewegung möchte ich gern konkreter fassen: ihre Motive, ihre Überzeugungen und die Mittel, mit denen sie sich durchzusetzen versucht.

Zunächst: "Die Automatisierung" gibt es ja gar nicht, wird es nicht geben. Automatisierung ist ein Prozess, bei dem die menschliche Tätigkeit zunehmend durch Automaten ersetzt wird. Wie umfassend der Ersatz ist, hängt stark davon ab, um was es geht.

Und diesbezüglich hat AO schon so ziemlich geschrieben, was mein Gedanke dazu war:

Die Robotisierung und Automatisierung reicht schon heutzutage von der Rohstoffförderung bis in den Dienstleistungssektor. Durch diese Maßnahmen werden Arbeitsplätze aus Sicherheits- und Investitionsgründen dem menschlichen Arbeitnehmer genommen und den Maschinen übergeben. Zwar sieht keines dieser Systeme auch nur annähernd wie ein Mensch aus. Aber ist das denn entscheidend? Kommt es denn für die technische Lösung von potentiellen Menschen darauf an, dass die Maschine dann wie ein Mensch aussieht?

Klipp und klar: Nein.

Die technischen Erwartungen und Grenzen sind hier ja eben nicht das Kriterium dieser Diskussion. Da wir über SF sprechen - also über Fiktion, die in eine potentielle Zukunft blickt - tu' ich mich unterm Strich eh schwer damit, irgendwelche technischen Grenzen anzunehmen. Wenn wir unseren Stand der Technik mit Tech Level 10, 12, Progress Level 6 oder Technologie Grad 5 oder wie auch immer definieren, und in vielen Settings mutmaßen, dass es deutlich höhere Grade an Techlevel gibt, und wenn wir bereitwillig Cyborgs und maschinengeführte Kriege für potentiell möglich halten, so ist es doch müßig, darüber nachzudenken, aus welchen neuro-medizinischen oder bionischen Gründen was nicht möglich sein soll, nur weil wir (offiziell) solche Dinge noch nicht erreicht haben (wollen).

AO

und auch dieser Beitrag ist imo sehr fruchtbar:

- planned obsolescence
- ein Blick in den größten Teil der Lebensmittel- und Medikamentenindustrie zeigt: Zu Risiken und Nebenwirkungen fressen sie die Packungsbeilage (die hat im Zweifel weniger Risiken und Nebenwirkungen) und schlagen sie ihren Arzt und Apotheker.

...


- Weichmacher in Kinderspielzeug; gerade Zeug made in China hatte in den letzten Jahren vermehrt auch erhöhte Bleiwerte mitgebracht. Klasse! Sicherheit für die Kinder? Hauptsache Barbie ...

Also ich sehe das so, dass unser Alltag an vielen kleinen Stellen zahlreiche gute Beispiele liefert, wie wenig Sicherheit für den Menschen eine Rolle im Großen und Ganzen bietet.

Allerdings gehe ich auch so weit und behaupte: Das wird man von Fall zu Fall neu betrachten müssen. Denn bei Flugleitsystemen und Kommunikationssystemen - zumindest im professionellen Umfeld - steht die Sicherheit aller Wahrscheinlichkeit in einer sehr prominenten Position, da die Auswirkungen bei Fehlfunktionen wohl erheblich höhere Ausmaße annehmen dürften. Insofern sind pauschale Aussagen wie "An Sicherheit wird immer gespart" oder "Sicherheit ist der zentrale Aspekt" wohl gleichermaßen irreführend wie zutreffend. Die Antwort liegt irgendwo in der Mitte - und zwar im Großen ("Geht's billiger bei welcher Risikosteigerung?") wie im Kleinen ("Was nicht passt wird passend gemacht ..." *dengel*). ;)

Zunächst: die beschriebenen Risiken fallen größtenteils in "das Kleine", was ich in meinem Beitrag davor schrieb, aber das soll gar nicht so wichtig sein, denn du hast hier etwas geäußert, was imo sehr wichtig ist, was ich aber in meiner deutschen Mentalität völlig ignoriert habe:

Mein Risikodenken ist "deutsch" und damit ziemlich risiko-unfreudig. Allein wenn ich mal nach Frankreich über die Grenze schaue, in die mediterranen Regionen, überfällt mich ein Grauen, wie die da ihre Stromleitungen verlegen. Die scheint es aber nicht zu stören und problematisch scheint es auch nicht zu sein. Von den Chinesen und den Risiken, die sie in Kauf nehmen, ganz zu schweigen. Oder der Inder, der mal bei mir mit im Labor war; keine Ahnung was der dachte, wofür es die Schutzhandschuhe gibt...  ;)

Was ich also in den Topf werfen möchte: "Mentalitäten" differieren in ihrer Risikobewertung. Das könnte man ausnutzen.

Und: Automatisierung muss nicht "flächendeckend" vorhanden sein. Wie AO schreibt, ist sie dort zu erwarten, wo es zweckmäßig ist. Und das bloße Vorhandensein von Automatisierung sagt nichts über das letztendliche Ausmaß. Der Mensch, davon bin ich überzeugt, wird nur dort 100% Automatisierung eingehen, wo er bereit ist, die Kontrolle auch zu 100% abzugeben. Wo es nicht 100% ist, ist mindestens ein Mensch involviert. Und das wird überall dort sein, wo der Mensch sich noch einmischen können will.

Automatische Kriegsführung? Bitte nicht. Sollte jemals eine Software Ziele auswählen, mit denen die involvierten Menschen nicht einverstanden sind, dürfte 100% Automatisierung gegessen sein. Und zur Sicherheit lieber ein bisschen zu wenig als zu viel.

Automatische Kolonisierung? Bitte nicht. Sollte jemals eine Software Schritte ausgeführt haben, mit denen die involvierten Menschen nicht einverstanden sind, dürfte 100% Automatisierung gegessen sein. Und zur Sicherheit lieber ein bisschen zu wenig als zu viel.

Automatischer Transport? Von mir aus. Aber sollte jemals eine Software...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Zauberelefant am 11.09.2011 | 21:19

Zitat
Dafür aber soll es andere Probleme geben, wozu u.a. Ressourcenknappheit gehört. Und eben soziale Probleme, wie sie sich aus solchen Neuerungen ergeben, wie z.B. das Vorhandensein ultrahochgezüchteter KIs eine wäre.
Gut. Ressourcenknappheit bedeutet, daß die Verteilungsmechanismen unserem Verständnis von "gerecht" fundamental widersprechen müssten. Es gibt eben trotz Automatisierung nicht alles für alle. Und KI sollten wohl teuer bleiben, während Assistenzsysteme (Navigation, Haushalt, etc) unterschiedlich verbreitet sein können. Die Ressourcenknappheit kann man von Rationierung bis hin zu Marktwirtschaft mit sehr unterschiedlichen Resultaten regeln. Ich versuch das mal:
"Kriegswirtschaft"/Rationierung: Die Regierung verteilt alles nach einem Plan. Dabei dürfte für das Erreichen gesellschaftlicher Ziele (s.u.) mehr aufgewandt werden als für Luxus. Grundbedürfnisse dürften soweit gedeckt sein, bis vielleicht auf die Unerwünschten der Gesellschaft (Mutanten, Andersgläubige, Frauen/Männer, Alte, etc). Alles in allem dürfte eine solche Gesellschaft recht einheitlich aussehen - klares gemeinsames Weltbild, das die Notwendigkeit rechtfertigt, vielleicht eine Utopie, was man erreichen wird, wenn die Widrigkeiten überwunden sind. In einem solchen System treibt die Korruption wahscheinlich munter ihr Unwesen.
"Sozialismus": Produktionsmittel und Ressourcen sind in Händen "der Gesellschaft", die auf den Willen der Bevölkerung tatsächlich hört, und eher nach einem sozialen Ausgleich (Arbeit für Menschen, gleiche Chancen für Mutanten, Kontrolle der Population) strebt. Politik und Wirtschaft sind eng verflochten, zwecks Kontrolle und Zielsetzung. Es ist wohl grade genug für jeden dabei, richtig zufrieden ist keiner, aber eigentlich gehts den Leuten nicht wirklich schlecht.
Marktliberal: Wirtschaft ist in privater Hand, der Erwerb von Ressourcen und deren Verwendung wird über Marktmechanismen geregelt. Politische Kontrolle findet kaum statt, in den Händen weniger Kapitaleigner (Konzerne, Einzelpersonen, Clubs) konzentriert sich weitestgehend der Reichtum. Von dort aus gehen auch Innovationen mit gesellschaftlichem Impact aus. Kann je nachdem ein wenig sein wie bei uns heute, oder auf eine Brot und Spiele Gesellschaft hinauslaufen, in der die Bevölkerung konsumieren soll, was aus den automatisierten Fabriken der Konzerne rauskommt. Wird durch eine noch vorhandene Mittelschicht oder etwas abgefahreneres (Lebenskredit für jedermann: "Mach was aus Deinen 10 MegaCreds" - mehr wirds nicht geben) spannender.

Und natürlich Mischformen davon.

Zitat
Es gibt nicht nur einen, sondern viele. Das Sonnensystem ist nicht unter einer Führung geeint. Die weißen Flecken auf der Karte des Settings lassen derzeit noch Platz für verschiedene politische Systeme, manche demokratisch, manche diktatorisch, die meisten eher oligarchisch. Inwieweit KIs (sofern vorhanden) geduldet werden und/oder an der Politik aktiv mitwirken, hängt vom jeweiligen Staat ab.

Machen wir mal weiter wie oben:
Diktatur/Tyrannis: Alleinherrscher, der mit Gewalt und Manipulation herrscht. Würde sich für eine KI anbieten - deren Schwachpunkt darin liegt, daß sie keine persönlichen Loyalitäten versteht, was zwar allerhand Speichellecker, aber keine echten Verbündeten erzeugt. Die Herrschaft stützt sich auf einen Apparat, dessen Angehörige von den Verhältnissen profitieren. Kann man wahlweise mit wirtschaftlicher Freiheit oder aber restriktiver Planwirtschaft verknüpfen. Wobei ersteres lustiger ist. ("Menschen? Die taugen nur zum Geldverdienen" - so wie Kaiser früher über Bankiers dachten). Vielleicht läuft mit der KI ja tatsächlich alles super, aber es bleibt für die meisten anderen einfach unheimlich.

Aristokratie/Feudalismus/Clans: Es gibt mehrere einflußreiche soziale Gruppen, die sich die Macht teilen, während wiederum der Großteil der Bevölkerung von Partizipation ausgeschlossen ist. Taugt ebensogut wie die Tyrannis für rivalisierende Fraktionen innerhalb der Herrschaftsschicht. Baut als Legitimation wohl eher auf Tradition/Loyalität auf als die Tyrannis. KI wären hier wohl eher wohlgehütete Ressourcen einzelner Häuser, oder eben Mitspieler.

Repräsentatives System: Ob Räte, Republik, direkte Demokratie - jeder darf sein Teil beitragen. KI mögen wahlweise Berater sein oder eben auch Partizipienten, der Grad der Beteiligung mag unterschiedlich sein, aber grundsätzlich hat jedes bewußte Wesen im Staat das Recht, mitzureden. Persönliche Freiheiten mögen auf einem anderen Blatt stehen - ein Neo-Japan, in dem man von Staats wegen außer Haus keine Privatperson ist? Ein Aktionärsmodell?

Zitat
Große Kriege zwischen Nationalstaaten sind selten geworden, allerdings weniger wegen guten Willens, sondern wegen enger wirtschaftlicher Verflechtungen. Beständige, kleine Scharmützel, Plünderungen und Piraterie gehören allerdings je nach Gegend zum Alltag. Geführt werden sie um Ressourcen und schnöden Mammon. Kriege zur Gebietsgewinnung hingegen sind auf der Erde überholt, im Saturnsystem noch nicht lohnend und finden, wenn überhaupt, derzeit nur auf dem Mars statt.
Ok. da muß man wohl auch nicht weiter drüber nachdenken. Ressourcen begrenzt, verschiedene Gruppen in Konkurrenz, fertig.

Zitat
Das ist genau der Punkt, bei dem es bei mir noch hakt. Es existieren definitiv weiterhin Religionen, wobei sich die Kräfte zwischen unseren heutigen Weltreligionen und einigen neu aufgekommen, teils esoterischen, teils technokratischen Kulten verschoben haben.
Dann nehm ich mal an, braucht man da auch nix zu beisteuern? Herbert sollte mit seinen Zen-Sufis, Bene Gesserit etc ja ausreichend inspirieren.

Zitat
Die Grundlagen für moralische Entscheidungen allerdings entziehen sich mir noch, da meiner Überzeugung nach der Mensch hier nicht so tickt, daß er als Moral annimmt, was ihm von der Kanzel gepredigt wird; sondern daß viel eher das, was von der Kanzel gepredigt wird, auf die Zwänge, Notwendigkeiten und das Selbstverständnis der Menschen gemünzt wird. Wo aber sind Zwänge und Notwendigkeiten bei einem Übermaß an Automatisierung? Wo ist das Selbstverständnis, wenn die Menschen nicht einmal die Frage beantworten können: "Was machst du, was kannst du, worauf bist du stolz?"
Nun kann man ja die Frage nach der Moral selten frei von der wirtschaftlichen Seite und vielen weiteren betrachten. Den Stand der Automatisierung kann man sicherlich unterschiedlich einschätzen: einige Gesellschaften könnten die nötigen Investitionen nicht bereitstellen, andere aus ethischen Gründen drauf verzichten. (Und das mir keiner mit "wenns sich aber lohnt?" kommt. Das Töten von Föten aus Gründen der Gesundheit bringt der Gesundheitsindustrie sicherlich leichte Zuwächse, wird aber wohl erstmal nichts.)
Wir wollen mal annehmen, daß letztlich Menschen über die Ziele der Gesellschaften, in denen sie leben, bestimmen:
Nach Maslow will der Mensch soziale Kontakte, Anerkennung und Selbstverwirklichung. Es wäre natürlich denkbar, daß irgendwo eine KI Menschen als überflüssig eingestuft hat und entsprechend wegrationalisierte - abschreckendes Beispiel für die anderen, die das Thema sicherlich vorsichtiger angehen.
Ein einfacher Weg für Gesellschaften, die vor einer totalen Arbeitslosigkeit stehen, wäre Arbeit am Menschen bzw. der sozialen Gruppe. Kunst ist eine Möglichkeit, liegt aber nicht jedem. Militär eignet sich für eine bestimmte Altersgruppe und mag angesichts einer Knappheit an Tellerium-Plasma-Reaktoren für den Kampfroboterbau tatsächlich eine Alternative sein. Dienstleistungen wie Körperpflege, Lebensberatung usw lassen sich durch Menschen eher als durch Maschinen lösen, weil es da ja vor allem ums soziale geht. Lehrtätigkeit (kollektivierte Erziehung?), Gangwesen, Lebenskunst (Klosterwesen) - das kann alles elementare Bedürfnisse des Menschen befriedigen. Und einfach schlecht automatisierbar sein.
Ich behaupte mal:
In politische offenen und marktoffenen Systemen wird es Automatisierung an bestimmten Stellen geben - eine Demokratie könnte Kampfroboter mögen, sie mag auch billige Konsumgüter, aber sie mag keine Wähler, die vor lauter Arbeitslosigkeit gefrustet sind. Dann sind eben alle Wirt, weil geselliges Drogennehmen auch in Zukunft Konjunktur hat.
In Autokratischen Systemen wird automatisiert, wo man halt will, fertig. In wirtschaftlich restriktiven Systemen besteht eher eine Tendenz zur automatisierten Verteilung, und Automatiserung dürfte eher spärlich sein - nämlich dort, wo es sich angesichts der ohnehin knappen Güter rentiert.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 11.09.2011 | 22:15
1) Das war nicht die Frage. Die Frage war, ob es eine Kamera gibt, die kleiner als das menschliche Auge ist.
eine Kamera, die in allen Punkten zugleich unter allen Umständen besser ist und dabei noch eine vernünftige Größe hat (im Idealfall gleich groß oder kleiner wie das menschliche Auge mit zugehöriger Wetware)


Zum Thema:

Je nach Spielfokus kann ja auch eine lokale Zwangslage völlig ausreichend, wie bei Zauberelefant angeklungen.

Dann trifft man eben eventuell als menschlicher Raumfahrer auf voll automatisierte Schiffe und kann sich ärgern, dass man den Mist selber machen muss (hatten wir ja weiter vorne auch schon mal angeschnitten).

Also z.B. eine Planwirtschaft, die es schlicht nicht auf die Reihe bekommt, alles zu automatisieren.
Oder eine Raumfahrt, die für die gefährlicheren Sachen Straftäter heranzieht, die sich so rehabilitieren können?

(Ich erinnere mich auch dunkel an eine Kurzgeschichte, in der es darum ging, dass zwei Kolonisten von irgendeinem Höllenloch zurückkehrten.
Die dort verbrachte Zeit wurde ihnen u.A. als "vorgeleistete" Gefängnisstrafe angerechnet, und beide waren so lange dort, dass sie quasi einen Mord frei hatten - und die Geschichte dreht sich dann darum, wie alle möglichen Leute auf einmal Abbitte leisten...)

Wenn der Automatisierungskram schlicht so teuer ist, dass man ungeachtet der Risiken lieber Menschen nimmt, müsste man eben entsprechende Anreize schaffen.
Und SCs in Zwangslagen sind ja immer eine dankbare Sache  ;D
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Zauberelefant am 11.09.2011 | 22:28
Man kann den Gedanken ja noch weiter spinnen:
Vielleicht verlangt die Gesellschaft Dienst auf dem Raumschiff - "Quelle unseres Wohlstands - Melde Dich zur Raumwaffe!" - Alternativ mag es auch religiöse Gründe geben "Unsere Bestimmung sind die Sterne, Brüder!" - Oder es gibt KI, die wählen dürfen, und die gründen eine Ethik-Kommission gegen den versklavenden Einsatz von KI. "Wenn der Mensch nicht arbeiten muss, muss XC137A das auch nicht!"
 
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.09.2011 | 22:50
Oder es gibt KI, die wählen dürfen, und die gründen eine Ethik-Kommission gegen den versklavenden Einsatz von KI. "Wenn der Mensch nicht arbeiten muss, muss XC137A das auch nicht!"
Die Idee ist super.  :d

Das wäre mein favorisierter Ansatz.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 12.09.2011 | 07:31
[...]
Also z.B. eine Planwirtschaft, die es schlicht nicht auf die Reihe bekommt, alles zu automatisieren.
[...]

Wieso sollte eine Planwirtschaft das nicht auf die Reihe bekommen. Magst Du keine Konzerne?

Zitat
Wenn der Automatisierungskram schlicht so teuer ist, dass man ungeachtet der Risiken lieber Menschen nimmt, [...]

Das kommt mir sehr unplausibel vor. Sehr, sehr, sehr unplausibel.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 12.09.2011 | 07:47
So ein setting (roboter mit eigeninteressen) finde ich lustig für eine satirische kurzgeschichte a la "waschmaschinenplage" von stanislav lem.
Aber spielen wollte ich das nicht.


Ich könnte mir vorstellen dass das gefälle zwischen arm und reich etwa dem in sao paolo entspricht, es (radioaktiv verseuchte riesen) favelas und sowas wie sklaverei bzw billigstlohn haushaltshilfen gibt und moderne und intelligente sicherheitstechnologie reich vor arm schützt. Roboter in menschenform könnten als neue todesschwadron in den favelas agieren. die automatisierung ist sehr weit fortgeschritten und für einfache arbeiten braucht es dort keine menschen mehr. Maschinen werden über biotechnische schnittstellen mit dem menschen gesteuert und cyberware, kinder nach katalog und biologisches tuning sind normal für leute die es sich leisten können. Weiterhin könnte man sich überlegen, was die forschung mit teilchenbeschleunigern ergeben hat und die klimaveränderung. Grundsätzlich finde ich dass district 9 die richtige stimmung für meinen geschmack trifft.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 12.09.2011 | 08:38
Grey. Zu deinem wunsch dass raumfahrt dem piloten noch spass macht:
Er könnte die maschine riggen und sie als erweiterung seines körpers wahrnehmen.
Da dies natürlich sehr ermüdend sein muss, tun das mehrere piloten in überschneidender schichtarbeit und bei besonders kritischen ereignissen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 12.09.2011 | 09:40
Zunächst: "Die Automatisierung" gibt es ja gar nicht, wird es nicht geben.
Touché, Tudor. :) Bevor ich mir Gedanken um eine Gegen-Automatisierung in bestimmten Bereichen mache, hätte ich mir vielleicht erst mal Gedanken um die Mechanismen machen sollen, die bezogen auf diesen Bereich die Automatisierung vorantreiben. "Vor der Parade muß man erst mal sehen, von wo die Attacke kommt."

Und diesbezüglich hat AO schon so ziemlich geschrieben, was mein Gedanke dazu war:
Das verstehe ich jetzt nicht ganz: Was hat die humanoide oder nicht-humanoide Form eines Automaten mit meinem Problem zu tun?

Was ich also in den Topf werfen möchte: "Mentalitäten" differieren in ihrer Risikobewertung. Das könnte man ausnutzen.
Stimmt. Auf diese Weise blieben auf jeden Fall mehrere konkurrierende Modelle (und damit konkurrierende Grade/Ausprägungen an Automatisierung) "im Rennen". Um mein gewünschtes Setting zu erhalten, bräuchte ich dann nur einen glaubwürdigen Geschichtsverlauf, bei dem sich "Handarbeit" in den gewünschten Bereichen auf lange Sicht gegen "Automatisierung" durchsetzt.

Automatische Kolonisierung? Bitte nicht. Sollte jemals eine Software Schritte ausgeführt haben, mit denen die involvierten Menschen nicht einverstanden sind, dürfte 100% Automatisierung gegessen sein. Und zur Sicherheit lieber ein bisschen zu wenig als zu viel.
Naja, selbst bei "nicht-automatisierten" Modellen wurde in der Geschichte oft genug herzhaft wenig Rücksicht auf das Einverständnis der involvierten Menschen genommen. ;) Man denke nur an die Gefangenenkolonien der Australier oder daran, wie die Assyrer besiegte Völker umzusiedeln pflegten.

Dann nehm ich mal an, braucht man da auch nix zu beisteuern? Herbert sollte mit seinen Zen-Sufis, Bene Gesserit etc ja ausreichend inspirieren.
Jein. Herbert hatte mit Butlers Jihad auch das Automatisierungsproblem schon sehr umfassend gelöst. Die Frage "Wofür Mentaten ausbilden, wenn's Computer gibt?" stellte sich bei ihm gar nicht.

Für mich ist das ein bißchen ein Henne-Ei-Problem: Die Religionen und Weltanschauungen könnten maßgeblich dazu beitragen, Automatisierung [in bestimmten Bereichen] einzuschränken. Bislang fällt es mir aber schwer, mich in Religionen und Weltanschauungen hineinzudenken, die in einer Zeit "übermäßiger Automatisierung" entstanden sind, also quasi als Reaktion auf das "Überflüssigkeitsgefühl", das sich in der Bevölkerung breitmachte.

Vielleicht sollte ich mir hier mal zur Inspiration Rom während des Kaiserreiches ansehen. Da ließ sich ja im wesentlichen ein Großteil der Bevölkerung mit "panem et circenses" berieseln, aber Kulte als Zeitvertreib waren, wenn ich mich recht erinnere, ebenfalls sehr beliebt.

Nach Maslow will der Mensch soziale Kontakte, Anerkennung und Selbstverwirklichung. Es wäre natürlich denkbar, daß irgendwo eine KI Menschen als überflüssig eingestuft hat und entsprechend wegrationalisierte - abschreckendes Beispiel für die anderen, die das Thema sicherlich vorsichtiger angehen.
Um das zu erleben, brauchen wir eigentlich nicht erst in die SF zu gehen. Man bekommt es doch im Arbeitsalltag oft genug mit, wie Unternehmensberater mal eben eine ganze Abteilung wegrationalisieren. Und als Softwareentwickler hatte ich durchaus meine Momente, wo der Auftraggeber begeistert jauchzte: "Mit diesem Programm kann ich 20 Leute einsparen!" ... und ich in diesem Moment am liebsten den Kram hingeschmissen hätte, weil ich dafür nicht verantwortlich sein wollte. :(

Dann sind eben alle Wirt, weil geselliges Drogennehmen auch in Zukunft Konjunktur hat.
"Flatrate-Saufen im Weltraum - Das ultimative SF-Rollenspiel". ;D

OK, aber du hast schon recht: daß Kneipen und Drogenhöhlen in einer Zeit mit über 75% Arbeitslosigkeit Hochkonjunktur haben, kann ich mir durchaus vorstellen. Ist ja auch im Cyberpunk ziemlich gang und gäbe, aber irgendwie hatte ich das bislang vollkommen ausgeblendet. Danke. :)

In Autokratischen Systemen wird automatisiert, wo man halt will, fertig. In wirtschaftlich restriktiven Systemen besteht eher eine Tendenz zur automatisierten Verteilung, und Automatiserung dürfte eher spärlich sein - nämlich dort, wo es sich angesichts der ohnehin knappen Güter rentiert.
Das wäre noch ein weiterer interessanter Ansatz: "Automatisierungsentzug als Strafe". Straftätern wird der Zugang zu diversen technischen Hilfsmitteln gestrichen, und sie fangen an, diversen Kram in Handarbeit zu erledigen... und irgendwann kommt eine Krise, in der sich eben diese Ausgestoßenen als, naja, in irgendeiner Weise besser erweisen als die ganzen vollautomatischen Systeme. So halte ich es z.B. für glaubwürdig, daß vollautomatische Systeme sich auch in ein paar Jahrhunderten noch nicht fortpflanzen können, sondern die Infrastruktur einer ganzen Industrienation erfordern, um erneuert zu werden. Wenn diese Infrastruktur zusammenbricht oder ernsthaft geschädigt wird, sind die Ausgestoßenen, die alles von Hand erledigen, plötzlich wieder ganz hoch im Kurs.

Grey. Zu deinem wunsch dass raumfahrt dem piloten noch spass macht:
Er könnte die maschine riggen und sie als erweiterung seines körpers wahrnehmen.
Danke, Alice, aber wie schon gesagt: das "von Hand" fliegen meine ich wirklich wörtlich. Für mich gehört es unverzichtbar zu Fluff und Flair, daß der Pilot mit Steuerknüppel, Knöpfen, Hebeln und Schaltern hantiert.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 12.09.2011 | 09:50
Dann würde ich vielleicht doch über gesellschaftlich-religiöse moralvorstellungen a la fading suns nachdenken, die gewisse auferlegte einschränkungen mit sich bringen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 12.09.2011 | 09:54
Zitat
das "von Hand" fliegen meine ich wirklich wörtlich. Für mich gehört es unverzichtbar zu Fluff und Flair, daß der Pilot mit Steuerknüppel, Knöpfen, Hebeln und Schaltern hantiert.

Dazu musst du kybernetische Steuerung / Rigging als technologisch unmöglich definieren, oder so ineffizient/wenig ausgereift/gefährlich etc. dass es sich einfach nicht lohnt. Denn wenn es technisch machbar wäre, gäbe es garantiert genügend Leute, die das geil finden, und wer sich dann dieser paar Leute bedient, hat einen riesigen militärischen Vorteil gegen die "Ludditen", die diese Technologie aus ethischen oder ähnlichen Gründen ablehnen.

Im Prinzip das gleiche Szenario, wie wenn eine Seite "Supersoldaten" züchtet/baut, die die normalen Soldaten der anderen Seite locker in die Tasche stecken.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 12.09.2011 | 10:01
Das verstehe ich jetzt nicht ganz: Was hat die humanoide oder nicht-humanoide Form eines Automaten mit meinem Problem zu tun?

Oh, sorry, da hätte ich wohl etwas konkreter sein sollen. Meine Aussage bezog sich primär hierauf:

Zitat
Die Robotisierung und Automatisierung reicht schon heutzutage von der Rohstoffförderung bis in den Dienstleistungssektor.

Ich denke, wenn man sich ansieht, wo heute besonders viel bzw. besonders wenig automatisiert wird, hat man eine gute Ausgangsbasis für Prognosen. Beispiel: Gastronomie: es möchte anscheinend niemand von einem automatischen System bedient werden, sonst gäbe es da sicherlich mehr Technik. Wohingegen in der Rohstoffgewinnung / Verarbeitung / Produktion die Automatisierung sehr umfangreich ist.

Den anderen Passus über humanoide Automaten wollte ich nur nochmal unterstreichen, weil ich die Diskussion darüber für das Thema eher uninterssant finde, wie generell die Diskussion über KIs. Man kann ja durch Automatisierung den Menschen schon fast überflüssig machen ohne auf menschenähnliche KIs zurückzugreifen. Auch wenn die Diskussion an sich durchaus interessant ist.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 12.09.2011 | 10:04
Dazu musst du kybernetische Steuerung / Rigging als technologisch unmöglich definieren, oder so ineffizient/wenig ausgereift/gefährlich etc. dass es sich einfach nicht lohnt.

Aber es ginge auch über ein Gentleman's Agreement. Im Prinzip so wie die Ächtung bestimmter Kriegsmittel heutzutage.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 12.09.2011 | 10:13
Fading suns löst es mit einer mächtigen inquisition und der angst dass das universum untergehen könnte oder so ähnlich.
Sie machen da auch techniker für vergangene katastrophen verantwortlich glaub.
Eine sehr ambivalente gesellschaft.

Eine andere lösung wär vielleicht doch ein scifi setting wie man es früher angenommen hätte.
Stanislav lem ohne seine satirischeren stories?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 12.09.2011 | 10:15
@Tudor:
Ich glaube nicht, dass da ein Gentleman's Agreement plausibel wäre. Schau doch mal wie das heute ist:
- Atomwaffen: viele Staaten besitzen sie, andere streben nach ihnen. Immerhin sind die momentanen Besitzer so vernünftig, sie nicht einzusetzen. Grund dafür sind die hohen Kollateralschäden und langfristige Kontamination, also sagen wir mal, "humanitäre Gründe".
- Biologische Waffen: offiziell international geächtet, trotzdem haben viele Staaten beträchtliche Arsenale. Grund für Nichteinsatz wie oben, zuzüglich zu der Gefahr, dass die ausgelösten Seuchen auf den Angreifer zurückfallen und man sie nicht mehr los wird.
- Chemische Waffen: siehe oben. Ebenfalls international geächtet, aber USA, Russland und andere besitzen nach wie vor große Arsenale.

Und wie gesagt werden ABC-Waffen nur deswegen nicht eingesetzt, weil die angerichteten Zerstörungen, zivilen Verluste und Langzeitfolgen zu absurd und unmenschlich sind.
Das alles ist bei einer hypothetischen "Vercyberung" nicht der Fall. Die damit ausgerüsteten Militärs könnten im Gegenteil hocheffizient gegnerische Streitkräfte bekämpfen und Kollateralschäden auf Wunsch minimieren. Man braucht nur ein paar freiwillige, die sich vercybern lassen, und da wird es genügend Techfreaks geben, die sowas geil finden.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 12.09.2011 | 10:19
Dazu musst du kybernetische Steuerung / Rigging als technologisch unmöglich definieren, oder so ineffizient/wenig ausgereift/gefährlich etc. dass es sich einfach nicht lohnt. Denn wenn es technisch machbar wäre, gäbe es garantiert genügend Leute, die das geil finden, und wer sich dann dieser paar Leute bedient, hat einen riesigen militärischen Vorteil gegen die "Ludditen", die diese Technologie aus ethischen oder ähnlichen Gründen ablehnen.
Ich laß es mal sacken. Womit ich durchaus leben könnte, wäre, wenn Rigging auf militärische Raumfahrt beschränkt wäre. Frachter und Passagierraumer würden in der beschriebenen Weise von Hand gesteuert, und natürlich hätten es Piraten schwer, an militärische Hochtechnologie zu kommen, und würden dementsprechend ebenfalls von Hand fliegen. Ein Kriegsschiff soll ja auch bei mir einem Piraten weit überlegen sein. Und meine SCs sollen sich ja überwiegend nicht aus den chromblitzend-epischen Reihen des Militärs rekrutieren, sondern aus den dreckigen Niederungen der Pioniere.

Davon abgesehen liebäugele ich damit, daß Cyberware und Rigging, sofern es sie gibt, die Lebenserwartung gewaltig senken. Oder aber daß sie eine zwangsläufige Umwandlung des Menschen in eine vollständige Maschine einleiten, sprich: alles, was an dir organisch ist, fängt sich durch Cyberware und Rigging auf Dauer Krebs, Nervenleiden o.ä. ein und muß nach und nach ebenfalls ersetzt werden.

Eine andere lösung wär vielleicht doch ein scifi setting wie man es früher angenommen hätte.
Stanislav lem ohne seine satirischeren stories?
Eher Asimov, Brin oder Bova. Aber ja, das ist das Feeling, das ich am liebsten hätte. Nur, daß ich, wie schon erwähnt, bei meinen früheren Entwürfen für solche Settings technisch immer von der Gegenwart überholt wurde. :-\ Ich möchte es halt vermeiden, daß schon wieder Apples neuester Hype an allem vorbeischießt, was ich mir für in 500 Jahren überlegt hatte, also verfolge ich diesmal den Ansatz: "Die Hürden sind nicht technischer Natur".
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 12.09.2011 | 10:28
@feuersänger: mich freiwillig als rigger meld
@grey: hm. Ja. Verstehe jetzt was du willst. Aber vielleicht muss man über die diskrepanz einfach hinwegsehen und sich die romantik des wilden westens zurück in die imaginäre zukunft holen :)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 12.09.2011 | 10:32
Die angedeuteten schäden des rigging sind grösstenteils plausibel.
Je mehr rigging desto mehr passt sich das hirn an desto weniger gut findet man sich in der realität zurecht.
Phantomschmerz u.ä. ist gut vorstellbar...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 12.09.2011 | 10:36
@grey: hm. Ja. Verstehe jetzt was du willst. Aber vielleicht muss man über die diskrepanz einfach hinwegsehen und sich die romantik des wilden westens zurück in die imaginäre zukunft holen :)
Wie stellst du dir das konkret vor?

Die angedeuteten schäden des rigging sind grösstenteils plausibel.
Das freut mich schon mal zu hören bzw. lesen, gerade von einem Profi. Danke. :)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 12.09.2011 | 10:41
@Feuersänger: ja, das wollte ich auch gar nicht wegreden. Aber ein Nicht-Einsatz trotz Verfügbarkeit ist ja dennoch ein Nicht-Einsatz  ;)

Natürlich muss man sich einen belastbaren Grund überlegen, warum das Zeug nicht eingesetzt wird. Vielleicht muss bei Rigging zuviel ethisch fragwürdige Genmanipulation o.ä. eingesetzt werden...

Aber ich sehe auch, dass solche "Kniffe" wieder an der technischen Machbarkeit ansetzen, die wir ja ausklammern wollen  :-X
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 12.09.2011 | 10:47
Aber ich sehe auch, dass solche "Kniffe" wieder an der technischen Machbarkeit ansetzen, die wir ja ausklammern wollen  :-X
Jein. "Technisch machbar, aber mit verheerenden Nebenwirkungen" wäre für mich durchaus etwas, womit ich arbeiten kann.

Es müßte halt nur so sein, daß nicht schon wieder in den nächsten 20 Jahren herauskommt, daß die prognostizierten Nebenwirkungen Bullshit sind... :-\
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 12.09.2011 | 10:54
Die Sache ist, dass Pirx in keinem Hard SF Setting lebt.

Und zu Maschinen, die Eigeninteressen verfolgen:
Für den Actionfan sei hier Transformers empfohlen.
Für den philosophisch Interessierten sei hier Transhuman Space empfohlen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 12.09.2011 | 10:58
Pirx? Meint ihr Pirk aus Star Wreck?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 12.09.2011 | 11:05
Pirx ist eine literarische Figur, die in vielen (hauptsächlich satirischen) Geschichten von Stanislaw Lem auftauchte. Von Hard SF sind diese Geschichten aber so weit entfernt wie sonst etwas.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 12.09.2011 | 11:06
Wenn du richtig gute rigger willst züchtest du sie wohl schon im säuglingsalter heran.
Später ist das denk aber auch noch möglich. Kriegst du halt nicht so krassomaten.

Beispiele aus der neuroforschung die der vorstellung helfen könnten:
- kätzchen die in einer kritischen entwicklungsperiode verschlossene augen haben, können nachher nichts sehen weil dem cortex der imput zur korrekten entwicklung gefehlt hat
- kröten denen man ein drittes auge einpflanzt entwickeln auch augendominanzsäulen für drei augen im cortex
- der cortex ist auch im erwachsenenalter plastisch. Werden bevorzugt zwei finger benutzt vergrössert sich das areal im cortex das diese repräsentiert. Allerdings wächst es nicht an masse sondern andere areale verkleinern sich dafür
- phantomschmerz rührt daher dass die areale im cortex die das mittlerweile amputierte gliedmass repräsentieren plötzlich arbeitslos sind, und dann u.u. einfach teile des gesichts repräsentieren. Aber das muss ich nochmal genauer nachlesen. Es ist mir nicht mehr ganz geläufig.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 12.09.2011 | 11:13
Jein. "Technisch machbar, aber mit verheerenden Nebenwirkungen" wäre für mich durchaus etwas, womit ich arbeiten kann.

Es müßte halt nur so sein, daß nicht schon wieder in den nächsten 20 Jahren herauskommt, daß die prognostizierten Nebenwirkungen Bullshit sind... :-\

Ja, das verstehe ich. Hattest du ja anfangs schon als Vorgabe gemacht. Ich sehe da nur das Problem, dass man nur spekulieren kann, wenn man von nicht-linearer Entwicklung ausgeht. Und diese ist ja der plausiblere Fall. Erikson hatte mal von Plateaus geschrieben. Diese kann man ja rückwärtsblickend auch feststellen. Ich würde sogar sagen, dass das "Plateau" der Grundzustand ist, von dem man sich mit einem Durchbruch sprunghaft zur nächsten "Stufe" entwickelt. Die Frage ist doch: auf welchem Feld ist der nächste Durchbruch? Das kann man imo kaum vorhersagen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 12.09.2011 | 11:30
Die Sache ist, dass Pirx in keinem Hard SF Setting lebt.
Tja. :-\

Meinen Lieblingsautoren war dasselbe Problem nach dem Abklingen des "Golden Age" ja selber bewußt. Vor allem Asimov ging in seinen späten Romanen herrlich ironisch damit um. So bricht z.B. in einem seiner Romane aus den 80ern ein Raumfahrer die Konversation mit seiner Passagierin mit folgenden Worten ab: "Entschuldigen Sie mich jetzt. Dieses Schiff setzt zur Landung an, und ich muß den Computer, der es lenkt, intelligent anstarren, damit man mir glaubt, daß ich der Kapitän bin."

Wenn du richtig gute rigger willst züchtest du sie wohl schon im säuglingsalter heran.
_Das_ ist mal ein richtig interessanter Gedanke! :) So etwas würde in Richtung einer ameisenähnlichen Kastengesellschaft abzielen: bei deiner Geburt wird schon festgelegt, welche Maschine du einmal sein wirst...

Ich würde sogar sagen, dass das "Plateau" der Grundzustand ist, von dem man sich mit einem Durchbruch sprunghaft zur nächsten "Stufe" entwickelt. Die Frage ist doch: auf welchem Feld ist der nächste Durchbruch? Das kann man imo kaum vorhersagen.
Jein. Auf dem Gebiet der IT ist der letzte wahrhaft revolutionäre Durchbruch schon eine ganze Weile her. Er ließ aber genug Entwicklungsspielraum, daß wir allein durch konsequente Weiterentwicklung nach wie vor ein wahnwitziges Innovationstempo erleben. Auf der anderen Seite stagniert die bemannte Raumfahrt im Grunde seit den späten 70ern. Man muß sich doch nur mal angucken, mit was für Eimern der Pendelverkehr zur ISS aufrechterhalten wird. Deshalb fällt es mir wahnsinnig schwer, mir glaubhaft ein Szenario vorzustellen (geschweige denn, anderen zu vermitteln), bei dem die bemannte Raumfahrt den Sprung quer durchs Sonnensystem geschafft hat, die IT aber auf dem heutigen Stand +5 Jahre "eingefroren" sein soll. Ergo Flucht nach vorne: für die IT gehe ich davon aus, daß so ziemlich alle _technologischen_ Hürden gefallen sind. Dann kann wenigstens die Gegenwart nicht länger "Hase und Igel" mit mir spielen.

Nun muß ich halt nur schauen, worauf sich aus wirtschaftlich/sozialen Erwägungen heraus die Menschheit einpendelt, um aus diesem "unbeschränkten" Pool auch tatsächlich zu schöpfen - und was sie in die Büchse der Pandora zurückstopft und den Deckel wieder draufmacht. Natürlich möchte ich, daß diejenige Technik wieder in der Büchse verschwindet, die sich für mich dramaturgisch uncool anfühlt. ;) Und dafür bietet dieser Thread ja inzwischen jede Menge Anregungen. Ich glaube, ich bin dicht dran.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: The_Nathan_Grey am 12.09.2011 | 11:32
Habe  jetzt nicht alles durchgelesen und keine Ahnung ob es hier schonmal erwähnt wurde. Aber nimm doch z.B. das Comic The Surrogates (http://en.wikipedia.org/wiki/The_Surrogates) oder wenn es dir eher liegt den passenden Film (http://de.wikipedia.org/wiki/Surrogates_%E2%80%93_Mein_zweites_Ich). Darin geht es um eine Welt in der Menschen durch Maschinen ersetzt werden, nur halt auf eine etwas andere Art und Weise. Denn die Menschen steuern Duplikate von sich bzw. Roboter die so sind wie sie im echten Leben gerne wären.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 12.09.2011 | 11:38
@grey:  :d

als ideale schnittstelle sehe ich übrigens das gehirn direkt an.
das sollte die maximale auflösung geben.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 12.09.2011 | 11:51
Ich müßte mir dann nur noch überlegen, ob diese Rigger-Kastengesellschaft zur düsteren Vergangenheit gehört, oder ob sie einen Antagonisten in der Gegenwart darstellt... schönen Gruß von den Borgs, sozusagen. >;D
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 12.09.2011 | 12:11
Oh dear! Hoffentlich träum ich davon nicht noch schlecht...  :gasmaskerly:
man frage sich auch wie es ist wenn maschinen partiell von mehreren menschen gesteuert werden und man gewisse inputs mit seinem nachbarn teilt im sinne sicherer paralleler verarbeitung wenn mal einer "ausfällt". Da wären wir dann bei deinen ameisen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 12.09.2011 | 12:20
Auf dem Gebiet der IT ist der letzte wahrhaft revolutionäre Durchbruch schon eine ganze Weile her. Er ließ aber genug Entwicklungsspielraum, daß wir allein durch konsequente Weiterentwicklung nach wie vor ein wahnwitziges Innovationstempo erleben.

Naja, hängt davon ab, was man als Innovation auffasst  ;) Und damit meine ich nicht, was das Patentrecht als Innovation zulässt  :gasmaskerly:

Aber um auf die bemannte Raumfahrt zurückzukommen: genau da ist ja in der Regel der Durchbruch, den jedes Weltraum-Setting aufweist; zumeist bei Antrieb / Energieerzeugung.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 12.09.2011 | 12:30


Im Prinzip das gleiche Szenario, wie wenn eine Seite "Supersoldaten" züchtet/baut, die die normalen Soldaten der anderen Seite locker in die Tasche stecken.
und wenn sich die andere Seite 500.000 Gute Normalkampfsoldaten aktiv leisten kann + Reserven , die andere nur 1000 Supersoldaten ohneReserve bei gleichem Ressourcenaufwand...

und 1 zu 50 ist keine 50% Chance für den Supersoldaten auf ein Unentschieden.

 Auf der anderen Seite stagniert die bemannte Raumfahrt im Grunde seit den späten 70ern. Man muß sich doch nur mal angucken, mit was für Eimern der Pendelverkehr zur ISS aufrechterhalten wird. Deshalb fällt es mir wahnsinnig schwer, mir glaubhaft ein Szenario vorzustellen (geschweige denn, anderen zu vermitteln), bei dem die bemannte Raumfahrt den Sprung quer durchs Sonnensystem geschafft hat, die IT aber auf dem heutigen Stand +5 Jahre "eingefroren" sein soll.
IT ist ohne Durchbruch fertigentwickelt, erwartete Verbesserungen stehen in keinem Verhältnis zum Aufwand, Raumfahrt ist profitabel bzw überlebensnotwendig(damit hast du auch ne Erklärung für Raumpiloten, Zeit die Technik zu entwickeln und das Geld hat man nicht)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 12.09.2011 | 12:41
Aber um auf die bemannte Raumfahrt zurückzukommen: genau da ist ja in der Regel der Durchbruch, den jedes Weltraum-Setting aufweist; zumeist bei Antrieb / Energieerzeugung.
Eben, eben. Für mein Setting muß ich gleich von einer ganzen Reihe bahnbrechender Neuerungen in der Raumfahrt ausgehen - derzeit die "Schnecke" unter den Forschungsgebieten. Daß dann aber die IT, derzeit der "Wanderfalke" unter den Forschungsgebieten, plötzlich für Jahrhunderte in Stillstand verfällt, strapaziert mein Suspense of Disbelief stärker als eine Schwanensee-Aufführung mit Orks im Tütü. Damit in meinem Kopf Platz für den notwendigen Entwicklungsschub in der Raumfahrt ist, muß die IT verdammt gut vorlegen. Also: technische Hürden für die IT ade, soziale/wirtschaftliche/ethische Hürden herzlich Willkommen.

(damit hast du auch ne Erklärung für Raumpiloten, Zeit die Technik zu entwickeln und das Geld hat man nicht)
Inwiefern? Der aktuelle Automatisierungsgrad in der Raumfahrt genügt doch schon, um Piloten überflüssig zu machen?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 12.09.2011 | 12:46
Also: technische Hürden für die IT ade, soziale/wirtschaftliche/ethische Hürden herzlich Willkommen.

Gilt Cyberterrorismus als nicht-technisch? Die Entwicklung im IT Wesen muss sich auf Schutz- und Abwehrtechnologien konzentrieren bzw. "neue" weniger anfällige IT-Technologien entwickeln; andere Felder bleiben demenstprechend mangels Finanzierung auf der Strecke. Da IT heute bereits fest in quasi allen Bereichen installiert ist, sind auch alle gesellschaftlichen Bereiche betroffen. Zeitgleich führt die Entwicklung neuartiger Energiegewinnungstechnologien sowie die Möglichkeit extraterrestrische Ressourcen auszubeuten zu einem Boom in der bemannten Raumfahrt - mit IT-Technologie, die vom heutigen Stand nicht weit entfernt ist.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 12.09.2011 | 12:51

Inwiefern? Der aktuelle Automatisierungsgrad in der Raumfahrt genügt doch schon, um Piloten überflüssig zu machen?
Ausser es gibt Probleme,
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 12.09.2011 | 13:03
Gilt Cyberterrorismus als nicht-technisch?
Ja, tut er. :) Das würde ich als im weitesten Sinne soziale Rahmenbedingung ansehen, die der technischen Entwicklung eine neue Richtung gibt.

Ausser es gibt Probleme,
OK, an der Stelle möchte ich nochmal auf einen weiteren Grund hinweisen, weshalb ich "Handarbeit" möchte: Fluff und Flair.

In der Fantasy oder in einem Jetztzeit-Szenario habe ich mir angewöhnt, für ein Szenen-Setup zuerst mal zu definieren, wer wo ist und gerade was macht. Das ergibt sich in einer Kultur, in der Menschen praktisch ständig sinnvolle (oder zumindest geforderte) Tätigkeiten zu erledigen haben, automatisch. Beispiele:

"Als du in die Scheune kommst, sind der Bauer und seine Knechte gerade dabei, das Getreide zu dreschen."

"Es ist drei Uhr. Normalerweise müßtest du gerade in deinem Büro sein, oder?"

In Krimi-Szenarien u.ä. kann so etwas durchaus auch plotrelevant werden, wenn nämlich eine Abweichung von der Norm eintritt:
"Du hast recht, normalerweise müßtest du die Burgherrin gerade an ihrem Spinnrad antreffen. Dort ist sie aber nicht."

... und aus diesem Grund (unter anderem) möchte ich, daß es nach wie vor Routine-Aufgaben für SCs zu erledigen gibt, die ihnen nicht von einer Automatik abgenommen werden. Wie zum Beispiel, daß der Pilot auf Wache in seinem Cockpit sitzt und die Kursabweichungen gegen die Toleranzen checkt oder irgendwas in der Art.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 12.09.2011 | 13:03
Mal ein bisschen rumgesponnen, da ich nicht abschätzen kann, wie plausibel folgendes Szenario ist:

Stichwort Ressourcenknappheit

Der gleichzeitige global gewünschte Wechsel der primären Energieerzeugung auf Photovoltaik (Solarzellen) sowie entscheidende Verbesserungen bei Brennstoffzellen als Kraftstoffersatz führen zu Engpässen bei der Siliziumgewinnung. Durch die plötzlich starke Nachfrage nach Silizium für Solarzellen steht dieses nicht mehr in ausreichendem Maße für Schaltkreise zur verfügung; gleichzeitig sorgt der gestiegene Verbrauch von Wasserstoff für Brennstoffzellen dafür, dass der Siliziumnachschub nicht so einfach hochgefahren werden kann, da Wasserstoff zur Siliziumgewinnung benötigt wird.

Bleibt natürlich noch die Frage, warum man nicht einfach die H2 Erzeugung hochfährt. Gut, Kohlenwasserstoffe als Ressource würde ich da mal streichen, aber aus Wasser ist das ja auch nicht so schwierig.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 12.09.2011 | 13:45


OK, an der Stelle möchte ich nochmal auf einen weiteren Grund hinweisen, weshalb ich "Handarbeit" möchte: Fluff und Flair.

...

... und aus diesem Grund (unter anderem) möchte ich, daß es nach wie vor Routine-Aufgaben für SCs zu erledigen gibt, die ihnen nicht von einer Automatik abgenommen werden. Wie zum Beispiel, daß der Pilot auf Wache in seinem Cockpit sitzt und die Kursabweichungen gegen die Toleranzen checkt oder irgendwas in der Art.
der Pilot muss regelmässig, alle 0, 5 - 1h Flug und Maschine checken oder Autopilot führt zu schlechteren Piloten wenn es kritisch wird braucht man gute also verbietet man APs
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 12.09.2011 | 13:49
Stichwort Ressourcenknappheit
Geht auf jeden Fall schon mal in eine Richtung, die mir gefällt. :) Es muß ja nicht zwingend um Silizium und Wasserstoff gehen. Die Kette, die eine durchautomatisierte Gesellschaft am Leben erhält, ist lang und reicht von Rohstoffen zur Fertigung über Energiegewinnung bis hin zu Schmiermitteln, Kühlflüssigkeit und irgendwelchem Zeugs für Reparaturen. Es muß nur an einem davon einen Engpaß geben, und das System gerät ins Taumeln.

Wenn dann noch eine Lobby existiert, die auf Biegen und Brechen am alten System festhält, da sie auf den schwindenden Ressourcen sitzt, behindert das gleichzeitig die "rettende Innovation", die das System auf eine neue Grundlage heben würde.

Umgekehrt kann man davon ausgehen, daß Ressourcen zum Funktionieren einer "Handarbeit-Gesellschaft" immer in mehr oder weniger ausreichendem Maße verfügbar sein werden. Der Mensch ist Teil eines Ökosystems, das auf diejenigen Ressourcen hin optimiert ist, die von Mutter Erde in hohem Maße bereitgestellt werden. Demnach hätte eine "Handarbeit-Gesellschaft" im Falle einer Ressourcenkrise höchstwahrscheinlich den längeren Atem als eine durchautomatisierte Gesellschaft.

der Pilot muss regelmässig, alle 0, 5 - 1h Flug und Maschine checken oder Autopilot führt zu schlechteren Piloten wenn es kritisch wird braucht man gute also verbietet man APs
OK... in einer weniger verschärften Version liefe das auf den Ansatz hinaus, der früher schon mal angeklungen ist: im Normalfall macht der Pilot alles, auch die langweiligen Routineaufgaben, und die Automatik paßt lediglich auf, daß seine Steuerung nicht aus gewissen Parametern hinausläuft. Um eben sicherzustellen, daß der Pilot im entscheidenden Notfall nicht aus der Übung ist.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Zauberelefant am 12.09.2011 | 17:17
Zitat
Für mich ist das ein bißchen ein Henne-Ei-Problem: Die Religionen und Weltanschauungen könnten maßgeblich dazu beitragen, Automatisierung [in bestimmten Bereichen] einzuschränken. Bislang fällt es mir aber schwer, mich in Religionen und Weltanschauungen hineinzudenken, die in einer Zeit "übermäßiger Automatisierung" entstanden sind, also quasi als Reaktion auf das "Überflüssigkeitsgefühl", das sich in der Bevölkerung breitmachte.
Vielleicht sollte ich mir hier mal zur Inspiration Rom während des Kaiserreiches ansehen. Da ließ sich ja im wesentlichen ein Großteil der Bevölkerung mit "panem et circenses" berieseln, aber Kulte als Zeitvertreib waren, wenn ich mich recht erinnere, ebenfalls sehr beliebt.
Gut, dann kann man ja auf Automatisierung mit der Vergöttlichung der Maschine reagieren - wir verstehen die Technologie sowieso nicht, also beten wir sie an, da alles gute aus der Robofabrik kommt. - Oder verteufeln: Die Auserwählten stellen sich dem Leben in den Kolonien, wo noch keine Infrastruktur für die Automatisierung existiert, und lehnen außerdem auch schon Hilfssysteme ab. Andere Möglichkeiten wäre die Hinnahme der Situation, und die Konzentration auf was anderes - Meditation, Erfahrungskulte für Humanismus/Transhumanismus (Schmerz, Vercyberung, Drogen, Sport, Sex etc.) - Oder Religionsmischmasch wie bei Herbert, Zen-Sufis, Judeo-Buddhisten, mit einer Heilserwartung (Erreichen der nächsten Evolutionsstufe - Psionische Fähigkeiten, Transdimensionalität, Verschmelzung mit KI, Unsterblichkeit). Oder, analog zum ausgehenden Rom, eine transzendentale Religion, die sich vom physischen Leben abwendet und Hinwendung zum Nebenmann predigt, als Reaktion auf die Automatisierung auch den Wert von Arbeit hervorhebt. Also sowas wie Katharer-Calvinisten...

Zitat
Um das zu erleben, brauchen wir eigentlich nicht erst in die SF zu gehen. Man bekommt es doch im Arbeitsalltag oft genug mit, wie Unternehmensberater mal eben eine ganze Abteilung wegrationalisieren. Und als Softwareentwickler hatte ich durchaus meine Momente, wo der Auftraggeber begeistert jauchzte: "Mit diesem Programm kann ich 20 Leute einsparen!" ... und ich in diesem Moment am liebsten den Kram hingeschmissen hätte, weil ich dafür nicht verantwortlich sein wollte. :(
Mit "wegrationalisieren" meinte ich nicht bloß die Entfernung aus dem Produktionsprozeß. Menschen verbrauchen Ressourcen, die eine KI zweckmäßiger nutzen könnte...Und nachdem die Maschinennazis die Menschheit fast ausgerottet haben, hat man da Regulierungen beschlossen, ohne auf die Grundlagen für diese Enmtwicklung komplett zu verzichten. Analog zur Entnazifizierung, die ja auch weniger die systemischen Grundlagen des Erfolgs der NS-Diktatur beseitigt hat, als vielmehr andere Lösungen angeboten hat.

Zitat
"Flatrate-Saufen im Weltraum - Das ultimative SF-Rollenspiel". ;D
OK, aber du hast schon recht: daß Kneipen und Drogenhöhlen in einer Zeit mit über 75% Arbeitslosigkeit Hochkonjunktur haben, kann ich mir durchaus vorstellen. Ist ja auch im Cyberpunk ziemlich gang und gäbe, aber irgendwie hatte ich das bislang vollkommen ausgeblendet. Danke. :)
Keine Ursache

Was ansonsten den Einwurf: "Automatisierung ist sehr aufwendig und erfordert eine komplexe Infrastruktur" angeht, ja, das würde ich so unterschreiben. Die meisten Gesellschaften haben technisch das Zeug zur Automatisierung, aber angesichts nicht unendlicher Ressourcen und eines begrenzten Marktes (wer soll den Kram denn hinterher kaufen, wenn alles im Überfluß da ist?) wird dann eben priorisiert, von der aufgeklärten Demokratie, die automatisiert Kriegt führt, weil die Wähler lieber arbeiten gehen, bis hin zu "Spartanerfraktion", die die Wirtschaft automatisieren, aber lieber Krieg führen, weil man ohne Dienstzeit bei Flotte/Armee keine Familie gründen darf...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 12.09.2011 | 18:52
Wieso sollte eine Planwirtschaft das nicht auf die Reihe bekommen.

Stimmt, ich vergaß:
Es gehört ja zu den großen Stärken stark zentralisierter Organisationen mit steilen Hierarchien, auch über große Entfernungen schnellstmöglich genau das Gebrauchte in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen  :Ironie:

Das kommt mir sehr unplausibel vor. Sehr, sehr, sehr unplausibel.
Das kommt auf den Bereich an.
Der Mensch muss für viele Sachen noch nicht mal besser sein als die Vergleichsmaschine, sondern nur ausreichend leistungsfähig für die Anforderungen - da gibt es schon einige Sachen, wo er dann billiger ist.
Und wenn das nur daran liegt, dass man manche Ersatzteile nicht vor Ort herstellen oder bestimmte Wartungsleistungen nicht vor Ort erbringen kann, der Mensch aber sowieso anwesend ist und schon in ausreichender Zahl nachwächst.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 12.09.2011 | 22:02
Stimmt, ich vergaß:
Es gehört ja zu den großen Stärken stark zentralisierter Organisationen mit steilen Hierarchien, auch über große Entfernungen schnellstmöglich genau das Gebrauchte in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen  :Ironie:

Jedenfalls kriegen das zahllose Planwirtschaften immer wieder gut hin.

Zitat
[...]Der Mensch muss für viele Sachen noch nicht mal besser sein als die Vergleichsmaschine, sondern nur ausreichend leistungsfähig für die Anforderungen - da gibt es schon einige Sachen, wo er dann billiger ist.
Und wenn das nur daran liegt, dass man manche Ersatzteile nicht vor Ort herstellen oder bestimmte Wartungsleistungen nicht vor Ort erbringen kann, der Mensch aber sowieso anwesend ist und schon in ausreichender Zahl nachwächst.

3D-Drucker.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 12.09.2011 | 22:17
3D-Drucker.

(http://artoftrolling.files.wordpress.com/2011/09/chatroulette-trolling-cant-tell-if-trolling-or-just-fraud.jpg)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Madner Kami am 12.09.2011 | 22:28
Stimmt, ich vergaß:
Es gehört ja zu den großen Stärken stark zentralisierter Organisationen mit steilen Hierarchien, auch über große Entfernungen schnellstmöglich genau das Gebrauchte in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen  :Ironie:

Nahezu jede Firma wird notwendigerweise planwirtschaftlich geführt. Geht häufig auch garnicht viel anders. Probleme hat ein Planwirtschaftssystem nur mit unerwarteten Extremen aber das ist in anderen Systemen auch nicht viel anders.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 12.09.2011 | 22:37
Jedenfalls kriegen das zahllose Planwirtschaften immer wieder gut hin.

Und genug andere kriegen es nicht hin. Die genannten Eigenschaften machen das eben im Zweifelsfall noch ein bisschen schlimmer/langsamer als bei anderen Systemen.

3D-Drucker.
Der beherrscht vieles an Herstellungsverfahren nicht, jedenfalls nicht auf einer für Hard SF vertretbaren Technologiestufe.

Und das nötige Rohmaterial bzw. die Werkstoffe müssen auch erst einmal vorhanden sein.
Der 3D-Drucker ersetzt keine komplette Produktionskette.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Fat Duck am 12.09.2011 | 22:40
Inwiefern? Der aktuelle Automatisierungsgrad in der Raumfahrt genügt doch schon, um Piloten überflüssig zu machen?
Wo du das erwähnst ...
Ich hab ja jetzt nicht soviel Plan von der Raumfahrt, aber war das nicht sogar von Anfang an so? Hat man nicht Viecher ins All geschickt, bevor man Menschen raufgeschossen hat?
Ich hatte jetzt nicht das Gefühl, dass Menschen dort oben jemals notwendig waren (nur hatl für Experimente und so).
Ich dachte auch, dass die bemannte Raumfahrt von den Amis eingestellt wird, weil Geld/Interesse einfach nicht da sind, nicht weil man es jetzt plötzlich ohne Menschen schafft.

Was sind denn in anderen Settings die Gründe bzw. was sind RL-Gründe für Raumpiloten?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 12.09.2011 | 22:56
Hat man nicht Viecher ins All geschickt, bevor man Menschen raufgeschossen hat?
Ich hatte jetzt nicht das Gefühl, dass Menschen dort oben jemals notwendig waren (nur hatl für Experimente und so).

Für kurze Flüge (d.h. ohne Improvisationsbedarf vor Ort) war in der RL-Raumfahrt noch nie ein Pilot nötig, ja.

"Experimente und so" ist aber arg flapsig formuliert - man fliegt ja nicht (mehr) zum Selbstzweck da hoch.

RL-Astronauten machen schwerpunktmäßig alles Andere, was außer Fliegen so anliegt - z.B. eben Experimente und Reparaturen durchführen, was derzeit automatisiert nicht in brauchbarer Form möglich ist.

Schon gar nicht, wenn es darum geht, die Auswirkungen längerer Weltraumaufenthalte auf den Menschen zu erforschen - was quasi immer nebenher mit läuft  ;)

Zur Verdeutlichung:
Bei der ESA ist eine Pilotenausbildung nur ein willkommener Bonus, ein abgeschlossenes naturwissenschaftliches, technisches oder medizinisches Studium inkl. zugehöriger Berufserfahrung dagegen Pflicht.


Bei Geschichten, wo man keine Menschen vor Ort braucht, schickt man heute aber bekanntermaßen auch schlicht keine hoch.
Gemessen an dem, was im Weltraum derzeit so alles getrieben wird, sind Astronauten eine ziemliche Randerscheinung.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 12.09.2011 | 23:04
Was sind denn in anderen Settings die Gründe bzw. was sind RL-Gründe für Raumpiloten?

Ein Aspekt ist sicherlich Gewissheit. Der Mensch glaubt auch heute am liebsten nur das, was er mit eigenen Augen gesehen hat. Und da können 100 Drohnen den Planeten erkundet haben; der Mensch will sich am Ende selbst überzeugen.  ;)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 12.09.2011 | 23:08
@ YY
Erst bezeichnest du "Experimente" als arg flapsigen Ausdruck und einen Satz später benutzt du das Wort selber.  ;D

Btw: Bemannte Raumfahrt führt man "nur" wegen der Experimente durch. Reparatur ist zwar ein positiver Nebeneffekt, wenn man schon Menschen oben hat. Aber wie man am Beispiel der Satellitentechnik erkennt: Ohne Experimente lohnt sich kein Reparaturteam. Da ist es billiger, einfach einen neuen Satelliten hochzuschießen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: YY am 12.09.2011 | 23:14
Erst bezeichnest du "Experimente" als arg flapsigen Ausdruck und einen Satz später benutzt du das Wort selber.  ;D

Ja, mit etwas gutem Willen kann man alles falsch verstehen  ::)

Ohne Experimente lohnt sich kein Reparaturteam. Da ist es billiger, einfach einen neuen Satelliten hochzuschießen.
Kommt drauf an, was es denn zu reparieren/zu warten/umzubauen gibt.

Ein x-beliebiger Kommunikationssatellit ist ohne Weiteres ersetzbar - Dinger wie z.B. das Hubble-Teleskop jedoch nicht. Und just zu diesem gab es auch eine ganze Anzahl an bemannten Flügen  ;)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 12.09.2011 | 23:21
OK, da du meinen letzten Post scheinbar falsch verstanden hast, hier die explizite Aussage ohne Smiley:
Ich glaube, du hast Fat Duck falsch verstanden. Er hat genau das gesagt, was du auch meintest.

Btw, Selbstzweck war die bemannte Raumfahrt nie:
Früher war es ein Prestigobjekt, um seine technische Übelegenheit zu demonstrieren. Heutzutage dient sie vor allem der Erforschung von bestimmten Eigenschaften in Schwerelosigkeit (und von mir aus auch der Reparatur des Hubble Teleskops).
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Zauberelefant am 13.09.2011 | 07:38
Eh ichs vergesse: Bei der ganzen Diskussion, ob der technische Fortschritt den Menschen als Piloten überflüssig macht, sind die möglichen Fortschritte in Biotechnik, Pharmazie und Kybernetik untern Tisch gefallen (ja, ich weiß, das wurde vor X Posts mal kurz angerissen).

Wo sind denn da die definitiven technischen Grenzen? Denn ich stell mir eine Gesellschaft, die vor die Wahl gestellt wird, auf Herausforderungen entweder mit einer robotischen oder einer biotechnischen Lösung zu reagieren, etwas spannender vor als das bisher diskutierte. Man stelle sich vor:
"Auf dem Nachbarplaneten stellen sie auf robotische Wirtschaft und Raumfahrt um. Wollen wir das auch machen? - Nein, der Mensch sollte die Priorität genießen! - Aber Menschen sind obsolet! - Dann machen wir sie SOTA....
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 13.09.2011 | 10:04
Gut, dann kann man ja auf Automatisierung mit der Vergöttlichung der Maschine reagieren - wir verstehen die Technologie sowieso nicht, also beten wir sie an, da alles gute aus der Robofabrik kommt. - Oder verteufeln: Die Auserwählten stellen sich dem Leben in den Kolonien, wo noch keine Infrastruktur für die Automatisierung existiert, und lehnen außerdem auch schon Hilfssysteme ab.
Das wäre eine Art "schwacher Frank-Herbert-Ansatz". :) So was in der Art schwebte mir auch schon vor.

Mit "wegrationalisieren" meinte ich nicht bloß die Entfernung aus dem Produktionsprozeß. Menschen verbrauchen Ressourcen, die eine KI zweckmäßiger nutzen könnte...Und nachdem die Maschinennazis die Menschheit fast ausgerottet haben, hat man da Regulierungen beschlossen, ohne auf die Grundlagen für diese Enmtwicklung komplett zu verzichten.
:D Das wäre natürlich ein extrem krasses Szenario. Allerdings favorisiere ich denn doch die "Roboter als Bedrohung"-Stimmung in einer nicht ganz so offensichtlichen Ausführung. Eher so, daß die Roboter ja alles nur zum Besten ihrer Herren und Schöpfer tun; aber was sie (oder die Menschen, von denen sie verbreitet werden) als "das Beste" ansehen, erweist sich auf Dauer als ziemlich krank und führt in Dekadenz, Verfall oder Massendepression.

Ich hab ja jetzt nicht soviel Plan von der Raumfahrt, aber war das nicht sogar von Anfang an so? Hat man nicht Viecher ins All geschickt, bevor man Menschen raufgeschossen hat?
Korrekt. Die allerersten Vehikel, die man überhaupt hochgeschossen hat, waren ohnehin komplett unbemannt. Der Sputnik kam vollautomatisch in seiner Umlaufbahn an.

Ich hatte jetzt nicht das Gefühl, dass Menschen dort oben jemals notwendig waren (nur hatl für Experimente und so).
Es ging mir in diesem Thread auch nicht darum, die Notwendigkeit bemannter Raumfahrt zu eruieren. Es ging mir darum, daß _wenn_ Menschen schon mal da oben rumschwirren (aus welchen Motiven auch immer), sie dann auch ihre Gefährte selber steuern und nicht per se zu Passagieren degradiert sind. Sozusagen nach dem Prinzip "Wenn schon mal Menschen an Bord sind, sollen sie sich auch nützlich machen". Am liebsten wäre mir dann ein Setting, bei dem der Mensch tatsächlich Aufgaben an Bord hat, die ihn auch für Routineflüge (z.B. Frachter) unverzichtbar machen bzw. zur günstigeren Alternative als vollautomatische, unbemannte Schiffe. Ansätze gab es dafür hier ja inzwischen en masse.

Was sind denn in anderen Settings die Gründe bzw. was sind RL-Gründe für Raumpiloten?
Bei wirklich heiklen Missionen braucht es z.B. im RL (noch) einen Piloten, um schnell und flexibel einzugreifen. Das beste Beispiel dafür ist die Mondlandung von Apollo 11: der vorher ausgewählte Landeplatz, den der Autopilot programmgemäß angesteuert hat, stellte sich aus der Nähe betrachtet als so uneben heraus, daß die Landefähre umgekippt wäre. Neil Armstrong hat an dieser Stelle geistesgegenwärtig eingegriffen, einen anderen Platz ausgewählt und die Fähre manuell gelandet.

Eh ichs vergesse: Bei der ganzen Diskussion, ob der technische Fortschritt den Menschen als Piloten überflüssig macht, sind die möglichen Fortschritte in Biotechnik, Pharmazie und Kybernetik untern Tisch gefallen (ja, ich weiß, das wurde vor X Posts mal kurz angerissen).
Naja, ich möchte schon als Protagonisten Menschen im heutigen Sinne haben, keine "verbesserten" Menschen mit Cyberware oder frisierten Genen. Für Antagonisten würde ich mich auf letztere durchaus einlassen. ;D
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 13.09.2011 | 12:13
Pirx ist eine literarische Figur, die in vielen (hauptsächlich satirischen) Geschichten von Stanislaw Lem auftauchte. Von Hard SF sind diese Geschichten aber so weit entfernt wie sonst etwas.
Nein. Sie sind so nah dran an einer wirklich möglichen Entwicklung wie kaum etwas, das ich sonst kenne. Genau darin zeigt sich die Genialität von Lem.
Die Wurzeln der "science fiction" war keine, die man heute mit "science" verbindet, sondern eine eminent "geisteswissenschaftliche". Wenn man sie von diesen Wurzeln abtrennt, weil die nicht "science" genug sein soll(t)en - dann wird man nicht etwa die Wurzeln los, sondern die "science fiction", denn die überlebt die Trennung nicht. Aber die Wurzeln treiben neu aus.

Ich bräuchte konkrete Mechanismen, wie sich dieses "nicht wollen" äußert. Wenn Automatisierung machbar ist, gibt es auch eine Gruppe, die sie durchsetzen will. Wenn sie praktisch und wirtschaftlich ist, braucht es eine starke Gegenbewegung, damit sie am Ende doch nicht kommt. Diese Gegenbewegung möchte ich gern konkreter fassen: ihre Motive, ihre Überzeugungen und die Mittel, mit denen sie sich durchzusetzen versucht.
Du reduzierst zu schnell auf die Einzahl. Nicht eine Gruppe wird die Automatisierung wollen - sondern hunderte. Aber jede natürlich nur zu ihren Randbedingungen. Und nicht eine Gruppe wird dagegen sein, sondern zum einen hunderte oder tausende von kleinen Gruppen, und zum anderen eine Masse, die man eigentlich nicht als "Gruppe" fassen kann, weil sie nicht zusammengehören, sondern einfach nur dasselbe tun und nicht tun.
Es gibt immer wieder Dinge, die plant jemand als den großen, weltbewegenden Wurf - und es versandet. Und es gibt Dinge, die macht jemand einfach mal so nebenher, und plötzlich ist es eine neue Mode. Und alle Experten und Besserwisser der ganzen Menschheit zusammen können noch immer nicht erklären, warum etwas Saiten im Menschen zum Klingen bringt, während doch "objektiv viel bessere Produkte" links liegengelassen werden. Der Fehler ist, Objektivität für etwas zu halten, das wirklich wäre oder wenigstens etwas über die Wirklichkeit aussagt. Das kann zwar zuweilen passieren, vor allem in Bereichen, in denen Menschen tatsächlich schon viel über sich und ihre Wahrnehmung gelernt haben, aber das sind eher Glücksfälle. Pirx lebt genau deswegen in einer "Hard SF-Welt", weil er mit der ganzen Absurdität konfrontiert wird, die der Mensch nicht loswerden kann, weil er selbst absurd ist. Ich meine, was soll man von Wesen halten, deren einige in der Lage sind, ihr eigenes freies Denken zu leugnen - und dann andere dazu auffordern, sich dieser Meinung anzuschließen? Ja, wie sollen sie denn?

Du fragst nach Überzeugungen. Braucht man so etwas, um zu erklären, was sich ereignen konnte? Geschichte ereignet sich zu einem sehr ordentlichen Anteil nach dem Zufallsprinzip. Laß einen, der den perfekten Autopiloten erfunden hat, in einen Pädophilen-Skandal hineingeraten, und der perfekte Autopilot ist Geschichte, bevor er Gegenwart werden konnte. Und der fast ebensogute Entwurf scheitert, weil der, der mit ihm die Chefetage erobern wollte, einem Konkurrenten unterlegen ist, und der kann nun aus Gründen der Raison den Entwurf natürlich nicht umsetzen, wie gut er auch wäre.
Du möchtest Motive? Unbehagen, Zweifel, Zögerlichkeit einerseits, Neugier, Fehlinformation, Irrtum, Pech und Glück andererseits. Dazu noch eine ordentliche Melange aus Stolz, Neid und Furcht. Und darin stecken auch schon die Mittel. Entscheidungen werden wohl bis in alle Ewigkeit durch eine Mischung aus Mundpropaganda, Unlust und Neugier geprägt sein. Unlust drängt auf Verharren beim Althergebrachten, Neugier drägt auf Ausprobieren des Neuen, und Mundpropaganda bestimmt, auf welche Dinge die Neugier sich richtet, bevor sie "aufgebraucht" ist. Der Verstand kommt nur ins Spiel, wenn jemand fragt, "warum hast Du denn...", denn dann ist er gefragt, eine möglichst plausible Behauptung aufzustellen, die das Gegenüber davon abbringt, einen mit weiteren Fragen zu nerven. Für die Entscheidungen selbst ist der Verstand oft gar nicht zuständig - er kann sogar protestieren, so viel er will, es hört doch keiner auf ihn.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 13.09.2011 | 15:03
Die Wurzeln der "science fiction" war keine, die man heute mit "science" verbindet, sondern eine eminent "geisteswissenschaftliche". Wenn man sie von diesen Wurzeln abtrennt, weil die nicht "science" genug sein soll(t)en - dann wird man nicht etwa die Wurzeln los, sondern die "science fiction", denn die überlebt die Trennung nicht. Aber die Wurzeln treiben neu aus.
Erstens: Ich sprach nicht von den Wurzeln von Science Fiction sondern ich sprach von Science Fiction.

Und ich sprach nichtmal von irgendeiner Science Fiction sondern ich sprach von Hard SF. Das ist nochmal ein besonderes Subgenre der SF.
Und wieso sollte die Science Fiction es nicht überleben, wenn sie sich von ihren Wurzeln trennt? wtf?

Zitat
Pirx lebt genau deswegen in einer "Hard SF-Welt", weil er mit der ganzen Absurdität konfrontiert wird, die der Mensch nicht loswerden kann, weil er selbst absurd ist. Ich meine, was soll man von Wesen halten, deren einige in der Lage sind, ihr eigenes freies Denken zu leugnen - und dann andere dazu auffordern, sich dieser Meinung anzuschließen? Ja, wie sollen sie denn?
Ich glaube, du verwechselst hier Hard SF (http://en.wikipedia.org/wiki/Hard_SF) mit Social Fiction (http://en.wikipedia.org/wiki/Social_Fiction).

Pirx lebt vielleicht in einer Social-Fiction-Welt, aber definitiv in keiner Hard-SF-Welt.

Btw, es ist kein Widerspruch, das freie Denken zu leugnen und andere aufzufordern, sich dieser Meinung anzuschließen. Es wäre nur ein Widerspruch, wenn man glaubt, die anderen hätten die freie Wahl, ob sie sich der Meinung anschließen oder nicht.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 13.09.2011 | 15:57
Die Wurzeln der "science fiction" war keine, die man heute mit "science" verbindet, sondern eine eminent "geisteswissenschaftliche".
Inwiefern war Jules Verne geisteswissenschaftlich?

Du reduzierst zu schnell auf die Einzahl. Nicht eine Gruppe wird die Automatisierung wollen - sondern hunderte.
Sicher. Nichtsdestoweniger wird in einer bestimmten Situation, bezogen auf ein bestimmtes Automatisierungsgebiet jeweils eine überschaubare Anzahl Gruppen beteiligt sein. Und genau hier bin ich auf der Suche nach konkreten Mechanismen und Szenarien, die die Entwicklung in eine bestimmte Richtung drängen - unter ausdrücklicher Berücksichtigung dessen, daß die Menschheit ein statistisches Phänomen ist und nicht eine einzelne Entwicklung ausschlaggebend sein wird, sondern eine Vielzahl von kleinen Konflikten, die von der Tendenz her am Ende in eine bestimmte Richtung "driften".

Pirx lebt genau deswegen in einer "Hard SF-Welt", weil er mit der ganzen Absurdität konfrontiert wird, die der Mensch nicht loswerden kann, weil er selbst absurd ist.
In Bezug auf Geisteswissenschaft, möglicherweise. Speziell die Geschichten um Pirx kenne ich nicht. Wenn sie allerdings dem entsprechen, was ich von "Dark Star", "Fiasko" und den "Ijon Tichys"-Geschichten her von Lem kenne, wäre ich selbst in geisteswissenschaftlicher Hinsicht mit dem Etikett "Hard SF" vorsichtig. Lem neigt für meinen Geschmack allzu oft dazu, den übertriebenen Optimismus utopischer SF-Autoren durch einen nicht minder übertrieben verächtlich-pessimistischen Blick auf die menschliche Natur mit ihren Schwächen zu ersetzen.

Übrigens finde ich es witzig, wie oft mir hier der Vorwurf gemacht wird, ich würde mich auf die technische Entwicklung versteifen und die gesellschaftliche außen vor lassen, obwohl ich vom ersten Posting an ausdrücklich nach gesellschaftlichen Mechanismen gefragt habe, um eine als Voraussetzung angenommene (also eigentlich nicht einmal zur Diskussion gestellte) technische Entwicklung in den Griff zu bekommen. ;)

Du fragst nach Überzeugungen. Braucht man so etwas, um zu erklären, was sich ereignen konnte?
Ja, und wenn diese Überzeugungen nur lauten, daß man jetzt auf die Straße gehen und Vorgärten anzünden sollte, weil "die da oben" mal den Arsch versohlt bekommen müßten - Quintessenz diverser Revolutionen. Habe ich irgendwo was von _rationalen_ Überzeugungen geschrieben?

Und ja, daß Geschichte von vielen, vielen Zufällen vorangetrieben wird, ist mir bewußt. Daß gewisse (natur-)wissenschaftliche Entwicklungen sich aber im Lauf der Zeit einfach durchsetzen, ganz egal, was für seltsame Zufälle ihnen in den Weg springen, liegt im Wesen der Naturwissenschaft. Das Periodensystem der Elemente wurde unabhängig voneinander von zwei Wissenschaftlern aufgestellt - einfach aus dem Grund, daß die Erkenntnisse auf dem Weg dahin vorlagen, die Zeit reif war und Naturgesetze immer gleich lauten, unabhängig davon, wer sie formuliert. Dasselbe gilt für die Entdeckung des Neptun. Und ohne das Verdienst eines Albert Einstein schmälern zu wollen, aber die mathematischen Grundlagen der Relativitätstheorie lagen 1905 schon vor der versammelten physikalischen Fachwelt ausgebreitet, und es brauchte lediglich noch einen brillanten philosophischen Denkschritt, um sie zu deuten. Hätte nicht Einstein diesen Schritt vollzogen, hätte es ein paar Jahre später ein anderer getan.

Für technische Entwicklungen gilt in gewisser Weise dasselbe. Ist der Geist einmal aus der Flasche, die Idee verbreitet, der Nutzen akzeptiert, dann können noch so viele kleine Zufälle im Verlauf der Geschichte es nicht ungeschehen machen. Und die Automatisierung ist nun mal schon aus der Flasche und breitet sich rasant über immer neue Gebiete aus. Das kann nicht einfach dadurch ausgebremst werden, daß ein einzelner Erfinder in einen Pädophilie-Skandal verwickelt wird. Die Idee ist bekannt, die Nachfrage ist da, und hunderte von Firmen arbeiten an entsprechenden Lösungen. Jetzt schon. - EDIT: Und unter solchen Umständen genügt nicht ein "historischer Ausrutscher", wie es ein kleiner Skandal wäre. Da bräuchte es eine ganze Kette von solchen Ereignissen, eine komplette historische Entwicklung, um Automatisierung aus den für mich relevanten Bereichen zurück ins Abseits zu verbannen. Und nach Ansätzen für eben eine solche historische Entwicklung habe ich in diesem Thread gefragt.

Der Verstand kommt nur ins Spiel, wenn jemand fragt, "warum hast Du denn...", denn dann ist er gefragt, eine möglichst plausible Behauptung aufzustellen, die das Gegenüber davon abbringt, einen mit weiteren Fragen zu nerven. Für die Entscheidungen selbst ist der Verstand oft gar nicht zuständig - er kann sogar protestieren, so viel er will, es hört doch keiner auf ihn.
Habe ich an irgendeiner Stelle davon geredet, daß die Entwicklung, die ich mir für mein Setting wünsche, vom Verstand bestimmt sein soll? Die Motive, die du genannt hast, sind Basisemotionen. Aber was es braucht, um daraus eine historische Entwicklung zu backen, sind Verknüpfungen, Strömungen und Ereignisketten. Das ist es, was ich mit konkreten Mechanismen meine, nach denen ich suche.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Agent_Orange am 13.09.2011 | 16:41
Hallo.

Weil hier mehrfach die KI-Problematik angesprochen worden ist, habe ich im nachfolgenden Spoiler einen Artikel aus der heutigen FAZ eingebracht - Achtung: Das ist ein sehr langer Text!

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

AO
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 13.09.2011 | 16:57
Interessant! Danke für den Artikel.

Besonders hängen geblieben bin ich an dem Cleverbot und seinem Chat. Und zwar weil viele die Software für einen menschlichen Chatpartner hielten; das ist schon eine beachtliche Leistung. Aber dass die Software menschliches Kommunikationsverhalten im Chat erfolgreich nachbildet, macht die Software halt noch lange nicht intelligent und damit zu einer echten KI. Aber es erweckt halt im ersten Moment den Anschein von Intelligenz.

Fazit: der Anschein von Intelligenz und echte tatsächliche Intelligenz sind zwei paar Schuh.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Fat Duck am 13.09.2011 | 17:48
Es ging mir in diesem Thread auch nicht darum, die Notwendigkeit bemannter Raumfahrt zu eruieren.
Ist mir schon klar, aber ich wollte einfach mal meine Neugier befriedigen, wenn das Thema schonmal angekratzt wurde. :)

Übrigens finde ich es witzig, wie oft mir hier der Vorwurf gemacht wird, ich würde mich auf die technische Entwicklung versteifen und die gesellschaftliche außen vor lassen, obwohl ich vom ersten Posting an ausdrücklich nach gesellschaftlichen Mechanismen gefragt habe, um eine als Voraussetzung angenommene (also eigentlich nicht einmal zur Diskussion gestellte) technische Entwicklung in den Griff zu bekommen. ;)
Habe ich an irgendeiner Stelle davon geredet, daß die Entwicklung, die ich mir für mein Setting wünsche, vom Verstand bestimmt sein soll? Die Motive, die du genannt hast, sind Basisemotionen. Aber was es braucht, um daraus eine historische Entwicklung zu backen, sind Verknüpfungen, Strömungen und Ereignisketten. Das ist es, was ich mit konkreten Mechanismen meine, nach denen ich suche.
Mal aus den Fingern gesaugt:
Nachdem die Partei NBI (Natural Born Intelligence) im Jahr 2345 am Mars in die Regierung gekommen ist, hat sie mehrere Punkte ihres Parteiprogrammes durchsetzen können, die auch auf anderen Planeten, wo ähnliche politische Tendenzen seit Jahren zu spüren waren, schnell Anklang fanden. Darunter:
- Eine Quotenregelung für Menschen.
- Das Verhindern einer Gleichberechtigung von KIs.
- Damit einhergehend die Kriminalisierung zwischen-intelligenter-Beziehungen.
- Das Programm "Natural Born Hero", das den "Piloten zurück ins Cockpit" (bzw erstmal das Cockpit zurück aufs Raumschiff) bringen sollte.
Das war zwar unwirtschaftlich, aber medienwirksam. Und nachdem Wirtschaftlichkeit eh keine Rolle mehr spielt, seitdem das Thema Ressourcenknappheit gegessen ist, konnte sich auch keiner beschweren.

Auf der Erde wurde übrigens mit dem Argument "Irren ist menschlich" KIs, die freiwillig Programmierfehler in ihrem Code zuließen, Menschenrechte zuerkannt.

Auf Raumstation XYZ wiederum zogen die Künstlich Intelligenten Singularitäts-Sozialisten (KISS) 10 Jahre später mit einem überagenden Wahlerfolg ins Parlament ein. Zu ihren größten Erfolgen gehören die Legalisierung Zwischen-intelligenter Beziehungen (unter dem Motto "Legalize IT"), sowie das Intelligendern ("Menschenrechte" wurden zu "Rechte für Wesen mit höheren kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten").

Hm, was Ernsthaftes fällt mir grad net ein, sorry. :-\
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 13.09.2011 | 17:50
Inwiefern war Jules Verne geisteswissenschaftlich?
Er hat sich der Sprache gekonnt bedient, um zeitvariante Themen in sie zu fassen.

Da bräuchte es eine ganze Kette von solchen Ereignissen, eine komplette historische Entwicklung, um Automatisierung aus den für mich relevanten Bereichen zurück ins Abseits zu verbannen. Und nach Ansätzen für eben eine solche historische Entwicklung habe ich in diesem Thread gefragt.
Ja, aber Du hast bisher keine Antwort auch als solche akzeptiert. Du beurteilst also die Antworten nach irgendwelchen Kriterien. Und es scheinen mir immer wieder technische Kriterien zu sein. Daher dürfte wohl auch das Mißverständnis rühren, das immer wieder zu technischen Diskussionen führt.

Und genau hier bin ich auf der Suche nach konkreten Mechanismen und Szenarien, die die Entwicklung in eine bestimmte Richtung drängen - unter ausdrücklicher Berücksichtigung dessen, daß die Menschheit ein statistisches Phänomen ist und nicht eine einzelne Entwicklung ausschlaggebend sein wird, sondern eine Vielzahl von kleinen Konflikten, die von der Tendenz her am Ende in eine bestimmte Richtung "driften".
Naja, dann kannst Du entweder "intelligent raten" und sehen, wo Du herauskommst, oder Dir was aus den Fingern saugen, was Du am Ende haben willst, und das in irgendeiner Weise plausibilisieren. Die "konkreten Mechanismen" sind: Zufall, Stolz, Unlust, Loyalität, Neugier, Faulheit, Weisheit, Sturheit, Irrtum, Opportunismus... und vielleicht, zuweilen, auch eine ganz kleine Menge Vernunft.
An konkrete Szenarien könnte man beispielsweise kommen, indem man sich ein paar Karteikärtchen bastelt, auf denen Akteure, Aktivitäten, Rahmenbedingungen und typische Verwicklungen notiert, und dann für jedes Einzelszenario willkürlich davon welche "zieht" und die Karten zu einem Ereignis kombiniert, zu dem jedes etwas beiträgt.

Ich fürchte, mehr läßt sich nicht von irgendeiner anderen Seite leisten. Dir ein Szenario auszudenken, kann keiner außer Dir sinnvoll übernehmen.

@Eulenspiegel: Was sieht ein Basilisk im Spiegel?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 13.09.2011 | 18:43
Hm, was Ernsthaftes fällt mir grad net ein, sorry. :-\
Das, was du geschrieben hast, ähnelt sehr der Historie von Transhuman Space. Und das ist ein recht ernsthaftes Setting.

@ Merlin
Hat deine Frage irgendeinen Bezug zum hiesigen Thread? Oder wäre sie in einem Thread über Fantasy evtl. besser aufgehoben?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Madner Kami am 13.09.2011 | 18:45
@Eulenspiegel: Was sieht ein Basilisk im Spiegel?

Bin zwar nicht Eulenspiegel, aber kommt drauf an (mal ausgehende davon, dass es der Blick ist, der versteinert und nicht der Anblick): Wie schnell ist die Versteinerungsstrahlung?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 13.09.2011 | 21:27
@Agent Orange: Danke für den Artikel! :)

@Fat Duck: Wieso, das Szenario kam mir recht ernsthaft vor. Daß es sich nach heutigen Maßstäben ziemlich absurd anfühlt, ist dabei eher ein Pluspunkt. Unsere heutige Zeit wird einem Menschen aus der Renaissance ja auch reichlich seltsam anmuten. In diesem Sinne: Dankeschön. :)

@Merlin Emrys: Der Eindruck, ich würde mit technischer Begründung alles ablehnen, könnte daherrühren, daß ich vor allem das abgelehnt habe, was mein Problem mit Hilfe technischer Beschränkungen lösen wollte. Wenn es tatsächlich so rübergekommen ist, daß ich "keine Antwort akzeptiere", sorry. Anscheinend muß mein RL-Charakter bei Gelegenheit seine Communication Skills steigern. Ich möchte aber an dieser Stelle noch mal betonen: ich habe nicht "keine Antwort akzeptiert", sondern sehr viele (nur eben nicht alle) durchaus als willkommene Anregung aufgegriffen. Auch von dir, ME. Ich dachte, das an den entsprechenden Stellen auch gesagt zu haben, aber wenn es noch nicht rübergekommen ist, sei es hiermit noch mal ausdrücklich betont.

@Alle: ich denke, ich habe jetzt mit eurer Hilfe genug zusammen, womit ich arbeiten kann. Ich werde die Ideen erst mal sacken lassen und zusehen, was ich daraus mache, sobald ich wieder zwischen den Umzugskisten hervorkomme. Auf jeden Fall vielen Dank für eure Beiträge! :) Den Thread laß ich offen, vielleicht flattert ja noch was rein. ;)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Zauberelefant am 13.09.2011 | 22:51
Komplettes Post
made my day. thx
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 14.09.2011 | 15:49
Ich laß es mal sacken. Womit ich durchaus leben könnte, wäre, wenn Rigging auf militärische Raumfahrt beschränkt wäre. Frachter und Passagierraumer würden in der beschriebenen Weise von Hand gesteuert, und natürlich hätten es Piraten schwer, an militärische Hochtechnologie zu kommen, und würden dementsprechend ebenfalls von Hand fliegen. Ein Kriegsschiff soll ja auch bei mir einem Piraten weit überlegen sein. Und meine SCs sollen sich ja überwiegend nicht aus den chromblitzend-epischen Reihen des Militärs rekrutieren, sondern aus den dreckigen Niederungen der Pioniere.

Davon abgesehen liebäugele ich damit, daß Cyberware und Rigging, sofern es sie gibt, die Lebenserwartung gewaltig senken. Oder aber daß sie eine zwangsläufige Umwandlung des Menschen in eine vollständige Maschine einleiten, sprich: alles, was an dir organisch ist, fängt sich durch Cyberware und Rigging auf Dauer Krebs, Nervenleiden o.ä. ein und muß nach und nach ebenfalls ersetzt werden.
Eher Asimov, Brin oder Bova. Aber ja, das ist das Feeling, das ich am liebsten hätte. Nur, daß ich, wie schon erwähnt, bei meinen früheren Entwürfen für solche Settings technisch immer von der Gegenwart überholt wurde. :-\ Ich möchte es halt vermeiden, daß schon wieder Apples neuester Hype an allem vorbeischießt, was ich mir für in 500 Jahren überlegt hatte, also verfolge ich diesmal den Ansatz: "Die Hürden sind nicht technischer Natur".
Ich halte es nicht für besonders plausibel, dass durch Vercyberung Krebs ausgelöst wird. Neurologische leiden KÖNNTEN, vielleicht eventuell unter gewissen Umständen auftreten.
Aber da müsste man mal aufpassen, ob die häufiger sind als andere Berufserkrankungen.
Der Bergarbeiter bekommt die Staublunge, die Bürokraft einen Haltungsschaden und Carpaltunnelsyndrom und der Mann der Raummarine halt Parkinson.

Die angedeuteten schäden des rigging sind grösstenteils plausibel.
Je mehr rigging desto mehr passt sich das hirn an desto weniger gut findet man sich in der realität zurecht.
Phantomschmerz u.ä. ist gut vorstellbar...
Hast du da Quellen.

Phantomschmerz entsteht mWn. dadurch, dass Nervenzellen die zum Gehirn hin leiten permanent gereizt sind und dann auch weiter feuern wenn der Reiz überhaupt nicht mehr existent ist.
Das hat man wohl rausgefunden als in einem der Weltkriege an der Front die Mittel für Vollnarkosen ausgegangen sind und man Amputationen unter örtlicher Betäubung durchführen musste und wesentlich weniger Fälle von Phantomschmerz bei diesen Personen auftraten.
Allerdings beziehe ich mich da auf hörensagen, kann da also keine Quelle angeben.

Jein. "Technisch machbar, aber mit verheerenden Nebenwirkungen" wäre für mich durchaus etwas, womit ich arbeiten kann.

Es müßte halt nur so sein, daß nicht schon wieder in den nächsten 20 Jahren herauskommt, daß die prognostizierten Nebenwirkungen Bullshit sind... :-\
Ich würde davon ausgehen, dass genau das passieren wird.

Heute kann man schon Leuten ein künstliches Ohr verpassen, das direkt das Gehirn anspricht. Am Anfang hört man statisches Rauschen und ziemlich bald beginnt man zu hören.
Man hat einem Affen Sonden ins Gehirn eingeführt und damit hat er einen Roboterarm gesteuert um sich selbst zu füttern. Theoretisch kann man das Signal auch von der Oberfläche des Schädels abnehmen, dazu muss man keine Sonden einführen.
Ich denke wir können davon ausgehen, dass wir in 20 Jahren so weit sind, dass wir Leuten die ein Arm oder Bein verloren haben einen cybernetischen Ersatz anbieten können (theoretisch könnten wir das ja schon jetzt, aber bis sich so was durchsetzt und für alle verfügbar wird dauert das noch). Aber man hat in diesen Dingern noch kein Gefühl, da die ja keine Nervenzellen haben, die dem Gehirn eine Rückmeldung geben.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 14.09.2011 | 20:20
Deine quellen zum phantomschmerz sind veraltet.
Ich beziehe mich auf kandel, schwarz & jessel.
"in der vergangenheit schrieb man die wahrnehmung eines phantomglieds impulsen zu, die von einer narbe des nervengewebes im stumpf ausgehen. (...) andere erklärung: afferente nervenverbindungen, die normalerweise felder im umkreis der handrepräsentation besetzen (...) breiten sich in das zuvor von afferenzen der hand besetzte feld aus (...). Es handelt sich sozusagen um eine wahrnehmungsneukartierung (...)."

Mit krebs kenn ich mich nicht so gut aus.
Die weltraumstrahlung dürfte wohl mehr anrichten als evtlle elektroden im hirn.
Aber wer weiss...

Neurologische probleme sind allerdings sehr plausibel.
Das gehirn würde eine enorme anpassungsleistung an die neuen wahrnehmungsinputs bringen und zwar längerfristig.
Man müsste sich das wohl so vorstellen als würde man am ende des arbeitstages arme umd beine in der firma lassen...
Ich denke es könnte sehr suchterzeugend sein.
Die bewegung in der realität würde sich in einer übergangszeit sehr fremd anfühlen und physische symptome wie gleichgewichtsstörungen und übelkeit wahrscheinlich.
Psychosen könnten bei genetischer prädisposition leichter zum ausbruch kommen.
Auch übermüdung sehe ich als problem an.

Vielleicht fällt mir noch mehr ein, aber ich muss noch ein kapitel lesen, daher sag ich vorläufig ciao.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 14.09.2011 | 20:26
Nachtrag: damit meine ich natürlich nicht die konsequenzen aus dem tragen von prothesen sondern dem steuern von schiffen, grossen kampfmashinen u.ä.

Fernsteuerung dürfte übrigens auch möglich sein.
In beide richtungen ^^
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 15.09.2011 | 09:09
als ideale schnittstelle sehe ich übrigens das gehirn direkt an.
An welcher Stelle des Kopfes würde man denn dann sinnvollsterweise die Steckbuchse anbringen?

Würde ein WLAN, das direkt in den Kopf eingepflanzt ist, eigentlich zu Hirnschäden führen?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 15.09.2011 | 09:27
Ob w-lan und handy dem hirn schaden streitet man sich ja heute drüber.
Man könnte sich verschiedene modelle vorstellen.
Steckbuchsen hätt ich nahe den primären wahrnehmungsarealen an hinterkopf (seheh), schläfe (hören) und oben (fühlen).
Da fällt mir ein: wo ist eigentlich nochmal die gustatorische rinde?
Und ach ja. Das wären ja nur die afferenzen.
Wobei das mit der bewegungskontrolle komplexer ist...
Vielleicht doch wieder steuerknüppel?
Schade um den zeitverlust...
Kleinhirn vergleicht befehl von cortex mit ausführung von peripherie.
Und wenn arme und beine nicht ausführen was dem raumschiff befohlen wurde ist es perplex.
In rem schlaf wird bewegung im cortex aktiviert aber ausführung ist durch einen mechanismus gehemmt.
Das wär vielleicht eine lösung?
Aber schade um die verlorengegangene kontrolleistung des kleinhirns.
Also inputs über das ganze rückenmark, die bewegung vorgaukeln?

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 15.09.2011 | 09:34
Eine komplettlösung über implantate mit gewisser sendeleistung wär schon cool und zumindest für die wahrnehmung sehr gut vorstellbar.
Für bewegungsbefehle ab kortex oben auch gut aber wie präzise bewegungskontrolle durch kleinhirn erreichen?
Fällt mir schwerer da antwort zu geben weil ich da noch nicht so gut bin.

Ein aspekt der w-lan oder sonstigen übertragung wär natürlich die sicherheit.
Im militärischen bereich würde man buchsen daher vielleicht vorziehen.

Und im sonstigen leben würde man wohl versuchen einige vorzüge der technik ans breite publikum zu verkaufen.
Natürlich würde man sich um weniger invasive varianten bemühen.

Oh. Da fällt mir wieder ein... Akw, industrieroboter u.ä.könnten auf diese weise sicherheitsüberwacht werden. Sicherheit ist ein boomendes business.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 15.09.2011 | 09:41
Sehe ich das richtig: ein Rigger hätte nicht nur irgendwo eine gesammelte Buchse, sondern sein Kopf wäre geradezu damit gespickt?

Vielleicht doch wieder steuerknüppel?
Warum jetzt doch? Welche Schwierigkeiten treten da bei Rigger-Steuerung auf?
(Paßt mir natürlich bestens in den Kram. 8))
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 15.09.2011 | 09:47
Wenn z.b. der visuelle cortex mitverwedet wird, wird die normale sehleistung wohl leiden.
Je nachdem wieviel input verarbeitet werden müsste und wie stark der von normaler wahrnehmung abweicht würde sich der cortex wohl stärker verändern als ich mir ursprünglich gedacht habe... :P

am wenigsten krass für rigger wäre es möglichst menschenähnliche maschinen zu steuern, die nur minimale anpassung erfordern.
Gleicher augenabstand und anzahl und so...
Aber das dürfte der forschungsabteilung beim militär ja egal sein.
Und da gäbe es ja auch noch tiere...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: dunklerschatten am 15.09.2011 | 09:53
Zitat
An welcher Stelle des Kopfes würde man denn dann sinnvollsterweise die Steckbuchse anbringen?

Siehe Matrix. Aber letztlich ist es doch eh Latte. Wenn man tech. zu einem Mensch-Maschiene-Interface in der Lage ist, macht die Lokalisierung der Steckerverbindung wohl keine Probleme mehr bzw. wird weitsgehend irrelevant.

Zitat
Neurologische probleme sind allerdings sehr plausibel.
Das gehirn würde eine enorme anpassungsleistung an die neuen wahrnehmungsinputs bringen und zwar längerfristig.
Man müsste sich das wohl so vorstellen als würde man am ende des arbeitstages arme umd beine in der firma lassen...
Ich denke es könnte sehr suchterzeugend sein.
Die bewegung in der realität würde sich in einer übergangszeit sehr fremd anfühlen und physische symptome wie gleichgewichtsstörungen und übelkeit wahrscheinlich.
Psychosen könnten bei genetischer prädisposition leichter zum ausbruch kommen.
Auch übermüdung sehe ich als problem an.

Warum sind die plausibel ??

Es ist wahrscheinlich das riggen eine größere Anspassungsleistung braucht, aber warum sollte unser Hirn dazu nicht in der Lage sein ? Es ist das vielseitigste, komplexseste und anpassungsfähigste Organ was wir haben, ich sehe keinen harten Beweis dafür das Probleme zwingend entstehen müssen (über das normale Maß hinaus)

Was die potentiellen Erkrankungen/Probleme angeht, wer darüber feststehende Aussagen tätigt der timho auf ganz dünnem Eis.
Dazu gibt es eben noch keine wirklich harten Fakten  
Spekulieren kann man natürlich viel, aber mehr als spekulation ist es eben nicht. Es gibt da imho noch keine Präzedenzfälle ;)


Für mich wäre/ist der entscheidene Grund Menschen ins ALL zu ballern, einfach die Flexibilität unserer Spezies.
Bots, Ki´s und Co werden uns sicher in Sachen Routine-Arbeiten in absehbarer Zeit überrunden bzw. haben das schon getan.
Aber in Bereichen wo es auf Flexibilität, Intution etc ankommt da wird der Mensch glaube ich noch sehr sehr lange die entscheidene Instanz sein.

 
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 15.09.2011 | 09:55
Je mehr kontakt mit dem cortex desto höher die auflösung der wahrnehmung.

Motorische direktsteuerung übersteigt grad noch ein bisschen meine vorstellung.
Muss ich mal drüber studieren und schlafen ;)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 15.09.2011 | 09:57
@Alice: Wo am Kopf säße denn sinnvollerweise die Buchse für die Bewegungskontrolle? Ah, OK. Dann gute Nacht. ;)

Würde deren Gebrauch bzw. die Einstellung des Nervensystems auf ihren Gebrauch eventuell deine naturgegebene Körpermotorik beeinträchtigen?

Siehe Matrix.
Ist die neurologisch so akkurat recherchiert?

Aber letztlich ist es doch eh Latte. Wenn man tech. zu einem Mensch-Maschiene-Interface in der Lage ist, macht die Lokalisierung der Steckerverbindung wohl keine Probleme mehr bzw. wird weitsgehend irrelevant.
wtf? Du meinst, man könnte die kombinierte Steckerverbindung für alle Sinneswahrnehmung und die gesamte Motorik genausogut am Schniedel anbringen, oder was?

Was die potentiellen Erkrankungen/Probleme angeht, wer darüber feststehende Aussagen tätigt der timho auf ganz dünnem Eis.
Dazu gibt es eben noch keine wirklich harten Fakten  
Das wäre genau die Aussage, die ich brauche. 8) Wo noch keine harten Fakten sind (und in den nächsten, sagen wir, 50 Jahren auch keine geschaffen werden), kann ich mich SF-mäßig ungeniert austoben. Sprich: ich _darf_ davon ausgehen, daß Cyberware zu Erkrankungen und Problemen führen wird, niemand kann es mir mit dem derzeitigen Kenntnisstand widerlegen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 15.09.2011 | 10:00
[...]
Mit krebs kenn ich mich nicht so gut aus.
Die weltraumstrahlung dürfte wohl mehr anrichten als evtlle elektroden im hirn.
Aber wer weiss...
[...]
Man muss gar nicht Elektroden ins Hirn stecken. Du kannst die Gehirnströme auch von der Schädeloberfläche abnehmen.
Das macht es nur etwas schwieriger, laut Experten wäre das aber prinzipiell kein Problem.

Krebs wird ausgelöst durch:
- bestimmte biochemisch aktive Verbindungen, die die DNS schädigen (1) und/oder die Zellteilung anregen (2)
- ionisierende Strahlung, die DNS Schäden hervorruft (1)
- fortlaufende mechanische Reizung des Gewebes, da dies die Zellteilung des Gewebes stimuliert (2)

Vereinfacht.
(1) macht dass ein Schaden im Erbgut entsteht der Krebs ermöglicht. Die Zelle wird aber versuchen den Schaden zu reparieren und oft klappt das auch.
(2) macht, dass die Zelle sich teilt bevor sie den Schaden repariert hat. Wenn sich eine Zelle aber einmal geteilt hat gibt es für sie keine Möglichkeit mehr den Schaden festzustellen. Dadurch wird der Schaden fixiert und an alle Tochterzellen weitergegeben.

Nerven des ZNS sind jetzt ja nicht gerade für ihre hohe Proliferation bekannt. Deswegen sollte mechanische Reizung dort wenig ausmachen (viel x so gut wie gar nix = immer noch fast nix). Allerdings gibt es ja noch Hilfszellen im Hirn und wie das bei denen aussieht weiß ich nicht.


Ich sehe keinen so großen Mehrwert darin jemandem 50 Kameras ans Hirn anzuschließen, das kann man zur Not mit Splitscreen und einem Monitor lösen. Da halte ich persönlich die Informationsflut, die gefiltert werden muss für einen Overkill.
Wir sehen jetzt ja nur in einem Punkt des Sehens scharf - wieso wohl?

Wobei ich einen massiven Vorteil sehen würde, wäre es Maschinen bei Handlungen auf die man sich gerade sowieso konzentriert per Gedankenkontrolle zu steuern so dass der lästige Übergang über die Eingabeschnittstelle weg fällt.
Wenn ich den Text hier nicht tippen müsste sondern nur denken wäre das ziemlich viel effizienter (und ich kann recht schnell tippen), wenn ich aber alle 10 Tabs gleichzeitig vor Augen hätte und noch sehen könnte was gerade auf Kabel1, ARD und Arte kommt würde mir das relativ wenig bringen.

[...]
Das wäre genau die Aussage, die ich brauche. 8) Wo noch keine harten Fakten sind (und in den nächsten, sagen wir, 50 Jahren auch keine geschaffen werden), kann ich mich SF-mäßig ungeniert austoben. Sprich: ich _darf_ davon ausgehen, daß Cyberware zu Erkrankungen und Problemen führen wird, niemand kann es mir mit dem derzeitigen Kenntnisstand widerlegen.
Ja aber ich bezweifle, dass es deine vorher aufgestellte 20 Jahresfrist überleben wird.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 15.09.2011 | 10:01
Oben direkt neben dem fühlen ist primäre motorik.
Über den impact und die mögliche funktionsweise müsst ich noch nachdenken.
Na danke. Du bist aber ungeduldig dass du mich schon ins bett schickst ^^
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 15.09.2011 | 10:08
Eeg von der oberfläche hat eine gute zeitliche aber eine miese räumliche auflösung.

Prinzipiell könnte auch die gesamte hautoberfläche als schnittpunkt verwendet werden.
Aber die technische umsetzung wäre wohl messy und cortex unkomplizierter.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: dunklerschatten am 15.09.2011 | 10:10
Zitat
Ist die neurologisch so akkurat recherchiert?

Keine Ahnung

Zitat
Du meinst, man könnte die kombinierte Steckerverbindung für alle Sinneswahrnehmung und die gesamte Motorik genausogut am Schniedel anbringen, oder was?

Klar, sieht zwar komisch aus und könnte bei einigen anderen Sachen stören  ~;D
Aber rein theoretisch sehe ich das kein Problem.

Tipp dir mal gegen den Schniedel und stopp die Zeit bis du es regestriert hast  ~;D, imho macht die genau Lokalisierung keinen/kaum Unterschied. Evtl braucht es dann mehr "verdrahtung" als wenn der Stecker direkt in den Schädel geschraubt wird.


Und immerhin reden wir hier in dem Kontext das es Raumfahrt und ein funktionierendes M+M Interface gibt.
Da sollten dann diverse kleine Probleme, die in dem Kontext auftauchen würden, wohl schon lange gelöst sein.

Zitat
Das wäre genau die Aussage, die ich brauche. Cool Wo noch keine harten Fakten sind (und in den nächsten, sagen wir, 50 Jahren auch keine geschaffen werden), kann ich mich SF-mäßig ungeniert austoben. Sprich: ich _darf_ davon ausgehen, daß Cyberware zu Erkrankungen und Problemen führen wird, niemand kann es mir mit dem derzeitigen Kenntnisstand widerlegen.

Wer sollte dich davon abhalten ? Austoben darfst du dich doch immer !!
Aber imho kann dir niemand in der freien Wissenschaft belegen/wiederlegen was Cyberware mit dem Menschen so alles anstellen könnte. Um auf Nummer sicher zu gehen könntets du natürlich mal beim CIA anrufen, wenn es einer weiss dann die ;)

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 15.09.2011 | 10:15
Ja aber ich bezweifle, dass es deine vorher aufgestellte 20 Jahresfrist überleben wird.
Darum bin ich ja um so dankbarer für die neu eingetroffenen Anregungen, die mir möglicherweise eine stabilere Prognose bieten.

Im übrigen: die Anbindung von Nerven an eine Prothese, die dem zuvor schon vorhandenen Arm möglichst exakt nachgebildet ist, stellt in meinen Augen etwas ganz anderes dar als die Anbindung von Nerven an ein Raumschiff, auf das sich das Gehirn gefälligst als "erweiterten Körper" einstellen soll. Willst du jetzt wirklich behaupten, Erfahrungen mit Prothesen würden widerlegen, daß die Rigger-Ansteuerung von Maschinen möglicherweise zu Nervenschäden führen wird?

Oben direkt neben dem fühlen ist primäre motorik.
Merci beaucoup, Mademoiselle. :)

Prinzipiell könnte auch die gesamte hautoberfläche als schnittpunkt verwendet werden.
Aber die technische umsetzung wäre wohl messy und cortex unkomplizierter.
Eine "messy" Umsetzung wäre genau das, was ich suche. :) Schließlich will ich ja, daß die Opfer wüster Cyber-Experimente in meinem Setting rumlaufen bzw. deren Überreste in Museen von jener finsteren Zeit zeugen, ehe man zu Hebeln und Steuerknüppeln zurückkehrte.

Na danke. Du bist aber ungeduldig dass du mich schon ins bett schickst ^^
Keine Ursache. Ich schicke attraktive Frauen gern zu jeder Tages- und Nachtzeit ins Bett. :-*

[EDIT]
Tipp dir mal gegen den Schniedel und stopp die Zeit bis du es regestriert hast  ~;D, imho macht die genau Lokalisierung keinen/kaum Unterschied.
Da bin ich nicht so überzeugt. Über den Monitor kann man ja auch nicht den ganzen Computer ansteuern. Nur, weil im Schniedel eine Menge Nerven zusammenlaufen, heißt das noch lange nicht, daß man von da aus den Träger fernsteuern kann. (Obwohl, mittelbar... ::))

Und immerhin reden wir hier in dem Kontext das es Raumfahrt und ein funktionierendes M+M Interface gibt.
Lies noch mal meine Eingangsanforderung: ich will ja gerade, daß es _kein_ M+M-Interface gibt! Also daß es sich nicht durchgesetzt hat bzw. wieder aus der menschlichen Gesellschaft verbannt wurde.
[/EDIT]

Wer sollte dich davon abhalten ? Austoben darfst du dich doch immer !!
Siehe Subject: Hard SF. Ich möchte nun wirklich nicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen arbeiten, die heute schon widerlegt sind.

Aber imho kann dir niemand in der freien Wissenschaft belegen/wiederlegen was Cyberware mit dem Menschen so alles anstellen könnte. Um auf Nummer sicher zu gehen könntets du natürlich mal beim CIA anrufen, wenn es einer weiss dann die ;)
:D Ach, dann frage ich lieber die Chinesen. Die wissen wahrscheinlich besser, was auf den CIA-Rechnern an Daten liegt, als die CIA selbst.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: dunklerschatten am 15.09.2011 | 10:33
Zitat
Siehe Subject: Hard SF. Ich möchte nun wirklich nicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen arbeiten, die heute schon widerlegt sind.

Schon klar. Nur zu dem Themenkomplex gibt es imho freizugänglich kaum bis wenig HARTE Fakten.


Zitat
Willst du jetzt wirklich behaupten, Erfahrungen mit Prothesen würden widerlegen, daß die Rigger-Ansteuerung von Maschinen möglicherweise zu Nervenschäden führen wird?

Das kann man imho behaupten. (Niemand kann das Gegenteil beweisen ;) )

Zitat
stellt in meinen Augen etwas ganz anderes dar als die Anbindung von Nerven an ein Raumschiff, auf das sich das Gehirn gefälligst als "erweiterten Körper" einstellen soll

Wiso das ? Wer sagt denn das die Roh-Signale nicht durch einen "Konverter/Interpreter" gejagt werden und dann fühlt sich der Einschlag eines Objekts auf der Rumschiffhülle genau so an als würde man deinen realen Körper z.b. boxen

Also die Hülle des Schiffs ist eben wie deine Haut und die Signale werden entsprechend umgesetzt ?!!

Zitat
Schließlich will ich ja, daß die Opfer wüster Cyber-Experimente in meinem Setting rumlaufen bzw. deren Überreste in Museen von jener finsteren Zeit zeugen, ehe man zu Hebeln und Steuerknüppeln zurückkehrte.

Wenn du natürlich Opfer willst, dann musst du ja quasi Psychosen, Mutationen und Co zwingend implementieren. Wobei es dafür auch keine HARTEN Fakten gibt  ;)

Was ich für recht plausibel halte, die in diversen anderen RPG Produkten vorkommende "entfremdung" also quasi die Erschaffung einer neuen Spezies die mit den begrenzten Menschen (weil unmodifiziert) nicht mehr viel Anfangen kann, bzw. umgekehrt. Also eher die üblichen Sozialen/Soziologischen Gräben die sich auftuen.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 15.09.2011 | 10:37
*macht notizen in ihre grey-akte: blutrünstig... weiberheld...  ~;D

ja. Das mit dem unterschied zur prothese sehe ich genau so.

Anbei noch info zur reizung des motorischen cortex.
In unserem beispiel wär es natürlich umgekehrt.
Hier müsste info vom gehirn zur maschine um sie zu steuern.
Eine variante wär dass der rigger einfach gleichzeitig ulkige bewegungen vollführt analog zu dem was sein cortex an die maschine befiehlt.

[gelöscht durch Administrator]
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 15.09.2011 | 10:50
[...]
Willst du jetzt wirklich behaupten, Erfahrungen mit Prothesen würden widerlegen, daß die Rigger-Ansteuerung von Maschinen möglicherweise zu Nervenschäden führen wird?
[...]
Lies noch mal meine Eingangsanforderung: ich will ja gerade, daß es _kein_ M+M-Interface gibt! Also daß es sich nicht durchgesetzt hat bzw. wieder aus der menschlichen Gesellschaft verbannt wurde.
[...]
Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft gibt es mWn keine Hinweise, dass dem so wäre.

Was willst du eigentlich? Auf der einen Seite sagst du: "Ich will bei der IT nicht annehmen, dass die Entwicklung stoppt und ihr keinen "künstlichen Riegel" vorschieben, damit mich die Realität in 20 Jahren nicht eines besseren Belehrt."
Aber bei einem potentiellen Man-to-Machine-Interface ist dieses Argument plötzlich wieder egal?
Wenn du bei der IT auf Nummer sicher gehen willst, dass es keine Hindernisse geben wird, wieso willst du dann bei den MMIs plötzlich einen "nehmen wir an was dem Setting nützt" Ansatz fahren?
Dann könntest du doch gleich sagen "Weil [Geschwurbel] keine Automatisation".


PS: Ich halte aber Besatzung beim Raumkampf sowieso für Bullshit, da die biologischen Limits eines Menschen schwerer wiegen als der Vorteil an "kreativität".
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 15.09.2011 | 10:58
Geeignete primäre sensorische und motorische areale cortex siehe anhang.

Sjt: ich hab ein neurobio studium im nebenfach, handfeste literatur und klinikerfahrung aus denen ich schöpfe.
Was sind deine konkreten quellen und wie ziehst du deine schlussfolgerungen daraus?

Erfahrung verändert den cortex. Physisch. Ohne fluff.
Und physische veränderung verändert das erleben.

[gelöscht durch Administrator]
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 15.09.2011 | 11:21
Wenn du natürlich Opfer willst, dann musst du ja quasi Psychosen, Mutationen und Co zwingend implementieren. Wobei es dafür auch keine HARTEN Fakten gibt  ;)
Wie gesagt: mir genügt es schon, wenn es _keine_ harten Fakten oder auch nur wahrscheinliche Hypothesen gibt, die dagegen sprechen.

Anbei noch info zur reizung des motorischen cortex.
In unserem beispiel wär es natürlich umgekehrt.
Hier müsste info vom gehirn zur maschine um sie zu steuern.
Eine variante wär dass der rigger einfach gleichzeitig ulkige bewegungen vollführt analog zu dem was sein cortex an die maschine befiehlt.
Danke für die Info. :) Das mit den ulkigen Bewegungen könnte natürlich während der Zeiten, in denen Vercyberung en vogue ist, regelrecht als Ausdruckstanz kultiviert worden sein.

Was willst du eigentlich? Auf der einen Seite sagst du: "Ich will bei der IT nicht annehmen, dass die Entwicklung stoppt und ihr keinen "künstlichen Riegel" vorschieben, damit mich die Realität in 20 Jahren nicht eines besseren Belehrt."
Aber bei einem potentiellen Man-to-Machine-Interface ist dieses Argument plötzlich wieder egal?
Wenn du mir glaubwürdig versichern kannst, daß mit hoher Wahrscheinlichkeit in 20 Jahren alle technischen Probleme, die ich mir in Bezug auf Vercyberung vorstelle, überholt sein werden, OK. Bitte mehr Input. In diesem Fall würde ich, um Cyberware und M+M-Interfaces aus meiner ferneren Zukunft zu verbannen, auf gesellschaftliche Gründe ausweichen.

Aber überlaß es bitte mir, den Input für mich selbst dann auch zu beurteilen. In der IT bin ich nach 12 Jahren als hauptberuflicher Softwareentwickler selbst nicht ganz unbeleckt und habe die rasante Entwicklung hautnah miterlebt, daher meine Skepsis gegenüber technischen Beschränkungen _auf diesem Gebiet_. M+M-Interfaces berühren auch Medizin und Biologie, und wenn sich hier eine Expertin auf diesem Gebiet einmischt und sagt, es _gäbe_ nichttriviale Beschränkungen, die auch nicht innerhalb der nächsten 20 Jahre zu überwinden sind (und vielleicht nie), sehe ich keinen Grund, ihr nicht zu glauben.

PS: Ich halte aber Besatzung beim Raumkampf sowieso für Bullshit, da die biologischen Limits eines Menschen schwerer wiegen als der Vorteil an "kreativität".
Und mir geht es doch gerade darum, die Rolle des Menschen nicht auf seine Kreativität zu beschränken. Das allein wäre ein absolut kümmerlicher Vorteil und als Betätigungsfeld für Charaktere in meinen Augen viel zu eng. Ich will ja gerade Raumschiffe, die _auch für Routinekram_ bemannt sind, und Pioniere, die _auch für Routinekram_ in ihren Raumanzug steigen und über atmosphärelose Welten streifen. - EDIT: Ich will nicht, daß die Menschen "an Bord sind, um Ideen beizusteuern". Ich will, daß die Menschen "Ideen beisteuern müssen, weil sie ohnehin schon an Bord sind."
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 15.09.2011 | 11:52
Sjt: ich hab ein neurobio studium im nebenfach, handfeste literatur und klinikerfahrung aus denen ich schöpfe.
Wenn du sagst, du hast klinische Erfahrungen mit kybernetischen Implantaten oder Prothesen, dann glaube ich dir das.

Wenn du aber sagst, du hast klinische Erfahrungen, bei denen man einen Menschen mittels MMI an ein Raumschiff oder ein vergleichbares Ding angeschlossen hat, dann ziehe ich diese Aussage in Zweifel. Und wie du schon selber sagtest: "Das mit dem unterschied zur prothese sehe ich genau so."

Aus deiner klinischen Erfahrung mit kybernetischen Prothesen darfst du also keine Rückschlüsse auf mögliche Krankheiten bei Probanden mit MMI an Raumschiffen stellen.

Zitat
Erfahrung verändert den cortex. Physisch. Ohne fluff.
Und physische veränderung verändert das erleben.
Das streitet auch keiner ab. Aber dazu braucht man keine MMI an einem Raumschiff. Das tritt tatsächlich bereits bei Prothesen bzw. bei Amputationen auf.

Aber diese Veränderung im Cortex ist eben keine neuronale Schädigung sondern "nur" eine neuronale Anpassung.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 15.09.2011 | 11:56
@Alice
Ich glaube wir gehen von ziemlich unterschiedlicher "tiefe der Verkabelung" aus.

@Grey
Dann brauchst du Space Opera.

Es wenn du 2 Welten hast und eine hat ein Glaubenscredo das sagt: "Nutze state-of-the-art-Ki wenn es nützt!"
Wohingegen die andere sagt: "Der Mensch muss Mensch bleiben und deswegen wird nicht automatisiert!"

Dann hast du eine Armee deren Jagdflugzeuge, Raumschiffe, ... nur Manöver fliegen können bis zu einer G-Zahl bei der der biomechanische Grenzwert des Menschen überschritten wird und eine Armee deren Kriegsgerät Manöver abziehen kann bis die Materialgrenzen der toten Materie erreicht werden oder in der Atmosphäre Strömungsabriss ist.

Du hast eine Armee die ABC-Waffen einsetzen kann wie sie lustig ist, da ihre Soldaten nicht an den Superpocken erkranken, Nervengas sie nicht umbringt und denen die Strahlung der Mininuke am A**** vorbei geht.

Der Wettbewerbsnachteil ist so enorm, dass sich das nicht durchsetzten würde. Und wenn du mal in die Geschichte schaust, dann kommt früher oder später der nächste Krieg und zwar eher früher.

Du wirst schon alleine DESWEGEN keine Menschen in Kriegsgerät mit einem MtM Interface reinpacken.
Und für die ganzen zivilen Anwendungen wird man mMn kein MtM Interface haben, bei dem du die Maschine fühlen kannst, einfach weil man das nicht braucht über ein gutes Programm kann man ja Heute schon Riesige Maschinen steuern per Joystick akkurat steuern und wenn man mal einen Motor direkt ansteuern muss kannst du auch das über ein Programm machen.
Aber du wirst es haben, dass du dir einen Helm aufsetzt und Per Kraft deiner Gedanken dem PC einen Befehl gibst. Nicht anders als wenn wir hier tippen, nur dass wir dazu die Finger nicht mehr bewegen müssen. Dann muss man sich einfach nur vorstellen, dass sich die Maschine ein kleines bisschen vorwärts bewegt.

Das ändert aber nix an deinem Problem, du musst keine Menschen mit Maschinen verkabeln damit die Automatisation trotzdem so ziemlich alles erledigen kann und der Mensch nur noch Entscheidungsträger ist.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 15.09.2011 | 12:16
Aus deiner klinischen Erfahrung mit kybernetischen Prothesen darfst du also keine Rückschlüsse auf mögliche Krankheiten bei Probanden mit MMI an Raumschiffen stellen.
@Eulenspiegel: für meine Zwecke genügt es, wenn einer studierten Neurobiologin plausibel vorkommt, daß es solche Schädigungen geben _könnte_; daß sie also nicht von vornherein sagt, der Gedanke an solche Schädigungen sei offensichtlicher Schwachsinn.

Der Wettbewerbsnachteil ist so enorm, dass sich das nicht durchsetzten würde.
Korrekt. Genau wegen dieser Problematik kam ich ja alleine nicht mehr weiter.

Ich möchte ein Hard SF-Setting, in dem der Mensch Mensch bleibt _und_ selbst agiert. Und zwar nicht aus Lust und Laune heraus, sondern aus Notwendigkeit heraus.

Als erste logische Reaktion auf meine Prämisse "keine Automatisierung" kam der Vorschlag: "Dann vercybere den Menschen so weit, daß er die Nachteile gegenüber der Maschine aufwiegt." Das aber widerspricht meinem Empfinden nach der Prämisse, daß der Mensch Mensch bleibt.

Daher meine Suche nach einer so schwerwiegenden sozialen, ökonomischen, medizinischen, was auch immer-ischen Gegenentwicklung zur Automatisierung, daß sie _trotz_ der offensichtlichen Vorteile nicht flächendeckend eingesetzt wird.

Aber du wirst es haben, dass du dir einen Helm aufsetzt und Per Kraft deiner Gedanken dem PC einen Befehl gibst. Nicht anders als wenn wir hier tippen, nur dass wir dazu die Finger nicht mehr bewegen müssen.
Und genau dieser kleine Unterschied macht für mich schon einen großen Schritt weg vom Menschsein aus.

Stell es dir doch mal als Filmszene vor. Was kommt dynamischer rüber? Daß der Protagonist mit den Händen agiert, einen Steuerknüppel bedient, Hebel und Schalter umlegt und Pedale tritt? Oder daß er einfach nur dasitzt und es vielleicht gelegentlich in seinem Gesicht zuckt? Spieltechnisch gesehen macht das im Rollenspiel keinen Unterschied; der Spieler macht in beiden Fällen dasselbe, nämlich reden und würfeln. Für das Kopfkino macht es aber in meinen Augen einen gewaltigen Unterschied aus, und ich persönlich möchte Menschen beim Agieren mit Händen und Füßen beobachten, nicht nur beim Dasitzen und Denken.

Wenn das antiquiert ist und die Zukunft unausweichlich der reinen Gedankenschnittstelle gehört, dann hoffe ich inständig, daß ich diese Zukunft nie erleben werde. Weder im Spiel, noch in Realitas.

Dankenswerterweise sind in diesem Thread einige Anregungen gekommen, wie es zu einer anderen Zukunft kommen _könnte_. Und in einer solchen möchte ich mein Setting ansiedeln.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 15.09.2011 | 12:16
Es ist genau diese "nur anpassung" welche die probleme mit sich bringt.
 
trivial auf dem niveau aber hilft vielleicht der vorstellungskraft auf die spünge:

- autofahrern wird im simulator häufig schlecht. Visueller input stimmt nicht mit vestibulärem und somit ihrer üblichen erfahrung überein.
- visuelle deprivation in kritischen entwicklungsphasen führt zu corticaler blindheit
- exzessives training zweier finger verbessert ihre repräsentation im cortex auf kosten anderer areale

Wir würden nur einen bruchteil unseres hirns nutzen ist ein mythos findiger esoteriker.
Wären alle areale eines hirns aktiv hätte man einen epileptischen anfall.

Womit ich zu einem weiteren interessanten punkt komme.
Wer sagt dass die technik immer einwandfrei funktioniert geschweige denn der mensch?

Ich würd eh eher von fehlfunktionen und negativen entwicklungen für den organismus sprechen als von krankheiten.
Obwohl ich die nicht ausschliessen würde.
Ein technisches problem, zu starke reizung, eine läsion und schwupps neuronale schäden.
Oder verletzung des schiffs wird dem rigger als schmerz mitgeteilt, er wird von der maschine getrennt aber spürt den schmerz weiter wenn er nicht therapiert wird anhand von weiterem riggen mit unversehrten maschinen.
Und der begriff kognitive ergonomie bekäme eine ganz neue bedeitung btw.

Ein weiterer cooler aspekt wäre wenn in und outputs aufgezeichnet würden und für andere rigger zugänglich wären.
Sozusagen eine blackbox.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 15.09.2011 | 12:27
Der vorteil des riggen liegt für den piloten in der intuitiveren bedienung und den schnelleren reaktionszeiten
(und möglicherweise auch in einem geilen machtgefühl, muahahahaha   >;D)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 15.09.2011 | 14:49
@ Eulenspiegel:
Hat deine Frage irgendeinen Bezug zum hiesigen Thread? Oder wäre sie in einem Thread über Fantasy evtl. besser aufgehoben?
Sie hat einen Bezug zu Deinen Beiträgen in diesem Thread. Madner Kami hat Dir übrigens einen guten Tipp dazu hinterlassen (ich würde auf seine implizite Frage antworten: Die Wirkung tritt sehr schnell ein).
Und noch einer von meiner Seite: Was sieht der Basilisk eigentlich nicht?

@ Alice: Könntest Du ein wenig mehr auf Groß- und Kleinschreibung achten, bitte? Deine Beiträge sind in dieser Form sehr schwer zu lesen.

Im übrigen: die Anbindung von Nerven an eine Prothese, die dem zuvor schon vorhandenen Arm möglichst exakt nachgebildet ist, stellt in meinen Augen etwas ganz anderes dar als die Anbindung von Nerven an ein Raumschiff, auf das sich das Gehirn gefälligst als "erweiterten Körper" einstellen soll.
Ich bin mir an der Stelle nicht so sicher... und zwar aufgrund meiner Erfahrung mit Autofahren auf dem Fahrer- und dem Beifahrersitz. Man nimmt das Auto je nach eigenem Sitzplatz frappant unterschiedlich wahr, weil man auf dem Fahrersitz eine Korrelation zwischen eigenem Handeln (Gas geben, Bremsen, Lenken) hat, die auf dem Beifahrersitz nicht gegeben ist. Aber wenn ich selbst fahre, dann werden Signale, die ich sonst gar nicht oder anders zuordne, plötzlich zu einer "erweiterten Körperwahrnehmung". Ich spüre dieselben Erschütterungen auf dem Fahrer- und dem Beifahrersitz, aber wenn ich sie mir eigenem Handeln verbinde, sagen sie mir etwas über den Effekt meines Handelns und über die Umgebung, in der es stattfindet.
Und ich vermute mal, das das bei der Steuerung eines Raumschiffs prinzipiell nicht anders sein würde. Das menschliche Gehirn scheint auf Körpererweiterungen recht gern einzugehen, ob es nun ein simpler Stecken zum Tasten ist oder ein hochgezüchteter Apparat.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 15.09.2011 | 15:23
Sorry. Tippe am handy. Mensch maschine interaktion suboptimal. Gelobige besserung erst ab november. Da hab ich prüfungen fertig und mehr zeit.  ;)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 15.09.2011 | 15:44
Das was du schreibst stimmt schon merlin.
Man geht gerne darauf ein.
Doch wenn z.b. das hirnareal das sonst für deine arme zuständig ist plötzlich input zu den tragflächen eines flugzeugs geliefert kriegt?
Das ist wesentlich direkter und auch analoger als beim autofahren.
Beim auto bildet man wahrscheinlich auf höherer kognitiver ebene ein mentales modell des erweiterten körpers.
Beim riggen findet die verschmelzung auf basalerer ebene statt.
Jedenfalls so wie ich es mir vorstelle.
Eine direkte schnittstelle mit höheren arealen des cortex wäre mir dann doch zu wild spekulativ wie das aussehen könnte und ob es überhaupt möglich wäre.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 15.09.2011 | 15:58
Nachtrag: beim riggen wäre das mentale modell auch in abhängigkeit der sensoren am schiff wesentlich kompletter als beim autofahren oder fliegen mit knüppel und diversen anzeigen und monitoren.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Zauberelefant am 15.09.2011 | 18:44
Ich hätte da noch ein paar Fragen zu den technischen Parametern der fernen Zukunft:

Ich hab das mit STL so verstanden, daß Teleportation usw. nicht gehen, das ist korrekt?
Kann der Mensch künstliche Schwerkraft erzeugen (von Rotation mal abgesehen)?
Ist die kalte Fuson geglückt?
Gibt es Energiestrahler? Laserkanonen? Plasma fällt ja weg, nicht? Gausskanonen? Railguns?
Supraleitung ist wohl Standard?

Mir fehlt da als nicht-Physiker/Ingenieur ein bisschen der Überblick, was die Paramter unseres Kosmos denn an Machbarkeit hergeben. Mir würde es da helfen, das zu wissen, vielleicht kommen wir ja denn auch drauf, wie der Mensch sich im bewußten Szenario einsetzen ließe.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Fat Duck am 15.09.2011 | 18:53
Was ich da auch recht interessant fände, weil es ja doch ziemliche Auswirkungen auf Wirtschaftlichkeit und damit aufs Soziale haben kann.
Wie funktioniert eigentlich der Eintritt in und Austritt aus der Atmosphäre in dem Szenario? Derzeit kommt mir ja z.B. eine Belieferung von Planeten mit Ressourcen, egal welcher Art, aus dem Weltraum (oder umgekehrt: das Beliefern von Raumstationen mit Ressourcen von Planeten) doch recht arg unwirtschaftlich vor.
Gibt es Zweiklassensysteme wie in Blade Runner oder Neuromancer, im Sinne von: Unterschicht lebt auf der Erde, Wohlhabende im Weltall?
Oder ist das alles kein Thema mehr?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Zauberelefant am 15.09.2011 | 19:00
Ich denk mal, der Transport von Rohstoffen dürfte eine untergeordnete Rolle spielen - die meisten Elemente sollten auf irgendwie besiedelbaren Planeten zu finden sein.
Nahrung und Wasser für Raumstationen wären da ne Ausnahme.
Tatsächlich durchs All geflogen werden wohl eher High-Tech-Güter, die aufgrund nicht vorhandener Anlagen nicht vor Ort hergestellt werden können - und Luxuswaren.

Btw. Existiert denn sowas wie ein Standard-Technologie-Konstrukt? Das ist ein Computer, der Baupläne für Maschinen anhand von Parametern wie Ressourcen, Aufgabe und Fertigungsmöglichkeiten ausspuckt.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 15.09.2011 | 19:39
STL = Slower Than Light
Also keine Warpantriebe, Hyperraumsprünge oder andere überlichtschnelle Reisen.

Bei der Hard SF versteht sich außerdem von selbst, dass es keine künstliche Schwerkraft im Sinne von Star Trek oder so gibt -- Schwerkraft wird lediglich durch den Schub erzeugt (dann meistens weit unter 1G) oder durch eine Zentrifuge, also Rotation.

Laser, Coilguns und Supraleiter sind typische Technologien in Hard SF. Fusion, kalt oder anderweitig, ist eine Frage der Settingkonvention -- in manchen Settings ist sie Standard, in anderen nicht. Plasmawaffen kann man streichen, wie du schon vermutest.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Zauberelefant am 15.09.2011 | 20:31
OK. Mein Ansatz für Raumfahrt mit Menschen wäre:
Unterlicht (WEIT unter c) für interplanetare Raumfahrt erfordert keine vollständig KI-gesteuerten Schiffe. Außerdem existieren auf zivilisierten Welten Robotergesetze (analog zu Asimov), die insbesondere für Schmuggler, Freelancer, Piraten usw den Nutzen KI-gesteuerter Schiffe reduzieren. Mal abgesehen davon, daß wenn der Bordingenieur gleichzeitig pilotet, ich im Endeffekt auch keine Mehrkosten habe, und menschliche Besatzung für hochpreisiges Stückgut auch besser feilschen kann, als eine schiffsgebundene KI.
Allerdings steig ich nicht dahinter, wieso man ausgerechnet Hebel braucht. Eine Steuerung analog zu Smartphones (Gesten, die alle Raumdimensionen mit einbeziehen) sieht auch im Kopfkino nach was aus, und entspricht doch dann auch eher dem Techlevel, nicht? Und für weitergehende Schiffsfunktionen gibt es dann einen Neuro-Helm, der das direkte Ansteuern von Sekundärsystemen ermöglicht.
Gibts eigentlich Energieschirme?
Und was die Raumfahrt angeht, würde ich hier in ihren Aufgaben begrenzte Hilfssysteme (Atmosphäreneintritt, Sensorik, Waffensysteme) favorisieren, die letztlich von Menschen gesteuert werden, an Stelle von Vollintegrierten KI, weil sich die Gesetzgebung mit der Verantwortlichkeit von Maschinen und Strafvollzug für diese schwer tut. Was soll man einem Computer in einer zivilisierten Welt denn antun? Gefängnis? Zwangsarbeit? Todesstrafe? Also hält man sich an den Esel und nicht den Sack, und der Mensch muß (mit maschineller Unterstützung) alles selber machen.
Ansonsten sind KI in ihrer Herstellung teuer, gesetzlich reglementiert und nicht als vollbewußte Wesen verbreitet. Sondern mehr wie Robo-Autisten. In Teilaspekten unschlagbar, aber gewollt auf diese beschränkt.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 15.09.2011 | 20:43
Was soll man einem Computer in einer zivilisierten Welt denn antun? Gefängnis? Zwangsarbeit? Todesstrafe? Also hält man sich an den Esel und nicht den Sack, und der Mensch muß (mit maschineller Unterstützung) alles selber machen.
Was tut man denn heutzutage einem Autopiloten an, wenn ein Flugzeug aufgrund des Versagens des Autopiloten abschmiert? Oder wenn eine automatische Tür zugeht, während jemand dazwischen steht?

Wenn es grob fahrlässige Programmierung war, haftet der Programmierer. Ansonsten zählt das ganze als Unfall.

Und Bestrafungen für KIs wären:
- Isolation / Abschottung von aller Sensorik
- Reprogrammierung
- Löschung
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Zauberelefant am 15.09.2011 | 21:13
Na, wenn Versagen der Technik ein Punkt ist, dann wäre es ja auch eine bitterböse variante, nur noch (versicherte!) humane Piloten zu nehmen...
Die Frage ist natürlich, inwieweit eine Programmierung bei einer KI, die man mit anderen KI (den Eltern...) prüfen könnte, überhaupt möglich ist, aber das ist reine Spekulation meinerseits.
Trotzdem ist der Verlust eines Raumschiffs wegen Ausfall der KI ein Punkt, dem man vielleicht mit Mensch+Assistenzsystem einen Riegel vorschieben möchte.

Zitat
Und Bestrafungen für KIs wären:
- Isolation / Abschottung von aller Sensorik
- Reprogrammierung
- Löschung
Tja, aber es sind nunmal Maschinen. Die haben keine Grundbedürfnisse wie soziale Kontakte, Bewegungsfreiheit, vermutlich nicht mal Selbsterhalt - das sind Dinge, die einer Säugetierlogik entsprechen. Selbst Angst vor Strafe wäre knifflig - und ob die die Leistungsfähigkeit einer KI steigert, sei mal dahingestellt.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 15.09.2011 | 21:41
Trotzdem ist der Verlust eines Raumschiffs wegen Ausfall der KI ein Punkt, dem man vielleicht mit Mensch+Assistenzsystem einen Riegel vorschieben möchte.
Da ist halt die Frage, wieso eine KI ausfallen sollte und ob ein Bakup-System nicht effektiver als ein Mensch wäre.

Menschen können schließlich auch ausfallen.

Zitat
Tja, aber es sind nunmal Maschinen. Die haben keine Grundbedürfnisse wie soziale Kontakte, Bewegungsfreiheit, vermutlich nicht mal Selbsterhalt - das sind Dinge, die einer Säugetierlogik entsprechen. Selbst Angst vor Strafe wäre knifflig - und ob die die Leistungsfähigkeit einer KI steigert, sei mal dahingestellt.
Zumindest in modernen Rechtssystemen soll die Strafe ja auch keine Rache sein sondern der Resozialisierung dienen.
Ein Mensch wird in Deutschland nicht ins Gefängnis gesteckt, um sich an ihn zu rächen, sondern weil es a) eine abschreckende Wirkung hat und b) es hilft, ihn zu resozialisieren.
a) ist bei KIs nicht notwendig. Und b) erreicht man durch eine Reprogrammierung locker.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 15.09.2011 | 21:43
Wie funktioniert eigentlich der Eintritt in und Austritt aus der Atmosphäre in dem Szenario?
Weiterhin ganz normal mit Shuttles im Gleitflug. Allerdings gibt es auch etliche atmosphärelose Flugziele mit geringer Schwerkraft, auf denen man üblicherweise eine Düsenlandung hinlegt oder eine tangentiale Landung, d.h. man berechnet eine antriebslose Bahnellipse so, daß man am tiefsten Punkt gerade eben die Oberfläche berührt. Die Bremsung, um unten zu bleiben, geschieht dann teils über Düsen, teils über Reibung.

Gibt es Zweiklassensysteme wie in Blade Runner oder Neuromancer, im Sinne von: Unterschicht lebt auf der Erde, Wohlhabende im Weltall?
Soziale Unterschiede gibt es noch jede Menge. Ich hatte es in einem früheren Posting schon mal angerissen:

Ich denk mal, der Transport von Rohstoffen dürfte eine untergeordnete Rolle spielen - die meisten Elemente sollten auf irgendwie besiedelbaren Planeten zu finden sein.
Auf der Erde und dem Mars hast du recht. Der Fokus meiner Handlung liegt auf dem Saturnsystem, und dort ist die Raumfahrt tatsächlich für den Austausch lebensnotwendiger Güter erforderlich. Die Saturnmonde stellen alles bereit, was ein Ökosystem braucht, aber es verteilt sich über ein halbes Dutzend verschiedener Monde.

Darüberhinaus hat der Saturn einen Exportschlager, an dem das ganze Sonnensystem stark interessiert ist: Helium-3, den primären Rohstoff zur Erzeugung von Fusionsenergie.

Btw. Existiert denn sowas wie ein Standard-Technologie-Konstrukt? Das ist ein Computer, der Baupläne für Maschinen anhand von Parametern wie Ressourcen, Aufgabe und Fertigungsmöglichkeiten ausspuckt.
Nein, so etwas habe ich bislang nicht angedacht.

Außerdem existieren auf zivilisierten Welten Robotergesetze (analog zu Asimov), die insbesondere für Schmuggler, Freelancer, Piraten usw den Nutzen KI-gesteuerter Schiffe reduzieren.
Hm, damit erinnerst du mich an was. :) Ich hatte mal einem potentiellen Auftraggeber ein Projekt vorgeschlagen, Dienstfahrzeuge (insbesondere Lkws) mit einem automatischen Fahrtenbuch-Schreiber zu versehen, um dem Fahrer Bürokratie zu ersparen. Der Auftraggeber hat abgelehnt mit der Begründung, daß dafür kein Markt da wäre. Leute, die aus steuerlichen Gründen ein Fahrtenbuch schreiben müssen, so sagte er, legen in Wahrheit keinen gesteigerten Wert darauf, daß ihre Fahrten mit dem Dienstfahrzeug und deren Aufschlüsselung nach "dienstlich" und "privat" transparent nachvollziehbar wären.

Ähnliche Motive in größerem Maßstab in der Raumfahrt... dann müßten wir noch nicht einmal bis zu Schmugglern und Piraten gehen. Schon "ehrbare Händler" würden Lobbyarbeit betreiben, damit nicht alle Vorgänge an Bord ihrer Schiffe automatisch in irgendwelchen Datenspeichern landen. 8] Schöne Anregung, danke.

Allerdings steig ich nicht dahinter, wieso man ausgerechnet Hebel braucht.
Rein subjektiv von meiner Warte aus: Nostalgie? ::)

Vielleicht wird es mit steigendem Techlevel einfach eine Designfrage. Man kann sich's aussuchen, und die Mode besagt: "Virtuelle Oberflächen sind so 2380er. Was halten Sie von einem eleganten Steuerknüppel mit Überzug aus echtem Leder von der Erde?" ;D

Gibts eigentlich Energieschirme?
Du meinst sowas wie Deflektorschilde? Nein.

Und was die Raumfahrt angeht, würde ich hier in ihren Aufgaben begrenzte Hilfssysteme (Atmosphäreneintritt, Sensorik, Waffensysteme) favorisieren, die letztlich von Menschen gesteuert werden, an Stelle von Vollintegrierten KI, weil sich die Gesetzgebung mit der Verantwortlichkeit von Maschinen und Strafvollzug für diese schwer tut.
Vielleicht auch hier wieder ein Ergebnis juristischer Lobbyarbeit: die Hersteller hatten es satt, dauernd für die Folgen irgendwelcher Systemversagen verantwortlich gemacht zu werden, insbesondere, wenn haufenweise Raumfahrer solche Systemversagen absichtlich provoziert haben, um Versicherungssummen zu kassieren; also haben sich die Hersteller bewußt auf die Herstellung begrenzter Hilfssysteme beschränkt, bei denen die Verantwortung für den sicheren Flug wieder stärker in die Grauzone zwischen Maschine und Anwender geschoben wurde. :)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Zauberelefant am 15.09.2011 | 21:47
Zumindest in modernen Rechtssystemen soll die Strafe ja auch keine Rache sein sondern der Resozialisierung dienen.
Ein Mensch wird in Deutschland nicht ins Gefängnis gesteckt, um sich an ihn zu rächen, sondern weil es a) eine abschreckende Wirkung hat und b) es hilft, ihn zu resozialisieren.
a) ist bei KIs nicht notwendig. Und b) erreicht man durch eine Reprogrammierung locker.
Das mit der Resozialisierung lass ich mal als die offizielle Darstellung unkommentiert. Reprogrammierung einer KI ist doch sowas wie Gehirnwäsche? Das hat doch nichts mehr mit Zivilisation zu tun. Ich komm da nicht mit.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Eulenspiegel am 15.09.2011 | 21:53
Das mit der Resozialisierung lass ich mal als die offizielle Darstellung unkommentiert. Reprogrammierung einer KI ist doch sowas wie Gehirnwäsche? Das hat doch nichts mehr mit Zivilisation zu tun. Ich komm da nicht mit.
Klar. Aber ein Mensch hat Menschenrechte. Aber wenn die KI keine Menschenrechte hat, kann man mit ihr anstellen, was man will.

Und selbst, falls die KI Menschenrechte hat: Ein Mensch besitzt einen Selbsterhaltungstrieb und ist daher gegen eine Gehirnwäsche. Eine KI muss nicht zwangsläufig einen Selbsterhaltungstrieb besitzen. Das kommt darauf an, ob sie einen einprogrammiert bekommen hat. Und eine KI, die keinen Selbsterhaltungstrieb besitzt, kann vielleicht sogar den Wunsch verspüren, sich einer Gehirnwäsche zu unterziehen, damit sie anschließend besser funktioniert und ihre Aufgabe besser erfüllen kann.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Zauberelefant am 15.09.2011 | 21:55
Das würde aber bedeuten, daß die KI auch glaubt, sie habe einen Fehler gemacht. Und der Computer irrt sich nicht...

Mal ehrlich, ich fürchte, da raten wir beide nur rum. Denkbar ist beides.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 15.09.2011 | 23:12
[...]
Sjt: ich hab ein neurobio studium im nebenfach, handfeste literatur und klinikerfahrung aus denen ich schöpfe.
Was sind deine konkreten quellen und wie ziehst du deine schlussfolgerungen daraus?
[...]
Bevor hier der Eindruck entsteht ich würde dem Ausweichen.
Du stellst das hier so dar, als ob wenn man den PC per Gedankenkraft steuert man zwangsläufig zum neurologischen Wrack wird.

Aktuell werden aber in der Bionik einige Projekte gemacht, die sich um Corticale Steuerung von Roboterarmen drehen und auch solche bei denen es darum Geht einen Rechner per Gedankenkraft zu steuern.

Ich lehne die Idee ab, dass alle diese Wissenschaftler a) ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben oder b) so zynisch sind auf jeglichen Standard guter Wissenschaft zu verzichten und die Leute im Vollen Bewusstsein was da kommt in den Neurologischen Schaden tappen lassen.
Das heißt wenn dort draußen auf der einen Seite Professoren ihre Doktoranden und Post Docs so was machen lassen und auf der Anderen Seite du mir sagst, dass das alles einen neurologischen Schaden verursachen wird: als relativer Laie, der vor zig Semestern mal 2 Std pro Woche Anatomie hatte, wem würdest du mehr vertrauen schenken?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 16.09.2011 | 00:13
Ich hatte Alice eigentlich nicht so verstanden, daß sie behauptet hätte, diese Art Ansteuerung müßte zwangsläufig zu Nervenschäden führen. Nur so, daß sie es für plausibel hielt, daß so etwas zu Nervenschäden führen könnte.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 16.09.2011 | 07:55
Doch wenn z.b. das hirnareal das sonst für deine arme zuständig ist plötzlich input zu den tragflächen eines flugzeugs geliefert kriegt?
Das ist wesentlich direkter und auch analoger als beim autofahren.
Kein Problem, soweit ich sehe - außer, das man es eine Weile "einüben" muß. In den ersten zwei, drei Fahrstunden ist man noch völlig überlastet damit, ein hochkomplexes System zu überschauen und mit seiner Körperbewegung zu "synchronisieren". Aber das wird immer mehr Routine. Ist das nicht bei Paraglidern und Drachenfliegern auch ein Stück weit so, das sie die "Tragfläche" nur indirekt spüren, aber immer genauer "erspüren" können, wie Luft und Tragfläche sich zueinander verhalten?

Insofern könnte ich mir vorstellen, daß sich ein Flugzeug oder Raumer, was ein noch komplexeres System darstellt (wenn es das tut), einfach mehr Zeit zum Lernen braucht. Schon bei Autos ist es so, daß man "sein" Auto meist am besten kennt. Das würde sich vermutlich verstärken, je vielfältiger und komplexer das zu steuernde Gerät ist. Aber prinzipiell kann man, soweit ich das Thema kenne, nahezu jeden sensorischen Input als Signal für etwas deuten, solange die beiden hinreichend exakt korelliert sind.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 16.09.2011 | 08:01
Die probleme sehe ich nicht in der steuerung menschenähnlicher maschinen.
Doch je weiter etwas von zwei arme, zwei beine, zwei augen abweicht, desto mehr anpassung ist vom cortex gefordert.
Aber das hab ich bereits geschrieben.

Ps: Ein bisschen mehr als 2h anatomie ist die neurobio dann schon ;)

Aber zum verständnis, dass es anpassungen des gehirns an neuartige wahrnehmung gibt braucht es nun auch nicht wirklich viel.

Die frage ist für mich nicht ob, sonder wie weit ein gesteuertes gerät vom menschlichen körperbau abweichen muss und wie lang man das praktizieren muss, um die maschine besser zu spüren und zu steuern als sich selbst.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 16.09.2011 | 08:08
Ich würde allerdings ein Auto nicht als "menschenähnlich" bezeichnen.

Beim Nachlesen ist mir noch ein Detail aufgefallen: Ich gehe davon aus, daß invasive Eingriffe sich nicht durchsetzen werden, weil sie völlig unnötig sind. Wenn man sowohl die Steuerimpulse wie die sensorischen Rückmeldungen nicht-invasiv umsetzt, muß man keine OPs durchführen.
Und so, wie mein Bild vom "den Menschen an sich" aussieht, würde eine nicht-invasive Technik sich weitaus schneller und weiter verbreiten als eine invasive. Das hat etwas mit dem Selbstbild zu tun und damit, wieweit man anderen erlaubt, das "Selbst" anzutasten, und damit, daß Unbehagen und Zaudern vergleichsweise mächtige Impulse sind.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 16.09.2011 | 08:18
Ja. Invasiv ist nicht beliebt.
Die resultate damit werden dabei aber besser sein.
Ich denk das militär würde das schon nutzen.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 16.09.2011 | 08:25
Zum auto hab ich auch bereits geschrieben.
Die repräsentation kommt auf höherer nicht basaler ebene zustande.
Das ist ein grosser unterschied.
Du hörst deinen auspuff knattern und interpretierst das.
Du kriegst das knattern nicht direkt als vibrarion in dein primäres sensorisches areal, dass das auto mit der repräsentation deines eigenen körpers verschmilzt, die fortbestehen bleibt aber nutzlos ist während du nicht riggst.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 16.09.2011 | 08:58
So. Ich krieg jetzt tanelornverbot von mir selber.
Spannende themen lenken mich nur vom lernen ab.
Aber im november stell ich die frage nach dem riggen gerne mal in meinem neuroscience forum.
Vielleicht kann ich die herren und damen wissenschaftler mit so einem thema mal in eine wilde diskussion führen.
Die resultate berichte ich dann gerne.

Ciao & viel spass noch  :d
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: dunklerschatten am 16.09.2011 | 09:10
Bezüglich des ganzen Neurobiokram:
Verzeihung, ! aber hier werden doch Aussagen über ein hypothetischen Sachverhalt geäußert und so getan als ob dies aktuell naturwissenschaftlich beweisbar wäre, anhand von aktuellem Wissen !

Cyberware könnte ohne Probleme funktionieren oder eben nicht, kein ernstzunehmender Naturwissenschaftler wird sich aktuell auf eine festzementiere Aussage versteifen.

Die bisher wenig und rudimentäre verfügbaren experimentellen Daten lassen imho eher den Rückschluss das es keine Probleme geben wird.

Und ganz ab von dem stochern im Nebel, eine funktionelle Schnittstelle M+M fällt doch nicht vom Himmel. Da sind doch noch X weitere Erkenntnisse/Entwicklungen dran gekoppelt, ich denke da nach wie vor an Signalfilter, Konverter, Interpreter etc.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 16.09.2011 | 09:22
Und so, wie mein Bild vom "den Menschen an sich" aussieht, würde eine nicht-invasive Technik sich weitaus schneller und weiter verbreiten als eine invasive. Das hat etwas mit dem Selbstbild zu tun und damit, wieweit man anderen erlaubt, das "Selbst" anzutasten, und damit, daß Unbehagen und Zaudern vergleichsweise mächtige Impulse sind.
Stimmt schon. Allerdings wandern die Grenzen, was als "invasiv" angesehen wird, mit der kulturellen Entwicklung und unterscheiden sich auch von Individuum zu Individuum. Manche Leute empfinden bereits ein Piercing als invasiven Eingriff. Auf der anderen Seite bin ich sicher, daß wir hier im Tanelorn gleich mehrere Teilnehmer finden würden, die sich ohne Zögern einen Chip ins Hirn implantieren lassen würden, einfach weil's "cool" ist.

Für meine Zwecke ist diese Ambivalenz natürlich eher ein Vorteil. Das gibt mir bei der Ausarbeitung der Kultur großen Spielraum.

Aber im november stell ich die frage nach dem riggen gerne mal in meinem neuroscience forum.
Vielleicht kann ich die herren und damen wissenschaftler mit so einem thema mal in eine wilde diskussion führen.
Die resultate berichte ich dann gerne.
:) Liebend gern! Auf _die_ Ergebnisse wäre ich äußerst gespannt!
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Fat Duck am 16.09.2011 | 12:55
Bezüglich des ganzen Neurobiokram:
Verzeihung, ! aber hier werden doch Aussagen über ein hypothetischen Sachverhalt geäußert und so getan als ob dies aktuell naturwissenschaftlich beweisbar wäre, anhand von aktuellem Wissen !

Nicht wirklich. Es wird nur gesagt, dass aus heutiger Sicht bestimmte Entwicklungen vorstellbar wären. Aber irgendwann wurde dieser lustige Strohmann in den Thread gesetzt, dass alice versucht hier irgendwas zu beweisen. Und gegen den wetterst du gerade.
Und nanonanet wird versucht, über wissenschaftliche Erkenntnisse Aussagen über hypothetische Sachverhalte zu machen. Es ist Science Fiction ... es ist sogar Hard Science Fiction! ;)

@Grey:
Stimmt schon. Was als invasiv gilt und was nicht, ist wohl rein kulturabhängig. Bei dir könnte das alles sogar schon wieder retro sein.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 16.09.2011 | 12:56
Ja. Invasiv ist nicht beliebt.
Die resultate damit werden dabei aber besser sein.
Daran habe ich so meine Zweifel. Sie werden anders sein - das ist evident. Aber ich sehe noch keinen guten Grund dafür, warum die invasive Technik überhaupt Vorteile gegenüber der nicht-invasiven haben soll. Eventuell torpediert sie sogar wesentliche Aspekte, nämlich Verzögerungen und Überlagerungen, die der Körper erwartet, und die nicht zu haben das "Verstehen" schwieriger macht, nicht leichter.
Ich halte (nach dem, was ich so am Rande mitbekomme von der ganzen Thematik) das "Riggen" für ein Hirngespinst, das in der praktischem Umsetzung nur Nachteile, aber keine signifikanten Vorteile bringt. Verglichen damit schneidet sogar das Piercing noch besser ab, das kann man wenigstens irgendwie "attraktiv" finden.

Allerdings wandern die Grenzen, was als "invasiv" angesehen wird, mit der kulturellen Entwicklung und unterscheiden sich auch von Individuum zu Individuum.
Invasiv heißt, soweit ich weiß, auf medizinisch: "mit einem Eingriff ins Körperinnere verbunden". Das Anziehen eines Handschuhs ist "nicht-invasiv", das Aufkleben eines Pflasters ebenfalls. Eine Wunde zu nähen, liegt im Grenzbereich. Piercing und Tätowieren ist medizinisch gesehen invasiv, soweit ich weiß, es interessiert nur keinen, soweit es nicht als medizinischer Eingriff gesehen wird. Das Entfernen von Ohrenschmalz und Zahnstein könnte schon wieder im Grenzbereich liegen - strikt gesehen ist es nicht-invasiv, wohingegen das Setzen einer Zahnplombe invasiv ist. Das hat, soweit ich sehe, keinerlei "kulturellen" Aspekte, das ist einfach eine Frage der (unter Medizinern) verbindlichen Definition.  

Auf der anderen Seite bin ich sicher, daß wir hier im Tanelorn gleich mehrere Teilnehmer finden würden, die sich ohne Zögern einen Chip ins Hirn implantieren lassen würden, einfach weil's "cool" ist.
Ich glaube, es würden sicher viele von sich behaupten - solange nicht zu befürchten ist, daß sie je ihr Wort halten müssen. In dem Moment, wo sie die 17-seitige Einverständniserklärung unterschreiben sollen, sind 99% bis 100% dann wohl doch lieber wieder woanders und haben gerade was gaanz Dringendes zu tun...  
Es ist leicht zu sagen: "Ich würde..." Aber schon der Zahnarzt-Bohrer scheidet die einen von den andern, und der soll lediglich die richtigen Bedingungen für eine Zahnplombe schaffen.
Sicher, Du hast mehrfach betont, daß der technische Stand sich weiterentwickelt haben soll. Aber die Einverständniserklärung wird dadurch nicht kürzer werden. Das Nervensystem ist ein komplexes Ding, und ich glaube nicht, daß je Mediziner daran mit soviel Gelassenheit herangehen wie an Knochen, die man mal so eben verschrauben kann, wenn sie zerbrochen sind. Daß die modernen "Life Sciences" dann auch noch das Selbst irgendwie im oder jedenfalls in der Nähe vom Zentralnervensystem zu sehen gewohnt sind, macht die Sache nicht besser.
Und es ist einfach eine Sache, etwas Fremdes im eigenen Körper zu dulden. Zuchttiere aller Art werden heute selbstredend "gechippt", d.h. mit einem Identifikationschip versehen, über den sie eindeutig identifizierbar sind. Aber Menschen "chippen"? Das gibt sofort heiße Debatten, wenn auch vielleicht hierzulande heißere als andernorts. Und doch, die Möglichkeit besteht, sie ist an anderen Säugetieren gang und gebe... und für Menschen noch eine absolute Ausnahme, obwohl sie ja offenkundig Vorteile hätte.
Aber wie ich schon sagte: Nur, daß etwas möglich und nützlich ist, heißt noch nicht, daß Menschen es machen. Nur, daß ein Verzicht auf etwas offenkundig nachteilig und unpraktisch ist, heißt nicht, daß Menschen auch nicht eben doch lieber dankend verzichten.

Edit:
Auf heise zum Thema "Menschen und Chips im Körper":
http://www.heise.de/tp/artikel/17/17867/1.html (Telepolis: Mexikanische Strafverfolger an der elektronischen Leine)
http://www.heise.de/newsticker/meldung/RFID-Furcht-vor-technologischem-Paternalismus-106629.html
http://www.heise.de/newsticker/meldung/RFID-Implantate-fuer-Menschen-noch-kein-grosses-Geschaeft-145839.html
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Fat Duck am 16.09.2011 | 13:08
Das hat, soweit ich sehe, keinerlei "kulturellen" Aspekte, das ist einfach eine Frage der (unter Medizinern) verbindlichen Definition.  
Und unter nicht-Medizinern hats kulturelle Aspekte. Wissenschaftsjargon hat damit wenig zu tun.
Und es ist einfach eine Sache, etwas Fremdes im eigenen Körper zu dulden. Zuchttiere aller Art werden heute selbstreden "gechippt", d.h. mit einem Identifikationschip versehen, über den sie eindeutig identifizierbar sind. Aber Menschen "chippen"? Das gibt sofort heiße Debatten, wenn auch vielleicht hierzulande heißere als andernorts.

Also ist es kulturabhängig.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 16.09.2011 | 13:12
Und unter nicht-Medizinern hats kulturelle Aspekte.
Mag sein, das ist aber ein anderes Thema dann. Soweit es um Implantate und vor allem mit Neuronen verknüpfbare Implantate geht, ist es eindeutig im medizinischen Bereich angesiedelt, und folglich empfiehlt es sich (der Klarheit zuliebe), medizinische Fachbegriffe als medizinische Fachworte zu nutzen.

Also ist es kulturabhängig.
Nur daß es kulturabhängige Dinge gibt, macht noch nicht alles kulturabhängig. Und nur, daß es von kulturellen Aspekte unabhängige Dinge gibt, bedeutet nicht, daß alles kulturunabhängig wäre. Etwas genauer darf man da schon hinschauen. Meines Erachtens sollte, ja muß man sogar genauer hinschauen, wenn man ein sinnvolles Gespräch führen möchte.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Grey am 16.09.2011 | 13:18
Sicher, Du hast mehrfach betont, daß der technische Stand sich weiterentwickelt haben soll. Aber die Einverständniserklärung wird dadurch nicht kürzer werden.
OK, hast recht. Es scheint, daß sich die Jura im Moment in diesem Thread als das Wissensgebiet herauskristallisiert, das den technischen Fortschritt der Zukunft am entscheidendsten eindämmen kann. Genau wie im richtigen Leben. ;)

Aber wie ich schon sagte: Nur, daß etwas möglich und nützlich ist, heißt noch nicht, daß Menschen es machen. Nur, daß ein Verzicht auf etwas offenkundig nachteilig und unpraktisch ist, heißt nicht, daß Menschen auch nicht eben doch lieber dankend verzichten.
Stimmt schon. Allerdings sehe ich immer wieder mit Grausen und Entsetzen auf den auch heute schon recht leichtfertigen Umgang ganzer Massenbewegungen mit, naja, ihrer Menschlichkeit. Wenn ich in der Presse lese, daß es in den USA gang und gäbe sei, daß Frauen mal eben in der Mittagspause zur Schönheits-OP beim Chirurgen gegenüber gehen... dann senkt das bei mir die Hemmschwelle, für eine Zukunft, in der es möglich ist, an einen flächendeckenden Vercyberungs-Wahnsinn zu glauben.

http://www.heise.de/tp/artikel/17/17867/1.html (Telepolis: Mexikanische Strafverfolger an der elektronischen Leine)
http://www.heise.de/newsticker/meldung/RFID-Furcht-vor-technologischem-Paternalismus-106629.html
http://www.heise.de/newsticker/meldung/RFID-Implantate-fuer-Menschen-noch-kein-grosses-Geschaeft-145839.html
Klasse, vielen Dank für die Links! :)

Mag sein, das ist aber ein anderes Thema dann. Soweit es um Implantate und vor allem mit Neuronen verknüpfbare Implantate geht, ist es eindeutig im medizinischen Bereich angesiedelt, und folglich empfiehlt es sich (der Klarheit zuliebe), medizinische Fachbegriffe als medizinische Fachworte zu nutzen.
Naja, wir befanden uns mit diesem Teil der Diskussion gerade in der Grauzone zwischen der Medizin als Wissenschaft und dem subjektiven Empfinden derer, die von den Segnungen dieser Wissenschaft Gebrauch machen. Ich hatte das Wort "invasiv" an der Stelle einfach im umgangssprachlichen Sinne benutzt für: "kommt der betroffenen Person als unangenehm tiefer Eingriff in die eigene Persönlichkeit vor". Das war ja in Bezug darauf, wie sehr es in der Bevölkerung akzeptiert wird und sich ausbreitet, das Entscheidende.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Fat Duck am 16.09.2011 | 13:28
Und so, wie mein Bild vom "den Menschen an sich" aussieht, würde eine nicht-invasive Technik sich weitaus schneller und weiter verbreiten als eine invasive. Das hat etwas mit dem Selbstbild zu tun und damit, wieweit man anderen erlaubt, das "Selbst" anzutasten, und damit, daß Unbehagen und Zaudern vergleichsweise mächtige Impulse sind.
Das hier hat nichts mit Medizin zu tun. Aber wenn du's klarer haben willst:
Was ein Mediziner als invasiv bezeichnet (denk ich mal, ich verlass mich auf deine Definition), ist nicht unbedingt 1:1 das, was ein Mensch als invasiv empfindet. Bei letzterem kommt nämlich noch der emotionale Aspekt dazu.
Und das hat was mit individueller Einstellung zu tun; und mit kulturellen Begebenheiten, die auf diese Einstellung Einfluss haben.

EDIT: Meh, Grey war schneller. :P
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 16.09.2011 | 15:17
Tja, ich habe vor Greys letztem Beitrag noch nie einen Menschen sagen hören, daß er etwas als "invasiv empfindet". Insofern ist mir der Sprachgebrauch fremd, und ich weiß nicht, wo er "in freier Wildbahn" zu finden wäre. Wann und wo immer ich den Begriff "invasiv" gesehen, gesehen und gehört habe, war die Rede von medizinischen (oder quasi-medizinischen) Eingriffen. Insofern behandele ich den Begriff als medizinischen Fachbegriff, und ich würde auch sagen, daß das der Verwendung von Alice zumindest nicht widersprochen hat. In diesem Sprachgebrauch ist "invasiv" keine Frage von Empfindungen oder Deutungen, sondern klar umrissen - selbst wenn er in besonderen Fällen übertragen verwendet wurde, also keine OP, sondern eine andere Art von Eingriff bezeichnet hat. Selbst für die übertragene Bedeutung muß (und das trifft, glaube ich, auch auf Greys Verwendung zu) die Grenze zwischen "invasiv" und "nicht invasiv" immer als klar vor Augen liegend gedacht werden: das Invasive "geht unter die Haut", zu tief also, um einfach hinnehmbar zu sein. Wenn also der Begriff in einem übertragenen Sinn gebraucht wird - und da waren wir uns im Grunde von Anfang ja eh an einig -, dann ist die Übertragung kulturvariant. Das medizinische Original ist es (im Wesentlichen jedenfalls) aber nicht. 
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Fat Duck am 16.09.2011 | 17:22
Ich glaube, wir drehen uns hier langsam im Kreis - und das auch noch sinnlos, weil Grey ja wohl eh keine Datenbuchsen o.ä. haben will (maximal fürs Militär). Und die Definition von "invasiv" ist mir eigentlich auch relativ egal.
Aber:

Selbst für die übertragene Bedeutung muß (und das trifft, glaube ich, auch auf Greys Verwendung zu) die Grenze zwischen "invasiv" und "nicht invasiv" immer als klar vor Augen liegend gedacht werden: das Invasive "geht unter die Haut", zu tief also, um einfach hinnehmbar zu sein. 

Ich sehe einfach nicht, warum "unter die Haut gehend" oder "invasiv" mit nicht "einfach hinnehmbar" gleichzusetzen ist. Dafür gibt es einfach zu viele Gegenbeispiele in unserer Geschichte und auch noch in der Gegenwart, bei indigenen Völkern Nordamerikas (Sonnentanz), Südamerikas (Bullet Ants) und bestimmt auch anderer Teile der Welt. Und es gibt immer mehr Leute, die sich intensive Bodymods machen lassen (Stalking Cat als Extrembeispiel).
Wieso sollte sich also nicht eine (möglicherweise Sub-)Kultur rund um Cyberware ausbreiten? Wenns das Militär benutzt, sind die Militärfetischisten nicht weit. Wenn es hässlich ist, kannst du davon ausgehen, dass es mal zum Erkennungsmerkmal einer Jugendbewegung wird.
Und für dieses Setting eventuell interessant: So ein Kult rund um Kopfkabel und Gehirncomputer ist auch ein schöner, offensichtlicher Angriffspunkt für eine Gegenbewegung, die Pro-Mensch und Anti-Automat ist.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 16.09.2011 | 21:55
Dafür gibt es einfach zu viele Gegenbeispiele in unserer Geschichte und auch noch in der Gegenwart, bei indigenen Völkern Nordamerikas (Sonnentanz), Südamerikas (Bullet Ants) und bestimmt auch anderer Teile der Welt.
Beide Beispiele sagen mir nichts. Insofern kann ich da nur mit den Schultern zucken. Wenn das "unter die Haut Gehende" kulturell gefordert oder zumindest ausreichend positiv belegt ist, kann das gegenüber der Unlust und dem Unbehagen schon auch mal überwiegen. Und zwar bis ins Extreme - wenn etwa Frauen, die als Kinder beschnitten worden sind, ihre Töchter beschneiden lassen, weil sich das für sie eben so gehört und die Töchter sonst gesellschaftlich ausgegrenzt werden könnten. 

Wieso sollte sich also nicht eine (möglicherweise Sub-)Kultur rund um Cyberware ausbreiten?
Weil gerade Subkulturen Wert auf ihre, die ihnen eigene Identität legen. Das ist aber mit einer Einmischung in die Identität durch Dritte (vermittelt durch entsprechende Implantate, deren Funktionalität ja der Hersteller vorgibt) schwer vereinbar.
Wobei ich gar nicht ausschließen würde, daß es immer Extreme gibt, die alles mit sich machen und vielleicht, statt sich einen Rechner zusammenzustöpseln, sich irgendwann Implantante löten. Sie sind nur eben für die gesellschaftliche Entwicklung eher irrelevant, soweit sie nur als "irgendwie Verrückte" betrachtet werden. Für handwerklich gute Arbeit braucht man verläßliche, trainierbare und einschätzbare Leute. Solange die sich nichts implantieren lassen, ist allein die Tatsache, daß es Leute mit Implantaten gibt, ziemlich witzlos für ihren Einsatz in der Arbeitswelt.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Fat Duck am 17.09.2011 | 16:29
Beide Beispiele sagen mir nichts. Insofern kann ich da nur mit den Schultern zucken. Wenn das "unter die Haut Gehende" kulturell gefordert oder zumindest ausreichend positiv belegt ist, kann das gegenüber der Unlust und dem Unbehagen schon auch mal überwiegen. Und zwar bis ins Extreme - wenn etwa Frauen, die als Kinder beschnitten worden sind, ihre Töchter beschneiden lassen, weil sich das für sie eben so gehört und die Töchter sonst gesellschaftlich ausgegrenzt werden könnten. 
Na bitte, du hast ja ein noch besseres Beispiel geliefert, danke. :)

Zitat
Weil gerade Subkulturen Wert auf ihre, die ihnen eigene Identität legen.
Jain, wenn man sich einer Subkultur anschließt, unterwirft (blödes Wort) man sich bestimmter gemeinsamer Verhaltenscodes, Riten, Kleidungsstile, Musik usw. Man legt also wohl schon Wert auf die eigene Identität, definiert sie aber (zumindest in dem Aspekt des Lebens, der mit der Subkultur zu tun hat) über eine Positionierung innerhalb der Gesellschaft. Daher ...
Zitat
Das ist aber mit einer Einmischung in die Identität durch Dritte (vermittelt durch entsprechende Implantate, deren Funktionalität ja der Hersteller vorgibt) schwer vereinbar.
... hast du immer eine Einmischung durch Dritte. Individuelle Identität ist in diesem Sinn also eher die Wahl, welche Einflüsse durch Dritte annehmbar sind und welche nicht.

Zitat
Wobei ich gar nicht ausschließen würde, daß es immer Extreme gibt, die alles mit sich machen und vielleicht, statt sich einen Rechner zusammenzustöpseln, sich irgendwann Implantante löten. Sie sind nur eben für die gesellschaftliche Entwicklung eher irrelevant, soweit sie nur als "irgendwie Verrückte" betrachtet werden. Für handwerklich gute Arbeit braucht man verläßliche, trainierbare und einschätzbare Leute. Solange die sich nichts implantieren lassen, ist allein die Tatsache, daß es Leute mit Implantaten gibt, ziemlich witzlos für ihren Einsatz in der Arbeitswelt.
Das gilt aber nur, wenn Implantate innerhalb der Gesellschaft als Extreme gelten. Und ob eine Arbeit handwerklich gut ist oder nicht, hat damit garnix zu tun. Vollkörper-Tattoos gelten bei uns als ziemlich extrem. Deshalb müssen sie nicht handwerklich schlecht sein.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Zauberelefant am 18.09.2011 | 19:26
Um mal wieder auf den Punkt zu kommen:
Vercybern lohnt sich nur, wenn dadurch eine Leistungssteigerung zustande kommt, ansonsten wird man wohl mit Neuro-Hauben, -Handschuhen, etc. zu Rande kommen, oder? Das wiederum kann man wohl (frei) definieren. Die Lösungen reichen von "gibt nur Bodyware" (für Sportler, Soldaten, Kranke, etc) über "gibt auch Cortexware" (Hilfsrechner eingepflanzt im Gehirn) bis hin zur allgemeinen Steigerung kognitiver Fähigkeiten, wovon Grey aber wohl Abstand nimmt. Für mich wäre Fall 1 durchaus denkbar, und würde wohl auch vollkommen reichen. Nimmt man noch eventuelle juristische/kulturelle Hindernisse hinzu, kann auch die Zukunft mit einem geringen Anteil an Cyberware auskommen, auch wenn neurologisch/kybernetische Schnittstellen durchaus verbreitet sein dürften. aber im Zweifelsfall höchstens als minimalinvasive Maßnahmen.
Ob das für die Erfordernisse der fernen Zukunft reicht, hängt wohl auch davon ab, wie mit KI umgegangen wird:
Entwickelt eine KI Bewusstsein nach unserem Verständnis? Dann wäre Fat Ducks wirklich amüsanter Beitrag von vor drei Seiten nach KI-affirmative Action ja gar nicht abwegig. Sobald sie wegen der Automatisierung nicht mehr wegzudenken sind, können sie ihre Rechte einfordern. Ich stoß mich da halt an der Idee der "Programmierung" einer KI, weil eine Programmierung nach heutigem (Alltags) Verständnis ja mit beliebiger Entwicklung/Lernen nichts zu tun hat.
In diesem Falle hätte man es mit "beschänkten" Assistenzsystemen zu tun, die zwar die eigentliche Arbeit machten, aber letztlich von einem Menschen als Leiter abhängen/interagieren.
In beiden Fällen sehe ich die Möglichkeit, z.B. Piloten einzusetzen. Im ersten Fall sind KI zu selten/teuer/nicht bereit, den Job zu machen. (Sie bewerten das Risiko anders als Organismen), im zweiten Fall ist es einfach unumgehbar, daß der Mensch lenkt, und die Maschine hilfreich denkt.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 24.09.2011 | 23:29
Bin grad über eine chip innovation gestolpert, die euch interessieren könnte:
http://www.nature.com/news/2011/110818/full/news.2011.486.html?s=news_rss
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 24.09.2011 | 23:44
Mit invasiv mein ich immer das medizinisch-chirurgische eingreifen in ein organ.
Bei betroffenen tritt uU aber auch das perönlichkeitsverletzte empfinden ein.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 25.09.2011 | 00:48
Bin grad über eine chip innovation gestolpert, die euch interessieren könnte:
http://www.nature.com/news/2011/110818/full/news.2011.486.html?s=news_rss

IBM's brainy new chip can apparently play Pong  like a pro.

 :D
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 26.09.2011 | 21:58
Interesting:

http://www.slate.com/id/2304442/
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: dunklerschatten am 4.10.2011 | 23:09
dieser Artikel

http://www.golem.de/1110/86806.html

spricht wohl aktuell eindeutig Pro Cyberware, ohne große Probs
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 5.10.2011 | 07:12
Langfristig dürfte die Ratte allerdings Probleme mit dem Implantat bekommen. Aber so lang lebt die Ratte wahrscheinlich nicht. Ein Mensch schon.

Und vor allem sind Ugrades bei Implantaten ja trotzdem unnötig kompliziert.

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: dunklerschatten am 5.10.2011 | 07:24
Zitat
Langfristig dürfte die Ratte allerdings Probleme mit dem Implantat bekommen

Warum genau ??
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 5.10.2011 | 07:24
Weil das Immunsystem den Chip als Fremdkörper angreifen wird. Genau wie einen Splitter im Finger.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 5.10.2011 | 08:29
... spricht wohl aktuell eindeutig Pro Cyberware, ohne große Probs
Nein, keineswegs. Oder würdest Du Dein Kleinhirn aufgeben, um zu beweisen, daß Du trotzdem blinzeln kannst?
Es ist ein gravierender (und für die Diskussion alles andere als unwichtiger) Fehler, anzunehmen, daß die Probleme medizinischer Natur wären und, wenn die erst gelöst wären, alles andere von selbst käme. Wie ich weiter oben schon ausgeführt habe, entstehen die Probleme in der Tat an ganz anderer Stelle.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: dunklerschatten am 5.10.2011 | 13:12
Zitat
Weil das Immunsystem den Chip als Fremdkörper angreifen wird. Genau wie einen Splitter im Finger.

Nun ja, das Immunsystem des Gehirns ist ja doch etwas anders als das des restlichen Körpers und man kann die Microglia-Zellen durchaus hemmen. Ergo muss der Chip nicht angegriffen werden.

Für die Zukunft könnte man auch postulieren das Implantate entsprechend beschitet werden, so das das "Immunsystem" sie nicht als fremd wahrnimmt.



Zitat
Nein, keineswegs. Oder würdest Du Dein Kleinhirn aufgeben, um zu beweisen, daß Du trotzdem blinzeln kannst?
Es ist ein gravierender (und für die Diskussion alles andere als unwichtiger) Fehler, anzunehmen, daß die Probleme medizinischer Natur wären und, wenn die erst gelöst wären, alles andere von selbst käme. Wie ich weiter oben schon ausgeführt habe, entstehen die Probleme in der Tat an ganz anderer Stelle.

Also ich würde mir AKTUELL sicher nicht so einen Chip implantieren lassen, wofür auch. Ich kann ja blinzeln ;) und die Ratte BEWEIST das es mit hilfe des Chips funktioniert.

Deine Ausführungen in allen Ehren, ABER anzunehmen das es in diesem Kontext noch andere schwerwiegende Gründe als medizinsich und technische gibt halte ich für falsch.
Der Mensch hat schon immer ALLES genutzt was möglich ist und wenn er davon profitiert, dann etabliert sich eine Technik eben.

Ich halte es daher für sehr sehr wahrscheinlich das in absehbarer Zukunft, "verbesserte Menschen" rumrennen werden. Eben weil es massive Vorteile bringt.
Da reicht ein Blick in die Realität, Glieder-Prothesen werden immer technisierter, erste Chips werden erfolgreich in Mensch eingesetzt (sowohl aus medizinischen und auch aus Lifestyle Gründen), es gibt MINDESTENS Gedankenspiele zur gentech. Modifizierung von Menschen, Invitro-Fertilisation ist möglich, bezahlbar und weitesgehend akzeptiert (außer von irgendwelchen Fanatikern)

Die Liste ließe sich mit Sicherheit beliebig erweitern. Aber denke es reicht um daraus einen Zukunftstrend abzulesen.

Und um hier beim Thema zu bleiben:
Bis jetzt gibt es imho KEINE zugängliche Studie/Versuche die ersschöpfend das Thema Cyberware behandelt/klärt.
Ergo ist (noch) alles möglich :)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 8.10.2011 | 09:22
Der Mensch hat schon immer ALLES genutzt was möglich ist und wenn er davon profitiert, dann etabliert sich eine Technik eben.
Nein, erstaunlicherweise nicht. Sehr oft wurden höchst effektive Dinge nicht genutzt, weil andere Erwägungen zu sehr dagegensprechen. Du glaubst gar nicht, wo wir wären, wenn es nicht Angst und Mitleid gäbe... Oder wäre nicht ein kleiner, ferngesteuerter Hubschrauber mit mäßiger Feuerkraft eine wirklich sehr effektive Methode, von der man oft profitieren würde? Und genauso funktioniert es auf staatlicher und auf gesellschaftlicher Ebene. Möglich und effektiv sind nur zwei Aspekte - bei weitem aber nicht hinreichend.

Deine Ausführungen in allen Ehren, ABER anzunehmen das es in diesem Kontext noch andere schwerwiegende Gründe als medizinsich und technische gibt halte ich für falsch.
Hmm... warten wir mal ab. Ich nehme an, daß Du deutlich jünger bist als ich, insofern wirst Du noch eine Weile beobachten können.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 8.10.2011 | 10:05
Nein, erstaunlicherweise nicht. Sehr oft wurden höchst effektive Dinge nicht genutzt, weil andere Erwägungen zu sehr dagegensprechen. Du glaubst gar nicht, wo wir wären, wenn es nicht Angst und Mitleid gäbe... Oder wäre nicht ein kleiner, ferngesteuerter Hubschrauber mit mäßiger Feuerkraft eine wirklich sehr effektive Methode, von der man oft profitieren würde? [...]

Tut mir leid, aber falls Dein Argument zutrifft, hast Du ein äußerst unglückliche Beispiel gewählt. Genau solche Geräte sind in der Entwicklung.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Zauberelefant am 8.10.2011 | 22:10
...aber nicht für jede Hausfrau...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 9.10.2011 | 01:18
Genau solche Geräte sind in der Entwicklung.
In der Entwicklung? Den Bausatz für den Helikopter gibt's bei einem gut sortierten Elektronik-Fachmarkt. Oder in einer Spielzeugabteilung der Läden, wo die Gutbetuchten ihren Kindern was zum Geburtstag aussuchen. Die Feuerkraft läßt sich, wenn man nicht einen Waffenschein hat, zur Not nach einer Bauanleitung zurechtstricken. Ich glaube nicht, daß man dafür Gesetze brechen müsste, um an die "Zutaten" zu kommen. Kostenpunkt? Ich wäre überrascht, wenn es fünfstellig sein würde. Leute, die sich ein Auto kaufen können, können sich auch das leisten.
Warum also gibt es mehr Zweitwagen als solche Dinger?

Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Zauberelefant am 9.10.2011 | 02:24
Weil der Zweitwagen ungefährlicher ist.
Die Alte ist zufrieden und hat keine bewaffnete Drohne....
 ~;D
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Thot am 9.10.2011 | 10:43
In der Entwicklung? Den Bausatz für den Helikopter gibt's bei einem gut sortierten Elektronik-Fachmarkt. Oder in einer Spielzeugabteilung der Läden, wo die Gutbetuchten ihren Kindern was zum Geburtstag aussuchen. Die Feuerkraft läßt sich, wenn man nicht einen Waffenschein hat, zur Not nach einer Bauanleitung zurechtstricken. Ich glaube nicht, daß man dafür Gesetze brechen müsste, um an die "Zutaten" zu kommen. Kostenpunkt? Ich wäre überrascht, wenn es fünfstellig sein würde. Leute, die sich ein Auto kaufen können, können sich auch das leisten.
Warum also gibt es mehr Zweitwagen als solche Dinger?

Weil die Nützlichkeit von Waffen (ganz unabhängig von der Legalität) in einer zivilisierten Umgebung ungefähr gegen null geht. Überwachungsgeräte allerdings sind weit verbreitet. So tragen wir zum Beispiel fast alle freiwillig eine Wanze mit uns herum. In den Achtzigern, als schon Kabelfernsehen die Leute misstrauisch machte, wäre das gesellschaftlich undenkbar gewesen.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Merlin Emrys am 9.10.2011 | 11:22
Weil der Zweitwagen ungefährlicher ist.  
Ja. Wie ich sagte: Angst.

Weil die Nützlichkeit von Waffen (ganz unabhängig von der Legalität) in einer zivilisierten Umgebung ungefähr gegen null geht.
Nein. Sie wären sehr wohl nützlich. Mein Nachbar macht Krach? Ruhe jetzt. Diese Sprayer verschandeln meine Hauswand? Nicht noch einmal. Der schaut mich doof an? Also... - Lausch' doch mal in Dich hinein, wenn Du sauer bist: Was wünscht Du Dir dann? Wie wär's dann mit dem, was Du nicht einzusetzen wagst?
Es ist die pure Angst um sich selbst, die der Legalität ihr Gewicht verleiht: Ich wäre selbst dann auch nicht mehr lange am Leben.

Nochmal analytischer:
Es gibt zwei Grade, in denen man "Nützlichkeit" bestimmen kann:
1.) Die "pure" Nützlichkeit. Das ist alles, was positiv wäre, unter (vorläufigem) Ausblenden aller negativen Aspekte.
2.) Die "effektive" Nützlichkeit. Pseudo-mathematisch ausgedrückt ist es das, was unter Nummer 1.) steht, minus {alles, was negativ wäre}, soweit das Ergebnis dieser Rechnung > 0 ist.
Dasselbe gilt für Chips. "Pure" Nützlichkeit wird für nahezu alles gegeben sein, auch für Chips im Hirn, denn irgendwofür werden sie wohl doch auch gut sein. Aber die "effektive" Nützlichkeit ist damit noch nicht zwingend gegeben, denn dafür muß man in gleicher Weise alles mit einbeziehen, was negativ wäre, und wenn das überwiegt, ist "effektive" Nützlichkeit nicht gegeben.

Man kann also pure Nützlichkeit ohne Probleme als gegeben voraussetzen. Aber nicht effektive Nützlichkeit. Und ebenso, wie die effektive Nützlichkeit von bewaffneten Modellhubschraubern "gegen Null geht", kann es auch mit den Chips sein. Um das zu beurteilen, müßte man zunächst mal alle wesentlichen Aspekte - positive und negative - kennen, und das ist derzeit noch nicht menschenmöglich. Damit läßt sich die "effektive" Nützlichkeit aber eben auch nicht einfach so postulieren.  
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 19.01.2012 | 22:20
Turn undead thread and eat this   :D

http://www.nature.com/news/2011/111005/full/news.2011.576.html?s=news_rss

Bin ich cool oder bin ich cool?
 ;D
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: ErikErikson am 19.01.2012 | 22:29
Bist du da bei?
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 19.01.2012 | 22:38
Nein, ich hätte in Wirklichkeit meine Mühe mit Tierversuchen.
Ausserdem hab ich die Erfahrung gemacht, dass - wenn überhaupt - die Ergebnisse aufregender sind als die Forschung selber.
Ich bin im Qualitätsmanagement eines Produktionsbetriebs grad glücklicher.

Aber immerhin hab ich ne ziemlich gute Vorstellung davon gehabt, wie sowas funktionieren müsste :)
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: ErikErikson am 19.01.2012 | 23:11
In nature publizieren wär halt schon was.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Alice Crocodile Coltrane am 19.01.2012 | 23:48
Wenn man Forscher ist auf jeden Fall.
Ist das was für dich?
Ich hab das irgendwie ad acta gelegt.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: ErikErikson am 20.01.2012 | 08:50
na, auf Dauer nicht. ich hätt nur gern einmal.
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: mat-in am 20.01.2012 | 23:26
In Nature Publizieren hat viel damit zu tun, mit den Editors mal nen Kaffee getrunken zu haben und an was zu forschen, daß die "in" finden...
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: SeelenJägerTee am 20.01.2012 | 23:52
Nature?
I want good data and a paper in cell.  ;D
Titel: Re: [Hard SF] Die Automatisierung, dein Feind und Helfer?
Beitrag von: Feuersänger am 21.01.2012 | 00:00
Irgendwie muss ich gerade assoziieren:

(http://mthruf.files.wordpress.com/2012/01/job-fails-its-good-to-get-back-to-the-basics-when-youre-stressed-out.png)