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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Joerg.D am 7.10.2011 | 14:08

Titel: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Joerg.D am 7.10.2011 | 14:08
Gute Frage, oder ? Die Frage dazu kam am letzten Samstag auf der Geburtstagsparty  eines Freundes in München auf, wo ich mehrere Reign Spieler und 2 SL kennen lernte. Dort entwickelte sich schnell die Diskussion, was man denn so mit feigen Spielern machen solle, die mit ihrem Charakter nicht in die Schlacht ziehen um durch mutige Taten und Siege Boni für seine Company zu produzieren.

Ich muss zugeben, dass ich so einen Spieler auch in meiner Runde habe und es mich nicht im Geringsten stört, solange er durch seine überlangen Planungsphasen nicht das komplette Spiel zerstört. (was schon vorgekommen ist, aber nach einer Ansprache des Problems besser wurde)

Einer der SL grinste breit und erwähnte eine Eieruhr, die er für so etwas benutzen würde und ich muss zugeben, dass ich mit dem Gedanken spiele mir auch eine zu zulegen. Das Ticken der Uhr mahnt die Spieler, dass die Planungszeit nicht ewig währt und die Uhr sorgt dafür, dass die Planung nicht den halben Abend einnimmt.

Allerdings war zumindest einer der SL sehr erstaunt, dass ein Lautsprecher wie ich kein Problem mit der Feigheit des Spieler hat und ich fühlte mich genötigt, das zu begründen. Meine Begründung lief auf eine Kombination von Geschichte und SIM hinaus, was wohl einige Leute verwundert hat.

Meine Begründung:
Lords Und Leaders dürfen gerne feige sein, weil es im Sinne seiner glaubwürdigen Darstellung der Welt auch mal feige Charaktere geben müsse. Die Feigheit des Spielers und der daraus resultierende Planungswahn lassen sich also realistisch auf die Spielwelt übertragen. Gleichzeitig kann ich in der Spielwelt auf diese Feigheit reagieren und sie für oder gegen den Charakter arbeiten lassen. Ich kann sie nutzen um eine glaubhafte Geschichte zu bauen oder auch mal eine anspornende Rede eines Königs zu dem Charaktere zu halten, in der ihm sinnbildlich gesagt wird er soll sich nicht immer so ins Hemd pissen.

Das alles bereichert mein Spiel, weil ich halt keine Stereotypen Charaktere habe, sondern die Sache etwas vielschichtiger wird.

Was bedeutet das für die Mechanik?

Der feige Charakter wird auf kurz oder lang unzufriedene Soldaten bekommen, weil Ihr Herrscher sich nicht mit ihnen an die Front begibt. Also ist es in den Truppen schlecht um die Souverreignty bestellt.

Ich habe im Konkreten Fall einen ganzen Haufen Krieger zu einem anderen Warlord überlaufen lassen, als der seine eigene Company gegründet hat. Das ist bei mir allerdings kein totaler Wandel, sondern eher eine sich langsam eskalierende Abwanderung. Je öfter der Lord sich drückt, desto eher hauen seine Truppen ab.

Zusätzlich lasse ich die anderen Herrscher auch entsprechend reagieren. Einige werden den feigen Charakter bevorzugt mit Druck bearbeiten und den nötigen Respekt fehlen lassen, andere ihn nicht ansprechen oder gerade gezielt ansprechen. Es ist mir nur wichtig, dass meine SLC aus ihrer Persönlichkeit heraus glaubwürdig mit dem Feigling umgehen.

Was will ich damit bezwecken?

Man könnte sagen, dass ich meine persönliche Abneigung gegen diesen Stil in mein Leiten mit einfließen lasse und es wäre illusorisch zu behaupten, das persönliche Präferenzen beim Beurteilen von Situationen keinen Einfluss auf mich haben.
Dennoch versuche ich einfach nur mehr aus der Situation zu machen und mich mit dem Spieler zu arrangieren, denn der das Recht darauf, seinen Charakter zu spielen wie er es will. Deshalb lasse ich meine Charaktere aus ihrem Ich heraus reagieren und versuche objektiv die Welt zu spielen. Wenn der Spieler mit dem Lernen eines Esoteric Pathes oder guten Ideen gegen die regeltechnischen  Nachteile arbeitet, dann nicke ich das als SL gerne ab.

Schließlich habe ich mich entschlossen mit dem Spieler zu spielen und sollte mehr zu ihm zu sagen haben, als die aktuelle Beurteilung seines Charakters. Der feige Spieler verschafft mir also mehr Möglichkeiten zu interagieren und verbessert die Geschichte, weil er mit dem Klischee der furchtlosen Anführers bricht und mir mehr Improvisation und neue Verhaltensmuster abverlangt.

Man sollte alles einfach als Herausforderung sehen und nach den Vorteilen suchen, welche sich aus bestimmten Konstellationen ergeben können.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Rabenstein am 7.10.2011 | 14:30
Sicher, es gibt mutige und weniger mutige Spieler, genauso wie es solche und solche Charaktere gibt.
Ich würde das auch ganz so wie es ist glaubwürdig ausspielen lassen und nicht versuchen den Spieler zu erziehen. Mit allen Vor- und Nachteilen, die Feigheit mit sich bringt.

Interessanter ist da die Frage, wie der Charakter mit seiner Einstellung in eine Führungsposition gekommen ist bzw. ob er dort bleiben will.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Joerg.D am 7.10.2011 | 14:36
Der Charakter hat die Position schon von seinen Truppen erkämpfen lassen und zum Anfang auch selber gekämpft. Der Spieler drückt sich mit wachsender Macht bloß davor, seinen Charakter in den Kampf zu schicken und würfelt statt dessen lieber für seinen Champion.

Aber ohne Papas Soldaten wäre er nicht so weit gekommen..
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Feuersänger am 7.10.2011 | 14:43
Mir fällt dazu aus meinen Erlebnissen nur ein Beispiel ein, aber der dafür massiv. Das Problem dabei ist imho, wenn es eine Diskrepanz zwischen dem Anspruch an den Charakter und der Spielrealität gibt. Bei uns war das in D&D, wo ein Spieler einen unerschrockenen Ranger, Marke Drizzt-Klon spielen wollte. Aber seine Ansagen als Spieler entweder dumm oder feige waren. Egal was da beschrieben wurde, sobald bestimmte Stichworte fielen, kam vom Spieler immer "Ouh, des is gfährlich". Ich hab schon gesagt, wenn es danach gegangen wäre, was der Spieler für zu gefährlich gehalten hat, hätten wir heute noch nicht den ersten Dungeon betreten.

Ich habe da als Mitspieler darauf reagiert, indem ich meinen Charakter umso draufgängerischer habe agieren lassen. Wenn die Unke wieder rumgenölt hat, was da alles passieren könnte, ist mein Kleriker mit einem Spruch wie "Papperlapapp, alles Eseleien!" drauflosgestiefelt. Mein Hauptanliegen war dabei eigentlich, die Dynamik im Spiel zu erhalten und sich nicht in irgendwelchen toten Punkten steckenzubleiben.

Im Kampf selber hat der Spieler dann wenigstens getan, was von ihm erwartet wurde. Aber in den Abenteuersituationen hat er einfach genervt.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Joerg.D am 7.10.2011 | 14:53
Bei D&D musst Du doch metzeln, weil du sonst nicht aufsteigst...
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Roland am 7.10.2011 | 14:58
Ja, aber Du kannst auch heimtückisch aus dem Hinterhalt morden.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Skele-Surtur am 7.10.2011 | 15:27
Bei D&D musst Du doch metzeln, weil du sonst nicht aufsteigst...
Bedingt. Du musst Gegner überwinden. Dieses Überwinden setzt nicht zwingend eine offene Konfrontation oder den Tod der Gegner vorraus. Aber zgg. Maßen läuft es in 99% der Fälle darauf hinaus.

Im übrigen bin ich der Ansicht, dass ein weniger draufgängerischer Warlord durchaus die Moral der Truppe hochhalten kann - wenn er ein entsprechend genialer Stratege ist, der mittels ausgeklügelter Schlachtpläne großartige Siege erstreitet, ohne selbst nur einmal ein Schwert gezogen zu haben, so wie etwas Kong Ming (aka Zhuge Liang) in Romance of the three Kingdoms. Inwiefern sich das in Reign umsetzen lässt, weiß ich nicht, da ich das System nur zwei Mal ge-oneshot-spielt habe.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Joerg.D am 7.10.2011 | 15:36
Gibt es einen Esoteric Path für, aber halten wir es bitte etwas allgemeiner und nicht nur auf Reign bezogen.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Skele-Surtur am 7.10.2011 | 15:50
Allgemein gesprochen: Wenn ein Spieler in seiner Feigheit effektiv ist, also Gefahren erfolgreich vermeidet und dennoch zum Ziel kommt, dann ist das für mich okay. Wichtig ist hier die Unterscheidung von Spieler und Charakter. Ein mutiger Spieler kann einen Feigling spielen - ein feiger Spieler kann aber kaum einen mutigen Charakter spielen und wenn er es dennoch veruscht, wird das ärgerlich. Mich nerven Leute, die ständig rummaunzen.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Roland am 7.10.2011 | 15:52
Du hast es doch schon angesprochen, kann der Gute seinen fehlenden Heroismus nicht anderweitig ausgleichen? Clevere Pläne, fiese Waffen, Reichtum, gute Verbindungen usw.? Darüber würde ich mir als Feigling Gedanken machen.  

Ich würde so einem Charakter als erstes großes Glück als Vorteil kaufen.
 
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Boba Fett am 7.10.2011 | 15:56
Feigheit - besser: Ängstlichkeit und übertriebene Vorsicht hat doch immer eine Ursache, bzw. Eine Vorgeschichte...

Die angesprochene Feigheit ist oft ein Sympton und nicht die Ursache.
Es ist die Folge von mangelndem Optimismus, was die eigenen Chancen angeht.
Und dieser "Pessimismus" wurde meistens von Spielleitern eingeimpft, die ihre Spieler an der kurzen Leine halten, bei jedem Scheiss würfeln lassen und einen verparzten Wurf gleich als Möglichkeit nutzen, demjenigen eine 'rein zu würgen.
Dementsprechend ist man bemüht, die Dinge "wasserdicht" zu gestalten, um eben wieder keine reingewürgt zu bekommen.

Macht eine Eieruhr die Sache besser?
Kaum, denn dann bricht nur Panik aus und Frust entsteht, denn der Spieler bekommt zusätzlich zu dem Gefühl, die Sache wasserdicht machen zu müssen noch mehr das Gefühl unter Druck (Zeitdruck) zu stehen.
Man sollte demjenigen vielleicht vielmehr das Gefühl geben, dass der über Jahre hinweg eingeimpfte Pessmismismus und die "wir werden bei der kleinsten Gelegenheit eines gemachten Fehlers alle sterben!" Paranoia völlig überflüssig ist.
Dass es beim aktuellen Spielleiter nihct darum geht, so ein Egogewichse abzuziehen, sondern, dass man ganz optimistisch spielen kann UND sogar dabei erfolgreich ist, ogne sich um jeden Scheiß gleich vor lauter Versagensangst in die Hose machen zu müssen.

Insofern hat C3PO recht, wenn er sagt "Lass den Wookie gewinnen!" - mal ehrlich wer hat denn was davon?
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Oberkampf am 7.10.2011 | 16:04

Die angesprochene Feigheit ist oft ein Sympton und nicht die Ursache.

Teilweise Zustimmung. Das kann an einem erlebten Leitstil liegen, wo die SCs immer nur eine `reingewürgt bekommen, wenn sie sich nicht zu 100% wie im Abenteuer beschrieben verhalten.

Es kann aber auch so viele andere Gründe dafür geben. Spieler, die ein hartes, (auch ihre Gehirne) herausforderndes Spiel wollen/gewohnt sind, gehen vielleicht vorsichtiger vor als Spieler, die ein cineastisches, pulpig-erzählerisches Spiel gewohnt sind.

System spielt auch eine Rolle. CoC spielt sich mMn anders als Earthdawn. Feuersängers Bemerkung zur Differenz zwischen Spielweltanspruch/Charakteranspruch und Umsetzung ist ebenso ein wichtiger Punkt.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Joerg.D am 7.10.2011 | 16:12
Gegen meine ORE Angriffe gibt es kein Glück, nur die Gewissheit dass ich im Zweifel das nicht so tödliche Pasch wähle, solange es kein Staffelfinale ist.

Die Eieruhr ist ein ganz adäquates Mittel, Boba. Sie befreit den Rest der Spieler von dem Zwang, auf den Planungswütigen warten zu müssen. Um es ganz deutlich zu sagen: Keine Runde bei mir ist für die Sozialisierung verängstigter Rollenenspieler zuständig. Wenn der Spieler gerne plant, bekommt er ein festes Zeitfenster um seinen Spaß zu haben und dann bekommen die anderen Spieler was sie wollen.

Ich bin sogar mal so frech zu sagen, dass Du übervorsichtig bist und dem Spieler damit keinen Gefallen tust, wenn du ihn die ganze Zeit verhätschelst. Der Rest der Gruppe wird es nur bedingt akzeptieren, dass du einen Spieler erheblich mehr Spielanteile gibst als ihnen.

Zusätzlich möchte ich noch mal erwähnen, das meistens gemacht wird,m was ein anderer Spieler vor der Planungsphase vorgeschlagen hat. Also ist die Planung eigentlich überflüssig.  ~;D
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Bad Horse am 7.10.2011 | 20:30
Ein feiger Charakter ist überhaupt kein Problem.

Ansonsten stimme ich Boba zu: "Erziehungsmaßnahmen" wie Eieruhren als versteckter Hinweis "Nu mach mal hin" finde ich überflüssig. Wenn das Geplane langweilig oder uninteressant wird, dann spricht man das an - entweder die Mehrheit findet das auch, dann geht´s weiter, oder die Mehrheit findet das nicht, dann lässt man die machen, oder die Gruppe ist uneins und man muss eh eine bessere Lösung finden.

Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: ErikErikson am 7.10.2011 | 20:38
Ein feigling ist dan nein problem, wenn die Gruppe moshen will, und ständig den feigling vorher zum mitmachen übbereden muss. Wenn es um Dynamik zwischen den Chars geht, passt das dann wieder. Es passt auch, wenn die gefahr sehr real ist, also nicht wie in D&D, wo man eh fast immer überlebt.

Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Just_Flo am 8.10.2011 | 00:32
Hm, ich fände es interessant, wenn die Planung mal umgesetzt statt nur ignoriert würde. Weil so kann ich mir vorstellen das der Spieler jedesmal wenn seine Planung über den Haufen geworfen wird sich vornimmt noch besser zuplanen.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Naldantis am 8.10.2011 | 01:49
Ist er denn wirklich feige oder plant er nur gerne?

Ich plane auch lieber Stunden, um dann einen schönen Plan wie ein Uhrwerk ablaufen zu sehen, ohne das Charaktere groß in Gefahr geraten.
6h Planen für 0.5h Action finde ich ein gutes Verhältnis.

Oder spielt ihr so hart, daß bei suboptimaler Planung der TPK ein wahrscheinliches Ereignis wäre - dann wäre das Verhalten nur sinnvoll und sogar notwendig.

Und dann könnte der Char natürlich auch ein Greenhorn oder ein Nicht-Kombatant sein, dann wäre er lediglich korrekt gespielt.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Boba Fett am 8.10.2011 | 10:13
Die Eieruhr ist ein ganz adäquates Mittel, Boba.
Das wesentliche Wort in meinem Beitrag war "oft".
Grundsätzlich gibt es kein Patentrezept, sondern es existiert immer eine individuelle Situation, die betrachtet werden muß.

Du sagst "Ich will dass der langsamste schneller geht und weniger Vorsicht walten läßt, also such ich mir ein Druckmittel."
Ich sage "Finde heraus, WARUM er das so macht und handel entsprechend. Die Eieruhr als Druckmittel KANN eine Lösung sein, muß es aber nicht. Oft ist die Vorsicht und die Langsamkeit eine Folge von Erfahrungen, dass anders gehandelt fatale Folgen mit sich bringen. Dann geh gegen diese Ursache vor und bau nicht noch mehr Druck auf."

Das war meine Aussage, nicht mehr.
Mit Spielanteil, Spotlighttime, Bevorzugung oder Verhätschelung hat das nichts zu tun.

@Naldantis:
hypothetisch: für Dich wäre also ein Rollenspielabend, an dem Ihr nach einer kurzen Einführung 6 Stunden lang plant und dann dem Spielleiter den Plan erläutert und der antwortet: "gut, das klappt, ihr habt also das Abenteuer gelöst, kommen wir zur EP Vergabe..." ein gelungenes oder sogar ideales Abenteuer?
(eine perfekte Planung eliminiert schliesslich jede Unwägbarkeit und damit jede Wahscheinlichkeit - ergo entfällt auch die Notwendigkeit zum Ausspielen bzw. Würfeln, da der Zufall ausgeschaltet wird)
Ich glaube, ohne irgend etwas damit zu werten: Mit dieser Vorstellung bist Du in einer Minderheit, die meisten Spieler erwarten, dass "noch irgend etwas passiert"...
Und die meisten Spielleiter sehen das ähnlich, bzw. beugen sich dieser Erwartungshaltung und bauen daher immer das "unvorhersehbare" ins Spiel ein. Dementsprechend ist es eigentlich also egal, ob der Plan zu 100% perfekt ist oder nicht. Es wird immer etwas dazwischen kommen, weil es sonst für die Mehrheit langweilig wird (oben genanntes Idealbeispiel war natürlich überspitzt formuliert, aber stell Dir die Reaktionen der meisten Mitspieler vor, wenn das wirklich mal so ablaufen würde...).
Insofern reicht es eigentlich aus, mit einem guten Konzept oder einem halbwegs brauchbaren Plan anzufangen. Denn es kommt sowieso etwas dazwischen. Nicht, weil es realistisch ist, sondern, weil es erwartet wird!
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Boba Fett am 8.10.2011 | 11:01
... ich versuche allerdings durchaus ab und zu, das Unvorhersehbare insofern einzubringen, indem genau das funktioniert, was sich die Spieler in ihrem Plan ausgemalt haben, ...
"Ausnahmen bestätigen die Regel"
Der bewusste Bruch mit dem Klischee verstärkt das Klischee doch nur.
Das Gefühl, dass die Dinge viel zu glatt laufen, erweckt das Gefühl, dass irgend etwas gewaltig schief läuft.
Damit spielst Du mit dieser Erwartung genauso und nutzt sie, als wenn Du ihr nachgeben würdest.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Feuersänger am 8.10.2011 | 11:03
Gehört doch auch zu Murphy's Laws of Combat,
"If the attack is going according to plan, you are walking into an ambush."
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Ein am 8.10.2011 | 11:38
Grundsätzlich finde ich es sinnlos Spieler für vorsichtiges Handeln zu bestrafen. Gerade wenn man mal mit härteren Bandagen kämpft, ist Vorsicht essentiell.

Wichtig ist dabei aber, dass die Spieler ein Gefühl für die wirkliche Gefährlichkeit der Situation bekommen. Überlebensängste im Rollenspiel hängen mM oft mit der unzureichenden Informationslage der Spieler aus. Schon im echten Leben neigen Menschen dazu Gefahren grandios zu über- oder zu unterschätzen. Bei dem dünnen Informationsfluss, der zwischen SL und Spielern besteht, macht das ganze noch unwägbarer.

Anstatt den vorsichtigen Spieler noch zusätzlich unter Druck zu setzen, sollte man lieber das Problem bekämpfen. Mehr und vor allem harte Fakten helfen daher, vorsichtigen Gemütern Planungssicherheit zu bieten und verkürzt so die Planungszeit.

Die Eieruhr finde ich Unsinn. Sowohl aus dem Blick der fairen Spielteilnahme, noch macht sie vor dem Hintergrund von Immersion Sinn.

Sofern die anderen Spieler nicht von der Planungszeit angenervt sind, sollte hier auch nicht eingegriffen werden. Die Verwendung der Eieruhr stellt für mich einen Machtmissbrauch des SLs dar, da hier erstmal nur sein Geschmack bedient wird.

Hinzukommt, dass gerade im strategischen Rahmen die Charaktere mindestens Stunden, wenn nicht so gar Tage oder Wochen haben, um sich auf eine Aktion vorzubereiten. Warum sollte ich als SL also den Spielern nicht genügend Zeit zum Überlegen lassen?

Meist kommt das Zeitdruck-Argument auch häufig von SLs, die während der Planungsphase nichts mit sich anzufangen wissen. Der Denkfehler ist dabei, dass man in ein Rollenverhalten verfällt, dass der Trennung von Spieler- und Charakterwissen über die ganze Gruppe verteilt entspricht. Viele SLs denken, dass sie den Spielern bei ihrer Planung nicht zuarbeiten dürfen, weil dadurch die Herausforderung geschmälert würde. Dabei sind die Spieler aber wie bereits gesagt auf eine solide Faktenlage angewiesen und die Fakten kommen halt primär vom Spielleiter.

Proaktiv wäre es also sinnvoller, wenn der SL den Planungsprozess moderiert. Ein guter SL sitzt nicht nur gelangweilt neben den Spielern herum, sondern gibt diesen Unterstützung bei ihrer Planung. Dies fängt erst einmal damit an, dass der SL auch genau zu hört, was die Spieler planen. Er sollte aber auch immer wieder die verschiedenen Lösungsansätze zusammenfassen, von sich aus Nachfragen zu unklaren Einzelheiten des Plans stellen oder auch auf offensichtliche Fehler in der Planung verweisen.

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Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Feuersänger am 8.10.2011 | 11:49
Eine Eieruhr kann aber auch die Rechte eines zögerlichen Spielers schützen. Mal ganz generell gesprochen: wenn jemand erstmal einen bestimmten Ruf weg hat, wird er ihn so schnell nicht mehr los, ganz egal ob er sich dementsprechend verhält oder nicht.
In diesem Sinne: wenn ein Spieler als "zögerlicher Planer" wahrgenommen wird, besteht die Tendenz, dass SL oder andere Spieler ihn über Gebühr drängeln, weil sie der Meinung sind dass es "sonst ewig dauert". Am Schluss hat er dann sogar weniger Zeit, und ist währenddessen obendrein noch gestört worden.

Wenn per Eieruhr jedem Spieler z.B. 8 Minuten Planungszeit zugesichert sind, kann auch der "langsame" Spieler wenigstens diese Zeit voll ausnutzen, und der Rest des Tisches hat so lange die Klappe zu halten und keinerlei Druck zu machen.

Ist jetzt aber aus meiner Sicht alles Theorie, habe noch nie so ein Spiel gespielt.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 8.10.2011 | 12:04
Ist der Spieler wirklich feige, oder nur ein vorsichtiger Planer?
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Ein am 8.10.2011 | 12:09
Eine Eieruhr kann aber auch die Rechte eines zögerlichen Spielers schützen. Mal ganz generell gesprochen: wenn jemand erstmal einen bestimmten Ruf weg hat, wird er ihn so schnell nicht mehr los, ganz egal ob er sich dementsprechend verhält oder nicht.
Ich sehe da wie Sol ein Gruppenproblem, dass man nicht mit Symptombekämpfung angehen sollte.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Joerg.D am 8.10.2011 | 12:20
Frank ich bin nicht für die Erziehung oder Behebung der Probleme meiner Spieler zuständig. Ich spiele mit erwachsenen Leuten und erwarte von ihnen, dass sie sich gruppenkompatibel verhalten und von selber auf die Bedürfnisse ihre Mitspieler eingehen. Ich habe bei dem Spieler auch die feste Überzeugung, dass er sich mit dem Hilfsmittel arrangieren wird, weil er von seiner Veranlagung her sehr sozial ist und schon selber den Vorschlag gemacht hat, dass sich die Gruppe online abspricht um Planungszeit am Tisch zu vermeiden.

Doch kommt es zu Beschwerden über lange Planungsphasen, dann sehe ich mich als SL in der Verantwortung das Problem im Sinne der anderen Spieler zu regulieren. Die Eieruhr gibt dem Spieler einen festen Zeitraum, den er auf jeden Fall hat und schützt damit seine Vorliebe gegen zu wenig Zeit. Die Zeit selber wird ja von der Gruppe gemeinsam festgelegt.

Jeder Spieler hat zwischen den Runden unglaublich viel Zeit, sich Strategien und Pläne zurecht zu legen, dass muss nicht am Spieltisch und damit auf Kosten der anderen Mitspieler und mir als SL geschehen. Ja, ich habe als SL genau das gleiche Recht Spaß zu haben wie die Spieler, auch wenn hier im Tanelorn in letzter Zeit die Meinung zu überwiegen scheint, dass der SL der Idiot sein muss, der sich für die Gruppe aufopfert.

Jeder mal bei mir gespielt hat, weißt das ich hart aber fair leite. Es ist übertrieben zu sagen, die anderen Spieler sind angenervt von den exzessiven Planungsphasen, aber es halöt angesprochen worden und ich suche nach einem Mittel um allen Seiten gerecht zu werden.

@ Ein
Kann sein, dass du das als Frechheit empfindest, aber da lächle ich drüber, weil ich deine Meinung zwar akzeptiere, aber nicht als relevant für mich ansehe. In meiner Sicht der Welt wird ein wilder Bergstamm, der sein Oberhaupt durch Kämpfe bestimmt nicht jemanden folgen, der nicht kämpft und gut ist es. Ich habe auch geschrieben, dass ich mit der Feigheit kein Problem habe. Ich hätte ja darauf bestehen können, dass er selber kämpft, wenn er Bonuswürfel für die Company will oder er es nicht macht und es eben keine Bonuswürfel gibt. Deshalb hatte ich auch erwähnt, dass es andere Wege gibt. Z.B Esoteric Pathes.

Also kannst Du das so sehen wie du es willst und ich sehe es weiter so wie ich es sehe. Wenn die Gruppe damit Probleme hat, werden sie es mir sagen und dann muss ich mich damit auseinander setzen. Bisher war die Reaktion aber positiv.

Ist der Spieler wirklich feige, oder nur ein vorsichtiger Planer?

Der Charakter wird von ihm feige gespielt (was mich nicht im geringsten stört) und der Spieler neigt zu langen Planungsphasen (was mich und die anderen Mitspieler stört). Ich würde also sagen, das der Spieler in Bezug auf seinen Charakter ein Feigling ist, im wahren Leben aber bestimmt nicht. Vielleicht wäre ein anderer Threadtitel besser gewesen, aber mir ist kein besserer eingefallen.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Ein am 8.10.2011 | 12:35
@Jörg
Ich (als Tactician) finde es halt immer sehr einseitig, kluges, taktisches Vorgehen zu bestrafen, aber dummes Vorstürmen zu belohnen. Da hört es dann selbst bei mir mit dem Sense of Disbelieve auf.

Ich persönlich sag mir dann ganz klar: Dann kann man sich das Metagame auch gleich sparen (bzw auf den einen Wurf runterkochen) und ganz pulpig den Erfolg einer strategischen Kampagne direkt an den Erfolg der Helden koppeln. Das wäre mM ehrlicher sich selbst gegenüber.

Nachtrag: Mein erster Beitrag ist aber auch vorrangig als Anleitung, wie man es aus dem Blickwinkel eines Taktikers als SL richtig macht, zu lesen. Der letzte Absatz kann eigentlich auch getrost ignoriert werden. Habs daher jetzt auch in einen Spoiler gepackt.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Boba Fett am 8.10.2011 | 12:48
Frank ich bin nicht für die Erziehung oder Behebung der Probleme meiner Spieler zuständig.
Die Eieruhr ist doch auch nichts anderes als ein Erziehungsmittel.
Sie stellt die autoritäre Drohung "Wenn Du nicht bald ..., dann ...!" dar.

Der Vorschlag "Man sollte es im gemeinsamen Gespräch klären!" ist der Weg fern ab von Erziehungmethoden, denn er setzt alle Beteiligten auf gleiche Augenhöhe.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Skele-Surtur am 8.10.2011 | 13:28
Ich würde die Eieruhr nicht so als Drohelement interpretieren. Das ist halt etwas, mit dem man den Spielinternen Zeitdruck darstellen kann. In brenzligen Situationen hat der SL in einer Gruppe gern mal bis drei gezählt, wenn der Spieler sich dann nicht entschieden hatte, was er tun will, hat der SL gesagt, dass er unentschieden ist und die Runde nichts macht.
Auch das wurde nicht als Drohung interpretiert, sondern hat halt die Situation dargestellt. Manchmal hat man nicht die Zeit um lange nachzudenken.
Ich würde die Methode nicht regelmäßig einsetzen, aber je nachdem, wie die Sache kommuniziert wird, kommt sie vielleicht nicht so schlimm rüber, wie du annimmst.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Naldantis am 8.10.2011 | 13:50
Ich würde die Eieruhr nicht so als Drohelement interpretieren. Das ist halt etwas, mit dem man den Spielinternen Zeitdruck darstellen kann. In brenzligen Situationen hat der SL in einer Gruppe gern mal bis drei gezählt, wenn der Spieler sich dann nicht entschieden hatte, was er tun will, hat der SL gesagt, dass er unentschieden ist und die Runde nichts macht.

Ja, in brenzligen Situationen finde ich es auch okay, aber ging es hierbei um solche?
Ich hatte es als Aspekt strathegischer Planung verstanden, also im Bereich von Stunden (Belauern des gegnerischen Camps) bis Wochen (Vorbereitung auf einen Schlag gegen die Schmuggler-Infrastruktur einer großen Stadt, o.ä.

hypothetisch: für Dich wäre also ein Rollenspielabend, an dem Ihr nach einer kurzen Einführung 6 Stunden lang plant und dann dem Spielleiter den Plan erläutert und der antwortet: "gut, das klappt, ihr habt also das Abenteuer gelöst, kommen wir zur EP Vergabe..." ein gelungenes oder sogar ideales Abenteuer?
(eine perfekte Planung eliminiert schliesslich jede Unwägbarkeit und damit jede Wahscheinlichkeit - ergo entfällt auch die Notwendigkeit zum Ausspielen bzw. Würfeln, da der Zufall ausgeschaltet wird)

Naja, ich gehe hier immer von einer laufenden Kampagne aus, d.h. irgendwann tritt das Problem auf, die Charaktere beschließen, sich darum zu kümmern, sie recherchieren, planen und bereiten sich vor, und dann schlagen sie zu.
Logischerweise klappt das nicht, wenn sie überrascht werden, und ist bei sehr niedrigen Gruppen auch nicht sehr sinnvoll, sehr enge Zeitrahmen sind auch ein Problem.
...aber in diesen Situationen findet ja eh kaum Planung statt.
 
Nicht 'perfekt' bis zu jedem Schlag hin...
...aber wenn man die Fähigkeiten der Leibwachen in Erfahrung gebracht hat, dann weiß man ungefähr, wieviele von denen nach der ersten Zauber-Phase noch einsatzfähig sein werden und wielange die Kämpfer diese beschäftigen können, ohne daß es Tote gibt, und wiegute die Aussicht des Charakters ist, das Ziel im Clinch zu halten und wievele Versuche die Magier benötigen, um die beiden dann fortzubringen.
Selbstverständlich KANN sowas schiefgehen, z.B. durch eine ziemlich unwahrscheinliche Pechserie beim Würfeln...
...aber man weiß halt nach spätestens einem halben Dutzen Runden, ob der Plan faßt, oder zu Plan B bzw. einem vorgeplantem Rückzug übergegangen wird.
 
Zitat
Ich glaube, ohne irgend etwas damit zu werten: Mit dieser Vorstellung bist Du in einer Minderheit, die meisten Spieler erwarten, dass "noch irgend etwas passiert"...
Und die meisten Spielleiter sehen das ähnlich, bzw. beugen sich dieser Erwartungshaltung und bauen daher immer das "unvorhersehbare" ins Spiel ein. Dementsprechend ist es eigentlich also egal, ob der Plan zu 100% perfekt ist oder nicht. Es wird immer etwas dazwischen kommen, weil es sonst für die Mehrheit langweilig wird (oben genanntes Idealbeispiel war natürlich überspitzt formuliert, aber stell Dir die Reaktionen der meisten Mitspieler vor, wenn das wirklich mal so ablaufen würde...).

Damit, daß ich in nicht viel aus dem Kampfgewürfel ziehe, sicherlich, aber mit der Auffassung, daß gute Aufklärung, saubers Ressourcenmanagement und gute Planung ein Schlüssel für erfolgreiches Vorgehen sein sollten, meiner Erfahrung nach nicht.
Und bisher war eher die Mehrheit der Spieler irritiert, wenn aufwendige Vorbereitungen durch einen 'deus ex machina' vom SL sabotiert werden, der in der Aufklärung hätte aufkommen sollen, oder für die es auch im Nachhinein keine hinreichende erklärung gibt.

Zitat
Insofern reicht es eigentlich aus, mit einem guten Konzept oder einem halbwegs brauchbaren Plan anzufangen. Denn es kommt sowieso etwas dazwischen. Nicht, weil es realistisch ist, sondern, weil es erwartet wird!

Darum hat man ja nicht einen Plan, sondern mehrere Ausweichpläne und alternative Rückzugsmöglichkeiten.
Wenn man unter Zeitdruck steht oder beschränkte Ressourcen zur Verfügung hat, sieh das natürlich anders aus: dann ist man schnell bei DEM Plan, Plan B und einem vorbereiteten Fluchtweg.
 
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Skele-Surtur am 8.10.2011 | 13:54
Jain. Sicher geht es um längere Zeiträume, aber man hat trotzdem nicht ewig Zeit, oder?
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Feuersänger am 8.10.2011 | 14:02
Naja, wenn der Charakter in seiner Welt eigentlich Stunden oder Tage zur Verfügung hat, um seine nächsten Züge zu planen, ist das schon ein Problem wenn der Spieler am Tisch das gleiche in 5 Minuten machen soll. Aber aus dem Dilemma seh ich auch keinen rechten Ausweg, wenn man miteinander am Tisch spielen will. Was anderes wäre das bei einem PBM-Spiel.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Naldantis am 8.10.2011 | 14:47
Naja, wenn der Charakter in seiner Welt eigentlich Stunden oder Tage zur Verfügung hat, um seine nächsten Züge zu planen, ist das schon ein Problem wenn der Spieler am Tisch das gleiche in 5 Minuten machen soll. Aber aus dem Dilemma seh ich auch keinen rechten Ausweg, wenn man miteinander am Tisch spielen will. Was anderes wäre das bei einem PBM-Spiel.

Naja, ein relativierender Faktor ist z.B. das Wege, Ressourcenbeschaffung, Recherche in der Spielwelt oft viel länger dauern als am Tisch.
Wenn ein zwei Charaktere zur großen Bibliothek in der Hauptstadt reisen, um dort eine Reihe Fragen zu beantworten, so kann das viele Tage dauern, auch wenn es am Tisch nur Sekunden für einen Recherche-Wurf sind.
Oder der Magier mit der Kristallkugel versucht, die Positon des Gegners zu ermitteln, indem er sich bemüht, ihn auf Wegen zwischen den gegen Scrying geschützten Orten zu erwischen: der Charakter ist damit tagelang jeweils Stunden beschätigt, der Spieler würfelt z.B. 4x pro Tag, der 17. Versuch klappt, also ist der Spieler vielleicht 3 Minuten beschäftigt, der Charakter hat aber fast 5 Tage benötigt.
 
Solche Zeitraffereffekte verkürzen die Vorbereitung dann schon sehr.
  

...aber das ist dann schon wieder recht offtopic, oder?
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Arkam am 8.10.2011 | 16:04
Hallo zusammen,

im konkreten Einzelfall sehe ich die Lage doch so. Die Mitspieler störte das was sie als überlange Planungsphase sehen.
Darauf hat sich die Runde auf einen Zeitrahmen geeinigt. Dieser Zeitrahmen wird mit der Eieruhr nach gehalten. Da kann ich jetzt nichts fürchterliches erblicken.

Als Spielleiter habe ich mit längeren Planungsphasen, solange sie allen Spielern Spaß machen kein Problem. Entweder ich bin als Informationsverteiler, Moderator und Klarsteller direkt mit beteiligt oder ich kann schon Mal weiter überlegen. Welche Proben sind notwendig, welche Ausrüstung ist notwendig und wie viel kostet sie wohl und vor allen Dingen wie werden die Gegner wohl reagieren.
Wenns gar zu lange wird gebe ich auch schon Mal eine Erklärung ab zum Beispiel "Ich sehe in eurem Plan keine Lücke." oder "Ihr habt an alles gedacht.". Denn teilweise bauen die Spieler aus einer Mücke einen Elefanten und haben dann sehr starke Bedenken.
Die meisten Pläne bekommen dann ihre Spannung daraus ob die geplante Aktion dann auch tatsächlich klappt und sich auch alle Spieler an den Plan halten.
Legendäre Fehler in meiner Runde waren bisher die folgenden:
Ein Charakter hat sich als Wache in den fremdenfeindlichen und paranoiden Hof eines Fürsten eingeschlichen. Beim lockeren Gespräch mit der Mitwache kam folgender Satz:"Wo kann man den hier etwas unternehmen? Ich bin nämlich nicht von hier."
Die Charaktere schleichen sich in ein gesichertes Wohngebiet ein. Dabei wird ein Alarmsystem ausgelöst. Alle bis auf eine Spielerin denken daran die Wächter leise aus zu schalten. Nur von einer Spielerin kam die Ansage:"Ich schieße mit den Explosivpfeilen." - Nah ja Pfeil und Bogen waren ja schon Mal leise.
Mein persönlicher Lieblingsfehler passierte einer Runde bei der heimlichen Inspektion einer Stadtmauer von Außen. Die Runde war vom Magier unsichtbar gemacht worden. Um den Zauber aufrecht zu halten mussten sie sich an den Händen halten. Der Magier sieht im Gras einen interessanten Gegenstand und sagt "Ich hebe ihn auf.". Ich frage als Spielleiter nach "Wie machst du das?" und der Spieler steht auf und hebt den Probe Gegenstand mit der Hand auf, ja er sollte es mir real vormachen.

Als Spieler habe ich immer wieder fest gestellt das gerade fertige kommerzielle Abenteuer Lücken haben die dann der Spielleiter schnell auffüttern muss teilweise ohne vom System unterstützt zu werden.
Beispiel Cyberpunk 2020
Der Auftrag sah vor einen Supertanker zu entern und dort einen Gegenstand zu bergen und dem Auftraggeber zu bringen. Das die Spieler auf die Idee kommen das ein solches Schiff bewacht sein könnte und sich entsprechend mit Waffen gegen Luft- und Seeziele beschaffen war nicht vorgesehen. Das die Charaktere das erhaltene Geld waschen wollten war nicht vor gesehen. Die Option sich anschließend komplett körperlich verändern zu lassen und eine neue Persönlichkeit an zu nehmen war nicht vorgesehen, obwohl es für die körperlichen Veränderungen Regeln gibt. Das alles bei einem System aus dessen Fluff Texten hervorgeht das man hier entweder paranoid, vorausschauend und effektiv denkt oder stirbt.
Da kann der Spielleiter einem schon fast leid tun.

Gruß Jochen
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Joerg.D am 8.10.2011 | 19:33
Ich sehe die Uhr nicht als Erziehungsmittel sie ist da, um den Spieler (der viel Planung will)Zeit für die Planung zu geben. Wenn die Gruppe sich auf eine Zeit geeinigt hat sorgt sie dafür, das der Taktiker seine Planung bekommt und der Rest, was er will. Das ist keine Erziehung, das ist etwas für beide Seiten.

Edit: Sutur hat den Spannungseffekt durch die Uhr sehr schön benannt, das Argument kommt zwar nicht von mir, ist aber auch nach meinem Geschmack. Strategisch und ausufernd kann man sich ja zwischen den Spieltagen austoben. Im Spiel habe ich es gerne knackig.

Endgültig kann ich den Effekt in der Gruppe allerdings erst dann beurteilen, wenn dieses Stilmittel auch mal eingesetzt wurde. Ich denke schon, dass die Gruppe es nach den ersten Versuchen entsprechend beurteilen kann und dann mit mir eine Entscheidung fällt.

Ich verfahre lieber nach dem Prinzip, Versuch und Fehler, nachdem das Ansprechen nach zwei Runden nur die Entscheidung gebracht hat, das sich die Leute online absprechen wollen, was leider nicht geschieht.

@ Ein
Meine Runde ist keine One Men Show. Jeder Spieler hat ein Anrecht darauf, seine 20 Minuten Ruhm und Spaß zu bekommen. Der Immersionist und Charakterspieler genau so wie der Buttkicker oder der Taktiker. Aber sich nicht in den Kampf nicht einzumischen hat nichts mit klugen taktischen verhalten zu tun, es ist eine Entscheidung des Spielers die bei mir von der Welt reflektiert wird. 20 oder 30 Minuten (je nachdem auf was für ein Zeitfenster wir uns einigen) Planungsphase hat auch nichts mit der Missachtung des Taktikers zu tun. Es ist ein Mittelweg zwischen den verschiedenen Geschmäckern.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Boba Fett am 8.10.2011 | 22:12
Die Zeit selber wird ja von der Gruppe gemeinsam festgelegt.
Das hatte ich überlesen...
Und dies relativiert es natürlich.
Letztendlich läuft es so auf Kompromissfindung und (gelenkte) Selbstdisziplinierung hinaus.
Erfolg hängt von der Kompromissfähigkeit der Runde hab.
Aber die sollte ohnehin gegeben sein, sonst spielt man nicht miteinander.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Joerg.D am 9.10.2011 | 13:44
Ich hatte im Ausgangsposting auch nicht so viel dazu geschrieben, weil es mir eher nebensächlich erschien. Also ist deine Reaktion für mich absolut nachvollziehbar, denn man verliert bei so vielen Posts irgendwann einfach ein wenig den Überblick. (Also ich zumindest)

Was mich ein wenig verwundert ist, dass ich mit dem Ausgangspost eigentlich sagen wollte, dass es OK ist, wenn jemand einen feigen Charakter spiet und ich als SL da gerne mit der Welt drauf eingehe, statt zu verlangen dass er einen mutigen Charakter spielt.

Das ist aber anscheinend nicht deutlich genug rüber gekommen.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Boba Fett am 10.10.2011 | 10:02
Es ist eher rübergekommen, dass Du demjenigen durch die tickende Uhr das Zeitlimit vor Augen halten willst. Das war dann wohl falsch wahrgenommen.

Ich finde die tickende Uhr gut, wenn sie als Stilmittel eingesetzt wird, um den Spielern wirklich in einer Situation, wo die Zeit abläuft (Bombe entschärfen, Geisel befreien..) das Gefühl zu geben.

Bei der Planungsphase habe ich das bisher nicht verwendet, habe da auch die erwähnten Vorbehalte.
Aber ich habe das Problem auch nicht (mehr).
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Tim Finnegan am 10.10.2011 | 10:23
Ich habe mir mal eine Weile lang die Mühe gemacht und die Planungszeit auch In-Game weiterlaufen lassen, dies als solches auch mitgeteilt. 10 Minuten Planungszeit entsprachen 1 Stunde In-Game. ich war angenehm überrascht wie schnell meine Spieler zu der Erkenntnis kamen dass oftmals schnelles Handeln vonnöten ist, ansonsten werden sie vom Geschehen überrannt.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 10.10.2011 | 10:26
Arbeitet jemand mit Plotstress? Je länger die Spieler planen, desto eher passieren schlimme Dingetm...
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Oberkampf am 10.10.2011 | 10:53
Arbeitet jemand mit Plotstress? Je länger die Spieler planen, desto eher passieren schlimme Dingetm...

Ich versuche es immer wieder, und ich kenne zumindest einen, der mit Timetable leitet, um Inaktivität der Charaktere unattraktiv zu machen.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Joerg.D am 10.10.2011 | 11:30
Die Eieruhr soll nicht für Spannung sorgen, sondern für gerechte Spielanteile.

Sie schützt den Spieler der gerne plant, denn er bekommt seine Zeit dafür, die Zeit selber wird ja von der Gruppe gemeinsam festgelegt (wird also im Gruppenvertrag geregelt). Sie schützt aber auch die Spieler die keine stundenlangen Planungenwollen, vor zu langen Planungsphasen, über die sie sich beschwert haben.

Ich habe als SL in diesen Phasen keine Langeweile, weil ich bei der Planung ja mit Fragen bombardiert werde. Aber für die anderen Spieler wird es irgendwann langweilig und das will ich vermeiden. Das ist insbesondere wichtig, weil die Gruppe ja die Möglichkeit hat zwischen den Runden zu planen.

Ich werde es nie tolerieren, wenn ein Spieler dem Rest der Gruppe mit seinem Stil zu dominieren versucht und es ist mir egal, was für Beweggründe das hat. Ich bin der SL und kein Sozialarbeiter oder Psychologe.

Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Naldantis am 10.10.2011 | 12:35
Arbeitet jemand mit Plotstress? Je länger die Spieler planen, desto eher passieren schlimme Dingetm...

Nur, wenn die Spielerplanungszeit tatsächlich einen bedeutenden Anteil der realen (in-game) Zeit verbraucht; wenn die Antagonisten nicht vorgewrnt sind, und ihre Operationen bereits etabliert sind, dann können sie die Spieler ggf. Wochen ziet zur Vorbereitung lassen - ihnen dann wegen ein paar Stunden Diskussionen Streß zu machen, wäre geradezu widersinnig.
Aber wenn sie meinen in einer Rumpelkammer in der Festungs der Gegner überwintern zu wollen, dann würfelt man natürlich regelmäßig, ob nicht jemand etwas aus dem Raum holen möchte -> Zufallsbegegnung -> Lärm -> Entdeckung -> Chaos, Panik, Fluchtgedanken.

Ich versuche es immer wieder, und ich kenne zumindest einen, der mit Timetable leitet, Inaktivität der Charaktere unattraktiv zu machen.

Timetable nutze ich auch öfters mal, ...aber die Handlung ist (zumindest im Fantasy-Genre) selten so getrieben, daß Planung gegenüber Reisezeit ö.ä. eine echte Bedeutung hat.
Bei CP / SR ist das schnell ganz anders...



Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Bad Horse am 10.10.2011 | 13:21
Wenn ich Jörg richtig verstanden hatte, endete das klärende Gespräch in der Einigung auf die Eieruhr.

Ich persönlich fänd´s zwar blöd, aber wenn es für die Gruppe ein sinnvoller Kompromiß ist, mit dem sie verschiedene Präferenzen unter einen Hut kriegen, dann ist das doch toll.  :d
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Joerg.D am 10.10.2011 | 13:35
Nein, das klärende Gespräch oder besser gesagt die klärende Gespräche brachten zuerst den Vorschlag, dass sich der Spieler mit seinen Planungen kürzer fasst und beim zweiten Mal den Vorschlag, das die Gruppe die Planungen online macht um die Planungen im Spiel zu verkürzen.

Beide Sachen haben nichts gebracht, weshalb ich mich nach Beschwerden der anderen Spieler darüber mit anderen Spielleitern unterhalten habe und die mir die Sache mit der Eieruhr empfohlen haben.

Ob die Sache sich langfristig durchsetzt wird sich zeigen.

Ich muss nun einmal auf die Befindlichkeiten aller Spieler Rücksicht nehmen, weil sie alle menschlich absolut top sind und spielerisch prima. Ich lege meine Maßnahmen deshalb erst einmal an und sehe dann, ob sie mir im Spiel helfen und von der Gruppe akzeptiert werden.

Vielleicht sagen die Spieler auch nach der ersten Runde, dass es sie absolut nervt, dann muss ich mir etwas anderes einfallen lassen.

Aber ich muss etwas tun, um alle Spieler zufrieden zu stellen und ich habe mir dieses Mal vorgenommen, die Sache langfristig zu sehen und notfalls nach dem try and error Prinzip zu arbeiten.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Herr der Nacht am 10.10.2011 | 14:23
Ich habe jetzt nur den Eingangspost gelesen, aber meine Gedanken waren ähnlich wie Jörgs, wenn auch aus einer anderen Situation heraus.

Meine Spieler neigen eher dazu, in JEDEM Rollenspiel ihre SCs mit dem Kopf durch die Wand rennen zu lassen. Wenn ich selbst als Spieler versucht habe, per Ingame-Gespräch die SCs zu irgendwelchen Taktiken zu bewegen (Hinterhalte, Verkleidungsaktionen) die von der Komplexitätsskala auch nur über mehr als einen Beherschungszauberspruch hinausgingen, wurde meist abgeblockt.

Das führte durch Gruppendruck natürlich auch dazu, dass die jeweiligen SLs das irgendwie durchgewunken haben. Falls nicht, gabs meist Unmut wenns von den NSCs einen vor den Latz gab, egal wie plump die SC-Gruppe auftrat.

Seit ich wieder meine Kampagne leite, habe ich den Spielern klar gemacht, das ihre SCs sterben können und mit dem Kopf durch die Wand nicht immer funktioniert. Mit dem Effekt, das auch mal geplant wird, ja dass mancher NSC-Boss nicht verfolgt wird, wenn die Gruppe durch seine Minions schon ordentlich Klatsche gefangen hat.

Und ich finde das gut. Ja, manchmal finde ich es sogar noch zu wenig. Ängstliche oder zögerliche SCs KÖNNEN das Spiel bereichern. Dadurch kommt man ein wenig aus der Metaebene heraus, wo SCs nur austauschbare Spielfiguren sind und erzeugt Immersion. Solange das ganze gewisse Grenzen nicht überschreitet und die SCs nur noch Planen und jeden Plothook ausschlagen weil er ihnen zu gefährlich erscheint.

Das solche Effekte sich in der Spielwelt niederschlagen ist klar. Und zwar sowohl bei Feiglingen als auch bei übertriebenen Draufgängern. Als meine Truppe mit der Stadtgarde eigenmächtig ein ganzes Piratendorf unter schweren Verlusten eingenommen hat, gabs keinen Beifall von der Stadtbevölkerung sowie den Stadtherschern, im Gegenteil.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Oberkampf am 10.10.2011 | 15:00
Timetable nutze ich auch öfters mal, ...aber die Handlung ist (zumindest im Fantasy-Genre) selten so getrieben, daß Planung gegenüber Reisezeit ö.ä. eine echte Bedeutung hat.
Bei CP / SR ist das schnell ganz anders...

Naja, gerade im Fantasybereich gibts das berühmte "in letzter Sekunde vor dem Erwachen des schlafenden Erzdämonen angekommen." Das gewinnt mit einem funktionierenden Plotstress- oder Timetable-Verfahren enorm an Glaubwürdigkeit und Spielbarkeit.

"Eieruhren" im Sinne von engen Zeitbegrenzungen mit Blick auf die Uhr verwende ich übrigens auch, ganz besonders im Fantasybereich. Rätsel, die unter Zeitdruck gelöst werden müssen, Gespräche mit Geistern, die nur für eine begrenzte Zeit beschworen werden können usw.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Just_Flo am 10.10.2011 | 15:15
Hm, ich habe den Eindruck, dass in der Gruppe niemand auf Planungen des ängstlichspielenden Spielers eingehen oder eingeht bzw. mit ihm währenddessen interagiert. Das sorgt dann zu dem wenn meine Planung weggeschoben/ ignoriert wird muss ich besser planen Effekt. Hier könnte IG Feedback warum anders gehandelt wird helfen. Ebenso könnte es helfen, wenn jemand einen Teil seines Planes aufgreift und den schneller als er in einen anderen Plan einbaut. Damit findet sich der Spieler mit seinem Anliegen ernst genommen und integriert.
So wie es rüber kommt wirkt es so als ob er mit der Uhr das dritte oder vierte Mal eine drüber bekommt und weiter ignoriert wird. Wenn mein Eindruck stimmt, dann spielt der Spieler in 3 Monaten nicht mehr mit, weil er frustriert das Handtuch schmeißt.

Dies ist der Eindruck, den ich aus der Wiedergabe der Maßnahmen und deren Konsequenzen sowie der Konsequenzen seines Tuns habe. Natürlich kann mein Eindruck täuschen. Ich hoffe es sogar, aber wie gesagt es wirkt für mich wie unterschiedliche nicht zusammenpassende Spielstiele, wie ein Spieler der von den anderen Spielern in einem Bereich der ihm wichtig ist ignoriert wird und es wirkt so als ob schon die dritte oder vierte Sache zu dem Thema kommt, bei der wieder nur er Federn lassen muss. Niemand gibt gerne immer nur nach.

Deshalb würde ich empfehlen die Sanduhr dann schon daran zu koppeln, dass sein Plan wenn er es schafft ihn inerhalb der Zeit zuentwerfen auch in irgendeiner Form eingebunden werden muss.
Zuckerbrot: Wenn du dich an die Zeit hältst wirst du nicht ignoriert und kannst etwas bewirken.
Peitsche: Wenn du dich nicht an die Zeit hältst, dann wird das Ignorieren der Pläne deines SCs kurz geschildert und es geht weiter.

Das ist nicht böse oder als Angriff auf Joerg gemeint sondern meine Perspektive dazu.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Oberkampf am 10.10.2011 | 15:22

So wie es rüber kommt wirkt es so als ob er mit der Uhr das dritte oder vierte Mal eine drüber bekommt und weiter ignoriert wird. Wenn mein Eindruck stimmt, dann spielt der Spieler in 3 Monaten nicht mehr mit, weil er frustriert das Handtuch schmeißt.

Das ist das Problem, wenn man mit Spielern spielt, die sehr stark auf ihrer Lieblingsspielweise beharren und sich diese nur beschränkt mit dem Rest der gruppeninternen Vorlieben vereinigen lassen. Da kann ich Joergs Punkt voll verstehen: man sollte als SL und auch als Spieler die ganze Gruppe im Blick haben. Kein Spieler kann erwarten, dass seine liebste Extremspielweise allein bedient wird (und das sage ich im vollen Bewusstsein meiner eigenen extremen Neigungen).
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Just_Flo am 10.10.2011 | 16:05
Anpassung und Kompromisse haben halt was mit geben und nehmen und Beidseitigkeit zu tun. Ich lese nur, was der Spieler alles anders machen soll und das er ignoriert wird. Ich lese nirgendswo was er als Gegenleistung erhält. Bei einem Kompromiss müssen mehrere Seiten etwas auf- bzw. hergeben. Er und die anderen Spieler. Klar ist er in der Minderheit und muss wohl mehr aufgeben als die anderen, aber auch die müssen etwas auf ihn zugehen, sonst kann man sich die Hängepartiesparen und sollte so fair sein und glasklar sagen, dass Spielstiele divergieren, ein Eingehen auf ihn nicht vorgesehen ist und obwohl man ihn mag (oder auch nicht oder gerade deshalb) beim bespielten Setting und System evtl. eine Trennung eine gute Option wäre um ihm Enttäuschungen zu ersparen.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Foul Ole Ron am 10.10.2011 | 16:11
Etwas ungeordneten Senf für 2ct:
Ich finde es durchaus wichtig, wenn im Bezug auf die Planungszeit die Zügel etwas angezogen werden! Denn, um da mal Jörg beizupflichten, haben schließlich alle das gleiche Problem - und da beziehe ich den SL explizit mit ein! Der muss schließlich auch kurzfristig reagieren, und sollte sich nicht nach der Ansage der Spielerpläne eine halbe oder gar ganze Stunde zum Planen zurückziehen.
In unserer laufenden D&D4-Runde sprechen wir mittel- und langfristige Pläne vor dem Spielabend über das Kampagnenforum ab. Das gewährleistet zumindest schon mal einen zügigen Einstieg, und gleichzeitig wissen alle über die "Prioritäten" bescheid. Das schränkt die Fülle an zu bedenkenden Randbedingungen beim Planen ein. Gleichzeitig hilft es natürlich dem SL enorm bei der Vorbereitung. Zudem interveniert der SL, wenn er merkt, dass der Plan "gut" ist, und ein zu detailliertes Weiterplanen nichts weiter als ein Hartwurst- bzw. Zeitfresser ist. Der Gruppensorcerer in dieser Runde ist z.B. ein feiges Stück Goblin, und würde lieber jederzeit im Kampf schreiend weglaufen, als sein Cover aufzugeben oder näher als auf 10 Felder an den Feind zu geraten. Das spielt er aber dann auch innerhalb einer "normalen Runde" aus, und plant nicht übermäßig länger als die Rampensäue der Truppe!
Gute Planung ist ok - aber wenn, dann auf Gruppenebene, und nicht als Einzelspieler oder -charakter. Der Spieler des Feiglings darf diesen gerne feige spielen. Aber er sollte spielen, und nicht zuviel zögern! Wohlgemerkt der Spieler. Der Charakter darf ja wiederum gerne zögern, aber dann muss er das imho auch im Rahmen seines Turns ausspielen! Wenn der Charakter feige ist, soll er was feiges machen! Er kann weglaufen, er kann sich beim Kampf weit im Hintergrund halten, er kann als Burgherr in seiner Burg hocken bleiben und Truppen ausbilden, während die "Kollegen" schon gegen den Feind ausziehen, ... . Wenn aber (konstruiert) ein einzelner Spieler bei fünf Leuten am Tisch die Hälfte der Spielzeit "verbrennt" finde ich das nicht in Ordnung.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Joerg.D am 10.10.2011 | 16:28
@ Präsi:
Also Birel ist alle mögliche, aber nicht feige und der sieht auch zu, dass er immer schön weit Hinter Euch steht.


@ Just_Flo
Du kannst nicht so lange planen ohne mit den Spielern zu interagieren, deine Texte basieren also auf einer totalen Fehleinschätzung der Situation. Zusätzlich möchte ich betonen, das soziale Harmonie vieles ausgleicht und die stimmt in der Gruppe, sonst hätte ich als SL schon längst das Weite gesucht. Man oder besser gesagt ich muss mich auch mal durchbeißen, wenn mir etwas an der Runde nicht gefällt und nicht sagen, dass ich keinen Bock mehr habe.

Wenn die Spieler sich mit mir zusammenraufen und an ihrem Spiel arbeiten, kann auch bei unterschiedlichen Geschmäckern etwas ganz großes rauskommen, weil jeder in seinem Gebiet glänzt.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Just_Flo am 10.10.2011 | 17:00
Für mich klang das aus deiner Beschreibung halt so als ob der Planer in seinem Tun ständig aufläuft. Na schauen wir mal ob er in 3 Monaten noch dabei ist dann hatte ich unrecht oder ob er weg ist, dann war meine Ferndiagnose richtig war. Time will tell.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Foul Ole Ron am 10.10.2011 | 18:08
@ Präsi:
Also Birel ist alle mögliche, aber nicht feige und der sieht auch zu, dass er immer schön weit Hinter Euch steht.

...
Der Gruppensorcerer in dieser Runde ist z.B. ein feiges Stück Goblin, und würde lieber jederzeit im Kampf schreiend weglaufen, als sein Cover aufzugeben oder näher als auf 10 Felder an den Feind zu geraten. Das spielt er aber dann auch innerhalb einer "normalen Runde" aus, und plant nicht übermäßig länger als die Rampensäue der Truppe!
...
Schon klar! Birel steht als Bogenschütze hinten, weil es ingame Sinn macht. Das tut es zugegebenermaßen bei der Glaskanone von einem Goblin (als Sorcerer) auch, ok. Aber _weil_ er halt nix ab kann _ist_ er eben auch ein Feigling. In dem Fall korrelieren Charakterkonzept (feiger und eigennütziger Goblin) mit den Regeln und Werten (äußerst empfindlicher Sorcerer mit Range) einfach wunderbar! Der hat sich auch schon an anderer Stelle "verpisst", obwohl man ihn durchaus noch hätte gebrauchen können bzw. berechtigte Aussicht auf ordentlich Loot bestand.
Was ich meinte wird aber, glaube ich zumindest, klar: Der mutige Fernkämpfer-Elf braucht grob gesagt genau so viel Zeit für seinen Turn, wie der feige Goblinmagier. Egal, ob es eine mutige oder feige Aktion ist. Hauptsache Aktion  ;D

@Just_Flo: Mit Plänen auflaufen ist eine andere Sache. Und wenn es tatsächlich so sein sollte (was ich im vorliegenden Fall anhand Jörgs Beschreibungen nicht glaube), dass das ständig passiert, dann hast Du natürlich Recht! Das Risiko auf eine Ablehnung des Plans steigt mMn auch mit dem Umfang des Plans an. Wenn ich mir einen ellenlangen Plan aus dem Kopp drücke und ihn den anderen vortrage, ist einfach die Wahrscheinlichkeit größer, das an irgendeiner Stelle ein oder mehrere Zuhörer aussteigen - entweder aus Langeweile, oder weil man an einer Stelle vorbeikommt, die die anderen für "nicht funktional" halten. Das heißt mMn wieder: entweder zusammen in der Gruppe planen, oder eigene (Charakter-)Pläne kurz und knackig halten.
Wie kurz und knackig es genau sein muss (oder andersherum: wie lang es denn tatsächlich dauern darf) muss natürlich wieder die Gruppe selbst eruieren.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Just_Flo am 27.11.2011 | 09:30
Ich wollte mal nachfragen, wie es mit dem Spieler und der Gruppe weitergegangen ist.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Blizzard am 27.11.2011 | 14:10
Der Charakter wird von ihm feige gespielt (was mich nicht im geringsten stört) und der Spieler neigt zu langen Planungsphasen (was mich und die anderen Mitspieler stört).
Ich kenne Reign nicht, aber wenn der Spieler zu langen Planungsphasen neigt, wäre dann nicht (eher) SR genau sein Ding?
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: YY am 27.11.2011 | 15:22
Ich kenne Reign nicht, aber wenn der Spieler zu langen Planungsphasen neigt, wäre dann nicht (eher) SR genau sein Ding?

SR-Spieler, die zu (zu) langen Planungsphasen neigen, gehören geteert und gefedert  :P  ;D
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Bad Horse am 27.11.2011 | 15:43
SR-Spieler, die zu (zu) langen Planungsphasen neigen, gehören geteert und gefedert  :P  ;D

Fixed it for you. ;)
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Blizzard am 27.11.2011 | 15:48
SR-Spieler, die zu (zu) langen Planungsphasen neigen, gehören geteert und gefedert  :P  ;D
Wieso? macht man in SR noch was anderes, ausser stundenlang zu planen?
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: YY am 27.11.2011 | 15:54
Fixed it for you. ;)

Ja, ok...aber SR wurde halt so spezifisch genannt.

Wieso? macht man in SR noch was anderes, ausser stundenlang zu planen?

Wenn ich leite schon  :gasmaskerly:
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Blizzard am 27.11.2011 | 15:58
Ja, ok...aber SR wurde halt so spezifisch genannt.
DAS ist ja auch SR-spezifisch. ;)
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: YY am 27.11.2011 | 16:05
Jo, schon klar  :)

Aber da hat man als SL auch einen gewissen Erziehungsauftrag  ;D
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Blizzard am 27.11.2011 | 16:14
Aber da hat man als SL auch einen gewissen Erziehungzählungsauftrag  ;D
fixed it for you. ;D
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: YY am 27.11.2011 | 16:51
Ist heute großes YY-Korrigieren angesagt oder was?  ;D


Ne, im Ernst:
Das mit der "Planung" ist bei SR eine echte Unsitte.

Deswegen in Anführungszeichen, weil das zu 99,x % reines Rumgeheule der Art "Aber was wenn XYZ..." und "Ohne Ausrüstung ABC geht das eh nicht" ist, aber keiner mal den Arsch für ein bisschen Legwork hochkriegt und "actionable intelligence" beschafft.

Da kann man als SL getrost intervenieren.
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Naldantis am 27.11.2011 | 17:09
Ist heute großes YY-Korrigieren angesagt oder was?  ;D


Ne, im Ernst:
Das mit der "Planung" ist bei SR eine echte Unsitte.

Deswegen in Anführungszeichen, weil das zu 99,x % reines Rumgeheule der Art "Aber was wenn XYZ..." und "Ohne Ausrüstung ABC geht das eh nicht" ist, aber keiner mal den Arsch für ein bisschen Legwork hochkriegt und "actionable intelligence" beschafft.

Da kann man als SL getrost intervenieren.

Ich mag Planung und bin immer recht angepisst, wenn der SL zu sinnlosem Aktionismus treibt (Ausnahme natürlich, wenn er eine startstuation erschafft, in der dieses Verhalten folgerichtig ist: Geiselnahme mit den PCs mittendrin oder laufende Entführung vor ihren Augen von ihren Buddies, oder Terror mit tickender Bombe von der man nichtmehr wegkommt, oder in wilde Verflgungsjagten mündende Verwechselung der PCs, etc.)

Aber was ist bitte "actionable intelligence"?


Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Bad Horse am 27.11.2011 | 17:23
Informationen, die einem beim weiteren Vorgehen helfen oder den Kurs, nach dem die Aktion laufen soll, optimieren.

Ja, dieses "Wir reden jetzt als Spieler stun-den-lang herum und spekulieren, anstatt einfach mal jemanden zu fragen" geht mir auch schwer auf den Senkel. Möglichst noch mit dem "Wir haben ja keine Informationen"-Gejammer verbunden, obwohl man gar nicht versucht hat, sich welche zu beschaffen.  :P
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Blizzard am 27.11.2011 | 21:02
Ist heute großes YY-Korrigieren angesagt oder was?  ;D
Scheint so. ;) Hm..YY-Korrektor oder YYs Korrekturassistent oder YYs Lektor wäre auch ein netter Titel. ;D

Zitat
Ne, im Ernst:
Das mit der "Planung" ist bei SR eine echte Unsitte.
Gegen ein bisschen Planung habe ich -in anderen Rollenspielen(ich spiele i.d.R. kein SR) nix einzuwenden. Aber bei SR kann eine ganze Sitzung nur aus der Planung bestehen(alles schon erlebt)...und das ist dann doch des Guten zuviel.

Zitat
Deswegen in Anführungszeichen, weil das zu 99,x % reines Rumgeheule der Art "Aber was wenn XYZ..." und "Ohne Ausrüstung ABC geht das eh nicht" ist, aber keiner mal den Arsch für ein bisschen Legwork hochkriegt und "actionable intelligence" beschafft.
Ja, manche Spieler bzw. deren Charaktere kommen noch gar nicht mal auf die Idee, jemanden zu fragen. Dabei ist die Spielwelt doch soooooooo gross...
Titel: Re: Was tun, wenn der Spieler ein Feigling ist?
Beitrag von: Just_Flo am 4.12.2011 | 23:33
Spielt der Spieler noch mit oder hat er inzwischen das Handtuch geworfen?