Tanelorn.net

Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Rollenspieltheorien => Thema gestartet von: Humpty Dumpty am 30.10.2011 | 11:38

Titel: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Humpty Dumpty am 30.10.2011 | 11:38
Ausgehend von einer Diskussion in diesem Thread (http://tanelorn.net/index.php/topic,71070.msg1427096.html#msg1427096) kam die Frage auf, weshalb insbesondere DSA denn eigentlich ob seiner analysierten Dysfunktionalitäten doch so vielen Spielern so viel Freude bereitet. Sind die alle anspruchs- und/oder ahnungslos? Ich glaube nicht. Bei oWoD Vampire und mit einigen Abstrichen auch bei Shadowrun lassen sich ganz ähnliche Phänomene beobachten. Nach meiner Ansicht gibt es dafür viele Gründe, die sich in vor allem in zwei Kategorien einteilen lassen: psychologische und inhaltliche. Ich habe heute leider nicht so wahnsinnig viel Zeit, das intensiv auszuführen, würde die Gedanken aber zumindest gerne mal anreißen und zur konstruktiven Diskussion stellen. Boba hat die ersten drei Punkte bereits im verlinkten Thread angerissen, weshalb ich das direkt mal mit leichten Änderungen übernehme. Ich dekliniere das hier anhand von DSA durch, aber der Transfer auf Vampire sollte gut funktionieren.

Psychologische Gründe
1. Sozialisation: Die entscheidenden Spielerfahrungen, die emotional und verbindend sind, werden zu Anfang der Rollenspielkarriere gemacht und wirken bahnend für spätere Präferenzen.
2. Soziale Identität: Man spielt DSA nicht nur in Gesellschaft, man befindet sich sogar in einem Großen "Wir". Woanders spielen andere das gleiche, lesen den Boten, schreiben, erleben. Durch gemeinsame, positive Erlebnisse wird die Bindung zu DSA gestärkt.
3. Einstellungsänderung: Irgendwann erkennt man vielleicht, dass es Alternativen gibt, dass das DSA Regelwerk eben nicht das Gelbe vom Ei ist. Es ist jedoch psychologisch ein ebenso schwieriger wie langwieriger Prozess, eine einmal bestehende Einstellung zu etwas (DSA) zu ändern, wenn die emotionale Bindung stark ausgeprägt ist. Die vielen ex-DSAler werden das anhand ihres jeweils überraschend langen Abkapselungsprozess gut nachvollziehen können.
4. Selbstwertsteigerndes Expertentum: Der Eindruck, mit zunehmender Beschäftigung tatsächlich "besser" zu werden, steigert den Selbstwert. Es ist schön, sich gut mit etwas auszukennen und das nach außen zu zeigen. Verlässt man das vertraute Terrain, fängt man wieder bei Null an.

Inhaltliche Gründe
5. Originalität: DSA war nicht nur das erste Rollenspiel mit ernstzunehmender Verbreitung, es weist auch viele eigene Facetten auf, welche es von anderen Systemen unterscheidet: gerade diese Hotzenplotzigkeit mit all ihren positiven und negativen Seiten hebt DSA von vielen 08/15-Settings ab.
6. Qualität: Man kann an DSA sicherlich viel kritisieren. Das Setting überzeugte schon immer mit einer bahnbrechenden Qualität. Angefangen mit der Havena-Box bis zu den heutigen Regionalspielhilfen ist DSA qualitativ beim Setting ganz vorne mit dabei.
7. Hohes Identifikationspotential: Durch die im spezifisch deutschen Kulturgut verortete Originalität des Settings entsteht für die Spieler eine größere Nähe zum eigenen Hintergrund, was sich in einem höheren Identifikationspotential mit den Protagonisten (seien es SC oder NSC) niederschlägt. Das macht sexy, denn ein gewisser Wiedererkennungswert ist bei aller Phantastik vermutlich auch im Rollenspiel bis zu einem gewissen Maß anziehend und vereinfacht vieles, was bei Talislanta beispielsweise erklärungsbedürftig wäre.

Sonstige Gründe
8. Casual Play: Durch die Verbreitung von DSA ist die Zugänglichkeit hoch, was die Attraktivität der Alternativen schmälert.
9. Soap-Factor: Naja, der Name sagts ja: DSA ist eine klassische Seifenoper und damit konzeptuell anders angelegt als die meisten Alternativen. Das war mehr so ein Gefühl, aber ich habe mir gerade mal die definierenden Komponenten einer Seifenoper bei Wikipedia durchgelesen und kann genau diese bei DSA wiederfinden: Handlung ohne Ende, langsames Erzähltempo (das wurde in den letzten Jahren etwas vernachlässigt, wodurch sich viele Leute prompt nicht mehr wiederfinden) und Zopfdramaturgie.
10. Geringe Validität von GNS: Dass DSA in der klassischen Form in einer Gruppe ein dysfunktionales Spiel erzeugt, mag theoriegemäß nach GNS zwar sein, aber die interne und prognostische Validität von GNS sind bereits so vielstimmig bezweifelt worden, dass eine schlechte Passung von GNS-Verhersage und Realität keine große Überraschung sein sollte.
11. Balance aus Sense of Wonder und Alltäglichkeit: Ganz wichtiger Punkt. DSA ist durch seine Hotzenplotzigkeit deutlich bodenständiger und näher am Leben des typischen Rollenspielers als die meisten Alternativen. Dadurch schafft es DSA, einerseits phantastische Elemente gut zu integrieren. Die willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit wird damit leichter gesetützt als bei vielen Alternativen. Siehe auch: Harry Potter, diese Teenie-Vampir-Klamotte, die Hobbits im Herrn der Ringe, die Teenager in Transformers etc. Hier gibts natürlich starke Überschneidungen zum Identifikationspotential, klar.

All diese Argumente sollten sich mit wenigen Anpassungen auch auf Vampire und Shadowrun übertragen lassen. Insgesamt erklärt sich dadurch die Attraktivität von DSA auch über die vielfach beschriebene Inkompatibilität von Setting, Metaplot und Regeln hinaus. Eine wirkliche Gefahr besteht für DSA aktuell nach meiner Ansicht vor allem deshalb, weil einige der psychologischen Gründe, insbesondere soziale Identität und selbstwertsteigerndes Expertentum, zunehmend pulverisiert werden. Die soziale Identität wird durch die Missklänge bei Ulisses zunehmend unattraktiver und das selbstwertsteigernde Expertentum ist spätestens dann nicht mehr so selbstwertsteigernd, wenn einem an allen Ecken und Enden entgegenschallt, wie beknackt die Regeln und wie bescheuert Railroading, Metaplot etc. doch sind. Insofern bricht für DSA gerade eine ziemlich entscheidende Zeit an. Die Hoffnungen, die mit DSA5 verbunden werden, sind vor diesem Hintergrund übrigens bestenfalls optimistisch, denn Regeln alleine können die psychologischen Abkapselungsprozesse wohl nur unzureichend auffangen.

Was meint Ihr? Konstruktive Beiträge sind willkommen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire zwar "dysfunktional" sind, aber trotzdem rocken!
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.10.2011 | 11:42
Ein weiterer Grund für den Erfolg von DSA ist möglicherweise, dass es das Barbie-Spiel (http://tanelorn.net/index.php/topic,69956.0.html) unterstützt.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Boba Fett am 30.10.2011 | 11:54
Ein weiterer Grund für den Erfolg von DSA ist möglicherweise, dass es das Barbie-Spiel (http://tanelorn.net/index.php/topic,69956.0.html) unterstützt.

Das tun andere, minder erfolgreiche Systeme auch.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Sperber am 30.10.2011 | 12:00
Ich denke, ich muss für mich als Hauptgrund Punkt 10 wählen. Wer sich nicht mit GNS beschäftigt, kommt auch gar nicht auf die Idee, dass da was dysfunktional (schreibt man das so?) sein könnte.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Humpty Dumpty am 30.10.2011 | 12:03
Ich denke, ich muss für mich als Hauptgrund Punkt 10 wählen. Wer sich nicht mit GNS beschäftigt, kommt auch gar nicht auf die Idee, dass da was dysfunktional (schreibt man das so?) sein könnte.
Ein dysfunktionales Spiel fällt am Spieltisch theoriegemäß dadurch auf, dass es nicht sonderlich gut funktioniert und im Ergebnis wenig Spaß macht. Punkt 10 meint eigentlich was anderes: GNS ist empirisch nicht als vorrangiges Konzept funktionaler Runden haltbar.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Taschenschieber am 30.10.2011 | 12:04
Ich denke, ich muss für mich als Hauptgrund Punkt 10 wählen. Wer sich nicht mit GNS beschäftigt, kommt auch gar nicht auf die Idee, dass da was dysfunktional (schreibt man das so?) sein könnte.

Mag bei dir so sein - ich fand DSA auch schon dysfunktional, bevor ich mich näher mit GNS beschäftigt hatte (und ein GNS-Experte bin ich auch bei weitem nicht). Wie alle Pauschalaussagen ist also auch deine falsch ;)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: OldSam am 30.10.2011 | 12:06
Sehr gute Analyse! *thumbs up*

Eine Sache fehlt mir allerdings noch, ich würde deutlich stärker hervorheben, dass die starke Verbreitung eines Mainstreamsystems das Finden von Spielrunden/Mitspielern sichtlich erleicht, zumal hier durch Spielwelt inkl. Metaplot und Regeln bereits zu Beginn eine gemeinsame Basis besteht; der/die Neueinsteiger/in kann gleich Erfahrungswissen einbringen. Also der Aspekt der Zugänglichkeit ist IMHO schon sehr gewichtig und hat viele Facetten. Das fällt unter 8. Casual Play, wo es ja kurz angerissen wird, doch zu sehr unter den Tisch finde ich ;)

Der Fall, dass einzelne Leute alternative und in vielerlei Hinsicht auch bessere Regelsysteme spielen wollen, dann aber Probleme haben genug Spieler für entsprechende Runden zu kriegen ist ja nicht grad selten. Das ist eben die Schattenseite der Standort-Vorteile für den Mainstreamspieler, wenn Leute dann auf andere Regelwerke umsteigen, muss diese Hürde auch noch genommen werden - idealerweise sollte man deshalb wohl auch immer gleich mit einer ganzen Gruppe umsteigen :p
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Dr.Boomslang am 30.10.2011 | 12:08
Die Antwort ist: Es ist da. Etwas genauer: Es ist genug Spielmaterial da.
Bei DSA sind das in erster Linie Abenteuer. Bei Vampire sind es Splatbooks. Für D&D gilt ähnliches für den englischsprachigen Bereich.

Andere Spiele können diesem Umfang nicht bieten und erlauben es damit nicht in erster Linie zu konsumieren. Aus diesem Punkt ergibt sich alles weitere.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 30.10.2011 | 12:10
Wow, volle 11 Punkte bei denen ich nicht Zustimmen kann, die gar die dysfunktionalität ganz außer acht lassen!

Punkte 1-4 treffen eh auf jedes Mainstream-Produkt zu.
Punkte 5-7 sind sehr subjektiv, gerade Punkt 5.

Ich würde es leicht anders formulieren: Bei einem "Reinen" Spiel besteht immer die Gefahr das sich nichts ergibt. Praktisch alle Mainstream Spiele sind dysfunktional, da sie Mehtoden einbringen um ggf. aus Zwang etwas geschehen zu lassen, was zu den üblichen Reibereien führt. Aber: Es tut sich was, man wird unterhallten und hatte am Ende genau dadurch Spaß.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Taschenschieber am 30.10.2011 | 12:11
Andere Spiele können diesem Umfang nicht bieten und erlauben es damit nicht in erster Linie zu konsumieren. Aus diesem Punkt ergibt sich alles weitere.

Das ist ein imho sehr guter Punkt. Ich würde das gerne noch dahingehend ergänzen, dass vorgefertigtes Abenteuermaterial auch für SL-Anfänger (und in einem gewissen Rahmen auch SL-Umsteiger) eine große Erleichterung ist.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Humpty Dumpty am 30.10.2011 | 12:14
Das ist ein imho sehr guter Punkt. Ich würde das gerne noch dahingehend ergänzen, dass vorgefertigtes Abenteuermaterial auch für SL-Anfänger (und in einem gewissen Rahmen auch SL-Umsteiger) eine große Erleichterung ist.
Klar. Ich hatte diesen Punkt ja bereits unter Punkt 8 genannt. Andererseits waren früher D&D und Midgard in ähnlicher Weise zugänglich, aber deutlich weniger erfolgreich. Und Cthulhu gabs in Deutschland ebenfalls ziemlich fix, auch heute noch mit massig Splatbooks. Das kann also nicht alles sein. Und dass sich daraus "alles weitere" ergäbe, ist schlicht arrogant-destruktuve Trollerei. Coldwyns Post treibt mich ebenfalls auf die Palme. Ich sehe schon, wohin die Reise geht. Keinen Bock drauf. Thread geschlossen. Mehr gerne per PM.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 30.10.2011 | 12:16
Klar. Ich hatte diesen Punkt ja bereits unter Punkt 8 genannt. Andererseits waren früher D&D und Midgard in ähnlicher Weise zugänglich, aber deutlich weniger erfolgreich. Und Cthulhu gabs in Deutschland ebenfalls ziemlich fix, auch heute noch mit massig Splatbooks. Das kann also nicht alles sein. Und dass sich daraus "alles weitere" ergäbe, ist schlicht arrogant-destruktuve Trollerei. Coldwyns Post treibt mich ebenfalls auf die Palme. Ich sehe schon, wohin die Reise geht. Keinen Bock drauf. Thread geschlossen.

Huh? Ich hatte den Einzeilner nur als Platzhaltter stehen lassen, wärend ich den Edit tippe ...

Naja, bis du den Schließen-Knopf findest, nutze ich die Zeit etwas:

Eigentlich ein guter und schön aufgemachter Artikel, ich finde aber: Du triffst die falschen Schlüsse.
Mal ganz platt gesagt, ein reines GNS-Spiel braucht sowohl Können und als Commitment damit es zufriedenstellen klappt. Keine Sim ohne das Mitwirken aller Beteiligter, keine Narrativism ohne Emotionen, etc.
Betrachtet man die genannten Spiele, fällt auf dass eben Können und Commitment ausgehebelt werden, fast schon eher im Weg stehen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Herr der Nacht am 30.10.2011 | 12:41
Bei mir ist es Sozialisation, Gewohnheit, Nostalgie und noch mehr Gewohnheit.

Wenn man dutzende Settingbücher verschlungen hat, Aventurisierungen wie Mohagoni und ähnlichen Quatsch mal eben in Fluff-Beschreibungen am Spieltisch bringt, ohne dafür noch nachgucken zu müssen, Namen von aventurischen Persönlichkeiten fehlerfrei buchstabieren kann....

Dann fällt es schwer, das einfach vollständig hinter sich zu lassen. Wieso auch? Ich mag Ausflüge in andere Rollenspiele. Ich mag andere Rollenspiele.  Besonders die, bei denen man über gute Regeln, interessante Bände und ähnliches staunt. Aber spätestens, wenn man beim durchgucken dieser anderen Rollenspiele sich dabei ertappt, zu überlegen, wie man diese aventurisieren kann, dann weiß man, bei welchem RPG man sich heimisch fühlt und welche nur für Kurztrips bespielt werden.

Außerdem ist es natürlich die Menge an pfiffigen Leuten, die Material zu dem Rollenspiel bringen. Bei DSA gibt es dutzende Tools, Foren und Texte. Wenn ich irgendwas nicht ausreichend in Büchern besprochen sehe, muss ich lediglich bei der Google-Suche den Begriff eingeben und finde ein dutzend Foreneinträge mit vielen Ideen.

DSA ist halt mehr als nur die Menge an gedruckten Seiten. Bei Vampire wirds wohl ähnlich sein, aber ich kann bei der oWoD nicht mitreden  :) Auffällig ist aber, wie dünn es bei der nWoD aussieht, wenn man mal nach gescheitem Material guckt, nach guten Chroniken oder NSC-Ausarbeitungen. Vermutlich ist ohne den gemeinsamen Plot auch ein Stück weit Beliebigkeit dazugekommen, weshalb die nWoD-Leute ihr Material nicht so sehr tauschen und mitteilen. Das finde ich schade und das ist auch immer wieder ein Grund, warum ich DSA schätze.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Dr.Boomslang am 30.10.2011 | 12:45
Ich hätte es vielleicht etwas ausdrücklicher sagen sollen: Die Punkte im ersten Post sehe ich durchaus auch alle so. Ich wollte nur betonen , dass die wesentliche Voraussetzung meiner Meinung nach das Angebot von (viel) Spielmaterial ist. Und ich glaube nicht, dass irgend ein anderes Spiel so viel so zugänglich zur Verfügung stellt (oder zu den entscheidenden Zeitpunkten zur Verfügung gestellt hat). Heute stabilisiert sich die Marktführung natürlich durch die Basis an Leuten die mit DSA in Kontakt gekommen sind.

Ich glaube auch nicht, dass die besondere Stellung irgend was inhärent mit den speziellen Eigenschaften der Spiele zu tun hat (außer dass sie viel Material bieten, für jeden etwas). Das sind alles Eigenschaften die man im Nachhinein an jedem Spiel feststellen würde, das so erfolgreich geworden ist, wahrscheinlich weil es Eigenschaften sind die nur ein erfolgreiches Spiel haben kann und eventuell haben muss.

Wenn ich an die 90er zurück denke, dann waren die Spiele die man kannte und die man auch kaufen konnte (auf deutsch) nur DSA und Vampire. Heute z.B. hat Vampire längst nicht mehr diese Stellung. Eigentlich gibt es auf deutsch nur DSA das die kritische Masse überschreitet.
DSA hat es damals sehr geholfen dass es durch Schmidt Spiele in jedem Spieleladen verfügbar war. Feder und Schwert hat viel für die Verbreitung von Vampire getan und es war das richtige Angebot für Leute die nach DSA etwas anderes vom Rollenspiel wollten.

Die Gründe für Verbreitung sind doch meist irgendwelche historischen Zufälle, nicht tolles Design oder inhärente Alleinstellungsmerkmale.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Joerg.D am 30.10.2011 | 12:58
1. Punkt:
Weil sie auf Deutsch zur Verfügung stehen.
2. Punkt:
Weil man die Welt und die Regeln kennt und nicht überrascht wird
3. Punkt:
Weil man sie in den "guten alten Zeiten" und mit den "Jungs und Mädels von früher" spielen kann.
4. Punkt:
Weil sie rausgekommen sind, als viele Leute mit dem Spielen angefangen haben und die Spieler einfach nur eine gute Zeit beim Spielen haben wollen.
5. Punkt:
Weil man weiß was einen erwartet.

Ich habe gestern bei einem Gespräch mit einem potentiellen neuen Mitspieler nur zu hören bekommen, dass er einfach nur mit netten Leuten spielen will. Der Spieler war fast ein wenig erschreckt, wie ernst ich das Spiel nehme und wurde von der Fülle an Systemen regelrecht erschlagen (glaube ich)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Sashael am 30.10.2011 | 13:04
Aber deine Argumente  2-5 treffen doch alle nur auf erfahrene Alt-Spieler zu, Joerg.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Sir Markfest am 30.10.2011 | 13:04
Die Gründe für Verbreitung sind doch meist irgendwelche historischen Zufälle, nicht tolles Design oder inhärente Alleinstellungsmerkmale.

Denke ich auch. DSA war ganz einfach zur richtigen Zeit (Fantasy-Bomm der frühen 1980er) in grosser Masse am richtigen Ort (Spielwarenläden, Buchhandlungen usw.). Und das gezielte und geförderte Mitmachen der Kunden ("Mach mehr draus!" = Aventurischer Bote, DSA-Club-Gründungen, Feedbachmöglichkeiten und leichte Ansprechbarkeit der Redaktion) hat sicher auch seinen Teil zur Verbreitung beigetragen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Herr der Nacht am 30.10.2011 | 13:12
Aber deine Argumente  2-5 treffen doch alle nur auf erfahrene Alt-Spieler zu, Joerg.


Altspieler rekrutieren Neuspieler. Altspieler generieren (oft) Inhalte für das Rollenspiel. Sei es offiziell oder inoffiziell. Das steigert den Markenwert des Rollenspiels.

Und darum haben es neue Rollenspiele auch so schwer, sich dauerhaft zu etablieren.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Joerg.D am 30.10.2011 | 13:17
Aber deine Argumente  2-5 treffen doch alle nur auf erfahrene Alt-Spieler zu, Joerg.


Kennst du denn Jungspieler? Ich nur ganz wenige.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Sperber am 30.10.2011 | 13:25
Mag bei dir so sein - ich fand DSA auch schon dysfunktional, bevor ich mich näher mit GNS beschäftigt hatte (und ein GNS-Experte bin ich auch bei weitem nicht). Wie alle Pauschalaussagen ist also auch deine falsch ;)

Und darum betone ich den wichtigen Teil meiner Antwort nochmal:

Ich denke, ich muss für mich als Hauptgrund Punkt 10 wählen.

Was dahinter kommt, ist eine Erklärung, warum ich Punkt 10 gewählt habe und keine Pauschalaussage, auch wenn ich Punkt 10 missverstanden habe.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: AcevanAcer am 30.10.2011 | 13:35
Ich hätte kurz eine Frage an den TE

Du beziehst dich mit deinen Aussagen ausschliesslich auf den Deutschen Raum?

Zu Punkt 5 muss ich ein wenig wiedersprechen, ich finde nicht das DSA sich durch dadurch abhebt das es so Originelll ist, den das stimmt nicht wirklich. DSA ist ein Sammelsurium aus geklauten Ideen, teilweise bekannten (Musketiere oder das lediglich vielen Dingen ein Irdisches Vorbild besitzen und dem neuen Namen gegeben wurden oder die Götter an sich die oft angelehnt sind an altertümliche geschichten), teilweise unbekannten (Blitzprophezeiung der Rondrakirchen z.b.).
Ich finde das die größte Stärke hier der Wiedererkennungswert ist, also das man sich deshalb so gut mit DSA Identifizieren kann, weil man viele Dinge bereits kennt, ohne es je gespielt zu haben. Darum würde ich Punkt 5 Streichen, Punkt 7 trifft aber zimmlich.

Punkt 6 Ich finde die Qualität der DSA produkte ansich eher Schlecht. Häufige Wiedersprüche aufgrund mangelnder Rechere der schreibenden Autoren und nicht ausreichendem eingreifen der Redakteure, häufige Rechtschreibfehler mit mangelndem Lektorat. Unübersichtliche Gestaltung der Spielhilfen (Wenn ich hier auf Arkanils Blog verweisen dürfte) und häufiges Recylen der Bilder und Texte sind für mich keine Qualitätsmerkmale. Das einzige was sie mittlerweile in den griff bekommen haben ist die Bindung der Bücher. Gerade wenn ich meine D&D Bücher die bereits Hardcover, sinnvoll Gegliedert und zahlreiche schön anzuschauende Bilder hatten als DSA noch in s/w Heften rausgekommen ist, muss ich sagen das DSA gerade mal so, mit gutem Willen, den Qualitätsmindestanspruch erfüllt.

Punkt 1-4 kann ich nichts zu sagen. Psychologische Argumente ins Feld zu führen halte ich aber immer für schlecht um etwas zu unterstreichen, da vieles hier auf Subjektiven Erfahrungen beruht. Um wirklich Psychologische Argumente zu benutzen, muss man entweder direkt die gesicherten Erkenntnissen und Bezugswissenschaften dieser Sparte verwenden oder selbst ellenlange Statistiken und Tests machen. Wenn du hier ein wenig mehr schreiben würdest (Ich weiß, du hast geschrieben das du keine Zeit hast, vllt. greife ich dir auch vor, dann entschuldige das bitte) würde es gleich proffesioneler wirken.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Sashael am 30.10.2011 | 13:39
Kennst du denn Jungspieler? Ich nur ganz wenige.
Vielleicht weil du so alt bist?  ~;D
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Grimnir am 30.10.2011 | 13:54
Den Beitrag finde ich klasse und es wäre schade, wenn Du den Thread schließen würdest. Bei meinen Anmerkungen beziehe ich mich nur auf DSA, Vampire kenne ich nur am Rande.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist in meinen Augen auch die  starke Integration von und Interaktion mit Fans. Egal, ob es beim Baronienspiel oder ein Artikel im Aventurischen Boten ist - mit ein wenig Engagement schafft man es relativ leicht, aus Fanwork was "Offizielles" zum machen. Das schafft ein unheimliches "Wir"-Gefühl. Vielleicht kann man es unter Deinen Punkt 2 subsumieren, ist in meinen Augen aber so wichtig, dass man es ausführen könnte.

Dazu kommt die DSA inhärente Sozialromantik, die kirilow irgendwann einmal angesprochen hat. Aventurien ist die "gute alte Zeit", es beschreibt weitgehend intaktes dörfliches Leben, das, wenn es aus den Fugen gerät, schnell wieder durch die Helden korrigiert werden kann. Dadurch eignet es sich hervorragend zum Eskapismus. Das erscheint mir bei DSA weitaus deutlicher als bei anderen Rollenspielen ausgeprägt zu sein. Das gehört vielleicht zu Punkt 7.

Es grüßt
Grimnir
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Lord Verminaard am 30.10.2011 | 14:50
Okay, ich versuche mal, sinnvoll zu differenzieren. Ich bleibe erst mal bei DSA, ob man das 1:1 auf Vampire übertragen kann, bezweifle ich.

1) Differenzierung zwischen Verbreitung und echter Beliebtheit. Also, wird es gespielt, weil es einfach da ist, weil man dafür Gruppen und Mitspieler findet, weil eben der Typ in der Schule, der andere zum Rollenspiel angestiftet hat, es im Schrank hatte – oder weil man das Material tatsächlich besser findet als das vorhandene Material anderer Rollenspiele?

2) Differenzierung zwischen guten Runden und schlechten Runden. Ich glaube schon, dass es von letzteren in DSA-Land so einige gibt. Daran ist auch das umständliche und widersprüchliche Regelwerk schuld. Daran sind auch Texte schuld, die den Meister zu Täuschung und Bevormundung anstiften. Es läuft wirklich viel schief, sonst hätte DSA ja nicht so viele Gegner und so viele zerstrittene Gruppen. Andererseits wäre es aber auch albern zu glauben, dass nicht eine Vielzahl von langjährigen DSA-Gruppen wirklich Spaß am Spiel hat, oder dass all diese Gruppen sich weit vom offiziellen Material entfernt haben. In diesem Sinne: DSA muss schon auch was richtig machen. Über den „funktionalen DSA-Spielstil“ hatte ich mal gebloggt und ihn als den bombastischen Plot (http://wildelande.rsp-blogs.de/2007/01/30/pladoyer-1-der-bombastische-plot/) beschrieben.

3) Differenzierung zwischen dem Setting, den Spielregeln und den Abenteuerbänden. Hotzenplotzigkeit mag ein Aspekt sein, andererseits ist durchaus auch vorgesehen, dass Helden früher oder später die Herrscher und Lenker der aventurischen Geschicke kennen lernen und den größten Helden ihres Zeitalters zur Hand gehen. Da muss man sich doch nur die großen Abenteuer-Anthologien ansehen, da werden ja alles andere als kleine Brötchen gebacken. Der Punkt ist aber einfach, dass das Setting wirklich liebevoll und, wage ich es zu sagen, stimmungsvoll ausgearbeitet ist. Die Regionalspielhilfen machen einfach Spaß zu lesen. Wie gut man das dann als geneigter Meister im Spiel an den Mann bringen kann, steht auf einem anderen Blatt, aber da oft der Enthusiasmus des Meisters für den Erfolg der Runde entscheidend ist, sind diese Setting-Texte sicherlich das größte Plus. Hier kann ich auch, was den Spielstil angeht, keine Widersprüche ausmachen (dazu später mehr).

Die Spielregeln andererseits... schwierig. Ich bin ja kein Insider, bewege mich nicht in DSA-Foren, die als repräsentativ anzunehmen auch ohnehin töricht wäre. Meine völlig subjektive Vermutung ist, dass die meisten Leute diese grauenhaft umständlichen und oft genug unbefriedigende Ergebnisse liefernden Regeln als notwendiges Übel in Kauf nehmen. Was man dem Regelwerk zugute halten mag, ist, dass über das Talentsystem den Rassen und Regionen zusätzliche Färbung verliehen wird, hier wird in Regeln gefasst und plastisch gemacht, was man eben so lernt, wenn man, beispielsweise, im Hinterland von Thorwal aufwächst. Das Kampfsystem mit den Sonderfertigkeiten bietet demjenigen einen Vorteil, der sich gut damit auskennt und gleichsam weiß, wie man das System „schlägt“. Wer sich also einmal reingefuchst hat, kann durchaus Erfolgserlebnisse verbuchen, allerdings vor allem deshalb, weil das System broken ist und er weiß, inwiefern. Das würde ich nicht als „richtig gemacht“ ansehen, aber es könnte ein Grund dafür sein, warum diejenigen, die das System gut kennen, es verteidigen.

4) Differenzierung zwischen alternden DSA-Nostalgikern und Neu-Spielern. Mir geht es da wie Jörg, ich kenne fast ausschließlich erstere. In diesem Zusammenhang wäre es sicher auch interessant, mal die Bedeutung der Romane zu untersuchen.

Zusammenfassend ist sicherlich ein wesentlicher Grund für die fortgesetzte Beliebtheit von DSA einfach seine Verbreitung. Man hat hier im ganz positiven Sinne die Pionierstellung in eine solide Marktführerschaft umgewandelt und über die Jahre immer genug neues Material ausgeworfen, um die Leute bei der Stange zu halten. Darüber hinaus ist es aber schon so, dass DSA auch einiges richtig macht, nämlich vor allem beim Setting.

Ich finde die meisten der im OP genannten Punkte richtig, meine aber, dass meine Differenzierungen darüber hinaus wichtig sind. Zu zwei Punkten möchte ich noch konkret was sagen:

Casual Play: Das findet statt, sicher. Aber gewiss nicht, weil die DSA-Regeln dafür auch nur ansatzweise geeignet wären. Allein einen DSA4-Helden zu generieren, ist für einen Casual Player ein Albtraum (und übrigens auch für einen absolut nicht Casual Player wie z.B. Morvar, oder mich). Nein, soweit Casual Play bei DSA stattfindet, liegt das an den enthusiastischen Meistern und Vielspielern, die den Casual Players einfach die ganze lästige Regel-Arbeit abnehmen, damit sie nur mitspielen.

GNS-Invalidität: Nun ja, der Spielstil, den ich in dem weiter oben verlinkten Blog-Post beschrieb und der wahrscheinlich der verbreitetste in den „guten“ DSA-Runden ist, lässt sich mit GNS schon auch als funktional begreifen. Es handelt sich um „High Concept Simulationism“ in der Ausprägung „Participationism“. Ron Edwards beschreibt ihn in seinem Artikel „Setting and emergent stories“ als „Story Before“. Die Betrachtung von Katharina Pietsch, die aus den alten GNS-Artikeln zitiert, hinkt da etwas dem „Stand der Lehre“ hinterher, was ihr aber kaum vorzuwerfen ist. Was insbesondere fehlt, sind „celebration of source material“ und „constructive denial“. Das ändert nichts an den Vorbehalten, die man zurecht gegen GNS hegen kann. Und ebenso wenig ändert es etwas daran, dass Katharina richtig die Widersprüchlichkeit von Spielanleitungen und Regeln von DSA aufzeigt.

Ein Trugschluss ist jedoch die Annahme, das Setting sei (etwa aufgrund bestimmter Logik-Schwächen) nicht „kohärent“ im GNS-Sinne. Im Gegenteil, das Setting schafft es erfolgreich, jeder Region ein bestimmtes, lokales „Erlebnisgefühl“ oder „Thema“ zu geben. Das atmosphärisch dichte und detailreiche Erleben der Spielwelt steht dabei jederzeit im Vordergrund, die Konflikte sind abseits des Metaplots relativ statisch und drängen sich nicht nach vorn, und es gibt gibt auch keine „Dungeons an jeder Ecke“ oder andere „spielige“ Aspekte. Wildtiere greifen Menschen nicht an, wenn sie nicht provoziert werden, etc. Die vielen erlernbaren Setting-Details verfestigen das Gefühl für eine bestimmte Region und das, was sie ausmacht. Dass diese Regionen nebeneinander existieren, obwohl das unlogisch ist, ist ganz problemlos hinnehmbar. Constructive denial funktioniert hier trotzdem super. Wollt ich nur mal angemerkt haben.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 30.10.2011 | 15:34
Erstmal finde ich die Punkte alle interessant. Mich würde es noch weiter interessieren, inwieweit du, TAFKAB, die Punkte unterschiedlich gewichtest. Nach meinem Eindruck (aber ich spreche hauptsächlich mit V:tM, und nicht DSA im Blick) ist Sozialisation mit einem bestimmten Spiel deutlich wichtiger als Qualität oder Originalität des Settings.

Was ich mich gerade hinsichtlich dieser beiden Spiele auch frage: gibt es vielleicht eine verbreitete Spielvorliebe des Nichtstuns, Zuschauens, die genau von diesen Spielen hervorragend bedient wird?

Die These lautet ja häufig, dass Rollenspieler durch DSA (und V:tM) zu reinen Settings- bzw. Storykonsumenten "erzogen" worden sind (eine Ansicht, die ich übrigens normalerweise auch für zutreffend halte). Aber könnte es nicht sein, dass genau dieses beschauliche Anschauen des Settings und der NSC-Aktionen der intrinsische Wunsch vieler RSPler ist, und nicht das Spielen mit Risiko, das eigenständige Entwickeln einer Geschichte oder das Interagieren mit einer fremden Welt, wie es von anderen Rollenspielen propagiert oder sogar den Spielern abverlangt wird?
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: YY am 30.10.2011 | 16:40
Was ich mich gerade hinsichtlich dieser beiden Spiele auch frage: gibt es vielleicht eine verbreitete Spielvorliebe des Nichtstuns, Zuschauens, die genau von diesen Spielen hervorragend bedient wird?

Das denke ich auch, ja.

Wenn ich mir anschaue, wie einige Bekannte auf alle Neuerscheinungen mit Metaplot lauern und die verschlingen, muss da was dran sein.

Das Nervige dabei war für mich immer, dass dieser Gruppe der Metaplot dann in einer Weise heilig ist, die abweichende Ansätze im Keim erstickt.

Einer der Hauptgründe, warum ich mit DSA gebrochen habe.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: killedcat am 30.10.2011 | 17:17
Als weiteren Grund dafür, dass besagte Spiele so beliebt sind, könnte ich mir folgenden vorstellen:

- Die Spiele sind einfach gut und die aufgeführten Kritikpunkte einer kleinen, elitären Szene, die besagte Spiele teilweise dysfunktional nennen, sind schlicht unnützer Unsinn. Die Spieler interessieren sich nicht für komische Theorien und haben einfach Spaß mit besagten Systemen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Dr.Boomslang am 30.10.2011 | 17:23
Casual Play: Das findet statt, sicher. Aber gewiss nicht, weil die DSA-Regeln dafür auch nur ansatzweise geeignet wären. Allein einen DSA4-Helden zu generieren, ist für einen Casual Player ein Albtraum (und übrigens auch für einen absolut nicht Casual Player wie z.B. Morvar, oder mich).
Da möchte ich nochmal einhaken, das ist ein interessanter Punkt.
Für Leute die verschiedene Rollenspiele kennen ist DSA4 sicher eine absolute Katastrophe, allein was die Komplexität der Regeln angeht. Für Einsteiger ist das aber womöglich gar keine Hürde. Ein angehender DSA-Meister ist häufig nicht nur bereit sehr viel Arbeit ins Studium der Regeln zu investieren, es ist sogar eine Art eigenes Hobby (siehe Punkt 4 im Startpost). Die Spieler sind zwar meist deutlich weniger bereit viel zu lernen, aber sie sind wahrscheinlich auch beeindruckt von den scheinbar unendlichen Möglichkeiten. Ein System das man gleich durchschaut und bei dem man viel selbst machen muss wirkt lange nicht so interessant. Schon bei DSA3 haben wir damals gleich mit allen Erweiterungsregeln gespielt die wir bekommen konnten, einfach weil wir sie ausprobieren wollten. Eine Flut von Regeln und Optionen vermittelt einen Eindruck von Fülle, Möglichkeiten die es zu erforschen gilt. Diesen menschlichen Forscherdrang machen sich heute hunderte von Computerspielen zu nutze in denen man nach immer wieder gleichen Prinzipien Punkte auf irgendwelche obskuren Skillz&Powerz verteilt.

Viel Spielmaterial muss also für den Casual Player nicht abstoßend wirken, im Gegenteil, der Casual Player möchte Optionen serviert haben, weil er selbst keine großen Ideen und Vorstellungen mitbringt. Wenn man unter Casual Playern allerdings gelangweilte Alt-Rollenspieler versteht, die alles schon hundert mal gesehen haben und nur entspannt ihre eigenen Ideen umsetzen wollen, dann ist künstliche Komplexität natürlich nicht das richtige Mittel um diese Gruppe anzusprechen.

Ich halte es für einen großen Irrtum, dass gerade Einsteiger einfache Spiele haben wollen. Natürlich soll der Einstieg selbst einfach sein, dafür sorgt meist ein erfahrener Spieler der einen einführen kann. Aber gleich als nächstes wollen Einsteiger Optionen präsentiert bekommen aus denen sie auswählen können. Bevor man selbst kreativ werden kann braucht es viel zum konsumieren, das ist ganz normal. Dieses Bedürfnis können viele stringentere, einfacher aufgebaute Systeme nicht bedienen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 30.10.2011 | 17:24
Als weiteren Grund dafür, dass besagte Spiele so beliebt sind, könnte ich mir folgenden vorstellen:

- Die Spiele sind einfach gut und die aufgeführten Kritikpunkte einer kleinen, elitären Szene, die besagte Spiele teilweise dysfunktional nennen, sind schlicht unnützer Unsinn. Die Spieler interessieren sich nicht für komische Theorien und haben einfach Spaß mit besagten Systemen.

Genau an dieser Stelle klopft die Realität an und sagt "nein". .. ;)

Im Ernst, wenn angedachter Spielstil und tatsächlicher Spielstil identisch w#ren, gäbe es kaum DSA-Threads.
Den Sinn solcher Beiträge nur als Bashing oder Miesmacherei zu sehen ist leicht Kurzsichtig. Es sieht doch so aus: Es ist auch mal angebracht sich als Spieler/Konsument des Systems ein paar Gedanken zu machen und ein paar Zusammenhänge zu sehen, dann fällt es vieleicht mal wieder leichter eine Edition zu erstellen, die mit dem gewollten Spielstil Hand in hand geht, zudem bringt es dazu mal über heilige Kühe nachzudenken.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Dark_Tigger am 30.10.2011 | 21:30
Was Dr.Boomslang sagt kann ich mal aus eigener Erfahrung unterschreiben. Die Möglichkeiten haben uns am Anfang begeistert, mehr war besser.
Deswegen haben wir uns ebenfalls recht schnell die Erweiterungsregeln zu DSA3 besorgt.  Und dann Recht schnell DSA4 und dann 4.1 weil es mehr versprach.
Und mehr ist ja besserer. Richtig?
Nun ab dem Wechsel auf 4.1 kamen mir da doch zunhemend Zweifel weil ich durch das mehr und mehr und MEHR nicht mehr durchstieg.
Aber das war dann auch der Zeitpunkt als ich schnupperweise andere Systeme zu erkunden begann und dadurch herausfand das es auch anders geht.
Sonst hätte ich vielleicht einfach geschluckt die Zähne zusammen gebissen und weiter gemacht "bis es klappt".

(Ich war damals ein ziemlich verblendetes kleines Ding für mich gab es DSA, D&D (was iwi eher so Action-RPG mit Dungeons und so war. ihhh) und ich hatte mal was von SR gehört aber es nie gesehen.  ;D)

Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: killedcat am 31.10.2011 | 00:26
Genau an dieser Stelle klopft die Realität an und sagt "nein". .. ;)

Im Ernst, wenn angedachter Spielstil und tatsächlicher Spielstil identisch w#ren, gäbe es kaum DSA-Threads.
Den Sinn solcher Beiträge nur als Bashing oder Miesmacherei zu sehen ist leicht Kurzsichtig. Es sieht doch so aus: Es ist auch mal angebracht sich als Spieler/Konsument des Systems ein paar Gedanken zu machen und ein paar Zusammenhänge zu sehen, dann fällt es vieleicht mal wieder leichter eine Edition zu erstellen, die mit dem gewollten Spielstil Hand in hand geht, zudem bringt es dazu mal über heilige Kühe nachzudenken.
Hmm? Von Bashing und Miesmacherei hab ich nie gesprochen. Nur von falscher Wahrnehmung. Viele Leute haben offensichtlich viel Spaß mit DSA und Vampire und da kommen Leute und wundern sich, dass die nicht die viel "besseren" Spiele spielen und beginnen Threads zu eröffnen, weil sie das nicht verstehen. DSA, das mehr Menschen Spaß bereitet als die "funktionaleren" Spiele, ist aber das schlechtere Spiel. Ja klar. Und es ist unrealistisch anzunehmen, dass vielleicht die Prämisse des Fragestellers dieses Threads verkehrt ist?

*Schulterzuck*

Ich habe nichts dagegen, wenn über die o.g. Systeme nachgedacht wird. Ich habe auch nix gegen das Schlachten der "heiligen Kühe" (auch wenn ich den Verdacht habe, dass damit ganz andere Leute mehr Probleme haben, als die Spieler sogenannter dysfunktionaler Systeme). Das ändert aber nichts daran, dass die Grundannahme, besagte Spiele seien so schlecht, angesichts des Fakts, dass sie so beliebt sind, doch ein wenig weit hergeholt scheint. Aber vielleicht ist das ja auch so eine heilige Kuh. Die lass ich lieber mal in Ruhe  ;D
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: YY am 31.10.2011 | 00:36
Das ändert aber nichts daran, dass die Grundannahme, besagte Spiele seien so schlecht, angesichts des Fakts, dass sie so beliebt sind, doch ein wenig weit hergeholt scheint.

Meiner Warnehmung sind gerade hier im Thread viele (valide) Gründe genannt worden, warum DSA so eine große und begeisterte Spielerschaft hat - und die haben teilweise gar nichts und teils so gut wie nichts mit dem eigentlichen Spiel zu tun.

Ich behaupte wertungsfrei:
DSA könnte noch wesentlich schlechter sein und es würde nicht viel ändern.
 
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: killedcat am 31.10.2011 | 00:45
Und genau das ist es, was ich so faszinierend finde. Wenn ein System sehr erfolgreich ist, das einem selbst nicht liegt, dann kann es an allem liegen außer daran, dass das System einfach richtig ist. Wie gesagt, Perfektion gibt es nicht und ich würde DSA4 nicht für Geld spielen wollen, aber warum fällt es so schwer einfach mal anzunehmen, dass das Spiel genau so, mit den Fehlern und Vorteilen die es nun einmal hat, richtig ist?

Die erfolgreichen Systeme sind Mist, der kleine Indy-Klecks, den keine Sau außer den Foren-Hampeln spielen will, ist die größte Erfindung seit der selbstbestreichenden Brotscheiben. Und weil das so ist, muss man Theorien aufstellen, warum die Systeme so erfolgreich sind, abgesehen von der Möglichkeit, dass sie - so wie sie sind - gut sind. Denn das kann ja nun wirklich nicht sein.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Hróđvitnir (Carcharoths Ausbilder) am 31.10.2011 | 00:57
Für Leute die verschiedene Rollenspiele kennen ist DSA4 sicher eine absolute Katastrophe, allein was die Komplexität der Regeln angeht.

Ich weiß nicht, ich kenne mehr als eine DSA-Gruppe, und die sind für mich unverständlicherweise fast alle glücklich wie die Schweine im Dreck. Das sind keine Monokulturen, ganz im Gegenteil, ein "Meister" wollte mir sogar mal PtA zeigen (keine Zeit gehabt), ein ander Mal saß er bei meinen ersten Gehversuchen mit Fiasco mit seiner halben Gruppe begeisert bei mir. Einen Teil konnte ich auch für Savage Worlds begeistern, eine Konvertierung kommt ihnen aber nicht in die Tüte.

Was bedeutet überhaupt "dysfunktional", dieses große Anathema über all jene Rollenspiele, die von der reinen Lehre des GNS als Ketzer in die Dunkelheit gestoßen werden? Soweit ich weiß "ganz funktionslos" oder "kaputt". So. Was ist die Funktion eines Spieles? Fun. Den haben die. Funktion erfüllt. Klar, es geht immer besser, schon gar bei einem solchen Trumm wie DSA, aber es FUNTKIONIERT.

Mir kommen viele dieser Threads ein bißchen vor, als sage man "Ihr habt vielleicht Spaß, aber nicht mit der RICHTIGEN Methode." Als käms darauf an. Ich bin da ganz bei killedcat.

DISCLAIMER: Ich habe eine nostalgische Schwäche für das frühe Aventurien und ich hasse das DSA-System in allen Inkarnationen nach 1.5.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 31.10.2011 | 01:26
Ich hoffe einmal das der Thread offen bleibt und poste vorallem um ihn in's Abo zu nehmen.

Allerdings als kurzer Inhalt weshalb ich ihn im Abo haben mag, ich würde einen Punkt gerne vertiefen der da wäre,..
All diese Argumente sollten sich mit wenigen Anpassungen auch auf Vampire und Shadowrun übertragen lassen.
In Bezug auf Vampire würde ich einige Punkte hinzunehmen und es etwas anders strukturieren.
Vorwiegend basierend auf dem was auf der Grand Masquerade auf Panels seitens des Verlegers an Gründen bezüglich des Rollenspiel geäußert wurde.

Der (bzw. ein) Metaplot wurde hierbei als eher weniger zum Erfolg beitragend bewertet.
Zumal der Metaplot als Erfolgsfaktor dem Weiterbestehen von Spielgruppen nach der Einstellung des Metaplots widerspricht.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 31.10.2011 | 09:04
@Hróðvitnir

Dysfunktionalität und/oder Beliebtheit und glückliche Spieler haben so rein gar nichts miteinander zu tun.

Dysfunktional macht auch nur Sinn wenn man den kompletten Begriff hernimmt, also ein Dysfunctionaler Hybride, sprich: Hier werden zwei Spielziele so unglücklich miteinander gekreutzt, dass es zu Reibungen kommt.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: killedcat am 31.10.2011 | 09:07
Dysfunktionalität und/oder Beliebtheit und glückliche Spieler haben so rein gar nichts miteinander zu tun.

Ursprungspost:
Zitat
kam die Frage auf, weshalb insbesondere DSA denn eigentlich ob seiner analysierten Dysfunktionalitäten doch so vielen Spielern so viel Freude bereitet. Sind die alle anspruchs- und/oder ahnungslos?

Dann ist die Diskussion ja zu Ende.  :)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire zwar "dysfunktional" sind, aber trotzdem rocken!
Beitrag von: ErikErikson am 31.10.2011 | 09:14
Ein weiterer Grund für den Erfolg von DSA ist möglicherweise, dass es das Barbie-Spiel (http://tanelorn.net/index.php/topic,69956.0.html) unterstützt.

Joah, ich würde aber PM-Spiel nennen. Aber das ist meine Meinung. DSA unterstützt PM Spiel, besser als jedes anderere RPG auf dem Markt, deshalb ist es so erfolgreich.

Zweiter Punkt: DSA war sehr originell und liebevoll gemacht. Die grundlegenden Sachen, also die Länder usw sind schön. Beispielsweise die Städtenamen. Die sind gleichsam einprägsam, exotisch, und vermitteln ein gefühl für das entsprechende Land. Thorwal ist IMHO etwas besser als Waterdeep, und tausendmal besser als Tiefwasser oder Schattental.  
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 31.10.2011 | 09:37
Dann ist die Diskussion ja zu Ende.  :)

Sie hätte nie mit der Prämisse starten dürfen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 31.10.2011 | 09:48
Die Frage ist doch nicht wieso DSA dysfunktional ist.
Sondern wieso DSA derart populär ist und für eine Vielzahl von Spielern funktioniert.
Obwohl die formale Betrachtung von DSA Anzeichnen für fehlende Funktionalität liefert.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Roland am 31.10.2011 | 09:56
Vielen Spieler sind andere Dinge wichtig, als funktionierende Regeln und ein brauchbarer Hintergrund. TAFKAB hat schon viele Faktoren aufgezählt, die für DSA sprechen. Ich würde schätzen dass für 70-80% der Rollenspieler soziale Gründe bei der Spiel-/Rundenwahl überwiegen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: 1of3 am 31.10.2011 | 10:37
Ein weiterer Grund für den Erfolg von DSA ist möglicherweise, dass es das Barbie-Spiel (http://tanelorn.net/index.php/topic,69956.0.html) unterstützt.

Klingt sehr vernünftig. Es gibt zwar Leute, die ihr Leben nichts anderes gespielt haben, aber ich kenne auch eine Reihe von Leuten, die sich immer wieder bewusst für DSA entscheiden. Die müssen ja irgendwelche Vorteile sehen.

Vielleicht gibts auch noch andere Dinge?

Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Blechpirat am 31.10.2011 | 11:11
Vielen Spieler sind andere Dinge wichtig, als funktionierende Regeln und ein brauchbarer Hintergrund. TAFKAB hat schon viele Faktoren aufgezählt, die für DSA sprechen. Ich würde schätzen dass für 70-80% der Rollenspieler soziale Gründe bei der Spiel-/Rundenwahl überwiegen.
Das kommt mir auch so vor.

Ich warte aber noch auf @Xermides. Der ist ja gleichzeitig ein gebildeter Alles-Spieler und glücklicher DSA Fanboy.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Samael am 31.10.2011 | 11:32
Wenn ich an die 90er zurück denke, dann waren die Spiele die man kannte und die man auch kaufen konnte (auf deutsch) nur DSA und Vampire

Da trügt dich deine Erinnerung aber. Weitere gut auf deutsch verfügbare und unterstuetzte Systeme waren Shadowrun, AD&D, Midgard, Call of Cthulu, MERS, Earthdawn, Mechkrieger...
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: 6 am 31.10.2011 | 14:06
@Samael:
Wenn Du Ende der 80-er Anfang der 90-er total begeistert vom aufkommenden Vampirboom warst, dann gab es nur Vampire (Von denen gab es Anfang der 90-er jede Menge Rollenspielneulinge).
Genauso bekamst Du in den Spieleläden am ehesten DSA zu Gesicht. Zu dem Zeitpunkt war AD&D nur noch in sehr gut sortierten Spieleläden zu finden, während DSA seinen eigenen kleinen Bereich hatte.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Seth am 31.10.2011 | 14:11
Und genau das ist es, was ich so faszinierend finde. Wenn ein System sehr erfolgreich ist, das einem selbst nicht liegt, dann kann es an allem liegen außer daran, dass das System einfach richtig ist. Wie gesagt, Perfektion gibt es nicht und ich würde DSA4 nicht für Geld spielen wollen, aber warum fällt es so schwer einfach mal anzunehmen, dass das Spiel genau so, mit den Fehlern und Vorteilen die es nun einmal hat, richtig ist?

Die erfolgreichen Systeme sind Mist, der kleine Indy-Klecks, den keine Sau außer den Foren-Hampeln spielen will, ist die größte Erfindung seit der selbstbestreichenden Brotscheiben. Und weil das so ist, muss man Theorien aufstellen, warum die Systeme so erfolgreich sind, abgesehen von der Möglichkeit, dass sie - so wie sie sind - gut sind. Denn das kann ja nun wirklich nicht sein.

Da stimme ich dir 100%ig zu. Ich musste auch zuerst an die Mauerschau aus dem elitären Hinterhof heraus denken.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 31.10.2011 | 14:31
Da trügt dich deine Erinnerung aber. Weitere gut auf deutsch verfügbare und unterstuetzte Systeme waren Shadowrun, AD&D, Midgard, Call of Cthulu, MERS, Earthdawn, Mechkrieger...

Das stimmt, und insofern ist es mal interessant, zu fragen, welche Faktoren für das Scheitern (oder bei SR die Etablierung) dieser Systeme in RSPler-Kreisen ausschlaggebend waren.

Midgard hatte einen kurzen Versuch zu Anfang der 90er gewagt, mehr als Liebhaberbücher auf den Markt zu bringen, da war DSA schon fest etabliert.

(A)D&D hatte damals schon den Ruf weg, für "(Anfänger,) Deppen & Draufschläger" zu stehen. Natürlich völlig unverdient, aber der Ruf blieb hängen. Obwohl einige strukturell sehr "storylastige", dramaturgisch aufgebaute Abenteuer publiziert wurden (Die "Dales-Triologie" ist mir z.B. als äußerst storylastig in erinnerung geblieben), gelang es (A)D&D nach meinem eindruck nicht, diesen schlechten Ruf loszuwerden. (Noch heute ruft das Wort "Dungeon" ja bei manchen Leuten Abwehrreaktionen hervor.)

Shadowrun war in den 90ern zugegebenermaßen erfolgreich (ist es sicher noch), konnte auch gewissermaßen den Spagat zwischen Storytelling und Dungeonexploration irgendwie bewältigen, hatte aber (nach meinem sehr subjektiven) Eindruck seine Fangemeinde in erster Linie wegen des Equipment-Porn und des "erwachsenen" Cyberpunk-Anspruchs, vor allem aber wegen des neuen, unbekannen Settings.

Shadowruns Schwesternrollenspiel "Earthdawn" konnte dagen weder bei uns noch in anderen Ländern den jeweiligen Fantasy-Champion (DSA, D&D, frz. Markt usw. kenne ich leider nicht) ernsthaft in Gefahr bringen. Gleiches gilt für Warhammer (wobei da die F&S-Übersetzung nach den 90ern kam, aber die ersten teile Enemy Within Kampagne von irgendjemand anderem übersetzt herausgegeben waren, iirc). Das kann nicht allein daran gelegen haben, dass die Regeln der alten ED-Editionen besonders viel schlechter waren als die von DSA oder V:tM. Hier glaube ich, dass sich das SR-Setting "Barsaive" nicht gegen das etablierte Fantasysetting Aventurien durchsetzen konnte (wobei beide Settings ziemlich zusammengewürfelt sind).

Meine Schlussfolgerung: in den 90ern konnte man mit unerschlossenen bzw. noch nicht fest etablierten Settings viele Spieler an ein Spielsystem locken und binden, ohne dass die Regeln besonders viel leisten mussten. Seltsame Regeln (und sie zu ignorieren) war die deutsche RPG-Szene ja schon von DSA gewöhnt. Im Fantasybereich konnte sich kein neues Setting gegen DSA durchsetzen, im "Urban Horror"-Bereich wurde die oWoD schnell zum Champion, im Sci-Fi/Cyberpunk-Bereich setzte sich SR gegen Cyberpunk durch. Kein Spiel, das ausschließlich eines dieser Settings bedienen will, wird sich gegen diese Systeme durchsetzen können, egal wie gut durchdacht und funktionsfähig seine Regeln sind.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Boba Fett am 31.10.2011 | 14:31
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: 6 am 31.10.2011 | 14:31
@Sol Invictus&KilledCat
Aber die Meinung ist leider etwas uninformiert.
Tafkapp hat ja selbst auf die mögliche Fehlerhaftigkeit der Aussage aus dem GNS-Modell aufgeführt.

Unabhängig davon hat die Betrachtung auch Sinn, wenn wir davon ausgehen, dass das System gleichwertig mit anderen Systemen ist. Die Frage ist ja, wieso gerade dieses System sich in Deutschland (Oder Vampire auf die Welt bezogen) durchgesetzt hat und welche Einflüsse neben dem Einfluss des eigentlichen Rollenspielsystems dafür der Grund sind.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Lord Verminaard am 31.10.2011 | 14:32
Was bedeutet überhaupt "dysfunktional", dieses große Anathema über all jene Rollenspiele, die von der reinen Lehre des GNS als Ketzer in die Dunkelheit gestoßen werden? Soweit ich weiß "ganz funktionslos" oder "kaputt". So. Was ist die Funktion eines Spieles? Fun. Den haben die. Funktion erfüllt. Klar, es geht immer besser, schon gar bei einem solchen Trumm wie DSA, aber es FUNTKIONIERT.

Mir kommen viele dieser Threads ein bißchen vor, als sage man "Ihr habt vielleicht Spaß, aber nicht mit der RICHTIGEN Methode." Als käms darauf an. Ich bin da ganz bei killedcat.

Ohne jetzt den Forge-Verteidiger spielen zu wollen: Wer so was behauptet, hat die „reine Lehre des GNS“ nicht verstanden.

Jeder Spaß ist guter Spaß, allerdings kann man das Ganze auf zwei verschiedenen Ebenen betrachten: Einmal die Ebene, die einfach zur Kenntnis nimmt, dass offenbar viele Leute DSA spielen und dabei Spaß haben, und sämtliche Faktoren, auch die außerhalb des Spiels, betrachtet. Und einmal die Ebene, die untersucht, was eigentlich DSA selbst, als Produkt, für einen Beitrag dazu leistet bzw. welche Relevanz es dafür hat.

Klar, wenn eine Gruppe DSA spielt und DSA super findet, auch PtA und Fiasco und SW gespielt hat und DSA einfach besser findet, dann kann man davon ausgehen, dass das Produkt für diese Gruppe passt. Aber es gibt ja andererseits nun wirklich genug Gruppen, von denen man überall im Internet lesen kann, die wirklich ihre liebe Not insbesondere mit dem Regelwerk, und auch mit dem Aufbau bestimmter Abenteuerpublikationen, haben. Die Kritiker sind ja in der Regel keine Leute, die nie DSA gespielt haben und von irgendeinem imaginären hohen GNS-Ross herab predigen, weil sie sonst nichts zu tun haben. Sondern in der Regel sind es Leute, die nostalgisch an DSA hängen und es lange gespielt haben, aber irgendwann unendlich frustriert aufgegeben haben, es zu spielen.

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Xemides am 31.10.2011 | 15:00
Da möchte ich nochmal einhaken, das ist ein interessanter Punkt.
Für Leute die verschiedene Rollenspiele kennen ist DSA4 sicher eine absolute Katastrophe, allein was die Komplexität der Regeln angeht. Für Einsteiger ist das aber womöglich gar keine Hürde.

Einspruch. Ich kenne ne ganze Menge DSA-Spieler, und die meisten mögen nicht nur DSA sondern auch das eine oder andere andere System, und wenn nicht spielen, dann kennen sie sie zu wenig. Und diese Spieler mögen DSA, weil sie komplex sind. Ich selber mag diese ganzen light-Regelsysteme oder Oldschool-Systeme nicht, Ich brauche eine gewissen Komplexität, um Spaß zu haben und hasse nichts mehr, als wenn es keine Regel gibt und ich diese improvisieren muss.

Improvisieren tu ich in dem ich auf die Spieler reagiere, aber nicht Regelmechanismen, die sollen gefälligst niedergeschrieben sein im System. Zumindest zu 90 Prozent sollen alle denkbaren Situationen abgedeckt sein.

Was mich bei DSA stört ist die Kompliziert het, die Widersoprüche und die ständigen Sonderregeln. Wenn man das ändern würde, und den Text straffen würde und vieles klar stellen würde, könnte ich mit DSA4 wunderbar leben.

Genauso wie ich Midgard, Reign, Shadowrun, Earthdawn oder so manches andere mag. Weil sie komplex sind.

Bisher hatte ich auch DSA eher als Einsteigerfeindlich empfunden.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Hróđvitnir (Carcharoths Ausbilder) am 31.10.2011 | 15:05
Wer so was behauptet, hat die „reine Lehre des GNS“ nicht verstanden (....) Dysfunktional nach Forge-Definition kann übrigens immer nur das Spiel einer bestimmte Gruppe von Spielern über einen bestimmten Zeitraum („Instance of Play“) sein, nicht ein Regelwerk. Dysfunktionales Spiel bedeutet per Definition Spiel, das keinen Spaß macht.

Sowohl hier, als auch in diesem Wolkenturm-Artikel-Strang wurde DSA als "dysfunktional" bezeichnet, und (fast) alle nickten in weiser Zustimmung. Ich hab lediglich den Begriff mal hinterfragt und festgestellt, daß DSA für die Mehrheit eben NICHT "dysfunktional" ist. Kann mich nicht erinnern, in Deinen zustimmenden Beiträgen zu besagtem Artikel diese Richtigstellung gelesen zu haben.
 
Zitat
Aber es gibt ja andererseits nun wirklich genug Gruppen, von denen man überall im Internet lesen kann, die wirklich ihre liebe Not insbesondere mit dem Regelwerk, und auch mit dem Aufbau bestimmter Abenteuerpublikationen, haben.

Im Internet liest man vieles, aber ganz ehrlich: Gemessen an der Zahl zufriedener Kunden dieses Produktes DSA - und ich möchte betonen, ich verstehe diese Zufriedenheit NICHT - ist es letztlich immer die gleiche, sehr überschaubare Zahl an Meckerhanseln, die Fundamentalkritik übt. Andere entdecken zumeist nur ein kleines Problem, analysieren es und reparieren es mit den Bordmitteln des Systems. Wir reden hier von Mehrheiten im SED-Bereich (http://tanelorn.net/index.php/topic,69879.msg1415222.html#msg1415222).

Dysfunktionalität und/oder Beliebtheit und glückliche Spieler haben so rein gar nichts miteinander zu tun.

Glück im Sinne von Spaßerzeugung ist das einzige Ziel, das ein Spiel haben sollte.

Und ich möchte nochmal killedcat zitieren:

Zitat
Die erfolgreichen Systeme sind Mist, der kleine Indy-Klecks, den keine Sau außer den Foren-Hampeln spielen will, ist die größte Erfindung seit der selbstbestreichenden Brotscheiben.

Die fast schon sektierisch anmutende kognitive Dissonanz, mit der offenkundig auch hochintelligente Menschen über diese simple Tatsache hinweggehen bzw. sie wegerklären wollen, die verblüfft mich immer wieder aufs Neue.

EDIT/ Strukturverbesserung
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Taschenschieber am 31.10.2011 | 15:17
Auf die Gefahr der Wiederholung hin:

Nur weil Millionen Fliegen Scheiße fressen, ist mein WC kein Sternerestaurant!
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: ErikErikson am 31.10.2011 | 15:26
Für die Fliegen schon.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Hróđvitnir (Carcharoths Ausbilder) am 31.10.2011 | 15:30
Richtig. Und wer will Fliegen vorwerfen, daß sie Fliegen sind?
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: ErikErikson am 31.10.2011 | 15:32
Die Fliege hat aufgrund ihrer genetischen Konfiguration keine andere Wahl. Sie kann nur mithilfe zufälliger Mutation zum Gourmet im Sinne des menschen werden und folglich nur noch von Taschenschiebers Teller im 5-Sterne restaurant speisen.

Ich postuliere daher ein DSA-Gen. Da muss man jetzt nur noch finden. Zur Erleichterung der Lokalistation schränke ich dne vermuteten ort auf das Chromosom 13 ein.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Lord Verminaard am 31.10.2011 | 15:33
Kann mich nicht erinnern, in Deinen zustimmenden Beiträgen zu besagtem Artikel diese Richtigstellung gelesen zu haben.

Welche zustimmenden Beiträge sollen das gewesen sein?
 
Zitat
Im Internet liest man vieles, aber ganz ehrlich: Gemessen an der Zahl zufriedener Kunden dieses Produktes DSA - und ich möchte betonen, ich verstehe diese Zufriedenheit NICHT - ist es letztlich immer die gleiche, sehr überschaubare Zahl an Meckerhanseln, die Fundamentalkritik übt.

Meiner Wahrnehmung nach ist längst nicht alle Kritik unbegründete Fundamentalkritik. Sondern es gibt einen Haufen konkreter und argumentativ begründeter Kritikpunkte, die sich mitnichten alle in Luft auflösen, wenn man den GNS-Stöpsel rauszieht.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: OldSam am 31.10.2011 | 15:37
Bisher hatte ich auch DSA eher als Einsteigerfeindlich empfunden.

Jo, sehe ich für DSA4 ganz genau so. Früher war DSA tatsächlich mal einsteigerfreundlich, also insbesondere DSA1! Das wurde zwar mit DSA3 schon langsam etwas schwieriger, da ging es IMHO aber noch recht gut, DSA4 hat den Vogel aber schließlich komplett abgeschossen. Es ist ein Spiel, dass sich ganz klar auf die Zielgruppe der langjährigen DSA-Spieler ausrichtet und sogar noch diejenigen, die das DSA1-Modell am Besten fanden, fast komplett ausschliesst - klar auf Komplexität ausgerichtet, dabei aber leider übermäßig kompliziert mit vielen Sonderregeln statt klarer durchgehender Mechanismen, weil es nicht gelingt die Altlasten zu halten und gleichzeitig zu einem in sich logischen und eleganten System umzuformen.

Der Erfolg von DSA liegt IMHO fast ausschließlich in der Vergangenheit begründet! Aventurien ist nen tooles Setting, aber ohne die Zugänglichkeit von DSA1+2 wäre es nicht da wo es heute ist. Auch heutige Anfängergruppen mit DSA4 landen ja fast nur aufgrund der Historie bei diesem System, sie haben schon viel davon gehört, vielleicht schon eines der darauf basierenden PC-Games gezockt, vielleicht hat der neue SL auch schon mal in einer DSA-Runde mitgespielt, es ist in fast jedem Spieleladen verfügbar usw. usf., alles Marketing bzw. alte Reputation... Hätte man in den frühen 90er Jahren Aventurien neu eingeführt mit dem Regelsystem was wir heute für DSA4 haben, bin ich überzeugt davon, dass es ziemlich krass gescheitert wäre und einfachere Alternativen den Markt erobert hätten.

Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Hróđvitnir (Carcharoths Ausbilder) am 31.10.2011 | 15:41
Welche zustimmenden Beiträge sollen das gewesen sein?

Falsch erinnert, sorry. Ich habs auch oben korrigiert.
 
Zitat
Meiner Wahrnehmung nach ist längst nicht alle Kritik unbegründete Fundamentalkritik. Sondern es gibt einen Haufen konkreter und argumentativ begründeter Kritikpunkte, die sich mitnichten alle in Luft auflösen, wenn man den GNS-Stöpsel rauszieht.

Unbestreitbar ist NICHT alles theoriebasierte Fundamentalkritik. An einem Monstrum wie DSA 4.X gibt es wohl bei genauer Betrachtung für JEDEN Benutzer was zu meckern. Tatsache ist, daß die meisten Reibungspunkte - außer dem RR-Anteil metaplotiger Abenteuer - sich durch eine leichte bis mittlere Rekonfiguration des betreffenden Systemmoduls zu beheben scheinen lassen. 
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Boba Fett am 31.10.2011 | 15:43
Sowohl hier, als auch in diesem Wolkenturm-Artikel-Strang wurde DSA als "dysfunktional" bezeichnet, und (fast) alle nickten in weiser Zustimmung. Ich hab lediglich den Begriff mal hinterfragt und festgestellt, daß DSA für die Mehrheit eben NICHT "dysfunktional" ist.

Mal abgesehen davon, dass fasz alle geschwiegen haben, denn die Mehrheit äußert sich nur selten...

Dysfunktional (für mich eines der Unworte im deutschsprachigen Rollenspieljargon) ist doch in seiner Bedeutung eigentlich recht simpel: Nicht Funktional.
Wenn man bei "funktional" angelangt ist, muss man hinterfragen: Welche Funktion denn?
Welche Funktion soll denn gegeben sein, dass man das Rollenspiel als 'funktional' bewerten kann.
Und, bedeutet "nicht Funktional" schon, wenn eine Regelung eine bestimmte Aufgabenstellung im Spiel nicht unterstützt aber zulässt, oder ist das erst der Fall, wenn die Funktion behindert wird oder erst bei Verhinderung also unmöglich macht.

Bei vielen Dingen ist das leicht - das Auto muss fahren können, um seine Funktion zu erfüllen... ;)

Bei Rollenspiel ist das schwieriger, weil es eben nur äußerst selten eine Funktionsbeschreibung existiert, an der man das klar bestimmen kann.
"Man muß Rollenspiel damit spielen können" reicht auch nicht aus, denn das kann man auch ohne ein Regelwerk, wie Millionen Kinder beweisen.
Also muss man sich anschauen, was das Rollenspiel leisten soll, und das läuft auf eine Interpretation hinaus. Welche Ziele wird sich die Autorenschaft gesetzt haben?
Und dagegen steht auch: Welche Ziele soll es erfüllen, damit es für einen selbst notwendige Funktionalität besitz...?
Aus beiden Fragen entsteht eine Anforderungsliste aus der man dann Bewertungen ableiten kann.

Das Problem dabei: Die Interpretation fällt bei jedem anders aus, die eigenen Ziele sehen anders aus und die Ableitung der gegebenen Funktionen wahrscheinlich auch, selbst bei gleichen Anforderungen, da jeder individuell unterschiedlich harte Bedingungen knüpft.

Funktional ist ohne vorhergehende Funktionsbeschreibung sehr schwierig zu definieren.

Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Hróđvitnir (Carcharoths Ausbilder) am 31.10.2011 | 15:59
Oder so, ja. D'Accord. Was wäre ein Funktionsdefinition des Rollenspiels? Im Endeffekt fürchte ich, wird da jeder eine andere Anspruchshaltung haben, wie übrigens auch beim Auto (Porschefahrer sehen Pandas selten als "richtige" Autos an). Wir müssen also auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Da können wir eine riesige Diskussion starten...

;)

Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: gunware am 31.10.2011 | 16:08
Im Endeffekt fürchte ich, wird da jeder eine andere Anspruchshaltung haben, wie übrigens auch beim Auto (Porschefahrer sehen Pandas selten als "richtige" Autos an).
So weit war ich in dem Nachbarthread auch schon. Und deswegen meinte ich, dass wir vielleicht überlegen sollten, was wichtiger in der Beurteilung tatsächlich  ausschlaggebend ist. Was ist besser - a) mehr Vorteile oder b) weniger Nachteile. Und man kann nur a) oder b) nehmen, nicht beides gleichzeitig. Halbleeres oder halbvolles Glas? Das ist alles, was in die gleiche Kerbe schlägt. Ich schätze mal, dass das alles so "ein bisschen" eine Rolle spielt.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Boba Fett am 31.10.2011 | 16:15
Was wäre ein Funktionsdefinition des Rollenspiels?

Genau da konnten viele Indy Produkte ja punkten weil die genau sowas publiziert machen.
"Das genau" soll unser Produkt leisten, dies und jenes soll es nicht leisen müssen...
Daran kann man es dann messen.
Interessanterweise werden durch solche Vorabbestimmungen auch die Produkte meistens besser, weil eben zielgerichteter entwickelt. Jeder weiss, worauf man aus ist.
Ich behaupte mal, dass dies auch bei D&D 3 und 4 gemacht wurde.

In jedem Fall besser als eine Wischi-Waschi Definition, die nichts aussagt, keine Orientierungshilfen gibt und jedem Autoren unklar läßt, ob das entwickelte überhaupt das gewünschte Resultat erbringt.

Insofern ist Rollenspielregeln-Entwicklung der Software-Entwicklung nicht unähnlich.
Auch da geht es nur mit klaren Vorgaben, Prototypen und Anforderungsdefinitionen.
Auch da gehen Wischi-Waschi Vorgaben regelmäßig in die Hose.

Oder so, ja. D'Accord. Was wäre ein Funktionsdefinition des Rollenspiels? Im Endeffekt fürchte ich, wird da jeder eine andere Anspruchshaltung haben, wie übrigens auch beim Auto (Porschefahrer sehen Pandas selten als "richtige" Autos an).
Nein, das ist Quatsch, denn diese Diskussionsniveaus sind Bier-Stammtischebene. Das sind dann "Lästerblubberthreads", die keiner ernst nimmt.
Ein Porsche kann unter den entsprechenden Bewertungsklriterien den Panda ausstechen (Geschwindigkeit, Beschleunigung...), ein Panda den Porsche aber auch (Preis, Benzinverbrauch, Stadteignung [Stichwort Parkplätze]).
Es kommt darauf an, sich auf die richtigen Kriterien zu einigen und sachlich zu bleiben.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 31.10.2011 | 16:24
Oder so, ja. D'Accord. Was wäre ein Funktionsdefinition des Rollenspiels? Im Endeffekt fürchte ich, wird da jeder eine andere Anspruchshaltung haben, wie übrigens auch beim Auto (Porschefahrer sehen Pandas selten als "richtige" Autos an). Wir müssen also auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen. Da können wir eine riesige Diskussion starten...

;)



Das ist doch jetzt einfach die Frage der Subjektiven Wahrheit. Weisst du was du suchst? Wenn ja, hast du es gefunden? Wenn nein, willst du weiter suchen oder bist du bereit einen Kompromiss einzugehen?.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: 6 am 31.10.2011 | 16:30
Und genau um diese unterschiedliche Bewertungskriterien im Rollenspiel geht es doch bei GNS...
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Boba Fett am 31.10.2011 | 16:33
Das ist doch jetzt einfach die Frage der Subjektiven Wahrheit. Weisst du was du suchst? Wenn ja, hast du es gefunden? Wenn nein, willst du weiter suchen oder bist du bereit einen Kompromiss einzugehen?.

Wertungen über die Funktionalität (bzw. über erreichte Zielsetzungen) helfen da auch nur, um die Suche einzuschränken, in dem man anhand von (objektiven) Bewertungen die Liste der Kandidaten einschränken kann.
Letztendlich kommt es immer aufs Ausprobieren hinaus.
Aber ohne Einschränkung läuft es auf Glückstreffer (oder sehr geringe Anforderungen/Ansprüche (Sehr genügsame Spieler sind mit sehr vielen Systemen eben sehr zufrieden.)) hinaus.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: KlickKlack am 31.10.2011 | 17:41
Zitat
Dysfunktional (für mich eines der Unworte im deutschsprachigen Rollenspieljargon) ist doch in seiner Bedeutung eigentlich recht simpel: Nicht Funktional.

Bei vielen Dingen ist das leicht - das Auto muss fahren können, um seine Funktion zu erfüllen...  

Ergibt sich denn aus dem Text und auch aus den vielen Diskussionen in denen DSA als dysfunktional beschrieben wird nicht eine andere Definition ?
Dysfunktional beschreibt eher eine `mangehafte Funktion` keine `fehlende Funktion`. Ein gravierender Unterschied.

Dann betrachtet man nicht mehr das Auto, sondern das Bewegungsmittel, definiert durch die Möglichkeit von A nach B zu gelangen. Funktional wäre es unter bestimmten Bedingungen, die `von A nach B gelangen` ergänzen, z. B. `es soll schneller und bequemer sein als ein Fußmarsch.`
Wenn ein Auto dies nun nicht mehr leisten kann, ist es dysfunktional.

Zitat
Wertungen über die Funktionalität (bzw. über erreichte Zielsetzungen) helfen da auch nur, um die Suche einzuschränken, in dem man anhand von (objektiven) Bewertungen die Liste der Kandidaten einschränken kann.
Aber da kommt es doch wirklich darauf an, wo man ansetzt. Meist ist es nicht weiter schwer grundlegende sich auf einige grundlegende Aspekte der Funktionalität zu einigen.
Siehe Beispiel Bewegungsmittel.

Das lässt sich auch auf die so umfassende Kritik an DSA übertragen. Die häufigsten Kritikpunkte scheinen doch zu sein:
Die Regeln unterstützen viele Spielstile die man mit der Welt Aventurien verbindet nicht. (Um diesen Punkt zu verdeutlichen. DSA Regeln unterstützen vor allem `klassische Abenteuergruppenspieler` Die Welt Aventurien und die detaillierten Beschreibungen unterstützen eher ein Spiel auf Ebene einer bis in komplexe Abläufe und Verwicklungen simulierten Kampagne.)
Die Regeln bremsen das Spiel aus.
Die Regeln provozieren Diskussionen.

etc…

Die bestimmten Bedingungen sind offensichtlich:
Die Regeln sollen die Spielstile unterstützten, welche die beschriebene Welt anbietet.
Die Regeln sollen ein reibungsloses, `fließendes` Spiel ermöglichen.
Die Regeln sollen helfen `Streitigkeiten und Diskussionen` zu verringern.

etc…
und damit nicht so spezifisch, dass man darüber streiten könnte....

Hier wird die Dysfunktionalität offensichtlich, ohne DSA als unspielbares Rollenspiel zu deklarieren. Bedenkt man auch, wie viele DSA Runden `Handwedelnd` oder `Hausregelnd` spielen, kann doch eigentlich nur diese Definition gemeint sein. Keine neue Erkenntnis und mit Sicherheit eine Episode in der Geschichte der DAS Diskussion die schnell vergessen sein wird, aber doch interessant, wenn man auch bedenkt aus welcher Ecke diese Kritik kommt.
So viel Sympathien ich auch für diese Kritik habe, so sehr ich auch damit konform gehe… Ich frage mich weshalb diese Ansichten, dieser kritische Blick nicht viel früher, als man noch Einfluss auf das Produkt hatte zur Grundlage sinnvoller Überlegungen wurden.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Achamanian am 31.10.2011 | 17:56
Ergibt sich denn aus dem Text und auch aus den vielen Diskussionen in denen DSA als dysfunktional beschrieben wird nicht eine andere Definition ?
Dysfunktional beschreibt eher eine `mangehafte Funktion` keine `fehlende Funktion`. Ein gravierender Unterschied.


Nicht nur aus dem Text und aus den Diskussionen ergibt sich das, auch aus dem Wort. "Dys" heißt halt nicht "nicht", sondern "schlecht" oder "mangelhaft". (Die Dystopie ist ja auch kein Nicht-Ort, sondern ein schlechter Ort).
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: KlickKlack am 31.10.2011 | 17:57
Mein Reden. Aber so wurde die Diskussion nicht geführt :-)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Achamanian am 31.10.2011 | 18:16
Mein Reden. Aber so wurde die Diskussion nicht geführt :-)

Die Frage, warum DSA trotz postulierter Dysfunktionalität beliebt ist, ergibt aber doch nur dann einen Sinn, wenn man Dysfunktionalität als mangelnde und nicht als abwesende Funktionalität versteht. Nicht-Funktional hieße ja: Man kann das einfach nicht spielen.
Mangelhafte Funktionalität heißt: Natürlich kann man damit spielen, wahrscheinlich erfüllt es alle notwendigen Funktionen hinlänglich, nur eben nicht so gut, wie man sich das wünschen könnte.

Und es gibt keinen Grund, warum ein Rollenspiel mit eingeschränkter Funktionalität am Spieltisch eben nicht extrem beliebt sein soll - weil die Beliebtheit ja eben nicht nur von der Funktionalität am Spieltisch herrühren muss, sondern sich auch aus der reinen "Awesomeness" einzelner Elemente speisen kann. Das kennt man doch auch aus dem Film: Wie viele Hollywoodfilme gibt es denn, deren Geschichte eigentlich gar nicht mal spannend ist, die aber trotzdem durch einige herausragende Feautures bestechen und den Massengeschmack auf ihre Seite bringen?
Man spielt halt DSA nicht, weil es so eine Runde Sache ist, in der Regeln, Setting und suggerierter Spielstil so toll aufeinander abgestimmt sind, sondern z.B., weil man nirgends sonst ein Setting mit so viel Details und Nostalgiefaktor kriegt, und schon gar keins, wo auch noch das Gefühl entsteht, dass zumindest bestimmte innerweltliche Abläufe (Magie) 1:1 in den Regeln abgebildet sind. Und bei vielen Spielern sticht das dann halt die Frage nach der Funktionalität am Spieltisch. Was im eigentlichen Spiel abläuft, kriegt man mit Handwedeln und Hausregeln dann schon irgendwie hin.

Das ist auch gar nicht schlechter, wenn man es so mag. Trotzdem kann man feststellen, dass Indie-Spiele wie Fiasco oder Diaspora oder PtA oder Reign als Spiele einfach funktionaler sind (oder von mir aus: einem transparenteres Material an die Hand geben, mit dem die Wahrscheinlichkeit geringer ist, das beim Spiel by the book etwas Dysfunktionales entsteht).
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: KlickKlack am 31.10.2011 | 18:38
Das ist alles richtig. Aber sicher spielt bei vielen Spielern eben auch ein Mangel an Vergleichsmöglichkeiten eine Rolle.
Um noch Mal aufs Auto zurück zu kommen, für Fred Flintstone ist sein Wagen bestimmt eine tolle Sache die er nicht missen möchte...

Wenn man diese Art der Diskussion führt, dann doch nur aufgrund theoretischen Interesses, oder weil man die Spieler im Blick hat die unzufrieden sind.
Auch die Diskussion gab es schon zig Mal. Entscheidend ist doch die Frage, ob man die, die jetzt zufrieden sind durch ein `besseres`System vertreiben würde.
Glaube ich nicht. Könnt man denn neue Spieler gewinnen ? Ich glaube schon.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 31.10.2011 | 18:44
Wenn man diese Art der Diskussion führt, dann doch nur aufgrund theoretischen Interesses, oder weil man die Spieler im Blick hat die unzufrieden sind.
Auch die Diskussion gab es schon zig Mal. Entscheidend ist doch die Frage, ob man die, die jetzt zufrieden sind durch ein `besseres`System vertreiben würde.
Glaube ich nicht. Könnt man denn neue Spieler gewinnen ? Ich glaube schon.

Kannst spannend dabei finde ich ja: Wenn die bisher gewonnenen Erkenntnisse, warum die Leute Sachen wie DSA trotzdem lieben stimmen, dann kann man sehr viel ändern, es würde ja (fast) alles durchgehen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: KlickKlack am 31.10.2011 | 18:46
Denke ich ja auch. Aber lies mal in entsprechenden Diskussionen quer... Du wirst überraschst sein :-)

Mal davon abgesehen, und das wird der wichtigste Punkt sein. Um tatsächlich etwas zu ändern, wird man Ambitionen und Begeisterung aufbringen müssen.
Betrachtet man die Kritik der letzten Zeit und die Veröffentlichungen (jüngstes Beispiel der Atlas), mangelt es ja genau daran, aber das gehört wieder eher in die DSA-Blubberecke.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 31.10.2011 | 19:33
Denke ich ja auch. Aber lies mal in entsprechenden Diskussionen quer... Du wirst überraschst sein :-)

Ist wohl eine Frage der Konditionierung. Es scheint Systeme zu geben, bei denen die Fans auf Neu = besser konditioniert sind, denen fällt der Idee an den Neukauf nicht schwer.
Ich wage es mal und meine, unsere DSA-Kollegen sind auf Neu = Böse konditioniert. Kein Wunder wenn ich mir die Entwicklung bei den Regeln so anschaue.

Mal davon abgesehen, und das wird der wichtigste Punkt sein. Um tatsächlich etwas zu ändern, wird man Ambitionen und Begeisterung aufbringen müssen.
Betrachtet man die Kritik der letzten Zeit und die Veröffentlichungen (jüngstes Beispiel der Atlas), mangelt es ja genau daran, aber das gehört wieder eher in die DSA-Blubberecke.

Kann ich schwer kommentieren. Mir drängt sich nach der längeren Podiumsdiskussion vor kurzem (Aventurisch Alltag, details, etc.) nur der Eindruck auf dass es bei Ulisses noch nicht mal den Ansatz einer einheitlichen grundhalltung DSA gegenüber gibt.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: KlickKlack am 31.10.2011 | 19:38
Zitat
nur der Eindruck auf dass es bei Ulisses noch nicht mal den Ansatz einer einheitlichen grundhalltung DSA gegenüber gibt.
In gewisser Weise spiegelt das doch die Käufer sehr schön wieder :-)
Meines Erachtens bringst Du da aber eine bittere Wahrheit auf den Punkt. Die DSA Macher werden zwangsläufig ihr eigenes DSA definieren müssen und laufen somit Gefahr einen Teil der Fans abzuschrecken. Oder und danach sieht es im Moment aus, sie nehmen sich in ihrer Kreativität und ihrem Gestalltungswillen sehr zurück und werden beliebig.
Dann doch lieber den Mut aufbringen DSA zu Rebooten um es neu zu definieren und um es nach eigenen Vorstellungen gestallten zu können. Hart, sicher risikoreich, aber notwendig wenn man wirklich gestallten und entwickeln möchte.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: YY am 31.10.2011 | 19:54
Die erfolgreichen Systeme sind Mist, der kleine Indy-Klecks, den keine Sau außer den Foren-Hampeln spielen will, ist die größte Erfindung seit der selbstbestreichenden Brotscheiben. Und weil das so ist, muss man Theorien aufstellen, warum die Systeme so erfolgreich sind, abgesehen von der Möglichkeit, dass sie - so wie sie sind - gut sind. Denn das kann ja nun wirklich nicht sein.

Boba und Roland (und in Teilen OldSam, obwohl es ihm um was Anderes ging) haben dazu eigentlich schon alles Wichtige gesagt, aber dennoch:

Ich finde die allermeisten Indy-Spiele scheiße. Zum Beispiel könnte ich mir seit geraumer Zeit in den Arsch beißen, dass ich mich zum Kauf von Hollowpoint habe hinreißen lassen.
Wie Boba schon sagte, machen es diese Spiele einem recht leicht, sie an ihren eigenen Zielen zu messen.

In den verschiedensten DSA-Publikationen sind aber auch oft genug recht eindeutige Zielsetzungen genannt worden und es gibt mehr als genug Spielbeispiele und andere Sachen in den Regelwerken, wo diese eigenen Ansprüche offensichtlich nicht erfüllt oder aus verschiedenen Gründen ignoriert werden.

Da liegt doch die Schlußfolgerung sehr nah, dass DSA von den Spielern mindestens nicht ausschließlich daran gemessen wird.



Gerade bei den etwas offeneren DSA-Spielern in meinem Umfeld treffen jedenfalls die hier genannten "Beliebtheitsfaktoren" eindeutig zu - und Kritik am Regelwerk gibt es dort auch öfter in sehr ähnlicher Form wie hier.

Es ist natürlich richtig, dass diejenigen, die mit DSA ihren Spaß haben, das Ganze hier komplett ignorieren können.
Aber wenn jene, die an DSA keinen Spaß haben, die Gründe dafür sehr genau benennen können, ist die Frage durchaus gerechtfertigt und naheliegend, ob und warum diese Gründe für die erste Gruppe nicht gelten bzw. dort keine Wirkung haben.

Oder anders formuliert:
Wenn das System wirklich "einfach gut" ist - warum genau "wirkt" es dann nicht bei den Unzufriedenen?

In Sachen Regelsystem können meiner Wahrnehmung nach jedenfalls die Unzufriedenen ihre Kritik wesentlich besser formulieren als die Zufriedenen ihre Zustimmung - ein recht eindeutiger Hinweis auf die Gründe für die Beliebtheit von DSA.

Kannst spannend dabei finde ich ja: Wenn die bisher gewonnenen Erkenntnisse, warum die Leute Sachen wie DSA trotzdem lieben stimmen, dann kann man sehr viel ändern, es würde ja (fast) alles durchgehen.
Man schaue sich den Editionswechsel 3. auf 4. an - da gab es massive Änderungen, die letztendlich von einem Großteil der Spielerschaft akzeptiert wurden.

Eben deswegen, weil mMn die meisten Spieler DSA nicht hauptsächlich wegen des Regelwerks spielen.

Mir fällt aber eine Variante ein, wie man evtl. viele Spieler hätte vergraulen können:
Indem man DSA (wie gerade angesprochen) auf eine klarere Linie gebracht hätte.
Momentan kann nämlich, wie in vorhergehenden Editionen auch, immer noch jeder "sein" DSA draus machen, indem er einfach bestimmte Regelelemente weglässt oder nicht immer verwendet.
Das ginge bei einem stringenter aufgebauten Regelwerk wohl nicht mehr in dieser Form.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 31.10.2011 | 20:02
Geht es hier nicht eigentlich darum zu analysieren wieso DSA (und Vampire) beliebt sind?
Anstelle was nun daran stört?

Nun und White Wolfs Änderungsversuch ist ja ziemlich arg daneben gegangen,..
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: YY am 31.10.2011 | 20:14
Geht es hier nicht eigentlich darum zu analysieren wieso DSA (und Vampire) beliebt sind?
Anstelle was nun daran stört?
Gegenfrage:
Gehören diese Fragen nicht untrennbar zusammen - insbesondere dann, wenn die Behauptung aufgestellt wurde, dass DSA trotz seines Regelwerkes beliebt ist?

Nun und White Wolfs Änderungsversuch ist ja ziemlich arg daneben gegangen,..

Meinem Empfinden nach lag das zu großen Teilen daran, dass man auf einen "echten" Metaplot - welcher ja für die meisten Spieler einer der zentralen Pluspunkte der oWoD war - verzichtet und das auch von Anfang an so kommuniziert hat.

Als eher seltener Besucher in der WoD kamen mir die Regeländerungen jedenfalls recht erträglich vor (wobei ich sowohl das alte als auch das neue System nicht sonderlich gelungen finde).

Der Wechsel zur nWoD ist aber auch der einzige richtig danebengegangene Editionswechsel eines einigermaßen großen Systems, der mir auf Anhieb so einfällt.

Bei D&D4, DSA4 und SR4 hat das relativ reibungslos geklappt.

Woran lag das (noch)?
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 31.10.2011 | 20:17
@YY:

Ich sehe den Zusammenhang mit einem stringenten Regelwerk jetzt nicht umbedingt. Ich meine, wenn schon klar ist was gewünscht ist, wohl anscheinend signalisiert durch "Abenteuerspiel im lebenden Aventurien", was ist dann darran falsch, wenn man darauf nicht stringend aufbaut? Ok, etwas nebulös formuliert, ich will mir jetzt selbst nur nicht vorgreifen wenn ich sage: Etwas wie Katharinas Analyse bringt hier gewisse Einsichten wie das aussehen könnte.
Und damit beziehe ich mich nicht auf Forge-/Indy-mäßige Konzeptspiele.

@Teylen:

Das geht doch Hand in Hand.
Wenn man an diesen Spielen alle Kritikpunkte entfernt, bleibt doch das übrig was den Spaßfaktor ausmacht. Wenn nichts mehr übrig bleibt, spricht das auch Bände.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: YY am 31.10.2011 | 20:27
Ich sehe den Zusammenhang mit einem stringenten Regelwerk jetzt nicht umbedingt.

Ich empfand es in meinen damaligen Runden und in jenen, von denen ich heute höre, immer so, dass DSA sehr "zerfasert" gespielt wird.
D.h. viele Gruppen sind sich eigentlich gar nicht im Klaren, was und/oder wie sie eigentlich spielen wollen - und das Regelwerk passt perfekt dazu.
Ob das Ei oder die Henne zuerst da war, will ich hier gar nicht fragen.

Mir kommt es jedenfalls so vor, dass die geringe Fokussierung des Regelwerkes in Sachen Spielstil als Vielseitigkeit empfunden wird (was ja auch nicht falsch ist) - zum Preis eines höheren Haus- und Ad-hoc-Regelbedarfs.

Eine klarere Linie würde diese Vielseitigkeit reduzieren und DSA damit für viele Gruppen weniger attraktiv machen.


In welchem Zahlenverhältnis diese Gruppen dann zu jenen stehen, denen DSA so besser gefallen würde, kann ich freilich nicht genau sagen.

Aber ich vermute, dass man die Spielerzahl damit eher verkleinert als vergrößert.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 31.10.2011 | 20:35
Gehören diese Fragen nicht untrennbar zusammen - insbesondere dann, wenn die Behauptung aufgestellt wurde, dass DSA trotz seines Regelwerkes beliebt ist?
Analytisch betrachtet sollte man sie getrennt behandeln.
Insbesondere da die Kritikpunkte schon oft angeführt wurden.

Zitat
Meinem Empfinden nach lag das zu großen Teilen daran, dass man auf einen "echten" Metaplot - welcher ja für die meisten Spieler einer der zentralen Pluspunkte der oWoD war - verzichtet und das auch von Anfang an so kommuniziert hat.

Gerade der Metaplot wird bei V:tM in der Fortführung nicht weiterentwickelt.
Das heißt die Ergänzungsbände zur V20 werden keine Metaplot Entwicklungen einbringen.

Zitat
Bei D&D4, DSA4 und SR4 hat das relativ reibungslos geklappt.
Bei DSA, D&D sowie SR hat man sich, soweit ich weiß, nicht von Grundprämissen/Spielweisen gelöst.
Respektive gab es bei D&D3.5 zu D&D4 doch den Split hinzu Pathfinder?

Wenn man an diesen Spielen alle Kritikpunkte entfernt, bleibt doch das übrig was den Spaßfaktor ausmacht. Wenn nichts mehr übrig bleibt, spricht das auch Bände.
Dafür müßte gelten das die Kritikpunkte von allen geteilt werden und der Spaßfaktor für alle der selbe ist.
Meines Erachtens ist weder das eine, noch das andere gegeben.
Wenn man alle Kritikpunkte anpasst läuft man m.E. Gefahr auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner zu enden der letztlich eigentlich alle Betroffenen anödet. Nun oder man landet bei etwas was die andere Hälfte der Fans vergrätzt.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 31.10.2011 | 20:59
@YY:

Ist das wirklich ein Argument? Ich meine, wenn man das Ding mit etwas Mühe in jede Form biegen kann, dann da noch Mühe investieren und hier noch mal einen Kraftaufwand, ist es dann wirklich für Alles einsetzbar?
Das interessiert mich wirklich, da ich persönlich eher dazu neige mit das Spiel zu dem Ziel zu besorgen, das ich habe anstatt mein Haussystem zu nehmen und das für Alles und Jedes hernehmen zu wollen.

@Teylen:

Analytisch betrachtet sollte man Theorien aufstellen und testen und dann mit dem üblichen Quantifizieren beginnen.
Der Ursprungsfaden dieser Diskussion hat bewiesen dass genau das nicht verstanden wird.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Xemides am 31.10.2011 | 21:23
Zu DSA4 oder einer neuen Edition:

Ich glaube auch, das viele DSA-Fans eine neue Regeledition mit tragen würden. Aber se muß ein Fortschritt sein, kein Rückschritt.

Will sagen, sie soll zwar verständlicher werden und eindeutiger und weniger kompliziert, ohne aber an Komplexität zu verlieren und zurück in Richtung DSA1-3 oder Oldschool zu gehen. Und wie ich immer wieder schreibe, es muss als DSA erkennbar sein. D.h. zum Beispiel auch, dass die 3W20-Probe und AT-PA erhalten bleiben als Weiedererkenungswert

Was die NWOD angeht, ist die wirklich so erfolglos ? Oder ist das bloß (entschuldige Teylen) persönlicher Geschmack ? Oder die Tatsache, dass es halt nicht mehr so neu und "ultracool" war wie die OWOD es war als sie raus kam ?

Ich kenne die Verkaufszahlen nicht und beschäftige mich schon lange nicht mehr damit, weiß aber das viele meiner früheren Bekannten aus der Vampire-Larpszene schon mit den Änderungen der 3rd Edition unzufrieden waren. Allerdings vor allem durch den Metaplot, nicht durch die Regeln.

Und ein weiterer Punkt, viele Indysysteme sind zwar nett für einen One-Shot oder kurze Szenarien, für langjährige Kampagnen aber wenig geeignet ist mein Eindruck.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 31.10.2011 | 21:33
Deswegen sollte man das folgende Thema nicht zu einer anderen Diskussion entgleisen?
Die negativen Aspekte gerade von DSA wurden im vorherigen Thread, sowie anderen Threads bereits herausgearbeitet. Auch in Bezug auf die GNS Theorie, wenn man den verlinkten Artikel betrachtet.
Die positiven Aspekte hingegen wurden bisher noch nicht, m.E. unzureichend bearbeitet oder vereinfacht.

Ohne eine Betrachtung beider Aspekte wird die "Quantifizierung" beziehungsweise das erstellen von Kennwerten doch entweder unmöglich oder tendenziös bzw. verfälscht.

Was die NWOD angeht, ist die wirklich so erfolglos ? Oder ist das bloß (entschuldige Teylen) persönlicher Geschmack ? Oder die Tatsache, dass es halt nicht mehr so neu und "ultracool" war wie die OWOD es war als sie raus kam ?
Unabhängig von meinem persönlichen Geschmack steht White Wolf als Verleger nicht mehr wo sie einst standen.

Es gibt meines Erachtens mehrere Faktoren wieso die nWoD nicht im selben Maß einen Durchbruch vollzog wie die klassische WoD, dafür müßte es jedoch gestattet sein zu analysieren was, in diesem Fall Vampire, zu der Beliebtheit verhalf.
Ohne dabei unnötige, emotionale Animositäten, der Art XY ist erfolglos, zu konstruieren.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: YY am 31.10.2011 | 21:34
Ist das wirklich ein Argument? Ich meine, wenn man das Ding mit etwas Mühe in jede Form biegen kann, dann da noch Mühe investieren und hier noch mal einen Kraftaufwand, ist es dann wirklich für Alles einsetzbar?

OT
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Boba Fett am 31.10.2011 | 21:39
Unabhängig von meinem persönlichen Geschmack steht White Wolf als Verleger nicht mehr wo sie einst standen.
So geht es JEDEM Rollenspielverlag und jedem System mit Settings, die 20 Jahre und älter sind.
Das sagt gar nichts aus, denn auch Shadowrun, D&D und alle anderen geht es genau so.
Palladium ist zum Beispiel an der Pleite vorbeigeschrammt und andere Verlage gibt es heute schlicht nicht mehr.
Anfang der 90er war die Boomtime der Rollenspiele. Heute 20 Jahre später gibt es zu viele Alternative Freizeitbeschäftigungen, es gibt weniger Rollenspieler, es gibt heute eine viel größere Auswahl an Systemen und Verlagen, so dass Angebot und Nachfrage schlicht nicht vergleichbar sind.

Was die NWOD angeht, ist die wirklich so erfolglos ?

Nein, ist bzw. WAR sie nicht und das wurde an anderer Stelle in diesem Forum auch mehrfach diskutiert.
Man kann die direkten Zahlen nicht vergleichen, weil Anfang der 90er ganz andere Zahlen umgesetzt wurden und es insgesamt 3 Editionen oWoD ind nur eine nWoD.
Auch die aktuellen Zahlen sind nicht bewertbar, denn die nWoD hat ihren Lebenszyklus längst überschritten.

Kurz gesagt: Die oWoD war sehr erfogreich, die nWoD war es ebenso, auch wenn es andere Zeiten waren. Regeltechnisch ist die nWoD stringenter, die cooleren Settings und der Metaplot und den Reiz der ersten Stunde sind Dinge, die die nWoD nicht hat.

Ich denke, damit ist alles gesagt und niemandem weh getan.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 31.10.2011 | 21:52
So geht es JEDEM Rollenspielverlag und jedem System mit Settings, die 20 Jahre und älter sind.
Das sagt gar nichts aus, denn auch Shadowrun, D&D und alle anderen geht es genau so.
Das stimmt. Wobei White Wolf auch im Verhältnis zu den anderen Rollenspielverlagen den Eindruck erweckt "eingeknickt" zu sein.

Zitat
Kurz gesagt: Die oWoD war sehr erfogreich, die nWoD war es ebenso, auch wenn es andere Zeiten waren. Regeltechnisch ist die nWoD stringenter, die cooleren Settings und der Metaplot und den Reiz der ersten Stunde sind Dinge, die die nWoD nicht hat.

Ich denke, damit ist alles gesagt und niemandem weh getan.
Also ist eine Diskussion um die exakten Gründe der Erfolgsentwicklung unerwünscht?

Ich denke nicht das es der Theorie Diskussion hilft wenn man die Betrachtung auf: "Der Metaplot ist/war cool und das Setting kam zur richtigen Zeit" verkürzt und sich der Betrachtung der negativen Aspekte widmet.

Zumal es den Punkt außer acht läßt das sowohl Vampire (Maskerade) als auch DSA erfolgreich war respektive ist weil beide eine einseitige Zielerfüllung welche die GNS fordert entsprechend konsequent ablehnen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Boba Fett am 31.10.2011 | 21:57
Also ist eine Diskussion um die exakten Gründe der Erfolgsentwicklung unerwünscht?
Ich denke, das Thema steht unmissverständlich im Topic.

da steht nicht "ist nwod erfoglos." oder etwas über Verleiche zu oWoD und nWoD, sondern hier wird nur beleuchtet, WARUM DSA und Vampir oWoD erfolgreich und beliebt sind, trotz Regelsystemen, die das nicht unbedingt gefördert haben.
Das ist Topic, alles andere ist OT.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 31.10.2011 | 21:59
Ich denke, das Thema steht unmissverständlich im Topic.

da steht nicht "ist nwod erfoglos." oder etwas über Verleiche zu oWoD und nWoD, sondern hier wird nur beleuchtet, WARUM DSA und Vampir oWoD erfolgreich und beliebt sind, trotz Regelsystemen, die das nicht unbedingt gefördert haben.
Das ist Topic, alles andere ist OT.

Daraus könnte man übrigends ableiten dass nWoD deswegen nicht den gleichen Grad erreicht hat, weil oWoD als eigentständiges Produkt eben so beliebt war und ist. Siehe dazu auch DND.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 31.10.2011 | 22:01
Der Wechsel zur nWoD ist aber auch der einzige richtig danebengegangene Editionswechsel eines einigermaßen großen Systems, der mir auf Anhieb so einfällt.

Bei D&D4, DSA4 und SR4 hat das relativ reibungslos geklappt.

Woran lag das (noch)?

Zumindest bei D&D4 (und z. T. auch 3.x) habe ich, was die reibungslose Übernahme angeht, einen anderen Eindruck.


Ich glaube auch, das viele DSA-Fans eine neue Regeledition mit tragen würden. Aber se muß ein Fortschritt sein, kein Rückschritt.

Fortschritt und Rückschritt sind hier meiner Meinung nach keine treffenden Begriffe. Für mich ist bei einem Regelwerk (weil es mein Geschmack ist) fast jede Reduktion von Kompliziertheit ein großer Fortschritt, selbst dann, wenn sie gleichzeitig eine Reduktion der Komplexität bedeutet.


Die positiven Aspekte hingegen wurden bisher noch nicht, m.E. unzureichend bearbeitet oder vereinfacht.

Aber es wurden doch die positiven Aspekte alle schon mehrfach aufgezählt: vertrautes, aber zu seiner Zeit neues & aufregendes Setting; nostalgische Erinnerungen; große Spielergemeinde, deren Konsens ist, dass Regeln unwichtig sind.

Es gibt meines Erachtens mehrere Faktoren wieso die nWoD nicht im selben Maß einen Durchbruch vollzog wie die klassische WoD, dafür müßte es jedoch gestattet sein zu analysieren was, in diesem Fall Vampire, zu der Beliebtheit verhalf.

Fast die gleichen Sachen wie bei DSA: es war zur richtigen Zeit auf dem Markt, das Setting war neu, die Leute verbinden nostalgische Erinnerungen damit und Regeln sind nach Meinung vieler Spieler und noch mehr SLs sowieso zweitrangig.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: gunware am 31.10.2011 | 22:01
Speziell zu DSA:
Weil DSA in Sachen Spielstil ständig in unterschiedliche Richtungen strebt, kommt es einem zumindest so vor, als wäre das Anpassen in die jeweils gewünschte Richtung leichter.
Andere Systeme bieten für so was unterm Strich mehr "fertige" Optionen, aber dazu muss man sich eben auch eher bewusst sein, wo man hin will.

Mir kam es bei DSA immer so vor, als würde man verschiedene Spielstile vor allem fördern, indem man die jeweils nicht gewünschten Aspekte - auch unbewusst - zurück stellt (und nicht das Gewünschte stärkt).

Wie gesagt, das ist nur meine Einschätzung, aber ich denke, dass viele DSA-Spieler das als Stärke empfinden.

Zumal es den Punkt außer acht läßt das sowohl Vampire (Maskerade) als auch DSA erfolgreich war respektive ist weil beide eine einseitige Zielerfüllung welche die GNS fordert entsprechend konsequent ablehnen.

Genau das ist es, was ich in dem Nachbarthread auch zur Sprache gebracht habe. Manche sehen es als Schwäche, andere als Stärke. Und die eine Seite versteht die andere Seite nicht.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Boba Fett am 31.10.2011 | 22:05
Zumal es den Punkt außer acht läßt das sowohl Vampire (Maskerade) als auch DSA erfolgreich war respektive ist, weil beide eine einseitige Zielerfüllung welche die GNS fordert entsprechend konsequent ablehnen.

1. Nicht "weil" sondern "obwohl"
2. bin ich bei VtM gar nicht sicher, dass da keine Zielsetzung und Zielerfüllung existierte.
Wobei die anfängliche Intention (innere Komflikte) wahrscheinlich eine andere war, als die schlußendliche (Powergaming und Intrigenspiel) und die Zielerfüllung nur die Schlußendliche beinhaltete. (Ein Dilemma der VtM war ja, dass viele aus den Klappentexten und der Flufftexte VtM aus Gründen der aus Intention angestrebten Ziele spielten und dann feststellen mussten, dass der regeltechnische Kern eine ganz andere Zielsetzung hatte)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Xemides am 31.10.2011 | 22:20
Fortschritt und Rückschritt sind hier meiner Meinung nach keine treffenden Begriffe. Für mich ist bei einem Regelwerk (weil es mein Geschmack ist) fast jede Reduktion von Kompliziertheit ein großer Fortschritt, selbst dann, wenn sie gleichzeitig eine Reduktion der Komplesität bedeutet.

Bist du der typische DSA-Fan, von dem ich sprach ?


Eine andere Sache:

Ich glaube was auch unterschätzt wird ist die schweigende Masse. Die Rollenspieler, denen die Funktionalität oder Dysfunktionalität völlig egal ist. Die kaufen DSA, weil es das Regelsystem für Aventurien ist (respektive auch jedes andere Regelwerk). Wenn einem eine Regel nicht passt wird sie hausgeregelt, oder improvisiert, aber im großen und ganzen nimmt man die Regeln wie sie sind.

Wieviele sind wir denn hier, die über Regeln diskutieren ? Wieviele in den anderen Foren, selbst in DSA-Foren.? Im Grunde doch nur eine Minderheit. Die breite Masse denkt über die achen gar nicht nach.

Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 31.10.2011 | 22:21
Genau das ist es, was ich in dem Nachbarthread auch zur Sprache gebracht habe. Manche sehen es als Schwäche, andere als Stärke. Und die eine Seite versteht die andere Seite nicht.

Deinen Standpunkt ist absolut nicht unverständlich. Es wäre wirklich nett ein standard go-to System für alles zu habe. Spart, wenn man sich ein Mal eingearbeitet hat und alle Modifikationen gemacht hat, anscheinend Zeit und Mühe. Das ist aber, in meinen Augen, ein längerer und mühevollerer Weg als man sich vorstellt.
Von daher die schlichte Gegenfrage: Warum benutzt man für Krimi-Spiel nicht richtige krimi-Regeln, für dediziertes Intrigenspiel nicht richtige Intrigenregeln?
Dager teils auch die Frage: Was will ein System sein?
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 31.10.2011 | 22:26
Aber es wurden doch die positiven Aspekte alle schon mehrfach aufgezählt: vertrautes, aber zu seiner Zeit neues & aufregendes Setting; nostalgische Erinnerungen; große Spielergemeinde, deren Konsens ist, dass Regeln unwichtig sind.
Abgesehen von TAFKAB hat sich doch kaum einer an eine anährend analytische Betrachtung getätigt.
Nun gerade was das betrifft, was macht DSA anders als Midgard?
Wieso sieht man hunderte, naja dutzende, DSA Spielrunden auf Conventions aber nicht annährend soviele CoC, DnD oder Midgard Runden?

Wo bleibt da die Nostalgik und wo ist die große Spielergemeinde von DSA hergeploppt?
Nun und ich glaube nicht das den Leuten die Regeln komplett unwichtig sind.
Nur weil es die Goldene Regel gibt und man Flexibilität bietet.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 31.10.2011 | 22:29
Bist du der typische DSA-Fan, von dem ich sprach ?

Nee, natürlich nicht, ich bin überhaupt kein DSA-Fan. Ich glaube bloß, dass du mit deiner Vorliebe für komplexe, Aktionen und Resultate hochauflösende (und dadurch auch crunchlastige + schwerfällige) Rollenspiele auch nicht unbedingt der typische DSA-Fan bist. (Aber bei DSA habe ich keinen Einblick in die Fanszene, das ist reine Spekulation.)

Bei den V:tM Spielern der oWoD (wo ich mich halt besser mit auskenne), ist mir, vielleicht von Teylen abgesehen, noch niemand begegnet, der die Schwerfälligkeit  und Unausgewogenheit des Systems (insbesondere im Kampf) gut findet - die Folge ist, dass sie entweder massiv in Richtung schnell und "rules light" gehausregelt oder gehandwedelt haben, um das Setting bespielen zu können. Da wäre nach meinem Eindruck für viele oWoDler ein crunchlastiges System eben kein Fortschritt (und ich glaube ernsthaft, dass dies das Problem der nWoD war: zu viel Crunch für eine Spielergemeinde, die seit Jahren kein ernstes Regelspiel mehr spielte).
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: KlickKlack am 31.10.2011 | 22:31
Zitat
Wo bleibt da die Nostalgik und wo ist die große Spielergemeinde von DSA hergeploppt?
Nun und ich glaube nicht das den Leuten die Regeln komplett unwichtig sind.
Nur weil es die Goldene Regel gibt und man Flexibilität bietet.

Ich dachte das sei nun wirklich offensichtlich.
- DSA verdankt seinen unglaublich erfogreichen Einstieg ins Geschäft Schmidtspiele.
- Heute rekrutieren sich neu Spieler hauptsächlich durch Mund-Ohr Propaganda. Spieler erschließen sich Rollenspiel / ein System sehr selten völlig eigenständig, sondern Hand in Hand mit erfahrenen Spielern.
- Diese erfahrenen Spieler wurden zu einem großen Teilt durch DSA (und sicher auch V/TM) sozialisiert[/li][/list]


Viel komplizierter ist es glaube ich nicht.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 31.10.2011 | 22:35
Abgesehen von TAFKAB hat sich doch kaum einer an eine anährend analytische Betrachtung getätigt.
Nun gerade was das betrifft, was macht DSA anders als Midgard?
Wieso sieht man hunderte, naja dutzende, DSA Spielrunden auf Conventions aber nicht annährend soviele CoC, DnD oder Midgard Runden?

Dazu habe ich schon meine Sichtweise (http://tanelorn.net/index.php/topic,71074.msg1427721.html#msg1427721) dargelegt. Zusammengefasst: DSA, oWoD und einige andere Spiele dominieren den Markt, weil sie zuerst mit einem entsprechenden Setting und einer großen Werbung da waren und liefern konnten. Wozu soll jemand, dem Regeln ziemlich schnurz sind, ein zweites Fantasy- oder Urban Fantasy-Spiel lernen?
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 31.10.2011 | 22:36
Dazu habe ich schon meine Sichtweise (http://tanelorn.net/index.php/topic,71074.msg1427721.html#msg1427721) dargelegt. Zusammengefasst: DSA, oWoD und einige andere Spiele dominieren den Markt, weil sie zuerst mit einem entsprechenden Setting und einer großen Werbung da waren und leifern konnten. Wozu soll jemand, dem Regeln ziemlich schnurz sind, ein zweites Fantasy- oder Urban Fantasy-Spiel lernen?

Das bringt es so ziemlich auf den Punkt, würde ich sagen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: KlickKlack am 31.10.2011 | 22:40
Zitat
Wozu soll jemand, dem Regeln ziemlich schnurz sind, ein zweites Fantasy- oder Urban Fantasy-Spiel lernen?
Mal ganz davon abgesehen sind viele, sehr, sehr viele Spieler glücklich, wenn sie ein Spiel mit einer netten, freundlichen Runde teilen. Ganz gleich wie `schlecht` das System ist. Es besteht einfach kein Anlaß sich über andere Systeme Gedanken zu machen, da das Positive (was mit dem aktuellen System nichts zu tun haben muss) überwiegt. Kurzum, es fehlt der Leidensdruck :-)

Interessant ist, weshalb soviele DSA Fans Sammler geworden sind, sich also weit über das eigentliche Spielen hinaus für Produkte interessieren und diese Kaufen. Da greift der gesellschaftliche Aspekt nämlich nicht mehr.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 31.10.2011 | 22:41
Mal ganz davon abgesehen sind viele, sehr, sehr viele Spieler glücklich, wenn sie ein Spiel mit einer netten, freundlichen Runde teilen. Ganz gleich wie `schlecht` das System ist. Es besteht einfach kein Anlaß sich über andere Systeme Gedanken zu machen, da das Positive (was mit dem aktuellen System nichts zu tun haben muss) überwiegt. Kurzum, es fehlt der Leidensdruck :-)

Interessant ist, weshalb soviele DSA Fans Sammler geworden sind, sich also weit über das eigentliche Spielen hinaus für Produkte interessieren und diese Kaufen. Da greift der gesellschaftliche Aspekt nämlich nicht mehr.

Passiven Erleben ist auch ein Erlebnis.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: gunware am 31.10.2011 | 22:45
Von daher die schlichte Gegenfrage: Warum benutzt man für Krimi-Spiel nicht richtige krimi-Regeln, für dediziertes Intrigenspiel nicht richtige Intrigenregeln?
Dager teils auch die Frage: Was will ein System sein?
Beides und noch viel mehr. Warum mehrere Regel dafür? Die gleiche Charas, die gleichen Regel und die fortschreibende Geschichte. Sowohl die Krimi Geschichte als auch das Intrigenspiel. Auch die Kämpfe, auch die Liebesgeschichten. Alles. Warum sollte man verschiedene Regel innerhalb eines Spiels benutzen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Stonewall am 31.10.2011 | 22:47
Interessant ist, weshalb soviele DSA Fans Sammler geworden sind, sich also weit über das eigentliche Spielen hinaus für Produkte interessieren und diese Kaufen. Da greift der gesellschaftliche Aspekt nämlich nicht mehr.

Ich würde durchaus auch die Kommunikation über nicht selbst bespielte Entwicklungen in der Soap Opera Aventurien zum gesellschaftlichen Aspekt rechnen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: KlickKlack am 31.10.2011 | 22:48
Zitat
Passiven Erleben ist auch ein Erlebnis.
Unbestritten... Vielleicht kaufen heute ja viele, die eben keine Zeit mehr zum Spielen haben, oder keine Runde mehr finden. Also tatsächlich die DSAler, die auf passives Erleben, mangels Möglichkeiten aktiv zu Erleben angewiesen sind.

OT: Wenn dem so sein sollte, wäre dies ein wirklich guter Grund Produkte wie den Atlas mit mehr Liebe und Geist zu konzipieren *g*

Zitat
Ich würde durchaus auch die Kommunikation über nicht selbst bespielte Entwicklungen in der Soap Opera Aventurien zum gesellschaftlichen Aspekt rechnen.
Hmm... ob das stattfindet ? kann ich mir nicht wirklich vorstellen - ich mag mich aber täuschen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 31.10.2011 | 22:50
Kurzum, es fehlt der Leidensdruck :-)

Leidensdruck kann ja nur entstehen, wenn jemand sich an irgendwas stört und das beenden will. Beim Rollenspiel können das die Spielweise, die Abenteuer, die Regeln oder das Setting sein.

Aventurien gefällt vielen Spielern. Die Tatsache, dass sie auch außerhalb ihrer DSA-Runde Romane lesen usw., und einige Leute das Setting sogar auf andere Systeme konvertieren, werte ich als ganz großen Hinweis darauf, dass durch das Setting bei wenigen Leidensdruck entsteht.

Die Abenteuer (und die damit oft verbundene Spielweise): Einigen Leuten gefällt Partizipationismus, sonst gäbe es ihn nicht (und ich kann mir nicht vorstellen, dass erwachsene DSA-Spieler noch wirklich glauben, dass ihre Charaktere Einfluss auf metaplotlastige Abenteuer haben). Ich würde zwar nicht soweit gehen, Storykonsum als eigenständige CA zu definieren, aber ich nehme schon an, dass sowas bei vielen RSP-lern beliebt ist.

Bleiben die Regeln - wem die egal sind, der verspürt eben keinen Leidensdruck.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 31.10.2011 | 22:52
Beides und noch viel mehr. Warum mehrere Regel dafür? Die gleiche Charas, die gleichen Regel und die fortschreibende Geschichte. Sowohl die Krimi Geschichte als auch das Intrigenspiel. Auch die Kämpfe, auch die Liebesgeschichten. Alles. Warum sollte man verschiedene Regel innerhalb eines Spiels benutzen.

Rhetorik oder willst du eine richtige Antwort darauf?
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 31.10.2011 | 23:59
Dazu habe ich schon meine Sichtweise (http://tanelorn.net/index.php/topic,71074.msg1427721.html#msg1427721) dargelegt. Zusammengefasst: DSA, oWoD und einige andere Spiele dominieren den Markt, weil sie zuerst mit einem entsprechenden Setting und einer großen Werbung da waren und liefern konnten.
Midgard war theorethisch zuvor da.
Nun und seit DSA und White Wolf hat sich nichts mehr getan? Ende Gelände mit neuen Settings, keine Lifestyles an die man sich ranhängen kann? Der Bedarf an Urban Fantasy ist weitesgehend weg?
Ein Großteil der Leute die zuvor DSA oder VtM gespielt haben sind damit glücklich [und restlos bedient], versplittert oder der Bedarf einfach weg?
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Stonewall am 1.11.2011 | 00:08
Midgard war theorethisch zuvor da.

Es hatte aber keinen potenten Verlag wie Schmidt Spiele , der es an einem Massenmarkt plazieren konnte: Einerseits durch Werbung. Gab es damals nicht sogar Fernsehspots zu DSA? Andererseits durch den Zugriff auf Vertriebswege.

Nun und seit DSA und White Wolf hat sich nichts mehr getan? Ende Gelände mit neuen Settings, keine Lifestyles an die man sich ranhängen kann? Der Bedarf an Urban Fantasy ist weitesgehend weg?
Ein Großteil der Leute die zuvor DSA oder VtM gespielt haben sind damit glücklich [und restlos bedient], versplittert oder der Bedarf einfach weg?

IMHO mindestens zum Teil. Ich glaube schon, daß das Umfeld für das Hobby Rollenspiel heute ungünstiger ist.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 1.11.2011 | 00:13
Midgard war theorethisch zuvor da.
Nun und seit DSA und White Wolf hat sich nichts mehr getan? Ende Gelände mit neuen Settings, keine Lifestyles an die man sich ranhängen kann? Der Bedarf an Urban Fantasy ist weitesgehend weg?
Ein Großteil der Leute die zuvor DSA oder VtM gespielt haben sind damit glücklich [und restlos bedient], versplittert oder der Bedarf einfach weg?

Wäre DSA so stiefbürgerlich wie Midgard behandelt worden oder wäre früher oder später auf den Markt gekommen, hätte es wohl nicht den gleichen Erfolg gehabt.
Es gillt doch das gleiche wie mit Stars auch: Richtige Zeit, richtiger Ort. Zufall statt Können.

Ich denke, man kann sagen, die Chancen nochmal ein großes, weitverbreitettes System zu erleben ist nicht mehr gegeben, das Umfeld dafür existiert einfach nicht mehr.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 1.11.2011 | 00:24
Ich denke, man kann sagen, die Chancen nochmal ein großes, weitverbreitettes System zu erleben ist nicht mehr gegeben, das Umfeld dafür existiert einfach nicht mehr.
Das Umfeld hat man doch zuvor auch nicht derart wahrgenommen, oder?
Wenn jemand 1990 gesagt hätte das man mit einem Rollenspiel Leute aus anderen Szenen, vornehmlich der Gothic-Szene motivieren kann sich mit RPG zu beschäftigen, hätte man doch vermutlich auch eher ein "Geh weg du Nerd/Geek" zu hören bekommen. Würde ich vermuten.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 1.11.2011 | 00:44
Das Umfeld hat man doch zuvor auch nicht derart wahrgenommen, oder?
Wenn jemand 1990 gesagt hätte das man mit einem Rollenspiel Leute aus anderen Szenen, vornehmlich der Gothic-Szene motivieren kann sich mit RPG zu beschäftigen, hätte man doch vermutlich auch eher ein "Geh weg du Nerd/Geek" zu hören bekommen. Würde ich vermuten.

Die 90er sind doch ein Paradebespiel für eine Zeit mit steigendem Wohlstand und steigender Freizeit und somit auch Bedürftnis und Mittel diese Sinnvoll zu verbringen, dazu der aktiven Suche nach einem Ventil.
Ich denke, anzunehmen dass Gothics die ursprüngliche Zielgruppe für Vampire waren, ist ein Fehler, die waren ein überraschender Nebeneffeckt, bei denen aber der gleiche, oben genannte Mechanismus genau so gezogen hat wie bei allen anderen auch.
Rollenspiele hatten den Vorteil dass die "Golden Age" von D&D schon um war und dort die erste Geek/Nerd-Grenze schon eingeebnet wurde. Es gab zwar vorher schon Systeme, die sich teils auch gehallten haben (etwa Traveller, Midgard), diese waren aber Vorreiter und durften quasi die ganzen Kämpfe austragen, von denen die anderen Verlage dann profitieren konnten.
Ich finde es bezeichnend dass genau diese Zeit die Systeme hevorgebracht hat, die bis heute wirklich relevant geblieben sind. Ebenso bezeichnend finde ich dass FASA, die ja gut im Rennen waren, genau zum Ende dieser Zeit gesagt haben: Ok, ab hier gehts nur noch bergab, das wollen wir gar nicht erleben und somit die Türen geschlossen haben.
Objektiv betrachtet sind seitdem unglaublich viele unglaublich gute Spiele erschienen, nur ohne nährbaren Boden bringt das nichts.
Als Tangente mag ich noch die kurze aber prägnante Indy-Welle vor einer Weile erwähnen, die haben auch kurz den zeitgeist getroffen und das wars dann auch wieder.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: gunware am 1.11.2011 | 01:05
Rhetorik oder willst du eine richtige Antwort darauf?
wtf? Das was ich da geschrieben habe ist so, wie ich es in RPG haben will.
Oder kommt es dabei zu einem Unverständnis über die anderen Vorlieben? Ich kann verstehen, wenn jemand nur One-Shots, kleine Kampagnen gerne spielt. Aber wenn ich eine Kampagne spielen möchte, dann meine ich das Spielen über Jahre bis Jahrzehnte an einem Spiel. Nicht an mehreren. Und ich vermute, dass könnte auch das sein, was ein paar DSA-Spieler antreiben könnte, höchstwahrscheinlich (ein paar kenne ich aus meiner Umgebung). Und das ist eigentlich mit den auf eine Spielwiese geeichten Regeln nicht gut möglich. Weil dann ganz viele anderen Aspekte fehlen. Weil dann die ganzen Möglichkeiten, ein paar Monate Krimi, ein paar Monate Sklavenjagd, ein paar Monate Intrigenspiel mit gleichen Charas spielen - das würde alles fehlen.

Ich denke, man kann sagen, die Chancen nochmal ein großes, weitverbreitettes System zu erleben ist nicht mehr gegeben, das Umfeld dafür existiert einfach nicht mehr.
Und das kann ein weiterer Grund sein, warum viele bei den großen Systemen bleiben.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Hróđvitnir (Carcharoths Ausbilder) am 1.11.2011 | 01:19
Zumindest bei D&D4 (und z. T. auch 3.x) habe ich, was die reibungslose Übernahme angeht, einen anderen Eindruck.

Deckt sich mit meinem Eindruck. Interessant ist das, weil die Umstellungen und ihre Schwierigkeiten gerade aus dem resultieren, was hier gefordert wird. (A)D&D kam in Schwierigkeiten, als es begann, sich mit konsistentem Design zu fokussieren.

Von daher die schlichte Gegenfrage: Warum benutzt man für Krimi-Spiel nicht richtige krimi-Regeln, für dediziertes Intrigenspiel nicht richtige Intrigenregeln?

Passende Regeln innerhalb eines Systems? Her damit, läßt sich auch realisieren. Aber jedes Mal bei nur der geringsten Verschiebung des Fokus gleich ein neues System + neues Setting? Och Nö. Und das ist eben die Achillesferse vieler eng fokussierter Systeme. Es handelt sich dabei sehr oft (nicht immer) um One-Trick-Ponies.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 1.11.2011 | 01:24
Und das kann ein weiterer Grund sein, warum viele bei den großen Systemen bleiben.

Ich denke das ist der Grund überhaupt.

wtf? Das was ich da geschrieben habe ist so, wie ich es in RPG haben will.
Oder kommt es dabei zu einem Unverständnis über die anderen Vorlieben? Ich kann verstehen, wenn jemand nur One-Shots, kleine Kampagnen gerne spielt. Aber wenn ich eine Kampagne spielen möchte, dann meine ich das Spielen über Jahre bis Jahrzehnte an einem Spiel. Nicht an mehreren. Und ich vermute, dass könnte auch das sein, was ein paar DSA-Spieler antreiben könnte, höchstwahrscheinlich (ein paar kenne ich aus meiner Umgebung). Und das ist eigentlich mit den auf eine Spielwiese geeichten Regeln nicht gut möglich. Weil dann ganz viele anderen Aspekte fehlen. Weil dann die ganzen Möglichkeiten, ein paar Monate Krimi, ein paar Monate Sklavenjagd, ein paar Monate Intrigenspiel mit gleichen Charas spielen - das würde alles fehlen.

Ich versuchs mal:
Der Anspruch lange Kampagnen zu spielen ist keineswegs abwegig, entspricht auch meinen präferiertem Ziel.
Ich denke nur man muss sich einfach mal klar machen was ein gewähltes Spielsystem schaffen kann und was nicht und somit auch mal die eigene Erwartungshalltung hinterfragen was man damit reell anstellen will.
Siehe dazu:

Passende Regeln innerhalb eines Systems? Her damit, läßt sich auch realisieren. Aber jedes Mal bei nur der geringsten Verschiebung des Fokus gleich ein neues System + neues Setting? Och Nö. Und das ist eben die Achillesferse vieler eng fokussierter Systeme. Es handelt sich dabei sehr oft (nicht immer) um One-Trick-Ponies.

Was ist für dich ein eng fokussiertes System und läuft du nicht Gefahr das mit Indy zu verwechseln?
Nur ein paar Beispiele: Gumshoe (etwa Call of Cthulhu) ist hervorragend für Krimis, viele Systeme sind hervorragend für einen spannenden Kampf, etc.
Wenn ich jetzt anfange, die sich oft wiedersprechenden Regeln an ein anderes System zu planchen, kommt meist nur Bockmist bei raus, meist auch, da hier unterschiedliche Spielziele bedient werden.
Der schlichte Punkt ist hallt mitunter derjenige: Man sollte sich eingestehen dass wenn das Lieblingssystem X nicht kann, man X auch nicht versuchen sollte, ohne sich dabei unglücklich zu machen.

Deckt sich mit meinem Eindruck. Interessant ist das, weil die Umstellungen und ihre Schwierigkeiten gerade aus dem resultieren, was hier gefordert wird. (A)D&D kam in Schwierigkeiten, als es begann, sich mit konsistentem Design zu fokussieren.

Du meinst Skills & Powers?
Denke ich eher nicht. Alle zeitgenössischen Angaben stimmen darin überein dass dies dem System und der Popularität einen rießen Schub gegeben hat, die Misswirtschaft bei TSR zum Niedergang führte.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: gunware am 1.11.2011 | 01:35
Ich denke nur man muss sich einfach mal klar machen was ein gewähltes Spielsystem schaffen kann und was nicht und somit auch mal die eigene Erwartungshalltung hinterfragen was man damit reell anstellen will.
Ich denke, das ist doch genau das, worüber ich die ganze Zeit spreche.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Hróđvitnir (Carcharoths Ausbilder) am 1.11.2011 | 01:46
Was ist für dich ein eng fokussiertes System und läuft du nicht Gefahr das mit Indy zu verwechseln?
Nur ein paar Beispiele: Gumshoe (etwa Call of Cthulhu) ist hervorragend für Krimis, viele Systeme sind hervorragend für einen spannenden Kampf, etc. Wenn ich jetzt anfange, die sich oft wiedersprechenden Regeln an ein anderes System zu planchen, kommt meist nur Bockmist bei raus, meist auch, da hier unterschiedliche Spielziele bedient werden.

ToC ist ein prima Beispiel für ein eng fokussiertes System, Dungeonslayers wäre mMn nach in weiteres, an einem ganz anderen Ort. Beide sind sehr sleak designed und eng ausgerichtet. Da liegt ihr Problem. Nehmen wir ToC. Da komm ich doch schon ins Schwimmen, wenn ich ich à la Untouchables mit Dynamit, Tommy-Gun und Duesenberg eine Schmugglerbande gewaltsam aus der Stadt jagen möchte. Mit den... Konfliktregeln von ToC ist das... äh... langweilig. Hab ich vor, noch einen Doppeldecker-Jagdflieger einzubinden sprenge ich den Rahmen endgültig.

Derartiges Schmalspurdenken im Design engt meine Freiheit als Spieler gewaltig ein.

Das normale Gegenargument zu dieser Feststellung läuft dann normalerweise so: "Wenn ihr euch zusammen setzt, X zu spielen, wißt ihr, daß ihr Y nicht werdet tun können." Ich weiß aber zu Beginn des Abends nicht, ob sich eine Sache auf X, Y, Z oder auch Beta hin entwickelt, und ich will es vorher auch gar nicht wissen. Ich will mich überraschen lassen, von mir und meinen Mitspielern.

EDIT/ Dazu bedarf es eines breit aufgestellten Systems mit wenigen Ausnahmen und einfachen Grundmechaniken. Das schönst am RSP ist die GRENZENLOSIGKEIT, warum soll ich mich da also eingrenzen lassen von Systemen, die mir im Vorwort erst mal klarmachen, wie klein der Horizont dessen ist, was auf den kommenden Seiten folgt?

Zitat
Du meinst Skills & Powers? Denke ich eher nicht. Alle zeitgenössischen Angaben stimmen darin überein dass dies dem System und der Popularität einen rießen Schub gegeben hat, die Misswirtschaft bei TSR zum Niedergang führte.

Na, eher den Schwenk 3 und 4, wo sich D&D4 ein richtig konsequentes Design verpaßt hat. Beim Umstieg von der schwabbeligen Wasserleiche AD&D2 auf das damals noch straff durchdesignte D&D 3 sind zwar viel Oldies wie ich abgesprungen, weil es nicht mehr richtig "schmeckte", aber es konnten sehr viel mehr Zu- als Abgänge verzeichnet werden. Fand ich auch gut, nur weil ichs nicht mehr mag, solls ja nicht eingehen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: gunware am 1.11.2011 | 01:57
"Wenn ihr euch zusammen setzt, X zu spielen, wißt ihr, daß ihr Y nicht werdet tun können." Ich weiß aber zu Beginn des Abends nicht, ob sich eine Sache auf X, Y, Z oder auch Beta hin entwickelt, und ich will es vorher auch gar nicht wissen. Ich will mich überraschen lassen, von mir und meinen Mitspielern.
Nicht nur zu Beginn des Abends. Was weiß ich, wie und welche Ausrichtung unser Spiel in 10 Monaten haben wird? In 2 Jahren?

So wie Hróðvitnir sagt: ich will GRENZENLOSIGKEIT - im wahrsten Sinne des Wortes, denn das ist es, was meiner Meinung nach RPG ausmacht.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 1.11.2011 | 01:59
Die 90er sind doch ein Paradebespiel für eine Zeit mit steigendem Wohlstand und steigender Freizeit und somit auch Bedürftnis und Mittel diese Sinnvoll zu verbringen, dazu der aktiven Suche nach einem Ventil.
Ich denke, anzunehmen dass Gothics die ursprüngliche Zielgruppe für Vampire waren, ist ein Fehler, die waren ein überraschender Nebeneffeckt, bei denen aber der gleiche, oben genannte Mechanismus genau so gezogen hat wie bei allen anderen auch.
Ich habe die 90er wesentlich weniger positiv in Erinnerung, der kalte Krieg war gerade vorbei, die Ökopanik im anrollen und in der Musik wie Popkultur machte sich m.E. auch nicht unbedingt die Heiterkeit breit. Es gab zwar den Techno, aber ebenso Grunge oder Thunderdome.
Auch das Bild das Werke wie der Burton Batman oder nach V:tM Sachen wie Nightmare before Christmas zeichnen ist eher morbide.
Zwar hat man der "Generation X" unterstellt ausgesprochen lethargisch zu sein, aber es war weniger das Bedürfnis da die Freizeit mit ansprechenden Dingen zu füllen.

Vampire die Maskerade wurde nicht direkt für Gothics designt, jedoch imho durchaus bewusst, für ein der Gothicszene zugeneigtes Publikum [Vampirfans die Anne Rice Novels gut finden, Leute die Lost Boys sahen, etc]. Das heißt potentielle Gothics oder Pseudo-Gothics. Abgesehen davon das man es natürlich selbst behauptet, unterstellt auch der RPG.Net (http://www.rpg.net/columns/briefhistory/briefhistory11.phtml) Artikel eine Absicht im Design.
Dazu puhlte man auch recht erfolgreich um sonstige Kundenkreise die bis dahin gehend weniger direkt angesprochen wurden. Also vornehmlich darum weibliche Spieler zum spielen zu bekommen und zumindest wohl später suchte man auch die Anbindung an die HoLeBi Szene.

Insofern halte ich es nicht für gänzlich zufällig oder nicht mehr reproduzierbar.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Hróđvitnir (Carcharoths Ausbilder) am 1.11.2011 | 02:08
Nicht nur zu Beginn des Abends. Was weiß ich, wie und welche Ausrichtung unser Spiel in 10 Monaten haben wird? In 2 Jahren?

Genau genommen brauch ich nicht viele Systeme.

Eines für alles mit bis zu maximal primtiven Feuerwaffen und Kanonen; Magie/Übernatürliches ist optional zuschaltbar: Haussystem
Frühe Neuzeit bis Near-Future, Magie/Übernatürliches ist optional zuschaltbar: Savage Worlds
Science Fiction, Magie/Übernatürliches ist optional zuschaltbar: Traveller Classic, auch wenn ich nicht ganz glücklich bin damit

Das deckt die Genres ab. Ermöglichen müssen Sie jeweils: Kampf, Soziale Interaktion, Investigation, Exploration. Auf mechanischer Seite müssen sie offenkundige Stellschrauben aufweisen, die mir die passenden Konfigurationen für das gewünschte Spielgefühl erlauben.

Ich hab einfach nicht die Lebenszeit, laufend neue Nischenprodukte zu erproben, wenn sich mal ein bißchen was ändert. ("Neues Regelsystem? Wieso, spielen wir nicht mehr die Piratenkampagne." - "Doch, klar." - "So what?!" - "Ihr seid nicht mehr in der Karibik, sondern im Mittelmeer.")
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Xemides am 1.11.2011 | 05:23
Ich habe die 90er wesentlich weniger positiv in Erinnerung, der kalte Krieg war gerade vorbei, die Ökopanik im anrollen und in der Musik wie Popkultur machte sich m.E. auch nicht unbedingt die Heiterkeit breit. Es gab zwar den Techno, aber ebenso Grunge oder Thunderdome.
Auch das Bild das Werke wie der Burton Batman oder nach V:tM Sachen wie Nightmare before Christmas zeichnen ist eher morbide.

Das ist aber ziemlich einseitig. Und dazu n och falksch. Das Ende des Kalten Krieges ist doch was positives gewesen. Und die Ökopanik entstand schon in den frühen Achtzigern (siehe Erfolge der Grünen, Brokdorf-Demos, Startbahn-Ost Demos), Lieder wie Karl der Käfer). Wobei ich das jetzt nicht als Panik sondern als vernünftiges Umdenken bezeichnen würde.

Die Gothic-Bewegung kommt ja auch aus den 80ern. Grunge war ein kurzlebiges Phänomeen.

Die 90er waren das Jahrzehnt der Loveparade, die immerhin hunderttausende nach Berlin zog um sorglos und friedlich zu feiern. Und es gab auch in den 90ern positive Filme, nicht nur Tim Burton und The Crow.

Mir scheint, du hast dich vornehmlich in den depressiven Szenen herum getrieben.

Für mich waren die 90er ein positives Jahrzehnt.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: 6 am 1.11.2011 | 08:27
Nur am Rande:
FATE (und damit Dresden Files RPG) ist ein Indy-Spiel und hat den Geist der Grenzenlosigkeit und ist voll kapagnentauglich...
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Kriegsklinge am 1.11.2011 | 09:44
Um mal zurück zum Thema zu kommen, warum DSA trotz offenkundiger Mängel beliebter als treffgenauer designte Spiele sei:

(http://index.rpg.net/pictures/show-water.phtml?picid=21186)

(http://de.wiki-aventurica.de/images/a/a6/AB_A32.jpg)

Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 1.11.2011 | 12:29

Derartiges Schmalspurdenken im Design engt meine Freiheit als Spieler gewaltig ein.

Die Frage ist aber, ob manche Leute nicht eine ständige Wiederholung strukturell gleicher Abenteuer spielen wollen, und dann auch für längere Kampagnen mit einem dafür ausgerichteten Spielsystem besser bedient wären? Wollen alle wirklich das volle Programm?

Ich nehme jetzt da mal wieder V:tM als Beispiel, da ich genau dort sowas erlebt habe: im Grunde bestand jedes Abenteuer aus einer NSC-Intrige im Hintergrund, welche die SCs durch Gespräche mit anderen Vampiren und mysteriösen Super-NSCs aufklären konnten, um sie dann einer Autorität zu melden, welche die Intrige praktisch verhinderte. Weil es selten funktionierende Konfliktregeln gab, die etwas spielerische Spannung bewirkt hätten, wurde dies meistens erzählerisch abgehandelt.

Mit so einer simplen Struktur, die fast überhaupt keine Variationen hatte, konnten meiner Erfahrung nach Gruppen endlos lange Abenteuerserien "spielen". Das Spielen in Anführungszeichen, weil das System dafür kaum Spielregeln zur Verfügung stellte. Im Grunde besteht diese Struktur nur aus dem Teil, den ich in einem klassischen Fantasyabenteuer (http://tanelorn.net/index.php/topic,71035.msg1427765.html#msg1427765) als Auftragvergabe, Einkaufen + Beinarbeit/Infos sammeln bezeichnen würde. Auf die Aspekte Reise und Dungeonexploration wurde verzichtet, Geheimnis aufdecken/Rätsel lösen erledigte sich im Infos Sammeln-Teil. Belohnung oder Betrug durch Auftraggeber kam manchmal vor.

Jeder Versuch, aus dieser Struktur auszubrechen und "mal was anderes" zu versuchen (z.B. die weiteren Aspekte traditioneller Abenteuer zu verwenden, oder gar seltenere, ungewöhnliche Dinge), war so unattraktiv, dass ich lieber darauf verzichtete, als sie mit den Mitteln der Systeme auszuspielen. Das wurde auch von Spielerseite nicht unbedingt gewünscht!

Wenn man sich eine Gruppe also selbst so beschränken will, warum dann nicht ein System, dass diesen beschränkten Teil des Spiels sehr gut beackern kann?

(Nebeninfo: ich habe mir jetzt vor kurzem esoterrorists/Gumshoe durchgelesen und kann mir gut vorstellen, damit mal wieder etwas in Richtung Urban Fantasy zu versuchen. Aber im Augenblick spiele ich lieber das volle Programm.)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: OldSam am 1.11.2011 | 15:34
Um mal zurück zum Thema zu kommen, warum DSA trotz offenkundiger Mängel beliebter als treffgenauer designte Spiele sei:

Du meinst weil das ganze Material vollständig in deutscher Sprache verfügbar ist? Sicherlich ein wichtiger Vorteil, das stimmt wohl...
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Kriegsklinge am 1.11.2011 | 15:48
Nein, ich meine die Bilder.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 1.11.2011 | 15:49
Nein, ich meine die Bilder.

Bär f*ckt Kuh?

Also ehrlich, das ist dermaßen Geschmacksabhängig und noch dazu weitab von einem Mainstreamgeschmack. Für mich sind beide Bilder absolut uninteressant da sie ncihts aber auch gar nichts darstellen, was mein Interesse weckt.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Achamanian am 1.11.2011 | 15:55
Bär f*ckt Kuh?

Also ehrlich, das ist dermaßen Geschmacksabhängig und noch dazu weitab von einem Mainstreamgeschmack. Für mich sind beide Bilder absolut uninteressant da sie ncihts aber auch gar nichts darstellen, was mein Interesse weckt.

Ich dachte, der Kontrast zwischen echten, bodenständigen tierfressenden Bären und menschenfressenden Zombiebären, denen die Knochen rausgucken, sei gemeint.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Samael am 1.11.2011 | 15:57
Bär f*ckt Kuh?

Ich kenne das Bild jetzt fast 20 Jahre oder so, und SO hab ich das noch nie betrachtet. :)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Dark_Tigger am 1.11.2011 | 16:02
Um mal zurück zum Thema zu kommen, warum DSA trotz offenkundiger Mängel beliebter als treffgenauer designte Spiele sei:

Bär f*ckt Kuh?

Oh mein Gott wie ich hoffe das Kriegsklinge das nicht so gemeint hat. (Wobei ich bin im Internet, all hope is lost)

Irgendwie muss ich da in meiner Zeit was bei DSA übersehen haben.  >;D
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 1.11.2011 | 16:14
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Taschenschieber am 1.11.2011 | 16:17
Das erinnert mich jetzt an ein Meisterwerk aus der Feder Terry Pratchetts: "Wo ist meine Kuh?"
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Kriegsklinge am 1.11.2011 | 16:21
Eigentlich hatte ich mehr so was wie Rumpel im Sinn, aber jetzt sehe ich, dass ihr Recht habt. Tierliebhaber sind für den Erfolg von DSA verantwortlich! Nicht umsonst wird "Zorn des Bären" ja auch immer wieder als besonders "stimmungsvoll" gepriesen. Wer macht ein animiertes GIF, das man als Smiley in jedes DSA-Forum posten kann?

Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 1.11.2011 | 16:24
Eigentlich hatte ich mehr so was wie Rumpel im Sinn, aber jetzt sehe ich, dass ihr Recht habt. Tierliebhaber sind für den Erfolg von DSA verantwortlich! Nicht umsonst wird "Zorn des Bären" ja auch immer wieder als besonders "stimmungsvoll" gepriesen. Wer macht ein animiertes GIF, das man als Smiley in jedes DSA-Forum posten kann?

Es ist doch eindeutig was du meintest und ja, das zielt auch mit auf den Aspekt der Sozialromantik an. Es bedeutet aber mitunetr dass diese Art bildhafter Idylle eh immer nur eine Momentaufnahme der aktuellen Kultur sein kann und somit auch Gefahr läuft in die reine, sinnentleerte Retroschiene zu verfallen.

Assoziationen spielen dabei auch eine ganz starke Rolle und, zumindest bei mir, weckt so ein Bild, in unsortierter Reihenfolge: Jagtmuseeum, Schwarzwaldklinik, Traumschiff, Kuckuksuhr.

Zeig mir hingegen was von Frazetta und alles ist gut.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Dark_Tigger am 1.11.2011 | 16:28
Frag die Jungs auf 4chan dann hast du das GIF in spätestens einer halben Stunde.

Nein im ernst ich muss auch zugeben, ich finde das Bild aus "Zorn des Bären" ansprechender.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Hier zu Lande stehen vermutlich viele nicht so auf die Abgedrehte High-Fantasy welche viele D&D Welten haben.
Sieht man ja auch an dem anderen "alten" deutschen Fantasy RPG.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Funktionalist am 1.11.2011 | 22:40
Wer mag, darf gerne seine längeren Posts, die Ideen sammeln oder sich mit ihnen beschöftigen, auf dem Laufenden halten.

Vielleicht bekommen wir so ein paar Sichtweisen zusammengefasst, die man dann nebeneinander stellen kann.
Ich denke, jetzt wäre ein guter Zeitpunkt dafpr, da die Diskussion nicht mehr ganz frisch, aber noch aktuell genug ist.

Ich gebe auch massig Kudos dafür! ;D
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Hróđvitnir (Carcharoths Ausbilder) am 2.11.2011 | 00:29
Die Frage ist aber, ob manche Leute nicht eine ständige Wiederholung strukturell gleicher Abenteuer spielen wollen, und dann auch für längere Kampagnen mit einem dafür ausgerichteten Spielsystem besser bedient wären? Wollen alle wirklich das volle Programm?

Sicher wirds die geben. Obs eine Minderheit ist, eine bedeutende Minderheit, wer weiß das? Ich kann halt nur für mich sprechen. Wenn ich als Spieler in ein System gehe, wo mir seitens Buch und SL klar gemacht wird, daß meine Optionen limitiert sind, habe ich schon ein echtes Motivations-Problem, weil es Dinge am Tisch ausschließt.  Als SL verwende ich sowas überhaupt nicht, weil meine Sessions die Angewohnheit haben sich durchaus zu verselbständigen. Ein Intrigenspiel kann durchaus so (http://tanelorn.net/index.php/topic,2994.msg1396046.html#msg1396046) enden, und der Fall-Out lenkt das dann thematisch wieder in eine ganz andere Ecke (http://tanelorn.net/index.php/topic,2994.msg1400775.html#msg1400775).

Ich bin in so Situationen immer froh, meine eigene eierlegende Wollmilchsau zu haben. DIe verfügt nämlich neben halbwegs belastbaren Regeln für "sozialen Kampf" auch über Regeln für Nahkampf und für Massengefechte. Da sehe ich in einem allein auf "politische Intrige" durchgestylten System alt aus, sehr alt. Als Konsequenz müßte ich Handwedeln oder meine Spieler blocken. Gerade letzteres wäre in Hinblick auf das Geschehene sehr schade gewesen. Die Kampagne war ursprünglich als verruchtes, städtisches Gemeuchel und Verschwören ausgelegt, jetzt sind wir in den Grenzlanden mit den Themenbereichen Exploration, Dungeons, Wildnis. So, da hätte ich ein Intrigensystem in die Tonne treten und wechseln müssen.

ELWM haben nun mal den großen Vorteil nichts perfekt zu meistern, aber immerhin tragfähige Ansätze zu einer möglichst breiten Palette an Optionen zu bieten. Das ist ihr größter Reiz, denn mit dieser Fülle an regelseitig abgedeckten Möglichkeiten kommt Freiheit, die nicht gehandwedelt oder abgewürgt werden muß.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: korknadel am 2.11.2011 | 08:08
Hier zu Lande stehen vermutlich viele nicht so auf die Abgedrehte High-Fantasy welche viele D&D Welten haben.
Sieht man ja auch an dem anderen "alten" deutschen Fantasy RPG.

Und das ist sehr vielsagend. Das eine Bild -- und viele der verpönten D&D-/Pathfinder-Covers und dergleichen -- signalisiert Action. Darum auch diese Frage zu im Kaufabenteuer-Thread (http://tanelorn.net/index.php/topic,67805.msg1426645.html#msg1426645):

Zitat
Die Szene auf dem Cover, kommt die auch im Buch vor? Ja? Ja? Dann hol ichs.


Es beinhaltet das Versprechen: Da kannst Du mitmischen, in diesen Kampf kannst Du eingreifen, dieses Monster kannst Du erschlagen, wenn Du dieses Abenteuer kaufst/spielst.

Beim DSA-Bären dagegen -- und bei einer Legion von anderen DSA-Coverillustrationen -- sieht es ganz anders aus. Denn da ist die Botschaft: Das kannst Du Dir angucken. Schön, was? Es geht halt nichts über stille Betrachtung und Kontemplation.

In letzter Zeit habe ich auch einigermaßen gestaunt, dass vor allem D&D und Pathfinder, aber auch andere Spiele dieser Couleur, wieder sehr viele Drachen auf den Covern haben. Dazu Recken, die gegen ebenjene Lindwürmer kämpfen. So wie früher. Bei DSA haben waren die Drachen ja eben mit Drachenodem und Drachenchronik auch im Schwang, aber da tauchen sie eigentlich nie als Gegner zum Metzeln auf, sondern als übermächtige NSCs, mit denen man anders klarkommen muss (mit "richtigem, gutem Rollenspiel" eben).

Von daher wage ich, eine weitere These aufzustellen, weshalb DSA bei uns noch immer so erfolgreich ist:

DSA-Spieler sind zu feige, auf andere Settings und Systeme zu wechseln, wo man eventuell in jedem dritten Abenteuer gegen einen Drachen kämpfen muss. Sie haben einfach Schiss vor den Viechern.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Kriegsklinge am 2.11.2011 | 09:58
Zu dem, was korknadel sagt:

(http://www.wiki-aventurica.de/images/f/f7/AB_B21.jpg)

(http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/9/95/S2_White_Plume_Mountain.jpg)

Ich finde, der Vergleich der Titelbilder sagt eine ganze Menge aus, gerade weil sie von Seiten der Macher halb bewusst eingesetzt sind. Bilder senden eben eine Message über das Produkt, aber keine explizite wie ein Werbetext, sondern eine verdichtete. Da wird das Bauchgefühl der Kunden angesprochen. Natürlich erklärt sich die Beliebtheit von DSA nicht allein aus den Covern, aber diese Bilder verdeutlichen etwas über das Spezifische an DSA, gerade, wenn man sie mit anderen Spielen vergleicht. Um es mal etwas expliziter zu machen: Ich finde, die beiden hier gezeigten Cover für DSA transportieren unter Anderem Kantigkeit, Urtümlichkeit, eine gewisse Erdenschwere und zugleich Überwältigung, Überlebensgroßes, das Erhabene, ja, auch Romantische. Korknadel hat außerdem Recht, dass die Kreaturen trotz der Bewegung im Bärenbild statisch wirken, statuesk geradezu. Ein bestaunenswertes Tableau. Im Gegensatz zu den anderen Titelbildern vermitteln diese Umschläge auch nicht gerade "Spiel", es hat wenig Kindliches, Spielerisches, Lustiges, Jungs-Baumhaus-mäßiges. Interessant auch, dass beide DSA-Module das Cover überhaupt nicht einlösen, "Zorn des Bären" ist wirklich ein gemütvolles Dorfschnurpselabenteuer und der "Mantikor" bietet zwar ein Spukhaus, das allerdings von einem witzelnden Koboldkind betrieben wird. Womit wir wieder bei der Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit wären. Ich kann mich erinnern, das mir als Kind gerade diese DSA-Cover wahnsinnig gut gefallen haben und meine Fantasie sehr stark beschäftigt haben. Ich finde, die wirken auch heute noch. Sie versprechen mehr oder weniger, dass sich hinter ihnen eine ganz und gar fremde Welt verbirgt, deren Geheimnisse nie restlos aufgeklärt werden. Also, kurz und gut, DSA ist aus meiner Sicht wegen dieses Versprechens so erfolgreich: Wir bieten dir eine ganze Welt. Ist ja hier auch schon gesagt worden: Die Spielwelt ist der Kern der Marke.

Was man auch nicht vergessen darf ist, dass die ersten Regelauflagen von DSA wirklich funktionale Spiele waren, und zwar, und das halte ich für ganz wichtig, Spiele, die sich wegen ihrer Regelleichtigkeit schnell und einfach driften ließen. Das war damals tatsächlich ein Feature und kein Bug - und ich behaupte, ein wenigstens halb bewusst eingebautes Feature. Jede Gruppe konnte im sozialen Miteinander ihren eigenen Umgang mit der Spielwelt finden, weil mit den wenigen, aber stabilen Regeln leicht zu improvisieren war. Von unbeschwertem Silvana-Gemetzel bis hin zu Hochstimmungsspiel war alles drin. Die siegreiche Kombi war: Schlanke Regeln, Weltbeschreibung, die zunächst viele Andeutungen machte und zum eigenen Austräumen einlud plus suggestiver, romantisch-surrealer Aufmachung. Die vielen Hinweise auf die Macht des "Meisters", das berüchtigte Krokodilbeispiel sind sicher auch vor dieser Folie zu verstehen, als Versuch Einzelner (Kiesow und Wieser vor allem), die Offenheit des frühen DSA durch Vorfantasieren und Ermahnen (so wird´s gemacht, lieber Leser!) irgendwie wieder einzuhegen.

Die Erinnerungen, die viele mit dem alten DSA verbinden, sind deshalb mAn auch keine reine Nostalgie: Damals war tatsächlich ein anderes Spiel möglich, und die Sehnsucht, die sich in der Retro-Welle äußert, geht, glaube ich, auch dahin: Zu einem Spiel, das man wegen seiner schlanken, aber stabilen Regeln leicht durch das Spiel selbst, durch den Prozess entwickeln kann (hinsichtlich Charakteren und Spielwelt). Mit DSA4 (und zunehmend auch schon mit 3) geht das nicht mehr, Improvisation ist da kaum mehr möglich und die Charaktere sollen schon vor Spielbeginn möglichst "ausgestaltet" sein und dann nur noch möglichst glaubhaft "verkörpert".

Von daher wäre eine gute Strategie für ein DSA5 tatsächlich, sich auf alte Stärken zu besinnen, ohne das Bedürfnis nach viel beschriebener Welt und Mon Plaisier-Spiel zu vernachlässigen. Sprich: Regelseitig ein modulares System, das an einen sehr einfachen Kern viele Ausbauteile andocken lässt, gepaart mit einer reichhaltigen Weltbeschreibung, die aber seher viel stärker als Angebot gekennzeichnet ist und vor allem auch wieder Lücken zum Selbst-Erspielen lässt.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 2.11.2011 | 10:15
Um mal etwas dagegen zu hallten:

(http://4.bp.blogspot.com/-aEUho07LnWc/TjpYRq08noI/AAAAAAAABr4/ah1lqQ81_SM/s640/t1-4.jpg)

(http://www.trollandtoad.com/images/products/pictures/116981.jpg)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Kriegsklinge am 2.11.2011 | 10:21
Auch wenn ich das zweite Bild nicht angezeigt bekomme: Es lassen sich sicher eine ganze Reihe Gegenbeispiele finden. Es geht mir auch nicht um eine wasserdichte Theorie, sondern um eine sinnfällige Gegenüberstellung verschiedener Spieleransprachen in der Aufmachung, anhand derer man über Spezifika ins Gespräch kommen kann. Eine Illustration eben.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: 1of3 am 2.11.2011 | 10:28
Also die Eigenschaften, die Kriegsklinge in dem DSA-Bild vernimmt, finde ich zumindest bei dem Temple of Elemental Evil nicht wieder. (Das andere Bild fühlt unsittsam geladen.) Kriegsklinge schrieb:

Zitat
ch finde, die beiden hier gezeigten Cover für DSA transportieren unter Anderem Kantigkeit, Urtümlichkeit, eine gewisse Erdenschwere und zugleich Überwältigung, Überlebensgroßes, das Erhabene, ja, auch Romantische.


Der Tempel des elementaren Bösen wirkt dagegen comichaft.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: korknadel am 2.11.2011 | 11:34
DSA-Spieler sind zu feige, auf andere Settings und Systeme zu wechseln, wo man eventuell in jedem dritten Abenteuer gegen einen Drachen kämpfen muss. Sie haben einfach Schiss vor den Viechern.

Mir ist bei der Überlegung zu dem Cover-Illus eingfefallen, dass dieser flapsigen Bemerkung ein ernstes Element innewohnt, das man mal anschauen könnte.

Ich habe nämlich noch Dutzende weitere DSA-Covers vor meinem geistigen Auge Revue passieren lassen, und selbst bei denen, wo immerhin eine Handlung oder Gefahr angedeutet wird, überwiegt das Statische.

Im Vergleich dazu kann man sich hier (http://paizo.com/pathfinderRPG) ja mal eine Galerie an Pathfinder-Covern anschauen, wo mindestens bei jedem zweiten Cover Helden in Aktion gezeigt werden. Bei DSA-Covern dagegen posen sie sehr häufig (am eindrücklichsten mit Flügelhelm im Bug eines Schiffes) oder liegen auf der Lauer (Wie der Wind der Wüse) oder untersuchen gerade etwas (Steinkreise, Bettler von Grangor), wenn sie überhaupt auftauchen (Questadores). Bewegung kommt bezeichnenderweise gerade dann rein, wenn die Heldenaktion im Davonlaufen besteht (Mehr als 1000 Oger). Aber vor allem geht es bei den Bildern um das Herzeigen von Zuständen, um Betrachtung. Im Übrigen gilt alles, was Kriegsklinge sagt.

Das hat aber noch einen anderen Aspekt, der sehr schön auch den Nachbarthread zu GNS illustriert: Die Pathfinder-Covers erwecken nicht nur das Gefühl, dass man als Held dieser Geschichten tatsächlich gegen Drachen und dergleichen kämpft, sondern auch ein Moment der höchsten Gefährdung. Ob nun auf den Char oder auf die Spielwelt bezogen ist die Aussage häufig: Der nächste Schwertstreich entscheidet (über Leben und Tod). Hier wird eher ein gamistischer Aspekt, nämlich der der Herausforderung hervorgekehrt, und natürlich suggeriert eine solche Szene, dass irgendwer auf dem Blid im nächsten Augenblick tot sein könnte.

Indem der Großteil der DSA-Cover auf solche Momente verzichtet, verströmen sie ein gefühl der Statik, der Sicherheit, der Gewissheit. Die Welt -- Aventurien -- ist so, das ändert sich so schnell nicht. Jedesmal, wenn man einen Blick in diese Märchenwelt wirft, wird sie sich einem wieder als der entrückte, mythische Ort präsentieren, aus dem einem der Mantikor majestätisch entgegenblickt. Helden ändern daran nichts. Am Eklatantesten finde ich das beim Jahr des Feuers, wo selbst Himmelsschlachten als unantastbare historische, legendhafte Ereignisse abgebildet sind -- fern von jeder Heldenbeteiligung. Das krasse Gegenteil zu der Pathfinder-Herangehensweise.

Hier wird der simulationistische Aspekt deutlich betont.

Um aber zur Frage des Erfolgs zu kommen: So albern der Kommentar über die Feigheit war, vermitteln diese Gemälde doch ein Gefühl der Sicherheit und zwar vor allem auf die Spielwelt bezogen. Ich bin fast geneigt zu sagen, dass sich in diesen Bildern auch das drüben im Blubberthread mal wieder angesprochene Phänomen wiederspiegelt, dass viele Leute DSA-Produkte und vor allem -Abenteuer einfach weiterkaufen, auch wenn sie nie zum Spielen kommen. Weil eben nirgends suggeriert wird, dass es hier um die Wurscht geht. Wenn ich Krieger sehe, die gerade zum Schlag gegen einen fletschenden Drachen ausholen, bekommen ich das Gefühl, dass ich das Abenteuer spielen muss, um zu wissen, wie es ausgeht. Bei den DSA-Tableaus habe ich die Garantie, dass es darauf nicht ankommt. Ich kann auf das Geschehen blicken, als wäre es bereits als Legende eingefroren.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Humpty Dumpty am 2.11.2011 | 11:41
Ja, Sr. korknadel, so ist es. Diesen Punkt haben die DSA-Macher übrigens selbst erkannt und aktiv verändert. Siehe unten. Übrigens bin ich nicht nur Fanboy von korknadel-, sondern auch von Kriegsklinge. Lese Euch sehr gerne.

(http://media2.libri.de/shop/coverscans/148/14805302_14805302_xl.jpg)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Samael am 2.11.2011 | 11:42
Das ist ein DSA-Cover? Wow.


EDIT:
Aber der Schwertschinger da muss neben seiner (natürlich erschwerten!) Attacke auch noch Köperbeherrschung +12 testen, sonst stürzt er in die sichere Bewusstlosigkeit.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 2.11.2011 | 11:47
Das ist mal ein ansprechendes Cover!
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Dark_Tigger am 2.11.2011 | 11:58
Aber der Schwertschinger da muss neben seiner (natürlich erschwerten!) Attacke auch noch Köperbeherrschung +12 testen, sonst stürzt er in die sichere Bewusstlosigkeit.
Ach Quatsch der wird von dem Dämon(?) abgefangen falls er stürzen sollte. Ein guter SL sollte einen Charakter schließlich nicht wegen einer solchen nebensächlichkeit wie den Kampf gg einen Dämon sterben lassen. ~;D

Das war übrigens eins der ersten Dinge die mir bei Coverillus aufiehl als ich begann mich von DSA (und auch Midgard) weg zu orientieren. Viele Cover zeigen eine Heldengruppe die gerade im Kampf mit Monstern steht.
Sehr beliebt ist dabei, die Gruppe in erhöhter Position gegen eine Übermacht Gegner kämpft. (zB fast sämtliche Dungeon Slayer Sachen oder Nercopolis 2350)
Bei älteren Sachen zeigen die Illus heufig den Blick durch einen Höhleneingang, über die Schulter der Helden auf ein oder mehrere Monster.
(Auch das ToEE Cover gehört irgendwie dazu)

Das erzeugt wirklich ein anderes Gefühl beim Angucken. Bei den gezeigten (älteren) DSA Covern hat man das Gefühl einen Anblick in eine seltsame andere Welt bekommen zu können.
Bei den anderen hat man das Gefühl sich dazwischen werfen zu müssen.

Das zweite Erzeugt natürlich auch eher das Gefühl sich in Gefahr zu begeben. Das mag sicher auch nicht jeder.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Taschenschieber am 2.11.2011 | 11:59
Regionalspielhilfe. Kein Abenteuer.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 2.11.2011 | 12:04
Regionalspielhilfe. Kein Abenteuer.

Ah, dann wunderts mich nicht.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Dark_Tigger am 2.11.2011 | 12:05
Und trotzdem erzeugt es, im ggs. zu den anderen gezeigten Covern, in mir den Wunsch mein Schwert auzupacken und den Scheivieh in seinen Schuppigen hintern zu treten!
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 2.11.2011 | 12:06
Und trotzdem erzeugt es, im ggs. zu den anderen gezeigten Covern, in mir den Wunsch mein Schwert auzupacken und den Scheivieh in seinen Schuppigen hintern zu treten!

Ach, du meinst.... so richtig mal ein Held sein, was erleben, Action?
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: korknadel am 2.11.2011 | 12:09
Übrigens nur als Nebenbemerkung: Viele gerade der statischen DSA-Cover gefallen mir gut und oft besser als zum Beispiel die Pathfinder-Drachenkämpfe. Das von Questadores finde ich zum Beispiel spitze. Aber das ändert ja an der Wirkung nichts.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 2.11.2011 | 12:10
Übrigens nur als Nebenbemerkung: Viele gerade der statischen DSA-Cover gefallen mir gut und oft besser als zum Beispiel die Pathfinder-Drachenkämpfe. Das von Questadores finde ich zum Beispiel spitze. Aber das ändert ja an der Wirkung nichts.

Aus Neugier: Wenn die PF-Cover nicht von Reynolds wären sondern von einem "realistischeren" Zeichner?

Auf die Schnelle rausgesucht:
(http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/1/13/TSR2015_Dungeons_%26_Dragons_-_Set_2_Expert_Rules.jpg)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: korknadel am 2.11.2011 | 12:14
Aus Neugier: Wenn die PF-Cover nicht von Reynolds wären sondern von einem "realistischeren" Zeichner?

Ich glaube, das hat weniger was mit dem Zeichner zu tun als mit meiner Vorliebe für eher statische Bilder.  :D
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Dark_Tigger am 2.11.2011 | 12:16
Also bei mir ist es definitiv der Animee ähnliche Stil der mir an PF nicht so gefällt.
(Das selbe find ich bei Infinity aber sau cool, seltsam was)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Beral am 2.11.2011 | 12:57
Die Bilder unterscheiden sich noch in einem anderen Aspekt:

Die Drachenkämpfe von D&D spielen mit Allmachtsfantasien. Der Überheld, der es mit allem aufnehmen kann.
DSA ist bodenständiger, "realistischer". Das korrespondiert auch mit den eingeschränkten Einflussmöglichkeiten der SCs auf die Spielwelt.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Zauberelefant am 2.11.2011 | 19:53
Nicht zuletzt hat das die DSA Redax in den 80ern schon "phantastischen Realismus" genannt.
Und vielleicht liegt hier generell der Reiz von DSA/Vampire begründet:

Die Einbildungskraft des Spielers en detail wird nicht überfordert.
Um das mal aufs filmische zu übertragen: Ich find Dune (den von Lynch) und die originale Star Wars Trilogie optisch einfach mal um Längen besser als z.B. Babylon 5 (wobei das die bessere Story hat...). Warum ist das so? Weil die Requisite, Kostüme, Effekte plastischer, mehr zum Anfassen, irgendwie wie hier bei uns wirken...
Das heißt, wenn ich mir einen Star Wars Droiden mit seinem Rost, Beulen, und Schmieröl anschaue, dann wirkt der einfach glaubwürdig. Und bei DSA ist das ähnlich. Die Magie wirkt (und das gerade auch wegen der Regeln, die ja den IT-Vorgang 1:1 abbilden [sollen]) nachvollziehbar, magisch, aber eben als "natürliche" Kraft.
Mein Eindruck ist eben, daß DSA einen Realismus kommuniziert, den andere Fantasy Settings so nicht haben oder gar nicht haben wollen.
Und möglicherweise sorgt bei einem in der Muttersprache erschienenen System der Wiedererkennungswert von Personen, Redewendungen, Orten und Dialekten auch für ein heimeligeres Gefühl.
Anders als WW mit F&S mußte sich DSA nie mit miserablen Übersetzungen herumplagen.

Bei Vampire liegt der Fall ähnlich, die Prämisse "nimm Deine Stadt und spiel damit" haut ja in die selbe Kerbe was Vertrautheit angeht.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 2.11.2011 | 20:08
Nicht zuletzt hat das die DSA Redax in den 80ern schon "phantastischen Realismus" genannt.
Und vielleicht liegt hier generell der Reiz von DSA/Vampire begründet:

Die Einbildungskraft des Spielers en detail wird nicht überfordert.
Um das mal aufs filmische zu übertragen: Ich find Dune (den von Lynch) und die originale Star Wars Trilogie optisch einfach mal um Längen besser als z.B. Babylon 5 (wobei das die bessere Story hat...). Warum ist das so? Weil die Requisite, Kostüme, Effekte plastischer, mehr zum Anfassen, irgendwie wie hier bei uns wirken...
Das heißt, wenn ich mir einen Star Wars Droiden mit seinem Rost, Beulen, und Schmieröl anschaue, dann wirkt der einfach glaubwürdig. Und bei DSA ist das ähnlich. Die Magie wirkt (und das gerade auch wegen der Regeln, die ja den IT-Vorgang 1:1 abbilden [sollen]) nachvollziehbar, magisch, aber eben als "natürliche" Kraft.
Mein Eindruck ist eben, daß DSA einen Realismus kommuniziert, den andere Fantasy Settings so nicht haben oder gar nicht haben wollen.
Und möglicherweise sorgt bei einem in der Muttersprache erschienenen System der Wiedererkennungswert von Personen, Redewendungen, Orten und Dialekten auch für ein heimeligeres Gefühl.
Anders als WW mit F&S mußte sich DSA nie mit miserablen Übersetzungen herumplagen.

Bei Vampire liegt der Fall ähnlich, die Prämisse "nimm Deine Stadt und spiel damit" haut ja in die selbe Kerbe was Vertrautheit angeht.


Ich wollte jetzt gerade richtiggehend lyrisch und farbenfroh loslegen, dann habe ich den Text nochmals gelöscht, da bei mir die Erkenntnis über deinen text nochmals richtig ankam: Also phantasielose Kleingeister.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 3.11.2011 | 18:29
Als Anmerkung zu den Covern, zumindest behauptet White Wolf, das das Cover von Vampire: Die Maskerade absichtlich gesetzt respektive geplant war. Das heisst man wollte sich optisch von den bis dahin ueblichen Rollenspiel-Covern, bei welchen entweder kaempfende Gruppen zu sehen waren oder eben zumindesten Objekte, abheben.

Ich persoenlich glaube das hierbei ein solch neutrales Cover, oder eben eins mit einer gewissen Statik, durchaus viel Raum fuer die persoenliche Kreativitaet beziehungsweise Einbildungskraft gibt. Schliesslich gibt es nicht in gewisserweise eine Handlung vor, sondern ueberlaesst es den Betrachter sich auszumalen was passiert, was er damit assoziert oder im Fall der Charaktere welche Objekte betrachten, was diese denken und ob es Identifikationsfiguren, Antagonisten oder nur Nebendarsteller sind.

Ich mein, wenn auf dem Cover ein Baer ist, und Helden die ihn umbringen, dann hat man vermutlich genau das zu tun.
Wenn da auf dem Cover ein Baer mit einer gerissenen Kuh ist, muss man sich selbst ueberlegen was man damit tun will.
Den Baer killen?
Den Baer besaenftigen / umsiedeln? Ist immerhin zornig, laut Titel.
Dem Bauer der die Kuh verloren hat wieder auf die Beine helfen?
Den Baer eine neue Kuh fuer seine offenbar perversen Neigungen besorgen?


Zumindest bei Vampire war auch der Effekt beabsichtigt das die Spieler die fikitive Welt auf ihre eigene Lebenssituation uebertragen koennen. Das heisst das es gerade Angesichts der Maskerade die theorethische Moeglichkeit bestuende das es tatsaechlich Vampire gibt und diese nur aus den Schatten heraus agieren. Wie die Illuminaten, nur eine ganzes Stueck persoenlicher, da der Mythologie nach jeder ein Vampir werden kann. Wohingegen Illuminat zu werden den Mythos der Illuminaten zerstoert. Ich persoenlich nenne es den "Outer Limits"-Effekt.
Imho schraenkt es nicht die Phantasie ein, weil um das zu schlucken was einem V:tM als Spielwelt Fakt verkauft brauch man doch Phantasie, sondern schafft nur eine natuerliche Form der Anbindung. Ohne dem Spieler entgegen zu werfen das er seinen Charakter gefaelligst als Teil einer Heldengruppe vorzustellen hat, die dem Cover gleich, gerade einen Drachen erlegt.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Lord Verminaard am 4.11.2011 | 10:03
@ Coldwyn: Phantasielose Kleingeistigkeit vs. infantile Allmachtsphantasie, fang schon mal an, die Schützengräben auszuheben! Ich sag mal: Powergamer sind gar keine richtigen Rollenspieler. ;D

@ alle: Interessante Beobachtungen! In dem Zusammenhang macht dann auch "Töpfern 3" eben Sinn. Ganz ohne Witz. :)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Blechpirat am 4.11.2011 | 10:04
/me fährt laut tuckernd mit der Stalinorgel vor: "Bin ich hier richtig?"
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 4.11.2011 | 14:17
Zitat von: Hróðvitnir
Derartiges Schmalspurdenken im Design engt meine Freiheit als Spieler gewaltig ein.
Die Frage ist aber, ob manche Leute nicht eine ständige Wiederholung strukturell gleicher Abenteuer spielen wollen, und dann auch für längere Kampagnen mit einem dafür ausgerichteten Spielsystem besser bedient wären? Wollen alle wirklich das volle Programm?
Ich zweifele daran das Leute sich staendige Wiederholungen strukturell gleicher Abenteuer wuenschen und Spielsysteme danach auswaehlen das das ewig gleiche - und nur das - in epischer Kampagnen Form ausgewaelzt wird.

Zumal sich etwaige Vorlieben fuer einen entsprechenden strukturellen Abenteuerstil, wenn ueberhaupt, erst aus der Zusammenstellung der Gruppe sowie den aktiven Erfahrungen im Spiel ergeben.

Zitat
Ich nehme jetzt da mal wieder V:tM als Beispiel, da ich genau dort sowas erlebt habe: im Grunde bestand jedes Abenteuer aus einer NSC-Intrige im Hintergrund, welche die SCs durch Gespräche mit anderen Vampiren und mysteriösen Super-NSCs aufklären konnten, um sie dann einer Autorität zu melden, welche die Intrige praktisch verhinderte.
Ich wuerde zu behaupten wagen das dies an deiner spezifischen Gruppe lag und nicht an Vampire die Maskerade
Das heisst du kannst m.E. nicht unterstellen das jeder Spieler von V:tM Intrigen Abenteuer spielen moechte oder versucht zu spielen.

Ich persoenlich habe in den letzten drei Jahren, in denen ich woechentlich V:tM spiele, wo ich denke mittlerweile um die fuenfzehn Abenteuer zusammen kommen, eher mehr, wenn ich mich richtig erinnere nicht mehr als zwei Intrigen-Abenteuer gehabt. Nun und in der Zeit davor eher noch weniger. Auch die amerikanische Chronik in der ich spiele funktioniert nicht nach diesem Prinzip. Vielleicht koennte die Tischrunde reinpassen, wobei wir dort nach zwei Sitzungen noch nicht viel intrigiert haben.

V:tM gibt imho nicht vor das die Gruppen Intrigen spielen soll, ob sie nun Detektiv Sachen spielen soll, sich Kaempfen hingeben, Action suchen oder auf Mystery machen. Wie sehr es Horror sein muss, welche Art der Horror zu sein hat und was nun mit persoenlich gemeint ist, ob man das annimmmt. Es schreibt einem nicht mal vor ob die Figuren Helden sind, Vigilanten, Monster oder "Ottodurchschnittsvampire".

Wobei eine Gruppe die in einem Thema Befriedigung findet, wohl dazu neigen wird es zu wiederholen. [Ebenso ist es moeglich das man es haelt wie an einem Bueffet]

Zitat
Weil es selten funktionierende Konfliktregeln gab, die etwas spielerische Spannung bewirkt hätten, wurde dies meistens erzählerisch abgehandelt.

Es gibt durchaus Konfliktregeln, die sind zwar rudimentaer, und man wird vom Buch aufgefordert selbst Hand anzulegen, aber es gibt sie. Man hat soziale Attribute, soziale Fertigkeiten, soziale Disziplinen und dazu ein Wuerfelsystem.

Das heisst imo ist das System nicht schlechter fuer Intrigen geeignet, als fuer Action, Recherche oder Kaempfe.

Zitat
Jeder Versuch, aus dieser Struktur auszubrechen und "mal was anderes" zu versuchen (z.B. die weiteren Aspekte traditioneller Abenteuer zu verwenden, oder gar seltenere, ungewöhnliche Dinge), war so unattraktiv, dass ich lieber darauf verzichtete, als sie mit den Mitteln der Systeme auszuspielen. Das wurde auch von Spielerseite nicht unbedingt gewünscht!
Das mag sein, gerade bei Online Chroniken behaelt man auch eine Spielweise bei.
Allerdings probieren wir in der Skype Runde je nach Gusto alles moegliche aus.
Nun und bei dem Baali, den wir im letzten Abenteuer in einem Anfall aufrecht-vampirischen Vigilantentum, geplaettet haben, war keine Intrige involviert oder haette ein Super-NSCs die den Job fuer einen machen.
[Und der Kampf wurde offen gewuerfelt und war potentiell sehr toedlich]

Zitat
Wenn man sich eine Gruppe also selbst so beschränken will, warum dann nicht ein System, dass diesen beschränkten Teil des Spiels sehr gut beackern kann?
Weil man, selbst wenn man sich so beschraenken will, selten vorher weiss welche Schranken gewuenscht sind. Wieso sollte jemand der einen Vampir spielen will, unbedingt Intrigen wollen? Vielleicht hat der gerade davor Kate in Underworld beim schnetzeln zugesehen und mag nun auch einen Katana Vamp mit Latexfetish haben?

Nun und dann schreibst du doch das ihr versucht habt auszubrechen.
Wolltet ihr da wirklich noch Intrigen spielen? Wohl eher nicht?
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Achamanian am 4.11.2011 | 14:30
Ich zweifele daran das Leute sich staendige Wiederholungen strukturell gleicher Abenteuer wuenschen und Spielsysteme danach auswaehlen das das ewig gleiche - und nur das - in epischer Kampagnen Form ausgewaelzt wird.

(...)

Weil man, selbst wenn man sich so beschraenken will, selten vorher weiss welche Schranken gewuenscht sind. Wieso sollte jemand der einen Vampir spielen will, unbedingt Intrigen wollen? Vielleicht hat der gerade davor Kate in Underworld beim schnetzeln zugesehen und mag nun auch einen Katana Vamp mit Latexfetish haben?


Das lässt sich so nicht verallgemeinern. Ich spiele mit zwei Gruppen, und in beiden klären wir tendenziell sehr genau, was für einen Spielstil wir uns vorstellen, ehe wir eine Kampagne anfangen. Ich für meinen Teil habe einfach keine Lust mehr, meine Zeit beim Rollenspiel mit Frust und rumgeeiere zu verschwenden, weil man sich vorher nicht mal kurz darüber unterhalten hat, ob man sich jetzt gerade einfach spielzentriert durch den Dungeon fräsen, gemeinsam eine tolle Geschichte erzählen, eine epische Weltrettung mit weitgehend gesteuertem Plot durchziehen oder mit offenem Ausgang die total schräge Atmosphäre der Alten Welt erleben will. Wenn sich dann noch ein passendes System findet, ist das besonders schön. In keinem dieser Fälle passt DSA allerdings vom System her besonders gut (und wir spielen es trotzdem aus Gewohnheit ...)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 4.11.2011 | 14:57
Das lässt sich so nicht verallgemeinern. Ich spiele mit zwei Gruppen, und in beiden klären wir tendenziell sehr genau, was für einen Spielstil wir uns vorstellen, ehe wir eine Kampagne anfangen.
Dafuer muss man Rollenspiele jedoch bereits kennen und sich seines Spielstil sowohl bewusst sein, als auch einen derart festgelegten Spielstil haben, wie auch in der Lage das Produkt entsprechend der Umsetzung des Spielstil einzuschaetzen.

Wenn ein jedoch Rollenspiel-Neuling, im Laden Rollenspiele sieht, wird er nicht nach Spielen suchen die einen bestimmten Spielstil bedienen. Wahrscheinlicher wird er sich nachdem jeweiligen Thema orientieren.
Das heisst welche Systeme versprechen:
Fantasy
Vampire
Chuthulu
Science Fiction
etc.

Das wird dann gegriffen, pimaldaumen ueberblaettert ob sich das Thema dort wieder findet, und es im Idealfall gekauft und zu Freunden geschleppt.
Positiverweise werden die Freunde entsprechend sozialisiert sein. Das heisst
Eine Gruppe weiblicher Fans die Interview mit einem Vampire wegen Lestat/Louie sahen.
Eine Gruppe gemischter Fans die Underworld cool fanden.
Eine Gruppe gemischter Fans die "Let the righ one in" anspruchsvoll fanden.
Eine Gruppe maennlicher Fans die 30 Days of Nights gut fanden.
Eine Gruppe gemischter Fans die Watchmen gut fanden und das ganze gerne with Fangs haetten.
etc. etc. pp.

Und denen verspricht WW allen das sie mit V:tM ein tolles Vampire-Rollenspiel in den Haenden halten. Waere ja auch schlimm wenn nicht.
Weil dann wuerde sich der abgelehnte und beim Kauf des Produkts betrogen fuehlen.
Zumal es ja auch Mischformen gibt, also Leute die z.B. alle vier Filme total klasse fanden.

Ein System das sich auf einen Spielstil konzentriert, verprellt dort imho die Spieler Packweise.
Im schlechtesten Fall vom ganzen Hobby Rollenspiel.
Zitat
In keinem dieser Fälle passt DSA allerdings vom System her besonders gut (und wir spielen es trotzdem aus Gewohnheit ...)
Was fuer mich heisst das es ausreichend passt.
Mal mehr mal weniger ausreichend, aber es ist machbar.

Wuerde DSA so richtig gut den Dungeoncrawl koennen, man haette sich aber beim absprechen auf Atmossphaere/Setting-Erforschung geeinigt, dann haette man ein Problem. Dann wuerde DSA nicht nur nicht mehr besonders gut passen, sondern gar nicht.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Zauberelefant am 5.11.2011 | 00:28
Zitat
Wuerde DSA so richtig gut den Dungeoncrawl koennen, man haette sich aber beim absprechen auf Atmossphaere/Setting-Erforschung geeinigt, dann haette man ein Problem. Dann wuerde DSA nicht nur nicht mehr besonders gut passen, sondern gar nicht.

Das könnte womöglich gar des Pudels Kern sein. In dem Blog, der ja die ganze Debatte mit angestoßen hat, war ja auch die Rede davon, daß DSA spieldesignerisch alles verkehrt macht: Daß die Regeln mit dem Fluff und der kreativen Agenda nur sehr mittelbar zu tun hätten. Das würde nicht zusammengehen, weil die Regeln arg simulationistisch seien und der Spielstil, den die Redax propagiert, mehr in Richtung Story um jeden Preis ginge.
Das Fazit lautet also: wie um alles in der Welt kann sowas geflickschustertes Spaß machen?

Antwort: Weil für jeden was dabei ist. Die Regeln sind sperrig und unflüssig, ja - aber das stört den Charakterdarsteller nicht. Der freut sich stattdessen an der Spielwelt.
Der Sim-Spieler freut sich über den Detailgrad, fängt aber vielleicht nichts mit der Interaktion mit einer plastischen Spielwelt an.
Man muß das wohl so sehen, daß die vielen Fans die offensichtlichen Schwächen (aus der GNS-Perspektive, wohlgemerkt, also ein dysfunktionales Gesamtsystem, weil die Einzelkomponenten nicht zusammenwirken, sondern irgendwie seperat wirken) verkraften können, weil sie die Vorzüge und nicht die Nachteile sehen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Funktionalist am 5.11.2011 | 00:48
Also böse formuliert (ohne dass ich jetzt persönlich werten will):
Man kann sich aus solchen verkappten Baukästen die Kirschen herauspicken und wird auch dazu gezwungen, wenn man sich erstmal nach der Kaufentscheidung auf das Produkt festgelegt hat.

Quasi Bananenware, die beim Kunden reift.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 5.11.2011 | 02:30
Das heisst imo ist das System nicht schlechter fuer Intrigen geeignet, als fuer Action, Recherche oder Kaempfe.

Den Satz kann ich voll unterschreiben, nach meiner Meinung war das System (präziser: das Regelwerk) für gar nichts gut geeignet, und wir haben es nur wegen der Welt gespielt, und selbst da lief es nur auf der kleinen Bandbreite "Intrigengeschichten" gut - oder zumindest nicht so schlecht, dass es wirklich massiv störte (wie massiv, hing vom SL ab). Ich hab in den 90ern auch wirklich eine Menge Mist mitgespielt.

Die andere These, dass Neulinge sich ein RSP nach Setting/Genrevorlieben aussuchen, und nicht nach interessanter Spielmechanik, halte ich auch für zutreffend. Wären V:tM oder DSA klassische Western oder (echte) Superheldenrollenspiele (V:tM ohne Darque) gewesen, wären die in Deutschland nur in den Läden verstaubt.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 6.11.2011 | 15:46
Das könnte womöglich gar des Pudels Kern sein. In dem Blog, der ja die ganze Debatte mit angestoßen hat, war ja auch die Rede davon, daß DSA spieldesignerisch alles verkehrt macht: Daß die Regeln mit dem Fluff und der kreativen Agenda nur sehr mittelbar zu tun hätten. Das würde nicht zusammengehen, weil die Regeln arg simulationistisch seien und der Spielstil, den die Redax propagiert, mehr in Richtung Story um jeden Preis ginge.
Das Fazit lautet also: wie um alles in der Welt kann sowas geflickschustertes Spaß machen?

Antwort: Weil für jeden was dabei ist. Die Regeln sind sperrig und unflüssig, ja - aber das stört den Charakterdarsteller nicht. Der freut sich stattdessen an der Spielwelt.
Der Sim-Spieler freut sich über den Detailgrad, fängt aber vielleicht nichts mit der Interaktion mit einer plastischen Spielwelt an.
Man muß das wohl so sehen, daß die vielen Fans die offensichtlichen Schwächen (aus der GNS-Perspektive, wohlgemerkt, also ein dysfunktionales Gesamtsystem, weil die Einzelkomponenten nicht zusammenwirken, sondern irgendwie seperat wirken) verkraften können, weil sie die Vorzüge und nicht die Nachteile sehen.

Ich entführe diesen Beitrag jetzt nochmal ganz zurück zum Anfang:
Niemand hat behauptet dass DSA keinen Spaß machen kann oder den Leuten die Spaß daran haben diesen als Hirngespinnst abgesprochen.
Es ist auch nicht der Ansatz viel im Spiel bieten zu wollen, der einen Haken hat.
Ich lehne mich jetzt mal etwas aus dem Fenster indem ich sage der Artikel im Wolkenturm war für sich schon (weitestgehend) gut und richtig, greift aber an falscher Stelle an.
DSA ist genau die Art von Mainstream-RPG mit Alleskönneranspruch wie alle anderen auch. Deswegen macht es Spaß.

Eigentlich hätte die Frage sein sollen: Mit den gewonnen Erkenntnissen, wie könnte man dafür sorgen dass DSA mehr Spaß macht?
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Yehodan ben Dracon am 6.11.2011 | 17:08
Das unterstütze ich.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Boba Fett am 6.11.2011 | 17:26
Eigentlich hätte die Frage sein sollen: Mit den gewonnen Erkenntnissen, wie könnte man dafür sorgen dass DSA mehr Spaß macht?

Ich wage mal einen Versuch mit einer These...

Bisher hat sich die DSA Redaktion mit dem "systemintegrierten Alleskönneranspruch" immer auf Spielwiesen gestürzt, die letztendlich aus einem Genre oder einer Geschichte abgekupfert waren.
Das ist per se nichts negatives, aber es wurde sich ausschliesslich darum bemüht, diese Komponenten (Mantel und Degen im lieblichen Feld, Wikinger, klassische Fantasy, Harry Potter Borbarad Kampagne) zu integrieren, dass kein Engagement in andere Felder investiert wurden.
Mit den gewonnenen Erkenntnissen, sollte man ein DSA schaffen können, das vor allem eines kann: Unterschiedliche Spielvorlieben regeltechnisch zu unterstützen ohne dass die Regel-passagen sich gegenseitig im Wege stehen, behindern oder ad absurdum führen.
Mit Spielvorlieben meine ich die typischen Varianten "gamistischen" Spiels, Storyteller und dergleichen oder gern auch die Unterteilungen, die Robin Laws gezeichnet hat aber eben auch gern die Dinge, die in deutschen Theorien (Barbie Gaming) entstanden sind. Welchen dieser Ansätze man verfolgt ist gar nicht so relevant, viel wichtiger finde ich, dass man die Erkenntnisse, dass unterschiedliche Erwartungen, Vorlieben und Bedürfnisse an wertgleichen Spielarten existieren aufgreift, dies Thematisiert und ins System integriert.
Es darf auch gern klare Absagen gemacht werden (zB "DSA wird kein gamistischen Ansatz haben, wer das will soll PF spielen"), aber letztendlich sehe ich den Alleskönneranspruch heutzutage auf dieser Ebene relevant und nicht mehr auf der "wir müssen jedes Genre integrieren".
Denn das Setting Aventurien ist dazu ohnehin ausgefeilt genug.

DAS wäre mein Ansatz zu Deiner Frage.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 6.11.2011 | 17:38
Mit den gewonnenen Erkenntnissen, sollte man ein DSA schaffen können, das vor allem eines kann: Unterschiedliche Spielvorlieben regeltechnisch zu unterstützen ohne dass die Regel-passagen sich gegenseitig im Wege stehen, behindern oder ad absurdum führen.

Allerdings sollte man sich auch die Frage stellen, ob Regelvorlieben auch unabhängig von Spielstilvorlieben gesehen werden können. Ich mag z.B. recht gern schnelle, einfache, eindeutige & aussagekräftige Regeln, die sehr viel verregeln oder sehr weit in die Spielwelt hineinreichen, dafür auch etwas grobkörnig sein dürfen. Solche Spiele könnten sich aber für mehr als eine Spielvorliebe qualifizieren.

DSA in seiner gegenwärtigen Form kann vielleicht auch mehrere Vorlieben mit einem Satz optionaler Regeln bedienen, aber kann es wieder einfach & elegant werden?
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Boba Fett am 6.11.2011 | 17:56
ynas:
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Das geht aber schon sehr in ein Detail. Ich wollte eigentlich erst einmal eine grobe These vorstellen und zur Diskussion stellen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: D. M_Athair am 6.11.2011 | 18:02
DSA in seiner gegenwärtigen Form kann vielleicht auch mehrere Vorlieben mit einem Satz optionaler Regeln bedienen, aber kann es wieder einfach & elegant werden?
Theoretisch. Dafür müsste der didaktische Aufbau von DSA aber völlig umgekrempelt werden. BEAM-D&D, bzw. Dragon Age statt Rolemaster-GURPS mit verbautem Setting.

Oder: Was Boba schreibt.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Zauberelefant am 6.11.2011 | 22:29
+1 für die vorangegangenen Beiträge.
Ein simpler schneller Kernmechanismus, optionale Sets an Regeln für bestimmte Spielansätze/Spielertypen/Charaktere, das wärs.
Wenn es gelänge, die Regeln mal ohne ausufernde Buchhaltung, echt oldschoolige Konfliktabwicklung und diese Unmengen an Situationsmodifikatoren (Beschwörungen anyone?), es sei denn als wirkliche Option und nicht verkappte "sollte man doch mit spielen, sonst isses langweilig/nicht mit den Kernregeln abwickelbar" zu schreiben - bingo.

Ich würde mich sogar dazu versteigen, zu behaupten, DSA käme auch ohne drei Würfe pro Talentprobe oder AT-PA-System aus. Nur der W20 gehört dann wohl doch wirklich dazu.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: korknadel am 7.11.2011 | 07:20
Ich würde mich sogar dazu versteigen, zu behaupten, DSA käme auch ohne drei Würfe pro Talentprobe oder AT-PA-System aus. Nur der W20 gehört dann wohl doch wirklich dazu.

Na ja, es gibt ja eine offen und laut bekennende Fraktion gegen die 3W20-Probe, allerdings stellt die meiner Beobachtung nach eine Minderheit dar.

Damit sind wir aber zum einen wieder beim Threadthema, zum anderen bei dem schon oft besprochenen Punkt: Wie so vieles bei DSA suggeriert auch die 3W20-Probe etwas, was zum Erfolg beiträgt, ohne es tatsächlich in vollem Umfang einzulösen. Und zwar ist es die "Differenzierung". Das "Gefühl", dass eine solche Probe viel mehr abbildet und quasi-realistisch den tatsächlichen Gegebenheiten Rechnung trägt als eine "einfache" Probe, womöglich sogar eine auf nur ein einziges Attribut. Dass das nachher im Spiel meist genauso auf eine ähnliche Verteilung von Erfolg und Misserfolg ohne großen -- auch wieder quasi-realistischen -- erzählerischen Mehrwert hinausläuft, ist unerheblich. Eine einfache Attributs-Fertigkeitsprobe "fühlt" sich eben nicht so "detailliert" an. Und dieses "Gefühl" allüberall ist für die Beliebtheit von DSA sicher enorm wichtig.

Dazu passend ja die Anekdote meiner kürzlichen WFRP3rd-Runde mit alten, eingefleischten DSA-Spielern, die allerdings sehr wohl über so machen Aspekt vor allem der DSA-Regeln schimpfen. Die fanden WFRP3rd "amerikanisch" (als synomym für wenig gedankentief, idiotentauglich, oberflächlich). Der Umfang der Regeln und die Menge der Quellenbücher bei DSA allein sind Qualitätsmerkmal und zeugen von deutscher Gründlichkeit und von überragendem Dichter- und Denkertum. Das vermittelt DSA trotz all seiner durchaus sichtbaren Fehler. Lieber etwas ganz tief durchdrungenes Fehlerhaftes als ein oberflächlich Funktionierendes.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 7.11.2011 | 12:18
Der Umfang der Regeln und die Menge der Quellenbücher bei DSA allein sind Qualitätsmerkmal und zeugen von deutscher Gründlichkeit und von überragendem Dichter- und Denkertum. Das vermittelt DSA trotz all seiner durchaus sichtbaren Fehler. Lieber etwas ganz tief durchdrungenes Fehlerhaftes als ein oberflächlich Funktionierendes.

Dabei hat WHFRPG(3) doch ziemlich viele Regeln und löst einiges äußerst kleinschrittig auf. Die Präsentation der Regeln auf Karten und die durchgängige Würfelsystematik vereinfachen lediglich die Buchhaltung. Aber irgendwie scheint für echte DSAler das Suchen im Regelwerk und Interpretieren desselben ein wichtiger Spaßfaktor beim RSP zu sein.

Theoretisch. Dafür müsste der didaktische Aufbau von DSA aber völlig umgekrempelt werden. BEAM-D&D, bzw. Dragon Age statt Rolemaster-GURPS mit verbautem Setting.

Dragon Age hat wohl (so hat es mir ein Freund erzählt, der sich mit einem DSA Meister darüber unterhalten hat) für DSA-Spieler eine leider zu wenig ausgebaute Welt. Also muss dieses (auch in meinen Augen) verbaute Setting eine weitere DSA-Spaßquelle sein.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 7.11.2011 | 13:37
Ich wuerde es nicht als Bananenware bezeichnen.
Weil das Produkt nicht zwingend beim Kunden reift.

Es veraendert schliesslich nicht seine Qualitaet, dadurch das die Kunden es laenger spielen, sondern es wird auf eine bestimmte Art und Weise wahrgenommen.
Wenn jemand vor der Lektuere von V:tM die Anne Rice Buecher gelesen hat ist es, ohne Arbeit oder einen Reifungsprozess, moeglich das Rollenspiel derart zu verstehen das es der eigenen Vorstellung entspricht.
Wenn jemand vor der Lektuere von V:tM den Film "Lost Boys" gesehen hat, ist es ebenso ohne Arbeit oder einen Reifungsprozess moeglich das Rollenspiel derart zu verstehen das es der eigenen Vorstellung entspricht.

Wobei das Regelwerk beiden, sowohl den Anne Rice als auch den "Lost Boys" Anhaengern das Gefuehl gibt das ihre Betrachtung die richtige ist. Man erhaelt allethalben das Versprechen das man es machen darf, teilweise die Aufforderung das man es machen soll und ebenso die Fakten welche eine entsprechende zusaetzliche Sicherheit vermitteln.
Das fuehrt dazu das sich die Rice Fans mit den Boys bewoellen, platte SuperHereos with Fangs versus Rueschen tragende Schwuchteln, aber die Identifikation ist gegeben und man kann weiter an seiner Vorstellung festhalten.


Wenn man nun ein Regelsystem nimmt das Modular ist, und das ganz offen anspricht das zwischen "Lost Boys" und "Interview mit einem Vampire" oder "Blade" riesige Welten liegen, das man es sich doch mit dem Baukastenset basteln sollte, geht die imo wichtige Identifikation das das Regelwerk einen selbst bedient [und nicht die elenden anderen] verloren. Nun und wenn man dann noch Fakten wegnimmt, muss man erstmal anfangen zu "arbeiten", bevor man spielen kann.

Zitat von: Tuempi
Die andere These, dass Neulinge sich ein RSP nach Setting/Genrevorlieben aussuchen, und nicht nach interessanter Spielmechanik, halte ich auch für zutreffend. Wären V:tM oder DSA klassische Western oder (echte) Superheldenrollenspiele (V:tM ohne Darque) gewesen, wären die in Deutschland nur in den Läden verstaubt.
Wenn man ein Western oder ein Superheldenrollenspiel aehnlich universell aufgezogen haette, denke ich, haette bzw. hat es eine aehnliche Erfolgschance gehabt.

Die Kunst waere halt beim Western von Stan&Laurel Klamauk, Lucky Luke, John Wayne bis zu Spiel mir das Lied vom Tod alles in ein Rollenspiel zu packen, ohne eine Aussage zu treffen welches nun das beste ist.
 
Zitat von: Coldwyn
Niemand hat behauptet dass DSA keinen Spaß machen kann oder den Leuten die Spaß daran haben diesen als Hirngespinnst abgesprochen.
Naja, Forge seitig wird in Bezug auf V:tM durchaus von Braindamage gesprochen.
Auch kann man imho unterstellen das wenn mehr als ein doppeltes Dutzend dysfunktionaler Aspekte aufgelistet wird, der Verdacht naheliegt das es ernsthaft kaputt ist. Bei zwei bis drei dysfunktionalen Sachen, vielleicht bei zehn, koennte man annehmen das der Rest noch klappt und Spass macht. Aber bei mehr als 20?

Zitat
Eigentlich hätte die Frage sein sollen: Mit den gewonnen Erkenntnissen, wie könnte man dafür sorgen dass DSA mehr Spaß macht?
Das Problem ist das die gewonnen Erkenntnis von einem unzureichenden Modell ausgeht, welches nicht in der Lage ist das Grundkonzept zu erfassen.

Der Alleskoenneranspruch, das heisst sowohl SIM als auch GAM und NAR anzusprechen, ist in dem Modell nicht vorgesehen. Wie der Artikel ausfuehrt betrachtet die GNS die einzelnen Agenden derart seperat als das man von gaenzlich unterschiedlichen Spielen aus geht.
Man kann einfach nicht Skat mit UNO kombinieren.
Die Vorstellung das jemand Karten sieht und sich erst danach entscheidet ob er Skat oder UNO spielt, vielleicht beides vermischt oder mit dem selben Kartenset beides alternierend oder gemischt spielt, ist nicht vorgesehen.

Insofern glaube ich das man mit den "gewonnen Erkenntnissen" aus dem Artikel keine Spassmehrung bei DSA erreichen kann.

Zitat von: Boba
Es darf auch gern klare Absagen gemacht werden (zB "DSA wird kein gamistischen Ansatz haben, wer das will soll PF spielen"), aber letztendlich sehe ich den Alleskönneranspruch heutzutage auf dieser Ebene relevant und nicht mehr auf der "wir müssen jedes Genre integrieren".
Man soll den eigenen Fans, die bisher DSA mehr oder weniger herausfordernd spielen sagen das sie sich ein Konkurrenz Produkt zu kaufen sollen, respektive das man sie nicht mehr will? Wie kriegt man das dann mit einem RPG unbeleckten Fantasy Fan hin? Der vielleicht mehr oder weniger GAM spielen wollte (instinktiv, ohne Beschaeftigung mit der Theorie), und dann sowas hoert?

Ich halte den Anspruch auf seinem Gebiet das heisst dem entsprechenden Grundgenre alles zu koennen (Spielweisen wie Subgenre) fuer nach wievor relevant.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 8.11.2011 | 10:21
@Teylen:
Wenn Forge-Seitig von Braindamage gesprochen wird, mag das zutreffen. Ebenso mag dann zutreffen dass ein Laie die Essays dort gar nicht erst verfolgen wird, wohingegen jemand, der die Inhalte der Essays schon länger verfolgt hat, darin valide Diskussionspunkte sieht.
Es liegt eher der Verdacht nahe dass ein Uninteressierter deine 20+ Punkte an Braindamage gar nicht finden wird, ein Interessierter sie verstehen wird und sich darüber nicht wundert.
Ich unterstelle dir jetzt einfach mal Fanboi-Scheuklappen. Kaum wird etwas Negatives über dein geliebtes Spiel geäußert, machst du dicht.

Es wurde vorhin schon mal erwähnt: GNS hat nur mit Zielen, Retrospektive und Analyse zu tun. Ohne die Big Game Theorie hat sie weder Sinn noch Bestand.
Natürlich ist dann auch kein Alleskönneranspruch vorgesehen, ja wie denn auch?
Nehmen wir dein heißgeliebtes VtM: Die Regeln alleine sind nichts, machen nichts, tun nichts und haben an dieser Stelle nichts mit GNS oder Big Game zu tun. Um es ganz salopp zu sagen, mit den Regeln kann man mehr oder weniger alles machen, sie sind nicht mehr als ein Gerüst das bestimmte Spielweisen mehr oder weniger gut unterstützt. Noch reden wir nicht von GNS, können das ja auch gar nicht.
Erst wenn ich eine Anleitung dazu reiche, wie ich mir vorstelle dass das Spiel funktioniert, welcher Modus Ludi bedient werden soll, kristallisiert sich etwas heraus.
Die Aussage bei VtM ist doch dreierlei: Ich soll die düsteren und existenziellen Seiten meines Charakters erforschen, ich soll die Konflikte meines Charakters erforschen, ich soll mein Vampir-Dasein in der WoD erforschen.
Bisher hat man nur den einen, allen Rollenspielen zugrunde liegenden Aspekt: Exploration.
Wofür man sich jetzt hauptsächlich entscheidet ( Social Contract…) ist für GNS an der Stelle auch Latte, erst wenn man spielt und der Spielstil voll und ganz zum tragen kommt, können wir überhaupt mit der Theorie was anfangen.
Hier kommt jetzt z.B. einer der entscheidenden Punkte: VtM basiert in den Regeln in weiten Teilen auf Gamismus, im Sinne von Step on Up, denn das geradeheraus genannte Ziel ist es, das Blutsalter des Vampirs zu erhöhen (Diablerie). Das ist der entscheidende Roadblock der Charakterentwicklung.
Es ist also egal wie gut du deinen Charakter spielst, wie spannend die Erforschung seines Innenlebens ist, ob ihr Vigilantes with Fangs spielt oder rein narratives Intrigenspiel….. Diablerie ist Pflicht.
Das, Teylen, ist Dysfunktional.

Wenn man also darüber nachdenkt ein System allgemeingültig zu machen, sollten keine hardkodierten Spielweisen implementiert sein.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: 1of3 am 8.11.2011 | 10:40
Ich hab ehrlich gesagt, genau einmal eine Diablerie im Spiel erlebt. Und das auch eher ungezielt. Der sogenannte Roadblock ist relativ egal. Die XP-Ausschüttung ist, wie sie geschrieben steht, so gering, dass man gar nicht in die Bereiche kommt, dass man Dinge über 5 steigern will.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 8.11.2011 | 10:50
Wenn Forge-Seitig von Braindamage gesprochen wird, mag das zutreffen. Ebenso mag dann zutreffen dass ein Laie die Essays dort gar nicht erst verfolgen wird, wohingegen jemand, der die Inhalte der Essays schon länger verfolgt hat, darin valide Diskussionspunkte sieht.
Ich wage das zu bezweifeln.

Zitat
Es liegt eher der Verdacht nahe dass ein Uninteressierter deine 20+ Punkte an Braindamage gar nicht finden wird, ein Interessierter sie verstehen wird und sich darüber nicht wundert.
Aehm, bei den 20+ Punkten bezog ich mich auf jene welche in dem Artikel erwaehnt werden.
Es derart sinnentstellend zu zitieren halte ich schon fuer eine Kunst.
Zur Erinnerung solltest du den Artikel vergessen haben: http://www.wolkenturm.de/index.php?page=blog_show&file=5805

Nun und sollte dir das lesen zu schwer fallen:
Beispiele für die Verletzung des “Internal Cause is King”-Grundsatzes in DSA:
* klare Unplausibilität bzw. Unlogik (z.B. Brot kostet weniger als das Korn, aus dem es gebacken wird)
* NSCs handeln nicht ihren Fähigkeiten entsprechend (z.B. kriegstaktisch oder politisch Unsinniges tun)
* NSCs handeln aufgrund von Meta-Überlegungen anders als ihr psychologisches Profil dies vorsehen würde
* Spielwelt-Auswirkungen von Fakten, die die interne Kausalität nahelegen würde, werden ignoriert
* publizierte Fakten werden ignoriert oder ohne innerweltliche Erklärung verändert
* die “internal causes” werden in unterschiedlichen Publikationen bzw. von unterschiedlichen AutorInnen unterschiedlich definiert
* irdische Persiflagen

Beispiele für DSA-Regelelemente, die dem simulationistischen Spielziel entgegenstehen:
* Aufforderungen an den Spielleiter, Würfelwürfe und Regeln nach Belieben zu verändern und zu ignorieren; ein solches Vorgehen korrumpiert die gesamte Kreative Agenda
* grundsätzliche Unterschiede zwischen der Geltung von Regeln für SCs und für NSCs
* aufgeblähte Regeln, deren Kenntnis zum Expertentum wird, so dass die Beteiligung an der Kreativen Agenda für Nicht-Experten stark eingeschränkt ist
* Charaktererschaffungs-Regeln, die zu unplausiblen Charakterprofilen und -fähigkeitslevels führen
* Mechaniken, die das Spiel auf eine Meta-Ebene ziehen (z.B. Brettspieligkeit der Kampfregeln)
* Mechaniken, die Immersion und Vorstellung behindern (z.B. Kampfregeln)
* Spiel im Spiel (z.B. Kampfregeln, Spiel im Spiel-Teile in manchen Abenteuern)
* Trefferzonensystem (das ein “Zurückspulen” erfordert, um die Intentionen und Aktionen des Charakters auf den Ort des Treffers anzupassen)
* Schicksalspunkte (als Metagame-Mechanik ohne ingame-Rechtfertigung)

Beispiele für DSA-Abenteuerinhalte, die dem simulationistischen Spielziel entgegenstehen:
* Abenteuer, die nicht genügend Informationen liefern, um daraus Ereignisse und Handlungen entsprechend des Internal Cause abzuleiten
* Abenteuer, die nicht genügend Informationen liefern, um explorative Handlungsfreiheit der SpielerInnen zu gewährleisten
* Abenteuer, die eine fertige Story vorgeben
* Abenteuer, die Spielweltkonsistenz ignorieren
* Abenteuer, die nicht berücksichtigen, dass bei Anwendung der Regeln das Ergebnis von SC-Handlungen zufallsabhängig ist
* Abenteuer, die vom Spielleiter verlangen, Regeln zu ignorieren
* Abenteuer, die vom Spielleiter verlangen, Force-Techniken (Railroading) einzusetzen
* Abenteuerelemente, die anstatt der Fertigkeiten der Spielercharaktere die Fähigkeiten der SpielerInnen zur Lösung erfordern


24 Punkte, die Dysfunktionalitaet aufzeigen.
(Es war Copy & Paste und ich habe den Abschnitt zu "sonstigen" rausgelassen)
Du kannst mir nicht verkaufen das jemand der ein doppeltes dutzens Punkte aufzaehlt wieso ein Spiel dysfunktional ist daran glaubt das es funktionsfaehig ist oder Spass bringt.

Zitat
Ich unterstelle dir jetzt einfach mal Fanboi-Scheuklappen. Kaum wird etwas Negatives über dein geliebtes Spiel geäußert, machst du dicht.
Ich faende es angenehm wenn man ohne beleidigende Unterstellungen auskommt.
Besonders wenn sie in diesem Fall haltlos sind.

Ausserdem waere es nett beim Thema zu bleiben.
Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Danke :)

Gibt doch wohl ein paar Threads wo man sich darueber auskotzen soll was VtM angeblich sei - und von mir aus kannst du da auch versuchen was absolutes zu postulieren (das der Spielrealitaet widerspricht) - beziehungsweise wieso es nicht der GNS entspricht.

Zitat
Wenn man also darüber nachdenkt ein System allgemeingültig zu machen, sollten keine hardkodierten Spielweisen implementiert sein.
Die Spiele sind aber so beliebt weil sie, ungeachtet dessen was du als hardkodiert betrachtet, allgemeingueltig nutzbar sind.
Respektive behaupte ich das die Frage was als hardkodiert angesehen wird, sehr stark von der Interpretation der Spielgruppe angesehen wird.
Man kann behaupten das Gamismus das heisst Aufstieg durch Diablerie ein Spielziel ist, man kann behaupten das Gamismus in der Form des Aufstiegs durch Diablerie kein Spielziel ist.
Man kann die eine Aussage belegen, kA durch den Verweis auf den Aufstieg der Generation, man kann die andere Aussage belegen, durch den Verweis des Menschlichkeitsabzug zwischen 1 bis 2 ggf. mehr Punkten, weiteren Strafregelungen fuer Diableristen, sowie den eher leidlich vertieften Diablerie regeln.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: 1of3 am 8.11.2011 | 11:00
Zitat
Du kannst mir nicht verkaufen das jemand der ein doppeltes dutzens Punkte aufzaehlt wieso ein Spiel dysfunktional ist daran glaubt das es funktionsfaehig ist oder Spass bringt.

Ich denke, es liegt wohl daran, dass man nicht das Spiel spielt, wie es geschrieben steht. Es gibt gewisse Gründe, die meisten Rollenspiele überhaupt nicht als Spiele im Sinne wie etwa Gesellschaftsspiele zu bezeichnen, sondern höchstens als Spiel-Steinbruch aus dem man sich etwas heraussuchen muss, um ein Spiel zu erhalten. (Siehe z.B. den Beitrag eben mit der Diablerie. Ich bin mir sicher, dass Coldwyn das so empfunden hat. Ich kann die Empfindung nur nicht teilen.)

Wenn es also heißt, dies oder jenes Spiel sei dysfunktional, dann bedeutet das so viel, dass es nicht funktionieren wird, wenn man alles davon benutzen würde. Das tut aber vermutlich niemand und umso weniger Leute, je größer die Textmasse ist. Dabei geht es noch gar nicht um bewusste Regeländerungen, sondern um Unkenntnis gewisser Zusammenhänge oder eine unbewusste Gewichtung an sich bekannter Elemente.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: 6 am 8.11.2011 | 11:05
Wenn man ein Western oder ein Superheldenrollenspiel aehnlich universell aufgezogen haette, denke ich, haette bzw. hat es eine aehnliche Erfolgschance gehabt.
Gegenbeispiel:
- Champions.
Das ist ein universell (übrigens universeller als Vampire. Das Nachfolgesystem ist Hero System) aufgezogenes Superheldenrollenspiel, dass keine vergleichbare Erfolgschance hatte.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 8.11.2011 | 11:27
Die Allgemeine Anwendbarkeit, sowie die spezielle Art dieser, ist imho auch nur ein Faktor der Antwort auf die Frage wieso sie so beliebt sind.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: 6 am 8.11.2011 | 11:31
Die Allgemeine Anwendbarkeit, sowie die spezielle Art dieser, ist imho auch nur ein Faktor der Antwort auf die Frage wieso sie so beliebt sind.
Genau das eben nicht. Es gibt jede Menge andere Rollenspielsysteme, die universell noch wesentlich nutzbarer sind, die alle nicht mal in die Nähe des Erfolgs von DSA in Deutschland und Vampire weltweit kommen (Beispiele: GURPS, Hero System, BESM).
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 8.11.2011 | 11:39
Genau das eben nicht. Es gibt jede Menge andere Rollenspielsysteme, die universell noch wesentlich nutzbarer sind, die alle nicht mal in die Nähe des Erfolgs von DSA in Deutschland und Vampire weltweit kommen (Beispiele: GURPS, Hero System, BESM).
Bei GURPS muss man aber doch basteln bevor man los spielen kann?
Imho ist der Kunstgriff welcher DSA und VtM gelang das sie sich als alleskoenner praesentieren, ohne das der Leser etwas tun muss. Er kommt teilweise nichtmal auf die Idee das man damit etwas anderes machen koennte.

Wenn man das Beispiel der Diablerie nimmt.
Vampire aeussert sich nicht das man es gar nicht tuen sollte oder das man es machen muesste, es verwirrt auch nicht mit mehreren Loesungen nebeneinander aus denen man waehlen muesste, sondern wirft ein ~ imho in dem Fall halbes ~ Haeppchen hin und der Leser macht instinktiv das daraus was er von einem Vampir-Spiel erwartet. Durch angucken / lesen, nicht durch "arbeit".
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: 6 am 8.11.2011 | 11:48
Bei GURPS muss man aber doch basteln bevor man los spielen kann?
Nur wenn Du kein Sourcebook verwendest. Wenn Du ein Sourcebook verwendest, kannst Du direkt loslegen.
Bei HERO ist es ähnlich.
Bei BESM kannst Du alleine mit dem Regelwerk sofort loslegen.
Zitat
Imho ist der Kunstgriff welcher DSA und VtM gelang das sie sich als alleskoenner praesentieren, ohne das der Leser etwas tun muss. Er kommt teilweise nichtmal auf die Idee das man damit etwas anderes machen koennte.
Genauso wie BESM, BRP, Unisystem und etliche andere universelle Systeme, die ein Anfangssetting beinhaltet haben.

Sorry aber auch das kann es nicht sein.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 8.11.2011 | 12:00
Nur wenn Du kein Sourcebook verwendest. Wenn Du ein Sourcebook verwendest, kannst Du direkt loslegen.
Wofuer man bereits zwei Buecher braucht. Bei GURPS sogar drei.
Ich persoenlich wuerde weniger dazu tendieren mit zwei Buecher zu kaufen um z.B. Vampire zu spielen, wenn auf den ersten nicht schon Vampire drauf steht.

Zitat
Bei BESM kannst Du alleine mit dem Regelwerk sofort loslegen.Genauso wie BESM, BRP, Unisystem und etliche andere universelle Systeme, die ein Anfangssetting beinhaltet haben.
Schon, aber sind die Settings als solche dann entsprechend flexibel auslegbar?
Zumindest bei V:tM zieht sich die Goldene Regel ja vom Anfang, das ist Gothic das ist Punk und ehrlich macht daraus was euch Spass bereitet, ueber die Menschlichkeits Regeln, das ist die Liste der Suenden aber die ist unscharf und bitte macht daraus was euch Gefaellt bis hin ueber die Kampfregeln vor denen steht das sie nicht perfekt sind und man damit machen will wonach einem der Sinn steht. Und dann hat die Regel noch eine eigene Spalte.

Wenn ich mir da so ansehe wie z.B. bei Savage World diskutiert wird, besteht da nicht der Eindruck das einem die Freiheit gelassen wird am Setting herum zu pfuschen, was Regeln wie Mechanismen angeht, bis es die eigenen Macher ihr Kind nicht mehr wieder erkennen.

Viel eher hoert man dann, jetzt nicht nur bei SW, das die goldene Regel ja eigentlich boese sei und ihre Existenz bereits ein potentiell grosser Fehler.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: 6 am 8.11.2011 | 12:11
Vergiss SW.
Ich redete uA. von BESM, BRP und Unisystem.
Alle drei Systeme kennen auch die goldene Regel. In den 80-er und den 90-er war es sogar normal, dass die goldene Regel in jedem System drinstand.
Bei allen drei Systemen lässt sich wunderbar am System rumspielen. Alle hatten Unschärfen.

Und alle Systeme hatten nicht den Erfolg von Vampire.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 8.11.2011 | 12:21
Zu BESM und BRP fehlen mit voellig die Beispiele.
Bei Unisystem habe ich lediglich Witchcraft und sonst soweit nichts in Erinnerung.
Bei BRP kam nichtmal bei Wikipedia etwas auf that ring the bells.

Wobei die Unschaerfe nicht der einzige Aspekt ist.
Da waere z.B. das man versucht hat Spielerinnen zu addressieren und behauptet sich als mit erste an die HoLeBi-Szene rangeworfen zu haben.
Ebenso das relativ Innovative Design sowie auch die stilistische Naehe zu einer bestehenden (groesseren) Gemeinschaft.
Dabei auch solche Faktoren wie die angesprochene Wirkung der Cover.
Dazu hing V:tM an das man sich an etwas neues wagte bzw. vorhandene Sachen behauptete zu etwas neuen kombiniert zu haben.

Vielleicht haette es Unisystem geholfen wenn man ein staerkeres Crossmarketing von Buffy bekommen haette, also fuer den Ableger.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: 6 am 8.11.2011 | 12:31
Zu BESM und BRP fehlen mit voellig die Beispiele.
Beispiele für was?
Zitat
Da waere z.B. das man versucht hat Spielerinnen zu addressieren und behauptet sich als mit erste an die HoLeBi-Szene rangeworfen zu haben.
Ebenso das relativ Innovative Design sowie auch die stilistische Naehe zu einer bestehenden (groesseren) Gemeinschaft.
Dabei auch solche Faktoren wie die angesprochene Wirkung der Cover.
Dazu hing V:tM an das man sich an etwas neues wagte bzw. vorhandene Sachen behauptete zu etwas neuen kombiniert zu haben.

Vielleicht haette es Unisystem geholfen wenn man ein staerkeres Crossmarketing von Buffy bekommen haette, also fuer den Ableger.
Dem stimme ich zum Großteil zu. Das sind aber alles Gründe, die mit dem eigentlichen System nichts zu tun haben.
Und genau darauf will ich hinaus. Dass DSA und Vampire so erfolgreich waren hat nur sehr wenig mit dem eigentlichen Rollenspielsystem (egal wie gut oder schlecht es ist) zu tun.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Samael am 8.11.2011 | 12:32
Bei BRP kam nichtmal bei Wikipedia etwas auf that ring the bells.

C. o. Cthulhu?
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 8.11.2011 | 12:36
Beispiele für was?
Settings.

Zitat
Dem stimme ich zum Großteil zu. Das sind aber alles Gründe, die mit dem eigentlichen System nichts zu tun haben.
Und genau darauf will ich hinaus. Dass DSA und Vampire so erfolgreich waren hat nur sehr wenig mit dem eigentlichen Rollenspielsystem (egal wie gut oder schlecht es ist) zu tun.
Ich finde es schwierig das System von dem Setting zu trennen.
Zumindest bei V:tM kann man beobachten das alternative Rollenspielsysteme, wie die D20 Konvertierung, nicht angenommen.
Ebenso kam in der Diskussion um die V20, wie auch die Diskussionen um DSA Konvertierungen, herraus das die Fans die entsprechenden Rollenspielsysteme wohl recht liebgewonnen haben.

C. o. Cthulhu?
Oh, aber gerade das erfreut sich doch in Deutschland relativ grosser Popularitaet?
Wobei es gerade da einwuerfe gab das man es hier, dank Pegasus bzw. der dt. Mentalitaet, "falsch" spiele.
(Der Begriff "Taschenlampenfallenlasser" kommt doch daher, oder? )
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: 6 am 8.11.2011 | 12:38
Wenn es um Beispiele für Settings geht, dann kann ich Dich da erleuchten:
BRP:
Runequest, Elfquest, Stormbringer (Elric!), Call of Cthulhu

BESM(Tri-Stat): Big Eyes, Small Mouth, Silver Age Sentinels, Tecumel (die neue Version)

EDIT:
Ich finde es schwierig das System von dem Setting zu trennen.
Zumindest bei V:tM kann man beobachten das alternative Rollenspielsysteme, wie die D20 Konvertierung, nicht angenommen.
Ebenso kam in der Diskussion um die V20, wie auch die Diskussionen um DSA Konvertierungen, herraus das die Fans die entsprechenden Rollenspielsysteme wohl recht liebgewonnen haben.
Ich behaupte, dass sich die Spieler an das Regelsystem gewöhnt (und nicht liebgewonnen) haben und jetzt nicht mehr wechseln wollen. Man kennt die Macken und weiss mittlerweile damit umzugehen. Das ist eigentlich ein ziemlich typisches Kundenverhalten bei fast allem.
Zitat
Oh, aber gerade das erfreut sich doch in Deutschland relativ grosser Popularitaet?
Wobei es gerade da einwuerfe gab das man es hier, dank Pegasus bzw. der dt. Mentalitaet, "falsch" spiele.
(Der Begriff "Taschenlampenfallenlasser" kommt doch daher, oder? )
Die Popularität in D kommt durch die deutschen Abenteuer. Die spannende Geschichte in ihnen mit samt der detailverliebten Ausarbeitung in Bezug auf das 20-er Jahre Setting, war der Schlüssel. Dass die Abenteuer damit so dermassen railroadig waren, war der Kritikpunkt. Alle anderen BRP-Konvertierungen hatten bei weitem nicht den Erfolg.
Und damit hast Du den Bezug auf DSA.

EDIT2:
Oder um ein anderes Beispiel für das Problem mit dem Taschenlampenfallenlassen zu bringen.
In den 80-er hatte D&D ein neues Setting (Dragonlance) rausgebracht. Die ersten Abenteuer waren 1zu1-Konvertierungen(!) der Romane. Daher waren sie logischerweise der Inbegriff von Railroading. Viele D&D-Veteranen haben sich drüber geärgert ohne Ende. Trotzdem wurde das Setting ein totaler Erfolg.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 8.11.2011 | 13:14
Die ganzen Zombieklamotten laufen auf Uni-System, darunter ist auch ein Zombie-Western-Setting-Bündel, wo man die Zombies auch weglassen kann und schon hat man ein geeignetes Western-Spielsystem für alle Arten von Western, von den Singing Cowboys der 1930er Westernvariante über den true Grity von John Wayne und den Spaghetti-Western bis hin zu späten Kunstwestern, die moralisch ambivalente Fragen behandeln. Alle mit einem Regelwerk machbar, und wird (wenn auch immer mit Zombievariante) dem Leser so empfohlen.

Trotzdem hätte das auf dem deutschen Markt nur begrenzt Chancen gehabt, schätze ich, weil das Genre(-Bündel) Western nicht so populär ist wie Fantasy oder Vampir-Horror (oder Horror generell). Selbst wenn der Verlag ausgeprägt Werbung in den entsprechenden Fan-Szenen gemacht hätte, wäre dies nicht unbedingt erfolgfördernder gewesen. Der Erfolg von Deadlands lag meiner Meinung nach auch darin begründet, dass es zusätzlich zum Western Elemente von Steampunk und Horror mitliefterte. (Ich hatte es nach einem einzigen Con-Probespiel - fälschlicherweise, wie ich heute weiß - in die Kategorie "noch so ein Laberhorrorspiel" eingeordnet.)

OT
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Roland am 8.11.2011 | 14:24
Warum DSA und Vampire so beliebt sind bzw. waren?

Sie waren zu rechten Zeit am rechten Ort. DSA hat mit Schmidts Marktmacht eine Position ähnlich der von D&D in den USA aufgebaut, Vampire traf den Zeitgeist Ender der 80er/Anfang der 90er.
Das Rezept für einen Mainstreamerfolg ist ansonsten recht einfach, man braucht genügend Anknüpfungspunkte für einen großen Teil der Spielerschaft, von Soap bis Kewl Powerz. Dazu genug Lesefutter und Barbie-Spiel-Material um die Leute auch ohne Spielbetrieb bei der Stange zu halten, genug Regeln und Setting um Expertentum möglich zu machen, fertig ist das Mainstreamspiel mit Langezeitmotivation.

Offensichtlich hat nur das Fantasy-Genre Potenzial genug, generationenübergreifend genug Spieler zu binden, andere Genres halten sich schon lange am Rande des Mainstreams, schaffen aber selten den Schritt in die Mitte.

Du kannst mir nicht verkaufen das jemand der ein doppeltes dutzens Punkte aufzaehlt wieso ein Spiel dysfunktional ist daran glaubt das es funktionsfaehig ist oder Spass bringt.

Soweit ich weiß, hat Katharina DSA lange Zeit mit Freude gespielt.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 8.11.2011 | 14:53

Offensichtlich hat nur das Fantasy-Genre Potenzial genug, generationenübergreifend genug Spieler zu binden, andere Genres halten sich schon lange am Rande des Mainstreams, schaffen aber selten den Schritt in die Mitte.

Nach meiner Meinung kommt das auch daher, dass Fantasy die vielseitigsten Spielmöglichkeiten anbietet.

Fantasy ist im RSP-Bereich einfach ein belastbares Genre, mit dem man alles mögliche unterfüttern kann und Inkonsistenzen mit "Magie" erklärt. In der Fantasy sind die Spieler stärker bereit, Dinge als gegeben hinzunehmen, die "unrealistisch" sind. Man kann alle Ausflüge in andere genres rückbinden und hat zusätzlich ein paar Besonderheiten, die das Spielen für die Spieler interessant machen. Zum Beispiel die Tatsache, dass es in der Fantasy völlig ok ist, wenn eine kleine Gruppe von Gefährten sagenhafte Dinge leistet, Helden aussichtslose Kämpfe bestreiten, überall finstere Gewölbe voller Schätze sind oder Bauerntölpel XY sich zum König eines Großreiches aufschwingt. Alle anderen Genres liefern dagegen oft nur eine ständige Wiederholung des gleichen Abenteuers.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Tim Finnegan am 8.11.2011 | 17:34
@1of3:

Ist doch kurios: Wenn ich mir ein neues Spiel zulege, dann lese ich zuerst mal nur die nackten Regeln und bin gespannt welchen Spielstil diese suggerieren, erst dann lese ich Setting und Fluff.
Gerade bei XP und Diablerie fällt auf: XP bringen vergleichsweise wenig. Man darf nicht vergessen: Diablerie erhöht nicht nur das Maximum, man bekommt auch die Punktedifferenz gutgeschrieben.
Also sind XP die Punkte die ich aufbringen muss um erfolgreich diablerieren zu können um damit meinen Charakter voran zu briben. Risk vs Reward, Step on up pur.

@Teylen:
Die 20+ Punkte die Katharina dort aufgezählt hat sind relativ irrelevant, gar Augenwischerei. In wirklichkeit gibt es nur einen einzigen Punkt: „Internal Cause is King“ wird willentlich missachtet und zerstört somit den Sinn  von SIM.
Alles genannte sind Beispiele, die Liste dort lässt sich wahrscheinlich noch um 100, 150 oder 800 Punkte erweitern, je nachdem wie viel Material man sichten will. Im Grunde dreht sich aber alles um den einen gerade genannten Punkt.

Und langsam nähern wir uns wieder der Ursprungsfrage: Warum sind sie so beliebt? Mehr als Richtige Zeit, Richtiger Ort ist es nicht.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Eulenspiegel am 9.11.2011 | 01:03
Und langsam nähern wir uns wieder der Ursprungsfrage: Warum sind sie so beliebt? Mehr als Richtige Zeit, Richtiger Ort ist es nicht.
Das sehe ich anders.
Die Erfahrung die ich bei Neulingen, die sich nicht mit Theorie beschäftigen, gemacht habe, ist:
1) Sie wollen Quantität für ihr Geld. Sie wollen kein kleines 10 Seiten Regelwerk sondern richtig viel. Damit fallen Spiele wie Savage Worlds (aber auch DSA 1) raus, die einfach zu kurz sind.

2) Sie wollen das ganze schön aufgearbeitet mit ansprechendem Layout und viel Prosatext. Damit fällt leider auch Gurps raus. (So sehr ich die Gurps Regeln auch mag. In Sachen Layout hat es deutlich Defizite.)

3) Sie wollen das alles schön klein und detailliert erzählt wird und dass Regeln und Setting miteinander verschmelzen. (Also einerseits: Ich lese etwas über ein Wikingervolk namens Thorwaler, also möchte ich auch die Option haben, etwas zu spielen, wo "Thorwaler" drauf steht. Andererseits möchte ich mir auch die einzelnen Kulturen und Professionen durchlesen und dadurch einen Eindruck bekommen, wie es auf der Welt zugeht.)

4) Das Setting sollte deutsche Fantasy beinhalten. Am besten etwas, wo man sich an die alten Märchen aus seiner Kindheit zurückerinnert.

5) Sie wollen die Bücher auf deutsch und nicht auf englisch lesen.

6) Die Regeln sollen realistisch sein. (Ja, es gibt viele Neulinge, die glauben, die DSA-Regeln seien realistisch.)
Sprich, um erfolgreich zu sein, braucht man nicht unbedingt realistische Regeln. Aber man braucht Regeln, die wirken, als ob sie realistisch wären.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 9.11.2011 | 12:29


Das sehe ich anders.
Die Erfahrung die ich bei Neulingen, die sich nicht mit Theorie beschäftigen, gemacht habe, ist:
1) Sie wollen Quantität für ihr Geld. Sie wollen kein kleines 10 Seiten Regelwerk sondern richtig viel. Damit fallen Spiele wie Savage Worlds (aber auch DSA 1) raus, die einfach zu kurz sind.

Auf der einen Seite ein sehr guter Punkt, ich glaube wirklich, dass bei Neulingen der Eindruck von Quantität = Qualität vorherrschen kann. Irgendwo müssen die Käufer für Bücher mit +1000 neue Feats, + 1000 neue Spells und + 1000 neue Monster ja ihre Abnehmer finden. Aber bei gerade DSA1 und z.T. V:tM (1+2) trifft dies von den Regeln her doch nicht zu.

Als DSA mit DSA1 seinen Siegeszug in Deutschland angetreten hat, war es mit Grund- und Ausbauset weniger Material als das SW GRW und ein Settingbuch wie Sundered Skies (aber DSA hatte die schönere Karte). Im Vergleich zu damaligen RPGs waren es weniger Regeln als bei Midgard oder Rolemaster (bei welchem die Regelmasse viele Spieler abgeschreckt hat).

V:tM fing in den 90ern fast als "Rules Light" System an, wo es schon weit verzweigtere und vielseitigere Spiele gab.

2) Sie wollen das ganze schön aufgearbeitet mit ansprechendem Layout und viel Prosatext. Damit fällt leider auch Gurps raus. (So sehr ich die Gurps Regeln auch mag. In Sachen Layout hat es deutlich Defizite.)

Das gehört wie viele Punkte, die auch Teylen in der Richtung genannt hat, eher zur Präsentation, zur Verpackung. Aber da muss etwas dran sein, vielleicht, weil Neulinge die Differenz zwischen Spiel und Literatur nicht so stark wahrnehmen. Ich lese z.B. die meisten Stimmungstexte in Regelwerken nicht mehr, aber früher habe ich das mitgelesen.

3) Sie wollen das alles schön klein und detailliert erzählt wird und dass Regeln und Setting miteinander verschmelzen.

Hervorhebung von mir.
Genau das, denke ich, ist ein wesentlicher Irrtum, der bei Anfängern auftreten kann, aber auch bei langjährigen RSPlern vorkommt: sie interessieren sich nicht für die Regeln und nehmen an, man müsse im RSP wie im Brettspiel das Setting mit den mitgelieferten Regeln bespielen, weil genau diese Regeln zum versprochenen Spielerlebnis führen. Ich bin ziemlich sicher, dass dieser Fehlschluss eine Hauptursache für den Erfolg von DSA ist.

Hinsichtlich V:tM sehe ich das aber anders: nach meinen Spielerfahrungen spielte das mitgelieferte Regelwerk für V:tM eher eine geringe Rolle und wurde nur sporadisch genutzt, weil (zumindest in meienr Runde) schnell klar war, dass die Regeln und die Weltbeschreibung nicht zueinander passen, das Regelwerk an vielen Stellen sehr unsauber/unpräzise geschrieben ist und die Regelmechanik fürchterlich zähflüssig ist. Natürlich waren wir zu V:tM-Zeiten auch keine Neulinge mehr und hatten schon vorher an Regelwerken herumgeschraubt, aber bei V:tM ließ sich nach meinem damaligen Eindruck mit Hausregeln nur wenig beheben (umso überraschter war ich, als ich nWoD las, von dem ich den Eindruck habe, ein funktionierendes Regelsystem zu sein).

4) Das Setting sollte deutsche Fantasy beinhalten. Am besten etwas, wo man sich an die alten Märchen aus seiner Kindheit zurückerinnert.

Das trifft aber wieder den Punkt: es liegt am Setting, nicht an den Regeln.

Inwieweit das für das heutige DSA noch zutrifft, kann ich nicht sagen, aber in den 80ern war DSA wirklich das erste mir bekannte Setting, das einen deutlichen Einschlag in Richtung deutsche Märchen und Legenden hat. Midgard veröffentlichte früh (so man bei Midgard von frühen Veröffentlichungen reden kann  ;) ) außereuropäische Sachen ("Krone der Drachen" in Rawindra/Fantasy-Indien, "Sturm über Mokkatam" in Eschar/Fantasy-Arabien), D&D behandelte Fantasy im amerikanischen D&D-Stil (mit Westerneinschlag) und Warhammer... naja, das war halt ein (heidnisch) deutsches Mittelalter aus englischer Sicht mit einem gehörigen Schuss Cthulhu.

6) Die Regeln sollen realistisch sein. (Ja, es gibt viele Neulinge, die glauben, die DSA-Regeln seien realistisch.)
Sprich, um erfolgreich zu sein, braucht man nicht unbedingt realistische Regeln. Aber man braucht Regeln, die wirken, als ob sie realistisch wären.

Das mit "realistisch" ist so eine Sache, das trifft nicht nur auf Anfänger zu. Mehrere meiner Kumpels sagen immer noch, dass sie "realistische" Regeln oder ein "realistisches" Setting bevorzugen. Aber Spiele wie Harnmaster (und auch Rolemaster, das einen ähnlichen Anspruch hat iirc, in Grenzen selbst Midgard) sind trotz des proklammierten hohen "Realismus" Nischenprodukte - das Versprechen des "Realismus" kann also nicht so kaufentscheidend sein, zumal die Spieler ja bei DSA blieben, auch wenn sich zumindest DSA1 nicht als "realistisch" herausstellte (meine damalige Gruppe wechselte während der "Realismus"-Mode in den 80ern zu Midgard, andere vielleicht zu Rolemaster oder anderen Alternativen).
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Blechpirat am 9.11.2011 | 13:07
Ich kenne jetzt V:tM nicht, aber bei DSA wird oft auch die Kleinschrittigkeit gelobt. Offenbar ist es intuitiver, wenn der Sprung zwischen Erzählung und (mechanischer) Handlung nicht sehr groß ist. "Ich greif an" - "Ich pariere" - Schaden - Rüstung abziehen - ist eine leichte Transferleistung. ORE (oder gar Hollowpoint), wo in einem Wurf Initiative, Trefferzone, Schadenshöhe etc. kodiert sind (bzw. der ganze Kampfablauf mit einem Wurf erwürfelt ist und dann "aberzählt" wird) ist viel schwieriger. Bei DSA kann ich mit der Erzählung mitwürfeln.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 9.11.2011 | 13:14
Auf der einen Seite ein sehr guter Punkt, ich glaube wirklich, dass bei Neulingen der Eindruck von Quantität = Qualität vorherrschen kann.
Also V:tM ist schon ein solider Waelzer. Finde ich. Unabhaengig von der Qualitaet.
Auch DSA kommt gleich mit drei bis vier Buechern daher.

Zitat
Irgendwo müssen die Käufer für Bücher mit +1000 neue Feats, + 1000 neue Spells und + 1000 neue Monster ja ihre Abnehmer finden. Aber bei gerade DSA1 und z.T. V:tM (1+2) trifft dies von den Regeln her doch nicht zu.

Gerade White Wolf hat in Bezug auf V:tM, sowie eigentlich die gesammte World of Darkness, doch angefangen wie nichts gutes, Splats, Erweiterungen und neue Editionen zu verkaufen, in einem Ausmass das zuvor noch nicht gekannt war.

Ja, zu der ersten Edition von Vampire gibt es nicht allzuviele Splats, was daran lag das das Spiel kein Jahr alt was als die zweite Edition erschien. Nun und die zweite Edition erhielt bis zur dritten Edition umfangreiche Splatbuecher. Zu all den Clans, das heisst weiteren Clans, zu Sachen wie den Guhlen, Sachen wie Hunters Hunted, verschiedenen Staedten und alles was ihnen sonst noch eingefallen ist.
White Wolf hat im Grunde nach 1991 bis 1998 jaehrlich mindestens! ein Grundregelwerk heraus gebolzt, teilweise zwei Jahre dazu eine 2nd Edition gemacht und die meisten auch noch revised.

Dagegen war D&D seinerzeit harmlos. ^^;
Es hat schon einen Grund wieso White Wolf Fans als Konsum-Enthusiasten verschrieen waren welche so ziemlich alles von dem Verlag kauften.

Zitat
Als DSA mit DSA1 seinen Siegeszug in Deutschland angetreten hat, war es mit Grund- und Ausbauset weniger Material als das SW GRW und ein Settingbuch wie Sundered Skies (aber DSA hatte die schönere Karte).

Man bekommt kein Billy-Regal Segment mit SW Material gefuellt, respektive eher leidlich.
Meine V:tM Sammlung allein sind knapp 1 1/2 Segmente, und sie ist nichtmal allzu vollstaendig.

Zitat
Das gehört wie viele Punkte, die auch Teylen in der Richtung genannt hat, eher zur Präsentation, zur Verpackung. Aber da muss etwas dran sein, vielleicht, weil Neulinge die Differenz zwischen Spiel und Literatur nicht so stark wahrnehmen. Ich lese z.B. die meisten Stimmungstexte in Regelwerken nicht mehr, aber früher habe ich das mitgelesen.
Ich denke der Aspekt ist ein anderer.
Weniger das man mitlesen will, als das die Produkte nicht zwingend nach Rollenspiel aussehen.
Wenn man so eine Gruppe hat, die auf einen Drachen eindricht, ist es entweder ein Rollenspiel oder ein drittklassischer Fantasy Roman.
Bei einer Rose auf gruen marmorieten Untergrund kann es auch ein normales (ggf. Goth Buch) sein. Respektive bei der V20 schlagen dann die RPG unerfahrenen Kollegen schonmal vor das Ding in eine Vitrine zu stellen, bzw. attestieren das es einfach schoen anzusehen ist. (Wobei beim durchblaettern nichtmal unbedingt auffaellt das es ein Spielbuch ist)

Zitat
[Regel & Settingverschmelzung]

Genau das, denke ich, ist ein wesentlicher Irrtum, der bei Anfängern auftreten kann, aber auch bei langjährigen RSPlern vorkommt: sie interessieren sich nicht für die Regeln und nehmen an, man müsse im RSP wie im Brettspiel das Setting mit den mitgelieferten Regeln bespielen, weil genau diese Regeln zum versprochenen Spielerlebnis führen. Ich bin ziemlich sicher, dass dieser Fehlschluss eine Hauptursache für den Erfolg von DSA ist.

Hinsichtlich V:tM sehe ich das aber anders: nach meinen Spielerfahrungen spielte das mitgelieferte Regelwerk für V:tM eher eine geringe Rolle und wurde nur sporadisch genutzt, weil (zumindest in meienr Runde) schnell klar war, dass die Regeln und die Weltbeschreibung nicht zueinander passen, das Regelwerk an vielen Stellen sehr unsauber/unpräzise geschrieben ist und die Regelmechanik fürchterlich zähflüssig ist. Natürlich waren wir zu V:tM-Zeiten auch keine Neulinge mehr und hatten schon vorher an Regelwerken herumgeschraubt, aber bei V:tM ließ sich nach meinem damaligen Eindruck mit Hausregeln nur wenig beheben (umso überraschter war ich, als ich nWoD las, von dem ich den Eindruck habe, ein funktionierendes Regelsystem zu sein).

Imho werden die Regeln sowohl bei V:tM als auch vermutlich bei DSA, beim Konsum, vom Leser, mit dem Setting verschmolzen.
Das heisst, wenn man der Annahme ist das V:tM Gamistisch sein soll, kann man die Regelskizze in Bezug auf Diablerie nehmen, hat davor eh die Erlaubnis bekommen es so zu sehen wie man mag, und die These aufstellen das das Setting durch die Regeln welche einen Machtzuwachs durch Diablerie wollen, so ist.
Das heisst auch das, wenn man die Annahme hat das V:tM Narristisch ist, kann man die Regelskizze in Bezug auf Diablerie nehmen, hat davor eh die Erlaubnis erhalten es so zu machen wie man mag, und die These aufstellen das das Setting durch die Regeln den Machtzuwachs durch Diablerie nicht vorsieht da die negativen Aspekte ueberwiegen und in den Regeln von der Diablerie ab geraten wird.

Gerade bei XP und Diablerie fällt auf: XP bringen vergleichsweise wenig. Man darf nicht vergessen: Diablerie erhöht nicht nur das Maximum, man bekommt auch die Punktedifferenz gutgeschrieben.
Ehm, nein? Also wenn man diableriert hat ist der Effekt:
Eventuell sinkt die Generation um X.
Man hat Streifen in der Aura.
Ein Menschlichkeitspunkt ist weg.
Eventuell sind ein oder zwei weitere Punkte Menschlichkeit weg.
Eventuell erhaelt man eine Geisteststoerung.
Eventuell geht man erstmal in Raserei.
Eventuell Disziplinen die man erhaelt sind temporaer.
Man darf die bisher erspielten XP nicht dafuer einsetzen die Menschlichkeit direkt wieder hoch zu kaufen.

Also wenn man strikt nach Grundregelwerk spielt.
Insofern sehe ich nicht wo eine Punktedifferenz ausgeglichen wird.
Hintergruende sind schliesslich eh, nach Grundregelwerk, kostenlos.

Zitat
Die 20+ Punkte die Katharina dort aufgezählt hat sind relativ irrelevant, gar Augenwischerei. In wirklichkeit gibt es nur einen einzigen Punkt: „Internal Cause is King“ wird willentlich missachtet und zerstört somit den Sinn  von SIM.
Ansonsten werden die Punkte neben Internal Cause auf zwei weitere Aspekte aufgeteilt.
Der Punkt ist jedoch das DSA theorethisch den Sinn der eigenen kreativen Agenda (SIM) zerstoeren wuerde.
Jedoch ebensowenig auf eine alternative kreative Agenda ausweichen kann.

Ich glaube das es durchaus mehr Gruende hat als richtiger Zeit und richtiger Ort.
Respektive glaube ich das man bei der Analyse ggf. einen neuen richtigen Zeitpunkt & Ort fuer ein entsprechendes RPG finden koennte.

Nun und vielleicht auch erfassen wie die Zielsetzung welche das RPG hat erreicht wird, respektive auf bestehende, wie sie erreicht wurde.
Die Unterstellung der GNS, das es kein richtiges Ziel hat, halte ich dabei fuer nicht konstruktiv, respektive nicht valide.

Ich kenne jetzt V:tM nicht, aber bei DSA wird oft auch die Kleinschrittigkeit gelobt. Offenbar ist es intuitiver, wenn der Sprung zwischen Erzählung und (mechanischer) Handlung nicht sehr groß ist. "Ich greif an" - "Ich pariere" - Schaden - Rüstung abziehen - ist eine leichte Transferleistung. ORE (oder gar Hollowpoint), wo in einem Wurf Initiative, Trefferzone, Schadenshöhe etc. kodiert sind (bzw. der ganze Kampfablauf mit einem Wurf erwürfelt ist und dann "aberzählt" wird) ist viel schwieriger. Bei DSA kann ich mit der Erzählung mitwürfeln.
In V:tM erklaert man das eigene System:
Initiative
Angriff
Ausweichen
Schaden
Absorbieren
Damit das es die Erzaehlung / das Storytelling stuetzen soll. Man ermittelt halt bei jedem Aspekt welcher dramatische Teil gerade passiert.

Ich meine das in der ORE die Initative getrennt vom Wurf ist, sehe jedoch den Vorteil das man jede Handlung einzeln ablesen & beschreiben kann.
Das faellt mir bei nWoD System, wo nach der Initative ein Wuerfelpool gebildet wird (Angriff + Waffen - Verteidigung - Ruestung) schwerer.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: evil bibu am 9.11.2011 | 13:16
Ich kenne jetzt V:tM nicht, aber bei DSA wird oft auch die Kleinschrittigkeit gelobt. Offenbar ist es intuitiver, wenn der Sprung zwischen Erzählung und (mechanischer) Handlung nicht sehr groß ist. "Ich greif an" - "Ich pariere" - Schaden - Rüstung abziehen - ist eine leichte Transferleistung. ORE (oder gar Hollowpoint), wo in einem Wurf Initiative, Trefferzone, Schadenshöhe etc. kodiert sind (bzw. der ganze Kampfablauf mit einem Wurf erwürfelt ist und dann "aberzählt" wird) ist viel schwieriger. Bei DSA kann ich mit der Erzählung mitwürfeln.

Geringere Anforderungen an die nötige Transferleistung scheint mir ein wesentlicher Punkt zu sein. Vielleicht wirklich der Grund warum sie so beliebt und imho broken sind.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 9.11.2011 | 13:51
Also V:tM ist schon ein solider Waelzer. Finde ich. Unabhaengig von der Qualitaet.
Auch DSA kommt gleich mit drei bis vier Buechern daher.

Bei DSA rede ich von DSA1 - eine Box mit zwei dünnen Heftchen (etwa so wie Aborea), ein Jahr danach nochmal eine Box.
V:tM war zwar von außen ein Wälzer, darin stand aber wenig Regelmechanik.

Gerade White Wolf hat in Bezug auf V:tM, sowie eigentlich die gesammte World of Darkness, doch angefangen wie nichts gutes, Splats, Erweiterungen und neue Editionen zu verkaufen, in einem Ausmass das zuvor noch nicht gekannt war.
...
Dagegen war D&D seinerzeit harmlos. ^^;

Ja, stimmt, aber das waren immer Bände mit Fluff + Crunch. Selbst wenn einen die neuen, clansspezifischen Merits, Flaws, Disciplines und Skills nicht interessiert haben, konnte man das Kaufen, um ein tieferes Verständnis vom Spielwelthintergrund zu erhalten. Das V:tM mit den Splats auch die Powergamer bedient hat, trifft jedoch zu.

Dass AD&D im Vergleich dazu eher bescheiden mit neuen Regeln war, trifft nicht ganz zu. Da gab es auch haufenweise neue Zauber und neue magic items in Quellenbüchern und Abenteuern, die man sich vielleicht auch nur wegen dem Fluff gekauft hat. Allerdings ist bei D&D (zumindest nach meinem Eindruck) jedem Fan klar, dass es darum geht, einen Helden zu spielen, der mit seiner Ausrüstung gefährliche Herausforderungen bewältigen will, insofern stimen da Inhaltsversprechen und Produkt überein. Ich glaube kaum, dass jemand bei D&D einen Zuckerbäcker spielen möchte (oder einen jammernden Rüschenvampir).

Weniger das man mitlesen will, als das die Produkte nicht zwingend nach Rollenspiel aussehen.
Wenn man so eine Gruppe hat, die auf einen Drachen eindricht, ist es entweder ein Rollenspiel oder ein drittklassischer Fantasy Roman.
Bei einer Rose auf gruen marmorieten Untergrund kann es auch ein normales (ggf. Goth Buch) sein. Respektive bei der V20 schlagen dann die RPG unerfahrenen Kollegen schonmal vor das Ding in eine Vitrine zu stellen, bzw. attestieren das es einfach schoen anzusehen ist. (Wobei beim durchblaettern nichtmal unbedingt auffaellt das es ein Spielbuch ist)

Wenn ich jemanden ein Buch mit Drachen und Rittern auf dem Cover lesen seh, denke ich auch Fantasyfan, vielleicht Rollenspieler, Jungsphantasie.

Die alten V:tM Sachen lösen z.T. eher die Gedankenkette aus: Vampirfan, vielleicht Goth, Mädchenphantasie aus. Unabhängig davon, ob Vampire drauf zu sehen war oder nur Rosen.

Im Grunde ist das Vampir-Urban Horror-Genre eine Spielart der Frauenunterhaltung, wie Arztserien. Manchmal versucht man das in Filmen hinter ein paar Ballerszenen zu verstecken, damit auch Männer 'reingehen. Die Produktgestaltung bei V:tM hat natürlich hier eine neue Käuferschicht gezogen, die im traditionellen RPG (Jungsphantasie) eher selten gewesen ist: Spielerinnen.


Der Punkt ist jedoch das DSA theorethisch den Sinn der eigenen kreativen Agenda (SIM) zerstoeren wuerde.
Jedoch ebensowenig auf eine alternative kreative Agenda ausweichen kann.

Im Text wird gezeigt, dass DSA hinsichtlich einer Spielwelt-SIM einige Inkonsistenzen aufweist, die dem Ziel widersprechen. Das eigentliche Problem (soweit ich von außen als Nicht-DSA-Spieler die Sache überblicken kann) ist jedoch, dass 1) für viele SIM-Enthusiasten, die Aventurien erforschen wollen, der Regelwulst  zu groß ist und 2) viele der veröffentlichten Abenteuer eher wenig mit einer Setting-Exploration zu tun haben (aber auch kein NAR sind, vor allem, weil die Geschichte nicht von den Spielern mithilfe von Regelmechanismen gemeinsam erschaffen wird).

PS - was die Kleinschrittigkeit angeht: ich glaube, ich habe schon mehrfach gesagt, dass ich DSA schon deswegen nicht spiele, weil es eine stark wirksame aktive Parade hat, und V:tM in erster Linie wegen dem kaputten meinen Geschmack komplett verfehlenden Kampfsystem aufgegeben habe. Gerade bei Spielhandlungen, die recht häufig vorkommen (Kämpfe) ist ein derart monotones und langwieriges System uninspirierend und alles andere als erzählfördernd. Mann, was haben die Kämpfe wieder Spaß gemacht, als ich von V:tM auf TORG übergegangen bin, wo es richtig Freude gemacht hat, einen Kampf zu beschreiben.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Eulenspiegel am 9.11.2011 | 14:01
Bei DSA rede ich von DSA1 - eine Box mit zwei dünnen Heftchen (etwa so wie Aborea), ein Jahr danach nochmal eine Box.
[...]
Im Text wird gezeigt, dass DSA hinsichtlich einer Spielwelt-SIM einige Inkonsistenzen aufweist, die dem Ziel widersprechen. Das eigentliche Problem (soweit ich von außen als Nicht-DSA-Spieler die Sache überblicken kann) ist jedoch, dass 1) für viele SIM-Enthusiasten, die Aventurien erforschen wollen, der Regelwulst  zu groß ist und 2) viele der veröffentlichten Abenteuer eher wenig mit einer Setting-Exploration zu tun haben (aber auch kein NAR sind, vor allem, weil die Geschichte nicht von den Spielern mithilfe von Regelmechanismen gemeinsam erschaffen wird).
Man muss dabei halt beachten, dass DSA nicht gleich DSA ist. Und DSA-Fan ist nicht gleich DSA-Fan.

Es gibt sicherlich Leute, die wenige Regeln haben wollen. Die haben sich damals DSA1 gekauft und spielen noch heute glücklich DSA1.

Nachdem, was ich jedoch gehört habe, haben sich damals zu DSA1 Zeiten aber viele Leute darüber beschwert, dass es zu wenige Regeln gab. Daher ist dann DSA2 mit Fertigkeiten herausgekommen.
Kurz darauf dann die Ausbaubox mit den 11*11 Zaubern, die von der Spielerschaft begeistert gekauft wurde.

Das heißt, die von dir besprochen SIM-Enthusiasten, denen die Regelwulst (von DSA3 und DSA4) zu groß ist, die spielen auch heute noch DSA1 und sind glücklich damit. Die meisten Spieler wollen aber eine Regelwulst. Diesen Spielern waren die Regeln von DSA1 und DSA2 zu wenig und wollten mehr haben.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 9.11.2011 | 14:21
@Eulenspiegel:

Dass es Leute gibt, die vom Regelumfang sowas wie DSA(4) spielen wollen, würde ich nie bezweifeln. Ich verstehe sie nicht, aber sie sind unter uns  ;)

Aber DSA hat sich Mitte bis Ende der 80er in der deutschen Spiellerlandschaft ausgebreitet. Das waren die Zeiten von DSA1 (und wohl noch 2, über das kann ich nichts sagen). Wer damals auf ausgedehnte Regeln stand, hätte jederzeit auf ein anderes Produkt umsteigen können. Im Vergleich zu DSA1 war Midgard schon "regellastig", Rolemaster war bereits entworfen. Aber die Spieler blieben bei DSA und die meisten wechselten wohl ein paar Mal ihre Regelwerke, aber immer unter dem Label DSA. Also müssen andere, regelexterne Faktoren, die du und z.T. Teylen aufgeführt haben (z.B. die Märchenhafte Spielwelt, das Design) oder die andere Leute z.B Roland vorgeschlagen haben (Markenmacht von Schmitt-Spiele) einen größeren Einfluss (gehabt) haben als das Regelwerk.

Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 9.11.2011 | 14:41
V:tM war zwar von außen ein Wälzer, darin stand aber wenig Regelmechanik.
Das sieht der geneigte RPG unbedarfte nun genau woran?

Zitat
Dass AD&D im Vergleich dazu eher bescheiden mit neuen Regeln war, trifft nicht ganz zu.
Nicht mit neuen Regeln, aber mit einem Splatbook Feuerwerk des Ausmass von V:tM
Schliesslich gab es auch bei V:tM Buecher die fast nur neue Disziplinen enthielten (Geheimnisse der Blutmagie), die fast nur Waffen drin hatten (WoD Combat Book) oder Abenteuern.
Zumindest wird auch auf RPG.NET behauptet das der Splatbook Ausstoss absolut ungewoehnlich war [und WW zu sachen Splatbooks veroeffentlichte an die zuvor kaum wer dachte].
A Brief History of Game #11: White Wolf, Part One: 1986-1995 (http://www.rpg.net/columns/briefhistory/briefhistory11.phtml)
Zitat
There were campaign books and adventures among the early supplements, as you'd expect, but White Wolf also popularized a new sort of supplement: the splatbook. Splatbooks detail a specific race, class, or organization for a roleplaying game. They're generally player's books, and thus sell to the entire player base--which is usually much more profitable than selling to just gamemasters, as traditional adventures do.

Splatbooks had actually been around since almost the dawn of roleplaying. Chaosium's Cults of Prax (1979) was an early release and GDW quietly built much of their classic Traveller line around splatbooks, from Mercenary (1978) to Darrians (1987). Even Lion Rampant had put out a splat book, The Order of Hermes (1990).

However no one had ever put out splatbooks as consistently and in such volume as White Wolf did. Clanbook: Brujah (1992) was the first. It focused on a single vampiric clan, leaving room for another dozen splatbooks in the same line. White Wolf would go on to produce splatbooks for all of their initial lines except Wraith, and the term “splatbook" was eventually coined for White Wolf's releases. However, though White Wolf generally gets the credit for this innovation, it was really an industry trend. TSR introduced similar products around the same time, beginning with The Complete Fighter's Handbook (1989).


Zitat
Allerdings ist bei D&D (zumindest nach meinem Eindruck) jedem Fan klar, dass es darum geht, einen Helden zu spielen, der mit seiner Ausrüstung gefährliche Herausforderungen bewältigen will, insofern stimen da Inhaltsversprechen und Produkt überein.
In Bezug auf D&D waere es so als wuerde man ein Splat fuer Krieger machen, eins fuer Magier, eins fuer Hexenmeister, eins fuer Schurken etc. pp.
[Viel mehr als Klassen-Templates sind die Clans ja nicht]

Zitat
Wenn ich jemanden ein Buch mit Drachen und Rittern auf dem Cover lesen seh, denke ich auch Fantasyfan, vielleicht Rollenspieler, Jungsphantasie.

Die alten V:tM Sachen lösen z.T. eher die Gedankenkette aus: Vampirfan, vielleicht Goth, Mädchenphantasie aus. Unabhängig davon, ob Vampire drauf zu sehen war oder nur Rosen.
Ich gehe einmal von dem Grundregelwerk aus.
Waere es ein D&D Produkt wuerde man dort einen Vampir sehen, der gerade etwas vampirisches tut z.B. wenn aussaugen.
Wuerde man nach Maedchen-Phantasien gehen, waere es sowas geworden wie bei den Vampirfilmen / Buechern der Zeit, also:
http://ecx.images-amazon.com/images/I/71RGBNT9NEL._SL500_AA300_.gif
http://www.fantasy-fans.eu/images/content/filme/1987_lostboys.jpg
http://ecx.images-amazon.com/images/I/5163WEV9S8L._SL160_.jpg

Der Ansatz war jedoch anders, statt dessen hat White Wolf naemlich nur eine Rose drauf getan.
Was eigentlich nicht zwingend auf Vampire oder Rollenspiel schliessen laesst.

Zitat
Im Text wird gezeigt, dass DSA hinsichtlich einer Spielwelt-SIM einige Inkonsistenzen aufweist, die dem Ziel widersprechen. Das eigentliche Problem (soweit ich von außen als Nicht-DSA-Spieler die Sache überblicken kann) ist jedoch, dass 1) für viele SIM-Enthusiasten, die Aventurien erforschen wollen, der Regelwulst  zu groß ist und 2) viele der veröffentlichten Abenteuer eher wenig mit einer Setting-Exploration zu tun haben (aber auch kein NAR sind, vor allem, weil die Geschichte nicht von den Spielern mithilfe von Regelmechanismen gemeinsam erschaffen wird).
Das eigentliche Problem ist, das DSA kein Problem hat.
Man kann mit dem Text beweisen das es nach GNS, wenn es SIM nach GNS auf der Agenda stehen haette, nicht passt.
Mit 24 Gruenden und noch mehr.
Man kann aber nicht erklaeren wieso es Leute mit einem simulierenden Ansatz spielen und es funktioniert.
Wieso diese die Exploration, oder was auch immer, einfach so packen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: 6 am 9.11.2011 | 15:02
@Teylen:
AD&D hatte schon Splatbooks zur Zeit von Vampire . Die nannten sich nur Complete XX Books (XX steht für die Klasse. Steht ja auch so in Deinem zitierten Artikel und wird auch korrekt als "Innovator" genannt). Von denen gab es am Ende auch unglaublich viele.

Übrigens sieht das Cover der ersten Edition von "Interview with a Vampire" so (http://upload.wikimedia.org/wikipedia/en/3/3a/Rice-interview_with_vampire.png) aus. Stimmt. Da ist keine Rose drauf. Ansonsten erinnert das Cover doch stark an das Cover der ersten Edition von Vampire.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 9.11.2011 | 15:05
Das sieht der geneigte RPG unbedarfte nun genau woran?

Kann man nicht sehen, bestenfalls anhand der Kapitelüberschriften. Aber ich schätze mal, im Vergleich zu wirklichen Regelschwergewichten hatte V:tM im Regelwerk kaum Regeltext. Im Vergleich zum mittelschweren Midgard gab es viel mehr Motivationsansprachen (vulgär: Esoterik-Geschwätz) darin als Regelerläuterungen. Deswegen hatte/habe ich ja von V:tM den Eindruck, es sei ein Versuch gewesen, ein Rules light System zu etablieren, mit dem Misserfolg, dass daraus ein regelloses Märchenonkelspiel wurde.

Nicht mit neuen Regeln, aber mit einem Splatbook Feuerwerk des Ausmass von V:tM
Schliesslich gab es auch bei V:tM Buecher die fast nur neue Disziplinen enthielten (Geheimnisse der Blutmagie), die fast nur Waffen drin hatten (WoD Combat Book) oder Abenteuern.
...
In Bezug auf D&D waere es so als wuerde man ein Splat fuer Krieger machen, eins fuer Magier, eins fuer Hexenmeister, eins fuer Schurken etc. pp.
[Viel mehr als Klassen-Templates sind die Clans ja nicht]

Naja, das hat AD&D ja auch getan (und mit 3.x auf die Spitze getrieben). Monsterbücher + Zauberbücher gabs schon ewig, aber ich habe auch Kämpfer&Diebe, Kleriker&Magier und noch irgendwas zu den Rangern (und Barbaren iirc) aus AD&D Zeiten. Bloß standen zumindest in den Kämpfer & Diebesbänden viel mehr Hinweise auf eine rollenspezifische Ausgestaltung der Klasse, als neue Talente (kannte AD&D nicht) oder Zauberkräfte.

Der Ansatz war jedoch anders, statt dessen hat White Wolf naemlich nur eine Rose drauf getan.
Was eigentlich nicht zwingend auf Vampire oder Rollenspiel schliessen laesst.

Wenn du nur vom GRW ausgehst, stimmt das. Der Rest der Produkte wildert aber ganz klar im jeweiligen popkulturellen Bereich, beispielsweise der Players Guide. Aber selbst das marmorierte Grundbuch mit Rose würde ich eine eher Frauen als Männer ansprechende Ästhetik sehen und das war im traditionellen Männerhobby RPG ein neuer Ansatz, bestenfalls vergleichbar mit den Ravenloft-Sachen von D&D (wo es ja auch um Vampire & Co geht).

Edit: Mist, 6 war schneller mit den AD&D Splatbooks  ;D
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Teylen am 24.11.2011 | 18:35
Ein weiterer Gedanke zu der Beliebtheit.
Also gerade in Bezug auf Vampire hoere ich ab und an, als Vorzug gegenueber D&D, das Spielrunden sehr viel einfacher vorzubereiten waeren.
Das quasi keine riesigen Monstermanuals, akribische Bodenplaene oder muehevoll ausbalancierten Encounter von Noeten sind. (Waere so meine Idee, ich kenn D&D nicht aus der Praxis)
Obwohl die Betroffenen durchaus auch D&D3.5 und Pathfinder moegen.
Titel: Re: Warum DSA und Vampire so beliebt sind!
Beitrag von: Oberkampf am 25.11.2011 | 14:06
Kommt auf das D&D und das Spielziel an. Bei Vampires dreht sich vieles um Intrigen und das Ausmaß der Actionszenen ist dann gering, oder es wird sehr pulpig, und die Vorbereitung taktischer Anforderungen ist nicht nötig.

Der V:tM-Modus der Vorbereitung, den ich erlebt habe, bestand darin, eine Skizze der Personen und ihrer Verhältnisse zueinander zu zeichen (also R-Map), ein paar Vampiren nach Gusto ein paar Werte zu geben und dann sich eine Geschichte auszudenken, wo diese ganzen Personen vorkommen, die dann den Spielern erzählt wird. Ja nachdem, wie intensiv man sich mit der Entwicklung der Hauptpersonen (Prinz, Primogen, Scheriff, Sabbatspion, Anarchenfüherer, prinzlicher Informant) beschäftigt hat, konnte das einige oder wenig Zeit in Anspruch nehmen. Vorbereitung für taktische Kämpfe oder Skillproben, also Abenteuerszenen außer Dialogen, fielen bei Vampires weg. Wenn man doch einmal die Konfrontation mit einem Sabbatrudel o.ä. zum ausspielen vorbereiten wollte, war das hingegen ziemlich aufwändig und letztlich unbefriedigend und ärgerlich.

Bei D&D(3) musste die Vorbereitung meiner Erfahrung nach sehr intensiv sein. Es genügte nicht, ein paar NSCs nach Goodwill zu entwerfen und sich eine Story um die herum auszudenken, sondern man musste sich schon auf der Ebene bei den Werten und den Ausrüstungsgegenständen einen Kopf machen. Da Kämpfe eine nicht völlig auszuschließende Spielmöglichkeit waren, musste das alles regelkonform sein, und die umfangreichen Monster- und NSC-Erschaffungsregeln erforderten (zumindest bei mir) recht viel Zeit.

Für eine Story blieb auch noch zu bedenken, wie man mit typischen "Storybrechern" unter den Charakterfertigkeiten (überwiegend Zauber, Gegenstände und Gesinnungen!) umgehen soll - was wohl auch ein Grund ist, warum D&D zu offenen Stories tendiert.

Hinzu kam die bei V:tM so gut wie nicht vorhandene Anforderung, Schauplätze für abenteuerliche Szenen/Begegnungen zu entwerfen und diese spieltechnisch umzusetzen, auch hier wieder unter Berücksichtigung der Charaktereigenschaften der SCs. Daneben müssen noch Beute und Schätze verteilt/versteckt werden und Zufallsbegegnungen für die kleineren Szenen entworfen werden. Also tatsächlich ein mehr an Vorbereitung (zumindest für mich).

Bei D&D(4) sind zwar die gleichen Anforderungen gegeben, allerdings ist die Systemmechanik deutlich spielleiterfreundlicher. Die Kräfte/Artefakte sind weniger "storybrechend" (wenn man unbedingt auf Story spielen will), vor allem die NSCs sind viel leichter zu konstruieren, weil D&D4 es aufgegeben hat, SCs und NSCs nach dem gleichen Muster zu gestalten. Begegnungen sind auch leichter Planbar, weil das Challenge Rating in D&D4 viel näher an der tatsächlichen Gefahr liegt. Schatzvergabe kann teilweise den Spielern überlassen werden (optional gibt es in den Essentials ein Würfelsystem mit geringerem Spielereinfluss).

Bei (A)D&D schwankte die Abenteuerplanung zwischen diesen beiden Polen. Je stärker die Charaktere, vor allem die Caster, wurden, desto mehr Handlungsmöglichkeiten gab es für sie und desto offener mussten Stories und Herausforderungen konzipiert werden. Eigentlich schon beginnend mit den ersten "Charm Person" Sprüchen wurde viel soziale Interaktion mit unbedeutenden Humanoiden undramatisch und konnte ignoriert werden - mit dem gleichen Effekt wie bei V:tM durch Presence, Auspex und Dominate. Bloß bedeutete das bei D&D nicht, dass solche Encounter einfach gestrichen werden, weil der Caster auch nur einen beschränkten Vorrat an Spells pro Tag zur Verfügung hat.

Unabhängig von der Edition liegt der Hauptgrund für die intensivere Vorbereitung von D&D-Runden immer in den Abenteuer-Actionszenen der Marke Erkundung und Kampf, die es einfach in diesem Ausmaß bei V:tM nicht gibt und mMn auch nicht geben kann. Teilweise sträubt sich das Setting und auch das Genre dagegen, teilweise die Regelmechanik. D&D(4) und (A)D&D (mit älteren Editionen habe ich keine Erfahrung) haben den Entwurf solcher Szenen zwar einfacher gemacht als bei D&D(3), aber alle Versionen verlangen gewissermaßen nach ihnen.

Die spannende Frage wäre, inwieweit Werewolf: the Apocalypse-Spielleiter die Vorbereitung einer Werewolf-Runde (viele ernstzunehmende Kämpfe, Umgebungserkundung im Umbra) für einfacher halten als eine Vorbereitung eines Abenteuers für eins der D&D-Regelwerke.