Ich möchte mal wieder mit meinem Lieblingshobby der Miesmacherei brechen und feststellen, dass wir uns m.E. derzeit in einem goldenen Zeitalter des Rollenspieldesigns befinden.
Ich will natürlich nicht mit meiner abgrundtief pessimistischen Weltsicht brechen und sage dazu: leider zu spät!
Als Rollenspiel noch jung und innovativ war und fast ausschließlich in der P&P-Form betrieben wurde/ werden konnte, wäre es genial gewesen, hätte es diese Vielfalt von durchdachten Ansätzen und Lösungen gegeben. Natürlich gibt es einige klassische Perlen und nicht umsonst eine starke "back to the roots (http://www.youtube.com/watch?v=yiPkbwKc06U&feature=related)" Bewegung, aber insgesamt wurde die Zeit der Entwicklungschancen verschlafen. Beziehungsweise ausschließlich genutzt, um ein paar neue Settings zu erschließen, anstatt den Weg für verschiedene Spielstile zu öffnen.
Tatsächlich ist es doch so, dass gerade viele der neuen Spiele es in der RSP-Community schwer haben, sich zu etablieren. Was die Zukunft von Warhammer(3) in Deutschland angeht, so bin ich da sehr skeptisch. Nicht, dass es das Spiel nicht verdient hätte - der Mechanismus ist genial, und für die Alte Welt habe ich ohnehin eine Schwäche - aber gibt es ausreichend Käufer/Spieler in Deutschland, um dieses Produkt auf dem Markt zu halten?
Der Eine Ring wird sicher ein paar Käufer aus dem Tolkien-Fandom finden - aber wird er im rollenspielerischen Mainstream als etwas anderes als ein weiteres Fantasy-RPG angesehen werden? Wird er anders gespielt werden, nur weil die Regeln dafür Anregungen geben (wobei ich bei DER übrigens hinsichtlich einer wichtigen Sache den Eindruck habe, sie wäre nicht zuende gedacht)?
Wird das DF-Setting reichen, um FATE populär werden zu lassen? LoA und Starblazers sind wohl überwiegend in GB bekannte Settings, die in Deutschland nicht allzu viele Käufer anlocken können, und gekauft werden die meisten RSPs nach wie vor überwiegend wegen den Settings. Und auf den populärsten Settingmöglichkeiten sitzen die ganzen Dinosaurier 'drauf, vielleicht mit Ausnahme der generischen Space Opera.
Nein, wir leben im schwarzen Zeitalter verlorener Chancen, verflogener Hoffungen und verschwendeter Mühe.
Mist, jetzt bin ich durch zu viel Reggae zu gut gelaunt, um noch weiter zu schreiben.
Ich erlebe derzeit eine Ära finsterster Düsternis, in der ich verzweifelt versuche, noch all die Dinge aus der Guten Zeit zu ergattern.
Allein für den Satz sollte dir ja meiner Meinung nach eine Medallie verliehen werden :d
Aber trotzdem muss ich ein paar Einwände bringen. Leider sehe ich einige Dinge anders, so sympathisch mir ja auch viele OSR-Positionen sind. Ist das nicht ironisch, wie böswillig die Welt sein kann?
Kann mir eines der gelobten Spiele die ausgefeilten sozialen wie politischen Grundlagen eines Traveller-Universums bieten, oder die skalierbaren Konflikte aus Battletech? Regeln für Verwaltung von Königreichen, große Schlachten, Scharmützel UND Duelle?
Alles was ich sehe sind Systeme, die genau ein Genre bedienen und damit letztendlich einen verkümmerten Bastard der alten glorreichen regelschlanken (!) Vorväter darstellen.
Fire at will!
Also alles gibts vielleicht nicht, aber:
Trotz meiner Kritik an den zahllosen Stunts im D&D3.x-Stil hat LoA (FATE) eine recht schlanke Mechanik, die auf höheren Ebenen noch funktioniert. Königreiche, große Schlachten, Scharmützel und Duelle sind damit absolut drin. Und innerhalb der Fantasy kann man jedes Untergenre damit bedienen, außerhalb der Fantasy kann man andere FATE-Zuschnitte nutzen.
Institutionen und die Konflikte zwischen ihnen werden auch von Reign/ORE spielbar gemacht.
Savage Worlds bietet ebenfalls einiges an Möglichkeiten, inklusive Massen- und Fahrzeugkampf, und soweit ich weiß, sind in der Hellfrost-Variante auch Regeln für Belagerungen und Burgenbau. Das ist vielleicht noch keine Königreichsverwaltung, aber zumindest mal ein Ansatz. Und so dick ist das (englische) Regelwerk auch nicht.
Ist das nicht lustig, ich habe FATE und SW empfohlen. Passiert sowas im :T: öfter? ~;D
Die frühen SR Abenteuer waren ergebnisoffen. Da gab es am Ende sogar verschiedene Zeitungsartikel für verschiedene denkbare Enden.
Ok, wie gesagt, ich kenne kaum SR, aber für das Schwestersystem ED kann ich sagen, dass bei sehr vielen (Nicht allen!) publizierten Abenteuern weder ein offener Verlauf noch ein offenes Ergebnis angestrebt wurde.