@Bordfunker
Sie wäre ein Flop.
;D
Es wäre ein Musical. Das heißt, es würde allgemeinverständliche Bildsprache und Musik verwenden.
Es wäre mir wichtig, dass die Musik dabei sehr wirkungsorientiert ist. So sehr ich Richard Strauss mag, so ungeeignet ist dieser Ansatz für etwas, das einen Erziehungs/Hinziehungs/Anbiederungsansatz verfolgt. So frei, wie Phil Collins im Disney's Tarzan den Song "Thrashing the camp" (http://www.youtube.com/watch?v=hsRA_Ts4Vcc) zusammengebastelt hat, sollte die Musik hier auch verwendet werden.
Ruhig könnte hier auch Sampling/Dub imitiert werden, da es ein bereits bekanntes Muster ist und innerhalb klassischer Muster (overtüre,Arie, Duett,...) für eine Wiedererkennung sorgt.
Die Instrumentalisierung ist per se nicht wichtig. Da gibt es keinen Grund, an dieser Stelle zu schocken.
Ziel ist es, mit der Musik eine Art Albumkonzept zu verfolgen, das das Ohr für eine Vielzahl von Stilmitteln öffnet. Der Besuch des Musicals gibt Bilder und erste Ohrwürmer. Andere Lieder sind etwas sperriger und sollen erst zünden, wenn sie das zweite oder dritte Mal gehört werden.
Die Geschichte soll hierbei die Motivation bieten, die zu tun.
So entspräche die Bühnenversion, die die Wege der Schauspieler auf der Bühne mit extratakten berücksichtigt oder für gesprochene Parts abschwillt und wieder anhebt nicht der Albumversion, die extrem auf hörbarkeit zugeschnitten wäre.
Ach ja, den Librettisten würde ich wahrs. Casten. >;D
@topic
Mich wundert es, dass die Plünderung von Subkulturen durch den Maistream einfach so abgenickt wird.
Wie Bordfunker oben schrieb, gibt es in Musik etc. Meinungsführer und Machtgefüge, hauptberufliche Trendsetter etc.
Diese erhöhen das Tempo, mit dem neue Ideen/Ausdrucksformen wahrgenommen und geschätzt werden.
Gefühlt würde ich sagen, dass sie mit einer Taschenlampe ständig neues in unmittelbarer Nähe anleuchten und alles nur dorthin sieht, das wieder abgedunkelte sofort wieder vergisst. Na, wer kennt noch Boyz2Men oder east17? :gasmaskerly:
Eine ruhigere Entwicklung, die etwas anarchischer, ungerichteter szenelokaler ist, würde mir besser gefallen.
Sie hötte auf der gleichen Menge an Menschen mehr Vielfalt und an den Berührungspunkten der Leute mehr Austausch.
Im Idealfall treiben sie eine riesige Langmasser auf brieter Front durchs Meer und nicht eine Reihe kleiner Ausläufer, die totgetrampelt werden und dann wieder verschwinden.
Phänomene wie Björk lassen mich hier allerdings immer mal wieder hoffen.
@Serialisten und Schönberg.
Das Problem der politischen Verseuchung findet sich bei Schönberg nicht, weil der kein Serialist war. Er hat einfach nur die Zwölftonmusik erfunden und war zusammen mit Alban Berg und Anton Webern ihr prominentester Vertreter.
Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg, im Dunstkreis der Donaueschinger Musiktage, wurde von Stockhausen und anderen jungen Musikern begierig aufgeholt, was man an "entarteter Kunst" verpasst hatte. Vor allem durch die Beschäftigung mit Webern Werk entwickelte sich, auf der Zwölftonmusik aufbauend, der Serialismus, der das Reihenprinzip der Zwölftonmusik auf sämtliche Tonparameter übertrug. Das idealtypische serialistische Stück ist dann der (fast) vollkommene Bruch mit allen vorangegangenen und historisch belasteten Traditionen.
So viel nur dazu.
@Mainstream und Subkulturen bzw. U- und E-Musik:
Meine Aussage, dass U-Musik erst seit dem 19. Jahrhundert aufgezeichnet wurde, ist mehr oder weniger Quatsch. Denn eigentlich müsste es heißen, dass Volksmusik bis zu diesem Zeitpunkt (bis auf wenige Ausnahmen) nicht aufgezeichnet wurde. Und da kommen wir zu der Krux mit den Begriffen E und U. E-Musik ist ziemlich eindeutig diejenige Musik, die durch Notenaufzeichnungen seit dem 9. Jahrhundert bis weit ins späte 19. Jahrhundert überliefert ist, auch wenn sie zum größten Teil der Unterhaltung diente, wie Du ja richtig korrigierst. Und zwar vor allem deshalb, weil all diese Musik keine Volksmusik ist, sondern begleitet von musiktheoretischen Diskursen entstand. Im Prinzip eine Abfolge von sich ablösenden und dabei aber aufeinander aufbauenden musikpoetologischen Manifesten, mit denen sich Komponisten wie Rezipienten auseinandersetzten.
Die Rolle des musiktheoretischen Unter- oder Überbaus verblasst im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend und ist im zwanzigsten Jahrhundert kaum noch von Belang: Wie kühn die Harmonik, wie ausgewogen die Form, wie trickreich der Kontrapunkt ist, interessiert immer weniger, wichtiger wird zum Beispiel die Frage, ob man auf das Stück einen Walzer tanzen kann oder nicht. Es wird immer mehr Musik produziert für Anlässe und für "Ensembles", wo der Kunstdiskurs keine Rolle mehr spielt. Im Prinzip das, was davor die (vor allem mündlich tradierte) Volks- und Gebrauchsmusik war. Die beiden Bereiche berühren sich, verschwimmen. Irgendwann gibt es die Operette, den Ragtime.
Diese Entwicklung schreitet rasant voran, seit es Tonträger gibt. Und seither lässt sich nicht mehr eindeutig sagen, was U- und was E-Musik ist. Musik hat auch ihre Einmaligkeit verloren. Man muss nur noch auf Replay drücken. Außermusikalische Dinge, die schon immer eine Rolle spielten, werden immer wichtiger. Zum Punk gehört nicht nur die (musiktheoretische) Reduktion auf stupiden 3-Akkorde Rock'n'Roll, sondern auch die Attitüde, die Kleidung, der Club, die Szene.
Von daher ist die Situation in der Musikwelt des zwanzigsten Jahrhunderts bis heute so grundlegend anders, dass man sie mit den Entwicklungen der Zeit davor kaum vergleichen kann. Innerhalb der "reinen" E-Musik lässt sich eine "Ideengeschichte" anders, womöglich auch eindeutiger erfassen, als im diffusen Neben- und Ineinander von "EU". Darum lässt sich das Wechselspiel zwischen sogenannten Subkulturen und sogenanntem Mainstream nicht so recht auf Vivaldi und seine Zeit übertragen.
Kann es sein, dass es Dir auch weniger um die "reine" Musik geht, sondern vielmehr vor allem um die (kulturellen, politischen, gesellschaftlichen, "ethnischen") Ideen, die dahinterstehen? Und somit um ein kaum entwirrbares Beziehungsgeflecht unterschiedlichster Aspekte?
@Oper vs. Musical:
Rein formell sind die Unterschiede zwischen Oper (und hier vor allem Singspiel und Operette) und Musical freilich gar nicht immer so groß. Musikalisch sind Musicals im Vergleich aber eben zumeist abartig langweilig, was durch ein effekthascherisches Bühnenspektakel ausgeglichen wird. ;D
Nee, im Ernst, ich kann mir das Zeug mit Ausnahme einiger der alten, klassischen Broadway-Musicals kaum längere Zeit anhören.
@Meyerbeer:
Die Oper kenn ich nicht. Aber in Frankreich war Ballett in der Oper Tradition. Ludwig XIV hat sich ja erfolgreich gegen die Einfuhr der italienischen Oper gewehrt (was politische Gründe hatte -- wobei es nicht so sehr um "nationalistische" Ablehnung alles Italienischen ging, sondern darum, dass er, um seinen Absolutismus auch musikalisch zu behaupten, eine eigene "Musik für den König" haben wollte). Da er selbst ein guter Tänzer war, lief es darauf hinaus, dass statt der Oper zunächst singspielartige Komödien mit Balletteinlagen am Hof gespielt wurden. Dass diese zur Unterhaltung des Hofs und zu dessen Einschwörung auf Ludwig als den Sonnenkönig dienten, ist schon mal ein wesentlicher Unterschied zum rein kommerziellen Musical. Wie auch in den anderen vom König geförderten Künsten ging es dabei natürlich nicht darum, den Geschnmack einer breiten Masse zu bedienen, sondern Musik zu machen, die genauso abgehoben vom Rest der Welt war wie die Hofgesellschaft.
Aus diesen Ballett-Komödien entstand dann unter Lully die französische (tragische) Oper. Auch hier fehlte der Tanz nicht. Das Ganze folgte allerdings nicht der Struktur einer Revue oder einer Nummernoper, sondern die Tänze waren in groß angelegte, musikalisch gekonnt aufeinander abgestimmte Szenen aus Rezitativen, kurzen Arien, Ensembles, Chören und Orchesterzwischenspielen eingebaut. Eines der berühmtesten Beispiele ist die "Schlummer-Szene" aus dem Atys (hier der Anfang (http://www.youtube.com/watch?v=am0XibDjzUs)). Für die Leute, die die Oper zu Gesicht bekamen, war das sicher auch eindrucksvoll und zweifellos war die damals in Frankreich herrschende Liebe für aufwendige Bühnenmaschinerien effekthascherisch. Aber dennoch liegt der Szene eine Musik zugrunde, die auf der Höhe des damaligen musiktheoretischen Diskurses war. Das zeigt sich auch daran, dass die Szene in ganz Europa bekannt und bewundert wurde, obwohl sie nur in Paris aufgeführt worden ist. Das bedeutet, dass das Teil auch ohne schwitzende Tänzer auf rein musikalischer Ebene (bei Lektüre der Noten) so viel Substanz hatte, dass sich Musikliebhaber und Komponisten dafür begeisterten. Unter anderem Bach, der sich zum Beispiel in der Arie "Sanfte soll mein Todesschlummer" ganz explizit darauf bezieht (und auch wusste, dass ein Teil seines Publikums diese Bezugnahme verstehen würde).
Insofern liegen die Dinge trotz Tanz und Schweiß in der Oper oft anders als im Musical. (Wobei ich nicht beurteilen kann, welchen musikgeschichtlichen Wert die von Dir genannte Meyerbeer-Oper und dort vor allem die Tanz-Szene hat. Mag sein, dass das dasselbe virtuose, aber weitgehend geistlose Dschingderassa ist, das in den großen Shows für Stimmung sorgt.)
Auch das ist wieder ein Punkt, wo m.E. deutlich wird, dass sich die Prozesse der Ideenverbreitung und -entwicklung in der Musik so grundlegend verändert haben, dass man die Epochen und "Genres" gesondert betrachten müsste. Mit heutigen Aneignungsverfahren wie zum Beispiel der Coverversion hat das ja nichts zu tun.
@Opern-Inszenierung:
Moderne Mittel zu benutzen, um Stücke zu vermitteln und dabei von mir aus auch zu kommentieren, wäre meines Erachtens Sinn und Zweck und Aufgabe des Opernbetriebs. Problematisch wird es für mich eben dort, wo Regisseure eigentlich nicht mehr vermitteln, sondern ihr eigenes Ding an den Mann bringen wollen. Bieito wollte mit seiner Entführung gar nicht mehr das sagen, was die Entführung sagen wollte, sondern er benutzte die Entführung, um einzig und allein das zu sagen, was er sagen will. Dazu wird dann schon auch mal Dialog und Handlung entsprechend abgeändert. Und in diesem Fall denke ich immer: Schreib doch lieber dein eigenes Stück.
Und wenn es nicht mehr möglich ist, alte Opern an ein heutiges Publikum zu vermitteln, ohne dass man sie massiv umschreibt, kastriert, verunstaltet und zum reinen Transportmittel für die eigenen Anliegen macht, dann muss man sich das eben eingestehen und darf keine alten Opern mehr spielen. Ich fände das schade, aber wer bin ich schon. Aber die Entführung umzuschreiben, nur damit man Tarantino-Fans in die Oper kriegt, geht gegen mein Verständnis. Es gibt Tarantino doch schon im Kino, weshalb brauche ich da Mozart?
@Serialisten
Ich werfe die Neue Musik gerne in einen Topf. Vor Allem, da ich dort nicht sehr fit bin und zum Beispiel in der neuen Musik Italien, Deutschland etc eh nicht auseinanderhalten kann.
Ich hatte die 12Tonmusik jetzt mit den Serialisten zusammengewürfelt, wie den Boogie zum Blues.
Mea Culpa.
;)
@U und E-Musik
Ich empfinde es auch so, dass mich moderne Musicals musikalisch extrem anöden. Das beste, was man erwarten kann, ist ein Ohrwurm, aber die Platte wandert dann in den Schrank und kommt alle Jubeljahre mal wieder für einen Song in den Spieler, während Musik wie Gorod bei mir alle drei Monate in der Rotation ist.
Das Publikum ist ein anderes.
Das Problem bei der Unterteilung zwischen E- un U heutzutage sind die Musiker, die ihre U-Musik ernst nehmen. ;D
Du sprichst mit dem Gedanken, dass die Ernste Musik eben jene ist, die auf eine Theorie aufbaut und auf entsprechenden Hintergrund verweist, einen interessanten Aspekt an.
Für die Zeit vor 1800 passt das mMn auch sehr gut... wobei ich kaum U-Musik aus dieser Zeit kenne, von den ganz alten Volksweisen einmal abgesehen.
Ich vemute einmal, dass Lieder wie "Hoch auf dem gelbem Wagen" und andere Arbeitslieder sehr sehr alt sind.
Deren Zweck war ja ein ganz anderer. Die Frage und Antwortgesänge zwischen Männern und Frauen waren Lied, Spiel und Zeitvertreib, Flirt und vielleicht auch Koordination der Arbeit?
Der wichtige Punkt ist das Publikum (abhängig von der Situation z.B. unter der Dusche/Verdi et al. als Wendepunkt?).
Heute zählen andere Dinge an der Musik. Sie soll die Gefühle (positiv) beeinflussen, soll Bilder und Phantasien im Kopf entstehen lassen (in drei Minuten) und sie muss sehr schnell funktionieren (nach wenige Takten).
Da ist es wichtig, dass die Melodie greift und auf den Covern die Bands visuell ganz klare Botschaften senden. Verkaufen sie den Traum von Sex mit der Popgöttin oder ist der junge Kerl da zum anhimmeln da, sind es harte Kerle, die man seinem Wunsch nach Rebellion als Projektionsfläche anbieten kann, sind es Vorbilder oder spielen sie Clowns?
Die Musik zu den Figuren wird regelmäßig ausgetauscht, genau wie die Figuren. Viel wichtiger ist, dass die Musik neu ist, denn neue Musik, ist von sich aus gut... sie zu kennen und gut zu finden gibt Ansehen, vor Allem, wenn das Gefühl für das die Gruppe steht gerade in der Peergroup hoch im Kurs steht.
Pop wird wirklich antrainiert und zwar aus vielen verschiedenen Richtungen.
Zwischen den Popsongs wird in Sekunden entschieden und die Moguln buhlen um diesen Sekundenmarkt.
Worauf ich hinauswollte:
Wenn heute mit Musik Geld verdient werden will, dann verbietet es sich, die Musik sperrig zu machen.
Früher musste sie gefallen und reizen und am Ende soll es möglich sein, sich mit anderen Kennern über Details zu unterhalten, die man vielleicht doch übersehen hat. Man kann das nicht vergleichen.
Eine geniale Idee hat hier das Zeug, eine ganze Musikrichtung für zwei oder drei Saisonen zu schaffen, während sie zur Zeit von Bach für ein Stück gereicht hat und danach zum Repertoir gehörte.
Beispiel hierfür ist der Dubstep. Übergang von Melodie zur Klangfarbenmelodie und zurück... eine komplette Musikrichtung mit Zig verschiedenen Unterstilen...Wubwubbwubb.
Das heißt allerdings nicht, dass sich hier reflektierte Betrachtung der Theorie und die Komposition der Stücke spinnefeind sind.
Ich halte diesen Ohrwurm (http://www.youtube.com/watch?v=5RbSXxwiYMY) von Marit Larsen für extrem raffiniert durchgestaltet.
Ich wette Mark und Bein, dass jede einzelne Sekunde in dem Lied begründet ist und der Komponist die ganzen Brücken, Breakdowns und Rampen mit einer Funktion benennen kann und die mit Absicht gewühlt wurden, um im drei Minutenformat der Radiomusik den Hörer immer weiterzuziehen.
Die Instrumentwahl, die Stimme alles ist haarfein abgemischt und 100% durchproduziert. Keine Kanten, nichts sperriges, alles passt und am Ende hat man das Gefühl, noch einen Refrain zu wollen, da er nach der letzten Rampe nur zweimal wiederholt wird (er ist sehr lang für ein Popsong) und offen ausklingt.
Dieser Song verschießt sein ganzes Pulver in einem Durchgang...dafür wurde er gebaut. Eine absolut verdiente Nr.1
Ein weiterer Hinweis darauf, dass Popgrößen sehr reflektiert mit ihrer Musik umgegangen sind und ist die Tatsache, dass es breiten Einfluss von E nach U gab und gibt.
Die Beatles liebten Stockhausen. (http://www.stockhausen.org/beatles_khs.html)
(Ich meine auch was in Bezug auf Grateful Dead und Stockhausen gelesen zu haben.)
Das macht es wieder so schwer E-Musik über Prädikate wie ernstgemeint, anspruchsvoll oder reflektierte Musik zu beschrieben.
Die Definition der klassischen Musik von Bernstein finde ich dort sehr lustig:
"Wenn ein Komponist ein Stück schreibt, das man allgemein als klassische Musik bezeichnet, schreibt er die genauen Noten nieder, die er haben will, und bestimmt die Instrumente oder Stimmen, die seine Noten spielen oder singen sollen - er legt sogar die genaue Anzahl der Instrumente und Stimmen fest.
Er schreibt auch so viele Anweisungen auf [...], damit er den Spielern oder Sängern so sorgfältig wie möglich mitteilt, wie schnell oder langsam, laut oder leise es sein muß [...]"
"Das heißt, dass die sogenannte klassische Musik nicht geändert werden kann, es sei denn durch die Persönlichkeit des Ausführenden. Diese Musik ist beständig, unabänderlich, exakt. Das ist ein gutes Wort: exakt. vielleicht sollten wir diese Art von Musik so nennen: exakte Musik."
(Quelle: L.Bernstein - Konzert für junge Leute, 4.Ausgabe, Kapitel "Was ist klassische Musik?)
Das bedeutet, dass man jedes Stück mittlerweile per Computer in Klassik umwandeln kann, denn dieser kann jede gespielte Note aufzeichnen, sodass man den Prozess der Musikentstehung hier umkehren kann...
Mittlerweile gehe ich davon aus, dass E-Musik Musik ist, die für eine bestimmte Art gehört zu werden gedacht ist.
Sie soll von einem Publikum gehört werden, für das U-Musik ein Schimpfwort ist und sie ist E-Musik, wenn dieses Publikum sie als E-Musik annimmt. :gasmaskerly:
Auch das Phänomen, das Jean Michel Jarre einfach mal zehn Jahre vor Phil Glass die gleichen Ideen hatte und diese auch noch schöner umgesetzt hat, bringt mich (selbstzufrieden und überlgen lächelnd) zum Schmunzeln.
Das eine ist U, das andere E.
Die Unterteilung zwischen U und E bringt einen mMn heute nicht mehr weiter.
@Musiktheoretische Neuerungen oder Kulturelle Trends und Mischformen?
Die bedeutenden neuen Musiken im 20 Jhd waren immer in kulturelle Entwicklungen eingebettet, mit ihnen verzahnt oder sonstwie mit einem Zweck versehen.
Hier nehme ich die Clubszenen eindeutig mit auf, da sie einen ziemlich abgeschlossenen eigenen Raum beschreibt und sich sogar relativ gut je nach Genre verorten lässt.
Auch hier ist die Musik zweckgerichtet.
Selbst wenn der Zweck wie beim Gabber recht einfach und klar formulier ist: zappeln und ausklinken.
Im Grunde ist das Arbeitsmusik.
Wie das "Hau-Ruck, Hau-Ruck" dabei hilft, die Kraft zu Koordinieren und einen gemeinsamen Rhythmus vorzugeben, also einen sehr engen anwendungsberiech hat, gibt einem diese Tanzmusik den Rhythmus zum Zappeln, die gängige Choreo gibt einem die Bewegungen und der Rest kann aus der Aufmerksamkeit verschwinden und irgendwann bleibt nur die Bewegung der Rhythmus in einem fort.
Die Gute-Laune-Musik, mit der man seine Stimmung aufhellen soll und das in drei Minuten und am besten während der Autofahrt oder neben der Arbeit, gibts auch noch...
Da verschwimmt Musiktheorie mit den Gesellschaftswissenschaften und zwar mMn zu recht, denn die Musik steht nicht mehr für sich alleine.
Selbst wenn es den Ursprung nicht mehr gibt, so klingt das Bild noch mit und Musiker, die dieses Bild nutzen möchten können es mit den entsprechenden Werkzeugen hervorrufen.
Wer punkig klingt, hat sofort das Klischee parat, mit dem er spielen kann.
Wer ein Grungestück covert kann dies als Miley Cyrus tun und macht ein Statement... Das Bild schwingt mit. Die Absicht ist klar: Hey, ich stehe als Privatperson in der Nähe dieser Musik!
Wenn jemand wie Peter Gabriel nun eine "Scratch my back" Reihe herausbringt, in der er mit anderen Künstlern Songs hin- und hercovert so ist dies eine Formvorgabe und der Titel gibt auch ganz klar eine Interpretationsvorgabe.
@Meyerbeer
Der war musikalisch schon auf der Höhe. Das Publikum hat das ja auch verlangt, aber der Konkurrenzdruck an der Pariser Oper war enorm. Der Bühnenzauber war da Pflicht und Meyerbeer musste sich auch immer wieder selbst übertreffen...