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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Spielleiterthemen => Thema gestartet von: Skaggs am 22.09.2012 | 11:31
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Hallo zusammen,
ich möchte Euch zu Euren Erfahrungen mit dem Erstellen einer Zeitlinie/Zeitleiste befragen.
Wie kann ich die Arbeit möglichst effektiv gestalten. Alles ist hilfreich für mich, egal ob bewährte Strategien, Quellen, Softwaretipps, was auch immer.
Hintergrund: ich möchte eine (kleinere = 2-3 Abenteuer) Kampagne entwerfen. Sie soll eine realistische historische Basis haben, nämlich die islamische Welt u. angrenzende Regionen irgendwann zwischen Beginn des Kalifats von Damaskus und Papst Urbans Kreuzzugs-Aufruf, d.h. ca. 660-1095. Im Moment bin ich dabei, diesen Zeitraum genauer einzugrenzen. Dazu möchte ich eine Übersicht über interessante Ereignisse erstellen, in Form einer Zeitline (wie im Stein "Kulturfahrplan" z.B.). Ich merke, dass da immer mehr Notizen aus unterschiedlichsten Quellen zusammenkommen, die ich organisieren muss.
Wie geht Ihr da vor?
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Ich gehe nach Szenen/Plotstress vor und schneide Zeit so zurecht, wie sie ins Abenteuer passt.
Mein erstes Problem mit Zeitleisten ist, dass es mir schwer fällt, Handlungen der Charaktere in die Spielweltzeit zu übertragen. Wenn die zur Verfügung stehende Zeit auf einen Spielwelttag begrenzt ist, kann man ganz gut mit der richtigen Zeit arbeiten, aber darüber hinaus wird es ein bisschen ungenau, wenn man - gerade in einem modernen Setting, wo Entfernungen und Reisezeit nur eingeschränkt eine Rolle spielen - abgleicht, was Charaktere alles tun können, bis Event X an Zeitpunkt t auftritt.
Mein zweites Problem mit Zeitleisten besteht darin, dass sie die Gruppe dazu animieren, sich zu trennen, um "Zeit zu sparen". Das kann man durch eine gefährliche Umwelt unterbinden, aber da stoße ich in zivilisierten Gegenden auf Glaubwürdigkeitsprobleme.
Ich versuche, beide Probleme zu minimieren, indem ich den Spielern ansage, dass Zeit entweder in Szenen gemessen wird, und sie eine bestimmte Anzahl an Szenen zur Verfügung haben, um ihre Dinger durchzuziehen, bevor ich wieder eine Szene mit einem Ereignis einleite, das zu einem bestimmten Zeitpunkt eintritt. Beispiel: "Euer Boss bestellt euch morgen um 9 Uhr zur Lagebesprechung. Wenn ihr nochwas recherchieren, ermitteln oder sonstwie tun wollt, habt ihr noch zwei Szenen Zeit, eine am Nachmittag und eine am Abend. Wenn ihr die Nacht durcharbeiten wollt, habt ihr eine Szene mehr, in der die Charaktere agieren können, die einen Wurf auf Konstitution schaffen."
Die andere Möglichkeit besteht im Plotstress. In jeder Szene produzieren die Charaktere abhängig von ihren Handlungen Plotstress, mindestens einen für die Teilnahme an einer Szene. Alle sonsoviel Punkte Plotstress tritt ein Ereignis ein. Beispiel: "Ein Kult opfert bei 10 Punkten Plotstress einen gefangenen Dorfbewohner, alle fünf weiten Punkte Plotstress einen weiteren Dorfbewohner, bis nach 25 Punkten Plotstress das Ritual vollendet ist und ein Dämon auf das Dorf losgelassen wird. In der ersten Szene, Anwerbung durch den Dorfvorsteher können die Charaktere 1 bis 3 Punkte Plotstress verursachen. 1 Punkt für die Szene generell, +1 wenn sie lange um Belohnungen oder Nebensächlichkeiten verhandeln, +1 wenn sie sachbezogene Informationen ignorieren."
Das hat natürlich klar etwas Filmartiges und eignet sich nicht so gut für eine Weltsimulation.
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Abo.
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mal wieder handytastatur, von daher sorry furs format. Das ding ist echt furn arsch.
Für die organisation der fakten habe ich keine tips, aber für die umsetzung im Spiel durchaus.
Für zeitlinien in Form von sich wandelnden Rahmenbedingungen bieten sich Plotstress oder auch ganz perfide willkürliche Sl-entscheide an. Wenn sich die Ereignisse eh außerhalb des Einflusses der sc abspielen ist das auch gar kein Problem.
spannender wird es,wenn die sc einfluss haben sollen. Jetzt ist es wichtig, zu bestimmen, wie der ergebnisraum aussehen kann. Diesen kann man jetzt in Form der Minigames aus Diaspora festhalten und während des Spiels verwalten.
Eine andere Möglichkeit ist es, kollabierende r-maps zu nutzen. Die Sc konnen hier Allianzen beeinflussen, sodass immer mehr Punkte der map zusammenfallen und diese immer einfacher wird, bis am Ende nur noch zwei Parteien ubrig bleiben.
Als enfachsten Fall nehme man eine instabile dreiecksbeziehung, bei der die sc eine Kante ändern können, sodass plötzlich klare Fronten entstehen. Zwei verbundene Dreiecksbeziehungen konnen soschkn für zwei Abende ausreichen und am ende kann man die allanzen auf dm zettel ablesen. Wenn man mag kann hier die Ecken als mini-R-maps basteln, die sich durch sc-hilfe erst einen. Zusammn mit dem Plotstress kann man hier schrittweise das Netz mobil halten und ohne große schwierigkeiten die Konsistenz wahren.
Schau dir Diaspora an, darin gibt es ein paar mächtige Ideen zur Darstellung länger Konfliktaituationen.
sers, alex
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Danke für die Antworten soweit. Auch wenn Ihr schon einen Riesenschritt weiter zu sein scheint, als ich es bin. :) Für meine basale Vorbereitung nutze ich jetzt ganz banal Tabellenkalkulation.
n.a. Dekrit, meinst Du das Fate-SF-Diaspora, oder gibt's noch ein anderes?
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Jepp Fate Diaspora.
Vllt. gibt es noch andere, aber die kenne ich nicht. ;)
Im Idealfall kommt man mit Stift und Zettel aus. Das einzig wichtige ist, sich zu überlegen, welchen Effekt man sich erwartet und ob un auf welche zehn Arten die Spieler die Ereignisse beeinflussen können.
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Wenn ich es nicht falsch verstehe, klingt es für mich nach Sandboxing & Storytelling was du da vor hast.
Softwaretipps
Ich habe in der Vergangenheit für so etwas das Storybook (http://www.novelist.ch/joomla/index.php/de/ueber-storybook) genutzt und z.B. drei parallele Handlungsstränge und Ereignisse dokumentiert (die reale Ereignisse, die der NSCs und die der SCs).
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Hallo zusammen,
also ich nutze da einfach LibreOffice als Textverarbeitung. Bezüge zu anderen Daten, Personen oder auch Abhängigkeiten kann man ja in den Text einpflegen.
Für größere Anmerkungen, Bilder, Handouts oder auch NPCs würde ich dann einfach Rahmen verwenden.
Für diese Zeit habe ich noch einen Hinweis. Die Zeit wird im Kreuzzugband zu Cthulhu Mittelalter sehr ausführlich behandelt.
Für den Fall das du noch Daten brauchst habe ich einfach Mal einen Ausschnitt meiner Timeline von 655 - 1100 angehängt.
Gruß Jochen
[gelöscht durch Administrator]
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Hallo,
und vielen Dank für die Tipps soweit. Selber tüftel ich gerade an einer LibreOffice Calc-Lösung herum (suche noch nach Strategien zur grafischen Aufbereitung). Storybook habe ich mir mal angeschaut. Diesbezüglich probiere ich aber erstmal Kabikaboo aus (weil: "richtig" Open Source"). Diaspora ist sowieso mal fällig, Weihnachten steht ja fast schon vor der Tür...
Und das Kreuzzugs-PDF ist spannend. Bin selbst noch gar nicht drauf gekommen, fiktive Ereignisse einzubauen. Aber super Idee, werde ich gleich mal klauen! :)
Danke und bis bald,
Skaggs
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Mit Zeitleisten und -linien habe ich noch nicht soviel am Hut (erstmal ein paar Karten zeichnen) aber irgendwann muß ich mir für meine Fantasy-Welt auch ein paar historische Ereignisse aus den Fingern saugen.
Aber für die bisherige Planung bzw. für Notizen meiner Kampagne benutze ich Zim (http://zim-wiki.org/index.html) und nach einem kurzen Blick auf kabikaboo muss ich sagen: erstmal wird es bei Zim bleiben. Nicht perfekt, aber es geht... und hat schon mehr Funktionalität als kabikaboo. Und ist ebenfalls in der Programmiersprache geschrieben die ich kenn, kann und mag.
Da klappt es z.b. auch schon mit in- und externen Links. Links zu externen Dokumenten nutze ich zwar noch nicht, aber intern einen direkten Link von einer Stadt-Beschreibung zu den Beschreibungen der dort lebenden NSC(s)/zu dort beginnenden bzw. mit diesem NSC beginnenden Abenteuer usw. ist schon hilfreich.
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Hallo zusammen,
@Skaggs
schön das das PDF gefällt. Ich finde die fiktiven Ereignisse je nach Setting das bespielt wird einfach sehr nützlich. Zudem kann man sie ja mit wenig Mühe umstricken oder entschärfen. Da wird das cthuloide Monster eben zu einer Naturkatastrophe oder die gemeinen Kultisten zu einer politischen Bewegung.
@Skeeve
Danke für die Erinnerung an Zim das Programm wollte ich schon lange ausprobiert haben.
Gruß Jochen