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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Blechpirat am 25.09.2012 | 13:34

Titel: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Blechpirat am 25.09.2012 | 13:34
Ich tütel gerade mit zwei Rollenspielen rum, die einen Metaplot in Form von Romanen haben: Dresden Files und Der Eine Ring. Bei DFRPG hab ich mich für einen Fork entschieden und die in den Romanen beschriebene Welt "ausgezweigt", und kann in dem neu angelegten Zweig machen was ich möchte. Bei DER habe ich Hemmungen, weil die Romane irgendwie so "biblisch" sind. Wenn ich die Romane also als Kanon betrachten möchte, dann bin ich natürlich auch an viel gebunden. Und ich bin kein echter Experte, der alle Materialen gesichtet hat (oder gar auswendig kennen würde).

Wie geht ihr damit um?
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Jiba am 25.09.2012 | 13:43
Bei Tolkien würde ich sagen: Scheiße, so krass einschränkend sind die Romane nicht, wie immer getan wird. Klar, Bilbo findet den Ring, er hütet ihn, er geht an Frodo und der wirft ihn in den feurigen Berg in Mordor. Alles andere drumherum bietet genug Möglichkeiten an Nebenschauplätzen zu glänzen. Aus der Besetzung des Auenlandes kann man eine Menge rausholen. Und DER spielt ohnehin by the book in einer Periode der Geschichte von Mittelerde, wo so wahnsinnig viel auch nicht ausgearbeitet ist (eben genau zwischen "Hobbit" und dem "Herrn der Ringe"). Die SCs können sich da auch mit den frisch aufkommenden Nazgûl anlegen, die verlorenen Palantíri suchen, die schwarzen Numenorer bekämpfen, auf einen der zwei verschollenen Ishtari treffen oder einen Tross Zwerge anführen, die, bis an die Zähne bewaffnet und dreckig, versuchen, den Gundabadberg zurückzuerobern. Du musst das deinen Spielern nur entsprechend kommunizieren: Wenn die die Bücher kennen und von sich aus im Spiel Handlungen unternehmen, die dem Metaplot in den Arsch treten, dann haben die wohl ein Interesse daran, ihr eigenes Mittelerde zu schaffen. Wenn die das nicht tun und die Vorlage unangetastet lassen; auch gut. :)

Ansonsten empfehle ich dir die Ardapedia (http://ardapedia.herr-der-ringe-film.de/index.php/Hauptseite). Die hat mir bei der Vorbereitung für meine DER-Runde sehr geholfen. :)
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: ElfenLied am 25.09.2012 | 13:53
Bei DFRPG haben wir unseren Schauplatz in eine andere Stadt gelegt. Dadurch gewinnt man doch einiges an Freiheiten.

Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: migepatschen am 25.09.2012 | 14:09
Bei DFRPG ist die psychologische Hemmschwelle auch deutlich geringer. Weil sie nicht - wie Blechpirat das so schön für HdR gesagt hat - "irgendwie so "biblisch" sind".
Ich bin ja kein Experte was HdR und die Tolkien-Welt angeht, aber mir scheint die irgendwie immer noch genug Platz zu bieten.

Und wie man Spielplätze in einem sehr viel engeren Rahmen finden kann (sowohl vom Metaplot und den Metaplöttchen und der Geographie her) braucht wohl nur mal im DSA-Forum zu fragen ;)
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: McCoy am 25.09.2012 | 14:21
Das würde ich jetzt nicht so eng sehen. Wie schon mehrere sagten. Dresden Files einfach eine andere Stadt/anderes Land und gut ist. Dann macht man dem Harry seine Geschichten nicht kaputt.

Und beim HdR gab es immer Zeiten im Buch die nicht oder kaum beschrieben waren wo genug für andere passieren konnte. Die 60 Jahre wo Bilbo den Ring im Auenland hatte oder selbst die 15-17 Jahre wo Frodo den Ring bekam und Gandalf durch die Welt zog weil er sich nicht sicher war ob das überhaupt der Eine Ring war.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: 1of3 am 25.09.2012 | 14:36
Dass sich HdR in der Wahrnehmung anders verhält als DF liegt meines Erachtens daran, dass die Erzählung bei HdR sehr auf die Protagonisten fokussiert ist. Man erhält keine Informationen darüber, was abseits geschieht. DF dagegen verwendet viel Platz darauf, die Welt zu erklären. Das klappt bei HdR nur, wenn man quasi die Apokryphen liest. Deshalb gibt es immer einen ganz großen Unterschied, zwischen den Personen, die mal die Hobbit und HdR gelesen haben, und denen die auch noch den Rest studiert haben.

Hinzu kommt, dass in DF mehrere Plots durchlaufen, so dass man als Leser Muster erkennen kann, wie diese Handlung aufgebaut wird. Bei HdR gibt es jedoch nur eine Handlung, die zudem in der Welt auch nicht wiederholbar ist.

Deshalb ziehen die Argumente, die z.B. Jiba vorbringt bei vielen Leuten nicht, selbst wenn sie an sich richtig sein mögen. HdR legt als Buch keinen Wert darauf für den Leser Muster zu erzeugen. DF tut das. Dass man sich zum DF spielen irgendeine andere Stadt nimmt, lässt sich auch ohne Lektüre des DFRPGs einfach nach Lektüre der Bücher kommen. Warum? Weil die anderen Städte sich so ähnlich verhalten werden wie Harrys, nur dass da dann eben ne andere Skyline im Hintergrund ist.

Das ist bei HdR nicht möglich. Man kann höchstens auf Mittelerde spielen, aber man kann nicht Herr der Ringe spielen.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Praion am 25.09.2012 | 14:51
Ich würde meine nächste Dresden Files Runde ja so 1 Monat nach Changes setzen. Damit hat man VIEEL Zeitraum, gerade wenn man nicht in Amerika spielt.
Ansonsten kommt es ja auch drauf an wie Settingverliebt die Spieler sind. Wenn es keinen interessiert kannst du das eh durchdrehen.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Glgnfz am 25.09.2012 | 14:57
Zur Ausgangsfrage: Jeder Metaplot kann mich an meinem glänzenden Metallarsch lecken!  >;D
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Chrischie am 25.09.2012 | 15:33
Zur Ausgangsfrage: Jeder Metaplot kann mich an meinem glänzenden Metallarsch lecken!  >;D

Das ist auch meine ansicht zu dem Thema. Deshalb finde ich es grundsätzlich schwer Romane als Material für ein Rollenspiel zu nutzen. Grunsätzlich kann das klappen wie bei DER, wo das Spiel in einer Zeit angesiedelt ist in der im Metaplot nicht viel passiert. Wenn meine Runde mit dem Metaplot in Konflikt kommt, dann würde ich immer der Gruppe und den Spielern den Vorzug vor dem Metaplot geben.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Vanis am 25.09.2012 | 15:37
Der Metaplot dient für mich als SL dazu, mir Material für meine Spielrunde zu liefern. Bei DER klappt das mit dem Setting in Wilderland wunderbar. Man kann vieles pseudohistorisch ausschmücken, die Gruppe hat aber auch genügend Gelegenheiten, selbst einiges zu reißen.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Vash the stampede am 25.09.2012 | 15:40
Der Metaplot wird in der Gruppe erspielt. Wenn Bezüge zum offiziellen Metaplot erwünscht sind oder sich ergeben, dann ist es OK. Aber grundsätzlich gilt, in dem Augenblick, in dem die Gruppe ein Setting bespielt, definieren sie den Metaplot. Das ist vielleicht auch der Grund, warum ich kaum Kaufabenteuer spiele oder mich nicht eng an, vor allem später erscheinende, Settingbücher binde.

Und zugegeben, selbst bei Mittelerde würde ich es so halten. Immerhin sollen die Spieler im Mittelpunkt stehen und nicht irgendwelche NSC.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Blechpirat am 25.09.2012 | 15:53
Meine DFRPG-Runde wollte natürlich bald Wizards spielen, oder gar Wardens, jeweils Mitglieder im Weißen Rat. Und sobald Zugang zum Weißen Rat besteht, fängt Harry D. aus C. an, ziemlich nahe an den Plot heranzurücken. Deshalb mein Abzweig aus der Welt.

Andererseits stellt sich natürlich die Frage: Warum überhaupt in einem durch Romane beschriebenen Setting spielen, wenn der durch die Romane geschaffene Kanon dann nicht gelten soll, sobald ich statt des Autors auf der Seifenkiste stehe und leite?
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Vash the stampede am 25.09.2012 | 15:58
...
Andererseits stellt sich natürlich die Frage: Warum überhaupt in einem durch Romane beschriebenen Setting spielen, wenn der durch die Romane geschaffene Kanon dann nicht gelten soll, sobald ich statt des Autors auf der Seifenkiste stehe und leite?

Wieso führst du nun noch den Begriff des Kanons ein? Was soll er aussagen?

Das Setting gibt die Rahmenbedingungen vor. Von dort aus kann gespielt werden. Wenn sich die Gruppe darauf einigt, dass man den Metaplot der Romane akzeptiert, dann ist das so. Mit all seinen Vor- und Nachteilen. Wenn man nur das Setting ab Zeitpunkt X nimmt, dann bestimmt die Gruppe den Metaplot. Irgendwo dazwischen kann man sich auch noch treffen. ;)
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Boba Fett am 25.09.2012 | 16:13
Ich muss gestehen, dass ich Dein Problem bei DER nicht ganz verstehe.
Das DER Setting spielt zwischen Hobbit und HDR und in den Wilderlands, also Regionen, die durch den späteren Handlungsverlauf nicht im geringsten berührt werden.
An Charakteren könnte man auf Elrond, Galadriel, Keleborn, Legolas und Gimli treffen...
Die meisten sind so uralt, dass sie wohl auch Spielwerte haben dürften, die ein frühzeitiges Ableben unwahrscheinlich machen dürften.

Imho sehe ich keinen Grund, warum es da zu einem Metaplot Paradox kommen sollte.
Und selbst wenn - so what?
Rollenspielsettings sind eine Spielwiese, also tob Dich aus.

Wenn Deine Skrupel zu groß sind, wechsel ins Jahr 1409 dZ und spiel in den Überresten von Arnor (Arthedain und Cardolan) im Krieg gegen Angmar und den Hexenkönig. Da hast Du jede Menge Spielraum.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: 1of3 am 25.09.2012 | 16:13
Meine DFRPG-Runde wollte natürlich bald Wizards spielen, oder gar Wardens, jeweils Mitglieder im Weißen Rat. Und sobald Zugang zum Weißen Rat besteht, fängt Harry D. aus C. an, ziemlich nahe an den Plot heranzurücken. Deshalb mein Abzweig aus der Welt.

Wobei ich mir solche Gastauftritte auch gut vorstellen kann. Hatte ich schon in verschiedenen Runden (in D&D mit Jarlaxle und in Star Wars sowieso). Das war immer unterhaltsam.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Glgnfz am 25.09.2012 | 16:19
Für mich ist das einer der Grüne in solchen Settings zu spielen - die Momente des "brushing with greatness". Wer mal an Elminsters Turm vorbeigewandert ist und dem Weisen aus dem Schattental zugewinkt hat, der weiß wofür es sich gelohnt hat, für das Gute zu streiten.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Praion am 25.09.2012 | 16:20
An sich stimmt das schon Metaplot, alles was mich stört kommt weg. Alles was bei mir passiert kann Metaplot ändern. Sachen die ich cool finde und nicht zu invasiv zum aktuellen sind werden mit eingebaut.

Richtig schrecklich ist Metaplot wenn X passieren MUSS. Dann nimmt den Spielern jeglichen Einfluss und das ganze spiel wird obsolent...
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Bad Horse am 25.09.2012 | 20:39
Metaplot nervt mich hauptsächlich dann, wenn sich den jemand explizit für die Spielwelt ausdenkt und er dann völlig an den Spielern vorbeiläuft.

Bei durch Romane (oder die historische Geschichte) vorgegebenen Entwicklungen bin ich da etwas entspannter. Wenn die Charaktere in Kontakt mit einem vorgegebenen Ereignis kommen, habe ich das auf zwei verschiedene Arten gemacht:

- Die Hörner von Hattin (Schlacht Saladin vs. Kreuzfahrer, die Kreuzfahrer verlieren): Die Charaktere waren dabei, wollten den Ausgang der Schlacht aber nicht entscheiden, sondern hatten etwas ganz anderes vor. Insofern kam dann auch kein Frusterlebnis auf, weil offen war, ob sie ihr eigenes Ziel erreichen können - und was es sie kosten wird.

- Supernatural (Apokalypse, Sam und Dean gegen Luzifer und Michael): Die Charaktere sind auf eine Sache gestoßen, die dem Kanon einen ganz anderen Ausgang verpasst hätte, wenn sie sie nicht verhindert hätten. Da das ein One-Shot war, habe ich mir gedacht: Egal, wenn sie es nicht schaffen, geht die Welt halt unter. ;)
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: LöwenHerz am 27.09.2012 | 09:13
Metaplot nervt mich hauptsächlich dann, wenn sich den jemand explizit für die Spielwelt ausdenkt und er dann völlig an den Spielern vorbeiläuft.

Bei durch Romane (oder die historische Geschichte) vorgegebenen Entwicklungen bin ich da etwas entspannter. Wenn die Charaktere in Kontakt mit einem vorgegebenen Ereignis kommen, habe ich das auf zwei verschiedene Arten gemacht:

Dito. Wobei ich auch Probleme mit romanbezogenen Spielwelten habe. Da diese veröffentlicht sind, wirken sie auf mich abschreckend und in Stein gemeißelt.

Ich bevorzuge Spielwelten, wo das Spiel im aktuellen Jahr beginnt und sich selbt fortschreibt. So, dass die SC theoretisch Einfluss nehmen könnten, oder sogar aktiv mitwirken.

Auf Mittelerde hätte ich immer das Problem, dass die Welt irgendwie fertig ist und diverse gescriptete Ereignisse der Zukunft kommen würden. Also kein Interesse. Mal ab davon, dass ich ME fürs Rollenspielen langweilig finde und sich jeder Hans und Franz darin besser auskennt, als ich ;)
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Blechpirat am 27.09.2012 | 13:12
Auf Mittelerde hätte ich immer das Problem, dass die Welt irgendwie fertig ist und diverse gescriptete Ereignisse der Zukunft kommen würden. Also kein Interesse. Mal ab davon, dass ich ME fürs Rollenspielen langweilig finde und sich jeder Hans und Franz darin besser auskennt, als ich ;)

Danke. Ich frage, wie man wohl am besten mit in der Zukunft liegenden, bereits feststehenden Ereignissen umgeht, und das ist das beste, was dir einfällt? Danke für die Beteiligung an der Diskussion.

Übrigens finde ich gerade den Ring besonders schwierig, weil ich den Metaplot aus den Romanen gerne erhalten würde. Andererseits finde ich es auch etwas lahm, die Spieler auf die Nischen zu beschrenken, die Tolkien nicht beschrieben hat. Natürlich könnte man in Gondor im Abwehrkampf gegen die Orks heroisches leisten, aber wie wichtig ist das noch, wenn doch die Zerstörung des Rings das einzig wichtige ist?

Reicht euch das als Spieler? Oder wollt ihr selbst nach Mordor ziehen?
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: LöwenHerz am 27.09.2012 | 13:22
Danke. Ich frage, wie man wohl am besten mit in der Zukunft liegenden, bereits feststehenden Ereignissen umgeht, und das ist das beste, was dir einfällt? Danke für die Beteiligung an der Diskussion.

Ja, ich umgehe diese Settings. Wenns Dir nicht passt, dass ich das zu Deiner ach so dezidierten Fragestellung pinsel, halte ich mich gern zukünftig aus Deinen Fäden raus.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Blechpirat am 27.09.2012 | 13:31
Halte ich mich gern zukünftig aus Deinen Fäden raus.

Ach komm, nicht eingeschnappt sein. Ich schätze deine Beiträge sehr - wenn sie on-topic sind.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Oberkampf am 27.09.2012 | 13:48

Übrigens finde ich gerade den Ring besonders schwierig, weil ich den Metaplot aus den Romanen gerne erhalten würde. Andererseits finde ich es auch etwas lahm, die Spieler auf die Nischen zu beschrenken, die Tolkien nicht beschrieben hat. Natürlich könnte man in Gondor im Abwehrkampf gegen die Orks heroisches leisten, aber wie wichtig ist das noch, wenn doch die Zerstörung des Rings das einzig wichtige ist?

Reicht euch das als Spieler? Oder wollt ihr selbst nach Mordor ziehen?

Auch wenn man den Ring in den Mittelpunkt stellen will, kann man die SCs ja trotzdem wichtige Arbeiten verrichten lassen, solange es nicht zu sehr in DSAismus ausartet und die SCs nur Wasserträger der Romanhelden sind. Ich kenne mich mit Tolkien nicht so gut aus, aber ich habe Lotro positiv in Erinnerung, wo man zwar dauernd den Gefährten oder Romanfiguren über die Füße gelaufen ist, aber trotzdem (zumindest gilt das für mich) trotzdem das Gefühl hatte, wichtige Sachen zu leisten. (Ok, vielleicht nicht die Tortentransporte im Auenland...) Zum Beispiel könnten die SCs einen Nazghul aufhalten, der andernfalls die Gefährten erwischt hätte usw.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: גליטצער am 27.09.2012 | 13:57
Ach kommt, Mittelerde im Zwoten und Dritten Zeitalter... da ist doch vom Ende mal abgesehen fast nix geskriptet. Wenn man natürlich unbedingt seine Spieler mit irgendwelchen Ringen Simarilli konfrontieren will, dann kann einem der Metaplot gefährlich werden. Ansonsten eher nicht. Eöl hat nicht nur zwei Klingen geschmiedet, was passierte mit den anderen? Um das Schicksal so einer Waffe könnte man eine ganze Kampagne aufbauen.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Boba Fett am 27.09.2012 | 14:15
Auf Mittelerde hätte ich immer das Problem, dass die Welt irgendwie fertig ist und diverse gescriptete Ereignisse der Zukunft kommen würden. Also kein Interesse. Mal ab davon, dass ich ME fürs Rollenspielen langweilig finde und sich jeder Hans und Franz darin besser auskennt, als ich ;)

Das sind drei Aussagen, die ich mal zerlege... ;)

dass die Welt irgendwie fertig ist und diverse gescriptete Ereignisse der Zukunft kommen würden.

Kann ich ehrlich nicht nachvollziehen.
Beispiel: Wir spielen in der Gegend um Bree (also da, wo der HdR Film und Roman begonnen hat) rund 2000 Jahre vor dem Herrn der Ringe und rund 1400 Jahre nach dem Isildur Saurons Ring an sich genommen hat.
Zu der Zeit gibt es da drei kleine Nationen als Nachkommen des Reiches Arnor, die sich gegenseitig die Nachfolge streitig machen und nebenbei noch gegen den obersten Ringgeist (hexenkönig von Angmar) und dessen bösen Reich Angmar kämpfen.
gescripted ist nur, dass diese Nationen später nicht mehr existieren, dass der Ringgeist nicht vernichtet sondern irgendwann (unbekannt) vertrieben wird und das der Ring in jener Zeit nicht gefunden wird (den hat Gollum in seiner Höhle).
Ansonsten hat man da einem sehr hübschen gut-böse Konflikt und dazu noch eine nette Zickerei zwischen drei Parteien des guten, die sich uneins sind.

Ganz ehrlich: Das ist genauso viel oder wenig gescripted wie jedes andere Rollenspielsetting...

Zitat
Mal ab davon, dass ich ME fürs Rollenspielen langweilig finde

"finde" kann ich natürlich nicht wegreden. Geschmäcker sind verschieden. Trotzdem:
Das kann ich noch viel weniger verstehen.
Beispiel siehe oben. Und das ist nur ein ME Setting von bestimmt 5 oder 6 interessanten Szenarien, die gute Ausgangssituationen fürs Rollenspiel liefern, die ich nach kurzer Recherche gefunden habe.
(Recherche: Online, Ardapedia)

Zitat
und sich jeder Hans und Franz darin besser auskennt, als ich

Okay, das ist eine Sache, aber das lässt sich ändern.
Wenn Du Dir irgendein anderes Regelwerk neu zulegst, sieht das ja auch nicht viel anders aus.

Was ich nachvollziehen kann, ist dass einem der Einstieg in die Welt Mittelerde alles andere als leicht fällt, weil Tolkien zwar geniale Ideen hatte, aber alles andere als unterhaltsame Geschichten erzählt hat, bzw. diese 75 Jahre alt sind, und man damals noch ganz anders Geschichten schrieb.
Homer Simpson könnte das in einem Satz zusammen fassen: Laaaaaaaangweilig! :)

Das geht mir bei den Büchern auch so. Zum kotzen ist das dröge!
(wenn ich mir mal diesen Kraftausdruck erlauben darf)
Bei mir kam der Stein mit der Filmtrilogie ins Rollen und seit dem rollt er ungebremst (mit kleinen Verschnaufpausen).

Da ist mir aufgegangen, dass die Geschichte selbst fantastisch ist und Tolkien einfach nur ein Vermittlungsproblem hat.
Und dass es noch eine Menge anderer Szenarien in den Zeitaltern gab, die weit ab vom Ringkonflikt existieren und jede Menge Rollenspielpotential haben. Sicherlich muss man sich einlesen und recherchieren, aber das muss man bei jedem Setting.*
Was wirklich gut ist, sind die MERS/MERP Quellenbücher (besonders die nicht übersetzten), denn die nehmen Abstand von den Ereignissen um den Ringkrieg. Die spielen auch auf der Zeit, die ich oben beschreibe. Leider sehr schwer zu bekommen.
Was auch gut ist, ist besagt Ardapedia, denn die erspart jede Menge Konsum von Quellenbüchern.

Die Gegend/Zeit wo DER spielt, finde ich auch nicht besonders interessant, weil reizlos. Und zu dicht am Geschehen.
Gondor zu der Zeit, als Rohan entsteht ist interessant, Kampf gegen Angmar ist interessant, Gondor gegen Umbar ist interessant...

*man muss sich einlesen: Da stellt sich die Frage: Dann kann ich es selber machen oder jedes andere Setting nehmen.
Jain. Natürlich, letztendlich ja.
Was Mittelerde aber auszeichnet sind 2 Dinge:
1. Vertrautheit: Durch die Filme weiss jeder wie Mittelerde aussieht, klingt, schmeckt und riecht.
2. Plausibilität: Viele Settings wirken künstlich. Auf Mittelerde trifft das nicht zu.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: LöwenHerz am 27.09.2012 | 16:29
Das sind drei Aussagen, die ich mal zerlege... ;)

Ich hingegen 'zerlege' Deine Argumentation mal nicht, erläutere Dir (und Karsten) aber gern ausführlicher, was mich zu meiner inneren Sperre bewegt. Nachher, wenn ich nen Tee aufgesetzt habe und mein Katerchen aufm Schoß schläft ;)
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Terrorbeagle am 27.09.2012 | 16:41
Ich persönlich finde ja, dass Mittelerde ein ganz hervorragendes Seting für eine alternative Zeitlinie wäre, gerade weil das ganze so bekannt ist und viele verschiedene Versatzstücke beinhaltet, die man dann so oder so ähnlich wieder auftauchen lassen kann. Gerade wenn man davon ausgeht, dass die Bücher sozusagen seting-intern von den fetten Butterkugeln aus Beutelsend verfasst wurden, kann man da eine Menge Unreliable Narrator mit rein interpretieren. Ein Beispiel hierfür wärebeispielsweise Kiril Yeskov's Last Ringbearer Nacherzählung/Variante des Settings. Hell, ich spiel schon seit Jahren mit der Idee, den ganzen Ringkrieg primär als einen wirtschaftlichen und religiös motivierten Krieg zwischen zwei ziemlich gleich (un-)sympathischen Blöcken abzuhandeln und den ganzen High Fantasy Krams eher sporadisch aufzunehmen oder als reine Legende aufzunehmen (Tom Bombadil hat nicht ohnehin mehr was von Kaiser Norton als von Rübezahl?).

So bald man selber spielt, ist das was in den Büchern steht, dreck-egal. Was zählt, ist, was man draus macht und wie anschaulich und überzeugend man das ganze dann darstellen kann. Das gilt für fixen Hintergrund genau wie für Metaplot-Gegebenheiten. Was hat allen Beteiligten völlig klar sein sollte, ist dass die jeweilige Spielrunde ihre eigene Geschichte schreibt, und ihren eigenen Stellenwert besitzt.
Sollte man es dann mit jemandem zu tun haben, der tiefere Kenntnisse des Settings bzw. des Metaplots mit einer tieferen Zuneigung zu diesen Vorgaben kombiniert, muß man al Spielleiter halt überzeugend (und gut) genug sein, dass die eigene Version des Settings eben mitreissend wirkt. Das ist nicht immer leicht, aber manchmal notwendig.
(Nebenbei: Veränderungen um der Veränderung willen sind auch nicht immer hilfreich. Es gibt schliesslich einen Grund, warum man genau dieses Setting und kein anderes ausgewählt hat, um drin zu spielen.)
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Dreamdealer am 27.09.2012 | 16:48
Meine DFRPG-Runde wollte natürlich bald Wizards spielen, oder gar Wardens, jeweils Mitglieder im Weißen Rat. Und sobald Zugang zum Weißen Rat besteht, fängt Harry D. aus C. an, ziemlich nahe an den Plot heranzurücken. Deshalb mein Abzweig aus der Welt.

Da Harry in den Anfangsromanen den Weißen Rat eher meidet und selbst als Warden sehr selten tatsächlich in England auftaucht, dürfte das Selten ein Problem sein. Könnte ja sogar cool sein, wenn die Magier von Ihrem Lehrmeister vor diesem Querulanten und schwarzen Schaaf gewarnt worden sind. Wenn er auftaucht macht er ja auch eher auf dicke Eier und man könnte ihn arrogant
rüberkommen lassen. Wieviel wissen schon die "normalen" Magier von seinem Kampf gegen alles Üble. Der Typ ist Schuld an dem
Krieg, der evtl. das Leben von Freunden gekostet hat. Solange man sich nicht in SEINER Stadt aufhält, sollte es wenig Probleme geben.

Vielleicht liegt der Unterschied zwischen Tolkien + Butcher Settings auch darin, dass Tolkien´s Setting abgeschlossen ist und wir noch nicht genau wissen, was der gute Herr Butcher noch so vor hat...
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Tudor the Traveller am 27.09.2012 | 17:08
Da ist mir aufgegangen, dass die Geschichte selbst fantastisch ist und Tolkien einfach nur ein Vermittlungsproblem hat.

Naja, ich würde es nicht als Vermittlungsproblem sehen. Das Problem liegt doch eher in der Erwartungshaltung des Lesers, der einen Fantasy-Roman erwartet, aber statt dessen eine Art Erlebnisbericht bekommt...

Ich würde bzgl. LotR so verfahren: Mit den Spielern abklären, welche Priorität der Metaplot haben soll. Das geht von "unantastbar" über "grob bewahren" bis hin zu "irrelevant".

I kill Gandalf!

a) Gandalf ist unantastbar, das wurde vereinbart. Du kannst es gerne ausspielen, aber du MUSST scheitern.

b) Ok. Solltest du Erfolg haben gibt es ja auch noch ein paar andere Zauberer, die Gandalfs Rolle übernehmen können.

c) Ok. Schauen wir mal, wo das hinführt...
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Vanis am 27.09.2012 | 17:16
Mittelerde eignet sich in meinen Augen ganz wunderbar als Setting, da es abseits des Herr der Ringe so unendlich viele Freiheiten für Spielgruppen gibt, das ich sie gar nicht alle aufzählen kann. Neben dem Ringkrieg existieren spannende Settings in anderen Zeitlinien. Ich bin sogar mal ins Zweite Zeitalter mit einer Gruppe gesprungen. Da kennt sich eh kein Mensch aus. Aber auch im Dritten Zeitalter gibt es so viel Raum, dass sich Spieler in keinster Weise eingeschränkt fühlen müssen. Mers ist da ein gutes Beispiel, das es immerhin auf dutzende Abenteuer und Quellenbücher gebracht hat. Der Eine Ring spielt in einer Zeit, die Tolkien nur bruchstückhaft beschreibt, die Spieler haben also die Chance, tatsächlich den Verlauf der Geschichte mitzugestalten.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Dash Bannon am 27.09.2012 | 17:23
also Mittelerde zur Zeit des Ringkrieges zu bespielen halte ich zwar für eher uninteressant, aber wer das will, kann das doch machen und auch wüst Änderungen vornehmen

ME, da bin ich ganz bei Vanis, bietet aber noch andere, interessante Zeitperioden

und warum nicht im 4.ZA spielen?
der Osten ist jetzt zugänglich, da kann man theoretisch auch Sandboxen (da ist eh nahezu nichts beschrieben)
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Bad Horse am 27.09.2012 | 17:34
Ich finde die Dresden-Files-Welt zugänglicher - kein Wunder, schließlich setzt sie nahtlos auf unserer auf, garniert mit den Ideen, die Jim hatte, und sämtlichen Urban Legends, die ich aus dem Internet oder meinen Fingern saugen kann. Der Plot ist (bis zu Changes, zumindest) auch nicht ganz so weltumspannend - wenn man nicht gerade in Chicago spielt, kann einem der olle Harry erstmal relativ egal sein.

Bei Tolkien hat man eben nur die Tolkien-Linse, die diverse Ereignisse beleuchtet. Klar, da ist sicher noch viiieeel mehr passiert. Aber da hab ich ein bisschen das Gefühl, dass ich vor dem Edda- und Beowulf-Hintergrund spiele - und zwar in Nordafrika. ;) Das Interessante an dem Setting sind ja durchaus die Geschichten; die einzelnen Kulturen sind doch eher spärlich beleuchtet.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: LöwenHerz am 27.09.2012 | 17:49
Kann ich ehrlich nicht nachvollziehen.
Beispiel: [...]

Ganz ehrlich: Das ist genauso viel oder wenig gescripted wie jedes andere Rollenspielsetting...

Doch. Es ist insofern gescriptet, als das gewisse geschichtliche Ereignisse in der Zukunft passieren werden. Dazu aber später nochmehr.
Recht gebe ich Dir, dass man sich auch dort einen eigenen Rahmen stecken kann. Der ist aber, das liegt in der Natur der Sache, mir zu eng gesteckt.

Zitat
"finde" kann ich natürlich nicht wegreden. Geschmäcker sind verschieden. Trotzdem:

Hehe, schön gesagt. Ich finde Mittelerde zu dröge. Daran wirst Du trotz Deiner Argumente kaum etwas ausrichten können. Kein Streitpunkt wert, wie ich finde ;)

Zitat
Okay, das ist eine Sache, aber das lässt sich ändern.
Wenn Du Dir irgendein anderes Regelwerk neu zulegst, sieht das ja auch nicht viel anders aus.

Ich spiele Settings am letzten beschriebenen Tag. Es gibt eine Geswchichte bis zu dem Tag und diese wird während des Spiels fortgeschrieben. Ich mag keine Fesseln, die mir ein Setting -was dessen Zukunft betrifft- auferlegt. Und ich habe auch keine Lust, ein Setting spielzuleiten, wo mir dann ein Kontinuitätsnazi theoretisch sagen könnte:
"Äh hallo?!?!? Das ist aber eigentlich ganz anders..."
Das liegt aber an unserem Spielstil. Wir leiten zwar nicht immer epische Kampagnen, aber die Charaktere hinterlassen immer ihre Fußspuren und können große Dinge bewirken. 'Nutzlose Tunichtgute' (vorsicht, Übertreibung!) sind wir ja alle im RL, im RSP wollen wir larger-than-life sein. Diese Möglichkeit gebe ich den Spielern und diese wissen das gut zu nutzen.
Ein vorgefertigter Metaplot ist für meine kreative Entfaltung hinderlich und einengend.

Vielleicht ist es jetzt etwas klarer geworden ;)
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Oberkampf am 28.09.2012 | 16:16
Hell, ich spiel schon seit Jahren mit der Idee, den ganzen Ringkrieg primär als einen wirtschaftlichen und religiös motivierten Krieg zwischen zwei ziemlich gleich (un-)sympathischen Blöcken abzuhandeln und den ganzen High Fantasy Krams eher sporadisch aufzunehmen oder als reine Legende aufzunehmen (Tom Bombadil hat nicht ohnehin mehr was von Kaiser Norton als von Rübezahl?).

Das ist eine sehr geniale Idee. So würde sogar mir Mittelerde gefallen.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Terrorbeagle am 28.09.2012 | 16:27
Das ist eine sehr geniale Idee. So würde sogar mir Mittelerde gefallen.
Bin gerade dabei. Sonntag oder so kann ich mal ein paar Erste Ideen zu Mordor, Orks und Sauron posten, aber bisher ist mir meine Version noch zu apologetisch.
Titel: Re: Umgang mit Metaplot
Beitrag von: Radulf St. Germain am 28.09.2012 | 18:08
Ich habe eigentlich ganz gern einen Metaplot. Wichtig ist nur, dass die Ziele der Spieler nicht die Ziele der mächtigen NPCs sind. Man sieht im Hintergrund die großen Ereignisse ablaufen (Kampf um Gondor usw.) und ist vielleicht sogar dabei, hat aber dort eine andere Aufgabe.

Leider(?) fühlen sich aber manche Spieler durch "unantastbare" NPCs herausgefordert. So hat meine Gruppe bei Rippers doch tatsächlich Sherlock Holmes getötet, weil der Ihnen auf die Spur kam. Tja, danach wurde England eine Diktatur unter Premierminister Moriarty.  >;D Das hatte nichts mit der eigentlichen Handlung zu tun - da ging es gegen das Übernatürliche - aber es war dann jedem bewusst, dass in der Spielewelt nichts gescriptet ist....