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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Ludovico am 7.11.2012 | 01:45

Titel: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 7.11.2012 | 01:45
Hallo und guten Abend alle zusammen!

In der Diskussion über Attribute im Kampf meinte ich, dass es bei der Schadensbestimmung egal sei, welche Waffe genutzt werde. Viel wichtiger sei der Anwender und dessen Befähigung die Waffe zu führen und ihre Eigenschaften zu seinem Vorteil einzusetzen.

Ich behaupte nicht, dass die Wahl der Waffe egal ist. Aber ich behaupte, dass die Wahl der Waffe und deren Effizienz vom Können des Nutzers abhängen. Es ist also quasi der Anwender, der den Schaden verursacht und nicht die Waffe, denn er zielt und schlägt oder schießt.

Deshalb finde ich es in Rollenspielen auch teilweise sehr schade, dass Waffen mit einem Modifikator für Schaden versehen werden, wenn es doch halt nicht das Breitschwert ist, was Knochen und Fleisch zerschmettert, sondern derjenige, der es führt.

Dieser Umstand trägt  dann teilweise merkwürdige Blüten gerade im klassischen RPG. Da haben wir dann extrem fähige Messerkämpfer, die von einfachen ungebildeten Soldaten mit Hellebarden erledigt werden (obwohl ein fähiger Messerkämpfer den Infight suchen würde, um den Reichweitenvorteil der Hellebarde zu negieren), Fechter, die zu Recht von Barbaren und Rittern mit Zweihandäxten und Schwertern belächelt werden (obwohl ein Degen viel leichter an eine vitale Stelle kommt als eine Axt).

Ich fand es bei Spirit of the Century  super, dass alle Waffen den gleichen Schaden machten... bis man schließlich auch davon abgekommen ist. Okay, in Cold City gibt die Benutzung einer Waffe gerade mal einen Bonus von +2 auf den Dice Pool, ganz egal ob es ein Maschinengewehr oder ein Colt M1911 ist. Aber viel mehr Beispiele fallen mir auch nicht ein.

Dabei sieht man gerade in Kungfu-Filmen aber auch diversen amerikanischen Actionmovies wie un- oder nur leicht bewaffnete Protagonisten gegen schwer bewaffnete Antagonisten bestehen und sie bestehen, weil sie besser sind... ok, und weil sie Glück haben.

Sowohl im realistischen Bereich als auch im cinematischen Bereich entscheidet somit also nicht die Waffe über den Ausgang eines Kampfes, sondern ausschließlich Befähigung und Glück.

Aber wieso ist es im Rollenspiel dann so, dass insbesondere die Bedeutung der Befähigung im RPG gemindert wird durch den fiktiven Faktor Waffe (Das Glück bleibt von diesem Faktor oft unangetastet)?

Das will mir nicht in den Kopf.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Schlaym am 7.11.2012 | 01:56
Auf solche Probleme bin ich auch gestoßen, und eine wirklich elegante Lösung ist mir noch nicht eingefallen. Meist stört mich bei Spielen auch nicht, wie es geregelt ist, und da bietet meiner Meinung nach DSA 4.1 gerade aufgrund seiner Komplexität mit den Sonderfertigkeiten schöne Ansätze.

Die Art der Waffe würde ich bei einem System mit entsprechender Detailtiefe jedoch auch nicht außer Acht lassen. Ich schätze, jemand, der nie kämpfte, ist mit einer Kettensäge trotzdem gefährlicher als mit einem Küchenmesser.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: rettet den wald am 7.11.2012 | 02:02
Persönliche Meinung von mir: Eine Hellebarde ist für den offenen Kampf halt einfach besser geeignet als ein Messer. Aus diesem Grund sind historische Soldaten auch mit Hellebarden in die Schlacht gezogen, und haben Klingen nur als Zweitwaffe verwendet. Wie man auf die Idee kommt, diese beiden Waffen in einem realistischen Kontext gleichzusetzen, will mir nicht in den Kopf.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 7.11.2012 | 02:11
@Rettet den Wald
Simpel!
Eine Hellebarde ist super, wenn man in Formation kämpft und hat einen schönen Reichweitenvorteil. Ein fähiger Kämpfer kann damit einiges ausrichten. Aber jemand, der eine viel kürzere Waffe wie ein Messer zu nutzen weiss und nah an den Hellebardenkämpfer herankommt, hat den Vorteil und der Hellebardenkämpfer das Nachsehen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Dr. Shoggoth am 7.11.2012 | 02:20
In vielen Spielen wird das Können doch auch direkt oder indirekt im Schaden berücksichtigt. Mehr Erfolge/Besseres Angriffsergebnis füht zu mehr Schaden, dazu verschiedene Talente/Sonderfertigkeiten/Manöver und wie sie alle heißen. Ebenso verhält es sich mit der Reichweite der Waffe, die berücksichtigt wird.
Die Art des Schadens ist schon sehr unterschiedlich je nach Waffe. Es ist halt sogut wie mit jeder Waffe möglich einen Menschen mit einem Schalg zu töten. Das berücksichtigen aber die meisten klassischen Systeme halt nicht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: rettet den wald am 7.11.2012 | 02:21
Eine Hellebarde ist super, wenn man in Formation kämpft und hat einen schönen Reichweitenvorteil. Ein fähiger Kämpfer kann damit einiges ausrichten. Aber jemand, der eine viel kürzere Waffe wie ein Messer zu nutzen weiss und nah an den Hellebardenkämpfer herankommt, hat den Vorteil und der Hellebardenkämpfer das Nachsehen.

Absolut korrekt... Sobald du sagst "Hellebarden haben Reichweitenvorteil, Messer sind gut im Handgemenge" hast du aber schon einen regeltechnischen Unterschied zwischen den beiden Waffen definiert.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 7.11.2012 | 02:32
In vielen Spielen wird das Können doch auch direkt oder indirekt im Schaden berücksichtigt. Mehr Erfolge/Besseres Angriffsergebnis füht zu mehr Schaden, dazu verschiedene Talente/Sonderfertigkeiten/Manöver und wie sie alle heißen.

Das stimmt, allerdings sind diese Talente und die Befähigung bei der Trefferwirkung meiner Erfahrung nach eher das i-Tüpfelchen. Entscheidend ist dagegen, welche Waffe benutzt wird.

Zitat
Ebenso verhält es sich mit der Reichweite der Waffe, die berücksichtigt wird.

Zum Glück machen das nur wenige Spiele wie DSA mit der unsäglichen DK.

Zitat
Die Art des Schadens ist schon sehr unterschiedlich je nach Waffe. Es ist halt sogut wie mit jeder Waffe möglich einen Menschen mit einem Schalg zu töten. Das berücksichtigen aber die meisten klassischen Systeme halt nicht.

Bei D&D und vielen anderen vergleichbaren Spielen (meiner Meinung nach sogar im überwiegenden Teil) wird durch einen Treffer eine bestimmte Anzahl an Hitpoints abgezogen. Da wird kein Unterschied gemacht, ob es  sich um Knochenbrüche, Schussverletzungen, innere Blutungen oder so handelt. Der Unterschied bei den verursachten Verletzungen liegt lediglich in der Quantität der verlorenen HP.

@rettet den wald
Ja, daraus könnte man einen regeltechnischen Unterschied machen. Meine Meinung ist aber, dass die Realität so überaus komplex ist und sogar wohl wesentlich mehr Faktoren in einer Situation eine Rolle spielen als nur Kompetenz und Glück. Da wären noch Wetter, Windverhältnisse, Bodenbeschaffenheit, Gegenstände in der Umgebung, Kleidung, Anzahl der Mücken in der Luft,... Es gibt eine Unzahl an Faktoren.
Aber wir spielen Rollenspiele und diese können nur ein Modell der Realität bzw. von Filmen abliefern. Sie müssen vereinfachen und abstrahieren und deshalb finde ich auch, dass nur die wichtigsten Faktoren in einen Rollenspielkampf Einzug finden sollten und das sind eben Kompetenz und Glück.

Ein fähiger Messerkämpfer weiß sicher, wie er ausweichen kann. Das gehört zu einem Messerkampf dazu und auch wie er schnell die Distanz verkürzen kann. Das fällt für mich alles in den Bereich der Kompetenz. Ein gleichguter Hellebardenkämpfer weiss dagegen, wie er seine Gegner auf Abstand halten kann, wo er sie aufspiessen kann.

Wer gewinnt?
Derjenige, der seine Waffe besser einsetzt. Man könnte also sagen, dass der Bessere gewinnt und nicht derjenige, der die dickere Waffe hat.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: El God am 7.11.2012 | 04:13
Zitat
Ist das eigentlich im Moment große Mode, sinnlose Diskussionen zu starten?

Darüber sollten wir mal diskutieren.

Was ist eigentlich eine Diskussion?

SCNR  ~;D
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: 1of3 am 7.11.2012 | 06:59
Aber wieso ist es im Rollenspiel dann so, dass insbesondere die Bedeutung der Befähigung im RPG gemindert wird durch den fiktiven Faktor Waffe (Das Glück bleibt von diesem Faktor oft unangetastet)?

Das will mir nicht in den Kopf.

a) Schon immer so gewesen. Das ist überhaupt die ultimative Begründung für so ziemlich alle typischen Regeln in Rollenspielen: Schon immer so gewewesen.

b) Man kann Ausrüstung als Beschreibung benutzen, um zu glaubhaft zu machen, dass gewisse mechanische Auswahlen modular und umkehrbar sind. Man kann Waffen eben wechseln.


Bei D&D und vielen anderen vergleichbaren Spielen (meiner Meinung nach sogar im überwiegenden Teil) wird durch einen Treffer eine bestimmte Anzahl an Hitpoints abgezogen. Da wird kein Unterschied gemacht, ob es  sich um Knochenbrüche, Schussverletzungen, innere Blutungen oder so handelt. Der Unterschied bei den verursachten Verletzungen liegt lediglich in der Quantität der verlorenen HP.

D&D ist da auch ein spezieller Fall. Da kommt es nämlich im Grunde tatsächlich nicht auf die Waffe an. Höchstens auf die Frage, 1-Hand oder 2-Hand-Waffe, aber welche Waffen zur Auswahl stehen hängen im Grunde schon von der Klasse und weiteren Auswahlen beim Charakterbau ab. Wenn man dann noch annimmt, dass der Spieler nicht die möglichen, sondern optimalen Auswahlen in Betracht zieht, dann hängt es wirklich nur noch vom Charakter ab.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: RaaPhaell am 7.11.2012 | 08:25
Die Dominanz des "fiktiven Faktors Waffe" hängt glaube ich auch mit der guten alten Grundidee von Loot, von Jagen und Sammeln, zusammen. Man freut sich ja eben nicht nur, wenn der SC besser wird (sagen wir, Stufe/Stärke wird erhöht, was zu höherem Schaden führt), sondern eben auch über das neue Schwert, das 1 Schaden mehr macht. Oder +3 gegen Vampirmaulwürfe. Und gerade viele ältere Systeme (wie 1of3 sagt: "Schon immer so gewesen") bau(t)en darauf.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ChristmasFrog am 7.11.2012 | 08:40
Ich behaupte nicht, dass die Wahl der Waffe egal ist. Aber ich behaupte, dass die Wahl der Waffe und deren Effizienz vom Können des Nutzers abhängen. Es ist also quasi der Anwender, der den Schaden verursacht und nicht die Waffe, denn er zielt und schlägt oder schießt.

Du schreibst ja schon, dass die Wahl der Waffe NICHT egal ist. Darauf wollte ich noch weiter eingehen, denn es gibt Waffen, mit denen auch ungeübte Kämpfer schon großen Schaden verursachen können. Ich denke, dass es sich hier um ein Beobachtungsproblem handelt:

Ein fähiger Kämpfer wird, unabhängig von der Waffe, Lücken in der Deckung des Gegners ausnutzen und seine Waffe an Stellen einsetzen, wo die Wirkung maximiert wird. So steigt quasi mit der Fähigkeit der Schaden.
Bei Waffen, die vom Körper beschleunigt werden, kommt zusätzlich durch das Können des Kämpfers nochmal ein besserer Wirkungsgrad raus, weil er die eingesetzte Energie besser ins Ziel bringt.

Andererseits verursachen Waffen/Objekte je nach Energie unterschiedliche Effekte. Nehmen wir mal einen Knüppel und ein Messer als Vergleich. Wenn beide Waffen mit gleicher Energie auf einen Arm treffen, dann kann das beim Knüppel zu einem temporären Ausfall des Arms führen (was auch für den Kampf ausreichen kann), das Messer aber durchtrennt Muskeln, was den Arm für sehr viel längere Zeit einschränkt und führt zu mehr oder weniger starkem Blutverlust.

Bei Waffen, die nicht vom Körper beschleunigt werden, ist der Effekt noch stärker. Egal, ob ein Schütze trifft, weil er so gut ist, oder ob er schlecht schießt und jemand anders treffen wollte, die Person, die getroffen wird, erleidet in der Regel enormen Schaden.  
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Boba Fett am 7.11.2012 | 08:46
Moin Olli!

Aber wieso ist es im Rollenspiel dann so, dass insbesondere die Bedeutung der Befähigung im RPG gemindert wird durch den fiktiven Faktor Waffe (Das Glück bleibt von diesem Faktor oft unangetastet)?

Zunächst mal Antwort: Weil es dann noch mehr crunchy bits gibt.
Ausserdem: Das Glück wird in der Regel durchh Zufallselemente (Würfel) repräsentiert.
Und: So ganz unwichtig ist die Wahl der richtigen Waffe ja nicht.
Entscheident ist hier aber nicht die "bessere" sondern die "richtige".
Es mag jede Menge Situationen geben wo eine Waffe besser geeignet ist, als eine andere.
Generell ist aber eigentlich entscheident, dass man die für sich am besten geeignete Waffe wählt.
kleine, schmächtige Leute mit zu großen Waffen sind genauso schlecht ausgerüstet, wie grobe langsame mit einer Fechtwaffe.

Will sagen DA steckt jede Menge Potential. Schreib doch ein System, das es anders macht... ;)

Nebenbei: Es gibt Systeme, die kaum Unterschiede zwischen den Waffen machen. War es nicht bei 7te See (GRW) so, dass es egal war, ob man einen Degen, ein Rapier oder einen Säbel oder ein Entermesser verwendete?
Und es gibt auch Systeme, die für bestimmte Völker bestimmte Waffen mit Boni (besser geeignet) versehen.
Man könnte das bestimmt noch optimieren, in dem man das dann noch mit Boni und Mali für Kampfsituationen versieht. Aber ich glaube, das wird dann den meisten zu viel Optionsgerechne.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 7.11.2012 | 08:50
Danke 1of3 und Raaphaeli und die anderen!

Ich stimme zu, dass es wohl etwas mit der Nostalgie zu tun hat. Dennoch wird dieses System heutzutage aus meiner Sicht unreflektiert gernr uebernommen und als realistisch verteidigt.

Systeme, die keinen Waffenschaden beruecksichtigen, finden sich nur wenige und dann nur in der Indyecke. Wo bleibt da die Vielfalt?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 7.11.2012 | 09:02
Ich glaube, das in dem meisten Kampfsituationen, wo die Leute nicht eng aufeinanderhocken, der letzte Noob mit einem Schwert einen mittelmäßigen Messerkämpfer fertigmacht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Darius der Duellant am 7.11.2012 | 09:06
Zitat von: Ludovico link=topic=78162.msg1614813#msg1614813
Aber ich behaupte, dass die Wahl der Waffe und deren Effizienz vom Können des Nutzers abhängen
.

Das ist sicher nicht falsch.

Zitat
Es ist also quasi der Anwender, der den Schaden verursacht und nicht die Waffe, denn er zielt und schlägt oder schießt.

Das hingegen ist ein aus der obigen Aussage unzulässiger Schluss.
Die Zielwirkung zwischen .22 und .50 unterscheiden sich nunmal gravierend, auch wenn der selbe Schütze schiesst.


Deshalb finde ich es in Rollenspielen auch teilweise sehr schade, dass Waffen mit einem Modifikator für Schaden versehen werden, wenn es doch halt nicht das Breitschwert ist, was Knochen und Fleisch zerschmettert, sondern derjenige, der es führt.

Zitat
Dieser Umstand trägt  dann teilweise merkwürdige Blüten gerade im klassischen RPG. Da haben wir dann extrem fähige Messerkämpfer, die von einfachen ungebildeten Soldaten mit Hellebarden erledigt werden (obwohl ein fähiger Messerkämpfer den Infight suchen würde, um den Reichweitenvorteil der Hellebarde zu negieren), Fechter, die zu Recht von Barbaren und Rittern mit Zweihandäxten und Schwertern belächelt werden (obwohl ein Degen viel leichter an eine vitale Stelle kommt als eine Axt).

Du hast ein merkwürdiges Verständnis von tödlichkeit.
Zu unterschiedlichen einwirkungen verschiedener Waffen auf den Körper schrieb oben schon jemand was, aber noch ein kurzes Wort zur tödlichkeit:
Tödlich =! Tödlich
Ein durchstossener Lungenflügel ist in den relevanten Zeitaltern tödlich.
Eine derartige Verletzung ist aber nicht so gravierend dass das Opfer sofort handlungsfähig wird.


Zitat
Dabei sieht man gerade in Kungfu-Filmen aber auch diversen amerikanischen Actionmovies wie un- oder nur leicht bewaffnete Protagonisten gegen schwer bewaffnete Antagonisten bestehen und sie bestehen, weil sie besser sind... ok, und weil sie Glück haben.

Und wie realistisch sind diese Filme?

Zitat
(...) im realistischen Bereich (...) entscheidet somit also nicht die Waffe über den Ausgang eines Kampfes, sondern ausschließlich Befähigung und Glück.


Mehrere tausend Jahre des notwendigen intensiven Forschens und verbesserns an Todmachern beweisen das Gegenteil.


/Edit:
Erik geht hier in die passende Richtung.
Die Güte einer Waffe kann einen Unterschied in der Befähigung ausgleichen und ist damit übertragen aufs RPG eine legitime Stellschraube.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: El God am 7.11.2012 | 09:12
Was man auch nicht vergessen sollte, ist der regeltechnische Einsatz von Waffenwerten, um einen unterschiedlichen Kampfstil zu simulieren: Es fühlt sich erstmal logisch an, dass man mit mächtigen schweren Waffen viel Schaden anrichtet. Dazu erwartet man, dass man damit nur langsam agieren oder schwieriger treffen kann - das sind dann Punkte, die nur noch einige Regelwerke einsetzen.

Zitat
Ein durchstossener Lungenflügel ist in den relevanten Zeitaltern tödlich.
Eine derartige Verletzung ist aber nicht so gravierend dass das Opfer sofort handlungsfähig wird.

Ich glaube, da sitzen viele viele Rollenspieler einem krassen Fehler auf. Tatsächlich wird man oft schon mit definitiv nicht-tödlichen Wunden quasi sofort kampfunfähig. Ich habe schon anderswo geschrieben, dass man einen Schock nach einer Verletzung nicht unterschätzen sollte, ein ordentlich gebrochener Knochen verursacht u.U. Schmerzen, die dich *alles andere* vergessen lassen, ein durchstoßener Lungenflügel lässt dich *in deinem eigenen Blut ertrinken* - du denkst definitiv nicht mehr ans Weiterkämpfen. Ob man das alles mit einbeziehen will, ist eine Frage der Abstraktion (und ich persönlich will das definitiv nicht!), wenn man aber schon das Primat des Realismus annimmt, kommt man imho nicht drum herum.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 7.11.2012 | 09:20
@Boba
Ich stimme zu, dass die richtige Waffe eine Rolle spielt. Der Status Quo derzeit ist aber leider, dass es nur bessere und schlechtere Waffen gibt. 7th Sea hat das leider auch gemacht, bloss dass die Einteilung groeber war.
Was das Schreiben eines Systems angeht, so hab ich zwar Ideen, aber nicht die Befaehigung, sie niederzuschreiben.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Darius der Duellant am 7.11.2012 | 09:23
Was man auch nicht vergessen sollte, ist der regeltechnische Einsatz von Ich glaube, da sitzen viele viele Rollenspieler einem krassen Fehler auf. Tatsächlich wird man oft schon mit definitiv nicht-tödlichen Wunden quasi sofort kampfunfähig. Ich habe schon anderswo geschrieben, dass man einen Schock nach einer Verletzung nicht unterschätzen sollte, ein ordentlich gebrochener Knochen verursacht u.U. Schmerzen, die dich *alles andere* vergessen lassen, ein durchstoßener Lungenflügel lässt dich *in deinem eigenen Blut ertrinken* - du denkst definitiv nicht mehr ans Weiterkämpfen. Ob man das alles mit einbeziehen will, ist eine Frage der Abstraktion (und ich persönlich will das definitiv nicht!), wenn man aber schon Realismus als Primat annimmt, kommt man imho nicht drum herum.

Da möchte ich dir entschieden widersprechen.
Adrenalin kann kurzzeitig verdammt viel negieren und in einem Kampf auf Leben & Tod ist der Adrenalinausstoss auch nicht zu unterschätzen.
Ein tödlicher Stoss der ein Opfer noch mehrere Sekunden Handlungsfähig lässt, ist einfach nicht unproblematisch.
5 Sekunden sind im Nahkampf verdammt lange, da lassen sich noch diverse Stösse ansetzen.
Unterhalte dich mal mit Polizisten oder Soldaten die Auslandseinsätze hinter sich haben über das Thema Mannstopwirkung und Handlungsunfähigkeit durch Trauma.
Wenn du magst kann ich dir auch per PN ein Video zukommen lassen dass das Problem relativ anschaulich klarmacht (Überfallopfer wehrt sich auch nach einem Kopf- und mehreren Körpertreffern durch eine Schusswaffe noch einige Zeit, bevor es stirbt).
Danach versteht man (oder  zumindest war es bei mir so) auch, warum ein auf einen einzelnen Angreifer leergeschossenes Magazin eben nicht umbedingt Overkill ist.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Crimson King am 7.11.2012 | 09:29
Saga hatte in den 80ern ein System, in dem nicht Schaden verursacht, sondern die Qualität des Angriffs geprüft und mit der Qualität der Verteidigung geprüft wurde. Die Waffe in Kombination mit der Fertigkeit bestimmte die Wahrscheinlichkeiten, eine bestimmte Schadensqualität zu erreichen. Dabei war ein Treffer der Stufe "gut" mit dem Dolch gleichwertig der Stufe "gut" mit dem Maschinengewehr.

Effektiv arbeiten auch viele cruncharme, erzählorientierte Systeme mit Methoden, die die Waffe ignorieren. PDQ# z.B. interessiert sich für die verwendete Waffe überhaupt nicht, auch für FATE gibt es Möglichkeiten, ohne Ausrüstungsliste zu spielen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: El God am 7.11.2012 | 09:31
Darius: Alles im Konjunktiv. Das, was du beschreibst, ist genauso wenig *die Regel*, wie das, was ich beschreibe. Es gibt krasse Beispiele von Leuten, die mit dem sprichwörtlichen Messer im Rücken weiterlaufen und Leute, die von einem umgenickten Fingernagel umfallen.

Ludovico: Suchst du Systemvorschläge, Bastelideen oder einfach Bestätigung/ Kritik für deinen Gedankengang?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 7.11.2012 | 09:33
Wir koennen zumindest festhalten, dass es zwei verschiedene Ansaetze gibt.
Aber wieso findet sich nur einer im RPG wider?

@Darius
Kurze Antwort, weil ich ueber Smartphone tippe:
Ich stimme nicht zu.
 
Was den Adrenalinausstoss angeht, so stimme ich zu und das gilt auch fuer den Kampf mit schweren Waffen. Jemandem, dem der Arm halb abgehackt wurde, wird nicht zwangsweise langsamer oder
weniger gefaehrlich.

 
Soldaten erzaehlen viel, wenn der Tag lang ist.
 

@Dolge
Alles aber insbesondere Systemvorschlaege.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Darius der Duellant am 7.11.2012 | 09:37
Darius: Alles im Konjunktiv. Das, was du beschreibst, ist genauso wenig *die Regel*, wie das, was ich beschreibe.

Eine nicht-sofortige Kampfunfähigkeit bei Treffern die ausserhalb des Zentralstreifens erfolgen scheinen mir nach allem was ich gelesen habe doch eher die Norm zu sein.

Mal als Querinfo:
http://www.copzone.de/phpbbforum/viewtopic.php?f=8&t=67352
(Trooper ist übrigens ausbilder)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 7.11.2012 | 09:39
Naja, ich denke, jeder von uns hat sich ja schonmal selbst verletzt, z.B. sich was gebrochen. Daran kann man ja selbst abschätzen, wie handlungsfähig man noch ist.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: pharyon am 7.11.2012 | 09:48
Ich behaupte nicht, dass die Wahl der Waffe egal ist. Aber ich behaupte, dass die Wahl der Waffe und deren Effizienz vom Können des Nutzers abhängen. Es ist also quasi der Anwender, der den Schaden verursacht und nicht die Waffe, denn er zielt und schlägt oder schießt.
.
.
.
Aber wieso ist es im Rollenspiel dann so, dass insbesondere die Bedeutung der Befähigung im RPG gemindert wird durch den fiktiven Faktor Waffe (Das Glück bleibt von diesem Faktor oft unangetastet)?

Das will mir nicht in den Kopf.
Vielleicht hängt diese Verknüpfung damit zusammen, dass man zu Beginn ihrer Entwicklung SCs dennoch die Chance geben wollte/will, gegen erfahrenere Gegner bestehen zu können, ohne dass die entsprechend ihres Könnens direkt den Tod der SCs verursachen. Das wäre auch anders zu lösen, aber vielleicht war damals der Gedanke am naheliegendsten. Also quasi eine Design-Entscheidung.

In Spielen, wo der Schaden durch separate Würfel ermittelt wird, könnte man bspw. ab bestimmten Skill-Werten zusätzliche Würfel werfen. Dann macht der erfahrene Messerkämpfer nicht mehr 1W4+STR Schaden, sondern vielleicht 4W4+STR. Dann könnte man sowohl über Waffenart, als auch über Können den Schadensbereich beeinflussen.

Naja, ich denke, jeder von uns hat sich ja schonmal selbst verletzt, z.B. sich was gebrochen. Daran kann man ja selbst abschätzen, wie handlungsfähig man noch ist.
Ich hatte bisher noch nicht das "Vergnügen". Allerdings schätze ich, dass die Antwort auch hier, wie so häufig, "es kommt drauf an" lautet.

p^^
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Timo am 7.11.2012 | 09:50
@Olli
Reign/ORE:
Waffen besitzen zwar unterschiedliche Schadensfaktoren, aber der grundsätzliche schaden hängt vom können der Kämpfer ab, da der Schaden(und die Defensive) sich zum großen Teil aus dem Würfelpool berechnet.

Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: El God am 7.11.2012 | 09:52
Als System würde ich das Song of Ice and Fire RPG empfehlen. Da gibt es unterschiedliche Schadenspotentiale bei Waffen, aber der tatsächlich erreichte Schaden hängt massiv vom Können ab. Waffen unterscheiden sich dann eher durch Besonderheiten wie Rüstungsdurchdringung, Sperrigkeit, Geschwindigkeit etc.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Wyrδ am 7.11.2012 | 10:47
@Rettet den Wald
Simpel!
Eine Hellebarde ist super, wenn man in Formation kämpft und hat einen schönen Reichweitenvorteil. Ein fähiger Kämpfer kann damit einiges ausrichten. Aber jemand, der eine viel kürzere Waffe wie ein Messer zu nutzen weiss und nah an den Hellebardenkämpfer herankommt, hat den Vorteil und der Hellebardenkämpfer das Nachsehen.

Wenn der Hellebardenkämpfer zur Salzsäule erstarrt oder in sehr beengtem Raum, mag der Messerkämpfer im Vorteil sein, ansonsten kann der Typ mit der Hellebarde entweder durch eigene Bewegung die Distanz halten oder den heranrückenden Messerkämpfer im Vorrücken abfangen. Es hat schon seinen Grund, dass sich die Pikenheere etabliert haben, nicht die der Messerkämpfer.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 7.11.2012 | 10:49
@Rettet den Wald
Simpel!
Eine Hellebarde ist super, wenn man in Formation kämpft und hat einen schönen Reichweitenvorteil. Ein fähiger Kämpfer kann damit einiges ausrichten. Aber jemand, der eine viel kürzere Waffe wie ein Messer zu nutzen weiss und nah an den Hellebardenkämpfer herankommt, hat den Vorteil und der Hellebardenkämpfer das Nachsehen.
wenn der Hellebardenträger das zulässt, Ganz Grosses WENN Punkt ist, mit der Helmbarte habe ich mehr Optionen, Stich, Hack , Haken, Stiel, Ende, kurz, greifen, sehr kurz greifen, lange Reichweite...
mehr Möglichkeiten Wirkungstreffer zu erzielen, ein Schnitt vom Messer über den Arm= zerstörter Arm bei der Helmbarte,
Rüstung beindruckt ne Helmbarte eher weniger, ein Messer na ja

und btw ich beziehe mich hier auf den Einzelkampf.

Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Deep One am 7.11.2012 | 11:22
Dieser Umstand trägt  dann teilweise merkwürdige Blüten gerade im klassischen RPG. Da haben wir dann extrem fähige Messerkämpfer, die von einfachen ungebildeten Soldaten mit Hellebarden erledigt werden (obwohl ein fähiger Messerkämpfer den Infight suchen würde, um den Reichweitenvorteil der Hellebarde zu negieren), Fechter, die zu Recht von Barbaren und Rittern mit Zweihandäxten und Schwertern belächelt werden (obwohl ein Degen viel leichter an eine vitale Stelle kommt als eine Axt).

In allen "klassischen" RPGs, die ich kenne, wird der erfahrene Messerkämpfer (D&D: 5.-Stufe-Kämpfer mit Dolch, RM: +100 OB mit Dolch, CoC: 90% auf Dolch) den Stadtwachen-N00b mit der Hellebarde (D&D: 0.-Stufe-Honk, RM: +30 OB mit Hellebarde, CoC: 25% auf Hellebarde) fachgerecht zerschnetzeln. Es dauert mit einem Dolch vermutlich höchstens einen Schlag länger, was ja auch Sinn macht, da es eben doch ein Unterschied ist, ob  eine in beiden Waffen gleichgeübte Person 3 Fuß Stahl oder oder 20 cm Stahl in einen Gegner hineinsteckt.

Darüber hinaus macht es vielen Spielern eben einfach Spaß, ausführliche Waffentabellen zu durchstöbern und die vorteilhaftesten Waffen und besten Kombinationen herauszusuchen. Und schließlich ist es emotional befriedigend, selbst den W10 für einen Zweihänder zu zücken, während alle anderen einen popeligen W8 oder W6 werfen ... "Ich hab' den Längsten" für Kämpfer, sozusagen.  ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 7.11.2012 | 11:41
Dieser Umstand trägt  dann teilweise merkwürdige Blüten gerade im klassischen RPG. Da haben wir dann extrem fähige Messerkämpfer, die von einfachen ungebildeten Soldaten mit Hellebarden erledigt werden (obwohl ein fähiger Messerkämpfer den Infight suchen würde, um den Reichweitenvorteil der Hellebarde zu negieren), Fechter, die zu Recht von Barbaren und Rittern mit Zweihandäxten und Schwertern belächelt werden (obwohl ein Degen viel leichter an eine vitale Stelle kommt als eine Axt).
*Räusper*

Darf ich an dieser Stelle auf mein Eigenbau-Regelwerk Heroen (http://tanelorn.net/index.php/topic,76985.0.html) verweisen...?

Was du ansprichst, Ludovico, ist genau eines der Dinge, die ich mir für mein System zu Herzen genommen habe. Mir kam es ebenfalls komisch vor, daß es Waffen wie den Dolch überhaupt geben soll, wenn sich Waffen im Grunde nur über den Schaden unterscheiden und "mehr Wums" das beste ist, was man tun kann.

Daher habe ich mein System daraufhin austariert, daß jede Waffe in ihrer Situation das Optimum darstellt. Der Messerkämpfer bräuchte in meinem Kampfsystem eine zusätzliche Kampfrunde (oder einen richtig guten Treffer), um erst mal an der Hellebarde vorbeizukommen und in den Infight zu gehen; hat er das aber einmal geschafft, sieht der Waffenknecht mit der Hellebarde ziemlich alt aus. Und der Degen bietet bei mir den Vorteil der besseren Handhabbarkeit - man kann damit z.B. leichter gezielte Treffer auf die Gliedmaßen setzen als mit dem Breitschwert -, aber gegen eine Vollplatte bringt er nicht viel.

Das alles in einem Kampfsystem, das ich in meiner Kurzregel auf drei Seiten zusammengefaßt habe. Ich nehme da mal für mich in Anspruch, die Komplexität des Problems auf ein paar simple Mechanismen runtergebrochen zu haben. Wahrscheinlich müssen die Tabellenwerte noch austariert werden (bislang mangelte es mir an Testspielern), aber das System an sich hat sich in den ersten paar Probekämpfen ganz gut angefühlt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 7.11.2012 | 11:42
Ich würde auch sagen, das Fantasyrollenspiel mit seinen Untertönen aus der Romantik stark den Menschen als Einflussfaktor bevorzugt. Die Waffe ist meistens recht irrelevant, auf höheren Graden zerschnetzeln dich die SC auch mit ner Küchenreibe. Bei D&D z.B. bekommt auch der Dolchkämpfer noch irgendeine Prestigeklasse oder Spezialfähigkeiten hinterhergeworfen, mit denen er die Hellebardenträger wegmoscht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: rettet den wald am 7.11.2012 | 13:25
Ja, daraus könnte man einen regeltechnischen Unterschied machen. Meine Meinung ist aber, dass die Realität so überaus komplex ist und sogar wohl wesentlich mehr Faktoren in einer Situation eine Rolle spielen als nur Kompetenz und Glück. Da wären noch Wetter, Windverhältnisse, Bodenbeschaffenheit, Gegenstände in der Umgebung, Kleidung, Anzahl der Mücken in der Luft,... Es gibt eine Unzahl an Faktoren.
Aber wir spielen Rollenspiele und diese können nur ein Modell der Realität bzw. von Filmen abliefern. Sie müssen vereinfachen und abstrahieren und deshalb finde ich auch, dass nur die wichtigsten Faktoren in einen Rollenspielkampf Einzug finden sollten und das sind eben Kompetenz und Glück.

Der Abstraktionsgrad den du hier vorschlägst wäre mir persönlich definitiv zu niedrig. Da sind wir eigentlich schon auf den Niveau von FATE, wo sämtliche taktischen Entscheidungen vom SL spontan geregelt werden müssen... Was im Endeffekt darauf hinausläuft, dass keine taktischen Entscheidungen jenseits von "Ich greife an, um Schaden zu machen" existieren. Igitt ist das fad.



Ein fähiger Messerkämpfer weiß sicher, wie er ausweichen kann. Das gehört zu einem Messerkampf dazu und auch wie er schnell die Distanz verkürzen kann. Das fällt für mich alles in den Bereich der Kompetenz. Ein gleichguter Hellebardenkämpfer weiss dagegen, wie er seine Gegner auf Abstand halten kann, wo er sie aufspiessen kann.

Persönliche Meinung von mir: Der Hellebardenkämpfer ist hier gegenüber dem Messerkämpfer ganz klar im Vorteil. Jemanden auf Distanz zu halten ist deutlich einfacher als jemanden zu unterlaufen. Der Messerkämpfer muss hier schon sehr viel besser sein als der Hellebardenkämpfer, um überhaupt eine Chance zu haben.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Jiba am 7.11.2012 | 13:38
Der Abstraktionsgrad den du hier vorschlägst wäre mir persönlich definitiv zu niedrig. Da sind wir eigentlich schon auf den Niveau von FATE, wo sämtliche taktischen Entscheidungen vom SL spontan geregelt werden müssen... Was im Endeffekt darauf hinausläuft, dass keine taktischen Entscheidungen jenseits von "Ich greife an, um Schaden zu machen" existieren. Igitt ist das fad.

Das ist so aber nicht korrekt! Bei FATE sitzt da doch nicht zwingend der SL am Drücker. Im Gegenteil: Der FATE-Punktmechanismus und die Aspekte (die, bei taktischem Spiel, eben in Form von Manövern erzeugt werden, durch eine Regel, die von den Spielern selbstständig angewendet wird) verhindern grade, dass irgendwas gehandwedelt werden muss und macht Taktik (in Form von Ressourcenmanagement, Kooperation von SCs, Wahl der richtigen Fertigkeit, Wahl des richtigen Zeitpunktes zum Handeln in der Runde etc.) gerade unabhängig von der Willkür des SLs.

Bei FATE gibt es nämlich noch: Ich greife an, um einen Spielweltfakt zu schaffen; Ich greife an, um zu verhindern, dass Schaden gemacht wird; Ich greife an, um behindernde Umstände auf den Gegner zu legen und evtl. Ich greife an, um günstige Umstände für mich zu erwirken ("Ich greife an" ist hier gleichbedeutend mit "Ich handle").
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: rettet den wald am 7.11.2012 | 14:13
Das ist so aber nicht korrekt! Bei FATE sitzt da doch nicht zwingend der SL am Drücker. Im Gegenteil: Der FATE-Punktmechanismus und die Aspekte (die, bei taktischem Spiel, eben in Form von Manövern erzeugt werden, durch eine Regel, die von den Spielern selbstständig angewendet wird) verhindern grade, dass irgendwas gehandwedelt werden muss und macht Taktik (in Form von Ressourcenmanagement, Kooperation von SCs, Wahl der richtigen Fertigkeit, Wahl des richtigen Zeitpunktes zum Handeln in der Runde etc.) gerade unabhängig von der Willkür des SLs.

Bei FATE gibt es nämlich noch: Ich greife an, um einen Spielweltfakt zu schaffen; Ich greife an, um zu verhindern, dass Schaden gemacht wird; Ich greife an, um behindernde Umstände auf den Gegner zu legen und evtl. Ich greife an, um günstige Umstände für mich zu erwirken ("Ich greife an" ist hier gleichbedeutend mit "Ich handle").

Ok, mag sein dass das unter bestimmten Umständen gut funktioniert. In den 2 Sessions die ich bisher gespielt habe war das definitiv nicht so, weil sämtliche Entscheidungen mit denen ich konfrontiert war trivial waren. Es macht keinen Sinn, "behindernde Umstände" auf den Gegner zu legen (was ein flacher 2er-Abzug ist), wenn ich mit einer erfolgreichen Attacke zum Schaden machen automatisch als Nebeneffekt "behindernde Umstände" auf den Gegner lege (was auch mindestens ein 2er-Abzug ist). "Günstige Umstände" auf mich zu legen, ist in diesem Fall auch relativ sinnlos, weil es ein flacher 2er-Bonus analog zum Abzug ist. Wenn meine Fertigkeit ohnehin schon hoch genug ist um einen Effekt zu erzielen, dann brauch ich das nicht.

Daher auch der Vergleich zum Threadthema:
In FATE ist (meiner Erfahrung nach) ausschließlich die Höhe deiner Fertigkeit wichtig, und wann du deine Punkte einsetzt. Alles andere ist mehr oder weniger bedeutungslos, inklusive der Waffenwahl. Die Ansicht in FATE scheint hier zumindest grob mit der Ansicht von Ludovico übereinzustimmen, daher poste ich die Passage mal hier:

Zitat
The dramatic system may not immediately appeal to players looking for tactical depth - after all, so simple a system can hardly reflect the complexities of combat.

It’s a common assumption, but one we suggest revisiting. In the end, all tactics come down to the simple question of who has an advantage, and by how much - no system can ever fully capture all of the subtleties and minute details of combat. However, a GM’s judgement is far more adaptable and a GM can apply their understanding of tactics to any situation. This means that the dramatic system allows whatever level of tactical complexity that the GM is most comfortable with.

...Und bei dem einen FATE-GM den ich bisher hatte war dieses Komplexitätslevel "gar keins".
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Blutschrei am 7.11.2012 | 14:37
Also die Messer vs Hellebarde-Story zweifel ich auch stark an. Ein Messer hat keine Stoppwirkung, ein Messerstich führt - sofern er nicht wirklich gut sitzt - auch nicht zum sofortigen Aus des Gegners, sondern erstmal zu Blutverlust, und das kann sich ne Weile lang ziehen.

Außerdem glaube ich nicht, dass es möglich ist, einen Helebardier mit einem Messer zu unterlaufen. Ersterer Stochert ja ncht nur 2 Meter vor sich in der Luft herum, sondern kann das Ding auch kürzer greifen, Körpernahe Stöße mit Stiel durchführen etc, ihr unterschätzt da die Kampfkunst.

Zitat
Wenn der Hellebardenkämpfer zur Salzsäule erstarrt oder in sehr beengtem Raum, mag der Messerkämpfer im Vorteil sein, ansonsten kann der Typ mit der Hellebarde entweder durch eigene Bewegung die Distanz halten oder den heranrückenden Messerkämpfer im Vorrücken abfangen. Es hat schon seinen Grund, dass sich die Pikenheere etabliert haben, nicht die der Messerkämpfer.
Piken sind wohlgemerkt keine Hellebarden und deutlich unhandlicher...


Zum Thema Schaden:
Natürlich hängt es auch vom Können und vom Treffer ab. So gibt es aber beispielsweise kritische Treffer, die in den meisten Systemen mit allen Waffen tödlich sind. Ebenso gibt es in einigen Systemen die Möglichkeit durch einbußen auf den Angriffswert oder explodierende Würfel den Schaden zu erhöhen. Sprich: Mit Kenntniss mehr Schaden verursachen. Der Schaden wird also selten auf die Waffe reduziert.

Ihr müsst auch bedenken, dass wir von einer Gefechtssituation sprechen, nicht von einem Meuchelmord. Man hat seltenst die Möglichkeit, genau dort zu treffen, wo man will, weil der Gegner ein gewisses Maß an Deckung aufrecht erhält. Und wenn ich eben grad die Stelle nehm, an der die Deckung offen ist (rechte Schulter beispielsweise, meist noch mit irgend einer Art Rüstung versehen) dann richte ich dort mit einem herabrasenden Kriegshammer oder einer zweihändigen Axt deutlich mehr "Schaden" an, als mit einem Messer oder einem Degen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Jiba am 7.11.2012 | 14:54
Ok, mag sein dass das unter bestimmten Umständen gut funktioniert. In den 2 Sessions die ich bisher gespielt habe war das definitiv nicht so, weil sämtliche Entscheidungen mit denen ich konfrontiert war trivial waren. Es macht keinen Sinn, "behindernde Umstände" auf den Gegner zu legen (was ein flacher 2er-Abzug ist), wenn ich mit einer erfolgreichen Attacke zum Schaden machen automatisch als Nebeneffekt "behindernde Umstände" auf den Gegner lege (was auch mindestens ein 2er-Abzug ist). "Günstige Umstände" auf mich zu legen, ist in diesem Fall auch relativ sinnlos, weil es ein flacher 2er-Bonus analog zum Abzug ist. Wenn meine Fertigkeit ohnehin schon hoch genug ist um einen Effekt zu erzielen, dann brauch ich das nicht.

Und ich würde behaupten, dass sich taktische Möglichkeiten in jedem System eben genau auf dieses FATE-Prinzip runterbrechen lassen. Nehmen wir zum Beispiel "Scion" oder "Exalted" (weiterentwickeltes oWoD-System, ich nehme es deshalb, weil sich mein Punkt daran gut veranschaulichen lässt und weil es ein System ist, dass sich (unter dramatischem Überbau) um Simulation bemüht). Hier habe ich zahlreiche unterschiedlich geregelte Handlungsmöglichkeiten: Ich kann zielen, um mehr Angriffswürfel zu kriegen, mich Verteidigen, um weniger Schaden zu erhalten, mit meinen Freunden koordiniert angreifen, mich bewegen, springen, magische Fähigkeiten einsetzen, einfach angreifen und und und... Clou des Systems ist, dass jede Aktion unterschiedlich lange dauert und ich deswegen früher oder später wieder dran bin, und dass jede Aktion meinen Verteidigungswert verändert. Eine Menge Stellschrauben für den eigenen Kampf also.

Aber nun meine Behauptung: Wenn meine Waffe genug Schaden macht und ich gut genug damit umgehen kann (hoher Fertigkeitswert), dann kriege ich den Gegner auch vorher klein und brauche diese ganzen taktischen Möglichkeiten nicht. Dasselbe kann ich auch bei jedem anderen taktischen System behaupten, denn auch da läuft es auf das Folgende (was in deinem Zitat schon anklingt) hinaus: Taktik ist nur dann überhaupt notwendig, wenn der Gegner nicht so ohne Weiteres zu besiegen ist. Wenn die SCs im Vergleich zu ihren Widersachern unterlegen oder zumindest gleichstark sind, dann erst wird taktisches Spiel nötig: In einem Kampf mit schwächeren Gegnern existieren die taktischen Möglichkeiten natürlich auch, aber sie sind vielfach reine Color (offenkundig: Mit guter Taktik kann ich einen Kampf verkürzen oder den Schaden auf meiner Seite gering halten... aber genau das kann FATE mit seinen Blocks und seinen Manövern auch).

Ganz außer Acht gelassen, haben wir bis jetzt die Stunts, die immerhin in 2/3 aller FATE-Spiele zum System gehören und weitere taktische Möglichkeiten erlauben. Dadurch, dass sie nämlich meist situationsgebunden sind (Der Tod von oben: "Verwende Athletik anstelle von Nahkampf, um Gegner zu attackieren, die sich auf einer niedrigeren Position als du befinden"; Hinterhältiger Angriff: "Erhalte einen Bonus von +2 auf Nahkampf, wenn der Gegner dir den Rücken zudreht"), muss ich als Spieler erst einmal in der Fiktion die Situation herbeiführen (z.B. über Manöver), in der sie greifen. Das tun sie dann aber meist über einen Zeitraum von mehreren Runden. Mal ganz abgesehen von der Möglichkeit bestimmter Attacken, die nochmal speziell geregelt werden ("Spray Attacks" bei Dresden Files z.B.). Und Waffen und Rüstungsregeln gibt es auch in vielen FATE-Auskopplungen, wenn man sie optional haben will ("Legends of Angelerre" geht soweit, dass Waffen eigene Aspekte haben und die Wahl der Waffe damit schon eine Rolle spielen kann: Ich vermeide mit einer Helebarde auf engem Raum zu kämpfen, weil ihr Aspekt "Sperrig" in solchen Situationen leichter einzusetzen ist, ohne, dass mein Gegner vorher noch die Fiktion entsprechend angleichen muss.) Und Manöver können ja auch Szenenaspekte schaffen, die sich von den Konsequenzen (den "widrigen Umständen") dadurch unterscheiden, dass sie auf der Umgebung liegen und nicht an einzelne Gegner gebunden sind. Plus die Tatsache, dass durch die Zoneneinteilung eines Kampfschauplatzes und die Barrieren auch taktische Bewegungen möglich werden. FATE kann sehr leicht an eine taktischere Spielweise angeglichen werden, ohne dass es dadurch irgendwie "unFATEig" werden würde.

Ich sage abschließend also: Taktik ist immer überflüssig, wenn ich schon stark genug bin. Egal in welchem System. Und ein Spielleiter, der keinen Bock auf Taktik hat kann sie, innerhalb wie außerhalb der Fiktion immer effektiv unterbinden. Egal in welchem System.

Aber langsam geht das zu sehr vom Thema ab. Wenn noch Klärungsbedarf ist, kann ja auf dem FATE-Board weiter diskutiert werden.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Timo am 8.11.2012 | 00:33
lalala, ich ignoriere eure Diskussion, da die ORE alles gewünschte sowieso hat, aber die wollt ihr ja nicht. ;)
(und wahrscheinlich analog zum empfehlen von Büchern/Filmen, kommen die Leute dann in ca. einem Jahr an und schwärmen mir von der ORE vor, die sie für sich selbst entdeckt haben, "wieso empfiehlt das nur keiner...")
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Maarzan am 8.11.2012 | 00:55
Man kann ja wohl sogar mit Spielkartenwerfen töten - so Halsschlagader mit der scharfen Kante aufschneiden.

Ich hab noch nie ein Schrotgewehr geschossen, du (wer auch immer) noch nie mit Spielkarten auf Leute geworfen.
Also bekommst du die Karten und ich das automatische Schrotgewehr, jeder 32 Schuss - fair?

Klar kann man mit den meisten Waffen und dem richtigen Treffer einen ungeschützten Menschen töten, aber spätestens bei einer halbwegs adequaten wenn nicht gar gleichqualifizierten Abwehr/Gegenwehr oder gar Rüstungen oder massivere, nichtmenschliche Gegner sollte doch wohl klar sein, dass es nicht egal ist, welche Waffe man hat, da die Wahrscheinichkeit einen Wirkungstreffer zu setzen erheblich unterschiedlich ist bei gleicher Qualifikation der Beteiligten.

Was hilft es den Degen vermutlich eher im Augenspalt des Gegners versenekn zu können als ein Schwert und damit auch einen Todesfall herbeiführen zu können, wenn jeder und selbst wahrscheinlichere Körpertreffer des gleichqualifizierten Gegners zu erheblicher, wenn nicht entscheidender Verwundung führt.

So ein abstrakt gegebenes tödliches Potential muss erst einmal realisiert werden - insbesondere gegen Rüstung und Abwehr und da ist die Fähigkeit zur Gegendrohung und ein wenig Overkill sicher nicht zwingend hinderlich.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 8.11.2012 | 04:00
Messerkaempfer- Ich grhe davon aus, dass ein halbwegs geubter Messerkaempfer und damit meine ich nicht einen Strassenschlaeger mit Messer durchaus trainiert, wie er an sein Ziel rankommt. Der Hellebardenkaempfer trainiert, wie er seinen Gegner dagegen auf Abstand haelt. Wer es schafft, das Gelernte richtig einzusetzen, gewinnt.

Das Problem, was ich derzeit im RPG sehe, dass bestimmte Charakterkonzepte im klassischen RPG was fuer Taschenlampenfallenlasser sind. Der Fechter wird oft zurecht belaechelt oder der Messerkaempfer. Der Sohn des Ritters, der mit Schwert und Ruestung des Vaters loszieht, um Abenteuer zu erleben, wird die Sachen ratzfatz verkaufen nach dem ersten richtigen Loot.
Viele Waffen haben quasi gar keine Daseinsberechtigung wie der von Grey angesprochene Dolch.
Und ich hab im klassischen RPG nicht viele Systeme erlebt, bei denen das Koennen bei der Trefferqualitaet eine Rolle spielt. Meist wirken die Atribute auf den Schaden und das oft auch nur ein bisschen. Crits sind unabhaengig vom Koennen und reine Glueckssache unabhaengig vom Koennen.

Nun koennte man Waffen miteinander vergleichen, wie es Grey in Heroen versucht (muss ich noch lesen), aber ich find das zu komplex und zwangsweise nicht realistisch.

Da imho das Training wichtiger ist als die Waffe, finde ich auch, dass das beruecksichtigt werden sollte. Das Gros der Mainstreamsysteme macht das aber nicht.

Uebrigens werde ich nicht auf diese Beispiele weiter eingehen a la Schrotflinte toedlicher als Degen oder so. Hier kommt es imho auch auf das Training hauptsaechlich und den Einsatz der eigenen Ressourcen an. Zudem haben schon Leute Kopfschuesse aus grosskalibrigen Waffen ueberlebt, sind aber an einem Messerstich ins Bein verreckt
@ChaosAptom
Sorry, aber die ORE mag ich nicht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Gummibär am 8.11.2012 | 04:13
Wenn du meinst, die Waffe ist egal – ich nehme das scharfe Schwert, du kriegst das Stumpfe…

Darius der Duellant hat sich hier sehr kompetent eingebracht (wobei ich zu dem Lungenflügel nichts sagen kann). Maarzans Post gefällt mir auch.

Ich behaupte nicht, dass die Wahl der Waffe egal ist. Aber ich behaupte, dass die Wahl der Waffe und deren Effizienz vom Können des Nutzers abhängen. Es ist also quasi der Anwender, der den Schaden verursacht und nicht die Waffe, denn er zielt und schlägt oder schießt.

Deshalb finde ich es in Rollenspielen auch teilweise sehr schade, dass Waffen mit einem Modifikator für Schaden versehen werden, wenn es doch halt nicht das Breitschwert ist, was Knochen und Fleisch zerschmettert, sondern derjenige, der es führt.

Dass die Waffe zuschlägt, hat ja keiner behauptet. Natürlich macht das der Anwender. Und der Schaden hängt in GURPS auch vom Anwender ab. Schau dir mal GURPS Lite 4E, S.6 die Tabelle an.

Aber hängt der Schaden ausschließlich vom Nutzer ab, oder wird der durch die Waffe modifiziert? Du scheinst dir da zu widersprechen. Ich bin jedenfalls der Meinung, dass der Schaden nicht ausschließlich vom Nutzer abhängt.

Dieser Umstand trägt  dann teilweise merkwürdige Blüten gerade im klassischen RPG. Da haben wir dann extrem fähige Messerkämpfer, die von einfachen ungebildeten Soldaten mit Hellebarden erledigt werden (obwohl ein fähiger Messerkämpfer den Infight suchen würde, um den Reichweitenvorteil der Hellebarde zu negieren), Fechter, die zu Recht von Barbaren und Rittern mit Zweihandäxten und Schwertern belächelt werden (obwohl ein Degen viel leichter an eine vitale Stelle kommt als eine Axt).

Bei DSA 4 gewinnt der fähige Messerkämpfer ganz deutlich gegen den einfachen Soldaten mit Hellebarde. Die Sonderfertigkeit Kampfreflexe gepaart mit nicht behindernder Kleidung sorgt dafür, dass man bei Kampfbeginn direkt in eine für den Hellebardenträger ungünstige Distanzklasse gehen kann. Dieser erhält dann extreme Abzüge auf AT und PA.

Dass Fechter von Barbaren belächelt werden, liegt eher an der Ignoranz der Barbaren und der Tatsache, dass Systeme oft wenig tödlich sind. Das ist das gleiche Problem wie die Armbrust, die auf die Helden zielt: Die macht keine Angst, weil man den Treffer eh wegstecken kann. Auch wenn die Armbrust mehr Schaden macht als ne Zweihandaxt.

Dass Fechter von Rittern belächelt werden, ist völlig korrekt, weil Kampf mit Plattenrüstung einem Gegner ohne Plattenrüstung einfach überlegen ist. Und wie der Fechter die Zweihandaxt parieren will, weiß ich auch nicht. Ausweichen kann er natürlich, aber das ermüdet ihn.
Naja und Stechen kann man mit nem Schwert auch.

In GURPS 4 wird aber trotzdem keiner über den Fechter lachen. Der kann dich nämlich trotz unterlegener Waffe mit einem Stich erledigen.

Dabei sieht man gerade in Kungfu-Filmen aber auch diversen amerikanischen Actionmovies wie un- oder nur leicht bewaffnete Protagonisten gegen schwer bewaffnete Antagonisten bestehen und sie bestehen, weil sie besser sind... ok, und weil sie Glück haben.

Oft genug letzteres. Und klar kannst du ein Genre-Spiel für Kungfu-Filme bauen. Aber realistisch ist das nicht.



Zum Glück machen das nur wenige Spiele wie DSA mit der unsäglichen DK.

Moment Mal. Erst beschwerst du dich darüber, wenn ein System nicht berücksichtigt, dass Dolchkämpfer in den Infight gehen können und dann beschwerst du dich darüber, wenn ein System das berücksichtigt? Entscheide dich.

Ja, daraus könnte man einen regeltechnischen Unterschied machen. Meine Meinung ist aber, dass die Realität so überaus komplex ist und sogar wohl wesentlich mehr Faktoren in einer Situation eine Rolle spielen als nur Kompetenz und Glück. Da wären noch Wetter, Windverhältnisse, Bodenbeschaffenheit, Gegenstände in der Umgebung, Kleidung, Anzahl der Mücken in der Luft,... Es gibt eine Unzahl an Faktoren.
Aber wir spielen Rollenspiele und diese können nur ein Modell der Realität bzw. von Filmen abliefern. Sie müssen vereinfachen und abstrahieren und deshalb finde ich auch, dass nur die wichtigsten Faktoren in einen Rollenspielkampf Einzug finden sollten und das sind eben Kompetenz und Glück.

Ach so. Ob es realistisch ist, dass Waffen den Schaden modifizieren, ist dir scheißegal, es ist für dich lediglich unnötig umständlich. Also das wär dann einfach Geschmackssache. Es gibt auch Leute, die hatten Spaß mit SEUCOR. In dem Sinne: Have Fun! :)



Ich stimme zu, dass es wohl etwas mit der Nostalgie zu tun hat. Dennoch wird dieses System heutzutage aus meiner Sicht unreflektiert gernr uebernommen und als realistisch verteidigt.

Systeme, die keinen Waffenschaden beruecksichtigen, finden sich nur wenige und dann nur in der Indyecke. Wo bleibt da die Vielfalt?

Fettes Vorurteil. Nur weil jemand etwas anders macht, als man selbst, heißt das nicht, dass er nicht drüber nachgedacht hat.

Ist Engel – Arkana ein Indy-Spiel? Gibt es vllt eine Liste der Spiele, die „Indy“ sind und die es nicht sind? (Wenn nicht, könnte ja jemand mal eine machen...) Klassisch ist es ja definitiv nicht. Amber und Theatrix sind ebenfalls ziemlich NAR.
Und wieso darf es kein Indy-Spiel sein?

Ich stimme zu, dass die richtige Waffe eine Rolle spielt. Der Status Quo derzeit ist aber leider, dass es nur bessere und schlechtere Waffen gibt.

Nein. Bei zwei fähigen Gegnern bietet bei DSA 4 die Waffe mit der größeren DK einen Vorteil. Es sei denn, derjenige kann nicht mehr weiter zurückweichen (z.B. wegen einer Wand). In dem Fall gerät die Waffe in einen Nachteil, wenn der Gegner herangerückt ist und man das nicht mehr ausgleichen kann.
Welche Waffe besser ist, hängt also davon ab, wieviel Platz zur Verfügung steht.


Messerkaempfer- Ich grhe davon aus, dass ein halbwegs geubter Messerkaempfer und damit meine ich nicht einen Strassenschlaeger mit Messer durchaus trainiert, wie er an sein Ziel rankommt. Der Hellebardenkaempfer trainiert, wie er seinen Gegner dagegen auf Abstand haelt. Wer es schafft, das Gelernte richtig einzusetzen, gewinnt.

Also würdest du schon mal zustimmen, dass die Waffenwahl für wenig geübte wichtig ist?

Der Sohn des Ritters, der mit Schwert und Ruestung des Vaters loszieht, um Abenteuer zu erleben, wird die Sachen ratzfatz verkaufen nach dem ersten richtigen Loot.

Also sowas habe ich bisher nur bei D&D gesehen. Bei DSA 4 kommt das nicht vor.

Viele Waffen haben quasi gar keine Daseinsberechtigung wie der von Grey angesprochene Dolch.

Der hat z.B. dort seine Daseinsberechtigung, wo man mit ner größeren Waffe nicht reinkommt.

Und ich hab im klassischen RPG nicht viele Systeme erlebt, bei denen das Koennen bei der Trefferqualitaet eine Rolle spielt. Meist wirken die Atribute auf den Schaden und das oft auch nur ein bisschen.

Na das ist ja ein ganz anderes Thema. Und zwar dieses hier (http://tanelorn.net/index.php/topic,77746.0.html).

Crits sind unabhaengig vom Koennen und reine Glueckssache unabhaengig vom Koennen.

Bei DSA 4 nicht.

Uebrigens werde ich nicht auf diese Beispiele weiter eingehen a la Schrotflinte toedlicher als Degen oder so. Hier kommt es imho auch auf das Training hauptsaechlich und den Einsatz der eigenen Ressourcen an. Zudem haben schon Leute Kopfschuesse aus grosskalibrigen Waffen ueberlebt, sind aber an einem Messerstich ins Bein verreckt

Es geht darum: Wenn du 200 Versuchspersonen hast und immer 1 gegen 1 kämpfen lässt, wobei einer ein Kurzschwert und einer ein stumpfes Stuhlbein bekommt, wie sieht die Gewinnquote hinterher aus? 50:50 ? Ich glaube nicht...



Fazit: DSA 4 macht es realistisch und detailliert, es ist dir bloß zu kompliziert. (Was ich übrigens gut verstehen kann.)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Callisto am 8.11.2012 | 04:34
Wenn du meinst, die Waffe ist egal – ich nehme das scharfe Schwert, du kriegst das Stumpfe…

Der Rest war tl;dr. Aber hierzu eine Anmerkung: Wenn der andere weiß wie er damit umzugehen hat und du nicht, wirst du auch mit dem scharfen Schwert verlieren. Und ich meine: In Realität, nicht im RPG. Selbst wenn du eine Schusswaffe hast und der andere nur einen Baseballschläger, wenn du keine Ahnung hast und der andere ist kampferprobt und in deiner Nähe, bringt dir auch die überlegene Ausrüstung nichts.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 8.11.2012 | 06:25
Okay, was jetzt diese Schrotflinte tödlicher als Breitschwert oder Kartenspiel angeht, so wollte ich ausdrücken, dass ich darauf nicht detailliert eingehen möchte, weil ich ganz schnell und ohne weiteres erklären kann, wie man doch mit dem Kartenspiel gegen Schrotflinte gewinnen kann und dann kommt darauf nur wieder eine Antwort, was man dann machen würde, damit es doch nicht funktioniert.

Beispiel: Ich Kartenspiel, Marzaan Schrotflinte - Ich lass Marzaan die Karten um die Ohren fliegen, er hat Zielschwierigkeiten, ich bleib in Bewegung und nähere mich schnell dabei und wenn die Karten zu Boden fallen, hat er meinen Ellenbogen im Gesicht und die Schrotflinte ist nicht mehr viel wert.

Wenn ich ein stumpfes Breitschwert habe und jemand ein scharfes, dann ist es erstmal egal, was mir gegen den Kopf donnert. Benommen bin ich mindestens und damit ist die Sache auch erledigt.

@Gummibär
DSA ist nicht realistisch und wie kommst Du darauf, dass die Fertigkeiten überhaupt eine Rolle spielen bei der Schadensbestimmung?
Oh ja, sie spielen in einem Fall eine Rolle und zwar, wenn man eine 1 bei einem Angriffswurf würfelt. Dann darf man noch einmal bestätigen. Was kommt  dabei dann raus? Man darf 2W6 statt 1W6 würfeln.
Gerade der Dolch ist dort der Witz schlechthin aber auch bei D&D. Was soll man mit einer Waffe, bei der man mehrere Male zustechen muss, ganz egal wie gut man ist?

Und die DK ist scheiße, weil die Anwendung zu umständlich ist und somit hat man zwar was realistisches aber auch gleichzeitig wieder etwas anwendungsfernes.

Dass Du übrigens ignorierst, dass es bei DSA 4 keine besseren und schlechteren Waffen gibt, wundert mich.
Was ist besser? Andergaster oder Zweihänder? Brabakbengel oder Streitkolben? Rapier oder Degen? Dolch oder Messer? Breitschwert oder Dolch?

Engel ist übrigens ein sehr kleines System und Gurps muss ich gestehen, habe ich noch keinen großen Blick draufgeworfen.

@all
Was ich mir wünsche, wäre dass auch im Mainstream mal Systeme Einzug finden, die vor allem Wert auf Können legen und das in der Trefferqualität massivst berücksichtigen. Wie viele gibt es davon? Gurps kann ich jetzt nicht beurteilen, aber DSA 4, DnD, machen das praktisch gar nicht.
Shadowrun wäre da noch, aber da spielt die Waffe auch eine weit größere Rolle als das Können, denn da gehen ja nur die Nettoerfolge in den Pool zur Schadensbestimmung ein.
Ubiquity ist da auch leider ganz schlimm. Da entscheidet die Größe der Waffe, wie gut man trifft. Je größer die Waffe, desto besser trifft man und desto mehr Schaden macht man.
SW ist auch ein Kandidat, bei dem das Können bei der Trefferqualität nur eine untergeordnete Rolle spielt. Maximal gibt es 1W6 auf den Schaden. Juchhu!
Die WoD... tja, da weiß ich es nicht, aber ich meine mich zu erinnen, dass dort das Können auch nicht gerade ausschlaggebend war, ob man den Gegner wegsemmelt. Viel wichtiger war die Waffe, die man führte.
Hätten wir noch Warhammer und Dark Heresy... ganz klar! Da zählt die Waffe und kaum das Können.

Ich gestand ein, dass es sicher Unterschiede macht, welche Waffe man führt. Vor allem führt es dazu, dass man seine eigene Kampfweise anpassen muss bzw. dass auch der Gegner sich darauf einstellen muss. Es gibt sicher auch Unterschiede in der Trefferwirkung, aber ich bin kein Arzt und wie viele RPG-Autoren sind Ärzte, die einen auch noch belegen können, was Schaden ist und wie viel Schaden etwas macht. Wir haben nur unseren gesunden Menschenverstand, aber der ist eher illusorisch, da die Wahrheit immer eine subjektive Geschichte ist.
Dieser gesunde Menschenverstand sagt uns, dass eine Desert Eagle .50 massivst Schaden macht und eine FN57 ein Witz ist. Wenn man aber auf jemanden schiesst, der eine schusssichere Weste an hat, dann ist die FN57 ganz klar vorne, was Treffergenauigkeit und Durchschlagskraft angeht.
Dieser gesunde Menschenverstand sagt uns auch, dass ein Kopfschuss aus einer großkalibrigen Waffe tödlich sein muss. Es gibt aber genügend Leute, die so etwas überlebt haben und andere, die von kleineren Waffen getötet worden, weil eine Arterie erwischt wurde oder so.

Was am Ende bleibt, ist bei Waffen nur eine sehr grobe Schätzung über ihre Wirkung, die über das starke Abstraktum des Waffenschadens dargestellt wird und massive Nachteile für die Auswahl von Charakterkonzepten in fast allen Mainstreamsystemen hat, die ich nochmal nennen werde:
-Fechter und Messerkämpfer werden zu Recht von Kämpfern mit größeren Waffen belächelt, denn sie haben die besseren Waffen.
-Charakterkonzepte, die darauf aufbauen, dass Ausrüstung aus Familienbeständen stammt, funktionieren nur so lange, bis bessere Ausrüstung gefunden wurde (wie der Sohn des Ritters, der mit dem Familienschwert loszieht)
-Bei der Auswahl zwischen Waffen aus der gleichen Klasse, wäre es dumm, nicht die beste Waffe zu nehmen, obwohl sie nicht zum Charakterkonzept passt.

Diese Nachteile lassen sich durch das Entfernen dieses abstrakten Einflussfaktoren negieren und zwar so ziemlich vollständig. Hinzu kommt, dass die Kompetenz eine größere Rolle spielt und nicht mehr, wer den dicksten Hammer hat.

Meiner Meinung nach lassen sich Waffen besser als Werkzeuge einsetzen.

Beispiel: Der Charakter will seinen Leuten Deckung geben. Will er das aus weiter Entfernung tun, sollte er das richtige Werkzeug dabei haben. Hat er das dabei (also ein Gewehr), dann gibt es keinen Malus. Hat er sogar hochqualitatives Werkzeug dabei (ein Präzisionsgewehr mit Zielfernrohr) kriegt er vielleicht noch einen Bonus. Hat er das unpassende Werkzeug dabei, dann kann er entweder keine Deckung geben oder bekommt einen Malus.
Somit hätte er im folgenden Kampf einen Bonus, wenn er ein Präzisionsgewehr einsetzt und aus der Qualität des Angriffswurfes würde dann auch gleichzeitig die Trefferwirkung bestimmt werden.

Zusätzlich könnte bei der Charaktererschaffung festgelegt werden, dass ein Charakter seinen Stil auf eine bestimmte Waffe ausgerichtet hat. Wenn er die Waffe nutzt, erhält er einen Bonus. Wenn er die Waffe nicht nutzt, erhält er keinen Bonus. (Ok, das wird oft schon gemacht).

Es gibt keinen Vergleich zwischen verschiedenen Waffen, denn die Charaktere sind erwachsen und sollten wissen, wie sie ihre Ressourcen einsetzen. Der Messerkämpfer weiss, dass er an den Hellebardenkämpfer ran muss, wenn er gewinnen will und der Hellebardenkämpfer kann auch nur gewinnen, wenn er den Messerkämpfer auf Abstand hält.
Wenn man einen Vergleich einsetzt, dann hat man nur eine weitere grobe Schätzung, die das Spiel abstrakter macht.

Deshalb bin ich der Meinung, dass es viel mehr Spiele geben sollte im Mainstream, die den Waffenschaden rauskicken und die Befähigung dafür aufwerten.

PS: Wenn ich übrigens ein Spiel schreiben könnte, dann würde ich es genau so machen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Wyrδ am 8.11.2012 | 07:30
Okay, was jetzt diese Schrotflinte tödlicher als Breitschwert oder Kartenspiel angeht, so wollte ich ausdrücken, dass ich darauf nicht detailliert eingehen möchte, weil ich ganz schnell und ohne weiteres erklären kann, wie man doch mit dem Kartenspiel gegen Schrotflinte gewinnen kann und dann kommt darauf nur wieder eine Antwort, was man dann machen würde, damit es doch nicht funktioniert.

Beispiel: Ich Kartenspiel, Marzaan Schrotflinte - Ich lass Marzaan die Karten um die Ohren fliegen, er hat Zielschwierigkeiten, ich bleib in Bewegung und nähere mich schnell dabei und wenn die Karten zu Boden fallen, hat er meinen Ellenbogen im Gesicht und die Schrotflinte ist nicht mehr viel wert.

Sorry, ich kann einfach nicht widerstehen, denn das ist einfach zu (http://www.my-smileys.de/smileys3/lool.gif): Wie weit kannst du ein kartenspiel werfen? 2 bis 3 Meter (und das ist schon sehr großzügig veranschlagt)? Auf die Distanz muss dein Gegner mit seiner Schrotflinte, die für den Einsatz auf kurze Distanzen konzipiert ist, nicht im geringsten Zielen, sondern einfach nur abdrücken. Eventuell hat er sogar noch eine Streuwirkung.

Wenn du Superman bist, warum spielst du dann RPGs anstatt die Welt zu retten?  ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: killedcat am 8.11.2012 | 07:51
@Ludowico
Ich wollte ein solches Spiel aber nicht spielen. Mainstream kann man eben nicht erzwingen. Mainstream ist, was von der Masse angenommen wird und ich bezweifle, dass ein solcherart verkopftes System den Massengeist ansprechen wird. Aber ich kann mich natürlich irren. Leg los und bau ein solches System. Aber es gibt schon welche, die deine Anforderungen erfüllen könnten.

Sieh dir mal Spiele wie Warhammer 2nd an: hier machen Waffen mitunter den gleichen Schaden, haben aber unterschiedliche taktische Vorteile (Bonusschaden in der ersten Runde, Rüstungsdurchdringung, etc. pp.). Praktisch jede Waffe hat eine solche Spezialität. Es gibt also schon Systeme, die die von dir angesprochenen "Probleme" (für mich sind es keine) ansprechen, indem sie spielerische Elemente drin haben. Rolemaster z.B. stellt immer die Waffen den Rüstungen gegenüber und die jeweilige Waffe funktioniert gegen die jeweilige Rüstung unterschiedlich, je nach dem wie gut du triffst. Das Ganze ist recht plausibel gemacht.

Eine Menge Systeme passt den Schaden der Qualität des Angriffs an. Gerade die neue World of Darkness wirft alles in einen Pool, der dann eben auch den Schaden bestimmt. Aber auch das alte Storyteller-System oder das VPS berücksichtigen die Qualität des Angriffs beim schaden.

Realistisch gesehen sind Dolche keine Kriegswaffen. Es hat seinen Grund, dass Dolche in der mittelalterlichen Kriegsführung nur als Zweitwaffen mitgeführt wurden und dass Bayonette gegenüber Dolchen im Vorteil waren. Die geringe Reichweite der kurzen Werkzeuge ist ein Nachteil. Natürlich kann man nun umständliche Regeln einführen mit dem Überbrücken der Reichweite, der Bodenbeschaffenheit und der Windrichtung. Oder man abstrahiert das Ganze und sagt, Schwerter sind besser. Letzteres ist sicher an der Realität vorbei, weil es Situationen gibt, in denen ein Schwert sicher nicht besser ist, aber ich will ein Spiel spielen and da ist eine gewisse Abstrahierung für mich nicht nur hilfreich, sondern erforderlich, um den Spielfluss am Laufen zu halten. Um genau zu sein: ich würde ein gutes Spielgefühl einem präzisen Realismus jederzeit vorziehen. Es ärgert mich allenfalls, wenn ich einen gewissen Style nicht pflegen kann, weil die hierfür erforderliche Waffe (womöglich realistischer Weise) schlechter ist, und ich damit bestraft werde.

Und deine Wünsche werden ja sogar von D&D in gewisser Weise berücksichtigt. Ein erprobter Kämpfer mit einem Dolch wird einem weniger erprobten Kämpfer mit Schwert meist besiegen. Und letztendlich ist es doch genau das, was du möchtest. Dass der Kämpfer mit einem Schwert schneller gewonnen hätte, ist eine Designentscheidung, die gewisse Faktoren einrechnet, die wahrscheinlich größtenteils spielerischer und nicht simulierender Natur sind. Letztendlich stört dich doch nur der Grad der Abstraktion.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Jiba am 8.11.2012 | 09:20
@Ludowico
Ich wollte ein solches Spiel aber nicht spielen. Mainstream kann man eben nicht erzwingen. Mainstream ist, was von der Masse angenommen wird und ich bezweifle, dass ein solcherart verkopftes System den Massengeist ansprechen wird.

Verkopft?!?

Entschuldige, aber Systeme wie GURPS, die zu jeder Waffe eigene, realistische Modifikatoren aufführen, oder DSA, bei denen in den alten Editionen Waffen noch mit dem Waffenvergleichswert gegeneinander aufgerechnet wurden... die sind verkopft. Bei Ludovico lässt man, so wie ich das sehe, doch einfach etwas weg, nämlich die Werte für Waffen und ersetzt das eventuell durch Situationsboni oder Vorteile oder sowas. Das ist kein bisschen verkopfter. Es ist sogar plausibel, erkennt man Ludovicos Argumente an. Wieso ist sowas denn verkopft?  wtf?

Aber es stimmt: Es gibt Systeme, die Ludovicos Ideen weitgehend umsetzen. Die oWoD wurde schon genannt (und hier verfügen Ableger wie "Scion" oder "Exalted" auch über Werte in Genauigkeit der Waffe (wie gut zu führen) und Schadenswert der Waffe (wie tödlich). Das Ganze bricht aber an dem Zeitpunkt, wo tatsächlich das Können des Charakters ins Boot kommt, denn sein Wert in Geschick plus Nahkampf, also sein Können, ist schon das Relevanteste, denn über das Können macht er Bonuserfolge, die über den Waffenschaden hinausgehen und den Hieb so gefährlicher machen. Da ist Geschick eher das Problem, denn jemand mit einer dicken Waffe hat diverse Nachteile. Und auf die Stärke des Kämpfers kommt es gar nicht an.

Der "Eine Ring" legt zwar auch Wert auf Ausrüstung, ganz normal getroffen wird aber immer mit dem Fertigkeitswert des Charakters. Da modifiziert die Waffe nicht mehr. Schadenswerte... haben Waffen glaube ich auch, aber die weichen nicht so stark voneinander ab, dass der Dolche dem Schwert stark unterlegen wäre IIRC. Das könnte man meiner Meinung nach auch komplett angleichen, denn das gelungene finde ich, dass die Wahl der Waffe eigentlich vielmehr bestimmt, was bei einem kritischen Treffer passiert (der durchaus vom Können des Charakters abhängig ist): Ein Speer durchbohrt den Gegner, ein Schwertstreich entwaffnet ihn, ein Kriegshammer zerschmettert seinen Schild. Sowas finde ich schön, denn es macht die Besonderheiten der Waffen nicht zu dem Faktor, der am meisten Gewicht hat.

Bei FATE2Go gibt es übrigens die schöne Idee, Leute mit minderwertigen Waffen (Bloße Fäuste, Nadeln, Spielkarten) dieselben Schadensvorteile zu geben, wie Leuten mit Waffen: Voraussetzung ist, dass sie entsprechendes Training (abgebildet durch einen Charakteraspekt) erhalten haben. Ein Mixed-Martial-Arts-Meister macht mit seinen Fäusten einfach enormen Schaden, eine sinistre Geisha des dunklen Todeskultes mit ihren Haarnadeln.

Wendet man diese Idee auch auf andere Systeme an, hätte man: Alle Waffen sind tendenziell gleichstark... in den Händen eines Ungeübten. Das, was in anderen Systemen die Waffenboni sind, sind hier die Boni durch Können: Man hat einen bestimmten Kampfstil, der einem für bestimmte Waffen Boni gibt. Oder der in bestimmten Situationen Boni gibt. Und wenn ich meinen Kampfstil verbessere, steigen diese Boni.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: killedcat am 8.11.2012 | 09:58
Wieso ist sowas denn verkopft?  wtf?

Darum:
Zitat
Beispiel: Der Charakter will seinen Leuten Deckung geben. Will er das aus weiter Entfernung tun, sollte er das richtige Werkzeug dabei haben. Hat er das dabei (also ein Gewehr), dann gibt es keinen Malus. Hat er sogar hochqualitatives Werkzeug dabei (ein Präzisionsgewehr mit Zielfernrohr) kriegt er vielleicht noch einen Bonus. Hat er das unpassende Werkzeug dabei, dann kann er entweder keine Deckung geben oder bekommt einen Malus.
Somit hätte er im folgenden Kampf einen Bonus, wenn er ein Präzisionsgewehr einsetzt und aus der Qualität des Angriffswurfes würde dann auch gleichzeitig die Trefferwirkung bestimmt werden.

Zusätzlich könnte bei der Charaktererschaffung festgelegt werden, dass ein Charakter seinen Stil auf eine bestimmte Waffe ausgerichtet hat. Wenn er die Waffe nutzt, erhält er einen Bonus. Wenn er die Waffe nicht nutzt, erhält er keinen Bonus. (Ok, das wird oft schon gemacht).

Es gibt keinen Vergleich zwischen verschiedenen Waffen, denn die Charaktere sind erwachsen und sollten wissen, wie sie ihre Ressourcen einsetzen. Der Messerkämpfer weiss, dass er an den Hellebardenkämpfer ran muss, wenn er gewinnen will und der Hellebardenkämpfer kann auch nur gewinnen, wenn er den Messerkämpfer auf Abstand hält.
Wenn man einen Vergleich einsetzt, dann hat man nur eine weitere grobe Schätzung, die das Spiel abstrakter macht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: El God am 8.11.2012 | 09:59
Das nenne ich nicht verkopft, höchstens abstrakt. Ich finde den Ansatz sogar ganz ordentlich und brauchbar.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 8.11.2012 | 10:14
Ein Mixed-Martial-Arts-Meister macht mit seinen Fäusten einfach enormen Schaden, eine sinistre Geisha des dunklen Todeskultes mit ihren Haarnadeln.
Da ist halt die Frage, ob man Martial-Arts oder lieber etwas Bodenständigeres spielen will.

Zitat
Alle Waffen sind tendenziell gleichstark... in den Händen eines Ungeübten.
Naja, wenn man sagt, dass die Karten in den Händen eines Kartenprofis so stark sind wie die Schrotflinte in den Händen eines Schrotflintenprofis ist das eine Sache.
Aber ich glaube, bei einem UNGEÜBTEN ist die Schrotflinte stärker.

Klar kann der Kartenkämpfer-Neuling mit viel Würfelglück gegen den Schrotflinten-Neuling gewinnen. Aber dafür benötigt er schon viel Würfelglück und das ist doch eher die Ausnahme.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: killedcat am 8.11.2012 | 10:17
Zitat
Das nenne ich nicht verkopft, höchstens abstrakt. Ich finde den Ansatz sogar ganz ordentlich und brauchbar.

Das ist eben der Geschmack. Mir würde das die Stimmung verhageln, weil ich mich mit Details beschäftigen muss, die mich nicht interessieren. Daher "verkopft" (wichtig: in Anführungszeichen). Ich gehe beim Angriffswurf einfach davon aus, dass der Messerjockel sich in den Gefahrenbereich hinein und hinausbewegt und schließe aus den unterschiedlichen Schadenswerten, dass das Bedrohungspotential einer Helebarde größer ist, als das eines Messers. Wenn ich mich darum regeltechnisch kümmern muss, ist mir das zu simulationslastig.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Jiba am 8.11.2012 | 10:28
Da ist halt die Frage, ob man Martial-Arts oder lieber etwas Bodenständigeres spielen will.

Gut, ein Typ, der zweimal die Woche in die Mukkibude geht und ein aggressives Temperament hat und öfter mal in Schlägereien gerät, macht mit seinen Fäusten einfach mehr Schaden als ein Ungeübter.

@killedcat:
Da werde ich aber jetzt nicht schlau draus: Richtiges Werkzeug oder nicht ist eine einfache "Ja/Nein"-Frage, die man außerhalb des Kampfes doch auch ständig beantworten muss, ohne dass es stark simulationistisch würde:
Ich will eine Tür knacken. Habe ich Dietriche? Nein? Okay, dann wird es schwieriger.
Ich will einen Verwundeten verarzten. Habe ich Verbandszeug? Ja? Okay, dann ist die Schwierigkeit normal.
Ich will Eindruck beim König auf dem Ball schinden. Trage ich ein Designer-Ballkleid? Ja? Okay, dann wird es leichter.

Ich sehe gar nicht so recht, wo das viel abstrakter sein soll, als das, was Waffenwerte propagieren. Anstatt einen Bonus zu bekommen, wenn ich die stärkste Waffe dabei habe, habe ich den Bonus, wenn ich die für mich "beste" Waffe dabei habe. Ich kämpfe mit meiner Lieblingswaffe: Okay, dann also +1. Ich werde nicht durch die Situation im Kampf mit ihr behindert: Okay, dann nochmal +1. Die gängigen Waffensimulationssysteme machen das ja bereits auch, wie etwa bei Abzügen auf den Bogenschuss bei schlechter Sicht. (Abgesehen davon, dass es bei Systemen mit Waffenwerten, am besten noch verschiedenen, dann in abstraktes Gerechne ausartet, wenn ich plötzlich gezwungen bin, meine Waffe zu wechseln, wie z.B. eine dort liegende Helebarde zu nehmen, die ganz andere Werte hat als mein Streitkolben, den ich aber gerade nicht bei mir habe. Improvisierte Waffen sind meist noch schlimmer; die sorgen in jedem System, das realistisch abbilden will, für einen enormen Aufwand, zu ermitteln, wieviel Schaden eine solche Waffe denn nun macht.)

Die Alternative, um alles wirklich weniger abstrakt zu machen, wäre eigentlich beides abzuschaffen: Waffen sind egal. Besonderes Training auch.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 8.11.2012 | 10:32
Danke Jiba!Endlich jemand, der mich versteht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Greifenklaue am 8.11.2012 | 10:33
Der Ausgangswunsch wird übrigens von einem ganz einfachen System umgesetzt: Dungeonslayers.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 8.11.2012 | 10:47
Der Ausgangswunsch wird übrigens von einem ganz einfachen System umgesetzt: Dungeonslayers.

War es bei.DS nicht so, dass Waffen Boni auf den Trefferwurf gaben, aus dem sich auch der Schaden ableitete und dass dieser Bonus groesser wurde je groesser die Waffe?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 8.11.2012 | 10:56
Gut, ein Typ, der zweimal die Woche in die Mukkibude geht und ein aggressives Temperament hat und öfter mal in Schlägereien gerät, macht mit seinen Fäusten einfach mehr Schaden als ein Ungeübter.
Ja, wenn zwei Leute die gleiche Waffe benutzen, macht der Geübtere mehr Schaden. Das ist trivial.

Die Frage ist aber genau umgekehrt: Wenn zwei Leute den gleichen Trainingsstand aber unterschiedliche Waffen haben: Wer macht da mehr Schaden.

Beispiel 1:
Ein ungeübter benutzt seine Fäuste. Der zweite Ungeübte benutzt einen Schlagring. Wer macht mehr Schaden?

Beispiel 2:
Zwei Typen gehen regelmäßig in die Mukkibude. Ein Typ benutzt seine Fäuste. Der andere Typ benutzt einen Schlagring. Wer macht mehr Schaden?

Ich würde den Schaden ja wie folgt bei stumpfen Hiebwaffen und ähnlichen Ansetzen:
Gesamtschaden = Waffenschaden + Körperkraft-Bonus
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Jiba am 8.11.2012 | 11:05
Derjenige, der die Umgebung und die spezifische Kampfsituation besser für sich zu nutzen weiß.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Taschenschieber am 8.11.2012 | 11:25
War es bei.DS nicht so, dass Waffen Boni auf den Trefferwurf gaben, aus dem sich auch der Schaden ableitete und dass dieser Bonus groesser wurde je groesser die Waffe?

Richtig so weit. Trefferwahrscheinlichkeit und Schaden steigen immer zusammen. 5% mehr Trefferwahrscheinlichkeit = 1 Punkt mehr Maximalschaden. Übrigens etwas, was mir bei DS eher missfällt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 8.11.2012 | 11:29
Derjenige, der die Umgebung und die spezifische Kampfsituation besser für sich zu nutzen weiß.
1) Das wird ja durch den Fertigkeitswert ausgedrückt. Und der ist in den Beispielen bei den beiden Kontrahenten gleich groß.

2) Wenn es egal ist, welche Waffe man verwendet, wieso gibt es dann Schlagringe, Kampfmesser, Schwerter etc.? Wieso benutzt nicht einfach jeder seine Fäuste, wenn diese angeblich genau so effektiv sind?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Taschenschieber am 8.11.2012 | 11:36
2) Wenn es egal ist, welche Waffe man verwendet, wieso gibt es dann Schlagringe, Kampfmesser, Schwerter etc.? Wieso benutzt nicht einfach jeder seine Fäuste, wenn diese angeblich genau so effektiv sind?

Das behauptet ja nicht mal der Threadstarter:

Zitat
Ich behaupte nicht, dass die Wahl der Waffe egal ist. Aber ich behaupte, dass die Wahl der Waffe und deren Effizienz vom Können des Nutzers abhängen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: 6 am 8.11.2012 | 11:36
2) Wenn es egal ist, welche Waffe man verwendet, wieso gibt es dann Schlagringe, Kampfmesser, Schwerter etc.? Wieso benutzt nicht einfach jeder seine Fäuste, wenn diese angeblich genau so effektiv sind?
Genau deswegen sollen Waffen wie Werkzeuge behandelt werden: z.B. Kämpfst Du ohne passende Waffe: Kein Bonus. Kämpfst Du mit passender Waffe: +2 Bonus auf Angriff/Schaden/wasauchimmer
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Dr. Shoggoth am 8.11.2012 | 11:38
Ich sehe das Problem immer noch nicht. In den Systemen, die ich intensiver spiele/gespielt habe (DSA, Pathfinder, SW) macht ein Profi mit seiner Waffe einen Noob mit einer anderen sogut wie immer fertig. Der hat doch viel mehr Sonderfertigkeiten/Talente/Fertigkeiten, die genau das berücksichtigen sollen.

Wenn man mit einer großen Axt irgendwo am Körper trifft, dann richtet sie massiv Schaden an. Mit einem Dolch (/einer Geishanadel) muss man schon eine spezifische Stelle treffen -> erfordert mehr Können ein ähnlichen Schaden zu verursachen.

Bei SW z.B. wird die Hälfte des Waffenschadens von der Stärke des Anwenders verursacht. Da macht es für schwache Charaktere sogar Sinn leichte Waffen zu nutzen, weil sie mit größeren eh nicht mehr Schaden machen (Waffenwürfel ist nie höher als der Stärkewürfel). Um den geübten Messerkämpfer darzustellen erhöt man den Fertigkeitswert, kauft sich passende Talente (Lieblingswaffe, Tuchfühlung, Schnell...) und schon steckt er den Noobhelebardenkämpfer in die Tasche.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 8.11.2012 | 11:42
Zitat
Ich behaupte nicht, dass die Wahl der Waffe egal ist. Aber ich behaupte, dass die Wahl der Waffe und deren Effizienz vom Können des Nutzers abhängen.
Sie sollten aber nicht nur vom Können des Nutzers abhängen; da hat Eulenspiegel meiner Ansicht nach einen guten Punkt erwischt. Wahl der Waffe und Effizienz hängen in realitas sogar in sehr hohem Maße von der Situation ab, in der sie eingesetzt werden; die Professionalität eines Kämpfers zeigt sich ja gerade darin, daß er in einer gegebenen Situation die geeignetste Waffe wählt.

Genau deswegen sollen Waffen wie Werkzeuge behandelt werden: z.B. Kämpfst Du ohne passende Waffe: Kein Bonus. Kämpfst Du mit passender Waffe: +2 Bonus auf Angriff/Schaden/wasauchimmer
Da einfach nur ein Bonus wäre mir unterm Strich ein bißchen wenig. Es hatte schon seinen Grund, warum in Zeiten der Blankwaffen niemand (außer Obelix) mit bloßen Händen auf ein Wildschwein losging. Diesem Tierchen kommst du nun mal praktisch nur mit dem - speziell dafür gefertigten - Sauspieß bei.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: 6 am 8.11.2012 | 11:53
Da einfach nur ein Bonus wäre mir unterm Strich ein bißchen wenig. Es hatte schon seinen Grund, warum in Zeiten der Blankwaffen niemand (außer Obelix) mit bloßen Händen auf ein Wildschwein losging. Diesem Tierchen kommst du nun mal praktisch nur mit dem - speziell dafür gefertigten - Sauspieß bei.
Und schon bist Du wieder bei den Werkzeugen. Für den Kampf mit einer Sau ist der Sauspiess das richtige Werkzeug. Hast Du nicht das passende Werkzeug, dann gibt es keinen Bonus oder einen Malus (je nach System). Nimmst Du das richtige Werkzeug, dann bekommst Du einen Bonus.

Wo es wirklich schwierig wird, meiner Meinung nach ist: Gibt es eine Effizienzänderung wenn der gegnerische Stil geändert wird. Ist also z.B. ein Kämpfer mit dem Schwert effektiver gegen einen Kämpfer mit einem Messer (mit vergleichbarer Kampfstilkenntnis). Ich persönlich habe da keine praktische Erfahrung und finde im Netz sich widersprechende Infos. Da wären dann die Leute mit viel Kampferfahrung gefragt wie groß die Effektivitätsunterschiede zwischen den einzelnen Kampfstilen wirklich sind und wie sinnvoll das in einem Rollenspiel abbildbar ist.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Wyrδ am 8.11.2012 | 12:02
Es gibt den Spruch, dass nie Stile gegeneinander antreten, sondern Kämpfer. Aber das hilft natürlich nicht weiter. Es gibt so viele Faktoren, die einen Kämpfer bevorteilen/benachteilen können, dass man m. E. nur eine Art Katalog von Faktoren erstellen kann, die man dann nacheinander prüft, ob sie zutreffen (Reichweite, Sicht, räumliche Beengung, etc.). Diese Faktoren sind in vielen RPGs berücksichtigt, wobei man natürlich unterschiedlicher Meinung sein kann, ob sich diese Faktoren "korrekt" auswirken.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 8.11.2012 | 12:03
@6
Und wer entscheidet, wann welche Waffe das richtige Werkzeug ist?

Bei RPGs wie Gurps ergibt sich das automatisch aus den Werten:
- Fechtwaffen haben niedrigen Schadenswert, aber alles, was die Rüstung durchdringt, wird verdoppelt => geeignet für Ungerüstete
- Waffe mit hohem Wert in Rüstungsdurchdringung => Geeignet für Schwergepanzerte
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Greifenklaue am 8.11.2012 | 12:12
War es bei.DS nicht so, dass Waffen Boni auf den Trefferwurf gaben, aus dem sich auch der Schaden ableitete und dass dieser Bonus groesser wurde je groesser die Waffe?
Richtig so weit. Trefferwahrscheinlichkeit und Schaden steigen immer zusammen. 5% mehr Trefferwahrscheinlichkeit = 1 Punkt mehr Maximalschaden. Übrigens etwas, was mir bei DS eher missfällt.
Ja, die Wahl der Waffe hat einen Einfluß, aer e9nen sehr geringen.

Der Nahkampfwert (und damit zugleich das Schadenspotential) berechnet sich aus Körper (4-8), Stärke (0-6 anfangs), Talenten und Waffenbonus (normale Waffen +0 bis +3). Der Wert, man hat am Anfang so zwischen 4 und theoretisch 19, basiert also zu Großteilen aus Deinen Eigenschaften und Fähigkeiten, während die Waffe eine dazu im Vergleich untergeordnete Rolle spielt.

Das sollte doch so Deine Richtung sein. Der Effekt ist ja, dass der erfahrende Krieger mit dem Langschwert öfter und schweter trifft als der Magier mit exakt der selben Waffe.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 8.11.2012 | 12:14
Also meine grobe Idee waere folgende:
Man unterteilt Kaempfe in folgende Kategorien:
Extremer Fernkampf:Gewehrreichweite
Fernkampf:Pistolen, Wurfwaffen, etc.
Nahkampf:Schwerter, Stangenwaffen...
Extremer Nahkampf:Waffenlos

Jedem Kategorie wuerde ich dann passendes Werkzeug zuordnen und Luxusausfuehrungen (Kategorie:Passendes Werkzeug / Luxusausfuehrung):

Extremer Fernkampf:Jagdgewehr / PSG
Fernkampf:Wurfmesser, Beretta 92 / Shotgun, MP5
Nahkampf:Langschwert, Degen / pers. angepasstes Langschwert
Extremer Nahkampf:Waffenlos / Schlagring, Messer, Martial Arts

Wenn jemand von einer Kategorie in die naechste will, kriegt er z.B. einen Malus von 1. Will er in die uebernaechste Kategorie, dann erhaelt er einen Alus von 2 und die Luxusausfuehrung gewaehrt jeweils keine Boni mehr.
Als Beispiel:Der Hitman legt mit dem PSG auf ein weit entferntes Ziel an. Er kriegt einen Bonus fuer die Waffe.
Er wird ueberrascht von Polizisten, die ihn mit ihren Dienstpistolen im Fernkampf beschiessen. Die Waffe des Hitman ist fuer solche Feuergefechte nicht ausgelegt. Er verliert seinen Bonus und erhaelt einen Malus zusaetzlich von 1.
Ein Polizist loest sich aus dem Gefecht und verringert die Distanzzum Nahkampf, da er mit dem Gummiknueppel angreifen will. Der Hitman erhaelt fuerdas PSG nun einen Malus von 2.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: 6 am 8.11.2012 | 12:15
@6
Und wer entscheidet, wann welche Waffe das richtige Werkzeug ist?
Der SL. Ggfs. steht das im Regelwerk drin.
Zitat
Bei RPGs wie Gurps ergibt sich das automatisch aus den Werten:
- Fechtwaffen haben niedrigen Schadenswert, aber alles, was die Rüstung durchdringt, wird verdoppelt => geeignet für Ungerüstete
- Waffe mit hohem Wert in Rüstungsdurchdringung => Geeignet für Schwergepanzerte
So weit so gut. Dann lese ich eine Anekdote, bei der ein Vollgerüsteter Kämpfer von einem ungerüsteten Kämpfer in einem Duell mit einem einfachen und schnellen Stich zwischen die Schlitze des Helmes besiegt wurde (So weit ich weiss, hatten beide Akteure einen vergleichbaren Kenntnisstand ihres Kampfstiles).
Da stellt sich mir dann die Frage: Wie tragbar ist diese Anekdote? Ist das ein allgemeines Problem für einen vollgerüsteten Gegner oder wurde der Gegner einfach nur überrumpelt(Patzer in der Verteidigung)?
Deswegen ja auch meine Frage: Gibt es eine Effizienzänderung wenn der gegnerische Stil geändert wird?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 8.11.2012 | 12:16
Und schon bist Du wieder bei den Werkzeugen. Für den Kampf mit einer Sau ist der Sauspiess das richtige Werkzeug. Hast Du nicht das passende Werkzeug, dann gibt es keinen Bonus oder einen Malus (je nach System). Nimmst Du das richtige Werkzeug, dann bekommst Du einen Bonus.
Dann müßte der Malus "bloße Hand gegen Wildsau" aber ziemlich astronomisch sein, um dem Vieh gerecht zu werden...
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: 6 am 8.11.2012 | 12:17
Dann müßte der Malus "bloße Hand gegen Wildsau" aber ziemlich astronomisch sein, um dem Vieh gerecht zu werden...
Oder es wäre überhaupt nicht möglich (Siehe "Ins Netz hacken" ohne Computer).
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 8.11.2012 | 12:24
Oder es wäre überhaupt nicht möglich (Siehe "Ins Netz hacken" ohne Computer).
Tja, that's the point.

In meinem Homebrew hat der Sauspieß dahingehend eine Sonderstellung, daß er "Kraftangriffe" des Gegners unterbindet (besondere Kampfaktion, bei der der Angreifer einfach drauflosstürmt). Die Testkämpfe verliefen in der Hinsicht vielversprechend: um mit dem Langschwert einen Bären zu erlegen, mußte ein Kämpfer schon verdammt gut sein; mit dem Sauspieß hatte sogar ein durchschnittlicher Kämpfer eine reelle Chance.

Wenn ich's recht überlege, auch solche Situationen wie der Treffer mit dem Rapier in den Visierschlitz wären bei mir abgedeckt. :) Interessanter Thread, Leute. Da kommen viele, schöne Beispielsituationen vor, die ich als Prüfsteine für mein System ansehen kann. Keep 'em coming.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: killedcat am 8.11.2012 | 12:31
Ich weiß glaub ich immer weniger, was Ludovico hier eigentlich will, will aber konstruktiv beitragen. Daher hier ein paar Systeme, die imho das gewünschte Ergebnis liefern sollten:


Wenn es darum geht, dass das Können des Kämpfers stärker in den Schaden einfließen soll (mehr als nur eine bessere Trefferchance), dann sind die o.a. Systeme sicher zielführend und auch nicht alleine. Da gibt es noch viel mehr. Ich denke daher, dass die Angst, das Können bliebe in klassischen Systemen weitgehend unberücksichtigt, unbegründet ist.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 8.11.2012 | 13:27
@killedcat
Einfach!
- Weg mit dem Waffenschaden. Es gibt keinen Schadenswurf.
- Waffen werden als Werkzeuge betrachtet, die entsprechend eingesetzt werden muessen. Wie bei anderen Spielen geben besonders gute Werkzeuge einen Bonus. Der Einsatz ungeeigneten Werkzeugs gibt einen Malus.
- Der Waffenschaden bestimmt sich aus der Trefferqualitaet und die haengt zu einem sehr grossen Teil von der Kompetenz ab, wobei noch etwaige Boni dazukommen.

Und leider kenne ich nur 2 Systeme, die diese Wuensche in etwa erfuellen: Cold City/Hot War und Spirit of the Century... Ach ja, Hollowpoint ginge vielleicht auch noch. Aber die 100% Erfuellung dieser Ansprueche habe ich bisher noch bei keinem System gesehen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: killedcat am 8.11.2012 | 13:44
@killedcat
Einfach!
- Weg mit dem Waffenschaden. Es gibt keinen Schadenswurf.
Okay - ich würde so etwas eher nicht spielen wollen. Und nein, es erscheint mir in einem Gefecht auch nicht realistisch (bei einem Mordversuch dagegen schon). Obwohl - Rolemaster geht eigentlich in die Richtung und das würde ich nur nicht mehr leiten wollen.

Und leider kenne ich nur 2 Systeme, die diese Wuensche in etwa erfuellen: Cold City/Hot War und Spirit of the Century... Ach ja, Hollowpoint ginge vielleicht auch noch. Aber die 100% Erfuellung dieser Ansprueche habe ich bisher noch bei keinem System gesehen.
Echt nicht? nWod passt doch ganz gut. Hier wird nur die Qualität der Waffe insgesamt in den Angriffswurf reingerechnet (also kein Unterschied zwischen einer präzisen Waffe mit wenig Rumms und einer unpräzisen Waffe mit viel Rumms) und es gibt keinen gesonderten Schadens-/Angriffswurf. Rolemaster sollte dir auch entgegenkommen, auch wenn Waffen hier ihre eigenen Tabellen haben. Hier wird der Angriff gewürfelt - einen eigenen Schadenswurf gibt es nicht (allenfalls die reichhaltigen Krits). Auch Dungeonslyers sollte passen, da der Waffenbonus doch eher eine untergeordnete Rolle spielt, und eher die Qualität der Waffe insgesamt widerspiegelt. Was passt denn an diesen Systemen nicht?

Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ChristmasFrog am 8.11.2012 | 13:55
Ich möchte hier nochmal etwas einwerfen: ihr geht immer davon aus, dass hier eine Person bei einer anderen Person Schaden anrichten möchte. Für diese Situation sind die Regelansätze schonmal gut.

Was macht ihr bei nicht beabsichtigtem Schaden?

Beispiele:
jegliche Art von Fernwaffe - eigentliches Ziel verfehlt und anderes getroffen
ein Holzbrett fällt vom Tisch auf den Fuß vs. ein Messer fällt vom Tisch in den Fuß vs. ein Fleischerbeil fällt vom Tisch in den Fuß

Ist dann der Anwender der Waffe die "Natur" mit einem zufälligen Grad an können?
Bei Zuständen wie "leicht verletzt", "schwer verletzt" kann man das Ergebnis noch leicht improvisieren.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: pharyon am 8.11.2012 | 13:59
Aber die 100% Erfuellung dieser Ansprueche habe ich bisher noch bei keinem System gesehen.
Vielleicht liegt das daran, dass anderen genauso wenig plausibel erscheint wie dir, dass ausschließlich die Waffe den Schadensbereich festlegt, dass eine Waffe sich überhaupt nicht im Schadenspotential unterscheiden soll.

Ich fände ja den Ansatz interessant, dass bei Ungeübten durchaus unterschiedliche Potentiale vorliegen, diese aber durch Übung gleichwertig werden können.

Bsp.: Ein Messer macht bei Ungeübten 1W6 Schaden, ein Schwert 2W6. Durch Übung können spezialisierte Kämpfer in beiden Fällen auf maximal 4W6 Schaden kommen. Das würde sowohl den Waffen als auch der Kompetenz der Kämpfer spielbar gerecht werden.

Und zu DSA 4: Mit hohen Kompetenzwerten kann man schon deutlich mehr Schaden anrichten, z.B. wenn durch das Manöver Wuchtschlag Trefferchance 1:1 in feste Schadensboni umgewandelt werden. Das bringt einem bei "kleinen" Waffen (z.B. Langdolch 1W+2) sogar verhältnismäßig mehr als bei "großen" (z.B. Rondrakamm 2W+2), was für mich plausibel genug klingt.

Wenn ich dich richtig verstehe, suchst du aber ein System, wo diese Art der Waffeneigenschaft absolut unbedeutsam ist.

p^^
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 8.11.2012 | 14:12
- Weg mit dem Waffenschaden. Es gibt keinen Schadenswurf.
So etwas mag beim Kampf "Mensch gegen Mensch" funktionieren. Sobald du aber (wie z.B. in der High Fantasy normal) Konstellationen hast wie "Mensch gegen 4,50m großes Monster", kannst du m.E. auf irgendeine Form von Waffenschaden nicht verzichten. Da macht es schon einen Unterschied, wieviel Wums eine Waffe ganz einfach besitzt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 8.11.2012 | 14:30
So etwas mag beim Kampf "Mensch gegen Mensch" funktionieren. Sobald du aber (wie z.B. in der High Fantasy normal) Konstellationen hast wie "Mensch gegen 4,50m großes Monster", kannst du m.E. auf irgendeine Form von Waffenschaden nicht verzichten. Da macht es schon einen Unterschied, wieviel Wums eine Waffe ganz einfach besitzt.

Da liesse es sich wieder mit dem Werkzeugansatz regeln. Ein Kampf gegen einen Menschen ist eine Herausforderung wie das Oeffnen eines Tuerschlosses. Ok, der Unterschied waere, dass das Schloss sich nicht wehrt.
Nun waere ein Kampf gegen ein grosses Monster doch nicht viel anders als das Knacken eines schwierigeren Tuerschlosses. Man braucht mehr Zeit und vielleicht passenderes Werkzeug (statt Dietrich dann halt die Bohrmaschine), aber es ist nix anderes.

Das Monster hat dann halt andere Werte als ein Mensch.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Blutschrei am 8.11.2012 | 14:37
Da liesse es sich wieder mit dem Werkzeugansatz regeln. Ein Kampf gegen einen Menschen ist eine Herausforderung wie das Oeffnen eines Tuerschlosses. Ok, der Unterschied waere, dass das Schloss sich nicht wehrt.
Nun waere ein Kampf gegen ein grosses Monster doch nicht viel anders als das Knacken eines schwierigeren Tuerschlosses. Man braucht mehr Zeit und vielleicht passenderes Werkzeug (statt Dietrich dann halt die Bohrmaschine), aber es ist nix anderes.

Das Monster hat dann halt andere Werte als ein Mensch.

Damit abstrahierst du das Geschehen aber nur, es ändert nichts an Sinn und Zweck von Waffenschaden und nimmt die taktische Option der Waffenwahl.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 8.11.2012 | 14:40
Schau mal ein paar Posts vorher.

Die taktische Wahl wuerde sogar recht wichtig, denn unpassende Waffe = Malus bzw. autom. Misserfolg
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Blutschrei am 8.11.2012 | 14:56
Schau mal ein paar Posts vorher.

Die taktische Wahl wuerde sogar recht wichtig, denn unpassende Waffe = Malus bzw. autom. Misserfolg

Wie "taktisch" das ganze dann am Spieltisch noch wäre, sei mal dahingestellt. Wenn es die Option "Automatischer Misserfolg" und "50% Erfolgschance" gibt, habe ich als Spieler ja quasi nichts zu entscheiden, weil das Spiel mir die Entscheidung schon abgenommen hat.

Wenn ich aber eine Waffe mit einer geringeren Treffer- oder Verteidigungswertung habe, dafür aber mehr Schaden, kann ich entscheiden, ob ich das Risiko eingehen will und sie benutze, oder lieber mit einer Waffe mit geringerem Schaden und ausreichend Verteidigungswertung auf der sicheren Seite stehe.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 8.11.2012 | 15:01
Zugegebenermassen waere es eine andere Wahl, denn es ist kaum moeglich Waffen fuer alle Gelegenheiten mitzunehmen. Man muss bedingt durch seine Faehigkeiten seine Waffen waehlen. Dadurch wird bedingt, wie man kaempft und welche taktischen Optionen man nutzt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 8.11.2012 | 15:18
"Ein Oger? Knappe, bitte Eisen 5!" ;D
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: 6 am 8.11.2012 | 15:25
"Ein Oger? Knappe, bitte Eisen 5!" ;D
Du wirst lachen. So einen Paladin mit 30 verschiedenen Schwertern und Lanzen habe ich in AD&D schon gespielt. ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Timo am 8.11.2012 | 15:29
ach ihr könnt mich alle mal
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 8.11.2012 | 15:31
@6: Cool! :D Aber macht so eine differenzierte Waffensammlung bei AD&D überhaupt Sinn?

ach ihr könnt mich alle mal
Wie du willst... Knappe, einmal Eisen 8! :gasmaskerly:
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 8.11.2012 | 15:54
Das erinnert mich an ein Computerspiel, wo man den Knappen gespielt hat und seinem Ritter immer die richtige Ausrüstung geben musste. (Nicht nur Waffen, sondern auch Rüstung, Ringe etc.)

bzgl. AD&D
Naja, es gibt Gegner, die sind nur durch stumpfe Hiebwaffen verletzbar. Andere sind nur durch Schnittwaffen verletzbar. Andere sind nur durch Feuer&Säurewaffen verletzbar. Wieder andere kann man nur mit Silberwaffen beikommen. etc.

Disclaimer: Andere Waffen richten zwar meistens auch Schaden an, dieser ist jedoch deutlich geringer als normal.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: AcevanAcer am 8.11.2012 | 16:01
Das erinnert mich an ein Computerspiel, wo man den Knappen gespielt hat und seinem Ritter immer die richtige Ausrüstung geben musste. (Nicht nur Waffen, sondern auch Rüstung, Ringe etc.)

bzgl. AD&D
Naja, es gibt Gegner, die sind nur durch stumpfe Hiebwaffen verletzbar. Andere sind nur durch Schnittwaffen verletzbar. Andere sind nur durch Feuer&Säurewaffen verletzbar. Wieder andere kann man nur mit Silberwaffen beikommen. etc.

Disclaimer: Andere Waffen richten zwar meistens auch Schaden an, dieser ist jedoch deutlich geringer als normal.

sword of ogre decapitation,....
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Timo am 8.11.2012 | 16:06
Neee, irgendwie ignoriert nur jeder die ORE in den letzten Jahren im Tanelorn.

Waffen die einen Mod auf den Schaden geben grob je nach Typ=check
Kampfsystem das schnell ist, taktische Überlegungen erlaubt und das Können der Kämpfer mit einbaut=check
Kampfstile, die es zB einem Messerkämpfer erlauben viel SChaden zu machen=check
Trefferzonen und coole Kampfmanöver=check
Rüstungssystem und Schildsystem das funktioniert=check

außerdem: schnelle Massenkämpfe, Regeln für Intrigenspiel, Regeln für Veränderungen in den Machtverhältnissen der Nationen, etc. pp. alles jeweils in einem Wurf mit max. 15 Würfeln
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Jiba am 8.11.2012 | 16:09
Die ORE hat dafür andere Schwächen. Ich habe sie in der "A Dirty World"-Version mal probegespielt. Und so schnell fand ich sie nicht, wie immer behauptet wird. Vor allem das nachträgliche Angleichen der Erzählung stört mich ein wenig.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Dr. Shoggoth am 8.11.2012 | 16:11
sword of ogre decapitation,....
Den wollte ich auch gerade posten :D

Mir persönlich wäre die vorgeschlagene Regel für ein kampflastiges, klassisches Rollenspiel zu abstrakt. Vielleicht bei einem Spiel, wo der Kampf nicht im Mittelpunkt steht, sondern nur gelegentlich (vgl. Schlösser öffnen) vorkommt.

In vielen Fantasysystemen werden ja auch Waffen aus unterschiedlichsten Epochen zusammengeworfen. Da ist klar, dass einige keine daseinsberechtigung haben. Was mich auch stört ist, dass so praktische Dinge sogut wie nie berücksichtigt werden. Es ist 99% der Zeit einfach viel angenehmer einen Dolch mit sich herumzutragen als einen Zweihänder. Auch wenn die Tragkraftregeln etwas anderes sagen. Das gleiche gilt für Rüstungen. Solche Aspekte gehen halt immer unter und leichtere/praktischere Waffen/Rüstungen verlieren an Existenzberechtigung.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Crimson King am 8.11.2012 | 16:47
Das nenne ich nicht verkopft, höchstens abstrakt. Ich finde den Ansatz sogar ganz ordentlich und brauchbar.

Schadenswürfel und Trefferpunkte sind genauso abstrakt.

Ach so, Savage Worlds erlaubt mit jeder Waffe beliebig hohe Schadenswerte. Die Wahrscheinlichkeit für hohe Schadenswerte ändert sich allerdings mit der Waffe. Das Verletzungssystem trägt dem Rechnung, indem einfach Qualitäten von Angriffen in Verletzungen umgemünzt werden.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: scrandy am 8.11.2012 | 17:14
Ludovicos Konzept entspricht übrigens in etwa dem Waffensystem von Mystix. Dort haben Waffen auch keine unterschiedlichen Schadenswerte. Stattdessen hat jede Waffe, Stichwörter, die ihren Einsatzzweck festlegen. Auf diese Stichwörter gibt es dann ähnlich wie Ludovico das schon erklärt hat Boni oder Mali. Außerdem kann man die Waffen noch zusätzlich Modden und ihnen somit zusätzliche Stichwörter geben. Dadurch ändert die Waffe nicht die Stärke ihres Schadens sondern lediglich die Art wie sie effektiv eingesetzt werden kann und welche Faktenwirkung sie enfalten kann.

So hat der Hellebardist auf Distanz den Vorteil gegenüber dem Dolchkämpfer und dieser hat wiederum einen Vorteil sobald er sich genügend genähert hat. Durch diese Flexibilität kann man aber auch simulieren, dass Hellebarden in engen Gängen nicht ausholen können und deswegen Nachteile haben oder ähnliches.

Da der Vorteil vom Spieler ins Spiel "erzählt" werden muss, kann man außerdem immer den Fokus dahin legen, wo man ihn im Spiel haben möchte. Deswegen wird die Komplexität auch auf das reduziert, was man auch bespielen will und deswegen ist die Sache auch nicht wirklich verkopft oder abstrakt.

Und die Probe selbst und damit auch die Stärke des Schadens ist ausschließlich von den Fähigkeitswerten abhängig und wird lediglich durch die Boni und Mali unterstützt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 8.11.2012 | 18:14
Schon etwas her, aber trotzdem:

Gerade der Dolch ist dort der Witz schlechthin aber auch bei D&D. Was soll man mit einer Waffe, bei der man mehrere Male zustechen muss, ganz egal wie gut man ist?

Das man mit einem Dolch meistens mehrmals zustechen muss, finde ich nicht sonderlich schlimm - für viele Waffen ist die sofortige und absolute Kampfunfähigkeit durch einen einzigen Treffer mehr Hollywood oder sonstige Genrekonvention als alles andere.

Das Problem, das Dolche und Messer in den meisten Systemen haben, ist ein anderes:
Es wird meistens nicht abgebildet, wie schlecht sich größere Waffen im extremen Nahbereich einsetzen lassen und wie schnell und schwer abzuwehren Messer sind.


Was ich mir wünsche, wäre dass auch im Mainstream mal Systeme Einzug finden, die vor allem Wert auf Können legen und das in der Trefferqualität massivst berücksichtigen.
...
Shadowrun wäre da noch, aber da spielt die Waffe auch eine weit größere Rolle als das Können, denn da gehen ja nur die Nettoerfolge in den Pool zur Schadensbestimmung ein.

In Shadowrun 4 macht ein Messer Str/2+1 Schaden, für normale SCs also irgendwas in der Gegend 3 bis 6.

Die zugehörigen Angriffspools sind für einen einigermaßen brauchbaren Kämpfer ganz schnell zweistellig, da kommt also ziemlich fix der Grundschaden noch mal an Nettoerfolgen zusammen*.

Ebenso kann man Angriffe auf empfindliche Stellen ansagen, was noch mal bis zu +4 Schaden verursacht.
Man bewegt sich also ganz schnell in Schadensbereichen von über zehn Punkten, von denen der angegebene Waffenschaden weniger als die Hälfte ausmacht.


*Und wenn zu wenig Nettoerfolge erreicht werden, liegt das woran? An der Verteidigungsfähigkeit des Gegners - weitgehend unabhängig von dessen Waffe...

SW ist auch ein Kandidat, bei dem das Können bei der Trefferqualität nur eine untergeordnete Rolle spielt. Maximal gibt es 1W6 auf den Schaden. Juchhu!

Vom Angreifer kann in Sachen Schaden kommen:
* +1W6 über gewürfelten Raise.
* +4 von called shot.
* +2 von wild attack.
* +4 vom "drop".

Also im Extremfall 1W6+10 an Schaden, der nicht von der Waffe kommt, im Vergleich zu Str+d4 für den Dolch.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Crimson King am 8.11.2012 | 18:23
Vom Angreifer kann in Sachen Schaden kommen:
* +1W6 über gewürfelten Raise.
* +4 von called shot.
* +2 von wild attack.
* +4 vom "drop".

Also im Extremfall 1W6+10 an Schaden, der nicht von der Waffe kommt, im Vergleich zu Str+d4 für den Dolch.

Insbesondere explodieren die Würfel bei Maximalwert. Das bildet das Prinzip, das mit weniger mächtigen Waffen immer noch extrem schwere Verletzungen verursacht werden, dies aber schwerer ist, als mit mächtigen Waffen, gut ab.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 8.11.2012 | 18:37
Ja, aber das liegt nicht in den Händen des Angreifers; deswegen habe ich es hier weg gelassen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Blutschrei am 8.11.2012 | 18:43
Zitat
Es ist 99% der Zeit einfach viel angenehmer einen Dolch mit sich herumzutragen als einen Zweihänder. Auch wenn die Tragkraftregeln etwas anderes sagen. Das gleiche gilt für Rüstungen. Solche Aspekte gehen halt immer unter und leichtere/praktischere Waffen/Rüstungen verlieren an Existenzberechtigung.
In DSA wird die Behinderung durch Rüstung relativ detailiert abgebildet.

Aber oft unterliegt man da auch Fehlannahmen, eine übliche Plattenrüstung wiegt gerade mal 25kg, das wird nach und nach zwar auch "schwer", aber auch damit kann man mal 40km am Tag laufen. Unsere Bundeswehr ist teils auch mit 20kg Ausrüstung zu Fuß unterwegs.

Ein Zweihandschwert wiegt übrigens rund 2kg und wird auf dem Rücken transportiert. Wenn man also nicht gerade durch niedrige Gänge kriecht ist die Sperrigkeit absolut vernachlässigbar.

Zitat
Das man mit einem Dolch meistens mehrmals zustechen muss, finde ich nicht sonderlich schlimm - für viele Waffen ist die sofortige und absolute Kampfunfähigkeit durch einen einzigen Treffer mehr Hollywood oder sonstige Genrekonvention als alles andere.
Das halte ich für einen irrglauben. Bei einem (in Deutschland legalen) Messer, mag die Aussage noch stimmen, da sich der Blutverlust eine geraume Weile hinziehen kann, aber schon bei Dolchen oder Stiletten reicht die Länge schnell aus, um Organe schlichtweg zu zerstören, was an einigen Stellen (Kopf, Hals, Herz, teils Lunge, Solarplexus, Wirbelsäule, Beckenknochen) zwar nicht immer den sofortigen Tod, aber auf alle Fälle die Kampfunfähigkeit bedeutet.

Wobei es doch auch in DnD die Möglichkeit gibt, per Crit-Faktor und entsprechenden Feats mit einem Dolch ordentlich Schaden auszuteilen, oder?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 8.11.2012 | 18:53
Bei einem (in Deutschland legalen) Messer, mag die Aussage noch stimmen, da sich der Blutverlust eine geraume Weile hinziehen kann, aber schon bei Dolchen oder Stiletten reicht die Länge schnell aus, um Organe schlichtweg zu zerstören, was an einigen Stellen (Kopf, Hals, Herz, teils Lunge, Solarplexus, Wirbelsäule, Beckenknochen) zwar nicht immer den sofortigen Tod, aber auf alle Fälle die Kampfunfähigkeit bedeutet.
Aber auch einen Langdolch oder Stilette musst du dem Gegner erstmal vollkommen in den Körper rammen. Wenn der Gegner vorher kampfbereit war (also kein Meuchelmord oder so), dann gelingt dir das jedoch nur in den seltensten Fällen. Meistens springt der Gegner zurück und du erzeugst nur 'ne Schnittwunde.

Klar KANN es passieren, dass es zu einer Messerstecherei kommt und der erste Stich tödlich ist und die sofortige Kampfunfähigkeit hervorruft. Meistens tragen bei einer Messerstecherei (auch mit langen illegalen Messern) jedoch beide Parteien Stichwunden davon.
Die meisten Verletzungen sind wahrscheinlich am Arm, da man sich damit verteidigt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 8.11.2012 | 19:03
Bei einem (in Deutschland legalen) Messer, mag die Aussage noch stimmen, da sich der Blutverlust eine geraume Weile hinziehen kann, aber schon bei Dolchen oder Stiletten reicht die Länge schnell aus, um Organe schlichtweg zu zerstören, was an einigen Stellen (Kopf, Hals, Herz, teils Lunge, Solarplexus, Wirbelsäule, Beckenknochen) zwar nicht immer den sofortigen Tod, aber auf alle Fälle die Kampfunfähigkeit bedeutet.

In Deutschland legal?
Ich will es nicht zu breit auswalzen, daher nur mal schnell:
 Z.B. feststehende Messer mit bis zu 12 cm Klingenlänge (!).
Klappmesser mit bestimmten Öffnungs- und Verriegelungsmechanismen: Ohne Beschränkung der Klingenlänge und weitestgehend der -form.


Zum Thema sofortige Kampfunfähigkeit bzw. deren Nichteintritt kann ich dir die Tage ein paar Videos zusammensuchen, wenn du willst - Anfrage und Antwort per PN; so was muss dann wirklich nicht mehr mitten im Forum stehen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Dr. Shoggoth am 8.11.2012 | 19:12
In DSA wird die Behinderung durch Rüstung relativ detailiert abgebildet.

Aber oft unterliegt man da auch Fehlannahmen, eine übliche Plattenrüstung wiegt gerade mal 25kg, das wird nach und nach zwar auch "schwer", aber auch damit kann man mal 40km am Tag laufen. Unsere Bundeswehr ist teils auch mit 20kg Ausrüstung zu Fuß unterwegs.

Ein Zweihandschwert wiegt übrigens rund 2kg und wird auf dem Rücken transportiert. Wenn man also nicht gerade durch niedrige Gänge kriecht ist die Sperrigkeit absolut vernachlässigbar.

Als ich letztens bei Wiki nachgelesen hab stand da, dass Zweihänder offen in der Hand, bzw auf die Schulter gestütz oder halt auf Pferd/Karren getragen wurden. Ich meine auch nicht die Behinderung im Ernstfall, sondern darum dass es einfach nervt. Ich trage ja auch nicht dauernd ein Taschenmesser (ok, meistens...), eine Taschenlampe und ein kleines Verbandskästchen mit mir rum, obwohl es gelegentlich ziemlich nützlich wäre.
Ich bin kein Experte, aber ist eine kurze MP nicht grundsätzlich besser als eine normale Pistole? Die Pistole ist aber einfach praktischer und reicht trotzdem aus um jemanden außer Gefecht zu setzen.

Hab schon öfter gelesen, dass Messer zu selbstverteidigung nicht wirklich nützlich sind, da sie wenig Mannstoppwirkung haben und bei Messerstechereien darum auch oft alle Teilnehmer verwundet sind.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Blutschrei am 8.11.2012 | 19:13
@ Eulenspiegel:
Da stimm ich dir natürlich zu, Deckungsbedingt wird man je nach Fähigkeit der Kämpfer den ein oder anderen Treffer an Schulter/Arm/Parade setzen, was natürlich nicht tödlich ist, aber letztendlich sehe ich keinen Grund dafür, weshalb ein "KO durch viele Treffer udn Blutverlust" so viel wahrscheinlicher sein soll, als das Ausergefecht-setzen durch einen gezielten Treffer.
Treffer gegen Parade bzw Treffer, die nur "Kratzer und Schürfungen" verursachen, habe ich im Sinne des Zitats (s.u.) nicht als "Treffer" verstanden. Mit Sicherheit auch Interpretations-/Kommunikationssache.
Zitat
für viele Waffen ist die sofortige und absolute Kampfunfähigkeit durch einen einzigen Treffer mehr Hollywood oder sonstige Genrekonvention als alles andere.

Zitat
Aber auch einen Langdolch oder Stilette musst du dem Gegner erstmal vollkommen in den Körper rammen.
Das kommt auf den Körper an... ;) Ein Stilett hat eine Gesamtlänge von 30 cm, Römische Dolche eine Klingenlänge von 30 cm, Bowiemesser ahben eine Klingenlänge von 15-30 cm...
Die Lunge sitzt ziemlich genau unter den Rippen, er Solarplexus auch, da reichen 3-4 cm wohl aus, fürs Herz werdens dann geschätzt 6-8?
Der Kehlkopf liegt quasi direkt unter der Haut, die Wirbelsäule von vorn zu treffen wird im Torso wohl eher schwer, im Hals aber auch keine nennenswerte Tiefe, Augen liegen sinnvollerweise auch nicht tief... Also "vollkommen in en Körper" sieht anders aus. Gerade bei mittelalterlichen Waffen wie Lanze, Hellebarde, oder Pike, war so eine Tiefe einfach zu erreichen, sofern man mal getroffen hat.
Und gerade mit Wuchtwaffen kann man durch Zertrümmerung des Brustkorbs oder der Bauchdecke quasi so ziemlich alles kaputt machen. Also ich halte den "One-Hit-Kill" für garnicht so unwahrscheinlich.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Blutschrei am 8.11.2012 | 19:21
Zitat
In Deutschland legal?
Ich will es nicht zu breit auswalzen, daher nur mal schnell:
 Z.B. feststehende Messer mit bis zu 12 cm Klingenlänge (!).
Klappmesser mit bestimmten Öffnungs- und Verriegelungsmechanismen: Ohne Beschränkung der Klingenlänge und weitestgehend der -form.


Zum Thema sofortige Kampfunfähigkeit bzw. deren Nichteintritt kann ich dir die Tage ein paar Videos zusammensuchen, wenn du willst - Anfrage und Antwort per PN; so was muss dann wirklich nicht mehr mitten im Forum stehen.
Wie gesagt, ich bezweifel nicht, dass es möglich ist, wie in meinem Beitrag geschrieben, gibt es ziemlich viele Stellen, an denen schon 3-4cm "Tiefe" zum sofortigen Tod/Kampfunfähigkeit ausreichen, aber in der Praxis sieht es auch - wie im Thread bereits genannt, so aus, dass die Kämpfer meist mehrere Stichwunden von sich tragen und erstmal noch eine Weile vor sich hin bluten.

Zitat
Ich meine auch nicht die Behinderung im Ernstfall, sondern darum dass es einfach nervt. Ich trage ja auch nicht dauernd ein Taschenmesser (ok, meistens...), eine Taschenlampe und ein kleines Verbandskästchen mit mir rum, obwohl es gelegentlich ziemlich nützlich wäre.
Dein Argument ist also: Der Dolch ist viel besser als der Zweihänder, weil der Zweihänder nervt. Okay, überzeugt, ich nehm ab jetzt einfach ne Plastiktüte mit zum zelten, ein Zelt wäre viel zu nervig.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Dr. Shoggoth am 8.11.2012 | 19:29
Mit Ernstfall mein ich einen Kampf. Da ist eine ordentliche Kriegswaffe besser als ein Dolch. Das finde ich komplett logisch. Warum sollte jemand nicht einfach immer mit Zweihänder und Rüstung rumlaufen? Also auch beim Spaziergang, beim Einkaufen beim Essengehen etc... passiert so ja auch immer im Rollenspiel. Es gibt dadurch aber keine Daseinsberechtigung für einen Dolch. Du läufst ja auch nicht immer mit Stahlkappenschuhen (->Zweihänder) rum (gut, so Leute gibts auch...:)), obwohls eigentlich immer nützlich ist geschützte Zehen zu haben. Barfuß läufst du aber auch nicht rum, weil man schnell mal auf einen Spitzen Stein tritt. Also trägst du gemütliche Turnschuhe, die dich im normalfall Schützen (-> Dolch)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 8.11.2012 | 19:55
Und gerade mit Wuchtwaffen kann man durch Zertrümmerung des Brustkorbs oder der Bauchdecke quasi so ziemlich alles kaputt machen. Also ich halte den "One-Hit-Kill" für garnicht so unwahrscheinlich.
Mit der geeigneten Waffe halte ich den One-Hit-Kill auch für sehr wahrscheinlich. Aber eben nicht mit einem Stilette.

Es kommt eben ganz auf die Waffe drauf an, ob ein One-Hit-Kill wahrscheinlich oder unwahrscheinlich ist.

Der Dolch ist viel besser als der Zweihänder, weil der Zweihänder nervt. Okay, überzeugt, ich nehm ab jetzt einfach ne Plastiktüte mit zum zelten, ein Zelt wäre viel zu nervig.
Nein, das Argument war: Der Dolch hat einen Vorteil gegenüber dem Zweihänder, der beim RPG gerne vernachlässigt wird.

Es gab schon einen Grund, warum man in Adelskreisen häufig einen Dolch oder Degen, aber selten einen Zweihänder dabei hatte. - Und der Grund liegt nicht im Kampf sondern außerhalb des Kampfes.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Blutschrei am 8.11.2012 | 21:08
Der Adlige...

... wurde erstens nicht hinter jeder Ecke von dämonisch besessenen Goblins des Todes überfallen.

... hatte zweitens wohl auch nicht die entsprechende Fitness und Ausbildung um einen Zweihänder zu führen.

... hatte ein Schloss, in dem man Dinge unterbringen konnte bzw auf Reisen die Befugnis, beliebig dinge zu requiieren.


Bei Alrik dem Söldner sieht das anders aus: Er ist Reisender, kann seine Gegenstände in der Regel nirgends sicher deponieren, sein Tageswerk besteht aus dem Kampf und er wird hinter jeder Ecke von dämonisch besessene Goblins des Todes überfallen. Warum sollte man in so einer Situation nicht mit dem Langschwert unterwegs sein?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Bad Horse am 8.11.2012 | 21:24
Der Adlige...

... hatte zweitens wohl auch nicht die entsprechende Fitness und Ausbildung um einen Zweihänder zu führen.

Wer denn bitte sonst? Weder Ausbildung noch Zweihänder sind wahnsinnig billig, und wenn das die effektivste Waffe ist, die man für Geld kaufen kann, dann nimmt man als entsprechend wohlhabende und privilegierte Person doch lieber die.

Und warum sollte ein Adliger - der immerhin genug zu essen und Zeit zum Trainieren haben dürfte - nicht fit sein?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 8.11.2012 | 21:28
... wurde erstens nicht hinter jeder Ecke von dämonisch besessenen Goblins des Todes überfallen.

... hatte ein Schloss, in dem man Dinge unterbringen konnte bzw. auf Reisen die Befugnis, beliebig dinge zu requiieren.
Richtig. Aber da gibt es mittlerweile auch viele RPG-Settings, wo das zutrifft.

Und wie ich schon sagte: Der Vorteil des Dolches/Degens liegt AUßERHALB des Kampfes. Er kommt logischerweise also nur dann zum tragen, wenn Kampf nicht all zu häufig ist.

Zitat
... hatte zweitens wohl auch nicht die entsprechende Fitness und Ausbildung um einen Zweihänder zu führen.
Hier verdrehst du Ursache und Wirkung: Wieso hatten viele Adlige eher eine Ausbildung im Degen als im Zweihänder genossen? Weil der Degen ihnen mehr Vorteile bot.

Die fehlende Ausbildung im Zweihänder und die vorhandene Ausbildung am Degen ist daher eher ein Zeichen dafür, dass der Degen den Leuten mehr Vorteile bot.

Zitat
Bei Alrik dem Söldner sieht das anders aus: Er ist Reisender, kann seine Gegenstände in der Regel nirgends sicher deponieren, sein Tageswerk besteht aus dem Kampf und er wird hinter jeder Ecke von dämonisch besessene Goblins des Todes überfallen. Warum sollte man in so einer Situation nicht mit dem Langschwert unterwegs sein?
Häh? Hat irgendjemand behauptet, dass der Söldner Alrik nicht mit dem Langschwert unterwegs sein soll?

Nochmal ganz langsam:
Degen hat Vorteil A. Langschwert hat Vorteil B.

Wenn ich jetzt verlangen würde, dass alle Leute mit Degen unterwegs sind, würde ich nur auf Vorteil A schielen und Vorteil B total vernachlässigen.
In RPGs dagegen wird nur auf Vorteil B geschielt und Vorteil A vollkommen vernachlässigt.

Es geht nicht darum, den Vorteil von B zu negieren. Es geht darum, dass es beide Vorteile gibt: Der Degen hat einen Vorteil und das Langschwert hat einen anderen Vorteil. Niemand hier verlangt, den Vorteil des Langschwertes zu ignorieren! Aber es wäre schön, den Vorteil des Degens auch zu beachten. (Disclaimer: OHNE den Vorteil des Langschwertes dabei außer Acht zu lassen.)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: MadMalik am 8.11.2012 | 21:34
Und deswegen hat der Söldner ja auch nicht nur die Pike dabei, sondern auch noch den Katzbalger, damit er alle Vorteile geniesen kann. Statt das er sich nur die Waffe mit dem höchsten Damageoutput nimmt.  :)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: scrandy am 8.11.2012 | 22:40
Warum sollte eigentlich ein Schwert mehr Damageoutput haben als ein Dolch. Die beiden Waffen werden doch einfach nur für unterschiedliche Dinge gebraucht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Dr. Shoggoth am 8.11.2012 | 22:43
Eulenspiegel hat die richtigen Worte gefunden, das wollte ich sagen.
Die Daseinsberechtigung einiger Waffen liegt also nicht ausschließlich im direkten Kampf, sondern auch in ganz praktischen Gründen, die im RPG kaum zum tragen kommen.

Warum sollte eigentlich ein Schwert mehr Damageoutput haben als ein Dolch. Die beiden Waffen werden doch einfach nur für unterschiedliche Dinge gebraucht.

Kann man doch beide gut verwenden um jemanden zu verletzen, oder was für Aufgaben meinst du?
Bzw. was ist, wenn man das eine für die Aufgabe des anderen verwendet?

Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 8.11.2012 | 23:38
Ich bin kein Experte, aber ist eine kurze MP nicht grundsätzlich besser als eine normale Pistole? Die Pistole ist aber einfach praktischer und reicht trotzdem aus um jemanden außer Gefecht zu setzen.

Die MP nicht unbedingt, aber spätestens für kompakte Sturmgewehre stimmt das so.

Hab schon öfter gelesen, dass Messer zu selbstverteidigung nicht wirklich nützlich sind, da sie wenig Mannstoppwirkung haben und bei Messerstechereien darum auch oft alle Teilnehmer verwundet sind.

Da scheiden sich die Geister.
Die meisten Filipino-Stile und deren westliche Ableger haben sog. "biomechanisches Schneiden" im Programm, d.h. Angriffe gegen Gliedmaßen, die darauf abzielen, Muskeln, Sehnen oder Nerven (und ggf. Knochen) zu durchtrennen und so dem Gegner die Mittel zum Angriff zu nehmen.

Wenn das sauber klappt, wirkt es auch unverzüglich, aber das Wörtchen wenn ist halt ein ziemliches Arschloch  ;)

Warum sollte eigentlich ein Schwert mehr Damageoutput haben als ein Dolch.

Was heißt Damageoutput? Schaden pro Zeit? Maximal erreichbarer Schaden?


Das Schwert richtet im Schnitt pro Treffer jedenfalls die schwereren Verletzungen an und macht es leichter, irgendeine relevante Wunde zu erzeugen.


Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Blutschrei am 9.11.2012 | 02:26
Zitat
Wer denn bitte sonst? Weder Ausbildung noch Zweihänder sind wahnsinnig billig, und wenn das die effektivste Waffe ist, die man für Geld kaufen kann, dann nimmt man als entsprechend wohlhabende und privilegierte Person doch lieber die.

Diejenigen, die ihn im Kampf eingesetzt haben: Doppelsöldner und Landsknechte, denn deren Leben hing davon ab. Der Adlige (wir reden von einem Adligen mit "Degen", somit gehe ich mal vom auslaufenden Mittelalter/Renaissance aus) _lässt_ kämpfen. Zumal das erlernen des Umgangs mit einem Zweihänder unmengen an Zeit verschlungen haben muss, während die Selbstverteidigungs-Basics mit dem Degen _verhältnismäßig_ "einfach" waren/sind.

Zitat
Und warum sollte ein Adliger - der immerhin genug zu essen und Zeit zum Trainieren haben dürfte - nicht fit sein?
Stimmt, das ist auch der Grund dafür, weshalb es in unserer Gesellschaft so wenig Übergewichtige und Diabetiker gibt.

Zitat
Und wie ich schon sagte: Der Vorteil des Dolches/Degens liegt AUßERHALB des Kampfes. Er kommt logischerweise also nur dann zum tragen, wenn Kampf nicht all zu häufig ist.
Okay, sorry mein letzter Post ging wieder in Richtung kampf, ich hab mich da in etwas verbissen. Aber: Was ist denn jetz der Vorteil außerhalb des Kampfes? Der Degen ist vielleicht etwas dezenter und bequemer, aber ist das ein "Vorteil"?

Zitat
Hier verdrehst du Ursache und Wirkung: Wieso hatten viele Adlige eher eine Ausbildung im Degen als im Zweihänder genossen? Weil der Degen ihnen mehr Vorteile bot.
Weil der Umgang mit dem Degen leichter zu erlenen war und das Degenfechten vermutlich damals schon einen prestigeträchtigen Ruf hatte? Vielleicht auch einfach, weil die Gefahren beim Training deutlich geringer waren?
Bestimmt aber auch, weil der Degen generell ein "Schmuckstück" und "Rangabzeichen" war, das man überall zur Schau tragen konnte.

Ich bezweifle, dass der Degen nennenswerte Vorteile gegen einen (gemäßigten) Zweihänder hatte. (Hier wäre auch nocht interesant, ob wir vom schweren "Zweihänder" oder vom zweihändig geführten "Langschwert" sprechen, denn ersteres hatte tatsächlich einen Nachteil in Duell-artigen Situationen, zweiteres jedoch keinesfalls.

Zitat
Die fehlende Ausbildung im Zweihänder und die vorhandene Ausbildung am Degen ist daher eher ein Zeichen dafür, dass der Degen den Leuten mehr Vorteile bot.
Ja, aber vermutlich nicht im Kampf. Ich würde den Degen mal eher als Trendwaffe bezeichnen.

Zitat
Warum sollte eigentlich ein Schwert mehr Damageoutput haben als ein Dolch. Die beiden Waffen werden doch einfach nur für unterschiedliche Dinge gebraucht.
Ich nehm das Langschwert, du den Dolch, wie nah denkst du, kommst du an mich ran, bevor sich die ersten Gliedmaßen verabschieden? ;)

Wenn ein Dolch mit voller Wucht auf die Schädeldecke herabsaust, hat man wohl noch eine ganz gute (so 30%?) Chance, dass er am Schädelknochen abgleitet/Abprallt. Wenn ein Anderthalb- oder gar Zweihänder, der vielleicht noch die Wucht der Parade mitnehmen konnte (mit dem Dolch übrigens nicht möglich, da Hebelwirkung fehlt) auf den Schädel saußst, dann wirds ziemlich unschön. Das Potenzial auch mit einem "unsauberen" Treffer ordentlich was kaputt zu machen, ist bei wuchtigen, großen Waffen schlichtweg höher.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 9.11.2012 | 08:22
Hach, wieder wurde so viel geschrieben.

Alleine, was jetzt schon wieder den Vergleich mit Dolch und Schwert und dem "Damageoutput" angeht:
Wenn man mit dem Dolch es erstmal geschafft hat, in Angriffsreichweite zu kommen, dann kann man mehrere Treffer landen, während das Schwert gerade mal einen hinkriegt... vielleicht. Denn wenn erstmal der Dolch in Reichweite ist, dann büsst das Schwert eines an Effektivität ein.

In einer Kampfrunde in den meisten Systemen hat ein Dolch aber einen Angriff und ein Schwert einen Angriff.

Zumindest ist allerdings gut zu lesen, dass es doch ein paar Systeme gibt, bei denen das Können nicht vollkommen ignoriert wird, wobei ich es mistig finde, dass die generelle Regel zu sein scheint "Größere Waffe = größerer Schaden".

@Blutschrei
Der Zweihänder war von Anfang nicht gerade eine sonderliche tolle Waffe. Ja, Doppelsöldner kämpften damit, aber schon vor dem 30jährigen Krieg war die Hauptaufgabe der Zweihänder Wanddeko zu sein. Das kam nicht von ungefähr.
Nichtsdestotrotz ist es leider eine der besten Waffen im RPG.

Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Crimson King am 9.11.2012 | 08:35
Ein ungerüsteter Kämpfer mit einem Zweihänder zieht selbst bei absolutem Meistergrad gegen jeden mittelmäßigen Degenfechter in 100 von 100 Duellen den Kürzeren. Der Degen bot den wesentlichen Vorteil, dass man mit ihm abartig schnell fechten konnte, beim Nachteil einer nicht vorhandenen Rüstungsdurchdringung. Er bot darüber hinaus, aber ich vermute, das war eher nebensächlich, den Vorteil, das nach einem Duell des Öfteren beide Kombatanten auf den eigenen Füßen nach Hause gehen konnten.

Zweihänder waren fürs Getümmel gedacht, wenn die Formationen sich weitgehend auflösen, und für den Zweck waren sie extrem effizient.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 9.11.2012 | 09:15
@Blutschrei
Der Zweihänder war von Anfang nicht gerade eine sonderliche tolle Waffe. Ja, Doppelsöldner kämpften damit, aber schon vor dem 30jährigen Krieg war die Hauptaufgabe der Zweihänder Wanddeko zu sein. Das kam nicht von ungefähr.
Warum war dann die Falx (http://de.wikipedia.org/wiki/Falx) der Daker bei den Römern so gefürchtet? Archäologische Funde belegen, daß Legionäre, die an der Grenze zu Dakien stationiert waren, eigens ihre Rüstungen verstärken ließen.

Es stimmt zwar, daß von den Bihändern aus der frühen Neuzeit überwiegend Zeremonienwaffen erhalten sind, die als Deko an der Wand hingen; das dürfte aber eher mit dem Recycling von Altmetall zusammengehangen haben, als der Bihänder aufgrund neuer Kriegstaktiken zum Auslaufmodell wurde. Sprich: die Bihänder, die tatsächlich im Kampf eingesetzt worden waren, wurden hinterher eingeschmolzen und zu Degen, Dolchen oder Pflugscharen ;) verarbeitet.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Pyromancer am 9.11.2012 | 09:31
Ein ungerüsteter Kämpfer mit einem Zweihänder zieht selbst bei absolutem Meistergrad gegen jeden mittelmäßigen Degenfechter in 100 von 100 Duellen den Kürzeren.
Ich setze 5:1 auf den absoluten Meister.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Crimson King am 9.11.2012 | 09:32
Ich gehe nebenbei bemerkt davon aus, dass es sehr schwierig ist, jemanden im Kampf mit einem Zweihänder leicht zu verwunden. Man haut gegen ausreichend bewegliche Gegner des Öfteren vorbei, aber wenn man trifft, tut es weh.

Mit Saga oder einem System, das Saga erweitert, bildet man das vermutlich sehr gut ab. Ich schreibe heute abend mal was dazu, wie ich mir das vorstelle.

Ich setze 5:1 auf den absoluten Meister.

Und wie kommst du da drauf?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 9.11.2012 | 09:34
Der Falx hatte lt. Wikidedia eine Gesamtlänge zwischen 50cm - 130 cm. Wenn ich bei Wikipedia unter Zweihänder schaue, dann sehe ich dort unter Gesamtlänge etwas von ca. 170 cm.

Aber ich stimme auch mit Crimson King nicht überein. Der Degen kann viel öfters treffen und sicher auch verwunden, aber es wurde ja auch schon angedeutet, dass der Zweihänder weniger und auch unsauberere Treffer benötigt.

Da Rollenspielsysteme generell mit Runden arbeiten, in denen abhängig von den Charaktereigenschaften eine bestimmte Anzahl Angriffe zur Verfügung stehen und nicht von der Waffeneigenschaft, wird so das Bild doch etwas verzerrt. Die Waffeneigenschaft wirkt sich oft nur auf die Ini aus, also wer zuerst zuschlagen darf.

Das ist wieder ein Punkt, weshalb ich dafür bin, Waffenwerte abzuschaffen. Klar, habe ich jetzt gerade über die unterschiedlichen Eigenschaften des Stichdegens und des Zweihänders mitdiskutiert und diese auch anerkannt. Aber den Schaden, den diese Waffen anrichten, halte ich für vergleichbar. Der Degen trifft öfters und der Zweihänder trifft härter.

Persönlich kenne ich keine Alternative zum Rundensystem, um etwas Ordnung in Kämpfe zu bringen und deshalb sollten imho die Waffenwerte verschwinden.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 9.11.2012 | 09:36
Ich setze 5:1 auf den absoluten Meister.

Weil der Meister ihn von hinten absticht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 9.11.2012 | 09:42
Ich bezweifle, dass der Degen nennenswerte Vorteile gegen einen (gemäßigten) Zweihänder hatte.
Laufe mal den ganzen Tag mit einem Langschwert und mit einem Degen herum. Dann bemerkst du den Vorteil des Degens. (Und ich spreche hier nicht unbedingt vom Gewicht sondern von der allgemeinen Unhandlichkeit des Langschwertes.)

Des weiteren behauptest du, ein Degen wäre leichter zu erlernen. (Was ich übrigens bezweifle.) Aber falls du Recht hast und der Degen leichter zu erlernen wäre, wäre das ein weiterer Vorteil des Degens.

Und der dritte Vorteil ist, dass bei vielen Anlässen ein Degen sozial akzeptierter ist als ein Langschwert.

Zitat
Ja, aber vermutlich nicht im Kampf.
Es gibt auch noch ein Leben außerhalb des Kampfes. Und gerade mit der Renaissance nahm das Leben außerhalb des Kampfes einen immer größeren Stellenwert ein und die Bedeutung des Kampfes ging immer weiter zurück. (Wie schon gesagt: Man kämpfte nicht mehr selber, man ließ kämpfen.)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: El God am 9.11.2012 | 09:44
Zitat
Das ist wieder ein Punkt, weshalb ich dafür bin, Waffenwerte abzuschaffen. Klar, habe ich jetzt gerade über die unterschiedlichen Eigenschaften des Stichdegens und des Zweihänders mitdiskutiert und diese auch anerkannt. Aber den Schaden, den diese Waffen anrichten, halte ich für vergleichbar. Der Degen trifft öfters und der Zweihänder trifft härter.

Das ist eine schöne Abstraktion, auch für den Schadensvergleich Dolch vs. Schwert oder ähnliches. Dummerweise hat sich in anderen Diskussionen hier gezeigt, dass gerade die "Realismus im Rollenspiel"-Fraktion mit Abstraktionen nichts anfangen kann. Die gehen von einem einzelnen Schlag aus, wenn eine Attacke gewürfelt wird, ich hatte schon einen ähnlichen Vorschlag wie du angebracht. Wenn man aber sagt: "Scheißegal, was die Realismus-Futzis denken, ICH weiß es eh besser", ist imho alles ok.  ;D
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Pyromancer am 9.11.2012 | 09:47
Und wie kommst du da drauf?

Ich hab rudimentäre Kampferfahrung und hab gesehen und gespürt, was selbst Leute, die "nur" gut sind den mittelmäßigen so voraus haben.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Crimson King am 9.11.2012 | 09:47
Aber ich stimme auch mit Crimson King nicht überein. Der Degen kann viel öfters treffen und sicher auch verwunden, aber es wurde ja auch schon angedeutet, dass der Zweihänder weniger und auch unsauberere Treffer benötigt.

Wenn genügend Platz zum Ausweichen vorhanden ist, trifft der Zweihänder überhaupt nicht. Das ist die Crux. Bei zweihändig geführten Langschwertern mag das anders aussehen, aber auch da vermute ich stark, dass die überlegene Geschwindigkeit des Degens den Ausschlag gibt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 9.11.2012 | 10:00
So langsam, wie es sich viele vorstellen, ist der Zweihänder gar nicht. Gerade gegen schnelle Ungerüstete ist es z.B. eine gute Technik, den Zweihänder mit der linken Hand über dem Kopf zu halten, und ihn mit der rechten Hand dann in die gewünschte Richtung zu bewegen:
Das verbraucht wenig Kraft, ist irre schnell und sobald sich der Gegner nähern will, rennt er in den Zweihänder. Ich habe jetzt bei YouTube auf die Schnelle leider nur Showkämpfe und keine Mittelalterkämpfe gefunden. Aber ein Degenfechter sieht gegenüber einem Zweihänder auf einer weiten Ebene recht alt aus.

Zum Zug käme der Degenfechter erst, wenn man im dichten Wald kämpft und/oder der Boden extrem uneben ist und man sich stellenweise abstützen muss.

Auf alle Fälle ist der Zweihänder nur dann eine langsame Waffe, wenn man weit damit ausholt, um gegnerische Piken oder Rüstungen zu zerschlagen. Im Kampf gegen Ungerüstete ist sie verdammt schnell.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 9.11.2012 | 10:07
Der Falx hatte lt. Wikidedia eine Gesamtlänge zwischen 50cm - 130 cm. Wenn ich bei Wikipedia unter Zweihänder schaue, dann sehe ich dort unter Gesamtlänge etwas von ca. 170 cm.
Unter "Zweihänder" verstehe ich ein zweihändig geführtes Schwert, das vor allem durch Reichweite und Wucht gefährlich ist, und da fällt eine lange Falx für mich eindeutig drunter.

Persönlich kenne ich keine Alternative zum Rundensystem, um etwas Ordnung in Kämpfe zu bringen und deshalb sollten imho die Waffenwerte verschwinden.
OK, da deine Ansicht feststeht, sehe ich keinen Nährwert mehr im Diskutieren. Probier's aus. Das haben ein guter Freund von mir und ich unabhängig voneinander schon in unseren Eigenbau-Ansätzen gemacht. Schmeiß alle Waffenwerte raus, laß die Fertigkeit des Kämpfers allein entscheiden. Bei uns führte es lediglich zu total absurden, lächerlichen Szenen, aber vielleicht funktioniert es ja in deiner Runde.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 9.11.2012 | 10:13
die Professionalität eines Kämpfers zeigt sich ja gerade darin, daß er in einer gegebenen Situation die geeignetste Waffe wählt.
äh nö, sie zeigt sich darin, das er effizienter handelt

Also meine grobe Idee waere folgende:
Man unterteilt Kaempfe in folgende Kategorien:
Extremer Fernkampf:Gewehrreichweite
Fernkampf:Pistolen, Wurfwaffen, etc.
Nahkampf:Schwerter, Stangenwaffen...
Extremer Nahkampf:Waffenlos


viel zu grob, btw Pistolen und Wurfwaffen sind Nahbereichswaffen.
Stangenwaffe und Schwert decken sehr verschiedene Bereiche ab, du musst mit Schwert sehr vielbesser sein um gegen den Speerkämpfer ne Schnitte zu sehen, sonst kommst du nicht ran.



 
Zitat
Als Beispiel:Der Hitman legt mit dem PSG auf ein weit entferntes Ziel an. Er kriegt einen Bonus fuer die Waffe.
Er wird ueberrascht von Polizisten, die ihn mit ihren Dienstpistolen im Fernkampf beschiessen. Die Waffe des Hitman ist fuer solche Feuergefechte nicht ausgelegt. Er verliert seinen Bonus und erhaelt einen Malus zusaetzlich von 1.
was für ein Unsinn, er hätte Probleme , wenn er Platzprobleme bekäme oder der Cop an ihm dran wäre, ansonsten wäre es überlegen und sofern Platz für es wäre, wäre er dem cop mit Gummiknüppel auch Waffentechnisch im Vorteil, Parieren, aufgestzter Schuss, 2handhiebwaffe

Der SL. Ggfs. steht das im Regelwerk drin.So weit so gut. Dann lese ich eine Anekdote, bei der ein Vollgerüsteter Kämpfer von einem ungerüsteten Kämpfer in einem Duell mit einem einfachen und schnellen Stich zwischen die Schlitze des Helmes besiegt wurde (So weit ich weiss, hatten beide Akteure einen vergleichbaren Kenntnisstand ihres Kampfstiles).
Da stellt sich mir dann die Frage: Wie tragbar ist diese Anekdote? Ist das ein allgemeines Problem für einen vollgerüsteten Gegner oder wurde der Gegner einfach nur überrumpelt(Patzer in der Verteidigung)?
Deswegen ja auch meine Frage: Gibt es eine Effizienzänderung wenn der gegnerische Stil geändert wird?
ich denke es war Glück, Überraschung maybe aber viel Glück oder der Kerl konnte John Silver als Aufwärmübung zerlegen.

Zugegebenermassen waere es eine andere Wahl, denn es ist kaum moeglich Waffen fuer alle Gelegenheiten mitzunehmen. Man muss bedingt durch seine Faehigkeiten seine Waffen waehlen.
Dolch, Speer, Schwert, Schleuder

Kampfmesser, Pistole, Sturmgewehr mit Granatwerfer
Durch diese Flexibilität kann man aber auch simulieren, dass Hellebarden in engen Gängen nicht ausholen können und deswegen Nachteile haben oder ähnliches.
aber immer noch zustossen, haken was gegen Messerkämpfer bevorzugt sein dürfte


... hatte zweitens wohl auch nicht die entsprechende Fitness und Ausbildung um einen Zweihänder zu führen.
möglich, wahrscheinlich aber eher als Alrik der Söldner



Zitat
... hatte ein Schloss, in dem man Dinge unterbringen konnte bzw auf Reisen die Befugnis, beliebig dinge zu requiieren.
ersteres vielleicht, 2tes definitiv nicht.


Zitat
Bei Alrik dem Söldner sieht das anders aus:
Er wird vonMorgens bis abends gedrillt in Formation zu funktionieren, rechts, links geradeaus, etwas den Feind abzuwehren und 5 minuten die Pikenspitze in die richtige Richtung zu halten.

er sieht seinen adligen Hauptmann in Platte mit Stangenaxt trainieren, er sieht die schwergerüsteten Doppelsöldner mit Zweihänder und Helmbarte fürs Feld trainieren.

Zitat
während die Selbstverteidigungs-Basics mit dem Degen _verhältnismäßig_ "einfach" waren/sind.
wie kommst du jetzt darauf?
 
Zitat
Der Degen ist vielleicht etwas dezenter und bequemer, aber ist das ein "Vorteil"?
ist es ein Vorteil der Pistole gegenüber demMG?

Wenn man mit dem Dolch es erstmal geschafft hat, in Angriffsreichweite zu kommen,
Wenn?

Zitat
dann kann man mehrere Treffer landen, während das Schwert gerade mal einen hinkriegt
wie kommst du darauf?
@Bad Horse

Weil der Zweihänder gegen gerüstete Gegner nicht sehr effektiv ist. Weshalb die Ritter die Poleaxe bevorzugten

Weil der Degen ihnen mehr Vorteile bot.
der Degen ist eine Zivilwaffe, leicht bequem für den Hof
Ich setze 5:1 auf den absoluten Meister.
nur?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 9.11.2012 | 10:16
Unter "Zweihänder" verstehe ich ein zweihändig geführtes Schwert, das vor allem durch Reichweite und Wucht gefährlich ist, und da fällt eine lange Falx für mich eindeutig drunter.
OK, da deine Ansicht feststeht, sehe ich keinen Nährwert mehr im Diskutieren. Probier's aus. Das haben ein guter Freund von mir und ich unabhängig voneinander schon in unseren Eigenbau-Ansätzen gemacht. Schmeiß alle Waffenwerte raus, laß die Fertigkeit des Kämpfers allein entscheiden. Bei uns führte es lediglich zu total absurden, lächerlichen Szenen, aber vielleicht funktioniert es ja in deiner Runde.

Naja, meine Meinung zu Waffenwerten stand von Anfang an fest. Ich glaube, dass ich da auch keine Zweifel aufkommen liess.

Aber Du machst mich neugierig. Was fuer absurde Situationen waren es denn?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Crimson King am 9.11.2012 | 10:26
So langsam, wie es sich viele vorstellen, ist der Zweihänder gar nicht. Gerade gegen schnelle Ungerüstete ist es z.B. eine gute Technik, den Zweihänder mit der linken Hand über dem Kopf zu halten, und ihn mit der rechten Hand dann in die gewünschte Richtung zu bewegen:
Das verbraucht wenig Kraft, ist irre schnell und sobald sich der Gegner nähern will, rennt er in den Zweihänder. Ich habe jetzt bei YouTube auf die Schnelle leider nur Showkämpfe und keine Mittelalterkämpfe gefunden. Aber ein Degenfechter sieht gegenüber einem Zweihänder auf einer weiten Ebene recht alt aus.

Zum Zug käme der Degenfechter erst, wenn man im dichten Wald kämpft und/oder der Boden extrem uneben ist und man sich stellenweise abstützen muss.

Auf alle Fälle ist der Zweihänder nur dann eine langsame Waffe, wenn man weit damit ausholt, um gegnerische Piken oder Rüstungen zu zerschlagen. Im Kampf gegen Ungerüstete ist sie verdammt schnell.

Ich habe jetzt mal mit meinem zweihändigen Langschwert (das als Schaukampfschwert mit ungeschliffener Klinge und entsprechend großem Knauf vom Gewicht her eher einem Zweihänder entspricht) getestet, wie sich das anfühlt, so einen Klotz vornehmlich mit dem schwachen Arm senkrecht oder schräg über dem Kopf zu halten. Macht keinen Spaß. Dass das wenig Kraft verbraucht, würde ich so nicht bestätigen Aber ich bin auch untrainiert.

Möglicherweise unterschätze ich an der Stelle aber auch Auswirkungen der Ausbildung mit der entsprechenden Waffe.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 9.11.2012 | 10:27
Hersteller? Balance? Gewicht?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Crimson King am 9.11.2012 | 10:31
Hersteller kann ich dir nicht sagen, aber das Teil war mit 600 DM im Jahr 2000 nicht gerade billig.

Die Balance ist nach meinem Eindruck ziemlich gut. Die Waffe lässt sich sogar einhändig leidlich führen.

Gerade nachgemessen: 120 cm, 3,0 Kg.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 9.11.2012 | 10:36
3,0 kg sehr schwer, zu schwer eigentlich, ich glaube du hast den Hersteller, der dafür bekannt ist zu schwere Schwerter zu machen
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 9.11.2012 | 10:38
Wiki sagt 2-4 kg. Damit wäre er bei 3 kg schon im Durchschnitt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Gummibär am 9.11.2012 | 10:40
Der Rest war tl;dr.

Dann empfehle ich dir, diesen Thread nicht weiter zu lesen, der ist nämlich noch länger.

Aber gut, ich werde demnächst meine Posts in mehrere kurze Posts unterteilen.

Aber hierzu eine Anmerkung: Wenn der andere weiß wie er damit umzugehen hat und du nicht, wirst du auch mit dem scharfen Schwert verlieren. Und ich meine: In Realität, nicht im RPG. Selbst wenn du eine Schusswaffe hast und der andere nur einen Baseballschläger, wenn du keine Ahnung hast und der andere ist kampferprobt und in deiner Nähe, bringt dir auch die überlegene Ausrüstung nichts.

Ja, aber sowas ist State-of-the-Art doch bereits gelöst. Wenn man eine Fertigkeit gar nicht besitzt, dann kann es für Proben darauf Erschwernisse geben (z.B. Vampire: Die Maskerade) oder die Probe misslingt automatisch (z.B. DSA 4). Und in GURPS 4 besitzt man eine Fertigkeit gar nicht, es sei denn, man hat sie 100 Stunden trainiert.



Beispiel: Ich Kartenspiel, Marzaan Schrotflinte - Ich lass Marzaan die Karten um die Ohren fliegen, er hat Zielschwierigkeiten, ich bleib in Bewegung und nähere mich schnell dabei und wenn die Karten zu Boden fallen, hat er meinen Ellenbogen im Gesicht und die Schrotflinte ist nicht mehr viel wert.

Damit hast du bewiesen, dass die Spielkarten weniger Schaden machen. Du verzichtest ja sogar darauf, mit den Spielkarten überhaupt Schaden zu verursachen und machst das lieber waffenlos.

Wenn ich ein stumpfes Breitschwert habe und jemand ein scharfes, dann ist es erstmal egal, was mir gegen den Kopf donnert. Benommen bin ich mindestens und damit ist die Sache auch erledigt.

Das gilt für Kopftreffer. Es gibt aber nicht nur Kopftreffer.

DSA ist nicht realistisch und wie kommst Du darauf, dass die Fertigkeiten überhaupt eine Rolle spielen bei der Schadensbestimmung?

Ich schrieb nicht, dass DSA realistisch ist. Ich schrieb, dass DSA es (nämlich das, worüber wir reden, konzeptuell) richtig macht. Das Wort „Fertigkeit“ kommt in meinem Beitrag nicht vor, zitiere bitte, worauf du dich beziehst.

Gerade der Dolch ist dort der Witz schlechthin aber auch bei D&D. Was soll man mit einer Waffe, bei der man mehrere Male zustechen muss, ganz egal wie gut man ist?

Das ist nicht das Problem des Dolches, sondern das Problem der niedrigen Tödlichkeit. Mit nem Speer muss man auch mehrere Male zustechen.

Und die DK ist scheiße, weil die Anwendung zu umständlich ist und somit hat man zwar was realistisches aber auch gleichzeitig wieder etwas anwendungsfernes.

Jupp. Weswegen ich bei meinem System den Realismus-Vorteil beibehalten möchte, aber auf die Umständlichkeit verzichte.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Crimson King am 9.11.2012 | 10:41
3,0 kg sehr schwer, zu schwer eigentlich, ich glaube du hast den Hersteller, der dafür bekannt ist zu schwere Schwerter zu machen

Dass es zu schwer ist für die Waffenklasse, sagte ich bereits. 3 Kg sind für einen Zweihänder allerdings zwar viel, aber nicht außergewöhnlich.

Wie gesagt, mit historischen zweihändigen Langschwertern oder Katanas sieht das ggf. anders aus. Im Gegensatz zum Zweihänder waren diese Waffen allerdings von vorneherein (auch) für den Zweikampf ausgelegt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Gummibär am 9.11.2012 | 11:02
Dass Du übrigens ignorierst, dass es bei DSA 4 keine besseren und schlechteren Waffen gibt, wundert mich.
Was ist besser? Andergaster oder Zweihänder? Brabakbengel oder Streitkolben? Rapier oder Degen? Dolch oder Messer? Breitschwert oder Dolch?

Ich verwende einfach immer die besten Waffen. Ist natürlich doof, dass die Waffenliste so unnötig lang ist. Da hab ich für mein System einen viel übersichtlicheren Ansatz, in dem dann auch direkt offensichtlich ist, welches die besten Waffen sind (und warum es die anderen Waffen trotzdem gibt).

Engel ist übrigens ein sehr kleines System und Gurps muss ich gestehen, habe ich noch keinen großen Blick draufgeworfen.

GURPS wird dir vermutlich nicht gefallen, aber wenn man sich mit Systemdesign befasst, dann ist das DAS System zum Thema Realismus.

Was ich mir wünsche, wäre dass auch im Mainstream mal Systeme Einzug finden, die vor allem Wert auf Können legen und das in der Trefferqualität massivst berücksichtigen. Wie viele gibt es davon? Gurps kann ich jetzt nicht beurteilen, aber DSA 4, DnD, machen das praktisch gar nicht.

nWoD. Nicht cWoD, sondern nWoD. Der Grundschaden bestimmt sich zu 50% aus der Fertigkeit, zu 50% aus dem Attribut. Dazu kommt dann noch ein Bonus für die verwendete Waffe (der nicht größer ist als die Fertigkeit eines guten Anwenders und damit dann jeder der drei Faktoren 33% ausmacht).

Dieser gesunde Menschenverstand sagt uns, dass eine Desert Eagle .50 massivst Schaden macht und eine FN57 ein Witz ist. Wenn man aber auf jemanden schiesst, der eine schusssichere Weste an hat, dann ist die FN57 ganz klar vorne, was Treffergenauigkeit und Durchschlagskraft angeht.

Weswegen die FN57 ja auch panzerbrechend ist. Die macht nicht mehr Schaden, allerdings zählt Rüstung nur halb.

Dieser gesunde Menschenverstand sagt uns auch, dass ein Kopfschuss aus einer großkalibrigen Waffe tödlich sein muss. Es gibt aber genügend Leute, die so etwas überlebt haben und andere, die von kleineren Waffen getötet worden, weil eine Arterie erwischt wurde oder so.

Also mein GMV sagt mir das nicht.

-Fechter und Messerkämpfer werden zu Recht von Kämpfern mit größeren Waffen belächelt, denn sie haben die besseren Waffen.

Ja, du sagst es. Sie werden zu Recht belächelt. Denn sie haben tatsächlich die besseren Waffen. Hat halt nen Grund, dass die Ritter mit Schwertern rumliefen.

-Charakterkonzepte, die darauf aufbauen, dass Ausrüstung aus Familienbeständen stammt, funktionieren nur so lange, bis bessere Ausrüstung gefunden wurde (wie der Sohn des Ritters, der mit dem Familienschwert loszieht)

Ja schön, du kritisierst D&D. Gibt echt noch andere Spiele außer D&D. Dieses Charakterkonzept funktioniert einfach nicht in High[/] Fantasy. Spiel doch einfach im passenden Genre.

-Bei der Auswahl zwischen Waffen aus der gleichen Klasse, wäre es dumm, nicht die beste Waffe zu nehmen, obwohl sie nicht zum Charakterkonzept passt.

Stimmt. Aber ein Messerkämpfer oder ein Fechter unter Rittern ist ja schon ein unpassendes Konzept. Dass das dann nicht funktioniert, ist doch kein Wunder.

Diese Nachteile lassen sich durch das Entfernen dieses abstrakten Einflussfaktoren negieren und zwar so ziemlich vollständig. Hinzu kommt, dass die Kompetenz eine größere Rolle spielt und nicht mehr, wer den dicksten Hammer hat.

Ja. Und es hat Vorteile. Wenn es deinem Geschmack entspricht: Spiel so. Aber nenn es nicht realistisch. Das ist es nämlich nicht. Und so lange du ein realistisches Spiel suchst, wirst du das nicht finden.

Es gibt keinen Vergleich zwischen verschiedenen Waffen, denn die Charaktere sind erwachsen und sollten wissen, wie sie ihre Ressourcen einsetzen. Der Messerkämpfer weiss, dass er an den Hellebardenkämpfer ran muss, wenn er gewinnen will und der Hellebardenkämpfer kann auch nur gewinnen, wenn er den Messerkämpfer auf Abstand hält.
Wenn man einen Vergleich einsetzt, dann hat man nur eine weitere grobe Schätzung, die das Spiel abstrakter macht.

Nein. Wenn du von den Details abstrahierst, dann ist deine Lösung abstrakter. Die abstrakteste Möglichkeit für ein Kampfsystem ist ein Münzwurf. Bei Kopf gewinn ich, bei Zahl gewinnst du. Das hat überhaupt keinen Realitätsbezug mehr, es ist völlig abstrakt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Barbara am 9.11.2012 | 11:26
Ich habe jetzt mal mit meinem zweihändigen Langschwert (das als Schaukampfschwert mit ungeschliffener Klinge und entsprechend großem Knauf vom Gewicht her eher einem Zweihänder entspricht) getestet, wie sich das anfühlt, so einen Klotz vornehmlich mit dem schwachen Arm senkrecht oder schräg über dem Kopf zu halten. Macht keinen Spaß. Dass das wenig Kraft verbraucht, würde ich so nicht bestätigen Aber ich bin auch untrainiert.

Möglicherweise unterschätze ich an der Stelle aber auch Auswirkungen der Ausbildung mit der entsprechenden Waffe.
Wenn du mehr überr diese Schwerthaltung wissen willst, kannst du Jemanden aus einer schlagenden Verbindung fragen.
Das kommt der Grundhaltung beim Pauken sehr nahe. Ich habe das mal ausprobiert und fand es schon nach kurzer Zeit sehr anstrengend. Die erfahrenen Puaker nicht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 9.11.2012 | 12:29
-Charakterkonzepte, die darauf aufbauen, dass Ausrüstung aus Familienbeständen stammt, funktionieren nur so lange, bis bessere Ausrüstung gefunden wurde (wie der Sohn des Ritters, der mit dem Familienschwert loszieht)
Mein Familienschwert heisst Mimung,
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Edvard Elch am 9.11.2012 | 12:31
Mein Familienschwert heisst Mimung,

Das darfst du aber am Anfang nich besitzen, weil es erst für höhere Stufen ist  ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 9.11.2012 | 12:37
Welche Stufe hatte Wittich des Wielands Sohn, als er seinen Vater verliess?

Dann kämme noch Wielands Rüstung und das Ross Schimming dazu.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 9.11.2012 | 18:15
Ok, ein paar Minuten Kampfkunstsenf von mir:

Entschärfen wir erst einmal einige Mythen.

Mythos 1: Ein Messer besitzt keine Manstop-Wirkung. Richtig.
Selbst in dem glücklichen Fall das ein lebenswichtiges Organ lethal verletzt wurde kippt der Gegner nicht einfach um. Es handelt sich zwar nur noch um einige Sekunden, aber jeder der über ein Mindestmass an Kampferfahrung verfügt (sei es Boxen, Fechten oder was auch immer) wird mir zustimmen das 10 Sekunden eine lange Zeit sind. Ausbluten dauert im glücklichsten Fall mindestens 20-30 Sekunden.

Mythos 2: Ein Gegner erleidet in einem Messerkampf "nur" Schnittwunden. Nein. Wenn beide bewaffnet sind ist die Chance sehr hoch, das beide schwer verletzt mit Stich- und Schnittwunden im Krankenhaus landen. Oder zumindest einer tot ist. Messer sind sehr schnelle Waffen welche kaum eigene Kraft erfordern. Um in den Körper einzudringen reicht zum Beispiel ein Druck von etwa 400 g. (Was bei einem Degen und anderen Stichwaffen kaum anders ist).
Wie gut ein scharfes Messer schneiden kann weiss jeder, der schon einmal Fleisch geschnitten hat (Steak, Filet,...).

Mythos 3: Distanz. Unabhängig von der Waffe kann Distanz auch untrainiert sehr schnell zurückgelegt werden. Bei der Amerikanischen Polizei gilt die 21-foot-rule. Was bedeutet, das man einen Abstand von 21 Fuss braucht, um eine ungezogene Waffe bereit zu machen ohne das ein Gegner einen erreicht hat.

Mythos 4: Die Art der Waffe spielt keine Rolle. Imho Falsch. Ich trainiere regelmässig mit verschiedenen Waffen, von Körperwaffen über Messer bis zu Stock (ca. 60-70 cm) und Langstock (170-190). Je nachdem wie viel Raum mir zur Verfügung steht. (Zimmer / Gasse / Offener Platz) würde ich immer die wählen, welche mir die größte Distanz zum Gegner verschafft.


Soll nicht unfreundlich sein, ich wollte mich nur kurz fassen.

Ach ja, Erikson: Ich bin gerne bereit, mich auf den Versuch geübter Messerkämpfer gegen ungeübten Schwertkämpfer einzulassen. Als Messerkämpfer *lächel* Das ist nicht herablassend gemeint, aber in dem Fall macht Erfahrung dann doch wieder einiges wett.


Mein Hirn ist grad wieder ein wenig leer... wenn mir später etwas einfällt poste ich noch das eine oder andere... bei Anfrage kann ich auch gerne noch das eine oder andere Video verlinken. Auch zu Schwert- bzw. Langschwertern :)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Maarzan am 9.11.2012 | 18:23
Ok, ein paar Minuten Kampfkunstsenf von mir:

Interessant. Wie wären deine Prognosen beim Tragen von Rüstung?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 9.11.2012 | 18:26
Ach ja, Erikson: Ich bin gerne bereit, mich auf den Versuch geübter Messerkämpfer gegen ungeübten Schwertkämpfer einzulassen. Als Messerkämpfer *lächel* Das ist nicht herablassend gemeint, aber in dem Fall macht Erfahrung dann doch wieder einiges wett.

Können wir gerne machen, wenn du der trainierte Messerkämpfer bist (und du das Messer nicht wirfst). Sommertreffen müsst ich wieder dabei sein.

Das mit der 21 foot distanz versteh ich nicht. Es gibt doch immer so File wo sie einem zeigen, wie einer in einer Sekunde zielt und schiest.

Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: MadMalik am 9.11.2012 | 18:36
Nicht jeder Polizist ist IPSC Meisterschütze und trägt nen Schnellziehholster und ne Racegun. :P
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 9.11.2012 | 18:41
Rüstung ändert sehr viel. Die Beweglichkeit des Trägers, seinen Kampfstil, seine Möglichkeiten.
Ohne das ich der Frage ausweichen will:

Was für eine Art der Rüstung?
Tragen beide das Gleiche?
Oder wollen wir wild Zeitalter und Regionen mischen?

Denn imho kannst du die ganzen "deadliest warrior" videos und sendungen ziemlich in die Tonne klopfen. Da werden regelmässig Äpfel mit Birnen verglichen.  ;)

Ok, ich mach den Versuch, konkreter zu antworten:

Bei einer Vollkörperrüstung ist derjenige mit der rüstungsdurchdringenden Waffe im Vorteil, sei es durch Wucht oder Stich. Ritter waren in den meisten Fällen trainiert, sich gut darin zu bewegen und bei Weitem nicht so langsam wie es einem Film und Fernsehen gerne weismachen wollen.

Bei einer Teilkörperrüstung setze ich auf den erfahreneren und beweglicheren Kämpfer. Relativ unabhängig davon, welche Waffe er führt.

Ach ja, ich gehe bei den Beispielen von "Duellsituationen" aus. Sprich: Beide wissen worauf sie sich einlassen. Sind bewaffnet, ausgeruht und konzentriert. Oder nennen wir es Einzelkampf.

Auch "Attentatssituationen" lasse ich aussen vor. Sprich: Der Angreifer ist in seiner bevorzugten Distanz und schlägt zu bevor der Angegriffene registriert was passiert. Warum: Dabei ist es ziemlich egal was verwendet wird, ausser Glück kann wenig verhindern getroffen zu werden.

Warum? Massenkampf ist anders. Du magst dich im Einzelkampf noch so gut behaupten können, "schläfst" du einen Moment zu lang spiesst dich auch ein ungeübter Bauer mit einer Mistgabel auf.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 9.11.2012 | 18:46
Die 21-Foot-Rule verdeutlich und erklärt:

http://www.youtube.com/watch?v=pN1_julKbPs
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 9.11.2012 | 18:48
Naja, meine Meinung zu Waffenwerten stand von Anfang an fest. Ich glaube, dass ich da auch keine Zweifel aufkommen liess.
Dann hatte ich dich mißverstanden. Es schien mir so, als hättest du zwar die Frage aufwerfen wollen, ob Waffenwerte sinnvoll sind, aber noch nicht kategorisch ausgeschlossen, daß sie sinnvoll sein könnten.

Aber Du machst mich neugierig. Was fuer absurde Situationen waren es denn?
Z.B. machte sich auch bei zwei Kämpfern mit gleichem(!) Kenntnisstand unterschiedliche Bewaffnung nicht im Geringsten bemerkbar. Ein sehr geübter Unbewaffneter machte gegen einen sehr geübten Schwergerüsteten denselben Schaden mit der bloßen Hand wie der Gerüstete mit seinem Breitschwert. Die Waffe wurde komplett zum Modeacessoire degradiert, die Rüstung zu einem lächerlichen Blechkostüm.

Wir haben beide auf sehr unterschiedliche Weise versucht, dieses Problem zu beheben. Mein Kumpel wollte alles über die Plausibilitätsschiene laufen lassen, was extrem viel Handwedeln von Seiten des SL erforderte und am Spieltisch zu stundenlangen Diskussionen bis hin zu lautstarkem Streit führte. Ich fing an, Tabellen aufzustellen, um die Modifier für Dolch-gegen-Langschwert, Unbewaffnet-gegen-Spieß-und-Schild-in-engem-Gang usw. zu berücksichtigen... und stellte nach einer mathematischen "Normalisierung" fest, daß sich diese Tabellen sehr viel einfacher auf spezifische Waffeneigenschaften zurückführen ließen, also Schadens- und Reichweiteboni usw.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 9.11.2012 | 18:53
Ach ja: Ich verzichte im Rollenspiel in 90% der Fälle auf den Versuch, "realistisch" zu kämpfen  ;D

Schließlich will ich auch mal als Grognar der Barbaren-Ork durch Horden von Gegnern "waten". Oder meinen Spielern die Möglichkeit geben, schöne cineastische Kämpfe mit viel "Bling" zu bestehen.   ;D
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 9.11.2012 | 18:53
Die 21-Foot-Rule verdeutlich und erklärt:

http://www.youtube.com/watch?v=pN1_julKbPs
Hmm, ok, scheint mir aber politisch a weng aufgeladen, das Thema.  
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 9.11.2012 | 18:56
Zitat
Hmm, ok, scheint mir aber politisch a weng aufgeladen, das Thema. 

? Inwiefern ?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 9.11.2012 | 18:58
? Inwiefern ?

Da scheints auch mit drum zu gehen, wann ob und wie ein Waffenbesitzer in den USA schießen darf. Das Thema "Messer" und "Schusswaffe" ist ja grundsätzlich sehr heikel im rechtlichen Bereich. Vor allem wenn es dann drum geht, wer bei einem Streit zuerst eskaliert hat und so.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 9.11.2012 | 19:06
Jein. Es gab 1983 eine Studie in Salt Lake City von einem Schiesstrainer der Polizei, Dennis Tueller.
Das Ergebnis war, das in der Zeit, die ein durchschnittlicher Polizist braucht um eine Bedrohung wahrzunehmen, die Waffe aus einem Sicherheitsholster (Standard) zu ziehen, entsichern und 2 Kugeln in die Körpermitte abzufeuern; der rennende Gegner 21 Fuss (6,4 m) zurücklegt.

Daraus resultierte die 21-Foot-Rule, um den Polizisten eine Distanz zu geben, ab der Angreifer ohne Schusswaffen eine potentielle klare Bedrohung sind.

Gut, kann man jetzt politisieren. Muss man aber nicht  ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 9.11.2012 | 19:14
ich würde an dem Punkt halt politisieren, was der Thread hier aber nicht braucht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Darius der Duellant am 9.11.2012 | 19:36

Dieser gesunde Menschenverstand sagt uns, dass eine Desert Eagle .50 massivst Schaden macht und eine FN57 ein Witz ist.

Öhm ja genau...
Wenn ich mir aussuchen dürfte mit welcher Pistolenmuni ich beschossen werden will, steht die 5,7er ganz weit oben auf der "bitte nicht"-Liste, egal ob mit oder ohne Weste.  :gasmaskerly:

ich würde an dem Punkt halt politisieren, was der Thread hier aber nicht braucht.

Wir haben doch so einen schönen Waffenfred in der SC, beleb den doch mal wieder  ~;D
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 9.11.2012 | 19:39
Beleb ihn du doch.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Darius der Duellant am 9.11.2012 | 19:53
Warum sollte ich?
Ich habe ja bereits eine Meinung dazu, solange keiner eine gegenteilige These aufstellt, brauche ich die nicht in die Welt hinauszublasen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 9.11.2012 | 19:54
Sag mir deine meinung, dann stelle ich ne gegenteilige These auf.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Darius der Duellant am 9.11.2012 | 19:56
Nö, das wäre zu einfach.



Dass Du übrigens ignorierst, dass es bei DSA 4 keine besseren und schlechteren Waffen gibt, wundert mich.
Was ist besser? Andergaster oder Zweihänder? Brabakbengel oder Streitkolben? Rapier oder Degen? Dolch oder Messer? Breitschwert oder Dolch?


Hast du dich hier verschrieben?
Die Aussage ist nämlich nicht korrekt.
Das Rapier z.B. ist im Vergleich zum Degen nämlich die deutlich bessere Waffe (Paradeeinschränkungen wie Schwerter, zwei Talente zum führen möglich, besserer WM).
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Blutschrei am 9.11.2012 | 20:38
So, nochmal zum Schwert:
Da wir hier wild Langschwert und Zweihänder durcheinander werfen, sollten wir diese Begriffe nun mal trennen.

Ich nehme in diesem Beitrag Bezug auf das Langschwert (zweihändig geführt, ca 1,8kg Gewicht, relativ wendig)
Zitat
Alleine, was jetzt schon wieder den Vergleich mit Dolch und Schwert und dem "Damageoutput" angeht:
Wenn man mit dem Dolch es erstmal geschafft hat, in Angriffsreichweite zu kommen, dann kann man mehrere Treffer landen, während das Schwert gerade mal einen hinkriegt... vielleicht. Denn wenn erstmal der Dolch in Reichweite ist, dann büsst das Schwert eines an Effektivität ein.
Ein Schwert kann man in der Regel auch kürzer greifen (Fehlschärfte nach dem Griff, kann somit in Körpernähe damit stechen, oder mit dem Knauf schlagen. Weiterhin ist das zurückweichen relativ leicht, wenn man ein Schwert vor sich her schwingen kann. Das Schwert lässt sich durch Hebelwirkung und Schwung vermutlich aber sogar schneller führen, als der Dolch, den man jedesmal wieder zurückführen muss.

Zitat
Der Zweihänder war von Anfang nicht gerade eine sonderliche tolle Waffe. Ja, Doppelsöldner kämpften damit, aber schon vor dem 30jährigen Krieg war die Hauptaufgabe der Zweihänder Wanddeko zu sein. Das kam nicht von ungefähr.
Nichtsdestotrotz ist es leider eine der besten Waffen im RPG.
Der Anderthalbhänder war sehr lange state of the art, der Zweihänder dagegen wurde eher gegen schwer gerüstete Gegner eingesetzt, von denen es im 30jährigen Krieg nichtmehr allzuviele gab. In Formation ist der Zweihänder aufgrund des Raums, den er zum schwingen braucht natürlich der Pike unterlegen.

Zitat
Ein ungerüsteter Kämpfer mit einem Zweihänder zieht selbst bei absolutem Meistergrad gegen jeden mittelmäßigen Degenfechter in 100 von 100 Duellen den Kürzeren. Der Degen bot den wesentlichen Vorteil, dass man mit ihm abartig schnell fechten konnte
Meiner Erfahrung nach auch nicht korrekt. Der Anderthalbhänder ist äußerst flexibel und schnell einsetzbar, gerade durch den Schwung, mit dem man von Hut zu Hut wandert. Zudem kann man rasend schnell durhc abknicken der Hand finten, was mit einem Degen eher ineffizient war, da er weniger Schwung inne hatte.

Im folgenden Video ist die Geschwindigkeit schön zu sehen:
http://www.youtube.com/watch?v=ln94E9AGYTc

Zitat
Ich gehe nebenbei bemerkt davon aus, dass es sehr schwierig ist, jemanden im Kampf mit einem Zweihänder leicht zu verwunden. Man haut gegen ausreichend bewegliche Gegner des Öfteren vorbei, aber wenn man trifft, tut es weh.
Man haut damit sogar noch seltener vorbei, als mit dem gehypten Degen. Ein Langschwert kann man nunmal quer zur Bewegung des Gegners schwingen, zudem kann man aufgrund der Länge der Waffe auch gut binden, man muss also garnicht schlagen, bevor man den Gegner schlecht genug dran hat, um sicher zu treffen.

Zitat
Des weiteren behauptest du, ein Degen wäre leichter zu erlernen. (Was ich übrigens bezweifle.) Aber falls du Recht hast und der Degen leichter zu erlernen wäre, wäre das ein weiterer Vorteil des Degens.
Ich habe nicht von "Der Degen ist leichter zu erlernen" gesprochen, sondern von den Grundlagen der Verteidigung. Wie verteidigt man mit einem Degen? Man macht eine schöne runde Drehung in den Schlag des Gegners und versucht ihn somit vom Körper weg zu leiten. Natürlich kann man damit nicht den "absoluten Meister" parieren, aber man hat eine reelle chance, auch gegen den dahergelaufenen 0815-Fechter zu parieren.
Mit einem Langschwert ist das nicht so einfach, denn wenn ich nicht beachte, dass meine Parade wieder in einer für mich günstigen Waffenposition endet, sieht es schnel schlecht aus. Verteiigung mit dem Langschwert ist schlichtweg umfangreicher, weil einerseits Stich&Hieb-Waffe und andererseits größerer Angriffsbereich.

Zitat
Es gibt auch noch ein Leben außerhalb des Kampfes.
Wer erzählt denn sowas? oO

Zitat
Wenn genügend Platz zum Ausweichen vorhanden ist, trifft der Zweihänder überhaupt nicht. Das ist die Crux. Bei zweihändig geführten Langschwertern mag das anders aussehen, aber auch da vermute ich stark, dass die überlegene Geschwindigkeit des Degens den Ausschlag gibt.
Märchen. Video oben anschauen ;)

Zitat
Zitat
Zitat
während die Selbstverteidigungs-Basics mit dem Degen _verhältnismäßig_ "einfach" waren/sind.
wie kommst du jetzt darauf?
Erfahrung.

Zitat
Ich habe jetzt mal mit meinem zweihändigen Langschwert (das als Schaukampfschwert mit ungeschliffener Klinge und entsprechend großem Knauf vom Gewicht her eher einem Zweihänder entspricht) getestet, wie sich das anfühlt, so einen Klotz vornehmlich mit dem schwachen Arm senkrecht oder schräg über dem Kopf zu halten. Macht keinen Spaß. Dass das wenig Kraft verbraucht, würde ich so nicht bestätigen Aber ich bin auch untrainiert.
In der Regel hält man die auch nur kurzzeitig mit einer Hand. Was an einem Langschwert "Klotz" sein soll, weiss ich übrigens nicht, 2 kg kann man doch solide durch die Luft schwingen.

Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 9.11.2012 | 21:06
Zitat
Das Schwert lässt sich durch Hebelwirkung und Schwung vermutlich aber sogar schneller führen, als der Dolch, den man jedesmal wieder zurückführen muss.

Nein. Es ist mit einem Dolch oder Messer ebensogut möglich, einen Stich ziemlich nahtlos in einen Schnitt, einen darauffolgenden weiteren Stich u.s.w übergehen zulassen. Zumal das geringe Gewicht der Waffe nicht ermüdet.

Natürlich rede ich vom In-Fight. Das ein Schwertkämpfer einen Distanzvorteil hat stelle ich nicht in Frage, der Geschwindigkeitsvorteil liegt deutlich beim Dolch.

Ich definiere Dolch hier einfach mal als 25-30 cm lang, spitz mit einer einschneidigen (oder wenn gewünscht doppelschneidigen) Klinge.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Crimson King am 9.11.2012 | 21:15
Der Anderthalbhänder war sehr lange state of the art, der Zweihänder dagegen wurde eher gegen schwer gerüstete Gegner eingesetzt, von denen es im 30jährigen Krieg nichtmehr allzuviele gab. In Formation ist der Zweihänder aufgrund des Raums, den er zum schwingen braucht natürlich der Pike unterlegen.

Meiner Erfahrung nach auch nicht korrekt. Der Anderthalbhänder ist äußerst flexibel und schnell einsetzbar, gerade durch den Schwung, mit dem man von Hut zu Hut wandert. Zudem kann man rasend schnell durhc abknicken der Hand finten, was mit einem Degen eher ineffizient war, da er weniger Schwung inne hatte.

Der Anderthalbhänder (http://de.wikipedia.org/wiki/Anderthalbhänder) ist kein Zweihänder (http://de.wikipedia.org/wiki/Zweihänder), sondern kommt eher dem Langschwert (http://de.wikipedia.org/wiki/Langschwert) nahe. Wieso argumentierst du bei einer Aussage über Zweihänder mit Argumenten zu Anderthalbhändern?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 9.11.2012 | 21:18
Eine solche Art von Messerattacke kann man am ehesten bei einer SV-Situation erwarten:

http://www.youtube.com/watch?v=4ah_0gia4A0

Die besser trainierte Variante kann z.b. so aussehen, die Geschwindigkeit der beiden ist allerdings lausig:

http://www.youtube.com/watch?v=3vfDMbEM66g

Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Crimson King am 9.11.2012 | 21:38
Kurzer Exkurs in das Saga-System (80er Jahre):

In Saga bewertet eine Probe nicht, ob eine Aktion gelungen ist, sondern wie gut sie war. Ob sie gut genug war, bestimmt die vorher festgelegte Schwierigkeit der Aufgabe.

Es gibt in Saga 5 Qualitätsstufen für Aktionen, nämlich:

Nicht
Schlecht
Mittelmäßig
Gut
Brilliant

Ein Wurf mit einem W20 bestimmt, wie gut die Aktion war, wobei die Ausbildung in der entsprechenden Aufgabe die Wahrscheinlichkeiten bedingt. z.B. kann ich für eine Aktion

Nicht 1-3
Schlecht 4-8
Mittelmäßig 9-13
Gut 14-18
Brilliant 19-20

haben.

Im Kampf verwende ich dementsprechend meine Kompetenz mit der Waffe, die ich verwende. Der Gegner kann mit der entsprechenden Kompetenz parieren, die Differenz erhalte ich als Schadensstufen, wobei ich an Schaden eben genau die genannten Qualitäten nehmen kann.

Ein guter Angriff gegen eine schlechte Parade verändert den Gesundheitszustand dementsprechend von brilliant zu mittelmäßig. Ein Unterschied zwischen den Waffen würde dann in den Wahrscheinlichkeiten, mit denen man eine bestimmte Qualität erreicht, dargestellt werden. Die Fähigkeit, mit der Waffe umzugehen, modifiziert die Wahrscheinlichkeit, eine bestimmte Qualität zu erreichen, nicht die Qualität selbst.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Blutschrei am 9.11.2012 | 21:39
Der Anderthalbhänder ist kein [uzrl=http://de.wikipedia.org/wiki/Zweihänder]Zweihänder (http://de.wikipedia.org/wiki/Anderthalbhänder), sondern kommt eher dem Langschwert (http://de.wikipedia.org/wiki/Langschwert) nahe. Wieso argumentierst du bei einer Aussage über Zweihänder mit Argumenten zu Anderthalbhändern?
Einerseits, weil durchgehend durch den Thread keine einheitliche Verwendung der beiden Waffentypen eingehalten wurde, andererseits, weil es sich nicht so arg viel gibt. Ob das Ding jetzt 300 gramm mehr wiegt und 10 cm länger ist, ist relativ bums.
Es gab zwar auch unter Zweihändern extrem lange bzw schwere Varianten, aber da sich diese nicht mal so sehr von der Hellebarde oder Langaxt unterscheiden, brauch ich in dieser Diskussion nicht darauf einzugehen, sondern kann es beim "gemäßigten" Zweihandschwert belassen.

Wenn du das Argument wenigstens gelesen hättest, anstatt auf Begriffsdefinitionen rumzureiten, wäre dir auch selbst aufgefallen, dass es 1:1 auf die schwerere Waffenvariante übertragbar ist:

Zitat
Der Anderthalbhänder ist äußerst flexibel und schnell einsetzbar, gerade durch den Schwung, mit dem man von Hut zu Hut wandert. Zudem kann man rasend schnell durch abknicken der Hand finten, was mit einem Degen eher ineffizient war, da er weniger Schwung inne hatte.

Was davon trifft denn auf das Langschwert, nicht aber auf den Bidhänder zu?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Crimson King am 9.11.2012 | 21:41
Einerseits, weil durchgehend durch den Thread keine einheitliche Verwendung der beiden Waffentypen eingehalten wurde, andererseits, weil es sich nicht so arg viel gibt. Ob das Ding jetzt 300 gramm mehr wiegt und 10 cm länger ist, ist relativ bums.

50 bis 60 cm länger und 1.5 Kg schwerer = doppelt so schwer trifft es eher. Dass man mit so einer Waffe mal eben so die Angriffsrichtung aus dem Handgelenk ändert, ist dann doch eine andere Sache.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Blutschrei am 9.11.2012 | 21:49
50 bis 60 cm länger und 1.5 Kg schwerer = doppelt so schwer trifft es eher. Dass man mit so einer Waffe mal eben so die Angriffsrichtung aus dem Handgelenk ändert, ist dann doch eine andere Sache.

Ich kann als Quelle gerade nur Wiki vorweisen, sollte mich die Lust packen, such ich vielleicht noch das ein oder andere dazu, oder schau mal auf den Burgen in der Gegend vorbei.

Wiki sagt:
Zum Bidhänder:
Zitat
Als Zweihänder auch Bidenhänder, Bidhänder, Schlachtschwert, Flamberge, Gassenhauer oder engl. Great Sword bezeichnet man Schwerter des ausgehenden Spätmittelalters und der Renaissance mit langem Gehilz von ca. 40-50 cm und mehr, die für den zweihändigen Gebrauch gedacht waren. Exemplare des frühen 16. Jahrhundert wogen meist weniger als drei Kilogramm.[1]

Zum Langschwert:
Zitat
Ab der Mitte des 14 Jh. fand ein Übergang zu der zweihändigen Schwertführung statt, so fand die linke Hand ihren Platz am Schwertgriff, der inzwischen bis zu 30 cm lang war. Durch diese zweihändige Führung und aufgrund des relativ geringen Gewichtes von oftmals nur 1300 g bis 1600 g wurden komplexe Fechttechniken bei gleichzeitiger hoher Aufschlagskraft und Präzision möglich.

1600 g zu "weniger als 3kg". Nehmen wir also an, wir haben einen Anderthalbhänder, der 1600 wiegt und einen Bidhänder, der 2400 wiegt. Die Differenz beträgt 800 gramm, das schrenkt mich technisch quasi null ein, ist in der Parade vielleicht ein wenig langsamer, dafür jedoch auch stabiler in der Haltung.

Die Klingenlänge liegt wohlgemerkt bei beiden Waffen bei rund 120 cm, das gibt sich also auch nichts.


Deine Angaben treffen den Sachverhalt also eher weniger.

Zitat
Dass man mit so einer Waffe mal eben so die Angriffsrichtung aus dem Handgelenk ändert, ist dann doch eine andere Sache.
Ist bei einigermaßen trainierten Unterarmen bis 4kg locker drin.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Crimson King am 9.11.2012 | 22:12
Ich kann als Quelle gerade nur Wiki vorweisen, sollte mich die Lust packen, such ich vielleicht noch das ein oder andere dazu, oder schau mal auf den Burgen in der Gegend vorbei.

Wiki sagt:
Zum Bidhänder:
Zum Langschwert:
1600 g zu "weniger als 3kg". Nehmen wir also an, wir haben einen Anderthalbhänder, der 1600 wiegt und einen Bidhänder, der 2400 wiegt. Die Differenz beträgt 800 gramm, das schrenkt mich technisch quasi null ein, ist in der Parade vielleicht ein wenig langsamer, dafür jedoch auch stabiler in der Haltung.

1,6 Kg ist für ein Langschwert sehr viel (laut Wikipedia, 2,4 kg für einen Zweihänder vermutlich eher wenig (laut Wikipedia). Du vergleichst an dieser Stelle also Extreme und nicht den Durchschnitt. Im Durchschnitt darf man hier einen Faktor 2 oder 1,3 bis 1, 4Kg Unterschied schon rechnen.

Die Klingenlänge liegt wohlgemerkt bei beiden Waffen bei rund 120 cm, das gibt sich also auch nichts.

Über die Klingenlänge finde ich jetzt auf die Schnelle nix, aber mein Anderthalbhänder hat eine Gesamtlänge von 120 cm. Ich bezweifle ganz ganz stark, dass historische Anderthalbhänder oder Lange Schwerter eine deutlich höhere Länge hatten. Insofern gehe ich von einer Klingenlänge im Bereich von 100 cm aus, was gegenüber einem Bidenhänder eher 20 bis 40 cm an Unterschied ausmacht. Die beiden Waffen sind von der Konzeption und Verwendung massiv unterschiedlich.

Deine Angaben treffen den Sachverhalt also eher weniger.
Ist bei einigermaßen trainierten Unterarmen bis 4kg locker drin.

Für wie lange? Für wie viele Aktionen? Gerade die Beweglichkeit eines Degens, die Möglichkeit, nach einem Angriff sofort in Parade zu gehen, bringt hier einen gigantischen Vorteil. Ich gebe zu, als untrainierter Mensch kann ich da nicht wirklich aus eigener Erfahrung sprechen. Mein GMV sagt mir aber an dieser Stelle, dass Fechten nur mit Langschwertern oder äquivalenten Waffen sinnvoll ist, während klassische Zweihänder dafür zu schwer und zu lang sind. Ist auch kein Wunder, sie wurden ja für einen völlig anderen Gebrauch entworfen und verwendet.

Selbst die Langschwerter wurden recht schnell abgelegt, als die Rüstung, gegen die sie eingesetzt werden sollten, ebenfalls nicht mehr verwendet wurde. Reine Modeerscheingung? Das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Wenn die Dinger so unendlich effizient gewesen wären, hätte man sie aber sicherlich auch später noch in Duellen eingesetzt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Bad Horse am 9.11.2012 | 22:30
...könnt ihr mal bitte wieder ein bisschen weg von der "aber reale Waffen wiegen doch 200 kg!"-Debatte und hin zum Rollenspielbezug kommen?  :)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Blutschrei am 10.11.2012 | 01:01
Zitat
1,6 Kg ist für ein Langschwert sehr viel (laut Wikipedia, 2,4 kg für einen Zweihänder vermutlich eher wenig (laut Wikipedia). Du vergleichst an dieser Stelle also Extreme und nicht den Durchschnitt. Im Durchschnitt darf man hier einen Faktor 2 oder 1,3 bis 1, 4Kg Unterschied schon rechnen.
Mit 1,6kg kann man aber noch problemlos "fechten". Kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen ;)

Zitat
Über die Klingenlänge finde ich jetzt auf die Schnelle nix, aber mein Anderthalbhänder hat eine Gesamtlänge von 120 cm. Ich bezweifle ganz ganz stark, dass historische Anderthalbhänder oder Lange Schwerter eine deutlich höhere Länge hatten. Insofern gehe ich von einer Klingenlänge im Bereich von 100 cm aus, was gegenüber einem Bidenhänder eher 20 bis 40 cm an Unterschied ausmacht. Die beiden Waffen sind von der Konzeption und Verwendung massiv unterschiedlich.

Vielleicht magst du dir ja tatsächlich mal das Video anschauen, das ich gelinkt habe (hier nochmal: http://www.youtube.com/watch?v=ln94E9AGYTc ) am Ende werden die Waffen, die dort sichtbar schnell und technisch geschwungen werden mit Gewicht und Länge genannt, beispielsweise 140cm Länge und 2kg Gewicht.


Zitat
Für wie lange? Für wie viele Aktionen? Gerade die Beweglichkeit eines Degens, die Möglichkeit, nach einem Angriff sofort in Parade zu gehen, bringt hier einen gigantischen Vorteil.
Beliebig oft, bei der Bewegung ist ein hohes Gewicht der Waffe sogar noch vorteilhaft, man lässt sein Handgelenk quasi einfach "fallen", um in Sekundenbruchteilen von einem Schwung richtung Schulter des Gegners zum Hüftgelenk zu schwenken.

Zitat
Mein GMV sagt mir aber an dieser Stelle, dass Fechten nur mit Langschwertern oder äquivalenten Waffen sinnvoll ist, während klassische Zweihänder dafür zu schwer und zu lang sind. Ist auch kein Wunder, sie wurden ja für einen völlig anderen Gebrauch entworfen und verwendet.
Wie gesagt, mit 3kg kann ich dir mit einem Schwert noch fechten, es ist eben "ausgreifender" als das rumgestocher mit Stichwaffen, aber bei weitem nicht ineffizienter oder langsamer. Wofür wurden Zweihänder denn deiner Meinung nach entworfen? Sie verbinden den Vorteil eine Schwerts (mit Parier, Klinge zum Binden und Hebelwirkung) mit dem Durchschlag schwererer Waffen. Sonst hätte man ja gleich einen Hammer nehmen können.

Zitat
Selbst die Langschwerter wurden recht schnell abgelegt, als die Rüstung, gegen die sie eingesetzt werden sollten, ebenfalls nicht mehr verwendet wurde. Reine Modeerscheingung? Das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Wenn die Dinger so unendlich effizient gewesen wären, hätte man sie aber sicherlich auch später noch in Duellen eingesetzt.
Langschwerter wurden abgelegt, als Schwarzpulverwaffen zum Einsatz kamen bzw die Rüstungen zu schwer für Anderthalbhänder wurden. Verständlicherweise, da man damit dem Schützenfeuer ausgelieffert war und man wie gehabt schlecht in formationen kämpfen konnte.
Deshalb wurde auch der Ausbildungsschwerpunkt auf kürzere Waffen (sprich: Degen und Bajonette) gelegt. Daher wohl auch der Degen als typische Waffe im Duell (und natürlich der prestigeartige Aspekt: Der Degen war schließlich als "Trauerdegen" Zeremoniegegenstan, als "Offiziersegen" teils auch heute noch Standessmbol). Zudem bietet der Degen die Möglichkeit, ohne ausgereifte Muskulatur einigermaßen passabel kämpfen zu können, während der Anderthalbhänder und/oder Bidhänder eine gewisse Fitness erfordert.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 10.11.2012 | 01:43
Jein. Es gab 1983 eine Studie in Salt Lake City von einem Schiesstrainer der Polizei, Dennis Tueller.
Das Ergebnis war, das in der Zeit, die ein durchschnittlicher Polizist braucht um eine Bedrohung wahrzunehmen, die Waffe aus einem Sicherheitsholster (Standard) zu ziehen, entsichern und 2 Kugeln in die Körpermitte abzufeuern; der rennende Gegner 21 Fuss (6,4 m) zurücklegt.

Daraus resultierte die 21-Foot-Rule, um den Polizisten eine Distanz zu geben, ab der Angreifer ohne Schusswaffen eine potentielle klare Bedrohung sind.

Und was fängt man mit der Distanzangabe dann an? Gar nichts, weil diese Distanz im Polizeialltag zwangsweise ständig unterlaufen wird.

Die eigentliche Schlussfolgerung aus dem ganzen Versuch ist es, dass der Angegriffene ohne Eigenbewegung oder anderweitige defensive Aktionen i.d.R. zu wenig Zeit hat, um treffsicher schießen zu können.

Im Endeffekt geht es nicht darum, ab den "magischen" 21 Fuß alles und jeden präventiv umzulegen, sondern den Fokus von der fälschlich als Allheilmittel vermittelten schnellen Schussabgabe weg auf sinnvolle Ausweichbewegungen usw. zu legen.

Kann bei Gelegenheit auch gerne mal demonstriert werden  :)

(Empiristenworkshop morgens auf dem Großen?  ;D)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Blutschrei am 10.11.2012 | 01:52
Und was fängt man mit der Distanzangabe dann an? Gar nichts, weil diese Distanz im Polizeialltag zwangsweise ständig unterlaufen wird.

Die eigentliche Schlussfolgerung aus dem ganzen Versuch ist es, dass der Angegriffene ohne Eigenbewegung oder anderweitige defensive Aktionen i.d.R. zu wenig Zeit hat, um treffsicher schießen zu können.

Im Endeffekt geht es nicht darum, ab den "magischen" 21 Fuß alles und jeden präventiv umzulegen, sondern den Fokus von der fälschlich als Allheilmittel vermittelten schnellen Schussabgabe weg auf sinnvolle Ausweichbewegungen usw. zu legen.

Kann bei Gelegenheit auch gerne mal demonstriert werden  :)

(Empiristenworkshop morgens auf dem Großen?  ;D)

Ich glaube die Betonung liegt auf "rennendem Angreifer". Wenn also ein wild gewordener Berserker Leeroy-Jenkins-artig mit wirbelnder Axt auf dich zustürmt, solltest du bei 21 Foot beginnen Selbstverteidigung umzusetzen ;)
Dass man das je nach Situation beurteilen, verschieden umsetzen, präventiv umgehen etc kann ist klar, aber ich denke sowas ist als Richtlinie ganz nützlich und macht vielleicht auch selbstsicherer "Er ist noch 20 Meter entfernt, ich brauch noch nicht an Gewalt denken".
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 10.11.2012 | 03:07
@Rabenmund
Danke fuer Deine Ausfuehrungen durch die ich mich groesstenteils bestaetigt sehe.

@Grey
So unsinnig find ich das gar nicht. Ein Unbewaffneter im Infight ist nicht ganz ohne, wenn so die Reichweite der eigenen Waffe unterlaufen wurde.

@Blutschrei
Alleine die Beschreibung des Angriffs legt den Schluss nahe, dass ein Zweihaender um einiges langsamer als eine Fechtwaffe ist.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Crimson King am 10.11.2012 | 11:36
Wie gesagt, mit 3kg kann ich dir mit einem Schwert noch fechten, es ist eben "ausgreifender" als das rumgestocher mit Stichwaffen, aber bei weitem nicht ineffizienter oder langsamer. Wofür wurden Zweihänder denn deiner Meinung nach entworfen? Sie verbinden den Vorteil eine Schwerts (mit Parier, Klinge zum Binden und Hebelwirkung) mit dem Durchschlag schwererer Waffen. Sonst hätte man ja gleich einen Hammer nehmen können.

Diese Quelle (http://www.schwertkampf-ochs.de/Essays/aufsatz_langesschwert_v1.pdf) erscheint mir recht gut recherchiert. Ich zitiere an der Stelle mal von Seite 41:

Zitat
Wie die Zeitgenossen das Schlachtschwert und dessen Benutzung sahen, ist in Giacomo di
Grassis True Art of Defence2 2 4 (1570, 1594) nachzulesen: „Das Zweihandschwert, wie
es heute gebraucht wird, mit einem Griff von vier Handbreiten oder mehr und einem großen
Kreuz, ist weniger für den Zweikampf Mann gegen Mann geeignet als andere Waffen, die
ich behandelt habe. Stattdessen kann man mit ihm (wie eine Galleone unter Galeeren) vielen
Schwertern und anderen Waffen widerstehen: Deshalb wird es im Krieg nahe den Fahnen
und Standarten verwendet, für deren Verteidigung im Kampf gegen Viele, weil es sie dort
besser beschützen kann. Und es wird häufig in der Stadt getragen, bei Tag und Nacht, für den
Fall dass Wenige gezwungen sind, einer großen Vielzahl zu widerstehen. Und weil es wegen
seines Gewichtes und seiner Größe große Kraft verlangt, sind nur Diejenigen bestimmt es zu
tragen, die mächtig und groß anzuschauen, von hohem und starkem Wuchs und von
beherztem und kühnen Mut sind. Diejenigen (so sie denn Vielen gegenübertreten müssen,
und sie zum Ende[?] sicherer Hauen mögen und sie die Gegner mit der Wut des Schwertes
einschüchtern mögen) benutzen weite Hiebe mit der Schneide, herunter und zurück, einen
vollen Kreis beschreibend oder in diesem erzielend/umgehend [vielleicht im Sinne von: die
Richtung wechselnd?], manchmal auf einem Fuß, manchmal auf dem anderen, vermeiden
den Stich, überzeugt dass dieser nur gegen einen Mann wirkt, jedoch die weiten Hiebe die
Kraft haben, Viele zu treffen.“
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Praion am 10.11.2012 | 12:06
Der Ausgangswunsch wird übrigens von einem ganz einfachen System umgesetzt: Dungeonslayers.

Auch Dungeon World. Da macht ein gutes Schwert vlt. 1 Punkt mehr schaden aber da hörts dann auf. Dein Schaden hängt von deiner Klasse ab und die meisten Waffen haben maximal ein paar Tags die du für fiktionale Positionierung nutzen kannst. Ein 2hand Hammer könnte z.B. "Forcefull" sein, was heißt du kannst damit Leute umwerfen etc. Musst aber nicht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 10.11.2012 | 17:57
Blutschrei hat die Frage schon sehr schön beantwortet. Da amerikanische Polizisten regelmässig von Angreifern mit Stich- oder Schnittwaffen verletzt wurden UND sie wissen wollten, ab welcher Distanz ein solcher Angreifer in einer gefährlichen Distanz ist wurde die Studie erstellt.

Seitdem ist sie ein halbwegs sauberer Anhaltspunkt, ab welcher Distanz ein Angreifer ohne Schusswaffe gefährlich wird.

Es geht nicht darum, Dogmen aufzustellen, sondern war damals eine essentielle Frage für den Polizeialltag.

Zitat
Die eigentliche Schlussfolgerung aus dem ganzen Versuch ist es, dass der Angegriffene ohne Eigenbewegung oder anderweitige defensive Aktionen i.d.R. zu wenig Zeit hat, um treffsicher schießen zu können.

Im Endeffekt geht es nicht darum, ab den "magischen" 21 Fuß alles und jeden präventiv umzulegen, sondern den Fokus von der fälschlich als Allheilmittel vermittelten schnellen Schussabgabe weg auf sinnvolle Ausweichbewegungen usw. zu legen.

Genau. Mit der Schlussfolgerung hast du es schön zusammengefasst.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Pyromancer am 10.11.2012 | 18:03
Auch Dungeon World.

Auch Midgard. Auch D&D. Auch DSA. Eigentlich jedes "klassische" System. Mir fällt jetzt spontan überhaupt kein System ein, in dem der klar schlechtere Kämpfer gewinnt, weil er die bessere Waffe hat, so wie im OP postuliert.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 10.11.2012 | 18:07
Cthulhu. Da kann auch ein richtig guter Schütze mit einem einschüssigen revolver der d6 Schaden macht schlicht nix reissen und wird von einem Noob mit nem auserirdischen Strahler (2d10) wohl fertiggemacht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: MadMalik am 10.11.2012 | 18:18
DnD würde ich so nicht stehen lassen, dass ist ja gerade das System wo Waffen einen direkten Skillbonus bekommen können mit einem +X rating. Natürlich wird das dadurch geradegebogen, dass man bestimmte +X Ausrüstung auf bestimmten Levelniveau praktisch voraussetzt, aber Spielmechanisch kann ein schlechterer (lower level) Kämpfer durch seine Waffe auf einmal um einiges besser treffen als der erfahrenere mit seinem Vanillagerät.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 10.11.2012 | 18:27
@Grey
So unsinnig find ich das gar nicht. Ein Unbewaffneter im Infight ist nicht ganz ohne, wenn so die Reichweite der eigenen Waffe unterlaufen wurde.
Sobald er erst einmal im Infight ist; aber dahin muß er erst einmal kommen, wenn die Waffe des anderen noch im Weg ist!

Und das fand bei diesem Mechanismus wirklich gar keine Berücksichtigung. Bewaffnet oder nicht machte wirklich keinerlei Unterschied! Warum aber, wenn dies der Wirklichkeit entspräche, wurden dann je irgendwelche Waffen erfunden? Warum fing der erste Urmensch an, statt mit der bloßen Faust mit einem Holzprügel auf sein Gegenüber einzudreschen, wenn es von der Effizienz her nicht den geringsten Unterschied machte?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 10.11.2012 | 18:30
Und warum benutzen Polizisten keine Messer, wenn die meisten Konfliktsituationen doch eh unterhalb der 21-foot Distanz entstehen?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Callisto am 10.11.2012 | 18:32
Daß es wirklich überhaupt keinen Unterschied macht? Warum wurden dann je irgendwelche Waffen erfunden? Warum fing der erste Urmensch an, statt mit der bloßen Faust mit einem Holzprügel auf sein Gegenüber einzudreschen, wenn es von der Effizienz her nicht den geringsten Unterschied machte?

Du überliest "wenn so die Reichweite der eigenen Waffe unterlaufen wurde". Die Reichweite ist der Knackpunkt. Es macht schon einen Unterschied. Bei gleichgut trainierten Gegner macht die Waffe auch einen Unterschied. Aber bei ungleich trainierten Kontrahenten, hat der besser trainierte Gegner bessere Chancen, selbst wenn der andere die bessere Waffe hat. Diese kann zwar ein wenig den Trainingsunterschied ausgleichen. Aber nicht allzuviel.

Und warum benutzen Polizisten keine Messer, wenn die meisten Konfliktsituationen doch eh unterhalb der 21-foot Distanz entstehen?
Weil sie ihre Kontrahenten ausschalten und festnehmen sollen und nicht umbringen. Deswegen nutzen sie Knüppel.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 10.11.2012 | 18:42
Du überliest "wenn so die Reichweite der eigenen Waffe unterlaufen wurde". Die Reichweite ist der Knackpunkt. Es macht schon einen Unterschied. Bei gleichgut trainierten Gegner macht die Waffe auch einen Unterschied.
(Hervorhebung von mir) Aber genau eine solche Spielsituation hatte ich doch in dem Posting beschrieben, auf das sich Ludovico bezieht. Es ging um einen Kampf zweier Kontrahenten mit identischem(!) Level der Nahkampffertigkeit; nur, daß der eine waffenlos kämpfte und der andere mit dem Breitschwert.

Und sorry, aber daß dann der Bewaffnete keinen Vorteil hat, halte ich für ausgemachten Schwachsinn. Waffen wurden nicht entwickelt, weil irgendjemand meinte, daß es cooler aussah; Römer, Ritter und Wikinger haben nicht wer weiß wie viel Geld in ihre Spieße, Schwerter und Äxte gesteckt, nur um auf dem Schlachtfeld eine gute Figur zu machen; eine Schlachtreihe Can-Can-tanzender Shao-Lin-Mönche kann keine griechische Phalanx umtreten, das kann mir keiner erzählen. Die Waffe macht einen Unterschied, und das nicht zu knapp.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Callisto am 10.11.2012 | 18:49
Na, Nahkampffertigkeit ist nicht gleich Nahkampffertigkeit. Wenn der Waffenlose es schafft, die Reichweite des Breitschwerts zu umlaufen, BAMM; Tritt in die Weichteile, Biss in die Waffenhand, Ade Breitschwertträger. Das Schwert macht ja auch nen Tick langsamer. Waffen haben Vorteile aber auch Nachteile. Wenn ich weiß, wie ich die Nachteile der gegnerischen Waffe ausnutze, kann ich auch locker jemand mit einer "besseren" Waffe besiegen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 10.11.2012 | 18:51
Schaut euch mal nen Chacky Chan Film an. So viel bringen einem Waffen nicht, wenn der gegner richtig gut ist.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 10.11.2012 | 18:58
Na, Nahkampffertigkeit ist nicht gleich Nahkampffertigkeit. Wenn der Waffenlose es schafft, die Reichweite des Breitschwerts zu umlaufen, BAMM; Tritt in die Weichteile, Biss in die Waffenhand, Ade Breitschwertträger.

Der Breitschwertfuzzi ist ja aber genau so wenig auf sein Schwert beschränkt und kann sich durchaus mit anderen Mitteln wieder Platz machen, um die Waffe einsetzen zu können.

Als Unbewaffneter steht man gegen einen Bewaffneten quasi immer in der "Bringschuld" und muss ständig daran arbeiten, die Waffe so weit wie möglich aus dem Spiel zu nehmen, muss dabei aber oft andere Sachen außer Acht lassen. Das ist ein sehr großer Nachteil.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Talim am 10.11.2012 | 19:11
Und warum benutzen Polizisten keine Messer, wenn die meisten Konfliktsituationen doch eh unterhalb der 21-foot Distanz entstehen?
Weil sie nicht jeden der handgreiflich wird umbringen wollen/sollen?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Mann ohne Zähne am 10.11.2012 | 19:20
Nein, das hat nichts mit "Tödlichkeit" zu tun, sondern ganz einfach mit der Schock/Respekt- und Mannstopp-Wirkung von Feuerwaffen (bzw. der Munition). Und trotzdem auch mit der Tatsache, daß eine Pistole eine Waffe ist, die sowohl im Distanz-, als auch im Nahkampf funktioniert.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Talim am 10.11.2012 | 19:51
Natürlich hat das was damit zun tun oder wieso haben Polizisten Schlagstöcke und Pfefferspray?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Zauberelefant am 10.11.2012 | 20:40
Die Mannstopwirkung stumpfer Gewalteinwirkung und von Kampfgasen ist unübertroffen, außer von Sprengung des Weichziels von innen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 10.11.2012 | 20:43
Was ist mit betäubungswaffen, wie sie bei Tieren angewendet werden?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 10.11.2012 | 20:58
Na, Nahkampffertigkeit ist nicht gleich Nahkampffertigkeit. Wenn der Waffenlose es schafft, die Reichweite des Breitschwerts zu umlaufen, BAMM; Tritt in die Weichteile,
eine eher Suoptimale Idee, eine Abwehr und das Bein ist tranchiert

Zitat
Biss in die Waffenhand,
wie schmeckt Korbgriff den so?

den Knauf, Parierstange etc hat der schnell in den Zähnen mit erheblich geringerem Aufwand als der unbewaffnete hatte.
 
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Zauberelefant am 10.11.2012 | 21:04
Was ist mit betäubungswaffen, wie sie bei Tieren angewendet werden?
Du meinst Bolzenschußgeräte?  >;D
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Callisto am 10.11.2012 | 21:24
Pah, meine Kampferfahrung beschränkt sich auf Videospiele  ;D
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: MadMalik am 10.11.2012 | 21:31
Was ist mit betäubungswaffen, wie sie bei Tieren angewendet werden?

Das kann man machen, sobald man eine zentrale Datenbank hat wo man Gewicht und Krankheitsbild aller Menschen gespeichert hat und per implantierten RFID chip zuordnen kann. Weil sonst kann man damit auch sehr gut jemand umbringen, bzw es recht wirkungslos bleiben.
Wie allgmeine Betäubungsmittel für alle Leute aller Alters und Gewichtsklassen funzt hat man wunderbar in Moskau gesehen, da stirbt man schnell dran, jedenfalls wenn man sicher sein will, dass der getroffene garantiert nix mehr macht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 10.11.2012 | 23:52
Und selbst bei passender Dosierung ist immer noch nicht gesagt, dass die Wirkung sofort oder auch nur zügig eintritt.

Kann man komplett vergessen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Mann ohne Zähne am 11.11.2012 | 00:59
Die Mannstopwirkung stumpfer Gewalteinwirkung und von Kampfgasen ist unübertroffen, außer von Sprengung des Weichziels von innen.

Falsch. Mannstoppende Wirkung heißt Stoppen des Ziels auf kürzestem Weg. Das bekommt Gas nicht hin, und Einsatzstöcke auch nicht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Quaint am 11.11.2012 | 01:32
Naja, ich denke Dinge wie Pfefferspray oder Schlagstöcke haben durchaus ihre Berechtigung, eben als weniger tödliche Maßnahme etwa im Polizeigebrauch.
Da sind Tazer übrigens wohl auch ganz gut. Die sind zwar teuer, tun dann aber nicht nur höllisch weh sondern lähmen tatsächlich die betroffene(n) Körperregion(en), solange man den Strom anlässt. Da gabs sogar mal was mit nem Mini-Tazer, den man via Schrotflinte verfeuern kann. Kann bei empfindsamen Leuten, besonders bei solchen mit Herzschrittmacher, aber leicht auch zum Tod führen. 

Was den Thread an sich an geht, denke ich, dass es sehr wohl auch auf die Waffe oder allgemeiner die Ausrüstung ankommt und nicht nur auf das Können, aber auch auf die Situation.
Ein Messerkämpfer hat auf freiem Feld auf 100m wenig Chancen gegen den Träger einer Pistole. Auf kurze Entfernung mag das anders aussehen, vor allem wenn der Messerjunge entsprechend fähig und entschlossen ist.

Besonders übel ist die Kombination von überlegener Ausrüstung mit überlegenem Können. Etwa in den Bauernkriegen im späten deutschen Mittelalter kam es teilweise dazu, dass Landsknechte zahlenmäßig stark überlegene, aber schlecht ausgebildete und ausgerüstete Mobs aufständischer Bauern mit minimalen eigenen Verlusten niedergemacht haben. 
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.11.2012 | 03:43
Schaut euch mal nen Chacky Chan Film an. So viel bringen einem Waffen nicht, wenn der gegner richtig gut ist.
Ja, wenn der Gegner richtig gut ist.

Aber wieviele Gegner sind bitteschön schon richtig gut? Ich würde wetten, die meisten Gegner sind halbwegs gut. (Nicht schlecht, nicht mittelmäßig, aber auch nicht richtig gut.)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Zauberelefant am 11.11.2012 | 03:46
Falsch. Mannstoppende Wirkung heißt Stoppen des Ziels auf kürzestem Weg. Das bekommt Gas nicht hin, und Einsatzstöcke auch nicht.
Dafür gibts dann ja massereaktive Explosivmunition. Und bei Gas dachte ich eher an Sarin als Tränengas.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 11.11.2012 | 06:45
Auch Midgard. Auch D&D. Auch DSA. Eigentlich jedes "klassische" System. Mir fällt jetzt spontan überhaupt kein System ein, in dem der klar schlechtere Kämpfer gewinnt, weil er die bessere Waffe hat, so wie im OP postuliert.

Midgard kenne ich nicht, aber DnD und DSA fallen raus und die meisten klassischen Systeme auch. Das Problem, dass ich habe, ist die Trefferqualität und auch, dass das Können nur bis zu einem gewissen Punkt entscheidet, der oftmals sogar noch vernachlässigbar ist.

Wenn bei DnD zwei Kämpfer gleicher Stufe aber mit unterschiedlichen Waffen gegeneinander antreten, gewinnt fast immer derjenige mit der besseren Waffe und mit dem passenden Würfelglück.

Bei DSA gibt es da noch diese SFs, die aber ziemlich haarsträubender Müll sind. Ich muss da nur an "Gezielter Stich", "Wuchthieb" und "Finte" denken.
Da kann ein Charakter locker Fechtwaffen auf 15 haben und dann merkt dieser angehende Fechtmeister, dass man mit der Waffe auch präzise zustechen kann oder dass man damit auch einen Angriff vortäuschen kann.

@Grey
Der Bewaffnete hat einen Vorteil, wenn er den Unbewaffneten auf Distanz hält und ich stimme Dir zu, dass dieser erstmal vorbeikommen muss an der Waffe. Es gewinnt derjenige, der die richtige Distanz einhält, bzw. derjenige, der seine Waffe (oder auch Werkzeug) besser einsetzt oder unter'm Strich: Es kommt auf das Können an.

Um es noch mal anders darzustellen:
Unbewaffneter und mit Breitschwert bewaffneter Kämpfer stehen sich gegenüber auf einer Distanz, die gut für das Breitschwert hat.
Den Vorteil hat der bewaffnete Kämpfer, denn sein Werkzeug ist für diese Situation geschmiedet worden.
Den Nachteil hat der Unbewaffnete, denn er kann seine Hände noch nicht einsetzen. Sein "Werkzeug" ist nicht für diese Situation geschaffen. Mit Glück könnte er mit einem Tritt treffen, aber alles in allem hat er ein Problem.

Somit muss der Unbewaffnete versuchen, eine neue Situation herbeizuführen, in der er seine Hände richtig einsetzen kann. Diese Situation wäre der Infight.

Wenn er das schafft und an der Klinge des Breitschwerts vorbeikommt, ist er im Vorteil, denn das Breitschwert kann zwar improvisiert im Infight verwendet werden, ist aber immer noch länger und sperriger und langsamer als Knie und Ellenbogen und Fäuste und Headbutts... Somit ist das Breitschwert hier von Nachteil und der Bewaffnete muss versuchen, die alte Situation wieder herzustellen.

Und ich weise nochmal darauf hin, dass ich nicht behaupte, dass es egal ist, was man als Waffe benutzt, sondern wie und in welcher Situation es benutzt wird. Nicht nur der effiziente Einsatz von Waffen, sondern auch das Herbeiführen der vorteilhaften Situation (wie zum Beispiel die Distanz zu verringern, damit man den Schlagring einsetzen kann), sehe ich als Teil der Kompetenz des Kämpfers an.

Von daher sehe ich Waffen wie Werkzeuge. Man kann mit improvisierten Werkzeug auch arbeiten, aber es ist besser, wenn man das passende Werkzeug dabei hat. Richtig toll ist es natürlich, wenn man noch ein qualitativ hochwertiges und haltbares Werkzeug hat, aber der Unterschied bei der Arbeit ist nicht ausschlaggebend. Ausschlaggebend ist immer das Training und die Erfahrung des Anwenders.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Pyromancer am 11.11.2012 | 11:01
Midgard kenne ich nicht, aber DnD und DSA fallen raus und die meisten klassischen Systeme auch. Das Problem, dass ich habe, ist die Trefferqualität und auch, dass das Können nur bis zu einem gewissen Punkt entscheidet, der oftmals sogar noch vernachlässigbar ist.
Ich kenne da die neueren Inkarnationen nicht, ich beziehe mich daher nur auf die alten Editionen. Und da ist es eben so, dass man treffen muss um Schaden zu machen, und der Trefferwurf hing bei Midgard, DSA und D&D damals eben nicht von der Waffe ab (magische Waffen mal ausgeklammert). Und wenn ich doppelt so oft treffe wie mein Gegner, dann ist es egal, ob ich im Durchschnitt 1 oder 2 Punkte mehr oder weniger Schaden mache, da gewinne ich trotzdem - es dauert nur evtl. länger.

Zitat
Wenn bei DnD zwei Kämpfer gleicher Stufe aber mit unterschiedlichen Waffen gegeneinander antreten, gewinnt fast immer derjenige mit der besseren Waffe und mit dem passenden Würfelglück.
Klar. Wenn beide gleich gut sind, dann gewinnt der mit dem besseren Werkzeug. Das ist doch genau das, was du forderst, oder?  wtf? Ich bestreite aber deine Aussage, dass in vielen klassischen Systemen der schlechte Kämpfer mit dem besseren Werkzeug gegen den besseren Kämpfer mit dem schlechteren Werkzeug die besseren Chancen hat. Und das stimmt schlicht nicht. Und zwar egal, ob ich bei Midgard den nackten Grad-3-Messerkämpfer gegen die Grad-1-Stadtwache mit der Hellebarde antreten lasse, oder bei D&D den Level-5-Fighter gegen Level-1-Kroppzeuch.

Zitat
Von daher sehe ich Waffen wie Werkzeuge. Man kann mit improvisierten Werkzeug auch arbeiten, aber es ist besser, wenn man das passende Werkzeug dabei hat. Richtig toll ist es natürlich, wenn man noch ein qualitativ hochwertiges und haltbares Werkzeug hat, aber der Unterschied bei der Arbeit ist nicht ausschlaggebend. Ausschlaggebend ist immer das Training und die Erfahrung des Anwenders.
Das wird - mit Ausnahme der CoC-Schrotflinte, dem großen Gleichmacher - von allen mir bekannten klassischen Systemen so umgesetzt wird.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 11.11.2012 | 11:25
Ich glaube, Du solltest nochmal den Thread lesen. Irgendwie scheinst Du meinen Punkt nicht zu verstehen.
Zudem rede ich nicht ueber kleine Unterschiede bei der Schadensbestimmung in klassischen Systemen nur durch die Waffe und unabhaengig von der Kompetenz, sondern von signifikanten. Wie Du bei DSA und auch ADnD oder sogar DnD von 1-2 Punkten Unterschied ausgehen kannst, ist mir schleierhaft.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 11.11.2012 | 11:29
Allerdings, Pyro. Wenn du den Thread nochmal gründlich liest, dann würdest du auch verstehen, um was es geht. Wir reden hier nämlich über Waffenkopmpetenz, wie du dann siehst, also schau dir besser nochmal an, was hier steht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Pyromancer am 11.11.2012 | 11:42
Ich glaube, Du solltest nochmal den Thread lesen. Irgendwie scheinst Du meinen Punkt nicht zu verstehen.
Zudem rede ich nicht ueber kleine Unterschiede bei der Schadensbestimmung in klassischen Systemen nur durch die Waffe und unabhaengig von der Kompetenz, sondern von signifikanten.
Wer den Gegner nicht trifft, der macht keinen Schaden. Nicht die W6-1 vom Dolch, nicht die W6+2 vom Zweihand-Schlachtbeil.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 11.11.2012 | 12:16
Von daher sehe ich Waffen wie Werkzeuge. Man kann mit improvisierten Werkzeug auch arbeiten, aber es ist besser, wenn man das passende Werkzeug dabei hat. Richtig toll ist es natürlich, wenn man noch ein qualitativ hochwertiges und haltbares Werkzeug hat, aber der Unterschied bei der Arbeit ist nicht ausschlaggebend. Ausschlaggebend ist immer das Training und die Erfahrung des Anwenders.
Es bleibt die Frage: wie willst du das regeltechnisch abbilden wenn nicht über Waffeneigenschaften? Bei meinem Kumpel endete die Frage nach dem "geeigneten Werkzeug" mit sehr viel Handwedelei des SL und stundenlangem Streit mit manchen Spielern.

Aber gut, wenn du dafür tatsächlich gangbare Regeln findest, probiere ich sie gern in einer Runde mit dir aus. ;) Z.B. auf dem Grossen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 11.11.2012 | 12:32
Es bleibt die Frage: wie willst du das regeltechnisch abbilden wenn nicht über Waffeneigenschaften? Bei meinem Kumpel endete die Frage nach dem "geeigneten Werkzeug" mit sehr viel Handwedelei des SL und stundenlangem Streit mit manchen Spielern.

Aber gut, wenn du dafür tatsächlich gangbare Regeln findest, probiere ich sie gern in einer Runde mit dir aus. ;) Z.B. auf dem Grossen.

Meine Idee waere ueber die Reichweiten zu gehen, wie vor einigen Seiten vorgeschlagen.
Das wuerde ich insofern modifizieren, dass von extremen Fernkampf fuer Gewehre mit Mali runterskaliert wird, umgekehrt Nahkaempfer, die auf Fernkampf-Distanz sind, muessen erst auf die opt. Reichweite ihrer Waffe ran.

Das wuerde ich dann ueber Atlethik oder so handlen und den Nahkampfskill als komplementaer betrachten, also Bonus auf den Athletikskill. Waffen werden nur in die Reichweitenkategorien eingeteilt.

Ok, ich hab mir noch keine Gedanken darueber gemacht, wie man autom. Waffen und Granaten etc. handhabt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Bad Horse am 11.11.2012 | 12:44
Bei Ars Magica haben Nahkampfwaffen drei Reichweiten: "Touch" (Dolch, bloße Faust), "Reach" (Schwert, Axt) und "Close" (Langspeer, Pike). Wenn du in der falschen Reichweite kämpft, hast du massive Abzüge.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 11.11.2012 | 12:49
Bei Ars Magica haben Nahkampfwaffen drei Reichweiten: "Touch" (Dolch, bloße Faust), "Reach" (Schwert, Axt) und "Close" (Langspeer, Pike). Wenn du in der falschen Reichweite kämpft, hast du massive Abzüge.

Danke!Das meine ich.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 11.11.2012 | 15:14
Bei Ars Magica haben Nahkampfwaffen drei Reichweiten: "Touch" (Dolch, bloße Faust), "Reach" (Schwert, Axt) und "Close" (Langspeer, Pike). Wenn du in der falschen Reichweite kämpft, hast du massive Abzüge.
Ziemlich analog zu DSA. Da gibt es die vier Reichweiten:
- Handgemenge (Dolch, bloße Faust)
- Nahkampf (Schwert, Axt)
- Stange (Zweihänder, Speer)
- Pike (Pike, Lanze)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 11.11.2012 | 17:21
Unterschiedliche Reichweiten gibt's bei meinem Homebrew ja auch. Und eben zusätzlich Unterschiede im Schaden, um solche Sachen abzufeiern wie "Schwert gegen Rüstung ist effizienter als bloße Hand gegen Rüstung".
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 11.11.2012 | 19:28
@Erik Erikson
Zitat
Und warum benutzen Polizisten keine Messer, wenn die meisten Konfliktsituationen doch eh unterhalb der 21-foot Distanz entstehen?

Ich fasse mich kurz (aufgrund von Müdigkeit nach ner 3-Tages-Party).
a) Weil Stöcke in der Hand eines geübten Anwenders besser sind. Sie geben dir einen Distanzvorteil, der erst einmal überbrückt werden muss.

b) Weil ihre Aufgabe nicht darin besteht, den zu Verhaftenden zu töten oder schwer zu verletzen; sondern ihn zu verhaften.

c) Weil Schusswaffen dir einen weiteren Distanzvorteil verschaffen. Es geht ausserdem darum, in welcher Distanz eine Person mit Pistole im Holster gefährdet ist... nicht mit gezogener, geladener und entsicherter Schusswaffe. Davon hatte ich auch nie gesprochen. :)

Im Übrigen, wann habe ich behauptet, das die meisten Konfliktsituationen unterhalb von 21 Fuss entstehen?
Es ging in der Studie eher darum, den Polizisten ein gesundes Gefühl für die Bedrohung zu vermitteln; um zu verhindern das sie sich durch die Schusswaffe zu sicher / unverwundbar fühlen.

Dazu kommt, das ein gut ausgebildeter Polizist auch Grundkenntnisse in waffenloser Selbstverteidigung haben.

Die Polizei von Chicago (?) geht soweit, ihre Polizisten regelmässig zu schulen, das sie in einer solchen Situation agieren können. Ich möchte jetzt nicht auf die technischen Details eingehen... ist Selbstverteidigungskram.. und hat viel mit der Theorie und Praxis zur Messer/Klingenabwehr zu tun ;)


Zu der Jackie Chan-Frage: Bei allem Respekt vor seinem Können hat er einen fiesen Kampfvorteil... er beherrscht Cho-Reo-Gra-Fie  ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 11.11.2012 | 19:38
Die Polizei von Chicago (?) geht soweit, ihre Polizisten regelmässig zu schulen, das sie in einer solchen Situation agieren können.

So "weit" geht jede westliche Polizeibehörde.

Aber regelmäßig heißt nicht zwingend ausreichend oder sinnvoll zu trainieren.

Ein Mal im Quartal schießen gehen ist auch regelmäßig (und dieses Intervall ist nicht aus der Luft gegriffen...).
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 11.11.2012 | 19:57
ist auch unnötig. Ein Polizist muss so wenig schießen, für gewöhnlich nie. und wenn er dann doch schießen muss, ists anders als aufm Schießstand und er verbockts. Da würd ich das geld lieber in nahkampftraining stecken.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 11.11.2012 | 21:22
@Kazuki Fuse
Ok, vielleicht hätte ich schreiben sollen "geht inzwischen so weit"... denn in den 80ern und 90ern war ein gutes Nahkampf/Messerabwehrtraining bei der amerikanischen Polizei Mangelware.

Regelmässig hiess in dem Fall ein Grundlagen-Seminar von einer Woche (meiner Erfahrung nach vollkommen ausreichend), wiederholt alle 3 Monate (mWn, kann den betreffenden Trainer bei Gelegenheit fragen). Mit der dringenden Aufforderung die Techniken nicht schleifen zu lassen.

Die Idee war, eine Kerngruppe zu bilden welche in der Lage ist dem Rest das erlernte Können weiterzuvermitteln. Und diesen Kern dann Stück für Stück "fortzubilden".

So.. und jetzt gehts ins Bett.. ich bin nach der Party todmüde. :)

@Erik
Naja, die amerikanische Polizei tickt da leider anders. Selbst wenn man den "Action-Film-Anteil" den man gern im Kopf hat abzieht ist es doch dort gängiger. ;)

Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 11.11.2012 | 21:35
Regelmässig hiess in dem Fall ein Grundlagen-Seminar von einer Woche (meiner Erfahrung nach vollkommen ausreichend), wiederholt alle 3 Monate (mWn, kann den betreffenden Trainer bei Gelegenheit fragen).

Alle 3 Monate eine ganze Woche?  :o
Oder ein, zwei Tage Wiederholung?

Ist der Trainer ein Externer, den man kennt, oder machen die das mit eigenem Personal?

Klingt jedenfalls ganz ok vom Konzept her...

Ein Polizist muss so wenig schießen, für gewöhnlich nie. und wenn er dann doch schießen muss, ists anders als aufm Schießstand und er verbockts.

Warum dann nicht gleich noch mehr Kosten und Aufwand sparen und gar keine Schusswaffen einführen?  :P

Und - Preisfrage - wenn Schießstandtraining und Realität auseinandergehen, wo setzt man dann am Besten mit einer Änderung an?  ;)

Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Bad Horse am 11.11.2012 | 21:46
Ich würde ja gerne in der Realität ansetzen und alle Verbrecher durch Pappfiguren ersetzen. :)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 11.11.2012 | 21:46
Das Seminar war eine Woche zu je 8 Stunden am Tag.
So wie ich den Trainer kenne wird es wahrscheinlich so gelaufen sein, das er dabei 4-5 Anwendungen austrainiert hat; dazu die Schrittarbeit (Bewegung im Raum, Ausweichschritte, Positionierung zum Gegner).

Beim nächsten Seminar werden darauf aufbauende Drills vermittelt.

Alle diese Drills werden (im Normalfall) spätestens nach einer Stunde im Partnertraining geübt. Ab dann bleibt es beim Partnertraining.

Die Theorie wird sicher auch nicht zu kurz gekommen sein, je nachdem ob es Grand Tuhon Leo Gaje war oder Tuhon Uli Weidle (mein Trainier...yay).  Leo Gaje geht etwas weniger auf sie ein.. und Uli.. nun, Uli redet gern *schmunzel*

Und frag mich nicht, ob es 5 Tage waren, oder auch das WE *lacht* Ich weiss es nicht.

[Die Titel wurden hinzugefügt um es leichter zu machen, sie zu googeln]

@Bad Horse
Ich auch :)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 11.11.2012 | 21:55
Warum dann nicht gleich noch mehr Kosten und Aufwand sparen und gar keine Schusswaffen einführen?  :P
Und - Preisfrage - wenn Schießstandtraining und Realität auseinandergehen, wo setzt man dann am Besten mit einer Änderung an?  ;)

Da hst du mich erwischt, das wäre mein Wunsch. Schusswaffen nur noch für Spezialeinheiten der Polizei.

Wie die Japaner. Die konnten früher in bestimmten Städten und gegenden Schusswafen oder auch andere Waffen verbieten, und das hat auch (größtenteils) geklappt.
Bei den Engländern gings auch ne ganze Weile gut ohne Schusswaffen.

Das ist aber keine durchdachte Strategie, sondern einfach persönliche Abneigung. Mich grauts vor den Dingern. ich kann die schlicht nicht ab.

Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 11.11.2012 | 21:57
@Erik Erikson
Zitat
Mich grauts vor den Dingern. ich kann die schlicht nicht ab.

Geht mir genauso.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 11.11.2012 | 23:39
Grand Tuhon Leo Gaje

Ah, jetzt, ja...da zünden die altersschwachen Synapsen  ;D


Ausufernd OT@Erik:

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 12.11.2012 | 00:08
Unterschiedliche Reichweiten gibt's bei meinem Homebrew ja auch. Und eben zusätzlich Unterschiede im Schaden, um solche Sachen abzufeiern wie "Schwert gegen Rüstung ist effizienter als bloße Hand gegen Rüstung".

Und mit dem Schaden kann ich nicht viel anfangen. Wieso nicht einigen Waffen panzerbrechende Eigenschaften gewaehren?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Darius der Duellant am 12.11.2012 | 00:58
Weil "panzerbrechend" je nach dem von welcher Waffe man spricht (falls es ein spektrum von der Antike bis in die Moderne geben soll) auch "weniger Schaden gegen weiche Ziele als vergleichbares Gerät" bedeuten kann, aber eben nicht muss.
Als Unterscheidungskategorie ohne weitere Ausdifferenzierungen ist es dementsprechend viel zu ungenau.
Aus einem ähnlichen Grund empfinde ich die weiter oben angeführte Dreierstaffelung auch als zu grob.
Deren Theorie nach hätte ein Kämpfer mit dem Langen Schwert ja gegen einen Dolchführer in Stichweite "erhebliche Probleme".
Tatsächlich aber lässt sich auch diese vergleichsweise lange Klinge im Halbschwert problemlos auf (sehr) kurze Distanz führen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 12.11.2012 | 03:07
Sicher mag es panzerbrechende Waffen geben, die gegen weiche Ziele nicht so effizient sind. Aber dann sind wir wieder bei dem hoechst ungenauen Abstraktum Waffenschaden, welcher die Bedeutung des Koennens bei der Trefferqualitaet mindert bis fast negiert wie etwa bei DSA und DnD.
Und vielleicht kann man ein Langschwert auch im Infight relativ gut fuehren. Der Dolch ist und bleibt dafuer aber die geeignetere und schnellere und flexiblere Waffe.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 12.11.2012 | 10:35
Und mit dem Schaden kann ich nicht viel anfangen. Wieso nicht einigen Waffen panzerbrechende Eigenschaften gewaehren?
Tu ich. Zusätzlich. Der Streitkolben z.B. ist bei mir als "panzerbrechend" markiert und halbiert damit die gegnerischen Rüstungswerte.

Aber panzerbrechende Eigenschaften sind ziemlich egal, wenn es darum geht, die Fleischmassen z.B. eines typischen Trolls zu durchdringen. In den kannst du mit dem Dolch höchstens deinen Namen einritzen, ohne daß es ihn sonderlich stört, und der Streitkolben prallt von den puren Muskelmassen weich ab. Hier braucht es eine scharfe Hiebwaffe mit viel Wucht - z.B. eine Axt oder einen Bihänder.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 12.11.2012 | 10:46
Oder Du stoesst den Dolch dorthin, wo es weh tut. Das setzt natuerlich Skill voraus. Aber es wird wohl kaum jemand ohne nennenswerte Kompetenz einen Troll angreifen,  ganz egal mit welcher Waffe.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 12.11.2012 | 11:49
Und jemand mit nennenswerter Kompetenz wird einen Troll nicht mit dem Dolch angreifen, da er schlichtweg das "ungeeignete Werkzeug" wäre. Nehmen wir ein noch offensichtlicheres Beispiel, Wespenstachel gegen Mensch. Da ist es (Gift+Allergie mal außen vor) scheißegal, wo die Wespe dich hinpiekst, sie hat keine Chance, (rein mechanisch) nennenswerten Schaden anzurichten.

Ungefähr so sehe ich "Dolch vs. Troll". Irgendwann nützt dir alles Skill der Welt nichts, der Dolch ist das "ungeeignete Werkzeug". Du kommst durch die Fleischmassen nirgends tief genug durch, um ihn ernsthaft zu verletzen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Xemides am 12.11.2012 | 12:04
Zum Glück machen das nur wenige Spiele wie DSA mit der unsäglichen DK.

Na, irgendeine Regelung braucht man doch, wenn man die Vor- und Nachteile berücksichtigen will. Runequest6 hat dafür auch eine Regelung, die aber nicht so okpliziert ist wie die bei DSA.



Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 12.11.2012 | 14:00
Und jemand mit nennenswerter Kompetenz wird einen Troll nicht mit dem Dolch angreifen, da er schlichtweg das "ungeeignete Werkzeug" wäre. Nehmen wir ein noch offensichtlicheres Beispiel, Wespenstachel gegen Mensch. Da ist es (Gift+Allergie mal außen vor) scheißegal, wo die Wespe dich hinpiekst, sie hat keine Chance, (rein mechanisch) nennenswerten Schaden anzurichten.

Ungefähr so sehe ich "Dolch vs. Troll". Irgendwann nützt dir alles Skill der Welt nichts, der Dolch ist das "ungeeignete Werkzeug". Du kommst durch die Fleischmassen nirgends tief genug durch, um ihn ernsthaft zu verletzen.

Ich stimme Dir zu. Ab einem gewissen Punkt braucht man anderes Werkzeug. Mit einem Goldschmiedehammer kann man schlecht Naegel einschlagen. Ok, bei dem Troll sind wir unterschiedlicher Ansicht, aber grundsaetzlich sind wir auf einer Linie.

Ich wuerde die SW-Regelung mit den Heavy Weapons hier anwenden (die ich auch sehr geil finde).
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 12.11.2012 | 21:47
Ich wuerde die SW-Regelung mit den Heavy Weapons hier anwenden (die ich auch sehr geil finde).
Die kenne ich jetzt nicht, bin aber auch kein SW-Spieler. Wie lautet die Regel denn so ungefähr?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 12.11.2012 | 21:53
Wie lautet die Regel denn so ungefähr?

Es gibt Heavy Armor, die nur von Waffen beschädigt/durchschlagen werden kann, die explizit als Heavy Weapon eingestuft ist.
Alles andere kann einfach nichts dagegen ausrichten, egal, wie hoch der Schadenswurf ausfällt.


Auf diese Weise muss man keine Riesenspanne für die Schadens- und Panzerungswerte benutzen und nicht kleinteilig Durchschlagswerte verrechnen.

Theoretisch könnte man die Armor-Eigenschaft und die jeweils nötigen Waffen noch in weitere Stufen unterteilen, wenn man das für sinnvoll hält.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 12.11.2012 | 22:17
Ah, danke. So geht's natürlich auch. Ich habe zwar den Waffen Schadenswerte mitgegeben; der Schadenswurf ist aber optional, es sei denn, zwischen Stärke, Bewaffnung und Rüstung der beteiligten Gegner besteht ein deutliches Ungleichgewicht. Wenn alle der Situation angemessen ;D gerüstet sind, kann man zur Beschleunigung des Kampfes normalerweise davon ausgehen, daß jeder Treffer zu einer "leichten" Verletzung führt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Gummibär am 13.11.2012 | 18:33
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)



Zu der Jackie Chan-Frage: Bei allem Respekt vor seinem Können hat er einen fiesen Kampfvorteil... er beherrscht Cho-Reo-Gra-Fie  ;)

Gemeint ist natürlich eine der entsprechenden Filmfiguren. ;) Die übrigens öfter mal „Jackie“ heißen. :P



Es gibt Heavy Armor, die nur von Waffen beschädigt/durchschlagen werden kann, die explizit als Heavy Weapon eingestuft ist.
Alles andere kann einfach nichts dagegen ausrichten, egal, wie hoch der Schadenswurf ausfällt.

D.h. doch im Prinzip: Alle Waffen verursachen 1 Schaden, Heavy Waffen verursachen 2 Schaden. Heavy Armor reduziert Schaden um 1. Falls Schaden die Rüstung durchdringt, wird ein Verwundungswurf durchgeführt, um festzustellen, wie schwer die Verwundung ist.

Falls man dann noch berücksichtigen möchte, dass Heavy Weapons auf auf ungerüstete Ziele mehr Schaden machen, ist man bei einem klassischen System mit sehr niedrigem Detailgrad.

Theoretisch könnte man die Armor-Eigenschaft und die jeweils nötigen Waffen noch in weitere Stufen unterteilen, wenn man das für sinnvoll hält.

Wenn man das hinzunimmt, dann gibt es z.B. Schaden von 1-3 oder 1-4 und Rüstungen von 0-2 oder 0-3.



Oder Du stoesst den Dolch dorthin, wo es weh tut. Das setzt natuerlich Skill voraus. Aber es wird wohl kaum jemand ohne nennenswerte Kompetenz einen Troll angreifen,  ganz egal mit welcher Waffe.

Auge oder Hals kann man ja nicht treffen, da der Troll zu groß ist, da kommt man einfach nicht dran.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Zauberelefant am 13.11.2012 | 22:41
Falls man dann noch berücksichtigen möchte, dass Heavy Weapons auf auf ungerüstete Ziele mehr Schaden machen, ist man bei einem klassischen System mit sehr niedrigem Detailgrad.
Tatsächlich haben wir das um der Spielbarkeit Willen bei Deathwatch so gehandhabt. Die Räson dahinter: Gerade die schweren Waffen skalieren den Schaden in Bezug auf Weichziele etwas merkwürdig (vom Umstand, das getrennter Panzerdurchschlag vom Schaden und getrennte Rüstung von Konstitution auch mechanisch deutlich aufwendiger sind, wenn man auch noch Trefferzonen verwendet und so mal ganz abgesehen.)
Ein Beispiel: der Multi-Schmelzer  ~;D ist auf kurze Entfernung (~30 m) eine 1-Schuß-schwerer-Kampfpanzer-kabumm-Waffe. Das wird dadurch erreicht, daß man den Durchschlag von 16 auf 32 verdoppelt. Schön und gut, aber ein Space Marine trägt maximal 14 Rüstung. Und der Schaden reicht im Durchschnitt nicht aus, um den Marine auch wirklich unter die Erde zu bringen, sondern verletzt ihn nur schwer.
Das Vorbild (TT) sagt, bei 2+ auf w6 ist der Bursche hin.

Und mal im Ernst: Panzerabwehrwaffen produzieren gegen Weichziele massiven Overkill. Kein Wunder, sie sind dafür gemacht, Panzer zu sprengen.

Oder hab ich Dich komplett falsch verstanden, und Du befürwortest den höheren Schaden gegen ungehärtete Ziele?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 13.11.2012 | 22:53
Nicht unbedingt. Gerade reale Panzerabwehrraketen haben eine so hohe Durchschlagskraft, die würden durch einen Menschen durchfliegen und erst 10 Meter hinter ihm explodieren.

Nicht falsch verstehen: Ein Mensch, der von einer Panzerfaust getroffen wird, ist anschließend schwer verletzt. - Aber es ist nicht unbedingt tödlich.

Hier mal ein Bild, wie so ein Einschussloch beim Panzer aussieht: Hier (http://i37.tinypic.com/ac4hli.jpg)
Das tödliche für die Panzerbesatzung ist die Explosion, die NACH dem Durchdringen der Panzerung ausgelöst wird. Und ein Mensch ist so weich, da würde das Geschoss durchfliegen und erst mehrere Meter hinter dem Menschen explodieren.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: MadMalik am 13.11.2012 | 23:07
HAHAHAHAHHAHA... du weisst schon wie das kleine Loch entsteht, oder?  :D
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Zauberelefant am 13.11.2012 | 23:12
Ich wollte gerade schon ansetzen, daß etwas, das durch mehrere 100mm Panzerstahl durchgeht, mich ziemlich sicher umbringt. Und die Physik lehrt uns, daß das Geschoß soviel Energie abgibt, bis es durch mich durch ist - was angesichts der Geschoßgröße, der thermischen Lanze oder welches Mechanismus auch immer letal sein sollte. Die Chance, das zu überleben, ist jedenfall deutlich geringer als bei Faustfeuerwaffen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Dark_Tigger am 13.11.2012 | 23:23
Können wir uns darauf einigen das wenigstens ab einem gewissen Kaliber die Waffe mehr ausmacht als der Anwender?
Ich meine bei Nahkampfwaffen, und prä-Schießpulver in der Hand getragene Schusswaffen, kann man das ja noch als Ansatz diskutieren. Aber spätestens bei Katapult und Kanone macht das keinen Sinn mehr.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Dr. Shoggoth am 13.11.2012 | 23:26
Eine Pistolenkugel kann einen Menschen auch durchdringen. Klar so ein Panzergeschoss reißt wahrscheinlich ordentlich viel Fleisch mit, aber der Schaden ist nicht so groß, wie wenn das Geschoss auch noch im Körper explodieren würde. Also sollte der Schaden am Weichen Körper kleiner sein, als am Panzer. (Nicht der Verhältnismäßige, sondern der ausgewürfelte Gesamtschaden)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: MadMalik am 13.11.2012 | 23:36
Das schöne an dem Beispielbild das Eulenspiegel gewählt hat ist ja, dass sehr viel Explosionskraft dabei im Spiel ist. Der kleine, dünne Penetrator wird durch eine sehr gewaltige Explosion geformt die von einem Menschen nicht mehr viel übrig lässt. Wenn einer den Effeckt unbedingt sehen will kann er ja Taliban + RPG-7 + Exekution googeln, linken werd ich das nicht.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 13.11.2012 | 23:46
Der kleine, dünne Penetrator wird durch eine sehr gewaltige Explosion geformt die von einem Menschen nicht mehr viel übrig lässt.

Bei Direkttreffern zünden RPGs gegen Menschen aber bei Weitem nicht immer und man hat "nur" die Verletzung durch das Geschoss.

Das ist in der spielmechanischen Umsetzung für ein klassisches Rollenspiel schon ziemlich fitzelig.

Da hat eine RPG-7 am Ende drei Schadenswerte...
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: MadMalik am 13.11.2012 | 23:49
Das stimmt, aber dann machen sie auch gar kein Loch. :D
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 14.11.2012 | 00:08
Doch, ggf. ein Loch in Kalibergröße.

Das leichteste HEAT-Geschoss wiegt 2,2 kg; "Mündungs"geschwindigkeit ist angegeben mit 115 m/s und Spitzengeschwindigkeit mit 294 m/s.

Man rechne selbst...
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Ludovico am 14.11.2012 | 00:22
@Gummibaer
Die Eigenschaft Heavy Armour sorgt nicht fuer eine Reduzierung des Schadens bei SW. Sie sorgt nur dafuer, dass alle Waffen ohne die Eigenschaft Heavy Weapon ignoriert werden.

@all
Wenn ein Mensch von einem Panzergeschoss einen Direkttreffer erleidet... was muss man da den Schaden auswuerfeln?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Maarzan am 14.11.2012 | 00:25
@Gummibaer
Die Eigenschaft Heavy Armour sorgt nicht fuer eine Reduzierung des Schadens bei SW. Sie sorgt nur dafuer, dass alle Waffen ohne die Eigenschaft Heavy Weapon ignoriert werden.

@all
Wenn ein Mensch von einem Panzergeschoss einen Direkttreffer erleidet... was muss man da den Schaden auswuerfeln?

Ich hatte vor Jahren mal einen alten Mann getroffen mit einem steifen Arm und einer handtellergroßen Narbe an der Schulter. Da ist seiner Angabe nach eine russische Panzerabwehrkanone durchgegangen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: MadMalik am 14.11.2012 | 00:27
Bei der Penetration kommt allerdings auch noch der Durchmesser hinzu und RPG-7 Sprengsätze penetrieren höchstens in den Körper aber nicht durch wenn sie nicht explodieren. Wobei alles was ein V hinter'm Namen hat sehr zuverlässig auch beim Kontakt mit Menschen hochgeht. Das Problem ist wohl eher, dass alte RPG-7 Systeme insgesamt nicht sonderlich zuverlässig detonieren, egal ob es ein Erdhügen, ein Mensch oder ein leichtes Fahrzeug ist. Was für ein universelles Waffensystem nicht sonderlich brauchbar ist.


So oder so, für gamistische Regelungen hat der Panzerbrechende Waffe - Weniger Schaden schritt schon seine Begründung um solche Waffen als Sidegrade statt reines Upgrade zu fahren. Das kann man auch an manchen Beispielen an historischen Waffen belegen, der Stich eines Estoc kommt um einiges besser durch Panzerung verursacht aber seinen Schaden auf geringerer Fläche, bzw kommt besser durch Panzerung weil er genau das tut.
Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass diese Idee von Schaden schon extrem Abstrakt gedacht ist, weil 'realistisch' kommt es darauf an ob wichtige Organe verletzt sind und wie stark... und da ist es dem echten Leben oft egal ob die Nieren von ner .50 AE zerfetzt wurden oder durch ne 9mm Para. Da passt auch die Panzergeschossgeschichte von Maarzan gut rein... bzw, mein Uropa hat auch 3 Schuss cal.30 gefressen und wäre nach GURPS regeln mausetod, so hat er nur nen kaputten Arm und Atemprobleme gehabt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 14.11.2012 | 00:36
Fürs Protokoll:
und wäre nach GURPS regeln mausetod

Nach GURPS Lite  :P ;)

GURPS kann solche Fälle abbilden - also sowohl überlebte Mehrfachtreffer durch Handwaffen als auch überlebte PAK-Treffer.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 14.11.2012 | 00:49
Zitat
Können wir uns darauf einigen das wenigstens ab einem gewissen Kaliber die Waffe mehr ausmacht als der Anwender?

Wenn wir uns darauf einigen können, das der Anwender dazu erst einmal treffen muss, gerne. Zumindest in die Nähe des Ziels (Splitterwirkung, Explosion..). Eine Schusswaffe kann noch so lethal sein, wenn das Geschoss das Ziel verfehlt ist die Sache geschwätzt.

Zitat
Aber spätestens bei Katapult und Kanone macht das keinen Sinn mehr.

Gerade Katapult und Kanone waren nie sonderlich präzise Waffen, die ausserdem nicht dazu gedacht waren, einzelne Menschen zu töten.
Der Hauptzweck von beidem war entweder das Abtragen von Deckung/Befestigungen oder das Ausschalten von Gegnergruppen. Bei manchen Geschützen auch beides...
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Dark_Tigger am 14.11.2012 | 01:01
Wenn wir uns darauf einigen können, das der Anwender dazu erst einmal treffen muss, gerne. Zumindest in die Nähe des Ziels (Splitterwirkung, Explosion..). Eine Schusswaffe kann noch so lethal sein, wenn das Geschoss das Ziel verfehlt ist die Sache geschwätzt.

Ich glaube nicht das wir das wirklich disskutieren müssen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 14.11.2012 | 01:06
Gut. Es kam bei mir etwas missverständlich an. A la "das Kaliber muss nur gross genug sein, dann hat ein Gegner keine Chance mehr. Egal ob ich damit umgehen kann.".  ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Dark_Tigger am 14.11.2012 | 01:56
Ich hatte jetzt verstanden das es in diesem Thread hauptsächlich um den Schaden geht, wenn man erst mal "trifft". Wobei dieses "trifft" eher ein abstraktes Treffen, das mehrfaches konkretes treffen, eines Gegners, in einer Runde beschreibt.
Unter diesen Bedingungen finde ich die Abstraktion "mit einem Messer kann ich wenn ich gut bin, einen Gegner genauso gründlich ausschalten wie mit einem Schwert, oder einer Keule." nachvollziehbar und plausibel.
Aber halt nur in einem Gewissen rahmen. Sobald wir von Belagerungs-, oder Panzerabwehrwaffen reden sollten andere Regeln gelten.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Maarzan am 14.11.2012 | 02:11
Ich hatte jetzt verstanden das es in diesem Thread hauptsächlich um den Schaden geht, wenn man erst mal "trifft". Wobei dieses "trifft" eher ein abstraktes Treffen, das mehrfaches konkretes treffen, eines Gegners, in einer Runde beschreibt.
Unter diesen Bedingungen finde ich die Abstraktion "mit einem Messer kann ich wenn ich gut bin, einen Gegner genauso gründlich ausschalten wie mit einem Schwert, oder einer Keule." nachvollziehbar und plausibel.
Aber halt nur in einem Gewissen rahmen. Sobald wir von Belagerungs-, oder Panzerabwehrwaffen reden sollten andere Regeln gelten.

Wenn ich gut bin ist aber nicht alles. Einmal haben wir einen Gegner, der ebenfalls in die Rechnung eingeht und wenn es um die Waffe und nicht den führenden geht auf ähnlich hohem Niveau anzusiedeln wäre (oder eben entsprechende Grüppchen gebildet werden müßten) und des weiteren sind ggf. Rüstungen und Abwehrwaffen/Schilde mit einzurechnen.
Und dann wäre der Unterschied eben, dass dasselbe Ich mit einem Dolch/Degen schon einige ganz bestimmte Stellen gut treffen müßte, welche der auch nicht unkundige Gegner auch entsprechend decken würde, während mit einer anderen Waffe die bedrohte Zone und die notwendige Präzision deutlich geringer ausfällt und so auch die Abwehr entsprechend schwerer fällt. Und ggf. noch Mannstopwirkung.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Gummibär am 14.11.2012 | 04:30
DnD würde ich so nicht stehen lassen, dass ist ja gerade das System wo Waffen einen direkten Skillbonus bekommen können mit einem +X rating. Natürlich wird das dadurch geradegebogen, dass man bestimmte +X Ausrüstung auf bestimmten Levelniveau praktisch voraussetzt, aber Spielmechanisch kann ein schlechterer (lower level) Kämpfer durch seine Waffe auf einmal um einiges besser treffen als der erfahrenere mit seinem Vanillagerät.


Stufe 5 gewinnt trotzdem gegen Stufe 1 wegen der höheren HP, die bei D&D ja auch nicht äquivalent mit Lebenspunkten sind.



Persönlich kenne ich keine Alternative zum Rundensystem, um etwas Ordnung in Kämpfe zu bringen und deshalb sollten imho die Waffenwerte verschwinden.

Zum einen könnte man die Attacken-Anzahl pro Runde nach Waffe regeln, z.B.:
Zweihänder: 1
Schwert: 2
Degen: 3
Dolch: 4

Zum anderen gibt es noch Aktionspunkte-Systeme. D.h. man erhält z.B. pro KR 12 Aktionspunkte und kann diese dann für Aktionen investieren mit unterschiedlichen Kosten für Attacken, z.B.:
Zweihänder: 4
Schwert: 3
Degen: 2
Dolch: 1
Übrig gebliebene Aktionspunkte könnte man auch mit in die nächste Kampfrunde nehmen, darauf wird mWn meist verzichtet.



Oder hab ich Dich komplett falsch verstanden, und Du befürwortest den höheren Schaden gegen ungehärtete Ziele?

Das kommt drauf an:

Panzerbrechende Waffen haben eine besonders gute Wirkung gegen Rüstungen, ohne stärker zu verwunden.

Körperbrechende (mir fällt gerade keine bessere Bezeichnung ein) Waffen haben eine besonders gute Wirkung gegen Körper, also mit dem übrig gebliebenen Schaden, nachdem die Rüstung durchdrungen wurde. Bei GURPS trifft das z.B. auf alle Stichwaffen zu.

Schwere Waffen sind – im Vergleich zu durchschnittlichen Waffen – besser gegen Rüstungen und verwunden stärker. Zweihandäxte, -schwerter und –speere sind z.B. schwerer als ihre einhändigen Varianten.

Danach gilt es dann nur noch, jede Waffe in die richtige Kategorie einzuordnen (von denen es noch mehr gibt).



Das wuerde ich dann ueber Atlethik oder so handlen und den Nahkampfskill als komplementaer betrachten, also Bonus auf den Athletikskill. Waffen werden nur in die Reichweitenkategorien eingeteilt.
 

Wobei die Überwindung von Fernkampf-Distanzen unabhängig davon ist, ob ich gerade Degen, Breitschwert oder Streitkolben führe. Dementsprechend sollten die Probenwerte für diese Waffen auf einem Basiswert basieren, der dann Boni auf den Athletikskill gibt, falls man sich bei der Distanzüberbrückung nicht treffen lassen möchte.

Die Eigenschaft Heavy Armour sorgt nicht fuer eine Reduzierung des Schadens bei SW. Sie sorgt nur dafuer, dass alle Waffen ohne die Eigenschaft Heavy Weapon ignoriert werden.
 

Das entspricht vom Effekt her meinem ersten Absatz: Dort wird die Verwundung unabhängig davon ausgewürfelt, wieviel Schaden die Rüstung durchdrungen hat, so lange die Rüstung überhaupt durchdrungen wurde.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 14.11.2012 | 15:51
@Tigger

Ah, ok jetzt verstehe ich deinen Punkt. Ja, aus diesem Gesichtspunkt betrachtet sind andere Regeln für (nennen wir es) Schwere Waffen wichtig.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Grey am 14.11.2012 | 15:54
Bei Direkttreffern zünden RPGs gegen Menschen aber bei Weitem nicht immer und man hat "nur" die Verletzung durch das Geschoss.
Ich wußte gar nicht, daß Rollenspiele so explosiv sein können. (SCNR ~;D)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 14.11.2012 | 18:24
Siehste mal, wieder was dazu gelernt ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 14.11.2012 | 19:58
Und jemand mit nennenswerter Kompetenz wird einen Troll nicht mit dem Dolch angreifen, da er schlichtweg das "ungeeignete Werkzeug" wäre. Nehmen wir ein noch offensichtlicheres Beispiel, Wespenstachel gegen Mensch. Da ist es (Gift+Allergie mal außen vor) scheißegal, wo die Wespe dich hinpiekst, sie hat keine Chance, (rein mechanisch) nennenswerten Schaden anzurichten.
rechtes Auge, linkes Auge
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Timo am 14.11.2012 | 20:25
Mundhöhle
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 14.11.2012 | 20:49
Kehlkopf bzw. Luftröhre..
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 14.11.2012 | 20:49
linker Ellenbogen
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: El God am 14.11.2012 | 20:55
in die Eichel
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ErikErikson am 14.11.2012 | 20:55
in den Steiß
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: El God am 14.11.2012 | 20:56
Oh ja, das ist kritisch. Da kann man sich gar nicht mehr hinsetzen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 14.11.2012 | 21:00
Zitat
in die Eichel
Autsch
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: El God am 14.11.2012 | 21:01
Wenden wir uns wieder dem Thema zu?  :)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 14.11.2012 | 21:05
*schmunzel* Och, warum denn.. zum Realismusteil ist von meiner Seite für den Moment erst mal alles gesagt.

Und an der Verregelung habe ich weniger Interesse als ihr, da ist eher euer Expertenwissen gefragt *lächel*
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Gummibär am 16.11.2012 | 01:41
Das hier flog noch auf meinem Notebook rum. Wen's nicht interessiert, der muss nicht drauf eingehen.

Genau deswegen sollen Waffen wie Werkzeuge behandelt werden: z.B. Kämpfst Du ohne passende Waffe: Kein Bonus. Kämpfst Du mit passender Waffe: +2 Bonus auf Angriff/Schaden/wasauchimmer

Nehmen wir mal ein Duell auf freiem Feld.
Fäuste: Sind unpassend.
Dolch: Ist offenbar besser. Gibt +2.
Schwert: Ist passend. Gibt +2.

Ein Schwert ist auf freiem Feld aber besser als ein Dolch.

Wenn man es jetzt von hinten aufzäumt:

Schwert: Ist passend. Gibt +2.
Dolch: Ist offenbar schlechter. Gibt +0.
Fäuste: Sind unpassend. Gibt +0.

Dolche sind auf freiem Feld aber besser als Fäuste.



Fazit: Nur ein Bonus für "passend oder nicht" reicht nicht aus. Es braucht mehr Abstufungen. (Wenn man realistische Boni will. Wer das gar nicht will, der kann natürlich drauf verzichten.)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ChristmasFrog am 16.11.2012 | 06:25
Dolche sind auf freiem Feld aber besser als Fäuste.
Stimmt zwar, wenn einer den Dolch hat, und der andere nicht. Bei Schwert vs. Dolch und Schwert vs. Faust kann der waffenlose Kämpfer z.B. den Schwertkämpfer zu Boden ringen und kampfunfähig machen. Er macht allerdings eine andere Art von Schaden, als der Dolch.

Noch eine Anmerkung: wenn der Schwertkämpfer eine Rüstung hat (+2), dann könnte der Dolchkämpfer diesen Bonus kompensieren (ebenfalls +2, weil passendes Werkzeug?). Aber allein dieser Diskussionsbedarf, wann der Bonus passend ist und wann nicht, könnte für Dein Spielziel hinderlich sein.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: 6 am 16.11.2012 | 07:24
@Gummibär:
Deine Beispiele auf Werkzeuge umgestellt, würden gleiche Ergebnisse bringen (Ein Elektroschrauber ist besser zum Schrauben "im freien Feld" als ein Schraubenzieher. Ein Schraubenzieher ist besser als ohne Werkzeug). Der +2-Bonus war ein reines Beispiel. Wie die Werkzeugregeln dann genau aussehen, wäre eine Frage des Detailreichtums des vorgegebenen Systems.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Maarzan am 16.11.2012 | 11:57
Stimmt zwar, wenn einer den Dolch hat, und der andere nicht. Bei Schwert vs. Dolch und Schwert vs. Faust kann der waffenlose Kämpfer z.B. den Schwertkämpfer zu Boden ringen und kampfunfähig machen. Er macht allerdings eine andere Art von Schaden, als der Dolch.

Noch eine Anmerkung: wenn der Schwertkämpfer eine Rüstung hat (+2), dann könnte der Dolchkämpfer diesen Bonus kompensieren (ebenfalls +2, weil passendes Werkzeug?). Aber allein dieser Diskussionsbedarf, wann der Bonus passend ist und wann nicht, könnte für Dein Spielziel hinderlich sein.

Ein Dolch ist auch nicht besser als die Faust, denn der hindert beim Rennen und gefährdet den Angreifer. So rennt der Unbewaffnete einfach weg und wenn der Verfolger dann strauchelt und sich an einem Steinbewußtlos schlägt nimmt er dessen Dolch und sticht ihn ab. Ohne Dolch hätte er das gar nicht gekonnt ... !!!
Außerdem könnte der Verfolger beim Rennen oder straucheln sich den Dolch in einen wichtigen Körperteil rammen und so direkt sterben.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Mann ohne Zähne am 16.11.2012 | 12:01
Fazit: Nur ein Bonus für "passend oder nicht" reicht nicht aus. Es braucht mehr Abstufungen. (Wenn man realistische Boni will. Wer das gar nicht will, der kann natürlich drauf verzichten.)

Ich handhabe das immer so, daß die Waffe, die der anderen gegenüber situationsbedingt im Vorteil ist, einen Bonus bekommt. Also:

- Kampf auf freiem Feld, Schwert gegen Dolch: Schwert ist im Vorteil, deshalb Bonus aufs Schwert

- Kampf im engen Tunnel, Schwert gegen Dolch: Dolch ist im Vorteil, deshalb Bonus auf den Dolch
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 16.11.2012 | 15:39
OK, damit entzündet man doch aber wieder endlose Diskussionen, welche Waffe denn nun situationsbedingt besser ist.
Spieler 1: Meine Waffe ist in dieser Situation besser.
Spieler 2: Nein, meine Waffe ist in dieser Situation besser.

Wenn es aber feste Werte für Schaden, Panzerbrechung etc. gibt, dann fallen diese Streitereien weg. Dann wendet man einfach diese festen Werte an.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Mann ohne Zähne am 16.11.2012 | 16:58
Wieso Diskussionen?

Wenn es jemanden in der Gruppe gibt, der Erfahrung im Waffenkampf hat, ist der der Experte und sein Wort zählt.

Wenn sich niemand damit auskennt, gilt, wie immer, das Wort des Spielleiters.

Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Taschenschieber am 16.11.2012 | 17:11
Wenn es jemanden in der Gruppe gibt, der Erfahrung im Waffenkampf hat, ist der der Experte und sein Wort zählt.

Setzt aber fair miteinander umgehende Spieler voraus, spätestens wenn der Experte "befangen" ist.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 16.11.2012 | 17:12
@Mann ohne Zähne
Wenn sich jemand mit Waffenkampf auskennt, ist das super und die Regel ist optimal. - Man muss halt nur dafür Sorge tragen, dass der Experte jedesmal anwesend ist, wenn man wieder kämpft.

Beim SL ist das Problem (so er kein Waffenkampfexperte ist), dass seine Entscheidungen genau so willkürlich wie die der Spieler sind. Das heißt, es kann schnell zu unfrieden führen, wenn man mit der Entscheidung des SLs nicht zufrieden ist.

Hinzu kommt noch, dass der SL selber alleine im Regen stehen gelassen wird, weil er sich jetzt aus den Fingern saugen muss, welche Waffe besser ist. Zumindest ich als SL schrecke vor soclhen Entscheidungen zurück und überlasse diese Entscheidungen lieber einem Regelwerk.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Dr. Shoggoth am 16.11.2012 | 19:14
Also ich sehe da auch schon mehrstündige Disskusionen vor mir. Am besten hat dann noch jemand Deadliest Warrior und Galileo geschaut und bezeichnet sich als Experten.
Ich bin da eher für Balancing unter den Waffenklassen mit festen Werten. So im Stil von:
Streitkolben und Schwert machen gleichen Schaden, Streitkolben gibt dem Anwender aber -1 Verteidigung, aber ist 1 Punkt Panzerbrechend etc...
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Gummibär am 17.11.2012 | 04:55
@ Maarzan

Ich vermute, dass das Ironie sein soll, dann bitte kennzeichnen. Z.B. mit dem Ironie-Smiley.



Ich handhabe das immer so, daß die Waffe, die der anderen gegenüber situationsbedingt im Vorteil ist, einen Bonus bekommt. Also:

- Kampf auf freiem Feld, Schwert gegen Dolch: Schwert ist im Vorteil, deshalb Bonus aufs Schwert

- Kampf im engen Tunnel, Schwert gegen Dolch: Dolch ist im Vorteil, deshalb Bonus auf den Dolch

Bis dahin sind wie beide uns einig. Meine Forderung ist zusätzlich, wenn der Dolchkämpfer seiner Waffe verliert und also Schwert gegen Faust kämpft, dann sollte der Bonus aufs Schwert höher sein als bei Schwert gegen Dolch auf freiem Feld.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Hróđvitnir (Carcharoths Ausbilder) am 17.11.2012 | 05:02
Am besten hat dann noch jemand Deadliest Warrior und Galileo geschaut und bezeichnet sich als Experten.

Ich finde, das ist ein unziemlicher Angriff auf die wissenschaftliche Basis von 95% aller Kampfsysteme. Diese schneidende Ironie ist einer vertrauensvollen, ruhigen Diskussion nicht zuträglich.

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 17.11.2012 | 14:27
@Maarzan
Zitat
Ein Dolch ist auch nicht besser als die Faust, denn der hindert beim Rennen und gefährdet den Angreifer. So rennt der Unbewaffnete einfach weg und wenn der Verfolger dann strauchelt und sich an einem Steinbewußtlos schlägt nimmt er dessen Dolch und sticht ihn ab. Ohne Dolch hätte er das gar nicht gekonnt ... !!!
Außerdem könnte der Verfolger beim Rennen oder straucheln sich den Dolch in einen wichtigen Körperteil rammen und so direkt sterben.

Da muss ich leider intervenieren. Ein Dolch oder Messer in der Hand eines auch nur halbwegs geübten Kämpfers behindert diesen nicht beim Rennen. Wie auch? Es gerät ihm (aufgrund seiner Kürze) nicht "zwischen die Beine" oder "hängt" ähnlich wie eine Langwaffe in der Scheide (Degen, Schwert) nicht "an der Seite rum".

Wer hinfällt hat immer ein Risiko sich zu verletzen, unabhängig davon ob er bewaffnet ist oder nicht. Beim Laufen mit einer Kurzwaffe (Messer, Dolch) die Klinge so zu halten, das man sie sich "irgendwo rein rammen kann" ist einfach nur sträflicher Leichtsinn... und der bestraft sich unabhängig von der Waffe ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Maarzan am 17.11.2012 | 14:41
@Maarzan
Da muss ich leider intervenieren. Ein Dolch oder Messer in der Hand eines auch nur halbwegs geübten Kämpfers behindert diesen nicht beim Rennen. Wie auch? Es gerät ihm (aufgrund seiner Kürze) nicht "zwischen die Beine" oder "hängt" ähnlich wie eine Langwaffe in der Scheide (Degen, Schwert) nicht "an der Seite rum".

Wer hinfällt hat immer ein Risiko sich zu verletzen, unabhängig davon ob er bewaffnet ist oder nicht. Beim Laufen mit einer Kurzwaffe (Messer, Dolch) die Klinge so zu halten, das man sie sich "irgendwo rein rammen kann" ist einfach nur sträflicher Leichtsinn... und der bestraft sich unabhängig von der Waffe ;)

Nachtrag:  :Ironie:.

Es hätte aber die theoretische Chance dazu bestanden (weil alles > 0 ist ja eine Chance und damit eine reguläre Möglichkeit, die gleichberechtigt zu berücksichtigen ist ...)  Und diese Denkweise zieht sich hier häufiger anzutreffend durch die Diskussion.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 17.11.2012 | 14:59
*schmunzel* Natürlich, die Chance besteht immer. Unabhängig vom Kenntnisstand des Anwenders.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Mann ohne Zähne am 17.11.2012 | 15:53
Beim SL ist das Problem (so er kein Waffenkampfexperte ist), dass seine Entscheidungen genau so willkürlich wie die der Spieler sind. Das heißt, es kann schnell zu unfrieden führen, wenn man mit der Entscheidung des SLs nicht zufrieden ist.

Ich bin a) viel zu alt, und b) viel zu Old School, um mich auf so blödsinnige Diskussionen am Tisch einzulassen. Das Wort des SL ist fucking law, so einfach ist das. Wenn sich jeder am Tisch an die eine Regel hält -- "Don't be a dick" --, ist dieses ganze politisch-korrekte Bedenkenträgertum einfach kein Thema.  :gasmaskerly:

Zitat
Hinzu kommt noch, dass der SL selber alleine im Regen stehen gelassen wird, weil er sich jetzt aus den Fingern saugen muss, welche Waffe besser ist. Zumindest ich als SL schrecke vor soclhen Entscheidungen zurück und überlasse diese Entscheidungen lieber einem Regelwerk.

Auch da sehe ich die Old School als guten Lehrmeister. Was, keine expliziten Werte für Waffenvergleich? -- Mach sie selber, SL! Wenn du das nicht schaffst... gib dein Amt ab.

Sorry, aber bei solchen Diskussionen habe ich eine sehr kurze Lunte. Das sind doch alles keine Rollenspielprobleme, himmelnochmal.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 17.11.2012 | 16:17
gib dein Amt ab.
Das würde ich liebend gerne. Aber es findet sich kein Nachfolger.

Und da bin ich der Meinung: "Lieber ein schlechter SL(ich) als gar kein SL."

Aber mit einem guten Regelwerk kann auch ein schlechter SL verdammt gute ABs generieren.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 17.11.2012 | 23:56
@ Mann ohne Zähne
Kann ich nur unterschreiben. Old School AD+D hat mir beigebracht a) mal fix eine Regel aus den Fingern zu saugen (da es zu vielen Situationen schlicht keine gab) und b) große Gruppen (8-10 Spieler) zu leiten weil ich schlicht nicht wusste das "das nicht geht".

Also musste es gehen. Glücklicherweise habe ich immer wieder Gruppen gehabt die "der SL hat das letzte Wort" als Grundregel des RPG gesehen haben. Da ich mir ihr Vertrauen erarbeitet habe gab es selten Klagen. Und kaum Regeldiskussionen. Wenn, konnten wir sie meist kurz halten so das unser Spiel nicht darunter gelitten hat.

Lag vielleicht an Regel 2 "Dont be a dick".

Ob sich das nach Gejammer über die "gute alte Zeit" anhört ist mir schlicht ziemlich egal. Ich bin dankbar darüber das es inzwischen bessere Regelmechanismen gibt, und über die Erfahrung die ich im Lauf der Jahre gewonnen habe. Aber es war trotz allem nicht finsterstes DungeonCrawl-Mittelalter, sondern hat ne Menge Spass gemacht.

Und mir einen Haufen über Plausibilität instinktiv eingebläut. Wenn du eine Hausregel nicht plausibel "verkaufen" konntest hattest du auch damals Probleme mit deiner Gruppe..
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Gummibär am 20.11.2012 | 17:39
Es hätte aber die theoretische Chance dazu bestanden (weil alles > 0 ist ja eine Chance und damit eine reguläre Möglichkeit, die gleichberechtigt zu berücksichtigen ist ...)  Und diese Denkweise zieht sich hier häufiger anzutreffend durch die Diskussion.

Kommt auf die Auflösung drauf an. Wenn man mit simpel-w20 spielt, dann sind Dinge, die gerundet nicht auf 5% kommen, irrelevant.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 13.03.2014 | 23:19
So, ein wenig Threadnekromantie:
Wir hatten in der Diskussion hier auch über die 21-Foot-Rule geredet. Heute stolperte ich über ein sehr gutgemachtes Video dazu, das einige Gedanken weiterdenkt.. und zudem auch cool ist, da zwei wahre Könner beteiligt sind :)

http://www.youtube.com/watch?v=2fjMpn7JCJ0&list=PLse_Q8KwMv_isVeeVToitSoSL2lZZfsCj
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: OldSam am 14.03.2014 | 00:46
Die These hat definitiv etwas wahres, aber man muss da sehr aufpassen wie weit das tatsächlich reicht... (also wenn es um Plausibilität geht, nicht um Gameplay-Geschmacksrichtungen o.ä.)

Auf der einen Seite kann schon ein Kugelschreiber in der Hand eines geübten Kämpfers viel Schaden anrichten... Durchaus korrekt.

Auf der anderen Seite:
Besonders wenn es um Schusswaffen geht, gibt es viele Situationen wo die Fähigkeit des Anwenders offensichtlich nichts mit dem Schadenspotential zu tun hat. Am deutlichsten wird dies bei automatischen Abschuss-Vorrichtungen, sei es nur ein simpler Seilzug am Auslöser, es gibt gar keinen "Anwender" mehr, der den Schuss präzisieren könnte. Eine andere Situation wären z.B. Treffer gegen vollgepanzerte Ziele, wenn meine 6,5 x 55 mm Mauser zu schwach ist und ich keine ungepanzerte/schlecht-gepanzerte Stelle erreichen kann, nützt es mir für die Schadenswirkung auch nichts, wenn ich der beste Schütze der nördlichen Hemisphäre bin...

Und um zum Nahkampf zurückzugehen:
Man sollte bedenken, dass die (Un)Fähigkeit des Anwenders immer auch beim Schaden zur Geltung kommt, da er weniger oder öfter trifft! D.h. in der Summe bestimmt ohnehin die Kompetenz des Anwenders den Schaden, weil der Ungeübte es kaum schafft Schaden zu verursachen (auf der richtigen Seite jedenfalls :p)

edit:
ah, jetzt habe ich auch zu spät gesehen, dass der thread schon alt war, naja wat solls, trotzdem ganz interessant ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 14.03.2014 | 09:18
So, ein wenig Threadnekromantie:
Wir hatten in der Diskussion hier auch über die 21-Foot-Rule geredet. Heute stolperte ich über ein sehr gutgemachtes Video dazu, das einige Gedanken weiterdenkt.. und zudem auch cool ist, da zwei wahre Könner beteiligt sind :)

http://www.youtube.com/watch?v=2fjMpn7JCJ0&list=PLse_Q8KwMv_isVeeVToitSoSL2lZZfsCj

Danke!

Ich finde sowohl das Video als auch die Einzelepisoden spannend.

Wichtig auch: Wenn sich der Pistolenkämpfer fallen lässt ist das für den Messerkämpfer ein Problem: Er hat plötzlich mit den Schuhen zu kämpfen und muss seine Richtung wechseln.

Oder wegrollen… (ich dachte immer, runtergehen ist doof)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 14.03.2014 | 09:22
Und um zum Nahkampf zurückzugehen:
Man sollte bedenken, dass die (Un)Fähigkeit des Anwenders immer auch beim Schaden zur Geltung kommt, da er weniger oder öfter trifft! D.h. in der Summe bestimmt ohnehin die Kompetenz des Anwenders den Schaden, weil der Ungeübte es kaum schafft Schaden zu verursachen (auf der richtigen Seite jedenfalls :p)

Es gibt auch einige Spiele, in denen die Fertigkeit des Charakers aktiv mit in den Schaden eingeht. Beispiele: Shadowrun und Dungeonslayers und 1w6 (Eigenwerbung ☺).

Für Ante Portas (http://1w6.org/deutsch/regeln/downloads/ante-portas-v01) hat Ben ein Modul geschrieben, mit dem abgedeckt werden soll, dass Waffen gegen bestimmte andere Arten von Waffen effektiver sind: ReKa (http://1w6.org/forum/allgemeines/regeln-welten-ideen/2012-06-12-reka-realistische-k-mpfe-549). Er versucht damit dem Kampf eine Schere-Stein-Papier-Eigenschaft zu geben. Ich kenne etwas ähnliches aus einem Computerspiel (Namen gerade vergessen), wobei es da einfacher war: Schwerter gegen Lanzen gegen Äxte (da waren Pfeile dazwischen die sagten, was gut gegen was ist - dummerweise habe ich vergessen in welche Richtung ☺). In meiner Hauptrunde sind wir bisher leider noch nicht zum Testen des Moduls gekommen, weil die Komplexität weit über dem liegt, was wir normalerweise nutzen (jeder Waffe nochmal 3 weitere Werte geben). Er hatte das Modul sogar geschrieben, bevor der Thread hier anfing…

Es gibt übrigens einen Unterschied zwischen Waffenschaden und Fertigkeit: Der Waffenschaden ist nur relevant, wenn du triffst. Als Beispiel: Luke Skywalker schlägt mit dem Laserschwert daneben. Heftigeres Beispiel: Eine Waffe, die bei Berührung sofort tötet - egal ob Rüstung oder Körper. Entweder du triffst, dann ist der Gegner tot. Oder du triffst nicht, dann ist der Gegner unberührt.

Zitat
edit:
ah, jetzt habe ich auch zu spät gesehen, dass der thread schon alt war, naja wat solls, trotzdem ganz interessant ;)
Das habe ich gesehen, aber ich finde das Thema trotzdem klasse ☺

Habe allerdings nur bis Seite 4 gelesen und bin dann zur letzten Seite gesprungen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 14.03.2014 | 10:45
Zitat
Wenn sich der Pistolenkämpfer fallen lässt ist das für den Messerkämpfer ein Problem: Er hat plötzlich mit den Schuhen zu kämpfen und muss seine Richtung wechseln.
Oder wegrollen… (ich dachte immer, runtergehen ist doof)

Dabei sprechen wir (im Kali) von einem sogenannten Level Change... klotzig ins Deutsche übersetzt ein "Höhenwechsel". Ist durchaus nicht unbekannt, und bietet eine Reihe neuer Optionen.

Der Messerkämpfer hat noch (mindestens) ein weiteres Problem: Stell dir seinen Angriff vor wie einen abgeschossenen Pfeil.. er geht zielgerade nach vorn, und trifft dort mit sehr viel Wucht auf. Solange das Ziel sich dort befindet ist der Vorteil klar auf der Seite des Angreifers.
Da sich Zero (der Schütze) aus der "Schusslinie" bewegt hat kann ihn der Angriff gar nicht mehr treffen. Folgenangriffe werden zudem schwieriger, da zwischen ihm und seinem Ziel die Füsse des "Verteidigers" sind. Gut, die können mit einem Messer angegriffen werden, sind aber potentiell in Bewegung.

Problem 2: Der "Verteidiger" ist sich des Angriffs bewusst und kann gezielt Gegenmassnahmen ergreifen.

Und ja, wegrollen wäre im Normallfall (zum selbst Schiessen) doof. Behalte aber im Hinterkopf das die beiden Kontrahenten Experten in ihrem Feld sind.. Sprich: Durch langjähriges Training mit ihren Waffen (und den taktischen Optionen die sie damit haben) steht beiden ein sehr viel weiteres Feld an Optionen zur Verfügung. Und natürlich auch ein höherer "Grundskill" in der Waffe selbst.
Und: Wegrollen bewahrt den "Verteidiger" davor, abgestochen zu werden. Imho ist es dadurch super ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 14.03.2014 | 12:20
Und: Wegrollen bewahrt den "Verteidiger" davor, abgestochen zu werden. Imho ist es dadurch super ;)
Jepp: „Ich bin nicht tot“ (oder tödlich verletzt) ist immer eine viel bessere Ausgangssituation als „Ich bin tot“ (aber wenigstens nicht auf dem Rücken!) ☺
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 14.03.2014 | 22:56
Besonders wenn es um Schusswaffen geht, gibt es viele Situationen wo die Fähigkeit des Anwenders offensichtlich nichts mit dem Schadenspotential zu tun hat. Am deutlichsten wird dies bei automatischen Abschuss-Vorrichtungen, sei es nur ein simpler Seilzug am Auslöser, es gibt gar keinen "Anwender" mehr, der den Schuss präzisieren könnte.

Jein.
Auch bei Fallen macht es durchaus einen Unterschied, ob der "Anwender" was davon versteht oder nicht.
Das wird ja von einigen Guerilleros quasi zur Kunstform erhoben.

Wichtig auch: Wenn sich der Pistolenkämpfer fallen lässt ist das für den Messerkämpfer ein Problem: Er hat plötzlich mit den Schuhen zu kämpfen und muss seine Richtung wechseln.

Oder wegrollen… (ich dachte immer, runtergehen ist doof)

Das Spielchen mit dem Richtungswechsel kann man gegen einen anstürmenden Angreifer auch spielen, ohne sich fallenzulassen oder zu rollen.

Dann kriegt man vielleicht auch sonst noch was gebacken - s.u..


Problem 2: Der "Verteidiger" ist sich des Angriffs bewusst und kann gezielt Gegenmassnahmen ergreifen.

Genau das ist das Problem.

Ich habe das Video schon gekannt und weiß immer noch nicht so recht, was ich davon halten soll.
Das kratzt mMn nur an der Oberfläche und zumindest von Doug Marcaida kann ich mir wesentlich Praxisnäheres/-relevanteres vorstellen.

Speziell zum Fallenlassen oder Rollen, mal ganz weg von Überlegungen in Richtung Platz bzw. generell Umgebungsfaktoren (die das allein schon kippen können):
Das ist eine derart diagnostische Geschichte, dass man es komplett abhaken kann.

Wie soll ich mich denn bei einem tatsächlich überraschenden Angriff aus unbekannter Distanz in einer halbwegs plausiblen Umgebung entscheiden, ob ich rollen will/soll*, wohin und ob ich dabei auch noch schieße.

*in Abhängigkeit davon, ob ein Messer vorhanden ist? Und in krassem Gegensatz zu dem, was man sonst so trainiert...

Das kann man mMn gar nicht sinnvoll systematisieren und auf ein anwendungssicheres Level bringen.

Ich würde gern mal sehen, wie so was in einem stressigem Szenarioaufbau mit recht hohem Kontaktlevel und mehreren Gegnern ausfällt. Das ist doch überall außerhalb des Labors kein "high percentage move", sondern die Abkürzung in eine Welt voll Scheiße.

Noch mal: Die Rolle selbst ist nicht das Problem. Rollen kann jeder mit ein bisschen Übung. Aber das kriegt man nicht sinnvoll in irgendein Konzept integriert, wenn es um Wahrnehmung, Diagnose und Ausführung geht (ich will jetzt nicht OODA-Loop sagen, weil mir der Begriff mittlerweile zu formlos und abgedroschen ist...aber genau das ist der Kern des Ganzen).

Bei einer halbwegs plausiblen Konstellation kann ich doch ehrlich betrachtet schon froh sein, wenn noch irgendwie die Hände hoch kommen und ich dann weiterwursteln kann.


In dem Zusammenhang stört mich an dem Video auch ein bisschen der Kaffeeklatsch- und Diskussionskerzenstil, in dem Techniken präsentiert werden.
Grad beim Fallenlassen kriegt der Schütze zwar den ersten Schuss raus, bevor der erste Stich oder Schnitt kommt - das wars dann aber auch schon und hat gar nicht so viel zu bedeuten.
Wenn man das weiter laufen lässt, hängt kurz danach der Messerangreifer auf ihm und beide sehen scheiße aus  :P ;)
Insbesondere, weil man als Schütze entweder die Füße zum Stoppen hoch nehmen oder schießen kann, nicht aber beides  ;)


Liegt vielleicht auch an der inhaltlichen Struktur des Videos und der Darstellungsabsicht, aber "zeitgemäß" ist eigentlich die Maxime, dass man sich als Schütze nicht zu sehr auf die Waffe verlassen darf. Die macht nämlich im Zweifelsfall auch mal gar nichts an Wirkung, und dann war es eine Riesenidee, alles an Mobilität oder grundsätzlicher Positionierung aufzugeben, um ein oder zwei Schuss rauszukriegen.

Ich gehe mal schwer davon aus, dass Zero nicht aus der MA-Ecke zum Schießen gekommen ist, weil der Fokus aufs Schießen bei ihm mehr als ausgeprägt ist (auch in anderen Videos, die er so online stehen hat).

Und ja, wegrollen wäre im Normallfall (zum selbst Schiessen) doof. Behalte aber im Hinterkopf das die beiden Kontrahenten Experten in ihrem Feld sind.. Sprich: Durch langjähriges Training mit ihren Waffen (und den taktischen Optionen die sie damit haben) steht beiden ein sehr viel weiteres Feld an Optionen zur Verfügung. Und natürlich auch ein höherer "Grundskill" in der Waffe selbst.

Da will ich jetzt aber mal nachbohren  ;)

Was haben denn beide so viel mehr an Optionen wie ein durchschnittlich Geübter?
(Es geht ja irgendwo auch darum, dass selbst Doug enorme Schwierigkeiten hat, seinen ersten Angriff durchzubringen, obwohl er so gut ist.)

Keiner von beiden fängt da groß an zu hexen.
“An expert is a master of the basics” - die machen nichts grundsätzlich anders, nur besser als andere.

Und wenn man den Stresslevel hoch fährt, sieht auf einmal wieder jeder Scheiße aus. Dann erkennt man die "Experten" daran, dass sie überhaupt irgendwas halbwegs auf die Reihe kriegen und nicht komplett ins Klo greifen.

Man vergleiche mal die schön anzuschauenden Sachen aus den FMA und das, was z.B. bei Dog Brothers-Treffen davon übrig bleibt.
Gibts genau so auch für den Schusswaffensektor...schön tiefenentspannt auf dem Schießstand der tolle Hecht, und wenn mal nur ein paar doofe Plastikkugeln zurück kommen oder man von einer Geraden angeklingelt wird, ist man auf einmal blöd wie zehn Meter Feldweg und kann so Späße wie Nachladen in 0,x Sekunden aber mal dermaßen vergessen...   
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 15.03.2014 | 00:36
Ich würde gern mal sehen, wie so was in einem stressigem Szenarioaufbau mit recht hohem Kontaktlevel und mehreren Gegnern ausfällt. Das ist doch überall außerhalb des Labors kein "high percentage move", sondern die Abkürzung in eine Welt voll Scheiße.

Bis du dahin kommst musst du erstmal den ersten Angriff überleben. Im Endeffekt sieht es im Video so aus, dass sie versuchen herauszufinden, wie nah ein Messerstecher kommen kann, damit jemand, der mit Schusswaffe geübt ist, gegen ihn nicht mehr bestehen kann.

Zitat
Grad beim Fallenlassen kriegt der Schütze zwar den ersten Schuss raus, bevor der erste Stich oder Schnitt kommt - das wars dann aber auch schon und hat gar nicht so viel zu bedeuten.
Wenn man das weiter laufen lässt, hängt kurz danach der Messerangreifer auf ihm und beide sehen scheiße aus  :P ;)
Insbesondere, weil man als Schütze entweder die Füße zum Stoppen hoch nehmen oder schießen kann, nicht aber beides  ;)
Als er zur Seite gefallen ist, war das nicht notwendig.

Das Setting ist:

- Überragende Fertigkeit Pistole
vs.
- Überragende Fertigkeit Messer
auf kurze Distanz.

Wenn du dem Schützen noch operationelle Nahkampffertigkeiten gibst, änderst du die Situation. Zumindest ist das, wie ich das Setting verstanden habe.

Das Fazit hier war glaube ich: „Der Schütze hat auf 7 Meter noch eine Chance, den ersten Treffer zu landen, aber nur, wenn er sich in eine langfristig taktisch unschöne Situation begibt“.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: OldSam am 15.03.2014 | 00:52
Jein.
Auch bei Fallen macht es durchaus einen Unterschied, ob der "Anwender" was davon versteht oder nicht.
Das wird ja von einigen Guerilleros quasi zur Kunstform erhoben.
Ja, man kann hier z.B. in der Richtung arbeiten bestimmte Annahmen zu treffen wie jemand sich bewegen kann/wird etc., in der Hinsicht ist das klar ;)
Von der Idee des Beispiels wollte ich ja nur zeigen, dass es bei so einer statischen Konstruktion sehr viel ausmacht was die Art der Waffe ist, wenn es z.B. eine kräftige Sprengstoff-Falle ist, wird sie auch bei einem ambitionierten Amateur einiges weghauen, während ein Fallen-Spezialist, der nur mit seinem Gewehr eine improvisierte Falle bauen kann, es trotz seiner Skills viel schwieriger hat...
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 15.03.2014 | 01:05
Nochmal kurz zu der Anwendbarkeit der Videos im echten Leben: Ich würde aus den Videos, die ich bisher gesehen habe (zu viele), und ein paar Jahren Hobby-Kampfsport in meiner Jugend sagen: Lederjacke und Kampfsport (aber deutlich mehr als das, was ich noch kann!) erhalten dich erstmal am Leben (das Messer trifft weder deine Innereien noch deinen Hals oder dein Gesicht). Dazu noch irgendwas hartes, um zurückschlagen zu können.

Oder halt Pfefferspray - ich habe mal ein Minimum davon eingeatmet: Wer das abkriegt, zielt erstmal nicht mehr sinnvoll, so dass ich wegrennen kann.

Das geht aber alles von einer heute realistischen Umgebung aus, in der ich nicht kontinuierlich angegriffen werde, sondern nur lebendig wegkommen muss. Für Leute, die jemanden wirklich festsetzen müssen (z.B. Polizisten) gilt das nicht mehr. Die sollten aber auch sinnvolle Schutzausrüstung haben (zumindest theoretisch). Messersichere Handschuhe wären da klasse - oder vielleicht einfacher: Jacken mit Unterarmschutz, so dass sie die Arme zur Abwehr nutzen können.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: OldSam am 15.03.2014 | 01:09
Es gibt auch einige Spiele, in denen die Fertigkeit des Charakers aktiv mit in den Schaden eingeht. Beispiele: Shadowrun und Dungeonslayers und 1w6 (Eigenwerbung ☺).

Klar, aber bei SR z.B. produzierte es durchaus auch fragwürdige Resultate finde ich, aber das würde ja jetzt eh offtopic.
Jedenfalls kann der Einfluss der Anwender-Fertigkeit auf den Schaden auch indirekter ersehen werden, z.B. - der wohl auch IRL wichtigste Fall - über die Trefferzonen.
Wenn ich einem Angreifer einen Faustschlag verpasse, entscheidet der Trefferbereich ganz maßgeblich über den Schaden (oft x-Mal so stark wirkend), sehr häufig ist es IRL sogar wichtiger als meine Schnellkraft in dem Moment. Das trivialste Beispiel hier der superharte Schlag vor den Brustkorb vs. der eher mäßige Schlag in den männlichen Genitalbereich; spricht ja für sich :p
Natürlich kann man das alles abstrahieren, also ganz ohne Trefferzonen, aber das bringt ja wie man weiss wieder regelmäßig andere problematischen Konstellationen ( Panzerung wird zu stark bzw. die "Verteilung" derselben kann gänzlich unplausibel gemacht werden etc.)
 
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 15.03.2014 | 01:15
Zurück on-topic: Hier ist ein schönes Video (vom gleichen Macher), das die Unterschiede zwischen Waffen aufzeigt: https://www.youtube.com/watch?v=j3qpXBegngk

Fähigkeiten von Nahkampfwaffen laut Video:

- Kann sie schneiden?
- Kann sie stechen?
- Hat sie Stoßwirkung? (blunt force)
- Kann sie greifen? (gekrümmte Waffen, “capture”)
- Kann sie einfangen und schnappen? (flexible Waffen, “wrap, snag, capture”)

Ich würde noch hinzufügen:

- Bietet sie zusätzliche Reichweite? (gegen andere Waffen - Schere, Stein, Papier ☺)
- Hat sie Masse? (Schwung für zusätzliche Schlagwirkung)
- Wie sehr behindert sie?

Allgemein vielleicht noch:

- Deckt sie Teile des Körpers? (wie z.B. ein Schild, aber auch Armschienen, Handschuhe und Leder-Kleidung)

Jede dieser Eigenschaften ermöglicht dir bestimmte Handlungsmöglichkeiten, die du ohne die Waffe nicht hast.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: OldSam am 15.03.2014 | 01:37
Nochmal kurz zu der Anwendbarkeit der Videos im echten Leben: Ich würde aus den Videos, die ich bisher gesehen habe (zu viele), und ein paar Jahren Hobby-Kampfsport in meiner Jugend sagen: Lederjacke und Kampfsport (aber deutlich mehr als das, was ich noch kann!) erhalten dich erstmal am Leben (das Messer trifft weder deine Innereien noch deinen Hals oder dein Gesicht). Dazu noch irgendwas hartes, um zurückschlagen zu können.
Eine Lederjacke ist bei nem Messerangriff definitiv hilfreich, aber auf sowas kann man sich ja erstmal nicht verlassen, ausser man würde grundsätzlich auch bei größerer Hitze etc. immer eine anziehen (was anderes ist natürlich eine bewaffnete Diensttätigkeit mit standardisierter Ausrüstung).
Das Sicherste und Beste was Du brauchst gegen einen Messerkämpfer ist Distanz zum Gegner und dazu die Aufmerksamkeit den Angriff oder besser noch die Intention des Angriffs so früh wie möglich zu erkennen. D.h. wenn Du ein gutes Auge hattest und schnell laufen kannst bist Du schon mal ganz gut dran, das empfiehlt Dir auch jeder erfahrene u. seriöse Nahkampfspezialist, der Messerabwehr unterrichtet (also jetzt abseits einer Schlachtfeldsituation :p).
Für die meisten Leute aus dem Zivilbereich gilt eigentlich tatsächlich, dass die beste Abwehr darin besteht "das Portemonaie hinzuwerfen" (zum einen ganz praktisch gesehen, wir werden wahrscheinlicher ausgeraubt als 'einfach so' umgebracht, zum anderen gilt dieser Denkansatz natürlich auch im übertragenen Sinne für verschiedene Situationsvarianten).
Wenn man Kampfsport gemacht hat ist das erstmal grundsätzlich gut, aber bevor man wirklich daran denkt vielleicht etwas zu versuchen, sollte man sich genauer fragen, war es Kampf-Sport oder wirklich auf Selbstverteidigung ausgerichtet? (Das einfachste Erkennungsmerkmal von Sport sind Wettkämpfe (= Regeln); d.h. z.B. sowas wie Judo sollte man auf keinen Fall gegen Messer versuchen). Um die Kenntnisse wirklich sinnvoll einzusetzen, darf man nicht in der Denkweise von Regeln trainiert haben, sondern muss gelernt haben im Mindset Selbstverteidigung und Überleben zu agieren (oder man hat Kollegen und Waffen etc.) Grundsätzlich gilt für einen selbst: Alles kann passieren und Du hast oft keine 2. Chance.


Oder halt Pfefferspray - ich habe mal ein Minimum davon eingeatmet: Wer das abkriegt, zielt erstmal nicht mehr sinnvoll, so dass ich wegrennen kann.

Wenn Du es da hast, rechtzeitig und korrekt einsetzen kannst ist das Zeug sehr oft echt powerful... *autsch* (gibt allerdings trotzdem seltene Fälle wo es nicht richtig wirkt, das sollte man im Hinterkopf behalten)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 15.03.2014 | 01:50
Klar, aber bei SR z.B. produzierte es durchaus auch fragwürdige Resultate finde ich, aber das würde ja jetzt eh offtopic.

...weil?  wtf? :)

Im Endeffekt sieht es im Video so aus, dass sie versuchen herauszufinden, wie nah ein Messerstecher kommen kann, damit jemand, der mit Schusswaffe geübt ist, gegen ihn nicht mehr bestehen kann.
...
Wenn du dem Schützen noch operationelle Nahkampffertigkeiten gibst, änderst du die Situation. Zumindest ist das, wie ich das Setting verstanden habe.

Das ist ja der Grund, warum mir das Video nicht so 100% gefällt: In dieser Form ist das eine Fingerübung wie das Gedankenspiel Samurai vs. Ritter oder solche Geschichten.

Wenn das der ganze Hintergrund war, ok, soll mir recht sein.

Aber damit ist es dann weder "state of the art" noch sonderlich praxisrelevant. 

Oder halt Pfefferspray - ich habe mal ein Minimum davon eingeatmet: Wer das abkriegt, zielt erstmal nicht mehr sinnvoll, so dass ich wegrennen kann.

Ich habe schon ganz schön viel Pfefferspray abgekriegt und bin nach wie vor der Meinung, dass die sinnvollen Anwendungsbereiche für den Normalbürger relativ schmal sind und mit steigendem sonstigen Training noch weniger relevant werden.

Die sollten aber auch sinnvolle Schutzausrüstung haben (zumindest theoretisch). Messersichere Handschuhe wären da klasse - oder vielleicht einfacher: Jacken mit Unterarmschutz, so dass sie die Arme zur Abwehr nutzen können.

Messersichere (bzw. schnitthemmend...messersicher gibt es genau so wenig wie kugelsicher) Handschuhe sind schön, wenn man nichts machen muss. Irgendwo an der Tür stehen - super, her damit.
Aber sobald man auch irgendwas mit seinen Händen tut, kann man davon ausgehen, dass man sie meistens nicht an hat, wenn man sie bräuchte.

Gilt so ähnlich für die "gepanzerte" Jacke, wobei da wohl noch eher Spielraum wäre.
Das würde aber voraussetzen, dass
a) das auch gezielt und intensiv genug trainiert wird - Fehlanzeige.
b) entsprechend geeignetes Material beschafft wird - wieder Fehlanzeige, gerade angesichts des "Abstieges" der Lederjacken in vielen Bundesländern bei der Umstellung von Grün auf Blau. Gibts zwar vielerorts offiziell noch, aber sieht man aus diversen Gründen viel seltener.

Auf aktive Messerangreifer darf(/soll) übrigens geschossen werden. Alles andere ist "Kulanz", Unsicherheit/falsche Gutmütigkeit etc. pp..


Jede dieser Eigenschaften ermöglicht dir bestimmte Handlungsmöglichkeiten, die du ohne die Waffe nicht hast.

Stumpfe Gewalteinwirkung, Greifen, Einfangen und - zugegebenermaßen begrenzter - Decken/Schützen: geht auch alles ohne.
Grad greifen mit Waffen ist was, das man bei Vollgas nur noch ganz selten sieht.

Wenn Du es hast und rechtzeitig einsetzen kannst ist das Zeug sehr oft echt powerful... (gibt allerdings auch seltene Fälle wo es nicht richtig wirkt, das sollte man im Hinterkopf behalten)

So selten sind die Fälle gar nicht - i.d.R. wegen Handhabungsfehlern oder ungeeigneter Situation. Wenn der Gepfefferte noch greifen kann oder schon an dir hängt, ist es ggf. ziemlich egal...
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: OldSam am 15.03.2014 | 01:55
So selten sind die Fälle gar nicht - i.d.R. wegen Handhabungsfehlern oder ungeeigneter Situation. Wenn der Gepfefferte noch greifen kann oder schon an dir hängt, ist es ggf. ziemlich egal...

Jo das stimmt auf jeden Fall...  Ich meinte jetzt aber v.a. Fälle von Leuten, deren Organismus aus irgendwelchen Gründen nicht so stark auf das Pfefferzeug reagiert, das ist schon relativ selten soweit mir bekannt ist (kommt vielleicht auch drauf an wo man rumrennt :p), gibt's aber halt... (kann auch z.B. wegen Drogen sein etc.)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 15.03.2014 | 13:08
An YY:

Zitat
Ich habe das Video schon gekannt und weiß immer noch nicht so recht, was ich davon halten soll.
Das kratzt mMn nur an der Oberfläche und zumindest von Doug Marcaida kann ich mir wesentlich Praxisnäheres/-relevanteres vorstellen.

Wenn ich mir das Video so ansehe, und dabei in Betracht ziehe wie Doug und Zero die Sitiation kommentieren ging es ihnen (bei diesem Durchlauf) nicht um Praxisnähe sondern Erkenntnisgewinn. Beide betonen mehrmals, das es eine künstliche Situation ist und daher nicht "realistisch". Aus dieser Warte verstehe ich dein Problem mit dem Video nicht.

Ich könnte die Kritik nachvollziehen, wenn einer (oder beide) es als den letzten "heissen Scheiss" in Punkto Knife vs Gun verkauft hätten.

Zitat
Speziell zum Fallenlassen oder Rollen, mal ganz weg von Überlegungen in Richtung Platz bzw. generell Umgebungsfaktoren (die das allein schon kippen können):
Das ist eine derart diagnostische Geschichte, dass man es komplett abhaken kann.

Etwas anderes wurde auch nie behauptet. Diagnose, Erkenntnisgewinn.. und ab dem Zeitpunkt kann man gezielt an dem Problem arbeiten. So wie ich ihn verstehe wollte Doug die "21-Foot-Rule" unter verschärften (Skill)bedingungen austesten. Wobei es in dem Video imho maximal 3 Meter Abstand waren - auf Wunsch von Zero, der es für unwahrscheinlich hielt, einen derartigen Angriff früher wahrzunehmen.

Zitat
Wie soll ich mich denn bei einem tatsächlich überraschenden Angriff aus unbekannter Distanz in einer halbwegs plausiblen Umgebung entscheiden, ob ich rollen will/soll*, wohin und ob ich dabei auch noch schieße.

*in Abhängigkeit davon, ob ein Messer vorhanden ist? Und in krassem Gegensatz zu dem, was man sonst so trainiert...

Das kann man mMn gar nicht sinnvoll systematisieren und auf ein anwendungssicheres Level bringen.

Unterhalt dich mit den Soldaten der philipinischen Force Recon Marines. Die werden dir was anderes erzählen.
Da die Jungs regelmässig in den Slums bzw. den Konfliktzonen (mit) der Abu Sayyaf eingesetzt werden haben sie die gelehrten Taktiken in der Praxis "austesten" müssen. Und dabei recht schnell gesehen, was davon taugt.

Zitat
Ich würde gern mal sehen, wie so was in einem stressigem Szenarioaufbau mit recht hohem Kontaktlevel und mehreren Gegnern ausfällt. Das ist doch überall außerhalb des Labors kein "high percentage move", sondern die Abkürzung in eine Welt voll Scheiße.

Noch mal: Die Rolle selbst ist nicht das Problem. Rollen kann jeder mit ein bisschen Übung. Aber das kriegt man nicht sinnvoll in irgendein Konzept integriert, wenn es um Wahrnehmung, Diagnose und Ausführung geht (ich will jetzt nicht OODA-Loop sagen, weil mir der Begriff mittlerweile zu formlos und abgedroschen ist...aber genau das ist der Kern des Ganzen).

Bei einer halbwegs plausiblen Konstellation kann ich doch ehrlich betrachtet schon froh sein, wenn noch irgendwie die Hände hoch kommen und ich dann weiterwursteln kann.

Dann schlage ich vor, du fragst Doug (oder die beiden) an.. mehr lässt sich dazu nicht sagen. Ich bin sicher, wenn die Spesen gedeckt sind machen die beiden da auch gerne mit. Mag jetzt provokativ klingen.. ist aber so. Anders wirst du das kaum zu sehen kriegen.

Zur Rolle: Deine Behauptung zeigt mir - oder ich interpretiere sie so - das in eurem Training Rollen eher die Ausnahme als die Regel sind. Zugegeben, anfangs sind sie ungewohnt und desorientierend. Nach einer Weile bist du es gewohnt und hast keine nennenswerten Probleme mehr damit.

Ich werde nicht behaupten, das Rollen und Bodenkampf ideal sind. Es sind und bleiben die letzten Optionen die ich wahrnehmen will.. vor allem mit dem Hintergedanken das ich es mit mehreren Gegner zu tun bekomme.
Aber: Lieber trainiere ich etwas um es nie anwenden zu müssen.. und kann es im Zweifelsfall ;)

Im Übrigen: Erzähl das mal den Pencak Silat-Jungs, das Rollen nicht bringt ;)


Ich geh auf den Rest gern später ein.. jetzt muss ich aber erst mal für die Familie kochen.. sonst hab ich ganz andere Probleme. Die hungrige Horde übermannt mich im Zweifelsfall dann doch recht fix ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 15.03.2014 | 15:15
Satt und etwas müde nach dem leckeren Essen gibts eine weitere Antwort:

Zitat
In dem Zusammenhang stört mich an dem Video auch ein bisschen der Kaffeeklatsch- und Diskussionskerzenstil, in dem Techniken präsentiert werden.
Grad beim Fallenlassen kriegt der Schütze zwar den ersten Schuss raus, bevor der erste Stich oder Schnitt kommt - das wars dann aber auch schon und hat gar nicht so viel zu bedeuten.
Wenn man das weiter laufen lässt, hängt kurz danach der Messerangreifer auf ihm und beide sehen scheiße aus  :P ;)
Insbesondere, weil man als Schütze entweder die Füße zum Stoppen hoch nehmen oder schießen kann, nicht aber beides  ;)


Liegt vielleicht auch an der inhaltlichen Struktur des Videos und der Darstellungsabsicht, aber "zeitgemäß" ist eigentlich die Maxime, dass man sich als Schütze nicht zu sehr auf die Waffe verlassen darf. Die macht nämlich im Zweifelsfall auch mal gar nichts an Wirkung, und dann war es eine Riesenidee, alles an Mobilität oder grundsätzlicher Positionierung aufzugeben, um ein oder zwei Schuss rauszukriegen.

Noch einmal: Die Idee hinter dem Video war nicht eine Reihe von Gegenmaßnahmen in Videoform zu präsentieren. Ich verstehe die Intention so, das sie die Allgemeingültigkeit der 21-Foot-Rule unter verschärften Bedingungen testen wollen. Denn die 21-Foot-Rule sagt nichts anderes als die allgemeine Distanz unter der ein normaler Schütze bei einem anrennenden Angreifer nicht mehr zur erfolgreichen Schussabgabe kommt.

Die Regel sagt nichts über Stopwirkung, Gegenmaßnahmen, Wahrnehmung, Umgebungsfaktoren. Es ist eine abstrahierte Regel. Nicht mehr, nicht weniger.


Und ich gehe weiterhin davon aus, das Doug die Nase voll davon hatte, mit Laien zu trainieren ;)

Zitat
Ich gehe mal schwer davon aus, dass Zero nicht aus der MA-Ecke zum Schießen gekommen ist, weil der Fokus aufs Schießen bei ihm mehr als ausgeprägt ist (auch in anderen Videos, die er so online stehen hat).

Ja, meines Wissens nach. Ich vermute, eine militärische Ausbildung, konnte aber bis jetzt nicht allzuviel finden.


Zitat
Was haben denn beide so viel mehr an Optionen wie ein durchschnittlich Geübter?
(Es geht ja irgendwo auch darum, dass selbst Doug enorme Schwierigkeiten hat, seinen ersten Angriff durchzubringen, obwohl er so gut ist.)

Höhere Grundfitness, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Vertrautheit mit der Waffe. Höhere Gewöhnung an Stress. Allein diese drei sorgen schon für mehr taktische Optionen.
Jemand, der allein schon langsamer und unbeweglicher ist bleibt auf weniger taktischen Möglichkeiten "sitzen". Einfach daher, weil er körperlich/mental nicht dazu in der Lage ist.

Zitat
Keiner von beiden fängt da groß an zu hexen.
“An expert is a master of the basics” - die machen nichts grundsätzlich anders, nur besser als andere.

Jeder Schütze den du kennst versucht Abstand zu gewinnen bzw. ihn zu verkürzen? Rollt sich mit Schussabgabe ab? Macht aus einer halben Drehung einen Schuss nach hinten?

Ich behaupte nicht, das all das Fertigkeiten sind die nur Experten können. Aber die Präzision und Training machen einiges aus. Angefangen bei Treffsicherheit, ansatzlosem Nachsetzen bis zu Distanzgefühl und Timing.

Zitat
Und wenn man den Stresslevel hoch fährt, sieht auf einmal wieder jeder Scheiße aus. Dann erkennt man die "Experten" daran, dass sie überhaupt irgendwas halbwegs auf die Reihe kriegen und nicht komplett ins Klo greifen.

Ja, was anderes wird dir ein guter Trainer für Selbstverteidigung auch nicht erzählen. Das Training ist dafür da, die Basics soweit "in dich reinzukriegen" das sie auch unter Streßsituationen noch funktionieren. Der ganze "fancy stuff" macht Spass, sieht toll aus.. und wird unter Stress selten verwendet.
Trotzdem sorgt er dafür, das du eine gute Vertrautheit mit deiner (Körper)waffe erlangst. Angriffsmuster erkennst. Um darauf gezielt eingehen zu können. Statt das du plötzlich dastehst und der Andere macht irgendwas das dich völlig überfordert weil du es nicht kennst.

Zitat
Man vergleiche mal die schön anzuschauenden Sachen aus den FMA und das, was z.B. bei Dog Brothers-Treffen davon übrig bleibt.
Ich enthalte mich.. halte von den Dog Brothers relativ wenig. Müssen wir aber nicht vertiefen.


Zitat
Gibts genau so auch für den Schusswaffensektor...schön tiefenentspannt auf dem Schießstand der tolle Hecht, und wenn mal nur ein paar doofe Plastikkugeln zurück kommen oder man von einer Geraden angeklingelt wird, ist man auf einmal blöd wie zehn Meter Feldweg und kann so Späße wie Nachladen in 0,x Sekunden aber mal dermaßen vergessen...   

Was ist daran neu? Wenn du eine saubere Gerade abbekommen hast (und nicht die Nehmerqualitäten eines Muhammed Ali hast) ist die Geschichte ziemlich schnell rum. Dein Gehirn wurde traumatisiert, der Gleichgewichtssinn ist durcheinander, die Wahrnehmung verschwommen.

Das Argument zieht etwa genauso schlecht wie "nach einem Bauchschuss sieht es mit den waffenlosen Fähigkeiten nicht mehr so gut aus".


Die Situation mit den Plastikkugeln kann ich nicht beurteilen. Werfe allerdings mal meine Vermutung in den Raum das man daran auch durch Stresstraining arbeiten kann.

Zitat
Grad greifen mit Waffen ist was, das man bei Vollgas nur noch ganz selten sieht.

So selten sind die Fälle gar nicht - i.d.R. wegen Handhabungsfehlern oder ungeeigneter Situation. Wenn der Gepfefferte noch greifen kann oder schon an dir hängt, ist es ggf. ziemlich egal...

Yep. Kann ich unterschreiben.

@OldSam
Guter Beitrag. Kann ich nur so unterschreiben, vor allem den Gedanken mit dem Portemonaie.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 16.03.2014 | 04:01
Wenn ich mir das Video so ansehe, und dabei in Betracht ziehe wie Doug und Zero die Sitiation kommentieren ging es ihnen (bei diesem Durchlauf) nicht um Praxisnähe sondern Erkenntnisgewinn. Beide betonen mehrmals, das es eine künstliche Situation ist und daher nicht "realistisch". Aus dieser Warte verstehe ich dein Problem mit dem Video nicht.

Ich frage mich dabei eben, worin der große Erkenntnisgewinn besteht, wenn man vornherein von abstrusen Voraussetzungen ausgeht und das teils* auch selbst weiß.

Und wenn ich dann obendrauf noch sehe, dass so ein Quatsch (http://www.youtube.com/watch?v=5HPw65BBp10) gemacht wird, wirds nur noch schlimmer.
Da lässt einen der Disclaimer ja wenigstens hoffen, dass es komplett auf dem Mist des Produzenten gewachsen ist.


*weil grad der Zero erst erzählt, was alles warum nicht realistisch ist und einem dann trotzdem "Lösungen" und Erklärungen präsentiert, die bestenfalls wacklig sind.

Etwas anderes wurde auch nie behauptet. Diagnose, Erkenntnisgewinn.. und ab dem Zeitpunkt kann man gezielt an dem Problem arbeiten.

Mit "diagnostisch" meinte ich das, was beim Verteidiger ablaufen muss, nicht die Intention hinter dem Video.
Der muss gucken, beurteilen, entscheiden, agieren.
Und da funktioniert unter für den Messerangreifer günstigeren (=normaleren) Bedingungen die Rolle nicht mehr.

Genau so der "back engage". Den hat der Herr Zero mal schön auf die Aktionsphase abgekürzt.
Wenns hinter mir täppelt und ich direkt mal den Ziehvorgang einleite und gleichzeitig mit der Schussabgabe den Kopf drehe, aber ganz sicher nicht bewusst geguckt und erkannt habe: "Aha, da kommt einer, auf den ich schießen muss" - das ist doch kompletter Unsinn. Vom Verbleiben in der Angriffslinie mal abgesehen.

Unterhalt dich mit den Soldaten der philipinischen Force Recon Marines. Die werden dir was anderes erzählen.
Da die Jungs regelmässig in den Slums bzw. den Konfliktzonen (mit) der Abu Sayyaf eingesetzt werden haben sie die gelehrten Taktiken in der Praxis "austesten" müssen. Und dabei recht schnell gesehen, was davon taugt.

Von der Sorte, die Gelehrtes haben testen/anwenden müssen, gibts noch einige mehr.
Aber irgendwie haben die sich alle nicht systematisch das große Rollen angefangen.

Dann schlage ich vor, du fragst Doug (oder die beiden) an.. mehr lässt sich dazu nicht sagen. Ich bin sicher, wenn die Spesen gedeckt sind machen die beiden da auch gerne mit. Mag jetzt provokativ klingen.. ist aber so. Anders wirst du das kaum zu sehen kriegen.

Ich formuliere um:
Ich habe schon genug in der Richtung zu sehen bekommen, um das nicht versuchen zu müssen.
Wenn es Leute mit einem Hintergrund, bei dem ich nur noch mit den Ohren schlackern kann, unter Vollgas nicht ordentlich auf die Reihe bekommen, kann die Antwort nicht lauten: "Trainier halt noch mal 25 Jahre, das kommt schon".

Dann stimmt grundlegend am Ansatz was nicht.

Ich werde nicht behaupten, das Rollen und Bodenkampf ideal sind. Es sind und bleiben die letzten Optionen die ich wahrnehmen will.. vor allem mit dem Hintergedanken das ich es mit mehreren Gegner zu tun bekomme.
Aber: Lieber trainiere ich etwas um es nie anwenden zu müssen.. und kann es im Zweifelsfall ;)

Volle Zustimmung.
Das kann mMn aber sowohl für die Rolle als auch für den Bodenkampf nur heißen, dass man sie nicht bewusst sucht.
Die Welt schmeißt mich um und ich rolle, um nicht kaputt zu gehen.
Aber ich gehe nicht her und denke mir ohne einen ernsthaften Bewegungsimpuls von außen: Eine Rolle ist jetzt genau das, was ich brauche.

Noch einmal: Die Idee hinter dem Video war nicht eine Reihe von Gegenmaßnahmen in Videoform zu präsentieren. Ich verstehe die Intention so, das sie die Allgemeingültigkeit der 21-Foot-Rule unter verschärften Bedingungen testen wollen. Denn die 21-Foot-Rule sagt nichts anderes als die allgemeine Distanz unter der ein normaler Schütze bei einem anrennenden Angreifer nicht mehr zur erfolgreichen Schussabgabe kommt.

Das ist jetzt aber auch grad mal ein über 30 Jahre alter Hut und da hat sich mehr als genug getan, dass man sich damit nicht mehr in dieser Form beschäftigen muss.

Manchmal frage ich mich schon, ob Tueller dem ganzen Thema mit seiner Arbeit nicht einen ordentlichen Bärendienst erwiesen hat.
Wobei er ja nichts dafür kann.

Und ich gehe weiterhin davon aus, das Doug die Nase voll davon hatte, mit Laien zu trainieren ;)

Doug kennt zumindest einen, der bei diesem Thema zu den ersten Adressen zählt.
Wie gesagt, ich hoffe mal, dass da einiges auf dem Mist des Produzenten gewachsen ist und es mehr zu Unterhaltungszwecken für die breite Masse abgefilmt wurde als alles andere.

Das begrenzt dann eben deutlich den Nährwert.

Jeder Schütze den du kennst versucht Abstand zu gewinnen bzw. ihn zu verkürzen? Rollt sich mit Schussabgabe ab? Macht aus einer halben Drehung einen Schuss nach hinten?

Nein.
Keiner der Schützen, die ich kenne und die zu diesem Thema halbwegs was drauf haben, gehen/rennen gerade von einem Messerangreifer weg oder auf ihn zu.
Keiner kommt auf die Idee, während einer Rolle mal irgendwo in die Landschaft zu holzen.

Und erst recht kommt keiner auf die Idee, diesen wirren "back engage" zu versuchen.
An diesem Segment sieht man wunderbar die ganze Übungskünstlichkeit des Videos, s.o..
Wie gesagt, ich verstehe nicht, warum man so etwas als mögliche Lösung präsentiert/in Betracht zieht.

Auch tauglichere Ansätze hätte man schön präsentieren können, wenn man das gewollt hätte.

Der ganze "fancy stuff" macht Spass, sieht toll aus.. und wird unter Stress selten verwendet.
Trotzdem sorgt er dafür, das du eine gute Vertrautheit mit deiner (Körper)waffe erlangst. Angriffsmuster erkennst. Um darauf gezielt eingehen zu können. Statt das du plötzlich dastehst und der Andere macht irgendwas das dich völlig überfordert weil du es nicht kennst.

Mit viel Aufwand komplexe Sachen trainieren, um einfache Sachen zu können, ist in meinen Augen ein unnötiger Umweg.
Da ist mMn die Gefahr riesengroß, dass man sich in Theorie und Spielerei oder zumindest Selbstzweck verliert.
Kommt freilich auch drauf an, in welchem Kontext und mit welcher Zielsetzung man trainiert.

Was ist daran neu? Wenn du eine saubere Gerade abbekommen hast (und nicht die Nehmerqualitäten eines Muhammed Ali hast) ist die Geschichte ziemlich schnell rum. Dein Gehirn wurde traumatisiert, der Gleichgewichtssinn ist durcheinander, die Wahrnehmung verschwommen.

Das Argument zieht etwa genauso schlecht wie "nach einem Bauchschuss sieht es mit den waffenlosen Fähigkeiten nicht mehr so gut aus".

Die Situation mit den Plastikkugeln kann ich nicht beurteilen. Werfe allerdings mal meine Vermutung in den Raum das man daran auch durch Stresstraining arbeiten kann.

Da kann man so viel oder so wenig dran ändern wie bei sonstigem Sparring u.Ä. auch.
Die Anfänger kriegen gar nichts auf die Reihe und die halbwegs Trainierten können mehr oder weniger erfolgreich agieren.
Schön siehts bei keinem aus und nach oben kommt auch ziemlich flott die Obergrenze, was noch abrufbar ist.
Und das ist auch der Knackpunkt - mir ging es nicht um einen entscheidenden Volltreffer mit der Aussage zur Geraden.
Aber wenn man sich eben mal ordentlich dengelt, kochen auf einmal alle nur noch mit Wasser.
Und das meistens in ganz hässlichen, löchrigen Töpfen  ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Just_Flo am 16.03.2014 | 07:36
Da du bessere Alternativen und Handlungsoptionen erwähnst, könntest du die eventuell genauer aufschlüsseln?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 16.03.2014 | 15:13
Das würde mich langsam auch mal interessieren? Denn abgesehen von Gemecker hast du bis jetzt ja wenig von dir gegeben ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 17.03.2014 | 01:16
Da du bessere Alternativen und Handlungsoptionen erwähnst, könntest du die eventuell genauer aufschlüsseln?

Wenn man als Schütze Platz bzw. Zeit hat, geht man weit seitlich raus.
Zum Angreifer ausgerichtet (also mit diesem auf 12 Uhr) heißt das, allerhöchstens auf 3 oder 9 Uhr weg, aber nach Möglichkeit nicht weiter nach hinten. Eher sogar weiter nach vorne, also 10 und 2 Uhr, und dann halbkreisförmig um den Angreifer herum.
Mit dem Ziehvorgang beginnen kann man zeitgleich mit der Ausweichbewegung und dann entsprechend schießen, wenn man so weit ist.

Das Schöne daran ist, dass der Angreifer nur die Wahl hat, Vollgas zu geben und dann mühsam bremsen muss, während der Verteidiger schon in die Gegenrichtung unterwegs ist (anstatt in der Nähe seiner ursprünglichen Position zu liegen), oder etwas langsamer zu machen, um die Richtung anpassen zu können. Dann kommt er dem Verteidiger aber nicht mehr richtig nach und der setzt die Schusswaffe ein.



Mit weniger Platz/Zeit kommt man nicht drum herum, sich zuerst ein bisschen Luft zu machen - mit den gleichen Konzepten, die man auch ohne Schusswaffe gegen einen Messerangriff fahren würde*.
Hier hat man dann "nur" den Vorteil, dass man nicht nur eine erreichte dominante Position, sondern auch ein erneutes Öffnen der Distanz für den Zugriff auf die Schusswaffe nutzen kann.
Möglicherweise ergibt sich das aber auch überhaupt nicht und das Thema ist ohne Schussabgabe gefressen - so oder so.

Ohne halbwegs brauchbare Nahkampffertigkeiten ist man als Schütze in so einer Situation einfach aufgeschmissen.
Das können ruhig sehr einfache Sachen sein, aber irgendwas muss da kommen, sonst tauscht man zig Messertreffer gegen einige wenige Schüsse - wenn man überhaupt so weit kommt. Man tut sich jedenfalls keinen Gefallen damit, zu früh und womöglich unter Verzicht auf direkte Abwehrmaßnahmen die Schusswaffe einsetzen zu wollen.
Den richtigen Moment dafür zu erkennen, ist die Schwierigkeit an dem Ganzen, weil die meisten Waffenträger irgendwo im Hinterkopf haben, dass sie nur einmal an dem kleinen Hebelchen ziehen müssen und alles ist wieder gut.


Deswegen habe ich auch so Zahnschmerzen mit dem Ansatz im Video "Angreifer nutzt ausschließlich Messer, Verteidiger nutzt ausschließlich Schusswaffe".


*Das hängt dann davon ab, aus welcher Ecke man kommt und ist noch mal ein Thema für sich; tendentiell sollte es für diesen Zweck aber eher auf die kürzeren Distanzen bis rein in den Clinch ausgerichtet sein.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 17.03.2014 | 01:25
Ohne halbwegs brauchbare Nahkampffertigkeiten ist man als Schütze in so einer Situation einfach aufgeschmissen.
Ich glaube, das ist genau das, was die beiden testen wollten. Und das Ergebnis sah für den (erfahrenen) Schützen besser aus, als du es beschreibst: Zur Seite fallen und feuern scheint die kürzest mögliche Entfernung zu finden, mit der zumindest bei den beiden im Video der Schütze noch Chancen hat.

Ansonsten finde ich deine Beschreibung klasse!
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 17.03.2014 | 12:08
Zur Seite fallen und feuern scheint die kürzest mögliche Entfernung zu finden, mit der zumindest bei den beiden im Video der Schütze noch Chancen hat.

Ja, aber eben nur, wenn man das Ganze nicht weiter laufen lässt.

Je näher der Angreifer im Vorfeld dran ist, um so weniger eigenen Schwung hat er gegen sich und um so eher kann er sich auf den Schützen fallen lassen - der das wiederum entweder zu verhindern versuchen oder halbwegs ordentlich schießen kann.
Unterm Strich erkauft der Schütze durch das Fallenlassen die Möglichkeit, einige wenige Schüsse abgeben zu können, damit, sich unmittelbar danach in einer ziemlich schlechten Position zu befinden.

"State of the art" ist eben die Maxime: Position ist wichtiger als Schussabgabe (analog zu "position before submission" aus dem BJJ).


Natürlich kann es trotzdem klappen. Aber das ist in so einer Konstellation zu sehr Glückssache, als dass man es als ersten Lösungsansatz trainieren sollte.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 17.03.2014 | 12:14
Könnte man das einfach als Experiment ansehen, btw wenn der Messemann sich in Tritte in empfindliche Körperstellen fallen lässt?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Just_Flo am 17.03.2014 | 16:44
Habe ich dich richtig verstanden und du verweist darauf, dass es sich um ein eng begrenztes Experiment handelt und es auch so gesehen werden soll?

Den zweiten Teil habe ich so interpretiert, dass du Zweifel daran hast, ob sich auf den Schützen fallen lassen wirklich eine gute Idee für den Messermann ist. Ist beides so korrekt?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 17.03.2014 | 17:03
Ich verweise auf gar nichts, das kam mir aber eher so vor wie eine (vielleicht spontane?)  Idee die man einfach ausprobierte, als das ist die oder auch nur eine sehr gute Lösung.

Der 2te Teil ist richtig.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 17.03.2014 | 18:26
Den zweiten Teil habe ich so interpretiert, dass du Zweifel daran hast, ob sich auf den Schützen fallen lassen wirklich eine gute Idee für den Messermann ist. Ist beides so korrekt?
Der 2te Teil ist richtig.

Entweder er lässt sich direkt drauf fallen oder er rennt weg, alles andere ist nicht wirklich sinnvoll.
Wenn er sich der Entscheidung des Schützen aussetzen will, kann er auch noch aufgeben.


Das ist ja nun aber auch etwas, was man selbst ohne Weiteres ausprobieren kann.
Eierbecher an, Helm auf und mal gucken, wie leicht es ist, in der kurzen Zeitspanne an was wirklich Empfindliches zu treten und weder die Waffe eingeklemmt zu kriegen noch den ganzen Kerl voll auf die Fresse zu kriegen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Just_Flo am 18.03.2014 | 17:54
Hm, reden wir jetzt von dir, mir und dem Messerstecher von der Ecke?
Oder reden wir jetzt von "Pros"?

Wenn wir von dir, mir und dem Messerstecher von der Ecke reden, dann ist halt die Frage ob wir/ der Messerstecher von der Ecke die 2-3 Dinge die einem am Boden das Leben deutlich leichter machen kennen/können oder nicht. Dann steht auch noch im Raum, was der Messerstecher von der Ecke macht, wenn wir statt ihn auf uns fallen zulassen uns einfach zur Seite rollen ... Ich finde da kommt es darauf an, wer einfach fitter/reflexhafter bzw. ruhiger ist in der Situation.

Wenn es um die Profis geht, dann keine Ahnung. Ich bin kein Profi. Jeder Kampfsporttrainer den ich bisher hatte (egal ob er Zeitsoldat, Kripobeamter oder was auch immer war, war Profi genug für den Privatgebrauch zu joggen und für den Dienstgebrauch was in/an der Hand zu haben.)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 18.03.2014 | 19:38
Hm, reden wir jetzt von dir, mir und dem Messerstecher von der Ecke?
Oder reden wir jetzt von "Pros"?

Spielt hier keine Rolle, weil die einzig relevante Handlung, die den Kampf tatsächlich fortsetzt, in der Situation die selbe ist.

In dem Szenario hat der Messerangreifer unabhängig vom Trainingsstand die einzige Vorgabe, den Schützen um jeden Preis abzustechen, weil das einen derartigen Messerangriff definiert ;)
Und das heißt eben Vollgas drauf.

Ob dann am Boden noch technische Spielereien dazu kommen, ist eigentlich egal - für den Schützen ist es auch ohne schon schwer genug.

Dann steht auch noch im Raum, was der Messerstecher von der Ecke macht, wenn wir statt ihn auf uns fallen zulassen uns einfach zur Seite rollen ...

Der versucht weiter dran zu bleiben, was i.d.R. mittelprächtig bis gut funktioniert.
Auch hier: Einfach mal ausprobieren. "Sauber" wegkommen ist mit Rollen deutlich die Ausnahme.



Und auch wenn ich gern was anderes sagen würde, aber ich wüsste nicht, wie irgendeine dienstliche Tätigkeit bei BW oder Polizei jemanden für diesbezügliche Aussagen qualifizierter macht.
Diejenigen, die da halbwegs was können, können das aus privatem oder zumindest über das normale dienstliche Training weit hinausgehendem Interesse.
Von daher ist der Verweis auf den dienstlichen Status in den allermeisten Fällen für die Katz.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Just_Flo am 19.03.2014 | 16:57
Bevor ich falsch verstanden werde: Ich bin kein Profi. Ich mache wenigstens aktuel weder privat noch beruflich was mit Sicherheit oder Kämpfen. Auch trainiere ich seit ca. 10 Jahren nicht mehr.


Und auch wenn ich gern was anderes sagen würde, aber ich wüsste nicht, wie irgendeine dienstliche Tätigkeit bei BW oder Polizei jemanden für diesbezügliche Aussagen qualifizierter macht.
Diejenigen, die da halbwegs was können, können das aus privatem oder zumindest über das normale dienstliche Training weit hinausgehendem Interesse.
Von daher ist der Verweis auf den dienstlichen Status in den allermeisten Fällen für die Katz.

Das sehe ich genauso. Der Verweis auf zivile Kampfsportschulen bzw. Gürtelgrade alleine dürfte in diesem Bereich auch nicht viel Wert sein.

Gemeint habe ich, dass diejenigen Schwarz/Rotgürte, die ich früher mal im Training hatte,alles tun bzw. tun würden um die Konfrontation ungezogene Waffe und Messer viel zu nah, zuvermeiden.
Privat würde dies auf in einem Winkel vom Angreifer weglaufen, beruflich auf Nutzung von Schutzausrüstung, Schlagstock/Tonfa, Dienstwaffe, Überzahl, ... hinauslaufen. Der Vermerk ihrer "Zivilberufe" sollte andeuten, dass es auch in diesen keine universalen überallgelehrten Standardverfahren gibt.

Unabhängig davon werden durchaus in verschiedenen Kampfsportarten (wenigstens in Ju Jutsu) Techniken bzw. Verhaltensweisen/ Schutzhaltungen für die Situation Boden mit stehendem Gegner trainiert. Jch bin jederzeit bereit zuzustimmen, dass diese Situation definitiv vermieden werden sollte. Ich bin aber auch der Meinung, dass es so man überhaupt handlungsfähig ist einen großen Unterschied macht (Verdoppelung/Verdreifachung der Überlebenschancen mögen sie danach auch noch so groß/klein sein), ob man ein entsprechendes Training hat oder nicht.

In der Situation sehe ich dann auch irgendwie den Man mit der Pistole am Boden in einem Vorteil dem Man ohne Waffe am Boden gegenüber. Wenn ich am Bodem liege, dann hat der Messerstecher mehr Zeit. Wenn der Mann mit der Pistole am Boden liegt, dann muss der Messerstecher den Pistolero beschäftigt halten.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 19.03.2014 | 17:43
Zu dem Messer, und der Idee sich "drauf fallen zu lassen" kann ich noch den einen oder anderen Input geben.

Das Letzte was du als Messerkämpfer willst, ist dich auf jemanden fallen lassen. Pragmatisch gesagt treten dabei eine Reihe von Problemen auf:
* Obwohl du durch den Fall einen gehörigen Schwung hast; im Moment des Sturzes/Fallens hast du nur wenig Kontrolle darüber wie du aufkommst. Daran kann auch Training nur feilen, optimal ist es auf keinen Fall.

* Du bist danach ebenfalls auf dem Boden, was deine Handlungsoptionen (durch mangelnde Beweglichkeit) stark einschränkt. Und deine Reichweite begrenzt.

* Sich auf dem Boden "herumzurollen" (mit dem anderen im Clinch) ist als Messerkämpfer eine denkbar schlechte Idee. Du hast bedeutend weniger Kontrolle über die Situation und weisst zudem nie im Vorfeld ob der andere eine Form von Bodenkampf beherrscht mit der er die Oberhand gewinnen kann.


Die Optionen meiner Wahl wären eher:
* Bei Abwehrversuchen durch die Beine diese mit Schnitten angreifen (für Stiche sind es zu "schmale" und bewegliche Ziele, im Gegensatz zum Torso).

* Treten. Du stehst über dem Verteidiger und hast die Option ihn damit in die Bredouille zu bringen. Er mag sich wegdrehen können, trotzdem bietet er sehr viel mehr Angriffsfläche als du stehend.. und ist in den meisten Fällen unbeweglicher.

Ich meine, fragen wir anders:
Warum sollte ich mich herunterbeugen/fallen lassen, und damit Beweglichkeit und Reichweite opfern. Oder in den Bodenkampf gehen, womit wieder beides flöten geht.

Wenn ich gut genug austrainiert bin kann ich einen Level Change versuchen (in "hockende" oder kniende Haltung) und ihn dann angreifen. Das ist eine diffizile Angelegenheit, bietet mir aber immer noch die Option einer gewissen Reichweite (im Gegensatz zu einer liegenden Haltung) und die Möglichkeit schnell wieder in den Stand zu kommen.

Und es gibt mir (immer noch) die Möglichkeit Tritte anzubringen.

Ringen würde ich erst dann versuchen, wenn die Waffe des anderen aus dem Weg ist. Das Risiko einer versehentlichen Schussabgabe wenn wir Körper an Körper sind ist zu hoch. Und auf die Distanz besteht eine gute Chance das ich getroffen werde.. und wenn auch nur unabsichtlich. Das ist mein letzter Grund, warum ich "auf den Gegner fallen" als eine sehr kurzsichtige Option sehe.


So, ich hoffe, meine übermüdeten Gedanken helfen euch weiter.. nach einer guten Mütze voll Schlaf kann ich auch gern näher darauf eingehen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 19.03.2014 | 18:26
Das Problem: Als Messerkämpfer musst du nah ran, um ihm die Waffe zu entreißen. - Bei anderen Nahkämpfern ist es eine denkbar schlechte Idee, sich auch nach unten zu begeben. Aber wenn du oben stehst und der andere auf dich schießt, ist auch blöd. Evtl. kannst du mit deinem Fuß seine Waffenhand fixieren. (Wenn sie am Boden lieg und du drauftrittst.)

Ansonsten hat er ein paar Schnitte in den Beinen und du ein paar Löcher im Bauch/Kopf. Klingt nicht nach einem sehr guten Tausch.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 19.03.2014 | 18:28
(zeitgleich zu Eulenspiegel geschrieben)

Ich meine, fragen wir anders:
Warum sollte ich mich herunterbeugen/fallen lassen, und damit Beweglichkeit und Reichweite opfern. Oder in den Bodenkampf gehen, womit wieder beides flöten geht.

Im Prinzip hat just_flo dazu mit seinen letzten Sätzen schon alles gesagt:
Weil du wegen der Kurzwaffe unter einem Mordszeitdruck stehst.
Du kannst dich im Prinzip nur zwischen Wegrennen und dem kürzestmöglichen Weg zur Schusswaffe entscheiden. Die musst du entweder greifen oder zumindest zwischen dir und dem Gegner einklemmen.

Bei jeder anderen Variante hat der Schütze nicht genug Druck und kann anfangen zu schießen. Und wenn du nicht Vollgas gehechtet/gefallen kommst, kann er sich beim Schießen auch noch einigermaßen mitdrehen, um weiter mit den Beinen zu dir zu liegen.

Kurz: Die Schusswaffe zwingt dich dazu.
Alles andere, ob Schnitte gegen die Beine, Tritte o.Ä., ist ein noch schlechterer Tausch, wenn dafür 3-4 Schuss pro Sekunde geflogen kommen, sobald der Schütze sich einigermaßen sortiert hat.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 19.03.2014 | 19:41
Interessant, YY.. ich dachte der Schütze wäre (nach deinen eigenen Worten) im Liegen unfähig zu schiessen und zu zielen. Irgendwas stimmt nicht an der Logik.. ich finds noch raus ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 20.03.2014 | 00:08
Interessant, YY.. ich dachte der Schütze wäre (nach deinen eigenen Worten) im Liegen unfähig zu schiessen und zu zielen.

Das habe ich genau wo geschrieben?

Ich habe geschrieben bzw. impliziert, er kann während der Rolle nicht treffsicher schießen, und ich habe geschrieben, er muss sich im Liegen, WENN der Messerangreifer mit Vollgas ran will, entscheiden, ob er ihn mit den Beinen stoppen/verlangsamen oder schießen will. Sollte der Angreifer nämlich ordentlich Druck machen, müssen die Füße des Schützen an die Hüfte oder höher, und dann kommt er sich mit der Schussabgabe selbst ins Gehege.

Wenn der Messermann nicht so viel Druck macht und die Beine weiter unten bleiben können (zum Ausrichten und/oder Tritte gegen Schienbein und Knie), kann er natürlich gleichzeitig schießen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 20.03.2014 | 12:10
Und ich habe nichts anderes gesagt, als das "sich drauf fallen lassen" eine schlechte Option ist.
Die Risiken für den Messerkämpfer dabei habe ich schon aufgezählt, das erspare ich mir..

Als (stehender) Messerkämpfer hast du bedeutend mehr Möglichkeiten Druck zu machen.

Denn: Wiederholt geschnitten zu werden oder harte Tritte abzubekommen ist ebenfalls Druck. Der Liegende muss sich in dem Fall ständig bewegen um zu verhindern noch schwerer verletzt zu werden.
Wenn er tatsächlich ruhig liegenbleibt während er angegriffen wird, ja dann kann er natürlich einen oder mehrere Schüsse abgeben. Aber war das nicht genau dein Punkt, das ein liegender Schütze bei fortlaufenden Angriffen nicht die Ruhe hat zur erfolgreichen Schussabgabe? Oder hatte ich da etwas missverstanden.

Ich vermute, das Verständnisproblem auf eurer Seite ist die Schwierigkeit sich vorzustellen, das der Messerkämpfer noch mit etwas anderem als seiner Waffe angreift. Die Option hat er nämlich tatsächlich.. und im Falle seiner Beine (also von Tritten) hat er wieder eine größere Reichweite. Bzw. wenn er das Messer wegsteckt kann er versuchen, Kontrolle über Arme und Beine des Liegenden zu bekommen.. die Möglichkeiten sind vielfältig.

Sicher, wenn er nur mit dem Messer angreift schränkt das seine Möglichkeiten bei einem liegenden Gegner ein. Das steht völlig ausser Frage.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 20.03.2014 | 13:58
Aber war das nicht genau dein Punkt, das ein liegender Schütze bei fortlaufenden Angriffen nicht die Ruhe hat zur erfolgreichen Schussabgabe? Oder hatte ich da etwas missverstanden.

Der Schütze kann genau dann nicht ordentlich schießen, wenn der Angreifer versucht, um jeden Preis an die Schusswaffe bzw. auf den Schützen zu kommen. Bei allem anderen ist der Druck nicht groß genug.
Auch wenn der Angreifer das macht, kann er wohl noch ein paar Schuss rausmogeln, aber dann ist die Waffe entweder gegriffen oder blockiert, weswegen das i.d.R. anders ausgebildet wird.

Ich vermute, das Verständnisproblem auf eurer Seite ist die Schwierigkeit sich vorzustellen, das der Messerkämpfer noch mit etwas anderem als seiner Waffe angreift. Die Option hat er nämlich tatsächlich.. und im Falle seiner Beine (also von Tritten) hat er wieder eine größere Reichweite.

Den Schützen interessiert die Reichweite nicht; der hat für Nahkampfzwecke eine unendlich große Reichweite und der Messerangreifer ist in der Bringschuld, ihn am Schießen zu hindern. Und das kann er mit Tritten oder Schnitten gegen die Beine nicht.


Folgendes Gedankenexperiment:
Der Schütze legt sich mit einer scharfen Waffe auf den Rücken, die Beine zum Angreifer. Auf "Go!" fängt der Schütze an zu schießen und sich mitzudrehen, und der Angreifer darf die Beine schneiden, treten, greifen und rumrennen, wie er lustig ist, aber soll sich nicht unkontrolliert auf Schütze/Waffe werfen.
 
Wenn dir das wie eine gute Idee für den Angreifer vorkommt, weiß ich auch nicht weiter.

Bzw. wenn er das Messer wegsteckt kann er versuchen, Kontrolle über Arme und Beine des Liegenden zu bekommen..

DAS will ich sehen, wie der Messermann da noch das Messer wegsteckt, wenn die ersten 6mm-BB oder FX einschlagen...

Die Kontrolle über die Arme kriegt er nur dann, wenn er an den Beinen vorbei ist - und das bitte recht fix, weil der Schütze nicht schläft.
Das wird dynamisch und unkontrolliert, und der Messermann kann froh sein, wenn er in der Sidemount o.Ä. landet, ohne allzu viel abgekriegt zu haben.


Airsoft nehmen und ausprobieren...
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 20.03.2014 | 14:50
YY.. du hast eine seltsame Art zu argumentieren.
Zu Anfang hiess es, der Schütze ist durch die Rolle / Position auf dem Boden in einer miesen Situation. Der Messerkämpfer hätte auf jeden Fall die Oberhand.

Zwischendrin hiess es, die einzige Option des MKs ist es, sich drauf fallen zu lassen.

Jetzt ist plötzlich der MK im Nachteil ausser er ergreift die einzige Option die dir einfällt. ::)

Entschuldige mal, aber was ist dein Punkt. Worauf soll das Ganze heraus laufen, ausser jeweils (so gut wie) jedem der postet zu widersprechen? Mag sein das ich da was missverstehe, aber so langsam kommt mir die Diskussion so vor.
Und das führt nirgends hin...

Gestehe es anderen doch bitte auch zu, das sie wissen wovon sie reden. Oder untermauere deine Behauptungen mit Fakten. Denn so langsam beschleicht mich das Gefühl, das du von der Materie nur eine grobe Vorstellung hast.

Gedankenexperimente bringen an solchen Punkten nichts, denn dort hat keiner der Kombattanten Druck, Schmerzen, ist desorientiert, im Stress oder sonst etwas. Dein Punkt war doch genau, das solche theoretischen Spielchen nichts aussagen. Denn, ganz im Ernst, wenn ich mit jemanden trainiere der eine Airsoft hat ist dieser Stress definitiv nicht da. Im schlimmsten Fall habe ich blaue Flecken.. was sich nicht von meinem sonstigen Training unterscheidet.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 20.03.2014 | 17:45
Zu Anfang hiess es, der Schütze ist durch die Rolle / Position auf dem Boden in einer miesen Situation. Der Messerkämpfer hätte auf jeden Fall die Oberhand.

Zwischendrin hiess es, die einzige Option des MKs ist es, sich drauf fallen zu lassen.

Jetzt ist plötzlich der MK im Nachteil ausser er ergreift die einzige Option die dir einfällt. ::)

Entschuldige mal, aber was ist dein Punkt.

Also noch mal ganz von vorne:

Der Schütze kann sich fallenlassen und kriegt mit ein bisschen Glück auch noch einige Schüsse raus - bei einem überraschenden Angriff aber wohl eher erst am Boden als schon im Fallen.

In dem Moment hat der Messermann (wie eigentlich die ganze Zeit bei einem Angriff auf mit Schusswaffen ausgerüstete Gegner) nur die Möglichkeit, so schnell wie möglich die Waffe zu blockieren. Tut er das nicht, kriegt er Feuer.
Fürs Training ganz günstig ist das insofern, weil auch einem trainierten Messerangreifer hier nichts anderes übrig bleibt als einem, dessen einziges Ziel es ist, ohne große Spielereien oder viel Technik den Schützen abzustechen.

Für den Messermann stellt sich damit die Frage nach Alternativen (zumindest, was die Fortsetzung des Kampfes angeht) überhaupt nicht.
Er muss so schnell wie möglich so nah dran, dass er die Waffe greifen kann.
Das wird unkontrolliert und chaotisch, und unterm Strich ist es auch ein gutes Stück weit Glückssache, wer da wie landet.
Ideal ist das für keinen der beiden, daher auch meine frühere Aussage:
Wenn man das weiter laufen lässt, hängt kurz danach der Messerangreifer auf ihm und beide sehen scheiße aus  :P ;)

Der Knackpunkt ist der, dass der Messerangreifer es sich eben nicht aussuchen kann.

Der Schütze hätte von Anfang an aber etwas Anderes versuchen können, nämlich entsprechend raus zu gehen und halbwegs Abstand zu halten.
Dann hat er nach dem ersten Angriff zumindest kurz Luft und behält seine Mobilität; die weiteren Angriffe des Messermannes erfolgen dann wenigstens unter Zeitdruck und aus der Bewegung, was schon mal viele Winkel zu macht und die meisten technischen Spielereien unterbindet.

Deswegen ist das im Vergleich zum Fallenlassen die bessere Wahl.
Wenn man als Schütze trotzdem (z.B. unfreiwillig) hin fällt, dann ist das halt so und wenn der Messermann dann nicht direkt Vollgas ran kommt, kann es immer noch ganz gut klappen. Aber bei der Konstellation gibt der Messermann sowieso Vollgas. Der greift doch nicht ohne unmittelbaren Tötungswillen einen Bewaffneten an und taktiert dann noch groß rum, während der andere schon schießt.

Klar kann es für den Schützen klappen. Aber er kann sich nicht drauf verlassen, Wirkungstreffer zu landen, bevor der Angreifer auf ihm liegt und ggf. zwar ausblutet, aber selbst noch genug Treffer setzt.
Das ist der Gedanke, warum Fallenlassen nicht optimal ist, genau wie der "back engage" von Zero - da gilt das nämlich genau so, nur eben (noch) im Stehen.

Oder untermauere deine Behauptungen mit Fakten.

Was soll ich denn hier sagen außer: Probiers aus?

Als Angreifer ist es für mich bedeutend schwerer, einen geübten Schützen zu fassen zu kriegen, ohne eine Unzahl Schüsse zu fressen, als an einen hingefallenen oder schon liegenden Schützen ran zu kommen.
Umgekehrt kriege ich es als Schütze am Boden nicht wirklich zuverlässig hin, den Messermann auf Dauer von mir weg zu halten, wenn der voll rein geht - und dann ist es eben ziemlich offen, wer letztlich die Oberhand gewinnt.

Das geht keinem von den Jungs und Institutionen, mit denen ich trainiere, anders.

Und auch wenn ich nicht aus der Ecke komme, bezweifle ich, dass z.B. Uli da was großartig anderes erzählen wird.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Beral am 20.03.2014 | 18:56
Ich erlebe euren Disput so:

Rabenmund geht von der Situation aus, dass der Messerkämpfer sich nicht auf den Waffenträger wirft, sondern die Beine attackiert. Für diese Bedingung sagt YY, dass das vom Messerstecher so blöd wäre, dass er in diesem Fall im Nachteil wäre und der Schütze im Vorteil.

YY geht grundsätzlich von einem einigermaßen intelligenten Messerstecher aus, der sich auf jeden Fall auf den Schützen drauf wirft. Und für diesen Fall sagt YY, dass der Ausgang ziemlich offen ist und der Schütze keine besonderen Vorteile genießt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 20.03.2014 | 21:37
Ja, genau so war es gemeint  - danke für die nicht "betriebsblinde" Umformulierung :d
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 20.03.2014 | 21:51
@YY
Ich war größtenteils einfach irritiert, da mir die Argumente wirr erschienen.

Nach deiner Klarstellung ist es für mich auch deutlicher, was du eigentlich gemeint hast, danke. Der kann ich zustimmen, davor kam es bei mir vor wie eine Aneinanderreihung beliebiger Argumente.

Ich würde sagen, wir haben es einfach grandios geschafft, aneinander vorbeizureden.

@Beral
Interessant. Ich spare mir den Rant warum mein MK nicht auch einigermassen intelligent ist *schmunzel*
Im Übrigen, die Beine zu attackieren ist eine Option. Ich erwähnte noch andere.. aber das Wasser ist den Fluss runter.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 20.03.2014 | 22:09
Ich würde sagen, wir haben es einfach grandios geschafft, aneinander vorbeizureden.

Ja, kommt vor - Schwamm drüber  :)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Funktionalist am 21.03.2014 | 08:05
Es wurd wahrs. schon einmal genannt: Wenn man mehr in Richtung Conflict Resolution schielt, könnte man vom SC abhängig machen, wie sehr er überhaupt verletzen oder töten will.

Es geht hier nicht um ethische Fragen, sondern um eine Regelidee für etwas ziemlich häßliches.


Gerade in modernen Settings könnte dies ein Ansatz sein. Wer mit einem Messer nur auf die Hand schlagen möchte, macht unabhängig von der Zielsetzung zwar nicht alles falsch, aber wird gegen denjenigen verlieren, der danach anfängt bestialisch zu pumpen und erst nach 40 Stichen blutübergossen aufhört. Auch der Schütze, der nicht treffen will, im Gegensatz zum Scharfschützen, der mit dem ersten Verwundeten, die anderen aus der Deckung lockt, wären Beispiele.

Für die Anfänger wären also die großen Waffen, die nach einem Treffer, den Kampf entscheiden die "richtigen" (Wir haben hier einen Spieler vs SC Sicht Konflikt). Alternativ auch die abstrakten Waffen.

Je effektärmer eine Waffe, desto weniger Hemmung (Schlagring < Baseballschläger vs. Spitzhacke oder auch Messer)
Je abstrakter desto weniger Hemmung (Pistole weniger als Bogen)

Als zweiter Punkt käme hinzu, wie schnell der SC bereit ist zu eskalieren. Die Kämpfe schaukeln sich ja in der Regel hoch. Man schubst, man beleidigt, der brutalere schlägt zuerst, auf "legitime" ziele etc.
Der hier gemaxte Char ist schon vor dem Schubsen beim Tritt in die Weichteile. Oder im Extremfall fängt mit 20 Messerstichen an, weil er die Eskalationsschritte einfach überspringen darf, wähernd der "Anfänger" erstmal mit dem Messer wedelt, um es nicht einsetzen zu müssen.

Danach wäre ein Anfänger mit einem Baseballschläger gefährlich,  mit einem Messer ebenfalls, aber er würde nur verwunden und mit Pech den Gegenangriff erleiden. Der Kaltblütige ist kompromisslos.

Die Frage lautet dann, ob der Char kaltblütig genug ist, die Waffe einzusetzen. Je kaltblütiger, desto kleinere Waffen bieten das gleiche Bedrohungspotential bei besserer Verfügbarkeit und somit einen größeren "Handlungsspielraum" (Spitzhacke in der Fußgängerzone? vs. Bahnhofsdrogenmafia mit Stiletto).

Ein hier gemaxter Char ist einer der Psychopathen, die ständig das Potential zum tödlichen Konflikt mitbringen, während der normale Bürger schon bei seiner Notwehr eingeschränkt ist oder gar ausschließlich wegrennen kann.

Das würde den Kämpfen allerdings auch ein wenig das Heroische nehmen wäre also eher was für die gemäßigten Echtweltsettings.

Da wir uns in Conflict resolution befinden, wäre es allerdings nur in dem Fall, dass der Tod des anderen das Ziel ist, ein direkter Vorteil einen kaltblütigen SC zu spielen. Für andere Fälle, wie Raub oder Einschüchterung, gibt einem eine solche Regelung die Möglichkeit durch Erhöhung des Einsatzes zu gewinnen, da der andere erst zu spät mitziehen kann.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: CAA am 21.03.2014 | 08:08
Wer im bewaffneten Konflikt im Gegensatz zum Gegner bereit ist zu töten, ist halt im Vorteil  ;D
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Funktionalist am 21.03.2014 | 08:17
Wer im bewaffneten Konflikt im Gegensatz zum Gegner bereit ist zu töten, ist halt im Vorteil  ;D
Ja.
Außerdem wird so vielleicht die Wahl der Mittel zum Element der Geschichte/des Konflikts. Also der SC das Zentrum und nicht das Schwert+4.


Ein weiterer Aspekt wäre:

Der Anfänger, der nicht kaltblütig ist, muss nach einer unpässlichen Situation (Anfangsgepose verkackt,Schlag eingesteckt, Messer wird gebunden...) eskalieren, um ohne Nachteil weitermachen zu dürfen.
Der Profi muss nicht eskalieren, da er mehr Mittel je Eskalationsstufe hat.

Das würde dem Kampf SC neben der Möglichkeit, durch Eskalation schnell zugewinnen, sich gegen selbige zu wehren, mit unauffälligeren Mitteln gleiche Effizienz zu haben auch die Möglicheit geben, den Verlauf des Konflikts besser zu kontrollieren und ohne Abzüge in einer niedrigeren Eskalationsstufe als sein Gegner zu bleiben.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 21.03.2014 | 11:00
Es wurd wahrs. schon einmal genannt: Wenn man mehr in Richtung Conflict Resolution schielt, könnte man vom SC abhängig machen, wie sehr er überhaupt verletzen oder töten will.

Es geht hier nicht um ethische Fragen, sondern um eine Regelidee für etwas ziemlich häßliches.

… das ziemlich cool klingt!

Wobei eine Frage wäre: Warum sind nicht alle Chars gemaxt? Was ist der Nachteil davon?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Eulenspiegel am 21.03.2014 | 15:10
Wobei eine Frage wäre: Warum sind nicht alle Chars gemaxt? Was ist der Nachteil davon?
Ich denke mal der Nachteil ist: Es gibt Probleme mit der Gesellschaft und der Polizei.

Erkläre dem Richter mal, warum du jemanden abgestochen hast, nur weil er dich angerempelt und deine Freundin beleidigt hat.

Ist halt die Frage, ob man das regeltechnisch erfassen muss oder ob sich der Nachteil ingame von selbst ergibt.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 21.03.2014 | 21:45
Ich denke mal der Nachteil ist: Es gibt Probleme mit der Gesellschaft und der Polizei.

Erkläre dem Richter mal, warum du jemanden abgestochen hast, nur weil er dich angerempelt und deine Freundin beleidigt hat.

Ist halt die Frage, ob man das regeltechnisch erfassen muss oder ob sich der Nachteil ingame von selbst ergibt.
Das heißt, es würde für den Char das Risiko bedeuten, zu früh zu eskalieren, obwohl er es eigentlich nicht will?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Funktionalist am 22.03.2014 | 12:19
Irgendwie spukt mir die Idee im Kopf herum, dass es in jeder Situation Grenzen des Handelns gibt.

Wer in einer Disko unterwegs ist, rechnet mit Schubsereien, wer mit Freunden zusammen ist, beleidigt nicht, Diplomaten betreiben ihre Konflikte auf einer gänzlich verbal inoffensiven Ebene etc...

Ich stelle mir gerade eine Art Skala vor:
Nur als Beispiel, die Stufen sind bei weitem nicht ausgetüftelt. Es geht hier nur um das Prinzip.
Jeder Mensch kann sich abhängig von seiner Abgebrühtheit begrenzt flexibel verhalten. Wer Sozial mit allen Wassern gewaschen ist, kann aus dem ganzen linken Spektrum wählen, während ein auf die Gute Sache eingeschworener Schläger gerade mal selbstlos handeln darf ("Für Gondor!"). So muss ein Kneipenschläger den ganzen Affentanz durchführen, bis er die Prügelei starten darf, während der Profi direkt zulangt, bevor der andere überhaupt entsprechend reagieren darf.

selbstloses Handeln| Quid pro quo| Überreden/bitten|Nötigen|Verbale Angriffe|Machtdemos|Machtdemos körperlich|Schlägerei|Gefährliche Verletzungen|tödliche Absichten


Das mit einem gewissen körperlichen Sog, dass Aufgeben Nachteile mit sich bringt, solange man auf eine Aktion reagieren muss, bringt die typische Kneipenschlägereidynamik, in der beide Seiten auf die Hilfe der Freunde angewiesen sind, dass sie aus der "fairen" Prügelei gezogen werden, bevor jemand verletzt wird und man trotzdem sein Gesicht behält. Danach darf man sich auf der Skala neu einsortieren und vielleicht trinkt man sogar zusammen, oder man hasst sich. (Belohnung für Friedensagebot, Lose-lose-Kosten fürs Ablehnen?)

Die Idee ist, dass man nach einem verlorenen Austausch eskalieren darf, um wieder ohne Abzüge zu handeln. (in beiden Richtungen... Wer in Verpflichtungen gedrängt wird, kann sich für sich selbst mit einem freiwilligen Diesnst wieder reinwaschen.... sodass er wieder fordern darf. Der Schläger eskaliert weiter, während der Pro "sich nur verteidigt". Er kann, auf niedrigeren Skalenfelder bleiben, während der Anfänger eskalieren muss und so nachher Opfer für den Redner wird, der dadurch Munition bekommt...

Der Redner kann die Eskalationsskala auf der positiven Ebene halten und so seinem gegenüber Gewalt als Aktion verweigern. (BSP. Geiselnahme), der Profi hat hier auf beiden Seiten mehr Handlungsauswahl.

Waffen bringen hier natürlich nur soviel, wie sie eingesetzt werden können. Wer Konsequenzen verursacht, die jenseits seiner Eskaltionsmöglichkeiten liegen, ist nicht mehr handlungsfähig.

Keine Ahnung, ob das als Hirnsturm für einen Regelansatz taugt, da es doch extrem formalisiert ist, aber zur Waffenanwendung im Gewaltteil der Skala hat man Pfefferspray oder so, die schon auf der Drohungsstufe eingesetzt werden können und Gummiknüppel, die als Prügel gewertet werden, während Messer erst ganz hinten anzusiedeln sind, zusammen mit MAcheten, Kettensägen etc. und daher nur etwas taugen, wenn man aktiv eskalieren will und auch kann.


sers,
Alex
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Funktionalist am 22.03.2014 | 12:27
Das heißt, es würde für den Char das Risiko bedeuten, zu früh zu eskalieren, obwohl er es eigentlich nicht will?
Sobald man mit seinen Werten die des anderen schätzen/bluffen kann, kann man mit der MEchanik wirksam drohen. Frei nach dem Motto, ich zwinge Dich zu eskalieren, bis ich dich in Notwehr absteche... Das wäre eine Taktik für einen tatsächlich überlegenen Gegner.
Der hat zwar vielleicht weniger Stärke und Geschick, aber mehr Handlungsoptionen und kann so z.B. weiterdrohen, während der andere schon nur noch prügeln kann und dann vielleicht die ZEugen bluffen, dass der andere schon auf der Tötenskala ist, um dann tatsächlich selbst zu eskalieren.

Ob wer gemaxt ist oder nicht steht dann ja in Konkurrenz zu anderen Mechaniken, die ebenfalls Vorteile bieten. Es nützt ja nichts, viel Auswahl zu haben, wenn man wirklich nciht gut ist.

So kann ich mir SCs vorstellen, die in allem einbisschen gut sind und dadurch dominieren, dass sie den Gegnern jeweils mit mehr Eskalationspotential auf dem jeweils unpassenden Gebiet gegenüberstehen. Während ein treuer Schläger sich am wohlsten fühlt, wenn alle prügeln und sich plötzlich mit einer Vielzahl von Freunden und recht wenig Handlungsspielraum wiederfindet, bis er von seinem Sozialfreund wieder in die Lage versetzt wird zu prügeln und erstmal aufräumt...
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Beral am 23.03.2014 | 13:05
Wobei eine Frage wäre: Warum sind nicht alle Chars gemaxt? Was ist der Nachteil davon?
Kulturelle und gesellschaftliche Normen verhindern so eine Einstellung sehr effektiv. Als Krimineller hat man es nicht so sehr mit den Normen und ignoriert sie. Regelseitig kann man so eine Maximierung an die Bedingungen "kriminell" bzw. "im Sicherheitsdienst tätig" binden, wobei das Limit der Maximierung mit der Spezialisierung hin zur Gewalt ansteigt: Ein GSG-9-Beamter agiert rücksichtsloser als ein Streifenpolizist, ein Mörder agiert rücksichtsloser als ein Dieb.

Der Vorteil dieses Nachteils ist, dass er sich durchgehend auswirkt und nicht erst in dem Fall, dass man im konkreten Gewaltkonflikt zu früh eskaliert.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Rabenmund am 23.03.2014 | 19:36
Was man auch immer im Hinterkopf behalten sollte - und das wird sowohl im RPG als auch der Realität gern vergessen - das es (so gut wie) immer im Vorfeld die Möglichkeit gibt, zu gehen/sich dem Konflikt durch "scheinbare Aufgabe" und dem "Rückzug" zu entziehen.

Nach aussen hin mag das mit einem Gesichtsverlust verbunden sein... und dem Ego gefällt es ganz sicher nicht, wenn es den anderen am liebsten "umklatschen" will. Wenn ich allerdings die Wahl habe, eine Schlägerei in der es um nichts als Egosch*** und Provokationsspielchen geht durchzuziehen oder dem aus dem Weg zu gehen. Nun, dann gehe ich dem ganzen aus dem Weg.

Die potentiellen Konsequenzen (in der Realität) sind einfach zu unschön, wenn du als trainierter KK'ler jemanden zusammendrischst.. oder auch nur in die Geschichte verwickelt wirst. Schlussendlich hast du (fast) immer die Arschkarte.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 24.03.2014 | 09:13
selbstloses Handeln| Quid pro quo| Überreden/bitten|Nötigen|Verbale Angriffe|Machtdemos|Machtdemos körperlich|Schlägerei|Gefährliche Verletzungen|tödliche Absichten
Das klingt cool!

…und ich habe schon eine Idee, wie ich das mit Rückgriff auf Konflikt-Ideen umsetzen kann: Eskalieren im Konfliktsystem (http://1w6.org/deutsch/module/konfliktmodul-konf#comment-167)

- Jeder Konflikt beginnt auf einer bestimmten Ebene. Wer auf dieser Ebene verliert, trägt Konsequenzen auf dieser Ebene davon (z.B. zeitweilige Nachteile) und muss sich den Wünschen seines Gegenübers beugen. Es sei denn, er eskaliert.
- Eskalation bringt den Konflikt auf eine neue Stufe. Alle Konsequenzen bleiben bestehen, aber der Einsatz steigt.

Darüber hinaus könnte Eskalieren eine Probe gegen sich selbst erfordern, wenn der andere bezwungen wird. Profis haben dann einen hohen Wert in Introspektion (oder so) und können dadurch ihre eigene Eskalationsstufe sehr viel leichter anpassen - im Endeffekt von der aktuellen Esklationsstufe der interagierenden Gruppe abweichen.

Vielleicht ist es dabei leichter zu eskalieren, wenn man gerade verloren hat.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 24.03.2014 | 09:16
Kulturelle und gesellschaftliche Normen verhindern so eine Einstellung sehr effektiv. Als Krimineller hat man es nicht so sehr mit den Normen und ignoriert sie. Regelseitig kann man so eine Maximierung an die Bedingungen "kriminell" bzw. "im Sicherheitsdienst tätig" binden, wobei das Limit der Maximierung mit der Spezialisierung hin zur Gewalt ansteigt: Ein GSG-9-Beamter agiert rücksichtsloser als ein Streifenpolizist, ein Mörder agiert rücksichtsloser als ein Dieb.
Das fände ich für Rollenspielregeln unbefriedigend: Hier fehlt eine Dynamik, die Charaktere zur Norm hin schiebt, solange sie sich nicht explizit anders entscheiden.

Auch Kriminelle haben es übrigens oft mit den Normen: Zumindest im Gang-Milieu ist es (nach Hörensagen…) viel schwerer, nicht auf eine Eskalation einzugehen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 24.03.2014 | 09:18
Was man auch immer im Hinterkopf behalten sollte - und das wird sowohl im RPG als auch der Realität gern vergessen - das es (so gut wie) immer im Vorfeld die Möglichkeit gibt, zu gehen/sich dem Konflikt durch "scheinbare Aufgabe" und dem "Rückzug" zu entziehen.

Nach aussen hin mag das mit einem Gesichtsverlust verbunden sein... und dem Ego gefällt es ganz sicher nicht, wenn es den anderen am liebsten "umklatschen" will. Wenn ich allerdings die Wahl habe, eine Schlägerei in der es um nichts als Egosch*** und Provokationsspielchen geht durchzuziehen oder dem aus dem Weg zu gehen. Nun, dann gehe ich dem ganzen aus dem Weg.
Regeltechnisch wäre es jetzt schön abzubilden, warum viele es nicht schaffen, die Provokation abperlen zu lassen. Da wird ein bestimmtes Muster hin zur Gewalt losgetreten, und viele Leute können sich dem nicht entziehen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Galatea am 24.03.2014 | 14:53
Ich fand es bei Spirit of the Century  super, dass alle Waffen den gleichen Schaden machten...
Sowas shalte ich für ganz großen Quatsch. Schaden (und Trefferwahrscheinlichkeit, wenn beides regeltechnisch nicht sowieso schon eins ist) sollten sowohl von der Waffe wie auch dem Anwender abhängen (und ich bin hier durchaus der Meinung, dass die Waffe unter bestimmten Umständen durchaus einen größeren Anteil am Schaden haben kann als die Fähigkeit des Anwenders - ein Sturmgewehr ist auch in der Hand eines Kinds gefährlich, da braucht man nur mal in gewisse afrikanische Regionen zu blicken).

Es macht sehr wohl einen Unterschied ob man mit einer Holzkeule, einer Hellebarde oder einem Kampfhammer auf einen Plattenträger einschlägt. Die Holzkeule wird auch bei einem kräftigen Anwender wahrscheinlich nur Quetschungen verursachen und womöglich sogar zerbrechen, während die Spitze des kopflastigen Hammers die Rüstung am Einschlagspunkt durchschlägt (große Kraft auf kleine Fläche) und innere Organe verletzt und die Hellebarde die Rüstung durch ihre enorme Hebelwirkung sehr wahrscheinlich einfach zerschlägt (was u.a. die Schweizer, die diese Waffe erfunden haben, eindrucksvoll demonstrierten als sie das Habsburger Invasionsheer abschlachteten und damit das Ende der Ritterzeit einläuteten - den Rest besorgten dann die Engländer bei Crécy).

Alles einfach gleichzumachen und die Vielfalt einzustampfen ist nicht der richtige Weg, zumal man sich damit vieler Möglichkeit des taktischen Kämpfens beraubt.
Auch die kulturelle Vielfalt leidet - viele Kulturen waren so erfolgreich, weil sie eine spezielle Waffentechnologie besaßen, die sonst niemand hatte (die Griechen mit ihren Langspeeren und Torsionswaffen, die Römer mit ihren Legionärsrüstungen, Helmen und hochqualitativen Eisenwaffen, die Mongolen mit ihren Reiterbögen, die europäischen Ritter mit ihren Ketten- und Plattenrüstungen, die Schweizer mit ihren Hellebarden, die Engländer mit ihren Langbögen, die Osmanen mit ihren Bronzekanonen, die Briten mit ihren schnellen wendigen Kanonenschiffen...).

Prinzipiell ist es eine Frage des Regelsystem - es ist nicht einfach eines zu bauen, dass die wichtigsten Aspekte berücksichtigt und einigermaßen realistische Kampfverläufe ermöglicht. Aber gerade die gängigsten Fantasy-RPGs (z.B. D&D) machen sich auch nichtmal die Mühe es zu versuchen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Boba Fett am 24.03.2014 | 15:14
Sowas shalte ich für ganz großen Quatsch.

... realistische Kampfverläufe ...

... die gängigsten Fantasy-RPGs (z.B. D&D) machen sich auch nichtmal die Mühe es zu versuchen.

Das mag daran liegen dass sich die meisten Rollenspiele darauf verständigt haben, dass sie ein Spiel darstellen und keine Rollen-Simulation. Das sagt ja auch der Name aus.
Daher haben sie für die sie betreffenden Spielregeln dann auch andere maßgebliche Kriterien, wie zum Beispiel "Spielbarkeit", "Komplexität", Fairness", Unterhaltungsfaktor", etc. etc.
Und vermutlich wird bei den allermeisten Konsumenten der Unterhaltungswert eines Rollenspiels auch höher geschätzt als dessen Authenzität oder dessen Realismusgrad im Simulations-Sinn.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Galatea am 24.03.2014 | 16:20
Das mag sein, aber imo sollte ein Regelwerk doch wenigstens in der Lage sein zwischen "macht Schaden durch rohe Gewalt" oder "negiert Rüstung" (egal ob jetzt durch Spitze Kanten wie beim Hammer oder hohe Geschwindigkeit/Finesse wie beim Florett - Rüstung gibt es schließlich in praktisch jedem Setting) zu unterscheiden und - wie auch immer - dafür zu sorgen, dass der Messerstecher nicht grundsätzlich blöd dasteht, sondern unter den richtigen Umständen richtig gefährlich werden kann (und nein, damit meine ich nicht das übliche von-hinten-anschleichen-damit-triple-damage-gesocks).

Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Bad Horse am 24.03.2014 | 19:12
Das mag sein, aber imo sollte ein Regelwerk doch wenigstens in der Lage sein zwischen "macht Schaden durch rohe Gewalt" oder "negiert Rüstung" (egal ob jetzt durch Spitze Kanten wie beim Hammer oder hohe Geschwindigkeit/Finesse wie beim Florett - Rüstung gibt es schließlich in praktisch jedem Setting) zu unterscheiden ....

Ehrlich? Wenn ein Regelwerk mit Unterschieden wie "spitze" und "eckige Waffe" anfängt, und dann noch mit Relation zur Rüstung kommt, dann ist das für mich eher ein Grund, nach etwas anderem zu schauen.

Es interessiert mich schlicht und einfach nicht, wie ein realistischer Kampf en detail abläuft. Ich will einen dramatischen Kampf, wie ich ihn in total unrealistischen, aber unterhaltsamen TV-Serien zu sehen kriege. Die versuchen auch nicht, den Kampf besonders realitätsnah zu gestalten.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Frater Goritz am 24.03.2014 | 19:28
Zwar ist da mein Realitätsanspruch eine Spur höher  ;) , allerdings ist das mit Realität bei detonierenden Dämonen aber sowiso immer so eine Sache und wir bekommen unsere (WHFRP2)Kämpfe mit kollektivem Menschenverstand immer logisch geklärt, wodurch bei Bedarf die Hinterhaltsmuskete mehr Schaden macht und der Messerstecher im Gerangel gegen Gerüstete ganz gut dasteht, während der Zweihänder im Skaventunnel gleich einpacken kann...
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Boba Fett am 24.03.2014 | 19:33
Das mag sein, aber imo ...
Da kann ich nicht widersprechen.
"Opinion" ist das Schlüsselwort.
Rollenspiele werden aber zuallererst geschrieben und publiziert, um sie zu verkaufen.
Damit sind sie für die Wünsche und Ansprüche der größtmöglichen Konsumentenmenge und für Kunden um eher jugendlichen Alter orientiert.
Auf Einzelschicksale wird da eben wenig Rücksicht genommen.


 
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Cassiopeia am 25.03.2014 | 08:44
zurück zu den Eskalationsstufen:

Dogs in the Vineyard hat Eskalationstufen im Kampf. Wenn man auf einer Stufe unterliegt, kann man aufgeben oder eskalieren. Je nachdem auf welcher Stufe man letztlich verliert sind die Konsequenzen verschieden.

Ich fand das immer sehr schön, den es treibt die Spieler in die Eskalation.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 25.03.2014 | 09:18
Ehrlich? Wenn ein Regelwerk mit Unterschieden wie "spitze" und "eckige Waffe" anfängt, und dann noch mit Relation zur Rüstung kommt, dann ist das für mich eher ein Grund, nach etwas anderem zu schauen.

Es würde ja völlig reichen, dass beim Rabenschnabel dran steht, dass Plattenrüstungen dadurch fast wirkungslos werden. Eine allgemeine Regel braucht es eigentlich nur, wenn sich die Regelschnipsel verallgemeinern lassen. Für welche Waffen das noch gilt, kann dann ja die SL abschätzen.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 25.03.2014 | 09:20
zurück zu den Eskalationsstufen:

Dogs in the Vineyard hat Eskalationstufen im Kampf. Wenn man auf einer Stufe unterliegt, kann man aufgeben oder eskalieren. Je nachdem auf welcher Stufe man letztlich verliert sind die Konsequenzen verschieden.

Ich fand das immer sehr schön, den es treibt die Spieler in die Eskalation.
Jetzt habe ich endlich einen guten Grund, mir das Buch bei nächster Gelegenheit zu kaufen ☺ (heißt: wenn meine Hobbykasse wieder etwas besser gefüllt ist).
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 25.03.2014 | 09:26
Rollenspiele werden aber zuallererst geschrieben und publiziert, um sie zu verkaufen.
Einspruch (siehe Signatur). Verkaufen ist schön, aber es gibt auch einen persönlichen Anspruch an die Regeln. Oder warum machen alle ihre FATE-Abwandlung, statt sich an ein kanonisches Regelwerk zu halten?

Und Einspruch: Schreibstil, Hintergrund, Artwork und Werbung haben einen deutlich größeren Einfluss auf die Kaufentscheidung als die Regeln. Regeln müssen schon sehr kaputt sein, um die Verkaufszahlen eines Spieles zu ruinieren. Ein langweiliger Schreibstil dagegen tötet. Das DSA4 Grundregelwerk steht nicht wegen seiner Regeln fast ungelesen in meinem Schrank…
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Galatea am 25.03.2014 | 15:44
Ehrlich? Wenn ein Regelwerk mit Unterschieden wie "spitze" und "eckige Waffe" anfängt, und dann noch mit Relation zur Rüstung kommt, dann ist das für mich eher ein Grund, nach etwas anderem zu schauen.
Noch eine Anmerkung dazu: Ich stimme dir durchaus zu, dass es Regelwerke gibt bei denen das völlig egal ist. Diese Regelwerke sind aber entweder extrem minimalistisch, extrem auf Stroytelling ausgelegt oder Systeme in denen man so oft die Waffen wechselt/improvisiert (bzw. es einfach keinen Standard gibt, also auch Armeen ein wildes Kuddelmuddel an Waffen ins Feld führen), dass der Aufwand zu groß wäre die alle darzustellen.

Sobald es in einer Welt aber relevant wird, dass bestimmte Personen/Gruppen/Nationen/Kämpfertypen bestimmte Waffen tragen, möchte ich bitte auch, dass sich die Gründe dafür irgendwo im Regelsystem wiederfinden - sprich, dass es auch für den betreffenden Charakter einfach sinnvoll ist sich so auszurüsten und nicht einfach irgendwas anderes zu nehmen (sei es aus Gründen der Performance oder der Verfügbarkeit). Sonst bekommt man am Ende Infiltratoren mit Granatwerfern, Legionäre mit Säbeln, Reiter mit Messern oder Anti-Pferdtruppen mit Florett.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Trollkongen am 25.03.2014 | 16:27
Ehrlich? Wenn ein Regelwerk mit Unterschieden wie "spitze" und "eckige Waffe" anfängt, und dann noch mit Relation zur Rüstung kommt, dann ist das für mich eher ein Grund, nach etwas anderem zu schauen.

Es interessiert mich schlicht und einfach nicht, wie ein realistischer Kampf en detail abläuft. Ich will einen dramatischen Kampf, wie ich ihn in total unrealistischen, aber unterhaltsamen TV-Serien zu sehen kriege. Die versuchen auch nicht, den Kampf besonders realitätsnah zu gestalten.

Kommt natürlich ganz darauf an, welchen Anspruch man hat. Wer es cineastisch und dramatisch mag, braucht natürlich weder realistische Anmutungen noch eine, sagen wir: taktische Auslegung. Wer hingegen an den letzteren Dingen auch interessiert ist, der ist mit einem ganz abstrakten System nicht sehr zufrieden.

Ich glaube ja, dass man beides ganz gut vereinen kann - jedenfalls in der Form, dass ein System herauskommt, das viele Möglichkeiten bietet - und dennoch recht einfach und eingängig. (Verglichen jedenfalls mit dem, was sich so am Markt bereits tummelt.)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Frater Goritz am 25.03.2014 | 19:21
Und von vernünftigen Spielern ausgehend lässt sich ja eigentlich immer eine taktisch-realistisch annehmbare Lösung finden, da ließe sich auch mit etwas Verstand und Karopapier aus nem recht abstrakten System was simulatorreifes schöpfen, so zumindest meine naive Erfahrung ;)
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Funktionalist am 25.03.2014 | 20:28
Back to topic?
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: YY am 25.03.2014 | 22:18
Das DSA4 Grundregelwerk steht nicht wegen seiner Regeln fast ungelesen in meinem Schrank…

Aber es steht in deinem Schrank  ;)
*/Captain Jack Sparrow*

Back to topic?

Mir ist ehrlich gesagt noch nicht so ganz klar, wo dieser Regelansatz hin soll.
Was ist sein spezifischer Vorteil* und welches Spielgefühl soll er erzeugen?

*Denn als Effekt eines konventionelleren Regelsystems kann so ein Verlauf ja durchaus ebenfalls auftreten. Je nachdem sogar ziemlich vorherseh- bzw. reproduzierbar - aber wenn man das mit Absicht begünstigen bzw. herbeiführen will, muss es ja Gründe dafür geben.

Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: Funktionalist am 25.03.2014 | 22:40
Gewalt ohne Ziel ist langweilig. Mit einer Gewaltdpirale, die man provozieren kann und dem mitskalierenden Schaden kann man sie tatsächlich einsetzen.

ich denke grad an Verbrecherkomödien wie lock stock smoking barrels oder serien wie the spranos.
Titel: Re: Es ist der Anwender und nicht die Waffe
Beitrag von: ArneBab am 25.03.2014 | 22:44
Aber es steht in deinem Schrank  ;)
*/Captain Jack Sparrow*
Es ist DSA, und DSA hat mein Leben verändert (zum Guten) - auch wenn ich es seit ~12 Jahren nicht mehr spiele. Vielleicht ändert sich das allerdings bald wieder ☺