Disclaimer: Dieser Thread wäre auch in Brainstorming gut aufgehoben. Ich hoffe aber, dass die bereits enthaltenen Quellen von allgemeinem Interesse sein könnten und erwarte (ganz egoistisch) hier ein wenig mehr Resonanz.
Jeronimo,
es ist soweit: die Kombination aus Theater-Erfahrung, Buchwissen und Größenwahn hat mich dazu getrieben auf der diesjährigen H-Spielt (http://www.hspielt.de/index.php?link=programm&sublink=system) einen "Impro-Theater-und-Rollenspiel" Workshop (http://www.hspielt.de/index.php?link=programmpunktnew&punkt=696) anzubieten...
Nachdem ich den ersten Schreck (angesichts meiner Selbstüberschätzung) nun verdaut habe, befinde ich mich derzeit in der heißen Vorbereitungs- und Recherche-Phase. Daher dann auch dieser Thread sammt Anliegen:
Welche Literatur und Quellen sollte ich zum Thema "Rollenspiel und Improvisation" noch heran ziehen?
Der Workshop wird sich in erster Linie mit Schauspielen und entsprechenden Übungen auseinander setzen. Dabei liegen die Techniken zur spontanen Erzeugung von Handlungsbögen und Charakterentwicklung im Fokus.
Aber ich möchte darüber hinaus sowohl die Chancen als auch die Schwierigkeiten des Ansatzes erörtern. Kritik an dem medialen Transfer ist ebenso passend, wie Gedanken aus anderen "ergebnisoffenen" Erzählweisen oder Standpunkte gegen den gesamten Komplex (so diese denn argumentativ untermauert werden).
Im nächsten Post stelle ich mal meine bisherige Liste vor. Vielleicht kann dies dann ein Quellen-Sammelthread für all diejenigen werden, die näheres Intresse am Thema haben.
Ich bin dankbar für alle Anregungen.
So, hier ist meine Liste bis jetzt...
Bücher und Texte zum Thema
Play Unsafe von Graham Walmsley Link (http://www.amazon.com/Play-Unsafe-Improvisation-Change-Roleplay/dp/1434824594)
Die Initial-Publikation, die sich des Themas annimmt. Knurz, knapp, knackig und inzwischen weit verbreitete Inhalte. Hier (http://tanelorn.net/index.php/topic,75094.0.html) wird es im Forum besprochen. Inzwischen auch auf Deutsch & inklusive Hörbuch (http://www.sphaerenmeisters-spiele.de/epages/15455106.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/15455106/Products/3W20IBK).
Spielleiten von Dom(inic Wäsch) Link (http://www.sphaerenmeisters-spiele.de/epages/15455106.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/15455106/Products/RBL2101)
Die zweckmäßige und methodische Darstellung von Dom transportiert u.a. auch viele "Play Unsafe" Gedanken in den deutschen Sprachraum. Sie beschäftigt sich sehr sinnig mit dem Vorbereiten und Leiten von ergebnisoffenem Spiel. Wehrmutstropfen: "Spielleiten" kann - ohne das die Intention bestehen würde - Leute dazu verführen die Impro-Ideen hauptsächlich als Ansprüche an den SL wahrzunehmen.
Improvisation und Theater und Theaterspiele von Keith Johnstone Link (http://www.amazon.de/s/ref=nb_sb_noss_1?__mk_de_DE=%C5M%C5Z%D5%D1&url=search-alias%3Dstripbooks&field-keywords=keith+johnstone)
Keith Johnstone hat wahrscheinlich mehr Einfluss auf die Improtheater-Szene als jeder andere lebende Mensch. Diese Bücher sind nicht zufällig die Quelle fast aller Impro-Ideen (z.B. derer von Walmsley).Nebenbei: ich mag beide Bücher, halte aber Theaterspiele für noch direkter anwendbar.
Improvisationstechniken von Viola Spolin Link (http://www.amazon.de/Improvisationstechniken-f%C3%BCr-P%C3%A4dagogik-Therapie-Theater/dp/3873872099)
Der andere Name, ohne den sich nicht über neuzeitliches Improtheater sprechen lässt, ist Viola Spolin (sie wirkte deutlich vor Johnstone). Spolin klingt mMn manchmal sehr pädagogisch-esoterisch oder gar pathetisch. Aber ihre Arbeit und Techniken sind nichtsdestotrotz wertvoll. Spannend ist, dass Spolin Methoden quasi "rollenspielerischer" daher kommen als die von Keith Johnstone. (Es gibt z.B. einen SL und viele Gedanken über die Spielfeld-Definition "Wer?" "Wann?" "Wo?".)
Geschichten des Augenblicks - Magisterarbeit von Sonja Thöneböhn Download-Link (http://www.impro-theater.de/dmdocuments/wissenschaft/Improvisationstheater_Dramaturgie-Sonja_Thoeneboehn.pdf)
Eine öffentlich zur Verfügung gestellte Magisterarbeit, die sich mit der Erzeugung von Struktur im Impro-Theater anhand der "Reise des Helden" (nach J. Campbell) befasst. Die Arbeit bietet auch einen schönen Überblick über Improtheater (Mimus, Commedia dell 'arte, Moreno, Johnstone, Spolin, Boal & Fox).
Campbells Monomythos hingegen ist ja beinahe schon Allgemeingut in RSP-Kreisen - was ich für produktiv halte, so lange die Anwendung umsichtig bleibt. Die Struktur wird innerhalb der Arbeit nochmals darsgestellt. Für meinen Geschmack könnten noch mehr konkrete Techniken zum "Heldenreisen improvisieren" dabei sein. Dennoch auf jeden Fall einen Blick wert.
Improv Encyclopedia Link (http://improvencyclopedia.org/Download.html)
Es handelt sich um eine Internet-Seite, die viel Informationen über Impro-Theater zusammenträgt und diese auch als PDF zum Download bereit stellt. Gut für denjenigen, der mal die wichtigsten Spiele, Übungen und Richtungen nachschlagen möchte.
Interaktive Dramaturgie - Studienarbeit von Florian Sander Link (http://www.kreativrauschen.de/text/interaktive-dramaturgie.pdf)
Eine kurze Einführung in interaktive Dramaturgie, die sich eher an Computer-Entwickler richtet, aber hauptsächlich die Grundlagen erläutert und daher in Sachen "medialer Transfer" durchaus Nutzwert hat. Ich finde das Thema insofern spannend, als dass es auch hier um freies (nicht gescriptetes) Erzeugen eines Handlungsbogens geht.
Playing Reality - Reader von Elge Larsson (Editor) Link (http://nordiclarp.org/w/images/9/97/2010-Playing.Reality.pdf)
Es gibt ja diverse (http://nordiclarp.org/wiki/Knutepunkt-books) Artikel- & Essay-Sammlungen zum nordischen LARP bzw. "interacting arts". (Siehe auch Asris Hinweise (http://tanelorn.net/index.php/topic,70283.msg1638542.html#msg1638542) :d .) Ich glaube Impro-RSP kann von Jeepform und Artverwandten viel lernen und die Beiträge dieses exemplarischen Werkes haben mir recht gut gefallen.
Das "Tipps & Tricks" Kapitel in Spirit of the Century Link (http://bzr.mausdompteur.de/fate3/fate3.html#tips-and-tricks) Download (http://www.faterpg.com/dl/)
Ich kenne wenige Texte, die so verwertbare, praxisnahe SL-Tips geben, sich dabei auf Improvisation beziehen und sie auch noch mit dem Eingeben von Struktur befassen. Ein Must-Read - auch wenn er nicht speziell den Theaterbezug herstellt.
Von Netzwerken und lauten Bangs von Andreas Melhorn Link (http://unknown-armies.de/zimmer/netzwerke.pdf)
Dieser Artikel für Unknown Armies stellt eine gute Übersicht für verschiedene Methoden des "ungeploteten" Spiels. Die längere Variante findet sich im Malmsturm-Regelwerk (http://malmsturm.de/downloads/).
Ich besitze außerdem verschiedene Bücher, die rezeptartig Impro-Übungen vorstellen. Teilweise sehr praktische Anleitungen, die aber nicht so viel Grundlagen erörtern und daher recht Theater-bezogen bleiben. Bei Interesse könnte ich dennoch ein paar Tipps posten.
Rollenspielsysteme
Forsooth! Link (http://spoiledflushgames.com/games/forsooth/)
Spielt ein Shakespeare-Stück, das es noch nicht gibt. Ein sehr klar am Improv orientieres System, das noch dazu viel Theater-Terminologie nutzt. Schöne, schnelle, zweckmäßige Regeln. Vielleicht DAS Improv-System derzeit.
Skulduggery Link (http://www.pelgranepress.com/?p=1191)
Vom Multi-Viel-Diverses-RSP-Designer Robin Laws. Ein System zum schnellen losspielen und akzeptieren (müssen) der Eingaben anderer. Nicht mein Favorit, aber eine Erwähnung wert.
Archipelago II Link (http://norwegianstyle.wordpress.com/2009/07/04/archipelago-ii/)
Sowie seine Ableger & Verwandten (Anarktica, Love in the Time of Seið, Itras By)
Das System ist straight-forward und hat einige wirklich gelungene Impro-Elemente, ihm fehlt aber Mechanik zur Reinkorporation und Versprechen...
Fiasco Link (http://www.bullypulpitgames.com/games/fiasco/)
Fiasco lässt einfach nichts anderes zu als Improvisation. Es illustriert den Zusammenhang zwischen Creative Constraint, Beziehungen und gebrochenen Charakter-Agendas, provoziert einen Handlungsbogen und ist einfach cool...
Dogs in the Vineyard Link (http://www.lumpley.com/dogs.html)
Auch wenn das eigentliche System sich nicht direkt am Improv orientiert, gehört es allein für sein SL-Kapitel ("Say yes or roll the dice!") und seinen ergebnisoffenen Ansatz hier rein.
Grundsätzlich ließen sich hier natürlich auch weitere SL-lose Systeme (z.B. Capes), sowie solche mit Player-Empowerment (prominent: FATE) nennen, da diese Improvisation quasi erzwingen. Aber ich möchte hier nicht den Rahmen sprengen und vor allem nicht das improvisatorische Potential ganz traditioneller Systeme schmälern. Auch D&D, RuneQuest, CoC usw sind mMn hervorragende "Impro-Bühnen".
Ich hätte auch Sorcerer nennen können, allein da ich Bangs sehr schätze, aber ich wollte nicht noch mehr Indie-Scheiß abfeiern ;D. Die entsprechenden Ideen finden sich an anderen Stellen dieser Quellenliste.
In der Web-Sphäre
Dan Goldstein: Wie man ein besserer Impro-Spieler wird (http://www.dangoldstein.com/howtoimprovise_german.html)
Für's Impro-Theater geschrieben - für's Rollenspiel anwendbar. Kann man direkt so Spielern an die Hand geben.
Die Impro Wiki (http://de.improwiki.com/improtheater/Hauptseite) (deutsch)
Viele Spiele, Übungen und Wissenswertes über Impro-Theater auf einer Seite.
YOUTUBE KANAL: Berlin Impro (http://www.youtube.com/user/BerlinImprovideo)
Videos von Improvisationstheater-Aufführungen. Die Berliner spielen viel "Langform mit Regisseur", haben also quasi nen SL vorort ;).
PODCAST: Masterplan, #52 - Reincorporation (http://masterplanpodcast.net/2009/08/ep-52/)
Ryan Macklin diskutiert einen Begriff aus dem Improvisations-theater in seiner Bedeutung für Rollenspiele und, gemäß der Zielsetzung seines Podcasts, vor allem für deren Regeln. Guter Stuff!
PODCAST: The Game's the Thing, 71 - Improv, Play Unsafe (http://thegamesthething.com/episode-071-improv-play-unsafe)
Ein höhrenswerter Podcast in dem Graham Walmsley selbst zu "Play Unsafe" interviewt wird. Auch die nächste Folge befasst sich mit Impro (Robin Laws zu Skulduggery).
FORUMSBEITRAG STORY GAMES: Bang types (http://www.story-games.com/forums/discussion/3304/bang-types/p1)
Mike Holmes analisiert verschiedene Arten von Bangs und kommt auf sehr anwendbaren Gedanken, wie man improvisiertes Spiel anstoßen kann.
BLOG: Ryan Macklins Kritk zu "Play Unsafe" (http://ryanmacklin.com/tag/play-unsafe/)
Ein lesenswerter Denkanstoß, nicht unbedingt meine Meinung - aber "Play Unsafe" ist auch in meinen Augen nur ein Anfang. Sprich: es braucht auf dem Gebiet noch eine ganze Menge methodische Vertiefung.
Hier im :T:
Tanelorn-Spiel-Ratgeber (http://tanelorn.net/index.php/topic,78272.0.html)
Eriksons Zusammenstellung sollte man kennen. Es geht immer auch irgendwie um die Zusammenhänge und verschiedene Ansätze des freien Spiels.
Vermi erklärt Bass Playing (http://tanelorn.net/index.php/topic,41491.msg774471.html#msg774471)
Ein Klassiker des Forums, auch wenn Vermi sagt, die Inhalte seien noch nicht die ganze Weisheit... (hab ich das richtig vertanden?) ;)
Hier die spätere Antwort des Autors selbst. Von Sandkisten und Tandems (http://tanelorn.net/index.php/topic,72861.0.html)
Mann ohne Zähnes Manifest (http://tanelorn.net/index.php/topic,26189.msg515550.html#msg515550)
Sehr interessante Gedanken zu Rollenspielen (und Theater-Parallelen)
Plots, Sandkästen und freies Leiten (http://tanelorn.net/index.php/topic,75628.0.html)
Es ist ja mal spannend, wie die Community so dazu steht...
Und völlig eigennützig:
Meine Threads mit den Stanislawksi-Listen (http://tanelorn.net/index.php/topic,74859.msg1531881) und
mit Spielübungen (http://tanelorn.net/index.php/topic,66102.0.html). Beide wurden sträflichst vernachlässigt und schleifen gelassen... :-[