Hey liebes Tanelorn,
Hier soll es um ein eher "handwerkliches" / "rhetorisches" Problem des Spielleitens gehen.
-Namen: Mir fallen keine Namen ein.
-Einrichtung: Meine Räume und Szenen wirken erstmal relativ kahlHm - wie ungewöhnlich sind denn die Räume? Versuch doch mal, die Orte einfach als "typisch" zu bezeichnen, und nur ein oder zwei Merkmale zu nennen, die den Charakteren in die Augen fallen. Wenn sie mehr wissen wollen, sollen sie fragen. Also: "Der Marktplatz zeigt das übliche geschäftige Treiben, irgendwo hört ihr Hundebellen. Euch fällt auf, dass nicht weit von Euch ein Tuchhändler ist, an dessen Stand ungewöhnlich viele Leute stehen." Oder: "Ihr steht in einem typischen Großraumbüro mit Cubicles, insgesamt vielleicht 30 Arbeitsplätze. Rechts an der Wand ist ein großes Whiteboard mit einer Skizze und ein paar Notizzetteln, die durch Magnete gehalten werden."
-Schnelle Szenen- und Orts-Wechsel machen mir immer etwas probleme, ich muss dann meist kurz in meinen Unterlagen kramen, um einen gedanklichen Schnitt machen zu können und mich auf die neuen Figuren, Objekte und Handlungen einstellen zu können.
rasend schnell zu improvisiern, zu erfinden, blumige Beschreibungen und Bezeichnungen für unerwartete Spielernachfragen aus dem Ärmel zu zaubern.
-Namen: Mir fallen keine Namen ein. Nie! Sei es für Städte, Ruinen, Dämonen, Landstriche, Personen, Schiffe... Dann wird immer irgendwas ausgelutscht klingendes hingerotzt, damit sich das Spiel nicht zu lange verzögert. Dabei erlebe ich es oft, dass Spielleiter sehr schnell eingängige Namen für unvorbereitetes zur Verfügung haben, vor allem Namen, die dem Objekt gewisse zusätzliche Aspekte verleihen oder zum Ausdruck bringen.
-Einrichtung: Meine Räume und Szenen wirken erstmal relativ kahl, man steht meist erstmal auf einer "großen weißen Fläche", und erst auf NAchfragen der Spieler hin kann ich kommunizieren, wie der Raum sich in meinen Gedanken darstellt.
-Schnelle Szenen- und Orts-Wechsel machen mir immer etwas probleme, ich muss dann meist kurz in meinen Unterlagen kramen, um einen gedanklichen Schnitt machen zu können und mich auf die neuen Figuren, Objekte und Handlungen einstellen zu können.
-Mir passiert es hin und wieder (bei weitem nicht "dauernd", aber es kommt vor), dass ich vergesse ein wichtiges Schlüsselstück des Plots, das in einer Szene erhalten werden kann einzubauen. Die Spielerschaft steht danach quasi im Regen, weil ihre letzte Spur im Sand verlaufen ist. Ich muss dann irgendwas hinmurksen, um ihnen den Hinweis nachträglich auf anderem (und möglichst einigermaßen plausiblem Wege) zukommen zu lassen.
1. Woran liegts?
Bin ich einfach langsam? Ist meine Vorbereitung undurchdacht und lückenhaft? Fehlt mir einfach Erfahrung? Dass ich unter einer gewissen Konzentrationsschwäche leide ist mir bewusst, aber die hat mir gefälligst nicht so sehr im Weg zu stehen :D
2. Was kann man dagegen tun?
Systematische Vorbereitungen? Sprech- und Improvisationsübungen? Ein Baukasten mit generischen Namen, Orten, Möbeln... vielleicht als Spielleiterschirm? Gedächtnis- und Konzentrationsübungen? Einfach mehr Settingbeschreibungen lesen?
Ein beliebig komplexes Problem kann von jedem gelöst werden, wenn er genug Zeit dazu hat.
Mein Tipp (beim Spielleitern wie anderswo): Man erreicht mehr, wenn man sich auf seine Stärken konzentriert, als wenn man seine Zeit darauf verwendet, seine Schwächen zu verbessern. Womit wir dann doch wieder ontopic wären.
Und mir fällt da noch einer ein:+1
Wälze doch auch etwas Arbeit auf deine Spieler ab. Sie können doch ruhig auch mal Orte, NSCs, usw. erfinden oder verkörpern. Manchmal frage ich einfach: "Ok, du bestellst dir ein Bier beim Wirt. Du wechselst ein paar Worte mit ihm und er ist dir sofort sympathisch, warum?" Menschmal kommen da die abgefahrensten und lustigsten Sachen bei rum und die Spieler sind einem dankbar, da sie ihre Hintergrundstory einbauen können.
Höre nicht auf das Märchen vom freien Rollenspiel, bei dem sich die Story aus dem Spiel ergibt und alle ein total duftes Erlebnis haben, welches alles andere mühelos toppt. Das wird gerade hier im Tanelorn praktiziert und ist nach meiner Wahrnehmung eine geschönte Wirklichkeit. Ja, Sandboxing, freies Spiel und so weiter können sicherlich Spaß machen, sind aber keineswegs der heilige Gral des Spiel. Sie stellen vielmehr erstens nur eine bestimmte Variante dar, zu der sich Alternativen bieten, und sie haben zweitens ihren Preis: Leerlauf, Orientierungslosigkeit, fehlende Spannungsbögen und so weiter. Es gibt das perfekte Spiel nicht, alles hat leider seine Vor- und Nachteile. Ich habe schon sehr viele Gruppen plus SL gesehen und die Konsequenz, die ich für mich gezogen habe: gutes Rollenspiel ist höchst subjektiv, plakative Heilsversprechen sind Scharlatanerie.
Obwohl meine Runden in ihrer gesamtqualität zunehmend besser werden, und ich mit der Entwicklung soweit ganz zufrieden bin, beneide ich viele Spielleiter noch um ihre Fähigkeit, rasend schnell zu improvisiern, zu erfinden, blumige Beschreibungen und Bezeichnungen für unerwartete Spielernachfragen aus dem Ärmel zu zaubern.
ist es auch nicht wurde aber wo behauptet?
Ja, Sandboxing, freies Spiel und so weiter können sicherlich Spaß machen, sind aber keineswegs der heilige Gral des Spiel.
Die Mär von der guten Improvisation kann ich im Grunde gar nicht mehr hören: Ausnahmslos jeder SL der sich bei mir bisher gerühmt hat, absolut toll improvisieren zu können, hatte gerade einen schlechten Tag wenn er es denn musste. Unser bester SL den wir bisher hatten, hat ab und an 10 Minuten Pause gemacht um sich zu überlegen wie der Plot dann weiter geht. Das war perfekt, wir haben konzentriert gespielt und die Pausen dann eben zum Quatschen oder Essen genutzt.
Hi,
außer den Tipps, die bereits genannt wurden, hab ich leider auch nichts zu bieten. Mir geht es auch so, dass ich viele Orte, NSCs usw. auf Vorrat vorbereite, um sie dann bei Bedarf aus dem Hut zu ziehen. Neulich hat mich mal eine Spielerin gelobt, weil ich in einer Situation so toll improvisiert habe. Fakt war aber, dass ich für eine solche Situation sozusagen einen Notfallplan hatte, und dass ich sogar ganze Sätze, die der coole NSC sagen sollte, vorformuliert hatte.
Auch wenn ich sonst nichts beisteuern kann: Vielleicht hilft es dir aber zu wissen, dass es mir ganz genauso geht, und das obwohl ich auch schon viele Abenteuer geleitet habe.
Aloha
Saffron
Hi,
außer den Tipps, die bereits genannt wurden, hab ich leider auch nichts zu bieten. Mir geht es auch so, dass ich viele Orte, NSCs usw. auf Vorrat vorbereite, um sie dann bei Bedarf aus dem Hut zu ziehen. Neulich hat mich mal eine Spielerin gelobt, weil ich in einer Situation so toll improvisiert habe. Fakt war aber, dass ich für eine solche Situation sozusagen einen Notfallplan hatte, und dass ich sogar ganze Sätze, die der coole NSC sagen sollte, vorformuliert hatte.
Auch wenn ich sonst nichts beisteuern kann: Vielleicht hilft es dir aber zu wissen, dass es mir ganz genauso geht, und das obwohl ich auch schon viele Abenteuer geleitet habe.
Aloha
Saffron
Klar, wobei ich dazu sagen muss dass das sehr durchdachte Plots waren, mit vielen Gegenspielern, die dann halt entsprechend reagieren mussten. Da hat er dann gesagt: ich brauch jetzt mal 10 Minuten um mir durch den kopf gehen zu lassen, wie die Parteien da jetzt reagieren.
Aber falls du das mit dem Improvisieren meinst: Ja, ausnahmslos.
War das in einem System, dass Impro unterstützt oder nicht?
Ein guter/handfester Plot bedarf normal harter Arbeit und Vorbereitung. Natürlich kann Improvisation das auch schaffen, allerdings ist die Wahrscheinlichkeit dafür deutlich geringer (kann durch das entsprechende System natürlich erhöht werden). und wenn ich von meinem SL so etwas möchte, dann muss ich ihm auch mal die Zeit geben was zu überlegen.
Selbst wenn wir das mal als gegeben hinnehmen (was ich nicht so offensichtlich finde1), ist es eben dennoch eine Frage des Spielstils. Wenn die Gruppe auf Plots setzt, dann ist dies eine Herausforderung. Aber es gibt auch Gruppen, die vor allem auf Charakterspiel stehen. Daher meine Frage weiter oben.
1) Mir schein nämlich, dass meine aktuelle Runde genau so läuft, wie du meinst, es wäre unmöglich. Das ist aber natürlich nur ein schwacher Beleg, da Menschen sehr schlechte Beobachter ihrer eigenen Natur und Denkprozesse sind. (Weshalb Rollenspieltheorie so hilfreich ist.)
und wenn ich einen Namen brauche - frage ich meine Spieler..Hm, ich finde das ein wenig unstimmig, wenn bei jedem Auftreten eines NSCs der Name ausdiskutiert werden muss. Aber das mag Geschmackssache sein.
Wenn nichts geht:ja so ungefähr läuft das bei uns auch, vielleicht nicht bei jedem NPC, manchmal fallen mir ja auch Namen ein, so ist das ja nicht :D Aber bei uns läuft das gut :d
Lass doch die Spieler die Arbeit machen
Spieler: "Meine Figur geht zum örtlichen Schmied um sein langschwert reparieren zu lassen
Ich frag den zuerst einmal nach seinem Namen."
SL: "Gut, wie soll er denn heissen?"
[Ist absolut nicht mein Spielstiel, aber auf Cons schon oft gesehen das es gut lief]