Tanelorn.net

Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Rev. Bilk am 22.03.2013 | 10:08

Titel: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Rev. Bilk am 22.03.2013 | 10:08
Ausgehend von der Frage, wann D&D Next erscheinen würde - und vor allem auf Deutsch - ließ ich mich zu folgendem Kommentar hinreissen:

Zitat
Die Frage würde ich eher anders sehen: welcher deutsche Verlag würde das noch machen wollen? Generell stellt sich mir die Frage, wenn man sich die doch recht häufigen Wechsel der Verlage, die offenbar schwierige Zusammenarbeit mit den Rechteinhabern und die fehlende Kontinuität eines "deutschen" D&D anschaut...

Hinweis: als "deutsches D&D" nehme ich bewußt mal Pathfinder raus, mir geht es hier um die Marke und das Hauptsystem - nebenbei wage ich zu behaupten, das Ulisses sich keine direkte Konkurrenz zu Pathfinder ins Haus holen wird.

Generell stellt sich mir die Frage, warum es deutsche Übersetzungen (scheinbar?) häufig so schwer haben. Neben D&D fällt mir das gerade bei Warhammer 3e auf. Aber auch GURPS scheint davon betroffen.

Da ich aber denke, dass dies hier schon mal durchgekaut wurde, verweise man mich bitte auf den betroffenen Thread - ich finde den nicht. Ansonsten: Feuer frei.

PS: mir ist zwar klar, das ein Argument geringe Verkaufszahlen sind...aber warum gibt es dann zB eine fast vollständige italienische Ausgabe von D&D 4e (Stand Juni 2011)? Der deusche Sprachraum ist IIRC nicht kleiner als der Italienische... wtf? 
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: La Cipolla am 22.03.2013 | 10:12
Ich weiß nicht, ob Italien so was wie DSA hat, das einen Großteil der casual Rollenspieler für sich einnimmt.

Im Fall von D&D kommen die hohen Lizenzkosten +Erwartungen seitens Wizards dazu (das war das Problem bei der vierten Edition, zusammen mit nicht allzu berauschenden Verkaufszahlen). Gurps ist hier vielleicht einfach nicht so gut angekommen - für mich ist Gurps immer irgendwie so das alte nette Ding, das ein paar Nostalgiker spielen. ;D

Was gibt's denn noch an Großen? Pathfinder läuft sehr gut, Dark Heresy etc. afaik auch. Die nWoD ist an einer Mischung aus oWoD-Fanatismus und zweifelhaften Veröffentlichungsstragien seitens Feder & Schwert gescheitert, meines Wissens.

Ich denke nicht, dass man verallgemeinern kann, dass es Übersetzungen von großen Rollenspielen in D. schwierig haben.
Oft scheitert es eher an der Umsetzung, oder daran, dass das spezifische Produkt in Deutschland ein kleineres Publikum findet.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Praion am 22.03.2013 | 10:16
DnD ist es dort glaube ich. Ich müsste meinen internationale Rollenspielszene Podcast checken...

In Italien wird aber auch wesentlich mehr Indie gespielt.

 ::) Warum frag ich nicht einfach meine italienischen Leute auf G+?
Gleich zurück...
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Rev. Bilk am 22.03.2013 | 10:29
Zitat
Pathfinder läuft sehr gut

Richtig...aber warum schafft Paizo mit Pathfinder und Ulisses das? Bzw. warum scheitern die Anderen?

Zitat
Warum frag ich nicht einfach meine italienischen Leute auf G+?  

Da bin ich mal gespannt.. :d PS: es wäre nett, wenn Du mal nach Pathfinder als Vergleich fragen würdest. IIRC gab es auch dazu eine recht ansehnliche italienische Umsetzung..?!
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Arldwulf am 22.03.2013 | 10:32
Bei D&D war das Problem seinerzeit auch der niedrige Dollarkurs. So kam es dass man die englischen Grundregelbücher (alle 3) schon zum Preis von einem einzelnem deutschem Buch bekam.

Gleichzeitig war F&S aber auch selbst schuld - schon vor Veröffentlichungen der Bücher war ja klar das die Lizenz ausläuft und weitere Produktionen sehr unsicher wären. Da kauft man natürlich dann auch lieber woanders.

Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Praion am 22.03.2013 | 10:41
Da bin ich mal gespannt.. :d PS: es wäre nett, wenn Du mal nach Pathfinder als Vergleich fragen würdest. IIRC gab es auch dazu eine recht ansehnliche italienische Umsetzung..?!

Mach ich, ich poste mal so bald ich ein paar Stimmen gesammelt habe.  :btt:
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Archoangel am 22.03.2013 | 10:48
Bei D&D war das Problem seinerzeit auch der niedrige Dollarkurs. So kam es dass man die englischen Grundregelbücher (alle 3) schon zum Preis von einem einzelnem deutschem Buch bekam.

Gleichzeitig war F&S aber auch selbst schuld - schon vor Veröffentlichungen der Bücher war ja klar das die Lizenz ausläuft und weitere Produktionen sehr unsicher wären. Da kauft man natürlich dann auch lieber woanders.



Hallo? Noch alles klar im Oberstübchen? Feder und Schwert sind also schuld daran, dass die Wotzies die Lizenzgebühr neu verhandelt und geisteskranke Vorstellungen hat? Was hat F&S denn gemacht? Die sind ohne böse Gedanken zu den Verhandlungen gegangen und dann erst einmal in Ohnmacht gefallen. Es ist ja nun auch nicht so, dass die Wotzies mit ihren Lizenzverhandlungen ein gutes Händchen gehabt hätten - schau einfach in wie vielen lizensierten Fassungen $E rausgekommen ist. Und die Visage, die das für die Wotzies in die Wege geleitet hat ist ja auch keine sechs Monate später rausgeworfen worden. Nur war der Zug dank Pathfinder dann schon abgefahren.

Edit: auf Wunsch der Moderation einen Satz gestrichen. War nicht persönlich beleidigend gedacht, wie Arldwulf sicher weiß.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: kalgani am 22.03.2013 | 10:55
Richtig...aber warum schafft Paizo mit Pathfinder und Ulisses das? Bzw. warum scheitern die Anderen?

lizenzgebühren, ich glaube paizo will (fast) gar keine haben.
außerdem ist das übersetzungsteam für PF nen haufen positiv verrückter Fans, sollte man nicht vergessen.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Arldwulf am 22.03.2013 | 10:57
Lies doch mal was da steht: Es geht darum dass Spieler natürlich weniger motiviert sind sich in ein System einzukaufen wenn sie wissen: Da wird aber danach nichts mehr kommen, nach diesen Büchern muss ich ohnehin zu englischen Regelwerken greifen.

Ich war bei den Verhandlungen nicht dabei, wer am scheitern dieser Schuld hat kann ich dir also nicht sagen. Habe ich aber auch oben nicht getan. Da ging es nur um die Aussage "wir machen erstmal nur die Grundregelwerke".
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Praion am 22.03.2013 | 15:32
Okay, hier ist das was ich zu Italien bekommen habe:

Wenn ihr nur Zeit für 1 habt, lest das von Alessandro Piroddi

Zitat von: Daniele Di Rubbo
In Italy there is much of D&D, mainly among traditional gamers. Actually, I think D&D is the most played role-playing game in Italy. There are lots of D&D 4 gamers, but I have clues D&D 3.X gamers are several more.

About the indie landscape we have three (two?) small presses who mainly translate English language games, but we have also Italian games, such as L’Amore al Tempo della Guerra (Love in the Time of War) by +Mario Bolzoni and +Luca Veluttini, RavenDeath (you can find it in English at Lulu.com) by +Iacopo Frigerio, Piombo by +Daniele Lostia, Elar by +Davide Losito, and Novanta Minuti (Ninety Minutes) by +Matteo Turini, who won Game Chef 2012.

I think we are so active because we managed to build a nice and warm community. ;-)

Zitat von: atrick Marchiodi
That said, DnD4 didn't have much of a success here in italy, at least as far as I have seen (and I'm on a quite active DnD forum). DnD3.X and White Wolf rpgs are the most widespread games here, though as Daniele said, in the last years a very active indie rpg community has formed and grown, though we still are "only" a few hundred (i think, I don't have actual data).
There are also some small publishers who bring less famous games to italy, and games by italian authors too. Some even get quite famous, as for example Sine Requie (a traditional horror-fantasy-science fiction rpg) or the newer The One Ring (which was published in england first).

Zitat von: Claudio Salvalaggio
I think that the bulk of Italian RPgamers plays DnD et similia, but the indie scene is getting more and more acknowledged in the last 5 years indie games won the Lucca Comics&Games "Best of show" 3 times out of five, and many side awards.

Zitat von: Daniele Di Rubbo
Pathfinder got some success among that players who sought a newer alternative to D&D 3.X. That kind of gamers seems to appreciate it as a better game. Many old D&D 3.X gamers recognized Pathfinder far what it is (in my opinion, at least): a sort of D&D 3.75 with not so many changes to make it an entire new game and prefered to rely on D&D 3.X (in this case they have not to buy other expensive manuals).

Zitat von: Giulia Cursi
We have a Community on G+ Tim and a forum, if you are interested in share some "design stuff". :)
I'm sorry that we write in italian most of the time, but the majority of us understand english... and even deutsch (not me I don't remember more than Ich spreche kein Deutsch and I'm not sure about it! ^^') .

Our forum: www.gentechegioca.it

Actually a lot of Italian indie rpg are rising. :D

Zitat von: Matteo Turini
I've come late, everybody has already said what there was to say.

Zitat von: Alessandro Piroddi=
To sum up, for indie games there is a strong, friendly and quite large (for the numbers of indie games, of course) community that loves to play, and meet together, and drink good beer and wine, and eat good food talking about games.

Plus, we're starting to write games by ourselves, and we studied a lot other games and talked very much about design and theory concepts. We have a couple of small presses that translate english-language games and that publish also italian games.

So I believe that's why the italian community is so active, at the moment.

I can't speak much for D&D, but, as far as I remember, the press that printed the game closed the D&D4 line of production, because it was not rewarding enough.

in my experience, the bulk of italian rpg gamers is of the D&D3.xfinder persuasion (I group together D&D 3.0, 3.5 and Pathfinder as thay are [and are perceived as] more or less the same thing, in different evolutionary stages).

Another big chunk, but quite far behind the D&D agglomerate, is a die-hard fan of White Wolf late successes, mostly Vampire.

We can consider this two game lines as the main players in the major leage.

Lots of scattered people tried at least once some other traditional rpg... CoC would be prominent, but CP2020 and Rolemaster are good examples, but there is a lot of variety once you look into the bushes.

Sine Requie is a special exception as it is sort of a "national hero" and has quite a following.

In this scenario D&D4 is widely seen as "not-D&D" :P
It is a different game with a very famous brand stamped on it.
It is played and appreciated, but I think the numbers are on the level of Sine Requie... a big player ... but in the minor ligue.

But... the people you see online is just a fraction of the real-life gamers.
And a big section of the real-life gamers are not very active.
I've seen a LOT of people talk about the rpgs they love and follow, but when you ask about their gaming habits they actually don't play anymore, or very sporadically.
They are all very "sedentary", meaning they rely on THE ONE group of people they usually contact to play, and if such group experiences any sort of problem anc can't play ... well ... they don't play.

It's a bit like the old saying: those who can't do, teach.
Well here: those who can't play, talk.

It is not as dramatic as it sounds, but it is an element to be taken into account.
And it still means that the huge majority of real-life roleplayers are of a D&D3.xfinder persuasion, don't get me wrong, but these are things to keep in mind if you want to get a general picture of the situation.

This is, you can see, all related to traditional gaming.

Indie games (always in my personal experience) are of course a minority in this picture, but a very vital and vibrant one.
And repidly growing.
In the online universe almost everybody knows they exist (although there is much disinformation).
This may not be entirely a good thing, as our forums are (still) ravaged by bitter flame wars ... the situation is somehow settling and information is slowly taking the place of religion and superstition ... but still, most topiks can easily become explosive :P

The online indie community is VERY active and produces LOADS of materials: from Actual Plays to Reviews, Hacks, FAQs, online gaming (by Forum at first, mostly by Hangout now).
We have lots of little design competitions that are brewing lots of little games ... and not so little too, as some got as far as actual publication (both digital and physical) and distribution.

The interesting element here is that the online community is almost congruous with the real life community ... the online people talks BECAUSE is actively playing.
And, just like in the case of traditional gaming, real life players are much more than the playerbase active and visible online.

This also leads to a very ACTIVE population.
Almost each month there is at least one indie-gaming event going on somewhere in the nation... and I mean conventions organized by players for players where you go, sit and play at stuff.

Traditional rpgs usually are present only at big organized "container events" where you also find boardgames and comics ... or in small local venues, like "saturday gaming at our local comic store".
(indie games are also present in this kind of venies, of course)

. . .

Translation wise, we are an ignorant and lazy population.
If something is not available in italian it will easily fall unnoticed and die out.
That is why there is a market for translated games ... because in Italy Apocalypse World in italian language is a different (and much more succes) product that Apocalypse World in english language.
[/size]

Zitat von: Iacopo Frigerio
Actually the real RPG market in Italy is dying. The most important publisher closed all the dedicated line (it only sells the already printed handbooks), the second publisher only try to go on with supplements of Sine Requie (a traditional game totally italian), the numbers of Sine Requie (over 2000 copies with the basic handbook) are very large, but all the other projects stopped without any gain (They try with Runequest II and with Qin, also they had the rights for Cthulhutech, but they decide to not invest in it). We also have another big publisher, Giochi Uniti (that is the Italian Monster, but related mostly for boardgames), giochi uniti has the rights of two of the most attractive lines in italian market, The tolkenian line (the last with The One Ring) and the lovecraftian line (both with the old Call of Cthulhu and Trails of Cthulhu).

Related to the small italian press, I can share my numbers if you want, but are not comparable with the number of Narrattiva, that is selling more :-)

Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Praion am 22.03.2013 | 15:46
Zitat von: Lavinia Fantini
One thing that I'd like to add/stress is: indie/forge/whatever games, in Italy, are growing very quickly among people who already play and want something new or different, but also among non-players. I think that's due to the "friendly" themes, short duration and simple manuals. A non player that likes mystery novels will probably be interested in A Taste for Murder, while a fan of shojo magna will like the fresh style of GirlxBoy, and these games are simple enough to be understandable by almost everyone and require only a few, common components: playing cards, d6, printing a few sheets (but you can copy therm by hand from the manual, if needed; I've done that more than once).

The (relatively) low prices are another reason: I can buy a game I don't know feeling that if I won't like it that's not a big deal, and this makes the games more accessible to young gamers.
When I was 14 I didn't have enough money to buy the basic D&D 3.5 set (we're talking about 90 €, 60 € if the Monster's Manual is bought later), but I would have had the 15-20 € needed for most of the games translated in Italian.

In my experience, while there are groups of middle/high school kids that decide to play D&D, Vampire, Werewolf, GURPS, etc. on their own, this is the exception (I'm talking about what I experienced, so for people born from the middle 80s onward). It was/is more common to start playing with experienced players, both to have someone who can help you with the difficult bits (like character optimisation, or reading manuals available only in English) and to play without having to buy the manuals, having access to out of print ones etc.

At the last Lucca Comics&Games (the biggest comic, tabletop and board games fair in Italy) I've seen a lot of non gaming adults and teenage and some pre-teen kids interested in indie games due to these characteristics (accessible themes, simplicity, low-medium cost), and I think that in the long run it will create a widespread base of gamers.

Side note: there are several people that I see each year at Lucca or other commercial gaming fairs that are up to date with the games, know what to buy, but are not part of the online community.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: La Cipolla am 22.03.2013 | 15:50
Uh, nette Eindrücke, danke! :)

Zitat
Translation wise, we are an ignorant and lazy population.
If something is not available in italian it will easily fall unnoticed and die out.
That is why there is a market for translated games ... because in Italy Apocalypse World in italian language is a different (and much more succes) product that Apocalypse World in english language.

Sollte man vielleicht auch nicht außen vor lassen. Ich weiß nicht, wie es in der italienischen Nerd-Community ist, aber bei den deutschen Nerds hat ja kaum einer Probleme mit Englisch, jetzt mal total unabhängig davon, was er am Ende bevorzugt. Ich weiß, dass es im südlichen Ausland außerhalb entsprechender Szenen schlechter um die englische Sprache bestellt sein kann als hier (stark regional abhängig -- vielerorts hat man einfach andere Zweitsprachen, die wichtiger sind), was Übersetzungen wichtiger machen könnte.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: kalgani am 22.03.2013 | 16:07
meine erfahrung ist das viele zwar popkultur englisch können aber mehr nicht.
zumindest mal auf die spanier, portugiesen & franzosen bezogen.

und dieses englisch reicht bei weitem nicht um ein komplexes regelwerk zu verstehen.
Titel: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der großen Systeme zu bekommen?
Beitrag von: Rev. Bilk am 22.03.2013 | 18:39
Zitat
Ich weiß nicht, wie es in der italienischen Nerd-Community ist, aber bei den deutschen Nerds hat ja kaum einer Probleme mit Englisch, jetzt mal total unabhängig davon, was er am Ende bevorzugt.

Ich will Dich jetzt nicht schockieren, aber vor gar nicht kurzer Zeit gab es hier einen Fred, der das Gegenteil postulierte: http://tanelorn.net/index.php/topic,79343.0.html ...
Auch aufgrund praktischer Erfahrung habe ich da bei meinen Gruppen mit zunehmendem Teilnehmeralter auch die Hoffnung aufgegeben, obwohl die zuletzt gegründete Runde mal eine positive Abwechslung wird..
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Praion am 22.03.2013 | 18:56
Laut italienischer Auffassung sind wir deutschen generell viel besser in Englisch.

Mag ein Mythos sein aber anscheiend denk man das.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: La Cipolla am 23.03.2013 | 00:08
Hm, keine Ahnung. Im Süden hatte ich auch immer den Eindruck, dass man mit Englisch nicht allzu weit kommt.

@Rev. Bilk: Ich glaube, du interpretierst zu viel in den Thread rein (ganz davon abgesehen, dass er ja auch schon sehr gut die vielfältigen Meinungen zum Thema zeigt ^^''). Da sind ganz viele Nuancen drin, bspw. zwischen "ich kann kein Englisch" und "Deutsch ist mir lieber", ganz abgesehen von der idealistischen Fragestellung "Sollte man Englisch können?", die über die tatsächliche Praxis wirklich gar nichts aussagt. Um festzustellen, wie viele dieser Leute a) genug Englisch fürs Rollenspiel beherrschen und b) auf Rollenpiele verzichten (würden), wenn es keine deutsche Übersetzung gibt, eignet sich der Thread überhaupt nicht. In der Praxis ist das denk ich weitaus weniger kritisch, zumal in solchen Themen ja oft auch die laut werden, die sich entweder für was Besseres halten oder aber sich für ein wahrgenommenes Manko rechtfertigen.

Dann kommt noch dazu, dass es für den Vergleich ja ziemlich egal ist. So schlecht das Englisch in der deutschen Rollenspielszene auch sein mag, die Italiener könnten es (eventuell?) trotzdem toppen. ^^
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Rhylthar am 20.06.2013 | 06:24
Altes mal aufgewärmt:
Zumindest zu D&D 3.5 kann ich sagen, dass aus meiner Sicht ein großes Problem die Übersetzungsgeschwindigkeit für die Masse an Büchern gepaart mit der Buchpreisbindung in Deutschland war.
Wenn ich etwas schneller für weniger Geld bekommen kann, warum sollte ich es dann nicht nehmen?

Hinzu kommt, dass es nach meiner Erinnerung so etwas wie ein deutsches SRD nicht gab und Zitate aus deutschen Büchern so gut wie verboten waren.
Das heisst im Klartext: Bei Fragen zum Spiel musste ich sowieso auf englisches Material zurückgreifen.

Ich nehme hier die Verlage ganz klar aus der Kritik raus:
Ich habe am eigenen Leib gemerkt, wie aufwändig nur ein Lektorat eines Regelwerkes ist. Von der Übersetzung mal ganz abgesehen, da diese ja auch einheitlich, gerade bei Regelbeschreibungen, sein musste bzw. vom Lektor so umgebastelt werden musste. Das konnte F&S gar nicht in der Geschwindigkeit gewährleisten, wie es für einen großen Erfolg wohl hätte erfolgen müssen.

WotC hat dann ja sein übriges getan mit seinen Vorstellungen für eine Verlängerung der Lizenz.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: killedcat am 20.06.2013 | 07:48
Meine Eindrücke
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: 1of3 am 20.06.2013 | 07:56
Zitat
Richtig...aber warum schafft Paizo mit Pathfinder und Ulisses das?

Fragt doch mal Ulysses, warum sie meinen, dass ihr D&D klappt, wo das andere nicht funktioniert hat.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Glgnfz am 20.06.2013 | 08:04
Was deutest du damit an? Ich bin gerade zu blöd es für mich ins Reine zu sprechen.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Rhylthar am 20.06.2013 | 08:09
Ich denke, dass damit gesagt werden soll, dass nur Ulisses so eine Frage beantworten kann. Oder zumindedt einschätzen.

Nur aus Interesse:
Wie viel später erscheint eine Pathfinder-Übersetzung in der Regel nach dem Original?
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: 1of3 am 20.06.2013 | 08:24
Was deutest du damit an? Ich bin gerade zu blöd es für mich ins Reine zu sprechen.

Ich glaube, die meisten Leute reden gern über ihre Erfolge.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Glgnfz am 20.06.2013 | 08:25
Nun, ich denke die Erklärung ist einfach. Die Lizenz ist viel, viel billiger und die Erwartung finanzieller Gewinne durch Ulisses dürfte  insgesamt auch merklich geringer angesetzt sein.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Luxferre am 20.06.2013 | 08:29
Ich glaube, die meisten Leute reden gern über ihre Erfolge.

Ulisses wird gar nichts sagen und bald kommt einer der Übersetzer in diesen Thread und sagt genau das  ;D

Die halten sich sehr bedeckt.
Aber mal ehrlich... wenn sich das GRW nicht verkauft hätte und das System in den großen Boards nicht so abgefeiert, dann hätten wir sicherlich max 5 deutsche Produkte und es wäre eingestellt. Und wenn dann noch die Hälfte der Übersetzer keine Kohle für ihre Arbeit bekommt (was ja auch ansonsten recht konstenintensiv wäre und damit das Gesamtprojekt finanziell uninteressant) ist doch klar, dass man sich einen zweiten Platzhirsch neben DE ES Ah aufbaut, oder?
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Wellentänzer am 20.06.2013 | 08:52
Viel Richtiges wurde ja schon geschrieben. Spannender Thread.

Deshalb nur kurz zum Post von Luxferre: Mit der Vermutung, dass Ulisses dazu nix sagen wird, liegst Du vermutlich richtig. Ulisses muss bei Pathfinder aber offensichtlich viele Dinge richtig machen, die andere deutsche Verlage bei Übersetzungsprojekten in den Sand gesetzt haben. Da würde mich ebenfalls interessieren, worum es sich dabei konkret handelt. Ein Punkt könnte in der wirklich großartigen Unterstützung aus der Community bestehen. Das Übersetzungsteam von Pathfinder leistet tolle Arbeit und hängt sich wirklich rein. Das war weder bei D&D4 noch bei der nWoD der Fall und könnte ein bedeutender Unterschied sein.

In zwei anderen Punkten habe ich allerdings eine andere Wahrnehmung. Erstens halte ich den Einfluss der großen Boards auf die Verkaufszahlen für vernachlässigenswert. Wenn ein System im Tanelorn oder bei den Blutschwertern schlecht wegkommt, wirkt sich das nicht messbar auf den Umsatz aus. Zweitens verkauft sich Pathfinder vermutlich ganz okay, aber als Platzhirsch würde ich das System nicht bezeichnen. Ich glaube nicht, dass Pathfinder auflagentechnisch deutlich jenseits von 10% der Auflage von DSA liegt.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Altansar am 20.06.2013 | 10:00
Kommt deutschlandweit überhaupt ein System an dsa ran? Ich kenne kein system, was auf deutsch so viel stuff hat wie das schwarze auge und auch keine so eingeschworene community, man muss es nicht mögen aber ich respektiere es, dass dsa der deutsche platzhirsch ist und daneben wirkt irgendwie alles indie
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Glgnfz am 20.06.2013 | 10:08
Nein. Da kommt lange nix dran.

Und selbst DSA-Minderheiten-Setting Myranor dürfte sich noch besser verkaufen als 99,5% aller anderen Systeme.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Rev. Bilk am 20.06.2013 | 10:11
"Rise, my minions...RIIIISSSEE!" schrie der Nekromant und dieser Thread erhob sich wieder... ;D

Was Ulisses betrifft, wäre es wirklich schön, mal was von denen zu hören - aber ich denke, einem No-Name-Pimpf wie mir wird da eh keine Antwort gegeben. Da hoffe ich eher hier auf das Board, da ja einige Leute doch recht gut vernetzt sind.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Teylen am 20.06.2013 | 10:19
Die Frage kam auch innerhalb des Mind's Eye Theatre V:tM Kickstarter (http://www.kickstarter.com/projects/bynightstudios/minds-eye-theatre-vampire-the-masquerade) auf. Bei welchem Deutsch als Übersetzung als letztes StretchGoal, deutlich hinter italienisch, angegeben ist.

Auf die Frage wieso dem so sei wurde unter anderem die Aussage getroffen das deutsche Rollenspieler eine höhere Bereitschaft aufweisen englischsprachige Produkte zu kaufen als bspw. italienische Rollenspieler. (Weitere Faktoren nannte ich im WoD Smalltalk Thread (http://tanelorn.net/index.php/topic,69692.msg1705495.html#msg1705495))
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Rhylthar am 20.06.2013 | 10:23
Zitat
Ulisses muss bei Pathfinder aber offensichtlich viele Dinge richtig machen, die andere deutsche Verlage bei Übersetzungsprojekten in den Sand gesetzt haben. Da würde mich ebenfalls interessieren, worum es sich dabei konkret handelt. Ein Punkt könnte in der wirklich großartigen Unterstützung aus der Community bestehen. Das Übersetzungsteam von Pathfinder leistet tolle Arbeit und hängt sich wirklich rein.
"In den Sand gesetzt" dürfte (wahrscheinlich) der falsche Ausdruck hier sein.

Ich denke, dass Paizo bei der Lizenzvergabe wesentlich milder vorgegangen ist, als es WotC bei D&D 3.0/3.5 getan hat.
Jedenfalls kenne ich einige Auflagen, die es doch gab und die Community doch genervt haben, so dass diese sich häufig auf die englischen Bücher beschränkt hat.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Gorbag am 20.06.2013 | 14:06
Man muss ja auch sagen, dass die Verlage sich in den letzten Jahren den Markt regelrecht dazu erzogen haben auf englische Produkte zurückzugreifen. Das ist zwar unterbewusst passiert, aber es wurde nicht wirklich etwas gegen das Problem unternommen.

Es gab einige Produktreihen, die nur 2-3 Bücher in Deutsch bekommen haben, bevor die Reihe wieder eingestellt wurde und man auf die englischen Produkte umsteigen musste. Das bedeutet für den deutschen Kunden das er bei neuen Produktreihen ein Risiko eingeht das ihm einfach das Material irgendwann nicht weiter übersetzt wird. Wenn man da direkt zum englischen greift ist man da auf der sicheren Seite, wieso also ein Risiko eingehen?
Erschwerend kommt hinzu, dass wenn es nicht an der Wirtschaftlichkeit scheitert, es eine gute Chance gibt das es irgend ein bescheuertes Lizenzproblem gibt, an dem die Sache dann irgendwann scheitert.

Ein weiteres Problem ist die Tatsache das die PrintOnDemand- und PDF-Händler ihr Portfolio in großen Teilen nur auf englisch anbieten und auch hier stellt sich wenn überhaupt nur langsam eine Besserung ein. Hier auf deutschen Ersatz zu hoffen ist wohl auch eine ziemlich vergebliche Sache (wenigstens in den nächsten Jahren) und das obwohl das Quellenmaterial (z.B. oWoD) durchaus schon mal übersetzt wurde und ohne viel Aufwand vertrieben werden kann.

Ich denke die zwei Faktoren haben das deutsche Publikum in den letzten Jahren immer weiter in die Arme der englischen Produkte getrieben und heute stellt man dann lapidar fest, dass der deutsche Markt ja irgendwie doch gut auf Englisch klarkommt. Das die Sache erst soweit kam wegen einer Reihe schlechter Erfahrungen mit deutschen Übersetzungen interessiert keinen.

Außerdem kommt ja noch hin zu, dass der englische Markt weitere Vorteile bietet. Der Preisvorteil und die teilweise deutlich frühere Verfügbarkeit der englischen Produkte sind noch mal extra Anreize für den deutschen Kunden auf das englische Produkt zurückzugreifen.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Marduk am 20.06.2013 | 14:14
Außerdem kommt ja noch hin zu, dass der englische Markt weitere Vorteile bietet. Der Preisvorteil und die teilweise deutlich frühere Verfügbarkeit der englischen Produkte sind noch mal extra Anreize für den deutschen Kunden auf das englische Produkt zurückzugreifen.

Ja, darauf läuft es bei mir oft heraus. Englisch ist für mich kein Problem und englische Bücher sind oft wesentlich früher und auch wesentlich günstiger zu erwerben als deutsche (ich erinnere mich daran,, daß es mal eine Zeit gab, als man für den Preist EINES deutschen 3.5 PHB die KOMPLETTEN Core-Rules auf englisch bekam...). Das heißt für mich muss ein deutsches Buch diese Mankos irgendwie ausgleichen. Siehe z.B. Pegasus und ihre deutschen Übersetzungen von Shadowrun und CoC...hier kauft man sich noch gerne die deutschen Bücher, da da oft die Errata einfließen und / oder Zusatzmaterial dabei ist, oder auch Prometheus mit Savage Worlds, wo der Preisunterschied zwischen deutsch und Englisch nicht so krass ist und sie deswegen auch nicht gezwungen sind einne Mehrwert zu liefern.

Gruß

Marduk
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Arldwulf am 20.06.2013 | 14:18
Wobei man ja durchaus die Frage stellen kann wie diese höheren Preise zustande kommen. Klar - zum Teil schlichtweg durch Währungskurseffekte. Wenn der Dollar gerade schwach ist kann man gut aus den USA importieren. Das gilt aber eigentlich ja auch für Lizenzgebühren, die dann ja ebenfalls in Dollar bezahlt werden.

Und der Aufwand für eine Übersetzung ist zwar hoch - jedoch insgesamt noch deutlich geringer als der Aufwand ein Regelwerk komplett selbstständig zu entwickeln.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: ChaosAmSpieltisch am 20.06.2013 | 14:28
Shadowrun kaufe ich bislang tatsächlich auf Deutsch, aber ansonsten kaufe ich lieber auf Englisch.

Ich hab dann nachher keine angefangen Reihen im Regal stehen. Und leider unterscheiden sich die deutschen und die englischen Sachen dann oft in Format und/oder Design, dass man sie eben nicht gut aussehend im Regal kombinieren kann. Sehr ärgerlich fand ich es z.B. bei Scion wo zwischen Deutschen und Englischen Regelwerk ein paar Zentimeter unterschied waren, im Regal würde das nur schlecht aussehen.

Deswegen gleich auf Englisch kaufen, dann ist man unabhängiger davon, ob der Verlag durchhält oder nicht.

Wenn ein Verlag mich also überzeugen will, dass ich mit seiner deutschen Reihe starten soll, dann müsste er seine Bände so auflegen, dass ich später die englischen ohne Probleme daneben stellen kann, und es immer noch gleich aussieht.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Achamanian am 20.06.2013 | 14:33
Und der Aufwand für eine Übersetzung ist zwar hoch - jedoch insgesamt noch deutlich geringer als der Aufwand ein Regelwerk komplett selbstständig zu entwickeln.

Das kannst du so nicht direkt vergleichen - wenn du zu kleineren Systemen schaust, dann steckt in der Entwicklung selbst einfach enorm viel unbezahlte Arbeit. Allgemein sind Autoren sehr viel eher als Übersetzer bereit, unbezahlte oder schlecht bezahlte Arbeit zu leisten, um ihr Werk veröffentlicht zu sehen (weshalb es auf dem deutschen Buchmarkt auch nicht unüblich ist, dass deutschsprachige Autoren ein geringeres Honorar für ihre Werke erhalten als Übersetzer für die Übersetzung eines Werks von vergleichbarem Umfang).
Natürlich kann man auch mit Fans arbeiten, die aus Begeisterung übersetzen. Dann muss man aber damit rechnen, Sachen wie die Der-Eine-Ring-Übersetzung oder gewisse Rolemaster-Bücher von 13Mann rauszubekommen. Und die tragen dann wieder zum schlechten Ruf deutscher Übersetzungen bei, weil jeder Rollenspieler, der ein Restgefühl für idiomatisches Deutsch hat, die Dinger nach zwei Seiten entnervt in die Ecke pfeffert (oder sie behutsam zuklappt, um sie dann hier im Forum neuwertig zum Verkauf anzubieten).

Unterm Strich gilt: Übersetzungen umfangreicher Werke sind teuer. Will man einen Profi, dann käme man nach den in der Buchbranche üblichen (und für Leute wie mich, die davon leben, keinesfalls üppigen) Honoraren für ein 400-Seitiges Grundregelwerk wahrscheinlich in den fünfstelligen Bereich. Und solche Summen lassen sich mit den allermeisten Rollenspielprodukten nicht wieder einspielen.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Boba Fett am 20.06.2013 | 14:34
Wobei man ja durchaus die Frage stellen kann wie diese höheren Preise zustande kommen.

Stückzahlen: In Deutsch erreicht man nur die deutschsprachigen Rollenspieler (abzüglich derer die die englische konsumieren). Druck in hoher Stückzahl reduziert die Produktionskosten. Ausserdem kann man die Laufenden Kosten bei höheren Stückzahlen auch weiter aufteilen.

Lizenzgebühren: Man muss bei Übersetung auch noch die Lizenzgebühren mitbezahlen, während der englischsprachige Produzent die Marge zu 100% für sich einstreicht (und ggf. aus Lizenzen der Übersetzungen einen nettes Nebenverdienst hat).

Was die Situation weiter erschweren dürfte:
irrige Vorstellungen über die Absatzmöglichkeiten auf dem deuschen Markt durch den amerikanischen Verlag und daraus resultierende Vorstellungen über Umsatz und mögliche Lizenzgebühren. (haben wir auch sehr stark im IT Sektor)
Kurz gesagt dürfte das (Vermutung, keine Fakten) damals bei D&D Amigo und F&S, ebenso bei WoD und F&S entscheident mitgewirkt haben, warum wir keine Produkte dazu mehr haben.

Vertragliche Vereinbarungen über Veto-Recht bzw. Freigabe-Okay der Übersetzung durch den Hersteller und damit verbundene (lange Wartezeiten) oder Machtspielchen.
Kurz gesagt: Bei Hasbo ist ein deutscher dreimann-Verlag eine kleine Wurst, da gibt sich keiner Mühe, zeitnah das okay zu faxen...!

juristische Barrieren über Landesgrenzen hinweg - zB unterschiedliche Copy oder Publikationsrechtslagen.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Xarian am 20.06.2013 | 14:38
Auch auf die Gefahr hin, hier nochmal was rauszugreifen was eigentlich schon durch ist:
Aus einem längeren beruflichen Aufenthalt in Italien kann ich sagen, dass dort die englische Sprache tatsächlich nicht so verbreitet ist wie bei uns. So weit ich weiß steigen die damit auch in der Schule wesentlich später ein als hierzulande. Außerdem ist die Aussprache des Englischen für Italiener aufgrund des Zungenschlags viel schwieriger als für Deutsche, das macht es für sie auch nicht gerade attraktiver Englisch zu sprechen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Italiener nur sehr ungern englisch sprechen und darin auch sehr unsicher sind (auch akademisch gebildete, die sprechen eher sehr gut französisch und spanisch).
Das alleine erklärt für mich schon ganz gut den Erfolg von italienischen Übersetzungen.

Für mich ist einer der Hauptgründe englische Bücher zu kaufen, dass die Erscheinungsfrequenz viel höher ist. Bis auf deutsch das GRW erschienen ist gibt es auf englisch schon fünf zusätzliche Quellenbücher.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Rev. Bilk am 20.06.2013 | 15:27
Off-topic, aber als Nebenbemerkung zum Italienischen:

Zitat
Außerdem ist die Aussprache des Englischen für Italiener aufgrund des Zungenschlags viel schwieriger als für Deutsche, das macht es für sie auch nicht gerade attraktiver Englisch zu sprechen.

Ein Problem kann dort generell schon der Aufbau des Vokabulars sein. Viele italienische Begriffe enden auf einen Vokal und nicht wie im Englischen / Deutschen auf Konsonanten. Ein interessantes Beispiel: meine Frau war in Jugendjahren auf einer Sprachfreizeit in England und hatte eine Italienerin in der Gruppe. Gerade bei der Aussprache fiel diese dadurch auf, das sie viele Begriffe künstlich mit einem "-e" verlängerte. Ob das typisch ist, kann ich nicht sagen..

Ansonsten finde ich die Situation, wie sie derzeit ist, schlicht und ergreifend nur besch****. So wird Deutschland seinen Klassenprimus nie los...(nicht besonders  o:) ernst gemeint, also sollte sich kein DSA-Fanboy angegriffen fühlen).
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Roland am 20.06.2013 | 15:49
Auf dem Weg zu deutschen Ausgabe liegen viele Stolpersteine, die meisten wurde ja schon im Thread genannt, von einem wesentlich schlechteren Kosten-/Nutzenverhältnis über kritische "Fans" bis zu Problemen mit dem oder den Lizenzgebern. Der Hauptgrund ist der sehr viel kleinere Markt, der kaum Raum für solide Budgets lässt, wodurch Probleme im Zweifel nicht abgefedert werden können und das Risiko für den Verlag sehr groß wird.   

Wobei man ja durchaus die Frage stellen kann wie diese höheren Preise zustande kommen. Klar - zum Teil schlichtweg durch Währungskurseffekte. Wenn der Dollar gerade schwach ist kann man gut aus den USA importieren. Das gilt aber eigentlich ja auch für Lizenzgebühren, die dann ja ebenfalls in Dollar bezahlt werden.

Stimmt, eine fairer Vergleich über die Kaufkraft würde wahrscheinlich Preise von $=€ ergeben. Außerdem sinken durch größere Auflagen die Druckkosten stark, mit ein bisschen Glück (und Erfahrung) kann man bei 5-10facher Auflage (was ungefähr das Verhältnis Deutschland/USA abbilden sollte), die Druckkosten pro Buch um über 50% drücken. Die Dollarpreise beinhalten auch keine Umsatzsteuer, 7% des Kaufpreises gehen in Deutschland direkt an Vater Staat.

Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Sashael am 20.06.2013 | 21:19
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: CAA am 21.06.2013 | 08:54
Sehr ärgerlich fand ich es z.B. bei Scion wo zwischen Deutschen und Englischen Regelwerk ein paar Zentimeter unterschied waren, im Regal würde das nur schlecht aussehen.
Insbesondere ist Scion ärgerlich, weil eben nur 2 von 3 (der wichtigen) Bücher übersetzt wurden  :'(
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Rev. Bilk am 21.06.2013 | 09:47
Zitat
Das ist DAS Klischee über fremdsprachensprechende Italiener!
It´s-e me! Mario!

Ah, immer diese verdammten Klischees... 8]

Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Grubentroll am 21.06.2013 | 10:27
Ich muss, sagen, alles was ich bisher an Übersetzungen von englischen Regelwerken gelesen habe fand ich irgendwie schrottig.

Das klingt alles holzig und unnatürlich, weil eine Spur zu direkt übersetzt.

Kennt ihr da Gegenbeispiele?
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Korig am 21.06.2013 | 11:23
Ich muss, sagen, alles was ich bisher an Übersetzungen von englischen Regelwerken gelesen habe fand ich irgendwie schrottig.

Das klingt alles holzig und unnatürlich, weil eine Spur zu direkt übersetzt.

Kennt ihr da Gegenbeispiele?

Ich habe die Warhammer 2. Edition und 40K Übersetzungen als gut empfunden.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen ...
Beitrag von: Thandbar am 21.06.2013 | 11:31
Kennt ihr da Gegenbeispiele?

Ich war seinerzeit mit "Vampire aus der alten Welt" und dem Grundregelwerk von "AD&D" ganz zufrieden gewesen (hatte auch beide geschenkt bekommen). Wenn ich jedoch was doppelt hatte (Planescape zum Beispiel) kam mir die deutsche Version meist einigermaßen defizitär vor.
Das ist aber auch bei Literatur so, und trotzdem lesen nur wenige Leute die Sachen im Original, selbst wenn sie die Sprache gut können.
Es muss also weitere Gründe geben, denke ich, und Verfügbarkeit und Preis scheinen da schon eine sehr erhebliche Rolle zu spielen.

Teilweise habe ich auch deshalb zu englischen Versionen gegriffen, um online die Sachen mitverfolgen zu können, ohne an eine Sprachbarriere zu stoßen, wenn ich die einschlägigen Foren durchforsten wollte.   
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen ...
Beitrag von: Grubentroll am 21.06.2013 | 11:38
Ich war seinerzeit mit dem Grundregelwerk von "AD&D" ganz zufrieden gewesen

Meinst du die 1E?

Die hab ich auch zuhause... Hast du da mal wieder reingeguckt?

Damals in den 80ern fand ich das ja irgendwie charmant, aber wenn man's heutzutage liest weiß man oft gar nicht was die da von einem wollen, so abstrakt ist das alles formuliert und übersetzt.

Ich liebe die Bücher, aber eigentlich ist das ganz furchtbares Deutsch da drin.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen ...
Beitrag von: Thandbar am 21.06.2013 | 11:50
Meinst du die 1E?

Die hab ich auch zuhause... Hast du da mal wieder reingeguckt?

 

In der Tat seit Jahren nicht! Es handelt sich aber um "AD&D II", und das Deutsch von Uwe Körner empfinde ich eher als altväterlich-schulmeisterlich. Allerdings wird man vom Regelbuch auch höflich gesiezt.
Ob die Qualität gut ist, kann ich allerdings jetzt so gar nicht sagen.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Rhylthar am 21.06.2013 | 13:17
@ Grubentroll:
Magic of Faerun...da ich es lektoriert (und dabei natürlich mit der englischen Version abgeglichen habe) konnte ich es gut vergleichen.

Die Complete Bände klangen aufgrund des hohen Regelanteils eh trockener, wobei ich die Übersetzung doch in Ordnung fand.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: JS am 21.06.2013 | 14:30
Die deutschen FR-Bücher waren inhaltlich solide übersetzt, ebenso Tribe 8, Warhammer 2, Schattenjäger, Sturmbringer, 7te See, Pendragon, Eberron, MG Traveller LE Basisbuch - und das sind nur die, welche mir spontan einfallen. (Die Orthographie lasse ich bei dieser Aussage allerdings unbeachtet...)
Tribe 8, Warhammer 2 und das alte Pendragon gelangen sogar so gut, daß sie in den Bereich "spannende Abendlektüre" paßten.

Diese pauschale Übersetzunghetze war mir schon immer suspekt und stößt mir immer unangenehmer auf.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Weltengeist am 21.06.2013 | 14:52
Diese pauschale Übersetzunghetze war mir schon immer suspekt und stößt mir immer unangenehmer auf.

He - wir sind hier in Deutschland, hier ist alles, was nicht perfekt ist, gleich "scheiße". Musst du dir nur mal die Kommentarsektion einer beliebigen Online-Tageszeitung durchlesen, dann siehst du, was ich meine... ;D

(Was jetzt nicht heißt, dass ich dir inhaltlich nicht völlig zustimmen würde. ;))
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Achamanian am 21.06.2013 | 14:55

Diese pauschale Übersetzunghetze war mir schon immer suspekt und stößt mir immer unangenehmer auf.

Pendragon ist tatsächlich sehr gut übersetzt, finde ich - in den 90ern lag das Niveau aber für mein Empfinden auch noch ein gutes Stück höher. Bei den Laurin-Sachen bin ich eigentlich auch nie gestolpert.
In den letzten Jahren ist mir aber tatsächlich keine deutsche Übersetzung eines Rollenspielprodukts über den Weg gelaufen, die ich auch nur halbwegs lesbar fand. In vielen Fällen haben mir die Online-Leseproben bereits genügt, um mich gegen ein Produkt zu entscheiden (so z.B. bei Rolemaster, das ich mir aus purer Nostalgie eigentlich gerne zulegen wollte ...).
Schlimmer noch finde ich, dass inzwischen auch viele deutschsprachige Produkte sich lesen wie schlechte Übersetzungen aus dem Englischen. Da merkt man, das inzwischen schon das Sprachgefühl einer breiten Leserschaft durch schlecht übersetzte Romane und schlecht synchronisierte Fernsehserien geprägt ist.

Aber ich verfalle in allgemeinen Kulturpessimismus. Wahrscheinlich waren die Übersetzungen in den 90ern auch nicht viel besser, nur meine Ansprüche halt etwas geringer ...

Jedenfalls: Ich würde mich freuen, wenn es auch im Rollenspielbereich zumindest dann und wann eine nicht nur annehmbare, sondern wirklich gute Übersetzung gäbe.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: JS am 21.06.2013 | 15:20
Da merkt man, das inzwischen schon das Sprachgefühl einer breiten Leserschaft durch schlecht übersetzte Romane und schlecht synchronisierte Fernsehserien geprägt ist.

... und durch allgegenwärtiges Denglisch, Kartoffeldeutsch, Schimpansisch und sonstige Sprachbarbarei in jeder erdenklichen (und überraschenderweise auch unerdenklichen) Form.

Ich stimme dir jedenfalls voll und ganz zu. Seit Jahren ist es eher ungewöhnlich, im Rollenspielbereich auf rundherum gute Übersetzungen zu stoßen. Das gilt leider vor allem für die vielen Kleinverlage und ihre selbsternannten Lektoren, Korrektoren und was sie noch so alles zu sein vorgeben.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Arldwulf am 21.06.2013 | 15:25
Persönlich sehe ich es btw. durchaus so dass ich trotz täglichem Englischgebrauch oft an eine Stelle im Regelwerk stoße die ich mißverstehe oder bei der ich überlegen muss was gemeint ist. Deutsche Regelwerke haben für mich dort deutliche Vorteile. Wie gesagt - selbst aus der Perspektive von jemandem der sogar englische Rollenspielrunden über Skype betreibt und beruflich ständig in Kontakt mit der Sprache ist.

Und dies verstärkt sich natürlich noch wenn wir über geringere Englischkenntnisse sprechen.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme"
Beitrag von: Kearin am 21.06.2013 | 15:29
Da sich mit Rollenspielen allerdings auch kein Geld verdienen lässt, sollte man vielleicht froh sein, dass es überhaupt eine Übersetzung gibt.

Abgesehen davon: Ja, Rollenspiele erheben sich sprachlich nicht über Trashliteratur. Warum? Weil sie letztlich derselbe Trash sind.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Quendan am 21.06.2013 | 15:31
und ihre selbsternannten Lektoren, Korrektoren und was sie noch so alles zu sein vorgeben.

Das finde ich gegenüber all den Leuten, die sich im Rollenspielbereich engagieren, um ihnen am Herzen liegende Produkte auf den Markt zu bringen, aber arg respektlos. Die Leute machen das zu 95% aus Spaß an der Sache und Liebe zum Spiel. Geld spielt da keine ernsthafte Rolle (sonst würden die Leute sich eher andere Beschäftigungen suchen). Aber was soll man jetzt als ehrenamtlicher Hobby-Korrektor ins Impressum schreiben. "Hobby-Korrektor"? "Nicht so wirklich-Korrektor"? Das ist doch quatsch.

Das man in einer Branche, in der die Umsätze generell sehr niedrig liegen, keine Profis engagieren kann ist doch klar. Rollenspiel sind keine Heyne-Romane. Gilt ja neben den Lektoren und Korrektoren auch für Autoren und praktisch alle anderen, niemand ist hier Profi. Jetzt aber den Leuten, die sich wirklich engagieren auch noch vorzuwerfen, sie würden da irgendwas vorgeben, empfinde ich als arg unfreundlich. Und solche Einstellungen kann einem manchmal auch die Freude, sich überhaupt zu engagieren, nehmen.

Niemand sagt, dass man gegenüber diesen Leuten dankbar auf die Knie fallen soll. Und Kritikpunkte kann (und soll!) man bitte auch äußern. Aber solche Äußerungen sind doch wirklich nicht nötig. :(
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme"
Beitrag von: Achamanian am 21.06.2013 | 15:44
Abgesehen davon: Ja, Rollenspiele erheben sich sprachlich nicht über Trashliteratur. Warum? Weil sie letztlich derselbe Trash sind.

Ich mag meine "Trashliteratur" (Fantasy, SF, Horror und derlei mehr) lieber, wenn sie sich auf einem soliden bis hohen sprachlichen Niveau bewegt. Und wenn ein im englischen Original stilistisch solides Regelwerk sich in der deutschen Übersetzung liest wie von einem ambitionierten Viertklässler verfasst, ist das schon ein Problem.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: korknadel am 21.06.2013 | 15:53
Pendragon ist tatsächlich sehr gut übersetzt, finde ich - in den 90ern lag das Niveau aber für mein Empfinden auch noch ein gutes Stück höher. Bei den Laurin-Sachen bin ich eigentlich auch nie gestolpert.
In den letzten Jahren ist mir aber tatsächlich keine deutsche Übersetzung eines Rollenspielprodukts über den Weg gelaufen, die ich auch nur halbwegs lesbar fand. In vielen Fällen haben mir die Online-Leseproben bereits genügt, um mich gegen ein Produkt zu entscheiden (so z.B. bei Rolemaster, das ich mir aus purer Nostalgie eigentlich gerne zulegen wollte ...).
Schlimmer noch finde ich, dass inzwischen auch viele deutschsprachige Produkte sich lesen wie schlechte Übersetzungen aus dem Englischen. Da merkt man, das inzwischen schon das Sprachgefühl einer breiten Leserschaft durch schlecht übersetzte Romane und schlecht synchronisierte Fernsehserien geprägt ist.

Aber ich verfalle in allgemeinen Kulturpessimismus. Wahrscheinlich waren die Übersetzungen in den 90ern auch nicht viel besser, nur meine Ansprüche halt etwas geringer ...

Jedenfalls: Ich würde mich freuen, wenn es auch im Rollenspielbereich zumindest dann und wann eine nicht nur annehmbare, sondern wirklich gute Übersetzung gäbe.

Stimme Dir da weitgehend zu. Ich bin auch zuweilen fassungslos, was da so hingenommen wird. Allerdings bin ich tatsächlich bei Übersetzungen von Rollenspielen nicht so irre pingelig (auch wenn andere meine Ansprüche schon als pingelig bezeichnen würden). Ich fand zum Beispiel das Spielerhandbuch von WFRP3rd auf Deutsch stilistisch nicht erhebend, aber doch sehr solide und brauchbar übersetzt. In der Caera-Box für Dungeonslayers, die ich trotz allem natürlich extrem sympathisch finde, waren da schon viel heftigere Schnitzer drin, obwohl es keine Übersetzung ist.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Achamanian am 21.06.2013 | 16:00
Das finde ich gegenüber all den Leuten, die sich im Rollenspielbereich engagieren, um ihnen am Herzen liegende Produkte auf den Markt zu bringen, aber arg respektlos. Die Leute machen das zu 95% aus Spaß an der Sache und Liebe zum Spiel. Geld spielt da keine ernsthafte Rolle (sonst würden die Leute sich eher andere Beschäftigungen suchen).

So sehr du damit recht haben magst, macht es mich trotzdem ganz ehrlich manchmal regelrecht wütend, festzustellen, dass bei einem Produkt, das maßgeblich aus Text besteht, von den Herstellern oft mehr Wert darauf gelegt wird, Vierfarb-Hardcover in einheitlichem Reihendesign vorzulegen, als darauf, einen guten Text vorzulegen. Wenn ich 40 Euro für ein Regelbuch bezahle, bezahle ich die nicht, weil ich gerne bunte Seiten umblättere, sondern weil ich den enthaltenen Text lesen und verwenden möchte.

Kurz: Ich fände es gut, wenn die Rollenspielverlage sich da höhere Ansprüche setzen. Andere Kleinverlage schaffen es schließlich auch, gut geschriebene, übersetzte und lektorierte Titel zu präsentieren (klar, längst nicht alle ...). Es ist ja nicht so, dass man sich nicht auch mal Hilfe von Leuten holen könnte, die sich mit so was auskennen. Ich habe das Gefühl, dass sich da dann aber doch wieder viele zu fein für sind ...
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Rhylthar am 21.06.2013 | 16:06
Zitat
Wenn ich 40 Euro für ein Regelbuch bezahle, bezahle ich die nicht, weil ich gerne bunte Seiten umblättere, sondern weil ich den enthaltenen Text lesen und verwenden möchte.
Kannst Du mal aus Interesse ein Beispiel für ein Regelbuch in ca. der Preisklasse sagen, bei dem Du dies konkret so siehst?
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Weltengeist am 21.06.2013 | 16:11
In der Caera-Box für Dungeonslayers, die ich trotz allem natürlich extrem sympathisch finde, waren da schon viel heftigere Schnitzer drin, obwohl es keine Übersetzung ist.

Den Gedanken hatte ich vorhin schon, hab's dann aber doch nicht geschrieben: Wer sagt denn, dass die deutschen Original-Texte jetzt so sagenhaft viel besser wären als die Übersetzungen?

Ich kann Quendan da nur zustimmen: Wir reden hier nicht von professionellen Schriftstellern / Übersetzern / Lektoren, sondern von Hobby-Produkten von Enthusiasten für Fans. Natürlich können wir allen, die keinen supertollen Stil schreiben, verbieten, weiter an Rollenspielprodukten zu arbeiten. Macht die Zahl derer, die sich engagieren, halt nochmal erheblich kleiner (und glaubt mir - ich sehe täglich, welche Deutsch-Fertigkeiten heute selbst aus dem Gymnasium mitgebracht werden, da wird die Schnittmenge aus "Rollenspieler", "fehlerfreies und elegantes Deutsch" und "bereit, nahezu für lau zu arbeiten" übersichtlich ausfallen).

Übrigens kriegen es ja selbst die meisten Zeitungen (ja, auch die mit den richtig großen Auflagen) nicht mehr hin, halbwegs fehlerfreies und sprachlich ansprechendes Deutsch zu verfassen. Warum das jetzt bei Rollenspielprodukten auf einmal viel besser sein sollte, erschließt sich mir nicht.

Natürlich kann man sich alles mögliche wünschen. Tolle Story, auf jede Gruppe anpassbar, frei spielbar und doch voller fantastischer Ideen. Fehlerfreie Umsetzung auch der Experten-Regeln. Widerspruchsfrei zu allen bisherigen Publikationen. Anspruchsvolle Sprache. Fehlerfreies Lektorat. Vierfarbdruck. Hardcover. Bilder von Berufskünstlern, extra für's Abenteuer geschrieben und von tiefer Kenntnis der Spielwelt geprägt. Und das alles bei einer Auflage von 500 Stück und einem Preis möglichst im einstelligen Bereich.

Ich fürchte, beim Wünschen wird's dann auch bleiben.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Achamanian am 21.06.2013 | 16:12
Kannst Du mal aus Interesse ein Beispiel für ein Regelbuch in ca. der Preisklasse sagen, bei dem Du dies konkret so siehst?

Ehrlich gesagt nicht so viel, vielleicht verallgemeinere ich da auch zu sehr ...
Fast schon ein schlechtes Gewissen habe ich, wenn ich nun zum 1000sten Mal auf "Der Eine Ring" rumhacke, aber das ist eben einfach das Extrembeispiel. Ansonsten fallen mir noch die Rolemaster-Leseproben von 13Mann ein, die mich wie gesagt vom Kauf abgehalten haben.
Und um auch auf den 90ern rumzuhacken: Ich erinnere mich, dass in AD&D 2nd damals penetrant von Kriegern die Rede war, die "Schilder" trugen. Mit welcher Aufschrift wurde leider nicht verraten ...

Tatsächlich fällt mir aber auch ein Positivbeispiel ein: Die Cthulhu-Übersetzungen von Pegasus lassen sich schmerzfrei genießen, zumindest bis zur Lovecraft-Country-Reihe (danach bin ich ausgestiegen).

Und wie Pathfinder übersetzt ist, weiß ich beispielsweise schlicht und einfach nicht.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Rhylthar am 21.06.2013 | 16:17
Interessant.
Ich habe letztens den Cormyr-Quellenband (AD&D 2nd) auf Ebay ersteigert...und war auch erstaunt, wie holprig es für mich Laien wirkte.
Ich lese zwar 90 % auf englisch, aber irgendeine Ausbildung im sprachlichem Raum habe ich nun auch nicht.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Achamanian am 21.06.2013 | 16:18

Natürlich kann man sich alles mögliche wünschen. Tolle Story, auf jede Gruppe anpassbar, frei spielbar und doch voller fantastischer Ideen. Fehlerfreie Umsetzung auch der Experten-Regeln. Widerspruchsfrei zu allen bisherigen Publikationen. Anspruchsvolle Sprache. Fehlerfreies Lektorat. Vierfarbdruck. Hardcover. Bilder von Berufskünstlern, extra für's Abenteuer geschrieben und von tiefer Kenntnis der Spielwelt geprägt. Und das alles bei einer Auflage von 500 Stück und einem Preis möglichst im einstelligen Bereich.

Es gibt aber schon einen Unterschied zwischen den Kernaspekten und dem Drumherum. Klar habe ich lieber ein schönes Layout, aber wenn es mal nicht so toll aussieht, ist das für mich kein Dealbreaker. Auch häufige Rechtschreibfehler kann ich gut verschmerzen. Aber wenn sprachlich ein gewisses Niveau unterschritten wird, macht das in meinen Augen das Produkt unbrauchbar.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Kearin am 21.06.2013 | 16:26
Zitat
Kurz: Ich fände es gut, wenn die Rollenspielverlage sich da höhere Ansprüche setzen. Andere Kleinverlage schaffen es schließlich auch, gut geschriebene, übersetzte und lektorierte Titel zu präsentieren (klar, längst nicht alle ...). Es ist ja nicht so, dass man sich nicht auch mal Hilfe von Leuten holen könnte, die sich mit so was auskennen. Ich habe das Gefühl, dass sich da dann aber doch wieder viele zu fein für sind ...
Klar, kann man diese Ansprüche an Verlage stellen, allerdings muss man dann auch bereit sein, entsprechend mehr zu zahlen. Sofern beim Layout nicht gespart wird, sollten man schon das Drei- bis Vierfache bezahlen.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: JS am 21.06.2013 | 16:28
Das finde ich gegenüber all den Leuten, die sich im Rollenspielbereich engagieren, um ihnen am Herzen liegende Produkte auf den Markt zu bringen, aber arg respektlos. Die Leute machen das zu 95% aus Spaß an der Sache und Liebe zum Spiel. Geld spielt da keine ernsthafte Rolle (sonst würden die Leute sich eher andere Beschäftigungen suchen).

Respektlos?
Ganz ehrlich: Ein solch hanebüchenes Argument habe ich schon seit geraumer Zeit nicht mehr gelesen. Geld spielt IMMER für irgendwen eine ernsthafte Rolle, z.B. mein Geld für mich. Und wenn ich für 20, 30, 40 oder 50 EUR ein Buch voller Kartoffeldeutsch bekomme, dann ist das für mich ein relevanter Faktor. Das Herzblut irgendwelcher Leute interessiert mich nicht, wenn ich dann viel Geld für Mumpitz berappen soll. Das ist übrigens Geld, welches mir nicht jeden Tag die lieben Vögelchen vorbeibringen, sondern das ich mir für gewöhnlich wenig erbaulich erarbeiten muß.

Wer etwas aus Spaß an der Freude oder aufgrund irgendeiner höheren Mission macht, soll das dann bitte kostenlos oder extrem kostengünstig machen, und nicht - wie auch (zurecht) der kleinste Verlag - mit einer gewissen Hoffnung auf Profit oder zumindest Kostenneutralität.

Kompromiß: Sobald ich als Kunde ein Rollenspielbuch seiner Folie entkleide und feststelle, daß mir der Verlag wieder mal viel Herzblut mit dürften Übersetzungs- und Deutschkenntnissen bietet (gehört das nicht übrigens auch zum Herzblut?), darf ich das Buch gegen Erstattung des vollen Kaufpreises zurückgeben.

Kannst Du mal aus Interesse ein Beispiel für ein Regelbuch in ca. der Preisklasse sagen, bei dem Du dies konkret so siehst?

Die Übersetzung bzw. der deutsche Text der Spinwärts-Marken (MG Traveller, 13Mann) ist so erschreckend, daß ich die Lektüre nach der Hälfte des Buches abbrach. Meine Vermutung ist, daß diesen "deutschen" Text kein Muttersprachler angefertigt, lektoriert und/oder korrigiert hat. (An diese Überlegung klammere ich mich fest, denn mich schaudert es, wenn ich "Muttersprache" im Text- und Druckbereich mittlerweile auf diesem Niveau ansiedeln soll.)

PS: O tempora, o mores... den Unterschied zwischen "das Schild" und "der Schild" scheint heute in der Tat niemand mehr zu kennen. Das führt regelmäßig dazu, daß ich Aussagen nicht mehr verstehe, weil sie unlogisch werden.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Quendan am 21.06.2013 | 16:44
@JS:
Ich fürchte wir diskutieren hier auf unterschiedlichen Ebenen. Du hast oben prinzipiell und durch die Bank den Lektoren, Korrektoren und anderen unterstellt, sie würden sich "mit falschen Federn" schmücken, da sie sich doch eigentlich nicht so nennen dürften. Da hast du es nicht auf mangelhafte Produkte oder solche mit schlechtem Stil beschränkt. Nein, es liest sich vielmehr so, als würde das für alle Kleinverlage und ihre freiwilligen Mitarbeiter gelten. Und das finde ich gegenüber diesen Leuten auch weiterhin respektlos.

Du hingegen argumentierst auf der Ebene deiner Investition in ein konkretes Produkt. Hier kann ich Ärger sehr gut verstehen, wenn es im konkreten Fall deines Erachtens mangelhaft ist. Seine Qualitätsansprüche an etwas legt man schließlich immer selbst fest und dich muss prinzipiell nicht interessieren, ob und wie die Leute bezahlt werden, die an dem Buch beteiligt waren, das du dann in Händen hälst. Oder was für Umsatzzahlen und Budgets hinter der Branche stehen. Als Kunde geht es einem schließlich vor allem um das Produkt an sich.

Darum ging es mir aber in meinem ersten Post gar nicht. Entsprechend denke ich auch nicht, dass ich ein "hanebüchenes Argument" für etwas geliefert habe, denn ich wollte dir nicht Ärger über Produkte (von denen du im neuen Post ja vor allem sprichst) absprechen. Und ich wollte auch nicht sagen, dass das ein Grund ist Qualitätsmängel in konkreten Werken zu ignorieren. Das wollte ich nicht sagen und habe es nicht gesagt (ich habe aber den Eindruck es kam bei dir so an, daher die Klarstellung).

Aber du bist in deinem Post, auf den ich reagiert habe, eben nicht bei der Produktbetrachtung geblieben. Du hast nicht gesagt "ich finde das Lektorat und Korrektorat in Rollenspielprodukten oft mangelhaft". Du hast gesagt "ihre selbsternannten Lektoren, Korrektoren und was sie noch so alles zu sein vorgeben.". Hier verallgemeinerst du zum einen, denn du schränkst es nicht wirklich ein. Zum anderen (und das ist es, was mich am meisten gestört hat) gehst du aber auf eine persönliche Ebene, indem du den ganzen Lektoren, Korrektoren und anderen Aktiven in der Branche unterstellst, sie würden aktiv irgendwas vorgeben, was sie sich ja nicht verdient hätten. Das empfinde ich persönlich als eine pauschalisierende und respektlose Herabwürdigung all dieser Leute, die natürlich keine vollwertigen Profi-Lektoren etc. sind. Die aber auch nie so getan haben.

Insofern lag es mir fern dir da ein Argument für irgendwas (hanebüchen oder nicht) entgegen zu halten, es ging mir einzig umd die auf die persönliche Ebene herabgezogene Bewertung der Arbeit der Leute, die sich im Rollenspielbereich beteiligen. Und das völlig losgelöst von Mängeln an konkreten Produkten. Ich wollte und habe nicht gesagt, dass man diese nicht kritisieren soll. Aber einen freundlicheren Umgang mit den Aktiven an sich würde ich mir wünschen. Denn auch Kritik kann man anders verpacken als das im von mir zitierten Teil geschehen ist.

Jetzt etwas klarer geworden, was ich meine?
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: JS am 21.06.2013 | 16:50
Das kann ich kurz beantworten: Sobald ich von einem Amateur-Kleinverlag eine rundum gute Übersetzung und einen deutschen Text auf einem stilistisch und orthographisch guten Niveau in der Hand halte - also eine durch und durch professionelle Arbeit -, relativiere ich meine Aussage ein wenig.*
Bis dahin bleibe ich dabei; und das mit gutem Grunde, wenn ich bedenke, daß selbst in den mißlungensten deutschen Produktionen i.d.R. drei bis fünf Personen angegeben werden, die direkt mit dem Text zu tun hatten.

Selbst im Profibereich gab es oft genug Schrecknisse unerwarteter Art, z.B. die Entscheidung von Feder & Schwert, sich im deutschen Eberron Kampagnenbuch nicht zu sehr mit den deutschen Interpunktionsregeln zu belasten.

*: Ich weiß freilich, daß es auch in diesem Sektor einige Könner gibt, aber sie gehen im Wust der Möchtegerns unter.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Weltengeist am 21.06.2013 | 17:43
Es gibt aber schon einen Unterschied zwischen den Kernaspekten und dem Drumherum. Klar habe ich lieber ein schönes Layout, aber wenn es mal nicht so toll aussieht, ist das für mich kein Dealbreaker. Auch häufige Rechtschreibfehler kann ich gut verschmerzen. Aber wenn sprachlich ein gewisses Niveau unterschritten wird, macht das in meinen Augen das Produkt unbrauchbar.

Dass man zwischen Kernaspekten und Drumherum unterscheiden sollte, sehe ich auch so.

Dass allerdings "Kernaspekt" für dich das sprachliche Niveau (und nicht etwa Ideenreichtum, Stimmigkeit, Spielspaß, Regelfunktionalität, Spielwelt, Atmosphäre etc.) ist, gibt mir zu denken...

Ich bilde mir ein, ein weitgehend fehlerfreies Deutsch auf halbwegs ordentlichem Niveau zu sprechen. Und ich bemerke die Fehler in den Publikationen auch durchaus. Aber dabei von "Kernaspekt" zu reden, würde mir nicht einfallen, denn mir geht es darum, die Sachen zu spielen. Und nicht darum, sie abends im Ohrensessel mit einem guten Glas Rotwein daneben als Literaturersatz zu goutieren.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Achamanian am 21.06.2013 | 17:58
Ich bilde mir ein, ein weitgehend fehlerfreies Deutsch auf halbwegs ordentlichem Niveau zu sprechen. Und ich bemerke die Fehler in den Publikationen auch durchaus. Aber dabei von "Kernaspekt" zu reden, würde mir nicht einfallen, denn mir geht es darum, die Sachen zu spielen. Und nicht darum, sie abends im Ohrensessel mit einem guten Glas Rotwein daneben als Literaturersatz zu goutieren.

Das Spielen wird aber ab dem Punkt beeinträchtigt, an dem die Verständlichkeit leidet.
Dazu kommt, dass ich ein Spiel nicht als Spiel nutzen kann, wenn bereits die Lektüre mir körperliches Unbehagen bereitet.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Bad Horse am 21.06.2013 | 18:04
Das Spielen wird aber ab dem Punkt beeinträchtigt, an dem die Verständlichkeit leidet.
Dazu kommt, dass ich ein Spiel nicht als Spiel nutzen kann, wenn bereits die Lektüre mir körperliches Unbehagen bereitet.

Geht mir genauso. Ich brauche keine hochwertige Prosa im Spiel, aber es sollte nicht vor Fehlern wimmeln und nicht allzu schlecht zu lesen sein - der Mechanismus mag ja ganz dolle sein, aber das nützt mir nichts, wenn ich das Ding nach zwei Seiten vor lauter Gruseln wieder weg lege.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Grubentroll am 21.06.2013 | 18:19
Hab auch keine lust Regeln zu lesen, die mir bei der Lektüre körperliches Unbehagen bereiten.
Da verzichte ich lieber ganz auf die Übersetzung und greife zum Original.

Die Sachen von Laurin sind übrigens wirklich ein gutes Gegenbeispiel, die alte Sturmbringer-Box und Cthulhu sind wirklich sehr gut übersetzt und man merkt den Produkten die Liebe an, die  beim Erstellen des Gesamtprodukts reingesteckt wurde.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Weltengeist am 21.06.2013 | 18:48
Dazu kommt, dass ich ein Spiel nicht als Spiel nutzen kann, wenn bereits die Lektüre mir körperliches Unbehagen bereitet.

Hast du da konkrete Beispiele? Gerne mit zitierten Textstellen?

Denn ich kann mir natürlich auch Texte vorstellen, bei denen es so krass ist - gesehen habe ich allerdings bewusst noch keine...
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Rhylthar am 21.06.2013 | 20:17
Zitat
Selbst im Profibereich gab es oft genug Schrecknisse unerwarteter Art, z.B. die Entscheidung von Feder & Schwert, sich im deutschen Eberron Kampagnenbuch nicht zu sehr mit den deutschen Interpunktionsregeln zu belasten.
Echt? Das hätte ich nicht erwartet.

Bei mir war es sogar noch so, dass ich mit einem Duden von 1955 hantiert habe bzgl. der Rechtschreibung, da F&S, was ich sehr gut fand, auf alte Rechtschreibung Wert gelegt hat.  ;D
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: JS am 21.06.2013 | 20:32
Witzig, ich habe auch das Regal voller alter Dudenschinken, denn die neuen kommen mir nicht ins Haus. Aber ich muß leider immer öfter hineinschauen, weil ich allerorten von unterschiedlichen Deutschformen verwirrt werde; der klare Blick kann dadurch schnell trüb werden.
:)

F&S ist sehr schwer zu bewerten, denn einiges von ihnen ist erstklassig, anderes wiederum grottig. Ich finde, man merkt ihnen deutlich an, ob sie genug Zeit, Ressourcen und/oder Lust hatten oder nicht.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Scorpio am 21.06.2013 | 21:41
Was Ulisses betrifft, wäre es wirklich schön, mal was von denen zu hören - aber ich denke, einem No-Name-Pimpf wie mir wird da eh keine Antwort gegeben. Da hoffe ich eher hier auf das Board, da ja einige Leute doch recht gut vernetzt sind.

Warum fragt ihr nicht einfach via feedback@ulisses-spiele.de anstatt zu hoffen, dass ein Mitarbeiter zufällig diesen Thread liest? ;)
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Wellentänzer am 21.06.2013 | 22:58
Warum fragt ihr nicht einfach via feedback@ulisses-spiele.de anstatt zu hoffen, dass ein Mitarbeiter zufällig diesen Thread liest? ;)

Vielleicht sind ja Mitarbeiter zufällig in der Nähe? Wer weiß das schon?
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Scorpio am 22.06.2013 | 07:36
@D&D4:
Aus meiner Zeit bei DORP-TV hatte ich in dem Jahr als die Lizenz auslief auch mal die verschiedenen Verlage gefragt, als ich eh unterwegs war. Der Konsens war: "Als die gesagt haben, was die an Verkaufszahlen erwarten, um die Lizenz zu vergeben, haben wir sie ausgelacht und abgelehnt." Da scheint das was bereits Boba sagte sehr zuzutreffen, dass viele Amerikaner nur den amerikanischen Markt im Blick haben und nicht einmal verstehen, dass der Rest nicht so funktioniert.

@Lizenzpartner allgemein:
Das hängt vom Lizenzpartner ab, wie einfach die Arbeit ist. :)
Das reicht von "Wir vertrauen euch. Hier ist der strengt geheime Veröffentlichungsplan bis Ende des Jahres, damit ihr planen könnt." bis dazu, dass man von neuen Produkte nur erfährt, wenn man den Blog des Unternehmens abonniert oder von Fans angeschrieben wird, die die Foren dazu lesen. Bevor ich in der Branche gearbeitet habe, hätte ich auch nicht damit gerechnet, dass einige Lizenzgeber praktisch nur mit Lizenznehmern reden, wenn es um die Lizenzgebühren geht. Ansonsten ist man halt lästig und bedeutet zusätzliche Arbeit. Da wird einem auch schon mal nach ein paar Tagen und der dritten Frage nach Errata zu einem Buch das eigentlich schon zum Drucker müsste geantwortet, dass man noch an der Erstellung der Errata sitzen würde ... obwohl die seit drei Tagen für alle sichtbar im Forum stand, wie ich danach herausfand. Das was Heiko im Söhne Sigmars Podcast darüber erzählt, dass der Lizenzpartner gerne mal 15 Seiten Errata veröffentlicht, wenn gerade das dt. Buch frisch vom Drucker kommt ist also nicht sooo ungewöhnlich und liegt nicht zwangsweise am Lizenznehmer. Ebenso, dass man noch Änderungen an den Texten die man dem Lizenznehmer geschickt hat für die eigene Druckfassung vornimmt, ohne dem Lizenznehmer davon zu berichten. Im besten Fall sind einfach Texte rausgeflogen, die man dann auch entfernen kann wenn man das früh genug mitbekommt (aber bereits für die Übersetzung bezahlt hat).

Das andere lustige Thema sind die Layoutdateien. Außerhalb Deutschlands scheint es die Verpacken-Option von Indesign nicht zu geben. Anders kann ich es mir nicht erklären, in welchem Zustand Produkte bei uns bisweilen ankommen. Einige schicken die verlinkten Dateien fein säuberlich nach Alphabet sortiert als einzelne Zip-Dateien, andere schicken einfach alles was sie zum Buch gefunden haben, ohne passende Verlinkung dazu in der Indesign-Datei. Ein Buch zu bekommen ist in der Regel erst einmal eine längere Puzzlearbeit, um sie so umzubauen, das wir damit arbeiten können. Und wieso einige Leute in Photoshop ihre Texte setzen und das ganze dann auf eine Ebene reduzieren, damit auch ja niemand mehr irgendwann irgendetwas daran verändern kann ist mir eh schleierhaft. Achja, Cover auf dem Mac mit Indesign 4 und Innenteil auf PC mit Indesign 5 erstellt ... joah, warum nicht.  

Dann gibt es auch noch mal Lizenzvorgaben, wie Übersetzungsbeschränkungen. Da darf man dann z.B. Eigennamen nicht übersetzen oder muss eine bestimmte Liste an Begriffen im Original behalten. Wenn ihr also mal in einem Buch bei der Auflistung der Munition darüber stolpert, dass es Shock-Munition gibt statt Schock-Munition, obwohl Brandmunition und Betäubungsmunition enthalten sind ... tja ...

Und dann noch die lustige Welt der Freigaben. Der Lizenzgeber muss in der Regel das dt. Produkt freigeben, bevor es zum Drucker gehen kann. Das dauert zwischen zwei bis sechs Wochen. Oder kommt gar nicht innerhalb der Frist. Das macht es natürlich noch mal schwerer, dt. Produkte zeitnah zum Original zu veröffentlichen, gerade wenn man die Texte erst spät bekommen hat.

Insgesamt muss ich sagen, dass die ganze Lizenznehmersache bei weitem nicht so einfach oder unkompliziert ist, wie ich mir das in meiner naiven Vorstellung vor meinem Job bei Ulisses vorgestellt habe.

Edit: Wobei das jetzt alles so negativ klingt. Das sind die negativen Beispiele, es klappt ja auch meistens. :)
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Rhylthar am 22.06.2013 | 07:50
Zitat
Ich finde, man merkt ihnen deutlich an, ob sie genug Zeit, Ressourcen und/oder Lust hatten oder nicht.
Lust schließe ich jetzt mal bei fast jedem Verlag aus, schließlich geht es ums Geschäft. "Schlechte" Produkte sprechen sich bei so einem kleinen Markt doch schnell rum.
Bei mir kam noch dazu, dass einige wussten, dass ich bestimmte Werke lektoriere; wollte nicht den Hohn und Spott der Community damals ernten.  ;D

Zeit und Ressourcen können natürlich ein Faktor sein, wobei da meiner Meinung nach einiges zusammenkommen muss. Schließlich sind mindestens zwei Personen beteiligt, die ein Werk vor Druck durcharbeiten: Übersetzer und Lektor. Da muss einiges schiefgehen, dass außerordentlich viele Schnitzer in einem Werk landen. Bei größeren Werken sind es ja noch mehr Leute (mehrere Übersetzer/Lektoren).

Habe mal im Netz ein wenig nach Rezensionen für Eberron gesucht, im Hinblick auf die Übersetzung. Größere Kritik habe ich nicht gefunden, aber gut:
Rezensenten müssen auch nicht zwangsläufig all diese Dinge auffallen.

Und um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen:
Es ist vermutlich auch so schwer, gute deutsche Übersetzungen zu bekommen, weil man im Prinzip folgende Dinge braucht:

a) einen regelfesten Übersetzer, der sich in dem Setting auskennt
b) einen Lektor, der ebenfalls die Voraussetzungen erfüllen muss (vielleicht noch ein wenig mehr als der Übersetzer)
c) beide sollten für ein nicht zu hohes Honorar arbeiten (und mit einer Portion "Herzblut" da rangehen)
d) ein vernünftiges Zeitfenster für die Arbeiten zur Verfügung haben, da...
e) die Kundschaft auch bereit bzw. vorhanden ist, auf dieses Produkt in deutscher Sprache zu warten und letztendlich zu kaufen.

Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Boba Fett am 22.06.2013 | 08:51
Lust schließe ich jetzt mal bei fast jedem Verlag aus, schließlich ...
Du glaubst also, dass deutsche Rollenspielverlage, die in Jleinstbesetzung, mit Unterstützung von Amateuren, weil es ansonsten nicht finanzierbar wäre, Produkte in Kleinstauflagen veröffentlichen, von deren Verkauf man meist nur mit Nebenerwerb leben kann, dies alles aus kommerziellen Interesse und nicht aus Idealismus machen? ...
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Rhylthar am 22.06.2013 | 08:54
Du glaubst also, dass deutsche Rollenspielverlage, die in Jleinstbesetzung, mit Unterstützung von Amateuren, weil es ansonsten nicht finanzierbar wäre, Produkte in Kleinstauflagen veröffentlichen, von deren Verkauf man meist nur mit Nebenerwerb leben kann, dies alles aus kommerziellen Interesse und nicht aus Idealismus machen? ...
Du musst das Zitat als Antwort auf JS Posting sehen.
Er sagte, dass es F&S bei manchen Werken vielleicht an "Lust" gefehlt hat. Und das schließe ich aus, egal bei welchem Verlag.

Einfach, weil der kommerzielle Aspekt durchaus immer eine Rolle spielt. In welchem Maße wird natürlich immer unterschiedlich sein.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Arkam am 22.06.2013 | 11:22
Hallo zusammen,

es klang ja schon Mal an und ich kann es nur bestätigen man wird als Kunde dazu erzogen deutsche Übersetzungen zu ignorieren.

Da werden bei deutschen Auflagen Teile des amerikanischen Originals nicht mitgeliefert. So geschehen bei Mechwarrior. Klar die Romane waren noch nicht bei den Clans angelangt aber bis wir die Regeln dann hatten war es doch so weit und man schaute in die Röhre.
Da wird ein System immer wieder angefangen so das man das gleiche Produkt drei Mal kaufen konnte ohne das hochgelobte Zusatzmaterial zu bekommen. So geschehen bei Cthulhu. Das kam ja vor der Pegasus Ausgabe auch noch in einer Fassung von FanPro und von Laurin heraus. Erst Pegasus brachte es dann fertig hoch gelobte Kampagnen wie den Orient Express heraus zu geben.Neben den Finanzen ist das natürlich auch ärgerlich wenn einem die Werke der amerikanischen Ausgabe in Magazinen vorgestellt werden.
Mir als Kunde ist es egal was dahinter steckt. Es sind reale Probleme die zu solchen Dingen führen und keine Böswilligkeit. Aber die Auswirkungen sind die gleichen.

Gruß Jochen
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Boba Fett am 22.06.2013 | 21:35
@Rhy: ah, ok sorry!
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: JS am 23.06.2013 | 01:14
Du musst das Zitat als Antwort auf JS Posting sehen. Er sagte, dass es F&S bei manchen Werken vielleicht an "Lust" gefehlt hat. Und das schließe ich aus, egal bei welchem Verlag.

Ich nicht, und zwar aus folgendem Grunde: Ich gehe davon aus, daß die deutsche Rollenspiel-Verlagsszene nicht aus purer Profitgier entstand, sondern selbstverständlich aus gebotenen Chancen und der Lust an der Sache. Gerade den Kleinstverlagen möchte ich unterstellen, daß sie mit einem Höchstmaß an Lust und Idealismus bei der Sache sind, egal, wie stark ihr Können damit korrespondiert.

Eine Buchveröffentlichung - vor allem mit Übersetzung - ist nun aber eine sehr umfangreiche und bemerkenswert anspruchsvolle Aufgabe, die im Rollenspielbereich i.d.R. nur einige wenige Personen auf vielfältige Art und Weise beansprucht. Das ist keine Fließbandarbeit, sondern ein langwieriger Arbeitsprozeß, der große Konzentration und Durchaltewillen erfordert. Doch wo setzen diese wenigen Personen bei den einzelnen Projekten und Arbeitsschritten die nötigen Schwerpunkte? Hier spielt für mich die "Lust" bzw. Motivation eine denkbare Rolle. Konkret: Haben ein Lektor und Korrektor die Lust, einen Megaschinken wie das Eberron Kampagnenbuch stellenweise fünfmal, zehnmal penibel und konzentriert zu lesen, um alle Übel zu entdecken und auszumerzen? Satz für Satz? Wollen sie den Text immer wieder diskutieren und Zweifelsfälle durch eventuell lange Recherche klären?

Ich selbst liebe die deutsche Sprache und Textarbeiten. Ich habe viele studentische Seminararbeiten korrigiert und zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze meines Mentors überprüft und kontrolliert: Da war die zehnmalige Lektüre von 50 Seiten der Standard - und beim fünften Mal hatte man schon die "Faxen dicke". Wenn dann noch Zeitdruck hinzukam, dann war das eine elendige Arbeit; von Lust und Liebe keine Spur mehr, nur noch leidige, aber hoch konzentrierte Pflicht.

Daher denke ich, daß auch ein Profiverlag wie F&S zwar seine Sache grundsätzlich mit Lust angeht, daß es mich aber nicht wundern würde, wenn beim einen oder anderen Projekt aufgrund irgendwelcher Umstände das Lustvolle an der mühseligen Arbeit abhanden kam. Wer kann das von der Hand weisen? Ich würde meinen Wetteinsatz freilich eher auf fehlende Ressourcen und wenig Zeit setzen, schlösse aber im Einzelfall partiell mangelnde Motivation auch nicht aus.

Ich finde jedoch, daß das alles in allem ein Randgedanke ist, der keine lange Diskussion verdient. Er kann hier sowieso nicht verifiziert werden.
:)

PS: Da die Mitarbeiter von F&S gezeigt haben, daß sie beachtlich gute Texte anfertigen können, möchte ich fehlende Kompetenz bei diesem Verlag aus der Rechnung nehmen; für andere Verlage sehe ich diesen Punkt wiederum als einen wesentlichen Faktor an.

PPS: Es fällt z.B. im Eberron Kampagnenbuch auf, daß die schlimmsten Interpunktionsklopfer im ersten Drittel des Buches vorkommen. Erstens hätte ein guter (oder lustvoller) Korrektor das schon beim ersten Querlesen feststellen müssen, zweitens frage ich mich, wie es zu dieser seltsamen Fehlergliederung kam. Das Kartoffeldeutsch der "Spinwärts-Marken" begleitet den Leser wenigstens konsequent durch das ganze Buch...
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Rhylthar am 23.06.2013 | 09:20
Ah, okay.

Das macht es verständlicher und für mich nachvollziehbarer. Hatte es vorher anders verstanden.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Infernal Teddy am 23.06.2013 | 09:40
PPS: Es fällt z.B. im Eberron Kampagnenbuch auf, daß die schlimmsten Interpunktionsklopfer im ersten Drittel des Buches vorkommen. Erstens hätte ein guter (oder lustvoller) Korrektor das schon beim ersten Querlesen feststellen müssen, zweitens frage ich mich, wie es zu dieser seltsamen Fehlergliederung kam. Das Kartoffeldeutsch der "Spinwärts-Marken" begleitet den Leser wenigstens konsequent durch das ganze Buch...


Da waren wohl bei einem Projekt ein Übersetzer beschäftigt und beim anderen mehrere?
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: JS am 23.06.2013 | 13:18
Es werden für das deutsche Eberron Kampagnenbuch 1 Übersetzer, 2 Korrektoren und 2 Lektoren angegeben.
Spinwärts-Marken: 2 Übersetzer, 1 Lektor, 1 Korrektor (in Personalunion, denn das macht einer der Übersetzer).
Noch Fragen?
;)

PS: Ich möchte mich an diesen beiden Beispielen nun nicht festbeißen, aber sie fielen mir zuerst ein. Das grundsätzliche Problem ist ja wohl eher ein übergreifendes.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: TeichDragon am 23.06.2013 | 14:35
Edit: Wobei das jetzt alles so negativ klingt. Das sind die negativen Beispiele, es klappt ja auch meistens. :)

Und wer mal das absolute Gegenbeispiel lesen möchte, kann sich mal durch diesen Thread hier (http://forum.hds-fantasy.de/viewtopic.php?f=125&t=10426) wühlen. Die Heidelbären können einem schon richtig Leid tun.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: TeichDragon am 23.06.2013 | 15:02
Das man in einer Branche, in der die Umsätze generell sehr niedrig liegen, keine Profis engagieren kann ist doch klar. Rollenspiel sind keine Heyne-Romane.

Quendan, bei den großen Publikums-Verlagen geht der Trend seit einigen Jahren auch immer mehr zu Einsparungen/Verbilligungen bei Lektorat & Korrektorat.
Das die Devise "Schneller und Billiger" nicht unbedingt zu einer Qualitäts-Steigerung führt, nimmt man dabei in Kauf.
Es beschwert sich doch nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der Leserschaft.
Da kommen einem inzwischen vereinzelt Bücher unter die Nase, bei denen manche RPG-Übersetzungen fast gülden sind.
Titel: Re: Warum ist es so schwer, deutsche Übersetzungen der "großen Systeme" zu bekommen?
Beitrag von: Weltengeist am 23.06.2013 | 15:51
Es beschwert sich doch nur ein verschwindend geringer Prozentsatz der Leserschaft.

Es BEMERKT vor allem nur ein verschwindend geringer Teil der Leserschaft. Wenn man sieht, was so das durchschnittliche Deutschniveau eines Schulabgängers ist, ist das auch nicht verwunderlich. Das ist im Grunde wie bei den Casting-Shows - mir rollen sich da musikalisch nicht selten die Fußnägel hoch, aber die Mehrzahl des Publikums merkt gar nicht, wenn Töne nicht getroffen werden.

Aber auch wenn man es bemerkt, ist es letztlich eine Frage der Präferenzen. Extrem gesehen kann man von einem Rollenspieltext Stil und Immersion erwarten (dann nervt einen schlechtes Deutsch), oder man kann ihn schlicht als Bedienungsanleitung für spannendes Spiel sehen (dann kann es einem herzlich egal sein). Und auch hier scheint die zweite Fraktion in der Mehrzahl zu sein.

Ich kann es den Verlagen jedenfalls nicht verdenken, wenn sie da sparen, wo es die wenigsten stört. Und wenn ich ehrlich bin, würde es auch mich mehr stören, wenn sie beim Inhalt, den Regeln oder den Graphiken sparen würden. Oder wenn sie nur noch halb so viele Sachen rausbringen würden, die dafür von hoher sprachlicher Qualität wären.