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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: pharyon am 24.07.2013 | 10:48

Titel: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: pharyon am 24.07.2013 | 10:48
Hier (http://tanelorn.net/index.php/topic,84980.0.html) bin ich auf die Aussage gestoßen, dass man Rollenspiele als Spielzeug betrachten kann oder als Spiele.

Wenn ich 1of3 richtig verstanden habe, dann ...
... sind Rollenspiele Spiele, wenn sie ein klares Ziel vorgeben und die Regeln auch das Erreichen des Ziels beinhalten und die dazugehörigen Umstände beinhalten.
Beispiel: Ziel: Monster töten, besser werden, Schätze sammeln --> Regeln zu: Töten (kämpfen), verbessern eines Spielercharakters, Schätze
... sind Rollenspiele Spielzeuge, wenn sie kein klares Ziel vorgeben oder Ziele vorgeben, diese jedoch seitens Regeln nicht unterstützen.
Beispiel: Ziel: Intrigen, "das Böse" bekämpfen, zu wichtigen Figuren eines Settings aufsteigen --> Regeln zu: Kämpfen, verbessern eines Spielercharakters, Schätze

Hier scheiden sich nun die Geister, ob Rollenspiele als Spielzeuge per definitionem schlechter zur Unterstützung eines unterhaltsamen Spielabends beitragen als Rollenspiele als Spiele.
Mein Wunsch ist es, in diesem Faden über die Definition zu diskutieren, schließlich sehe ich dabei potential für künftige Spiele, Spieler und Designer, bestimmte Probleme angehen zu können, die vielleicht bisher unbewusst gehandhabt wurden.
Dann interessiert mich noch, ob ihr eher zielgerichtete Rollenspiele (Spiele) oder ungerichtete Rollenspiele (Spielzeuge) bevorzugt spielt, wie man ggf. bestimmte Spielaspekte mit Spielzeugen bewerkstelligen kann.
Ich sehe den Faden hier im "Allgemein"-Bereich gut aufgehoben, da hier vorrangig ja die Rollenspiel-Wahrnehmung bzw. Erwartung diskutiert werden soll.

Ach ja: Bitte bleibt bei den Diskussionen fair, höflich und rücksichtsvoll.

p^^
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Praion am 24.07.2013 | 10:51
Spiele (Games) haben Regeln.

Spielzeuge (toys) nicht.

Rollenspiele haben Regeln. Ergo Spiel (Game)
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Arldwulf am 24.07.2013 | 10:52
Ich würde "Ziele vorgeben, diese aber nicht unterstützen" streichen da dies viel zu subjektiv ist, und gleichzeitig auch unter die erste Definition fallen könnte.

Eine simplere Trennung in Spiele die ein oder mehrere Ziele vorgeben und solche die dies nicht tun macht mehr Sinn.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Slayn am 24.07.2013 | 10:54
Spiele (Games) haben Regeln.

Spielzeuge (toys) nicht.

Rollenspiele haben Regeln. Ergo Spiel (Game)

+1.

Die Unterscheidung, die 1of3 macht, erscheint mir sehr subjektiv. Diese hier stellt sich klar dar.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: El God am 24.07.2013 | 10:54
Zitat
Hier scheiden sich nun die Geister, ob Rollenspiele als Spielzeuge per definitionem schlechter zur Unterstützung eines unterhaltsamen Spielabends beitragen als Rollenspiele als Spiele.

Mir persönlich machen Rollenspiele am meisten Spaß, wenn das "Spielzeug" Rollenspiel in der Lage ist, vielfältige Spielziele zu unterstützen und die Gruppe sich auf ein gemeinsames Spielziel einigt und dies gemeinsam verfolgt. Ich habe aber durchaus auch Spaß mit Rollenspiel-"Spielen", die ein genaueres Ziel vorgeben. Das einzige, was ich eher weniger mag, sind Rollenspielabende, die ohne Ziel laufen und dann für mich zu einem ziemlich zähen Brei werden - ehrlich gesagt habe ich das aber bisher nur vereinzelt erlebt, in der Regel kristallisiert sich doch ziemlich schnell ein Ziel heraus und wird verfolgt, und wenn es nur die berühmte "gemeinsame Geschichte" ist.

Zitat
Mein Wunsch ist es, in diesem Faden über die Definition zu diskutieren, schließlich sehe ich dabei potential für künftige Spiele, Spieler und Designer, bestimmte Probleme angehen zu können, die vielleicht bisher unbewusst gehandhabt wurden.

Imho ist 1of3s Definition schon ziemlich gut, man sollte aber Vergleiche mit anderen Arten von Spielen vermeiden und sich darauf verständigen, dass Rollenspiel eine komplexe Sozialinteraktionskomponente hat, die z.B. Fußballanalogien ad ab asurdum führen würden. Diese Definition hat 1of3 extra für Diskussionen um Rollenspiele aufgestellt, eine Erweiterung auf z.B. Sport oder auch Brettspiel macht den Nutzen ziemlich kaputt.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Lord Verminaard am 24.07.2013 | 11:01
Wie man es nennt, ist egal, solange man daraus keine falschen Schlussfolgerungen ableitet. Eine falsche Schlussfolgerung wäre z.B. "Rollenspiel ist ein Spiel, also muss es ein Spielziel haben, und wenn es keins hat, ist es kaputt".

Es gab vor ein paar Jahren schon mal einen relativ breiten Konsens, dass Rollenspiel zuallererst mal eine Methode sei. Und in der praktischen Anwendung gibt es einen bunten Strauß an Möglichkeiten, was Leute mit dieser Methode tun. Neben dem klassischen (Brett-)Spiel findet man hier eben auch Gemeinsamkeiten mit anderen Zeitvertreiben wie z.B. Improvisationstheater, Geschichtenerzählen oder auch Weltenbau und -simulation.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: 6 am 24.07.2013 | 11:03
@Slayn&Praion:
Natürlich können Spielzeuge Regeln in sich bergen.
Nehmt einfach mal eine Spielzeuglok, die Fahrgeräusche macht, als Beispiel.
Einfache Regel dabei: Immer dann wenn man sie auf dem Boden rollt, sind Fahrgeräusche zu hören.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Praion am 24.07.2013 | 11:04
@Slayn&Praion:
Natürlich können Spielzeuge Regeln in sich bergen.
Nehmt einfach mal eine Spielzeuglok, die Fahrgeräusche macht, als Beispiel.
Einfache Regel dabei: Immer dann wenn man sie auf dem Boden rollt, sind Fahrgeräusche zu hören.

Das ist keine Regel - das ist eine Eigenschaft.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: El God am 24.07.2013 | 11:05
Lord Verminaard: Ja, das Wort Methode kam mir auch gerade in den Sinn. Das "gemeinsam Geschichten erzählen", dass ich oben als Spielziel ausgebe, "ist" ja eigentlich schon das Rollenspiel.

@6: Genau das meinte ich mit der Bitte, auf Vergleiche außerhalb des Rollenspiels zu verzichten...  ;)
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: 1of3 am 24.07.2013 | 11:12
Ich würde sagen: Spiele müssen einen Maßstab bieten um Perfomance zu evaluieren. Das bedeutet nicht, dass sie ein festgesetztes Ende haben oder dass Gewinnen absolut ist.

Ich kann z.B. ein Spiel machen einen Tischtennisball möglichst lange hochzuschlagen. Kann ich das länger als gestern? Kann ich das länger als der Kollege? So wie der Typ auf Youtube? Performance lässt sich also mit eigener Performance zu anderen Zeit sowie mit der von anderen Leuten vergleichen. Es kann durchaus auch mehrere Maßstäbe geben, die gleichzeitig und mit unterschiedlichen Ergebnissen evaluiert werden.

Es kann nun sein, dass ein Rollenspiel-Produkt diese Maßstäbe bzw. Spielziele schon selbst nahe legt oder es kann sein, dass man sich diese erst selbst finden muss.

Das hat mit Regeln nun erst mal noch nicht viel zu tun. Wir finden es aber merkwürdig, wenn in einem Spiel Regeln auftauchen, die nichts mit den Spielzielen zu tun haben. Beim Spiel mit dem Tischtennis-Ball würde es sehr verwundern, wenn ich dazu vorher auf einen Berg steigen muss. Das hat nichts damit zu tun, wie lange ich den Ball hochhalten kann.

Bei Rollenspielen ist es nun, so dass sie ihre Ziele nicht so richtig klar benennen. Wir extrapolieren sie häufig aus dem Material, das wir vorfinden. Das bedeutet, dass wir geneigt sind, das vorfindliche Material für relevant zu halten, selbst wenn es gar nicht günstig ist, bestimmte Ziele zu verfolgen.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Agent_Orange am 24.07.2013 | 11:19
Spiele (Games) haben Regeln.

Spielzeuge (toys) nicht.

Rollenspiele haben Regeln. Ergo Spiel (Game)

War auch mein erster Gedanke.
Aber:
Im Rollenspiel werden auch viele Situation er- und ausgespielt, die keinen Regelbezug haben, sich dafür aber am Fluff bzw. der individuellen Selbstdarstellung (bitte wertfrei begreifen) ausrichten. Somit hat das Rollenspiel auch Qualitäten eines Spielzeugs.

Deshalb würde ich sagen, dass Rollenspiel beides ist - Spiel und Spielzeug.

Der nächste Schritt wäre dann zu prüfen, wo sich der Schwerpunkt der individuellen Spielgruppe bzw. des individuellen Spielers befindet:
a) Strategisch, nach allen Regeln des Spiels zu spielen und so weit als möglich jede Spielsituation regeltechnisch lösen? Dann Rollenspiel eher Spiel.
b) Die Regelelemente auf ausgewählte Spielmomente beschränken und ansonsten eine Geschichte entlang klassicher oder unkonventioneller Erzählmuster bzw. Charaktere individuell und ausgeprägt darstellen? Dann wohl eher Spielzeug, oder nicht?

Angesichts der Vielseitigkeit der Rollenspielmöglichkeit - von hoch abstrakt mit so wenig Regeln als möglich und alles im Kopf bis runter auf vollwertige mit Minitaturen und Dioramen gestützte Simulation so nah den Regeln wie nur irgend möglich sind viele Abstufungen möglich. Deshalb weiß ich gerade nicht, ob eine kategorische Einordnung in Spiel oder Spielzeug so hilfreich ist.

Da Rollenspiele üblicherweise objektiv die Summe eines Themas und eines Regelsystems sind, würde ich sie eher begrifflich dem Gesellschaftsspiel zuordnen und dann die Frage stellen, ob es zwischen "Spiel" einerseits und "Gesellschaftsspiel" andererseits eine klare Abgrenzung gibt; und falls erforderlich, wie wäre dann die Abgrenzung zum "Spielzeug"?

AO
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Praion am 24.07.2013 | 11:22
War auch mein erster Gedanke.
Aber:
Im Rollenspiel werden auch viele Situation er- und ausgespielt, die keinen Regelbezug haben, sich dafür aber am Fluff bzw. der individuellen Selbstdarstellung (bitte wertfrei begreifen) ausrichten. Somit hat das Rollenspiel auch Qualitäten eines Spielzeugs.


Jeder Spieler spielt einen (oder mehrere) Charaktere und sagt was er/sie sagt und tut.

Das ist auch eine Regel die sich auf genau das bezieht.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: gunware am 24.07.2013 | 11:22
Bei Rollenspielen ist es nun, so dass sie ihre Ziele nicht so richtig klar benennen. Wir extrapolieren sie häufig aus dem Material, das wir vorfinden. Das bedeutet, dass wir geneigt sind, das vorfindliche Material für relevant zu halten, selbst wenn es gar nicht günstig ist, bestimmte Ziele zu verfolgen.
Falls ich bereits damit nerve, dann sagt es mir ruhig, aber ich finde nach wie vor, dass gerade Rollenspiel so viele unterschiedliche Ziele haben kann (die sich auch widersprechen können), dass es in dem Fall nicht zielführend wäre, bestimmte Ziele zu nennen. Würde es dann nicht eher dazu führen, dass man sich dann an die vorgegebene Ziele versucht zu halten und unweigerlich scheitern würde? Dann wäre doch die Angabe der genauer Ziele eher kontraproduktiv, oder?
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Arldwulf am 24.07.2013 | 11:25
Jeder Spieler spielt einen (oder mehrere) Charaktere und sagt was er/sie sagt und tut.

Das ist auch eine Regel die sich auf genau das bezieht.

Mhh...allerdings gibt es ja auch regelloses Rollenspiel. Ich finde die Definition anhand des Vorhandensein von Spielzielen schon besser, da diese auch solche Fälle abdeckt.

Und wenn man "jeder spielt einen Charakter" als Regel auffasst, dann wäre "jeder fährt ein Matchboxauto" und "jeder benutzt die Enden des Springseils zum festhalten" auch eine Regel die diese Dinge zu Spielen und nicht Spielzeugen macht -was die Ausgangsdiskussion sinnlos macht und keine Unterscheidungen mehr ermöglicht.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: bandit am 24.07.2013 | 11:26
Spiele (Games) haben Regeln.

Spielzeuge (toys) nicht.

Rollenspiele haben Regeln. Ergo Spiel (Game)
Definitiv. So würde ichs auch sehen.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: El God am 24.07.2013 | 11:27
Vielleicht bringt es Erhellung, wenn man mal zusammenträgt, was denn diese vielfältigen Ziele im Rollenspiel sein können?
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: 6 am 24.07.2013 | 11:27
Das ist keine Regel - das ist eine Eigenschaft.
Siehst Du hier im Thema wirklich einen Unterschied zwischen Regel und Eigenschaft?
(Ich definiere eine Regel nach der eine Spielzeuglokomotive im Spiel immer Fahrgeräusche von sich gibt, wenn ein Charakter sie über den Boden rollt.)
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: asri am 24.07.2013 | 11:28
Zur Sache kann ich leider nicht viel beitragen (zuviel Mist im Kopf...), aber vielleicht interessiert es ja jemanden, dass der Thread bzw. dessen Kernunterscheidung zurückgeht auf Greg Costikyan, der 1994 in einem Aufsatz Spiele gegen Puzzle, Spielzeuge und Geschichten abgrenzte und festhielt:
Zitat
A puzzle is static. A game is interactive.
[...]
A toy is interactive. But a game has goals.
[...]
Stories are linear. Games are not.
[...]
Games require active participation.

Greg Costikyan: I Have No Words & I Must Design (http://) (1994).

Eine spannende Frage ist jetzt vielleicht, was genau ein Ziel eigentlich ist. Kann es "offene" Ziele geben wie "Gefahren meistern" und "meine Charakterwerte steigern"? Solche Ziele sind in manche Regeln quasi eingebaut - das Regelsystem ist darauf ausgelegt. Schwieriger finde ich anzugeben, was das Ziel z.B. bei Fiasco ist.
Edit: Vielleicht "meinen und die anderen Charaktere in eine unterhaltsame, fiese Katastrophe schlittern zu lassen"
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Praion am 24.07.2013 | 11:30
Mhh...allerdings gibt es ja auch regelloses Rollenspiel. Ich finde die Definition anhand des Vorhandensein von Spielzielen schon besser, da diese auch solche Fälle abdeckt.

Und wenn man "jeder spielt einen Charakter" als Regel aufpasst, dann wäre "jeder fährt ein Matchboxauto" und "jeder benutzt die Enden des Springseils zum festhalten" auch eine Regel, was die Ausgangsdiskussion sinnlos macht und keine Unterscheidungen mehr ermöglicht.

Springseil - Spielzeug
Springe so oft über das Springseil wie du kannst; wenn du hängen bleibst darfst du nciht mehr weiterspringen und deine Anzahl bleibt stehen - Spiel
2 andere beteiligte halten das Seil und lassen es kreisen (oder wie nennt man das?) - Methode

Genauso wie der Vorgang des Würfelns an sich keine Regel sondern eine Methode ist - habe bisher wenige Spiele gesehen die dir vorschreiben wie genau du zu würfeln hast (3 mal schütteln und dann nach Norden werfen)

Zitat
Mhh...allerdings gibt es ja auch regelloses Rollenspiel. Ich finde die Definition anhand des Vorhandensein von Spielzielen schon besser, da diese auch solche Fälle abdeckt.

Dann reden wir von Play, nicht von Game. Diese Unterscheidung gibt es im deutschen nicht. Wenn man einfach irgendwie irgendwas spielt und jeder prinzipell das machen kann was er will (Mein Auto kann fliegen!) dann ist man nicht im geregelten Spiel (Game) sondern im freien Spiel (Play)

------------------------------------

Ich beziehe mich übrigens primär auf
George Herbert Mead - Mind, Self and Society
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: 1of3 am 24.07.2013 | 11:30
Falls ich bereits damit nerve, dann sagt es mir ruhig, aber ich finde nach wie vor, dass gerade Rollenspiel so viele unterschiedliche Ziele haben kann (die sich auch widersprechen können), dass es in dem Fall nicht zielführend wäre, bestimmte Ziele zu nennen. Würde es dann nicht eher dazu führen, dass man sich dann an die vorgegebene Ziele versucht zu halten und unweigerlich scheitern würde? Dann wäre doch die Angabe der genauer Ziele eher kontraproduktiv, oder?

Denk ich nicht. Im Zweifelsfall erkennt man sofort, dass das Spiel nichts für einen ist. Spart viel Zeit und Nerven. Und ich rede sehr gern über dieses Thema. :)



Mhh...allerdings gibt es ja auch regelloses Rollenspiel. Ich finde die Definition anhand des Vorhandensein von Spielzielen schon besser, da diese auch solche Fälle abdeckt.

Und wenn man "jeder spielt einen Charakter" als Regel aufpasst, dann wäre "jeder fährt ein Matchboxauto" und "jeder benutzt die Enden des Springseils zum festhalten" auch eine Regel, was die Ausgangsdiskussion sinnlos macht und keine Unterscheidungen mehr ermöglicht.

Also ich würde "Jeder spielt einen Charakter" unbedingt als Regel verstehen. Und insofern gibt es kein regelloses Rollenspiel. Es gibt überhaupt keine regellosen Spiele.

Spiele sind zweckfrei, dienen also der Unterhaltung. (Bildungszwecke etc. können womöglich im Hintergrund vorkommen.) Sie haben Regeln und sie haben Maßstäbe um Performance zu evaluieren. Diese drei Dinge machen ein Spiel aus.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Agent_Orange am 24.07.2013 | 11:31
Jeder Spieler spielt einen (oder mehrere) Charaktere und sagt was er/sie sagt und tut.

Das ist auch eine Regel die sich auf genau das bezieht.

Da mag ich widersprechen: Ein/e SpielerIn folgt keiner Regel, wenn sie oder er den Charakter mit der Spielwelt interagieren lässt. Vielmehr nutzt der oder die SpielerIn eine Eigenschaft des Spiels - nämlich in letzter Konsequenz eine Geschichte zu erzählen. Das aber wird in Rollenspielen nicht geregelt; das bewegt sich in den Grenzen, was die Spielgruppe für sich als akzeptablen Erzählrahmen absteckt. Dabei dienen die Hintergrundinformationen etwa zu Rassen/ Völkern, Klassen, Orte, Ereignisse etc. als Baukasten-Elemente, die wie Spielzeug den SpielerInnen zur freien Verfügung stehen.
Die Regeln zum Angreifen oder Turnen oder Hacken einer AI etc. stehen abstrakt und letztlich unabhängig daneben, es sei denn, die SpielerInnen wollen jedes kleinstmögliche Detail des Spiels regeltechnisch exerzieren (, was angesichts der Abstraktheit der allermeisten Rollenspiele dann doch unmöglich wird).

AO
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: asri am 24.07.2013 | 11:34
Vielleicht sollte ich auch das Fazit von Costikyan zitieren (Hervorhebung von mir):
Zitat
Do all the myriad forms of gaming have anything in common? Most assuredly. All involve decision making, managing resources in pursuit of a goal; that's true whether we're talking about Chess or Seventh Guest, Mario Brothers or Vampire, Roulette or Magic: The Gathering. It's a universal; it's what defines a game.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Agent_Orange am 24.07.2013 | 11:38
Mh ... Ganz schön kompliziert das Thema. Ich klinke mich erst mal aus und lese weiter. Ich habe gerade den Verdacht, mich unnötig festzubeißen ... Das will ich natürlich nicht.

Dieser Gedanke mit den Methoden finde ich interessant; der spricht mich an. Vielleicht ist "Eigenschaft" unglücklich und nicht hilfreich bei dieser Diskussion.

@Ziele des Rollenspiels: Was sind die Ziele des Rollenspiels?
Unterhaltung, Abenteuer erleben, sich mit Freunden treffen, Pizza Essen, besondere Herausforderungen eines Regelwerkes oder einer Spielwelt meistern ... Ich wüsste nicht, wie man "die Ziele" des Rollenspiels definieren könnte.
Das einzige, was ich hierzu mit Gewissheit sagen kann: Die meisten (nur großen?) Verlage wollen vor allem ein Ziel erreichen: Geld machen, deshalb unentwegt neue Auflagen und neue Quellbücher rausbringen. Das ist aber wohl nicht gefragt, wenn es um Ziele des Rollenspiels geht, richtig?

AO
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Arldwulf am 24.07.2013 | 11:39
Also ich würde "Jeder spielt einen Charakter" unbedingt als Regel verstehen. Und insofern gibt es kein regelloses Rollenspiel. Es gibt überhaupt keine regellosen Spiele.

Doch wo ist dann der unterschied zu "ich fahre das rote Matchboxauto"?

Wir können natürlich sagen dass es keinen Unterschied gibt, doch dann macht die Unterscheidung zwischen Spiel und Spielzeug keinen Sinn mehr.

Gleichzeitig kann man ja auch Rollenspiel betreiben ohne einen konkreten Charakter zu spielen. Nicht mal diese minimale Regel ist also zwingend
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Praion am 24.07.2013 | 11:47
Doch wo ist dann der unterschied zu "ich fahre das rote Matchboxauto"?

Das du das rote Matchboxauto und nicht das grüne oder gelbe fährst, macht keinen Unterschied wirklich. Du könntest dir auch einfach ein anderes Auto nehmen nach 10 Minuten.

Zu Regeln über Charakter:

Zitat
To play Dungeon World, you’ll need to gather yourself and 2–5 friends. A group of 4 to 6, including you, is best. Choose one person to be the Game Master (GM). Everyone else will be players, taking the role of the characters in the game (we call these the player characters or PCs). As you play, the players say what their characters say, think, and do. The GM describes everything else in the world.

Diese Regeln sind sehr anders als die von Fiasco oder Polaris.
Da ich vorher nicht weiß, wie die Verteilung in diesem Spiel aussieht brauche ich eine Regel dafür, sonst funktioniert das Spiel nicht.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: El God am 24.07.2013 | 11:48
OK, ich bin raus, ich will nicht Matchbox spielen, sondern Rollenspiele.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Lord Verminaard am 24.07.2013 | 11:56
Da ich vorher nicht weiß, wie die Verteilung in diesem Spiel aussieht brauche ich eine Regel dafür, sonst funktioniert das Spiel nicht.

Oder ich entwickle in Abwesenheit einer Regel oder sogar entgegen einer Regel eine eigene Konvention, was bei manchen Abläufen sogar besser funktioniert. Regeln werden beim Rollenspiel immer von Konventionen überlagert oder ausgefüllt. Ob es zielführend sei, möglichst alles durch harte und explizite Regeln abzudecken und die Erforderlichkeit von Konventionen so weit als möglich einzudämmen, darüber kann man trefflich streiten.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Praion am 24.07.2013 | 11:58
Doch wo ist dann der unterschied zu "ich fahre das rote Matchboxauto"?


Um es nochmal klarer zu machen:
Es macht dann einen Unterschied wenn z.B. :

Das rote Auto nur auf den roten Straßen fahren darf.
Der Spieler mit dem roten Auto in einem texanischen Akzent sprechen muss.
Das rote Auto nur rückwärts fahren darf.
Der Spieler des roten Autos gewinnt, wenn alle anderen Autos auf der Seite liegen.

etc. etc. etc.
Wenn das rote Auto, genau die gleichen Regeln hat wie das gelbe - dann machen sie rein Spieltechnisch keinen Unterschied.
Das ist dann so, als ob ich meinen Angriff in DnD einmal als Überkopfschlag und einmal als schnelle Stoßattacke beschreibe. Regeltechnisch ändert sich nichts, das ist reine color. Ich würfle den gleichen Wurf, mit dem gleichen Modifikator mit dem gleichen Schaden.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Lord Verminaard am 24.07.2013 | 12:02
Das rote Auto nur auf den roten Straßen fahren darf.
Der Spieler mit dem roten Auto in einem texanischen Akzent sprechen muss.
Das rote Auto nur rückwärts fahren darf.

[Forge-Sprech]
Hier versuchst du, Credibility gleich Regeln zu setzen. Das halte ich nicht für überzeugend.
[/Forge-Sprech]

Edit: Oder vielleicht liegt es auch nur an dem beschissenen Beispiel. ;)
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: gunware am 24.07.2013 | 12:03
Im Zweifelsfall erkennt man sofort, dass das Spiel nichts für einen ist. Spart viel Zeit und Nerven.
Richtig. Deswegen bin ich auch dafür, dass bei den Rollenspielen, die eine feste Zielvorgabe haben, diese auch vernünftig kommunizieren. Da bin ich voll bei Dir. Wo wir uns trennen müssen, ist an der Stelle, wenn Du sagst, dass im Grunde genommen alle Rollenspiele eine solche feste Zielvorgabe haben sollten. Denn da meine ich, dass es durchaus Rollenspiele gibt, die eine solche Vorgabe nicht brauchen und sie wäre bei ihnen sogar fehl am Platze.

Gleichzeitig kann man ja auch Rollenspiel betreiben ohne einen konkreten Charakter zu spielen. Nicht mal diese minimale Regel ist also zwingend
Das macht doch der Spielleiter ständig. Normalerweise braucht SL keinen konkreten Charakter.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Praion am 24.07.2013 | 12:06
[Forge-Sprech]
Hier versuchst du, Credibility gleich Regeln zu setzen. Das halte ich nicht für überzeugend.
[/Forge-Sprech]

Edit: Oder vielleicht liegt es auch nur an dem beschissenen Beispiel. ;)

Magst du mir das näher erläutern?
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Arldwulf am 24.07.2013 | 12:09
Um es nochmal klarer zu machen:
Es macht dann einen Unterschied wenn z.B. :

Das rote Auto nur auf den roten Straßen fahren darf.
Der Spieler mit dem roten Auto in einem texanischen Akzent sprechen muss.
Das rote Auto nur rückwärts fahren darf.
Der Spieler des roten Autos gewinnt, wenn alle anderen Autos auf der Seite liegen.

etc. etc. etc.
Wenn das rote Auto, genau die gleichen Regeln hat wie das gelbe - dann machen sie rein Spieltechnisch keinen Unterschied.
Das ist dann so, als ob ich meinen Angriff in DnD einmal als Überkopfschlag und einmal als schnelle Stoßattacke beschreibe. Regeltechnisch ändert sich nichts, das ist reine color. Ich würfle den gleichen Wurf, mit dem gleichen Modifikator mit dem gleichen Schaden.

Ganz genau. Und dies ist ja auch die Analogie warum "ich spiele einen oder mehrere Charaktere" noch keine Regel ist die über Spiel oder Spielzeug entscheidet. Erst weiterführende Regeln wären dies. Wenn ich einfach nur mit meinen Matchboxauto spiele dann benutze ich zwar ein Spielzeug, aber kein Spiel.

Erst wenn ich weiterführende Spielelemente wie Spielziele einführe wird daraus ein Spiel.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: pharyon am 24.07.2013 | 12:13
Ich finde das Thema auch sehr spannend.

Spiele sind zweckfrei, dienen also der Unterhaltung. (Bildungszwecke etc. können womöglich im Hintergrund vorkommen.) Sie haben Regeln und sie haben Maßstäbe um Performance zu evaluieren. Diese drei Dinge machen ein Spiel aus.
Im ersten Satz widersprichst du dir mMn. Der Zweck des Spiels ist hauptsächlich die Unterhaltung. Darüber hinaus können damit auch Fähigkeiten der Spieler trainiert werden. Das kommt schon in der Tierwelt vor. Dass Spiele Regeln haben, darüber besteht glaube ich kein Zweifel. Der Aspekt mit Maßstäben und Performance ist für mich der spannende.
Welche Maßstäbe gibt es bzw. was meinst du z.B. mit Maßstab?
Dass Spiele mehr oder weniger Ziele verfolgen (zumindest Unterhaltung) und sich in der Erreichung bestimmter Ziele unterscheiden, sei es Erfolg, Methode oder Eigenschaft, scheint mir hier der Kasus Knaxus.

p^^
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Shadom am 24.07.2013 | 12:14
Das ein Rollenspiel ein Spiel ist scheint von den meisten hier schon sehr gut begründet worden zu sein.
Ich teile diese Meinung :D
Es ist aber unwichtig.

1of3s Unterscheidung auf der anderen Seite ist wiederum wichtig, aber falsch.
Die Begriffe sind eben leider schon anders besetzt.


Aber ein Spiel, dass mir genau die Regeln liefert um sein erklärtes (!) Spielziel
(und möglichst wenig andere Regeln bzw. andere Situationen mit möglichst wenig und einfachen Regeln abdeckt)
 zu erreichen
(z.B. eben Dungeons ablaufen und Monster darin töten oder eben auch Beziehungen zwischen Figuren darstellen usw.)
ist etwas anderes als ein Spiel, das mir möglichst viel abdeckende Regeln
(die natürlich nichts desto trotz auch nicht unnötig komplex sein sollen)
an die Hand gibt um damit alles spielbar zu machen was man damit machen könnte.

Das ist erstmal nicht wertend.
(Das Spiele, die ein Spielziel, egal ob implizit oder explizit, haben und einem dafür keine Regeln geben schlecht sind ist wohl klar oder?
Wer möchte schon D&D ohne Kampfregeln spielen? Oder Mage ohne Magieregeln? Keiner. Das wäre objektiv schlecht.)



Hier tut sich aber ein Spiegelbild zum Setting auf. Es gibt Settings, die einen klaren Fokus haben und solche die mehr in die Breite gehen.
In der MMO Welt nennt man das Themepark bzw. Sandbox. Da wir Sandbox ebenfalls als Begriff benutzen und mir die Abgrenzung im RPG dazu nicht bekannt ist benutze ich also weiter den Begriff Themepark für die fokussierten Settings.

Dieser Analogie folgend gibt es im Rollenspiel also nicht nur Themepark vs Sandbox Setting sondern auch Themepark vs Sandbox System Ansätze.

Ich persönlich bevorzuge in der Regel Themepark Systeme (und auch Themepark Settings). Aber hier sind wir nicht mehr wertend oder auch nur nahe an Objektivität sondern schon lange im Geschmacksbereich.


TL,DR: 1of3 macht eine wichtige Unterscheidung. Statt Spiel und Spielzeug ist aber Themepark System und Sandbox System besser geeignet um das zu beschreiben.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Praion am 24.07.2013 | 12:18
Sehr fokusierte Sachen sind dann Achterbahn Systeme?
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Shadom am 24.07.2013 | 12:21
Ein einzelnes Fiasco Playset wäre eine einzelne Achterbahn/Rollercoaster (alles andere war ja englisch).
Ein System mit dem man nur eine Art Abenteuer machen kann Situation mit den Regeln darstellen kann wäre damit wohl auch nur eine Achterbahn.
Mir viele aber kein einziges Beispiel aus dem RPG Bereich ein.
Vielleicht noch Everybody is John...

Die meisten sind dann aber eher ein kleiner Themepark. Da gibt es halt nur 4 Fahrtgeschäfte und eine Pommesbude samt Bierzelt.
Nichts desto trotz ein Themepark :D
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: pharyon am 24.07.2013 | 12:23
Dass wir mit Hilfe der Diskussion eine hilfreiche Benennung finden, wäre ja schonmal ein schönes Ergebnis. Ein weiterer Erfolg wäre aber auch, dass Rollenspiele ggf. auch kommunizieren, für welche Bereiche des Spiels sie "feste" Regeln bieten und wo sie Bereiche in den Händen der Gruppenkonventionen belassen wollen. Dazu müsste man sich freilich Gedanken machen, wie man diese Bereiche kategorisiert. Diese Benennung kann dann tatsächlich dazu führen (da bin ich 1of3s Meinung), dass man schneller feststellen kann, ob das Spiel einem selbst liegt oder nicht.

Ich mag ja durchaus offene unfokussierte Systeme, würde mir aber für sie wünschen, dass sie Spieler darauf hinweisen, für welche Bereiche sie Spielern Handlungskonventionen zumuten.

p^^
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: 1of3 am 24.07.2013 | 12:24
Die Unterscheidung, die ich hier postuliere, ist nicht von mir. Stammt meines Wissens von Will Wright, dem Erfinder von SimCity.


Welche Maßstäbe gibt es bzw. was meinst du z.B. mit Maßstab?

- Halte deinen Charakter am Leben.
- Sammle Schätze.
- Beschreibe deine Handlungen eindruckvoll.
- Bang sie.
- Mach Action.
- Mach Drama.
- Bevölker die Stadt.
- Fäll den größten Baum im Wald mit einem Hering.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Lord Verminaard am 24.07.2013 | 12:25
@ Praion: Nach Forge-Definition entscheidet die Credibility darüber, ob ein von dir gemachter Vorschlag in die Fiktion aufgenommen wird. Credibility ergibt sich im Ursprung aus der Akzeptanz der anderen Mitspieler, wobei es eine bestimmte Gattung von Forge-Spielen gibt, die den Versuch unternommen haben, durch Regeln für Erzählrechtsverteilung Credibility auf Regel-Ebene zu formalisieren (sogenanntes "Buck stops here"-Prinzip). Eine vergleichbare Regel wäre "der SL hat immer Recht" in manchem klassischen Rollenspiel. Was aber nicht heißt, dass nicht, Regel hin, Regel her, irgendwann ein Mitspieler sagt, "I call Bullshit", und dann kann die schönste Regel keine Credibility erzwingen. Ich hatte dich so verstanden, aber es mag wie gesagt an dem dämlichen Beispiel mit dem roten Auto liegen, dass immer dann, wenn dein Vorschlag nicht in die Fiktion aufgenommen werden kann, dies eine Regel sei. Dem halte ich entgegen, dass es nicht zwingend eine Regel - im Sinne einer definitiven Handlungsaufforderung - sein muss, die über Credibility entscheidet. Oftmals ist es eine dynamische Beurteilung der Beteiligten, für die nicht allein Regeln maßgeblich sind. Eng verwandt aber nicht deckungsgleich ist auch das Thema "Moment of Judgment", der ebensowenig zwingend in einer Regelanwendung mündet.

Jetzt kann man natürlich das Lumpley-Prinzip und die Definition von "System" als (ich paraphrasiere) "System ist einfach alles" bemühen, um die Verwirrung komplett zu machen, aber ich nehme doch mal an, damit diese Diskussion irgend einen Sinn ergibt, meinen wir mit "Regeln" nicht "einfach alles", oder?
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Praion am 24.07.2013 | 12:32
Rules as Written wären Regeln bei mir. Alles was getan wird, in Zusammenhang mit dem Spiel, aber nicht aus den Regeln kommt wäre Konvention.

Beachtend dabei ist, dass es Systeme gibt die für Sachen die sonst im Konventions Rahmen sind Regeln haben - etwa das anzünden eine Kerze in Polaris.

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Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Maarzan am 24.07.2013 | 13:03
Solange die Regeln nicht ein gewisses Maß an Vollständigkeit haben ist es auch noch kein Spiel. (Nur der Ball darf nicht mit dem Arm gespeilt werden macht noch kein Fußballspiel)
In dem Sinne wären Rollenspiele wieder Spielzeuge, zumindest bis Personen oder Abenteuervorlagen genug vervollständigt haben.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: 1of3 am 24.07.2013 | 13:06
@Praion: Formales Regelwerk + Konvention wird nicht mal reichen. Da kommt ganz entschieden persönliche Ausstrahlung und Standing hinzu.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Thandbar am 24.07.2013 | 13:42
Mein "Problem" an der Diskussion ist, dass ich die Eingangsdefinition von Spiel und Spielzeug nicht überzeugend finde. ("Spiel" ist es für mich auch, wenn ein Kind ohne jegliches Spielziel einfach den Kreisel immer weiter die Straße herunter verfolgt, und für meinen Kater ist jede herunterhängende Socke ein "Spielzeug".)
Insofern habe ich Schwierigkeiten mit dem Begriffspaar, wenngleich ich schon sagen würde, dass es Rollenspiele gibt, die auch auf Seiten des SL stark durchformalisiert sind, so dass er sich eher als Mitspieler oder Gegenspieler empfindet (wenn es in solchen Spielen überhaupt einen SL geben muss), und andere, die den SL eher als Spielgestalter und -erzeuger, mithin als Repräsentaten des Spiels und der darin auftauchenden Regeln ins Recht setzen.
Zwischen diesen beiden Polen können Rollenspiele angesiedelt sein, und beide Positionen haben ihre Vor- und Nachteile. Ich würde mich da gar nicht zwischen den Alternativen entscheiden wollen. 
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: 1of3 am 24.07.2013 | 13:51
Mein "Problem" an der Diskussion ist, dass ich die Eingangsdefinition von Spiel und Spielzeug nicht überzeugend finde. ("Spiel" ist es für mich auch, wenn ein Kind ohne jegliches Spielziel einfach den Kreisel immer weiter die Straße herunter verfolgt, und für meinen Kater ist jede herunterhängende Socke ein "Spielzeug".)

Das Spielziel beim Spiel mit dem Kreisel ist, den Kreisel am Laufen zu halten.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Praion am 24.07.2013 | 13:54

Insofern habe ich Schwierigkeiten mit dem Begriffspaar, wenngleich ich schon sagen würde, dass es Rollenspiele gibt, die auch auf Seiten des SL stark durchformalisiert sind, so dass er sich eher als Mitspieler oder Gegenspieler empfindet (wenn es in solchen Spielen überhaupt einen SL geben muss), und andere, die den SL eher als Spielgestalter und -erzeuger, mithin als Repräsentaten des Spiels und der darin auftauchenden Regeln ins Recht setzen.
Zwischen diesen beiden Polen können Rollenspiele angesiedelt sein, und beide Positionen haben ihre Vor- und Nachteile. Ich würde mich da gar nicht zwischen den Alternativen entscheiden wollen. 

Ich wei irgendwie nicht, was das mit dem Thema zu tun hat.
Ansonsten vergleiche noch den Unterschied zwischen Play und Game. Also freies Spiel und geregeltes Spiel.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: asri am 24.07.2013 | 14:55
Das Spielziel beim Spiel mit dem Kreisel ist, den Kreisel am Laufen zu halten.

Kann man sagen, der Kreisel ist ein Spielzeug, aber man kann damit das Spiel spielen "den Kreisel am Laufen halten", wo das Ziel eben genau das ist? Das fände ich - angesichts der unscharfen Begriffe - etwas hilfreicher als deine Formulierung.

Ich neige im Augenblick dazu, Rollenspiele eher als Spielzeug zu sehen, mit denen dann sowohl Spiele (play a game) gespielt werden, als auch einfach nur so (play with a toy) gespielt wird. Beides ist eine unterhaltsame Beschäftigung. Beim game frage ich mich gerade, ob nicht jeder Mitspieler theoretisch ein anderes Spielziel verfolgen könnte, und alle haben Spaß...
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: pharyon am 24.07.2013 | 15:05
Die Unterscheidung, die ich hier postuliere, ist nicht von mir. Stammt meines Wissens von Will Wright, dem Erfinder von SimCity.
Da du sie hier vorgetragen hast, dachte ich, du würdest ihr zustimmen. Egal wer es denn sagt, mMn widerspricht sich der erste Satz. Ist aber sonst unerheblich.

Zitat
- Halte deinen Charakter am Leben.
- Sammle Schätze.
- Beschreibe deine Handlungen eindruckvoll.
...
- Bevölker die Stadt.
- Fäll den größten Baum im Wald mit einem Hering.
Das sind schöne Beispiele. Wenn ein Spiel eines dieser Ziele explizit anpeilen möchte, sollte es auch den Spielern erklären, wie sie das im Spielbetrieb erreichen können. Verstehe ich dich da richtig?

Insbesondere
Zitat
- Bang sie.
- Mach Action.
- Mach Drama.
ist schon schwieriger, da alle Spieler in einer Gruppe sich schon auf eine Definition der jeweiligen Ziele einigen müssten. Und das Regelwerk sollte zumindest die wahrscheinlichsten Definitionen dann in Betracht ziehen.

Und dann wäre da noch der häufig universell beliebte 'Anspruch' "Erlebe mit deinen Freunden Abenteuer und spannende Geschichten..." oder so. Wie man sowas mit Regeln unterfüttern kann, wäre für mich beispielsweise spannend (ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass diese Aspekte mit Gruppen-Konventionen von Gruppen flexibler gehandhabt werden können als mit Spielregeln).

p^^
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Praion am 24.07.2013 | 15:06
Rollenspiel als Spielzeug würde ich verwenden wenn ich an den Regeln rumschraube um bestimmte Effekte zu bekommen oder mich zu unterhalten oder "mal was ausprobieren möchte".
Sprich wenn ich neuen Content dafür schaffe, ist das Rollenspiel mein Spielzeug (oder meine Farben).

Das ist aber nicht der primäre Sinn des Regeltextes, der Sinn dabei (sondern das Spiel zu Spielen).
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: pharyon am 24.07.2013 | 15:28
Mir kommt es nicht unbedingt darauf an, ob "Spielzeug" treffend und hinreichend genau beschreibt, wie ein Spiel arbeitet, sondern, dass man eine Wahrnehmung schafft, welche Aufgaben ein Spiel gut mit Regeln erfüllt und in welchen Bereichen Gruppenkonventionen die vorhandenen Lücken füllen müssen.

Beispiel: "Dog in the Vineyard" kann gut Konflikte, kann aber keinen Weitsprung (oder?).

Beispiel: "D&D" kann Monster kloppen, Schätze und aufsteigen, kann aber keine Intrigen (ASoIaF RPG kann das wiederum).

Soweit einverstanden?

p^^
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Arldwulf am 24.07.2013 | 15:36
Mir kommt es nicht unbedingt darauf an, ob "Spielzeug" treffend und hinreichend genau beschreibt, wie ein Spiel arbeitet, sondern, dass man eine Wahrnehmung schafft, welche Aufgaben ein Spiel gut mit Regeln erfüllt und in welchen Bereichen Gruppenkonventionen die vorhandenen Lücken füllen müssen.

Beispiel: "Dog in the Vineyard" kann gut Konflikte, kann aber keinen Weitsprung (oder?).

Beispiel: "D&D" kann Monster kloppen, Schätze und aufsteigen, kann aber keine Intrigen (ASoIaF RPG kann das wiederum).

Soweit einverstanden?

p^^

Puh...aber hat man hier nicht wieder das Problem dass diese Wahrnehmung nicht absolut ist, und teilweise dann auch den offiziellen Aussagen widerspricht? Und das zwei verschiedene Gruppen auch zwei Wahrnehmungen des Systems haben.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: pharyon am 24.07.2013 | 15:45
Das kann sein. Ich würde zustimmen, dass man hier in allen meinen genannten Punkten unterschiedlicher Meinung sein kann. Hilfreich finde ich es aber, wenn man dadurch Punkte ansprechen kann.

Bliebe ich bei 1of3s Definition würde jedes Rollenspiel-Spiel eh zum Rollenspiel-Spielzeug werden, sobald ein Mitspieler in das gemeinsame Spiel ein Element einbringt, dass von den Regeln her nicht abgedeckt ist, aber dem Spielziel dient (was bei Brettspielen auch möglich wäre, dort aber weit weniger Zustimmung findet).

Ob jetzt die genannten Beispiele meine Argumentation belegen konnten/können, steht dabei auf einem anderen Blatt...

p^^
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Zarkov am 24.07.2013 | 16:23
Für seine Definition zieht 1of3 halt auch immer kompetitive Nullsummenspiele mit Gewinnbedingung als Vergleich heran (Volleyball z.B.; es spielen zwei Seiten gegeneinander, es kann nur eine davon gewinnen, und wer gewinnt, läßt sich nach einer abgelaufenen Zeit exakt abzählen). Das scheint mir gerade für Rollenspiele kein glücklicher Vergleichsgrund. Es gibt genug nicht-kompetitive Spiele ohne Gewinnbedingung, wie ja im Laufe dieser Diskussion auch schon oft genug vorgebracht.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Luxferre am 24.07.2013 | 16:25
Ein Rollenspiel ist für mich per se kein Spielzeug, aber ich kann mit Spielzeugs Rollenspiele spielen.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: 1of3 am 24.07.2013 | 16:37
Für seine Definition zieht 1of3 halt auch immer kompetitive Nullsummenspiele mit Gewinnbedingung als Vergleich heran

Dann lies bitte noch mal, was ich in diesem Thema geschrieben habe.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Zarkov am 24.07.2013 | 17:26
Es geht ja nicht nur um diesen Thread. Aber, ja, „immer“ ist übertrieben.

[P.S. Ja, das ist eine Entschuldigung.]
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 24.07.2013 | 18:33
Man muss natürlich erst mal Spiel und Spielzeug definieren und dann wird man keine Definition finden die der Begriffs-Realität genau entspricht.
Ein Spiel im Sinne vieler wissenschaftlich gebräuchlicher Definitionen (z.B. Spieltheorie) braucht sowohl Regeln als auch Siegbedingungen, und häufig auch noch Werte und mehr als eine Spielpartei die gegeneinander spielen. Es gibt nahezu kein Spiel, das sich Rollenspiel nennt, das dieser Definition entspricht. Außerdem trifft das natürlich nicht den kulturellen Aspekt von Spielen, nämlich die Unterhaltung bzw. Wettbewerb.

Es gibt schließlich eine lange Tradition alles mögliche Spiel zu nennen, was dieser engen Definition überhaupt nicht entspricht, z.B. werden viele Spielzeuge die mit Regeln gespielt werden Spiel genannt. Außerdem ist der Begriff kürzer und man kann nahezu alles was man zur Unterhaltung oder ohne unmittelbaren Zweck tut Spiel nennen, man spielt ja schließlich auch Instrumente.
Selbst in Spielen die nach Spieltheorie Spiele wären tritt in der Praxis häufig der Unterhaltungsaspekt so in den Vordergrund, dass das eigentliche (Regel-)Spiel gar keine große Bedeutung für die Spieler hat.

Ich finde deshalb unnatürliche Definitionen dieser Begriffe weniger hilfreich, wenn es einem eigentlich nur um bestimmte Aspekte von Rollenspiel geht, die streng genommen alle keine klassischen Spiele sind.

Die Unterscheidung regelgetrieben - fiktionsgetrieben mag hilfreicher sein, natürlich ist die eben noch in der Entwicklung. Deswegen ist das ganze vorerst nur ein Hinweis auf einen Unterschied den Leute subjektiv bemerkt haben, von dem aber nicht (jedem) ganz klar ist was die Gründe sind, woher es kommt und wie das geht.
Früher gab es mal den Ausdruck "Brettspielig" für ein Spielgefühl, bei dem die Regeln mechanische Ziele vorgeben, oder die Initiative hauptsächlich von Regeln ausgeht und Regeln in erster Instanz unabhängig von Fiktion ablaufen, und wo eben nicht Spieler die Regeln aufgrund ihrer Interpretation einer fiktiven Situation aufrufen und mit Inhalten verbinden.

Ich weiß jetzt nicht ob wir zu viel Überlappung mit dem Powergamer-Thread haben, aber das Thema war ja eigentlich auch eins.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Shadom am 24.07.2013 | 19:11
Ich denke mit Regeln vs fiktion hat das hier nichts zu tun.



Man bedenke:
Ich kann ein seeehr komplexes und genaues Regelwerk machen in dem es ausschließlich im narrative Sachen geht.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 24.07.2013 | 19:18
Ja "Regeln" ist auch noch zu ungenau. Es geht um eine Untermenge von mechanischen Regeln, aber für sowas braucht man noch mehr Definitionen die keiner versteht.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: 1of3 am 24.07.2013 | 19:40
Ja "Regeln" ist auch noch zu ungenau. Es geht um eine Untermenge von mechanischen Regeln, aber für sowas braucht man noch mehr Definitionen die keiner versteht.

Die Einstellung finde ich sehr merkwürdig.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 24.07.2013 | 19:59
Natürlich ist das merkwürdig, deswegen findet auch jeder Leute merkwürdig die sich wie verrückt mit Sport beschäftigen, oder Literatur oder Kunst. Alle die zu doll über was nachdenken sind merkwürdig.
Deswegen haben wir ja früher in einem eigenen Bereich diskutiert, damit niemand mit den merkwürdigen Leuten zu tun haben muss, aber das ist ja heute out ;)
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Bad Horse am 24.07.2013 | 20:27
Ich würde sagen: Spiele müssen einen Maßstab bieten um Perfomance zu evaluieren.

Aber genau das tut Rollenspiel nicht.

Klar, das Spielziel kann sein "schnetzel die Gegner und bring viel Gold heim", aber das Spiel wird nicht besser, je mehr Gegner du geschnetzelt hast und je mehr Gold du heimgebracht hast. Vielleicht hat der Charakter Alfons, der fünfzehn Orks umgehauen und 27.000 Goldstücke eingesammelt hat, ja eine bessere "Performance" hingelegt als der Charakter Brigitte, die nur zwei Orks umgebracht und 3.000 Goldstücke eingesammelt hat - aber trotzdem kann es sein, dass Brigitte allen als der coolere, interessantere und spaßigere Charakter im Gedächtnis geblieben ist und dass die ganze Gruppe an Brigitte viel mehr Spaß hatte als an Alfons.

Ein Maßstab wie "alle müssen Spaß am Char haben" ist jetzt aber wieder so schwammig, dass er meiner Meinung nach untauglich ist.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Praion am 24.07.2013 | 20:37
Aber genau das tut Rollenspiel nicht.


Außer die, die es tun...
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Bad Horse am 24.07.2013 | 20:45
Außer die, die es tun...

Kannst du mir da bitte ein Beispiel geben? Bitte nicht nur den Regelmechanismus, sondern auch, wie er sich am Spieltisch anfühlt.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: 1of3 am 24.07.2013 | 20:56
Aber genau das tut Rollenspiel nicht.

Klar, das Spielziel kann sein "schnetzel die Gegner und bring viel Gold heim", aber das Spiel wird nicht besser, je mehr Gegner du geschnetzelt hast und je mehr Gold du heimgebracht hast. Vielleicht hat der Charakter Alfons, der fünfzehn Orks umgehauen und 27.000 Goldstücke eingesammelt hat, ja eine bessere "Performance" hingelegt als der Charakter Brigitte, die nur zwei Orks umgebracht und 3.000 Goldstücke eingesammelt hat - aber trotzdem kann es sein, dass Brigitte allen als der coolere, interessantere und spaßigere Charakter im Gedächtnis geblieben ist und dass die ganze Gruppe an Brigitte viel mehr Spaß hatte als an Alfons.

Dann war es eben einen Charakter spaßig darzustellen. Es kann auch durchaus mehrere Spielziele geben. Es kann verschiedene selbst beim gleichen Spielziel unterschiedliche Ergebnisse geben. "Brigitte hat am Ende ganz schön gerockt, am Anfang bei der Burgszene kam sie wohl nicht so rein."

Spiele erfordern, dass man gut und schlecht spielen kann. Was auch immer das bedeutet.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Bad Horse am 24.07.2013 | 21:09
Was auch immer das bedeutet.

...und bei wie vielen anderen Spielen kannst du nicht sagen, was es bedeutet, die Performance zu messen?
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: killedcat am 24.07.2013 | 21:13
Spiele erfordern, dass man gut und schlecht spielen kann. Was auch immer das bedeutet.
Echt? Beim Rollenspiel hatte ich das noch nicht so empfunden. Ich hätte auch keine Ahnung, wie ich das festmachen sollte, ob jemand gut oder schlecht gespielt hat. *Schulterzuck* Wahrscheinlich spiel ich falsch oder glaube nur zu spielen. Wer weiß das schon?
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: ErikErikson am 24.07.2013 | 21:17
Ich finde man kann-wenn man schwammige Ziele wie -Charakter schön darstellen- zulässt, quasi bei jeder Tätigkeit eine dahinterstehende Zielsetzung finden.

Anders gefragt: Welche Tätigkeit ist denn völlig zielfrei? Sturzbetrunken rumtorkeln vielleicht. Ansonsten findet man immer Ziele, die der ein oder andere unbewusst oder bewusst an die Tätigkeit heranträgt oder die sich aus den Regeln ergeben.

Damit wäre dann alles Spiel. Das macht keinen Sinn.

Sinnvoll ist IMHO die Unterscheidung zwischen den klaren, offen dargelegten und eng fokussierten Zielen der Indiespiele, und den unklaren, impliziten und breiten Zielen klassischer Systeme. 
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: 1of3 am 24.07.2013 | 21:21
Damit wäre dann alles Spiel.

Das scheint mir so das Prinzip bei Gamification zu sein: So ziemlich alles lässt sich wie ein Spiel auffassen.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 24.07.2013 | 21:22
Spiele erfordern, dass man gut und schlecht spielen kann. Was auch immer das bedeutet.
Aber das ist nicht einzigartig für Spiele sondern gilt auch für alles mit ästhetischen Maßstäben. D.h. du kannst daran ein Spiel nicht von einem ästhetischen Gebrauch eines Spielzeugs unterscheiden.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: 1of3 am 24.07.2013 | 21:24
Der Gebrauch eines Spielzeugs erfordert, dass es ein Spiel wird. Ich kann ein Spielzeug natürlich als Türstopper gebrauchen, aber wenn mit einem Spielzeug gespielt wird, muss ein Spiel vorliegen.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: ErikErikson am 24.07.2013 | 21:26
Moment..wenn ich ein Spielzeug als Türstopper verwende, liegt dann nun ein Spiel vor oder nicht? Und beziehst du dich grade auf irgendeine spezielle Theorie?
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: 6 am 24.07.2013 | 21:29
Moment..wenn ich ein Spielzeug als Türstopper verwende, liegt dann nun ein Spiel vor oder nicht? Und beziehst du dich grade auf irgendeine spezielle Theorie?
Also eines meiner Regelwerke hat ca 1 Jahrzehnt als Bettunterstütze gedient...
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: bandit am 25.07.2013 | 11:13
Ein Spielzeug bleibt ein Spielzeug, auch wenn ich damit ein Spiel spiele.
Ball>Spielzeug
Fussballspiel>Spiel
Ein Ball wird nicht zu einem Spiel, wenn ich damit spiele.
Wenn ich den Ball als Bettstütze nutze  ... rollt er weg, bleibt aber ein Spielzeug. Genauso verhält es sich mit einem Regelwerk ... nur dass es nicht wegrollt.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Arkam am 26.07.2013 | 11:09
Hallo zusammen,

ein Spiele Klassiker ist ja "Mensch ärger dich nicht". Es gibt ein definiertes Spielziel: "Man gewinnt wenn alle vier Pöppel ein Mal den angezeigten Rundkurs durchlaufen haben und jeder auf einem anderen der vier Zielfelder steht.
Die Spielregeln legen fest wann ein Pöppel startet, wie er sich bewegt und wie man man andere Pöppel schlagen kann. Es gibt keine Option seinen Pöppel Aktionen durchführen zu lassen die nicht beschrieben sind und man muss eine Aktion durchführen wenn man an der Reihe ist.

Schauen wir uns da Mal das Rollenspiel an.
Es gibt kein definiertes Spielziel das zum Ende eines Spiels und falls gewünscht dem Beginn einer neuen Rund führt. Klar man kann einen zeitlichen Rahmen bestimmen, etwa einen Oneshot, eine neue Runde starten und ein toter Charakter kann dazu führen das für den einzelnen Spieler, aus seiner Sicht, ein neues Spiel beginnt aber ich kenne kein Regelwerk das sagt wenn sie dieses definierte Ziel erreicht haben beginnt eine neue Runde. Ansätze dazu gibt es in sehr klassischen Rollenspielen in denen es eine maximale Stufe gibt. Aber mit dem Erreichen dieser Stufe eine neue Runde zu beginnen ist eher eine Empfehlung als eine klare Spielregel.
Die Regeln sind auch nicht ausschließlich. Sie beschreiben wie man Aktionen nach diesen Regeln ins Spiel bringt. Der gegebene Hintergrund bestimmt dabei welche Aktionen akzeptiert werden. Eine Atombombe in einer Fantasie Runde zu bauen wird nicht akzeptiert. Den magischen Spruch "Schepper, BUMM, Hiroshima - Gestern war die Stadt noch da!?!" zu entwickeln wäre durchaus akzeptabel. In einem realen Spiel gibt es natürlich noch zusätzliche Beschränkungen. Die sind aber nicht dem Spiel sondern dem Interesse, der begrenzten Zeit für das Spiel und anderen Ressourcen geschuldet.
Das konkrete Spiel kommt also dadurch zustande das man mehr oder weniger darüber verhandelt. Von da aus gibt es im Rollenspiel eben auch keine schlechten Spieler sondern Spieler Typen mit unterschiedlichen Ansprüchen an das Spiel.

Gruß Jochen
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Teylen am 26.07.2013 | 11:23
[..] ich kenne kein Regelwerk das sagt wenn sie dieses definierte Ziel erreicht haben beginnt eine neue Runde.
Fiasco
Annalise
Our Last Best Hope
My Life with Master

Wobei es alles eher neuere, Nischen bzw. Indie-Spiele sind.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Arkam am 26.07.2013 | 13:02
Hallo Teylen,

danke für die Beispiele. Mich würde interessieren ob sich das konkrete Spielziel auch tatsächlich auswirkt und wie sie aussehen, Letzteres gerne auch als PM.
Denn nach der Theorie müsste es ja zu gezielten Regeln und damit zu einem messbaren Spielergebnis führen.

Gruß Jochen
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Shadom am 26.07.2013 | 13:12
Bei Everybody is John beispielsweise spielt jeder eine Persönlichkeit eines verrückten (also alle vom selben).
Jeder denkt sich vorher ein "Ziel" seiner Persönlichkeit aus und man bietet um Erzählrechte usw.
Wenn John während des Abenteuers das Ziel erfüllt kriegt man Punkte.
Wer am Ende des Abend (Spielende ist definiert dadurch dass keiner mehr Ressourcen zur Erhaltung von Erzählrechten hat) die meisten Punkte hat hat gewonnen.

Definitiv ein Rollenspiel.
Definitiv mit ganz klaren Zielen und das unterstüztende Regeln.


Aber lass und doch mal ein totales Indie Spiel rausholen das sogenannte "Dungeons&Dragons"
Im klassischen Spiel gibt es meistens ein Vorspiel bis man in den Dungeon kommt.
Spielziel ist definiert den Dungeon zu besiegen.
Sekundäres Spielziel sind möglichst viele XP zu bekommen und die Ausrüstung zu verbessern.
Bei den meisten bedeutet das den Dungeon zu leeren. Man kann aber auch alternative Szenarien spielen.
Da muss man dan den Endboss töten oder ein Item/NPC bekommen und fliehen.

Die Regeln sind genau darauf zugeschnitten.
Man bekommt XP zum Monster töten. Ein Grund warum man an kämpfen nicht vorbei geht sondern sie sucht :D
Außerdem könnte Ausrüstung rumliegen.

Das Spielende ist erreicht wenn der Dungeon gelöst wurde.
Das sekundäre Spielziel gibt sogar eine Highscore wer an dem Abend die meisten XP bekommen hat.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Thandbar am 26.07.2013 | 13:27
Nur, damit ich es richtig verstanden habe:

Ein Rollenspiel, das ein oder mehrere Spielziele vorgibt und diese regelseitig passend unterstützt, geht in Richtung "Spiel".
(Beinhaltet unter Umständen: SL ist ein Mitspieler mit eigenen Regeln, die Dauer des Spiels ist begrenzt, Elemente, die nicht von den Regeln unterstützt werden, können ignoriert werden (kein Drama ohne Dramapunkte!))

Ein Rollenspiel, das die Suche nach Spielzielen dem Konsens der Gruppe oder dem SL alleine überlässt und Regeln für ne gewisse Menge an Handlungen anbietet, geht in Richtung "Spielzeug".
(Beinhaltet unter Umständen: Ewigkeitskampagne ohne klares Ende, SL generiert das Spielerlebnis, wobei er eher Autor und Spielerzeuger als Mitspieler ist, Spielziele können ja nach Gruppengefühl hinzugefügt oder weggelassen werden (wir spielen 4E am liebsten ohne Kämpfe))
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Dr.Boomslang am 26.07.2013 | 14:27
Selbst das mit dem Spielziel und Ende ist eigentlich Unsinn als alleiniges definierendes Merkmal für ein Spiel. Dann wäre jede irgendwie ritualisierte, soziale Veranstaltung ein Spiel. Eine Party hat auch ein Spielziel, alle besaufen sich, und wenn der Gastgeber die letzten raus wirft ist das Ziel erreicht und das Spiel ist vorbei.
So ähnlich funktionieren eben auch manche Rollenspiele, alle Spielen mit einer bestimmten Absicht auf einen Höhepunkt zu und irgendwann ist das Spiel zu Ende weil die Mechanik ein Ende signalisiert. Manche haben schon früher bei D&D oder DSA die Stufe so behandelt, bei Stufe 20 hat man überlebt und "gewonnen" und kann in Rente gehen.

Manche von diesen Rollenspielen sehen dann rein nach den Regeln vielleicht schon sehr ähnlich aus wie ein Brettspiel oder andere formale Spiele, aber sie sind es eben trotzdem nicht.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Teylen am 26.07.2013 | 15:23
Zum Thema Rollenspiele mit Endbedingungen / Zielen war ich mal so frei einen eigenen Thread zu eröffnen ^^
Und ja, einige (alle? ) dieser Spiele haben messbare Spielergebnisse.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Arkam am 28.07.2013 | 15:16
Hallo zusammen,

ich denke ein wesentlicher Punkt ist das bei einem Spiel wenn ein Spieler das Ziel erreicht das Spiel beendet ist und alle vergleichen können wo sie stehen.
Das ist beim Rollenspiel nicht der Fall.
Nebenziele wie Überleben des Charakters, Erfahrungspunkte oder Steigerung Möglichkeiten oder bessere Ausrüstung sind Nebenziele die je nach Spieler verschiedene Bedeutungen haben.

Gruß Jochen
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Praion am 28.07.2013 | 15:31
Hallo zusammen,

ich denke ein wesentlicher Punkt ist das bei einem Spiel wenn ein Spieler das Ziel erreicht das Spiel beendet ist und alle vergleichen können wo sie stehen.
Das ist beim Rollenspiel nicht der Fall.
Nebenziele wie Überleben des Charakters, Erfahrungspunkte oder Steigerung Möglichkeiten oder bessere Ausrüstung sind Nebenziele die je nach Spieler verschiedene Bedeutungen haben.

Gruß Jochen

Außer bei denen wo es so ist.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Arkam am 28.07.2013 | 15:49
Hallo Praion,

da hast du recht. Ich habe den entsprechenden Thread jetzt gelesen und war über die Anzahl der verschiedenen Systeme doch überrascht.
Ich lehne mich jetzt Mal aus dem Fenster und behaupte das aber die Systeme in der Bundesrepublik am meisten gespielt werden eben kein festes Ziel, das das Spiel beendet und eine Auswertung ermöglicht, haben und deshalb, im Sinne der hier verwendeten Definition, kein Spiel sind. Spielzeug klingt ja irgendwie so nach nur für Kinder und trivial, Von da aus bin ich mit dem Gegenbegriff Spielzeug auch nicht so richtig glücklich.

Gruß Jochen
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: 1of3 am 28.07.2013 | 19:15
Im Übrigen werden Rollenspiele nach jeder Sitzung beendet, bevor sie wieder aufgenommen werden. Es ist also nicht so, dass Zeitpunkte fehlen würden, die zu Reflektion einladen.
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Arkam am 28.07.2013 | 20:08
Hallo 1of3,

aber in den meisten Fällen, also kein Oneshot oder kein Abenteuer oder Kampagnen Ende, ist eine Fortsetzung geplant. Wenn "Mensch Ärger dich nicht!" oder ein ähnliches Spiel zu Ende gehen werden sie eben nicht mehr aufgenommen.
Reflektiert wird zudem meistens ein Teilbereich, meistens der Kampf, er wird am häufigsten angespielt. In den meisten Systemen ist er formalisiert und lässt sich deshalb am leichtesten analysieren. Andere Teilbereiche sind eventuell noch gar nicht angespielt worden oder der gewählte Charakter muss erst noch ein Zwischenziel erreichen um sein volles Potential zu erreichen. Da fällt die Analyse schon deutlich schwerer.
Hinzu kommt das eben kein Endziel mit klar definierten Zwischenzielen vorhanden ist. Worauf richtet sich also die Reflektion?

Gruß Jochen
Titel: Re: Rollenspiel - Spiel oder Spielzeug?
Beitrag von: Bad Horse am 28.07.2013 | 20:13
...bei uns richtet sich die Reflektion eigentlich meistens auf die Charakterbeziehungen oder -entwicklungen.