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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Abaton23 am 22.11.2013 | 11:33

Titel: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Abaton23 am 22.11.2013 | 11:33
In der neuesten Serienfolge der Big-Bang-Theory wird D&D stark thematisiert. Die Jungs wollen die frauenfreie Zeit nutzen weil die Mädels gerade einen Ausflug nach Vegas machen. Deshalb planen sie zu viert D&D zu spielen. Da sich die Damen aber mit der Flugsicherheit verkrachen, kehren sie um und beenden den Abend beim gemeinsamen Spiel mit den Jungs. Ich weiß nicht, wer die Folge kennt. Sie ist mit enorm vielen Meinungsäußerungen über RPGs gespickt. Ich hatte den Eindruck, die Folge stellt das Rollenspiel als eine Betätigung für Personen dar, welche vorwiegend hoffnungslos sozial inkompetent sind.

Frage: Wirken solche Serien eher abschreckend für Neuinteressierte oder helfen sie sogar dem Hobby?
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Wawoozle am 22.11.2013 | 11:39
Naja... ich habe irgendwo gelesen, dass D&D seine große bekanntheit und den USA auch dem Film E.T. verdankt, bei der Elliots Bruder das Spiel mit seinen Freunden im Hintergrund einer Szene spielt.  Anscheinend haben sich viele Leute dafür interessiert was die da spielen.

In Serien und Filmen kommen die Rollenspiele (und deren Spieler) also nicht immer nur schlecht weg.

Ein schönes Beispiel ist auch die RPG Folge der Serie IT Crowd. In der Moss einige Manager zum Rollenspiel bringt und die anschliessend völlig von den Socken sind.

Rollenspiele gehören halt zum Geekdom dazu :)
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Gorilla am 22.11.2013 | 11:51
Rollenspiele gehören halt zum Geekdom dazu :)
DAS. Was gibt es dazu noch zu sagen.
Und lasst uns ehrlich sein: die Vorurteile kommen nicht von ungefähr.
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Teylen am 22.11.2013 | 11:55
Dungeonsn & Dragons wird öfters in der Serie erwähnt (http://bigbangtheory.wikia.com/wiki/Dungeons_and_Dragons), innerhalb der sechsten Staffel war es die zweite Folge in der sie eine Runde Tischrollenspiel spielen.

Es ist etwas her das ich die Folge gesehen habe, allerdings ist sie mir durchweg positiv in Erinnerung geblieben.
Das heißt letztlich spielen sie mit den Mädels zusammen und eigentlich alle viel Spaß. Howard zeigt mit seinen Stimm-Imitationen ein ungewohntes Talent. Penny ist begeistert beim Würfeln dabei. Nu und letztlich hilft es Sheldon - der allgemein eher nicht Beziehungsfähig ist - und Amy ihre Beziehung etwas weiterzuentwickeln.
Fand das soweit gut und passend.

Hier findet sich eine sehr detaillierte Zusammenfassung der Episode:
The Love Potion (http://bigbangtheory.wikia.com/wiki/The_Love_Spell_Potential)
Die andere Episode der Staffel:
The Santa Simulation (http://bigbangtheory.wikia.com/wiki/The_Santa_Simulation)
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: ChaosAmSpieltisch am 22.11.2013 | 11:58
Ich fand nicht, dass Rollenspiel in der Folge seltsam rüberkommt, sondern eben dass es etwas ist, was selbst Penny Spaß macht. Ich fand die Folge gut und wir haben uns beim erstmaligen Sehen doch sehr über das Ende gefreut.
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: wild dice am 22.11.2013 | 12:06
In einer Spongebob Folge fühlt sich Mr. Crabs alt und will wieder coral/cool sein.
Leider sollen ihm dabei Spongebob und Patrick helfen. In einer Szene spielen sie ein Rollenspiel als Beispiel dafür wie uncool die Beiden sind.

Bei Buffy kam Rollenspiel auch nicht gut weg oder bei den Simpsons. Ist eben Kram für Außenseiter und Spinner.
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: kalgani am 22.11.2013 | 12:10
auch in der original vertonung?
ich könnte mir gut vorstellen, dass das meinungsbild in den usa zu DnD & Co. ganz anders ist als in de...
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Teylen am 22.11.2013 | 12:19
Ich glaube ja das da mitunter Sachen ernster genommen werden als sie gemeint sind oder bei anderen ankommen. Gerade so bei Comedy Serien.
Das heißt gerade bei dem Wechsel (sinngemäß, schaue nur auf englisch):
Sheldon "Ich habe noch nie D&D mit Mädels gespielt."
Penny "Noch hat das irgendein anderer Kerl."
Gehe ich davon aus das es einfach humorvoll, zum lachen, gemeint ist. Weniger das es zementieren soll das Frauen nie Rollenspiel spielen.

Abgesehen davon finde ich die Zusammenfassung: The Big Bang Theory D&D Episode – A Gamer’s Perspective (http://dungeonsmaster.com/2013/05/tbbt/) ganz interessant.

Jetzt einmal abgesehen davon das es eine ganze Folge zum Thema P&P Rollenspiel war, wo sie rollenspielten. Bis auf Rajs kleine Nebenstory.
So etwas ist doch ansonsten eher sehr selten. Das heißt spontan fiele mir da nur die LARP-Folge von Supernatural ein. Wo LARP ähnlich stark eingebunden ist.

(Wobei ich mich spontan nimmer erinnere welche Buffy, Simpsons Episoden es nun gewesen sein sollen. ^^; )
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: WitzeClown am 22.11.2013 | 12:30
Für mich sind  die "Bedenken" die einige PnPler äußern, wenn ihr Hobby in Funk und Fernsehen gezeigt wird, eher Ausdruck des Opfer-Komplexes in dem es sich einige PnPler gemütlich gemacht haben.

Merke ich immer wieder bei Big Bang Theory: Familienmitglieder und Bekannte die nichts mit PnP oder Fantasy am Hut haben sprechen mich interessiert an, in der Richtung "Hey, da haben sie letzt Dungeons and Dragons gespielt. Das macht ihr doch auch oder?", während ich aus der Geek-/Nerdsphäre immer wieder höre: "Die lachen über uns! Wir sind nur Witzfiguren für die!"  ::) 
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Luxferre am 22.11.2013 | 12:38
Rollenspiel ist, wie viele Nischenhobbies, auch ein Auffangbecken für -sagen wir mal vorsichtig- schwierige Gemüter.

Es ist einfacher, sich in einer Phantasiewelt zurechtzufinden, als in der teilweise harten und arschigen Realität. Und natürlich lockt das auch sensible oder auch soziopathische Wesen aus ihren Verstecken.

ABER DAMIT IST ROLLENSPIEL NICHT ALLEINE !

Das vergessen viele Leute gern. Wenn ich mit meiner besseren Hälfte auf ihrem Reiterhof bin, sehe ich ganz schön viele Schreckgespenster.
Wenn ich in ein Fitnessstudio gehe, dann sehe ich ganz schön viele Schreckgespenster. Nur vermeintlich besser gekleidet.
Wenn ich in eine Kneipe gehe, dann sehe ...
Wenn ich ...
Wenn ...

Also an sich treffen sich hier, wie überall sonst, einfach Menschen. Und einige Wenige übertreiben es halt. Und die Lauten sind nicht immer die Sympathen. Aber halt jene, die gehört werden.
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Crimson King am 22.11.2013 | 12:46
DAS. Was gibt es dazu noch zu sagen.
Und lasst uns ehrlich sein: die Vorurteile kommen nicht von ungefähr.

Ich glaube nicht, dass Rollenspieler im Durchschnitt sozial inkompetenter sind als Otto Normal.
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: gunware am 22.11.2013 | 12:52
die Vorurteile kommen nicht von ungefähr.
sozial inkompetenter sind als Otto Normal.
Das eine schließt das andere nicht aus.  >;D
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Teylen am 22.11.2013 | 12:52
Es ist eine Comedy Serie.
Die machen sich über alles was sie zeigen immer auch ein bisschen lustig. Damit die Leute lachen.
Das hat nichts damit zu tun das sie schwierige Gemüter oder so etwas darstellen, darauf hinweisen das es dort Schreckgespenster ist oder das sie es runter machen wollen.

Wenn sie sich nicht darüber lustig machen würden, würde die Darstellung wesentlich schlechter ankommen. Ich mein, den Zuschauern ist doch klar das sie eine Comedy Serie sehen und die erwarten da das die Sachen lustig und überzogen dargestellt werden.

Ich würde einem RPG-Neuling-in-Spe durchaus bedenkenlos TBBT zeigen.
Schließlich ist die Folge so aufgebaut das man auch als soweit fast komplett unbeleckter kapiert was abgeht und Spaß hat, mit lachen kann. Jenachdem sogar einen Kontext zu den Charakteren, also wenn's nicht die erste TBBT Folge ist.

...

Ansonsten frag ich mich wieso bei der Erwähnung von P&P die Welle kommt.
Bei der Einbindung von Paintball, Football, Sport, Cosplay oder so das Wasser flachbleibt.
Ich mein, wird das dann abseits von P&P für komplett vollgenommen?  wtf?
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Gorilla am 22.11.2013 | 12:54
Luxferre hat Recht.

@Crimson King: Aber die Rollenspieler, die von der breiten Öffentlichkeit als solche wahrgenommen werden, sind es wohl. Der Großteil "Normalos", die zufällig RSP betreiben, prägen ja nicht das Bild unseres Hobbies in der Öffentlichkeit.
Vgl. dazu den Post von Luxferre und suche Parallelen zu Motorradfahrern, Body Buildern, Surfern, Skateboardern, Jazz-Musikern, Kreuzworträtsel-Lösern, Modelleisenbahnbauern,...
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Nocturama am 22.11.2013 | 13:13
Community hatte auch mal eine Episode zu DnD (http://en.wikipedia.org/wiki/Advanced_Dungeons_%26_Dragons_(Community)), Macht sich natürlich auch ein bisschen lustig, fand's aber nicht bösartig. Und es zeigt schön, wie unerwartet eine Rollenspielsitzung ablaufen kann.

Und auch wenn das keine Serie ist, Borderlands 2 hat ein Rollenspiel-DLC (http://www.youtube.com/watch?v=k3f2egHzBnI)  ;)
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Maarzan am 22.11.2013 | 14:33
Was heißt sozial-inkompetent?

In der Schule war Rollenspiel das Sammelbecken der Jungen, welche eben "uncool" waren und entsprechend in der Hackordnung und den Chancen bei den Mädchen ganz unten waren und statt dessen ihr eigenes Fass aufgemacht haben.

In wie weit "ausgegrenzt werden" jetzt mit sozial-inkompetent übersetzt werden kann ... .
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: ChaosAmSpieltisch am 22.11.2013 | 14:39
@Maarzan,

also bei uns hatten quasi alle Rollenspieler eine Freundin (irgendwie mit zwei Ausnahmen, der eine war ich, und der andere hatte einen Freund)
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Niniane am 22.11.2013 | 14:42
Als ich den Titel des Beitrags gelesen habe, dachte ich zuerst, da hatte jemand die gleiche Idee wie ich. Und dann: Hast Du meinen Blog  (http://storiesandcharacters.wordpress.com/2013/11/20/rollenspiel-goes-tv-teil-1/)gelesen? ;)

Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Auribiel am 22.11.2013 | 14:44
Für mich sind  die "Bedenken" die einige PnPler äußern, wenn ihr Hobby in Funk und Fernsehen gezeigt wird, eher Ausdruck des Opfer-Komplexes in dem es sich einige PnPler gemütlich gemacht haben.

Das kommt aber gerade im deutschen Bereich nicht von ungefähr. Alles was ich bisher über PnP im deutschen Fernsehen gesehen habe, war negativ besetzt (zugegeben habe ich in den letzten Jahren gar nichts zum Thema Rollenspiel gesehen, wenn jemand was aktuelleres hat, möge er mich bitte aufklären ;) ):

90er Jahre:
Bericht auf RTL, dass PnPler beim Versinken in ihrer Rolle und beim Live ausspielen sogar "brutale Gewalt und Vergewaltigungen nachstellen".
Bericht in einer Zeitung (welche weiß ich nicht mehr, Artikel hab ich auch nicht mehr, war damals aber Diskussionsgrundlage in diversen Rollenspielzeitschriften/Foren), dass Rollenspiel zu psychischer Labilität führen kann, besonders, wenn die Personen eh schon psychisch nicht ganz gefestigt sind und das Rollenspiel speziell diese Personen auch anlocken würde.
Eine Folge von GZSZ (ja, damals hab ich das geguckt, Schande über mich), in der sich der PnP-Spielleiter gleich noch als Möchtegern Sektenführer entpuppt hat, der seine Mitspieler quasi über die schwarzmagischen Rituale beim PnP zum "Satanismus" bekehren wollte und scheinbar schon etwas Einfluss über sie gewonnen hatte.
Vor einiger Zeit gab es dann noch den Bericht, dass bei einer Jugendfreizeitgruppe ein leicht LARPgefärbtes Freizeitevent (Ritterspiele) von besorgten Eltern und Politikern abgesetzt wurde, da man sich Sorgen darüber machte, dass dadurch ja die Gewaltbereitschaft der Kiddies und Teens gefördert würde...


Also insgesamt kommt da in der deutschen Berichterstattung PnP oder Rollenspiel allgemein nicht besonders gut weg.
Als Gegenbeispiel erinnere ich mich nur an ein oder zwei Zeitungsberichte über Larp, die das ganze in ein positiveres Licht gerückt haben, aber sicher nicht eine so große Zielgruppe erreicht haben.
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: ChaosAmSpieltisch am 22.11.2013 | 14:47
Naja, ich erinnere mich noch gut an den WDR Aktuelle Stunde Bericht damals von der King Con Duisburg. Absolut saubere ordentliche Berichterstattung.
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Gorilla am 22.11.2013 | 14:49
In wie weit "ausgegrenzt werden" jetzt mit sozial-inkompetent übersetzt werden kann ... .

Zitat
Soziale Kompetenz umfasst eine Vielzahl von Fertigkeiten, die für die soziale Interaktion nützlich bzw. notwendig sind.
Insofern lässt sich "ausgegrenzt sein" (bzw. sich selbst ausgrenzen) aufgrund von Verhaltensweisen, die für die Allgemeinheit als nicht "normal" oder akzeptabel gelten,  durchaus als sozial-inkompetent übersetzen. Sprich, eigentlich muss jeder Außenseiter aus Sicht der "Normalos" als sozial inkompetent gelten.
Was dann nicht heißt, dass dieser "sozial Inkompetente" nicht innerhalb einer anderen Gruppe durchaus auch zu ganz neuen Höhen aufsteigen kann. Das ist eben immer ein Frage des Kontextes und der jeweiligen Gruppe, in der man sich bewegt.

@Auribiel: Da gelten wohl die einfachen Regeln der Medien:
1. "Die sind anders. Das muss böse/schlecht/dumm/gefährlich/... sein."
2. Keine Lobby => immer drauf auf die Randgruppe
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: WitzeClown am 22.11.2013 | 15:09
Also insgesamt kommt da in der deutschen Berichterstattung PnP oder Rollenspiel allgemein nicht besonders gut weg.

Tschuldige, aber genau solche Aussagen sind das was ich mit Opfer-Komplex meine.

Man postuliert ein in der Allgemeinheit der Bevölkerung angeblich vorhandenes Bild und als Belege hat man dann 2-3 (meist schlecht dokumentierte) Beispiele die zum Teil 15+ Jahre alt sind.

Und dieses Bild deckt sich null mit den Reaktionen die ich und befreundete Rollenspieler im privaten Umfeld gemacht haben. Die reichen von einem ahnunglosen "Okay, und was macht man da jetzt genau?" bis zu "Ah, ja mein einer Kumpel/Bruder/Ex-Freund hat früher auch DSA gespielt." Vor allem letzteres ist mir verdammt häufig untergekommen.

Auch ein Liebling von mir: Das von Rollenspielerohr zu Rollenspielerohr geraunte Gerüchte, man könne bei der naiven Auflistung der Hobbys ruckzuck in die Sex-Schmuddelecke gestellt werden, ist mir in 18 Jahren kein einziges mal (namentlich belegt) untergekommen. Ich hab das mittlerweile in der Kategorie "Mein Uffz beim Bund hat gesagt..." Kategorie abgespeichert. ;)
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: First Orko am 22.11.2013 | 15:24
Auch ein Liebling von mir: Das von Rollenspielerohr zu Rollenspielerohr geraunte Gerüchte, man könne bei der naiven Auflistung der Hobbys ruckzuck in die Sex-Schmuddelecke gestellt werden, ist mir in 18 Jahren kein einziges mal (namentlich belegt) untergekommen. Ich hab das mittlerweile in der Kategorie "Mein Uffz beim Bund hat gesagt..." Kategorie abgespeichert. ;)

Das jemand Rollenspiel als erstes mit dem sexuellen Bereich assoziiert ist  mir durchaus schon passiert - allerdings war das beide Male nur so ein kurzer Moment während meiner Erklärung ("Ach, und ich dachte erst du meinst mit "Rollenspiel" so Sexkram! *grins*") und oft begleitet von einer gewissen "Erleichterung", dass einem gerade nicht der Bekannte von seinem Intimleben berichten will sondern es "nur" um Gesellschaftsspiel geht ;)

(Ich hatte das Gefühl in mindestens einem der Fälle war es der Person selbst ein wenig peinlich - Assoziationen verraten ja schon ein bißchen was über einen ;))
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: alexandro am 22.11.2013 | 15:32
Fand die Folge auch sehr gelungen. In anderen Folgen der TBBT (inklusive "The Santa Simulation") wurde Rollenspiel nicht so gut repräsentiert und wirkte eher brettspielig. Bei "Love Potion" kommt eher der Charakter dessen rüber, was Rollenspiel ausmacht und wie eine typische Sitzung abläuft.

Die "Community"-Folge ist auch ganz witzig, aber nicht wirklich repräsentativ für das Hobby (Außenstehende könnten denken, dass Rollenspielen nur mit festen Abenteuern funktioniert, an welche sich der SL sklavisch zu halten hat - dass dies ein spezifisches Abed-OCD-Problem ist, kam nicht so wirklich raus).

Eine weitere Repräsentation habe ich vor einigen Jahren in der Jugendserie "Dark Oracle" gesehen. Da wirkte Rollenspiel wie eine Art von Lagerfeuergeschichte, wo der SL den Spielern bei Kerzenlicht was vorschwadronierte und die gesamte Runde Mitglieder "rekrutierte", mit Aufnahmeritualen welche ebensogut aus einer Geheimloge stammen könnten. Auch nicht wirklich repräsentativ (auch wenn es sicherlich solche Runden auch gibt).
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Mr. Ohnesorge am 22.11.2013 | 15:39
Fand die Folge auch sehr gelungen. In anderen Folgen der TBBT (inklusive "The Santa Simulation") wurde Rollenspiel nicht so gut repräsentiert und wirkte eher brettspielig. Bei "Love Potion" kommt eher der Charakter dessen rüber, was Rollenspiel ausmacht und wie eine typische Sitzung abläuft.

Die US-Zocker scheinen aber anders sozialisiert zu sein bzw. Rollenspiel durchaus anders zu spielen als wir Europäer, von daher überrascht mich die Darstellung bei TBBT nicht.
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Hróđvitnir (Carcharoths Ausbilder) am 22.11.2013 | 15:48
In der neuesten Serienfolge der Big-Bang-Theory wird D&D stark thematisiert. Die Jungs wollen die frauenfreie Zeit nutzen weil die Mädels gerade einen Ausflug nach Vegas machen. Deshalb planen sie zu viert D&D zu spielen. Da sich die Damen aber mit der Flugsicherheit verkrachen, kehren sie um und beenden den Abend beim gemeinsamen Spiel mit den Jungs. Ich weiß nicht, wer die Folge kennt. Sie ist mit enorm vielen Meinungsäußerungen über RPGs gespickt. Ich hatte den Eindruck, die Folge stellt das Rollenspiel als eine Betätigung für Personen dar, welche vorwiegend hoffnungslos sozial inkompetent sind.

Frage: Wirken solche Serien eher abschreckend für Neuinteressierte oder helfen sie sogar dem Hobby?

Community 2-14; Rollenspiel rettet Leben (und ist eine Tonne Fun). Sollte das dann anlocken?
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: wild dice am 22.11.2013 | 15:54
http://www.kickstarter.com/projects/jrralls/rpgs-are-evil-dark-dungeons-the-movie (http://www.kickstarter.com/projects/jrralls/rpgs-are-evil-dark-dungeons-the-movie)

Zum Glück nicht das Bild der Öffentlichkeit, aber... :o
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Zarkov am 22.11.2013 | 17:01
Was auffällt, wenn man deutsche und amerikanische Erfahrungsberichte, Artikel, Fernsehserien oder Reportagen vergleicht, ist die wirklich sehr starke soziale Stigmatisierung von Rollenspielen in den USA in den 80ern und 90ern. Das ist mit deutschen Verhältnissen in keiner Weise zu vergleichen. Heute sind Geeks und Nerds in den USA zwar relativ cool (ohne Internet & IT geht gar nichts mehr, und ohne Geeks geht nichts in Internet & IT), aber – ich picke mal nur ein Beispiel raus – ein Autor wie David Ewalt verwendet nicht wenige Zeilen von Of Dice and Men (http://www.amazon.com/Dice-Men-Dungeons-Dragons-People/dp/1451640501) darauf, sich halb für sein peinliches Hobby zu entschuldigen, sich immer noch halb in Schmerzen zu winden, weil er wegen seines Hobbies ausgegrenzt wurde. Der hat sein Trauma weg.
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Dieses Stigma scheint aus der Zusammenwirkung von mehreren Faktoren entstanden zu sein, die hierzulande nicht gegeben sind, etwa die jock culture im Schulsystem mit der einhergehenden Ausgrenzung von kopflastigen Brillenschlangen, oder die fast komplett fehlende Gesellschafts- und Brettspielkultur insbesondere für Erwachsene vom 2. Weltkrieg bis zum Erscheinen von Spielen wie Trivial Pursuit (1979 – man beachte die Nähe zu D&D).

Das hat sich alles stark geändert, aber die alten Denkmuster und Klischees sind halt noch da, und die machen sich jetzt in den ganzen Sitcoms und Einzelfolgen über Nerds und Rollenspieler bemerkbar. Ob diese Serien jetzt für Nerds gemacht sind oder doch auf Kosten von Nerds gehen, scheint mir Ansichtssache.

In meiner Schulzeit waren sowohl die Klassentyrannen (einer gleichzeitiger Klassenkasper) als auch einige der coolsten Jungs (die als erste eine langjährige Freundin hatten) als auch einige introvertierte Bücherwürmer allesamt Rollenspieler, und keiner davon war stigmatisiert. Wohlgemerkt, deutsches Gymnasium der 80er/90er. Da wurde auch niemand verprügelt, wenn er was wußte oder was im Kopf hatte. Im Gegenteil. Daß so etwas wie die jock culture in den USA an Schulen überhaupt existieren kann, ist mir völlig unverständlich – ich finde das geradezu bizarr und pervers.
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: WitzeClown am 22.11.2013 | 17:15
Wohlgemerkt, deutsches Gymnasium der 80er/90er. Da wurde auch niemand verprügelt, wenn er was wußte oder was im Kopf hatte. Im Gegenteil. Daß so etwas wie die jock culture in den USA an Schulen überhaupt existieren kann, ist mir völlig unverständlich – ich finde das geradezu bizarr und pervers.

Habe ich mir erst vor kurzem Gedanken darüber gemacht. Eher aus fachlichen als aus rollenspielerischen Gründen.

Ich denke zwei sehr wichtige Faktoren sind die auf schuleigene Sportteams ausgerichtete Schulidentität und die Aufspaltung in verschiedene Schultypen vor Eintritt in die Pubertät.
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Slayn am 22.11.2013 | 17:25
Habe ich mir erst vor kurzem Gedanken darüber gemacht. Eher aus fachlichen als aus rollenspielerischen Gründen.

Ich denke zwei sehr wichtige Faktoren sind die auf schuleigene Sportteams ausgerichtete Schulidentität und die Aufspaltung in verschiedene Schultypen vor Eintritt in die Pubertät.

Ich denke eher, es liegt daran dass sich unsere Schulen nicht finanziell selbst versorgen müssen. Sport ist hier wie in den USA eine wahnsinnige Einnahmequelle und die Schulen drüben nutzen das auf jede erdenkliche Art aus, siehe etwa Sport-Stipendien für teure Unis.
Das ist ja auch den Jugendlichen bewusst und setzt ihren "Wert" hoch gegenüber den Nerds, die erst später "was Leisten müssen".
Titel: Re: Rollenspiel in der öffentlichen Wahrnehmung durch Fernsehserien
Beitrag von: Grimnir am 22.11.2013 | 17:37
Ich hatte den Eindruck, die Folge stellt das Rollenspiel als eine Betätigung für Personen dar, welche vorwiegend hoffnungslos sozial inkompetent sind.

Gerade in der "Big Bang Theory" würde ich Dir recht geben, was aber auch daran liegt, dass ich die Serie insgesamt kritisch sehe. Meines Erachtens wird in der Serie nicht mit den Nerds gelacht, sondern über sie, und zwar aus der Perspektive von "Normalos" wie Penny. Insofern werden die Nerds und all ihre Hobbys als schräg und seltsam dargestellt, und nicht als etwas Erstrebenswertes, dem man respektvoll gegenüber tritt. Dazu passt, dass Leonard sich im Zuge seiner "Entwicklung" zu mehr Coolness verstärkt über die Nerd-Hobbys seiner Freunde lustig macht.

Ähnlich sehe ich es auch in anderen Serien wie Buffy (hier spielen meines Wissens Xander oder das Trio in Staffel 6 Dungeons & Dragons) oder den Simpsons ("Homer goes to College"). Diejenigen, die Rollenspiel machen, sind immer sozial inkompetente Loser, die extrem klischiert ohne Freundin und oft auch ohne berufliche Perspektiven ein armseliges Leben führen. Dass in einer Fernsehserie erfolgreiche Professoren, Ärzte, Rechtsanwälte Rollenspiel machen (wie z.B. hier im Tanelorn) - das habe ich noch nie gesehen.

Zarkov gebe ich in der Hinsicht recht, dass es in unserer Schulzeit keine Pöbeleien wegen Rollenspiel gab. Dazu war das Hobby wohl zu unbekannt und hatte daher nicht den fragwürdigen Charme des Loserspiels.