Warum spielt Ihr SF-Rollenspiele oder würde Ihr diese spielen?
Warum spielt Ihr SF-Rollenspiele oder würde Ihr diese spielen?
... also eine denkbaren und möglichen Nahzukunft ...Das ist der Hauptgrund, weshalb es mich reizt, auch wenn das natürlich nicht auf alle SF-Szenarien zutreffen mag.
Ich mag sowohl "klassische SciFi" a la Traveller als auch Cyberpunk sehr gerne, sowohl als Lesestoff als auch zum Spielen. Wenn es nicht gerade vollkommen überdreht ist, a la Space Fantasy, dann klappt für mich die Suspension of Disbelieve zig mal besser als mit Fantasy.
Gerade als Demiurg liebe ich das Gebastel an theoretisch möglichen Antrieben, Design von Raumschiffen, Überlegungen wie eine Expansion aussehen könnte, Entwurf von fremden Welten usw. Grey kann dir da auch ein Lied von singen. ;):loll: In der Hinsicht singe ich immer wieder gern mit dir im Duett, Feuersänger.
Da ich kein englischsprachiger SF-Leser bin, kann mir das am Allerwertesten vorbei gehen ;)
Bei selbigen solltest du allerdings aufpassen, ich habe da schon beleidigte Reaktionen zurückbekommen. Scheint für viele eine feste Sprachregelung zu sein, dass SciFi Star Wars & Co bezeichnet, während halbwegs ernstgemeinte Zukunftsentwürfe sf sind.
Mir persönlich ist das allerdings auch ziemlich wurscht ...
Kann ich das wiederkehrende Element "Unendlichkeit des Universums", "mehr Abwechslung" und "Vielfalt der Begegnungen" charakterisieren als "höheres Sandboxing-Potential"?
Ich lese schon immer gerne Science Fiction (Es gibt übrigens auch Glaubenskriege ob da jetzt ein Bindestrich reingehört oder nicht...), so lange ich zurückdenken kann. Fantasy wurde mir früh verleidet weil damals alles nach Tolkien schmeckte. Und so sehr ich Tolkien mag, ich mag abwechslung.
Ich mag dabei fast alle spielrichtungen der SF, ich kann fast allem etwas abgewinnen. Ich hab da natürlich meine bevorzugten Spielarten, aber im großen und ganzen: I like SF.
@Rumspielzielstil: Deine Einschätzung, dass Fantasy klarer ausgeformt und daher für viele auch zugänglicher ausgestaltet ist, teile ich uneingeschränkt. Ich überlege schon seit einiger Zeit, was die Ursachen dafür sind.Sind für mich zwei Seiten der selben Medaille. 75% aller Fantasy Welten riechen etwas muffig nach Tolkien. Und die die nicht danach Muffen, haben doch eine deutliche priese Tolkien im Abgang.
Was ich, für mich, feststelle ist folgendes: Ich mag bei Fantasy oder Science Fantasy diese ewige mystische verlorene Vergangenheit nicht. Früher gab es tolle Imperien, die sind gefallen, früher gab es tolle Helden... Blah! Tolkienesker Scheißdreck.
Gute SF und Antike Sagen haben für mich eines gemeinsam: Das beste Zeitalter ist jetzt, die größten Helden sind jetzt, die Action findet jetzt statt und formt die Zukunft, die noch besser wird.
Hard SF ist ja leider heutzutage nur noch eine Nischenerscheinung -- ironischerweise bedingt durch unseren realen wissenschaftlichen und technischen Fortschritt. Wir wissen heute einfach zu gut über unsere unmittelbare Umgebung (Sonnensystem und nächstgelegene Sterne) bescheid, um da noch guten Gewissens irgendwo grüne Männchen oder blaue Wiesen hinsetzen zu können. Will man also richtig hart bleiben, ist man da sehr eingeschränkt, weil wir halt schon wissen, wie ungemütlich es auf dem Mars oder den Saturnmonden ist, ganz zu schweigen davon, dass die Venus nunmal leider kein Dschungelplanet ist.
Will man also wirklich fremde Welten haben, lebensfreundliche Planeten mit einheimischem Leben (auch wenn es nur ein paar Blaualgen sind), muss man zu anderen Sternen reisen. Und da sind halt wieder die dramaturgischen Möglichkeiten eines STL-Universums sehr eingeschränkt; vor allem ist rasantes Pacing damit schlicht und einfach unmöglich.
Früher waren (in der SF) Sternfahrer tollkühne Männer in atomgetriebenen Kisten, die mit tagelangen Berechnungen (mit Logarithmentafeln!) den Kurs zum nächsten Planeten geplottet haben. Heute könnte jedes Telefon eine App laufen lassen, die dir den Scheiss in 30 Sekunden ausrechnet. Von richtigen Computern mal ganz zu schweigen.
Kurzum, weder in Prosa noch Rollenspiel gibt der Beruf des Raumpiloten wahnsinnig viel her. Man gibt ein Ziel in den Computer ein, und die Maschine erledigt den Rest. Das ist realistisch. Siehe Thread "Die Automatisierung, dein Feind und Helfer". Da wir Menschen aber nunmal Geschichten lieben, in denen Menschen dank ihrer Fähigkeiten Hindernisse überwinden, hat man an der Stelle erstmal ein Problem. Die Spannung muss also irgendwo anders herkommen.
Wir dürfen den Glauben an die Raumschiffe nicht verlieren, dann kommen sie irgendwann.
Aber.... Raumschiffe!
Will man also wirklich fremde Welten haben, lebensfreundliche Planeten mit einheimischem Leben (auch wenn es nur ein paar Blaualgen sind), muss man zu anderen Sternen reisen. Und da sind halt wieder die dramaturgischen Möglichkeiten eines STL-Universums sehr eingeschränkt; vor allem ist rasantes Pacing damit schlicht und einfach unmöglich.
Darum bin ich eben an dieser Stelle zu gewissen Kompromissen bereit, indem ich eben - strengen Bedingungen unterworfenes - FTL zulasse, einfach um die ganzen Bühnen der Galaxie auch besuchbar zu machen. Das entspricht dann auf der Mohs-Scale etwa Härtegrad 4-4.5 ("One Big Lie" bzw sogar nur "One Small Fib").
Andererseits hat unsere heutige Alltagstechnologie doch längst fast alles in den Schatten gestellt, was sich die genreprägenden SF-Autoren vergangener Jahrzehnte in ihren kühnsten Träumen ausgedacht haben. "I possess a device, in my pocket, that is capable of accessing the entirety of information known to man. I use it to look at pictures of cats and get in arguments with strangers."
Früher waren (in der SF) Sternfahrer tollkühne Männer in atomgetriebenen Kisten, die mit tagelangen Berechnungen (mit Logarithmentafeln!) den Kurs zum nächsten Planeten geplottet haben. Heute könnte jedes Telefon eine App laufen lassen, die dir den Scheiss in 30 Sekunden ausrechnet. Von richtigen Computern mal ganz zu schweigen.
[...]
Ich bin sehr froh zu sehen, dass es ganz offenbar sowohl ganz typische als auch sehr individuelle Motive gibt. Ich finde mich in allem, was Ihr bisher geschrieben habt mehr oder weniger wieder. Bin gespannt, was sich hier noch so ergibt.
[...]
Abseits von Raumschiffen ist doch gute SF vor allem eines: Positiv gestimmt!
Abseits von Raumschiffen ist doch gute SF vor allem eines: Positiv gestimmt!
Nur, dass der Großteil der SF Dystopien und keine Utopien sind ;)Schlußfolgerung: Es gibt (derzeit) nicht viel gute SF.
Schlußfolgerung: Es gibt (derzeit) nicht viel gute SF.
Leider.
Stehgreif
Ich hoffe, nach dem Übersetzen ist nochmal ein Lektor drübergegangen. ;)
Abseits von Raumschiffen ist doch gute SF vor allem eines: Positiv gestimmt!
Nur, dass der Großteil der SF Dystopien und keine Utopien sind ;)
You lot. You spend all your time thinking about dying. Like you're going to get killed by eggs or beef or global warming or asteroids. But you never take the time to imagine the impossible. That maybe you survive.
Ich hoffe, nach dem Übersetzen ist nochmal ein Lektor drübergegangen. ;)
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
5. Mir wurde mal die Frage gestellt, ob das Bespielen von "technischen Problemen in der Raumfahrt" überhaupt Stoff für spannende Geschichten bietet. Meine Antwort: Filme wie Gravity, 2001, Apollo 13 und 18 u.a. haben hervorragend den Beweis geliefert, dass das geht; deshalb habe ich keine Bedenken, dass das auch im Spiel funktionieren mag.Also ich hätte so meine zweifel ob die im Spiel funktioneren. Bei einer Story im Stil von "2001" würd ich als Spieler schlicht weg pennen.
Genau den meinte ich doch! Wenn du von so einem Stehgreif verschluckt worden wärst, würden dir aus dem Stegreif auch nicht viele Romane einfallen ...
(aber ich glaube soviele Mägen hat ein Stehgreif wohl nicht)
Warum SF?
Weil Mass Effect.
Naja, es gab in den letzten Jahren seit der Jahrtausendwende durchaus eine Handvoll guter SF-Filme (mit sehr unterschiedlichen Grundmotiven):
Inception, Contagion, In Time, Ender's Game, Mission to Mars, Final Fantasy, Equilibrium, Solaris, Die Insel, Children of Men, A Scanner Darkly, I am Legend, District 9, Pandorum, ...
Bad Horse versteht mich. :)
I am Legend - Aufgrund des abgeänderten Endes leider unbrauchbarer Schrott. Außerdem nur bedingt Sci-Fi.
Jdf war Elysium für mich "the last straw" = danach hab ich gesagt, ich gebs auf, ich schau mir keine neuen SF-Filme mehr an.Respekt. Du hast sehr viel länger durchgehalten als ich.
@Rumspielstilziel: Danke für die Lesetipps. :) Die Mars-Saga hat mich zwar damals nachhaltig von Robinson abgeschreckt, aber vielleicht gebe ich ihm ja mit 2312 noch mal 'ne Chance.
Dann warte ab, was der Emmerich mit dem Foundation-Zyklus macht. :puke:Das macht er nicht, oder? Das war ein Scherz?
Dann warte ab, was der Emmerich mit dem Foundation-Zyklus macht. :puke:
Sind SF Filme ein zusätzliches Motiv für Euch, dass Ihr SF Rollenspiele spielt oder spielen wollt? Oder ist da keine gegenseitige Beeinflussung zwischen Film und Spielkultur?:loll: Ich bekenne mich schuldig im Sinne der Anklage. Meine SF-Begeisterung wurde erstmals tatsächlich durch die TV-Serie "Mondbasis Alpha 1" getriggert und später durch "Raumschiff Enterprise", "Star Wars" und "Battlestar Galactica" vertieft. In dieser Hinsicht bin ich sehr visuell geprägt.
Sind SF Filme ein zusätzliches Motiv für Euch, dass Ihr SF Rollenspiele spielt oder spielen wollt? Oder ist da keine gegenseitige Beeinflussung zwischen Film und Spielkultur?
Sind SF Filme ein zusätzliches Motiv für Euch, dass Ihr SF Rollenspiele spielt oder spielen wollt? Oder ist da keine gegenseitige Beeinflussung zwischen Film und Spielkultur?Bei mir war es weniger SF-Filme sondern eher SF-Bücher. Ich hatte gerade den Foundationzyklus durch, als ich Traveller gekauft habe. Heutzutage gibt es dann schon eine gewisse Beeinflussung durch Film/TV-Serie und Spielkultur. Allerdings lehne ich eigentlich alle Film-Settings zum Spielen ab. Ich kann mit den typischen Film- und TV-Seriensettings beim Rollenspiel nicht viel anfangen.
Meine Beobachtung ist, dass SF-Rollenspiele keineswegs so massenhaft gespielt werden wie vor allem Fantasy, aber möglicherweise auch Horror/ Grusel.
Story-Bandbreite noch und nöcher:Prinzipiell unterscheiden sich Fantasy und SF Plots in vielen Dingen nicht. Es ist meistens der gleiche Plot nur mit anderem Flair:
Die SC in einem politischen Machtspiel um einen Planet zu kontrollieren? Die SC gestrandet in einem bedrohlichen System am Arsch der Milchstrasse und die Energie geht langsam zu Neige? Die SC mit einer halbkaputten Tarnapparatur im Raumschiff ausgerüstet wo sie in einem System mit übermächtigen Gegnern Informationen gewinnen müssen?
Alle Plots des SF lassen sich auch auf Fantasy übertragen und andersrum.Das gilt aber, wenn man die Grundmuster genügend aufs Grundlegende herunterbricht, für jegliches Genre. IMHO zeigt das allerdings, dass Flair und Details manchmal wichtiger sein können als das grobe Plot-Grundmuster.
Prinzipiell unterscheiden sich Fantasy und SF Plots in vielen Dingen nicht. Es ist meistens der gleiche Plot nur mit anderem Flair:
- Die SCs in einem Machtspiel um einen Staat/Kontinent zu kontrollieren.
- Die SCs gestrandet auf einer bedrohlichen Insel am Arsch der bekannten Welt und das Trinkwasser geht langsam zur Neige.
- Die SCs sollen Informationen über einen übermächtigen Gegner einholen und haben nur einen mittelmäßigen Tarnzauber bzw. ein defektes Artefakt mit einem Tarnzauber.
Alle Plots des SF lassen sich auch auf Fantasy übertragen und andersrum. Es muss nur der Flair ausgetauscht werden.
Ich habe jetzt länger über die Ausgangsfrage nachgedacht und bin für mich zu folgendem Ergebnis gekommen:
Mir erscheinen die agierenden Charaktere im SciFi i.d.R. glaubwürdiger, bzw. es fällt mir (als modernem Menschen) leichter, mich in die SC und NSC hinein zu versetzen.
Dabei bespiele ich meist auch lieber Near Future / Cyberpunk als geekiges Hard SciFi Traveller-likes Zeug.
Das Thema Transhumanismus und alles was dahin führen kann ist für mich ziemlich faszinierend.
Bzgl. der Technik glaube ich nicht an Hard SciFi und halte es eher mit Dan Simmons: mit ausreichend Technobabel klingt alles irgendwie "wissenschaftlich" und kann damit alles hinnehmen, was mir ein Setting als plausible Erklärung für FTL und dergleichen liefert.
Bzgl. der Technik glaube ich nicht an Hard SciFiInwiefern "glaubst" du nicht daran?
Bzgl. der Technik glaube ich nicht an Hard SciFi und halte es eher mit Dan Simmons: mit ausreichend Technobabel klingt alles irgendwie "wissenschaftlich" und kann damit alles hinnehmen, was mir ein Setting als plausible Erklärung für FTL und dergleichen liefert.
Andere Grenzfälle sind Sachen wie Star Trek, wo bewusst kontrafaktische oder höchst unglaubwürdige Physik (beamen, zahlreiche Humanoide Alienspezies) zu Storyzwecken eingesetzt und das Paradigma der Wissenschaftlichkeit meistens eher durch inhaltslosen Technobabbel als durch einen bewussten Versuch, kontrafaktische Elemente spekulativ zu erforschen, aufrechterhalten wird.
Dabei solltest du aber bedenken, dass die Tatsache, warum es so viele humanoide Spezies auf etwa dem gleichen Level gibt, innerhalb des Universums durchaus geklärt ist. Ebenso wird das beamen geklärt (welches ja nur eingeführt wurde, weil die Effekte für Shuttle-flüge oder gar das Landen der Enterprise in der Originalserie zu teuer gewesen wären): Man hat ja den Heisenberg-Kompensator erfunden.
Und Clarke III kann ich langsam echt nicht mehr hören. Das gilt vielleicht für extreme Far - Future, ist aber auf die "plausible Midfuture", die SF für mich interessant macht, nicht anwendbar.
Seht ihr mal, bei mir ist es genau umgekehrt: ich glaube nicht an Technobabble. Will heissen, einfach nur Fantasy mit futuristischem Anstrich und kompliziert klingenden Worthülsen ist für mich keine SF.
Nur so aus Interesse: Wie hältst du es denn mit kontrafaktischer SF? Also entweder Alternativweltromanen oder Geschichten, die in Universen mit anderen Naturgesetzen spielen, aber einen wissenschaftlichen Zugriff auf diese Naturgesetze haben?
Fantasystoff ist in der Regel eine Parabel auf heutige Zustände/Klischees der Gesellschaft oder bekannte Muster und damit viel leichter greifbar und zeitloser. Immerhin hat man ein paar tausend Jahre mehr Quellenmaterial zur Inspiration, der allen offensteht.Ich sehe in den meisten SF-Storys auch Parabeln auf aktuelle Zustände. Entweder in Überzeichnung oder in Kontrast. Der Unterschied zum Fantasy erschließt sich mir in diesem Punkt nicht.
Ich sehe in den meisten SF-Storys auch Parabeln auf aktuelle Zustände. Entweder in Überzeichnung oder in Kontrast. Der Unterschied zum Fantasy erschließt sich mir in diesem Punkt nicht.
Vielleicht hat ja jemand "Lobgesang auf Leibowitz" von Walter M. Miller, Jr. gelesen.
Den "Lobgesang ..." kenne ich noch nicht, werde ich mir aber gerne zulegen. Ist die Übersetzung gelungen, oder sollte man sich auf das englische Original stürzen?Das kann ich Dir nur sehr schlecht beantworten weil es sicherlich 20 Jahre her ist, als ich ihn auf Deutsch gelesen habe. Ich denke aber Du solltest ihn auf englisch lesen. So dick ist das Buch ja nicht (400 Seiten oder so auf Deutsch).
Da würde ich mir als Hilfsmittel ein Computer Programm wünschen das mir fertige Ergebnisse ausspuckt oder auch fixe Vorgaben in ein Zahlenwerk fasst.Zumindest in Bezug auf relativistische Raumschiffantriebe kann ich hier sagen: Ich arbeite dran. ;D
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Jede Erzählung, die die Lage einer noch nicht existenten Welt erörtert, ist Science [bzw. Speculative] Fiction. [...] Eine "Welt" ist eine Welt: SF spielt in Welten, nicht an Schauplätzen. Es mag vielleicht für Charles Dickens' Oliver Twist eine große Veränderung sein, sein wahres Heim zu finden, aber seine Entdeckung verändert nicht die Natur der die Welt regierenden Gesetze. Wäre Oliver Twist jedoch ein Außerirdischer [...], könnte dies, fände er sein Heimatschiff, die ganze Welt verändern, denn dann wüssten wir, dass unsere Welt nicht allein ist. Dieses Wissen würde ebenso die Zukunft für uns alle verändern. [...]
SF-Autoren führen uns veränderte Welten mit Begriffen vor, die mit der Sprache und den Annahmen und Argumenten gegenwärtiger Wissenschaft oder mit Begriffen vereinbar sind, die unserem grundlegenden Gefühl entsprechen, dass die Geschichte der Menschheit ununterbrochene Realität ist und Veränderungen dem entströmen, was wir als Realität kennen.
Vielleicht hat ja jemand "Lobgesang auf Leibowitz" von Walter M. Miller, Jr. gelesen. Ich glaube an dem Roman kann man ziemlich gut den Unterschied zwischen Hard SF und Fantasy sehen.Nach deiner Beschreibung klingt es eher nach Endzeit bzw. Social SF als nach Hard SF.
Nach deiner Beschreibung klingt es eher nach Endzeit bzw. Social SF als nach Hard SF.Der Roman ist auch Social SF. Das "Hard" bezog sich besonders auf die Unterscheidung Fantasy vs. SF. Der Roman hat überhaupt nichts mit der Tradition der Fantasyliteratur zu tun. Der Atomkrieg ist ein integraler Bestandteil des Romans, da er (der Roman) den Kreislauf der technologischen Entwicklung beschreibt. Mehr würde zu viel spoilern.
Bei Hard SF steht die Technik im Mittelpunkt. Bei deiner Beschreibung des Romans stehen aber eher die Auswirkungen eines Atomkrieges im Vordergrund. (Bzw. der Atomkrieg ist sogar nur ein MacGuffin (http://de.wikipedia.org/wiki/MacGuffin) und es geht um Menschen, die die Kenntniss über die Technologie verloren haben.)
Generell finde ich aber Settings, in denen Technik zum Einsatz kommt, die der einfachen Bevölkerung aber wegen ihrer Unwissenheit wie Magie vorkommt, sehr faszinierend. Im Rollenspielbereich gibt es ja die folgenden Settings dazu:- GURPS Riverworld
- Engel - Arkana
- Lesser Shades of Evil
Ich habe mal einen Roman gelesen bei dem Menschen auf einem Planeten gelandet sind (gecrasht?), auf dem Lebewesen mit einem dem Mittelalter entsprechenden Techonogiestand lebten. Sie zeigten sich der Bevölkerung immer nur als mächtige Magier mit ihren Zauberkräften. Der Roman thematisierte genau diese Thematik. Leider weiss ich nicht mehr den Namen des Buches... irgendwas mit Zauberer im Namen...
EDIT: Ich habe den Namen gefunden: "Die fliegenden Zauberer" von Larry Niven und David Gerrold.
Hier finde ich es auch sehr interessant, wenn man das ganze als stinknormales Fantasy-Setting aufzieht, mehrere Abenteuer auch klassische Fantasy-ABs spielt und die Spieler dann erst im Laufe der Kampagne einen Brainfuck-Moment erhalten und erkennen, dass es sich um SF handelt.Ich auch. Kann nur leider zu einem total Backlash führen, mit dem einer oder mehrere Spieler die weitere Kampagne vollkommen ablehnen und das ganze Projekt mit Schmackes in den Sand gesetzt wurde. Für sowas sollte man sich schon im Vorfeld offene Spieler suchen, die mit extremen Themen- und Settingwechseln kein Problem haben.
Ich habe mal einen Roman gelesen bei dem Menschen auf einem Planeten gelandet sind (gecrasht?), auf dem Lebewesen mit einem dem Mittelalter entsprechenden Techonogiestand lebten. Sie zeigten sich der Bevölkerung immer nur als mächtige Magier mit ihren Zauberkräften. Der Roman thematisierte genau diese Thematik. Leider weiss ich nicht mehr den Namen des Buches... irgendwas mit Zauberer im Namen...
EDIT: Ich habe den Namen gefunden: "Die fliegenden Zauberer" von Larry Niven und David Gerrold.
Star Treks pseudodemokratie...Du meinst die kommunistische "Demokratie" von Star Trek? ;D
Na, kommunistisch ist die ja auch nicht.Kein Geld
Siehst du das Schiff in den genannten Beispielen nicht als zentralen Inhalt?
Nein. Der zentrale Inhalt sind die Crew und die Entscheidungen und Erlebnisse, die unterwegs geschehen.Ich kann im Moment, ehrlich gesagt, nicht nachvollziehen, wieso die von mir genannten Beispiele für dich nur unter "durch" Raumschiffe fallen.
Als Vergleich kannst du etwa Mike Rezniks Starship Reihe oder Lost Fleet heranziehen, in beiden Serien zählt nicht "durch" Raumschiffe sondern "weil" Raumschiffe, das ist für mich ein signifikanter Unterschied.
@Grey:
Benutz mal ein Versatzstück. Wenn man eine "Raumschiff"-Geschichte deckungsgleich mit einer "Age of Sails"-Geschichte erzählen kann, ist es nur geänderter Fluff. Die genannten Geschichten, Star Trek, sowie das komplette "Honorverse" von David Weber fallen darunter.
Es gibt, zumindest nach meiner Erfahrung, sehr wenige Geschichten bei denen dieses Versatzstück so nicht stattfindet und bei denen Ramschiff/Raumfahrt wirklich mehr darstellen.
Benutz mal ein Versatzstück. Wenn man eine "Raumschiff"-Geschichte deckungsgleich mit einer "Age of Sails"-Geschichte erzählen kann, ist es nur geänderter Fluff.Genau das habe ich getan. Deshalb wundere ich mich ja, daß wir zu derart unterschiedlichen Einschätzungen gelangen.
Nehmen wir mal "Hinterwälder" von Gibson... das hat Raumschiffen Bedeutung gegeben.Wie das? Kannst du das kurz in ein paar Worten zusammenfassen? Ich kenne "Hinterwälder" nicht, ebensowenig wie Resnicks "Starship" oder "Lost Fleet". (Military SF ist an sich nicht so meins.)
Um exemplarisch eines davon zu nehmen: In "Die Verschwender vom Mars" ist die drohende Beendigung der Raumfahrt die zentrale Bedrohung, die über dem ganzen Szenario hängt. Die Geschichte ist so grundlegend mit dem Thema "Raumschiffe" und "Raumfahrt" verflochten, daß sie sich in kein anderes Setting transportieren ließe; die Raumschiffe lassen sich nicht durch LKWs, Kutter, Flugzeuge o.ä. ersetzen, der Anlaß für den Plot nicht durch eine beliebige andere Bedrohung. Wir haben denkbar eindeutig ein "weil" Raumschiffe.
Wie das? Kannst du das kurz in ein paar Worten zusammenfassen? Ich kenne "Hinterwälder" nicht, ebensowenig wie Resnicks "Starship" oder "Lost Fleet". (Military SF ist an sich nicht so meins.)
Natürlich gibt es auch SF-Story-Szenarien, die nicht so direkt umsetzbar sind. Zum Beispiel folgendes Kurzgeschichtenmaterial: durch irgendwelche Umstände (z.B. Sabotage) zünden die Motoren des Raumschiffs zum falschen Zeitpunkt, und bis sie abgeschaltet werden können, ist das Schiff längst auf einer Flugbahn ins Nirgendwo. Dabei hat es so viel delta-v verballert, dass es den Orbit nicht mehr ausreichend aus eigener Kraft ändern kann, und auch andere Schiffe es nicht mehr erreichen können. Im Prinzip hat die Crew alle Zeit der Welt -- aber was damit anfangen?
Dieser Plot ist 1. raumschiffspezifisch und 2. kann nicht sinnvoll auf irdische Verhältnisse übertragen werden. Selbst ein Flugzeug kann immer noch notlanden oder -wassern. Wasserfahrzeuge dümpeln halt irgendwo rum, bis Hilfe kommt. Am ehesten könnte man noch was für U-Boote konstruieren, aber dennoch müsste man da einiges ändern, damit es funktioniert.
Ehrlich gesagt, kann ich aus der Beschreibung von "Starship" und "Lost Fleet" auf Anhieb nichts herauslesen, was es enger mit dem Raumschiff-Motiv verzahnen würde als z.B. die Foundation-Trilogie. Speziell von Resnick kenne ich "Elfenbein", der auch das angesprochene Republik-im-Weltall-Motiv bedient (gehört das Buch ggf. zum Starship-Zyklus?), und dieser Roman fühlte sich für mich persönlich eher weniger "raumschiffig" an als das Galaktische Imperium von Asimov. "Hinterwäldler" wiederum klingt, als könnte es genausogut in einem Lovecraft'schen 19. Jahrhundert funktionieren.
durch irgendwelche Umstände (z.B. Sabotage) zünden die Motoren des Raumschiffs zum falschen Zeitpunkt, und bis sie abgeschaltet werden können, ist das Schiff längst auf einer Flugbahn ins Nirgendwo. Dabei hat es so viel delta-v verballert, dass es den Orbit nicht mehr ausreichend aus eigener Kraft ändern kann, und auch andere Schiffe es nicht mehr erreichen können. Im Prinzip hat die Crew alle Zeit der Welt -- aber was damit anfangen?Ein Segelschiff kommt vom Kurs ab, vorzugsweise im Südpazifik.
Ein Segelschiff kommt vom Kurs ab, vorzugsweise im Südpazifik.Passt nicht. Die Raumschiffcrew weiß ja ziemlich genau, wo sie sich befindet, wo sie irgendwann landet und wie lange das dauert. Aufgrund der technischen Gegebenheiten können sie an diesen Faktoren aber nichts mehr ändern.
Ein Segelschiff kommt vom Kurs ab, vorzugsweise im Südpazifik.Geht, Klar - kein Problem. Allerdings halte ich dieses Herunterbrechen auf irgendwelche Grundstrukturen und das Abklopfen darauf, ob man das selbe Geschichtenmuster auch mit anderer "Tünche" in einem anderen Genre erzählen könnte, nicht für so sonderlich zielführend. Klar könnte ich bei nahezu jeder beliebigen Geschichtenstruktur (weit genug auf Wesentliches heruntergebrochen) fröhlich zwischen Science-Fiction, Fantasy, Western, Weltkriegsdrama, Highschoolkomödie oder wat weis ich hin und her schalten. Allerdings ignoriert das IMHO, das die "Tünche" mindestens ebenso wichtig ist wie die Grundstruktur. Das ich die Handlung eines SF-Romans mit gewissen Änderungen statt mit Raketen und Planeten mit Inseln und Galleonen erzählen könnte, ist wertlos wenn es die Absicht des Autoren war, etwas über Raumfahrt zu schreiben...
Für mich ist der Unterschied zu marginal, um relevant zu sein.Je nach Fall kann das allerdings sehr wichtig werden...siehe z.b. Mission to Mars oder Europa Report.
Jemand sagte mal, es habe nach Shakespear keine neuen Geschichten mehr gegeben...
@Waldviech
Ich halte einfach viele der Grundprämissen, die gerne an Science Fiction gestellt werden falsch.
Poltische, gesellschaftliche und psychologische Überlegungen lassen sich in jedem anderen Genre genau so treffen.
Viele spezielle Geschichten lassen sich ohne große Verluste in anderen Genres abbilden.
Allein wenn es um spezifische technische Überlegungen geht, lassen sich diese nicht in anderen Genres abbilden, aber letztlich lassen die sich dann wiederum weit besser im nicht-fiktiven Bereich diskutieren.
Viele spezielle Geschichten lassen sich ohne große Verluste in anderen Genres abbilden.Mag in vielen Fällen richtig sein, macht SF meines Erachtens aber noch lange nicht obsolet. Was "Tünche" angeht, betreten wir halt den unermesslich großen Bereich der Geschmackssache....
Würde ich auch nie behaupten. Dafür mag ich SciFi viel zu sehr. Aber sie ist dann letztlich doch nicht so unique wie gerne behauptet wird.
@Slayn
Auch Cyberpunk kann man in anderen Genres abbilden.
Auch Cyberpunk kann man in anderen Genres abbilden.Vieles beispielsweise mit Krimi-Noir (OK, das war jetzt aber auch ein Selbstgänger). Genau wegen solcher Sachen bin ich ja auch der Meinung, dass die "Konvertierbarkeit" von Geschichten nicht so schwerwiegend ist und die "Tünche" oft ebenso wichtig ist wie die Handlung. "Kulisse matters" sozusagen...
Ein Segelschiff kommt vom Kurs ab, vorzugsweise im Südpazifik.
Das ist was ~komplett~ anderes!
Geht, Klar - kein Problem. Allerdings halte ich dieses Herunterbrechen auf irgendwelche Grundstrukturen und das Abklopfen darauf, ob man das selbe Geschichtenmuster auch mit anderer "Tünche" in einem anderen Genre erzählen könnte, nicht für so sonderlich zielführend. Klar könnte ich bei nahezu jeder beliebigen Geschichtenstruktur (weit genug auf Wesentliches heruntergebrochen) fröhlich zwischen Science-Fiction, Fantasy, Western, Weltkriegsdrama, Highschoolkomödie oder wat weis ich hin und her schalten. Allerdings ignoriert das IMHO, das die "Tünche" mindestens ebenso wichtig ist wie die Grundstruktur.Dass die Tünche genau so wichtig ist wie die Grundstruktur, sehe ich auch so.
SF lässt reale Probleme angehen und Antworten suchen.
Fantasy genauso. Oder Western. Oder Horror.
Deine Aussage ist irreführend. Um Extrapolieren zu können, müssen wir uns erst mal dem "Ist Zustand" annähern. Machen wir das, benutzen wir bei der Extrapolation vielleicht Trappings, es ist aber SF.
Unterschied: bei Fantasy weiß jeder "das ist ein Märchen, spielt in einer anderen Welt, ist nie passiert und wird nie passieren". Bei SF hat man das Gefühl "so könnte es mal werden".
Unterschied: bei Fantasy weiß jeder "das ist ein Märchen, spielt in einer anderen Welt, ist nie passiert und wird nie passieren". Bei SF hat man das Gefühl "so könnte es mal werden".
Unterschied: bei Fantasy weiß jeder "das ist ein Märchen, spielt in einer anderen Welt, ist nie passiert und wird nie passieren". Bei SF hat man das Gefühl "so könnte es mal werden".
Und die Erfahrung sagt uns: "In spätestens 10 Jahren stellt sich heraus, dass es auf falschen Annahmen beruht, nie passieren wird, weil es gar nicht passieren kann" (siehe die Märchen von Asimov, Heinlein, Lem und Co.).
Im Gegensatz dazu liefert "Für eine Handvoll Dollar" geradezu zeitlose, universelle Wahrheiten.
Ja.Wobei man da der Ehrlichkeit halber hinzufügen sollte, dass der Möglichkeiten in dem Punkt mehrere sind:
(Könnte man theoretisch auch in Fantasy-Welten machen, wo dann Rechte von Golems, Lichs, Geistern und Elementaren behandelt werden. - Aber dazu habe ich noch kein passendes Setting gefunden. Wohl auch deswegen, da es in Fantasy in der Regel eh wenig Menschenrechte gibt.)Dem könnte vielleicht auch entgegenstehen, dass die Frage "Was macht den Menschen zum Menschen?" im SF-Gewand relevanter wirkt als im Fantasy-Gewand. Soweit bekannt, spricht nichts gegen die mögliche Existenz von Cyborgs und genetisch modifizierten Klonen, aber eine ganze Menge gegen die Existenz von Vampiren und Werwölfen. Da der Cyborg zumindest denkbar ist, fühlt sich die Frage nach seiner Menschlichkeit schwerwiegender an. Es liegt im Bereich des Möglichen, dass man sich irgendwann einmal tatsächlich mit dieser Frage außeinandersetzen muss. Das verleiht ihr ein gewisses Gewicht. Ich kann die selbe Frage nach Menschlichkeit zwar auch mit einem Vampir abarbeiten, weiß aber auch, dass Vampire mythologische Kreaturen sind, mit denen sich nie jemand in der Realität herumschlagen muss. Daher verschiebt sich die Frage ein ganzes Stück in Richtung "egal, weil eh rein fiktiv".
Sie sind also keine Fiktion.
Oder wir wissen, dass das Postulat zwar auf einer aus der Epoche heraus folgerichtigen Überlegung beruht, die Dinge sich aus verschiedenen Gründen aber anders entwickelt haben.
(Könnte man theoretisch auch in Fantasy-Welten machen, wo dann Rechte von Golems, Lichs, Geistern und Elementaren behandelt werden. - Aber dazu habe ich noch kein passendes Setting gefunden. Wohl auch deswegen, da es in Fantasy in der Regel eh wenig Menschenrechte gibt.)Scheibenwelt setzt sich in einigen Büchern stark mit dem Thema auseinander (v.a. in den Büchern über die Golems).
Alles von Menschen erdachte, fiktive ist irgendwo nur eine Abstraktion des Existenten.
Unterschied: bei Fantasy weiß jeder "das ist ein Märchen, spielt in einer anderen Welt, ist nie passiert und wird nie passieren". Bei SF hat man das Gefühl "so könnte es mal werden".