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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Agent_Orange am 10.12.2013 | 11:29

Titel: Warum "SF"?
Beitrag von: Agent_Orange am 10.12.2013 | 11:29
Hallo.

Gestern wurde mir die Frage gestellt, was mich derzeit an SF-Rollenspielen bzw. am SF Thema als Rollenspiel reizt bzw. interessiert. Diese Frage habe ich dort auch schon umfangreich beantwortet (- dazu mehr im PS in gebotener Kürze; diese Gedanken dort stellen meine Meinung dar und sind ganz explizit nicht Gegenstand dieses Themas hier. Ziel dieses Threats ist es, lediglich Meinungen oder Erwartungshaltungen zu sammeln).

Und jetzt macht es mich neugierig:

Meine Beobachtung ist, dass SF-Rollenspiele keineswegs so massenhaft gespielt werden wie vor allem Fantasy, aber möglicherweise auch Horror/ Grusel. (Das mag das Ergebnis dessen sein, dass ich in einer SF-armen Rollenspielgegend lebe ...) Deshalb richtet sich diese Frage an all diejenigen, die SF Rollenspiele in dem Bewusstsein spielen, ein SF Rollenspiel zu spielen, sowie diejenigen, die zumindest neugierig sind/ werden und mal ein SF-Rollenspiel spielen wollen.

Klar: Das erste große Problem ist, wie man SF definiert. Ich lasse das aber bewusst offen.
Und wichtig: Mir geht es nicht darum herauszufinden, ob oder warum SF "besser" als Fantasy oder Horror/ Grusel oder andere Themen sein soll. Das hat für dieses Thema hier absolut keine Bedeutung.

Also nochmal die Frage:

Warum spielt Ihr SF-Rollenspiele oder würde Ihr diese spielen?

AO

P.S.:
1. Fantasy habe ich über 20 Jahre gespielt; das Thema reizt mich nicht mehr aus verschiedensten Gründen - weder im Mainstream noch in Spielarten der Fantasy.
2. Aufgrund des offenen Begriffs der SF ist mit dem Begriff anders als mit "klassischer Fantasy" keine zwingende Erwartungshaltung verbunden; Assoziationen wie Roboter oder Raumschiffe sind zwar mit SF unmittelbar verknüpft, bedeuten aber nicht notwendigerweise, dass diese Dinge in der SF auch erwartet werden.
3. Mich interessiert speziell Hard SF mit Raumfahrt im 22.-24. Jahrhundert - also einer denkbaren und möglichen Nahzukunft, die einer Art "Wild Frontier"-Konzeption folgen würde.
4. "Außerhalb des Schiffsrumpf ist der unendliche Weltraum - und er ist absolut tödlich." Die Risiken für Spielercharaktere sind nicht bloß abstrakt und durch Magie oder Wunder heilbar, sondern im Gegenteil extrem konkret.
5. Mir wurde mal die Frage gestellt, ob das Bespielen von "technischen Problemen in der Raumfahrt" überhaupt Stoff für spannende Geschichten bietet. Meine Antwort: Filme wie Gravity, 2001, Apollo 13 und 18 u.a. haben hervorragend den Beweis geliefert, dass das geht; deshalb habe ich keine Bedenken, dass das auch im Spiel funktionieren mag.

(Die Punkte folgen keiner besonderen Priorität; die Reihenfolge ist beliebig variabel.)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Grey am 10.12.2013 | 11:37
Warum spielt Ihr SF-Rollenspiele oder würde Ihr diese spielen?

Spontan aus dem Bauch geantwortet:
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Tarin am 10.12.2013 | 11:40
Wenn wir den Begriff "SF" mal weit definieren:
Ganz persönlich kann ich in einem SF Setting besser mit vielen verschiedenen Völkern und SC Spezies spielen, als in einer Fantasywelt, wo ich EDO und ähnliches bevorzuge. Das ist natürlich nicht ganz logisch, da ich mir auch in Fantasy Settings alles mögliche zusammenreimen kann, aber mir geht der Gedanke eines Vielvölkersettings, deren Bewohner einigermaßen friedlich zusammenleben, vor einem SF Hintergrund besser in den Kopf. Sprich: Star Wars kann ich langfristig besser bespielen als Myranor.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Achamanian am 10.12.2013 | 11:52
Ich mag einfach SF als eines der großen Genres der Abenteuergeschichte; und dass Abenteuergeschichten meistens gute Rollenspielvorlagen abgeben, versteht sich eigentlich von selbst.

Dass Fantay-RSPs populärer (und m.E. auch ein bisschen "einfacher" sind), liegt glaube ich vor allem daran, dass Fantasy-Klischees klarer überformt sind als SF-Klischees und man dadurch sehr viel schneller einen gemeinsamen Vorstellungsraum etabliert. Bei SF wissen viele Mitspieler halt oft erst mal nicht, ob man jetzt Matrix oder Star Trek spielt, und selbst, wenn klar ist, dass es um Weltraumfahrer geht, hast du immer noch die Bandbreite von Space Fantasy á la Star Wars und Fading Suns über "softe" Hard SF wie Star Trek oder Traveller über an zeitgenössischer SF-Literatur orientierten postmodern-wissenschaftlichen Kram wie Eclipse Phase und Mindjammer. Ich kann mir vorstellen, dass viele Runden da auch an völlig unterschiedlichen Genreerwartungen scheitern, weil der eine denkt, man spielt Aliens abballern mit fetten Waffen und der andere, dass die Kampagne darum geht, ökologische Katastrophen auf fremden Planeten zu beheben; während der dritte die Implikationen von Persönlichkeitsuploads für das Konzept des Individuums thematisiert haben möchte.
Ich hatte das Problem gerade erst in einer Traveller-Runde, wo eine Spielerin mit Erwartungen reingegangen ist, die beispielsweise in einer (vom Genre her gar nicht weit entfernten) Ashen-Stars-Runde bestens gepasst hätten, bei Traveller aber vom Setting nicht bedient werden.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Das Grauen am 10.12.2013 | 11:55
Warum spielt Ihr SF-Rollenspiele oder würde Ihr diese spielen?
... also eine denkbaren und möglichen Nahzukunft ...
Das ist der Hauptgrund, weshalb es mich reizt, auch wenn das natürlich nicht auf alle SF-Szenarien zutreffen mag.

Der zweite große Reiz liegt ja in der "Unendlichkeit" des Alls, das hier natürlich sehr viele Möglichkeiten offen lässt und auch bietet. In Verbindung mit dem Thema Erforschung und Erstkontakt bildet das ganz gut meine Interessen, die mich an SF-Rollenspielen reizen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 10.12.2013 | 11:58
Mir geht es ähnlich wie dir. Ich mag vor allem Hard SF, genau wie du in deinem Punkt 3 beschreibst, habe aber keine Mitspieler dafür.

Reiz Nr 1: Raumschiffe! Nuff said.

2. bei der von mir bevorzugten Hard SF muss nur sehr wenig gehandwedelt werden. Fast alles ist berechenbar und durchdeklinierbar. Das ist ein ganz anderer Reiz als "a Wizard did it!".

Dass wir uns nicht falsch verstehen: ich mag auch High Magic Fantasy mit ganz viel A Wizard Did It. Aber nur weil ich Schokokuchen mag, muss ich ja Schweinebraten nicht schlecht finden.
(Was ich hingegen nicht mag, ist Schnitzel mit Schokosauce, also Space Fantasy die so tut, als wäre sie SF.)

Gerade als Demiurg liebe ich das Gebastel an theoretisch möglichen Antrieben, Design von Raumschiffen, Überlegungen wie eine Expansion aussehen könnte, Entwurf von fremden Welten usw. Grey kann dir da auch ein Lied von singen. ;)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 10.12.2013 | 12:03
Ich mag sowohl "klassische SciFi" a la Traveller als auch Cyberpunk sehr gerne, sowohl als Lesestoff als auch zum Spielen. Wenn es nicht gerade vollkommen überdreht ist, a la Space Fantasy, dann klappt für mich die Suspension of Disbelieve zig mal besser als mit Fantasy.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: 1of3 am 10.12.2013 | 12:06
Raumschiffe. Und Technobabbel. Und Erstkontakte. Und Aliens.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Achamanian am 10.12.2013 | 12:07
Ich mag sowohl "klassische SciFi" a la Traveller als auch Cyberpunk sehr gerne, sowohl als Lesestoff als auch zum Spielen. Wenn es nicht gerade vollkommen überdreht ist, a la Space Fantasy, dann klappt für mich die Suspension of Disbelieve zig mal besser als mit Fantasy.

Du meinst wohl "klassische SF". SciFi empfinden zumindest die meisten englischsprachigen SF-Leser als Schimpfwort.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Grey am 10.12.2013 | 12:13
Gerade als Demiurg liebe ich das Gebastel an theoretisch möglichen Antrieben, Design von Raumschiffen, Überlegungen wie eine Expansion aussehen könnte, Entwurf von fremden Welten usw. Grey kann dir da auch ein Lied von singen. ;)
:loll: In der Hinsicht singe ich immer wieder gern mit dir im Duett, Feuersänger.

Zu blöd, daß wir so weit auseinanderwohnen, sonst hättest du bereits einen Mitspieler für deine "Hard SF"-Runde. (Auch wenn FTL für mich, wie schon öfters diskutiert, das "Hard" automatisch zunichte macht, aber das würde mich nicht daran hindern, es ansonsten als "SF" zu genießen. ;))
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 10.12.2013 | 12:14
Da ich kein englischsprachiger SF-Leser bin, kann mir das am Allerwertesten vorbei gehen ;)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Achamanian am 10.12.2013 | 12:16
Da ich kein englischsprachiger SF-Leser bin, kann mir das am Allerwertesten vorbei gehen ;)

Bei selbigen solltest du allerdings aufpassen, ich habe da schon beleidigte Reaktionen zurückbekommen. Scheint für viele eine feste Sprachregelung zu sein, dass SciFi Star Wars & Co bezeichnet, während halbwegs ernstgemeinte Zukunftsentwürfe sf sind.
Mir persönlich ist das allerdings auch ziemlich wurscht ...
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Boba Fett am 10.12.2013 | 12:19
- wegen der special Effects, die im Kopfkino entstehen
- weil jede Menge technischer Hartwurstkram die Phantasie über Funktion und Nutzen beflügelt
- weil der Gedanke an unendliche Weiten mit endloser Anzahl an Welten einfach der Hammer ist.
Ausserdem:
- weil Weltraumschlachten mit Raumschiffen und Jägern eine Millionen mal cooler sind als Seeschlachten
- weil Aliens und Predators cooler sind als Orks und Trolle.
- weil Laserblaster einfach mehr hermachen als doofe Langbögen und Armbrüste
- weil Sturmtruppen-Kampfanzüge mehr rocken als Ritterrüstungen
- weil Psi geilerer ist als Magie
- Technobbabel!
- weil klingonisch sich geiler anhört als elbisch!
- weil Joda viel witziger und Obi Wan viel coolerer ist als Gandalf
- weil der junge Anakin zwar scheiße aber noch tausend mal besser ist als Harry Potter
- weil Spock
- weil Firefly im Fantasy-Setting einfach scheisse wäre
und
- weil ich lieber im Weltall treibend mit Einschußloch im Raumanzug verrecke als im Mittelalter an der Pest zu sterben
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Tarin am 10.12.2013 | 12:24
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Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: El God am 10.12.2013 | 12:26
Bei selbigen solltest du allerdings aufpassen, ich habe da schon beleidigte Reaktionen zurückbekommen. Scheint für viele eine feste Sprachregelung zu sein, dass SciFi Star Wars & Co bezeichnet, während halbwegs ernstgemeinte Zukunftsentwürfe sf sind.
Mir persönlich ist das allerdings auch ziemlich wurscht ...

Gibt ja auch deutsche Autoren, die Wert auf ihre "Phantastik" legen und keine "Fantasy" schreiben wollen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: alexandro am 10.12.2013 | 12:32
Spekulative Wissenschaft und Visionen für die Zukunft. Im Gegensatz zu SciFi in Büchern, Filmen oder Serien (wo zumeist ein inzestiöses Verhältnis mit 2-3 "Klassikern" gepflegt wird), kann man im Rollenspiel die Auswirkungen der modernen Technologie auf Kultur und Denkweise viel besser erfahrbar machen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Infernal Teddy am 10.12.2013 | 12:34
Ich lese schon immer gerne Science Fiction (Es gibt übrigens auch Glaubenskriege ob da jetzt ein Bindestrich reingehört oder nicht...), so lange ich zurückdenken kann. Fantasy wurde mir früh verleidet weil damals alles nach Tolkien schmeckte. Und so sehr ich Tolkien mag, ich mag abwechslung.

Ich mag dabei fast alle spielrichtungen der SF, ich kann fast allem etwas abgewinnen. Ich hab da natürlich meine bevorzugten Spielarten, aber im großen und ganzen: I like SF.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Agent_Orange am 10.12.2013 | 12:35
Hallo.

Ja, das ist ja spannend. ich dachte mir gerade - kurze Pause, mal gucken, ob schon wer geantwortet hat. Und siehe da: PENG! Wow. Bin beeindruckt.

Ich bin sehr froh zu sehen, dass es ganz offenbar sowohl ganz typische als auch sehr individuelle Motive gibt. Ich finde mich in allem, was Ihr bisher geschrieben habt mehr oder weniger wieder. Bin gespannt, was sich hier noch so ergibt.

@Rumspielzielstil: Deine Einschätzung, dass Fantasy klarer ausgeformt und daher für viele auch zugänglicher ausgestaltet ist, teile ich uneingeschränkt. Ich überlege schon seit einiger Zeit, was die Ursachen dafür sind. Und irgendwie bleibe ich immer wieder an dreieinhalb besonderen Popkulturphänomenen hängen: 1 1/2 stammen aus dem Bereich der Rollenspielerei, indem einfach zahllose große wie kleine Fantasierollenspiele doch stets "sehr einheitlich" auftreten; 1 ist die Kinowelt, die mit Herr der Ringe ganz sicher eine neue Ära und damit die Massentauglichkeit von Fantasy definiert haben könnte; 1 ist World of Warcraft und Clone wie Spin-Offs, was ein sehr großes Publikum erreicht hat.
Vergleichbar wirkungsvolle Katalysatoren gibt es für die SF nicht, wenngleich es schon beachtlich ist, wie viele SF Filme seit 2012 (vor allem in 2013 bisher) über den Silverscreen geflimmert sind.

@Feuersänger: Ich bin da zu 100% bei Dir. Nur weil mir Fantasy zur Zeit über ist, heißt das für mich nicht, dass Fantasy deshalb out, dead oder doof ist. Das Gegenteil ist der Fall. Nur fühle ich mich vom Thema zur Zeit nicht eingeladen. Dein Vergleich mit Schokokuchen und Schweinebraten finde ich Klasse!

@alexandro: Dein zweiter Gedanke ist sehr interessant. Das habe ich so noch gar nicht überlegt. Aber es macht absolut Sinn.

@all:
Kann ich das wiederkehrende Element "Unendlichkeit des Universums", "mehr Abwechslung" und "Vielfalt der Begegnungen" charakterisieren als "höheres Sandboxing-Potential"?

AO
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 10.12.2013 | 12:47
Kann ich das wiederkehrende Element "Unendlichkeit des Universums", "mehr Abwechslung" und "Vielfalt der Begegnungen" charakterisieren als "höheres Sandboxing-Potential"?

Das sowieso.

Was ich, für mich, feststelle ist folgendes: Ich mag bei Fantasy oder Science Fantasy diese ewige mystische verlorene Vergangenheit nicht. Früher gab es tolle Imperien, die sind gefallen, früher gab es tolle Helden... Blah! Tolkienesker Scheißdreck.

Gute SF und Antike Sagen haben für mich eines gemeinsam: Das beste Zeitalter ist jetzt, die größten Helden sind jetzt, die Action findet jetzt statt und formt die Zukunft, die noch besser wird.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Yerho am 10.12.2013 | 13:48
Vorweg, wnn ich von SF rede, meine ich Hard-SF oder zumindest stark in diese Richtung orientierte Settings. Nicht, weil ich es für besser halte, sondern weil andernfalls die Abgrenzung zu Fantasy schwerfällt oder sogar unmöglich ist.

Mich reizt vor allem der Erkundungsgedanke. Sicherlich kann man auch in reinrassiger Fantasy einen Dungeon oder einen fremden Landstrich erkunden, aber dort sind die Optionen dessen, was es zu entdecken gibt, begrenzt. Und damit meine ich nicht, dass der Weltraum einfach mal größer ist als ein ein Landstrich oder gar Dungeon: SF kann ein Kammerspiel sein und hat trotzdem das größere Spektrum. Der hauptsächliche, aber nicht alleinige Grund dafür ist, dass Entdeckungen in SF-Setting das Setting selbst verändern können - ach was, im Grunde verändern müssen.

Ein Fantasy-Setting ist in sich statisch ruhend, was übrigens auch der Grund ist, warum es so gerne gespielt wird - eine solide Grundlage ist immens hilfreich. Egal, was für mächtige Artefakte und Kreaturen auftauchen, es wird nicht an den Grundbedingungen rütteln. Fantasy-Setting überdauern ganze Zeitalter ohne wesentliche Veränderungen, und wenn es doch mal welche gab, dann sind sie "früher" passiert und Grundlage des eigentlichen Settings. Nur sehr, sehr experimentierfreudige Spieler versuchen solche Wendepunkte auszuspielen.
Natürlich müssen auch SF-Settings eine gewisse Statik innehaben, wenn sie spielbar sein sollen. Große Veränderungen werden jedoch vermieden, weil sie schwer zu managen sind, nicht aber deshalb, weil es das Setting an sich schwerwiegend schädigen würden. Meistens ist die Veränderung bereits im Setting angelegt.

Kurz gesagt:

Fantasy beschreibt Zustände, SF beschreibt Abläufe. Fantasy-Akteure (nicht nur im Rollenspiel) arbeiten gegen Widernisse an, die das Setting bereitstellt. SF-Akteure arbeiten gegen bestimmte Richtungen an, die das Setting nehmen kann. SF ist unsere Realität, wie sie sein kann und Fantasy ist eine Realität, wie sie niemals sein kann. Beides hat seine schönen und weniger schönen Seiten und seinen ganz eigenen Reiz.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Dark_Tigger am 10.12.2013 | 15:26
Ich lese schon immer gerne Science Fiction (Es gibt übrigens auch Glaubenskriege ob da jetzt ein Bindestrich reingehört oder nicht...), so lange ich zurückdenken kann. Fantasy wurde mir früh verleidet weil damals alles nach Tolkien schmeckte. Und so sehr ich Tolkien mag, ich mag abwechslung.

Ich mag dabei fast alle spielrichtungen der SF, ich kann fast allem etwas abgewinnen. Ich hab da natürlich meine bevorzugten Spielarten, aber im großen und ganzen: I like SF.
@Rumspielzielstil: Deine Einschätzung, dass Fantasy klarer ausgeformt und daher für viele auch zugänglicher ausgestaltet ist, teile ich uneingeschränkt. Ich überlege schon seit einiger Zeit, was die Ursachen dafür sind.
Sind für mich zwei Seiten der selben Medaille. 75% aller Fantasy Welten riechen etwas muffig nach Tolkien. Und die die nicht danach Muffen, haben doch eine deutliche priese Tolkien im Abgang.
SF ist da meistens zumindest ein wenig unabhängiger. Wobei gewisse Tropes natürlich auch da nicht zu umgehen sind.

Ach ja @Topic:
Warum SF:
Weil mit einem klapprigen Raumfrachter mit gefälschten Papieren und sowas von illegaler Fracht, vom Highport lösen, und eine Sprungroute ins Nachbarsystem berechnen, sowas von viel cooler klingt, als mit einer altersschwachen Kogge 20 Bahnen Wolltücher zu verschiffen, und sich an den Sichtmarken entlangorietenieren.

Weil mit Servorüstungen aus der Stratosphäre abspringen einfach mehr rockt, als alles was ein Fantasy Ritter bieten kann (JA auch mehr als Drachenreiten)

Weil eine Kneipe in einer Astreoidenbasis einfach 100 mal mehr fragwürdige Vergnügen bietet, als jede verstaubte Tarverne im Startdorf. ;)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 10.12.2013 | 15:35
Was ich, für mich, feststelle ist folgendes: Ich mag bei Fantasy oder Science Fantasy diese ewige mystische verlorene Vergangenheit nicht. Früher gab es tolle Imperien, die sind gefallen, früher gab es tolle Helden... Blah! Tolkienesker Scheißdreck.

Gute SF und Antike Sagen haben für mich eines gemeinsam: Das beste Zeitalter ist jetzt, die größten Helden sind jetzt, die Action findet jetzt statt und formt die Zukunft, die noch besser wird.

Das find ich auch interessant, denn die Beobachtung stimmt auffallend: Fantasy-Settings spielen meistens im Nachhall einer großen Vergangenheit; in den Schatten gefallener Imperien. Das ist zwar für sich genommen durchaus cool, gerade bei Tolkien habe ich das geliebt, aber auf Dauer hat man das als genrekundiger Fantasyfreund einfach so oft, dass man dessen irgendwann überdrüssig wird.

Darum habe ich auch schon ein Fantasy-Setting entworfen (für D&D), welches sich im Kern um ein Imperium auf dem (vorläufigen) Höhepunkt seiner Macht dreht. Ist also nicht so, dass das eine untrennbar mit dem anderen verbunden wäre. (Konfliktpotential kommt da eher durch äußere Bedrohnungen zustande. Innere Feinde wären auch möglich. Was man halt nicht hat, sind finstere Nekromanten und monsterverseuchte Ruinen an jeder Straßenecke.)

Umgekehrt ist ja auch SF mitnichten immer "Goldenes Zeitalter". Technologisch vielleicht. Aber 90% der SF dreht sich doch eh um soziale Implikationen, wobei üblicherweise eine jeweils aktuelle Thematik auf das SF-Setting extrapoliert wird. Und da hat man doch Dystopien deutlich häufiger als Utopien (weil sie ja auch dramaturgisch deutlich mehr hergeben).

An dieser Stelle möchte ich auch mal das Gespräch auf die Probleme der SF bringen. Viele dieser Punkte wurden bereits in eigenen Threads durchdiskutiert.

Hard SF ist ja leider heutzutage nur noch eine Nischenerscheinung -- ironischerweise bedingt durch unseren realen wissenschaftlichen und technischen Fortschritt. Wir wissen heute einfach zu gut über unsere unmittelbare Umgebung (Sonnensystem und nächstgelegene Sterne) bescheid, um da noch guten Gewissens irgendwo grüne Männchen oder blaue Wiesen hinsetzen zu können. Will man also richtig hart bleiben, ist man da sehr eingeschränkt, weil wir halt schon wissen, wie ungemütlich es auf dem Mars oder den Saturnmonden ist, ganz zu schweigen davon, dass die Venus nunmal leider kein Dschungelplanet ist.

Will man also wirklich fremde Welten haben, lebensfreundliche Planeten mit einheimischem Leben (auch wenn es nur ein paar Blaualgen sind), muss man zu anderen Sternen reisen. Und da sind halt wieder die dramaturgischen Möglichkeiten eines STL-Universums sehr eingeschränkt; vor allem ist rasantes Pacing damit schlicht und einfach unmöglich.
Darum bin ich eben an dieser Stelle zu gewissen Kompromissen bereit, indem ich eben - strengen Bedingungen unterworfenes - FTL zulasse, einfach um die ganzen Bühnen der Galaxie auch besuchbar zu machen. Das entspricht dann auf der Mohs-Scale etwa Härtegrad 4-4.5 ("One Big Lie" bzw sogar nur "One Small Fib").

Andererseits hat unsere heutige Alltagstechnologie doch längst fast alles in den Schatten gestellt, was sich die genreprägenden SF-Autoren vergangener Jahrzehnte in ihren kühnsten Träumen ausgedacht haben. "I possess a device, in my pocket, that is capable of accessing the entirety of information known to man. I use it to look at pictures of cats and get in arguments with strangers."
Früher waren (in der SF) Sternfahrer tollkühne Männer in atomgetriebenen Kisten, die mit tagelangen Berechnungen (mit Logarithmentafeln!) den Kurs zum nächsten Planeten geplottet haben. Heute könnte jedes Telefon eine App laufen lassen, die dir den Scheiss in 30 Sekunden ausrechnet. Von richtigen Computern mal ganz zu schweigen.

Kurzum, weder in Prosa noch Rollenspiel gibt der Beruf des Raumpiloten wahnsinnig viel her. Man gibt ein Ziel in den Computer ein, und die Maschine erledigt den Rest. Das ist realistisch. Siehe Thread "Die Automatisierung, dein Feind und Helfer". Da wir Menschen aber nunmal Geschichten lieben, in denen Menschen dank ihrer Fähigkeiten Hindernisse überwinden, hat man an der Stelle erstmal ein Problem. Die Spannung muss also irgendwo anders herkommen.

Soviel für den Moment.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Yerho am 10.12.2013 | 21:06
Hard SF ist ja leider heutzutage nur noch eine Nischenerscheinung -- ironischerweise bedingt durch unseren realen wissenschaftlichen und technischen Fortschritt. Wir wissen heute einfach zu gut über unsere unmittelbare Umgebung (Sonnensystem und nächstgelegene Sterne) bescheid, um da noch guten Gewissens irgendwo grüne Männchen oder blaue Wiesen hinsetzen zu können. Will man also richtig hart bleiben, ist man da sehr eingeschränkt, weil wir halt schon wissen, wie ungemütlich es auf dem Mars oder den Saturnmonden ist, ganz zu schweigen davon, dass die Venus nunmal leider kein Dschungelplanet ist.

Andererseits wissen wir so unglaublich wenig, was vergleichsweise direkt vor unserer Haustür los ist und deshalb gibt immer wieder Hard-SF-Wellen, für die Raumfahrt nicht das zentrale Thema ist. Diese Wellen sind allerdings jede für sich nicht sehr langlebig, weil das leider für die breite Masse nicht sehr sexy ist. Auch in Richtung Cyberpunk (aus meiner Sicht eher eine Stilrichtung als ein Genre) ist noch Raum für Hard-SF.

Kurz gefasst: Wir wissen weniger über unser Leben in zehn Jahren oder beispielsweise über die Ozeane unseres eigenen Planeten als über die Bedingungen auf anderen Welten.

Zitat
Will man also wirklich fremde Welten haben, lebensfreundliche Planeten mit einheimischem Leben (auch wenn es nur ein paar Blaualgen sind), muss man zu anderen Sternen reisen. Und da sind halt wieder die dramaturgischen Möglichkeiten eines STL-Universums sehr eingeschränkt; vor allem ist rasantes Pacing damit schlicht und einfach unmöglich.

Es sei denn, man paart Hard-SF mit Planetary Romance und nutzt, was dabei heraus kommt. Den langatmigen Kram mit der STL-Reise zu fremden Welten ist einfach Geschichte und das Setting beginnt auf der fremden Welt mit genug Stoff für Jahre, wenn nicht Jahrtausende - je nachdem, wie viel Wissen, Ressourcen und planetare Mobilität im Speziellen man den Entdeckern lässt.

Zitat
Früher waren (in der SF) Sternfahrer tollkühne Männer in atomgetriebenen Kisten, die mit tagelangen Berechnungen (mit Logarithmentafeln!) den Kurs zum nächsten Planeten geplottet haben. Heute könnte jedes Telefon eine App laufen lassen, die dir den Scheiss in 30 Sekunden ausrechnet. Von richtigen Computern mal ganz zu schweigen.

Dafür können heute komplette Welten im Computer entstehen. Ein Thema, dass nicht erschöpfend, sondern allenfalls von ein paar Vertretern ermüdend behandelt wurde.

Außerdem können Computer zwar den Kurs berechnen und alle sonstigen Aufgaben auf der Reise übernehmen, aber sie können nicht den Grund für die Reise liefern. Der entsteht aus menschlichen Bedürfnissen heraus.

Zitat
Kurzum, weder in Prosa noch Rollenspiel gibt der Beruf des Raumpiloten wahnsinnig viel her. Man gibt ein Ziel in den Computer ein, und die Maschine erledigt den Rest. Das ist realistisch. Siehe Thread "Die Automatisierung, dein Feind und Helfer". Da wir Menschen aber nunmal Geschichten lieben, in denen Menschen dank ihrer Fähigkeiten Hindernisse überwinden, hat man an der Stelle erstmal ein Problem. Die Spannung muss also irgendwo anders herkommen.

Im Regelfall daher, den Menschen/Protagonisten/Charakteren erst einmal alles zu geben und ihnen davon möglichst plausibel möglichst viel davon zu nehmen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 10.12.2013 | 21:44
Ja aber... Raumschiffe!
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Yerho am 10.12.2013 | 21:48
Vehicle-Porn geht auch mit total superkrass-megageilen Flugzeugen, Schiffen und U-Booten. ;D
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Bad Horse am 10.12.2013 | 21:55
Aber.... Raumschiffe!
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 10.12.2013 | 21:58
Bad Horse versteht mich. :)

Ich lebe ja eh schon in einer Zukunft ohne Raumschiffe. Da will ich das wenigstens in der SF haben.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Grey am 10.12.2013 | 22:10
Wir dürfen den Glauben an die Raumschiffe nicht verlieren, dann kommen sie irgendwann.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 10.12.2013 | 22:11
Wir dürfen den Glauben an die Raumschiffe nicht verlieren, dann kommen sie irgendwann.

Sagt man das nicht auch über Cthulhu?  :cthulhu_smiley:
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Infernal Teddy am 10.12.2013 | 22:36
Aber.... Raumschiffe!

What she said.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: alexandro am 10.12.2013 | 23:15
Will man also wirklich fremde Welten haben, lebensfreundliche Planeten mit einheimischem Leben (auch wenn es nur ein paar Blaualgen sind), muss man zu anderen Sternen reisen. Und da sind halt wieder die dramaturgischen Möglichkeiten eines STL-Universums sehr eingeschränkt; vor allem ist rasantes Pacing damit schlicht und einfach unmöglich.
Darum bin ich eben an dieser Stelle zu gewissen Kompromissen bereit, indem ich eben - strengen Bedingungen unterworfenes - FTL zulasse, einfach um die ganzen Bühnen der Galaxie auch besuchbar zu machen. Das entspricht dann auf der Mohs-Scale etwa Härtegrad 4-4.5 ("One Big Lie" bzw sogar nur "One Small Fib").

Wobei das ein hausgemachtes Problem ist. Leider geht die moderne (semi-)hard-SciFi von bestimmten Grundannahmen aus, welche eher durch Genreikonen (Asmimov, Dominik, Lem...), als durch wissenschaftliche Fakten begründet sind.

Zitat
Andererseits hat unsere heutige Alltagstechnologie doch längst fast alles in den Schatten gestellt, was sich die genreprägenden SF-Autoren vergangener Jahrzehnte in ihren kühnsten Träumen ausgedacht haben. "I possess a device, in my pocket, that is capable of accessing the entirety of information known to man. I use it to look at pictures of cats and get in arguments with strangers."
Früher waren (in der SF) Sternfahrer tollkühne Männer in atomgetriebenen Kisten, die mit tagelangen Berechnungen (mit Logarithmentafeln!) den Kurs zum nächsten Planeten geplottet haben. Heute könnte jedes Telefon eine App laufen lassen, die dir den Scheiss in 30 Sekunden ausrechnet. Von richtigen Computern mal ganz zu schweigen.

Andererseits gab es auch interessante Ansätze, welche damals phantastisch wirkten, aber auch heutzutage, durch neue Erkenntnisse, immer plausibler werden (Terraforming durch Chlorfluorocarbon und modifizierte Pilzsporen, anyone?) oder moderne Entwicklungen vorausgeahnt haben (ich erinnere mich noch an eine Folge der 90er "The Outer Limits", wo die Menschen der Zukunft über ein implantiertes Netzwerk jederzeit auf Informationen zugegriffen, sich koordiniert (z.B. Essen bestellen, noch bevor man das Restaurant betritt) und ausgetauscht haben - mal abgesehen davon, dass es in der Folge Implantate waren, wurde dort bereits den Auswirkung von Smartphones und Social Media vorausgegriffen).

Daher mag ich spekulative SciFi, welche den Mut hat, sich bewusst von der Moh-Skala abzusetzen - sie mag öfter mal danebenliegen, aber sie regt zum Denken (im Gegensatz zum Nach-Denken, bereits bekannter Konzepte und Prinzipien) an.

Das gleiche gilt übrigens auch für gut geschriebene Fantasy ("Any sufficiently advanced magic is indistinguishable from technology." - Clarkes 3rd Inverted Law).
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: 1of3 am 10.12.2013 | 23:25
Ich dachte, die Umkehrung hieße: Any technology distinguishable from magic is not sufficiently advanced. Aber sag doch mal, was dir an solchen Sachen, die sich von jener Skala absetzen, so einfällt. Und welche Grundannahmen sind das, die sich aus Genre-Vorbildern begründen?
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Der_Namenlose am 11.12.2013 | 09:41
Tach!

[...]
Ich bin sehr froh zu sehen, dass es ganz offenbar sowohl ganz typische als auch sehr individuelle Motive gibt. Ich finde mich in allem, was Ihr bisher geschrieben habt mehr oder weniger wieder. Bin gespannt, was sich hier noch so ergibt.
[...]

Als Kind bin ich in einen Topf voll STAR WARS gefallen  ;D   Deshalb gehört bei mir "SF" mit nem ordentlichen Schuss "Star Wars" gewürzt damit ich es lecker finde  ;)

Mit "namenlosem" Gruss,

 8)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Narubia am 11.12.2013 | 09:48
Ich bin da so desinteressiert, dass ich bei SF erst einmal weiterlesen musste, um zu erahnen, dass mit SF Science-Fiction gemeint ist. Für mich persönlich hat Zukunfts-SF noch nie besondere Reize gehabt.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Turning Wheel am 11.12.2013 | 09:55
Für mich sind in SF-Settings vor allem neuartige Gesellschaftssysteme interessant.
Wie beeinflusst eine technologische Weiterentwicklung das menschliche Denken, Dasein und Zusammenleben?
Weiterentwickelte Ethik. Andere Moralvorstellungen.
Das alles mehr oder weniger losgelöst von den Problemen dieses Jahrhunderts (weil sie bereits gelöst wurden) aber
gewürzt mit völlig neuen Problemen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Wawoozle am 11.12.2013 | 10:09
Weil alles andere langweilig ist :D
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Hunter9000 am 11.12.2013 | 10:45
- Raumschiffe
- Fremde Welten
- Aliens
- The final frontier
- Raumschiffe
- die gesellschaftliche Entwicklung der Menschheit
- Technobabble
- durchgeknallte Computer
- Raumschiffe!!!
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Zwart am 11.12.2013 | 11:05
Ich hab da jetzt relativ lange drüber nachgedacht (5 Minuten  ;D ) bevor ich antworten konnte und eine richtige Antwort kann ich immer noch nicht geben.
Weil mein erster Gedanke war: "Naja...ist halt ein cooler Anstrich..so mit Technik und so" Der nächste war: "Aber kann das alles sein?"

Nicht ganz. Aber ich kann nicht genau sagen warum nicht. Ich kann mir gerade kein SF-Setting vorstellen das man nicht auch mit Fantasy anmalen könnte (umgekehrt natürlich auch), aber aus irgendeinem Grund funktionieren sie dann nicht mehr so gut.

Ich hab da als erstes an Eclipse Phase gedacht (wie so oft im Moment ;D ). Würde das mit Fantasy funktionieren? Ja, ziemlich gut sogar. Seelentausch, Fabeltiere, Golems, magische Prothesen und Dimensionsreisen statt digitalisierten Bewusstseinen, Uplifts, KIs, Cyberware und Sternentoren. Würde ich so ein Fantasysetting spielen wollen? Nein, auf gar keinen Fall. Die Frage ist, warum nicht.

Und sobald ich darauf eine Antwort gefunden habe, kann ich dann auch eine richtige Antwort auf den Thread geben.

öh...ja...

im Zweifel gilt aber natürlich auch für mich schlicht

RAUMSCHIFFE! ;)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 11.12.2013 | 11:08
Abseits von Raumschiffen ist doch gute SF vor allem eines: Positiv gestimmt!
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Sagittarius am 11.12.2013 | 11:10
SF ist für mich eine Zukunft, in der die Gestze der Naturwissenschaften gelten ohne magische Mysterien u.ä. Kram. Deswegen mag ich Traveller und 2300AD

- Die Menschheit hat es geschafft, sich nicht selbst zu vernichten
- Die praktische Anwendung von Physik und Mathematik, was von Menschen heutzutage nur als Phantastereien und Geldverschwendung betrachtet wird
- Das Entdeckungen, welche sich nicht um Aliens drehen, mindestens genauso interessant sin
- Die Hoffnung, daß Religionen sich in den Weiten des Weltalls verlieren
- Die Überarbeitung der menschlichen Wertesysteme ist unabdingbar

Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Hunter9000 am 11.12.2013 | 11:37
Zitat
Abseits von Raumschiffen ist doch gute SF vor allem eines: Positiv gestimmt!

Nur, dass der Großteil der SF Dystopien und keine Utopien sind ;)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Arldwulf am 11.12.2013 | 11:55
Das interessante an SF:

Technik und die Möglichkeit das eigene Wissen als Spieler voll in den Charakter einfließen zu lassen. Es gibt kein: Nein du kannst kein Schießpulver mischen, dein Charakter weiß nicht wie dies geht. Sondern die Charaktere wissen mehr als ich.

Das ermöglicht ein tieferes Eintauchen in die Rolle, Dinge die den Charakter verblüffen, verblüffen mich auch.

Das uninteressante:

Der Weltraum ist groß und leer und zwar viel zu groß und zu leer um realistische Motivationen zu bieten für Konflikte. Ich kann dies einschränken und nur an einem Ort spielen (Zukunftserde z.B.) aber auch dort komme ich zu ähnlichen Problemen. Die Art der plausibel erzählbaren Geschichten wird durch die Umgebung stark eingeschränkt. Irgendeinen Superkonzern gibt's da dann halt zumeist, in welcher Form auch immer. Es ist die natürliche Folge der Maximierung der Effizienz.

Noch stärker in der Entwicklung befindliche Gesellschaften können viel unterschiedlicher und abwechslungsreicher sein. Sind kleinteiliger aufgebaut und ermöglichen darüber auch abwechslungsreichere Geschichten.

Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Grey am 11.12.2013 | 12:10
Abseits von Raumschiffen ist doch gute SF vor allem eines: Positiv gestimmt!
Nur, dass der Großteil der SF Dystopien und keine Utopien sind ;)
Schlußfolgerung: Es gibt (derzeit) nicht viel gute SF.

Leider.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 11.12.2013 | 12:13
Aliens muss ich nicht unbedingt drinhaben; da kommt es drauf an wie Far-Future das Setting schon ist. Will sagen, wenn schon ein beträchtlicher Teil der Galaxis erschlossen ist, oder aus plausiblen Gründen ausgerechnet die Heimatwelten der intelligenten Spezies miteinander verknüpft sind (Mass Effect), dann sind Aliens völlig okay.
Aber wenn man als Menschheit gerade mal den ersten Zeh vor die eigene Türschwelle setzt, und dabei sofort über ein Dutzend Alienrassen stolpert, die alle direkt nebenan wohnen _und_ auf einem vergleichbaren Techlevel sind _ohne_ bisher mal auf die Idee gekommen zu sein, uns zu besuchen -- das ist einfach zu unplausibel.

Das ist auch mein Problem mit 2300AD, was ich beim ersten reinschnuppern erstmal toll fand -- das Midfuture-Setting, die Ausgestaltung des Techlevels (inkl FTL), die anhaltende Balkanisierung der Erde; das weckte in mir die Hoffnung, die Arbeit an meinem Redshift-Setting einstellen zu können. Aber die Dutzenden Alienrassen in unmittelbarer Nachbarschaft haben es mir wieder verhagelt. Sehr schade.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Achamanian am 11.12.2013 | 12:28
Schlußfolgerung: Es gibt (derzeit) nicht viel gute SF.

Leider.

OT:
Och, wenn man sich ein bisschen umsieht, findet man schon einige durchdachte und auch gut geschriebene SF-Romane, die hoffnungsvoll oder zumindest ausgewogen in die Zukunft blicken. Jüngere Beispiele:
Kim Stanley Robinson, 2312 (habe ich übersetzt, einer meiner Lieblings-SF-Romane überhaupt)
David Brin, Existenz
Neal Stephenson, Anathem (spielt zwar in einer Parallelwelt, geht aber zum Ende in die große, optimistische Space-Sf hinein)
Dietmar Dath, Pulsarnacht (eher ausgewogen mit pessimistischen Anteilen, aber doch sehr offen-zukunftsgewandt)
... und das sind nur die, die mir aus dem Stehgreif einfallen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 11.12.2013 | 12:30
Stehgreif

Ich hoffe, nach dem Übersetzen ist nochmal ein Lektor drübergegangen. ;)

Aber danke für die Tips, da hab ich doch wieder was für meine Leseliste. ^^
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Achamanian am 11.12.2013 | 12:35
Ich hoffe, nach dem Übersetzen ist nochmal ein Lektor drübergegangen. ;)


He, wieder was gelernt ;) Seine blöden Standardfehler hat wohl so jeder Übersetzer; ich wusste aber noch nicht, dass "Ste(h)greif" bei mir dazugehört.
Ja, der Robinson, den ich übersetzt habe ist so was von lektoriert worden - glücklicherweise von einer Naturwissenschaftlerin!
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Infernal Teddy am 11.12.2013 | 12:43
Abseits von Raumschiffen ist doch gute SF vor allem eines: Positiv gestimmt!
Nur, dass der Großteil der SF Dystopien und keine Utopien sind ;)
Zitat von: The Dcotor
You lot. You spend all your time thinking about dying. Like you're going to get killed by eggs or beef or global warming or asteroids. But you never take the time to imagine the impossible. That maybe you survive.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Pyromancer am 11.12.2013 | 12:57
Ich hoffe, nach dem Übersetzen ist nochmal ein Lektor drübergegangen. ;)
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Achamanian am 11.12.2013 | 13:00
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Genau den meinte ich doch! Wenn du von so einem Stehgreif verschluckt worden wärst, würden dir aus dem Stegreif auch nicht viele Romane einfallen ...
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Ein Dämon auf Abwegen am 11.12.2013 | 15:00
Zitat
5. Mir wurde mal die Frage gestellt, ob das Bespielen von "technischen Problemen in der Raumfahrt" überhaupt Stoff für spannende Geschichten bietet. Meine Antwort: Filme wie Gravity, 2001, Apollo 13 und 18 u.a. haben hervorragend den Beweis geliefert, dass das geht; deshalb habe ich keine Bedenken, dass das auch im Spiel funktionieren mag.
Also ich hätte so meine zweifel ob die im Spiel funktioneren. Bei einer Story im Stil von "2001" würd ich als Spieler schlicht weg pennen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Skeeve am 12.12.2013 | 00:28
Genau den meinte ich doch! Wenn du von so einem Stehgreif verschluckt worden wärst, würden dir aus dem Stegreif auch nicht viele Romane einfallen ...

"Jonas und der Stehgreif"
"in 80 Mägen durch einen Stehgreif" (aber ich glaube soviele Mägen hat ein Stehgreif wohl nicht)

wenn ich noch länger nachdenke, dann würden mir vielleicht noch ein paar Romane einfallen, aber wenn ich länger nachdenke dann kommt wohl kein Stehgreif vorbei...
 ~;D
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Agent_Orange am 12.12.2013 | 00:52
(aber ich glaube soviele Mägen hat ein Stehgreif wohl nicht)

Du hast. So viele nicht. Sondern weit mehr ... !  :headbang:
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: JS am 12.12.2013 | 04:08
Warum SF?
Weil Mass Effect.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Space Pirate Hondo am 12.12.2013 | 08:45
Im normlen Fantasysetting ist doch meistens so, dass der Magier am Anfang von jeden kleinen Windstoß umgebracht werden kann und am Ende ganze Landstriche verbrennen kann. Bei den anderen, in der typische Gruppe, ändert sich über die ganze Abenteuererlaufbahn so gut wie gar nichts. Grade bei einer Space Opera wie Star Wars finde ich besonders interessant, wenn jemand durch technische Gadgets und Waffen auch problemlos mit einem hochtrainierten Machtsensitiven mithalten kann oder mitunter überlegen ist.

Bei Thor 2 fand ich den Konstrast ganz witzig. Asgard = magisch verbesserte Winkingermittelalterwaffen, Dunkelelfen = Raumschiffe und LASER.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 12.12.2013 | 10:09
Warum SF?
Weil Mass Effect.

Von Mass Effect könnte sich in der Tat fast jeder SF-Filmregisseur mal eine schöne Scheibe abschneiden. Die meisten SF-Filme der letzten X Jahre sind ja leider nur bescheuert. -.-
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 12.12.2013 | 10:12
Joa, es gehen so ein wenig die intelligenten oder provokanten Filme ab. Wobei, ich hatte vor kurzem mal Oblivion gesehen, der war von der Grund-Idee gar nicht mal schlecht, nur war das Ende (wie so oft) einfach doof.
Generell ist das aber eine Sache, die ich an SF schätze, da werden oft relevante Themen bearbeitet und ausgelotet, was ja z.B. bei der Fantasy fast komplett fehlt.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 12.12.2013 | 10:18
Durchaus. Das war ja zB bei Elysium an sich durchaus gegeben. Aber die Umsetzung... naja, da hab ich im entsprechenden Film-Thread genug zu geschrieben.
Jdf war Elysium für mich "the last straw" = danach hab ich gesagt, ich gebs auf, ich schau mir keine neuen SF-Filme mehr an.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: ElfenLied am 12.12.2013 | 10:37
Hard Sci-Fi: Macht Spaß solange man es nicht mit autistischen Naturwissenschaftlern spielt. In dem Fall bleibt der "Spiel" Part ziemlich auf der Strecke und man verfängt sich in Diskussionen.

Normales Sci-Fi: Star Wars, Mass Effect und Konsorten gefallen mir sehr, und dementsprechend gerne spiele ich sowas.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Hunter9000 am 12.12.2013 | 10:44
Naja, es gab in den letzten Jahren seit der Jahrtausendwende durchaus eine Handvoll guter SF-Filme (mit sehr unterschiedlichen Grundmotiven):
Inception, Contagion, In Time, Ender's Game, Mission to Mars, Final Fantasy, Equilibrium, Solaris, Die Insel, Children of Men, A Scanner Darkly, I am Legend, District 9, Pandorum, ...

Und diese unterschiedliche Auswahl an Themen die man aus Filmen - vor allem aber aus Büchern - kennt, ist doch auch etwas, was SF Rollenspiel zu interessant macht. Es gibt nichts, was es nicht gibt.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: ElfenLied am 12.12.2013 | 11:03
Naja, es gab in den letzten Jahren seit der Jahrtausendwende durchaus eine Handvoll guter SF-Filme (mit sehr unterschiedlichen Grundmotiven):
Inception, Contagion, In Time, Ender's Game, Mission to Mars, Final Fantasy, Equilibrium, Solaris, Die Insel, Children of Men, A Scanner Darkly, I am Legend, District 9, Pandorum, ...

Also ob die Filme alle gut waren, sei mal dahingestellt. Bei denen, die gut waren, handelt es sich meistens um brauchbare Buchverfilmungen.
Inception - Sehr guter Film
Contagion - Sehe ich ebenfalls nicht als Sci-Fi Film
In Time - Fand ich eher durchschnittlich
Ender's Game - Noch nicht gesehen, daher kein Urteil
Mission to Mars - Noch nicht gesehen, daher kein Urteil
Final Fantasy - Seelenlose Figuren, flache Handlung
Equilibrium - Aufgrund der Actionsequenzen sehenswert, Handlung eher flach
Solaris - Ganz ok
Die Insel - Wie die meisten Michael Bay Filme mehr Stil als Substanz
Children of Men - Guter Film
A Scanner Darkly - Ein Philip K Dick Klassiker. Schon wunderlich, wie brauchbar Keanu Reeves auf einmal wird, wenn er nicht körperlich auf der Leinwand zu sehen ist.
I am Legend - Aufgrund des abgeänderten Endes leider unbrauchbarer Schrott. Außerdem nur bedingt Sci-Fi.
District 9 - Gefiel mir ebenfalls gut.
Pandorum - Noch nicht gesehen, daher kein Urteil

Abgesehen von den drei Filmen auf der Liste, die ich noch nicht gesehen habe, sind davon ganze 4 Filme "gut" oder "sehr gut" aus meiner Sicht. Unter den Filmen befindet sich wiederum nur ein einziger Titel, in dem Raumschiffe vorkommen, und in dem Film dient das Raumschiff eher als Hintergrundfassade.

Gute Sci-Fi Filme sind derzeit leider eine echte Seltenheit, und gute Sci-Fi Weltraumfilme noch viel seltener.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Achamanian am 12.12.2013 | 11:36
@gute SF-Filme:

RANT ANFANG:
In meinen Augen besteht da gegenüber der SF-Literatur (die eigentlich einen kleinen, aber regelmäßigen Ausstoß guter, intelligenter "richtiger" SF-Werke hat) das Problem, dass gerade die Filme, die vor "beeindruckenderen" Settings angesiedelt sind, also mit Raumfahrt, außerirdischen Intelligenzen oder auch nur gewaltigen Maschinen, in den meisten Fällen nur verbrämte Vertreter anderer Genres sind - meistens Fantasy, manchmal auch Western oder Thriller.

Star Wars mit seiner Erwählten-Story ist ja das geläufigste Beispiel für Space Fantasy im Kino; und wenn "Ender's Game" sich halbwegs an die Romanvorlage hält, dürfte das (trotz etwas wissenschaftlicherer Anmutung) inhaltlich ähnlich reaktionärer Erwählten-Schmu sein. Matrix ist die gleiche Soße, diesmal mit Pseudophilosophischem Geschwafel verbrämt.

Filme wie Equilibrium und Die Insel sind reines Action-Thriller-Kino, die SF-Tünche ist hier so dünn und belanglos, dass man sie sich auch hätte sparen können (die Darstellung einer 1984-mäßigen totalitären Gesellschaft als bösem Gegner des Helden ist m.E. als SF-Motiv hier nicht der Rede wert - es handelt sich einfach nur um eine leichte Überspitzung des Grundmotivs vom Misstrauen gegen Autoritäten, das praktisch allen modernen Abenteuergeschichten zu eigen ist; in etwa vergleichbar damit, wenn in Mission: Impossible die Agenten von ihren Chefs in die Pfanne gehauen werden).

Ein Film mit tollen SF-Motiven war "Cloud Atlas", aber auch hier wurde alles wieder süßlich-mystisch verbrämt (was nicht zuletzt die Schuld dieser kryptofaschistischen Wachowskis sein dürfte ...). Eine bittere Enttäuschung.

"Saturn Ascending", der neue Wackowski, hat zwar Raumschiffe, sieht aber einmal mehr nach Erwähltem-Müll aus.

Die im Wortsinne etwas vernünftigeren - also nicht mystisch verbrämten - SF-Filme der letzten Jahre, die mir einfallen, sind Inception, Minority Report, Solaris, Children of Men, Gravity ... alles Filme, die sich entweder auf der Erde der Gegenwart oder in einem Cyberpunk-Millieu abspielen oder den Weltraum nur als Hintergrund für eine Geschichte nutzen, die sich um das Innenleben der Figuren dreht (Solaris und Gravity). Keine SF, die wirklich darum geht, mit Raumschiffen ins All hinauszufliegen und dabei eine glaubwürdige Zukunft ohne magischen oder Übermenschen-Klimbim zu erschaffen.

Seit 2001 hat es in die Richtung leider echt nicht viel gegeben, was als Inspiration taugt. Okay, Europa Report war ein guter Independent-Film in die Richtung. Und das war's dann so ziemlich. Wenn man interessante SF-Motive in den Kopf bekommen will, führt am Lesen kein Weg vorbei.
RANT ENDE
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 12.12.2013 | 11:52
Meine Kritik an typischen SF-Filmen geht in eine ähnliche Richtung. Der Erwählten/Mystikschmu ist mir dabei nichtmal so prägend aufgefallen. Mein Hauptproblem ist, dass jeder Regisseur ohne mit der Wimper zu zucken den Science-Part in den Mixer wirft, um Action-Brei draus zu machen. Hauptsache, alle Nase lang explodiert irgendwas.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Yerho am 12.12.2013 | 12:16
Bad Horse versteht mich. :)

Ihr seid ja alle doof mit eurem Raumschiff-Fetisch. Ich hatte meinen ersten Hard-SF-Kontakt mit der TV-Serie "UFO", und da waren Raumschiffe nur die Dinger, mit denen man maximal zwei von drei UFOs abschießt (Was ziemlich deprimierend für die Insassen gewesen sein muss, bedenkt man ihre lange Reisezeit ...). So richtig cool wurde es dann erst in der Atmosphäre. Mit Flugzeugen und U-Booten. Und mit Panzern. Denkt denn hier niemand an die Panzer? :korvin:

I am Legend - Aufgrund des abgeänderten Endes leider unbrauchbarer Schrott. Außerdem nur bedingt Sci-Fi.

Über die Qualität will ich nicht streiten, aber das war auf jeden Fall lupenreine SF. Es ging Veränderung der Gesellschaft und der Umwelt durch eine mittels Gentechnik herbei geführte Katastrophe und um Evolution, weil in der veränderten Umgebung neue Nischen entstehen, die durch neue Lebensformen besetzt werden; gleichzeitig fehlt jede mystische Komponente.

Ob es nur bedingt "Sci-Fi" war, ist wieder so ein Ding ... Der Bereich der Szene, den man schon in Richtung Hardcore sehen darf, tituliert mit Sci-Fi so ziemlich alles, was gerade so noch in Richtung SF geht und/oder eher action-orientiert und/oder eher fürs Fernsehen konzipiert ist. Kurz, der Begriff beinhaltet bereits eine Abgrenzung zur "ernsthaften" SF, die durch Hard-SF (ernsthaft mit maximiertem wissenschaftlichen Anspruch) noch gesteigert wird. Da muss man natürlich nicht mitgehen, aber zumindest mahnt es zur Vorsicht, bevor man mit Schubladen um sich wirft - eine davon könnte versehentlich eine ganze Kommode sein. ;)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Grey am 12.12.2013 | 12:41
@Rumspielstilziel: Danke für die Lesetipps. :) Die Mars-Saga hat mich zwar damals nachhaltig von Robinson abgeschreckt, aber vielleicht gebe ich ihm ja mit 2312 noch mal 'ne Chance.

Jdf war Elysium für mich "the last straw" = danach hab ich gesagt, ich gebs auf, ich schau mir keine neuen SF-Filme mehr an.
Respekt. Du hast sehr viel länger durchgehalten als ich.

"Elysium" habe ich zwar auch gesehen, aber von vornherein mit der Geisteshaltung: "Heute guck' ich mir ein bißchen Fantasy mit Tech-Dekor an." Das machte es genießbar.

Und um mich in das allgemeine Ranten über aktuelle "SF"-Filme einzureihen: Ich sag' nur "I, Robot" mit Will Smith. Asimov war ein humorvoller und selbstironischer Mensch, aber wenn er hätte sehen können, wie gnadenlos sie sein Werk geschlachtet, verwurstet und jedes einzelne Motiv ins Gegenteil verkehrt haben, nur um daraus 08/15-Actionreißer Nr. Schlagmichtot zu machen, wäre sogar er wahrscheinlich ausgerastet.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: 6 am 12.12.2013 | 12:46
Dann warte ab, was der Emmerich mit dem Foundation-Zyklus macht.  :puke:
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Achamanian am 12.12.2013 | 12:47
@Rumspielstilziel: Danke für die Lesetipps. :) Die Mars-Saga hat mich zwar damals nachhaltig von Robinson abgeschreckt, aber vielleicht gebe ich ihm ja mit 2312 noch mal 'ne Chance.


Wenn du die Mars-Trilogie nicht mochtest, würde ich dir allerdings von 2312 abraten: Da kehrt Robinson zu dem Stil, den Themen und dem sehr ruhigen Erzähltempo dieser Trilogie zurück. Gerade deshalb fand ich das Buch ja so toll ;)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Grey am 12.12.2013 | 12:50
Dann danke für die Warnung. :-\ Mal sehen, vielleicht lese ich's ja trotzdem; aus purer Verzweiflung, weil der SF-Markt derzeit sonst einfach nichts hergibt.

Dann warte ab, was der Emmerich mit dem Foundation-Zyklus macht.  :puke:
Das macht er nicht, oder? Das war ein Scherz?

Bitte ... bitte ... sag' mir, daß das ein Scherz war ...!?

NNEEEIIIIIINNNNN!!!!!!! (http://www.scifimoviepage.com/upcoming/previews/foundation-movie.html) :,,(
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: 6 am 12.12.2013 | 12:59
Noch ist nicht alles verloren. (http://www.blastr.com/2013-9-18/roland-emmerich-wants-do-what-now-asimovs-foundation) Könnte also sein, dass er das als Serie rausbringt... oder komplett die Finger davon lässt.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Agent_Orange am 12.12.2013 | 15:16
Hallo.

Dann warte ab, was der Emmerich mit dem Foundation-Zyklus macht.  :puke:

Da musste ich jetzt echt schlucken ... Dann hoffe ich mal, dass das so nicht kommt.

@Filme-Rant im Allgemeinen:
Ich schaue mir nach wie vor trotz der zum Teil brutalen Enttäuschungen (Elysium, Prometheus) SF Filme an; Ender's Game habe ich bisher außen vorgelassen, da mich der Trailer schon nicht überzeugt hat und mir zudem empfohlen wurde, lieber die Bücher zu lesen.

Gute SF Filme könnte es wirklich zu wenig geben. Allerdings bin ich froh, dass es so wenig sehenswerte gibt - gerade in Bezug auf Weltraumfahrt (Pandorum finde ich nach wie vor richtig Klasse ...). Denn das macht die wenigen Perlen um so sehenswerter. Mich reizt ja gerade auch an SF, dass es anders als Fantasy nicht so "ausgelatscht" ist, es also nicht so sehr von mittlerweile herrschender (Mainstream-)Meinung okkupiert ist, sondern sich vielseitig in alle Richtungen bewegen kann. Und deshalb ist es gut, dass SF sich im Film oder in TV-Produktionen mal mehr, mal weniger sehenswert präsentiert. Meine Erwartungshaltungen schraube ich ganz häufig herunter, um mich überraschen und ggf. verzaubern zu lassen. Als gute SF würde ich zum Beispiel noch diese zwei Filme werten:
"Space Odyssey" - von der BBC produzierte Weltraumreise durch unser Sonnensystem mit einer hypothetischen Raummission - geht in Richtung Europa Report, nur viel optimistischer.
"Moonshot" - der Film, der die Apollo 11 nacherzählt.

Ich frage mich gerade, weil dieser Thread sich doch recht umfangreich in Richtung SF-Filme ausgerichtet hat:

Sind SF Filme ein zusätzliches Motiv für Euch, dass Ihr SF Rollenspiele spielt oder spielen wollt? Oder ist da keine gegenseitige Beeinflussung zwischen Film und Spielkultur?

Ich möchte nicht ausschließen, dass Filme meine "Sehnsucht" nach "gutem"tm SF Rollenspiel anheizt. Allerdings geht meine Begeisterung für die für mich sehr zentrale und bedeutsame Weltraumfahrt nicht so sehr auf Filme und faszinierende Raumschiffe zurück, als mehr auf das, was ich aus Bildbänden meiner Kindheit oder Artikeln aus der populärwissenschaftlichen Presse her kennengelernt habe. Die SF Filme würden die Begeisterung nur "pushen", nicht aber bedingen. Und die Rolle, die Filme dabei spielen, sind noch dazu verschwindend gering - wahrscheinlich, weil es zu wenig und dazu noch zu unterschiedliche filmisch erzählte SF gibt.

AO
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Grey am 12.12.2013 | 15:53
Sind SF Filme ein zusätzliches Motiv für Euch, dass Ihr SF Rollenspiele spielt oder spielen wollt? Oder ist da keine gegenseitige Beeinflussung zwischen Film und Spielkultur?
:loll: Ich bekenne mich schuldig im Sinne der Anklage. Meine SF-Begeisterung wurde erstmals tatsächlich durch die TV-Serie "Mondbasis Alpha 1" getriggert und später durch "Raumschiff Enterprise", "Star Wars" und "Battlestar Galactica" vertieft. In dieser Hinsicht bin ich sehr visuell geprägt.

Es war aber nicht die SF allein, sondern durchaus auch (populär-)wissenschaftliche Dokumentationen, Bücher und Bildbände über Astronomie und Raumfahrt, die mich tiefer ins Genre zogen. Raumfahrt und die Vorstellung, mir ferne Welten aus der Nähe anzusehen, waren für mich immer der Kondensationskeim, um den herum sich alle anderen Motive der erträumten Zukunft anzuordnen hatten. Als Kind besaß ich außerdem einen dicken Bildband "Reise in die Zukunft" (http://www.zvab.com/Welt-1000-Bildern-Band-Reise-Zukunft/191354914/buch) aus einer erzieherischen Reihe von Disney, der für mich das weitere Dekor der zukünftigen Welt definierte.

Eines der größten Probleme, die ich derzeit mit der SF habe, besteht darin, daß die Realität auf einigen entscheidenden Gebieten längst die Träume von damals überholt hat; vor allem auf dem Gebiet IT. Diese Entwicklung bringt ein Gefühl der Vergeblichkeit mit sich: Wovon auch immer ich gerade für die ferne Zukunft träume, spätestens in fünf Jahren werden mir irgendwelche Klugscheißer hämisch ins Gesicht knallen, warum das schon lange veraltet ist. Und es hat zudem die praktische Auswirkung, daß es mir in der SF schwerer und schwerer fällt, überhaupt noch einen Platz für Menschen als Akteure zu finden; Maschinen können doch eh alles besser.

Doch ich schweife ab. Jedenfalls waren es einige der filmischen Perlen der SF, insbesondere der Space Opera, die meine Vorstellungen von diesem Genre entscheidend geprägt haben.

In diesem Sinne, @Agent_Orange: Danke für diesen Thread, der mich wieder daran erinnert. :)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Hunter9000 am 12.12.2013 | 16:15
Zitat
Sind SF Filme ein zusätzliches Motiv für Euch, dass Ihr SF Rollenspiele spielt oder spielen wollt? Oder ist da keine gegenseitige Beeinflussung zwischen Film und Spielkultur?

Auf jeden Fall gibt es da eine gegenseitige Beeinflussung! Gerade wenn ich mal Star Trek oder Star Wars spielen möchte liegt das doch vor allem daran, dass mich sowohl die Charaktere, die Raumschiffe als auch die Darstellung des Universums auf dem Schirm so fasziniert haben. - Interessanterweise könnte ich mir nie vorestellen ein Babylon 5 oder Battlestar Galactica Rollenspiel zu leiten / zu spielen, obwohl beide Serien zu meinen Lieblingen gehören...
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: 6 am 12.12.2013 | 16:34
Sind SF Filme ein zusätzliches Motiv für Euch, dass Ihr SF Rollenspiele spielt oder spielen wollt? Oder ist da keine gegenseitige Beeinflussung zwischen Film und Spielkultur?
Bei mir war es weniger SF-Filme sondern eher SF-Bücher. Ich hatte gerade den Foundationzyklus durch, als ich Traveller gekauft habe. Heutzutage gibt es dann schon eine gewisse Beeinflussung durch Film/TV-Serie und Spielkultur. Allerdings lehne ich eigentlich alle Film-Settings zum Spielen ab. Ich kann mit den typischen Film- und TV-Seriensettings  beim Rollenspiel nicht viel anfangen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: DerEskapist am 12.12.2013 | 23:56
Meine Beobachtung ist, dass SF-Rollenspiele keineswegs so massenhaft gespielt werden wie vor allem Fantasy, aber möglicherweise auch Horror/ Grusel.

Interessanterweise habe ich Spieler in der Gruppe die Fantasy sehr ungern spielen. Nach einer sehr langen Zeit SF hätte ich tatsächlich mal wieder Lust auf Fantasy...  >;D

Rumspielstilziel sagte in diesem Thread dass Fantasy-Klischees (ich sags mal mit meinen Worten) fester ausgetrampelt sind als in SF. Das kann auf Dauer natürlich auch einen stärkeren Abnutzungseffekt haben, d.h. Klischee-Fantasy fühlt sich halt an wie "jeden Tag Smacks zum Frühstück". (Das Zeug konnt ich übrigens noch nie leiden...)

 :btt:
Warum SF?
Man hat gewaltige Möglichkeiten in der Story für Abwechslung zu sorgen:
Die Spieler kommen mit ihrem Raumschiff in ein neues System / einen neuen Planeten / einen anderen Teil der Galaxis etc und dadurch kann man z.B.

Sprich: Weltenbau leichtgemacht.
Story-Bandbreite noch und nöcher:
Die SC in einem politischen Machtspiel um einen Planet zu kontrollieren? Die SC gestrandet in einem bedrohlichen System am Arsch der Milchstrasse und die Energie geht langsam zu Neige? Die SC mit einer halbkaputten Tarnapparatur im Raumschiff ausgerüstet wo sie in einem System mit übermächtigen Gegnern Informationen gewinnen müssen?
Es gibt so viele Möglichkeiten ...
 :gasmaskerly:  :)  :ctlu:  :)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Eulenspiegel am 13.12.2013 | 00:17
Story-Bandbreite noch und nöcher:
Die SC in einem politischen Machtspiel um einen Planet zu kontrollieren? Die SC gestrandet in einem bedrohlichen System am Arsch der Milchstrasse und die Energie geht langsam zu Neige? Die SC mit einer halbkaputten Tarnapparatur im Raumschiff ausgerüstet wo sie in einem System mit übermächtigen Gegnern Informationen gewinnen müssen?
Prinzipiell unterscheiden sich Fantasy und SF Plots in vielen Dingen nicht. Es ist meistens der gleiche Plot nur mit anderem Flair:
- Die SCs in einem Machtspiel um einen Staat/Kontinent zu kontrollieren.
- Die SCs gestrandet auf einer bedrohlichen Insel am Arsch der bekannten Welt und das Trinkwasser geht langsam zur Neige.
- Die SCs sollen Informationen über einen übermächtigen Gegner einholen und haben nur einen mittelmäßigen Tarnzauber bzw. ein defektes Artefakt mit einem Tarnzauber.

Alle Plots des SF lassen sich auch auf Fantasy übertragen und andersrum. Es muss nur der Flair ausgetauscht werden.

bzgl. Eingangspost:
Ich denke, es liegt daran, dass man gerne mal was anderes ausprobieren möchte:
Wer Ewigkeiten Fantasy spielt, erlebt mit SF etwas Abwechslung. (Keine neuen Plots. Aber ein neuer Flair.)
Und wer Ewigkeiten SF spielt, erlebt mit Fantasy etwas Abwechslung.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Waldviech am 13.12.2013 | 00:24
Zitat
Alle Plots des SF lassen sich auch auf Fantasy übertragen und andersrum.
Das gilt aber, wenn man die Grundmuster genügend aufs Grundlegende herunterbricht, für jegliches Genre. IMHO zeigt das allerdings, dass Flair und Details manchmal wichtiger sein können als das grobe Plot-Grundmuster.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Eulenspiegel am 13.12.2013 | 00:28
Da stimme ich dir sogar vollkommen zu.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Gorilla am 13.12.2013 | 02:17
Ich habe jetzt länger über die Ausgangsfrage nachgedacht und bin für mich zu folgendem Ergebnis gekommen:
Mir erscheinen die agierenden Charaktere im SciFi i.d.R. glaubwürdiger, bzw. es fällt mir (als modernem Menschen) leichter, mich in die SC und NSC hinein zu versetzen.
Dabei bespiele ich meist auch lieber Near Future / Cyberpunk als geekiges Hard SciFi Traveller-likes Zeug.
Das Thema Transhumanismus und alles was dahin führen kann ist für mich ziemlich faszinierend.
Bzgl. der Technik glaube ich nicht an Hard SciFi und halte es eher mit Dan Simmons: mit ausreichend Technobabel klingt alles irgendwie "wissenschaftlich" und kann damit alles hinnehmen, was mir ein Setting als plausible Erklärung für FTL und dergleichen liefert.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: DerEskapist am 13.12.2013 | 02:55
Prinzipiell unterscheiden sich Fantasy und SF Plots in vielen Dingen nicht. Es ist meistens der gleiche Plot nur mit anderem Flair:
- Die SCs in einem Machtspiel um einen Staat/Kontinent zu kontrollieren.
- Die SCs gestrandet auf einer bedrohlichen Insel am Arsch der bekannten Welt und das Trinkwasser geht langsam zur Neige.
- Die SCs sollen Informationen über einen übermächtigen Gegner einholen und haben nur einen mittelmäßigen Tarnzauber bzw. ein defektes Artefakt mit einem Tarnzauber.

Alle Plots des SF lassen sich auch auf Fantasy übertragen und andersrum. Es muss nur der Flair ausgetauscht werden.

Schön gesagt. Ist auch was Wahres dran.
Aber: Ich denke, dass durch die erhöhte Mobilität es in SF weitaus glaubwürdiger ist die Welten physisch und damit auch die Welten erzählerisch zu wechseln.
Gut, jetzt könnte man sagen, mit Fantasy geht das dann mit mächtigen 10000 km weit reichenden Teleportationszaubern oder gar Dimensionsportale mit der ich eine andere Welt betrete. Aber das ist nicht die Art Flair die mir in einem Fantasy-Setting gefallen würde. Dieser komplette Wechsel in eine neue Welt hinein erscheint mir in SF viel naheliegender und glaubwürdiger.
(Aber das ist wohl - wie so vieles - eine Geschmacksfrage ...  8) )
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: DerEskapist am 13.12.2013 | 03:02
Ich habe jetzt länger über die Ausgangsfrage nachgedacht und bin für mich zu folgendem Ergebnis gekommen:
Mir erscheinen die agierenden Charaktere im SciFi i.d.R. glaubwürdiger, bzw. es fällt mir (als modernem Menschen) leichter, mich in die SC und NSC hinein zu versetzen.
Dabei bespiele ich meist auch lieber Near Future / Cyberpunk als geekiges Hard SciFi Traveller-likes Zeug.
Das Thema Transhumanismus und alles was dahin führen kann ist für mich ziemlich faszinierend.
Bzgl. der Technik glaube ich nicht an Hard SciFi und halte es eher mit Dan Simmons: mit ausreichend Technobabel klingt alles irgendwie "wissenschaftlich" und kann damit alles hinnehmen, was mir ein Setting als plausible Erklärung für FTL und dergleichen liefert.

Das kommt wohl darauf an, welche Definition von Hard SF man verwendet. So wie du schreibst kann man auch Near Future und Cyberpunk mit Hard SF bauen.

Wikipedia fokusiert sich hier einfach auf wissenschaftliche Genauigkeit:
http://en.wikipedia.org/wiki/Hard_science_fiction (http://en.wikipedia.org/wiki/Hard_science_fiction)

Sobald irgendwelche Fantasy-Anleihen drin sind ist es wohl keine Hard SF mehr. Die Magie in Shadow Run. Star Wars Space Operas bei denen man mit dem Gefühl der Macht mit dem Laserschwert Schüsse ablenken kann. All das ist definitiv kein Hard SF.

Aber Cyberpunk der zwar Dystopisch aber auch realistisch rüber kommt könnte immer noch Hard SF sein.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Gorilla am 13.12.2013 | 03:18
Damit wären wir schon bei einem Punkt: physischer Wechsel zwischen Welten. Die meisten Physiker würden dir da jetzt erst einmal widersprechen, was die Glaubwürdigkeit von interstellaren Reisen angeht ;)

Bzgl. der "Hard SciFi" halte ich es da mit dem 3. Clarkeschen Gesetz: „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“
Ob sich der Autor eines Settings nun Technobabels bedient, um so etwas wie "Beamen" (aka Teleportation) zu erklären oder einfach "Gesetze" für die Magie in seinem Setting aufstellt, spielt für mich als Leser keine relevante Rolle, abgesehen davon, dass die eine Art von Magie sich hinter diesem Technobabel verbirgt.
Was zu Mary Shelleys Zeiten vielleicht noch Elektrizität war, ist für uns heute Quanten-Blabla (was ja tatsächlich schon als Erklärungsmodell für tatsächlich angewandte "Wissenschaft" z.B. in der Psychotherapie herhalten muss). Und wahrscheinlich ist für keinen Menschen wirklich absehbar, was daraus erwachsen kann, wenn wir so elementar auf unsere Umwelt Einfluss nehmen können, dass diese Naturkräfte nutzbar werden.

Grundsätzlich kann ich sowohl in Fantasy als auch ganz allgemein in jeder Phantastik und in SciFi mit SoD dienen. Nur meist erscheinen mit die Charaktere in den SciFi-Settings glaubwürdiger.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Grey am 13.12.2013 | 06:41
Bzgl. der Technik glaube ich nicht an Hard SciFi
Inwiefern "glaubst" du nicht daran?
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Kearin am 13.12.2013 | 06:50
Für mich ist SciFi nur eine andere Farbe. Inhaltlich und thematisch tut sich da nicht viel, außer viel heißer Luft. Gerade heute wo Fantasy wieder etwas offener ist, hat man in beiden Genres dieselben Möglichkeiten.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Achamanian am 13.12.2013 | 08:07
Bzgl. der Technik glaube ich nicht an Hard SciFi und halte es eher mit Dan Simmons: mit ausreichend Technobabel klingt alles irgendwie "wissenschaftlich" und kann damit alles hinnehmen, was mir ein Setting als plausible Erklärung für FTL und dergleichen liefert.

Das kann ich sogar irgendwie nachvollziehen - in vielen Fällen ist der Unterschied zwischen Hard SF und Fantasy, wenn man nach der Glaubwürdigkeit der dargestellten physikalischen Welt anhand unseres heutigen Wissensstands geht, zu vernachlässigen.

Der Unterschied ist meiner Meinung nach in der Regel eher einer der Poetik: Hard SF erzählt innerhalb unseres aufgeklärten Paradigmas vom Wunderbaren, geht also in der Regel davon aus, dass unerklärliche Phänomene nicht einfach aus Gründen von Schicksal, Bestimmung oder übernatürlicher Gewalt "da sind", sondern dass sie mit den Mitteln der Wissenschaft erklärbar sind und vor allem dass ihre Erklärung ein ebenso komplexes wie interessantes Unterfangen ist. Es gibt ja auch bewusst kontrafaktische SF, die beispielsweise in Universen mit anderen Naturgesetzen spielt und die Implikationen dieser anderen Naturgesetze durchspielt (zum Beispiel die großartige Kurzgeschichte "Ausatmen" von Ted Chiang in dem Band "Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes"). Von der Poetik her handelt es sich bei solchen Geschichten ganz eindeutig um Hard SF, oft sogar um die "härteste" Form der Hard SF, weil es hier ganz unmittelbar um wissenschaftliche Erklärbarkeit geht, obwohl die in solchen Geschichten dargestellten Welten den uns bekannten Naturgesetzen grundlegend widersprechen.

Worauf ich hinaus will: Hard SF definiert sich m.E. weniger darüber, ob die in ihr erzählten Ereignisse nach unserem Stand der Naturgesetze möglich sind, sondern ob auf die dargestellte Welt wissenschaftlich zugegriffen wird. Ist das der Fall, kann ein solcher Text sich auch ins höchst Spekulative oder Kontrafaktische Bewegen, ohne sich dabei der Fantasy anzunähern.

Grenzfälle sind wohl Geschichten, in denen Magie existiert, sie aber in einem pseudowissenschaftlichen Paradigma beschrieben wird. Wenn dazu dann noch SF-typische Motive bei der Handlung kommen (gesellschaftliche Konflikte, Lösung eines wissenschaftlichen oder magischen Rätsels), dann kann man vielleicht nicht von Hard SF reden, aber mindestens von Fantasy, die einer SF-Poetik folgt (da fielen mir Beispielsweise die Bas-Lag-Romane von China Mieville ein).

Andere Grenzfälle sind Sachen wie Star Trek, wo bewusst kontrafaktische oder höchst unglaubwürdige Physik (beamen, zahlreiche Humanoide Alienspezies) zu Storyzwecken eingesetzt und das Paradigma der Wissenschaftlichkeit meistens eher durch inhaltslosen Technobabbel als durch einen bewussten Versuch, kontrafaktische Elemente spekulativ zu erforschen, aufrechterhalten wird. So sehr ich Star Trek mag, hat mich das doch immer ein bisschen gestört ...

Es ist gar nicht so leicht zu sagen, was dagegen das Fantasy-Paradigma ist, jedoch mit Sicherheit ein anderes. Ich habe allerdings das Gefühl, Fantasy- und SF-Poetik ziemlich unabhängig vom konkreten Inhalt eines Storyuniversums unterscheiden zu können und dabei Fantasy mit Raumschiffen ebenso vorfinde wie SF mit Arten von "Magie".


Dazu noch am Rande, wobei ich nicht weiß, ob und in welchem Zusammenhang das mit dem zuvor geschriebenen steht: Beim Marvel-Filmuniversum fällt es mir komischerweise leichter, die Thor-Filme als SF zu akzeptieren als die Iron-Man-Filme. Bei Thor greift bei mir tatsächlich das Clarke'sche Gesetz - ich kann mir vorstellen, dass die "magischen" Aspekte sozusagen nur Repräsentation einer Technik und Kultur sind, die sich radikal von der unseren unterscheidet. Die SF-Einsprenksel reichen für mich gerade, damit ich diese andere Welt in Gedanken in ein wissenschaftliches Paradigma einordne.
Die Iron-Man-Filme ordne ich dagegen in unserer Welt ein, muss dann aber feststellen, dass praktisch die gesamte dargestellte Technik absolut unplausibel ist. Allein schon der Grundgedanke des genialen Wissenschaftlers, der Maschinen baut, die offenbar nur von anderen genialen Wissenschaftlern kopiert werden können, ist für mich so hahnebüchen, dass sich der ganze Rest schon fast erledigt hat. Der wissenschaftliche Anstrich von Iron Man stört mich da irgendwie mehr als die Entscheidung bei Thor, Wissenschaft, wie wir sie kennen, ganz aus dem Fenster zu werfen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Hunter9000 am 13.12.2013 | 08:54
Zitat
Andere Grenzfälle sind Sachen wie Star Trek, wo bewusst kontrafaktische oder höchst unglaubwürdige Physik (beamen, zahlreiche Humanoide Alienspezies) zu Storyzwecken eingesetzt und das Paradigma der Wissenschaftlichkeit meistens eher durch inhaltslosen Technobabbel als durch einen bewussten Versuch, kontrafaktische Elemente spekulativ zu erforschen, aufrechterhalten wird.

Dabei solltest du aber bedenken, dass die Tatsache, warum es so viele humanoide Spezies auf etwa dem gleichen Level gibt, innerhalb des Universums durchaus geklärt ist. Ebenso wird das beamen geklärt (welches ja nur eingeführt wurde, weil die Effekte für Shuttle-flüge oder gar das Landen der Enterprise in der Originalserie zu teuer gewesen wären): Man hat ja den Heisenberg-Kompensator erfunden.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Davon abgesehen ist Star Trek natürlich von Technobabble geprägt wie kaum eine andere SF-Geschichte (in egal welchem Medium).
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Achamanian am 13.12.2013 | 09:03
Dabei solltest du aber bedenken, dass die Tatsache, warum es so viele humanoide Spezies auf etwa dem gleichen Level gibt, innerhalb des Universums durchaus geklärt ist. Ebenso wird das beamen geklärt (welches ja nur eingeführt wurde, weil die Effekte für Shuttle-flüge oder gar das Landen der Enterprise in der Originalserie zu teuer gewesen wären): Man hat ja den Heisenberg-Kompensator erfunden.

Stimmt, und genau darauf will ich ja hinaus, wenn ich sage, dass Star Trek trotz dieser Elemente ganz eindeutig einer SF-Poetik folgt, die sich sogar am Rande der Hard SF bewegt: Das Beamen wird eben nicht als magische Kraft dargestellt, sondern als ein technishes Problem, das mit technischen Mitteln bewältigt wurde, die im Prinzip verstehbar sind und auf Grundlage der uns bekannten Naturgesetze funktionieren. Die Heisenbergsche Unschärferelation ist ein nach unserem Wissenschaftsstand tatsächlich existierendes Phänomen, also bezieht man sich bei der Pseudo-Erklärung auch auf die.
Dass die Erklärung keine ist und das Beamen nach unserem heutigen wissenschaftlichen Verständnis nicht möglich ist (oder man zumindest die Energie mehrerer Sonnen dafür benötigen würde), spielt für die Zuordnung zur SF nur eine untergeordnete Rolle.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 13.12.2013 | 09:07
Seht ihr mal, bei mir ist es genau umgekehrt: ich glaube nicht an Technobabble. Will heissen, einfach nur Fantasy mit futuristischem Anstrich und kompliziert klingenden Worthülsen ist für mich keine SF.

Und Clarke III kann ich langsam echt nicht mehr hören. Das gilt vielleicht für extreme Far - Future, ist aber auf die "plausible Midfuture", die SF für mich interessant macht, nicht anwendbar.

Unter anderem verlange ich, dass so wenig Magitech wie möglich zum Einsatz kommt. Wie gesagt, bei FTL führt da kaum ein Weg drum rum, aber so ziemlich alle anderen Bereiche können und sollen sich an die Naturgesetze halten und nachvollziehbar sein. Und die Zahlen haben gefälligst zusammenzupassen, verdammt nochmal!
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Achamanian am 13.12.2013 | 09:12

Und Clarke III kann ich langsam echt nicht mehr hören. Das gilt vielleicht für extreme Far - Future, ist aber auf die "plausible Midfuture", die SF für mich interessant macht, nicht anwendbar.


Den bin ich zugegebenermaßen ob der schlichten Überstrapaziertheit auch etwas leid ... vor allem, weil diese Worte gefühlt jedem dritten Roman oder Rollenspielregelwerk vorangestellt werden, als handele es sich um einen total abgedrehten Gedanken, von dem garantiert noch nie jemand was gehört hat! Dabei ist das so ziemlich das einzige Zitat eines SF-Autors, das auch nicht-SF-Leser mit hoher Wahrscheinlichkeit zumindest dem Sinngehalt nach kennen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Achamanian am 13.12.2013 | 09:14
Seht ihr mal, bei mir ist es genau umgekehrt: ich glaube nicht an Technobabble. Will heissen, einfach nur Fantasy mit futuristischem Anstrich und kompliziert klingenden Worthülsen ist für mich keine SF.

Nur so aus Interesse: Wie hältst du es denn mit kontrafaktischer SF? Also entweder Alternativweltromanen oder Geschichten, die in Universen mit anderen Naturgesetzen spielen, aber einen wissenschaftlichen Zugriff auf diese Naturgesetze haben?
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Funktionalist am 13.12.2013 | 09:14
SF erfordert mehr Arbeit, da von Eclipsephase, Startrek, Star Wars über Solaris bis Mondbasis Alpha jeder Technikstand vorstellbar ist und selbst dann noch nichts über das Setting gesagt ist.
Die Themen sind sehr frei zu wählen und das Schöne ist: "Erwachsene" SF beshcäftigt sich mit dem Menschen. Die Technik ist Umfeld oder Reiz, aber das Drama ist der Mensch und der kontrast zum heutigen Selbstverständnis. (Beispiel: Bladerunner und die Frage, was menschlich sei)

Fantasystoff ist in der Regel eine Parabel auf heutige Zustände/Klischees der Gesellschaft oder bekannte Muster und damit viel leichter greifbar und zeitloser. Immerhin hat man ein paar tausend Jahre mehr Quellenmaterial zur Inspiration, der allen offensteht.

SF ist schwieriger, da man viel mehr arbeiten muss, um die gleiche Welt zu sehen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 13.12.2013 | 09:22
@Rumpel : "überstrapaziert", genau, danke.

Nur so aus Interesse: Wie hältst du es denn mit kontrafaktischer SF? Also entweder Alternativweltromanen oder Geschichten, die in Universen mit anderen Naturgesetzen spielen, aber einen wissenschaftlichen Zugriff auf diese Naturgesetze haben?

Schwer zu sagen. Habe damit außerhalb der Fantasy noch keinen großen Kontakt gehabt. Ich fürchte aber, bei "anderen Naturgesetzen" würde sich bei mir wieder das Gefühl von Fantasy einstellen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Skele-Surtur am 13.12.2013 | 09:33
Fantasystoff ist in der Regel eine Parabel auf heutige Zustände/Klischees der Gesellschaft oder bekannte Muster und damit viel leichter greifbar und zeitloser. Immerhin hat man ein paar tausend Jahre mehr Quellenmaterial zur Inspiration, der allen offensteht.
Ich sehe in den meisten SF-Storys auch Parabeln auf aktuelle Zustände. Entweder in Überzeichnung oder in Kontrast. Der Unterschied zum Fantasy erschließt sich mir in diesem Punkt nicht.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Achamanian am 13.12.2013 | 09:42
Ich sehe in den meisten SF-Storys auch Parabeln auf aktuelle Zustände. Entweder in Überzeichnung oder in Kontrast. Der Unterschied zum Fantasy erschließt sich mir in diesem Punkt nicht.

Ich finde sogar, dass Fantasy eigentlich nur sehr selten diesen Parabel-Charakter hat. Eher noch kommen in der Fantasy grundsätzliche moralisch-ethische Überzeugungen zum Ausdruck (wenn man den Herrn der Ringe als Beispiel nimmt: Naturzerstörung ist schlecht, Bescheidenheit ist besser als Machtwille), die in eine ewige, ahistorische Vergangenheits-Gegenwart projiziert werden (in der Fantasy gibt es zwar Zeitalter, aber in der Regel keinen technischen oder gesellschaftlichen Fortschritt, nur die Störung einer alten Ordnung, die wiederhergestellt werden muss). Die Parabel ist doch eher das klassische Sujekt von Anti-Utopien wie 1984, Fahrenheit 451 oder eben Blade Runner.
Das ist jetzt natürlich sehr holzschnittartig ...
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: 6 am 13.12.2013 | 09:50
Vielleicht hat ja jemand "Lobgesang auf Leibowitz" von Walter M. Miller, Jr. gelesen. Ich glaube an dem Roman kann man ziemlich gut den Unterschied zwischen Hard SF und Fantasy sehen. Das ist ein Roman, der nach dem 3. Weltkrieg spielt, nachdem die Menschheit technologisch ins Mittelalter gebombt wurde. Der Glaube an einen Gott (und das böse Monster "Fallout") ist wieder integraler Bestandteil des Lebens und alles unerklärliche wird mit Wundern erklärt. Also ziemlich nahe an einer Fantasystory. Episch ist die Geschichte auch noch, weil sie sich über mehrere Jahrhunderte streckt. Das Buch ist aber Hard SF weil es sehr präzise auf eine damals aktuellen Entwicklung bezieht (Technologie, die in den Untergang durch die Atombombe führen kann) und darüber eine Aussage trifft (Technologie wird immer wieder in den Untergang führen).
Wenn Du die Geschichte in ein fantastisches Setting stecken würdest, würde die Aussage des Romans komplett verloren gehen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Arkam am 13.12.2013 | 09:54
Hallo zusammen,

weil sie sich mit Themen beschäftigt die mich mehr interessieren als im Grunde dem Kampf zwischen zwei Seiten. Denn daraus lassen sich aus meiner Sicht viele Fantasy Plots zusammen fassen.
Weil ich die Helden meiner Kindheit und die Vorbilder meiner Jugendzeit spielen kann. Ja ich wollte weder Feuerwehr Mann noch Rennfahrer werden ich wollte Wissenschaftler werden. Ich wollte Dinge erkunden, Lösungen anbieten die über "Schmeißt eine Bombe drauf!" hinaus gingen und ich wollte etwas Erschaffen.
Weil es gerade im Bereich Near SF bis Cyberpunk eine Menge inspirierender Comics, Romane und wenn man den Rahmen etwas weiter spannt auch Filme gibt.
Weil diese Medien und auch einige reale Berichte zeigen das unsere Erde eben nicht zu klein ist sondern immer noch interessante Orte bietet.
Weil mich interessiert wie sich unsere Gesellschaft wohl verändern wird und wie man diese Entwicklung beeinflussen kann.

Der Hard SF stehe ich mit geteilten Gefühlen gegenüber. Auf der einen Seite hätte ich natürlich schon gerne das die Zahlen stimmen aber ich habe keine Lust sie im Spiel berechnen zu müssen. Selbst Traveller, das ja nun nicht unbedingt Hard SF ist, kann schon dafür sorgen das man viel berechnen oder auswürfeln muss. Da gehört die Simulation, nicht im Rollenspiel Sinne sondern im Sinne einer wissenschaftlichen Simulation, mit ins Spiel. Da würde ich mir als Hilfsmittel ein Computer Programm wünschen das mir fertige Ergebnisse ausspuckt oder auch fixe Vorgaben in ein Zahlenwerk fasst. Also etwas weniger Baukasten sondern mehr Spielwiese.

Gruß Jochen
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: ElfenLied am 13.12.2013 | 09:57
Vielleicht hat ja jemand "Lobgesang auf Leibowitz" von Walter M. Miller, Jr. gelesen.

Hört sich interessant an, danke für den Tipp!  :d
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Agent_Orange am 13.12.2013 | 13:14
Hallo.

Den "Lobgesang ..." kenne ich noch nicht, werde ich mir aber gerne zulegen. Ist die Übersetzung gelungen, oder sollte man sich auf das englische Original stürzen?

@Fantasy und SF als Parabel: Das ist für mich ganz schön schwierig zu beantworten, da ich keinen "literarischen" Hintergrund habe; weder habe ich das ausreichend studiert, noch lese ich genug in diesen Bereichen, um auch nur ansatzweise die Diskussion diesbezüglich begleiten zu können. Deshalb besinne ich mich im Weiteren hierzu lediglich auf meine Beobachtungen - ich bitte im voraus schon mal um Nachsicht für die grobe, kantige Betrachtungsweise:

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(Ok. Ich will hier nicht in einen Rant hineinlaufen ...  >;D)

Unterm Strich bleibt, dass ich bisher - wenn ich nicht selbst Spielleiter war und ich gegelentliche Beschreibungen mit nur seltenen Reaktionen der Spieler anbot - in keinem Rollenspiel wirklich "ernsthaft" oder wenigstens "überschaubar einprägsam" mit gesellschaftlichen oder politischen Themen in Anlehnung an Ereignisse der Realität oder als Ausdruck theoretischer Gedankenspiele konfrontiert worden bin. Deshalb finde ich aber um so interessanter und spannender, wenn hier einige von Euch beschreiben, dass es auch solche Dinge sind, weswegen Ihr SF Rollenspiele spielt oder spielen würdet, weil das zumindest möglich ist. Diese Erfahrung möchte ich auch gerne mal machen - zum Beispiel in der Weise, dass selbst kleine Entscheidungen meiner Charaktere sich in bedeutsamer Weise für die Entwicklung einer Gesellschaft auswirken können - Stichwort: Gewissensentscheidungen ...

AO
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: 6 am 13.12.2013 | 13:34
Den "Lobgesang ..." kenne ich noch nicht, werde ich mir aber gerne zulegen. Ist die Übersetzung gelungen, oder sollte man sich auf das englische Original stürzen?
Das kann ich Dir nur sehr schlecht beantworten weil es sicherlich 20 Jahre her ist, als ich ihn auf Deutsch gelesen habe. Ich denke aber Du solltest ihn auf englisch lesen. So dick ist das Buch ja nicht (400 Seiten oder so auf Deutsch).
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Grey am 13.12.2013 | 13:39
Da würde ich mir als Hilfsmittel ein Computer Programm wünschen das mir fertige Ergebnisse ausspuckt oder auch fixe Vorgaben in ein Zahlenwerk fasst.
Zumindest in Bezug auf relativistische Raumschiffantriebe kann ich hier sagen: Ich arbeite dran. ;D

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
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Dem allgemeinen Kanon, Fantasy bzw. SF entscheide im Grunde nur übers Dekor kann ich mich nicht anschließen. Was die Plots betrifft, OK; für Abenteuer gibt es nur eine begrenzte Anzahl Plotgerüste, die in variierter Form in allen möglichen Settings vorkommen. Aber für meine Identifikation mit dem Charakter und seiner Verankerung im Setting sind solche Dinge wie das Gesellschaftsmodell und "bekannte Möglichkeiten der Technik bzw. Magie" fundamental. Einen mittelalterlichen Stadtwächter spiele ich vom ganzen Selbstverständnis her völlig anders als einen futuristischen Cop. Daraus aber ergeben sich je nach Setting in "demselben" Plot unterschiedliche Handlungsmaximen und Handlungsweisen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 13.12.2013 | 13:40
AO:
Vor allem "20 Minutes Into The Future" Settings sind oft als Extrapolation aktueller "Trends" aufgezogen. In den 80ern war das z.B. (unter anderem) Saurer Regen und Waldsterben --> in Shadowrun ist die Umwelt weitgehend zerstört (und muss durch Magie restituiert werden), man kann bei Regen nur mit Chemsuit rausgehen usw. Auch die Kontrolle der Gesellschaft durch die Konzerne ist auf diesem Mist gewachsen. Heutzutage gehen die Ängste eher in Richtung allumfassende Kontrolle und Überwachungsstaat -- und das schlägt sich dann auch in aktuellen Settings nieder. Vergleiche auch 1984 oder Kallocain, die jeweils direkt auf dem Mist der totalitären Staaten der 30er-40er Jahre gewachsen sind. (Kallocain wurde iirc 1941 oder so geschrieben.)

Manche Settings wirken da z.T. geradezu karikierend, da der gesamte Fokus dann oft auf einen einzelnen Aspekt gelegt wird. Z.B. der Film "Repo Men" - da wird die Welt dargestellt, als ob jeder Zweite ein Ersatzorgan bräuchte, was ja doch ziemlich an den Haaren herbeigezogen ist. Oder bei Equilibrium, wo sich alles nur um diese Emotionskillerdroge dreht. Solche extrem überzeichneten Settings eignen sich dann imho auch nicht für Rollenspiele; solche Themen sind eben in ca 2 Stunden abgefrühstückt und danach ausgelutscht.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Agent_Orange am 13.12.2013 | 14:01
Hallo.

Ja, OK. Die Öko-Fragen, die Überwachungsthemen sowie die Netzwerk-Theorien über Machtverhältnisse der staatlichen und wirtschaftlichen global Players habe ich in meinen Überlegungen oben nicht berücksichtigt. Das relativiert meine erspielten SF Erfahrungen aber nur geringfügig; denn diese Dinge mögen zwar prägend für das jeweilige Setting oder den Hintergrund einer Geschichte gewesen sein; auf die Spielentscheidungen (Haha, heute zeigen wir es ARES aber, indem wir durch die Weitergabe dieser Daten an den Konkurrenten Aztechnologies denen die Möglichkeit geben, einen Skandal zu veröffentlichen, durch den ARES, Mitsuhuma und Samsung Inc. in kartellrechtliche Probleme geraten; dann werden auch endlich die sklavenartigen Arbeitsstrukturen im Lower Eastend beendet ...) haben sich diese Dinge selten ausgewirkt. Mag sein, dass das aber nicht so sehr das "Problem" des SF, als mehr das Resultat der fehlender Erspielung durch Spielleiter und Spieler war.
Wie gesagt: Ich würde gerne mal so eine Spielerfahrung erleben und auch sehen, dass der Erfolg einer "Mission", eines "Auftrags" oder eines SF-Abenteuers im allgemeinen nicht bloß ist, endlich eine spezielle Ausrüstung oder Credits oder einen besonderen Kontakt zu erhalten, als mehr, dass man "etwas größeres" bewegen kann. Ich könnte mir vorstellen, dass so etwas ein gutes Gefühl im Spiel vermitteln kann. Wie so etwas funktionieren kann - keine Ahnung ...

AO
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 13.12.2013 | 14:07
Ein verdammt cooles SF Abenteuer zu gestalten gehört wohl zu dem schwersten, was es so gibt.
Auf einer... hm.. sagen wir mal Basis-Ebene hatte ich mit Beltstrike bei Traveller viel Erfolg, gerade weil ich den "Alien" und "Artefakt" faktor in diesem AB hochgeschraubt habe.
Das einzig andere mal war mit Mitspielern aus meiner damaligen EVE Corp, also wir versucht haben gemeinsam etwas im Stil von Inception hin zu bekommen, dafür mussten wir aber die traditionallen Strukturen wie etwa Gruppe und SL aufgeben um an die "Sache" zu kommen. Das war anstrengend, hat aber auch mehr als alles andere richtig Spaß gemacht.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Yerho am 13.12.2013 | 14:35
Wenn man SF von anderen Genres abgrenzen wollte, müsste man sich natürlich auf die Motive und Elemente stürzen, die nur dort vertreten sind. Das führt aber schnell dazu (Und es gibt Hardcore-SF'ler, die das machen ...) Genrevertreter auszuschließen, die dem Konsens nach sehr wohl SF sind.

Ich halte davon wenig, weil es manchmal einfach nicht klar ist, wann das ganze auf Mystik fußt und wann einfach ein vereinfachtes, scheinbar mystisches Prinzip als Platzhalter für etwas stehen, was wir uns zwar als faktisch möglich vorstellen können, wofür aber unser Kenntnisstand noch keine Worte hat. Anders herum darf man schon so mutig sein und behaupten, das Laser und Raumschiffe noch nicht zwingend SF ausmachen. Nicht zuletzt sind auch die Oldies der SF, die inzwischen sowohl von den realen Entwicklungen als auch von der Chronologie eingeholt wurden, trotzdem immer noch SF - wenn heute wieder verstärkt der Staat der Böse ist, während es zwischenzeitlich eher die Wirtschaft war, kann man sich an ähnliche Wellen auch schon zu früherer Zeit erinnern, denn schließlich wird immer aus den Tendenzen der Entstehungszeit heraus extrapoliert. Auch Jule Vernes technische Spekulationen hatten durchaus Hand und Fuß, manches hat sich bewahrheitet oder wurde sogar übertroffen, anderes ist bis heute nicht möglich oder wird sogar - nach aktuellem Kenntnisstand - niemals so möglich sein.

Grundsätzlich nicht verkehrt ist John Clutes Begriffsbestimmung aus der Enzyklopädie der SF:
Zitat
Jede Erzählung, die die Lage einer noch nicht existenten Welt erörtert, ist Science [bzw. Speculative] Fiction. [...] Eine "Welt" ist eine Welt: SF spielt in Welten, nicht an Schauplätzen. Es mag vielleicht für Charles Dickens' Oliver Twist eine große Veränderung sein, sein wahres Heim zu finden, aber seine Entdeckung verändert nicht die Natur der die Welt regierenden Gesetze. Wäre Oliver Twist jedoch ein Außerirdischer [...], könnte dies, fände er sein Heimatschiff, die ganze Welt verändern, denn dann wüssten wir, dass unsere Welt nicht allein ist. Dieses Wissen würde ebenso die Zukunft für uns alle verändern. [...]
SF-Autoren führen uns veränderte Welten mit Begriffen vor, die mit der Sprache und den Annahmen und Argumenten gegenwärtiger Wissenschaft oder mit Begriffen vereinbar  sind, die unserem grundlegenden Gefühl entsprechen, dass die Geschichte der Menschheit ununterbrochene Realität ist und Veränderungen dem entströmen, was wir als Realität kennen.

Damit weiß man immerhin schon mal, was man formal beachten sollte. Wie man es nun - sei es nun als Roman, Spiel oder Film - inhaltlich und stilistisch konkret umsetzt,  und ob man damit den Nerv der Zeit oder wenigstens der Spieler trifft, steht auf einem anderen Blatt.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Eulenspiegel am 13.12.2013 | 18:14
Vielleicht hat ja jemand "Lobgesang auf Leibowitz" von Walter M. Miller, Jr. gelesen. Ich glaube an dem Roman kann man ziemlich gut den Unterschied zwischen Hard SF und Fantasy sehen.
Nach deiner Beschreibung klingt es eher nach Endzeit bzw. Social SF als nach Hard SF.
Bei Hard SF steht die Technik im Mittelpunkt. Bei deiner Beschreibung des Romans stehen aber eher die Auswirkungen eines Atomkrieges im Vordergrund. (Bzw. der Atomkrieg ist sogar nur ein MacGuffin (http://de.wikipedia.org/wiki/MacGuffin) und es geht um Menschen, die die Kenntniss über die Technologie verloren haben.)

Generell finde ich aber Settings, in denen Technik zum Einsatz kommt, die der einfachen Bevölkerung aber wegen ihrer Unwissenheit wie Magie vorkommt, sehr faszinierend. Im Rollenspielbereich gibt es ja die folgenden Settings dazu:
- Engel - Arkana
- Lesser Shades of Evil

Hier finde ich es auch sehr interessant, wenn man das ganze als stinknormales Fantasy-Setting aufzieht, mehrere Abenteuer auch klassische Fantasy-ABs spielt und die Spieler dann erst im Laufe der Kampagne einen Brainfuck-Moment erhalten und erkennen, dass es sich um SF handelt.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: 6 am 14.12.2013 | 06:02
Nach deiner Beschreibung klingt es eher nach Endzeit bzw. Social SF als nach Hard SF.
Bei Hard SF steht die Technik im Mittelpunkt. Bei deiner Beschreibung des Romans stehen aber eher die Auswirkungen eines Atomkrieges im Vordergrund. (Bzw. der Atomkrieg ist sogar nur ein MacGuffin (http://de.wikipedia.org/wiki/MacGuffin) und es geht um Menschen, die die Kenntniss über die Technologie verloren haben.)
Der Roman ist auch Social SF. Das "Hard" bezog sich besonders auf die Unterscheidung Fantasy vs. SF. Der Roman hat überhaupt nichts mit der Tradition der Fantasyliteratur zu tun. Der Atomkrieg ist ein integraler Bestandteil des Romans, da er (der Roman) den Kreislauf der technologischen Entwicklung beschreibt. Mehr würde zu viel spoilern.
Zitat
Generell finde ich aber Settings, in denen Technik zum Einsatz kommt, die der einfachen Bevölkerung aber wegen ihrer Unwissenheit wie Magie vorkommt, sehr faszinierend. Im Rollenspielbereich gibt es ja die folgenden Settings dazu:
- Engel - Arkana
- Lesser Shades of Evil
- GURPS Riverworld

Ich habe mal einen Roman gelesen bei dem Menschen auf einem Planeten gelandet sind (gecrasht?), auf dem Lebewesen mit einem dem Mittelalter entsprechenden Techonogiestand lebten. Sie zeigten sich der Bevölkerung immer nur als mächtige Magier mit ihren Zauberkräften. Der Roman thematisierte genau diese Thematik. Leider weiss ich nicht mehr den Namen des Buches... irgendwas mit Zauberer im Namen...
EDIT: Ich habe den Namen gefunden: "Die fliegenden Zauberer" von Larry Niven und David Gerrold.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Space Pirate Hondo am 14.12.2013 | 06:55
Ich habe mal einen Roman gelesen bei dem Menschen auf einem Planeten gelandet sind (gecrasht?), auf dem Lebewesen mit einem dem Mittelalter entsprechenden Techonogiestand lebten. Sie zeigten sich der Bevölkerung immer nur als mächtige Magier mit ihren Zauberkräften. Der Roman thematisierte genau diese Thematik. Leider weiss ich nicht mehr den Namen des Buches... irgendwas mit Zauberer im Namen...
EDIT: Ich habe den Namen gefunden: "Die fliegenden Zauberer" von Larry Niven und David Gerrold.

Das wird auch in "Lost Tribe of the Sith" thematisiert.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Turning Wheel am 14.12.2013 | 07:07
Und in Valerian und Veronique '2: Im Reich Der Tausend Planeten' (Jean-Claude Mézières, 1971).
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Sashael am 14.12.2013 | 09:30
Hier finde ich es auch sehr interessant, wenn man das ganze als stinknormales Fantasy-Setting aufzieht, mehrere Abenteuer auch klassische Fantasy-ABs spielt und die Spieler dann erst im Laufe der Kampagne einen Brainfuck-Moment erhalten und erkennen, dass es sich um SF handelt.
Ich auch. Kann nur leider zu einem total Backlash führen, mit dem einer oder mehrere Spieler die weitere Kampagne vollkommen ablehnen und das ganze Projekt mit Schmackes in den Sand gesetzt wurde. Für sowas sollte man sich schon im Vorfeld offene Spieler suchen, die mit extremen Themen- und Settingwechseln kein Problem haben.
Zitat eines Bekannten:
Ich hasse es, wenn Götter und Magie mit Technik erklärt werden!
 ::)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 14.12.2013 | 11:11
Ich habe mal einen Roman gelesen bei dem Menschen auf einem Planeten gelandet sind (gecrasht?), auf dem Lebewesen mit einem dem Mittelalter entsprechenden Techonogiestand lebten. Sie zeigten sich der Bevölkerung immer nur als mächtige Magier mit ihren Zauberkräften. Der Roman thematisierte genau diese Thematik. Leider weiss ich nicht mehr den Namen des Buches... irgendwas mit Zauberer im Namen...
EDIT: Ich habe den Namen gefunden: "Die fliegenden Zauberer" von Larry Niven und David Gerrold.

Niven scheint das Thema ja irgendwo zu mögen. Auch schon in Ringworld wird ein Teil der Bevölkerung so beschrieben, das sie auf ein so primitives Level zurückgefallen sind, dass sie die Reisenden mit ihren Schwebern für Götter halten.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: YY am 14.12.2013 | 11:22
Zusätzlich zu Sachen, die schon (insbesondere von Boba) genannt wurden, ist für mich der Hauptgrund, SF zu spielen:

Weil so viele Spieler zeitgenössische oder historische Settings scheuen wie der Teufel das Weihwasser.
Die muss ich mit near-future-SF täuschen :P ;)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Galatea am 14.12.2013 | 11:57
Grundlegend: Wegen der Möglichkeiten.
SciFi-Settings sind unglaublich unterschiedlich (selbst bei Hard-SF gibt es doch eine gewisse Bandbreite von Möglichkeiten, je nachdem welche Art von Technlogien man aus historischen oder kulturellen Gründen ausschließt).

Klassische Fantasy-Settings gleichen sich doch schon sehr stark, einfach aus auch aus Gründen der Notwendigkeit. Die Mehrheit der Bevölkerung MUSS einfach aus Bauern oder Sklaven bestehen, weil sich die Gesellschaft sonst schlichtweg nicht ernähren könnte - und das wirkt sich natürlich auch auf die Bildung und die Art der Regierungssysteme aus. Das bedeutet Fantasy-Gesellschaften gleichen sich von ihrer Grundstruktur erheblich, außer man hat ganz obskure Settings in denen sich die Menschen mit der Erfüllung dieser Grundbedürnisse nicht herumschlagen müssen.

Auch der Kampf wird immer ähnlich sein, denn außer Nahkampfwaffen aus Knochen/Kupfer/Eisen/whatever und Fernkampfwaffen in Form von ballistischen Werfern (Bogen/Armbrust/Schleuder) geht einfach nicht viel, zumindest nicht ohne "Magie machts" - und auch die Magie ist in 90% der Fälle sehr generisch.

Generell sind SciFi-Settings da einfach viel variantenreicher, schon weil man die gesellschaftlichen Grundbedingungen sehr viel differenzierter gestalten kann.

Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 14.12.2013 | 15:10
Erinnert mich an einen Artikel auf Rocketpunk Manifesto, über die Beobachtung, dass auch SF-Staatengebilde oft monarchisch aufgebaut sind. Wurde auch eine Theorie geliefert, warum das so ist:
www.rocketpunk-manifesto.com/2013/03/high-kings-and-galactic-emperors.html?m=1
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Galatea am 14.12.2013 | 15:39
Das mag sein, immerhin haben die klassischsten aller Siencefictiongeschichten (Flash Gordon, Star Wars) ja auch immer einen bösen Imperator.

Allerdings gibt es davon ab auch genug völlig andere Regierungsformen - ich mag z.B. die Pseudoautokratie der UCS aus Earth2140/50, wo alle öffentlichen Ämter (ja, auch Präsidenten- und Ministerposten) völlig zufällig ausgelöst werden und die Bürger bei der Ausübung ihrer entsprechenden Pflichten von den Super-KIs eingelernt und unterstützt/beraten werden (das geht soweit dass der Apparat fast automatisch funktioniert) oder die pseudotranszendenten Therians aus AT-43 mit ihren Foren und dem Konsens (bei einer Technologiestufe die es den einzelnen Therians ermöglicht ganze Kontinente umzugestalten und eigentlich alles zu tun und zu lassen was sie wollen ist "Regierung" natürlich sehr relativ, eigentlich handelt es sich eher um Interessengruppen, die größtenteils völlig autonom arbeiten).
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Infernal Teddy am 14.12.2013 | 15:43
Und dann hjätten wir noch die quasianarchistische Culture, die ... was auch immer die Staatsform wirklich ist die es im Anhalter gibt, Star Treks pseudodemokratie...
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Sashael am 14.12.2013 | 16:41
Star Treks pseudodemokratie...
Du meinst die kommunistische "Demokratie" von Star Trek?  ;D
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Infernal Teddy am 14.12.2013 | 16:58
Na, kommunistisch ist die ja auch nicht.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Sashael am 14.12.2013 | 17:02
Na, kommunistisch ist die ja auch nicht.
Kein Geld
die Menschheit als Ganzes setzt ihre Ressourcen dazu ein, die Menschheit weiter voran zu bringen
kaum bis keine Privatunternehmen (wie auch, ohne Finanzverkehr)
die politische und militärische Führung sind sehr eng verzahnt, wenn nicht sogar ein und dasselbe

Also nach meinen letzten Infos sieht das schon ziemlich genauso aus, wie die utopischen Kommunisten sich ihre Zukunft vorstellten.  ;D
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Infernal Teddy am 14.12.2013 | 17:06
Das könnte auch eine vision des Anarchismus sein, oder eine hochentwickelte Demokratie, oder... ;)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: 1of3 am 14.12.2013 | 17:14
Kohärentes Bild von der Gesellschaft in Star Trek zu bekommen führt zu regelmäßigen Kopfschmerzen, weil sich zu jeder Aussage auch gegenteilige Anzeichen finden. Aber vielleicht sollten wir das in einem anderen Thema besprechen. Ich nerde dann gern mit. :)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Sashael am 14.12.2013 | 17:20
*seufz*
Da hast du Recht. Aber mir fehlt grad so die Lust, dafür einen Eröffnungspost zu verfassen.  ;D
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Yerho am 14.12.2013 | 17:51
Ich war mal so frei. Bitte hier entlang (http://www.tanelorn.net/index.php/topic,87581.0.html). ;)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 15.12.2013 | 12:52
Mal was anderes, weil ja öfters "Aber.... Raumschiffe!" kam: Liegt´s an mir oder kommen Raumschiffe "so richtig" eigentlich nur in Military SF vor?
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Grey am 15.12.2013 | 13:09
Kommt auf deine Definition von "so richtig" und "Military SF" an ...

In Asimovs "Die Verschwender vom Mars" spielen Müllmänner, die mit ihren Raumschiffen ausgebrannte Raketenstufen einsammeln, die Hauptrolle. Das ist eindeutig nicht "Military", aber ist es "so richtig"?

In "Die Rückkehr zur Erde" -- ebenfalls von Asimov -- besteht die Handlung darin, daß die Helden mit ihrem Schiff von einer Welt zur nächsten hotten, um Hinweise zusammenzutragen. Das Raumschiff spielt eindeutig eine zentrale Rolle -- als Vehikel, als emotionales Objekt des Piloten, als Austragungsort menschlicher Konflikte etc. Das Schiff wurde ihnen zwar vom Militär gesponsert und der Pilot beim Militär ausgebildet, aber das kommt mir für die Bezeichnung "Military SF" nicht ausreichend vor.

Die ganzen "Rogue Trader" Filme und Serien behandeln zwar durchaus auch Kämpfe im Weltall; trotzdem würde ich sie nicht gerade als "Military" bezeichnen.

Frank M. Robinsons "Die Dunkelheit jenseits der Sterne" spielt an Bord eines Generationenschiffs. Es gibt an Bord eine hierarchische Struktur, aber ich frage mich, ob die für die Bezeichnung "Military" ausreicht.

Eric Frank Russels "Menschen, Marsianer und Maschinen"-Zyklus handelt von den Forschungsreisen des Raumschiffs Marathon. Auch hier wieder: Es gibt eine Hierarchie, es gibt Dienstgrade; alles in allem wirkt das ganze aber eher locker, wie auf einem Frachter. "Military"?

... nur so meine ersten paar aus der Hüfte geschossenen Beispiele.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 15.12.2013 | 13:12
Ich meine mehr als nur "means to an end" or "Backdrop" sondern tatsächlich einer der zentralen Inhalte.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Grey am 15.12.2013 | 13:14
Siehst du das Schiff in den genannten Beispielen nicht als zentralen Inhalt?
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 15.12.2013 | 13:23
Siehst du das Schiff in den genannten Beispielen nicht als zentralen Inhalt?

Nein. Der zentrale Inhalt sind die Crew und die Entscheidungen und Erlebnisse, die unterwegs geschehen.
Als Vergleich kannst du etwa Mike Rezniks Starship Reihe oder Lost Fleet heranziehen, in beiden Serien zählt nicht "durch" Raumschiffe sondern "weil" Raumschiffe, das ist für mich ein signifikanter Unterschied.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Dark_Tigger am 15.12.2013 | 13:46
Komisch bei allem was mir so einfällt ist gerade in Military SF das Raumschiff ein Plot Device um die Grunts zur Action zu bringen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Grey am 15.12.2013 | 13:53
Nein. Der zentrale Inhalt sind die Crew und die Entscheidungen und Erlebnisse, die unterwegs geschehen.
Als Vergleich kannst du etwa Mike Rezniks Starship Reihe oder Lost Fleet heranziehen, in beiden Serien zählt nicht "durch" Raumschiffe sondern "weil" Raumschiffe, das ist für mich ein signifikanter Unterschied.
Ich kann im Moment, ehrlich gesagt, nicht nachvollziehen, wieso die von mir genannten Beispiele für dich nur unter "durch" Raumschiffe fallen.

Um exemplarisch eines davon zu nehmen: In "Die Verschwender vom Mars" ist die drohende Beendigung der Raumfahrt die zentrale Bedrohung, die über dem ganzen Szenario hängt. Die Geschichte ist so grundlegend mit dem Thema "Raumschiffe" und "Raumfahrt" verflochten, daß sie sich in kein anderes Setting transportieren ließe; die Raumschiffe lassen sich nicht durch LKWs, Kutter, Flugzeuge o.ä. ersetzen, der Anlaß für den Plot nicht durch eine beliebige andere Bedrohung. Wir haben denkbar eindeutig ein "weil" Raumschiffe.

Umgekehrt kommt gemäß deinem Kriterium in gefühlten 75% aller Enterprise-Folgen kein Raumschiff "richtig" vor. Oft spielt die Handlung ja "nur" auf der Oberfläche eines fremden Planeten, oder die Enterprise dient "nur" als geschlossener Mikrokosmos für ein Kammerspiel. Bedeutet das, die Serie "Raumschiff Enterprise" fällt als Ganze in die Kategorie "durch" Raumschiffe?
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 15.12.2013 | 14:02
@Grey:

Benutz mal ein Versatzstück. Wenn man eine "Raumschiff"-Geschichte deckungsgleich mit einer "Age of Sails"-Geschichte erzählen kann, ist es nur geänderter Fluff. Die genannten Geschichten, Star Trek,  sowie das komplette "Honorverse" von David Weber fallen darunter.

Es gibt, zumindest nach meiner Erfahrung, sehr wenige Geschichten bei denen dieses Versatzstück so nicht stattfindet und bei denen Ramschiff/Raumfahrt wirklich mehr darstellen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 15.12.2013 | 14:03
Military interessiert mich zB gar nicht so, aber es gibt auch einiges an "ziviler" raumschiffzentristischer SF. Allerdings: nicht genug! Also haltet euch ran. :)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Pyromancer am 15.12.2013 | 14:16
@Grey:

Benutz mal ein Versatzstück. Wenn man eine "Raumschiff"-Geschichte deckungsgleich mit einer "Age of Sails"-Geschichte erzählen kann, ist es nur geänderter Fluff. Die genannten Geschichten, Star Trek,  sowie das komplette "Honorverse" von David Weber fallen darunter.

Es gibt, zumindest nach meiner Erfahrung, sehr wenige Geschichten bei denen dieses Versatzstück so nicht stattfindet und bei denen Ramschiff/Raumfahrt wirklich mehr darstellen.

Wenn man die alten Sammlungen durchstöbert, dann findet man viele, viele SF-Geschichten mit Raumschiffen, die man nicht auf "Age of Sails" umschreiben kann, ohne signifikante Teile zu verlieren. "Die Verschwender vom Mars" fällt da meiner Meinung nach definitiv darunter, ebenso "Havarie vor Vesta" und gefühlt 1000 andere Kurzgeschichten von Asimov.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 15.12.2013 | 14:19
Bei den Kurzgeschichten stimme ich dir durchaus zu. Bei den längeren Geschichten? Eher nicht. Ähnliches gilt für ähnlich erfolgreiche SF-Autoren wie Niven.
Nehmen wir mal "Hinterwälder" von Gibson... das hat Raumschiffen Bedeutung gegeben.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Grey am 15.12.2013 | 15:02
Benutz mal ein Versatzstück. Wenn man eine "Raumschiff"-Geschichte deckungsgleich mit einer "Age of Sails"-Geschichte erzählen kann, ist es nur geänderter Fluff.
Genau das habe ich getan. Deshalb wundere ich mich ja, daß wir zu derart unterschiedlichen Einschätzungen gelangen.

Auf einzelne Szenen oder Abschnitte bezogen, würde ich dir z.B. bei "Die Rückkehr zur Erde" recht geben. Die Geschichte als Ganze aber wird -- nach meinem Empfinden -- in ihrer inneren Logik zu sehr vom "Weltall-und-Raumfahrt"-Thema zusammengehalten, um sie ohne drastische Verluste ins Age of Sails oder ein vergleichbares Setting überzuheben.

Nehmen wir mal "Hinterwälder" von Gibson... das hat Raumschiffen Bedeutung gegeben.
Wie das? Kannst du das kurz in ein paar Worten zusammenfassen? Ich kenne "Hinterwälder" nicht, ebensowenig wie Resnicks "Starship" oder "Lost Fleet". (Military SF ist an sich nicht so meins.)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Agent_Orange am 15.12.2013 | 16:05
Hallo.

SF Erzählungen/ Romane mit dem Gegenstand "Generationsraumschiffe" verwenden Raumschiffe nicht im Kontext der military SF; hier sind Raumschiffe Kulisse und Lebensraum, dementsprechend Interaktionsobjekt für zahlreiche menschliche Bedürfnisse.

"Sunshine", "Europa Report", "Alien" sowie "Alien IV", "Event Horizon", "Pandorum", "Silent Running", Serenity/ Firefly wären im Bereich Film und Serie auch solide Beispiele dafür, dass military SF und Raumschiffe sich nicht zwingend gegenseitig bedingen.
Und dann gibt es da noch in Star Trek und Star Wars, bedingt auch "Apollo 13", "Apollo 18" oder ""Moonshot", in denen der "military" Aspekt nur einer von verschiedenen ist, der die Raumschiffe als Gegenstände oder Kulisse ist.

AO
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Yerho am 15.12.2013 | 16:18
Um exemplarisch eines davon zu nehmen: In "Die Verschwender vom Mars" ist die drohende Beendigung der Raumfahrt die zentrale Bedrohung, die über dem ganzen Szenario hängt. Die Geschichte ist so grundlegend mit dem Thema "Raumschiffe" und "Raumfahrt" verflochten, daß sie sich in kein anderes Setting transportieren ließe; die Raumschiffe lassen sich nicht durch LKWs, Kutter, Flugzeuge o.ä. ersetzen, der Anlaß für den Plot nicht durch eine beliebige andere Bedrohung. Wir haben denkbar eindeutig ein "weil" Raumschiffe.

Ich kenne die Geschichte nicht im Detail, aber meines Erachtens steht und fällt die Bedeutung von Raumschiffen damit, inwiefern der Planet Mars für das Setting von elementarer Bedeutung ist. Ansonsten würde gelten: Ersetze "Mars" durch "Insel", ersetze "Raumfahrt" durch "Luft- und Seefahrt".

Ob man nun auf dem Mars oder einer Insel festsitzt wäre ohne spezifische Details ziemlich egal, sofern die einzige Reisemöglichkeit bedroht ist. Hätte sich jedoch auf dem Mars eine einzigartige Kultur herausgebildet, die sich in der Form nur auf einem anderen Planeten und nicht auf einer Insel ausprägen kann, wäre das Setting elementar mit Raumschiffen verzahnt.

Das muss dann aber immer noch nicht heißen, dass sie besonderen Stellenwert hätten, denn ultimativ entscheidend ist doch, ob Raumschiffe lediglich Mittel oder Zweck der Geschichte sind oder ob die spezifische, nicht austauschbare Geschichte wenigstens nur durch Raumschiffe funktioniert.

Hilfreich ist es auch, wenn ein Raumschiff eine eigene Geschichte bekommt. Ein Beispiel: In ST:TOS oder ST:TNG ist die ENTERPRISE im Grunde durch jedes andere Föderationsschiff ersetzbar, denn jedes davon wäre in der Lage, eine 5-Jahres-Mission zu fliegen und könnte ENTERPRISE heißen, in ST:VOY jedoch geht es aber spezifisch um das Schicksal der VOYAGER - das Schiff bekommt durch die Handlung besonderen Stellenwert, weil es durch den Plot zum einzigen verfügbaren Föderationsschiff wird. Ohne die VOYAGER könnte die Crew nur auf einem Planeten im Gamma-Quadranten stranden und dort eine Robinsonade erleben.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Eulenspiegel am 15.12.2013 | 16:23
@ Agent Orange
In den meisten von dir genannten Filmen ist das Raumschiff aber nur Kulisse oder McGuffin. Es ist kein wegzudenknder integraler Bestandteil.
Einzig bei Silent Running ist das Raumschiff wirklich notwendig, um alle Plotpunkte umzusetzen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 15.12.2013 | 16:24
Wie das? Kannst du das kurz in ein paar Worten zusammenfassen? Ich kenne "Hinterwälder" nicht, ebensowenig wie Resnicks "Starship" oder "Lost Fleet". (Military SF ist an sich nicht so meins.)

Oh, ok. "Hinterwäldler" ist ein absolut faszinierende Kurzgeschichte bei der ein Therapeut im Mittelpunkt steht. Man, also die Menschheit, hat eine Art FTL Antrieb entwickelt und jeder, den man hinaus schickt kommt mit der weiteren Galaxis in Berührung. Die Rückkehrer sind nur so verstört dass sie sich meist selbst umbringen. Der Blickwinkel hier ist also auf die Raumschiffe und auf die individuellen Raumfahrer und ihr Erlebnis.
Mike Resznik ist eh ein interessanter Autor, da er sich mit Asimovs Foundation Serie befasst und den Gedanken eigenständig aufgreift. Er beschreibt über Jahrhunderte Hinweg die Veränderungen innerhalb einer galaktischen Gesellschaft und wie man versucht einen passenden Kompromiss in allen Herrschaftsformen zu finden. Die fünf Bücher der Starship Reihe finden in der zeit der "Republik" statt und beleuchten u.A. die Vor- und Nachteile einer solchen während einer interstellaren Epoche.
Die Aussage hier hat weniger mit Military SF zu tun, als mit technischer Überlegenheit. Eine der Kernaussagen ist "Wir sind technisch überlegen, wie nutzen wir es?" anstatt das auf Personen zu beziehen.

Lost Fleet und die Abkömmlinge daraus würde ich extra behandeln. Hier geht es mitunter darum, wie eine galaktische Gesellschaft aufgestellt ist, die Warp Gates nutzen kann und was eine kriegerische Flotte ausmacht, wie sich Offiziere/Menschen zu verhalten haben, denen die Macht zusteht ganze Sonnensysteme zu verwüsten.
Gerade die "Tochterserie" um die vermeintlich "Bösen" des Settings ist gute SF pur, behandelt die "Human Condition", Politik, Macht, Verantwortung, "The Big Picture" die entstehen, wenn man ein Raumschiff hat.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Grey am 15.12.2013 | 19:38
Ehrlich gesagt, kann ich aus der Beschreibung von "Starship" und "Lost Fleet" auf Anhieb nichts herauslesen, was es enger mit dem Raumschiff-Motiv verzahnen würde als z.B. die Foundation-Trilogie. Speziell von Resnick kenne ich "Elfenbein", der auch das angesprochene Republik-im-Weltall-Motiv bedient (gehört das Buch ggf. zum Starship-Zyklus?), und dieser Roman fühlte sich für mich persönlich eher weniger "raumschiffig" an als das Galaktische Imperium von Asimov. "Hinterwäldler" wiederum klingt, als könnte es genausogut in einem Lovecraft'schen 19. Jahrhundert funktionieren.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Kearin am 15.12.2013 | 20:14
Ich sag doch: Alles austauschbar.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 15.12.2013 | 20:22
Hm, naja. Was für SF-Stories lassen sich denn überhaupt nicht in andere Epochen transponieren?
Auf Anhieb fallen mir da nur Geschichten um Künstliche Intelligenzen ein, ob Computer oder Uplifts... und die wiederum kann es unabhängig von Raumschiffgedöns geben.
Raumschiffe sind halt nunmal prinzipiell Fahrzeuge. Sie lassen sich nicht 1:1 mit jeglichem planetaren Transportmittel vergleichen, aber letzten Endes sind sie dazu da, um von A nach B zu kommen. Aber vielleicht eignen sie sich gerade deswegen so gut für Techporn.

Natürlich gibt es auch SF-Story-Szenarien, die nicht so direkt umsetzbar sind. Zum Beispiel folgendes Kurzgeschichtenmaterial: durch irgendwelche Umstände (z.B. Sabotage) zünden die Motoren des Raumschiffs zum falschen Zeitpunkt, und bis sie abgeschaltet werden können, ist das Schiff längst auf einer Flugbahn ins Nirgendwo. Dabei hat es so viel delta-v verballert, dass es den Orbit nicht mehr ausreichend aus eigener Kraft ändern kann, und auch andere Schiffe es nicht mehr erreichen können. Im Prinzip hat die Crew alle Zeit der Welt -- aber was damit anfangen?

Dieser Plot ist 1. raumschiffspezifisch und 2. kann nicht sinnvoll auf irdische Verhältnisse übertragen werden. Selbst ein Flugzeug kann immer noch notlanden oder -wassern. Wasserfahrzeuge dümpeln halt irgendwo rum, bis Hilfe kommt. Am ehesten könnte man noch was für U-Boote konstruieren, aber dennoch müsste man da einiges ändern, damit es funktioniert.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Yerho am 15.12.2013 | 20:26
Natürlich gibt es auch SF-Story-Szenarien, die nicht so direkt umsetzbar sind. Zum Beispiel folgendes Kurzgeschichtenmaterial: durch irgendwelche Umstände (z.B. Sabotage) zünden die Motoren des Raumschiffs zum falschen Zeitpunkt, und bis sie abgeschaltet werden können, ist das Schiff längst auf einer Flugbahn ins Nirgendwo. Dabei hat es so viel delta-v verballert, dass es den Orbit nicht mehr ausreichend aus eigener Kraft ändern kann, und auch andere Schiffe es nicht mehr erreichen können. Im Prinzip hat die Crew alle Zeit der Welt -- aber was damit anfangen?

Dieser Plot ist 1. raumschiffspezifisch und 2. kann nicht sinnvoll auf irdische Verhältnisse übertragen werden. Selbst ein Flugzeug kann immer noch notlanden oder -wassern. Wasserfahrzeuge dümpeln halt irgendwo rum, bis Hilfe kommt. Am ehesten könnte man noch was für U-Boote konstruieren, aber dennoch müsste man da einiges ändern, damit es funktioniert.

Ah, danke. Das ist genau so ein Beispiel, was mir weiter oben nicht einfallen wollte. :)
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 15.12.2013 | 20:30
Ehrlich gesagt, kann ich aus der Beschreibung von "Starship" und "Lost Fleet" auf Anhieb nichts herauslesen, was es enger mit dem Raumschiff-Motiv verzahnen würde als z.B. die Foundation-Trilogie. Speziell von Resnick kenne ich "Elfenbein", der auch das angesprochene Republik-im-Weltall-Motiv bedient (gehört das Buch ggf. zum Starship-Zyklus?), und dieser Roman fühlte sich für mich persönlich eher weniger "raumschiffig" an als das Galaktische Imperium von Asimov. "Hinterwäldler" wiederum klingt, als könnte es genausogut in einem Lovecraft'schen 19. Jahrhundert funktionieren.

Sorry Grey, ich bin noch etwas zu sehr eingespannt für eine sinnvolle Antwort (siehe auch ausgebliebene PM), deswegen weiterhin nur die Kurzfassung:

Bei "Lost Fleet" waren Raumschiffe nur Mittel zum Zweck. Der Zweck war die Errichtung des Sprungtor-Nexus (i.e. "normale" Reisezeit vs. FTL). Das Setting war schon Post-Raumschiff, also Weltraumlift zu Mass Conveyor zu Tor. Im Zuge des galaktischen krieges ist das zusammengebrochen und als Folge drauf werden wir, als Leser, darauf gestoßen wie heftig doch unsere Abhängigkeit hier ist.
Das ist in der ganzen Serie ein wichtiger Punkt, nämlich das neben "Transport" die Raumschiffe oft auch einfach nur Force Projektion oder Terror-Mittel sind und sein können.
In der Geschichte ist es u.A. auch mehr oder weniger Usus, das Raumschiffe 500 Kilo Brocken blanken Stahl an Board haben, den sie zu relativistischen Geschwindigkeiten auf Planeten abfeuern und das planetare Regime nur wegen der Raumschiffe einem Imperium zugehören.

Elfenbein spielt zur gleichen "Epoche" wie der Starship Zyklus, ist aber nicht Teil davon. Der Starship Zyklus befasst sich stark mit dem Gedanken der Massenvernichtung und deren Prävention, gebündelt auf mobile Einheiten wie ein Raumschiff. Teil der Frage hier ist immer: Was fürchten wir, was fürchten die? Im Auftakt der Reihe werden mal en passant zwei Planeten entvölkert.. aber: Der Autor hällt sich nicht an dem MWD Vergleich fest. Der Autor beleuchtet hier sehr gut dass "Kriegsschiffe" gerade wegen dem hohen Automatisierungsgrad und durch die hohe Technik einen bestimmten Konflikt fast endlos verlängern, da diese Gegebenheit für beide Seiten gilt und alle positiven Errungenschaften auf der zivilen Seite sich auch negativ auf der militärischen Seite niederschlagen können.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Kearin am 15.12.2013 | 20:34
Zitat
durch irgendwelche Umstände (z.B. Sabotage) zünden die Motoren des Raumschiffs zum falschen Zeitpunkt, und bis sie abgeschaltet werden können, ist das Schiff längst auf einer Flugbahn ins Nirgendwo. Dabei hat es so viel delta-v verballert, dass es den Orbit nicht mehr ausreichend aus eigener Kraft ändern kann, und auch andere Schiffe es nicht mehr erreichen können. Im Prinzip hat die Crew alle Zeit der Welt -- aber was damit anfangen?
Ein Segelschiff kommt vom Kurs ab, vorzugsweise im Südpazifik.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Sashael am 15.12.2013 | 20:40
Ein Segelschiff kommt vom Kurs ab, vorzugsweise im Südpazifik.
Passt nicht. Die Raumschiffcrew weiß ja ziemlich genau, wo sie sich befindet, wo sie irgendwann landet und wie lange das dauert. Aufgrund der technischen Gegebenheiten können sie an diesen Faktoren aber nichts mehr ändern.
Die Crew des Schiffes weiß nicht, wo sie sich genau befindet, wo sie hinfahren muss um zu landen und wie weit der nächste Landungspunkt entfernt ist. Sie haben aber durch die technischen Gegebenheiten jedes Mittel, den Kurs ihres Schiffes ihrem Kenntnisstand anzupassen.

Also im ersten Fall haben wir 100% Wissen mit 0% Einfluß und im zweiten Fall 0% Wissen mit 100% Einfluß. Dein Beispiel ist also eigentlich das exakte Gegenteil von Feuersängers Szenario.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Kearin am 15.12.2013 | 20:45
Für mich ist der Unterschied zu marginal, um relevant zu sein.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Waldviech am 15.12.2013 | 20:47
Zitat
Ein Segelschiff kommt vom Kurs ab, vorzugsweise im Südpazifik.
Geht, Klar - kein Problem. Allerdings halte ich dieses Herunterbrechen auf irgendwelche Grundstrukturen und das Abklopfen darauf, ob man das selbe Geschichtenmuster auch mit anderer "Tünche" in einem anderen Genre erzählen könnte, nicht für so sonderlich zielführend. Klar könnte ich bei nahezu jeder beliebigen Geschichtenstruktur (weit genug auf Wesentliches heruntergebrochen) fröhlich zwischen Science-Fiction, Fantasy, Western, Weltkriegsdrama, Highschoolkomödie oder wat weis ich hin und her schalten. Allerdings ignoriert das IMHO, das die "Tünche" mindestens ebenso wichtig ist wie die Grundstruktur. Das ich die Handlung eines SF-Romans mit gewissen Änderungen statt mit Raketen und Planeten mit Inseln und Galleonen erzählen könnte, ist wertlos wenn es die Absicht des Autoren war, etwas über Raumfahrt zu schreiben...

Zitat
Für mich ist der Unterschied zu marginal, um relevant zu sein.
Je nach Fall kann das allerdings sehr wichtig werden...siehe z.b. Mission to Mars oder Europa Report.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Infernal Teddy am 15.12.2013 | 20:57
Jemand sagte mal, es habe nach Shakespear keine neuen Geschichten mehr gegeben...
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 15.12.2013 | 20:59
Jemand sagte mal, es habe nach Shakespear keine neuen Geschichten mehr gegeben...

Derjenige hatte unrecht. "The Human Condition" ist die einzige Geschichte, die wirklich zählt und nur SF kann diese wirklich erzählen.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Kearin am 15.12.2013 | 21:02
@Waldviech
Ich halte einfach viele der Grundprämissen, die gerne an Science Fiction gestellt werden falsch.

Poltische, gesellschaftliche und psychologische Überlegungen lassen sich in jedem anderen Genre genau so treffen.

Viele spezielle Geschichten lassen sich ohne große Verluste in anderen Genres abbilden.

Allein wenn es um spezifische technische Überlegungen geht, lassen sich diese nicht in anderen Genres abbilden, aber letztlich lassen die sich dann wiederum weit besser im nicht-fiktiven Bereich diskutieren.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 15.12.2013 | 21:04
@Waldviech
Ich halte einfach viele der Grundprämissen, die gerne an Science Fiction gestellt werden falsch.

Poltische, gesellschaftliche und psychologische Überlegungen lassen sich in jedem anderen Genre genau so treffen.

Viele spezielle Geschichten lassen sich ohne große Verluste in anderen Genres abbilden.

Allein wenn es um spezifische technische Überlegungen geht, lassen sich diese nicht in anderen Genres abbilden, aber letztlich lassen die sich dann wiederum weit besser im nicht-fiktiven Bereich diskutieren.

Cyberpunk hat gerade angerufen und lässt ausrichten: Es widerspricht dir.

SF lässt reale Probleme angehen und Antworten suchen. Ob uns diese gefallen oder nicht, ist ein anderes Thema.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Waldviech am 15.12.2013 | 21:08
Zitat
Viele spezielle Geschichten lassen sich ohne große Verluste in anderen Genres abbilden.
Mag in vielen Fällen richtig sein, macht SF meines Erachtens aber noch lange nicht obsolet. Was "Tünche" angeht, betreten wir halt den unermesslich großen Bereich der Geschmackssache....
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Kearin am 15.12.2013 | 21:11
Würde ich auch nie behaupten. Dafür mag ich SciFi viel zu sehr. Aber sie ist dann letztlich doch nicht so unique wie gerne behauptet wird.

@Slayn
Auch Cyberpunk kann man in anderen Genres abbilden.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 15.12.2013 | 21:16
Würde ich auch nie behaupten. Dafür mag ich SciFi viel zu sehr. Aber sie ist dann letztlich doch nicht so unique wie gerne behauptet wird.

@Slayn
Auch Cyberpunk kann man in anderen Genres abbilden.

Ok, war ein wenig snarky. Es geht um die Betrachtung was "unique" ist und ohne Versatzstücke auskommt. Die realen Fragen, wo führen uns unsere Probleme hin, wo liegt unser Potential, wo können wir uns hin bewegen, sowie was hält uns immer wieder zurück, das fällt innerhalb der SF sofern der jeweilige Autor ehrlich mit sich ist, was selten ist.
Gute SF ist für mich immer ein Stück Extrapolation und kommt ohne diese nicht aus, ein Grund, warum gute SF auch andauernd wieder veraltet ist wenn sich die Umstände ändern.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Waldviech am 15.12.2013 | 21:19
Zitat
Auch Cyberpunk kann man in anderen Genres abbilden.
Vieles beispielsweise mit Krimi-Noir (OK, das war jetzt aber auch ein Selbstgänger). Genau wegen solcher Sachen bin ich ja auch der Meinung, dass die "Konvertierbarkeit" von Geschichten nicht so schwerwiegend ist und die "Tünche" oft ebenso wichtig ist wie die Handlung. "Kulisse matters" sozusagen...
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 15.12.2013 | 21:30
Ein Segelschiff kommt vom Kurs ab, vorzugsweise im Südpazifik.

Das ist was ~komplett~ anderes!
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 15.12.2013 | 21:31
Das ist was ~komplett~ anderes!

Ist es? Im Grunde ist es eine Story ohne jede Bedeutung, wie jede andere auch.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Eulenspiegel am 15.12.2013 | 21:48
Geht, Klar - kein Problem. Allerdings halte ich dieses Herunterbrechen auf irgendwelche Grundstrukturen und das Abklopfen darauf, ob man das selbe Geschichtenmuster auch mit anderer "Tünche" in einem anderen Genre erzählen könnte, nicht für so sonderlich zielführend. Klar könnte ich bei nahezu jeder beliebigen Geschichtenstruktur (weit genug auf Wesentliches heruntergebrochen) fröhlich zwischen Science-Fiction, Fantasy, Western, Weltkriegsdrama, Highschoolkomödie oder wat weis ich hin und her schalten. Allerdings ignoriert das IMHO, das die "Tünche" mindestens ebenso wichtig ist wie die Grundstruktur.
Dass die Tünche genau so wichtig ist wie die Grundstruktur, sehe ich auch so.
Es ist für das Verständnis imho aber notwendig zu erkennen, dass sich nicht die Grundstruktur sondern nur die Tünche ändert.

Wenn man erstmal erkannt hat, dass die Grundstruktur immer die Gleiche ist, kann man im zweiten Schritt daran gehen und sich die Tünche anschauen. Dann kann man überlegen, warum einige Leute die SF-Tünche besser finden als die Fantasy-Tünche.
Aber bevor man soweit ist, muss man halt erstmal klären, dass es auf die Grundstruktur nicht ankommt.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: alexandro am 15.12.2013 | 22:08
SF lässt reale Probleme angehen und Antworten suchen.

Fantasy genauso. Oder Western. Oder Horror.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 15.12.2013 | 22:24
Fantasy genauso. Oder Western. Oder Horror.

Deine Aussage ist irreführend. Um Extrapolieren zu können, müssen wir uns erst mal dem "Ist Zustand" annähern. Machen wir das, benutzen wir bei der Extrapolation vielleicht Trappings, es ist aber SF.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Infernal Teddy am 15.12.2013 | 23:01
Deine Aussage ist irreführend. Um Extrapolieren zu können, müssen wir uns erst mal dem "Ist Zustand" annähern. Machen wir das, benutzen wir bei der Extrapolation vielleicht Trappings, es ist aber SF.

Nur für eine sehr merkwürdige definition von SF.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Feuersänger am 15.12.2013 | 23:05
Unterschied: bei Fantasy weiß jeder "das ist ein Märchen, spielt in einer anderen Welt, ist nie passiert und wird nie passieren". Bei SF hat man das Gefühl "so könnte es mal werden".
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Slayn am 15.12.2013 | 23:13
Unterschied: bei Fantasy weiß jeder "das ist ein Märchen, spielt in einer anderen Welt, ist nie passiert und wird nie passieren". Bei SF hat man das Gefühl "so könnte es mal werden".

Das. Mitunter der Grund warum auch schon 20 Minutes into the Future viel Nachforschung benötigt, Fantasy nicht.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Eulenspiegel am 15.12.2013 | 23:22
Wenn man ein Fantasy-Buch wortwörtlich nimmt, dann stellt es natürlich keine Extrapolation da. Wenn man ein Buch aber metaphorisch oder als Parabel auffasst, dann kann es eine ganze Menge Geschehenes extrapolieren.

Mein Lieblings-Fantasy-Autor ist z.B. Terry Pratchett. Und in seinen Scheibenweltromanen wird sehr viel Bezug auf die aktuelle Gesellschaft genommen und diese teils auch satirisch kritisiert.

Pans Labyrinth ist zwar Fantasy, behandelt aber dennoch auch den spanischen Bürgerkrieg.

Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: alexandro am 16.12.2013 | 00:18
Unterschied: bei Fantasy weiß jeder "das ist ein Märchen, spielt in einer anderen Welt, ist nie passiert und wird nie passieren". Bei SF hat man das Gefühl "so könnte es mal werden".

Und die Erfahrung sagt uns: "In spätestens 10 Jahren stellt sich heraus, dass es auf falschen Annahmen beruht, nie passieren wird, weil es  gar nicht passieren kann" (siehe die Märchen von Asimov, Heinlein, Lem und Co.).

Im Gegensatz dazu liefert "Für eine Handvoll Dollar" geradezu zeitlose, universelle Wahrheiten.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Agent_Orange am 16.12.2013 | 00:36
Hallo.

@Eulenspiegel: Ich pflichte Dir uneingeschränkt darin bei, dass SF in den von mir aufgezählten Film-Beispielen in aller Regelmäßigkeit nur Kulisse oder z.T. Requisite ist. Darum ging es mir mit meinem Beitrag aber nicht. Mir ging es nur darum hervorzuheben, dass Raumschiffe und military SF nicht zwingend miteinander verknüpft sind. Eben gerade habe ich Space Truckers (aus 2000, mit Dennis Hopper) gesehen. Das ist ein wirklich weiteres wunderbares Beispiel dafür. ;)
Was ich aber sehe, ist, dass military SF nicht selten Raumschiffe auch implementiert - "Moon 44", "Starship Troopers", "Aliens", "Independence Day", "Battlestar Galactica", "Space 2063", irgendwie auch "Enemy Mine", z.T. Star Wars und Star Trek ...

Unterschied: bei Fantasy weiß jeder "das ist ein Märchen, spielt in einer anderen Welt, ist nie passiert und wird nie passieren". Bei SF hat man das Gefühl "so könnte es mal werden".

Mh ... Ich möchte sofort "ja" rufen, stelle mich aber auch darauf ein, dass es wohl drauf ankommt - nämlich wohl auf abstrakte Gültigkeit dieser Einschätzung, Umfang der Differenzierung und individuelle Erwartungshaltungen an. In Bezug auf das, was möglicherweise als "Hard SF" verstanden werden könnte, sehe ich das aber genauso wie Du. ;)

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Weitere Gedanken:

Vom Grundsatz her habe ich irgend wann mal erfahren, dass es wohl eine bestimmbare, eng umgrenzte Auswahl an möglichen "Plots" oder Erzählstrukturen gibt. Ob man das auf Shakespeare herunter bricht oder aber noch weitere Erzählstrukturen (im Sinne von Handlungsabläufen) meint, das sei für mich dahingestellt; jedenfalls sehe ich das (wohl auch) so, dass die Zahl der möglichen zu erzählenden Geschichten hinsichtlich ihrer abstrakten Strukturen wirklich vergleichsweise begrenzt ist und "nur" in der Beliebigkeit der Kombination und des "Remix" erweitert werden kann, ohne dann aber im Ergebnis innovativ zu werden. Dabei begreife ich das ohne Einschränkung, dass es dann auf einer abstrakten Ebene in der Tat "egal" ist, ob man SF oder Fantasy oder Krimi oder oder oder als - von mir aus - "Thema", "Kulisse", "Requisite", "Genre" oder was auch immer nutzt.

Aber genau darum geht es mir ja mit diesem Thread dem Grunde nach wenn ich frage, warum wir uns für SF Rollenspiele entscheiden oder entscheiden würden - allerdings eben nicht mit der Zielsetzung, SF gegen andere "Genres" abzugrenzen oder als austauschbar mit anderen Themen zu betrachten, sondern eben für jede/n einzelne/n hier festzustellen, welche Elemente der SF es sind, die jemanden dazu einladen, SF im Rollenspiel zu spielen oder nicht. Der Versuch einer Abgrenzung birgt nämlich die (zu vermeidende) Gefahr, dass einerseits SF mit anderen Genres verglichen werden könnte und andererseits die fließenden Grenzen zwischen SF und anderen Genres übersehen werden. Gerade im Bereich der Space Opera oder der SF mit PSI (aka eine Form der Magie) oder der alternativen Universen würde eine Abgrenzung dann wegen der Abgrenzungsschwierigkeiten fehl laufen - vor allem, weil ich mir auch vorstellen könnte, dass es gerade solche Dinge für einzelne unter uns sein könnten, für die gerade diese Dinge die tragenden Elemente für die Entscheidung oder Wünsche sind, sich bewusst für ein SF Spiel zu entscheiden (Beispiel: Rifts).

Das führt mich zu einer Erweiterung meiner Grundfrage:

Nachdem nun vielfach festgestellt wurde, aus welchen Gründen Ihr Euch im einzelnen bzw. wir uns für SF Rollenspiele begeistern oder begeistern würden, würde mich daran anknüpfend interessieren, weshalb Ihr Euch für "Eure" Spielsysteme bzw. SF-Rollenspiele entschieden habt? Sind die ausgewählten Spielsysteme Ausdrücke Eurer Wünsche oder "nur" der Versuch, zumindest im Ansatz das im Rollenspiel zu erleben, was Ihr von Eurer SF-Rollenspielerei erwartet?

Keep it rockin' 'n' rollin'! Die Entwicklung dieses Themas gefällt mir sehr.

AO
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Agent_Orange am 16.12.2013 | 00:37
Und die Erfahrung sagt uns: "In spätestens 10 Jahren stellt sich heraus, dass es auf falschen Annahmen beruht, nie passieren wird, weil es  gar nicht passieren kann" (siehe die Märchen von Asimov, Heinlein, Lem und Co.).

Im Gegensatz dazu liefert "Für eine Handvoll Dollar" geradezu zeitlose, universelle Wahrheiten.

Ja.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Eulenspiegel am 16.12.2013 | 00:44
An SF spiele ich am liebsten Transhuman Space und Eclipse Phase.
Warum:
Ob die beiden Systeme auch gut das umsetzen können, was ich erwarte? Schwer zu sagen. Es gibt leider zu wenig Rollenspieler in meinem Bekanntenkreis, die sich für Transhumanismus interessieren. Daher konnte ich hier noch nicht großartig experimentieren.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Waldviech am 16.12.2013 | 00:46
Zitat
Ja.
Wobei man da der Ehrlichkeit halber hinzufügen sollte, dass der Möglichkeiten in dem Punkt mehrere sind:
Entweder wissen wir, dass etwas Postuliertes sich als unmöglich herausgestellt hat (wie schon gesagt wurde)
Oder wir wissen, dass es möglich ist und das Postulat im Großen und Ganzen ziemlich korrekt war
Oder wir wissen, dass das Postulat zwar korrekt war, aber im Zuge der Erzählung ziemlich dramatisiert wurde
Oder wir wissen, dass das Postulat zumindest teilkorrekt war, sich in der Realität aber anders verhält als befürchtet oder prophezeit
Oder wir wissen, dass das Postulat bereits realisiert und überholt wurde
Oder wir wissen, dass das Postulat zwar auf einer aus der Epoche heraus folgerichtigen Überlegung beruht, die Dinge sich aus verschiedenen Gründen aber anders entwickelt haben.
etc.pp.

Zitat
(Könnte man theoretisch auch in Fantasy-Welten machen, wo dann Rechte von Golems, Lichs, Geistern und Elementaren behandelt werden. - Aber dazu habe ich noch kein passendes Setting gefunden. Wohl auch deswegen, da es in Fantasy in der Regel eh wenig Menschenrechte gibt.)
Dem könnte vielleicht auch entgegenstehen, dass die Frage "Was macht den Menschen zum Menschen?" im SF-Gewand relevanter wirkt als im Fantasy-Gewand. Soweit bekannt, spricht nichts gegen die mögliche Existenz von Cyborgs und genetisch modifizierten Klonen, aber eine ganze Menge gegen die Existenz von Vampiren und Werwölfen. Da der Cyborg zumindest denkbar ist, fühlt sich die Frage nach seiner Menschlichkeit schwerwiegender an. Es liegt im Bereich des Möglichen, dass man sich irgendwann einmal tatsächlich mit dieser Frage außeinandersetzen muss. Das verleiht ihr ein gewisses Gewicht. Ich kann die selbe Frage nach Menschlichkeit zwar auch mit einem Vampir abarbeiten, weiß aber auch, dass Vampire mythologische Kreaturen sind, mit denen sich nie jemand in der Realität herumschlagen muss. Daher verschiebt sich die Frage ein ganzes Stück in Richtung "egal, weil eh rein fiktiv".
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: LeoNiceland am 16.12.2013 | 12:46
Cyborgs gibt es bereits schon.

Sie sind also keine Fiktion.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Achamanian am 16.12.2013 | 12:52
Sie sind also keine Fiktion.

???
Morde gibt es auch, deshalb ist nicht jeder Krimi ein Tatsachenroman.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: alexandro am 16.12.2013 | 13:09
Oder wir wissen, dass das Postulat zwar auf einer aus der Epoche heraus folgerichtigen Überlegung beruht, die Dinge sich aus verschiedenen Gründen aber anders entwickelt haben.

Oder wir wissen, dass das Postulat für eine bestimmte Epoche korrekt war, jetzt aber andere Auswirkungen hat/hätte (Historical/Uchronie)
Oder wir wissen, dass das Postulat zwar nicht korrekt ist, dafür aber folgerichtig weiterentwickelt wird. (Fantasy)
etc.pp.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Boba Fett am 16.12.2013 | 13:11
Ich muss gestehen, dass die Suche nach Allegorien bei der Betrachtung von SF ziemlich absurd ist.
Natürlich findet sich für jede Nuance in der SF irgendwo in bestehenden oder existierendem wieder.
Menschen (auch SF Autoren) sind nun mal nur begrenzt abstraktionsfähig.
Gab/Gibt's schon ist doch kein Argument! Auch kein Gegenargument.
Alles von Menschen erdachte, fiktive ist irgendwo nur eine Abstraktion des Existenten.

Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Galatea am 16.12.2013 | 13:16
Zitat
(Könnte man theoretisch auch in Fantasy-Welten machen, wo dann Rechte von Golems, Lichs, Geistern und Elementaren behandelt werden. - Aber dazu habe ich noch kein passendes Setting gefunden. Wohl auch deswegen, da es in Fantasy in der Regel eh wenig Menschenrechte gibt.)
Scheibenwelt setzt sich in einigen Büchern stark mit dem Thema auseinander (v.a. in den Büchern über die Golems).
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Thandbar am 16.12.2013 | 13:20
Alles von Menschen erdachte, fiktive ist irgendwo nur eine Abstraktion des Existenten.

Das macht die Fiktion aber nicht automatisch zur Allegorie.

Meiner Meinung nach kommt es auf die Qualität des Textes an und nicht auf die Einordnung in SF/Fantasy, ob etwas als starke oder überzeugende Allegorie wahrgenommen wird.
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: LeoNiceland am 16.12.2013 | 14:54
@Rumspielstilziel

Sämtliche Erzählungen gehören zur Belletristik. Laut Wikipedia ist das Wort "Fiktion" in der Belletristik enthalten und somit gleichzusetzen. Damit wäre jegliche Diskussion über den Realitätsgrad absurd, genauso absurd wie der Begriff "realistische Utopie", den ein ehemaliger Kommilitone bei der Vorstellung seines Projektes vor einer Dekade ausgesprochen hat. 



Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Arkam am 16.12.2013 | 16:21
Hallo zusammen,

also derzeit spiele ich kein SF System aktiv. Ein paar habe ich allerdings schon ausprobiert.

Traveller: Von der Fan Pro Ausgabe bis zum 13 Mann Traveller mit Abstecher zu 2300 a.d. kam es immer wieder ein Mal hoch. Mit den sich kaum entwickelnden Charakteren, dem vorgesehenen Verwaltungsaufwand und lange Zeit auch einer gewissen altmodischen Technologie konnte es sich nie so richtig groß durchsetzen. Aber gerade einige Bier & Brezel Runde waren sehr gelungen.
Cyberpunk 2020: Das Thema Cyberpunk viel in meine SF Romane und Rollenspiel Hochphase. Die Mischung aus Hacker Aktionen, technischen Verbesserungen und der Frage nach den Auswirkungen auf die Gesellschaft fand ich faszinierend. Da mich Magie im Cyberpunk gestört hat wurde es Cyberpunk 2020 statt Shadowrun. Leider ist langfristig nichts daraus geworden weil Technik und Hintergrund veraltert sind und die Regeln einfach unpassend für unsere Art des Spiels waren.
Sprung in eine neue Welt: Das System habe ich mit meinem Bruder als Co Autor und Layouter geschrieben, http://www.drosi.de/cyberpunk/ (http://www.drosi.de/cyberpunk/) . Ist tatsächlich, auch mit verschiedenen Spielleitern, aktiv gespielt worden. Für heutige Ansprüche ist es einfach zu komplex. So muss man einen Computer etwa individuell zusammen stellen. Das betrifft sowohl die Hardware, als auch Betriebssystem und Software. Was dieses Thema angeht ist es einfach inzwischen auch veraltert. Hinzu kamen ein paar Lücken in den Regeln die dann auch nicht mehr richtig behoben wurden. Irgendwann fehlte neben Arbeit, Haushalt und sozialen Kontakten einfach die Zeit für eine umfassende Revision.
Rifts / Robotech / Riftstech: Es begann bei uns mit dem Palladium Bänden zum US Manga Robotech. Zwei engagierte Spielleiter, sowohl was den Hintergrund als auch was die Regeln betraf, sorgten dafür das wir sehr viel Spaß damit hatten. Rifts hat auch viel Spaß gemacht aber irgendwann ist die Runde geschrumpft. Riftstech bezeichnete eine Runde bei der Charaktere aus dem Robotech Universum auf die Rifts Erde kamen. Auch diese Rund eist irgendwann geschrumpft und die Charaktere wurden, aufgrund nicht irdischer Technologie, auch sehr mächtig.
Star Trek: Ich werde noch Mal die Charaktere nach dem System durchwühlen. Der Spielleiter war Trekki und sehr engagiert aber das Kampfsystem, gerade auch das Raumkampfsystem und ein Abenteuer das unsere Runde aus Nichttrekkis überforderte brachten die Runde zum einschlafen.
Paranoia: Mir ist auch klar das Paranoia ein satirisches System ist und viele sich eine längere Paranoia Runde nicht vorstellen können. Ich glaube aber daran das eine solche Runde möglich ist und dann viel SF Potential in Richtung Cyberpunk hat. Aber auch, dank Computergehirnen mit Emotionen, interessante Raumschiff Geschichten sind möglich. Unter http://tanelorn.net/index.php/topic,28950.0.html (http://tanelorn.net/index.php/topic,28950.0.html) kann bei Bedarf diskutiert werden.
Star Wars D6: Die Runde ruht derzeit weil der Spielleiter andere Runden betreut und eine kreative Pause brauchte aber ist noch nicht eingeschlafen. Das D6 System wäre wohl auch das System das ich derzeit für eine SF Runde nutzen würde. Freies und legales Material gibt es unter http://opend6.wikia.com/wiki/Open_D6_Resurrection_Wiki (http://opend6.wikia.com/wiki/Open_D6_Resurrection_Wiki) und http://krapz.free.fr/ (http://krapz.free.fr/).
Frostzone: Wir haben tatsächlich einen tapferen Spielleiter gefunden der sich an dieses schwer erschließbare Regel Schwergewicht gewagt hat. Mir macht es als Spieler sehr viel Spaß und die Hacking Regeln gefallen mir ausnehmend gut. Ich befürchte nur die Runde wird nach dem Abschluss der jetzigen Kampagne auch langsam einschlafen.

Gruß Jochen
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Yerho am 16.12.2013 | 16:41
Unterschied: bei Fantasy weiß jeder "das ist ein Märchen, spielt in einer anderen Welt, ist nie passiert und wird nie passieren". Bei SF hat man das Gefühl "so könnte es mal werden".

Ergänzung: "So könnte es alternativ (gewesen) sein.".
Titel: Re: Warum "SF"?
Beitrag von: Thornchild am 17.12.2013 | 08:26
Wenn man SF sehr weit fasst, dann habe ich es schon mit 17 Jahren gespielt und nannte sich Shadowrun 3.01. Aber nur, wenn man es sehr weit fasst...

Das Problem mit der SF ist das Gleiche wie mit vielen anderen Sachen auch: reine Definitionsfrage. Auch wenn ich grundsätzlich gerne rumphilosophiere, fehlt mir gerade dafür die Zeit und Muße. Daher halte ich es kurz und knapp und definiere den Ist-Zustand.

Ich denke, was SF wirklich spannend macht und auszeichnet, ist die Frage "was wäre wenn". Mögliche Zukunftsszenarien reizen einfach den Verstand. Wenn man den Term SF allein nach dem Wortlaut auslegt, dann geht es um mögliche technologische (von mir aus auch in Verbindung mit sozialen) Szenarien. Demnach wären Asimov, Lem, Orwell, Gibson, Prokop, selbst Verne SF. Somit wäre Cyberpunk klassische SF-Literatur. Punkliteratur lebt ja generell von der Angst, aber auch den Nervenkitzel technologischer Entwicklungen und den Auswirkungen auf das menschliche Leben. Ich persönlich arbeite lieber mit den Begriffen Nah- und Fern-SF, also je nachdem, wieviel Zeit vergangen ist. Ich finde beides sehr spannend, ersteres hat noch etwas mehr nachempfindbare Nähe, sozusagen einen größeren Hauch von Realität, während das Andere einen komplett neue Dimensionen des Spielens und Erlebens öffnet.

Bezüglich Nah-SF muss ich sagen, dass mir Shadowrun über die Jahre viel Spaß gemacht hat und immer noch macht. Aber es ist, wie schon erwähnt wurde, zu viel Mystizismus, "Mumbo Jumbo" für SF. Ich würde daher lieber Cyberpunk 2020 mal spielen, aber momentan hat sich in unserer Runde noch keine Gelegenheit dafür geboten. Auch wenn generell Interesse besteht. Weiter haben mein bester Freund und ich auch an einen Setting gearbeitet für das Jahr 2050 aus heutigen Gesichtspunkten. Die Grundidee stammt jedoch von ihm, ich bin eigentlich nur "Co.-Autor". Sollten wir mal wieder dran arbeiten, fällt mir ein...

Bezüglich Fern-SF war lange Zeit das Problem, dass wir kein vernünftiges Setting mit vernünftigen Regeln gefunden haben. Dann habe ich auf einer Con vor etwa 2 Jahren NOVA entdeckt und dachte, das wäre es. War dann aber doch nicht so die Erfüllung, sodass wir mittlerweile einen Hack des Systems spielen, für unsere Bedingungen angepasst. Setting hat sich unser einer SL mal wieder selbst allein ausgedacht. Spielt jedenfalls im 26-27. Jahrhundert und ist "klassische" SF im Sinne von Star Trek, nur dreckiger und düsterer. Dann noch ein Setting, welches sich mit Gaiatech unter anderem auseinandersetzt, was inspiriert wurde durch Dan Simmons Hyperionbüchern und von Creatures. Das spielt so im achten oder zehnten Jahrtausend, ich weiß es nicht mehr so genau. Ist auch nicht so schlimm, weil die Menschen da eh jedes Gefühl für Zeitrechnung verloren haben. Die Runde hat mehr was experimentelles, vor allem weil sie recht frei ist bei dem, was die Spieler planen.