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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: ComStar am 27.04.2014 | 11:56

Titel: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ComStar am 27.04.2014 | 11:56
Das Thema beschäftigt mich schon eine Weile und gerade als Sozialwissenschaftler interessieren mich die zugrundeliegenden kognitiven Prozesse und Mechanismen dahinter.

Was bringt Menschen dazu bewusst Spielregeln (die ja quasi auch Regeln des Miteinander sind) zu missachten, um sich so einen unverdienten Sieg zu "ergaunern"?
Ist so ein Sieg überhaupt etwas wert, wenn man ihn eigentlich nicht verdient hat? Oder besteht gerade darin, die anderen Mitspieler "zu übervorteilen", um besser zu sein als sie, der große Reiz oder die große Leistung für die Schummler. Oder wird hier nur der Munchkin-Ansatz "Schummeln is ok, solange man nicht erwischt wird" auf andere Spiele übertragen?

Und wieso tun sich ehrliche Spieler oft so schwer damit den Schummler offen zu konfrontieren, selbst wenn sie das Verhalten maßlos stört?

Ich denke jeder hier hat in seiner Vergangenheit sicher schonmal mit einem Schummler gespielt, oder vielleicht selbst schonmal geschummelt(?).
Ich bin sehr an euren Erfahrungen und Meinungen interessiert.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ChaosAmSpieltisch am 27.04.2014 | 11:59
Ich denke die Antwort ist relativ einfach:

Es gibt einen Unterschied zwischen dem Wert des Sieges (Wert für mich) und der Anerkennung für den Sieg (mein Wert bei den anderen).

Ist mir letztes wichtiger, spielt der Weg zum Sieg eigentlich keine Rolle, weil ich die Anerkennung bekomme.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Jiba am 27.04.2014 | 12:01
ChaosAmSpieltisch hat's gesagt. Diskussion beendet.  ;)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Grimtooth's Little Sister am 27.04.2014 | 12:03
Jedesmal wenn ich beschummelt habe gab es einen Dauersieger am Tisch, der arrogant oder hämisch rüber kam bzw sich über die Verlierer lustig machte. Besagte Personen waren meist so gut in den entsprechenden Spielen dass wir anderen keine Chance hatten und irgendwann hat es eben gereicht. So haben wir entweder als Gruppe oder auch einzeln beschummelt um der Sache ein Ende zu bereiten. Hat auch jedesmal funktionert.

Wir konnten selbige leider nicht ausladen, weil Verwandschaft.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ComStar am 27.04.2014 | 12:04
Aber meiner Erfahrung nach spielt man doch idR mit Freunden. Das würde dann ja bedeuten, dass Schummlern der Sieg ansich wichtiger wäre, als die Anerkennung der Freunde.
Irgendwie traurig.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Rhylthar am 27.04.2014 | 12:05
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, ich hätte nicht irgendwann mal geschummelt.

Ist aber ganz sicher schon lange her und darum schwierig, meine "Motivation" damals zu erläutern/erkennen.
Eine Möglichkeit könnte sein, dass ich als junger Mensch sehr wettkampforientiert war, gefördert auch durch den Sport. Um es mal frei nach Klitschko zu sagen: "Failure/losing is not an option!". Dann wohl auch nicht bei Gesellschaftsspielen.

Natürlich hat sich dann aber irgendwann die Geisteshaltung eingestellt, dass der "Gewinn" bei Spielen eben das Spielen selber ist; die Atmosphäre, die gute Laune, die Geselligkeit, das Miteinander.
Und deshalb ist auch diese Fragestellung

Zitat
Und wieso tun sich ehrliche Spieler oft so schwer damit den Schummler offen zu konfrontieren, selbst wenn sie das Verhalten maßlos stört?

sehr einfach zu beantworten:

Es würde die oben genannten wichtige Dinge einschränken bzw. zerstören. Soll er doch schummeln, wenn der Rest gewahrt bleibt (Atmosphäre, etc.), war/ist es mir egal. Und selbst wenn es mich wirklich richtig stört, würde ich keine offene Diskussion vom Zaun brechen, weil weniger bei rumkommt, als es kaputt macht.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Schalter am 27.04.2014 | 12:08
Ich hatte mal einen Freund der bei RPGs eine gewisse Reputation für Dauerschummeln gesammelt hat damals. Ich glaube das hing zusammen mit dem Rest seiner Attitüde, er war auch im echten Leben sowas wie ein Gewohnheits-Schwindler. Nicht dass er ein schlechter Spieler gewesen wäre, im Gegenteil, er wart motiviert und einfallsreich. Nur er hat eben bei jeder sich bietenden Gelegenheit versucht, Sachen zu seinen Gunsten zu drehen, er hatte sogar eine Weile dunkelgraue Würfel mit grauen Zahlen, hat sie gerollt, und so schnell sensationelle Erfolge deklariert und die Würfel wieder eingesammelt, bevor irgendwer anders was erkannt hätte. Das war aber Teil seiner sonstigen Attitüde: Er hat sich immer irgendwie benachteiligt gefühlt, und ich schätze, er hat versucht, sich durchzuschummeln, um diese selbstempfundene Ungerechtigkeit auf seine Weise wieder "auszubügeln". Gradezu zwanghaft.. Ich glaube, das ist ein ganz gutes Beispiel: Man schummelt, weil man findet, die Spielregeln (und eben diese "Regeln des Miteinanders") seien ungerechterweise gegen einen. Hat vielleicht was mit schwachen Nerven zu tun.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Jiba am 27.04.2014 | 12:09
Aber meiner Erfahrung nach spielt man doch idR mit Freunden. Das würde dann ja bedeuten, dass Schummlern der Sieg ansich wichtiger wäre, als die Anerkennung der Freunde.
Irgendwie traurig.

Wir sind alle Menschen, oder?
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Barbara am 27.04.2014 | 12:10
Ich denke, es geht dabei eher um die Vermeidung des Verlierens. Vielleicht hilft dieser Artikel der Zeitschrift Eltern weiter: http://www.eltern.de/kleinkind/entwicklung/spielen-lernen.html?page=1
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: 1of3 am 27.04.2014 | 12:11
Habe neulich bei D&D geschummelt. War zu faul gewesen, Fertigkeitspunkte zu verteilen. Als wider Erwarten ein Fertigkeitswurf nötig war, hab ich meinen Wert "geschätzt". Habe weiterhin aus Versehen eine Klassenfähigkeit falsch interpretiert. Hat aber niemand gemerkt. Als mir das auffiel, habe ich sie in gleicher Weise weiter weiterbenutzt.

Das könnt ihr ja jetzt mal analysieren.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Praion am 27.04.2014 | 12:12
Timmy schummelt weil es sich gut anfühlt von allen als Sieger angesehen zu werden.
Johny schummelt um sich selbst durch kreatives Schummeln auszudrücken.
Spike schummelt um sich selbst zu beweisen, dass er es kann. (von allen drei allerdings vermutlich am unwahrscheinlichsten, dass er es tut)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Achamanian am 27.04.2014 | 12:12
Ich denke, dass man durchaus auch aus einem gekränkten Gerechtigkeitsempfinden heraus schummeln kann. Das Gewinnen wird ja von den meisten schon als "Belohnung" empfunden; und wenn man bei einem Spiel das Gefühl hat, dass einem die Vorenthalten wird, weil man einfach nur Pech hat oder weil andere Spieler zwar regelgetreu, aber unfair spielen, dann fühlt sich die Gesamtpartie für einen am Ende möglicherweise gerechter an, wenn man geschummelt hat, um diesen empfundenen Missstand auszugleichen.

Eine Möglichkeit, da nicht ins Schummeln zu verfallen, ist m.E., dass man sich, wenn man merkt, dass man verliert, einfach bewusst andere "Belohnungsziele" setzt, die auch ohne Schummeln erreichbar sind: Beispielsweise, noch etwas möglichst Spektakuläres zu reißen, möglichst ungewöhnlich zu verlieren, oder auch jemanden noch mitzureißen. Kann natürlich auch für böses Blut sorgen, aber wenn alle Mitspieler prinzipiell auf Spaß eingestellt und bereit sind, ebenfalls andere Ziele als das Gewinnen für sich zu akzeptieren, kann das auch ziemlich spaßig sein.

(Übrigens finde ich, dass das, was "Grimmtooth's little sister" beschreibt ziemlich genau das trifft, was ich mit "aus Gerechtigkeitsempfinden schummeln".)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Slayn am 27.04.2014 | 12:18
Oft kann man ja praktisch nur noch Schummeln. Spätestens wenn ein Spiel zu gestaltet ist dass 2/3 aller Aktion immer scheitern, wird es langweilig und Schummeln wird zur Notwehr.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: 1of3 am 27.04.2014 | 12:18
Timmy schummelt weil es sich gut anfühlt von allen als Sieger angesehen zu werden.
Johny schummelt um sich selbst durch kreatives Schummeln auszudrücken.
Spike schummelt um sich selbst zu beweisen, dass er es kann. (von allen drei allerdings vermutlich am unwahrscheinlichsten, dass er es tut)

Warum schummelt Vorthos?
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Praion am 27.04.2014 | 12:20
Warum schummelt Vorthos?

Vorthos ist keine Psychographic, daher ist die Frage so nicht richtig. Vorthos hat nur damit zu tun, welchen Aspekt des Spieles man mehr mag, Fluff (Vorthos) oder Mechanik (Melvin)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Praion am 27.04.2014 | 12:25
Alternativ schummelt Timmy weil es ihm total Spaß macht zu schummeln oder weil der ständige Reiz dabei erwischt zu werden ihm einen Kick gibt.

In Munchkin (wo es ja theoretisch erlaubt ist) versucht Johnny so kreativ wie möglich zu schummeln und Spike schummelt wenn es die beste Taktik zum gewinnen ist.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Dragon am 27.04.2014 | 12:29
Zitat
Spätestens wenn ein Spiel zu gestaltet ist dass 2/3 aller Aktion immer scheitern, wird es langweilig und Schummeln wird zur Notwehr.
warum spielt man sowas?

Also was ich hier mit der Zeit so aufgeschnappt habe ist, dass manche SL's schummeln (aka Würfeln drehen), weil sie der Meinung sind, dass sie dadurch Situationen interessanter gestalten, oder retten (weil die Chars sonst drauf gehen würden), anstatt einfach zu sagen: "Ok Leute, das hab ich wohl falsch eingeschätzt, ich würde da gerne die Werte nochmal ändern", oder so.

Aus meiner Erfahrung heraus hat schummeln oft etwas mit zu wenig Selbstbewusstsein zu tun.
Es gibt Leute, die fangen an ein Spiel zu meiden, wenn sie nicht regelmäßig gewinnen können, weil sie den Spaß daran verlieren und es gibt Leute, die stattdessen anfangen zu schummeln.
Sie brauchen das Erfolgserlebnis, um sich selbst bestätigen zu können gut darin zu sein und versuchen das möglichst in allem was sie tun. Das obige SL Beispiel könnte man auch darauf runter brechen, es fehlt das Selbstbewusstsein zu sagen: "Ok, ich habe wohl einen "Fehler" gemacht, etwas falsch eingeschätzt usw." oder "ok, das Spiel liegt mir wohl nicht".
Fehler oder Nicht-Können einzugestehen, und das denke ich wird keiner abstreiten, ist eben verdammt schwer.

Und dann gibt es noch die Leute, die denken sie seien vom Pech verfolgt, weil sie z.B. ständig schlecht würfeln und (Stichwort: Gerechtigkeit) dann eben ihrem Glück auf die Sprünge helfen wollen.
Im RPG wird das natürlich dann auch noch durch Systeme/SL's forciert, die "scheitern" bestrafen.

Edit:
Warum man Leute oft nicht drauf anspricht?
Kommt drauf an. Wenn Leute dadurch wirklich das Spiel kaputt machen (z.B. weil es den anderen dann keinen Spaß mehr macht), dann spreche ich sie darauf an.
Wenn es trotzdem allen Spaß macht, dann würde ich die Person nicht darauf ansprechen, sondern mir denken, dass sie ihren erschummelten Erfolg ruhig haben soll, wenn sie es denn braucht. Mag nicht richtig sein, aber ich bin ja nicht ihre Psychiaterin.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Grimtooth's Little Sister am 27.04.2014 | 12:34
(weil die Chars sonst drauf gehen würden), anstatt einfach zu sagen: "Ok Leute, das hab ich wohl falsch eingeschätzt, ich würde da gerne die Werte nochmal ändern", oder so.


Das kann/konnte ich grad mal bei zwei Gruppen sagen. Bei den anderen hab ich schnell gemerkt, dass sie lieber möchten wenn ich die Würfel drehe bzw die SCs sterben lasse. Letzteres passt mir vor allem bei APs aber nicht immer rein, weil völlig neue SCs manchmal erfordern, halbwegs von vorne anzufangen. Also drehe ich lieber Würfel  ;D
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ComStar am 27.04.2014 | 12:40
Schummeln zur "Selbstverteidigung" gegen unfaire Spielchancen ist ein interessanter Ansatz, den ich noch garnicht bedacht habe.
Ich kannte bisher eher den anderen Fall:
Bei ansich fairen Spielen gewinnt der notorische Schummler immer und reibt seinen Mitspielern den Sieg auch immer schön unter die Nase. Das führt dazu, dass niemand mehr mit ihm spielen will, da eh klar ist dass er gewinnt (weil er schummelt) und man keine Lust hat ein Spiel zu spielen, bei dem man von vornherein genau weiss, dass man keine Chance hat.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Aedin Madasohn am 27.04.2014 | 12:44
Zitat
Und wieso tun sich ehrliche Spieler oft so schwer damit den Schummler offen zu konfrontieren, selbst wenn sie das Verhalten maßlos stört?

einen Schummler stellen zu wollen, setzt voraus, dass man sich sicher ist, dass er geschummelt hat.

- Kennt jeder die Regeln so gut oder fühlt er nur "schummeln"?
              mangelndes Selbstvertrauen untergräbt ebenfalls das Vertrauen in seine eigene Regelkenntins - also mundhalten
- hilft es der Runde? Beschummelt der Spieler den SL, damit die Queste mal wieder nicht im Partykill endet?
              mangelndes Selbstvertrauen, mal den SL für seine überzogenen Questen auf den Pott zu setzen
- übervorteilt der Schummler seine Mitspieler? (Verzaubert sie, bestielt sie und kontert "geschummelt" jede Reaktion aus und lacht dann allen ins Gesicht)
              mangelndes Selbstvertrauen der Geschädigten, den Gruppenspalter Outgame zu stellen und zur Not aus der Runde zu werfen.
- schlicht mangelndes Regelverständnis (siehe DSA in seiner Komplexität), wo Grundregeln, Optionale Regeln und Expertenregeln zu unwissendem Schummeln führen.
              mangelndes Selbstvertrauen der Gruppe, sich dem Diktat des Regelwerks zu entziehen und einmal jene Hausregeln zu fixieren, deren Komplexität man noch versteht/umsetzt.
              Gerade für Deutsche ist es schwierig, ein Hintergrund-Setting zu übernehmen, ohne dann auch gleich wieder die niedergeschriebenen Spielregeln bis in den letzten Halbsatz erfüllen zu wollen.
              Wer/welche Gruppe hat denn schon den Mut, sich die Regeln und damit Grenzen selbst zu setzen?
- "schummelt" der SL, damit nicht schon wieder ein Char eines  Anfängerspieler bzw. ein Anfängerchar draufgeht?
              mangelndes Selbstvertrauen der Spieler, sich für den Start genügend Generierungspunkte/Erfahrung zu nehmen - siehe Hausregeln und Partykill
               

- selbst wenn man sich sicher ist, beschummelt und dadurch geschädigt worden zu sein...wer ist den konfliktfähig?
               mangelndes Selbstvertrauen des Beschummelten, sich in einem Konflikt behaupten zu können. -
               mundhalten/gefallen lassen, Scham über die eigene Schwäche empfinden und die Faust in der   
               Hosentasche ballen.


...ist das vielleicht der Grund, warum so viele Helden spielen wollen?
mit standes- oder Professions-Autorität auftreten wollen (adliger Ritter, Schwertkönig, Erzmagier, Hochgeweihter etc...)?
Mit spielbogen - Körperkräften und Waffenfertigkeiten jeden (orkischen) Schlägertyp ablaten? als Erzmagier in eine Ratte zu verwandeln? (was ja nur hieße, den Phänotypus dem Seelentier anzupassen >;D)

mal als Küchentisch-psychologischer Ansatz

               
             
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ComStar am 27.04.2014 | 12:57
Ich denke es besteht auch ein himmelweiter Unterschied zwischen Rollenspielen (auf die sich hier ja scheinbar die Meisten beziehen), die quasi Kooperativ sind und Gesellschaftsspielen (um die es mir in erster Linie ging), die schon eher Kompetetiv sind.

Bei Ersterem sehe ich kein wirklich eindeutiges Opfer der Schummelei. Vielleicht verschafft sich der RPG Schummler einen Vorteil, aber das benachteiligt nicht zwangsläufig seine Mitspieler.
Bei Zweiterem sieht das schon anders aus. Wenn einer schummelt und dadurch gewinnt, verlieren die anderen zwangsläufig
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Slayn am 27.04.2014 | 12:58
Schummeln zur "Selbstverteidigung" gegen unfaire Spielchancen ist ein interessanter Ansatz, den ich noch garnicht bedacht habe.

Paradebeispiele aus dem RSP-Bereich dafür sind Systeme die als Komplettpaket daherkommen, etwa Pathfinder. Es gibt genug SLs, die einfach die Sache mit dem Wealth per Level nicht verstehen und somit auch nicht sehen wie die Chancen kippen können. Normal sollte z.B. ein Krieger gegen einen passenden Gegner eine 75% Trefferchance haben, gegen einen starken Gegner ca. 60%. Gibt man dem Krieger aber nicht die Mittel die er braucht (und die im System angedacht sind) um diese Chance zu halten, fällt man schnell auf 50%/35% Chance, was einfach Frust ist weil es jemand anderes verbockt hat.

Bei Gesellschaftsspielen kommt mir immer Runebound in den Sinn, das einfach zu wahllos in der Schwierigkeit ist. Um bei dem Spiel überhaupt mal etwas vom Start weg zu kommen und es in Gang zu bringen kann hier einfach an den Zufallselementen scheitern. Jeder, der mal dabei war wie sich so eine erste halbe Stunde mit 5 Spielern zäher und zäher bewegt einfach weil es nicht voran kommt, wird verstehen was ich meine.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Grey am 27.04.2014 | 13:00
Beispiel aus meinem familiären Umfeld: Ein Verwandter von mir bezieht einen Großteil seiner Selbstvertrauensprothese daraus, daß er in X Spielen zuverlässig "als Sieger dasteht". Wenn er dann tatsächlich mal in Gefahr ist, eine Partie auf Platz 2 oder 3 zu beenden, fängt er an zu schummeln. Das "als Sieger dastehen" ist für ihn das einzig Entscheidende. Dabei geht es ihm nicht einmal um Respekt oder Anerkennung der anderen, sondern allein um das hohe Roß, von dem aus er hämisch über die Verlierer lästern kann.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Dragon am 27.04.2014 | 13:01
Paradebeispiele aus dem RSP-Bereich dafür sind Systeme die als Komplettpaket daherkommen, etwa Pathfinder. Es gibt genug SLs, die einfach die Sache mit dem Wealth per Level nicht verstehen und somit auch nicht sehen wie die Chancen kippen können. Normal sollte z.B. ein Krieger gegen einen passenden Gegner eine 75% Trefferchance haben, gegen einen starken Gegner ca. 60%. Gibt man dem Krieger aber nicht die Mittel die er braucht (und die im System angedacht sind) um diese Chance zu halten, fällt man schnell auf 50%/35% Chance, was einfach Frust ist weil es jemand anderes verbockt hat.
Aber die selbstbewusste, nicht schummel, Variante wäre doch viel eher den SL entsprechend darauf anzusprechen.

Die Variante:
So unzufrieden mit meinem realen Leben, dass ich mir Erfolg in bestimmten Dingen erschummel/herbei erzähle, damit andere mich respektieren. Kenn ich übrigens auch noch aus meinem Bekanntenkreis, gekoppelt an eine merkwürdige Form der Realitätswahrnehmung wie mir manchmal scheint... aber das ist wohl auch ein Extrembeispiel.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Slayn am 27.04.2014 | 13:08
Aber die selbstbewusste, nicht schummel, Variante wäre doch viel eher den SL entsprechend darauf anzusprechen.

Du müsstest selbst wissen dass das oft genug nichts bringt. Entweder weil z.B. ein Kauf-AB im Einsatz ist und sich der SL genau an dieses hält oder, noch öfters, die Immersions und Realitätsgefühl Sache, die ein SL hier seiner Spielrunde überstülpt.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Grimtooth's Little Sister am 27.04.2014 | 13:12
Beispiel aus meinem familiären Umfeld: Ein Verwandter von mir bezieht einen Großteil seiner Selbstvertrauensprothese daraus, daß er in X Spielen zuverlässig "als Sieger dasteht". Wenn er dann tatsächlich mal in Gefahr ist, eine Partie auf Platz 2 oder 3 zu beenden, fängt er an zu schummeln. Das "als Sieger dastehen" ist für ihn das einzig Entscheidende. Dabei geht es ihm nicht einmal um Respekt oder Anerkennung der anderen, sondern allein um das hohe Roß, von dem aus er hämisch über die Verlierer lästern kann.

Ja, genau sowas haben wir auch in der Verwandschaft. Und deshalb schummeln wir ihn runter vom hohen Ross  ;D
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Dragon am 27.04.2014 | 13:16
Zitat
Du müsstest selbst wissen dass das oft genug nichts bringt.
Nicht wirklich... bzw. nur zweimal so krass, dass reden wirklich zwecklos war, weil da aber auch sehr konträre Spielvorstellungen und -stile aneinander gekracht sind und weniger, weil es unfair gewesen wäre. Im einen Fall hat der Spieler unsere Gruppe verlassen, im anderen Fall habe ich als Spielerin die Gruppe verlassen. Aber das passt nicht so ganz auf die von dir beschriebene Situation.

Letztendlich stellt sich mir dann die Frage, ob einem schummel denn dann wirklich mehr Spaß bringt?!
(Und ob nicht faires spielen, da die eigentlichen Probleme aufzeigen würde)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ChaosAmSpieltisch am 27.04.2014 | 13:23
Meine genutzt Definition Spaß: Spaß ist eine Empfindung, die man bei einer Sache hat, so dass man diese freiwillig auf unentgeldlicher Basis wiederholte Male machen möchte

Das Problem ist Spaß ist eine sehr persönliche Sache.

Dem einen macht es Spaß Herausforderungen zu lösen,
dem anderen macht es Spaß Anerkennung zu gewinnen,
ein dritter möchte im Mittelpunkt stehen,
für einen vierten ist es ein riesen Spaßverlust, wenn er deutlich schlechter ist als die anderen
ein fünfter will wenigstens irgendwo drin gut sein in seinem Leben, und zwar in etwas, was ihm Spaß bringt

die Varianten von Spaß haben sind sehr breit gefächert.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Achamanian am 27.04.2014 | 13:49
Ja, genau sowas haben wir auch in der Verwandschaft. Und deshalb schummeln wir ihn runter vom hohen Ross  ;D

Das ist halt die vertrackte Sache mit der Perspektive beim "Schummeln aus Gerechtigkeitsempfinden". Für ihn sieht es vielleicht so aus, als ob ihr schummelt, weil ihr schlechte Verlierer seid und ihm den Sieg nicht gönnt.
Womit ich dir gar nichts unterstellen will - es ist halt nur auffällt, dass die einzigen Leute, die sich hier im Thread zum Schummeln bekennen, als Grund dafür den Dienst an einem höheren Ziel (Gerechtigkeit, Erziehung hämischer Gewinner oder Spielspaß) angeben. Und wahrscheinlich sehen sich 99% aller Schummler genau so: Niemand will von sich sagen, dass er aus Gewinnsucht schummelt, alle sind der Meinung, dass sie Schummeln, um einen Fehler auszugleichen.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Rhylthar am 27.04.2014 | 14:00
Zitat
Niemand will von sich sagen, dass er aus Gewinnsucht schummelt,
Dann gehöre/gehörte ich zu dieser Minderheit. Einen anderen Grund gab es eigentlich nicht für mich.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Tarin am 27.04.2014 | 14:02
Ich gebe hier zu, zumindest im RPG Bereich auch mal als Spieler "Attacke geschafft" verkündet zu haben, weil ich schlicht keine Lust hatte, die Attacke danebengehen zu sehen.

Bei Brettspielen dagegen finde ich schummeln so.. unnütz. Immerhin gehts ja um ein faires Gegeneinander, zumindest für mich.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Slayn am 27.04.2014 | 14:04
Niemand will von sich sagen, dass er aus Gewinnsucht schummelt

Kann ich ganz schamlos von mir behaupten. Für mich liegt Spaß weder im Dabeisein noch im Wettkampf sondern einzig im Erfolg/Gewinnen.
Aus dem Grund weigere ich mich auch alles abseits von kooperativen Spielen zu spielen ;)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Grey am 27.04.2014 | 14:09
Ja, genau sowas haben wir auch in der Verwandschaft. Und deshalb schummeln wir ihn runter vom hohen Ross  ;D
Nee, das war bei uns ein No-Go, solange wir noch mit ihm gespielt haben. Man muß dem Typen ja nicht auf seinem eigenen Niveau begegnen. :P

Ich will jetzt auch nicht als der schummelfreie Heilige dastehen. Bei mir ist das Hauptmotiv, wenn ich mal schummle, die Angst vor der Blamage. Außerdem habe ich als SL früher oft und ausgiebig geschummelt, um meinen Plot zu retten. Glücklicherweise habe ich diese Unart inzwischen weitgehend abgelegt. ;) Und auch sonst bin ich doch eher der prinzipienreitende Moralapostel, der das Schummeln als Schwäche und Fehler sieht, den er bei sich selbst zu vermeiden sucht.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Tarin am 27.04.2014 | 14:15
Eventuell ist die Frage hier im Forum auch etwas am falschen Ort?

Gewagte These: Menschen, die generell einen höheren Bezug zum (Brett-/Rollen-)spielen haben, schummeln weniger. Erstens, weil dadurch der Reiz des Spiels an sich abnimmt, zweitens, weil sich die Summe an Siegen und Niederlagen mit der Menge an durchgeführten Spielsitzungen eh angleicht.
Wer aber nur gelegentlich mal spielt, beispielsweise bei Familientreffen o.ä., hat von einem Sieg deutlich mehr, sei er erschummelt oder nicht.Davon ab hat das Spiel eben einen geringeren Stellenwert - es ist nicht "schlimm", wenn man bei so einer nebensächlichen Sache schummelt.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: rettet den wald am 27.04.2014 | 14:15
Warum schummelt man?
-> Weil man gewinnen will, und Schummeln hilft beim Gewinnen.

Ist so ein erschummelter Sieg überhaupt etwas wert?
-> ...Ist ein nicht erschummelter Sieg überhaupt etwas wert? Wenn ich mich zu einem kompetetiven Spiel hinsetze, dann will ich gewinnen. Ob das "was wert" ist, ist hier irrelevant.

Warum tun sich ehrliche Spieler schwer damit, Schummler zu konfrontieren?
-> Ich persönlich tu mir da überhaupt nicht schwer. Wenn ich merke, dass wer schummelt, dann spreche ich das offen an, mit der Anmerkung dass das bitte unterlassen werden sollte... Und andere Leute mit denen ich üblicherweise spiele handhaben das genauso.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Dragon am 27.04.2014 | 14:43
Zitat
Womit ich dir gar nichts unterstellen will - es ist halt nur auffällt, dass die einzigen Leute, die sich hier im Thread zum Schummeln bekennen, als Grund dafür den Dienst an einem höheren Ziel (Gerechtigkeit, Erziehung hämischer Gewinner oder Spielspaß) angeben. Und wahrscheinlich sehen sich 99% aller Schummler genau so: Niemand will von sich sagen, dass er aus Gewinnsucht schummelt, alle sind der Meinung, dass sie Schummeln, um einen Fehler auszugleichen.
ich will nicht behaupten, dass ich nicht schon mal geschummelt habe, als Kind oder so, aber wenn... dann ganz ehrlich, weiß ich es nicht mehr...

ok, das klingt selbst in meinen Ohren blöd :D
Aber "fair spielen" und "Frustrationstoleranz" erlernen war meinen Eltern ein unglaublicher wichtiger Punkt in meiner Erziehung (meine Theorie ist, dass sie nicht wollten, dass ich als verzogenes Einzelkind dastehe^^).
Man verliert halt auch mal, das ist pech.
Wenn andere besser sind, dann ist das eben so, dann muss ich mich entweder mehr anstrengen, oder es sein lassen, oder damit leben. Aber ihr Können schmälern in dem man schummelt ist nicht richtig!
Ich habe weder in der Schule geschummelt, noch schummel ich beim spielen. Entweder entspringt der Erfolg meiner eigenen Leistung, oder er ist nichts wert. Oder der Wert liegt eben am gemeinsamen Spaß haben und nicht am gewinnen und das man mit mir gemeinsam Spaß haben kann ist mehr wert als jeder Sieg. Und wenn ich einen Fehler gemacht habe, dann ist das eben so, ich bin nur ein Mensch.
Mittlerweile bin eigentlich auch kaum noch wütend auf Schummler (sofern man sie denn ertappt), eigentlich bin ich da eher traurig, dass sie denken das nötig zu haben. Ich hoffe/glaube aber, dass es in meinem engen Freundeskreis niemanden gibt, der glaubt schummeln zu müssen.
Womit ich deutlich schlechter umgehen kann, sind tatsächlich schlechte Verlierer, also "Das-nie-wieder" oder "Brett-Wegwerfer"-Leute.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Agent_Orange am 27.04.2014 | 15:18
Mh.

Was sind denn die Eckpunkte von Schummeln? Wenn ich über die Ausgangsfrage nachdenke, komme ich auf eine umfangreiche Kasuistik, je weiter ich den Begriff "Schummeln" fasse.

Ist Schummeln die vorsätzlich regelwidrige Anwendung von Spielmechanismen oder vorsätzliches Verfälschen eines zufällig erzielten Einzelergebnisses einer Spielmechanik, damit sich der Schummler einen Spielvorteil zu seinen eigenen Gunsten verschafft? (Enger Schummel-Begriff)

oder

Ist Schummeln jedwede vorsätzliche oder fahrlässig hervorgerufene regelwidrige Anwendung von Spielhandlungen zum eigenen, fremden oder keinen Vorteil eines oder mehrere Spielers? (Weiter Schummel-Begriff)

oder

Ist das etwas dazwischen? Muss man möglicherweise von Spiel zu Spiel differenzieren?

Eine weitere Frage wäre, ob es ein aktives Tun sein muss, oder ob Schummeln auch durch Passivität (Schweigen, Nichtstun trotz regeltechnischer oder spielerischer Pflicht) möglich ist?

AO
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Maarzan am 27.04.2014 | 15:19
Warum wird relativ selten dagegen vorgegangen?

Weil oft nicht derjenige, der Mist baut angegangen wird, sondern derjenige, welcher durch das darauf aufmerksam machen den "sozialen Frieden" stört.
Die Bereitschaft sich -insbesondere regelmäßig - über Regeln zum eigenen Vorteil hinweg zu setzen deutet ja schon auf eine recht aggressive Persönlichkeit, damit eine oft höhere Platzierung in der Hackordnung und folgend geht dies dann in die  Abwägung der sozialen Reaktionen und Verhaltensweisen der gesamten Gruppe ein.

Doppelt, wenn der Übertretende noch irgend eine rechtfertigende Idiologie ins Feld führt und so Grundsatzdiskussionen anstehen - "Recht auf Spaß", "Bessere Story" ... .
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Bad Horse am 27.04.2014 | 19:56
Wir hatten mal einen Spieler in der Runde, der hat penetrant geschummelt - beim Rollenspiel, beim Brettspiel, bei Magic... so ziemlich bei allem. Den konnten wir aber nicht drauf ansprechen, weil er das mit derartig aufrichtige Empörung abgestritten hat, dass wir selbst unsicher geworden sind. Da herrschte offenbar eine ziemlich tief sitzende Abweichung von Selbstbild und Verhalten, und wir wollten ihn jetzt auch nicht so sehr unter Druck setzen.

Also haben wir allen möglichen Blödsinn auf uns genommen, um seiner Schummelei Grenzen zu setzen (Erfahrungspunkte mitgezählt, ihm seine Super-Duper-tollen Vampire-Würfel verboten). Dann ging's.

Ganz lustig war es, als er dann mit seinen neuen Würfeln tatsächlich mal gepatzt hat und die Welt erstaunlicherweise nicht unterging, sondern die Situation einfach interessanter wurde. Er war ziemlich erstaunt, dass Patzen ja auch Spaß machen kann. Aber sie hatten die Situation auch wegen dem Patzer verloren...


Ich selbst hab aus verschiedenen Gründen an meinen Würfeln gedreht (nur beim Rollenspiel):
- Ich wollte meinen Char nicht verlieren
- Ich fand die Situation mit anderem Ergebnis besser
- Ich fand den Kampf öde und wollte ihn schneller beenden

Und, klar, ich wollte gewinnen. Ich bin kein wahnsinnig guter Verlierer, deswegen spiele ich auch nur sehr selten Brettspiele.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: DonJohnny am 27.04.2014 | 20:12
Ich persönlich hatte oft den Eindruck, das Schummeln sehr oft eine starke Selbstbetrugskomponente hatte. Meistens waren es sehr ehrgeizige Spieler, die im Laufe des Spiels sich sehr angestrengt hatten und zu einer gewissen Phase des Spiels einfach die Grenzen die die Regeln vorgaben im Eifer des Gefechts verwischt haben. Ich habe zum Beispiel noch nie jemanden erlebt der geschummelt hat weil er zu faul war sich anzustrengen.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Dragon am 27.04.2014 | 20:19
Zitat
zu einer gewissen Phase des Spiels einfach die Grenzen die die Regeln vorgaben im Eifer des Gefechts verwischt haben
nur das z.B. Würfel drehen, Pöppel verschieben, Karten nicht aufdecken o.ä. keine verwischen der Regeln ist und irgendwie auch nicht als solches durchgeht, egal wie sehr man es sich vielleicht einreden möchte ;)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Dreamdealer am 28.04.2014 | 11:32
Als Jugendlicher habe ich geschummelt, dass sich die Balken gebogen haben, beim Rollenspiel habe
ich dann einen durchsichtigen Würfelbecher bekommen und musste die Hand oben auf dem Becher lassen...

Warum? Wir haben viel gespielt in meiner Kindheit und mein Vater und mein Onkel haben auch immer
beschissen, frag nicht nach Sonnenschein. Natürlich konnte man hier als 3 Käse hoch nur mit dem
eigenen Geschummel gegen anstinken und die haben mich eh immer erwischt.

Dann hat sich das einfach in die Jugend durchgezogen, mal wollte natürlich gewinnen und man war ja
so gut im Schummeln. Später war es dann ein Spiel im Spiel, ob man erwischt wird oder nicht.

Heute würde ich jemanden, der versucht in einem Gesellschaftsspiel zu fuddeln, die Finger brechen.
Das ist mittlerweile ein No-Go* für mich, denn ich habe den Anspruch meinen Gegner mit Können in
den Staub zu treten und nicht durch Schummeln.  >;D

* Aussnahme sind Trinkspiele - hier ist immer und alles erlaubt!

Beim Rollenspiel als Spielleiter habe ich schon öfters in die eine oder andere Richtung die Ergebnisse
gebogen, damit mir ein Spieler nicht wegstirbt oder mein Plot sich nicht in Wohlgefallen auflöst. Hier
geht es aber dann nicht ums gewinnen sondern darum, dass die Story weitergeht und interssant bleibt.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Crimson King am 28.04.2014 | 11:42
Dann gehöre/gehörte ich zu dieser Minderheit. Einen anderen Grund gab es eigentlich nicht für mich.

Dann bist du einfach nur ehrlicher als der Rest.

90% der Leute, die schummeln, tun das, weil sie gewinnen wollen. Gewinnen fühlt sich nun mal toll an und verlieren scheiße. Wenn man da nicht drüber steht, macht man eine Risiko- und Nutzenabwägung und wenn die passt, schummelt man los.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: First Orko am 28.04.2014 | 12:11
Ich versuche es mal aus einer anderen Perspektive zu beleuchten, die auch schon angesprochen wurde:
Viel zu viele Spielleiter sind derart (a)sozialisiert, dass sie eine nicht geschaffte Probe ausdrücklich als Versagen behandeln. Will sagen: Nicht nur ist die Aktion mißlungen (was ja durch die Regeln gedeckt ist), auch die Interpretation wird seitens gewisser Spielleiter gern auch so gehandhabt, dass für alle am Tisch und auch für die Charaktere klar ist, dass X es mal wieder versemmelt hat.

Dabei gäbe es kreativere / amüsantere / interessantere Möglichkeiten, mit solchen Aktionen umzugehen, sei es, dass der Ausgang der Probe anders als gedacht ist (also: eigentliches Ziel nicht erreicht, aber stattdessen...).

Wenn jetzt aber der Charakter ausdrücklich als kompetenter, akrobatischer Kämpfer ausgelegt ist und bei jeder zweiten Aktion (durch miese Würfel und miese Interpretation) über seine eigenen Füße stolpert hat man gern mal einen Titel wie "Ulrik der Unfähige" weg. Das mag für den einen oder anderen vielleicht lustig sein, ich selbst hätte damit irgendwann keinen Bock mehr auf den Charakter. Und vor diesem Hintergrund kann ich es durchaus verstehen, wenn ein Spieler dann anfängt, bei der ein oder anderen Probe mal "nicht so genau" auf die Würfel zu gucken.

Zusammengefasst: Natürlich steht gewinnen im Vordergrund. Wenn aber die Alternative "wie ein Vollidiot dastehen" lautet, dann ist das nur eine zusätzliche Motivation, mit allen Mitteln dem Gewinn anzustreben.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: User6097 am 28.04.2014 | 12:21
Ich schummele meistens, wenn ein bestimmter Mitspieler dabei ist. Der ist sehr gut in vielen Spielen, und ich habe soweit ich weiss trotz massiven Schummelns meinerseits erst einmal gegen ihn gewonnen.

Würde ich nicht schummeln, dann würde ich reihenweise nur verlieren, und zwar haushoch. Durchs schummeln bekomme ich wenigstens mal hin und wieder eine knappe Niederlage und damit wenigstens etwas Spannung hin. 
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: am 28.04.2014 | 12:33
Komme gerade von einem verlängerten Rollenspielwochenende wieder. Ich war SL. Einer der vier Spieler mogelt und fälscht Würfelwürfe. Er "verliert" halt nicht gerne. Ist ne Charakterschwäche. Bei sowas wäge ich ab. In diesem Fall habe ich das Thema bewusst nicht thematisiert und ihn gewähren lassen. Zudem bin ich mir relativ sicher, dass die anderen Spieler das ebenfalls bemerkt haben und stillschweigend akzeptieren. Was solls auch? Ist kein großes Ding. Wir haben dennoch viel Spaß. Sollte irgendwann einmal meine individuelle Toleranzgrenze überschritten werden, spreche ich den Burschen nöglichst indirekt-subtil und unter vier Augen darauf an.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: JS am 28.04.2014 | 12:35
Für Schummelei im Spiel dürfte es eine Vielzahl möglicher Erklärungen und Motivationen geben.

Ich habe in der ferneren Vergangenheit sehr selten mal im RSP geschummelt und mache das nun seit langer Zeit überhaupt nicht mehr.

Warum habe ich gelegentlich geschummelt? Weil ich stets sehr an meinen SC hänge und es je nach Situation und Spielleiter in selten Fällen mal vorkam, daß der entscheidende Angriff nicht klappte und entweder die Gruppe (und damit mein SC) oder eben der Boßgegner vernichtet zu werden drohte. In diesen Fällen spielte ich sozusagen ein wenig die höhere Gewalt zu meinen/unseren Gunsten, um meinen SC zu retten.

Warum schummele ich seit Ewigkeiten nicht mehr?
- Ich kann Schummelei nicht leiden, wieso sollte ich sie also selbst betreiben?
- Ich habe genügend Vertrauen in meine SL und weiß, daß sie meinen SC und die Gruppe nicht durch reines Würfelpech einfach so untergehen lassen. Bei doofen oder unüberlegten Handlungen sieht das schon anders aus, aber das erwarte ich auch von meinen SL; der mögliche Gruppentod muß im RSP präsent bleiben.
- Selbst Patzer haben oftmals zu erinnerungswürdigen Momenten geführt, und einige Mitspielerpechvögel, deren SC ständig zu Boden oder vor Angst flohen gingen, schrieben bei uns schon SC-Geschichte.
- Wenn man nicht schummelt, sind die Gottwürfe, die epische Augenblicke erzeugen, viel befriedigender (z.B. ein Dreifach-Uli bei Warhammer 2).
- In einer meiner Gruppen ist ein Spieler, der seltsamerweise 95% aller Würfe schafft, vor allem, wenn er vorher weiß, was er würfeln muß. Wir haben gegen ihn keine konkreten Schummelbeweise, aber es fällt auf, daß sich sein Glück relativiert, wenn man ihm beim Würfeln zuschaut. Da er aber ein netter, lieber, motivierter Kerl ist, tolerieren wir sein Überglück, denn er freut sich auch immer so schön über seine tollen Würfe. Mir mißfällt jedoch als SL und Mitspieler, daß das RSP an Vielfalt und Spannung verliert, wenn ein Spieler selbst die schwierigsten Proben ständig schafft; es wird dann langweilig(er), und man kann sich viele Proben eigentlich auch von vornherein sparen.

Im Brettspielbereich habe ich übrigens noch nie geschummelt, weil das schon in meinem Elternhaus als höchst verwerflich galt und ich i.d.R. auch ein sehr guter Verlierer bin, wenn mich nicht gerade extremes Würfeldauerpech oder hämische Mitspielergemeinheiten verlieren ließen (z.B. das Alle-auf-einen-Phänomen).
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Narubia am 28.04.2014 | 12:52
Ich finde ehrlich gesagt, wenn der Spielleiter die Würfel manipuliert, ist das nicht "schummeln".

Ansonsten sehe ich das ähnlich wie Wellentänzer. Mir ist es egal, welcher Wurm schummelt. Ist seine Sache, und wer bin ich, dass ich als Spielleiter ständig kontrolliere, wer was würfelt?
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Praion am 28.04.2014 | 12:55
Ich finde ehrlich gesagt, wenn der Spielleiter die Würfel manipuliert, ist das nicht "schummeln".
[/quote

Ich würde sagen das kommt darauf an ob das Regelwerk dies explizit erlaubt oder nicht.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: JS am 28.04.2014 | 12:57
Stimmt, als und beim SL bin ich da auch toleranter, wenn das dazu führt, daß die Geschichte besser wird oder ein Kampf milder/härter. Ständiges Regelbeugen mag ich aber weniger, weil dann alles beliebig wird.
Bitter ist dann nur, wenn man auf einen SL stößt, der sich daran freut, wenn SC zu Boden gehen, und der dafür auch mal die Würfelchen dreht.
Mir sind solche SL bekannt, aber zum Glück nur durch Hörensagen.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Praion am 28.04.2014 | 12:59
Und warum darf der SL entscheiden, was besser für die Story wäre?
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Narubia am 28.04.2014 | 13:01
Und warum darf der SL entscheiden, was besser für die Story wäre?
Ich würde sagen, das ist sein Job.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Achamanian am 28.04.2014 | 13:07
Ich würde sagen, das ist sein Job.

Die Spiele mögen beginnen ... (diesmal mache ich nicht mit bei der Diskussion!)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Lord Verminaard am 28.04.2014 | 13:10
Und wieso tun sich ehrliche Spieler oft so schwer damit den Schummler offen zu konfrontieren, selbst wenn sie das Verhalten maßlos stört?

Aus dem gleichen Grund, aus dem sie auch ihre Arbeitskollegen nicht wegen deren fauler Ausreden, ihre Freunde nicht wegen deren Lügengeschichten konfrontieren: Weil sie die Harmonie einem hässlichen Konflikt vorziehen, insbesondere wenn sehr fragwürdig ist, ob er zum gewünschten Ergebnis (der Spielabend geht vergnüglich und ohne Schummeln weiter, der Arbeitskollege verschlampt nie wieder etwas, der Freund mit Neigung zum Flunkern ist künftig immer ehrlich) führt. Interessanter finde ich die Frage, warum manche Gruppen denjenigen immer wieder zum Spielen einladen...
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: JS am 28.04.2014 | 13:11
Und warum darf der SL entscheiden, was besser für die Story wäre?

Du darfst das deinem SL gerne verbieten.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Lord Verminaard am 28.04.2014 | 13:20
P.S.: Was Rollenspiel angeht, halte ich es unter gewissen, vom Gruppenvertrag abhängigen Umständen für sinnvoll, einem Spieler die "Lizenz zum Schummeln" zu geben, eben in story-orientierten Rollenspielen. In DANGER ZONE habe ich das in der Form verarbeitet, dass man in einer normalen Szene jederzeit einen Gummipunkt ausgeben kann, um einen Würfelwurf auf ein beliebiges Ergebnis zu drehen, allerdings kann jeder am Tisch jederzeit diese Option ausschalten, indem er eine "Entscheidungsszene" verlangt, in der dann strikt nach Regeln zu spielen ist.

Ich selber hatte auch schon ein, zwei notorische Würfeldreher am Tisch, aber unter Erwachsenen sage ich beim Rollenspiel, da hier für mich andere Dinge als Gewinnen und Verlieren im Vordergrund stehen: "Muss jeder selbst wissen." Gelegentlich, wenn es mir anfing, auf die Nerven zu gehen, habe ich als SL den Spieler mal aufgefordert, einen Wurf da zu machen, wo ich es gut sehen kann. Das gute daran ist, ich werfe ihm nicht ausdrücklich vor, zu Schummeln, und er muss sich daher auch nicht verteidigen.

Beim Skat oder so geht Schummeln oder Tricksen aber gar nicht, da würde ich ein, zwei mal warnen und dann das Spiel abbrechen.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Narubia am 28.04.2014 | 13:25
Beim Skat oder so geht Schummeln oder Tricksen aber gar nicht, da würde ich ein, zwei mal warnen und dann das Spiel abbrechen.
Wenn jemand beim Schafkopf bewusst schummeln würde und ich würde das merken, würde ich das Spiel beenden und meinen Einsatz zurücknehmen. Ohne Warnung. Spätestens bei Geld hört der Spaß auf.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Lord Verminaard am 28.04.2014 | 13:36
Naja ich spiele normalerweise nicht um Geld oder wenn, dann um symbolische Beträge (1/10 Cent pro Punkt beim Skat).
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Narubia am 28.04.2014 | 13:38
Naja ich spiele normalerweise nicht um Geld oder wenn, dann um symbolische Beträge (1/10 Cent pro Punkt beim Skat).
Ich weiß nicht, wie weit sich das beim Skat aufschaukelt. Aber ich kann sagen, dass an einem Abend bei Schafkopf und unseren Einsätzen selten mehr als 15 Euro pro Spieler den Besitzer wechseln. Also auch eher symbolisch.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Agent_Orange am 28.04.2014 | 13:39
Hallo.

Wenn das Schummeln die Spielmechanismen betrifft, dann ist das problematisch.

Ich kann zwar verstehen, dass jemand, der einen schlechten Lauf hat, zum vermeintlichen "Selbstschutz" auch mal ein Einzelergebnis zu seinen Gunsten verändert oder wichtige für ihn nachteilige Informationen unterschlägt; das ändert aber nichts daran, dass sich der- oder diejenige selbst um das eigentliche Spielergebnis bringt.

Wenn ich früher, in meinen Rollen- und Brettspielanfängen schummelte, hatte ich mich nie wohl gefühlt. Ich tat es ausschließlich, um endlich mal nicht der letzte in einem Spiel zu sein - aber mir war dann auch gleichzeitig klar, dass ich dadurch "das Letzte" war, weil ich alle anderen Spieler um das "richtige" Spielerlebnis gebracht hatte. Letztlich vertrauten damals (und vertrauen auch heute noch) alle am Spieltisch darauf, dass sie jede/r an die Spielregeln hält und sich einerseits den erfolgreicheren Strategien der anderen SpielerInnen und andererseits den Zufällen der Spielmechanismen fügt - im Guten wie im Schlechten. Mein Lehrweg war damals ein kurzer, denn die wenigen Male, die ich schummelte, lassen sich an einer Hand abzählen; und es fühlte sich stets scheiße an. Denn danach war ich nicht wirklich zufriedener, als wenn ich auch so "normal" und "spielkonform" unterlegen wäre.

Was das Rollenspiel betrifft, ist das nicht anders. Ich kann mich nicht daran erinnern, als Spieler geschummelt zu haben, will aber nicht ausschließen, dass ich mal tat. Wenn ich das tat, dann änderte es am Spiel in letzter Konsequenz auch nichts; und vermutlich werde ich mich ähnlich doof gefühlt haben wie beim Brettspiel-Schummeln. Als ich noch SL-Anfänger war, drehte ich gerne die Würfel - wahlweise für die bessere tm Geschichte oder wegen des Missverständnisses, mit den Spielern in einer Art Wettbewerb verhaftet zu sein. Regeln beugte ich dann auch schon mal, weil ich damals der Auffassung war, neben Regeln müssten Ausnahmen bestehen und ich als Spielleiter wäre die Authorität, das entscheiden zu dürfen. Das ist aber laaaaaaaange her. Und heute maße ich mir all diesen Quatsch nicht mehr an. Denn häufig genug sind Spieler die besseren Geschichtenerzähler und Spieler grundsätzlich die Geschichtenerzähler; und andererseits halten sich die Spieler selbst an die Regeln und ihre Würfelergebnisse. Außerdem kann man selbst aus einer verkorksten Spielleiter-Probe echt noch viel machen, ohne das Schicksal seinem eigenen Willen zu unterwerfen. Immerhin verlassen sich die Spieler ja auch darauf, dass ich als Spielleiter für mich die gleichen Maßstäbe wie für sie bzw. wie sie untereinander gelten lasse.

Wenn ich im Brettspiel oder Miniaturenspiel jemanden beim Schummeln erwische, dann ist das Spiel genau dann beendet. Im Rollenspiel lässt sich das spielerisch und vor allem erzählerisch lösen, ohne gleich die Runde zu sprengen oder den Spieler aus der Runde zu werfen; wenn das Thema einmal "out of game" ausdiskutiert wird, sollte sich der jeweilige Schummler unwohl genug fühlen und seine Lehren daraus ziehen.

AO

Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ChaosAmSpieltisch am 28.04.2014 | 14:25
@Agent_Orange,

du nimmst aber an, dass das faire Spiel für jeden das Spielergebnis ist.

Das ist es aber eben nicht.

Für viele ist zum Beispiel das Bewundert werden beim Gewinnen das Spielerlebnis.


@Topic,

warum wird eigentlich immer nur über das Schummeln um selbst zu gewinnen geredet, es gibt ja auch noch das Gegenteil, dass man schummelt um zu verlieren. Zum Beispiel damit ein ewiger Verlierer mal gewinnt, oder um jemanden anderes gut dastehen zu lassen, wodurch man sich selbst einen Vorteil erhofft.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Crimson King am 28.04.2014 | 14:32
warum wird eigentlich immer nur über das Schummeln um selbst zu gewinnen geredet

Weil das der mit weitem Abstand häufigste Fall ist. Dass man mit Leuten spielt, deren Kompetenz im entsprechenden Spiel deutlich niedriger ist, und dies nicht anderweitig kompensiert werden kann, kommt außerhalb des Familienkreises nun mal selten vor und normalerweise reicht es da aus, suboptimale Entscheidungen zu treffen. Schummeln ist da im Gründe unnötig.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Agent_Orange am 28.04.2014 | 14:47
@ChaosAmSpieltisch

Der Vorteil, den sich Schummler vom Spiel erhoffen, basiert auch auf deren Annahme, dass sich alle anderen an die Spielregeln handeln und ein faires Spiel versuchen, weil der Schummler genau diese Vertrauenslage missbraucht.

AO
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ChaosAmSpieltisch am 28.04.2014 | 14:50
@Agent_Orange,

ich rede nicht von Vor- oder Nachteilen beim Schummeln,

sondern von Ziele die man mit dem Spiel verfolgt.

Wenn ich eine Herausforderung suche, ist ein Ziel.

Wenn ich Bewunderung suche, ist es ein anderes Ziel.

Bei letzerem ist es mir sogar vom Vorteil, wenn die anderen Schummeln, weil ich dann das ja auch zu meinem Vorteil nutzen kann (sprich, ich entlarve den Schummler und werde dann eben dafür Bewundert).
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Agent_Orange am 28.04.2014 | 14:59
Hallo.

@ChaosAmSpieltisch

Ok. Ja, ich pflichte Dir bei.

AO
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Luxferre am 28.04.2014 | 16:57
Meine Würfel schummeln  >;D

Ich habe ein Set, welches nachgewiesenermaßen hoch würfelt (Strichliste über viele Spielabende geführt). Aber an sich habe ich das Schummeln als Spieler eingestellt. Soll der SL doch sehen, wenn er mich in save-or-die Situationen bringt, die mit einem Würfelwurf entscheiden. Geht mein SC dann drauf ist es halt wie es ist und außerdem zerschießt er sich selbst seine Kampagne. Da bin ich emotionslos (oder zu wenig ehrgeizig).
Als SL biege ich die Würfel nur sehr, sehr selten. Ich mag das nicht. Wenn mir die Würfelei nicht passt, dann kann ich gleich ein anderes Spiel spielen. Wenn mir Zufälle nicht passen, dann muss ich erst recht etwas anderes spielen. Also: so what?!?
Wenn ich als SL drehe, dann drehe ich bei zu hohen Krits gegen die SC. Kampf ist nachhaltig gesehen eh ein Minus für einen SC, also warum genauso stark abstrafen, wie die NSC?

Warum drehen Leute würfel? Weil ihr ... Ego eine Niederlage verbietet. Okay, war zu hart ausgedrückt, aber ich denke in der Tat so. Wer im RL eher unzufrieden ist, wenig gebacken bekommt, orientierungslos umherschwimmt, schlechtgelaunt (depressiv) ist mag eher zu erschummelten Siegen neigen. Warum soll man im Rollenspiel, wo man eh schon larger-than-life ist auch noch versagen? Und das kann ich verdammt gut verstehen! Ich will Erfolge. Tolle Stunts, Loot, Anerkennung. Im Rollenspiel kann ich all das erreichen, was mir im RL vielleicht zuviel abverlangt oder auch gar nicht möglich ist. Rollenspiel ist halt auch zu einem Teil Realitätsflucht und dazu passen Misserfolge, Niederlagen, Demütigung und Scheißaktionen einfach nicht.
Wie gesagt: vollstes Verständnis.

Anekdote:
Ich habe mal einem damals sehr deutlich schummelden Mitspieler immer noch krassere Erfolge bei den Gegnern vorgegaukelt. Das hat sich endlos hochgeschaukelt, bis es peinlich wurde. Siebenmal hochwürfeln bei Rolemaster war da schon drin. Noch Fragen?  ~;D
(echte Viermal habe ich geschafft!)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Gorbag am 28.04.2014 | 17:22
Eine andere Frage ist, wie weit definiert man Schummeln denn im Bezug auf Rollenspiele. Als Meister Würfel drehen halte ich für relativ unkritisch, da es keine Balance zwischen Meister und Spieler gibt. Der Meister kann an den Würfeln beliebig nach oben und unten drehen, denn ob der Goblin jetzt verfehlt oder der Meister den Treffer auf gelungen hoch dreht macht keinen Unterschied weil der Meister ja genau so gut einen neuen Goblin auftauchen lassen kann. Ich kenne sehr wenige Rollenspiele wo die Ressourcen des Meisters tatsächlich begrenzt sind, vor allem wenn man es über größere Zeitabstände betrachtet.
Dreht der Meister zu Gunsten der Spieler ists doch auch ok, denn meistens dient das entweder dem Spielspaß oder der Dramaturgie. Von daher entsteht da auch niemandem ein echter Nachteil.

Aber was ist wenn man den Schummeln Begriff mal etwas weiter fasst. Ist z.B. Powergaming Schummeln? Es liegt perfekt in den Regeln und doch fühlt man sich in der Praxis als Normalspieler benachteiligt, wenn so ein MinMax-Monster in der Gruppe rumhängt und der Meister da mal nicht die Handbremse zieht.
Was ist wenn der Probenmechanismus einfach unfair ist. Dread arbeitet z.B. mit Jengatürmen für Proben und ich habe einen Kumpel der die Dinger bis auf das minimal Nötigste auseinandernehmen kann ohne das es ihm schwer fällt.
In unserer Vampire Live Kampagne spielen wir Schere Stein Papier für Proben (ist echt suboptimal) und ich habe schon Spieler im Kampf SC gegen SC besiegt, weil ich genau wusste das er gerne mit Stein anfängt. Ich hab es ihm danach gesagt und seit dem ist es auch besser geworden.

Gerade Probenmechanismen die nicht zufällig sind haben solche Probleme das man sie mit eigenem Talent ausnutzen kann. Legend of the Five Rings finde ich hat da auch ein gewisses Potential, denn hier hängt Vieles davon ab ob und wie gut man Wahrscheinlichkeiten einschätzen kann.

Aber gerade so was finde ich störender als einen Meister der was an den Würfel dreht. Denn die Spieler sind auf meinem Level an Kompetenz und sind den gleichen Regeln unterworfen und damit ist das die "Konkurrenz" an der man sich messen muss. Da finde ich einen Powergamer o.Ä. schon deutlich störender (auch wenn mir das noch immer nicht den Spielspaß nimmt, aber es sorgt für einen faden Beigeschmack). 
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Dragon am 28.04.2014 | 17:37
Schummeln ist für mich, wenn man absichtlich gegen geltende/abgesprochene Regeln verstößt.
Egal warum. Für mich gibt es kein "gutes schummeln".

Geltende Regel bei Würfelspielen ist normalerweise, dass der Zufall (der Würfel) über das Ergebnis entscheidet und man diese nicht nach eigenem Willen dreht und zwar egal warum.
Und ja es gibt Spiele da darf man das, aber da ist das ja dann auch in den Regeln/der Absprache verankert.

Und ja, der würfeldrehende SL fällt in meine Definition von schummeln.

Zitat
Was ist wenn der Probenmechanismus einfach unfair ist.
Dann frage ich mich wieder, warum man das spielt oder diese Mechanismen benutzt.
Ich kenne übrigens auch jemanden, der kann W20 auf fast beliebigen Wert werfen, faszinierend. Würfelbecher sind da Pflicht.
Aber hier gehts ja auch nicht darum, was man störender findet, sondern warum man schummelt ;)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: 1of3 am 28.04.2014 | 17:56
Eine andere Frage ist, wie weit definiert man Schummeln denn im Bezug auf Rollenspiele. Als Meister Würfel drehen halte ich für relativ unkritisch, da es keine Balance zwischen Meister und Spieler gibt. Der Meister kann an den Würfeln beliebig nach oben und unten drehen, denn ob der Goblin jetzt verfehlt oder der Meister den Treffer auf gelungen hoch dreht macht keinen Unterschied weil der Meister ja genau so gut einen neuen Goblin auftauchen lassen kann. [...]

Aber gerade so was [d.h. Powergaming und nicht-zufällige Proben] finde ich störender als einen Meister der was an den Würfel dreht. Denn die Spieler sind auf meinem Level an Kompetenz und sind den gleichen Regeln unterworfen und damit ist das die "Konkurrenz" an der man sich messen muss. Da finde ich einen Powergamer o.Ä. schon deutlich störender (auch wenn mir das noch immer nicht den Spielspaß nimmt, aber es sorgt für einen faden Beigeschmack). 

Wieso musst du dich an den Spielern messen? Die Charaktere agieren doch sowieso meistens als Team. Wenn sie aber nicht als Team agieren, sondern gegeneinander, was ist falsch daran, wenn einer gewinnt?

Bei der SL und ihrer Möglichkeit der spontanen Goblin-Vermehrung hast du nicht Unrecht. Allerdings ist dann die Frage, warum überhaupt gewürfelt wird. Wenn wir annehmen kann, dass die SL sowieso alles erreichen kann, indem sie es passieren lässt, wozu sollte man überhaupt würfeln? Deine Argumentation greift also gewisser Maßen zu kurz oder aber an den Prämissen stimmt etwas nicht.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Agent_Orange am 28.04.2014 | 18:03
Auch als Spieler verlasse ich mich darauf, dass der Spielleiter, wenn er würfelt, das Würfelergebnis 1:1 umsetzt. Wenn er danach noch mehr XP-Futter vor meine Klinge wirft, OK. Wenn er aber das Würfelergebnis dreht, nur um mich zu treffen, dann ist das ein mieser Schachzug.

AO
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Dragon am 28.04.2014 | 18:05
Auch als Spieler verlasse ich mich darauf, dass der Spielleiter, wenn er würfelt, das Würfelergebnis 1:1 umsetzt. Wenn er danach noch mehr XP-Futter vor meine Klinge wirft, OK. Wenn er aber das Würfelergebnis dreht, nur um mich zu treffen, dann ist das ein mieser Schachzug.

AO
Klar, der Unterschied ist nämlich: gegen Würfeldreher ist man machtlos!
Zwar kann man vielleicht auch nichts dagegen tun, dass da die nächsten Gobbos um die Ecke laufen, aber gegen die Goblins kann ich was tun und sei es weglaufen.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Praion am 28.04.2014 | 18:06
Aber was ist wenn man den Schummeln Begriff mal etwas weiter fasst. Ist z.B. Powergaming Schummeln? Es liegt perfekt in den Regeln und doch fühlt man sich in der Praxis als Normalspieler benachteiligt, wenn so ein MinMax-Monster in der Gruppe rumhängt und der Meister da mal nicht die Handbremse zieht.

Nichts hindert dich daran mehr Zeit zu investieren um das genau so gut zu können oder? Da ist einfach fehlender Spieler Skill vorhanden. Nicht persönlich gemeint.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: 1of3 am 28.04.2014 | 18:09
Auch als Spieler verlasse ich mich darauf, dass der Spielleiter, wenn er würfelt, das Würfelergebnis 1:1 umsetzt. Wenn er danach noch mehr XP-Futter vor meine Klinge wirft, OK. Wenn er aber das Würfelergebnis dreht, nur um mich zu treffen, dann ist das ein mieser Schachzug.

Bei einer Umsetzung 1:1 gäbe es ja auch die andere Richtung. Wie ist es, wenn dir die Abweichung zum Vorteil gereicht?

Hier haben wir ein Problem mit dem Begriff "Schummeln" und der Rolle der "SL", ähnlich wie Gorbag es anspricht. Nicht zu schummeln bedeutet demnach nicht in einer Weise von den Regeln abzuweichen, die andere schlechter stellt. Das hast du dir entsprechend gerade verbeten. Was aber, wenn die SL andere besser stellt? Das würde üblicher Weise niemand tun, denn dann gewinnt man nicht. Wir ahnden es also üblicher Weise nicht als Schummeln. Die SL kann für gewöhnlich aber nicht gewinnen.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Dragon am 28.04.2014 | 18:18
Irgendwie störe ich mich an der Vorstellung, dass es beim Rollenspiel was "zu gewinnen" gibt  :o
Aber schummeln ist unabhängig vom Begünstigten immer noch schummeln!
Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel ;)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Agent_Orange am 28.04.2014 | 18:20
Bei einer Umsetzung 1:1 gäbe es ja auch die andere Richtung. Wie ist es, wenn dir die Abweichung zum Vorteil gereicht?

Hier haben wir ein Problem mit dem Begriff "Schummeln" und der Rolle der "SL", ähnlich wie Gorbag es anspricht. Nicht zu schummeln bedeutet demnach nicht in einer Weise von den Regeln abzuweichen, die andere schlechter stellt. Das hast du dir entsprechend gerade verbeten. Was aber, wenn die SL andere besser stellt? Das würde üblicher Weise niemand tun, denn dann gewinnt man nicht. Wir ahnden es also üblicher Weise nicht als Schummeln. Die SL kann für gewöhnlich aber nicht gewinnen.

Ok. Guter Punkt. Dann sehe ich das aber (mittlerweile) auch so, dass zwischen mir und dem Spielleiter die Vereinbarung besteht, dasselbe Spiel zu spielen. Die Regeln für mich lauten: Würfeln und mit Ergebnis leben, egal was kommt; die Regeln sind für den Spielleiter dabei nicht anders. Wir haben uns dabei dann auch darauf verständigt, dass wir die Konsequenzen und Risiken des Spiels für meine Spielfigur annehmen, auch wenn sie mal nicht so glücklich verlaufen.

AO

AO
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: 1of3 am 28.04.2014 | 18:31
Irgendwie störe ich mich an der Vorstellung, dass es beim Rollenspiel was "zu gewinnen" gibt  :o
Aber schummeln ist unabhängig vom Begünstigten immer noch schummeln!
Der Zweck heiligt nicht immer die Mittel ;)

Es kommt zweifelsfrei sehr darauf an, was du unter Gewinnen verstehst. Die meisten Rollenspiele - aber einige eben schon - haben keine explizite Bedingung für ein Spielende. Man kann also nicht das Spiel gewinnen. Dennoch kann man vielleicht beim Spielen gewinnen. Etwa indem man den größten Krit am Abend landet, den Prinzen rettet, eine Stufe aufsteigt etc. Dieses Gewinnen besteht dann in der Kongruenz zwischen Einsatz, Erfolg und Anerkennung durch die übrigen Teilnehmer: Man hat gewonnen, wenn alle anderen und man selbst glaubt, dass man gewonnen hat.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Gorbag am 28.04.2014 | 18:38
Klar, der Unterschied ist nämlich: gegen Würfeldreher ist man machtlos!
Zwar kann man vielleicht auch nichts dagegen tun, dass da die nächsten Gobbos um die Ecke laufen, aber gegen die Goblins kann ich was tun und sei es weglaufen.

Das ist aber auch relativ. Der Spielleiter sitzt am längeren Hebel und kann, da er perfekte Kontrolle über die Welt genießt seinen gewünschten Ausgang für ein Ereignis forcieren, ganz ohne Würfel zu drehen. Wenn das Ziel ist das die Spieler ⅓ Ihrer HP einbüßen bei dem ersten Encounter damit es eine wichtige Begegnung mit dem Dorfheiler die Straße runter gibt dann schafft das der Spielleiter auch auf die eine oder andere Weise. Klar kann das irgendwann lächerlich werden. Aber in der Regel ist es doch so das ich das einzelne Ereignis vernachlässigen kann, wenn kontrolliere welche Ereignisse alle eintreten. Du gewinnst gegen den Goblin ohne Schaden zu nehmen? Dann schicke ich einen zweiten Goblin. Du läufst weg durch den Wald? Schauen wir ob du die Bären falle siehst. Das Wespennest? Den steilen Abhang? Alles? Gut dann ist dein Essen verdorben und du bekommst eine Lebensmittelvergiftung.

Klar ist, das man hier an Meisterwillkür gerät, die Frage ist ob man das merkt bevor der Meister am Ziel ist.
Kern der Aussage soll aber sein, dass der Meister sein Ziel erreichen kann, ob er einen Würfel dreht oder nicht. Denn die Anzahl der Möglichkeiten des Meisters sind (nahezu) unbegrenzt und damit kann er auch gleich den Würfel drehen ohne eine Kette von 20 (sinnlosen) Ereignissen loszutreten um am Ende beim gleichen Ergebnis raus zu kommen (gut, es ist mehr Geschichte dahinter...).
Das einzige was hier wirklich entscheidend ist ist wie im Thema ja auch gefragt das "Warum". Wenn der Meister dreht um mich zu besiegen und um selbst "zu gewinnen" dann ist das etwas was sehr schnell die Spielgruppe zerstört. Wenn der Meister so was für die Dramaturgie macht oder für die Spannung finde ich das durchaus okay. Dann ist es quasi ja Betrug zum Wohl der Gruppe (der Robbin Hood Schummler ;) ).

Wieso musst du dich an den Spielern messen? Die Charaktere agieren doch sowieso meistens als Team. Wenn sie aber nicht als Team agieren, sondern gegeneinander, was ist falsch daran, wenn einer gewinnt?

Wenn dein Charakter nie in seiner Aufgabe erfolg hat oder nur selten Spothlight, dann stört die meisten Spieler das. Wenn Krieger A alles um Haut und Krieger B bei einem Skelett schon schwer atmet dann ist das auch suboptimal. Bei Rollenspiel, dass sich stark auf Charakterdarstellung fixiert ist das noch relativ egal, bei Rollenspielen die fast schon Brettspiele sind ist die Gleichwertigkeit und Vergleichbarkeit der Charas denke ich schon viel wichtiger (z.B. D&D). Die Spieler arbeiten als Team das stimmt, aber niemand will das schwächste Glied sein und die meisten wären lieber Häuptlinge als Indianer.

 
Nichts hindert dich daran mehr Zeit zu investieren um das genau so gut zu können oder? Da ist einfach fehlender Spieler Skill vorhanden. Nicht persönlich gemeint.

Keine Sorge, ich nehme da nichts persönlich ;). Ich sehe hier aber auch weniger mangelnden Skill als Problem, sondern verschiedene Spielauffassungen (beim Powergaming). Ich glaube hier geht es viel um "unausgesprochene Regeln" und deren Einhaltung (Fällt wohl auch in die Schiene Gruppenvertrag). Vor allem wenn man gezielt Schwachstellen im System sucht und ausnutzt dann halte ich das, insbesondere wenn man der einzige ist der das aktiv betreibt, schon für eine schwächere Form des Schummeln. Hier ist die Geisteshaltung nur eine andere, weil eben Powergaming zwar verpönt aber nicht verboten ist. Ich glaube aber das es meistens aus den gleichen oder ähnlichen Defiziten in der Persönlichkeit herrührt wie das Schummeln.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Pyromancer am 28.04.2014 | 18:41
Das ist aber auch relativ. Der Spielleiter sitzt am längeren Hebel und kann, da er perfekte Kontrolle über die Welt genießt seinen gewünschten Ausgang für ein Ereignis forcieren, ganz ohne Würfel zu drehen. Wenn das Ziel ist das die Spieler ⅓ Ihrer HP einbüßen bei dem ersten Encounter damit es eine wichtige Begegnung mit dem Dorfheiler die Straße runter gibt dann schafft das der Spielleiter auch auf die eine oder andere Weise. Klar kann das irgendwann lächerlich werden. Aber in der Regel ist es doch so das ich das einzelne Ereignis vernachlässigen kann, wenn kontrolliere welche Ereignisse alle eintreten. Du gewinnst gegen den Goblin ohne Schaden zu nehmen? Dann schicke ich einen zweiten Goblin. Du läufst weg durch den Wald? Schauen wir ob du die Bären falle siehst. Das Wespennest? Den steilen Abhang? Alles? Gut dann ist dein Essen verdorben und du bekommst eine Lebensmittelvergiftung.

Und in vielen Runden fällt das genauso unter "Schummeln" wie Würfeldrehen...
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Agent_Orange am 28.04.2014 | 18:51
Ich werfe mal 'ne Frage in den Ring:

Ist das wirklich Schummeln, wenn der Spielleiter aus der Erzählung heraus versucht, etwas bestimmtes zu erreichen, was für ihn schwerer und aufwendiger ist, als wenn er in einer bestimmten Würfelprobe das Ergebnis dreht?
Da habe ich gewisse Zweifel.

Bei den erzählerischen Mitteln und Möglichkeiten des Spielleiters gibt es für die Spieler die Möglichkeiten, darauf entsprechend zu reagieren - eben mit ihren erzählerischen Mitteln. Und wenn der Spielleiter einfach nur mehr Monster aus dem Hut zaubert, dann gibt es dafür einen realen Gegenwert für die Spieler - nämlich mehr XP und Loot und Shit. Das alles gibt es nicht, wenn der Spielleiter seine Würfelergebnisse dreht ...

AO
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: 1of3 am 28.04.2014 | 18:54
Wenn dein Charakter nie in seiner Aufgabe erfolg hat oder nur selten Spothlight, dann stört die meisten Spieler das. Wenn Krieger A alles um Haut und Krieger B bei einem Skelett schon schwer atmet dann ist das auch suboptimal.

Eine Lösung ist dann natürlich: Es gibt nur einen Krieger. Du darfst der Kleriker sein und den Krieger wieder zusammen flicken. Du darfst der Magier sein und ganz tolle Sachen zaubern. Aber wenn Christiane die Kriegerin gibt, spielst du keinen.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Pyromancer am 28.04.2014 | 18:57
Ich werfe mal 'ne Frage in den Ring:

Ist das wirklich Schummeln, wenn der Spielleiter aus der Erzählung heraus versucht, etwas bestimmtes zu erreichen, was für ihn schwerer und aufwendiger ist, als wenn er in einer bestimmten Würfelprobe das Ergebnis dreht?
Da habe ich gewisse Zweifel.

Es ist Schummeln, wenn sich die Gruppe darauf geeinigt hat, dass man das nicht macht.
Genauso, wie Würfeldrehen Schummeln ist, wenn sich die Gruppe darauf geeinigt hat, dass man das nicht macht.

Natürlich kann sich jede Gruppe darauf einigen, dass Würfeldrehen oder Kulissenschieben in Ordnung ist, und dann ist es natürlich auch kein Schummeln mehr. :)

Problematisch ist das Ganze nur, weil es viele unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, und in Gruppen oft UNAUSGESPROCHEN davon ausgegangen wird, dass so und nicht anders gespielt wird.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Agent_Orange am 28.04.2014 | 19:31
Es ist Schummeln, wenn sich die Gruppe darauf geeinigt hat, dass man das nicht macht.
Genauso, wie Würfeldrehen Schummeln ist, wenn sich die Gruppe darauf geeinigt hat, dass man das nicht macht.

Natürlich kann sich jede Gruppe darauf einigen, dass Würfeldrehen oder Kulissenschieben in Ordnung ist, und dann ist es natürlich auch kein Schummeln mehr. :)

Problematisch ist das Ganze nur, weil es viele unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, und in Gruppen oft UNAUSGESPROCHEN davon ausgegangen wird, dass so und nicht anders gespielt wird.

Mit anderen Worten: Schummeln ist im Prinzip relativ und eine Definitionssache.

ich frage mich nur gerade, ob diese Differenzierungen überhaupt notwendig sind, um die Motive für Schummeln zu erfassen und zu begreifen.

AO
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: 1of3 am 28.04.2014 | 19:45
Mit anderen Worten: Schummeln ist im Prinzip relativ und eine Definitionssache.

Zweifellos. Es ist ja auch nicht verboten beim Handball mit der Hand zu spielen. Beim Fußball aber sehr wohl - zumindest unter den meisten Umständen.

Es gibt natürlich trotzdem einen Unterschied zwischen unausgesprochenen und verbrieften Regeln. Niemand kann beschuldigt werden, sich nicht an unausgesprochene Regeln gehalten zu haben. Das passiert auch üblicher Weise nicht. Man spricht dann nicht von einem Regelbruch, sondern von einem Missverständis.

Wir agieren statt dessen häufig umgekehrt: Wer nicht alle Vorteile nutzt, die unter den vereinbarten Regeln theoretisch möglich wären, gilt als besonders fair.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ElfenLied am 28.04.2014 | 19:55
Da ich in der Vergangenheit viel auf Tabletopturnieren gespielt habe bin ich äußerst intolerant was Schummlerei am Spieltisch angeht. Gerade Würfeldrehen ist für mich ein absolutes no-go für beide Seiten, außer man einigt sich vor dem Spiel explizit darauf. Als SL Würfel ich immer offen und für die Spieler deutlich sichtbar, und erwarte von meinen Spielern dasselbe. Bei Würfeldrehern gibt es eine Verwarnung, beim zweiten Mal spiele ich nicht mehr mit der Person.

Ich hatte mal einen Mitspieler, der von seiner Burschenschaft her so ein bisschen völkisch angehaucht war, und für ihn war ein "Sieg" auch immer sowas wie ein Beweis für seine Überlegenheit. Als das mit dem Schummeln überhand nahm und er auch noch rassistische Parolen von sich gab, habe ich ihn mit Pfefferspray besprüht.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Agent_Orange am 28.04.2014 | 20:03
Da ich in der Vergangenheit viel auf Tabletopturnieren gespielt habe bin ich äußerst intolerant was Schummlerei am Spieltisch angeht. Gerade Würfeldrehen ist für mich ein absolutes no-go für beide Seiten, außer man einigt sich vor dem Spiel explizit darauf. Als SL Würfel ich immer offen und für die Spieler deutlich sichtbar, und erwarte von meinen Spielern dasselbe. Bei Würfeldrehern gibt es eine Verwarnung, beim zweiten Mal spiele ich nicht mehr mit der Person.

Ich hatte mal einen Mitspieler, der von seiner Burschenschaft her so ein bisschen völkisch angehaucht war, und für ihn war ein "Sieg" auch immer sowas wie ein Beweis für seine Überlegenheit. Als das mit dem Schummeln überhand nahm und er auch noch rassistische Parolen von sich gab, habe ich ihn mit Pfefferspray besprüht.

OT: Pfefferspray ...  :o Rauswerfen wär' nicht drin gewesen?
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Narubia am 28.04.2014 | 20:06
Ich glaube, wenn mich jemand wegen Schummelns mit Pfefferspray besprühen würde, würde ich ihn anzeigen. Das ist dermaßen verhältnislos.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ElfenLied am 28.04.2014 | 20:11
OT: Pfefferspray ...  :o Rauswerfen wär' nicht drin gewesen?

Nachdem er mir (vor Zeugen!) körperliche Gewalt angedroht hatte als ich ihn auf seine Schummlerei hinwies und mir Worte wie "Untermensch" und "Geh doch zurück nach <Herkunftsland>" an den Kopf geworfen wurden sah ich mich darin absolut gerechtfertigt.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Agent_Orange am 28.04.2014 | 20:13
Ich glaube, wenn mich jemand wegen Schummelns mit Pfefferspray besprühen würde, würde ich ihn anzeigen. Das ist dermaßen verhältnislos.

Nachdem er mir (vor Zeugen!) körperliche Gewalt angedroht hatte als ich ihn auf seine Schummlerei hinwies und mir Worte wie "Untermensch" und "Geh doch zurück nach <Herkunftsland>" an den Kopf geworfen wurden sah ich mich darin absolut gerechtfertigt.

Das ist ein echtes Eskalationsthema. Ich schlage vor, dass wir on topic bleiben. Das Thema über die Gründe des Schummelns ist ja durchaus spannend.


AO
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Bad Horse am 28.04.2014 | 20:20
Ich würde jetzt auch lieber weiter übers Schummeln reden.

Ich vermute, dass es für einige Spieler eine Art "Notwehr" gegen SL-Willkür darstellt: Wenn der SL mich mit den 1.000 Goblins der Verdammnis konfrontiert und mich danach noch mit Todeshörnchen und vergammeltem Essen bewirft, dann hab ich auch kein schlechtes Gewissen beim Würfeldrehen.

Und wenn ein Spieler entsprechend sozialisiert ist, dass ein vergeigter Wurf eben Schmach, Schande oder Tod für den Charakter darstellt, dann wirkt ein bisschen "oh, der brennt, ich würfel noch mal" nicht mehr so unglaublich betrügerisch.

Übrigens kenn ich das von mir selbst, dass ich nicht unbedingt am Würfel herumdrehe oder gar meinen Würfel zinke... aber wenn ich in einer wichtigen Situation schon mal gewürfelt habe, bevor der Rest der Gruppe hinschaut, dann kann es passieren, dass ich das Ergebnis nehme, wenn es gut war, oder noch mal würfele, wenn es mies war. Das Gleiche bei heruntergefallenen Würfeln.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ElfenLied am 28.04.2014 | 20:31
Übrigens kenn ich das von mir selbst, dass ich nicht unbedingt am Würfel herumdrehe oder gar meinen Würfel zinke... aber wenn ich in einer wichtigen Situation schon mal gewürfelt habe, bevor der Rest der Gruppe hinschaut, dann kann es passieren, dass ich das Ergebnis nehme, wenn es gut war, oder noch mal würfele, wenn es mies war. Das Gleiche bei heruntergefallenen Würfeln.

Das scheint, zusammen mit dem Würfel hochheben und gegen das Licht halten um die Zahl "besser sehen" zu können, die Hauptmethode für das Würfeldrehen zu sein. Zumindest aus meiner Erfahrung.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Bad Horse am 28.04.2014 | 20:36
Sowas hab ich nicht gemacht. Ich hab nur ab und an noch mal gewürfelt, wenn mir das Ergebnis nicht gefallen hat.

Okay, als SL hab ich früher auch kräftig beschissen, wegen der Story und so. Das versuch ich mir aber abzugewöhnen.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Slayn am 28.04.2014 | 20:40
Wobei ich ja noch eine andere Art zu "Schummeln" erlebt habe, die ich bisher primär von DSA-sozialisierten Spielern kenne:
Nach lauter harmlosen Kleinigkeiten fragen und dann daraus einen Fakt basteln der dann in den Raum gestellt wird und vom SL nicht mehr umkehrbar ist.
(Beispiel: Frage nach lauter Material und Beschaffenheiten in einem Raum, nur um dann zu erklären wie man jetzt daraus eine Bombe bastelt, etc.)

Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: 1of3 am 28.04.2014 | 20:46
Quasi, Djinni-Spiel rückwärts? Also Efreeti-Spiel? Wobei das eigentlich nur ist, was den Tactician ausmacht: Aus Beschreibung anderer Leute Vorteil Schlagen.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Praion am 28.04.2014 | 20:59
Wobei ich ja noch eine andere Art zu "Schummeln" erlebt habe, die ich bisher primär von DSA-sozialisierten Spielern kenne:
Nach lauter harmlosen Kleinigkeiten fragen und dann daraus einen Fakt basteln der dann in den Raum gestellt wird und vom SL nicht mehr umkehrbar ist.
(Beispiel: Frage nach lauter Material und Beschaffenheiten in einem Raum, nur um dann zu erklären wie man jetzt daraus eine Bombe bastelt, etc.)

Wenn sie die Wissensprobe hinbekommen...
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Gorbag am 28.04.2014 | 23:41
Ich werfe mal 'ne Frage in den Ring:

Ist das wirklich Schummeln, wenn der Spielleiter aus der Erzählung heraus versucht, etwas bestimmtes zu erreichen, was für ihn schwerer und aufwendiger ist, als wenn er in einer bestimmten Würfelprobe das Ergebnis dreht?
Da habe ich gewisse Zweifel.

Bei den erzählerischen Mitteln und Möglichkeiten des Spielleiters gibt es für die Spieler die Möglichkeiten, darauf entsprechend zu reagieren - eben mit ihren erzählerischen Mitteln. Und wenn der Spielleiter einfach nur mehr Monster aus dem Hut zaubert, dann gibt es dafür einen realen Gegenwert für die Spieler - nämlich mehr XP und Loot und Shit. Das alles gibt es nicht, wenn der Spielleiter seine Würfelergebnisse dreht ...


Es ist nicht direkt Schummeln, sondern Manipulation der Spieler. Aber es führt zum gleichen Endpunkt, nur das der Spielleiter einen Umweg nehmen musste.
Für mich ist das Problem einfach, dass der Spielleiter perfekte Kontrolle der Welt hat und dich in Situation X bringen kann (wenn du nicht total den Plot verweigerst) und das entweder durch Würfel drehen oder geschickte Manipulation und Steuerung der Spieler.
Du fügst an dass du ja einen Gegenwert bekommst. Wenn wir den Gegenwert als "Treffbare Entscheidungen" definieren oder Erzählzeit ist  das in sofern hinfällig, als das du die Zeit die dich deine SL zu Ereignis X hin manipuliert in der Regel auch bekommst wenn der Würfel gedreht wird weil das nächste Abenteuer ja dann schneller los geht.
Wenn wir jetzt über Ingame oder Regelmechaniken reden ist das ja auch nichts endgültiges. Entweder ich gebe dir Incentivs auf Gefühlseben ("Die blutjunge weinende Bauerstochter bittet dich unter Tränen um Hilfe und verspricht dir ein Festmahl") oder ich gebe dir Incentivs die die wenig Wert sind ("Jeder Tote Goblin hat 2-3 Kupfermünzen dabei, das Abenteuer gibt aber 1k Gold") oder ich vernichte deinen Gewinn mittelfristig ("In 2 Abenteuern kommt ihr in eine belagerte Stadt wo alles 10% mehr kostet, also kann ich euch jetzt mit mehr Geld ködern") oder ich gebe dir Ereignisse bei denen keine Belohnung zu erwarten ist ("Eine Lawine bricht los als ihr den Pfad entlang geht") oder ich gebe dir was das für dich einen hohen ideellen Wert besitzt real aber wenig wert ist ("Du bekommst die Hundemarke deines im Krieg gefallenen Vaters").

Faktisch kann der Spielleiter dich also mehr oder weniger sanft zu Situation X bringen (solange du dich nicht komplett dem Plot verweigerst) und solange das nicht deine letzte Rollenspielrunde unter dem Spielleiter ist gewinnst du objektiv betrachtet relativ wenig, schlimmer noch du wendest sogar noch Zeit auf und am Ende wärst du dann ungefähr am gleichen Punkt wie wenn der Spielleiter den Würfel gedreht hat. Nur das du jetzt nicht durch eine physikalische Aktion betrogen wurdest, sondern durch Manipulation zu dieser Situation geführt wurdest.

Würde jemand so mit dir abseits des Rollenspiels umgehen würdest du dich, wenn du die Intention dahinter endlich durchschaust vermutlich auch (oder sogar stärker) betrogen fühlen. Wenn ich dich beim Pokern bescheiße, um dir 10€ ab zu nehmen, habe ich dich genau so betrogen, wie wenn ich behaupte ich wäre dein Enkelsohn und bräuchte 10€ um ein Zugticket zu kaufen (gut das klappt nur bei alten Leuten, aber auf irgend eine Masche fällt jeder rein).

Nachtrag: Genau wegen solcher Sachen ist Railroading auch so unbeliebt ;).
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Agent_Orange am 29.04.2014 | 08:31
Hallo.

@Gorbag,

Ok, ich verstehe, was Du meinst und beschreibst. Ich habe gleichwohl "nur" das Gefühl, dass dabei aber im Unterschied zum regeltechnisch schummelnden Spielleiter letztlich etwas positives übrig bleibt - nämlich eine erzählte Geschichte. Außerdem betonst Du, dass dieses erzählerische Schummeln durch konsequente Verweigerung der Spieler behindert werden kann. Und ich denke, dass aus diesen zwei Gründen das erzählerische Schummeln nicht mehr als ein schlechter Spielleitungsstil ist, sodass das Wort "Schummeln" hier wohl nicht angebracht ist. Deshalb wohl benennst Du es auch als "Manipulation der Spieler".

Klar - zwischen dieser Manipulation der Spieler und dem Schummeln gibt es möglicherweise parallelen auf der Motiv-Ebene. Und das macht es valide, auch diese Manipulation hier mit zu diskutieren. Also stelle ich die Frage:
Warum manipuliert ein Spielleiter die Spieler?

- Um eine "bessere" Geschichte erzählen zu können?
- Um seine Machtposition auszukosten und die Spieler spüren zu lassen?
- Weil "er es kann"?
- Weil er das Spielleiten von seiner "Mudda" gelernt hat?
- Weil er sauer ist, immer als einziger Spielleiter sein zu müssen, während sich die Spieler entspannt zurücklehnen und sich bespaßen lassen wollen?
- Weil er ein Railroading-Fanatic ist?
- Weil er etwas in einem der zillionen Pfadfinder- oder Schwarzauge-Publikationen gelesen hat, um es unbedingt an den Mann zu bringen?
- Weil er es auf einen bestimmten Spieler oder Charakter abgesehen hat (aka Mobbing)? (So mir geschehen, als ich vor knapp zwanzig Jahren einen brutal effektiven Zwergenkrieger mit einem Sprachfehler (Stottern) spielte, was dem Spielleiter überhaupt nicht gefiel ...)
- Weil er - und das hatten wir im Zusammenhang mit dem Schummeln schon - Bewunderung für seinen Einfallsreichtum erheischen will?

Welche Fragen habe ich vergessen?

AO
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ChaosAmSpieltisch am 29.04.2014 | 08:36
Deien Sache setzt aber vorraus, dass der SL alleine eine bessere Geschichte erzählt, als die Gruppe zusammen, und das will ich hiermit explizit abstreiten.

Die beste Geschichte entsteht, wenn alle zusammen wirken die Geschichte zu erzählen, und dabei alle offen und ehrlich sind mit ihren Würfeln.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Agent_Orange am 29.04.2014 | 09:10
Deien Sache setzt aber vorraus, dass der SL alleine eine bessere Geschichte erzählt, als die Gruppe zusammen, und das will ich hiermit explizit abstreiten.

Die beste Geschichte entsteht, wenn alle zusammen wirken die Geschichte zu erzählen, und dabei alle offen und ehrlich sind mit ihren Würfeln.

Da sind wir nahezu einer Meinung; ich persönlich sehe den Schwerpunkt der Geschichtenerzählung bei den Spielern, weil sie die Protagonisten mimen, während der Spielleiter "nur" die Antagonisten und die Spielwelt simuliert, die nur dann zum Geschichtselement werden, wenn die Spieler diese Elemente aufgreifen und zu einem Teil der über ihre Figuren erzählten Geschichten werden lassen. Das ist aber vermutlich eine Huhn-Ei-Diskussion. Die Motive des Spielleiters jedenfalls, die ich oben in Fragen aufwerfe, knüpfen an die jeweils individuelle Sichtweise an und stellen keineswegs meine Überzeugung dar.

AO
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ComStar am 29.04.2014 | 09:26
Da wir ja inzwischen gänzlich bei Rollenspielen gelandet sind....
Witzig finde ich, dass gerade in alten Rollenspielen SL-Willkür, Regelbiegen und Würfeldrehen (im Sinne von "der SL Meister hat immer recht!") ja sogar durchaus erlaubt/erwünscht war und keinesfalls als Schummeln angesehen wurde.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Slayn am 29.04.2014 | 09:31
Da wir ja inzwischen gänzlich bei Rollenspielen gelandet sind....
Witzig finde ich, dass gerade in alten Rollenspielen SL-Willkür, Regelbiegen und Würfeldrehen (im Sinne von "der SL Meister hat immer recht!") ja sogar durchaus erlaubt/erwünscht war und keinesfalls als Schummeln angesehen wurde.

Nun ja, das ist doch aber klar. Der Anspruch der SL soll eine Geschichte nach allen Regeln der Kunst, mit Dramatik und Höhepunkten erstellen beißt sich halt schon immer mit vorhandenen Regeln, besonders wenn diese noch aus dem altbekannten CoSim-Bereich stammen und an sich nur Ja-Nein-Antworten geben können.

[Nachricht] Hier ist "Schummeln" ein notwendiges Werkzeug um einen Fehler im System zu beheben, ähnlich wie Bennies bei SaWo ein notwendiges Werkzeug sind um einen Fehler in der Mechanik zu beheben.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ComStar am 29.04.2014 | 09:36
@Slayn
Hast du die letzten Postings gelesen? Denn darin geht es meiner Ansicht nach u.A. darum, ob der SL "Schummeln" darf. Und in dem Punkt hat in den letzten 10-15 Jahren ein enormer Umdenkprozess statt gefunden.
Ich glaube mich erinnern zu können, dass Big Z. seiner Zeit sogar wehemend vom BESCHEISSEN DER SPIELER gesprochen hat, wenn der SL bei SaWo nicht nach den Regeln spielt.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Slayn am 29.04.2014 | 09:48
@Slayn
Hast du die letzten Postings gelesen? Denn darin geht es meiner Ansicht nach u.A. darum, ob der SL "Schummeln" darf. Und in dem Punkt hat in den letzten 10-15 Jahren ein enormer Umdenkprozess statt gefunden.
Ich glaube mich erinnern zu können, dass Big Z. seiner Zeit sogar wehemend vom BESCHEISSEN DER SPIELER gesprochen hat, wenn der SL bei SaWo nicht nach den Regeln spielt.

Dann hast du mich leicht missverstanden. Ich finde es nämlich sehr interessant wie weit "Schummeln" heutzutage fest per Regeln in die Systeme integriert wurden, so das es eben Teil der offiziellen Handhabung geworden ist und eben kein "Schummeln" mehr darstellt.
Alternativ wie weit sich die Entwicklung von System in einen Bereich bewegt hat, bei der die gründe warum ein SL früher "Schummeln" musste nicht mehr gegeben sind.
Beispiele sind Gummipunkte wie Bennies, die halt das Würfeldrehen verhindern oder Fail Forward Systeme wie Trail of Cthulhu bei denen der SL die STory nicht mehr hinschummeln muss, etc.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: 1of3 am 29.04.2014 | 09:58
[Nachricht] Hier ist "Schummeln" ein notwendiges Werkzeug um einen Fehler im System zu beheben, ähnlich wie Bennies bei SaWo ein notwendiges Werkzeug sind um einen Fehler in der Mechanik zu beheben.

Oder waren sie selbst das Ziel? Vielleicht weil die Autoren nett fanden, wenn jeder kleine Steinchen hat? Ich schließe mich deiner Interpretation natürlich an, wenn du dein Telepathie-Zertifikat vorlegen kannst.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: JS am 29.04.2014 | 10:10
Offen gestanden: Bei vielen Spielern, die ich u.a. auf Cons getroffen habe, konnte man dankbar sein, wenn der SL eine gute Geschichte parat hatte, denn das, was von diesen Spielern kam, ging über ein Schweigen, Reagieren und Witzeln nicht hinaus. Erst neulich erlebte ich wieder vier solch erfahrener Typen, denen der gute SL alles vorgeben und aus der Nase ziehen mußte, obwohl die sich mit Sicherheit alle für gute Rollenspieler halten.

Das Denken, die Spieler würden automatisch ihre und damit auch eine gute Geschichte entwickeln, halte ich für zu theoretisch; ebenso, daß der SL nur Erfüllungsaugust für die grandiosen Ideen der Spieler sein sollte. Die meisten Geschichten in meiner nunmehr 25jährigen Spielerlaufbahn und bei unzähligen SL wurden alles in allem stark von den SL entwickelt und vorangetrieben; idealerweise mit vielen Quergeschichten und Impulsen der Spieler, aber das war keine Voraussetzung für bedeutende Rollenspielerlebnisse.

Ich bin sogar so weit, daß ich SL ablehne, die sich keine Mühe mehr beim Vorstricken eines guten Abenteuers machen, weil sie der Meinung sind, das würden die Spieler schon alles selbst in die Hände nehmen.

Es gibt da also unterschiedliche, meinetwegen auch gleichwertige Ansätze, die schwer miteinander zu vereinen sind.

Das geht aber jetzt zu weit vom Schummelthema weg...
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Sid am 29.04.2014 | 10:23
Ich hab seinerzeit mal ne Umfrage gestartet und von über 400 Teilnehmern waren ca. 25% der Ansicht,
dass es ok sei, wenn der SL die Würfel dreht und sie davon wissen.


Für mich persönlich ist Würfeldrehen (wenn ich es mitbekomme) eine Abart des Railroadings. :)
Wenn ich es nicht merke, das gleiche gilt somit auch für Railroading - ist es eine wundervolle Illusion.

SL`s da draußen, lasst euch nicht erwischen. :)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: JS am 29.04.2014 | 10:27
Es kommt eben darauf an, wann und wie häufig ein SL das macht. Je weniger, desto besser, aber wenn es mal als dringend nötig erachtet wird (z.B. um einen totalen Grupptentod zu ermeiden), sollte es mMn kein Tabu sein, falls die Spieler nicht grundsätzlich absolute regeltreue fordern.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Slayn am 29.04.2014 | 11:30
Für mich persönlich ist Würfeldrehen (wenn ich es mitbekomme) eine Abart des Railroadings. :)
Wenn ich es nicht merke, das gleiche gilt somit auch für Railroading - ist es eine wundervolle Illusion.

Das knüpft aber auch daran an, was ich weiter Oben schon mal meinte. Neuerdings gibt es in Systemen schon verankerte Mittel über die alle schon bescheid wissen und wo sich der SL gar nicht erwischen lassen muss, die Spieler es auch sofort akzeptieren wenn diese Mittel eingesetzt werden.
Nur mal ein Beispiel aus den WH40K Spielen: Wie oft kommt es vor das ein BBEG schon durch Würfelglück zu früh (Wenn er nur mal kurz auftauchen sollte) oder total unepisch gestorben ist, wenn es an der passenden Zeit für einen spannenden Endkampf war? WH40K stattet SC und dramatisch wichtige NSC mit Fate Points aus, die man so benutzen oder "verbrennen" kann um einen Szene einfach und automatisch zu überleben. Das ist dann eine frei zugängliche Ressource für beide Seiten, bei dem eben das Würfeldrehen zugunsten der Story komplett rausfällt, weil unnötig und "fair und transparent" abgedeckt.
Auf die Art ist ein TPK auch nicht das Ende der Geschichte bei dem dann alle etwas ratlos rumstehen oder der SL sich einen Neueinstieg mit anderen Charakteren in die gleiche Kampagne einfallen lassen muss, den Spielern steht die gleiche Ressource zur Verfügung mit der sie den TPK selbst aufhalten können.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Agent_Orange am 29.04.2014 | 11:33
Hallo.

Interessant. Frage, weil ich es einfach nicht besser weiß oder einschätzen kann:

Erzählt der Spielleiter die Geschichte und sind damit die Spielerfiguren nur Teil einer Geschichte, die der SL erzählt?
Oder:
Bietet der Spielleiter nur den Rahmen an, aus dem die Spieler die Geschichten ihrer Figuren ableiten und auf die der Spielleiter mit seinen Mitteln eingreift?

Bisher neige ich dazu, eher die zweite Frage mit "ja" zu beantworten.

Aber rückblickend auf bisherige und langjährige Praxis muss auch ich befinden: Es ist doch recht häufig so, dass Spieler von sich aus nicht so viel Kreativität ins Spiel tragen und eher auf das reagieren, was der Spielleiter bereithält.
Zudem räume ich ein, dass ich stets die Nichtspielerfiguren mit ihren individuellen Agendas im Hintergrund handeln lasse, um für die jeweilige Geschichte plausible Reaktionen und Szenen mit den Nichtspielerfiguren zu ermöglichen, die im Einklang mit deren Motiven und Ressourcen stehen.

Damit das alles nun on-topic bleibt: Wann "schummelt" der Spielleiter denn dann überhaupt noch, wenn ihm ein bunter Blumenstrauß an lauteren und weniger, aber noch vertretbar lauteren Werkzeugen zur Verfügung steht? Und wenn sich dann ein "Schummeln" entlarven lässt, welche Motive sind dann Entschuldigungen oder Rechtfertigungen bzw. welche nicht?

Edit:
@Slayn: Der Einsatz von Fatepunkten, durch die Würfeldrehen oder Würfelergebnisse aufgehoben worden sind, ist kein Schummeln; denn das ist doch ein erlaubtes Element des Spielsystems.

AO
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Slayn am 29.04.2014 | 11:43
@Slayn: Der Einsatz von Fatepunkten, durch die Würfeldrehen oder Würfelergebnisse aufgehoben worden sind, ist kein Schummeln; denn das ist doch ein erlaubtes Element des Spielsystems.

Eben. Schummeln ist es nur, wenn es verboten wird.
Die Frage ist daher eher: Warum wird etwas verboten?

Bei Brett- oder Kartenspielen bei denen man fair gegeneinander spielt und es um einen anständigen Gewinn geht, ist die Sache ja klar, wie sich hier in der Diskussion ja mittlerweile gezeigt hat.
Anders sieht es ja schon wieder im Kooperativen Spiel aus, bei dem man gemeinsam Siegt oder Verliert und sich daher ganz andere Schwerpunkte bilden.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: gunware am 29.04.2014 | 11:47
Erzählt der Spielleiter die Geschichte und sind damit die Spielerfiguren nur Teil einer Geschichte, die der SL erzählt?
Oder:
Bietet der Spielleiter nur den Rahmen an, aus dem die Spieler die Geschichten ihrer Figuren ableiten und auf die der Spielleiter mit seinen Mitteln eingreift?
Auf beide Fragen lautet die Antwort: ja.
Das ist eine sich ständig durchkreuzende Wechselwirkung. Wenn ich so zurück denke, könnte ich nicht auf Anhieb sagen, ob es überhaupt möglich wäre, die eine Frage mit "davon war mehr" zu beantworten. Wenn man einen bestimmten Zeitabschnitt betrachtet, könnte man ein "mehr" entdecken, aber wenn man den Zeitabschnitt anders wählt, würde die Antwort anders lauten.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: First Orko am 29.04.2014 | 12:00
Oder waren sie selbst das Ziel? Vielleicht weil die Autoren nett fanden, wenn jeder kleine Steinchen hat? Ich schließe mich deiner Interpretation natürlich an, wenn du dein Telepathie-Zertifikat vorlegen kannst.

Kurz OT:
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Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Agent_Orange am 29.04.2014 | 12:16
Hallo.

Auf beide Fragen lautet die Antwort: ja.
Das ist eine sich ständig durchkreuzende Wechselwirkung. Wenn ich so zurück denke, könnte ich nicht auf Anhieb sagen, ob es überhaupt möglich wäre, die eine Frage mit "davon war mehr" zu beantworten. Wenn man einen bestimmten Zeitabschnitt betrachtet, könnte man ein "mehr" entdecken, aber wenn man den Zeitabschnitt anders wählt, würde die Antwort anders lauten.

Gut. Das leuchtet mir ein.

Eben. Schummeln ist es nur, wenn es verboten wird.
Die Frage ist daher eher: Warum wird etwas verboten?
...
Anders sieht es ja schon wieder im Kooperativen Spiel aus, bei dem man gemeinsam Siegt oder Verliert und sich daher ganz andere Schwerpunkte bilden.

Na gut. Warum etwas verboten wird, ist ein anderer Schuh, als die Frage, die ja im OP gestellt worden ist. Übertragen auf den Spielleiter lautet diese: "Warum schummelt der Spielleiter"?
Oder von hinten aufgezäumt: Unter welchen Umständen kann ein Spielleiter gerechtfertigt oder entschuldigt sein zu schummeln? Geht das überhaupt - Rechtfertigung oder Entschuldigung des Schummelns?

AO
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Slayn am 29.04.2014 | 12:35
Na gut. Warum etwas verboten wird, ist ein anderer Schuh, als die Frage, die ja im OP gestellt worden ist. Übertragen auf den Spielleiter lautet diese: "Warum schummelt der Spielleiter"?
Oder von hinten aufgezäumt: Unter welchen Umständen kann ein Spielleiter gerechtfertigt oder entschuldigt sein zu schummeln? Geht das überhaupt - Rechtfertigung oder Entschuldigung des Schummelns?

Imho weil wir bei uns im Hobby an sich die falschen Mittel einsetzen für das, was wir erreichen wollen. Und halt, historisch betrachtet, weil sich gewisse Dinge als Standard etabliert haben die schon immer zu nicht auflösbaren Widersprüchen geführt haben.
Klassisch ist doch Immersion durch Gefahr, Gefahr durch die Option verlieren zu können. Das steht im Kontrast zu einer langen Story die es zu erleben gilt und die halt nur klappt wenn niemand unterwegs verliert/stirbt.
Da sieht man halt einen Gegensatz zu anderen Paradigmen, wie etwa das Spiel bei dem man einfach schaut wie weit man kommt, sterben wird man sowieso.

Man muss da einfach mal ganz platt die Frage stellen: Geht es ohne SL-Schummelei wenn ein Spiel gleichzeitig unendlich viele Chancen haben soll zu enden, dafür aber eine Story dahinter ist die bis zu ihrem Ende erlebt werden soll?

Konkret kann man doch z.B. eine Runde "Schatten über Camelot" mit einer Runde DSA vergleichen: Bei Schatten ist es kein Drama wenn die Spieler mal gemeinsam versagen, bei DSA kommt es schlecht an wenn man das betreffende Abenteuer nicht bewältigt.
Schaut man sich dagegen eine Runde Fiasko an, ist es auch kein Drama wenn die Runde abbricht oder nicht gut zu einem Ende kommt, dann spielt man halt nochmal.

Ich werfe mal noch den Unterschied im Zeitaufwand ein, der z.B. zwischen einer Runde Schatten oder Fiasko und einem DSA Abenteuer besteht, mit Charakterbau, AB-Bau, Einlesen und dem ganzen anderen Mist.
Zudem, und das ist auch ein Teil davon, Schatten doer Arkham Horror kann man endlos oft wiederholen und die gleiche Story haben, ebenso etwa Descent, bei einem RSP geht das nicht durch.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Agent_Orange am 29.04.2014 | 12:44
Imho weil wir bei uns im Hobby an sich die falschen Mittel einsetzen für das, was wir erreichen wollen. Und halt, historisch betrachtet, weil sich gewisse Dinge als Standard etabliert haben die schon immer zu nicht auflösbaren Widersprüchen geführt haben.
Klassisch ist doch Immersion durch Gefahr, Gefahr durch die Option verlieren zu können. Das steht im Kontrast zu einer langen Story die es zu erleben gilt und die halt nur klappt wenn niemand unterwegs verliert/stirbt.
Da sieht man halt einen Gegensatz zu anderen Paradigmen, wie etwa das Spiel bei dem man einfach schaut wie weit man kommt, sterben wird man sowieso.

Man muss da einfach mal ganz platt die Frage stellen: Geht es ohne SL-Schummelei wenn ein Spiel gleichzeitig unendlich viele Chancen haben soll zu enden, dafür aber eine Story dahinter ist die bis zu ihrem Ende erlebt werden soll?

Konkret kann man doch z.B. eine Runde "Schatten über Camelot" mit einer Runde DSA vergleichen: Bei Schatten ist es kein Drama wenn die Spieler mal gemeinsam versagen, bei DSA kommt es schlecht an wenn man das betreffende Abenteuer nicht bewältigt.
Schaut man sich dagegen eine Runde Fiasko an, ist es auch kein Drama wenn die Runde abbricht oder nicht gut zu einem Ende kommt, dann spielt man halt nochmal.

Es ist also eine Frage der Einzelfallbetrachtung.
Man könnte auch fragen, ob es das überhaupt gibt - das Schummeln als Spielleiter?

Nach allem bisher geschriebenen würde ich gerne differenzieren:
Es gibt den schummelnden Spielleiter, der Regeln bricht.
Es gibt den schummelnden Spielleiter, der die Geschichte bricht, um die Geschichte voranzutreiben.
Es gibt den schummelden Spielleiter, der beides macht, indem er Würfel dreht.

Ist so ein Zwischenergebnis "richtig"?

edit:
Bei allen stellt sich dann die Frage im Einzelfall: Aus welchen Motiven schummelt er dann?
Wenn es "gute" Motive gibt, bedeutet das dann, dass das Schummeln eigentlich keines ist?

AO
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Slayn am 29.04.2014 | 13:13
Bei allen stellt sich dann die Frage im Einzelfall: Aus welchen Motiven schummelt er dann?
Wenn es "gute" Motive gibt, bedeutet das dann, dass das Schummeln eigentlich keines ist?

Ich denke eher es liegt an sich widersprechenden Aufgaben die ein SL (in klassischen Systemen, also im Mainstream) zu erfüllen hat:
- Mache Kämpfe gefährlich, sei hart aber dennoch schaffbar. Lass uns nicht sinnlos sterben.
- Baue spannende Rätsel ein die gelöst werden müssen, lass uns aber nicht daran verzweifeln.
- Lass uns ein epische Geschichte erleben aber überfordere uns damit nicht.

Letzten Endes läuft "Schummeln" des SL hier ja meist auf das Aufdecken des Selbstbetrugs auf seiten der Spieler hinaus. Schaffbare Kämpfe = Erbrachte Leistung (Und Schulterklopfen), zu merken dass man dabei Unterstützung durch den SL bekommen hat negiert diese angebliche Leistung ja sofort. Das Paradox ist: Der Kampf wurde schon schaffbar ausgewählt, wo soll also die Leistung sein?
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: am 29.04.2014 | 13:14
Schummeln ist immer scheiße. Eigentlich gibt es zu dem, was Pyromancer gesagt hat, aber nur wenig hinzuzufügen:

Es ist Schummeln, wenn sich die Gruppe darauf geeinigt hat, dass man das nicht macht.
Genauso, wie Würfeldrehen Schummeln ist, wenn sich die Gruppe darauf geeinigt hat, dass man das nicht macht.

Natürlich kann sich jede Gruppe darauf einigen, dass Würfeldrehen oder Kulissenschieben in Ordnung ist, und dann ist es natürlich auch kein Schummeln mehr. :)

Problematisch ist das Ganze nur, weil es viele unterschiedliche Vorstellungen davon gibt, und in Gruppen oft UNAUSGESPROCHEN davon ausgegangen wird, dass so und nicht anders gespielt wird.

Ein Umstand wurde bislang jedoch noch gar nicht beleuchtet bei der Frage, warum Menschen bei Spielen schummeln. In vielen Fällen besonders aus dem Bereich der klassischen Gesellschaftsspiele geht es einigen Schummler nämlich vielleicht tatsächlich ums "Gewinnen". Das gilt sicherlich insbesondere für Leute mit einem hohen Leistungsmotiv.

Für Rollenspiele würde ich ansonsten aber vermuten, dass Schummelei besonders ausgeprägt ist bei Menschen mit hohem Machtmotiv. Schließlich geht es in Rollenspielen für viele Leute auch darum, mal "ne echt fette Sau zu spielen", sich als Held so richtig bauchpinseln zu lassen, als Kommandeur oder Prinz oder Lord viel zu sagen zu haben, wichtige Entscheidungen treffen zu können etc. Da mag das Leistungsmotiv ein wenig mitschwingen, für mich klingt das jedoch deutlich stärker nach dem Machtmotiv (also dem Streben danach, das Verhalten und Denken anderer Leute beeinflussen zu können).

EDIT: Das sehe ich insbesondere auch als häufige Ursache für Schummeleien durch den SL.

Ansonsten zu dem, was Slayn direkt im Vorpost sagt: +1.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Grey am 29.04.2014 | 16:20
Machtmotiv. ... sehe ich insbesondere auch als häufige Ursache für Schummeleien durch den SL.
Nach meiner persönlichen Erfahrung eher NichtZustimm. Wann immer ich SLs beim "Schummeln" erwischt habe (ob nun durch Würfeldrehen oder nachträgliches Umdefinieren von Fakten), schien mir das Hauptmotiv zu sein, daß "seine schöne Geschichte" nicht zerschossen werden sollte.

Ich glaube nicht, daß dabei der Wunsch nach Machtausübung im Vordergrund stand ("die Spieler in die Geschichte zwingen"), sondern vielmehr die Angst vor der Ratlosigkeit, wenn die Spieler "vom Plan abweichen" -- daß er dann einfach nicht gewußt hätte, wie er weiterleiten soll.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Luxferre am 29.04.2014 | 16:48
Nach meiner persönlichen Erfahrung eher NichtZustimm. Wann immer ich SLs beim "Schummeln" erwischt habe (ob nun durch Würfeldrehen oder nachträgliches Umdefinieren von Fakten), schien mir das Hauptmotiv zu sein, daß "seine schöne Geschichte" nicht zerschossen werden sollte.

Ich glaube nicht, daß dabei der Wunsch nach Machtausübung im Vordergrund stand ("die Spieler in die Geschichte zwingen"), sondern vielmehr die Angst vor der Ratlosigkeit, wenn die Spieler "vom Plan abweichen" -- daß er dann einfach nicht gewußt hätte, wie er weiterleiten soll.

aka "Macht über das Geschehen" bzw. "Macht über den Verlauf der Geschichte"  ;)

Ich finde diesen Ansatz ziemlich interessant, weil er in etwa auf meiner Spur läuft, aber das Motiv anders benennt, oder besser: überhaupt benennt.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ComStar am 30.04.2014 | 08:54
Da es keine Mod-Ansage dazu gibt, mach ich hier einfach mal wieder auf.

@Moderation:
Wieso wurde das Thema denn geschlossen?
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Slayn am 30.04.2014 | 09:00
Sodala, mal noch eine ganz andere Variante zu dem Thema, die in gewisser Hinsicht mit dem Beitrag von Wellensänger zusammenhängt:
Es kommt auch oft vor dass Leute absichtlich verlieren um den anderen ein gutes Gefühl zu geben. Das ist ja auch eine Art von Schummeln.
Machen Eltern ja ständig mit ihren Kindern, bis sie selbst sattelfest genug sind um zu Spielen, bzw. machen doch Spielleiter andauernd, wenn sie alles von Vorne herein schaffbar, machbar und lösbar machen.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Praion am 30.04.2014 | 09:20
Absichtlich verlieren ist nicht schummeln. Das ist nicht optimal spielen. Du änderst nicht die Regeln um zu verlieren.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Slayn am 30.04.2014 | 09:33
Absichtlich verlieren ist nicht schummeln. Das ist nicht optimal spielen. Du änderst nicht die Regeln um zu verlieren.

Ich sehe da jetzt qualitativ keinen Unterschied darin ob man jetzt einen Treffer/Crit/Erfolg dazu oder hinweg dichtet.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Achamanian am 30.04.2014 | 10:17
Ich sehe da jetzt qualitativ keinen Unterschied darin ob man jetzt einen Treffer/Crit/Erfolg dazu oder hinweg dichtet.

Um absichtlich zu verlieren, muss man ja bei vielen Spielen nichts hinwegdichten. Man kann auch einfach die ungünstigere Handlungsweise von mehreren Optionen wählen, beispielsweise beim Scrabble ein Wort mit deutlich geringerem Punktwert legen. Das würde ich dann auch nicht als Schummeln bezeichnen, obwohl man natürlich in gewisser Weise gegen den "Geist" des Spiels verstößt.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Crimson King am 30.04.2014 | 10:29
Nach meiner persönlichen Erfahrung eher NichtZustimm. Wann immer ich SLs beim "Schummeln" erwischt habe (ob nun durch Würfeldrehen oder nachträgliches Umdefinieren von Fakten), schien mir das Hauptmotiv zu sein, daß "seine schöne Geschichte" nicht zerschossen werden sollte.

Ich glaube nicht, daß dabei der Wunsch nach Machtausübung im Vordergrund stand ("die Spieler in die Geschichte zwingen"), sondern vielmehr die Angst vor der Ratlosigkeit, wenn die Spieler "vom Plan abweichen" -- daß er dann einfach nicht gewußt hätte, wie er weiterleiten soll.

Dürfte sich die Waage halten. Es gibt definitiv eine beträchtliche Anzahl an SLs, die ihr Ding durchziehen, zur Not auch gegen die Spieler, und denen bei Bedarf zeigen, wer der Chef ist. Ein Machtmotiv würde ich aber auch bei Munchkins vermuten. Wobei sich Macht- und Leistungsmotiv vermutlich gar nicht so leicht voneinander trennen lassen.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: am 30.04.2014 | 10:56
Dürfte sich die Waage halten. Es gibt definitiv eine beträchtliche Anzahl an SLs, die ihr Ding durchziehen, zur Not auch gegen die Spieler, und denen bei Bedarf zeigen, wer der Chef ist. Ein Machtmotiv würde ich aber auch bei Munchkins vermuten. Wobei sich Macht- und Leistungsmotiv vermutlich gar nicht so leicht voneinander trennen lassen.

Jo, dem stimme ich zu. Widersprechen würde ich nur in Sachen Untrennbarkeit von Macht- und Leistungsmotiv. Da gibbet diverse Instrumente aus quasi allen Richtungen, die genau sowas tun - sogar für implizite Motive (z.B. MSM auf Basis von McClelland, EOS auf Basis der PSI-Theorie und TAT als Beispiel eines projektiven Verfahrens).
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: am 30.04.2014 | 11:09
Wenn man es genau nimmt, liefern eigentlich alle drei großen Motive (Macht, Anschluss und Leistung) jeweils ihre eigenen Gründe, weshalb Menschen bei (Gesellschafts)spielen schummeln:

- Das Anschlussmotiv lässt Menschen schummeln, um die Wahrscheinlichkeit fortgesetzter Nähe zu maximieren. Das kann dann problemlos auch mal in absichtliches Verlieren umschwenken, wenn es denn dem Ziel der Herstellung von Nähe dienlich ist. Deshalb dürften die meisten Eltern zu ihren eigenen Ungunsten schummeln. Im Rollenspiel gibbet ja parallel auch viele Leute, die nur den anderen Leuten zuliebe mitspielen. Ich mutmaße da übrigens auch einen Geschlechtereffekt. Müsste man mal empirisch überprüfen.

- Das Machtmotiv lässt Menschen schummeln, um die anderen Spieler zu dominieren. Das ist natürlich im Rollenspiel besonders verbreitet und insbesondere dann verführerisch, wenn Menschen ein ausgeprägtes Machtmotiv im sonstigen Leben kaum zur Entfaltung kommen lassen können. Ich bin mir relativ sicher, dass das einer der Hauptgründe dafür ist, weshalb so viele gesellschaftliche "Außenseiter" (im weitesten Sinne und keinesfalls wertend, sondern nur bezogen auf die herrschenden Normen gemeint) das Hobby für sich gewählt haben. Das gilt insbesondere für Rolle des SL ("Spielleiter-Willkür", "Spielerkleinhalten" etc.) und insbesondere für Deutschland, wo durch die DSA-Plot-Stimmigkeits-Tradition der Regelbruch im interkulturellen Vergleich stärker legimitisiert wurde - was auch dem machtbezogenen Missbrauch durch Regelbruch die Tore geöffnet hat.

- Das Leistungsmotiv lässt insbesondere in gamistisch veranlagten Runden die Spieler die Regeln brechen. Dieser Fall dürfte in Deutschland wiederum seltener vorkommen als beispielsweise in den stark D&D-KoSim-Dungeon-sozialisierten USA.

So weit auf die Schnelle.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ChaosAmSpieltisch am 30.04.2014 | 11:24
Ob Anerkennung gewinnen = Machtgewinn ist, da bin ich mir nicht so sicher.

Weil ob ein Klaps auf die Schulter, wie toll man das gemacht hat = Machtgewinn ist, wage ich zu bezweifeln.

Ansonsten kann ich mich nur anschließen.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Wellentänzer am 30.04.2014 | 11:25
Ob Anerkennung gewinnen = Machtgewinn ist, da bin ich mir nicht so sicher.

Weil ob ein Klaps auf die Schulter, wie toll man das gemacht hat = Machtgewinn ist, wage ich zu bezweifeln.

? Wo liest Du das raus? Bei mir nicht oder?
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Foul Ole Ron am 30.04.2014 | 11:42
Frustvermeidung?
Ist - mal mehr, mal weniger - in den drei genannten Motiven enthalten. Ich meine das aber im passiven Sinne. Das Anschlussmotiv ließe mich z.B. schummeln, wenn ich merke, dass alle schummeln. Wenn es um Macht geht, könnte ich schummeln, um der Dominanz von Mitspielern oder SL zu entgehen.
Eine mangelnde eigene Leistung (und daraus resultierendes Schummeln) führt mich allerdings wieder zum Anschlussmotiv. Das Leistungsmotiv hinkt aber in meinen Augen eh, weil wegen Selbstbetrug und so. Aber dazu habe ich zu wenig Ahnung von Physo Pyscho - dafür bin ich zu dumm!  :)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: ChaosAmSpieltisch am 30.04.2014 | 12:05
? Wo liest Du das raus? Bei mir nicht oder?

Doch, weil entweder fasst du diesen Punkt, der aus meiner Sicht einer der wichtigen ist, mit unter Machtgewinn drunter, erfasst ihn wo anders, oder erfasst ihn gar nicht.

Den Anerkennung ist aus meiner Sicht einer der Hauptgründe zu schummeln.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Crimson King am 30.04.2014 | 13:04
Anerkennung würde ich eher beim Anschlussmotiv verorten. Der Wellentänzer dürfte da aber auf Basis fachlicher Qualifikation mehr zu sagen können. Aus dem Bauch heraus würde ich aber vermuten, dass für hartes Schummeln zum eigenen Vorteil das Anschlussmotiv die geringste Rolle spielt.

Was ich meine, wenn ich sage, die Motive lassen sich in der Praxis nicht gut trennen, ist, dass vermutlich in vielen Fällen mehrere Motivationen rein spielen. Man schummelt also nicht nur, um zu dominieren, oder nicht nur, um Sieger zu sein, sondern, teils teils.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Dreamdealer am 30.04.2014 | 13:29
Ein Thread der nach 6 Seiten immer noch produktiv ist und nicht um sich selbst dreht ist selten -
ist wirklich ein interessantes und ergiebiges Thema.

Ich habe bei mir gerade eine Doppelmoral in der Denkweise entdeckt:

- ich habe kein Problem dabei, dass der Spielleiter die Würfel dreht* oder halt ähnlich das Spiel manipuliert
- ich habe ein Problem damit, wenn ein Spieler das Gleiche macht

* allerdings möchte ich es als Spieler nicht merken - also einen offenen Wurf ändern wäre falsch, aber bei einem
verborgenen Wurf einen Misserfolg als Treffer deklarieren, bzw. einen Wert einfach hochsetzen ist okay.

Sind das noch Überbleibsel der DSA Prägung - der SL ist dein Herr und Meister?
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Teylen am 30.04.2014 | 14:57
Meines Erachtens gibt es unterschiedliche Motive (von den einige genannt wurden):

 - Aufgrund der Herausforderung
Eine Lehrerin meinte während meiner Schulzeit das die Schüler selbst dann noch spicken würden, wenn der Test persönliche Daten (Name, Geschlecht) abfragt. Also Fakten die man sicher weiß. Ich glaube durchaus das sie Recht hatte.
Das schummeln kann als eine Art Minispiel verstanden werden bei der die Herausforderung ist entgegen der Regeln mitzuspielen und anschließend ein Ergebnis zu produzieren das regelgerecht aussieht. Nicht unbedingt weil man damit der Institution Schule oder der Lehrerin schaden möchte, eine gute Zukunft haben oder sich gegenüber anderen Schülern hervorzutun, sondern weil es in sich / für sich genommen Nervenkitzel bietet. Man hat die Herausforderung der Methode, Umsetzung man erhält ein Ergebnis jenachdem socialized man noch dabei.
Weshalb es auch Spiele gibt die versuchen den Aspekt zu simulieren.

 - Des Gewinnens wegen
Das heißt man möchte das einem die Handlung gelingt oder das man am Ende des Spiels mit einem in dem Aspekt positiven Ergebnis darstellt.
Es ist meines Erachtens kein Selbstbetrug da derjenige der schummelt nicht das Ziel hat das Ergebnis über den Aufwand der Regelbefolgung zu erreichen, sondern über den Aufwand des schummelns.

Wieso man ein positives Ergebnis haben möchte?
 * Soziale Anpassung. Man hat den Eindruck das man durch eine unpassende Leistung die Gruppendynamik stört.
 * Soziale Profilierung. Man hat den Wunsch sich über positive Ergebnisse als kompetent, erfolgreich, nützlich darzustellen.
[Abseits des Spiels: Gute Noten / Bewertungen helfen auch dann wenn sie erschummelt wurden]
 * Persönliches Erfolgserlebnis. Man möchte ein positives Ergebnis. Egal ob innerhalb oder außerhalb der Regeln.

 - Unstimmigkeit bezüglich der Spielregeln
Gerade im Rollenspiel gibt es in einem Spiel eine Vielzahl von Regeln.
Hierbei kann es vorkommen das einem der Großteil der Regeln sehr gut gefällt, bestimmte aber so rein gar nicht.
Die Änderung anzusprechen würde zu einer riesigen Diskussion führen.
Vielleicht herrscht bezüglich der Bewertung der Regel auch Unstimmigkeit.
Dementsprechend entfernt man sie, um den eigenen Spielspaß zu erhalten, für sich weitestgehend aus dem Spiel.

 - Unstimmigkeit zu der Anwendung der Spielregeln
Wiederum sehr dem Rollenspiel zu eigen.
Der Spielleiter oder die Spieler sind der Überzeugung das man eine Probe werfen muss. Beispiel: "Die Treppe herunter gehen"
Man selbst ist der Überzeugung das die Probe ziemlicher bis vollkommener Unsinn ist und vielleicht gar das der Charakter die Treppe in natürlicher Eleganz herunter schwebt. Dementsprechend manipuliert man das Ergebnis entsprechend dem Umstand das man die Probe eigentlich nicht als Teil des Spielinhaltes sieht. Gerade weil eine Diskussion zum Thema "Treppen hinabsteigen" nicht konstruktiv wäre.

 - Frustration
Als ein Beispiel aus der Brettspielwelt.
Man hat ein einhalb Stunden Monopoly gespielt, die Straßen sind verteilt und nun zwockelt man nur noch würfelnd über das Brett. Man selbst vielleicht geradewegs in den Bankrott. Was sich auch nicht ändern wird, weil man nur miese Straßen bekommen hat.
Als ein Beispiel aus Rollenspielen.
Man hat sich einen Charakter gebaut und den verbaut. Macht man einen neuen muss man ggf. ganz von vorne anfangen und einem entgehen die XP. Das heißt man steht selbst mit besseren Plan ebenfalls sch* da. Die Nachfrage nach XP bringt seitens der Mitspieler nur hervor das man ein Neidhammel und Powergamer ist. Versuchen per XP aufzuholen ist etwa so erfolgreich wie der Plan an älteren vorbeizualtern. Also schummelt man.
Ebenso mag man vielleicht nicht, nach 10 Monaten, zwei Spielsitzungen vor dem Endkampf, seinen Charakter verkrüppeln oder gar wegwerfen.

 - Motive gegen Spielpartner
Man möchte seinen Gegenüber zurechtweisen. Wie von u.a. Grimtooth Little Sister beschrieben.

Das kann sein:
 * Siegesserien beenden. Man ist es Leid das der andere immer gewinnt.
 * Even steven. Man schafft einen Ausgleich für das allgemeine schummeln.
 * Schummelei aufdecken. Man schummelt 'gegen' um den anderen dessen eigenes Fehlverhalten vorzuführen.
 * Man möchte das der andere auch mal gewinnt.

 - Fairneß und die Sache mit der statistischen Wahrscheinlichkeit
Wenn schon die Statistik sich nicht erfüllen mag und man trotz zehn Würfel mit einer 50% Chance nicht einen Erfolg hat, mag man vielleicht selbst der Statistik nachhelfen. Es hat nicht jeder die Geduld, Muse, das Vermögen eines Güldenstern um nach 92 mal Kopf in Folge nicht anzufangen zu schummeln weil man sich von der Wahrscheinlichkeit betrogen fühlt.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Grimtooth's Little Sister am 30.04.2014 | 15:37
Jemand anderen gewinnen u lassen hätte ich jetzt nicht mal als Schummeln verstanden.  :D
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Slayn am 30.04.2014 | 15:45
Jemand anderen gewinnen u lassen hätte ich jetzt nicht mal als Schummeln verstanden.  :D

Wobei das doch witzig ist, bzw. eine Doppelmoral: Würfeldrehen für Erfolg ist Schummeln, Würfeldrehen für Misserfolg nicht? Dabei ist doch beides Würfeldrehen.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Grey am 30.04.2014 | 15:46
Jemand anderen gewinnen u lassen hätte ich jetzt nicht mal als Schummeln verstanden.  :D
Wenn es danach geht, habe ich als SL fast nie geschummelt. Meist habe ich nämlich (damals, bevor ich's mir abgewöhnt habe) die Würfel zugunsten der Spieler gedreht. ::)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Slayn am 30.04.2014 | 15:48
Wenn es danach geht, habe ich als SL fast nie geschummelt. Meist habe ich nämlich (damals, bevor ich's mir abgewöhnt habe) die Würfel zugunsten der Spieler gedreht. ::)

Aber ist das nicht die Sache, die mit dem Hinweis auf Zornhau gemeint war? Würfel drehen zugunsten der Spieler entwertet alles was sie machen, ist also ein geschenkter Sieg. Schummeln, nur umgekehrt.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Grey am 30.04.2014 | 16:29
Aber ist das nicht die Sache, die mit dem Hinweis auf Zornhau gemeint war? Würfel drehen zugunsten der Spieler entwertet alles was sie machen, ist also ein geschenkter Sieg. Schummeln, nur umgekehrt.
Darum sagte ich ja: "Wenn es danach geht". ;)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Teylen am 30.04.2014 | 16:35
Naja, gibt es auch außerhalb von RPGs und Zornhau.
Hab mal als Jugendlicher mit einigen Cousinen, die wesentlich jünger waren als ich, Wettlaufen gespielt. Dachte mir so das ich die Kinder eher motivieren sollte, und bin dann auf selber Höhe gelaufen und hab sie dann gewinnen lassen. Kam irgendwie nicht so gut an, zuerst hat man entsprechend getadelt und sich anschließend über mich lustig gemacht. oO;

Später hab ich sowas mal als Motivationsstrategie benutzt während ich Leuten Go erklärte.
Wo man Leute hat die weggehen weil sie sagen "Meh, seh da ja eh kein Land".
Wobei ein paar dann auch meinen "Hm, wenn ich gegen dich gewinn brauch ich net weiter zu spielen".
Nun und sie knapp verlieren zu lassen ist teilweise echt schwierig. oO;
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Timberwere am 30.04.2014 | 16:40
Da es keine Mod-Ansage dazu gibt, mach ich hier einfach mal wieder auf.

@Moderation:
Wieso wurde das Thema denn geschlossen?

Von uns Mods war es niemand, und wenn Du fragst, dann warst Du es vermutlich auch nicht?
Das Forum scheint irgendwie gelegentlich mal von selbst Themen zu schließen, das ist uns letztens schon mal aufgefallen. Wir haben das jetzt mal an den Tech Support gegeben, in der Hoffnung, dass die was finden, warum dem so ist, und es auch abstellen können. :)

Aber danke für's eigene Wiederaufmachen jedenfalls. :)
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Achamanian am 30.04.2014 | 16:40
Wobei das doch witzig ist, bzw. eine Doppelmoral: Würfeldrehen für Erfolg ist Schummeln, Würfeldrehen für Misserfolg nicht? Dabei ist doch beides Würfeldrehen.

Ich glaube, du steckst da gedanklich zu sehr beim Rollenspiel fest. Wie gesagt: Bei den meisten Gesellschaftsspielen kann man locker jemanden gewinnen lassen, ohne dafür zu schummeln. Einfach von mehreren Handlungsweisen die schlechteste Alternative wählen. Beim Rollenspiel ist das schon schwerer, weil da die Regeln den Handlungen der (N)SC nachgeordnet sind. Aber auch da kann man natürlich einen NSC einfach in seinen Möglichkeiten nicht voll ausspielen, ohne, dass man dafür im engeren Sinne Schummeln müsste.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: 1of3 am 30.04.2014 | 16:41
- Aufgrund der Herausforderung
Eine Lehrerin meinte während meiner Schulzeit das die Schüler selbst dann noch spicken würden, wenn der Test persönliche Daten (Name, Geschlecht) abfragt. Also Fakten die man sicher weiß. Ich glaube durchaus das sie Recht hatte.
Das schummeln kann als eine Art Minispiel verstanden werden bei der die Herausforderung ist entgegen der Regeln mitzuspielen und anschließend ein Ergebnis zu produzieren das regelgerecht aussieht. Nicht unbedingt weil man damit der Institution Schule oder der Lehrerin schaden möchte, eine gute Zukunft haben oder sich gegenüber anderen Schülern hervorzutun, sondern weil es in sich / für sich genommen Nervenkitzel bietet. Man hat die Herausforderung der Methode, Umsetzung man erhält ein Ergebnis jenachdem socialized man noch dabei.
Weshalb es auch Spiele gibt die versuchen den Aspekt zu simulieren.

Sehr interessant. Ergänzend würde ich hinzufügen, dass es nicht nur Nervenkitzel sein muss, sondern auch aus Verachtung gegenüber dem System resultieren kann. Wenn man z.B. das Ergebnis aus dem Physikbuch abschreibt - mit einem geplanten künstlichen Fehler, damits nicht so auffällt -, statt das Experiment durchzuführen. Klar, man könnte es vielleicht selber tun, aber was brächte das?

Gleiches könnte ich mir auch insbesondere bei sehr komplexen Rollenspielsystemen vorstellen.

Edit: Ich sehe, das hast du auch schon selber aufgeführt Teylen - unter Unstimmigkeit über den Spielinhalt.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Grey am 30.04.2014 | 16:45
Das Forum scheint irgendwie gelegentlich mal von selbst Themen zu schließen, das ist uns letztens schon mal aufgefallen.
:o Um Himmels Willen, das Forum wird empfindungsfähig!
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Teylen am 30.04.2014 | 17:09
Wenn man z.B. das Ergebnis aus dem Physikbuch abschreibt - mit einem geplanten künstlichen Fehler, damits nicht so auffällt -, statt das Experiment durchzuführen. Klar, man könnte es vielleicht selber tun, aber was brächte das?
Ich würde das am ehesten unter "Vorgehensweisen" einordnen, anstelle es an eine Motivation zu knüpfen.
Das heißt schummeln beschränkt sich schließlich nicht nur auf das verfälschen von Würfelergebnissen.

In Hinsicht auf das Experiment fallen mir so mehrere Begründungen ein.
Vielleicht sieht man tatsächlich den Aufwand nicht ein und beschließt es anhand des Physikbuch zu simulieren.
Vielleicht hat man auch einfach vergessen das man das Experiment durchführen sollte, und simuliert es anhand eines Physikbuch.
Vielleicht hat man wirklich intensiv versucht das Experiment durchzuführen ist jedoch gescheitert und entscheidet sich eine Dokumentation zu einem, nach Rückschlägen, erfolgreichen Experiment zu schreiben das es nie gegeben hat (anhand eines Physikbuch). Weniger aus Verachtung, als weil man weiß das man für einen Schlag in's Wasser nur eine 4 kriegt, bestenfalls. Wohingegen ein erfolgreiches Experiment mit guter Dokumentation bei 1 bis 2 liegen kann.

Bezogen auf ein Rollenspiel.
Vielleicht findet man die Regeln doof und türkt anhand der Beispielcharaktere einen eigenen herbei.
Vielleicht hat man einfach vergessen einen Charakter zu bauen und möchte die Gruppe nicht mit einer langen, regelgerechten Erschaffung nerven.
Vielleicht hat man ernsthaft die Erschaffungs-Regeln nicht verstanden und versucht anhand von Beispielcharakteren sich etwas glaubhaftes herbei zu türken. Eventuell merkte man sich ein paar Regelfragmente um zumindest in Teilen den Eindruck von Kompetenz zu vermitteln.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Eulenspiegel am 30.04.2014 | 17:25
Ich habe bei mir gerade eine Doppelmoral in der Denkweise entdeckt:

- ich habe kein Problem dabei, dass der Spielleiter die Würfel dreht* oder halt ähnlich das Spiel manipuliert
- ich habe ein Problem damit, wenn ein Spieler das Gleiche macht

* allerdings möchte ich es als Spieler nicht merken - also einen offenen Wurf ändern wäre falsch, aber bei einem
verborgenen Wurf einen Misserfolg als Treffer deklarieren, bzw. einen Wert einfach hochsetzen ist okay.

Sind das noch Überbleibsel der DSA Prägung - der SL ist dein Herr und Meister?
Ich vermute folgendes:
Dem SL wird unterstellt, dass er "zum Wohle der Gruppe" schummelt. Das heißt, er schummelt, damit die SCs spannendere Herausforderungen erleben.

Dem Spieler wird dagegen unterstellt, dass er "zum eigenen Wohl" schummelt. Das heißt, er schummelt, damit sein eigener SC besser dasteht als die restlichen SCs.

Würde man nun herausfinden, dass der SL schummelt, um seinen tollen Mary-Sue NSC noch prächtiger darzustellen, würden dass die meisten Spieler plötzlich doof finden.

Würde sich andersherum jedoch herausstellen, dass der Spieler nur geschummelt, hat, um der Gruppe etwas tolles zu bieten, OHNE dass dabei sein eigener SC in den Vordergrund rückt, dann fänden das viele Spieler plötzlich in Ordnung.

Fazit:
Ob man Schummeln gut findet, hängt bei vielen Spielern von der Motivation des Schummelnden ab. (Bzw. von der Auswirkung der Schummelei.) Und hier unterstellt man dem SL andere Motive als den Spielern.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Grimtooth's Little Sister am 30.04.2014 | 17:47
Wobei das doch witzig ist, bzw. eine Doppelmoral: Würfeldrehen für Erfolg ist Schummeln, Würfeldrehen für Misserfolg nicht? Dabei ist doch beides Würfeldrehen.

Ja ist schon komisch... klar ist es geschummelt, warum ich das nie so gesehen hab, k.A. Mache ich jedenfalls öfters mal um Frust bei den anderen zu vermeiden.
Titel: Re: Warum schummeln manche Menschen bei (Gesellschafts)spielen?
Beitrag von: Maarzan am 1.05.2014 | 01:31
Zur Moral kommt halt immer die Frage wer profitiert am Ende davon und wer verliert.

Ich habe auch schon mal erlebt, wie jemand Würfel falsch abgelesen und ein paar Boni vergessen hat - bei einem Heilwurf alleine mit einem gut ausgestatteten Schwerverletzten ... .
Und sehr überrascht war, dass auch da mal nachgerechnet wurde .. vielleicht hätte die Gedenksekunde nicht so kurz ausfallen sollen vor dem Plündern!