Ich konnte gestern abend dann endlich mal wieder ein paar Stunden spielen. DA:IQ macht es PC-Spielern und Fans(vor allen Dingen vom Kampfsystem) des ersten Teils am Anfang wahrlich nicht leicht. Man braucht echt eine nicht unwesentliche Portion Geduld. Ich habe ja in vielen Dingen viel Geduld, aber bei PC-Spielen muss es nach ein paar Mal einfach (für mich) funktionieren, sonst werfe ich das Ding frustriert in die Ecke oder lösche es gleich wieder von der Festplatte.DA:IQ hat da grade noch die Kurve bekommen, bevor ich es wieder gelöscht hätte. Wie gesagt, der Anfang ist eine echte Geduldsprobe: Die Story verworren und vermag (zumindest mich) am Anfang noch nicht richtig zu packen. Dann das unausgegorene Kampfsystem am Anfang, das einen dazu bringt, dass man die Entwickler am liebsten in roten Lyrium ertränken möchte für dieses halbgare, unausgegorene Ding, was sich Kampfsystem schimpft. Und erst die Kamerasteuerung und überhaupt...
Noch kurz zum Kampfsystem und zur Kamerasteuerung: Irgendwann im Tutorial alles, bis Cassandra die Inquisition ausruft
gibt es einen Kampf, bei dem einen das Spiel dann an der Hand nimmt und einem erklärt, wie der Taktikmodus funktioniert, wie man seine Companions steuert, wie man mit der Kamerasteuerung umzugehen hat, usw. Mehr oder weniger wird man da mit den Grundmechaniken des Spieles vertraut gemacht. Man muss aber dazu sagen, dass das urplötzlich kommt und zwar nachdem(!) man schon einige Kämpfe zuvor bestritten hat, in denen sich Kampfsystem und Kamerasteuerung von ihren negativen Seite zeigen. WARUM ZUR HÖLLE GIBT ES DAS NICHT VOR DEM ALLERERSTEN KAMPF?! Da weiß man gar nicht, worüber man sich mehr aufregen soll: Über die nicht funktionierende Kamerasteuerung und das nicht funktionierende Kampfsystem oder darüber, dass das einem so spät erst erklärt wird? Wahrscheinlich regt man sich (so wie ich)-mit Recht- über beides auf.
Aber wenn man das alles überwunden hat,packt DA:IQ seine ganzen Stärken aus: Die Story nimmt an Fahrt auf und beginnt interessant(er) zu werden. Man lernt seine ersten Companions kennen und kann mit denen-wie in guten alten DA:O-Zeiten- quatschen und einiges über sie in Erfahrung bringen. Die Story wird immer wieder mit netten Zwischensequenzen aufgewertet. Es gibt einige neue Sachen zu entdecken, wie z.B. das mit den Tränken oder auch dass man Equipment selber herstellen kann. Die einzelnen Gebiete sind sehr groß und umfangreich. Man kann die Welt fast frei erkunden(aus der Egoperspektive)-das macht Spaß, man entdeckt immer mal wieder irgendwo was zum looten. Grafik&Musik spielen zudem eh in der 1.Liga. Nach etwas "Gefummel" mit dem Kampfsystem und der Kamerasteuerung komme ich auch damit nun einigermaßen zufriedenstellend zu Recht-aber wie gesagt, man braucht Zeit&Geduld. Dafür kriegt man dann aber auch Kämpfe (hin), wie man sie aus DA:O-kennt. Gut, die Kamerasteuerung ist danach immer noch nicht das Gelbe vom Ei und manchmal kriegt man keine vernünftige Perspektive auf das Geschehen (oder die Perspektive, die man gerne hätte) aber insgesamt lässt es sich damit arbeiten.
Man merkt dem Spiel aber (leider) auch ein paar unschöne Veränderungen an. In DA 2 haben sie versucht, aus DA ein Action-Rollenspiel zu machen-und das kam ja nicht so gut an. In DA:IQ haben sie nun versucht, DA auf Skyrim zu trimmen. Hm. Frei begehbare Welt, gut und schön...nur: Warum ist in Haven jedes zweite Haus leer? Und warum kann ich ungehindert Truhen plündern und sonstige Dinge stehlen? Gut, die Stadt "lebt", man spricht über einen und die NPCs wuseln rum...aber in Risen oder Gothic sind die Lokalitäten und NPCs einfach noch leb-und damit (noch) glaubhafter. Und auch diese verschachtelten, konsolenhaftigen Menüs für Ausrüstung,etc. hätten nicht sein müssen. Andererseits merkt man dem Spiel aber auch positiv an, dass es sich in weiten Teilen wieder spürbar am ersten Teil der Serie orientiert-und das tut dem Spiel gut. Dieser Mix aus Skyrim und DA:O funktioniert auf jeden Fall besser als DA 2. Ob DA:IQ mit DA:O gleichziehen kann, vermag ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu beurteilen.
Wenn es ein Dragon Age IV geben sollte, dann sollten die Entwickler entweder back to the roots oder eben ein reines Open-World-RPG machen. Aber von diesem Mischmasch -so gut DA:IQ auch sein mag-hab ich erstmal die Nase voll. Ich möchte wieder ein Rollenspiel in Reinkultur!
So ... und jetzt bin ich durch. Nach 50 Stunden. Irgendwann nach etwa ... 30 Stunden hab ich größtenteils aufgehört mich um Sidequests zu kümmern. Die Rewards waren so underwhelming und es wirkte auch völlig falsch - so leid es mir tut - mich um den verschwundenen Ehering einer alten Frau zu kümmern, wenn da eine Armee Dämonen bereit ist, durch die Lande zu ziehen. Unter'm Strich bin ich leider wieder einmal enttäuscht worden von der Marke Dragon Age. Was mit Origins für mich damals als mögliche Rettung des "PC Fantasy-Rollenspiels" anfing, ist am Ende zu einem halbgaren Machwerk verkommen. Dragon Age 2 war für mich schon eine absolute Frechheit der Macher ... wie sah das jetzt mit Dragon Age: Inquisition aus?
Zunächst sei gesagt: Inquisition ist deutlich ... DEUTLICH ... DEUTLICHST besser als Dragon Age 2. Die Hauptstory macht Spaß und wird in opulenten Cutscenes erzählt. Man darf teilweise sogar schwere Entscheidungen treffen und so dann sogar eine epische Geschichte erleben. Leider hat Inquisition das Problem, dass diese tolle Hauptstory viel zu kurz ist - und man merkt, dass diese Masse an teilweise belanglosen Sidequests nur dazu da sind, um das Spiel zu strecken - und das diese Hauptstory einfach untergeht. Ich hatte jetzt gegen Ende in mehr als einer Cutscene das Problem, dass ich gar nicht mehr wusste, wer jetzt die Person ist, die gerade Schreckliche Tat A begeht.
So wurde das, was eine großartige Geschichte hätte werden können, zu einem Haufen cooler Ideen, die mich leider völlig kalt lassen. Ich erinnere mich noch an das Finale von Origins ... oder besser die verschiedenen Finale - sei es das Ende, bei dem man sich selbst opfert ... oder das Finale, bei dem man selbst König wird ... oder das Finale, bei dem es am Ende nur eine Königin gibt ... oder nur einen König ... oder ein Königspaar ...
... da kann dieses Ende leider so gar nicht gegen anstinken.
Mehr noch, war der Endgegner Corypheus sogar so leicht, dass ich nicht einmal einen Heiltrank habe nutzen müssen ... und das obwohl ich als Knight Enchanter Mage an vorderster Front kämpfte.
Was hätte man aus diesem Spiel machen können?! So unfassbar viel! Es ist ja großartig, dass das Spiel so gewaltig groß ist ... aber wieso verpackt man diese Größe dann in Belanglosigkeit? Wieso nicht ein bisschen an Größe sparen und dafür alles so opulent präsentieren? Warum wird die Geschichte hier in den Hintergrund gerückt, nur damit man sagen kann: "Guck mal, ich hab hier ein Open World Game!"
Ne ... sorry, Bioware ... das war nix ... ihr hättet etwas großes schaffen können und habt es - zumindest in meinen Augen - gehörig verkackt.
Während Dragon Age Origins von mir eine 10 von 10 bekommen hat und Dragon Age 2 eigentlich gar keine Bewertung verdient hat, weil es so scheiße war, bekommt Inquisition eine 3 - 4 von 10.
Gute Ideen. Teilweise gute Darstellung. Insgesamt einfach viel zu viel Ballast.