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Medien & Phantastik => Feder & Pinsel => Die Schreibwerkstatt => Thema gestartet von: Niniane am 21.03.2015 | 13:04

Titel: Erster Tanelorn-Kurzgeschichtenwettbewerb (Orga: Flying Games)
Beitrag von: Niniane am 21.03.2015 | 13:04
Da in diesem Thread  (http://www.tanelorn.net/index.php/topic,93151.0.html) die Idee zu einem Kurzgeschichtenwettbewerb aufkam, mache ich in meiner Eigenschaft als Mod mal einen neuen Thread auf.

Wann, in welcher Form, wer soll euch bewerten?

Meinungen, Vorschläge, Wünsche!
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Conan der Barbier am 21.03.2015 | 13:21
Vorschlag zur Form bzw. zu den Rahmenbedingungen: Man könnte eine kleine Anzahl von Stichworten vorgeben, von denen minimal x frei wählbare für die Geschichte wesentlich sein müssen. Das macht die Sache zum einen ziemlich flexibel und nagelt niemanden auf ein Thema fest, mit dem er oder sie so gar nichts anfangen kann, zum anderen schafft es aber eine gemeinsame inhaltliche Basis.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Niniane am 21.03.2015 | 13:22
Da ich übrigens überhaupt keine Kurzgeschichten schreiben kann (wurde mir schon mehrfach bestätigt, ich sei eher ein "Epiker"), würde ich mich als Jurorin anbieten.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: El God am 21.03.2015 | 15:30
Hmm. Also *meine* Motivation, den Wettbewerb vorzuschlagen, war, ein Medium zu finden, das kurzfristig Motivation am Schreiben schafft und den Beteiligten das Erfolgserlebnis bieten soll, ein abgeschlossenes Werk zu produzieren. Ähnlich der ganz ursprünglichen Idee der 24-h-Rollenspielchallenge. Zeitbegrenzung etc. halte ich aber für unnötig, passender wäre eine Wortbegrenzung.

Brauchen wir dann überhaupt eine Jury? Oder genügt eine Publikumsabstimmung? Frage ist halt, wie groß wir die Sache insgesamt aufziehen wollen. Wie wäre es, erstmal vorzufühlen, wer eine Teilnahme für möglich hält?
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Nocturama am 21.03.2015 | 15:39
Ich wäre nicht dabei, Wettbewerbe helfen mir nicht bei der Motivation  ;)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 21.03.2015 | 15:40
Wenn ich eine Geschichte fertig bekomme mit der ich zufrieden bin wäre das für mich schon Sieg genug ;D

@Dolge: Hast du an der 24-h-Rollenspielchallange schon mal teilgenommen?
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Bad Horse am 21.03.2015 | 16:43
Beim NaNoWriMo gibt es ja aus gutem Grund keine Abstimmung - wenn du fertig geworden bist, hast du schon gewonnen. :)
Das finde ich eigentlich ganz gut so.

Zeitlimit: Ich würde schon vorschlagen, dass es ein gewisses Zeitfenster gibt, in dem die Geschichte fertig sein soll. Sonst ist es ja keine Challenge mehr. Der Druck, irgendwann fertig werden zu müssen, sollte schon irgendwie da sein.

Stichwörter: Fänd ich gut. Stichwörter machen Spaß. :)

Ich wäre übrigens dabei. Zumindest würde ich es versuchen.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: El God am 21.03.2015 | 19:04
Ah ja klar. Eine Challenge im Sinne des NaNoWriMo wäre natürlich auch nett. Einfach um sich zu beweisen, dass man einen Text abschließen kann.

Sieger wäre dann, wer mit seiner Geschichte zufrieden ist?
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Bad Horse am 21.03.2015 | 19:06
Ich würde sagen, jeder, der fertig ist. "Zufrieden" ist so eine Sache, weil jeder seine Meßlatte unterschiedlich hoch anlegt - ich bin zufrieden, wenn ich ab und zu mal grinsen muss, und die Fehler fallen mir wenig auf. Andere sind viel kritischer.

Ansonsten können wir ja gern einen Thread machen, in dem jeder erzählen kann, was ihm am besten gefallen hat. Ich fände es schon schön, wenn die Dinger auch gelesen werden. :)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: El God am 21.03.2015 | 19:21
Ansonsten können wir ja gern einen Thread machen, in dem jeder erzählen kann, was ihm am besten gefallen hat. Ich fände es schon schön, wenn die Dinger auch gelesen werden. :)

 :d
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Conan der Barbier am 21.03.2015 | 19:22
Die Teilnahme versuchen würde ich zumindest - je nachdem, wie ich mit meinen anderen Schreibvorhaben im Zeitplan liege :)

Eine große Kritikrunde braucht es meiner Meinung nach auch nicht. Oft genug sind x Prozent der Kritik auf "gefällt mir nicht" zurückzuführen. Da so etwas einen aber ziemlich runterziehen kann und der Zweck hierbei ja offenbar das Motivieren sein soll, wäre eine richtiggehende "Bewertung" denke ich kontraproduktiv. Zumal Geschmack eine ziemlich individuelle Sache ist.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Hollaus am 21.03.2015 | 22:06
Ich wäre dabei. Ich fände es übrigens ganz gut, wenn man die Geschichten danach als "Pitch" für Abenteuer/Welten/Szenarien zur Verfügung stellen würde.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Edvard Elch am 23.03.2015 | 19:46
Je nach Zeit und Ideen würde ich auch mitmachen.

Ich fände es übrigens ganz gut, wenn man die Geschichten danach als "Pitch" für Abenteuer/Welten/Szenarien zur Verfügung stellen würde.

Halte ich für schwierig – die wenigsten Kurzgeschichten dürften ohne weiteres dafür geeignet sein.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Niniane am 23.03.2015 | 20:16
Ich finde auch, dass wir die Kurzgeschichten weitestgehend vom Rollenspiel getrennt halten sollten. Klar, wenn jetzt jemand sagt "Ich hab die Idee für eine Kurzgeschichte rund um meinen Charakter in Spiel ABC", kann man das machen, aber ansonsten sollte es da keine weiteren Vorgaben geben.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Sashael am 23.03.2015 | 20:45
Von welchem Umfang reden wir eigentlich, wenn wir hier von Kurzgeschichten sprechen?
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: El God am 24.03.2015 | 08:17
Zwischen 1000 und 5000 Wörtern?
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Caralywhynn am 24.03.2015 | 08:44
Grundsätzlich wäre ich wohl dabei :)
Kommt ein bisschen drauf an, Wann im Jahr das Ganze Starten soll. Kurz vor irgendwelchen Prüfungen bin ich halt raus :)

Ich denke auch, ein Zeitlimit wäre sinnvoll - Wortzahlbegrenzung - nunja, damit kenne ich mich nicht so aus, fände ich aber ok.

Auch denke ich, dass das Prinzip des Nanowrimo ganz gut ist - Weil ne Jury müsste zumindest von den theoretischen Formen von Kurzgeschichten ne Ahnung haben, um besondere Kniffe, Strukturen usw. realistisch einschätzen zu können.
Deswegen denke ich, dass es Jury-los ne gute Angelegenheit wäre - und z.B. konstruktive Kritik ja auch durchaus von den anderen Teilnehmern kommen kann, sofern sie denn gewünscht ist :)

Ich hätte auch kein Problem mit Stichwörtern :)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: asri am 24.03.2015 | 09:06
Ich hab durchaus auch Lust, mal wieder einen externen Anlass vorgesetzt zu bekommen. Sonst schreibe ich so selten. 1000-5000 Wörter klingt gut, vorgegebene Stichwörter auch (evtl. mit gewisser Flexibilität, z.B. 7 werden vorgegeben und 4 davon müssen in der Geschichte Relevanz haben). Knackpunkt wird (nicht nur bei mir) das Wann und Wielange sein: In welchem Zeitraum soll es stattfinden (April würde bei mir z.B. ziemlich sicher nicht klappen), und wieviel Zeit wird eingeräumt?

Ich fände es ja durchaus nett, dass als 24- oder 48-Stunden-Kurzgeschichten zu konzipieren: In einem Zeitraum von 4 Wochen dürfen sich alle selbst eine Anfangszeit setzen, von der an sie genau 24 (oder 48) Stunden Zeit haben, um ihre Geschichten abzuschließen. Die eine fängt Freitag Mittag an und ist Samstag Mittag fertig, ein anderer haut seinen Text Sonntag Abend raus und will keine weitere Zeit investieren... Kontrolliert wird die Einhaltung der 24 Stunden nicht, das können alle für sich selbst ehrenhalber übernehmen.

(Das Modell hab ich bei einem 24-Hour-RPG-Wettbewerb kennengelernt und als brauchbar empfunden. Aber ich würde wohl auch bei anderen "Formaten"  mitmachen.)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Hollaus am 24.03.2015 | 11:12
Stichworte, Vorgabe für Umfang und ein Abgabedatum würde ich super finden. Die Einschränkung auf z.b 24 h nicht so sehr. Das kann ich mit den Kindern und der Arbeit (Bereitschaftsdienst) einfach nicht garantieren.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Bombshell am 24.03.2015 | 19:42
Stichworte, Vorgabe für Umfang und ein Abgabedatum würde ich super finden. Die Einschränkung auf z.b 24 h nicht so sehr. Das kann ich mit den Kindern und der Arbeit (Bereitschaftsdienst) einfach nicht garantieren.

Naja man könnte sich ja auch selbstgewählte 24 h in einer anderen Zeitspanne (1 Woche, 1 Monat, etc.) vorstellen.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Taysal am 24.03.2015 | 20:07
Zwischen 1000 und 5000 Wörtern?

Keine Mindestlänge, da bei Kurzgeschichten unbekannt und nicht sinnig.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: El God am 24.03.2015 | 22:07
Habe mich extra mal schlau gemacht: Für unter 1000 Wörtern gibt es noch die Kategorie "short short story", an die sich dann aber bei Wettbewerben auch wieder kaum jemand hält. Ist mir also schnuppe. Ich denke auch, dass jeder Autor ungefähr im Gefühl haben wird, was eine Kurzgeschichte ist.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Würfelheld am 25.03.2015 | 00:22
Mh schreibtechnisch ehr nicht, aber Juror oder Irgendsowas!
Rahmenbedingungen sollten gut überlegt sein, sowas wie
- Zeichenzahl
- Genre
-Firmatierung des Textes


Bzgl VÖ gibt es ja mehrere Möglichkeiten, so über Verlag, als SelfPublishing oder ein Projekt mit etlichen Gimmicks über Krautfindung.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Turning Wheel am 25.03.2015 | 01:00
Ich schlage mal was vor:

Stichwörter: Liebe, Mord, Spiegel
Umfang: 5000 bis 15.000 Zeichen
Zusätzliche Bedingung: Die Geschichte muss eine Pointe im letzten Satz haben, der die Sichtweise dramatisch verändert oder eine große Überraschung birgt.
Zeitlimit: 1 Woche (also bis Mittwoch 1. April)

Der Gewinner bekommt ein Idee!-Rollenspiel, wenn mindestens 4 Leute mitmachen.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Hollaus am 25.03.2015 | 07:15
Ich schlage mal was vor:

Genre: Fantasy
Stichwörter: Liebe, Mord, Spiegel
Umfang: 3 bis 7 Seiten
Zusätzliche Bedingung: Die Geschichte muss eine Pointe im letzten Satz haben, der die Sichtweise dramatisch verändert oder eine große Überraschung birgt.
Zeitlimit: 1 Woche (also bis Mittwoch 1. April)
Das ist ja schon was Konkretes!
+1
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Würfelheld am 25.03.2015 | 09:52
wue defenierst ydu Seite? A4 oder Roman?
Würde ehr sagen max. 18000 Gesamtzeichenzahl, das entspricht 10 Romanseiten.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Turning Wheel am 25.03.2015 | 12:28
Mit Seite meinte ich Normseite. Das wären zwischen 1500 und 1800 Zeichen pro Seite. Das wären dann bis zu 12500 Zeichen.
Ich wollte nicht so viel vorgeben, damit die Story würzig bleibt und niemand überfordert ist in der Woche. ;)
Ich sag jetzt einfach mal ganz präzise: 5000 bis 15.000 Zeichen. (Hab das oben editiert)

Falls vier oder mehr Leute mitmachen, gibt's für den Gewinner als 1. Preis ein Idee!-Rollenspiel "Szenario" frei Haus.
Falls sogar 7 oder mehr Leute mitmachen, werf' ich für den 2. auch noch ein "Ad Astra" dazu.
Ist das was?
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Würfelheld am 25.03.2015 | 12:39
enn ihr fleißig seit leg ich ne Antho als Preis bei. Ich Greifenklaues und meinereine sagen, als Volldampf
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Village Idiot am 25.03.2015 | 12:45
Schön das du dir schon Gedanken gemacht hast,  dead cat. Aber ich finde das schon ein bisschen zu restriktiv. Mindestlänge finde ich bei einer Short Story ganz schön anstrengend. Und eine Genrevorgabe braucht es, finde ich, nicht wirklich.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Turning Wheel am 25.03.2015 | 12:47
Okay, das Genre wollte ich zuerst eh gar nicht festlegen. Ist jetzt frei. (hab ich editiert)
Die Länge bleibt aber. Ich hätte gerne eine straffe, klare Idee und kein langes Geschwurbel - aber auch kein allzu kurzes Ding.

enn ihr fleißig seit leg ich ne Antho als Preis bei.
Super!
Und wehe die Rechtschreibung ist nicht besser, dann gibt es Punktabzug.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Würfelheld am 25.03.2015 | 13:06
Mh ich lese WETTBEWERB, also sollten schon ein paar Vorgaben her.
Sonst kann man 360 üüü Zeichen einreichen und sagen, dass das für einen kurz ist :-)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Conan der Barbier am 25.03.2015 | 13:42
Stichwörter: Liebe, Mord, Spiegel

Sollen diese Stichworte dann alle für die Story relevant sein, oder kann man z.B. eines rauswerfen?
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Turning Wheel am 25.03.2015 | 14:50
Ja, die Stichwörter sollen alle inhaltlich relevant verbaut werden
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Hollaus am 25.03.2015 | 17:04
Wie schauts mit dem Einreichen aus? Gibts dazu wo einen Upload, oder soll ich einfach einen Cloudspeicherdienst angeben, wo jede(r) Interessierte das herunterladen und lesen kann?
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Niniane am 25.03.2015 | 18:08
Also ich würde nochmal zwei Schritte zurückgehen.

dead cat, würdest Du dich als Orga zur Verfügung stellen? Sollte es dafür ein eigenes Board/Thread geben? Wie wollen wir bewerten? Jury wurde ja schon abgelehnt.

Abgesehen davon weiß ich nicht, ob einige hier nicht einfach nur ein lockeres "Wir schreiben alle was zu einem Thema" wollten und nicht einen "richtigen" Wettbewerb.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Bad Horse am 25.03.2015 | 19:50
Ehrlich? Ich mag es lieber, Wörter zu zählen als Zeichen. Unter diesen Bedingungen bin ich raus, zumal ich auch kein "muss eine Pointe im letzten Satz haben" machen möchte. Das ist mir zu restriktiv.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Sashael am 25.03.2015 | 20:28
..., zumal ich auch kein "muss eine Pointe im letzten Satz haben" machen möchte. Das ist mir zu restriktiv.
Also wenn ich ganz ehrlich bin, finde ich bereits den Zwang "Liebe, Mord & Spiegel" zu verarbeiten ziemlich restriktiv. Wenn mir z.B. zu einem Wort nix Gescheites einfällt, würde es halt in irgendeinem Nebensatz pflichthalber eingebaut. Albern.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Turning Wheel am 25.03.2015 | 21:02
Entspannt euch, das ist alles kein Zwang.
Die ganze Aktion dient doch vor allem dazu, dass ihr mal wieder die Schreibfeder schwingt.
Ihr könnt schreiben was, wieviel und worüber ihr wollt.
Ich lese mir das durch und dann lobe ich ein oder zwei Idee-Rollenspiele unter allen aus. Just for fun.
Die Rahmenbedingungen zu erfüllen ist sicherlich ein dickes Plus (sonst gäbe es sie nicht), aber wer sie nicht erfüllt wird nicht disqualifiziert oder so was.
Das Universum ist groß. Jeder kann glücklich werden wie er es will.
Außerdem gibt es ja noch den Preis von Würfelheld, der wird vielleicht nach ganz anderen Kriterien ausgewählt.

Ehrlich? Ich mag es lieber, Wörter zu zählen als Zeichen. Unter diesen Bedingungen bin ich raus, zumal ich auch kein "muss eine Pointe im letzten Satz haben" machen möchte. Das ist mir zu restriktiv.
Mir wäre es piepegal, ob jemand Zeichen, Buchstaben oder Erbsen zählt, solange es in den (etwa) 3 bis 7 Seiten bleibt.
Ich habe aber wieder mal den Eindruck, dass Autoren hauptsächlich Entschuldigungen suchen um nicht das zu tun, was sie eigentlich tun (wollen? sollten? könnten?).

...Wenn mir z.B. zu einem Wort nix Gescheites einfällt, würde es halt in irgendeinem Nebensatz pflichthalber eingebaut. Albern.
Genau, das wäre albern. So nicht! Die Vorgabe ist dazu da, dass du dich als Autor kreativ innerhalb eines festen Rahmen entwickelst.
Es ist auch keine Restriktion sondern eine Herausforderung. Ist deine Kurzgeschichte diejenige, die sich in überraschendster Weise
um die drei Begriffe dreht. Sie müssen nicht mal wortwörtlich vorkommen, es sind gedankliche Konzepte.
Ich wäre sogar amüsiert, wenn der Spiegel in der Geschichte als Spiegelei* vorkommt. Aber cool stark muss es sein! Beeindrucke mich.
Kannst du das? Kannst du kreativ und zielgerichtet schreiben?

*Nein, Spiegelei ist jetzt leider schon meine Idee gewesen. :)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Bombshell am 25.03.2015 | 21:19
Man kann einen Wettbewerb nicht jedem Teilnehmer auf den Leib schneidern.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Sashael am 25.03.2015 | 21:34
Genau, das wäre albern. So nicht! Die Vorgabe ist dazu da, dass du dich als Autor kreativ innerhalb eines festen Rahmen entwickelst.
Es ist auch keine Restriktion sondern eine Herausforderung. Ist deine Kurzgeschichte diejenige, die sich in überraschendster Weise
um die drei Begriffe dreht. Sie müssen nicht mal wortwörtlich vorkommen, es sind gedankliche Konzepte.
Ich wäre sogar amüsiert, wenn der Spiegel in der Geschichte als Spiegelei* vorkommt. Aber cool stark muss es sein! Beeindrucke mich.
Kannst du das? Kannst du kreativ und zielgerichtet schreiben?
Nö. Ich bin ja auch kein bezahlter Serienautor.
Ein Begriff? Kein Ding. Zwei? Ja, geht auch. Drei? Sehr unwahrscheinlich und in diesem speziellen Fall verursacht die Kombination sogar ne Schreibblockkade.

Bin raus.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Bad Horse am 25.03.2015 | 21:39
Ich habe aber wieder mal den Eindruck, das Autoren hauptsächlich Entschuldigungen suchen um nicht das zu tun, was sie eigentlich tun (wollen? sollten? könnten?).
Das liegt daran, dass die Restriktionen beflügeln sollen. Du hast für mich eine Zwangsjacke draus gemacht.

dead cat, du willst offenbar nicht mal mitmachen. Gibt es irgendeinen Grund, warum du den Interessierten hier jetzt erklären willst, dass sie nicht kreativ und zielgerichtet schreiben könnten, wenn sie deine Vorgaben nicht erfüllen wollen? Zumindest kommt das so bei mir an.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Nocturama am 25.03.2015 | 22:20
Alternativer Vorschlag: Auf TV Tropes gehen, Story Generator (http://tvtropes.org/pmwiki/storygen.php) anschmeißen, drei Elemente daraus in der vorgeschlagenen Form in die Geschichte einarbeiten. Wenn das meiste Käse ist (weil es zum Beispiel ein Index und kein Eintrag ist), darf man noch mal.

Da kommt dann sowas:

Setting:    Martyrdom Culture
Plot:    Dont Go In The Woods
Narrative Device:    Going To See The Elephant
Hero:    Action Genre Hero Guy
Villain:    Last Villain Stand
Character As Device:    Woman Scorned
Characterization Device:    Insists On Paying

Da nehme ich zum Beispiel Setting, Narrative Device und Hero und schicke eine Gruppe von braunhaarigen-perma-stubble Actionhelden, deren Kultur den heroischen Tod verherrlicht, auf die Reise durch ein kriegsgeschütteltes Land, um den letzten Lebenden Dackel zu sehen und glücklich zu sterben. Und männlich. Männlich zu sterben.

Da würde ich vielleicht mitmachen, aber nur, wenn es lockeres Schreiben ist. Ich mag nichts gewinnen.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Bad Horse am 25.03.2015 | 22:32
Das finde ich interessanter. :)

...und ums Gewinnen geht es mir auch nicht. Wenn ich hinterher eine Geschichte habe, hab ich schon genug gewonnen.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: El God am 25.03.2015 | 22:46
Da würde ich vielleicht mitmachen, aber nur, wenn es lockeres Schreiben ist. Ich mag nichts gewinnen.

Finde ich  fürs erste Mal auch besser. Mit Preisen und großem Aufzug können wir das eventuell wiederholen, wenn sich beim ersten Versuch wirklich viele Interessenten finden. Dead Cat hat eine gute Idee vorgelegt, aber ich selbst würde mich bei einer lockereren Gestaltung ebenfalls wohler fühlen.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Uebelator am 26.03.2015 | 08:02
dead cat, du willst offenbar nicht mal mitmachen. Gibt es irgendeinen Grund, warum du den Interessierten hier jetzt erklären willst, dass sie nicht kreativ und zielgerichtet schreiben könnten, wenn sie deine Vorgaben nicht erfüllen wollen? Zumindest kommt das so bei mir an.

Kam bei mir nicht so an. Ich hab das eher so verstanden, dass dead cat einfach Bock drauf hat und schnell was greifbares vorgeben wollte, damit man starten kann. Und es war auch auch nur ein Vorschlag.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Turning Wheel am 26.03.2015 | 08:16
Ja klar, Dolge. Schreibt doch einfach was ihr wollt.

@ Uebelator: Wow, jemand hat mich verstanden! Danke! :)

dead cat, du willst offenbar nicht mal mitmachen. Gibt es irgendeinen Grund, warum du den Interessierten hier jetzt erklären willst, dass sie nicht kreativ und zielgerichtet schreiben könnten, wenn sie deine Vorgaben nicht erfüllen wollen? Zumindest kommt das so bei mir an.

Ich werde aus zwei Gründen nicht mitmachen: Erstens, weil ich es organisiert hätte und zweitens weil ich kein Autor bin.

Wenn jemand die Rahmenbedingungen nicht mag, soll er es doch einfach sein lassen. Fine with me. Das Angebot steht aber, es sind noch 6 Tage.
Wenn ich mit Autoren zu tun habe, höre ich immer nur "Schreibblockade", "Ungünstige private Situation", "Ist nicht mein Ding".
So gesehen waren die Antworten hier keineswegs überraschend für mich.
Ich habe ja im letzten Jahr schon versucht, einen Autor für einen angemessen bezahlten Job im Rollenspielbereich zu finden und suche immer noch… aber nein, davon fange ich lieber nicht wieder an. :-X
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Hollaus am 26.03.2015 | 09:39
Also, da ich echt Bock aufs Schreiben habe, werde ich das machen. Egal zu welchen Bedingungen (ich hatte das bisher auch nicht als Restriktion, sondern als Rahmenbedingung verstanden).

Schreiben um des Schreibens Willen.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: El God am 26.03.2015 | 11:16
Wenn jemand die Rahmenbedingungen nicht mag, soll er es doch einfach sein lassen. Fine with me. Das Angebot steht aber, es sind noch 6 Tage.

Oho! Das hatte ich vorher falsch verstanden. Ich dachte, das war nur ein Beispiel. Ich glaube, ich werde mich sogar mal daran versuchen :)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 26.03.2015 | 13:24
Ich habe ein Konzept und die erste halbe Seite ist geschrieben. :d
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Uebelator am 26.03.2015 | 15:46
Ich war heute in Schreiblaune und habe mich mal am Thema versucht. Keine Ahnung, obs wirklich gut ist, aber ich dachte, ich teile es trotzdem mal. Laut Word sind es mit Leerzeichen 9.362 Zeichen und ohne 7.866.

Von Angesicht zu Angesicht

Alexander schlug die Augen auf als ihm das Sonnenlicht durch die halb geöffneten Jalousien ins Gesicht schien und ein Weiterschlafen unmöglich machte. Einen Blick auf die rot leuchtenden Digitalziffern des kleinen Weckers auf dem Nachtschrank später, drehte er sich im Bett herum und tastete nach seiner Frau, die - wie so oft - bereits aufgestanden war.

Der Geruch von Rührei stieg ihm in die Nase und er hörte die Kaffeemaschine in der Küche blubbern.
Nadine war gestern, wie fast an jedem Abend, früher als er ins Bett gegangen und daher bereits wach, um für das Frühstück zu sorgen. Sie machte das gern und liebte es ihn zu verwöhnen, aber irgendwie schaffte sie es damit auch immer, dass er sich ein klein wenig schlecht fühlte, weil er lange ausschlief und sie einfach machen liess.
Natürlich war das Quatsch, sagte er sich, und dieses Gefühl sei totaler Blödsinn, aber trotzdem wurde er es nicht so richtig los.

Langsam raffte er sich auf und als er über den Flur ging, bemerkte ihn seine Frau und strahlte ihn an.
“Oh, da ist ja jemand erwacht!”, flötete sie und begann damit die Frühstücksteller auf dem Tisch zu verteilen. “Guten Morgen!”
“Mmmhmm, guten Morgen.”, brummte Alexander und lächelte müde zurück, bevor er die Badezimmertür hinter sich schloss.

Genaus das war es, was er meinte. Es war keine Spur von Vorwurf in Nadines Stimme gewesen und trotzdem… Irgendetwas störte ihn an ihrem Tonfall.

Er wusch sich das Gesicht und das kühle Wasser tat gut und half ihm richtig wach zu werden. Nachdem er sich schnell rasiert hatte, runzelte er die Stirn als er die kleine, leicht gerötete Stelle an seiner rechten Wange sah. Im ersten Moment dachte er, es wäre ein Pickel oder etwas ähnliches, aber es sah mehr aus wie eine Art Flechte, denn die Haut schuppte sich ganz leicht. Vermutlich ist das gar nichts und morgen schon wieder weg, dachte er sich und zuckte die Schultern.

“Denkst Du bitte daran, heute noch das Päckchen für Linus zur Post zu bringen?”, fragte Nadine als sie zusammen beim Frühstück saßen. Alexander blickte kurz von seiner Zeitung auf und nickte.
“Ja, mach ich gleich nach dem Mittag.”
“Aber vergiss es bitte nicht. Er ist immerhin Dein Patenkind.”, beharrte seine Frau.

Er rollte still mit den Augen und brummte eine halbherzige Bestätigung. Natürlich war Linus sein Patenkind, aber der Junge war jetzt 15 und das Verhältnis zwischen Alexander und Linus´ Eltern war bei weitem nicht mehr so gut, wie es einst war. Mittlerweile schickte er lediglich zu den Geburts- und Feiertage ein Alibi-Päckchen hin und auch das nur, weil Nadine ihn immer wieder daran erinnerte. Sie selbst schickte natürlich ständig alle möglichen Päckchen an die kinder Ihrer Freunde quer durch die Republik.
Es gab Dinge, die waren ihm wichtig, aber leider musste er zugeben, dass Linus nicht dazu gehörte.

Kurz bevor sie vom Frühstückstisch aufstanden, seufzte Nadine und sah zu Boden.
“Na super, ich hab gestern Abend erst gesaugt und nun ist schon wieder alles voller Krümel. Ich komm gegen den Dreck einfach nicht an.” Alexander war es vollkommen egal, ob auf dem Boden ein paar Krümel lagen oder nicht. Er nahm das was seine Frau schon als Dreck bezeichnete einfach gar nicht wahr.

Von irgendwoher kam ein metallischen Klacken, so als wenn man einen schweren eisernen Riegel zur Seite schiebt, gefolgt vom langgezogenen Quietschen einer schweren Tür. Alexander drehte sich herum und sah sich in der Wohnung um, bevor sein Blick hinüber zu Nadine wanderte, die bereits den kleinen Handstaubsauger in der Hand hielt und sich unter den Tisch beugte, um die Krümel zu beseitigen. Sie war so auf ihre Aufgabe konzentriert, dass sie nicht einmal aufsah.
“Was war das denn?”, wunderte sich Alexander leise murmelnd.
Nadine, die die Bewegung seiner Lippen aus dem Augenwinkel wahrgenommen hatte, sagte laut, um den Staubsauger zu übertönen: “Hast Du was gesagt?”, aber Alexander winkte nur ab und sie wandte sich wieder den Krümeln zu.

Er ging ins Bad, um sich seines Morgenmatels zu entledigen und sich anzuziehen. Eine Hose, ein Hemd, Socken sowie eine Unterhose lagen sauber gefaltet auf dem kleinen Regal, wo Nadine sie für Ihn hingelegt hatte. Nachdem er mit den Augen gerollt und einmal geseufzt hatte, zog er sich die Hose an un das Hemd über den Kopf und gerade als er den Kopf durch den Kragen steckte, fiel sein Blick auf sein eigenes Spiegelbild.
Irgendetwas stimmte damit nicht.

Die Stelle an seiner Wange war größer geworden und hatte neben einem entzündeten Rot eine eitrige Gelbfärbung angenommen und blasse Hautschuppen schienen sich von seinem Gesicht zu schälen.
Langsam trat er näher an den Spiegel und betrachtete die Stelle, um leicht mit dem Finger darüber zu kratzen. Weitere Hautschuppen lösten sich und die Haut um die Stelle fühlte sich seltsam pergamentartig an, tat aber überhaupt nicht weh.
Ein Hautarzt würde sich das nach dem Wochenende mal ansehen müssen, dachte Alexander und nahm ein Pflaster aus dem Spiegelschrank, um es darüber zu kleben.

“Hast Du Dich beim rasieren geschnitten?”, fragte Nadine als sie etwas später aus dem Bad kam und wie immer perfekt aussah.
Alexander tastete nach dem Pflaster in seinem Gesicht und nickte.
“Ja, man sollte sich nicht rasieren, wenn man abgelenkt ist.”, erwiederte er mit einem schiefen Lächeln.
“Abgelenkt? Na woran hast Du denn wieder gedacht?”
“Ach, nur Kram von der Arbeit.”, log er. “Nur Kram von der Arbeit.”
Nadine stemmte ihre kleinen Hände in die Hüften. “Na, nun entspann Dich mal. Wochenende ist Familienzeit.”

Und wieder so ein unterschwelliger Vorwurf. “Wochenende ist Familienzeit.” hatte sie gesagt, aber eigentlich meinte sie “Du arbeitest Du zu viel”. oder “Nie bist du für mich da.”, da war er sich sicher. Gott, wie ihm ihre ständige Nörgelei auf die Nerven ging.

Am Mittag waren sie zum Essen mit Daniel und Regina verabredet, Freunden von ihr, die sie im Yoga-Kurs kennengelernt hatte. Die beiden waren ganz okay, aber so langweilig, wie ein Pärchen nur sein konnte. Er war Informatiker im öffentlichen Dienst sie war irgendwas im Büro. Normalerweise hatte Alexander kein großes Problem damit, zwei Stunden mit inhaltlosem Smalltalk über das Wetter, Politik und die Lage an der Börse zu verbringen, aber an diesem Tag hätte er sich bei der Vorstellung daran übergeben können.

“Willst Du wirklich den roten Pullover anziehen?”, fragte Nadine, kurz bevor ihre Gäste eintreffen sollten. Nadine hatte gleich nach dem Frühstück angefangen zu kochen und es duftete herrlich nach Knoblauch und Tomaten.  “Ich finde den neuen dunkelblauen, den ich Dir zu Ostern geschenkt habe viel schöner. Dieses olle Ding können wir vielleicht langsam mal ausmustern, oder?”
Alexander mochte seinen roten Pullover. Ja, er war vielleicht alt, aber für sein Verständnis sah er immer noch gut aus. Um Diskussionen zu vermeiden, schnappte er sich den blauen Pullover aus dem Schrank, trottete ins Bad und schloss die Tür hinter sich.

Erneut fiel sein Blick in den Spiegel und Alexander erschrak. Die Haut um sein rechtes Auge hing scheinbar schlaff herunter und sah brüchig und trocken aus und das Auge selbst hatte eine grässliche rötlich-gelbe Färbung angenommen.
Ein kurzer Schrei entwich seiner Kehle und sein Herz begann in seiner Brust zu Hämmern. Was zur Hölle war das? Irgendeine Krankheit? Ebola? Nein, er fühlte sich nicht schlecht. Genau genommen fühlte er sich sogar ziemlich gut.

“Alles okay, Schatz?”, rief seine Frau durch die Tür, die offenbar seinen Schrei gehört hatte.
“A-Alles gut!”, antwortete Alexander hastig, der sich nicht noch mehr Vorwürfe darüber anhören wollte, wie er denn nun wieder aussah und warum sie denn nun extra wegen ihm wieder ins Krankenhaus fahren müssen, wo sie doch eigentlich zum Essen verabredet waren und sie so lange dafür in der küche gestanden hatte.

Er tastete mit seiner Hand über die schlaffe Haut und diese zerbröckelte unter der Berührung.
Das was darunter zum Vorschein kam, war noch viel erschreckender als er befürchtet hatte. Eine zweite Hautschicht befand sich darunter. Dunkel und knotig und feucht glänzend. Sein entzündetes rotes Auge, aus dem etwas Eiter in einem dünnen Rinnsal über sein Gesicht lief funkelte ihn in.

“Daniel und Regina sind bestimmt bald da. Brauchst Du noch lange?”, dröhnte Nadines Stimme durch die Tür, doch Alexander antwortete nicht. Seine Finger gruben sich in seine noch rosige Haut auf der linken Seite seines Gesichtes und ein stechender Schmerz durchzuckte seinen ganzen Körper als er zog und zerrte und sich die Haut langsam aber sicher und feucht schmatzend von seinem Schädel löste.

“Schatz?”, rief seine Frau. “Beeilst Du dich bitte?”

Die Überreste seines Gesichtes klatschten blutig in das Waschbecken, seine Hände zu Klauen gekrümmt und blutverschmiert. Alexander sah auf, sah in den Spiegel und blickte dem Monster in die Augen. Zum ersten Mal in seinem Leben erkannte er sich selbst und lachte kehlig, als ein ihn bisher unbekanntes Gefühl von Freiheit und Macht durchströmte.

Die Tür zum Badezimmer ging auf und Nadine betrat den Raum.
“Sag mal, was machst Du  denn hier eigentlich so lange? Gehts Dir nicht gut?”, fragte sie ihn und sah ihren Ehemann an. Diesmal mit echtem Vorwurf in der Stimme, aber ohne jede Spur von Entsetzen.

“Oh doch.”, lächelte Alexander und seine Augen wanderten zu der verführerisch spitzen Nagelfeile die auf dem kleinen Brettchen unter dem Spiegelschrank lag. “Es geht mir sogar sehr gut.”
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Blechpirat am 26.03.2015 | 16:25
Mir hat sie gut gefallen...
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 26.03.2015 | 17:10
Und ich habe mich schon gefragt wo der Mord bleibt. Gefällt mir gut, besonders diese passiv aggressiven Vorwürfe :d
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Noir am 26.03.2015 | 17:40
Dann häng ich mich auch mal dran:

Nur noch einen Drink

“Die Vernichtung des Seins beginnt mit dem ersten Glas.” hatte meine Mutter immer gesagt. Kein
Wunder. Ihr Vater hatte oft zur Flasche gegriffen und dann bewiesen, dass Menschen zu
grauenvollen Taten fähig sind. Hätte ich geahnt, dass ich eines Tages selbst das sein würde, was
meine Mutter immer von mir fernhalten wollte ... ich glaube ich hätte dem Ganzen schon vor
Jahren ein Ende gesetzt. Aber das habe ich nicht und so sitze ich hier in unserer kleinen 2-Zimmer
Wohnung und starre auf dein Foto. Du hast mich verlassen. Endgültig. Sagtest, ich hätte den Bogen
überspannt. Hätte den Boden unter den Füßen verloren. Wäre einfach nicht mehr ich selbst.
Ich greife nach der Flasche Whisky und schenke mir großzügig nach. Die goldene Flüssigkeit
ergießt sich in mein Glas und verströmt einen beißenden Geruch. Ich atme ein. Atme aus. Und atme
ein. Und wieder aus. Es ist kein guter Whisky. Ein Heap's Best. Ich kann mich noch daran erinnern,
wie du mir dieses Zeug geschenkt hast. Vor Zwei Jahren. Hast auf den Preis gedeutet und gesagt,
dass diese Brühe zwar nicht teuer aber dafür ekelhaft wäre. Und dann haben wir gelacht. Schallend.
Ich habe dich geküsst und dir gesagt, dass ich dich liebe.
Zwei Jahre stand der Heap's Best nun im Schrank und erinnerte uns an diesen Abend. Und jetzt, da
du weg bist, hat er einfach keine Bedeutung mehr für mich. Ich leere das Glas in einem Zug,
während ich wie gebannt auf das Etikett der Flasche starre. Zorn. Ich greife zu, hole aus und werfe
die Flasche an die Wand. Das Glas zerbricht und der Rest des Fusels verteilt sich klatschend auf
dem Küchenboden. Ich vergrabe das Gesicht in den Händen und weine.
Das geborstene Glas am Boden – ein Spiegel meiner Seele. Wieso konnte ich es nicht stoppen?
Wieso konnte ich mich nicht zurückhalten? Verdammter Alkohol. Es hilft nichts. Du bist
weg. Wirst nicht wiederkommen.
Ich rücke meinen Stuhl etwas nach hinten und stehe auf. Ich muss hier weg. Kann hier nicht mehr
bleiben. Brauche Abstand.
Ich greife nach meinem Mantel, zögere kurz und lass ihn dann doch an der Garderobe hängen. Die
Kälte wird mir gut tun. Dumpfe Schritte ertönen, als ich über den alten Teppich im Flur gehe und
den Schlüssel aus dem Kasten nehme. Ich öffne die Wohnungstür, schreite hinaus ins Treppenhaus
und werfe sie zurück ins Schloß.

Ich verlasse das Haus und kalter Wind trifft auf meine schweißnasse Stirn. Ein Gänsehautschauer
überzieht meinen Rücken. Es tut gut. Auf den Straßen ist viel los. Autos kommen aus Richtung
Main-Street. Die St.-Michael-Avenue ist die schnellste Verbindung zum Trans-Canada-Highway,
seitdem er 1970 fertiggestellt worden war.
Seltsam. Einige Augenblicke war ich völlig gefangen in den Erinnerungen. Mein Vater, der mich zu
den Feierlichkeiten in Saint John mitnahm und mir erklärte, dass Slater Bay nun endlich einen
wirtschaftlichen Aufschwung erleben würde. Meine Mutter, die zu Hause mit Kaffee und Kuchen
auf uns wartete. Und dann du. Ein Riss in den warmen Erinnerungen, durch den die eiseskälte der
Realität eindringt und mich zurückbringt. Zurück ins Hier und Jetzt. In die Gegenwart, in der du
mich verlassen hast, weil ich vergessen habe, was du mir bedeutest. Ich höre das Geschirr bersten.
Deine laute Stimme, die mich beschimpft und mir Vorwürfe macht. Vorwürfe, die vermutlich voll
und ganz gerechtfertigt waren.
Ich folge der St.-Michael-Avenue und treffe Marcy. Sie fragt mich, wie es uns geht. Ich sage ihr,
dass es aus ist. Sie entschuldigt sich und fragt, ob ich etwas trinken möchte. Ja. Ich möchte etwas
trinken. Aber nicht mit ihr. Ich schüttele den Kopf und lasse Marcy hinter mir.
An der Ecke kehre ich in Liams Pub ein und setze mich an die Theke. Man kennt mich hier. Ohne
eine Frage zu stellen, wird mir ein Guinness serviert. Liam selbst steht am Zapfhahn. Er begrüßt
mich mit einem Kopfnicken und bemerkt sofort, dass ich nicht reden will. Ich nippe an dem Glas
und der kräftige Geschmack katapultiert mich sofort wieder in die Vergangenheit.

Liams Pub. Hier hab ich dich kennengelernt. Weißt du noch? Als dieser verdammte Dreckskerl dich den ganzen
Abend angebaggert und dir dann in einem unachtsamen Moment die Geldbörse geklaut hat. Du hast
geweint. Warst verzweifelt. Ich habe mich zu dir gesetzt und dich gefragt ob alles in Ordnung sei.
Und du hast mir alles erzählt. Es war, als hätten wir uns schon immer gekannt. Wir haben die ganze
Nacht geredet und die Erinnerung an diesen verfluchten Penner verschwamm mit jedem Drink
etwas mehr. Ich habe deine Rechnung bezahlt. Und seine. Und meine. Dann bist du gegangen und
hast mir zum Abschied dieses zauberhafte Lächeln geschenkt, dass ich so sehr an dir liebte.
Zuhause habe ich deine Telefonnummer in meiner Jackentasche gefunden. Hast sie mir zugesteckt,
ohne dass ich es mitbekommen habe. Ich kam in die Küche und ...

Plötzlich öffnet jemand die Tür des Pubs und bestellt lautstark billigen Schnaps. Hinter ihm zwei
Frauen, denen er nun erzählt, was er da feines bestellt hat. Will sie wohl beeindrucken. Er beginnt
sich lautstark zu beschweren, als Liam um etwas Ruhe bittet. Lautstark. Du hast mich heute auch
angeschrien. Ich bin dir durch die ganze Wohnung gefolgt. In der Küche hast du dir einen Teller
gegriffen und nach mir geworfen. Flog genau gegen den Türrahmen und zersprang in tausende
Teile. Und dann bist du gegangen.
“Wir schließen.”, höre ich Liam sagen und blicke auf sechs leere Pints direkt vor mir. Habe ich
mich nicht eben erst gesetzt? Ich zahle und verlasse den Pub. Es wird Zeit zurückzugehen. Zurück
in die leere Wohnung.
Der Weg wirkt unendlich lang. Vielleicht laufe ich langsamer. Möchte die Wohnung nicht erreichen.
Möchte die Gewissheit, dass alles tatsächlich geschehen ist, vor mir herschieben. Dann stehe ich
wieder vor der Wohnungstür. Bin ich überhaupt durch das Treppenhaus gegangen? Ich weiß es
nicht. Kann mich nicht erinnern. Zitternd versuche ich den Schlüssel in das Schloss zu stecken,
doch ich schaffe es nicht. Muss die Augen schließen. Ich atme tief ein. Atme aus. Und ein. Und aus.
Und versuche erneut das Schloss zu entriegeln. Ein lautes Klacken ertönt und beweist mir, dass ich
es dieses mal geschafft habe. Ich trete in den Flur. Dumpfe Schritte. Ich hänge den Schlüssel in den
Kasten und drehe mich zur Küche. Dort, wo alles endete. Ich rieche den Whisky. Und auch etwas
anderes. Ein penetranter Geruch. Stechend. Metallisch. Süßlich. Ich weiß, was ich zu tun habe. Ich
betätige den Schalter und sofort flutet kaltes Licht den Raum. Muss meine Augen
zusammenkneifen.
Sofort höre ich es wieder. Dein Schreien. Deine Angst. Dein Versuch zu fliehen. Der Wurf mit dem
Porzellan. Nichts hielt mich auf. Du hast mich verlassen. Doch nicht für immer. Die Waffe liegt
noch immer auf dem Tisch. Ich folge dir.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 26.03.2015 | 19:59
6847 Zeichen. Eigentlich ist die Geschichte fertig, aber ich bin nicht zufrieden. Es ist einfach nicht ganz rund. Ich glaube ich muss mehr schreiben damit ich es kürzen kann. Ich habe ja noch Zeit.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: El God am 26.03.2015 | 20:57
Wenn der Spiegel fällt

Ich bin ein böser Mann, deswegen muss ich immer meine Tabletten nehmen. Das hat mir mein Arzt gesagt. Meine Frau aber sagt, dass ich, wenn ich sie nehme, nicht ich selbst bin. Dass sie mich verändern. Dass sie das nicht mag.
Das hat sie nun davon, dass ich auf sie gehört habe. Wenn ich meine Tabletten nicht nehme, dann kommen die Stimmen zurück. Mal flüsternd, nagend. Dann laut tobend. Drängend. Schmeichelnd. Immer fordernd. Die meisten Dinge, die sie wollen, sind kein Problem, denn ich wasche mir ohnehin so oft wie möglich die Hände. „Nochmal!“, kreischt es dann in meinem Kopf. Und ich gehorche – es ist einfacher so.
„Das reicht nicht!“, tobt es. Und ich gehorche – wie immer. Irgendwann verstummen die Stimmen, haben genug von diesem Spiel und lassen mich gewähren.
Dieses Mal haben sie etwas anderes von mir gefordert. Ich habe ihnen lange widerstanden, aber irgendwann war ich so zerrüttet, dass ich einfach gehorchen musste. Ich will kein böser Mann sein. Ich will gut sein. Gute Kinder gehorchen.

Endlich schwimme ich aus dem Abgrund des Schlafes nach oben, komme mit erstaunlicher Klarheit zu mir und befinde mich in genau der Situation, der zu entgehen ich gehofft hatte. Sie haben mich gekriegt! Ich zerre an den Fixiergurten, die beide Hände und einen Fuß mit weichem Filz gepolstert aber dennoch unnachgiebig umschließen und weiß ohnehin – keine Chance, ich habe es zu oft erlebt. Natürlich mache ich trotzdem weiter, alte Gewohnheiten sind nur schwer abzulegen.
Irgendwann wacht von meinem Zerren und Winden der Typ im Nachbarbett auf. Na großartig, denke ich, während ich zum ersten Mal den Raum realisiere und mich umschaue. Dreibettzimmer. Voll belegt. Nummer zwei flitzt die Tür hinaus, sagt wahrscheinlich dem Pfleger Bescheid. Nummer drei pennt fleißig weiter. Und stinkt. Oh Gott, wie der stinkt. Garantiert ein Säufer, der erst mal den ganzen Dreck ausschwitzt, den seine Leber gespeichert hat. Mann, wie ich Säufer hasse.
„Guten Tag, Herr *******“, begrüßt mich ein Mann in weißem Kittel. Er hat sich zur Verstärkung direkt noch einen bulligen Pfleger mitgenommen, der in der Tür steht und mich blöde anglotzt. „Wissen sie denn, wo sie sich hier befinden?“
„Inner Klapse?“, nuschele ich, äußerst unbefriedigt über meine verwaschene Aussprache. Ich bin doch total klar im Kopf, warum gehorcht mir meine Zunge dann nur so schleppend?
„Genau. Wissen sie auch noch, wie sie hier her gekommen sind?“
„Nä.“
„Die Polizei musste sie gestern hier abliefern, sie haben versucht einen Beamten anzugreifen. Erinnern sie sich?“
Langsam tröpfelt tatsächlich so etwas wie Erinnerung in meinen Schädel. Aber Beamte? Okay, das ergibt einen gewissen Sinn, wenn man bedenkt, was ich vorher getan habe.
Meine Frau, meine liebe Frau. Meine Frau habe ich umgebracht. Ich wollte es eigentlich nicht. Aber die Stimmen. Die Stimmen haben mir gesagt, dass sie sterben muss. Und wenn ich es nicht tue, wäre etwas ganz furchtbar schlimmes geschehen.

Ich bin mit ihr am Strand, unser erster gemeinsamer Urlaub. Ostsee. Nach Sonnenuntergang. Es war zu kalt zum Baden, aber noch warm genug, um durch den Sand zu laufen und anderen verliebten Irrsinn zu begehen.

Ich habe die Hände an ihrer Kehle. Das Bewusstsein hat sie schon längst verloren, aber ich weiß, dass ich weiter zudrücken muss, immer weiter, immer weiter. „Weiter! Hör nicht auf! Sie ist noch warm!“, hetzen die Stimmen. So verbringe ich sicherlich zwei Stunden damit, eine Leiche zu strangulieren.

Ihre wunderbare Wärme, als sie ihren Kopf an meine nackte Brust legt, an jenem Abend nach Sonnenuntergang. Der Geruch ihres Haars, das feine Prickeln ihrer Finger auf meinen Schultern. Das sanfte Gewicht auf meinem Körper, das ich ein Leben lang zu tragen bereit gewesen wäre.

Irgendwann lasse ich los, was gar nicht so einfach ist, weil meine Finger total verkrampft und gefühllos sind. Sie liegt da. Ist nur noch Fleisch, nur noch eine gefühllose, bedeutungslose Puppe. Man wird mich erwischen. Ich muss dafür büßen. „Du musst dafür büßen! Du musst dafür…“, aber ich bin diesmal sogar schneller als die wütenden Stimmen, die mindestens genauso bestürzt darüber sind, dass ich ihnen gehorche, wie ich selbst. „Dafür muss ich sterben.“, antworte ich ihnen.

Der Arzt drängt sich wieder in den Vordergrund. „Die Beamten haben einen Notarzt gerufen und sie hier einweisen lassen. Offenbar haben sie zwei Polizisten angegriffen und dabei gerufen, dass sie sie erschießen sollen. Wollten sie gestern wirklich sterben?“
„Ja. Die Stimmen…“
„Die Stimmen sind wieder da? Herr *******, sie wissen doch, dass sie ihre Medikamente regelmäßig einnehmen müssen. Erst wenn sie einen bestimmten Medikamentenspiegel im Blut aufgebaut haben, lassen die Symptome nach.“
„Ja, ich weiß. Aber ich bin nicht ich selbst, wenn ich das Zeug nehme.“
„Also haben sie die Tabletten abgesetzt?“
„Ja.“

Ein Nachmittag im Café. Sie trägt ein tief ausgeschnittenes Sommerkleid und sonst nichts. Wirklich gar nichts. Ich habe eine so harte Erektion, dass sie schon schmerzt, während sie mir über ihre Tasse hinweg immer weitere Schlüpfrigkeiten zuwispert, die Geilheit langsam in mein Ohr träufelt. Sie hat mich vollkommen in der Hand, ich bin ihr hörig, bin gefügig. Und als wir endlich bei ihr zu Hause sind, schaffen wir es gar nicht bis zum Schlafzimmer, sondern fallen noch im Flur übereinander her.

Jetzt weiß ich wieder, warum ich zu den Polizisten gegangen bin. Ich musste der Sache doch ein Ende machen. „Suicide by cop“ nennt man das. Funktioniert natürlich nicht. Hätte ich mir auch denken können, naja, hinterher ist man immer schlauer. Aber ich kann mir nun alles zusammenreimen: Nachdem ich meine Frau getötet hatte, war jedes Weiterleben sinnlos geworden. Und ehe ich irgendwo im Knast verrotte, verschwinde ich mit einem letzten ordentlichen Tusch. Ein Knall. Vorzugsweise direkt in den Kopf.

„Herr *******, können sie mir noch zuhören?“
„Ja.“
„Sie kennen das weitere Vorgehen ja schon. Sie bleiben jetzt eine Weile bei uns und werden wieder medikamentös eingestellt. Wenn es ihnen dann besser geht, werden sie entlassen.“
„Hmm, ja.“
Offenbar weiß niemand etwas von der Leiche. Habe ich sie entsorgt? Versteckt? Komm schon, Gehirn! Ich brauche Erinnerungen!
„Sie sind ja jetzt noch fixiert, Herr *******, aber ich denke, wir können ihnen gestatten, die Schlaufe an einer Hand zu lösen, damit sie es etwas bequemer haben. Kann ich mich darauf verlassen, dass sie keinen Unsinn anstellen?“
„Ja, ich mach nix dummes.“
Der Pfleger tappt mürrisch zu mir und fummelt dann an meinem linken Handgelenk herum, bis sich die Filzschlaufe löst und ich meine Hand frei bewegen kann. Demonstrativ langsam bewege ich den Arm und versuche ein wenig Gefühl hineinzubekommen.
Und während er mit dem Arzt hinausgeht, fragt ihn dieser: „Letzte Nacht hat er aber nichts von seiner Frau erzählt, oder?“
„Nein.“
Siedend heiß schießt es mir in den Schädel: Natürlich! Suizidgefahr. Ha. Und nachher komme ich in den Knast. Die sagen mir nur nichts, damit ich nicht völlig ausraste.
Der Arzt fährt fort: „Das ist ein gutes Zeichen…“
Ein gutes Zeichen? Was? Ich habe sie ermordet! Denkt ihr, das wüsste ich nicht mehr?
„…Armer Kerl. Die übliche Karriere. Paranoide Psychose, therapieresistent, Drehtür-Effekt. Das letzte Mal war er davon überzeugt, dass sie noch lebt, obwohl sie schon jahrelang tot ist. Krebs, habe ich gehört…“
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: El God am 26.03.2015 | 21:45
Fazit: Bin ganz zufrieden. Habe insgesamt 1,5 h gebraucht und den Text dann auch ganz bewusst abgeschlossen. Die Vorgaben waren dabei erstaunlich hilfreich, weil ich um sie herum ein Gerüst konstruieren konnte, an dem ich mich dann einfach abgearbeitet habe.

Bin positiv überrascht.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Bad Horse am 26.03.2015 | 22:08
"Mein Bester, Euer Hut ist ein Mord an jeglicher Ästhetik!" Mit diesen Worten sprang ich behende auf die Reling und wich dem wütenden Hieb von deMognacs Degen aus.

"Bleib stehen, du alberner Spiegelfechter!", brüllte er empört. "Du wirst nie Kapitän der Goldenen Liebe werden!" Wieder hieb er nach mir. Er führte seinen Degen wie eine Streitaxt, aber das hatte ich ihm im vergangenen Gefecht schon an den Kopf geworfen.

"Warum sollte ich, mein Bester? Gib einfach zu, dass du mir mit deinen kleinen Zwergenbeinchen nicht das Wasser reichen kannst!"

"Pah", machte er nur und krabbelte ungeschickt nach mir auf die Reling. Etwas unsicher stand er da und brachte seinen Degen in Position. "Ich bin der rechtmäßige Nachfolger von Miguel Sangrado, und das weißt du auch, Etiennette! Niemals hätte er einem Elfenweib die Goldene Liebe überlassen!"

"Weib?" Ich hob eine spöttische Augenbraue. "Und was hätte er wohl gesagt, wenn er gesehen hätte, wie der große... äh, na ja, wie der 'verwegene' deMognac von diesem Weib hier verprügelt wird?" Ich machte einen einhändigen Handüberschlag rückwärts. Zumindest versuchte ich es... tatsächlich purzelte ich unglücklich von der Reling und hätte fast den Handspiegel meiner Schwester, der dort noch lag, zerbrochen.

"Hähä", macht deMognac. "Deine Bewegungen, meine Liebe, sind ein Mord an der Fechtkunst!" Dann fuchtelte er noch eine Schleife mit seinem Degen. Vermutlich dachte er, das wäre ein legitimer Schlag.

Lässig stand ich wieder auf, griff mir den Spiegel mit der linken und meinen Degen mit der rechten Hand. Dann drehte ich mich schnell, hielt den Spiegel zur Sonne und blendete ihn mit dem Aufblitzen eines Strahls. Während er noch um sein Gleichgewicht kämpfte, hieb ich ihm mit dem Degen gegen sein Knie, sodass er den Halt verlor und ebenfalls stürzte.

Er versuchte, sich aufzurappeln, aber da spürte er schon die Spitze meines Degens an seinem Kinn.

"Gib auf, deMognac", sagte ich mit breitem Lächeln. "Schwör mir die Treue, und du kannst mein Erster Maat sein!"

Unwillig knirschte er mit den Zähnen, aber als ich meinen Degen gegen seine Haut schob, sagte er widerwillig: "Ich schwöre dir, Etiennette deBlaise, Kapitänin der Goldenen Liebe, die Treue, jetzt und für immer dar, im Namen Jesu und des Teufels."

"Hah", rief ich freudig aus. "Sehr gut, sehr gut... jetzt können wir endlich die Schwarze Barke überfallen... und die schändlichen Wilden von Xopotec unterwerfen... und den Escamandriern einen Haufen Gold stehlen..."

Aus der Ferne hörte ich lautes Rufen. Die Abendsonne stand tief, die Zeit war gekommen.

"Also gut", sagte ich zu deMognac, "meine Mutter ruft, ich muss zum Abendessen... aber morgen treffen wir uns wieder und fahren auf Abenteuer!"

So. Nur kurz mal was ganz anderes.  ;)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Conan der Barbier am 26.03.2015 | 22:19
Zitat
"Also gut", sagte ich zu deMognac, "meine Mutter ruft, ich muss zum Abendessen... aber morgen treffen wir uns wieder und fahren auf Abenteuer!"

Bislang finde ich eure Geschichten eigentlich alle recht nett. Aber bei diesem letzten Satz musste ich tatsächlich meine Mundwinkel vornehm ein wenig anheben  ;D  Motiviert mich aus irgendeinem Grund, mal wieder etwas von Changeling inspiriertes zu leiten...
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Sashael am 27.03.2015 | 05:24
So. Nur kurz mal was ganz anderes.  ;)
Sehr großartig!  ;D :d
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Turning Wheel am 27.03.2015 | 06:20
Oh Leute, wie cool! Und schnell auch!
Ich bin voll begeistert von euren Geschichten.
Und überrascht bin ich auch von der üppigen Verwendung der drei vorgegebenen Konzepte.
Da sind schon ein paar schöne Sachen dabei.

Konkretes Feedback von mir gibt es aber erst am 1. April. :)
Vielleicht finden sich ja noch ein paar weitere Machwerke ein.

edit: Man kann auch zwei Stories schreiben. Warum nicht?
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Niniane am 27.03.2015 | 07:33
Ich probiers auch mal die Tage, vielleicht fällt mir was ein
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Blechpirat am 27.03.2015 | 11:03
Mann seid ihr gut. Respekt!
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Hollaus am 27.03.2015 | 11:05
Mann seid ihr gut. Respekt!
+1
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: El God am 28.03.2015 | 14:42
*PUSH*

Es ist Wochenende! Jetzt findet ihr sicher 1-2 Stunden :)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 28.03.2015 | 15:24
Gibt es am Ende auch ein ausführliches Feedback? Das würde ich mir für meine Geschichte wünschen. Es passt immer noch nicht so wie ich das will :'(
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: El God am 28.03.2015 | 15:31
Ich bemühe mich hinterher auf alle Fälle :)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 28.03.2015 | 15:41
So jetzt lasse ich den Text so wie er ist sonst rege ich mich nur auf >:(

Seelenspiegel

Zwei Dinge sind de Spiegel der menschlichen Seele: Die Liebe und der Mord. Ich muss mich in beiderlei Hinsicht schuldig bekennen. Noch liegt der Nebel über dem Hafenviertel. Noch vor dem Mittag würden die letzten Schwaden verschwunden sein, doch zusammen mit der hektischen Betriebsamkeit würden sie meine Flucht erleichtern.
Ich hatte die Rose immer noch in der Hand, die ich aus ihren bleichen Händen genommen hatte. Ein Stachel hatte sich mir in die Hand gebohrt und ich hatte es noch nicht einmal gemerkt. Ich würde ja gerne behaupten die Angst erwischt zu werden und der Fokus auf die Flucht hätten mich daran gehindert den Schmerz zu spüren, doch es war die Liebe. Ich denke es wird Zeit in diesen Spiegel zu schauen und zu sehen wie meine Seele aussieht.
Ich war nicht auffällig. Die meisten Leute vergasen mein Gesicht kaum dass sie es gesehen hatten. Ich war erst vor zwei Wochen als Gärtner in die Dienste des Grafen von Lemdau getreten. Wie ich schon sagte war an mir nichts auffällig.Das kann man von ihr nicht sagen. Marie von Lemdau war die Frau des Grafen und eine wahre Schönheit. Ich bin kein Poet, daher überlasse ich es der Fantasie ein passendes Bild der goldgelockten Schönheit zu entwerfen.

Es war von Anfang an klar das die Beziehung nicht halten konnte. Doch die Frucht schmeckt umso süßer je verbotener sie ist. Das wirft kein gutes Licht auf mich und vielleicht auch auf sie, doch wer behauptet er hätte in der gleichen Situation anders gehandelt lügt. Die Liebe trifft uns alle unverhofft und unser Umgang mit ihr verrät viel über uns. Manchmal denke ich: zu viel.
Ich war also als Gärtner angestellt worden und irrte am ersten Tag durch Irrgärten aus Fluren, Türen und Treppen wie ich jetzt durch die dreckigen Gassen des Hafenviertels eile. Ich zügele meinen Schritt. Wer rennt ist verdächtig. Die Rose habe ich in einer Mantelinnentasche verstaut. Ich bringe es nicht übers Herz sie wegzuwerfen. Warum ich sie mitgenommen habe kann ich nicht sagen.
Es kann nicht mehr weit sein bis zum Meer. Ich muss ein Schiff suchen und einfach weg. Zum Glück habe ich nicht viel Gepäck, ich habe bei meiner Flucht also nicht viel zurückgelassen. Bis auf die Wechselkleidung. Nicht allein wäre das für die Überfahrt praktisch, Kleidung ohne Blut wäre in jedem Fall bedeutend unauffälliger. Ich schleiche mich durch die Gassen. Irgendjemand muss doch Wäsche hängen haben die man stehlen kann.
Bisher spiegelt der Mord vor allem meine Planlosigkeit und die Liebe meine Willensschwäche. Ich hätte mich nie in Marie verlieben dürfen. Doch es kam über mich wie ein Blitz. Ich hätte einem Lakai begegnen können, einem Gärtner oder einem anderen Diener als ich durch das Haus führte. Stattdessen begegnete ich ihr. Es ziemt sich für eine Gräfin nicht einem einfachen Gärtner durch das Anwesen zu führen und mit ihm zu plaudern. Marie war das egal und sie setzte ihren Kopf immer durch. Das fiel mir von Anfang an auf, diese Selbstverständlichkeit mit der sie alles tat, sodass niemand es wagte ihr zu widersprechen. Sie war gebildet und hatte einen scharfen Verstand. Sie fragte mich aus über mich, meine Familie meine Heimat. Ich erzählte ihr alles so wie ich es mir zurecht gelegt hatte. Ich habe ein gutes Gedächtnis und brachte es fertig alles widerspruchsfrei zu wiederholen und sie zu korrigieren wenn sie absichtlich etwas falsch wiedergab. Dennoch traute sie mir nicht. Vielleicht machte mich das für sie interessant. Sie war neugierig und wollte wissen was meine wirkliche Vergangenheit war und ich tat mein bestes genau das vor ihr zu verheimlichen.
Sie fragte mich auch über Botanik aus, ein Thema zu dem sie einige Bücher gelesen hatte, glücklicherweise nicht mehr als ich, so dass ich alle ihre Fragen beantworten konnte. Wie ein Inquisitor stellte sie mir rhetorische Fallstricke und wie ein scheues Wild wich ich ihnen aus.
Wenn sie am Ende noch misstrauisch war zeigte sie es nicht.
Inzwischen habe ich einen frischen Satz halbwegs passende Kleidung gefunden und bin bereit mit dem nächstbesten Schiff abzuhauen. Die Glocken klingen. Mein Mord scheint aufgeflogen zu sein. Jetzt muss ich schnell sein, bevor der Hafen abgesperrt sind. Ich bin voller Kraft bemüht nicht zu rennen. Ich gehe langsam, so schwer mir das auch fällt und schaue mich um. Auf den Handelsschiffen ist eine rege Betriebsamkeit. Die Händler fürchten um ihren Gewinn wenn sie für unbestimmte Zeit im Hafen festgehalten werden. Andere werden aus den Informationen Profit schlagen wollen. Eine Patrouille der Stadtwache marschiert am Kai entlang. Mir sträuben sich die Nackenhaare und ein kalter Schauer rennt mir den Rücken hinab.
Haben sie mich erkannt? Wissen sie was ich getan habe? Es kann eigentlich nicht sein, doch der
Zweifel nagt an mir.

Am ersten Abend lag ein Brief in meinem Zimmer, rosa mit Schleife und Parfüm. Eine Rose stand in einer Vase daneben. Wie man sich das so vorstellt. Ich erkannte Anspielungen auf mehrere Gedichte und Theaterstücke. Sie testete mich. Würde ich die Anspielungen verstehen wäre ich nicht der einfache Gärtner als der ich mich ausgab. Ich konnte dieses Spiel nur verlieren. Sie spielte es schon länger als ich und sie war besser darin. Ich beschloss nicht darauf einzugehen. Das ging auch zwei Tage gut.
Die Patrouille ist an mir vorbeigegangen, wie es zu vermuten war. Ich bin am Hafen, ich bin bald aus der Stadt draußen. Ich muss nur noch ein passendes Schiff finden.
Ich hätte die Einladung zum Tee ausschlagen sollen, doch ich tat es nicht. Sie war die Spinne, ich die Fliege, daran lies sie keinen Zweifel. Zuerst sprachen wir nur über Belanglosigkeiten, doch nach und nach schaffte ich es ihr einige Informationen zu entlocken.
Sie war unglücklich mit der Ehe, sie war intelligent und hatte Ambitionen, der Graf selbst war weder intelligent noch hatte er Ambitionen. Wir diskutierten über Theater, Philosophie und Politik. Ich hätte nicht darauf eingehen dürfen, doch es gab zu wenig Menschen mit denen man darüber diskutieren konnte. Es gab einfach zu wenig kultivierte Menschen auf dieser Welt. Doch das war nur eine Ausrede, ich hätte genauso gerne einfach nur dagesessen und sie angehimmelt, ich war ihr hemmungslos verfallen.
Ich war für sie nur ein Spielzeug, dessen sie sich entledigen würde, vermutlich bald. Ich bilde mir ein dass sie etwas für mich empfand. Doch ich weiß dass das vermutlich nicht stimmt. Dennoch beging sie einen Fehler. Sie gab mir den Schlüssel für ihre privaten Räume.
Doch es sollte noch zwei Wochen dauern bis ich den Mut fand das zu tun das ich von Anfang an hätte tun sollen.
Wenn die Liebe der Spiegel meiner Seele ist, dann bin ich naiv, neugierig, sentimental. Der Mord hingegen...
Heute morgen brachte ich es zu Ende auf die für mich einzig mögliche Variante. Ich hatte das Messer, ich hatte den Schlüssel.
Ich frage auf dem nächstbesten Schiff nach wohin es fährt. Sie fahren zur Schatteninsel, was ihre Hektik erklärt. Der Hafen dort war bekannt das dort alles verkauft wurden was überall sonst verboten waren. Das Schmugglerparadies stand unter dem Schutz des Ordens der schwarzen Schlange. Ein gefährlicher Ort, ich hätte nicht gedacht so schnell zurückzukehren.
Meine Arbeit hier war getan, der Graf war tot, Marie würde mich suchen lassen, doch das war nichts neues für mich. Vielleicht hätte ich sie töten sollen, doch ich hatte nur die Rose aus ihren vor Angst bleichen, zitternden Händen genommen und war gegangen.
Ich hole mein Amulett hervor, dass mich als Assassinen ausweist und besteige das Schiff.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Hollaus am 29.03.2015 | 16:44
So, geschafft. Ich bin wirklich froh, mal wieder was getan zu haben. :)

Die heiße Luft flimmerte am Horizont. Eigentlich sollte um diese Zeit niemand im Freien sein. Und doch bewegten sich vor mir tausende und abertausende Gestalten im Sand. Vereinzelt hörte man Lieder, die im Takt zu Trommeln und Peitschenhieben gesungen wurden.
„Eure Majestät?“, drang eine Stimme von der Seite an mein Ohr und riss mich sogleich aus meinen Gedanken. Langsam drehte ich den Kopf in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war. Dort stand der Hellenike. Der Geschichtenschreiber aus dem fernen Land war über die letzte Zeit hinweg ein fester Bestandteil des Hofstaates geworden. Ein guter Gesprächspartner, mit dem man anregende Dialoge haben konnte. Wenn auch manchmal mit aufmüpfigen Gedanken, für die jeder andere sofort Sobeks Kindern zum Fraß vorgeworfen wäre.
"Ja. Warum stört ihr mich?", antwortete ich mit er eisien Miene, die ich in der Öffentlichkeit stets zu tragen pflegte.
"Die Arbeiter. Sie können nicht mehr. Ra's Antlitz erstrahlt zu hell. Sie sind geschwächt, haben zu wenig Wasser und Korn. Ihr solltet ihnen in eurer unermesslichen Güte einige Tage ein Pause gönnen."
"Nein. Der Bau muss zum festgelegten Zeitpunkt fertig sein. Die Vorbereitungen für die Zeremonie sind bereits getroffen. Es wird keine Abweichung von meinen Anweisungen geben.", erwiderte ich und richtete meinen Blick wider auf die Baustelle. Dennoch konnte ich das Antlitz des Helleniken in meinem Handspiegel sehen. Der Ärger stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er wusste nicht, was hier vor sich ging und daher konnte er es auch nicht verstehen.
Wieder setzte er an in dem Versuch, mich umstimmen zu können:"Eure Hoheit. Wenn ihr das Tempo mit dem ihr den Bau vorantreibt, nicht verlangsamt, werden bald Hunderte, wenn nicht tausende eurer Untertanen als Futter für die Geier im Sand liegen. Das Volk wird sich fragen, wozu ihr es in größten Hitze des Jahres leiden läßt. Das kommt einem Mord an den Massen gleich! Das Grabmal eures Vaters würde so zum Grabmal eures Volkes werden."
Ich schnitt ihm das Wort ab:"Hütet eure Zunge, Hellenike! Oder ihr werdet bald am eigenen Leib erfahren, wie es ist, sich in Liebe zu seinem König aufzuopfern. Euch ist überhaupt nicht bewusst, worum es hier eigentlich geht."
Mir tat es selbst im Herzen weh, derartige Worte gegen den Helleniken richten zu müssen. Es gab bei Hof nur wenige echte Freundschaften. Diese war eine davon. Und trotzdem war er ein Fremder. Er kannte die Geschichte meines Volkes nicht ausreichend, wusste nicht um die vielen Dinge zwischen uns und unseren Göttern.
Ich war es plötzlich leid, hier sitzen zu müssen.
"Kommt. Ich möchte einen Spaziergang durch die Baustelle machen.", sagte ich und erhob mich aus meinem Stuhl und drehte mich in Richtung Ausgang.
"Wozu? Um eurem Volk zu zeigen, dass ihr genau darauf achtet, ob auch wirklich  gearbeitet wird?", kam sein gehässiger Versuch, mich wieder an meine offensichtliche Kaltherzigkeit zu erinnern.
Ich blieb stehen und hob die Hand in der sich mein Handspiegel befand. Ich blickte hinein und dadurch ihm direkt in die Augen. "Nein, um ihnen zu zeigen, dass sich auch ihr Herrscher nicht davor scheut, unter diesen Umständen auf der Baustelle zu sein."

So schritten wir nun zwischen Gerüsten und Gräben hindurch. Vorbei an riesigen Kalksteinblöcken, die auf Holzstämmen über Rampen auf Sand gezogen wurden. Dazwischen immer wieder kleinere und größere Gruppen von Arbeitern. Auf einem Zuweg versuchten drei Knaben, ein mit Werkzeug beladenes Muli zum Weitergehen zu bewegen. Als sie unseren Zug erkannten, versuchten sie es noch energischer. Das war Liebe zum Herrscher. Wenn man bereit war, das eigene Haus- und Lastentier dafür zu opfern, obwohl es der einzige Besitz ist, den man hat.

Auf einer kleinen Anhöhe machten wir schließlich Halt. Man konnte von hier den Weg von den Tempelanlagen der Totenstadt zum Grabmal gut überblicken. Vom Eingang des Grabes zog der Weg sich in einer geraden Linie bis vor die Tore des schwarzen Tempels. Die Seiten des Weges waren mit hohen, glattpolierten Mauern versehen. Oben an den Mauern waren abermals Wege angelegt. Der schwarze Tempel bildete den Torweg zur Tempelstadt, die ebenfalls von Mauern umgeben war. Meine Vorfahren hatten diese Anlagen in den vergangenen Dynastien Stück für Stück erschaffen und immer wieder erweitert. Sie waren ein Stein gewordenes Zeichen unserer Herrschaft über dieses Land, aber auch ein Zeichen unserer Verpflichtung und Liebe gegenüber unserem eigenen Volk. Das aber konnte der Hellenike nicht verstehen. Wie sollte er auch?

Weit hinter der Totenstadt konnte man die Hauptstadt erahnen, aber nicht sehen. Sie war eine halbe Tagesreise von der Totenstadt, den Tempeln und den Grabmälern entfernt. Ich freute mich schon wieder darauf, dort zu sein. Der Hellenike hatte offenbar wieder etwas Kampfgeist gewonnen, denn er wollte nun weiter mit mir diskutieren.
"Eure Majestät?"
"Ja, was liegt euch noch am Herzen?"
"Nichts Neues, Herr. Ich kann nur immer noch nicht verstehen, welcher Grund so dringend sein soll, dass ihr euer Volk für das Grabmal eures Vaters derart ausbluten lässt. Er ist tot. Und egal ob seine Beisetzung diesen Mond, oder erst nächsten stattfindet, ihr werdet der neue Herrscher dieses Landes sein. Wozu also diese Eile?"
Ich bedeutete den Leibwächtern und Fächerträgern zu warten. Dann ging ich bedächtigen Schrittes aus ihrer Hörweite. Der Hellenike ging neben mir her.
"Nun hört, warum es eilig ist. In der Jahren der ersten Dynastie, zu der Zeit als der erste König unseres Geschlechts zu Grabe getragen wurde, offenbarte sich der Fluch, der mit dem von den Göttern gegebenen Recht zu herrschen einher geht. Ausser unserer Familie wissen dies nur die stummen Priester. Und es hat einen guten Grund, warum sie nicht sprechen können, glaubt mir. Damals in der ersten Vollmondnacht nach dem Tod des Königs geschah es. Seine Konkubinen und alle Frauen die jemals mit seinem Samen in Berührung kamen, verwandelten sich. Gleichsam erwachte der tote König wieder zum Leben. Wobei Leben der falsche Ausdruck ist. Sie alle, der kürzlich verstorbene König und seine Konkubinen verwandelten sich in grässliche, vom Wahnsinn getriebene Scheusale und wandelten umher und waren hungrig. Hungrig auf Menschefleisch. Einezelne abgelegene Dörfer und Siedlungen wurden von dem wandelnden toten König und seinem Gefolge heimgesucht und die Bewohner bei lebendigem Leib gegessen. Ein jeder, der von ihnen gebissen wurde, verwandelte sich ebenfalls.
Erst eine Truppe von Mönchen vermochte dem Albtraum Einhalt zu gebieten. Seit dem gibt es die stummen Priester. Sie haben sich geschworen, das Volk vor den hungrigen Toten zu schützen. Sie kümmern sich um die Einbalsamierungstechniken, um es den Wiederauferstandenen, denn ein jeder König erhebt sich erneut, so schwer wie möglich zu machen. Sie ersannen das Ritual, dass verlangt, alle Konkubinen nach dem Tod ihres Herrschers zu töten. Sie überlegen sich, wie man die Gräber und die Tempel so gestalten kann, dass es dem Volk nicht in den Sinn kommt, dass es sich dabei um Gefägnisse für die Scheusale und Abwehranlagen handelt. Und gleichsam unterstützen sie meine Familie, da sie wissen, dass nur wir die Geschicke des Landes und des Volkes auf diese Weise lenken können, sodass wir keine Kriege führen müssen und niemand Hunger leiden braucht."
Ich blieb stehen und blickte ihm direkt in die Augen. Der Schrecken über meinen Bericht stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er ließ sich auf ein Knie fallen und senkte den Kopf.
"Verzeiht, Majästet. Hätte ich nur früher davon gewusst, dann ...", setzte er an.
Im Handspiegel konnte ich sehen, wie sich ein schmales Lächeln auf meinem Gesicht breit machte. Ich gluckste.
"Lasst es gut sein. Es gibt nichts zu bereuen, mein Freund. Ra's Antlitz hat meine Gedanken beflügelt und ich habe euch soeben einen Bären aufgebunden. Ich will den alten Tyrannen einfach nur unter der Erde haben. Je früher, desto besser!"
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: El God am 29.03.2015 | 18:06
Sehr cool! Ich bin von der Resonanz wirklich erstaunt :)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Bad Horse am 29.03.2015 | 21:09
Okay, okay, ich gebe zu, ich hatte Unrecht. Das macht Spass so. :)

Eine hab ich noch:

Was der Spiegel sieht

In dem Zimmer steht ein Spiegel. Es ist ein alter Spiegel, der silberne Rand verziert mit Schnörkeln, Ranken und Symbolen. Einst muss ein Künstler lange Stunden daran gearbeitet haben. Die spiegelnde Fläche ist blank poliert, und was auch geschieht - sie erblindet nie. Auch der Rahmen beschlägt nie, wird nie schwarz, bleibt immer gleich.

In diesem Spiegel lebt eine Seele, und das ist es, was sie sieht:

Ein junges Paar, das in die Wohnung zieht. Eine kleine, dunkelhaarige Frau mit einem lieben, gutmütigen Lächeln. Ein kräftiger Mann mit kurzen Haaren und hellen blauen Augen. Ihre Freude darüber, ein eigenes Heim zu haben. Ein Zuhause. Er umarmt sie, hebt sie hoch, und sie lacht in seinen Armen.

Ein Streit. Sie ist unglücklich wegen etwas, das er getan hat, aber er lacht sie nur aus. Sie bittet ihn um etwas, und er schaut erst hilflos drein, aber dann wütend. Seine Worte sind schneidend. Sie flieht weinend aus dem Zimmer, und er wartet einen schuldbewussten Moment, bevor er ihr folgt.

Der Tag, an dem er sie das erste Mal schlägt. Eine Kurzschlußhandlung, eine Ohrfeige. Er ist selbst entsetzt und nimmt sie in die Arme, um sie zu trösten.

Mehr Streit. Ihr Lächeln wird schmaler. Er schlägt sie wieder. Sie packt die Koffer und will gehen, aber er fällt auf die Knie, weint, spricht von Liebe. Sie zögert. Verzeiht ihm "das letzte Mal".

Es ist nicht das letzte Mal.

Sie hat ihre Koffer gepackt. Sie will gehen, als er hereinkommt. Er packt sie, wütend, schleudert sie zu Boden. Sie schreit ihn an. Er schlägt sie, blindwütig. Sein Gesicht ist eine verzerrte Fratze.
Dann hat sie ein Messer in der Hand. Bedroht ihn. Sie will nicht bleiben. Er stürzt sich auf sie, würgt sie. So viel stärker als die kleine Frau. So viel Hass und Zorn in seinen Augen, als er sie ermordet.

Das Messer in seiner Seite bemerkt er erst danach. Das rote Blut auf seiner Haut. Er taumelt, stürzt  zu Boden. Sein Mund formt hilflose Wort, seine Hand greift hilfesuchend nach ihr.

Seine Seele verlässt seinen Körper, ein düsterer Schemen. Über der toten Frau schwebt eine hellere Gestalt, die vor Zorn flackert wie eine Flamme. Sie kommt auf ihn zu. Er flieht. Doch er ist nur ein Schemen, und sie jagt ihn. Jagt ihn durch das Zimmer, bis hinein in den Spiegel. Hinein in den Spiegel, wo seine Seele Zuflucht findet.

Jetzt lebt seine Seele in dem Spiegel, und das ist es, was sie sieht:

Ein junges Paar, das in die Wohnung zieht. Eine kleine, dunkelhaarige Frau mit einem lieben, gutmütigen Lächeln. Ein kräftiger Mann mit kurzen Haaren und hellen blauen Augen. Ihre Freude darüber, ein eigenes Heim zu haben. Ein Zuhause....
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Sashael am 29.03.2015 | 22:29
Nagut, hab auch noch was zusammengezimmert.

Einen Mörder fangen

Als ich auf das regennasse Pflaster prallte und im Fenster über mir das bleiche Gesicht von Michael „Baby Mike“ Stanton auftauchte, wusste ich, dass ich ein Problem habe.

Ich hatte den meistgesuchten Mörder Londons gefunden und obwohl man meinen könnte, ein Privatdetektiv wäre froh über einen solchen Erfolg, hielt sich meine Freude in erschreckend engen Grenzen. Baby Mike hatte den Verstand eines vierjährigen Kindes. Leider steckte dieses Kind in einer sieben Fuß großen muskelbepackten Kampfmaschine und dummerweise war dieses Kind alles andere als wohlerzogen und hatte regelmäßige Wutanfälle. Was bei echten Kindern ein Ärgernis darstellte, verwandelte sich bei Baby Mike in einen Alptraum.

Seine Schwester Lily war die Einzige, die ihren Bruder zuverlässig beruhigen konnte. Nun, zumindest bis er ihr das Gesicht auf den Rücken gedreht hatte. Die Zeitungen waren voll davon. Er, das groteske Monster mit seiner unbedingten Liebe zu seiner Schwester. Sie, eine lebensfrohe junge Dame, die als Kindermädchen für Lord Warwick arbeitete. Der Bankiersohn Preston Levitt verfiel ihr auf einer Gartenparty Lord Warwicks und machte ihr einen Antrag. Mike wurde eifersüchtig und tötete seine Schwester aus Wut darüber, dass sie ihn verlassen wollte. So schrieben es die Zeitungen. Ich konnte darüber nur lachen.

Ich rappelte mich auf und stolperte durch das nächtliche London. Ein keckernder Gargoyle flappte aufgeregt mit den Flügeln, als ich unter ihm die Straße entlangstürzte. Hinter mir donnerte es, als Baby Mike aus dem Fenster sprang und auf den Kopfsteinen landete. Ich hatte nicht viel Zeit. Meine Hand zog wie von selbst den schweren Armeerevolver mit den sechs Elementarkammern. Vier winzige Ifrit und ein Aquos. Die Feuerteufelchen würden Baby Mike zu Asche verbrennen und ich hatte nach meinen Ermittlungen das Gefühl, dass das eine Entwicklung war, die ich unbedingt vermeiden musste. Ein freudloses Lachen verließ meine Lippen. So wie es jetzt aussah, konnte ich schnell in die Situation geraten, wo dies meine letzte Chance aufs Überleben sein mochte. Meine Gedanken rasten.

Ich erblickte meine beste Möglichkeit und meinen größten Alptraum. „Dr. Pirassis Spiegelkabinett“ prangte in großen Buchstaben über der Eingangstür. Ich hasse Spiegel!
Ein Schuss mit einem Ifrit schmolz das Schloss und ich stürmte in die Dunkelheit des Kabinetts. Hinter mir hörte ich die wummernden Schritte Baby Mikes durch die Straßen hämmern. Nur noch ein paar Augenblicke, und er würde hier sein. Ich stürmte in das verfluchte Spiegellabyrinth, meine Konterfeis zu allen Seiten. Verdammt, sah ich wirklich so schlecht aus? Dann kam Baby Mike. Nur wenige Momente später schlichen wir beide vorsichtig durch die glitzernden Reihen, sahen uns durch mannigfaltige Reflexionen und versuchten, ich verzweifelt und er wütend, den echten Gegner von den Spiegelungen zu unterscheiden.

Ich musste hinter ihn kommen. Dann hätte ich die Chance, seinen verdammten Hinterkopf mit dem Aquos zu treffen und ihn hoffentlich bewußtlos zu schießen. Aber zwischen den Spiegeln war es schwierig genug, den Weg zu finden, geschweige denn vernünftig zu manövrieren. Es sei denn …

Es half nichts. Ich musste tun, wovor ich solche Angst hatte, sonst würde ein mörderisches Monster entkommen. Ich atmete tief durch … und benutzte den Zweiten Blick.
Die Spiegelbilder verschwanden. An ihre Stelle trat der ewig heulende tiefschwarze Limbo. Baby Mikes Aura leuchtete hinter einer Wand aus Türen zum größten Alptraum meines Lebens hervor.

Nur sechs Menschen in ganz Europa hatten den wahren Zweiten Blick. Zwei davon saßen in dick gepolsterten Gummizellen und wir anderen vier wussten genau, wieso. Wenn die feinen Herren Magier in den Houses of Parliament wirklich sehen könnten, womit sie täglich herumspielten, würden sie des Nachts auch nicht mehr ruhig in ihren Daunenkissen schlummern.

Ich schaute mich um und versuchte, in der Hierwelt einen Weg in Mikes Rücken zu finden. Der Bastard bewegte sich schnell durch die Reihen der Spiegel und mir rannte die Zeit davon! Keine Chance. Ich musste es tun. Ich trat an eines der Fenster zum Limbo und schaute hindurch. Die Spiegel standen schon solange in diesem Raum, dass sich einige von ihnen aufeinander eingestellt hatten. Ich presste mein Gesicht an das Glas und versuchte, einen passenden Ausgang zu finden.

Dort! Etwas zu weit zur Seite für meinen Geschmack, aber wie es aussah, im Moment meine einzige Möglichkeit. Ich tastete das Glas ab, versuchte die typische Stelle zu finden. In diesem Moment hörte ich hinter mir das Brüllen. Mike hatte mich gefunden und stürmte wie ein wütender Stier auf mich zu. Meine Finger fanden den limbischen Spalt und ich öffnete die Passage. Ein kurzer energischer Sprung und ich schwebte durch die Schwärze. Baby Mike prallte gegen den Spiegel und als ich mich umdrehte, sah ich seine verwirrte Miene. Weiter glitt ich durch das Nichts auf mein Ziel zu. Ich konzentrierte mich mit aller Kraft auf den Ausgang, heftete meine Augen auf den Rücken von Mike, der nur wenige Meter von meinem Ziel entfernt immer noch den Spiegel untersuchte, in dem ich verschwunden war. Der Ausgang. Nur der Ausgang. Nur noch zehn Fuß. Nicht ins Dunkel schauen, sieh auf den Ausgang! Sieben Fuß. Achte auf das Licht der Hierwelt! Sieh nicht woanders hin! Drei Fuß. Ich streckte meine Hand aus, sah von dieser Seite aus den Spalt im Spiegel so viel besser. Meine Finger berührten das eisige Glas, doch sie landeten nicht im Spalt. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich eine Bewegung. Nicht hinsehen! Ich tastete die Scheibe ab. Irgendetwas schien sich mir zu nähern. Nicht! Hinsehen! Mein Daumen fand den Riss, meine Finger schoben sich dazwischen und öffneten den Spiegel. Nur ein kleiner Kontrollblick auf meine Hand … und ich starrte auf einen stachelbewehrten Tentakel mit dutzenden echsenartigen Augen, der direkt unter mir durch den Limbo glitt. Die Lähmung ergriff von mir Besitz. Ich hatte die Hand im Riss, musste nur noch hindurch und konnte mich kaum bewegen. Mein Blick konnte nicht von den gefühllosen Augen lassen, die mich fixierten und in meinem Kopf machte sich eine Dumpfheit breit, die jeden eigenen Gedanken zu ersticken drohte. Ich stoppte und meine Hand wurde schlaff. Tief in mir brüllte ich auf, als sich meine Finger langsam aus dem Spiegel lösten, doch mein Körper gehorchte mir nicht mehr. Und dann sah ich in den Augen das, was ich so fürchtete: Liebe, bedingungslose alles verzehrende Liebe. Diese Wesen liebten uns. Unsere Wärme, unsere Emotionen. Sie liebten uns so sehr, dass nichts ausser der totalen Vereinnahmung ihren Liebeshunger stillen konnte. Es würde mich umarmen, mich herzen, mich schließlich in sich aufnehmen, weil es sein Liebe auf keine andere Art zeigen konnte. Auf eine sehr wörtliche Weise hatten sie uns zum Fressen gern. Doch nicht, um einen körperlichen Hunger zu stillen, sondern um das Loch in ihrer Seele zu füllen. Und wenn ich vergangen wäre, würde es sich wieder nach Liebe verzehren.

Ein allzu menschliches Brüllen riss mich aus meiner Trance. Baby Mike schlug wütend gegen den Spiegel, in dem ich verschwunden war. Das Donnern kam durch den Limbo. Ich hörte es von vorn und von hinter mir und ich riss meinen Blick von den Augen des Tentakels los. Meine Finger krümmten sich und ich öffnete den Spiegel endgültig. Ich riss mich in die Hierwelt, hob meinen Revolver und feuerte den Aquos auf Mikes riesigen Schädel. Als mein Körper den Limbo verlies, spürte ich eine so unendliche Trauer, dass ich beinahe in Tränen ausbrach. Und ich wusste, dies war nicht meine Trauer.

Baby Mike lag bewußtlos vor mir und ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Ich würde einen Mörder vor den Richter bringen.
Der Marionettendämon war immer noch an Mikes lebenden Körper gebunden, seine Beschwörerleine leuchtete in meinem Zweiten Blick und sie würde mich zu dem wahren Täter hinter dem Mord an Lily Stanton führen.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Bad Horse am 29.03.2015 | 22:39
Sehr cool!  :D
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 29.03.2015 | 22:56
Gefällt mir sehr gut, könnte ich mir als Rollenspiel vorstellen. Jeder hat einen Revolver mit sechs Schuss magischer Munition nach Wahl, danach ist Sense. ;D

Vielleicht bekomme ich noch eine zweite Geschichte hin. Kann man am Mittwoch auch noch schreiben?
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Turning Wheel am 30.03.2015 | 05:37
Ich akzeptiere bis Mittwoch 23:59:59 Uhr.
Nein Quatsch, wenn es etwas später kommt, ist auch noch gut. Hau in die Tasten! ;)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Sashael am 30.03.2015 | 18:34
Jetzt musste ich doch noch was niederschreiben. Etwas kürzer, die 5000 werden nur mit Leerzeichen überschritten.  ;D

Ich

Sie hatte den Sessel von ihrer Oma geerbt. Es ist ein riesiger schwarzer Sessel aus schwarzem Leder. Er ist schwer und ich habe einige Mühe, ihn vor den großen Standspiegel zu schieben. Der Spiegel ist ebenfalls von ihr. Sie kaufte ihn als Ankleidespiegel. Sie hat einfach nicht das richtige Verhältnis zu ihrem Körper. Sie kauft einen  so großen Spiegel und nutzt ihn nur, um den Sitz ihrer Klamotten zu überprüfen.

Auf den Beistelltisch stelle ich die Weinflasche und das Glas, direkt neben die Pistole. Ich schenke mir ein Glas Wein ein und setze mich in den Sessel. Im Spiegel sehe ich meinen Körper und ich bewundere meine Makellosigkeit. Nicht ein Haar zuviel, nicht eines zu wenig. Keine hässlichen Male, keine Narben, keine lächerlichen Sommersprossen, keine Pickel, Mitesser oder sonstige Schandflecke, die andere Menschen so achtlos übersehen. Ich nippe an meinem Wein und schaue mich über das Glas hinweg an. Ein Lächeln umspielt meine vollen geschwungenen Lippen.
 
Dann denke ich an sie und ihre nassen, schmatzenden Küsse und meine Augen werden schmal. Wie sie sich an mir vergeht, meinen Körper betatscht, begrapscht, begrabbelt und mir immer und immer wieder etwas von „Liebe“ ins Ohr atmet. Sie achtet nicht auf ihren Körper, pflegt sich nur auf das Nötigste. Andere Männer sehen nicht ihre Makel. Immer wieder beglückwünschen mich irgendwelche Deppen zu meiner Partnerin, so „sexy“, so „bildschön“. Wir hatten Sex in der letzten Nacht. Sie presste sich an meinen Körper, ihr Schweiß lief an mir herab. Ekelhaft. Nur mein Zorn über ihre Unverschämtheit hielt mich aufrecht. Ich bemerkte einen neuen Leberfleck auf ihrem Rücken. Es werden immer mehr. Meine Gedanken schweifen ab, mein Blick gleitet zur Pistole. Heute werde ich mich von ihr befreien.

Sie betrachtet mich als ihr Eigentum, fasst mich an, wenn sie es will, nimmt sich, was ihr nicht zusteht. Sie wird immer älter. Letzte Woche bemerkte ich eine Falte in ihrem Augenwinkel. Ich habe keine Falten. Noch nicht.

Die Tragik dieser Unvermeidlichkeit versetzt mich wieder in diese Trauer. Eines Tages werde ich alt sein. Schlaff, faltig, fleckig … hässlich. Und Menschen werden mich auch dann betatschen, begrapschen. Ich sehe meine Zukunft und sie gefällt mir nicht. Zu alt und hilflos muss ich sie über mich ergehen lassen. Ärzte. Pfleger. Krankenschwestern. Ich kann mir ihre Blicke vorstellen, wie sie meinen verschandelten Körper angewidert anblicken und dennoch haben sie keine Ahnung, die die Berührung ihrer Hände mich mehr ekelt als mein schlaffes Fleisch sie selbst.

Ich schaue auf die Pistole und weiß, dass ich nicht genügend Kugeln haben werde für alle. Aber heute reicht eine einzige.
Ich war gedankenverloren und ich erwache aus meinen Tagalpträumen. Mein Blick trifft sich im Spiegel. Ich lächle mich an und dann kann ich einfach nicht anders und winke mir zu. Mein Spiegelbild winkt ebenfalls und ich verliere mich in der Überlegung, wer wem zuwinkt und wer zurückwinkt. Ich grinse meinem Ebenbild zu und erhalte dieses wunderschöne spitzbübische Grinsen zurück.

Ist dies nicht Perfektion? Ist dies nicht wahre Vollkommenheit? Eine Aktion, die ihre eigene Reaktion ist? Im perfekten Gleichklang? Ausgeübt von einer wunderschönen, vollkommenen Person?

Der Wein berauscht mich, hebt meine Stimmung. Ich gleite mit meiner Hand über meinen Körper, genieße die zarte Glätte meiner Haut und sehe mir im Spiegel zu. Wie kann ich mich nicht lieben, wenn ich so wundervoll bin? Wie kann ich mir nicht verfallen?

Und wenn ich doch keine Chance habe, mich nicht zu lieben, wie kann man von mir erwarten, dass ich nicht versuche zu beschützen, was ich liebe? Macht man einer Mutter einen Vorwurf, wenn sie einen Hund erschlägt, der ihr Kind angreift? Verurteilt man einen Künstler, der einen Vandalen verprügelt, der seine Schöpfung zerstören will?
Jeder Mensch will beschützen, was er liebt. Ich streiche mit den Fingern über die Pistole. Ich verlange nur mein Recht.

Ich höre Schritte im Treppenhaus. Ihre Schritte. Gleich wird sie die Wohnung betreten, mich suchen, mich finden, ihre Arme um mich schlingen, mir ihren feucht-warmen Atem in den Nacken blasen und mir etwas von „Liebe“ erzählen. Sie hat keinen Schimmer von Liebe, von diesem reinen Gefühl des Glückes, das seine Wärme durch den ganzen Körper fluten lässt, sobald das Auge auf das geliebte Objekt fällt. So wie in diesem Augenblick, als ich mich wieder in der riesigen Fläche des Standspiegels beobachten kann.

Der Wein wärmt und wird mir helfen, gleich das zu tun, was ich endlich tun muss. Ich muss meinen Körper beschützen, mich vor ihrer Gewalt in Sicherheit bringen.
Der Schlüssel dreht sich im Schloss und ich höre ihre Stimme, wie ruft: „Schatz? Ich bin zu Hause!“

Welche Idiotie, natürlich ist sie das. Ich greife nach der Pistole. Diese Schmach endet hier und heute. Ich nehme einen großen Schluck Wein in den Mund und lasse ihn hin und her rollen, genieße sein harmonisches Aroma. Ihre Schritte nähern sich dem Zimmer.

Niemals wieder wird sie mich betatschen, meinen perfekten Körper schänden und etwas von „Liebe“ faseln!

Nicht sie und auch sonst niemand!

Und ich setze mir die Pistole unters Kinn …
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Bad Horse am 30.03.2015 | 20:01
Das ist auch sehr cool. :)

...so eine Idee mit Narzissmus, der Faszination des eigenen Spiegelbilds und einem Selbstmord ist mir auch durchs Hirn gegeistert...
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 30.03.2015 | 20:47
Sehr cool, gefällt mir gut.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Grimtooth's Little Sister am 30.03.2015 | 21:49
Tolle Sachen bei. Bin auch grad am Schreiben aber das dauert noch ein wenig.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Uebelator am 31.03.2015 | 10:42
Einen hab ich auch noch. Gerade mal knapp über 5.000 Zeichen.

Die Wahrheit schmerzt

Phil sah Sie an. Da war sie wieder. Eiskalt und wunderschön. Perfekt in seinen Augen. Eine wahre Königin.
Er liebte sie seit dem Augenblick an dem er ihr das erste Mal begegnet war, damals auf diesem überfüllten Markt, auf dem Sie alle möglichen und unmöglichen Dinge und Kuriositäten verkauften. Es war ein grauenhafter Ort, voller seltsamer Wesen und die Luft roch nach altem Schweiß, fremdartigen Gewürzen, Staub und Pisse. Phil wusste nicht mehr so genau, wie er überhaupt dort gelandet war, aber als er sie sah, wurde ihm sofort klar, dass sie füreinander bestimmt waren.

Ja, er hatte ein aufregendes Leben gehabt, hatte Königen und Herrschern in den entferntesten Ländern als Berater und Freund gedient, war um die halbe Welt gereist und hatte Dinge gesehen, die andere sich nur in ihren wildesten Träumen ausmalen konnten. Nur zu gern erinnerte er sich an seine Zeit im Dienste des Kalifen eines fernen Reiches zurück, als er zusammen mit seinem Herren die Strategien für dessen Feldzüge entwarf und so für manch gewonnene Schlacht sorgte. Und doch sterben auch Kalifen eines Tages und das Schicksal führte Phil an diesen schmutzigen, überfüllten Ort, dorthin wo er seine große Liebe treffen würde.

Er war ganz allein, ohne einen Sinn im Leben, doch sie nahm sich seiner an, stellte ihn in ihre Dienste und schenkte ihm ein neues Zuhause in ihrem Schloss. Dankbar schwor er ihr die Treue und leistete einen Eid, ihr als Berater zur Seite zu stehen und ihr stets die Wahrheit zu sagen, so sehr sie auch schmerzen mochte.

Phil hatte nie viel gebraucht und auch wenn er aus früheren Zeiten eine gewisse Art von Luxus gewohnt war, brauchte er diese Annehmlichkeiten nicht, solange er nur ein Dach über dem Kopf und ein Feuer im Ofen hatte. Warm und trocken, das war mehr als genug für ihn, aber sie gab ihm eine Kammer, die einem König zur Ehre gereicht hätte und dafür war er ihr jeden Tag aufs Neue dankbar.

Sie war eine Königin und viel beschäftigt damit ihr Reich zu regieren und wichtige Entscheidungen zu treffen und so sahen sie sich nicht oft, viel zu selten, wenn es nach Phils Empfinden gegangen wäre, aber jedes Mal, wenn sie den Raum betrat, war er aufs Neue verzückt von Ihrer unglaublichen Schönheit und er spürte ein Verlangen nach ihrer Nähe, wie er es noch nie zuvor gespürt hatte.

Phil hatte sich oft dafür verflucht so schüchtern zu sein und er kriegte kaum den Mund auf, wenn man ihn nicht direkt ansprach, aber seiner Königin machte er nur die schönsten Komplimente und es fühlte sich ganz natürlich an, so wie es immer hätte sein sollen. Ihre bloße Anwesenheit machte ihn so unwahrscheinlich glücklich und er hätte alles getan, um öfter bei Ihr sein zu können.

Als ihr Mann, der König starb, tanzte Phils Herz vor Freude, auch wenn ihm bewusst war, dass dieses Gefühl einem Hochverrat gleichkam. Aber es bedeutete auch, dass er nun mit seiner Liebe, seiner Königin zusammen sein konnte. Hinter vorgehaltener Hand munkelte man, sie habe den König heimtückisch vergiftet, um an seiner statt über das Land herrschen zu können, aber selbst diese perfiden Gerüchte taten seiner Liebe zu Ihr keinen Abbruch. Er war ihr treu ergebener Diener, so wie er es geschworen hatte und er würde sie begehren und ihr folgen, bis zu dem Tag seines Todes.

Lange Zeit war Phil sich nicht sicher, ob sie seine Gefühle erwiderte. Sie war eine starke Frau und sie hatte Ihre Gefühle zu jeder Zeit unter Kontrolle, was es schwer machte für ihn und jeden der mit ihr zu tun hatte, sie richtig einzuschätzen, doch in der Tiefe seiner Seele wusste er, spürte er, dass sie ihn so sehr brauchte, wie er sie.

Nach dem Tod des Königs grämte irgendetwas die Königin und sehr zu Phils Gefallen verbrachte sie mehr und mehr Zeit in seiner Kammer, denn hier schien sie offenbar genug Ruhe zu finden, um Ihre Sorgen und Nöte nachzudenken. Sie weinte oft und war geplagt von Selbstzweifeln und er tat sein bestes, sie zu trösten und für sie da zu sein, jetzt wo sie ihn am nötigsten brauchte. 
Immer öfter verbrachte sie ihre Nächte bei ihm und am Hofe kursierte so manches Gerücht darüber, was sie dort wohl so trieben, aber kaum einer wagte es, diese Gerüchte offen zu äußern oder die Königin gar darauf anzusprechen.
Viel gab es da auch nicht zu erzählen. Die meiste Zeit redeten sie einfach und Phil war viel zu anständig, als dass er versucht hätte sie zu verführen, auch wenn er sich so mancher schmutziger Phantasie nicht erwehren konnte.
Er versuchte sie aufzubauen und ihr immer wieder zu erklären, wie klug und weise und schön sie war, und er meinte jedes Wort so wie er es sagte.

Aber eines Tages kam es so, wie es kommen musste. Hatte er ihr einst geschworen, ihr immer die Wahrheit zu sagen, egal wie schmerzvoll sie sein mochte, verfluchte er sich nun für diesen Schwur und wünschte sich, ihr nur einmal einen Wunsch verwehrt zu haben. Am Ende eines langen, anstrengenden Tages, trat seine König vor ihn, sah ihn durchdringend an und fragte ihn:
„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Hollaus am 31.03.2015 | 10:59
👍
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Bad Horse am 31.03.2015 | 18:43
Sehr schön.  ;D

Der Twist gefällt mir. Ich hab ihn zwar schon in der Mitte geahnt, aber auch nur, weil ich die Stichworte schon kannte.  :d
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 31.03.2015 | 21:20
Ich habe auch etwas geahnt als der Spiegel nicht auftauchte ;D
Gefällt mir sehr gut.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Uebelator am 1.04.2015 | 09:37
Ja, bei den Stichworten hat sich es sich mir fast aufgedrängt was mit dem ollen Märchen zu machen. :)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Turning Wheel am 1.04.2015 | 09:46
Der Wettbewerb läuft noch bis ich am Donnerstag an den Rechner gehe. Das wird so gegen Abend sein. ;)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Barbara am 1.04.2015 | 15:01
Ich verstehe den Twist in der Kurzgeschichte von Uebelator leider nicht. Erklärt mir den bitte jemand? Gerne auch in Spoiler-Tags, um Anderen das Erlebnis nicht zu verderben.

👍
@ Hollaus: Was bedeutet das Bild?
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 1.04.2015 | 15:09
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Hollaus am 1.04.2015 | 15:16
@Barbara: das ist ein 'Daumenhoch', das auf Android (Beiträge mit Tapatalk verfasst) etwas anders aussieht.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Huhn am 1.04.2015 | 15:51
Ein schöner Anlass, auch mal wieder was zu schreiben. Damit hab ich irgendwie nach der Schule komplett aufgehört - keine Ahnung, wieso. Meine literarische Höchstleistung ist der Text nicht, aber huhn muss ja auch erstmal kleine Brötchen backen.  ^-^

Musik

Der Wecker rappelt. Ich haue mit der Linken darauf. Noch fünf Minuten... Der Wecker rappelt erneut. Ich öffne ein Auge. Scheiße. Duschen fällt aus. Die Fenster sind beschlagen. Ich schalte den Herd ein, um die Küche zu heizen und schütte ranzige H-Milch auf pappige Cornflakes. Sie würde das nicht essen wollen, aber ich mag's. Geht das Sweatshirt von vorgestern noch? Ein Blick in den Spiegel zeigt mir...

… dass der Lidstrich noch einmal nachgezogen werden muss. Mit ruhiger Hand bringe ich die Farbe auf. Erst mittig zart beginnend, dann dicker werdend, schmal auslaufend. So, wie ich ihn immer trage. Mit Haarspray bringe ich die Frisur in Form. Der Ansatz stört mich, aber zum Nachfärben habe ich jetzt keine Lust. Ich streiche über den Kragen meiner Bluse. Sie liebt diese Bluse; meint, die Farbe würde gut zu meinen Augen passen. Dann verlasse ich das Bad. Auf dem Küchentisch finde ich einen Zettel: „Bin übers Wochenende verreist. Gieß die Blumen. Geld liegt bei.“. Neben dem Zettel liegt ein Schein. Ich stecke ihn achtlos in die Hosentasche. Während das Teewasser kocht, mache ich mit der Gießkanne eine Runde durchs Haus und gieße die Blumen. Die große Monstera im Wohnzimmer, den buschigen Benjamin im Schlafzimmer, die blühenden Geranien auf dem Balkon. Mein Kaktus braucht eigentlich noch kein Wasser. Ich gieße ihn trotzdem. Kurz darauf zieht der Duft von frisch aufgebrühtem Jasmintee durch die Küche. Auf meinem Teelöffel ist ein Fleck. Ich poliere ihn, bis ich mich darin spiegle und...

… stürze aus dem Haus. Die Rücklichter des Busses beleuchten die Pfütze, die meine Schuhe durchweicht. Fuck. Zurück ins Haus will ich nicht. Heute darf ich nicht zu spät kommen. Ich trete einen Stein vor mir her, während ich die Straße entlanggehe, und halte den Daumen raus. Wild, verwegen und ein bisschen dumm würde sie das finden, wenn ich es ihr erzähle. Ein Blick über die Schulter sagt mir, dass ich vergessen habe, das Licht zu löschen. Vielleicht ist auch der Herd noch an? Ich gehe weiter. Jemand hält an. Ordentlicher Kerl mit Anzug und Aktentasche auf'm Beifahrersitz. „Wo solls denn hingehen?“. Ich deute in eine Richtung. Er nickt. Ich steige ein. Er mustert mich. Ich schaue aus dem Fenster. Der Innenraum des Fahrzeugs spiegelt sich im Halbdunkel des frühen Morgens...

… das allmählich verdrängt wird von der aufgehenden Sonne. Es riecht angenehm frisch, nach feuchtem Laub auf regennassem Asphalt. Aus dem Schuppen hole ich mein Fahrrad. Der Helm bleibt heute auf dem Regal. Ich steige auf und fahre los. Ein Lufthauch fährt mir durch die Haare, streicht mir übers Gesicht. Stärker und schneller trete ich in die Pedale. Mein Schal flattert fröhlich hinter mir im Wind. Tief atme ich ein und aus. Mein Atem vergeht in kleinen Wölkchen. Schnell lasse ich das leere Haus mit den grünen Pflanzen darin zurück; die Häuser werden höher, die Straßen breiter, die Autos lauter. An einem kleinen Geschäft halte ich an. Ich stelle mein Rad in den dafür vorgesehenen Ständer und betrete den Laden. Es riecht wohlig-warm, nach Kaffee und nach Holz. Sie mag es nicht, wenn ich hier einkaufe, aber ich bestelle mir trotzdem ein großes Getränk. Während ich auf meine Bestellung warte, betrachte ich den Zuckerstreuer, in dem sich verzerrt der Raum hinter mir spiegelt und...

… sage dem Mann, dass ich hier raus will. Er fährt rechts ran. Mustert mich wieder. „Hier?“. Er schaut sich um. Architekturträume aus Glas und Beton werfen tiefe Schatten. Ich nicke. Hier. Ich verlasse den Wagen, schlage die Tür hinter mir zu. Dann bin ich alleine. Kleine Wasserlachen bilden sich unter meinen Schuhen, als ich mich umsehe. Ich kenne diese Ecke nicht. Muss zu früh ausgestiegen sein. Kacke. Ich spucke aus und laufe los. Sie wird warten. Sicher wird sie diesen Kaffee aus diesem verdammten Saftladen trinken und warten. Vielleicht wird es regnen. Ich laufe schneller. Mein regenverwaschener Schatten folgt mir durch die dunklen Scheiben der erdrückenden Gebäude. Ich werfe einen Blick zur Seite, sehe meine Silhouette...

… die selbst verzerrt durch den Zuckerstreuer noch ebenmäßig wirkt. Ich entscheide, meinen Kaffee heute nicht zu süßen. Mit einem Lächeln reicht mir die Verkäuferin mein Getränk. Im Herausgehen nippe ich daran; verbrenne mir die Lippen. Das Fahrrad lasse ich stehen. Ich brauche es nicht mehr, muss nur noch um ein paar Ecken. Mein Kaffee dampft noch, als ich ankomme. Vor mir ein hohes, schmales Haus. Es sieht aus wie jedes andere. Vielleicht ist es das auch. Wäre da nicht die Musik. Nicht alle Häuser haben Musik – dieses hier hat welche. Schwer zu beschreiben, wie ein Haus Musik haben kann. Sie steckt im Stein, quillt aus dem Fugen, klopft an die Fenster. Die Musik ist nicht laut – ich hätte sie nicht bemerkt. Das war ihre Entdeckung. Bevor sie auftauchte, war es hier ruhig. Über mir zieht sich die Wolkendecke weiter zu. Erste Tropfen fallen auf den Boden. Ich sollte schon ins Haus gehen. Hinter mir, im sich sammelnden Pfützenwasser, spiegelt sich...

… das Haus mit der Musik. Es ist mir gleich aufgefallen. In dieser beschissenen Scheißgegend mit ihren toten Wänden und den seelenlosen Aktenträgern mit dem Zahnpastalächeln. Plötzlich war sie da. Die Musik. Ich hab ihr gesagt, sie stecke im Haus. Das stimmt nicht. Die Musik, die nimmt sie mit. Jeden Tag. Und wo sie ist, da spielt die Musik: wohlig, warm, stechend, brennend, immer anders. Und immer wieder sie. Als ich ankomme, sind die Fenster im Haus dunkel. Aber ich weiß, dass sie oben sein wird. Sie wird warten. Im Regen. Auf mich. Und sie wird ihre Musik dabeihaben. Ich öffne die Tür. Auf den blankpolierten Fliesen spiegelt sich die Vorhalle...

…  durch die ich schnell hindurchschreite. Mit dem Fahrstuhl fahre ich ins oberste Stockwerk. Dort gibt es eine Treppe. Die führt bis aufs Dach. „Betreten verboten“ steht daran. Wieder fühle ich mich verwegen, als ich sie erklimme. Bevor ich sie kannte, hätte ich mich das nie getraut. Oben auf dem Dach kann ich die ganze Stadt sehen. Sie steht da im grau-dunstigen Licht, das sich seinen Weg durch die Wolken bahnt. Ich stehe im Regen, schlürfe meinen Kaffee und warte. Das Licht meiner Armbanduhr spiegelt sich...

… in ihrem Gesicht. Lässt sie erstrahlen. Sie hört mich, dreht sich um. In ihren Augen...

… sammeln sich Regentropfen, fließen am Gesicht herab und tropfen vom Kinn. Sie wird denken, dass ich weine. Ich stelle den Kaffee ab. Lächle. Nehme sie in den Arm...

… umarme sie fest. Der Regen tropft mir ins Sweatshirt, läuft am Rücken herunter...
… sammelt sich unter unseren Füßen...
… in einer großen Pfütze...
… feine Tröpfchen spritzen und ziehen weite Kreise...
… als unsere Füße den Boden verlassen...
… ihr Schal flattert fröhlich im Wind...
… der Regen sammelt sich weiter in ihren Augen...
… sie wird denken, dass ich weine...
… obwohl ich lache...
… höre ich die Musik...
… von der sie so oft sprach...
… hören wir beide die Musik, wie sie anschwillt, ein zartes Crescendo im regentränenfeuchten Wind...
… und in einem Paukenschlag...
… scheint sie zu enden...
… obwohl sie doch erst beginnt...

Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Hollaus am 2.04.2015 | 13:47
Ich hab es doch noch ein zweites Mal geschafft. :) Aber nur mit mäßigem Erfolg. :(

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Die Tür schwang auf und eine Gestalt erschien in der Tür. Kalter Wind drang herein und riss Schneeflocken mit sich. Es war sehr klischeehaft, aber wie hätte es auch anders sein sollen? Wäre nur die Tür aufgegangen, wäre sie wohl kaputt gewesen. Der Lärm in der Stube verstummte kurz. Vereinzelt drehten sich Köpfe zu dem neuen Gast. Dieser trat einen Schritt herein, drehte sich um und schloss die Tür hinter sich. Sein Kopf wurde von einer Kapuze verdeckt. Ob die Kapuze der Tarnung diente, oder schlichtweg gegen Wind und Wetter schützen sollte, konnte man nicht abschätzen. Es war zumindest bei diesem Wetter nicht ungewöhnlich, dass sich jemand vermummte. Und in diesem Teil der Stadt war es ganz und gar nicht ungewöhnlich, wenn man vermummt war.
Ich stellte den frisch gereinigten Steinkrug zu den anderen, behielt den Neuankömmling aber weiter im Auge. Der Steinkrug war genauso fleckig wie zuvor, aber zumindest war er nun trocken. Man wusste ja nie. Oft genug gab es hier Ärger. Die unterschiedlichsten Rassen aus den unterschiedlichsten Schichten mit den unterschiedlichsten Absichten trafen sich hier. Oft waren es keine guten. Absichten.
Die Taverne „Beginn im Rattenkeller“ war eine Anlaufstelle für Abenteurer, Halunken und andere zwielichtige Gestalten. Als Hausherr musste man daher vorsichtig sein.
Die Grüppchen an den Tischen wandten sich wieder ihren Gesprächen zu. Die Meute witterte also keine Gefahr. Gerade rätselte ich, zu welcher Rasse meiner neuer Gast wohl gehören mochte, als dieser sich meiner Theke zuwandte und die Kapuze zurückschlug. Eine auffällige, rotbraune Lockenmähne kam zum Vorschein. Ich ahnte schon, dass es sich hier wohl nicht um einen der üblichen Abenteurer handeln würde – zu klein und zu schmächtig. Die Lockenmähne umrahmte das kecke, recht ansehnliche aber sehr bleiche Gesicht einer Frau. Ich registrierte sofort, dass auch die Gäste, die dem Gott des Mets noch nicht vollends zum Opfer gefallen waren, sie ebenfalls registrierten. Na hoffentlich gab das nicht doch noch Ärger. Die Frau erkannte mich wohl aufgrund meiner imposanten Gestalt oder der Schürze als den Inhaber der Taverne und steuerte auf mich zu. Ein Lächeln umspielte ihre rosigen Lippen. Noch ehe sie etwas sagen konnte, deutete ich mit einer knappen Geste auf den Gegenstand auf ihrem Rücken. Es konnte ein Schwert, eine Armbrust oder ein Bogen sein, war aber in Wachstuch eingewickelt. Und da im „Beginn im Rattenkeller“ Waffen immer auch Misstrauen verursachten, vor allem bei Unbekannten, brummte ich:“Waffe ablegen.“
Das rosige Lächeln wurde zu einem äußerst breiten Grinsen. Sie griff nach hinten und zog das Wachstuch herunter. Zum Vorschein kam eine Harfe. Nun drangen die ersten Worte der unbekannten Frau an mein Ohr:“Herr Wirt, meine Verehrung. Mein Name ist Katharina Lärchensang. Ich bin auf der Suche nach einer guten Mahlzeit... „ - sieh sah sich dabei um und fing nochmal an - „Ich bin auf der Suche nach einer Mahlzeit und einem Bett für die Nacht. Und ich möchte allein darin liegen.“
„Hm. Mal sehen. Könnt ihr es denn auch bezahlen?“, erwiderte ich.
„Ich schlage euch einen Handel vor: ich unterhalte eure Gäste heute Abend mit Gesang und Tanz und dafür bekomme ich eine Mahlzeit, Met und ein Bett. Wie wär's?“
„Einverstanden.“, sagte ich kurzerhand und streckte ihr meine Hand entgegen. Sie schlug ein und ich versank in den grünsten Augen, die meine Taverne je betrachtet hatten. Für einen kurzen Augenblick blieb die Welt für mich stehen. Ich entsann mich aber sehr bald wieder der Situation. Ich war ein Wirt und hatte Gäste. Die wollten versorgt werden und ich wollte Geld verdienen. „Na dann mal los!“, bat ich Katharina Lärchensang. Diese fackelte nicht lange, legte ihr Gepäck und den Mantel ab, nahm die Harfe zur Hand und fing an, das Instrument zu stimmen. Die ersten Gäste nahmen davon Notiz und waren wohl über die Abwechslung und den Anblick genauso erfreut wie ich. Die ersten Rufe nach weiteren vollen Krügen drangen zu mir. Es war schön, eine volle Schenke zu haben, denn dies verhieß leere Lager und volle Geldbeutel. Und wenn die Leute gut unterhalten wurden, gab es heute auch hoffentlich weniger Verletzte. Mit etwas Glück auch keine Toten, oder durch erboste Grafen veranstaltete Razzien oder eine Geschichte über das Ende der Welt, die genau hier ihren Ursprung nahm. Ich war also guter Dinge.
Ich pickte einen besonders sauberen Krug heraus und füllte ihn für Katharina mit Met. Ich stellte ihn ihr hin, prostete ihr mit meinem Krug zu und nahm einen tiefen Schluck. Auf Abende wie diesen musste man anstoßen. Selbst als Wirt. Und sowieso gab es immer einen Grund zum Anstoßen. Ich würde mich nie wieder im Spiegel ansehen können, wenn ich eine so gute Gelegenheit zum Anstoßen ungenutzt verstreichen ließ. Ich war über meine philosophischen Gedanken so erfreut, dass ich mir gleich noch einen Schluck verordnete. Dann endlich erklangen die ersten Töne der Harfe. Schon nach wenigen Akkorden erklang die Stimme von Katharina Lärchensang in meiner Taverne:

"""
Es war in einem fernen Land
vor hundert Jahren schon.
Es verließ die Heimat voller Mut,
des Königs einz'ger Sohn.

Er brach auf, um die Welt zu sehen,
er wollte Ruhm und Ehr'.
Der König und die Königin allein,
das Herz ward ihnen schwer.

Der Prinz ritt aus auf seinem Ross,
die Zukunft ungewiss.
Dem Ross war dies jedoch einerlei
und auf den Weg es schiss.

Nach langer Reise durch die Welt,
ein Schloß am Horizont erschien.
Der Prinz versprach sich viel davon
und dacht 'Dort will ich hin!'.

Inmitten eines Sees das Schloss
auf einer Insel stand.
Das Wasser dunkel wie die Nacht,
und karg ringsum das Land.

Keine Brücke führte zu der Insel,
doch Nachts da brannte Licht.
Des Prinzens Neugier war geweckt,
Gefahren sah er nicht.

Als er endlich übergesetzt,
stand er vor verschloss'nem Tor.
Eine Maid hoch vom Turm in angesehn,
und sogleich er sein Herz verlor.

Am Ufer wartete das Ross,
die Zukunft ungewiss.
Dem Ross war dies jedoch egal
und auf den Strand es schiss.

Die Maid war schön und ziemlich bleich.
Der Prinz begehrte sie.
Die Maid auch den Prinzen ansehnlich fand,
das Ross erfuhr dies nie.

Der Prinz fand einen Weg hinein
und bald im Turm er stand.
Die Maid schon auf dem Bette saß.
Ganz ohne Nachtgewand.

Er zog sie zu sich, liebkoste sie.
Freudentränen im Gesicht.
Als sein Blick auf den Wandspiegel traf,
sah er die Liebste nicht.

Der Prinz erschrak, doch half es nichts.
Die Maid biss sogleich.
Sie trank sein Blut in einem Fort
Der Prinz ward eine Leich'.

In einem Wald das freie Ross,
in einen Apfel biss.
Vom Tod des Prinzen wusst' es nichts.
Und es auf den Boden schiss.

Eine Nacht verging und siehe da:
Der Prinz erhob sich neu.
Er wusste nicht, wie im geschah
und verhielt sich anfangs scheu.

Auch ihm dürstete nach Blut,
ein Drang stieg in ihm hoch.
Er zürnte mit der bleichen Maid,
doch sie rief: nun höre doch!

Auf ewig sind wir nun ein Paar,
keiner geht mehr fort.
Ich tat dies für uns beide nur.
Es war Liebe und kein Mord!
"""
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Turning Wheel am 2.04.2015 | 23:47
So, da bin ich. Wenn niemand etwas dagegen hat, schließe ich hiermit die erste Runde des Kurzgeschichtenwettbewerbs.
Ich werde mir bei Gelegenheit alles nochmals durchlesen und dann mein kurzes persönliches Feedback zu jeder Geschichte geben.
Vorab sage ich aber schon mal: Hut ab, dass sich so viele Teilnehmer eingefunden haben und so gute Geschichten raus gekommen sind.
Ich bin wirklich überwältigt von eurer Leistung!
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Bad Horse am 3.04.2015 | 00:03
Lass die Leute doch weiterschreiben. Nicht jeder hier schreibt wegen dir.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Turning Wheel am 3.04.2015 | 00:14
Klar, jeder kann schreiben so lange er will. Es ging mir natürlich nur um meine Vorgabe und um die Preise.
Ich bin davon ausgegangen, dass die Autoren schon daran teil nehmen wollten, weil sie sich an
meine Vorgaben gehalten haben.
Wenn du nicht teilnehmen willst, dann weis mich bitte darauf hin, dann schreibe
ich nichts zu deiner Geschichte.

Allerdings könnte es auch spannend sein, mal ein anderes Thema anzugehen.
Vielleicht hat jemand eine neue Idee? Vielleicht mal weniger morbid?
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Grimtooth's Little Sister am 3.04.2015 | 02:40
Bin wegen grad fast blind leider nicht fertig geworden, sollte ich es irgendwann noch schaffen poste ich trotzdem.

Neue Vorgaben... wie wäre es denn mit...

Verschwörungstheorie
Stromausfall
Osterei(er)

 ;D
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Turning Wheel am 3.04.2015 | 04:37
So, ich hab mir jetzt nochmal alle Stories durchgelesen und hier kommt mein kurzes Feedback und meine Beurteilung zu den Kurzgeschichten.
Bitte nehmt das nicht zu ernst, es ist lediglich meine persönliche Meinung.
Am Ende jedes Absatzes steht eine Punktzahl, die ich vergeben habe (um die Gewinner der beiden Idee!-Rollenspiele zu ermitteln). Ich hoffe, das ist okay.
Andere Meinungen würden mich übrigens durchaus interessieren. Also fühlt euch frei selbst etwas zu den Geschichten oder zu meinem Feedback zu sagen, wenn ihr wollt.


Von Angesicht zu Angesicht (Uebelator)

(+) Du warst schnell und hast die erste Geschichte abgeliefert. Das zählt!
(+) Die Stichwörter sind relevant verwendet worden
Ich mag die Geschichte sehr.
(+) Die Geschichte hat zu Beginn ein ungutes Gefühl und schließlich echten Ekel in mir hervorgerufen. Gut gemacht.
(+) Außerdem finde ich sehr gelungen, wie du die schrittweise Auflösung der
Normalität bzw. der heilen Welt beschreibst. Die Protagonisten sind überzeugend lebensnah.
(+) Die Pointe war gut.
(–) Die Rechtschreibung könnte besser sein.
Ich habe nicht verstanden, was der metallische Ton und das Türknarren in der Mitte sollte.
Wir das irgendwo aufgelöst ohne dass ich es mitbekommen habe?
4,5

Nur noch einen Drink (Noir)

(+) Die Stichwörter sind relevant verwendet worden. Mord sogar in doppelter Weise.
(+) Besonders gut fand ich die Flaschenscherben als Spiegel der Seele. Das ist geil!
(+) Außerdem finde ich die introvertierte und depressive Sichtweise des Protagonisten exzellent umgesetzt
(+) Es war so gut geschrieben, dass ich vor Ergriffenheit weinte.
(++) Die doppelte Pointe ist der Hammer! Plötzlich macht die Unwiderruflichkeit des "Gehens" Sinn.
Für mich die beste Geschichte, auch wenn sie mir weh getan hat - oder vielleicht gerade deshalb.
6,0

Wenn der Spiegel fällt (El God / Dolge)

(+) Die Stichwörter sind relevant verwendet worden.
(+) Schön finde ich die Sichtweise eines Psychotischen Protagonisten.
Allerdings wollte sich mir die Sprache nicht so recht gefallen. Sie hat es mir
nicht ermöglicht, wirklich ernsthaft in den Charakter zu schlüpfen.
Vielleicht weil sie zu flapsig ist.
(+) Das hin und her zwischen Realität und (Wahn-)Vorstellung, Gegenwart und Vergangenheit finde ich gut arrangiert.
(+) Die Pointe war gut. Ich fand es schön, dass sich der Mord als keiner erweist.
Schade finde ich, dass Du dem Protagonisten keinen Namen verpasst hast.
4,0

[ohne Titel] (Leonie / Bad Horse)

(+) Die Stichwörter sind zwar alle verwendet worden, hatten aber keine große Relevanz. Immerhin sind sie aber sogar doppelt vorgekommen!
(+) Sehr witzig geschrieben. Die Sprache ist sehr gut. Unbeschwertes Mantel und Degen Genre a la Erol Flynn.
(++) Die Pointe war sehr gut! Ich habe herzlich gelacht.
(–) Leider ist die Geschichte etwas kurz.
3,5

Seelenspiegel (Anastylos)

(+) Die Stichwörter sind relevant verwendet worden.
(+) Das ist eine schöne, tragische und spannende Abenteuergeschichte um Liebe und Mord.
(+) Mir gefällt wie man während der Flucht in Rückblenden nach und nach die ganze Geschichte erfährt.
(+) Die Pointe liegt zwar nicht in der letzten Zeile, aber doch weit genug am Ende und gibt der Geschichte eine solide Wendung.
4,0

[ohne Titel] (Hollaus)

(+) Die Stichwörter sind relevant verwendet worden. Sehr gut gefällt mir die Idee mit dem Handspiegel, durch den die Gespräche geführt werden.
(+) Die Protagonisten stehen in einem interessanten, angespannten Verhältnis.
(+) Die Idee mit dem Fluch und dessen Beschreibung fand ich auch gut.
(+) Die Pointe ist solide, wenngleich ich mir etwas verarscht vorkam - genauso wie der Grieche vermutlich. Passt.
4,0

Was der Spiegel sieht (Leonie / Bad Horse)
(+) Die Stichwörter sind relevant verwendet worden.
(+) Die abgehackte, kurz angebundene Beschreibung der Beziehungstragödie ist gut gelungen.
(+) Die Pointe ist nicht wirklich stark, aber okay. Vielleicht habe ich das nicht vollständig verstanden.
(–) Leider auch etwas kurz.
2,5

Einen Mörder fangen (Sashael)

(+) Die Stichwörter sind relevant verwendet worden.
(+) Die Sprache ist sehr passend. Die atemlose, treibende Handlung und die typische Nörgelei des desillusionierten Detektivs aus Schwarz-Weiß-Filmzeiten ist gut umgesetzt.
(++) Da gibt es eine Tonne von stimmigen Namen und ein paar neuer Begriffe (Munition, Parallelwelt usw.), die du gut einführst und die der Geschichte nicht nur ziemlich viel Leben geben, sondern die Phantastik auf einen höheren Level bringen. Sehr kreativ und zusätzlich gut umgesetzt.
(+) Die Spannung kulminiert zum Ende hin außerordentlich gut.
Leider ist die Pointe selbst nicht so wahnsinnig. Ich schwanke etwas. Die Geschichte hat zwar ein befriedigendes Ende. Es drängt sich aber das Gefühl auf, dass das keine echte Kurzgeschichte ist, sondern nur eine Episode aus einer längeren Geschichte.
Dennoch sehr gut.
5,0

Ich (Sashael)

(+) Die Stichwörter sind relevant verwendet worden.
(+) Die Sprache hat einen guten Rhythmus.
(+) Der selbstverliebte Blickwinkel gepaart mit der Herabsetzung der anderen klingt für mich nach einer überzeugenden narzisstischen Studie.
(+) Die Pointe ist solide.
Es kommt nicht zweifelsfrei heraus, welches Geschlecht der Protagonist hat (oder doch?). Ist das gewollt?
4,0

Die Wahrheit schmerzt (Uebelator)

(+) Die Stichwörter sind relevant verwendet worden.
(+) Die Beziehung zwischen dem Spiegel und der Königin wird auf die zweideutige Art sehr gut beschrieben.
(++) Die Pointe ist super. Gute Idee, einen anderen Blickwinkel von einem bekannten Märchen zu schreiben.
(–) Schade, dass in der Geschichte so viele Dinge angerissen werden, aber nicht konkretisiert. Das ferne Reich und die Feldzüge bräuchten Namen, demit sie lebendig werden, zumal es sich um liebgewonnene Erinnerungen handelt. Das sollten keine Allgemeinstellen bleiben. Vielleicht hängt das auch ein klein wenig mit der Knappheit der Geschichte zusammen. Ein paar Worte mehr hätten vielleicht eine greifbarere Welt erschaffen können.
3,5

Musik (Huhn)

offenbar keine Geschichte nach meinen Vorgaben, deshalb keine wirkliche Bewertung, nur soviel: Sehr schön geschrieben! Gute Idee mit dem Wechsel zwischen den Protagonistinnen. Anrührig. Eine Geschichte, die ich ebenfalls gerne gelesen habe. Toll!

[ohne Titel] (Hollaus}

(+) Die Stichwörter sind relevant verwendet worden.
(+) Die Story plätschert locker und leicht vor sich hin. Eine angenehme Sprache.
(–) Ich bin etwas enttäuscht, dass dies eigentlich zwei Geschichten sind (Taverne und gesungenes Märchen), die keinen inhaltlichen Zusammenhang haben und von denen die erste (Rahmenhandlung) keinen Schluss besitzt.
(+) Ich finde die Form der Rahmenhandlung ganz gut, und dass die Gechichte in ein durchaus witziges Lied mündet.
(+) Die Pointe ist okay, hätte aber vielleicht stärker sein können.
Mir missfällt etwas der "Rasse"-Begriff aus dem Rollenspielgenre.
3,5

Ein Idee!-Rollenspiel geht jeweils an Noir und Sashael. Herzlichen Glückwunsch!
Noir, sag mir ob du die Szenariovariante (mit Fantasy-Motiven) oder die AdAstra-Variante (mit Sternbildern) haben möchtest. Sashael bekommt dann das andere.
Außerdem hab ich mich spontan dazu entschieden dem 3. Platz einen 10-Euro Gutschein für den FlyingGames-Shop zu spendieren. Das wäre dann Uebelator.
Bitte schickt mir eine Nachricht mit eurer Adresse.

Und zum Abschluss nochmals vielen Dank an alle, die Teil genommen haben.
Obwohl es zu Beginn ein paar Bedenken gegeben hat, ist das letztlich doch eine sehr gute Aktion geworden.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Sashael am 3.04.2015 | 09:08
Yay! Ich hab was gewonnen!  :cheer:

@Geschlecht in "Ich"
Ich persönlich sehe den Protagonisten zwar als männlich, aber es ist imho für die Wirkung der Geschichte nicht relevant.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 3.04.2015 | 11:08
Ich würde mich noch über Kritik an meiner Kurzgeschichte freuen, denn ich hatte beim schreiben das Gefühl dass da noch viel Luft nach oben ist.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Uebelator am 3.04.2015 | 11:38
Wow... ein dritter Platz ist auch toll.
Ich werde versuchen auch nochmal meine Meinung zu euren Geschichten zu schreiben. Aber erstmal kurz zu meinen Machwerken:

Zur ersten meiner Geschichten: Sorry wegen der Rechtschreibung. Ich War so froh, dass ich überhaupt was hin bekommen habe, weil es so aussah als wäre meine Zeit sehr knapp, dass ich nicht mehr gründlich drüber gelesen habe. Das Knarren der Türen (ist es Freud'sch, dass ich zuerst Türk-Narren gelesen habe?) war etwas, was ich eigentlich noch hätte erläutern wollen, aber es ist dann irgendwie hinten runter gefallen. Der Gedanke war, dass das Monster in ihm aus seinem Käfig gelassen wird und an die Oberfläche kommt. Der Twist am Ende hätte auch sein können, dass die beiden Gäste die Leiche von seiner Frau finden und dann auch der männlich Gast ein Türk-Narren hört.

Zu Schneewittchen: Ja, ich hätte sicherlich viel mehr darüber schreiben können, was Phil alles so erlebt hat und damit könnte man bestimmt ein Buch füllen. Die Schwierigkeit für mich war eher, dass ich mit allem sehr vage bleiben musste, damit man nicht zu früh ahnt, dass der Protagonist gar kein Mensch ist. Da ich also den Twist am Ende haben wollte, wars schon Absicht da nicht mehr ins Detail zu gehen und es hätte meiner Meinung nach auch eher von der eigentlichen Geschichte abgelenkt. Aber wenn ich mal die Mirror Chronicles: Life of Phil schreibe, würde ich in jedem Fall mehr ins Detail gehen. ;)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Uebelator am 3.04.2015 | 12:33
Zu Noirs "Nur noch einen Drink":

Whoa. Schon als ich die Geschichte das erste Mal gelesen habe, fand ich sie super. Den Twist am Ende fand ich jetzt nicht so mega-überraschend, aber die Erzählweise und die Art wie Du schreibst ist wunderbar und der meinen um mindestens drei Nasenlänge voraus. Ich liebe diese Verwebung verschiedener Zeiten und die Erinnerungsfragmente, die nach und nach ein gutes Bild der zerbrochenen Beziehung zeichnen. Total emotional und sehr bewegend.
Wenn ich mich für einen Gewinner entscheiden müsste wärs diese Geschichte.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Uebelator am 3.04.2015 | 12:47
Zu Dolges "Wenn der Spiegel fällt":

Am Anfang wollte mir die Schreibweise nicht so recht gefallen, vielleicht weil sie mich zu sehr an meine eigene erinnert. Aber irgendwie liest man sich in die Geschichte hinein und möchte unbedingt wissen wies weitergeht. Die Perspektive des geistig Kranken ist spannend und die Pointe am Schluss war überraschend, aber für mich etwas zu... schnell erzählt und irgendwie beiläufig. So als hätte der Arzt einfach gesagt "War aber gar nicht so."
Vielleicht hätte man das etwas subtiler und umschreibender lösen können, so dass der Leser selbst zu dem Schluss kommt, dass er sie nicht umgebracht hat, anstatt es ihm einfach direkt zu erzählen.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Uebelator am 3.04.2015 | 12:54
Bad Horses "Spiegelfechter":

Supercool. Total gut und witzig geschrieben. Die Pointe ist klasse, erinnert mich aber heftig an Monkey Island 2. Was die Verwendung der Begriffe angeht, stimme ich Dead cat zu. Sie sind zwar vorhanden, haben aber keine Relevanz. Davon ab ist es aber eine süße, witzige, sehr unterhaltsame Geschichte, die nach der Lektüre der vorigen drei Geschichten angenehm viel gute Laune gemacht hat.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Turning Wheel am 3.04.2015 | 13:37
Uebelator, wie kommst du bei dem Spiegel eigentlich ausgerechnet auf Phil?
Ist das einfach irgend ein Name, der dir gefiel, oder hat das eine Bewandtnis?
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Uebelator am 3.04.2015 | 13:40
Haha... nee das hat keinen tieferen Hintergrund. Ich wollte gern einen Namen der irgendwie wenig nach Zauberei und Fantasy klingt und trotzdem Optionen lässt. Vielleicht ist sein voller Name ja Phileandros oder so.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 3.04.2015 | 13:56
Ich glaube dann schreibe ich auch mal was zu den Geschichten. Ich schreibe etwas kritischer, weil ich auch für meine Geschichte auf Kritik hoffe die den Finger in die Wunde legt. Sehr es also nicht als niedermachen der Geschichten sondern als etwas wo ihr noch besser werden könnt. Meine Geschichte war ja auch nicht so toll.

Meine Favoriten sind Uebelator und Sashael, die beide jeweils zwei sehr tolle Geschichten geschrieben haben. Die lese ich mir noch Mal aufmerksam durch um zu sehen wie ich meinen Stil verbessern kann.

Für nächstes mal würde ich die Geschichten in einen separaten Thread packen damit es übersichtlicher bleibt.

Uebelator: Von Angesicht zu Angesicht

Gefällt mir gut. Bei den passiv aggressiven Vorwürfe könnten jeden zum Monster machen. Vielleicht kannst du ja die Geschichte noch einmal überarbeiten, dass das mit der geöffneten Tür besser raus kommt. Würde ich mich sehr drüber freuen.

Noir: Nur noch ein Drink

Ich finde die Geschichte zu 08/15. Der amoklaufenden Alkoholiker ist spätestens seit Steven King nicht mehr originell. Handwerklich ist es gut, genügend Details aber nicht zu viele, ein angenehm zu lesender Stil, aber von der Geschichte selbst überhaupt nicht mein Fall. Außerdem hat mir ein wenig ein Spannungsbogen gefehlt, das liest sich als eine einzige Situationsbeschreibung.
Da sie den anderen gefällt liegt es vielleicht auch an mir.

Dolge: Wenn der Spiegel fällt

Hat mir gut gefallen, auch die Pointe. Einzig das „Guten Tag, Herr *******“ hat mir nicht gefallen. Die Sternchen haben mich aus der Immersion gerissen. Schreibe Entweder den Namen aus, begrüße ohne den Namen oder indirekt, aber bitte keine Platzhalter.

Hollaus:

Gut geschrieben, habe mir das alles gut Vorstellen können, nur gab es irgendwie keine Pointe, die Arbeiter sterben ohne wirklichen Sinn und der Grieche wird verarscht. Ich kann keine in sich geschlossene Handlung feststellen es ist nur eine Episode ohne tieferen Mehrwert. Das finde ich schade, denn von Stil her hat mir deine Geschichte gut gefallen, ich habe nur das Gefühl man hätte mehr daraus machen können.

Sashael: Einen Mörder fangen

Hat mir richtig gut gefallen, die beiläufig erwähnten Fakten und Begriffe regen die Fantasie an und lassen das Setting lebendig werden, was bei einer so kurzen Geschichte sensationell ist.

Sashael: Ich

Hat wir auch sehr gut gefallen, habe mich beim lesen gegruselt weil man die Gedankengänge des Protagonisten gut nachvollziehen kann. Durch die Vielen Absätze ist die Geschichte aber sehr zerstückelt. Ein paar Mal weniger die Entertaste drücken hätte die Lesbarkeit noch erhöht. Wobei du nicht der einzige bist bei dem ich das kritisieren müsste.

Uebelator: Die Wahrheit schmerzt.

Sehr gut. Ich kann nicht genau sagen was mir an dieser Geschichte so gut gefällt. Vielleicht der ungewöhnliche Protagonist der einen neuen Blickpunkt auf ein bekanntes Märchen ermöglicht. Ich finde die anderen Regionen und Könige müssen nicht beschrieben werden, der Fokus liegt auf der bösen Königin, alles andere würde nur ablenken.
Was für einen Luxus ist ein Spiegel denn gewohnt?

Huhn: Musik

Die Geschichte fand ich etwas konfus, habe nicht so ganz verstanden worum es geht und was das soll. das ist ungefähr die gleiche Reaktion die ich beim Lesen von Kafka habe. Wenn das absicht ist hast du alles richtig gemacht.

Hollaus:

Hm, Tavernen sind ja schon im Rollenspiel schlimm genug. Die erste Hälfte ließt sich auch wie eine jeder traumatisierenden stereotypen Tavernenszenen die man zu oft gelesen und gespielt hat und scheint auch keine Verbindung zu dem Gedicht zu haben.
Das Gedicht wiederum ist sehr schön, das scheißende Pferd lockert extrem auf.



Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Uebelator am 3.04.2015 | 14:09
Zu Anastylos' "Seelenspiegel":

Komisch. Auch wenn Du nirgends näher auf das Setting eingegangen bist, hab ich mir die Geschichte irgendwie als eine Mischung aus Dishonored und Lock Lamorra vorgestellt. Keine Ahnung ob das gewollt war, aber ist mir auf jeden Fall positiv aufgefallen.
Ich mag die Struktur der Geschichte mit den Flashbacks während der Flucht. Die Pointe War in der Tat überraschend und gut. Dass der Protagonist nochmal sein Abzeichen rausholt fand ich aber überflüssig, denn es War wohl jedem klar, dass er ein Auftragsmörder ist.
Was mir persönlich etwas misfallen hat, war das ständig wiederkehrende Motiv des Spiegels der Seele. Kam mir so ein bisschen pseudo-philosophisch vor und sprach Gedankengänge an, denen ich nicht so ganz folgen konnte. Vielleicht liegt das aber an mir und andere sehen das ganz anders.
Insgesamt fand ichs gut, hätte mir aber zum Schluss ein wenig mehr "Punch" gewünscht.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 3.04.2015 | 14:30
Ich hatte eher ein wirkliches mittelalterliches setting im Sinn. Irgendwie hatte ich Korinis aus Gothic 2 im Hinterkopf. Interessant das du da ein etwas anders drin gesehen hast. Finde ich cool. Ich glaube ich werde das bewusst wage lassen.
Zu viel Spiegel der Seele, habe ich mir schon gedacht wollte es aber drin lassen. Wie heißt es so schön? Kill your darlings.
Das Abzeichen ist überflüssig. Wollte halt das auch jeder versteht was Sache ist aber das war wohl nicht nötig.

Was meinst du mit mehr "Punch"? Soll ich eine Kampfszene einbauen?

Vielen dank für die Rückmeldung. Werde ich beim überarbeiten im Hinterkopf behalten.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Huhn am 3.04.2015 | 14:35
Musik (Huhn)
offenbar keine Geschichte nach meinen Vorgaben, deshalb keine wirkliche Bewertung, nur soviel: Sehr schön geschrieben! Gute Idee mit dem Wechsel zwischen den Protagonistinnen. Anrührig. Eine Geschichte, die ich ebenfalls gerne gelesen habe. Toll!

Naja, das mit der Pointe hatte ich beim Schreiben vergessen - ich nehme an, dass es das war, was mich aus der Wertung katapultierte? Ansonsten hab ich mich bemüht, alle Stichworte relevant in der Geschichte zu verwenden - wenn auch vllt. nicht wörtlich einzubauen. Ach was solls, hauptsache Spaß gehabt.  :)

Huhn: Musik

Die Geschichte fand ich etwas konfus, habe nicht so ganz verstanden worum es geht und was das soll. das ist ungefähr die gleiche Reaktion die ich beim Lesen von Kafka habe. Wenn das absicht ist hast du alles richtig gemacht.
Hm ne, konfus sollte die eigentlich nicht sein. Die Handlung ist auch ziemlich lame: Zwei Mädchen fahren in die Stadt, treffen sich aufm Dach und begehen gemeinsam Selbstmord indem sie runterhüpfen. Ich fand das ramontisch  :(
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Sashael am 3.04.2015 | 14:40
Hm ne, konfus sollte die eigentlich nicht sein. Die Handlung ist auch ziemlich lame: Zwei Mädchen fahren in die Stadt, treffen sich aufm Dach und begehen gemeinsam Selbstmord indem sie runterhüpfen. Ich fand das ramontisch  :(
Oh, die sind gesprungen? Das war mir wohl zu subtil. Ich hatte mich nämlich schon gefragt, wo in der Geschichte der Mord war.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Huhn am 3.04.2015 | 14:42
Tja - es hat Gründe, dass ich normalerweise Akten sortiere und nicht mein Geld als Bestseller-Schriftstellerin verdiene. *schnüffs*  :(
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 3.04.2015 | 14:49
Du warst zu subtil, ich nicht subtil genug. Wir müssen jetzt nur voneinander lernen. :D
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Turning Wheel am 3.04.2015 | 16:43
Huhn, mir ist auch nicht aufgefallen, dass sie sich am Ende vom Dach stürzen.
"Als ihre Füße den Boden verlassen" hatte ich so gedeutet, dass sie auf dem Dach tanzend umherspringen oder sich vorstellen zu fliegen oder so was.
Sorry, mir war das Ende zu kryptisch.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 3.04.2015 | 17:15
Mit der Information ließt sich die Geschichte ganz anders. Ich hatte noch nicht einmal kapiert dass es aus zwei Perspektiven geschrieben ist auch wenn das im nach hinein eindeutig ist.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Uebelator am 3.04.2015 | 20:31
Was meinst du mit mehr "Punch"? Soll ich eine Kampfszene einbauen?

Oh boss keine Kampfszene. Ich kann jetzt nicht genau sagen, wie ichs machen würde, aber beim Twist denke ich momentan noch:"Mmmhmm ach so war das.", aber ich würde lieber denken:"What the fuck?!? Echt?"
Vielleicht indem man nicht einfach sagt, dass er statt Marie ihren Mann umgebracht und sie verschont hat, sondern indem man eine Szene ein Jahr später einbaut, wo sie dann aller Erwartung zum Trotz plötzlich in seinem Zimmer steht und entweder Rache will oder eine Affäre.
Vielleicht kommt ja sogar raus, dass sie ihn über Mittelsmänner beauftragt hat?
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Noir am 4.04.2015 | 16:51
Huch! Wow! Danke! Das hab ich jetzt nicht erwartet, bei dieser Menge an tollen Geschichten! Danke, danke, danke! :)

Eine Nachricht geht gleich an dich raus, Dead Cat.

@Anastylos: Tatsächlich habe ich auch versucht, alles etwas abgehackter zu beschreiben und vielleicht auch ein wenig die Atmosphäre zu erzeugen, der Leser säße im Kopf des Protagonisten und "erlebt" das alles selbst. Deshalb vielleicht dein Gefühl, es mit einer Situationsbeschreibung zu tun zu haben :) Aber es ist ja nun auch einfach "nur" eine Geschichte und das bedeutet natürlich, dass sie manchen gefällt und manchen nicht. Es freut mich aber, dass dir zumindest meine Schreibe an sich gefällt :)
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: El God am 7.04.2015 | 19:19
Uebelator: Hier hat mich die Quengelei der Frau so sehr genervt, dass ich mich förmlich zwingen musste, die Story zu Ende zu lesen. Ich würde mal sagen: Ziel erfüllt. Nicht gezündet hat bei mir dagegen die Sache mit dem Gesicht, dass immer mehr zerfällt. Ich weiß, dass es Alexanders schwindende Geduld und seinen zerrütteten Seelenzustand symbolisieren soll, aber irgendwie finde ich die Metapher unstimmig bzw. unpassend zum sehr subtilen Terror der Freundin. Die Wendung im letzten Abschnitt war vorhersehbar bzw. sogar herbeigesehnt :)

Noir: Ich weiß nicht, ob es an deinem Namen lag, aber ich habe mir die ganze Szenerie in Schwarz-Weiß vorgestellt, dazu das Pub, der Whiskey, irgendwie Film Noir halt. Auch die Erzählweise mit den recht kurzen Sätzen passte - ich konnte mir gut vorstellen, wie jemand die Szenen mit rauchiger Stimme aus dem Off überspricht. Die Wendung am Ende war prima, passte einfach sehr gut ins restliche Bild.

Dolge: Ich habe immer noch das Gefühl, dass ich im ersten Absatz zu viel vorwegnehme. Dass der Erzähler in der Klinik aufwacht, sollte wohl ein etwas überraschender Moment sein, vielleicht hätte ich noch ein wenig mehr mit der Reihenfolge der Erzählschnipsel spielen sollen. Meine Wendung am Schluss gefällt mir persönlich sehr gut, weil ich mir an diesem Moment immer das Gesicht des Erzählers vorgestellt habe, ich habe gar nicht so sehr an die Leser gedacht. Die Sternchen... Tja. Ursprünglich waren sie nur Platzhalter, bis mir ein passender Name einfällt, aber irgendwann war ich dann ganz zufrieden damit, weil es den Erzähler noch mehr und symbolischer depersonalisiert.

Bad Horse: Erste Reaktion: "Kapitänin der Goldenen Liebe" - hä? Was? Klingt nach Sailor Moon. Aber dann war alles doch ganz anders als es schien. Sehr schöne Beschreibung eines Kampfes und die Patzer der Protagonisten erscheinen im Lichte des letzten Abschnittes natürlich noch großartiger. Und als zum Schluss die Mutter zum Essen rief: Mein persönlicher Favorit für die Wendung am Schluss!

Mehr dann später.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Anastylos am 7.04.2015 | 22:26
Ich habe meine Geschichte überarbeitet:

http://www.tanelorn.net/index.php/topic,93453.0.html (http://www.tanelorn.net/index.php/topic,93453.0.html)

Bitte weitere Kritik, ich will was lernen ;D
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: El God am 8.04.2015 | 12:48
Ich bin übrigens dafür, dass wir für kommende Wettbewerbe extra Threads eröffnen und die dann irgendwo sammeln. Das hier wäre dann quasi der "1. Tanelorn-Kurzgeschichtenwettbewerb (featured by FlyingGames)" oder so. Sonst versumpfen die Geschichten in einem endlosen Threadwurm und auch das Feedback wird extrem unübersichtlich.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Turning Wheel am 8.04.2015 | 14:09
Gute Idee!
Tatsächlich hätte ich schon eine brauchbare Aufgabenstellung für den nächsten Wettbewerb.
Titel: Re: Kurzgeschichtenwettbewerb
Beitrag von: Niniane am 8.04.2015 | 14:49
Ich passe mal den Titel des Threads an, wenns recht ist.