ein Mitarbeiter-Gespräch hat mich kurz nachdenklich gestimmt. Ganz grob: Ich rief eine MA zu einem 4-Augen-Gespräch. Es ging um einen Konflikt. Dieser Konflikt besteht schon länger. Es gab verschiedene Gespräche über den Zeitraum ca. einen Jahres. Der Konflikt besteht noch immer, man scheint sich aber ein Stück weit daran "gewöhnt" zu haben.
Liebes :T:,
ein Mitarbeiter-Gespräch hat mich kurz nachdenklich gestimmt. Ganz grob: Ich rief eine MA zu einem 4-Augen-Gespräch. Es ging um einen Konflikt. Dieser Konflikt besteht schon länger. Es gab verschiedene Gespräche über den Zeitraum ca. einen Jahres. Der Konflikt besteht noch immer, man scheint sich aber ein Stück weit daran "gewöhnt" zu haben.
Jetzt fällt die Aussage: "Stefan, ich glaube man kann Dinge auch zerreden."
Ich musste an dieses Forum denken. Als jmd. der hier mehr liest wie schreibt - über Jahre, erlebe ich eine Themenwiederkehr, oder Themen aus denen wiederrum Subthemen extrahiert werden oder Themen die irgendwie synonym zu Themen sind die schon da waren. Und bitte, an dieser Stelle sei gesagt, weil irgendwie mache ich mich ja vielleicht auch ein Stück weit selbst hier des "Zerredens" schuldig, ich will nicht provozieren. (Ich deponiere das hier weil ich beim Schreiben das Empfinden hatte es selbst möglicherweise so aufzufassen ohne genau den Finger an die Stelle legen zu können wo mich dieses subjektive Gefühl erschlicht)
Das Phänomen der wiederkehrenden Themen lässt sich aus meiner Sicht eindeutig bestätigen. Allerdings halte ich das für völlig menschlich, notwendig und sogar begrüßenswert (auch wenn es mich früher manchmal irritiert hat).
Erklärung:
Ein Forum wie das :T: dient mMn in erster Linie dem Erfahrungsaustausch mit der Möglichkeit Anregung zum Sammeln neuer Erfahrungen zu erhalten. Vollständigen Erfahrungstransfer halte ich in dieser Form für kaum möglich. (Als textliche Form mögen höchstens Geschichten, mit realem Hintergrund oder rein fiktiv, noch halbwegs geeignet sein.) Selbst wenn der Transfer stattfinden könnte, so doch immer nur in den Portionen, die der Interessierte im Foren-Archiv aufstöbert.
Die Szene der Rollenspieler im Allgemeinen und des Forums im Besonderen wird (Gygax sei Dank) immer von neuem Blut und frischen Spielenden bereichert. Jeder "Frischling" bringt seine eigene Erfahrungswelt und Lernkarriere mit. Auch Alteingesessene werden von neuen Kontakten und Erlebnissen immer wieder beeinflusst.
Tatsächlich sind sich diese Erfahrungswelten aber oftmals sehr ähnlich. Vergleichbare Vorstellungen, Konzepte, Ideale und manchmal sogar fast identische persönliche Epiphanien. Das nehme ich sowohl im Tischrollenspiel, als auch bei der Arbeit mit Musikern und beim Laienschauspiel wahr - und ich gehe davon aus, dass andere Hobbies und Tätigkeiten dem nichts nachstehen.
Grade Reizthemen werden immer wiederkehren. Beispiele? Bitte:
- Ein guter SL muss auch mal schummeln!
- Soziale Fertigkeiten verhindern das Rollenspiel!
- Würfeln verhindert Erzählen!
- Railroading ist ein verwerflicher SL-Stil!
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Ein Forum kann dabei den individuellen Weg nicht vorweg nehmen, ersetzen oder gar obsolet machen. EDIT: Wäre ja auch schlimm, angesichts der Subjektivität des Konzepts "Wahrheit". Es kann ihn nur begleiten und (hoffentlich) bereichern - grade im letzten Punkt war das :T: für mich persönlich oft sehr ergiebig.
Als jemand der ein Thema schon X-mal beackert hat, mag auch ich gerne mal mit den Augen rollen und den Thread wechseln. Aber im Sinne neuer Teilnehmer (auch reiner Mit-Leser) finde ich es durchaus bemerkenswert und toll, dass sich manche "alten Hasen" immer wieder aufs Neue ins Gefecht stürzen. :d
...
Was das Zerreden angeht - das ist ein anderes Thema... und natürlich gibt es das!
@ Topic:
Ich habe über jahre im zweiten Hauptfach Philosophie studiert und muss sagen, dass man natürlich mit einem radikalen Skeptizismus oder einem zugrundeliegenden Nihilismus alle Gedankengänge einfach Verbal zerblastern kann. Das haben wir damals immer den "memetischen Wetjob" genannt. Das ist im Grunde nur die unproduktive argumentative Falsifizierung des Gegenargumentes ohne Aufbau eines Gegenargumentes. Das kommt in der ein oder anderen Form natürlich in Foren besonders häufig vor (wober das :T: da echt sehr zivilisiert ist, also an dieser Stelle großes Lob an alle :d). Das wäre dann aber eher ein sprichwörtliches Zerreden einer Idee. Diese Tätigkeit ist mMn, wenn sie nicht als Argumentationstraining in einer Diskussion geübt wird und jedem klar ist, was da grade gemacht wird, absolut sinnbefreit.
Für die Wahrnehmung eines Themas als "zerredet" wäre für mich kennzeichnend, dass ein ThemaNaja, aber nach den Kriterien würden sich halt Dogmen nie durch Diskussion bewegen lassen. Ja, ich weiß dass die Geschichte zeigt dass das tatsächlich oft der Fall ist, und die Mehrheitsverhältnisse sich dann durch Todesfälle so verschieben, bis sich wieder was bewegen lässt, aber das möchte ich z.B, hier im Tanelorn einfach nicht :)Es kann ja auch sein, dass eigentlich alles schon gesagt wurde, die meisten aber weiterhin einen Austausch / Abgleich von Argumenten wünschen, dann wäre das ja nach wie vor nichts negatives.
- von der Mehrheit der Beteiligten als "ausdiskutiert" angesehen wird, und
- von der Mehrheit der Beteiligten keine Diskussion mehr gewünscht ist, aber (von innen oder außen) erneut angestoßen wird.
Wenn allerdings annähernder Konsens ist, dass das Thema durch ist und dann von einzelnen (egal ob absichtlich zum Trollen, aus Unwissenheit, aufgrund des Gefühls, dass eben noch nicht alles gesagt wurde, ...) die Diskussion erneut aufkommt, dann würde ich das Thema irgendwann als zerredet wahrnehmen.
Ja, kann man. Siehe hier (http://www.tanelorn.net/index.php/topic,97928.0.html), wo eine einfache Anekdote zerdiskutiert wird. :P
Ein Problem beim "zerreden" / "zerdiskutieren" eines Konflikts ist auch, dass er so immer präsent bleibt (und nervt) solange darüber geredet wird.
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Manchmal hilft es letzteres gezielt (und geschickt) einzufordern ohne auf das Schuldeingeständnis wert zu legen (welches viele eh nicht geben können oder wollen).