Session davor: Die SC bekommen es mit einer Hexe zu tun, die ihren Geist aus ihrem Körper lösen kann; der körperlose Geist lauert den SC in Wänden auf, verfolgt sie auf der Flucht durch Mauern, etc. Regelkonform wäre manches davon nicht gegangen, da die Kreatur zwar durch Wände gehen kann, aber Schaden nimmt, wenn sie ihren Zug in einer Wand beendet. Auswirkungen: Gruslige Momente (die von den Spielenden gelobt wurden); trivialer Encounter wurde faktisch geringfügig weniger trivial, hat sich für die Spielenden aber viel bedrohlicher angefühlt.
Das Beispiel deutet auf die Unschärfe von Regelabweichungen im Rollenspiel hin: Ist das ein Regelbruch? Oder verfügt die Hexe lediglich über Fähigkeiten, die den SC nicht zugänglich sind? In den meisten Settings gilt ja "Magie kann noch mehr als das, was explizit im Zauberbuch aufgeführt ist", solange ich also sage, dass die Hexe eine vielseitigere Variante des bekannten Spruchs beherrscht, sind nicht unbedingt Regeln verletzt;
es sei denn, die Gruppe hat sich darauf geeinigt, dass alle auch im weiteren Sinne für Konflikte/Kämpfe mit NSC relevanten Aktionen durch explizite Regeln gedeckt sein müssen.
Wenn sich "Rules first" und "Fiction first" begegnen, kann das in der Beziehung schon ziemlich haarig werden.
Ein Beispiel dafür aus meiner eigenen Runde: In einer Runde bei mir lernte der Zauberer eine Fähigkeit, die es ihm ermöglichte, eine ziemlich große (paar mal paar Meter oder so) Grube im Boden erscheinen und sich schlagartig wieder schließen zu lassen. Ich dachte: "Krass, das ist ja ein Army-Killer!", wenn ich den an der richtigen Stelle aufmache ... auf Nachfrage im dazugehörigen Forum wurde mir von mehreren anderen Nutzern beschieden, dass das doch kein Schadenszauber sei und er entsprechend auch keinen Schaden verursachen könne, dass ein solcher Einsatz also regelwidrig sei ... ich stand dem mit meiner "Die Fiktion löst etwas in den Regelprotokollen aus, und das wirkt sich wieder auf die Fiktion aus, und das alles steht im Dienste einer Fiktion, die sich insgesamt plausibel und befriedigend anfühlt"-Philosophie ziemlich hilflos gegenüber. Ergibt es irgendeinen Sinn, dass eine Figur im Rollenspiel eine Fähigkeit hat, sie aber nicht auf eine bestimmte Art anwenden darf, obwohl die innerhalb der Fiktion absolut plausibel wäre? "Warum reißt er nicht die Erde unter ihnen auf?" - "Weil das kein Schadenszauber ist!" Okay, kann man so sehen, komme ich aber nicht mit klar.
Wäre es jetzt ein Regelverstoß, wenn z.B. ein NSC den Zauber eben so verwendet? Oder wäre es ein plausibler Einsatz seiner Fähigkeiten?
Wenn ich einem Spieler den Einsatz des Zaubers zum Umbringen von Feinden verweigere, weil er dem "Geist des Zaubers" widerspricht (der ja kein Schadenszauber ist), verstoße ich dann gegen die Regeln oder fordere ich ihre Einhaltung ein?
Wenn ich sage: "Neben euch tut sich eine Grube auf, und zwanzig eurer Soldaten verschwinden darin, bevor das Loch sich wieder schließt und die schrecklichen Schreie, die dabei ertönen, verschluckt", habe ich dann gegen die Regeln verstoßen (kein Schadenszauber!), sie korrekt angewendet (die Auswirkung in der Fiktion wurde plausibel weitergedacht) oder war ich zu lasch (der Gegner hätte ja wohl eigentlich schlauerweise auch die SC in den Wirkungsradius nehmen sollen)?
Da Spielregelprotokolle im Rollenspiel die Ereignisse innerhalb der Fiktion beeinflussen, sind die Auswirkungen ihrer Anwendung in vielen Fällen Interpretationssache.