@Sashael
Viele Dinge die du beschreibst, haben wir heute schon in der gleichen oder ähnlichen Ausprägung. Schon heute sind den Konzernen und auch kleineren Unternehmen Menschen ziemlich egal. CEOs und andere Entscheider entscheiden asozial. Schon heute gilt, wer keine Wertsteigerung bringt ist defacto „nutzlos“. In Deutschland gibt es noch ein soziales Netz, andere Länder haben das aber nicht. Dass das in 2077 auch so ist, zeigt nicht das Saburo schlimmer als Trump ist. Trumps Grobheiten stürzen eine Menge Leute ins Unglück – eine ganze Nation. Und auch die Welt ist betroffen. Auch Menschen außerhalb der USA können und werden wahrscheinlich, wenn es nicht schon passiert ist, beruflich leiden.
Saburo wäre viel zu kompetent um so grob vorzugehen und soviel auf dem Weg kaputt zu machen, was er als „Assets“ nutzen könnte. Wieso sollte er sein „Königreich“ der Kräfte berauben? Trump ist ein Metzger, Saburo ist ein Chirurg. Natürlich lässt er Leute erschießen, because, that‘s Cyberpunk for you. Aber Militech, Biotechnica und all die anderen sind da bestimmt nur totale Unschuldslämmer und wollen bloß die Welt besser machen...
Yorinobu macht schlicht einen Powermove und verliert. Dabei schreckt er nicht mal vor einen Vatermord zurück. Ich bin mir nicht sicher, ob Saburo das umgekehrt gemacht hätte. Das Saburo den Körper seines Sohnes nimmt, könnte auch eine Bestrafung für den ultimativen Verrat (Vatermord) sein. Strenggenommen hätte Saburo auch einen anderen Körper bekommen können. Selbst einen Klon von sich oder sowas ähnliches.
Hanako ist in dieser Konstellation sehr interessant. Irgendwie ist sie noch böser und gleichzeitig ehrenhafter. Sie ist wirklich eiskalt und dazu fähig die schrecklichsten Dinge zu befehligen, hält sich aber an Abmachungen, selbst dann wenn sie ihren Teil ohne Konsequenz nicht einhalten müsste. Aber sie ist nicht nur eine kalte Konzernbitch, sie wird nicht umsonst als „Hohepriesterin“ des Arasaka Konzerns bezeichnet. Hier wird es komplexer, denn sie ist Opfer wie Täterin. Einerseits hilft sie dem Engramm ihres Vaters ins Leben zurück, andererseits ist sie auch von klein auf, im Arasaka-Style erzogen worden. Weit über ihre persönliche Schmerzgrenze hinweg ... sie könnte nun alle Freiheiten haben, die sie so sehr begehrt, aber sie tut es trotzdem! Aus Loyalität der Familie gegenüber und ihr Handeln ist auch gerecht. Die Konzernrebellion ist erforderlich um ihren Vater wieder zu installieren. Das ist nichts worauf sie Lust hat, weil sie dadurch einen Gewinn an Freude hat, Menschen sterben zu sehen, sondern weil es ihr Powermove ist, um ihr Ziel zu erreichen. Übrigens, Yorinobus Killerkommando schießt zuerst, iirc. Die kommen zum Boardmeeting und eröffnen das Feuer, auch auf Hanako.
Das Yorinobu Hanako vor der Rebellion töten will, ist für mich nicht eindeutig. Er hätte es bei ihrer Befreiung von Takemura ganz leicht haben können. Er hätte es auch bei Vs Angriff auf Hankos Villa haben können: Ein Agent knallt ihr einfach eine Kugel in den Kopf, haut ab und die Schuld wird V zugeschoben. Er hätte es auch auf jede andere Weise haben können. Das Hanako in anderen Ende stirbt, ist also eher den Terrorangriffen von V zuzurechnen.
(Übrigens, vielleicht halten wir noch mal kurz den Fakt fest: Arasaka hat V von Anfang an nichts getan. V hat sich selbst, gemeinsam mit Jackie, regelrecht freiwillig in die Scheiße geritten.)
Gangs:
Die Konzerne tun es für Profit und die Gangs … um zu überleben? Sorry, nein. Die tun das auch nur für Macht und Eddies. Da stirbt niemand den Hungertod, wenn er keinem Passanten mehr auflauert, Drogen kocht oder Schutzgeld eintreibt. Bei den Nomanden ist das mit dem Schmuggeln eher der Fall, aber das ist ein komplexeres Thema. Die Konzerne sind nicht an allem Schuld, das sind Opportunisten. Wenn man ihnen erlaubt Menschen auszubeuten, dann tun sie das. Wenn man ihnen erlaubt Kinder zu essen, tun sie das sehr wahrscheinlich auch. Die Politik macht schlicht ihren Job nicht und in Cyberpunk ist es nun zu spät dafür.